Einklariert in Puerto Rico 🇵🇷

Um 10:30 gehen wir Anker auf, winken noch einmal Ute und Russ auf der Tairua und sagen Sint Maarten 🇸🇽 Good Bye. Wir wollen ein kleines Wetterfenster nutzen, das sich nur bis zum nächsten Morgen auftut. Danach soll sich das riesige Sturmtief bemerkbar machen, das sich derzeit über dem Nordatlantik austobt. Sebastian Wache von unserem deutschen Dienst Wetterwelt in Kiel berichtet von 15 hohen „signifikanten“ Wellen in diesem Tief, wobei einzelne Wellen gut die doppelte Höhe erreichen können. Das ist zwar weit weg, aber der Wetterdienst für die USVI (durch die wir hindurchfahren) hat eine explizite Warnung vor „hazardous wave conditions“ bis 20 Fuß Höhe (etwa 7 m) ab Samstag früh herausgegeben. Dann wollen wir bereits in Puerto Rico sein, allerdings dürfen wir auch nicht zu früh auf Culebra eintreffen, denn die Einfahrt in die geschützte Bucht dort führt gewunden und eng durch Riffe. Tageslicht ist angeraten. 127 Seemeilen liegen vor uns, das sollte passen und uns genug Gelegenheit geben, durch Tempoanpassungen pünktlich anzukommen. Für den Anfang ist eher wenig Wind vorausgesagt, aber wir werden positiv überrascht. Tatsächlich finden wir ideale Bedingungen für unseren Code0 und mit rund 5 kn plus unterstützendem Strom segeln wir ganz gemütlich über die ruhige See.

Als der Wind dann doch noch etwas nachlässt, nehmen wir den Motor dazu und nutzen das um auch den Wassermacher anzuwerfen. Der läuft zwar über die 12-Volt-Anlage, zieht aber etwa 38 Amp um 50 Liter Wasser zu machen.

Wir können diesen Teil der Passage sogar auf dem Vorschiff genießen, ein seltenes Privileg. Unterbrochen oder besser gesagt, getopt, von einem Angelerfolg. Eine schöne große King Mackarel geht an eine unserer beiden Schleppangeln. Drei Viertel von ihr bekomme ich auch an Bord, nur den Schwanz beißt am Ende noch eine große Golddorade ab. Gibt aber trotzdem noch genug Filets für drei Tage. Durch den abgebissenen Schwanz gibt’s allerdings etwas Blut aufs Teakdeck, da sind wir mit der sonst so hilfreichen Filetierungswanne aus der Backskiste einfach nicht schnell genug. 😔

Der Wind hat dann ein Einsehen, nimmt der Vorhersage entsprechend wieder zu und lässt uns unter Code0 in den Sonnenuntergang und die Vollmondnacht gleiten.

Beim ersten Wachwechsel um 22.00 rollen wir den Code0 dann aber weg, 8 Knoten über Grund sind einfach zu schnell für unsere geplante Ankunftszeit, wir wechseln auf die Fock und reffen sogar noch das Groß, damit passt es wieder. Tatsächlich erreichen wir kurz nach Sonnenaufgang die Ansteuerungstonne und laufen bei noch geringer Welle vom maximal einem Meter in Culebra ein.

Nach dem Aufklaren der Flora und Crêpes zum Frühstück steht das Einklarieren an. Zunächst versuchen wir uns über die CBP-Roam-App anzumelden, aber das stößt auf Schwierigkeiten. Wir haben noch keine Telefon-/Datenkarten, und die bisher so zuverlässige virtuelle SIM in Wiebkes GlocalMe scheint zu zicken, der letzte Bestätigungsschritt in CBP-Roam will nicht klappen. Laut Törnführer soll die Einklarierung bei der CBP (Customs and Border Patrol nahe am Dinghysteg erfolgen. Pustekuchen, da ist nichts. Ich werde zur Polizei verwiesen und von denen zum Flughafen. Das ist aber alle ganz gut fußläufig zu machen.

Am Flughafen residiert aber natürlich nicht nur die CBP (das hätte ich allein machen können) sondern die nimmt gleich auch die Aufgaben der Immigration wahr. Also einmal zurücklaufen, Wiebke mit dem Dinghy abholen und wieder zum Flughafen, denn die „Immigration“möchte uns beide sehen. Anfängerfehler! Die von uns vorab ausgefüllten Formulare CBP Form 1300 und CBP Form I-418 (gelten für die gesamten USA und auch USVI und Puerto Rico) soll ich aber schon mal da lassen, die Pässe mit den USA-Visa auch. Außerdem war ja vorher schon eine „Online Travel Declaration“ auszufüllen, die findet sich auf der Regierungs-Webseite für Puerto Rico. Das dabei hochzuladende Ergebnis unserer Covidtest kam rechtzeitig vor der Abreise in Sint Maarten per Email. Aus den Ankreuzmöglichkeiten der Travel Declaration ergibt sich übrigens, dass wir den Covidtest theoretisch auch in Puerto Rico machen könnten, dann allerdings bis zum Ergebnis in Quarantäne wären. Auf unsere Nachfrage sagt uns die CBP, ein Test wäre „wohl“ auch im kleinen Krankenhaus hier in Culebra möglich. Für Segler mit mehr als 72 Stunden Anreise (ab Test!) wäre das aber immerhin eine Möglichkeit.

Als wir auf der Suche nach einem WLAN zur Aktivierung unserer US-Telefonkarte im Ort sind, treffen wir die Crews der „Rive du Nord“ und der „Valentin“ wieder und schnacken kurz. Schön, da fühlt man sich doch gleich gut aufgenommen.

