Update aus Fulaga und unerwartete Begegnungen

Wir sind immer noch Fulaga, haben es uns hier so richtig gemütlich gemacht, unseren eigenen Rhythmus gefunden.

Morgens gehen Wiebke und Barbara gemeinsam Strecke schwimmen, jeweils rund anderthalb Kilometer legen sie dabei zurück.

Ralph und ich beginnen zu dieser Zeit dann unsere erste Wingfoil-Einheit des Tages, nachmittags folgt dann meist eine zweite.

Wiebke bringt derweil dann ihre verschiedenen Strickprojekte voran, z.B. diesen Schal für Barbara.

Oder wir backen (ich Brot, Wiebke Kuchen oder Muffins), nutzen den Ofen dann auch gleich, um Crunchy-Müsli zu machen.

Spaziergänge am Strand …

… oder in den Ort zu unserer Gastfamilie. Die versorgt uns auch mit Obst und anderen Leckereien wie zum Beispiel einer schon gekochten Kokoskrabbe.

Unsere Gegengeschenke kommen aber umgekehrt auch gut an (diesmal eine 12V-Lampe und zwei Gläser Marmelade aus unseren Bordbeständen, bei unserem letzten Besuch zwei von uns nicht mehr genutzte semiflexible Solarpanele nebst Kabel und Regler).

Eine Wanderung soll uns hinauf zum Aussichtspunkt hoch über dem Dorf führen. Seru lässt es sich nicht nehmen, uns hinaufzuführen. Das ist ganz gut so, denn selbst wenn wir den Pfad vom Dorf aus wohl auch einfach nach Beschreibung gefunden hätten, den Einstieg zum Klettern auf den Felsen hätten wir wohl ohne ihn schlicht verpasst. Es geht fast senkrecht hinauf, ein Weg ist da nicht zu erkennen.

Lohnt sich aber sehr, der Ausblick über das Dorf mit der südlichen Bucht und zur anderen Seite bis hin zum Ankerplatz in der Lagune ist einfach fantastisch.

Zurück im Ort zeigt uns Seru ein traditionelles Einbaum-Ausleger-Segelkanu. Die drei Dörfer dieser Insel und ein Dorf auf einer Nachbarinsel haben für eine Regatta nach Jahrzehnten erstmals wieder jeweils eines davon gebaut. Leider wird es derzeit aber scheinbar nicht mehr viel genutzt, bereits etwas eingewachsen liegt es am Strand.

Alte handwerkliche Bootsbaukunst für das Boot selbst trifft zum Teil auf neue Materialien für das Zubehör. Ein Segel aus einer Plastikplane liegt um den Holzmast gerollt auf dem Einbaum-Rumpf, modernes Tauwerk schmiegt sich neben die kunstvollen Lasching aus Naturfasern. Es wäre toll, diese Boote hier auch wirklich segeln zu sehen.

Nach dem Spaziergang serviert uns Seru Trink-Kokosnüsse, ganz ohne Bewirtung geht es an diesem gastfreundlichen Ort einfach nicht.

An diesem Nachmittag haben wir dann zurück auf der Flora auch selbst Besuch – ziemlich unerwartet. Die USCGC Harriet Lane, ein 82 Meter langes Schiff der US-amerikanischen Küstenwache, patrouilliert seit gestern vor dem Pass in die Lagune. Die Amerikaner unterstützen die Küstenwache Fijis beim Kampf gegen die zunehmend auf dem Wasserweg nach Fiji geschmuggelten Drogen (wohl insbesondere Crystal Meth). Und so wird ein Tochter-Schlauchboot zu Wasser gelassen und kommt an unseren Ankerplatz gebraust. Die gemischte Crew aus Fiji und den USA boarded die Segelboote.

Nachdem erst lediglich ein paar benachbarte Boote ausgesucht wurden ist auch die Flora an der Reihe. Aber es ist ein sehr kurzer Besuch: ein Blick in den Motorraum, einer in die Bilge. Und ansonsten wird vom Officer des Fiji-Zolls lediglich der Papierkram kontrolliert. Haben wir einklariert, beinhaltet unser Cruising-Permit auch die Lau-Gruppe? Stimmen Bootspapiere und Pässe mit den Angaben überein? Alles gut, nach kaum fünf Minuten legt das Schlauchboot wieder von der Flora ab.

Freundlich und unkompliziert, es gibt unangenehmere Begegnungen. Zum Beispiel eine, die ich beim Schwimmen habe. Eine Portugiesische Galeere kreuzt meinen Weg. Kein antikes Kriegsschiff, sondern die nach diesem benannte quallenähnliche Polypenkolonie. Ich mache nur nähere Bekanntschaft mit einem vergleichsweise kleinen Exemplar. Unter 10 cm lang schätze ich die gasgefüllte Schwimmblase, mit der dieses Tier tatsächlich auch segelnd seine Fortbewegungs-Richtung verändert. Ärgerlicherweise sind die knallblauen Nessel-Tentakel unter Wasser trotzdem gut einen Meter lang. Ein Tier fotografiere ich, ein anderes nähert sich leider unerkannt. Als ich das Zweite bemerke, haben sich dessen Tentakel schon an meinem Schnorchel verfangen. Das bringt mir um die Taucherbrille herum ein paar brennende Hautberührungen ein. Ist aber zum Glück nicht so schlimm. Wiebke schabt die Reste der blauen Tentakel mit einer Muschel ab, das Zurückschwimmen zur Flora wirkt als Salzwasserspülung. Essig drauf an Bord und ein in kochendes Wasser getauchter Waschlappen helfen. Letzteren lege ich – sobald er kühl genug zum Aushalten ist – auf die betroffenen Hautstellen. Über 45° sollen die Proteine der Nesselzellen zerstört werden und bei mir hilft es tatsächlich sehr schnell.

