Passage Fiji nach NZ, Tag 7: Durchhalten!

Nach dem auf-der-Stelle-Segeln gestern geht es heute schon früh weiter. Um 4:30 nehmen wir das Vorsegel nach Steuerbord, los geht’s. Die Kante des Easterly Punch hat uns erreicht, es ist ordentlich Druck in der Luft. Sowohl Groß als auch Vorsegel sind jeweils im Dritten Reff, allerdings auch als Vorsichtsmaßnahme wegen der im Verlauf des Tages noch zu erwartenden Böen. Angesagt sind bis zu 33 kn, deutlich weniger als der Punch gestern aufgeboten hat, aber immer noch knackig. Zumal die Wellen knapp 3 m hoch und ziemlich chaotisch sein werden. Da müssen wir jetzt aber durch. Noch länger Beizuliegen macht keinen Sinn, weil sich im Nordosten von Neuseeland ein neues Tiefdruckgebiet bildet.

180 sm liegen vor uns, wir sollten also Dienstag Mittag ankommen. Ziel ist jetzt doch wieder (wie ja ursprünglich vorgehen) Marsden Cove, um einiges südlicher als Opua.

Wie erwartet werden wir bei bleigrauem Himmel ziemlich durchgeschüttelt und die chaotischen Seen klatschen immer mal wieder äußerst heftig an die Bordwand. Ein paar kräftige Regenschauer bringen zusätzliche Würze. Segeln lässt sich der Halbwindkurs aber trotzdem einigermaßen gut. Nicht eben angenehm, schräg und nass, aber machbar. Auch wenn uns gelegentlich doch eine Kreuzsee aus dem Kurs drückt.

Es kann auch anders kommen. Unterwegs bekommen wir die Nachricht, dass eine Beneteau 62 kurz vor Opua in dem Easterly Punch Mastbruch erlitten hat. Verletzt wurde zum Glück niemand. Wir waren zeitweise auf parallelem Kurs unterwegs. Mit der Crew hatten wir vorgestern noch gefunkt, als sie während unserer Vorbereitung für das Beiliegen vorbei zogen.

Zum Schiffsmittag haben wir 123 sm zurückgelegt, insgesamt damit 979 sm. Noch 126 sm bis zum Ansteuerungspunkt vor den Whangārei Heads, dazu noch etwa 15 sm hinein bis nach Marsden Cove.

Essen: Rest der Thai-Gemüse-Suppe von gestern. Wobei mir auffällt, dass ich gestern das Essen gar nicht erwähnt hatte. Und das, obwohl wir regelrecht geschwelgt haben. Frühstück schon mit French Toast / Arme Ritter, dann mittags die leckere Suppe und abends Avocado-Toast mit Ei.

Heute Abend dagegen nur Cracker mit Nori-Seetang-Blättchen, ist einfacher bei dem Geschaukel.

Passage Fiji nach NZ, Tag 6: Innehalten.

Ist die Überschrift falsch gewählt? Sind wir jetzt auf Passage, ist es auch dann noch eine Überfahrt, wenn das Boot doch praktisch gar keine Fahrt macht?

Gestern rauschen wir noch mit 8 kn durch den Südpazifik auf Opua zu, heute früh immerhin noch mit guter Fahrt nach Osten in den Sonnenaufgang.

Jetzt dümpeln wir auf einem kleinen Flecken Ozean, bewegen uns kaum von der Stelle. Das soll Passage sein?

Na ja, Passage kann ja je nach Zusammenhang vielerlei verschiedene Bedeutungen haben. Einkaufspassage, der federnde Trab bei der Dressur im Reitsport, Landenge, Textabschnitt zum Beispiel. Oder eben auch – ein wenig allgemeiner – eben ein Übergang, eine Verbindung, die auch eine Veränderung ist.

Und bei uns auf der Flora verändert es sich gerade von Jetzt kommen wir gleich in Neuseeland an – Aufregung hin zu Lass den Easterly-Punch-Boxer doch lieber ins Leere schlagen, warum sollen wir uns auf den letzten Metern verhauen lassen?