Im WLAN erfahren wir dann auch, dass die CBP-Roam-App sehr wohl funktioniert hat und uns der zuständige Officer per Videocall über die App und per Telefon vergeblich zu erreichen versucht hat. Deshalb teilt er uns per Email mit, dass wir unverzüglich zur CBP am Flughafen in Culebra zum Einchecken müssen. Gut, dass haben wir ja ohnehin gemacht ☺️.

Ein wenig Boatwork ist auch fällig, wieder mal meine Lieblingstätigkeit. Diesmal im achteten Bad. Aber es gibt eine tolle Kompensation.

Zum zweiten Filet vom selbstgefangenen Fisch (das erste ging gleich für Ceviche drauf) zaubert Wiebke an Bord heute Abend Pastinaken-Kartoffelstampf mit Lauch-Apfel-Beilage und Walnuss-Zitronen-Petersilien-Cremolata. Ein versöhnliches Hoch auch auf die Einkaufsmöglichkeiten auf der vorigen Insel in Sint Maarten.

Uns geht’s gut, schön jetzt hier in Puerto Rico zu sein.

Einklarieren in Sint Maarten

Es ist so eine herrliche Überfahrt. Den Gennaker schlagen wir schon am Ankerplatz an, motoren über das Flach vor der Crab Hill Bay im Südwesten Antiguas, nehmen das Groß raus und rollen den Gennaker aus. Erst noch langsam mit 4 kn, dann eher so um die 6 kn Fahrt durchs Wasser. Der Antillenstrom schiebt zusätzlich. Fein. So geht’s in die Nacht und so bleibt es auch bis wir um 4 Uhr nachts St. Barth(thelemy) querab haben. Wir sind zu schnell, im Dunkeln möchten wir nicht ankommen. Also wird der Gennaker weggerollt und mit jetzt wieder nur 4 bis 5 kn kommen wir kurz nach 7 Uhr bei Tageslicht in der Simpson Bay von Sint Maarten an.

Hinter Floras Heck geht über St. Barth die Sonne auf.

Flaggenwechsel. Die alte Gastlandsflagge von Antigua und Barbuda hat sichtbar ihre Schuldigkeit getan und es auch wirklich hinter sich.

Nur: erstmal geht ja nur die gelbe Quarantäneflagge unter der Steuerbordsaling hoch. Ich fahre mit dem Dinghy zum Einklarieren und nehme Ute von der gleichzeitig angekommenen Tairua mit.

Ursprünglich wollten wir ja auf die französische Seite der geteilten Insel. Dann aber hat Saint Martin vor ein paar Tagen einen verpflichtenden Covidtest eingeführt. Das hätte einigen Aufwand für uns bedeutet, denn auf Antigua hätten wir diesen Test nur im Krankenhaus in St. John’s machen können. Kosten: 200,- € pro Person, zudem nur mit Terminanmeldung eine Woche vorher. Inzwischen soll es auch eine Möglichkeit geben, die Testentnahme privat in Falmouth machen zu lassen, dann allerdings gegen zusätzliche weitere Gebühren. Zudem ist für die nächsten Tage eher Nordschwell angesagt, was eher für den südlichen Teil der Insel spricht.

Also haben wir unser Ziel einfach auf die (ehemals) holländische Seite der Insel verlegt. Zwar haben sich auch in Sint Maarten die Einreisebestimmungen gerade kürzlich verändert, aber ein COVID Test ist bei Eireise aus dem „Low-Risk-Land“ Antigua weiterhin nicht erforderlich. Die neuerdings notwendige „EHAS“-Selbstauskunft (Electronic Health Authorization System) stellt keine große Hürde dar und ist auf http://www.noonsite.com auch direkt verlinkt. Weitere elektronische Dokumente sind laut Noonsite nicht gefordert (was sich als nicht mehr richtig erweist). Ok, 30,- US$ pro Person sind im EHAS-Anmeldeverfahren für eine „COVID-Versicherung“ zu bezahlen, obwohl man unmittelbar vorher bestätigen musste, ausreichend umfangreich krankenversichert zu sein. Dafür kommt aber auch prompt eine vierseitige vorläufige „Authorization Pre Approved“ per Email zurück.

Sicherheitshalber setzen wir uns aber noch mit Kirk und Helen von der „Landscape“ in Verbindung, Salty Dawgs, die gerade letzte Woche nach Sint Maarten gegangen sind. Kirk berichtet, dass auf dem Tisch des Einklarierungsbüros ein handschriftlicher Zettel klebt, demzufolge man die letzte Clearance, Schiffspapiere, EHAS und Crewliste vorab an drei aufgeführte Email-Adressen senden muss. Auch wenn sich das auf keiner offiziellen Seite wiederfindet machen wir es sicherheitshalber.

Kirk hatte von einer der drei eine positive Rückmeldung erhalten. Das ist aber weder bei Ute noch bei mir der Fall. Eine Adresse existiert nicht mehr, von einer kommt eine automatisierte Mail zurück:

Thank you for contacting Collective Prevention Services (CPS). Please note that this inbox is primarily for the reporting of infectious diseases or for concerns related to vector control, youth health care and health promotion. NOTICE: If you need assistance with travel and the electronic health authorization system (EHAS) please visit: https://stmaartenentry.com/ or email: ehas@sintmaartengov.org

Nicht hilfreich, das hatten wir ja schon.