Beim Schwimmen auf der anderen Seite der Sandbank, offen zum Wassergürtel in Windrichtung, werden wir jetzt deutlich vorsichtiger sein.

Der Ankerplatz der Flora ist zum Glück bei der jetzt herrschenden Windrichtung deutlich weniger gefährdet.

Kochend heiß in Savusavu.

Wir chillen immer noch in Savusavu, unser Liegeplatz in der Nawi-Marina macht uns die langsame Eingewöhnung aber leicht.

So nutzen wir tatsächlich über den Landstromanschluss ausnahmsweise mal die von unserem Vorbesitzer in die Flora eingebaute Klimaanlage. Es ist nicht einmal so sehr die Wärme (unter Deck meist so 28 oder 29 Grad) die uns zusetzt, sondern die Kombination mit hoher Luftfeuchtigkeit und eingeschränkter Lüftungsmöglichkeit wegen der vielen und teils heftigen Regengüsse. Die Klimaanlage nimmt auch viel Feuchtigkeit aus der Luft.

Lassen wir uns halt mal Luxus-verwöhnen. Marina-Pool, Restaurants, Bar. Und sogar Spa: eine Massage löst für uns beide die Muskelverspannungen der Passage und für Wiebke gibt’s noch Pediküre obendrauf.

Und dann zurück an die Arbeit: die Fock wird auf dem Steg noch einmal ordentlich zusammengelegt und der Schaden untersucht.

Die beiden Risse sind jeweils entlang von Nähten entstanden, einmal quer durchs Vorliek und einmal fast im rechten Winkel dazu entlang des UV-Schutzes. Das sieht reparabel aus und so verschicken wir das Segel mit dem in der Marina ansässigen Servicebetrieb Yacht Help an einen Segelmacher (Marshall Sails) auf Fijis Hauptinsel Vitu Levu. Dort wollen wir es dann später in der Saison abholen.

Wir holen Fiji-Dollar am Geldautomaten und erledigen die restlichen Formalitäten, denn sowohl die Gesundheitsbehörde (170 Fiji$) als auch Biosecurity (200 Fiji$, etwa 78 €) akzeptieren nur Barzahlung in Fiji$. Dann erkunden wir die erstaunlich guten kleineren Supermärkte in Savusavu und stocken auf dem Markt neben dem Busbahnhof im Zentrum auch unsere Obst- und Gemüsevorräte wieder auf. Die in Zeitungspapier gerollten Bündel von Kawa-Wurzeln werden wir dann kurz vor unserer Abfahrt noch kaufen, sie sind das typischerweise erwartete Gastgeschenk an den Dorf-Chief auf den kleineren Inseln.

Am Dienstag soll eigentlich unser Cruising-Permit fertig sein, für das offenbar die Behörden in der Hauptstadt Suva einbezogen werden müssen. Aber als wir es abholen wollen, sind die zuständigen Officer gerade unterwegs. Wir sollen später wiederkommen.

Na gut, dann ändern wir halt die Reihenfolge. Ein kleines Stück den Hang hinauf hinter dem Zollgebäude gibt es nämlich einen ganz besonderen Platz.

Unser Ziel sind die Nakama Hot Springs. Wir haben 4 rohe Eier, ein Netz und einen stählernen Bojenhaken eingepackt, außerdem Brot, Salz und Pfeffer. Was soll das geben? Ein einfaches, aber trotzdem sehr spezielles Picknick.

Zwischen mit Palmwedeln überdachten Bänken befinden sich auf dem öffentlichen Gelände mehrere in Stein eingefasste heiße Quellen. Die sind nicht zum Baden, sondern tatsächlich zum Kochen gedacht. Wir treffen mehrere Einheimische, die in der größten der drei Quellen tatsächlich ganze Säcke von Taro-Wurzeln kochen oder – wie uns Joeli erklärt – seit drei Stunden in einem in Stoff eingewickelten Topf ein Fleisch-Gemüsegericht garen.

Wir begnügen uns damit, im brodelnden Wasser der kleinsten Quelle unsere in das Netz gefassten 4 Eier zu kochen und sie nach 7 Minuten mit dem Bojenhaken herauszufischen. Abschrecken im vorbei fließenden Bach. Hm, ein Messer hätten wir wohl auch noch einpacken können.

Anders als etwa in den Nachbarstaaten Tonga oder Vanuatu gibt es in Fiji zwar keine aktiven Vulkane mehr, wohl aber erhebliche seismische und geothermische Aktivitäten. Eine Schautafel auf dem Gelände erklärt, dass Fiji auf einer eigenen kleineren tektonischen Platte liegt, unter die sich von beiden Seiten die Indo-Australische Platte und die Pazifische Platte schieben.

Und – typisch Fiji – was die Natur bietet, wird auch genutzt.

Passage Minerva nach Fiji, Tag 3. Angekommen in Fiji. Bula!