Also lieber einmal richtig auf die seglerische Bremse treten: wir drehen bei. Vom flotten Amwindkurs aus wird eine Wende gefahren, ohne die Segel zu bedienen. Gegenruder geben und das Steuer festsetzen. Danach ist das Boot auch bei Welle und viel Wind in einer selbststabilisierenden Lage, dem Beiliegen. Bei viel Wind und Welle kann man sich damit eine Erholungspause verschaffen, ruhen oder etwa Kochen oder Duschen.

Aber auch bei wenig Wind kann das Manöver hilfreich sein, man parkt quasi ein, driftet nur langsam nach Lee. Fast ist es, als ankerten wir mitten auf dem Ozean. Für uns heißt das, wir bleiben für einige Zeit an einem noch recht sonnigen und windarmen Platz eben außerhalb des stürmischen Easterly-Punch-Bereichs. Im Windy Satellitenbild lässt sich das sehr gut erkennen:

In der Realität sieht es so aus, dass Flora einen Tag lang mit seltsam verdrehtem Vorsegel sanft schaukelnd zwischen Sonnenschein und Wolkenbank liegt.

Wir können noch mal innehalten, auf dem Achterschiff duschen, lesen, spielen, reden, Hörbuch hören. Und uns mental auf den Schlussspurt nach Neuseeland vorbereiten, denn morgen früh wollen auf das hoffentlich etwas schwächere Ende des Easterly Punch aufspringen und weitersegeln.

Passage Fiji nach NZ, Tag 5: auf die Spitze treiben.

Da braut sich was zusammen. Diese kleine fiese Front, die sich so kurz vor unserer Ankunft scheinbar aus dem Nichts entwickelt und die sich ganz unvermittelt zwischen uns und Neuseeland drängt, sie folgt leider einem bekannten Muster.

„Easterly Punch“. So nennen die neuseeländischen Meteorologen dieses Phänomen. Ein sich überraschend schnell entwickelnder, aber auch eher kurzlebiger Ostsüdostwind. Wie ein Schlag. Zitat MetBob: „It’s a shock for the unaware“. Das kann man verstehen, denn nördlich dieser Front, da wo wir jetzt noch sind, herrschen eher schwache Winde. Die waren bei unserer Abfahrt auch noch für die letzten Meilen bis Neuseeland angesagt. Nur, der „Easterly Punch“ wartet hinter seiner scharf abgegrenzten Nordseite gleich mit Böen über 40 Knoten auf. Windstärke 9, Sturmstärke.

Ärgerlicherweise ziemlich genau da, wo wir am Sonntagmittag wären, wenn wir einfach gerade auf unserer geplanten Route weiterfahren.

So sagen es das Europäische Modell ECMWF und auch das deutsche Icon. Selbst wenn das amerikanische Wettermodell GFS recht behielte, fielen die Böen zwar etwas schwächer aus. Kämen auf diesem Kurs aber trotzdem schräg von vorn. Ebenso die Wellen, ca. 3 m hoch und alle 6 Sekunden. Das ist weit jenseits von nur unkomfortabel.

Unsere Optionen sind auch deshalb ein bisschen limitiert, weil uns ja der Schäkel des Fockfalls gebrochen ist, wir also unser kleines Vorsegel nicht benutzen können. Wir hoffen, das hier in diesem Flautenbereich beheben zu können. Auf dem offenen Ozean hoch in den Mast, das ist auch bei wenig Wind nicht ganz ohne. Die Ozeandünung schaukelt dort oben an einem 20 m langen Hebel, lässt die Mastspitze einfach ein paar Meter zur Seite schwingen. Aber: es hilft ja nichts. Also den Klettergurt an, den (Wingfoil-) Helm aufgesetzt und los. Wiebke zieht mich hinauf in die schwankende Höhe.

Bewegender Arbeitsplatz mit Aussicht

Tatsächlich hängt ein Teil des auseinander gebrochenen Schäkels noch vor dem Fall-Austritt und ich kann das Fallende wieder mit nach unten bringen.