Die dritte Mailadresse seaborder.info@policesxm.sx meldet sich nicht (erhält aber wohl die Email).

Ok, immerhin haben wir alles getan, oder? Oder eben nicht. Im Bürogebäude der Clearance gibt’s eine kleine Schlange, der vor uns rauft sich die Haare. Drei weitere Formulare bekommen wir ausgehändigt, die müssen ausgefüllt und dann per Email an die drei schon geschilderten Adressen gesandt werden. Darunter (nochmal) die Crewliste und der schon aus Antigua bekannte offenbar für die Großschifffahrt gedachte „Annex 8, Model of Maritime Declaration of Health“, in dem unter anderem eine etwaige Übersterblichkeit/-krankheitsneigung gegenüber normalen Passagen sowie die Anzahl der Toten abgefragt wird. Der vor uns hat weder Handy noch Computer dabei und zieht ab.

Ich erkläre, dass wir ja gerade angekommen sind, uns mangels Einklarierung noch keine SIM-Karten kaufen konnten und ergo der Emailversand schwierig ist. Die nette Dame am Schalter erwidert, dass ich das doch im WLAN bei McDonalds machen könnte. Ja, so ist das in Covid-Zeiten sicher total sinnvoll. Normalerweise darf man sich ja auch vor Einklarierung nicht frei bewegen, aber wenn die Immigration uns expliziert dazu auffordert? Aber Ute findet ein freies WLAN vor Ort (wenn auch nicht von einer der Behörden) und so bekommen wir die Formulare versandt. In kleinen Häppchen, sonst ist die Mail zu groß. Und – ähh – die Pässe bitte auch noch fotografieren und einschicken. Und die erhaltene Bestätigung des EHAS. Machen wir doch alles gerne in einem unbekannten nicht offiziellen WLAN. Danach bitte die ganzen Unterlagen in Papierform am Schalter abgeben, aber erst nachdem die Kollegin den Eingang der Mails bestätigt hat.

Teilweises Happy End: Wiebke und ich sind einklariert, haben die Stempel im Pass und dürfen uns frei bewegen. Morgen wiederkommen müssen wir trotzdem, denn der Kollege von der SLAC (Simpson Bay Lagoon Authority) ist heute nicht da, da müssen wir morgen noch bezahlen.

Nachtrag: nachdem wir schon einklariert sind, kommt dann doch noch eine (positive) Antwort von der zweiten Email-Adresse.

Bei Ute und Russ hat eine offenbar verantwortliche Person die Mails noch nicht gesehen, das gesamte Einklarieren kann deshalb erst später (morgen?) passieren.

Tschüss Antigua

Tschüss Falmouth, tschüss Antigua.

Das waren wieder wunderschöne zweieinhalb Monate mit Dir.

Aber: in den letzten zwölf Monaten waren wir insgesamt fünf Monate auf Antigua und Barbuda 🇦🇬. Wird mal wieder Zeit für etwas neues.

Jetzt geht’s in die Nachtfahrt nach Sint Maarten 🇸🇽, gut 90 sm, wir sollten morgen Vormittag ankommen. Der Wind ist gleichmäßig und mit um die 10 kn eher ruhig angesagt und soll laut Wetterbericht aus einem wahren Windwinkel (TWA) von 140 Grad wehen. Daher die für uns eher ungewöhnliche Nachtfahrtvorbereitung mit gesetztem Gennaker.

Bootsarbeiten auch im neuen Jahr

Schön reingefeiert noch bei Great Bird Island, auch das Wochenende haben wir noch dort verbracht. Aber dann schnell zurück nach English Harbour, ewig können wir mit dem defekten Watermaker nicht rumfahren, denn wir können ihn ja weder benutzen noch spülen. Ein Anruf bei dem allseits empfohlenen „Watermaker Services“ in Falmouth Harbour ergab kurz vor Weihnachten noch auf Barbuda, das Julian sich gleich Anfang Januar darum kümmern würde. Frischwasser war übrigens während dieser Zeit kein Problem, obwohl wir ja vor Anker lagen. Die vielgerühmte (und manchmal nur noch der guten alten Zeit zugeschriebene) Solidarität unter Seglern funktioniert weiterhin: gleich drei Boote bieten uns an, uns Wasser abzugeben und dafür ihren Watermaker extra länger laufen zu lassen. Wir leihen uns von der Gerty zwei große 20 Liter Trinkwasserkanister und füllen sie auf der SY escape dreimal auf, außerdem auch unsere Wasserflaschen. Die Kanister werden in unseren Trinkwasservoratstank geschüttet, auch das Dusch- Koch- Abwasch und Waschwasser weist somit einige Reserven auf.

(Das Foto hat Annemarie von der SY escape gemacht.)

Wir müssen aber ohnehin zurück nach English Harbour, denn außerdem sollte unser Radar (laut Sendungsverfolgung terminiert) Ende dieser Woche repariert wieder hier eintreffen. Das Magnetron musste getauscht werden, nicht ganz billig, aber wenn das Radar es noch ein paar Jahre tut lohnt es sich trotzdem.

Den schmalen Bird Islet Channel kennen wir ja schon, wie beim letzten Mal bereiten wir uns Luftbildern mit Google (und Bing), importiert in Ovitalmap, zusätzlich vor. Außerdem haben wir ja unseren Track von der vorigen Passage.

Und so wird es tatsächlich deutlich einfacher und erheblich weniger nervenaufreibend. Danach folgt etwas Am-Wind-Segeln, bevor wir hinter Green Island auf einen Vormwindkurs abfallen können. In English ankern wir zunächst in der Freeman’s Bay, die allerdings ganz gut gefüllt ist.