Tatsächlich benötigen wir nochmal 24 Stunden, bis wir unseren Port of Entry in Fiji erreichen: ziemlich genau um 12.00 Uhr mittags machen wir am Quarantäne-Steg der Nawi-Marina in Savusavu fest. Wir müssen nicht lange warten, dann bringt Dockmaster Trevor bereits die Dame von der Gesundheitsbehörde als erste Offizielle zu uns. Noch einmal beantworten wir auf zwei Formularen die Fragen zur Gesundheit an Bord. Es sind die gleichen Antworten, die wir im obligatorischen Online-Formular schon übermittelt hatten. Ein Blick in unseren Kühlschrank, einer in ein Lebensmittel-Schapp. Alles gut, die Rechnung über 169 Fijidollar (etwa 66 Euro) können wir am Montag im Büro der Behörde bezahlen. Nicht morgen am Freitag, da ist Feiertag. „Girmit-Day“.

Das müssen wir erstmal nachschlagen und stellen fest, dass dieser Nationalfeiertag tatsächlich eine ganze Menge über Fiji aussagt.

Girmit-Day ist einer der Nationalfeiertage in Fiji. Er erinnert an die über 60.000 indischen Vertragsarbeiter, die zwischen 1879 und 1920 von der britischen Regierung mit ausbeuterischen „Vereinbarungen“ (in Fiji-Hindi Girmit genannt) zur Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen nach Fiji übersiedelt wurden. Mindestverpflichtung war 5 Jahre, nach 10 Jahren sollte die Regierung die Kosten für die Passage zurück nach Indien übernehmen. Die Arbeiter erhielten zwar Lohn. Was sie bei Vertragsunterzeichnung allerdings typischerweise nicht wussten: davon wurde der Großteil für Unterbringung und Verpflegung gleich wieder abgezogen. Praktisch konnten sie so kaum etwas sparen, schon gar nicht genug, um die vorzeitige Rückreise zu bezahlen. Die meisten blieben und bildeten damit die Grundlage für Fijis heutigem – keineswegs immer konfliktfreie – multikulturelle Gesellschaft. Über 37 % der Bevölkerung ist heute indischstämmig. 1987 waren es 49% und so gewannen indische Parteien erstmals die Wahlen. Mehrere Miltärputsche stellten in der Folge aber die Vorherrschaft der melanesischen Bevölkerungsmehrheit (heute ca. 57%) wieder her. Es gab Anfeindungen und Übergriffe gegen die ökonomisch dominierende indischstämmige Bevölkerungsminderheit und deren Eigentum. In der Folge wanderten viele gut ausgebildete indischstämmige Fijianer aus, was einen andauernden wirtschaftlichen Niedergang auslöste. Erst 2013 trat eine neue Verfassung in Kraft, mit der die bis dahin bestehenden politischen Vorrechte der „Urbevölkerung“ abgeschafft und politische Gleichberechtigung wieder hergestellt wurde. Der jüngst (2023) eingeführte Girmit-Day ist damit auch ein Symbol für den Versuch der Aufarbeitung der nationalen Geschichte und der Anerkennung der Indo-Fijis als integraler Bestandteil der Nation.

Zurück zum Einklarieren: einige Zeit später bringt Trevor die drei anderen Offiziellen zu uns: Zoll, Immigration und Biosecurity.

Wieder machen wir in Papierform die Angaben, die wir zuvor im C2C Formular „Advanced Notice of Arrival“ schon online übermitteln mussten. Aber wieder ist es auch unkompliziert und freundlich. Alles in allem sind wir zwei Stunden nach unserer Ankunft offiziell einklariert, die gelbe Quarantäneflagge können wir streichen und nur die Fiji-Flagge weht jetzt unter unserer Steuerbord-Saling.

Es ist die 31ste Gastlandflagge unserer Reise. 🇫🇯

Danach verholen wir vom Quarantänesteg in die eigentliche Marina.

An unserem Liegeplatz warten bereits mehrere Mitarbeiter auf uns, nehmen unsere Leinen an und singen uns ein Begrüßungsständchen.

Das Ständchen endet mit einem enthusiastischen „Bula!“ (Gesprochen: Mbula) Das ist die traditionelle Begrüßung in Fiji. Und wir bekommen ein Salusalu umgehängt. Die handgemachte Blumengirlande ist nicht nur ein herzliches Willkommen, sondern symbolisiert Respekt und ist zentraler Teil der fijianischen Kultur und Gastfreundschaft.

Was für eine Begrüßung.

Überhaupt: die Nawi-Marina überrascht uns sehr positiv. Stege und Anlagen sind in Top-Zustand. Ein bisschen haben wir das Gefühl, in einem Luxusressort gelandet zu sein. Mit 9 qm Individual-Badezimmern einschließlich Außendusche, einem Endless-Pool mit Blick über den Hafen und Swim-in-Bar für unseren Morgenkaffee sowie vielen liebevollen Details. Andererseits: zum Ausgleich der anstrengenden Überfahrt von Neuseeland haben wir uns vielleicht ein wenig Luxus verdient und mit 176 Euro für eine ganze Woche, also gerade 25 Euro pro Tag ist dieser Luxus dann doch auch nicht eben exorbitant teuer.

Trotz des bedeckten Himmels mit regelmäßigen Schauern und der für uns ungewohnten Wärme und Luftfeuchtigkeit ein richtig guter Start in Fiji.

Einklariert am anderen Ende der Welt

Das ist eine neue Gefühlsdimension für uns. Erstmals haben wir uns mehr Gedanken über das nachfolgende Einklarieren nach NZ als über die als manchmal durchaus knifflig bekannte Passage hierher gemacht. Und ja, auch die Passage hat uns sehr wohl beschäftigt. Aber alles in allem war sie dann (für uns) weniger problematisch als erwartet, einzig das aus den Erfahrungen der anderen Segler genährte „da könnte noch was kommen“ zehrte etwas an den Nerven. Insbesondere für die von Fiji herunter kommenden Boote, aber auch für einige gar nicht weit von uns entfernte Segler aus Tonga hatte das Wetterfenster ja tatsächlich einige unangenehme Überraschungen parat.