Wir knoten einen Ersatzschäkel an, rollen die ja ohnehin schon etwas durchgesackte Fock aus und holen sie herunter, soweit es geht. Dann schneide ich den Keder des Vorsegels dort durch, wo er ausgerissen ist und sich die blockierende Schlaufe gebildet hat, nur so bekommen wir das Segel ganz herunter. Etwa fünf Zentimeter muss ich aus dem Keder herauskürzen, dann aber kann er wieder auf ganzer Vorliekslänge in die Nut der Rollanlage eingefädelt und das Segel mit dem Fall nach oben gezogen werden. Notreparatur, klar, aber wir haben wieder eine funktionsfähige Fock!

Und das eröffnet uns weitere Optionen, um mit dem Easterly Punch umzugehen: wir können wieder beidrehen, das heißt wir können nördlich der Front schlicht zwei Tage abwarten, bis sie durchgezogen ist. Oder wir können weiter nach Osten segeln und dann in die Front hinein. Der Wind und die Wellen kämen dann eher von hinten, deutlich weniger unangenehm, und mit kleinen Segeln dann handhabbar. Falls es uns doch zu viel wird, könnten wir nach Norden heraus aus der Front ablaufen oder eben beidrehen.

Ganz entschieden haben wir noch nicht, wir machen erst einmal Weg nach Ost. Auf dem Noforeignland-Track lässt sich der Haken in unserem Kurs gut erkennen. Derzeit ruhiges Segeln in schwachem Wind.

Essen: Mittags Asia-Suppe mit viel frischem Gemüse und Hackfleisch , das wir eingekocht hatten. Abends Bratkartoffeln mit Rührei und Schinken, Salat, Tomaten und Gurken. Nichts davon dürfen wir nach Neuseeland einführen, das muss jetzt alles weg.

Am Schiffsmittag: Etmal 162 sm, da hat der Code0 bis heute Morgen sehr gute Dienste geleistet, gesamt 808 sm bis Schiffsmittag. Bis jetzt sind heute noch weitere 48 sm dazu gekommen, auf direktem Weg wären es noch etwa 180 sm bis Opua in Neuseeland.

Passage Fiji nach NZ, Tag 4

Nachdem das Adrenalin der Aktion mit den Vorsegeln zunächst seine Wirkung getan hat, sackt mit etwas Abstand statt der Segel der Körper leicht durch: die schon überstanden geglaubte Seekrankheit ist zurück und ich füttere nochmal die Fische.

Dafür scheint unsere seglerische Improvisationslösung zu funktionieren. Das ist gut so, denn laut PredictWind-Vorhersage entwickelt sich bei Neuseeland ein Windband mit kräftigeren Winden und insbesondere wegen der fehlenden Fock nicht idealer Windrichtung (schräg von vorn). Nichts dramatisches, aber: je eher wir da sind, desto besser.

Immerhin, heute feiern wir Bergfest, mehr als die Hälfte der Strecke liegt im Kielwasser.

Flotte Fahrt, aber auch Wolken am Horizont. So geht’s in die Nacht:

Wir merken deutlich, dass wir den Wendekreis des Steinbocks nach Süden überquert und damit die Tropen wieder verlassen haben. Es wird deutlich kälter, lange Hosen und nachts auch Socken und Fleecedecke im Cockpit sind angesagt.

Essen: kaum der Erwähnung wert, ein paar trockene Cracker für mich, nochmal Bratkartoffeln (eigentlich meine Ration von gestern) für Wiebke.

Etmal: für diese Situation sehr gute 157 sm, gesamt 646 sm, noch etwa 410 sm zu segeln.

Passage Fiji nach NZ, Tag 1

Um 9.00 Uhr haben wir einen Termin zum Ausklarieren in Denarau. Wir sind um 8.20 Uhr da und das erweist sich als gute Entscheidung. Diverse Crews haben offenbar den gleichen Termin bekommen. So aber sind wir ziemlich weit vorne in der Schlange und um 9.15 Uhr tatsächlich schon durch. Vor dem Büro wartet inzwischen eine Traube von Seglern.

Das ist auch ein gutes Zeichen, denn offenbar sind wir nicht die einzigen, die in der aktuellen Vorhersage ein Wetterfenster erkennen. Es scheinen sich gut 40 Boote von Denarau und Nadi aus auf den Weg nach Neuseeland zu machen.