Ich baue das Membrangehäuse des Watermakers aus und bringe es per Dinghy und dann zu Fuß an der Straße entlang zu Julian. Sieht vermutlich ein bisschen nach Bazooka aus, wie ich das schwarze Rohr so auf der Schulter trage, aber nur einmal bekomme ich zugerufen „Oh, it’s a Watermaker, isn’t it?“

Am zweiten Abend ist der Wind weg und es kommt, wie es in der Freeman’s Bay dann immer kommt: die Boote treiben in den umlaufenden Strömungen wild durcheinander. Die Boote, denen wir bisher ziemlich nahe waren treiben von uns weg, aber unser Steuerbordnachbar, vor dem wir bisher sicher durchgeschwenkt sind, kommt unserem Bugspriet plötzlich mit seinem Heck (!) ganz nahe. Zu nah. Es ist zwar schon dunkel, aber wir gehen trotzdem ankerauf. Ein Versuch, neu zu ankern bring uns zu weit ins Fahrwasser. O.k., gehen wir eben weiter in die Bucht hinein und machen bei Antigua Slipway fest. Gute Wahl, nicht nur weil es im Dunkel prima klappt, sondern auch, weil am nächsten Tag (heute) überraschen unser Radar schon da ist und hier gleich montiert werden kann. An den Ankerplatz wäre Monteur Cap vom „Signal Locker“ ohnehin nicht hinausgekommen.

Die Wiederinstallation ist problemlos, die Inbetriebnahme aber nicht. Der Plotter erkennt trotz mehrerer Neustarts das Radar nicht. Es dauert etwas bis wir darauf kommen, das es softwareseitig im Plotter neu ausgewählt werden muss, dann aber haut es hin. Geht doch!

Nicht so aber beim Watermaker, ich werde gebeten ihn abzuholen und im Boot noch mal zu testen, für die Anschlüsse ist die Testbank leider nicht ausgerüstet. Also (dinghy und) laufe ich hin, nur um dort zu erfahren, dass er mit den Druckschläuchen sehr wohl getestet werden könne. Der Watermaker bleibt da, ein neuer Gang dann mit den Hochdruckschläuchen, für deren Ausbau wir aber natürlich wieder unsere Achterkoje auf den Kopf stellen mussten. Hm. Ergebnis dann vielleicht morgen.

Ein Erfolgserlebnis gibt’s aber trotzdem noch: die Steuerbord-LED-Buglaterne, die gestern Nacht ihren Dienst verweigerte, bekomme ich mit einer neuen Kabelverbindung wieder zum Leuchten.

Außerdem ist das Boot mit Frischwasser gespült, Wasser- und Dieseltank sind gefüllt und per Landstrom sind auch die Batterien wieder voll (wobei das vor Anker durch den Windgenerator in Verbindung mit den Solarzellen auch wunderbar funktioniert hat).

Eingekauft hat Wiebke auch und überhaupt fühlt es sich gut an, mal wieder in „English“ zu sein.

Für Weihnachten nach Barbuda?

Wir würden gern den Heiligabend ein bisschen besonders gestalten. Vor genau einem Jahr, am 24.12.2019 sind wir nach der Atlantiküberquerung auf der Insel Bequia in der Karibik angekommen. Das war allerdings SEHR besonders. Und dieses Jahr?

Inoch vom Shack-A-Kaï hat angeboten, für uns ein Bonfire 🔥, ein Lagerfeuer am Strand zu machen und Lobster zu grillen. Das ist verlockend.

Allerdings sind Wind- und Wellensituation gerade jetzt nicht soooo super einladend, um aus der geschützten Deep Bay in Antigua 30 sm nach Nordnordosten zum Cocoa Beach auf Barbuda zu segeln.

Auf besonderen Wunsch meiner Schwester: Schildkröte in der Deep Bay. An der Oberfläche sehen sie ja beim Luftholen doch eher gequält aus, aber unter Wasser habe ich dort keine erwischt. Wer sie lieber „fliegen“ sieht, hier eine kleine Erinnerung an unsere Anfänge in der Karibik.

Am Montag probieren wir es mit dem Schlag hinüber nach Barbuda, sehen aber bald ähnlich gequält aus wie die Schildkröte. Eigene Schuld, wir haben uns nicht gut vorbereitet und die Bedingungen unterschätzt. Statt der im Wetterbericht angekündigten 22 kn in Böen messen wir später selbst am Ankerplatz gut 30 kn. Da ist es nicht hilfreich, wenn man für „das kurze Stück“ nicht mal den Außenborder vom Dinghy an den Heckkorb umgebaut hat. Bei solchen Bedingungen hilft dann nur die schnelle Entscheidung, gleich wieder umzudrehen, zurück zum Ankerplatz.

Heute sind wir besser vorbereitet. Die Bedingungen sind immer noch nicht toll, die Vorhersage ist die gleiche, aber es ziehen scheinbar keine zusätzlichen Squalls durch. Also wieder los.

Tatsächlich haben wir maximal 25 kn, das ist doch schon mal besser. Außerdem haben wir das Groß gleich in paar mal gerefft, Außenborder natürlich am Heckkorb, Bellybands unterm Dinghy in den Davits. Geht doch. Ein Spaziergang ist es aber trotzdem nicht:

Aber gut vier Stunden später ist es ja auch schon wieder vorbei, wir ankern ohne große Welle und mit nur sehr langem Schwell vor dem wunderschönen Sandstrand am Cocoa Point auf Barbuda.