Und das Einklarieren?

Nach einer super ruhigen Nacht am Quarantänesteg der Marsden Cove Marina klingelt der Wecker. Statt im Bett gibt’s den Kaffee diesmal im Cockpit, wer weiß, wann die Offiziellen ankommen.

Das neuseeländische (Papier-)Formular „Masters-Declaration for full Biosecurity Clearance“ haben wir in Tonga beim Bootsausrüster kostenlos in die Hand gedrückt bekommen. Neben diversen anderen Angaben sind auf Seite 3 diverse möglicherweise problematischen Produkte aufgeführt und sollen eingekreist werden, weitere Ergänzungen sind in einer Extraspalte zu machen. Selbst Reis findet sich auf der Liste.

Wir füllen das Formular schon mal aus, es bleiben aber einige Fragen. Müssen wir wohl mit dem Officer klären.

Wiebke sortiert unsere Lebensmittelbestände nochmal komplett durch. Alles, was den Argwohn des MPI hinsichtlich der strengen Biosecurity-Vorschriften erwecken könnte, wird auf dem Salontisch aufgebaut. Die Gewürze der Pantry werden ebenfalls selektiert: gemahlene Gewürze bleiben im Schapp, alles was keimen könnte (Koreandersamen, Fenchelsamen, Nelken, Sesam, Senfkörner etc., selbst Nichtgewürze wie Popcorn-Maiskörner) werden herausgestellt.

Und ich stelle aus den Unterwasser-Videos und Fotos sowie den bereits eingereichten Formularen nochmal einen Präsentationsordner auf dem iPad bereit.

Tatsächlich kommt das MPI zuerst: ein Officer mit an einem Gestänge montierter GoPro und Unterwasserlampe kommt durch das Quarantänetor und direkt zu unserem Boot (insgesamt 11 Boote haben sich hier im Laufe der Nacht eingefunden). Er drückt uns die Masters Declaration in die Hand, aber die haben wir ja schon. Dann verschwindet er nochmal kurz. Inzwischen trifft auch der Zöllner ein. Ich beantworte Cockpit seine Fragen, Wiebke zeigt derweil dem MPI-Officer die (ja vorab elektronisch übermittelten, aber für ein Pre-Approval als nicht ausreichen klassifizierten) Unterwasserfotos auf dem iPad. Das genügt ihm, er hält nicht einmal mehr die GoPro ins Wasser. Kein Emergency-Haul-Out nötig, das sieht doch sehr gut aus. Da fällt uns schon mal ein Stein vom Herzen.

Wiebke und er wenden sich jetzt den Lebensmitteln zu.

Auch das läuft extrem entspannt ab, die ordentliche Vorbereitung findet er offenbar gut. Kein Durchstöbern aller Schapps, kein Anheben der Bodenbretter, nicht mal ein Blick in den Kühlschrank. Zudem wandert weit weniger als befürchtet in den Biosecurity-Abfallsack zur (kostenlosen) Entsorgung, die Gewürze z.B dürfen praktisch alle an Bord bleiben. Bei Dosen wird nur eine Linsensuppe mit Chorizo konfisziert. Und der Popcornmais muss auch weg.

Und auch der freundliche Zöllner hat seinen Fragenkatalog abgearbeitet, gibt mir inzwischen Reisetips für Neuseeland und für unser im nächsten Jahr folgendes Reiseziel Fiji.

Nach einer dreiviertel Stunde sind wir durch. Einklariert. Die gelbe Quarantäneflagge kann runter, die Gastlandsflagge für Neuseeland weht jetzt unter der Steuerbordsaling.

Ein weiterer Stein plumpst vom Herzen. Die müssen in Neuseeland doch echte Steinlager haben …

Haben sie tatsächlich!

Steinlager Bier, gebraut in einem Vorort von Auckland, ist international auch bekannt geworden durch das Whitbread Round the World Segelrennen 1989/90, das der legendäre Peter Blake auf der STEINLAGER II gewann. Zudem in der Folge als einer der Hauptsponsoren bei den erfolgreichen neuseeländischen Kampagnen im America‘s Cup. Der Rumpf der NZL 60, die im Jahr 2000 die „bodenlose Kanne“, diese wohl älteste Segeltrophäe für den Gewinn des America‘s Cup nach Neuseeland holen konnte, steht heute aufgebockt hier am Hafen. Perfekt im Blickfeld vom Grillponton aus.

Geschichten und Geschichte.

Wir chillen, kommen ganz langsam hier in Neuseeland an. Kneifen uns, es fühlt sich so unwirklich an. Entspannt. Stressfrei. So einfach. Mal eben im kleinen Supermarkt am Hafen grünen Spargel kaufen zum Grillen mit dem Fisch, den uns Iain und Brioni von der Indioko (red-seas.com) geschenkt haben.

Ziemlich schwer zu fassen ist auch, jetzt am anderen Ende der Welt angekommen zu sein. Vor gut sechs Jahren sind wir an Gibraltar vorbei aus dem Mittelmeer hinausgesegelt. Würde man hier im Norden Neuseelands ein Loch gerade durch den Erdmittelpunkt bohren, käme man in Gibraltar wieder heraus. Die beiden Orte sind Antipoden, mit gleicher geographischer Breite (nur eben einmal auf der Nord- und einmal auf der Südhalbkugel) und um 180 Grad versetzter geographischer Länge. Und wir sind wirklich hier her gesegelt.