Ein wenig zweifeln wir trotzdem schon bald an der Entscheidung, denn nach der Riffdurchfahrt empfangen uns 3-Meter-Wellen und ein Amwind-Kurs. Keine sehr angenehme Kombination und immer wieder klatschen auch Wellen übers Deck. Gänzlich unerwartet ist das allerdings nicht, der Bereich eben südlich von Fiji‘s Hauptinsel Viti Levu ist für diese Bedingungen bekannt.

Immerhin können wir Kurs auf Neuseeland anlegen. Nach der Vorhersage sollte der Wind unterwegs ein kleines bisschen zu unseren Gunsten drehen und auch die Wellen dürften sich zumindest zwischenzeitlich etwas beruhigen.

Der erste Tag allerdings ist geprägt von viel Schräglage und wildem Geschaukel, nicht eben der perfekte Einstand. Immerhin sind wir recht flott unterwegs.

Essen: Wiebke hat eine Asia-Pfanne vorgekocht, die wird warm gemacht. Schon das ist bei den Bocksprüngen des Bootes nicht ganz ohne.

Etmal: 153 Seemeilen von Schiffsmittag bis Schiffsmittag, dazu 11 sm am ersten Vormittag. Also bisher 164 sm geschafft, noch etwa 890 sm vor uns.

Waya und Vorbereitungen für die Weiterfahrt nach Neuseeland

Von Nacula segeln wir mit einem Stop auf dem schon bei der Hinfahrt besuchten Naviti Island noch weiter südlich die Perlenkette der Yasawas hinunter nach Waya. Wieder einmal beeindruckt uns die Unterschiedlichkeit der Inseln.

Von weitem wirkt Waya kantig, fast abweisend.

Aus der Nähe betrachtet offenbart sich die herbe Schönheit der Insel.

Schroff, fast senkrecht steigen am Ankerplatz die schwarzen Felsen auf, als wollten sie der Insel einen gehörnten Helm aufsetzen.

Von Mareike und ihrer Crew werden wir gleich bei unserer Ankunft begrüßt, einmal mehr haben wir einen schönen gemeinsamen Abend auf der Moana.

Als wir am nächsten Morgen weiterfahren, ziehen sich niedrige Wolken weit die Hänge herunter. Man könnte fast glauben, wir seien in Schottland.

Aber kaum sind wir aus der Bucht heraus, reißt der Himmel ein bisschen auf. Erste Sonnenstrahlen kämpfen sich durch die Wolkendecke, beleuchten die Palmen hinter dem Sandstrand. Doch nicht Schottland!

Fast vierzig Seemeilen sind es bis zu unserem Tagesziel, aber mit Segeln wird es leider nichts. Wir motoren die ganze Strecke bis nach Denarau. Warum tun wir uns das an, wir hätten doch auch gemütlich in Waya bleiben können? Ja, schon. Aber: es gibt ein Wetterfenster für die Passage nach Neuseeland. Und zum Ausklarieren müssen wir eben nach Denarau, dort haben wir (wie gefordert) mit zwei Tagen Vorlauf für Montag einen Termin mit den Behörden vereinbart. Außerdem können wir in Denarau noch Frischwaren für die Passage einkaufen und – ganz wichtig – den Dieseltank der Flora wieder auffüllen.

Über Funk melden wir uns bei der Bootstankstelle. Ein Boot wird gerade betankt, wir sollen in 15 Minuten kommen. Das passt perfekt. Eigentlich. Allerdings entpuppen sich die 15 Minuten als … „Fiji Time“. Eine weitere Yacht drängelt sich dazwischen, nicht so wild. Die andere Seite des Tanksteges wird von kleineren lokalen Booten so genutzt, dass immer mindestens eines die Hälfte des Platzes nutzt und damit den Tankplatz blockiert, na gut, wohl ein Vorrecht der Locals. Dann ist irgend etwas mit der Zapfanlage, auf einmal geht nichts mehr. Kommunikation? Nö.

Geschlagene zwei Stunden driften wir im Hafenbecken vor der kleinen Tankstelle herum.