Erstmals sehen wir hier wilde Esel direkt vor unserem Boot am Strand, bisher haben wir sie nur manchmal nachts gehört.

In die andere Richtung, nur wenig später:

Und ebenfalls in Richtung Heck, nur nochmal einiges später sehen wir Jupiter und Saturn nicht mehr wie gestern umschlungen, aber doch noch ganz eng bei einander.

Und entweder hat die Kamera auch ein paar der Jupitermonde mit eingefangen 👍 …

… oder ich hab Flecken auf der Linse des Objektivs 😳.

Versorgungsfahrt

Barbuda gefällt uns richtig gut. Weihnachten hier? Warum nicht. Aber wenn wir über die Feiertage dort sind, sollten wir vielleicht doch noch mal unsere Vorräte aufstocken, die Gasflasche nach drei Monaten vorsichtshalber neu befüllen lassen, den Müll von mittlerweile gut zwei Wochen ordnungsgemäß entsorgen. Also entschließen wir uns für einen “Provision Run” nach Jolly Harbour.

Wobei, erst einmal motoren wir bei Windstille wieder um Palmetto Point herum, treffen am Princess Diana Beach noch einige Salty Dawg und schauen bei Inoch vorbei.

So eine ruhige Fahrt bietet sich zum Angeln geradezu an, aber leider beißt erstens kein Fisch und stellt zweitens die Rolle meiner einen Angel unvermittelt den Dienst ein, was sich frustigerweise auch noch beim Einholen wegen Sargassum-Seetang an der Leine zeigt. Ausgiebige Frischwasser-Spülung zeigt keine Wirkung.

Mal sehen, ob sich dass mit Bordmitteln beheben lässt. Auseinander bauen ist schon mal einfacher als gedacht.

Leider ist damit aber noch nicht viel gewonnen. Die Welle sitzt fest, die Kurbel lässt sich auch ohne Getriebe keinen Millimeter bewegen. Aufgeben? Noch nicht, lieber getreu dem nicht ganz ernst gemeinten Universal-Flowchart für derartige Fälle vorgehen:

Zwei Stunden und (gefühlt) eine viertel Flasche WD40 später fängt die Welle langsam wieder an, sich unter erheblicher Kraft zu bewegen, eine weitere halbe Stunde später ist es geschafft, die Rolle und damit die Angel funktioniert wieder.

😁

Da ist es dann auch zu verkraften, dass am nächsten Tag außer von einem bedauernswerten aber sofort wieder freigelassenen Minifischchen wiederum unsere Köder verschmäht werden. Zudem werden wir mit einem herrlichem Segeltag bei besten Bedingungen verwöhnt.

Die Fernsicht ist auch klasse, während wir voraus Antigua und rechts davon Montserrat 🇲🇸 sehen, können wir an Steuerbord Redonda (gehört zu Antigua und Barbuda 🇦🇬) und die einen Staat ( 🇰🇳) bildenden Nevis und St. Kitts sehen, wobei letztere Insel durch die tiefen Schluchten zwischen den Vulkanen wie mehrere Einzelinseln erscheint.

Fast zu schnell gehen die 30 sm zu Ende, der Anker fällt vor Jolly Harbour. Die Glasflasche geben wir an der Schiffstankstelle im inneren Hafen ab, eine große Tasche mit Bettwäsche und Handtüchern bringen wir zur Wäscherei auf dem Werftgelände. Und dann machen wir erst den Budget Marine Schiffsausrüster und gleich darauf den Epicurean Supermarkt unsicher, einen gehäuften Einkaufswagen fassen unsere Rucksäcke und Taschen, zum Glück ist das Dinghydock nur einen Steinwurf entfernt.

Am nächsten Morgen machen wir (weil ich nicht den Regler im Gasfach umbauen und die Ersatzflasche montieren will) die Frühstückspfannkuchen mit den letzten Eiern auf der IKEA-Induktionsplatte, die wir für den Fall der Propangasknappheit als Backup an Bord haben. Saugt aber ganz ordentlich an der Batteriebank 😉.

Eine zweite große Einkaufstour am nächsten Tag und wir sind erstmal wieder gut bevorratet, auch mit frischen Eiern.

Am Nachmittag dann ein Novum: wegen COVID findet die Weihnachtsfeier meiner (ehemaligen) Firma online statt und mein Nachfolger hat mich eingeladen. Wunderbar, so kann ich knapp 60 meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach eineinhalb Jahren praktisch auf einmal per Team-Meeting wiedersehen, eine große Freude für mich.

Der Einkauf geht übrigens nicht nur in die Vorrats-Staufächer. Statt dessen ein weiteres Novum an Bord: wir backen Focaccia. Wird richtig gut 😋

Und dann verholen wir in die nördliche Nachbarbucht, die Hermitage Bay. Neben mehreren wirklich schönen Stränden bietet sie auch den Vorteil, dass es kostenloses WLAN vom örtlichen Hotel gibt. Da können wir zB mal wieder einige Zeitschriften über die Readly-App herunterladen und für die nächsten Ziele nach den Revierführern von Frank Virgintino suchen. Eigentlich sollen sie kostenlos online verfügbar sein, aber da kommen wir irgendwie nicht auf die Download-Seite, möglicherweise sind wir zu blöd oder die Seite ist nur noch eingeschränkt erreichbar. Aber immerhin sind die Guides für den Kindle herunterladbar, wir probieren mal für 8,18 € den Revierführer für die Dominikanische Republik aus, die uns für den Weg Richtung Kuba jetzt schon mehrfach ans Herz gelegt wurde. Haben gerade erst begonnen hineinzulesen, sieht aber für den Anfang schon mal ganz informativ und gut geschrieben aus.