Kneif mich noch mal.

Tonga: ausklariert und auf nach Minerva

Fast zwei Monate sind wir schon in Tonga. Offizieller Beginn der Zyklonsaison im Südpazifik ist der erste November, es wird also langsam Zeit, uns auf den Weg Richtung Neuseeland zu machen.

Ein Wunschziel liegt auf dem Weg: Minerva. Ein fast unwirklich erscheinender Ankerplatz mitten im offenen Ozean. Keine Insel, nur ein Unterwasser-Riff im ringsherum buchstäblich tausende Meter tiefen Pazifik. Kein Land in Sicht für Hunderte von Seemeilen. Das Minerva-Riff ist ein Atoll, nur eben knapp unter dem Meeresspiegel. Irgendwo im Nirgendwo zwischen Tonga, Fiji und Neuseeland. Auf der Navionics-Seekarte und auf Google Earth sieht das so aus:

Da wollen wir hin!

Formal gehören die beiden Riffe Minerva Nord und Minerva Süd zu Tonga und weiten damit Tongas Fischereirechte weit nach Süden aus, darüber gab es früher durchaus auch schon Streit mit Fiji.

Ausklarieren müssen wir trotzdem vorher. Und so führt uns unser Weg erst einmal wieder zurück ins Örtchen Pangai und dort zunächst zum “Ministry of Infrastructure”. Ganz leicht zu finden ist es nicht, denn das große weiße Schild würde zwar eigentlich das Ministeriumslogo und seine Bezeichnung tragen, nur ist es von der tropischen Sonne komplett ausgeblichen.

Aber es ist die auf Noforeignland angegebene Position, also klopfen wir und – siehe da – werden freundlich im Ministerium begrüßt. Aus der Tonnage unseres Bootes wird die zu entrichtende Gebühr von 9,80 TOP ermittelt, etwa 3,50 €.

Mit der Quittung laufen wir dann durch den Ort zum Zollbüro, wo wir ohne weitere Gebühr ausklarieren können. Auch hier ist das Hinweisschild ausgeblichen, aber von der Seite ist die ehemalige Aufschrift immerhin noch zu erahnen.

Zurück auf der Flora machen wir unser Boot klar für die Passage. Der Außenbordmotor wandert auf den Heckkorb, das Dinghy wird in den Davits mit “Bellybands” zusätzlich gesichert. Drinnen wird alles seefest verstaut, Flora ein letztes Mal gecheckt und dann kann es los gehen. Jetzt, unmittelbar vor der Abfahrt, können wir auch die nächsten Onlineformulare nach Neuseeland schicken. Das “ANA” (Advanced Notice of Arrival) mit diversen Anlagen und dann für jeden von uns jeweils eine “Traveller Declaration”. Also auch für das übernächste Ziel geht es voran.

Wir lichten den Anker morgens am 7:30 bei leichtem Nieselregen und aufgebauter Kuchenbude, weil der achterliche Wind den Regen von hinten ins Cockpit drückt.

Inzwischen aber scheint die Sonne, mit ausgebaumtem Vorsegel rauschen wir an den äußeren Inselchen der Ha’apai-Gruppe vorbei unserem Ziel entgegen. Etwa zweieinhalb Tage sollten wir bis Minerva unterwegs sein.

Tonga: Ha‘apai und weitere Vorbereitung auf Neuseeland

Das Einchecken in die Ha‘apai-Gruppe erledigen wir im Hauptort Pangai auf der Insel Lifuka. Noch ein kurzer Spaziergang durch den etwas gesichtslosen Ort: mehrere kleine chinesische Lebensmittelläden, ein Markt, auf dem allerdings kaum etwas angeboten wird, die für Tonga so typischen freilaufenden Schweine, eine verfallende Hafenmole.

Es sind für uns nicht so sehr die Ortschaften, die Tongas Charme ausmachen. Also holen wir nach den Formalitäten und dem Spaziergang gleich wieder den Anker auf. Nur eine Insel weiter geht’s, nach Uolefa, quasi einen Steinwurf entfernt und doch auch gleich in eine andere (Gefühls-)Welt.

Palmen erheben sich über einen ewig langen Sandstrand, an den Seiten säumen zwei Riffe die Bucht. Sie bieten zusätzlichen Schutz vor dem hier scheinbar dauernd präsenten Pazifik-Schwell, der immer einen Weg um die Inseln herum zu finden scheint. Und sie laden mit vielfältiger Korallenwelt zum Schnorcheln ein. Ganz besonders gefallen uns die Harlekin-Feilenfische mit ihren orangenen Flecken auf blauem Grund, die wir hier erstmals sehen.

Schnorcheln kann aber andererseits durchaus Arbeit sein. Wir kratzen weiter an Floras Unterwasserschiff herum, insbesondere auch die Nischen sollen frei von Bewuchs und Pocken sein. Das ist zum Beispiel an den Borddurchlässen und am Ruder sowie dessen Beschlägen nicht ganz einfach. Mit allen möglichen improvisierten Werkzeugen versuchen wir die Ritzen und Spalten zu reinigen. Und es fällt leider auf, dass unser CopperCoat-Antifouling in den über 6 Jahren und über 40.000 Seemeilen doch gelitten hat. Wenn man genau hinschaut kann man allerdings auf dem Bild vom letzten echten Anschliff (vor 4 Jahren in den USA) schon ein paar Macken und Unebenheiten erkennen. Angeschliffen sieht man übrigens die Kupferfarbe, die im Salzwasser dann zum grünen Kupferoxid wird. Na gut, die Überarbeitung ist jetzt umso dringender fällig und steht in Neuseeland an.