Dann geschieht ein kleines Wunder: wir kommen doch noch dran. Und das Warten hat sich auch gelohnt. Floras 400 Liter Dieseltank ist wieder komplett gefüllt, wir müssen uns nicht mehr vor möglichen Flautenlöchern auf der etwa einwöchigen Passage nach Neuseeland fürchten. Und der Preis an der Zapfsäule ist angesichts der aktuellen Ölpreisentwicklung recht günstig: ein Liter Diesel kostet 3,20 FJD (ca. 1,25 €), Benzin für den Außenbordmotor des Dinghies ist mit 3,10 FJD (ca. 1,20 €) noch etwas billiger.

Morgen früh um 9.00 Uhr haben wir einen Termin zum Ausklarieren. Der umfangreiche Formularkram für Neuseeland ist schon eingereicht. Das Wetterfenster sieht gut aus, was den Wind angeht. Die Wellen werden vermutlich mit bis etwas über 3 m zwischenzeitlich unangenehm hoch sein, aber die Frequenz den Wellen ist mit rund 12 Sekunden immerhin einigermaßen lang. Sowas wird für diese Passage schon als recht gutes Wetterfenster verkauft. Es ist halt kein Wunschkonzert.

Drückt uns also gerne die Daumen.

Halb und Halb

Musket Cove auf Malolo Island

Unser Segel hat sich immer noch nicht wieder angefunden. Extrem ärgerlich. Wir haben schon mal Anfragen für eine neue Fock gestartet, aber die würde uns wahrscheinlich nicht mehr in Fiji erreichen, sondern bestenfalls in Neuseeland.

Aber: bis zum 14. September hätten wir Fiji verlassen müssen, kurz vorher bekommen wir eine Email, es klappt dann doch noch mit der zweimonatigen Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis. Pfff. Durchatmen. Unsere Reisepässe müssen wir bei der Immigration mit neuen Stempeln versehen lassen. Bevor wir dazu wieder nach Denarau zurücksegeln, machen wir noch einen herrlichen Spaziergang über Malolo Island. Die Ankerbucht von Musket Cove füllt sich immer mehr. Die Fiji Regatta Week mit der 42. Musket Cove Regatta steht an, in diesem Jahr wird zugleich der 50. Geburtstag des Musket Cove Island Resorts gefeiert. Neben Segelregatten gibt’s Kostümfeiern mit „Pirate Days“ und ähnlichem Spektakel.

Das ist nicht so unser Ding, das Timing passt also ganz gut für unsere Weiterfahrt.

Die Immigration in Denarau ist zwar besetzt, aber den erforderlichen Stempel hat man leider nicht vor Ort. Also ins Taxi gesprungen und zur Immigration nahe des Flughafens von Nadi. Das Gebäude kennen wir schon von der Beglaubigung unserer aktuellen Fotos im Passfoto-Format. Immerhin, alles klappt, Stempel in den Pässen und wir dürfen bis maximal 14. November in Fiji bleiben.

Als wir die Bucht vor Denarau verlassen, kommen wir an der schon vor drei Jahren außer Dienst gestellten „Reef Endevour“ vorbei. Der kleine Kreuzfahrer hat einige Zeit lang Touren durch die Yasawa-Inseln gemacht, jetzt aber rottet er am Rande des Ankerplatzes langsam vor sich hin und wird anscheinend nach und nach ausgeschlachtet, ein trauriger Anblick.

Das alte Schiffe auch ganz erfreulich anzuschauen sein können, belegt die gegenüber ankernde Luxusyacht „Haida“:

Sie wurde 1929 auf der Krupp-Werft in Kiel für den Lebensmittelproduzenten Max C. Fleischmann gebaut, ist heute aber bekannter wegen ihres Auftritts im Film „Mama Mia“ von 2008.

Deutlich wird bei beiden Schiffen, dass wir jetzt im Westen von Fiji und damit im touristisch stärker erschlossenen Teil des Landes unterwegs sind. Die Inselgruppe der Yasawas ist vergleichsweise gut an den internationalen Flughafen Nadi angebunden, auf den meisten Eilanden hier gibt es gleich mehrere Resorts. Die ganz überwiegende Zahl der Gäste kommt aus Neuseeland und Australien eingeflogen.

Sie (und wir) erwarten Traumstrände und Palmen und die gibt es hier, na klar. Für uns ein bisschen überraschend: es sind keineswegs lediglich niedrige Atolle, überwiegend schmiegen sich die Resorts eher unauffällig in eine Landschaft, die auch eine rauhe Schönheit mitbringt.