Mal wieder segeln

Die Vorhersage ist günstig: für heute soll der Passat südlicher kommen und etwas schwächer sein. Wir wollen das nutzen, um die 30 sm hoch nach Barbuda zu segeln, ohne auf dem zumeist flachen Sockel zwischen den beiden Inseln hoch am Wind gegen eine sich aufsteilende Welle kämpfen zu müssen.

Für den Start haben wir uns eine kleine Komplikation ausgewählt, wir möchten die Nonsuch Bay durch den Spithead Channel nach Norden verlassen. Auf der Navionics-Seekarte sieht das mit den grünen Riffen wenig verlockend aus:

Interessant ist der Hinweis in der Navionics-eigenen “Active Captain Community”, wonach die Karte an dieser Stelle falsch ist:

Tatsächlich ist auf Google Earth der Kanal klar erkennbar und ohne Riff in seiner Mitte:

Über die nützliche Georeferenzierung von Google Earth hatte ich bei unserer Passage von Great Bird Island schon geschrieben. Und – der ein oder andere wird es schon erkannt haben – das ist nicht die Originalansicht von Google Earth, sondern die in der App “Ovitalmap” heruntergeladene Offline-Variante. Dort kann man auch Tracks hineinladen, die andere Boote zur Verfügung stellen. Mit unserem (zugegeben nicht optimalen) Track, bei dem wir immer mehr als 5 m Wasser hatten, sieht das in der fraglichen Passage so aus:

Dass die Passage unproblematisch machbar ist hatten uns Andrea und Kai von der Silence gestern noch einmal bestätigt. Sie hatten uns auch auf Ovitalmap hingewiesen. Ich wollte es runterladen, aber: ich hatte es schon auf dem iPad, nur noch nie benutzt. Wurde also dringend Zeit 😁. Mit Eyeball-Navigation war die Rinne übrigens immer gut erkennbar.

Und danach konnten wir dann segeln. Sogar endlich mal wieder unseren Gennaker.

Ohne Groß, machen wir sehr selten. War aber auch nur recht kurz, dann kam von Osten was dazwischen

Also den blauen “Harry Potter” (er wohnt bei uns unter der Niedergangstreppe) wieder runter und lieber mit Groß und später zusätzlich der Fock weiter.

Ein Stück müssen wir auch motoren. Aber wir haben reichlich Angelglück. Zuerst allerdings zweimal Barrakuda, die gehen wegen der Ciguateragefahr gleich wieder ins Wasser. Dann eine Blaurückenstachelmakrele. Eine Golddorade wird uns leider abgefressen. Zum Schluss noch ein schöner Wahoo. 🎣

Fischfilets mit Gnocchi und Kürbis zum Abendessen am Ankerplatz Cocoa Point in Barbuda 😁.

Spielkind

Der Ankerplatz hier in der Nonsuch Bay ist wunderbar geschützt durch die Insel Green Island und das fast durchgehende Riff im Osten, dass sich bis Indian Town Point hinaufzieht. Dünung findet deshalb nur selten herein, aber den Wind hält das Riff natürlich nicht ab. Das ist ein Paradies für Kitesurfer, die wir hier auch täglich bewundern können. Z. B. Andrea und Kai auf ihrer „Silence“, die beiden haben wir hier im Frühjahr ebenfalls getroffen. Jetzt laden sie uns zu selbst gemachtem Zwiebelkuchen auf ihren Katamaran ein, es wird ein schöner und langer Abend. Statt wie wir nach Norden in die USA sind sie zur verschärften Hurrikansaison Richtung Süden nach Grenada / Carriacou gesegelt, die beiden sind schon einige Jahre in der Karibik unterwegs und haben auch Erfahrung mit dem Abwettern von Starkwind in den Mangroven hier auf Antigua.

Jill und Michael von der „Gerty“ haben bei der Kiteschule hier in der Bucht einen Kurs gebucht und machen schnelle Fortschritte. Es juckt mich natürlich schon ein bisschen in den Fingern, das Kiten auszuprobieren. Aber Wiebke erinnert mich an meine gebrochene Schulter (ich hatte mir vor ein paar Jahren beim Snowboarden mal alle Bänder der rechten Schulter gerissen, es hat etwa zwei Jahre gedauert, bis ich sie wieder voll belasten konnte). Hm, vielleicht sollte ich eine solche Verletzung jetzt nicht herausfordern.

Mit den SUP paddeln wir in der Bucht herum, gegen den Wind ein ziemliches Workout. Und zurück, vor dem Wind? Da geht doch was 🤔.

Kurzerhand wird der Windscoop zweckentfremdet. Eigentlich soll diese Nylonkonstrunktion den Wind in die Vorschiffsluke und damit durch das Schiff leiten. Das funktioniert am Anker (oder hier an der Boje) auch echt gut.

Gibt aber auch einem prima Mini-Spinnaker für das SUP ab 😁.

Da dient das Paddle nur zum Steuern. 😊

In der Hängematte relaxen geht aber auch.

Blödheitsgeständniss, Nachbetrachtung, Fotonachträge und Einklarieren in Antigua

Erst mal ganz herzlichen Dank für Eure Anteilnahme und Eure Glückwünsche, das hat uns mächtig gefreut.