Wir beantworten den Fragebogens des neuseeländischen MPI-Ministeriums (dem auch für Biosecurity zuständigen Ministry for Primary Industries) mit Fragen wie z.B.:

  • When were the internal pipework/strainers last treated or cleaned? (Please provide a date or indicate if never treated).

Für die Fragen zur Reinigung des Unterwasserschiffes fordert uns das MPI auf, „Evidence of the last hull cleaning“ auf einen vom MPI bereitgestellten Share-file-Link hochzuladen. Wir senden aktuelle Videos vom jetzt sauberen Unterwasserschiff, dabei fallen uns die Macken aber natürlich besonders unangenehm auf.

Überhaupt nimmt uns die Vorbereitung für die Passage zum Minerva-Riff und weiter nach Neuseeland doch ein bisschen mit. Wir vergleichen die Wettermodelle mehr als ohnehin üblich, versuchen herauszufinden, ob und eventuell für wie lange ein Stop auf Minerva möglich und empfehlenswert wäre. Windy und das Departure-Planning-Tool auf PredictWind laufen heiß. Die Wettersituation ist nicht ganz einfach und die Auswahl des möglichen Abfahrtstermins bereitet uns (wie den meisten anderen Seglern hier) durchaus Kopfzerbrechen.

Schöner Ausgleich: Wingfoilen. Vielleicht sind ja die dabei anfallenden Nasenspülungen verantwortlich, aber jedenfalls wird der Kopf wieder frei.

😊

Tonga, Port Maurelle und Vorbereitung für Neuseeland

Da waren wir doch schon mal? Ja, die Bucht Port Maurelle ist nämlich Ankerplatz #7. Das ist der erste Ankerplatz, den wir mit Emma und Claas angelaufen hatten. Jetzt sind wir wieder dort, denn nach erfolgter Re-Proviatierung wurden uns die Bedingungen vor Neiafu in südlichen Winden doch etwas rollig. Also kurz um die Ecke verholen und: herrliche Ruhe.

Dieser schöne Platz hat zudem den Vorteil, dass ich nur ein paar Meter aus der geschützten Bucht hinaus muss, um relativ gute Bedingungen zum Wingfoilen zu haben.

Ganz allein liegen wir hier natürlich nicht, zwischenzeitlich liegen wir hier mit acht Schiffen. Platz ist aber genug und meist sind wir auch nur vier oder fünf.

Das Wetter ist ziemlich wechselhaft, zwischen schöne Abschnitte schieben sich auch graue und regnerische Tage. An denen kümmern wir uns um den bürokratischen Aufwand, den die geplante Weiterreise nach Neuseeland so mit sich bringt. Formulartechnisch und was die hohen Anforderungen der Biosecurity angeht ist Neuseeland mit Sicherheit der aufwändigste Staat auf unserer bisherigen Reise (ja, hatte ich im letzten Beitrag schon erwähnt, aber es beschäftigt uns derzeit wirklich sehr). Wir arbeiten uns langsam heran, immerhin haben wir inzwischen bereits eine Steuernummer für das temporäre Einführen der Flora zugeteilt bekommen. Und mit Hilfe eines von Mareike geborgten „Fleischerhandschuhs“ aus Edelstahl-Kettengliedern habe ich sogar den Raum zwischen den beiden Propellern unseres Bugstrahlruders und die Rückseiten der Propeller leidlich reinigen können. Das von der Biosecurity übermittelte „Schedule 3: Required locations for vessels biofouling inspections“ listet 89 (sic!) Stellen am Schiff auf, die besonders begutachtet werden sollten. Auch wenn nicht alle zum Tragen kommen (wir haben auf unserem Segelboot zum Beispiel keine Stabilisatoren und kein Heckstrahlruder) bleibt doch eine ganz Menge übrig. Ein Freund hat bei seinem Boot deshalb Unterwasservideos zum aktuellen Zustand von 31 dieser Stellen vor der Abfahrt auf den jedem Bootseigner individuell zugesandten Link hochgeladen und inzwischen die Freigabe erhalten.

Also sind auch wir weiter intensiv mit dem Putzen des Unterwasserschiffs und insbesondere der verborgeneren Stellen beschäftigt. Die Innenräume der Borddurchlässe, den Spalt vorm Ruder, die Seiten des Leinenschneiders am Propeller, all sowas. Dazwischen streuen wir normale Schnorchelgänge hier in der Bucht ein. Obwohl die Korallen wenig spektakulär sind, finden wir z.B einen schönen aber giftigen Dornkronenseestern, Feuerfische, Anemonenfische, Riesenmuscheln, Federsterne, uns bisher unbekannte Lippfische und sogar Lobster und Tintenfische.

Und einen Schwarm „Bienchenfische“ (kleine, schwarz-gelb gestreifte juvenile Sergeant Major Riffbarsche) an unserer Ankerkette.

Passage Samoa nach Tonga, Tag 2 und angekommen

Der zweite Tag der Passage beginnt wie der erste, ziemlich rau. Das fordert leider auch Tribut, eine besonders fiese Welle schüttelt die Flora durch und die halbkardanische Halterung bricht. Für die Nichtsegler: diese Halterung sorgt dafür, dass der Herd und damit die darauf befindlichen Pfannen und Töpfe in der Horizontalen bleiben, auch wenn das Boot von einer Seite zur anderen schaukelt.