Steile Berghänge, Felsformationen mit zackigen Graten und Resten der Schlote uralter Vulkane aus dem Eozän. Kein Wunder, dass die Yasawas und die südlich anschließenden Mamanuca Islands als Filmlocation der internationalen Reality-TV-Serie „Survivor“ dienen.

Seglerisch spannend: die Inseln der Yasawa-Gruppe sind nicht von einem durchgehenden Saumriff geschützt, der Ozeanschwell findet zumeist einen Weg an den Ankerplatz. Gebremst wird der Schwell nur von unzähligen einzelnen Riffen, die wild um die Inseln verstreut liegen und aufmerksame Navigation erfordern. Wir arbeiten uns entsprechend vorsichtig im Zickzack an der Westküste von Naviti Island hinauf zum Ankerplatz in der Vunayawa Bay. Sie soll uns Schutz bieten vor dem starken Südschwell, der mit bis zu vier Metern Wellenhöhe am Wochenende Fiji erreich könnte.

Ein erster Ankerversuch lässt uns dann doch für unseren Geschmack etwas zu nah an die scharfen Korallen vor dem Strand heran schwoien, die Drohne macht das sichtbarer als es der Blick vom Boot aus gezeigt hat.

Wir ankern lieber ein weiteres Mal und diesmal passt es gut. Kaum ist der Anker wieder in den Sandgrund eingefahren, verschlechtert sich auch das Wetter, Regen und kräftiger Südwind stellen sich ein.

Einkuscheln an Bord.

Bavatu Harbour

Im Norden von Vanua Balavu schneidet der Naturhafen Bavatu etwa einen Kilometer tief in das Inselinnere. Eine 40 m hohe Insel teilt steil aufragend die Einfahrt, so dass die Bucht fast rundherum geschützt ist. Das ist gut, trotzdem suchen wir uns ob des Starkwind ankündigenden tiefdunklen Lilas der Windvorhersage einen Platz in der hinterste Ecke von Bavatu Harbour.

Hier, ganz im Südosten der Bucht, können wir uns wunderbar verkriechen. Wir liegen im Windschatten einer senkrecht vor uns in die Höhe steigenden Felswand. Die kleine, dicht bewachsene Insel hinter uns bietet zudem die Gelegenheit zum Ausbringen einer Landleine. So können wir Flora quasi fest einparken und schwingen an dem engen und nach hinten schnell flach werdenden Ankerplatz nicht herum.

Kurz nach uns kommt die Lille Venn an, sie entscheidet sich für die andere Seite der kleinen Insel. My Motu legt sich dann wiederum auf unsere Seite. Was für ein herrliches Fleckchen!

Tatsächlich haben wir hier bisher von den kräftigen Winden und Böen praktisch nichts gespürt.

Die Nähe zu den dicht mit alten Bäumen bewachsenen Uferwänden hat zudem noch einen weiteren Vorteil: wir können von der Flora aus Flughunde an ihren Rastplätzen beobachten. Auch wenn wir die meisten nur im Flug sehen, weil sie zum Abhängen hinter das dichte Blattwerk schlüpfen, ein paar dieser hier wohl etwa 80 cm Flügelspannweite messenden Fledertiere zeigen sich uns dann doch auch vor dem grünen Vorhang:

Und wir können an diesem geschützten Platz im Bavatu Harbour die Flora auch gut mal alleine lassen und einen Hike auf die andere Seite der Insel machen. Durch den Wald hindurch und auch quer über die unerwartet großflächigen, mit Palmen bestandenen Weiden einer Farm.

Beim Wandern huschen vor uns immer wieder kleine Eidechsen davon. Insbesondere beim Sonnenbaden auf den aus den Wiesen ragenden Korallensteinen (oder ganz oben auf einer Mimose) können wir sie dann doch auch in Ruhe beobachten. Es sind Pazifische Blauschwanz-Eidechsen. Trotz des Namens ist der im Verhältnis zum Körper auffällig lange Schwanz allerdings nur bei Jungtieren wirklich auffällig irisierend blau. Mit zunehmendem Alter wechselt die Farbe über Blaugrün zu dem unauffälligen Braun des Körpers.