Ganz ohne Zweifel waren die letztendlich 1.720 sm von Hampton VA 🇺🇸 nach English Harbour auf Antigua 🇦🇬 die bisher insgesamt anstrengendste Passage für uns. 10 Tage und zwei Stunden hat der Törn gedauert, davon lief 28 Stunden der Motor. Das war ganz überwiegend am Anfang, denn nachdem wir aus der Chesapeake Bay herauskamen, erwartete uns ein Schwachwindgürtel. Das war ein Teil des Wetterfensters, denn so hatten wir im Golfstrom weder die gefürchtete Wind-gegen-Strom-Situation, sondern konnten vielmehr mit dieser Meeresströmung ein gutes Stück Ost gutmachen. Wichtig, weil der Passatwind ja aus östlichen Richtungen weht und Antigua nunmal von der Chesapeake Bay aus im Südosten liegt.

Man sieht auf dem Noforeignland-Track ganz gut unseren Hinweg von Antigua über die USVI und die Bahamas und dann den Knick nach Norden. Auf dem Rückweg sieht man, wie sehr wir uns mit dem Golfstrom nach Nordosten bewegt haben, in diese Phase fällt auch die Motorfahrt bis wir mit Segeln und dann auch bald mit den ersten Kreuzschlägen beginnen. Dann der Bogen hin zum Eddie. Dazu mal wieder ein Screenshot aus Windy.com, der sehr schön den aktuellen Golfstrom und die zum Teil riesigen Eddies zeigt.

Weiter ging es, jetzt immer am Wind, nah an den Bermudas vorbei. 5 der knapp 40 Boote sind abgebogen und haben hier einen Zwischenstop eingelegt, zum Teil wegen Schäden, zum Teil wegen Seekrankheit, zum Teil kam beides zusammen. Überhaupt: Schäden. Ein Boot ist gleich nach dem ersten Tag mit defektem Großsegel umgekehrt. Mehrere andere hatten ebenfalls Segelschäden, konnten aber weiterfahren. Bei einem Boot brach der Großbaum, zum Glück erst 15 sm vor Antigua. Außerdem gab es diverse Motor-, Generator- und Watermakerschwierigkeiten sowie kleinere Leckagen auf ziemlich vielen Schiffen. Flora hat sich gut gehalten, auch wenn wir es ihr nicht ganz leicht gemacht haben. Direkt am Ausgang der Chesapeake wollten wir nämlich beim schwächer werdenden Wind das Vorsegel ausbaumen. Aus dem betonten Fahrwasser waren wir schon heraus, kein Schiffsverkehr um uns herum. Als wir gerade beide auf dem Vorschiff am Hantieren waren, hat sich aber eine Tonne einfach per Wurmloch mitten in unseren Kurs gebeamt. 🤔 Vielleicht haben wir aber auch nur verpennt, wie uns die Strömung wieder Richtung Fahrwasser gedrückt hat. Jedenfalls sind wir mit einem unserer beiden Spinnakerbäume dagegen gedengelt, der Spibaum ist gebrochen, die Spischot hat sich hinter der Tonne verfangen und Flora an die Tonne gedrückt. Wiebke hat superschnell reagiert, das am Heckkorb befestigte Messer herausgerissen und die Schot gekappt, wir waren also schnell wieder frei. Nur die massive Scheuerleiste der Flora hat eine kleine Macke davongetragen, das wird hier in Antigua gleich repariert.

Was die Messer angeht, wir haben drei davon an Bord verteilt: Mastfuß, Cockpit und Heckkorb. Hat sich gerade bewährt 😉.

Fazit: Schäden am Schiff einigermaßen gering, kleinere Kratzer und eine Scheuerleiste, die ihrem Namen gerecht wird. Größere Kratzer nur am seemännischen Selbstverständnis der Skipper. 😖

Aber immerhin ein bisschen können wir das vor uns selbst mit dem guten Meistern der restlichen Passage wieder aufpolieren. Es nagt trotzdem.

Hier noch die versprochenen Fotonachträge mit ein paar Eindrücken vom Törn (Sorry, aber Catalina hatte Sonnenuntergang- und -Aufgänge gefordert 😁):

Vormwind mit (Ersatz-)Spibaum
Eine der wenigen Schiffsbegegnungen. Ein Frachter zieht weit hinter Floras Heck durch.
Squall
Schräg. Und grüne Farbexplosion der Gischt an der Steuerbord-Buglaterne
Sturmvogel
Sonnenaufgang
Essensvorbereitung
Sonnenuntergang
Wieder ein Squall
Sonnenaufgang
Mondsichel als Schale (mit Venus darüber)
Durch aufschwimmende Gasflasche aufgesprungener Gasflaschenkasten
Fenriswolf über der Ketch Shamrock?
Matratzenlager auf dem Salonboden
Und wieder Sonnenuntergang
Schräg
Versöhnung?
Angekommen.