Eigentlich wirkt der Herd nur etwas schief und er schwingt halt nicht mehr. Bei näherer Betrachtung müssen wir aber erkennen, dass die fest am Herd selbst verbaute linke Schwingachse gebrochen ist. Auf dieser Seite ist der Herd dadurch heruntergesackt und hat sich im Schacht verkantet.

Immerhin, dadurch laufen wir nicht Gefahr, dass uns der schwere Herd durch das Schiff fliegt.

Zum Glück wird der Seegang im Laufe des zweiten Tags auch langsam ruhiger, das Segeln angenehmer. Und nach nur etwa 52 Stunden sind wir auf Tonga angekommen, machen am Gouvernement Dock in Neiafu fest (in Tongas nördlicher Vava’u-Gruppe).

Das “Tonga Customs Advance Notice of Arrival“ hatten wir wie gewünscht schon vorab per Email übermittelt, trotzdem sind für Zoll, Health und Immigration nochmal 8 Seiten Papier auszufüllen. Aber das ganze Prozedere geht recht flott und die Officer sind freundlich.

Wir verholen uns ein kleines Stückchen weiter in die Bucht und finden auch noch eine freie Mooring. Auf dem Weg sehen wir schon einige bekannte Yachten. Ganz besonders freuen wir uns, am Abend noch mit Heather und Jim von der Kavenga unser Ankommensbier trinken zu können.

Die beiden hatten wir zuerst auf Vancouver Island in Kanada getroffen und danach noch mehrfach unterwegs in den USA und in Französisch-Polynesien.

Am nächsten Tag widmen wir uns dem Saubermachen und Aufräumen der Flora, der Wieder-Inbetriebnahme des Wassermachers und natürlich dem dringenden Projekt “Herd”.

Der Ersatzteilefinder beim maritimen Versandhandel SVB versorgt uns mit einer Oxplosionszeichnung, das kaputte Teil ist aber leider nicht bei SVB erhältlich. Kein Wunder, es ist fest mit der Seitenwand des Herdes vernietet. Also bauen wir den Herd aus und nehmen ihn auseinander. Wir können nur improvisieren. Die Seitenwand bringe ich mit dem Dinghy zu einem verfallenen Dock in der Nähe. Dort richtet der Funkenflug keine Schäden an, als ich mit der Akkuflex die Vernietung von der Edelstahlwand entferne. Wieder an Bord kann ich den restlichen Niet ausschlagen und das Loch auf die Größe einer 8ter Senkkopfschraube vergrößern, auf der Innenseite mit großer Unterlegscheibe und Muttern gekontert. Den Herd wieder zusammenbauen, dabei auch gleich die Mechanik der Frontklappe reparieren. Der Senkkopf kann dann von oben in die Halterung im Herdschacht rutschen, so die Theorie.

Wunder über Wunder, die Kardanik funktioniert wieder. Mal schauen wie lange, aber fürs erste sollte es gehen.

Von Tonga haben wir noch nicht viel gesehen, aber das kommt jetzt.

😊

Passage nach Samoa, Tag 5: Ankunft in Apia

Tatsächlich ziemlich genau um Mitternacht passieren wir die Datumsgrenze zwischen American Samoa und Samoa. Der 14. Juni 2025 fällt also für uns aus. Meine vierstündige Hundewache dauert vom Freitag (13.6.) 23.00 Uhr bis Sonntag (15.6.) 03.00 Uhr.

Ansonsten ist es eine recht ruhige letzte Nacht auf See für diese Passage. Mit Dunkelwerden gehen wir mit dem Großsegel ins zweite Reff. Trotzdem sind wir noch zu schnell. Beim Wechsel zu meiner Wache (23.00 Uhr) rollen wir die Fock ein und gehen ins dritte Reff. Jetzt passt das ETA (die Estimated Time of Arrival, unsere voraussichtliche Ankunftszeit).

Am Morgen präsentieren sich Samoa und (nach per Funk vom Port Officer erhaltener Einfahrerlaubnis) die Ankerbucht von Apia dann so:

Es ist Sonntag, und so müssen wir auf die Offiziellen ein bisschen warten. Als erstes kommt mit eigenem Dinghychauffeur “Health”, der Officer klettert aber gar nicht in unser Mittelcockpit sondern wartet auf dem Seitendeck, bis wir die Formulare ausgefüllt haben. Die Damen von Customs und Immigration muss ich dann mit unserem Dinghy abholen. Ein bisschen Smalltalk im Cockpit bei bereitgestellten Saft und Keksen, einige Formulare, schnell erledigt. Ich bringe sie zurück an Land und checke dann aus, ob im Hafen noch Platz ist. Die Ankergebühr und die Marina Preise liegen nicht allzu weit auseinander.

Tatsächlich finden wir noch ein Plätzchen, wenn auch etwas eng zum Manövrieren. Aber die Nachbarn bieten Hilfe an, gut.

Wir verholen in die Marina, das klappt gut. Dort warten wir dann auf “Biosecurity”. Als wir schon unseren Sundowner trinken, kommt der Officer doch noch. Auch er bleibt im Cockpit, wir füllen die gleichen Formulare zum dritten Mal aus. Allerdings fragt er nach einem Geschenk, ist aber mit einer gebrauchten Sonnenbrille zufrieden. Auch wir sind zufrieden, denn damit ist der offizielle Einklarierungsvorgang beendet, “Samoa is all yours”. Das ging (insbesondere für einen Sonntag) besser als erwartet, wir haben auch von intensiven Schiffsinspektionen mit Öffnen aller Schapps gehört und gelesen. Wie auch immer, vielleicht war die Ankunft an einem Sonntag (damit vermutlich “Overtime-Gebühren) auch vorteilhaft.