Eine zusätzliche Belohnung bei dieser ohnehin schon schönen Wanderung ist der Aussichtspunkt am westlichen Ende des Trails. Hoch oben von einer steilen Klippe bietet sich ein famoser Blick über die „Bay of Islands“. Dieses kleine Juwel ist mit seinem Gewirr von Inseln und Buchten für die meisten Segler der Hauptgrund für das Törnziel Vanua Balavu.

Wanderin über dem Inselmeer

(oder Korallenfelsen auf Vanua Balavu)

Damit blicken wir auch auf unser nächstes Ziel, denn wenn sich der Wind etwas legt, wollen wir Flora um die Nordwestecke von Vanua Balavu herum in die Bay of Islands segeln. So richtig eilig haben es damit aber weder der Wind noch wir.

Purer Zufall: Gerade als wir wieder weiter wandern wollen, kommt Ingo von der Easy-One am Aussichtspunkt an. Er ist von der Bay of Islands herauf gewandert. Zuletzt hatten wir uns in Französisch Polynesien gesehen. Verabredet haben wir uns hier oben nicht, wollten uns aber in der nächsten Zeit in der Bay of Islands treffen.

Kochend heiß in Savusavu.

Wir chillen immer noch in Savusavu, unser Liegeplatz in der Nawi-Marina macht uns die langsame Eingewöhnung aber leicht.

So nutzen wir tatsächlich über den Landstromanschluss ausnahmsweise mal die von unserem Vorbesitzer in die Flora eingebaute Klimaanlage. Es ist nicht einmal so sehr die Wärme (unter Deck meist so 28 oder 29 Grad) die uns zusetzt, sondern die Kombination mit hoher Luftfeuchtigkeit und eingeschränkter Lüftungsmöglichkeit wegen der vielen und teils heftigen Regengüsse. Die Klimaanlage nimmt auch viel Feuchtigkeit aus der Luft.

Lassen wir uns halt mal Luxus-verwöhnen. Marina-Pool, Restaurants, Bar. Und sogar Spa: eine Massage löst für uns beide die Muskelverspannungen der Passage und für Wiebke gibt’s noch Pediküre obendrauf.

Und dann zurück an die Arbeit: die Fock wird auf dem Steg noch einmal ordentlich zusammengelegt und der Schaden untersucht.

Die beiden Risse sind jeweils entlang von Nähten entstanden, einmal quer durchs Vorliek und einmal fast im rechten Winkel dazu entlang des UV-Schutzes. Das sieht reparabel aus und so verschicken wir das Segel mit dem in der Marina ansässigen Servicebetrieb Yacht Help an einen Segelmacher (Marshall Sails) auf Fijis Hauptinsel Vitu Levu. Dort wollen wir es dann später in der Saison abholen.

Wir holen Fiji-Dollar am Geldautomaten und erledigen die restlichen Formalitäten, denn sowohl die Gesundheitsbehörde (170 Fiji$) als auch Biosecurity (200 Fiji$, etwa 78 €) akzeptieren nur Barzahlung in Fiji$. Dann erkunden wir die erstaunlich guten kleineren Supermärkte in Savusavu und stocken auf dem Markt neben dem Busbahnhof im Zentrum auch unsere Obst- und Gemüsevorräte wieder auf. Die in Zeitungspapier gerollten Bündel von Kawa-Wurzeln werden wir dann kurz vor unserer Abfahrt noch kaufen, sie sind das typischerweise erwartete Gastgeschenk an den Dorf-Chief auf den kleineren Inseln.

Am Dienstag soll eigentlich unser Cruising-Permit fertig sein, für das offenbar die Behörden in der Hauptstadt Suva einbezogen werden müssen. Aber als wir es abholen wollen, sind die zuständigen Officer gerade unterwegs. Wir sollen später wiederkommen.

Na gut, dann ändern wir halt die Reihenfolge. Ein kleines Stück den Hang hinauf hinter dem Zollgebäude gibt es nämlich einen ganz besonderen Platz.