Und noch ein bisschen was zum Prozedere bei der Ankunft:

Eigentlich müssen derzeit alle neu ankommenden Boote in St. John’s auf der Westseite der Insel einklarieren. Für die Salty Dawg gilt aber eine Ausnahme, wir dürfen in English Harbour einklarieren. Und das geht so:

Erstmal hat man sich 6 Stunden vor Ankunft (oder bei Erreichen der Funkreichweite) bei der Coastguard anzumelden. Wir haben zwar eine Reservierung in der Antigua Slipway Marina, aber zunächst müssen wir wie alle Boote in der Freeman’s Bay ankern und uns -wieder über Funk – bei der Nelson’s Dockyard Marina melden, die den Gesundheitsbehörden Bescheid sagt. Einige Zeit später kommt dann ein Behördenboot längsseits und der Health Officer steigt auf unser Boot. Er sammelt unsere ausgedruckten COVID-Testergebnisse ein, außerdem unser Gesundheitstagebuch der letzten 14 Tage, das für jedes Crewmitglied die Morgen- und Abendtemperatur und die tägliche Beantwortung von 21(!) Gesundheitsfragen beinhaltet. Außerdem muss der Kapitän eine „Maritime Declaration of Health“ ausfüllen, für Seuchenfälle gedacht mit z.B. Angabe der Zahl der unterwegs Verstorbenen.

Da wir das alles vorbereitet haben geht es schnell (Formular-Muster gab’s von Salty Dawg).

Zwei zusätzliche Formulare händigt uns der Health-Officer aus, aber die sind einseitig und ebenfalls flott erledigt. Dann wird bei uns beiden noch die Temperatur gemessen (kühlen Kopf bewahrt 😉) und …

… jetzt darf der Kapitän (nur der!) an Land um bei Zoll und Immigration sowie der Hafenbehörde (sind alle im gleichen Gebäude) den Rest der Einklarierung klarzumachen. Das musste vorher schon zwingend online über https://www.eseaclear.com vorbereitet werden. Kapitän bin für solche Behördenzwecke übrigens ich (Ralf), Wiebke möchte mit dem Formalkram lieber weniger zu tun haben. Noch 30 US$ bezahlen, schon fertig. 😁 Mit dem Gesundheitstagebuch (einschließlich Überfahrt) ist unsere Quarantänezeit erledigt. Willkommen auf Antigua und Barbuda 🇦🇬 .

Think out of the box!

Wir haben das Ruder herumgeworfen und den Kurs neu abgesteckt.

Die Überfahrt zu den Bahamas wäre wohl möglich, allerdings mit einer hohen Wahrscheinlichkeit von Winden über 35 kn in den Böen bei Ankunft. Machbar, aber dann nicht durch die Riffeinfahrten von Abaco nach Marsh Harbour, sondern etwas weiter südlich zur nächsten Insel Eleuthera, nach Spanish Wells.

Bloß, der Hurrikan Eta tobt sich nach der Vorhersage nicht bei seinem Landfall in Nicaragua völlig aus, sondern wandert wieder hinaus aufs Wasser, sammelt neue Kräfte und wendet sich dann Kuba zu. Aktuell sagt die Vorhersage zwar, dass ETA dann über Cuba hinweg in den Golf westlich von Florida und nicht westlich über die Bahamas geht, aber jedenfalls käme er den Bahamas unbehaglich nah.

Also vielleicht heute einfach nur ums Kap Hatteras herum und mit einem Übernachttörn nach Beaufort in North Carolina? Oder weiter an der Küste herunter nach Charleston oder Brunswick? Wäre ein gutes Wetterfenster dafür. Allerdings gibt es auf absehbare Zeit, mindestens mal in der nächsten Woche, kein Wetterfenster um von dort auf die Bahamas zu kommen. Außerdem würden wir uns auf den Hurrikan zu bewegen. Und letztlich auch blöd: unser Visum für die USA gilt nur bis zum 12. November (wie schnell doch ein halbes Jahr vergeht). Und ausklariert haben wir ja auch schon. Eine Zwickmühle?

Nicht unbedingt. Querdenken. Wir haben uns reichlich verproviantiert, das Schiff ist klar, die Strecktaue für die Offshorepassage befestigt, das Dinghy mit Fendern unter der Persenning aufgefüllt und verzurrt, der Außenborder am Heckkorb.

Gestern Abend nach dem neuesten Wetterbericht beschließen wir, einfach das Ziel neu zu definieren. Bahamas ist schwierig, aber das Wetterfenster passt gut für Antigua. O.k., da waren wir im Frühjahr gerade längere Zeit, aber erstens ist es toll dort, zweitens ist die Ausgangslage dort super, um mit dem Passat die großen Antillen zu besuchen und drittens haben wir vielleicht sogar die Chance, doch noch die British Virgin Islands zu besuchen, die ab 8.12. Wieder für Yachten aufmachen sollen. Dafür wären wir quasi in pole Position. Die Mehrheit der heute aufbrechenden Salty Dawg Schiffe hatte sowieso von Anfang an Antigua als Ziel, so wechseln wir einfach in diese Flottille.

Also los, statt 5 Tagen zu den Bahamas werden wir für die rund 1.640 sm nach Antigua eher 10 bis 12 Tage brauchen. Solange werden wir ab jetzt auch erstmal nicht erreichbar sein, dies ist der letzte Blogpost im US-Telefonnetz. Wir werden aber versuchen, zwischendurch reine Textblogbeiträge über Iridium-Satellit zu senden.

Auf geht’s, aus der Kälte (heute morgen unter 10 Grad) hoffentlich in die Wärme. Wir freuen uns.

Ihr könnt unsere Fahrt auf mit den Salty Dawg hier verfolgen. Durch Klick auf SDSA Fall Rally Tracks kommt ihr auf die Bootsliste und könnt dort auch die Flora anwählen und unsere jeweilige Position hervorheben. Das wird stündlich aktuell sein. Auf Noforeignland werden wir unere Position ein paar mal am Tag manuell aktualisieren (leider geht immer nur eins von beiden automatisch).