Wir sind drin, morgen können wir die Pässe und Schiffspapiere in der Behörde wieder abholen.

Der Sundowner-Toast: “Samoa”. Cheers.

Ausklarieren in La Paz

In den verschiedenen Social-Media-Kanälen lesen wir derzeit wilde Geschichten über das Ausklarieren aus Mexiko. Auch unsere Segelfreunde von der Pitou hatten zum Abschied Besuch von Uniformierten mit Spürhund, die das Schiff unmittelbar vor der Ausreise inspizierten. Andere berichten sogar, dass sie Lebensmittelvorräte abgeben mussten, weil sie deren Einkauf in Mexiko nicht nachweisen konnten.

Mit entsprechend gemischten Gefühlen gehen wir das Ausklarierungsprozedere an. Wir könnten für 150 US$ einen Agenten beauftragen, aber wir probieren es selbst. Und so läuft es ab:

Um 8:45 mache ich mich auf den Weg zur “Capitania de Puerto”. Die liegt etwas abseits in einem Wohnviertel im Nordosten der Stadt, aber ich finde ein Taxi, das mich dorthin bringt.

Nach kurzer Wartezeit bin ich schon dran. Die freundlichen Damen sprechen allerdings nur Spanisch. Ich arbeite mich mit ihrer Hilfe radebrechend durch die auszufüllenden Formulare und bekomme abschließend eine Art Laufzettel an die Hand. Der sieht als nächste Station die API vor.

Die API ist im Stadtzentrum, direkt am Malecon. Ein Uber bringt mich hin. Hier ist bei der “Administrador Portuario“ die Nutzung der Infrastruktur zu bezahlen. Konkret heißt das, dass wir für die Nutzung des Ankerplatzes vor der Stadt eine Tagesgebühr zu entrichten haben, die nach der Tonnage des Bootes bemessen wird und bei unserem Boot umgerechnet etwa 1,50 € beträgt. Zu zahlen in bar oder per Kreditkarte.

Und auch die nächste Station ist in der Innenstadt, ich muss zu einer Bank. dort sind die Gebühren für die Capitania de Puerto zu zahlen, umgerechnet etwa 25,- €.

Dem freundlichen Herren am Eingang das Anliegen erläutern, von ihm eine Nummer ziehen, und nach kurzer Wartezeit ist auch das erledigt.

Dann wieder ein Uber bestellen und zurück zur Capitania in den Nordosten.

Dieses Mal sind ein paar andere Kunden vor mir dran, dann kann ich die von API und Bank abgestempelten Zahlungsbelege vorlegen, darf ein paar weitere Formulare unterschreiben und wieder Platz nehmen. Eine Viertelstunde später gibt’s dann die Papiere und auf geht’s zur nächsten Station, der Immigration.

Die ist sinnigerweise im Südwesten der Stadt (näher am Flughafen). Also ein weiteres Uber (das dieses Mal allerdings ziemlich lange auf sich warten lässt).

Hier gibts erstmal Irritationen. Wie – ich möchte ausreisen? Aber bei der Ausreise aus Mexiko werden die Pässe doch gar nicht gestempelt, klärt man mich auf. Aber mit dem eigenen Boot? Ein Kollege wird dazu geholt. Doch, dann wird gestempelt. Da muss aber der maritime Kollege gerufen werden, das dauert etwas. Ich könnte ja schon mal die Kopien der Pässe und der Bootspapiere vorlegen. Oder da drüben auf der anderen Straßenseite in einem Geschäft machen lassen. Oder man macht sie mir doch eben kostenlos hier. Na gut.

😌

Der maritime Kollege kommt, stempelt beide Pässe, Wiebke muss also nicht persönlich herkommen.

„Listo“. Fertig, das war’s, wir können los. Noch ein Uber zurück zum Hafen, ab ins Dinghy und zur Flora düsen.

Um 13.00 bin ich wieder an Bord. Alles in allem hat es gut vier Stunden gedauert, wobei gefühlt das Warten auf die Taxis/Uber einen Großteil der Zeit in Anspruch genommen hat. Die Offiziellen waren alle freundlich und hilfsbereit, mit Ausnahme der Capitanía de Puerto sprachen sie neben Spanisch auch etwas Englisch. Außerdem gab es hier in La Paz keinen zusätzlichen Besuch an Bord, alles recht entspannt.

Klar, mit einem Agenten könnte man sich die Sache noch etwas einfacher machen, aber Bürokratie gehört nun einmal zu Mexiko und das hier ist insofern eine sehr authentische Erfahrung. Die Taxifahrt kostet im Schnitt übrigens etwa 3 €, macht etwa 135 € Ersparnis durch das Selbst-Ausklarieren.

Heute noch den Dieseltank randvoll gefüllt und jetzt sind wir schon raus aus der Stadt. Wir ankern gemeinsam mit der Fidelis in der Caleta Lobos, säubern beide noch einmal das Unterwasserschiff. Morgen geht’s dann ums Eck an einen anderen Ankerplatz in der Sea of Cortez. Entweder wird das dann der Absprungort oder wir tasten uns noch ein bisschen weiter nach Süden, bevor wir dann zum langen Schlag nach Französisch Polynesien aufbrechen.