Unser Ziel sind die Nakama Hot Springs. Wir haben 4 rohe Eier, ein Netz und einen stählernen Bojenhaken eingepackt, außerdem Brot, Salz und Pfeffer. Was soll das geben? Ein einfaches, aber trotzdem sehr spezielles Picknick.

Zwischen mit Palmwedeln überdachten Bänken befinden sich auf dem öffentlichen Gelände mehrere in Stein eingefasste heiße Quellen. Die sind nicht zum Baden, sondern tatsächlich zum Kochen gedacht. Wir treffen mehrere Einheimische, die in der größten der drei Quellen tatsächlich ganze Säcke von Taro-Wurzeln kochen oder – wie uns Joeli erklärt – seit drei Stunden in einem in Stoff eingewickelten Topf ein Fleisch-Gemüsegericht garen.

Wir begnügen uns damit, im brodelnden Wasser der kleinsten Quelle unsere in das Netz gefassten 4 Eier zu kochen und sie nach 7 Minuten mit dem Bojenhaken herauszufischen. Abschrecken im vorbei fließenden Bach. Hm, ein Messer hätten wir wohl auch noch einpacken können.

Anders als etwa in den Nachbarstaaten Tonga oder Vanuatu gibt es in Fiji zwar keine aktiven Vulkane mehr, wohl aber erhebliche seismische und geothermische Aktivitäten. Eine Schautafel auf dem Gelände erklärt, dass Fiji auf einer eigenen kleineren tektonischen Platte liegt, unter die sich von beiden Seiten die Indo-Australische Platte und die Pazifische Platte schieben.

Und – typisch Fiji – was die Natur bietet, wird auch genutzt.

Tschüss Minerva

Photo credit: Jayne, S/V Scout

Es ist soweit. An diesem Wochenende geht der Wind endlich mal auf deutlich unter 20 kn herunter. Zeit, um ganz oben an der Mastspitze das Fockfall einzusammeln. James von der Scout assistiert an der Sicherungsleine, dadurch muss Wiebke nicht zwischen Genuawinsch und Mastwinsch hin und her flitzen.

Leider hat sich die Kausch des Falls etwas im Fallauslass verklemmt, also nochmal runter, neues Werkzeug holen, wieder rauf in 20 m Höhe und: ja, ich kann dasFall mit nach unten nehmen.

Wir bereiten die Ersatzfock vor und Phil von der Skylark bringt seinen Feeder herüber, der an einer kurzen Leine das Einfädeln der Fock in das Profilvorstag erleichtert. So ziehen wir gemeinsam die neue Fock hoch und und sind – endlich – wieder voll einsatzklar. Super, denn am Montag gibt es ein Wetterfenster für die Weiterfahrt nach Fiji.

Wir klaren die Flora auf, gehen nochmal Schnorcheln …

…, noch einmal eine lange Wingfoil-Session:

Und auch die Drohne kommt nochmal zum Einsatz, um die einmalige Atmosphäre dieses so besonderen Ruheplatzes mitten im Ozean noch einmal in Bildern einzufangen.

Die anderen Crews gehen derweil auf Lobsterfang, Minerva ist bekannt dafür. Jacqui und Phil bringen uns nach ihrer erfolgreichen Jagd ein Prachtexemplar vorbei:

Lobster credit: Phil & Jacqui, S/V Skylark

Festessen also auf allen Booten einschließlich der Flora! Da kommen sogar die silbernen Hummergabeln zum Einsatz. Das Geschenk unserer Freundin Catalina aus Hamburg hat uns schon in der Karibik, in Maine, in Alaska und BC und jetzt hier in Minerva gute Dienste geleistet. Mehrere Riesendankeschön, Ihr Lieben.

Ganz ohne weitere Bootsarbeit geht’s leider doch nicht ab, der Wassermacher streikt. Der Elektromotor der Hochdruckpumpe gibt keinen Mucks von sich. Strom kommt bei ihm an. Also ausbauen, reinigen. Eine der Kohlefaserbürsten ist defekt. Vom letzten Tausch haben wir aber noch eine gebrauchte, die noch ausreichend lang scheint. Wir setzen sie ein und siehe da, der Wassermacher tut wieder was er soll.

Also: die Passage nach Fiji kann starten.

Flora wieder mit Fock auf der Rollanlage