So wird Kokosöl auf Fulaga gemacht

Bei einem Besuch im Dorf erwähnt Lina, dass sie in dieser Woche Kokosöl machen wird und wir uns das gerne anschauen können. Lassen wir uns natürlich nicht entgehen.

Eins vorweg: Kokosöl und Palmöl sind zwei verschiedene Dinge. Palmöl wird aus dem Fruchtfleisch der dichten Büschel rötlicher Fruchtstände der Ölpalme hergestellt. Kokosöl dagegen: tja, aus dem weißen Fruchtfleisch der Kokosnüsse.

Seru zeigt uns, welchen Reifegrad der Kokosnüsse sie dazu hier auf Fulaga bevorzugen. Nicht die grünen Trinknüsse, na klar. In den braunen ist weniger Wasser, mehr Fruchtfleisch. Zu unserer Überraschung nimmt Seru aber am liebsten die bereits angekeimten Kokosnüsse, die schon etwa zwei Wochen am Boden gelegen haben. Praktisch kein Kokoswasser mehr, dafür ganz viel Fruchtfleisch und gerne schon etwas schaumartiger „Kokosapfel“ im Inneren. Der wird wird für das Öl zwar gar nicht verwendet, zeigt aber den richtigen Reifegrad an.

Der Schaum kann einzeln gegessen werden. Das feste weiße Fruchtfleisch wird dann aus der Nuss gelöst, zerkleinert und ausgepresst. Jetzt könnte eigentlich mit dem Kochen begonnen werden, aber dann müsste man sehr lange kochen, um das ganze Wasser zu verdampfen. Die Brennstoff sparendere Methode: den offenen Topf ein paar Tage in die Sonne stellen. So trennen sich Wasser und Öl-Rohstoff schon einmal grob. Nach dem Abgießen wird dann nur der Öl-Rohstoff in einem Topf aufs Herdfeuer in der Hütte gesetzt.

Als Brennstoff dienen neben etwas Holz die Kokosnuss-Schalen und die „Barawa“ (die hinter dem Herdfeuer in der Ecke stehenden trockenen Palmblattansätze. Wie eine Fackel brennen sie vom oberen Ansatz und werden nach und nach ins Feuer geschoben.

Jetzt kochen und dabei kontinuierlich rühren. Mit der Zeit wird der Kokosgeruch immer deutlicher. Aber erst wenn die festen Reste des weißen Kokosfruchtfleisches bräunlich werden und zuckerartig kristallisieren ist es soweit. Die süßlich schmeckenden Brösel werden abgesiebt und zurück bleibt das reine Kokosöl.

Insbesondere wenn das Kokosöl zur Pflege von Haut oder Haar verwendet werden soll, werden auch Blüten oder Blätter (z.B. Hibiskus oder Frangipani) beim Kochprozess hinzugefügt.

Lina mag das Kokosöl aber am liebsten pur und findet, dass es dann für die Zubereitung von Speisen auch am universellsten verwendet werden kann.

Wir bekommen gleich eine Kostprobe: Seru bereitet aus Mehl, Wasser und etwas Zucker Teig für „Saparaki“ vor. Diese Pfannkuchen werden dann von Lina in heißem Kokosöl ausgebacken. Anders als klassische Doughnuts werden sie aber nicht mit Eiern (dann wären es in Fiji „Parile“) und auch nicht mit Hefe (sonst „Babakau“) gemacht.

Lecker (auf fijianisch: maleka)!

Aber wir werden noch weiter verwöhnt. Lina hat aus Mehl und heißem Wasser noch einen anderen Teig vorbereitet. Aus den abgekühlten Kugeln rollt sie mit einem Nudelholz auf einer runden Holzplatte Roti-Fladen, der indische Einfluss in Fiji reicht kulinarisch bis auf die Lau-Inseln.

Seru schabt derweil aus (diesmal ungekeimten) Kokosnüssen wiederum das Fruchtfleisch heraus.

Er presst es mit den Händen aus. Die so gewonnene sahnige Kokosmilch wird dann über die von Lina in der heißen Pfanne gebackenen (nicht frittierten) und dann aufgerollten Roti gegossen.

Und natürlich lassen es sich die beiden nicht nehmen, uns nach dem leckeren Essen auch noch eine Flasche von dem frisch gemachten Kokosöl mitzugeben.

Leere Glasflaschen (Weinflaschen mit Schraubverschluss) sind im Dorf übrigens für das Abfüllen des Öls sehr begehrt. Wir haben Lina ein paar mitgebracht, neben kleinen Gastgeschenken wie Tüchern, Sonnenbrillen, Lesebrille, Schnorchelbrille, und Verbandszeug für Linas maladen Daumen.

Lebensmittel anbauen, ernten, verarbeiten, zubereiten. Für die Inselbewohner hier auf Fulaga macht das einen großen Teil ihres Alltags aus.

Was für ein Privileg, dass uns Lina und Seru an diesem Leben so unmittelbar teilhaben lassen.

Fulaga: ein ganz besonderes Erlebnis

Etwa 20 Segelboote haben sich in Fulaga eingefunden. Kein Wunder, es hat sich unter den Cruisern herumgesprochen, dass dieses atemberaubende Naturwunder die durchaus meist schwierige Anreise mehr als wert ist. Einklariert werden kann auf den Inseln in Fiji‘s Lau-Gruppe nicht, das geht nur auf den Hauptinseln weiter im Nordwesten. Erst danach darf die Lau-Gruppe angelaufen werden. Dazu sind dann allerdings etwa 200 Seemeilen gegen den vorherrschenden Südostpassat mit der entsprechenden Pazifikwelle zurückzulegen. Und außer mit dem Segelboot ist Fulaga fast gar nicht zu erreichen. Immerhin, zwar ohne regelmäßigen Fahrplan aber meistens einmal im Monat läuft ein Versorgungsschiff diese Insel an. Es befördert auch Personen. Die Inselbewohner können so ihre Verwandten in der Hauptstadt Suva besuchen (für mindestens einen Monat) und zum Beispiel Baumaterial (wie etwa die typischen Wasserspeicher) bestellen.

20 Boote hört sich für ein so abgelegenes Ziel viel an. Unser Ankerplatz ist auch tatsächlich gut besucht, wenn auch keineswegs überfüllt. Es gibt genug andere Möglichkeiten zum Ankern hier, denn den größten Teil der über 18 Quadratkilometer messenden Insel nimmt ja die innere Lagune ein. Warum also knubbeln wir uns besonders hier im Südosten? Auf fast allen Booten sind Kiter oder Wingfoiler und die Bedingungen hier sind einfach ideal. Ziemlich glattes Wasser und konstanter Wind. Da bin ich dabei.

Allerdings: Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Gerade läuft es noch so gut, die Halsen klappen, dann aber haut es mich hin und ich falle unglücklich genau in den Wing hinein.

Mmh, da steht eine längere intensive Reparatur an:

Und zwischendurch lässt sich die Zeit auch mit anderem Wassersport gut überbrücken. Wir bauen endlich mal wieder unser Zweier-Kayak auf. Perfekt für die flachen Abschnitte zwischen den unzähligen pilzförmigen Kalkstein-Inselchen mit ihren verborgenen Sandstränden, den Höhlen und den Durchbrüchen zum „Wassergraben“, der das äußere Saumriff zur Lagune abgrenzt.

Es ist wahrlich traumhaft hier. Und doch: das ganz besondere Erlebnis machen wie so oft auf unserer Reise die Menschen aus. Hier auf Fulaga wird ja beim Sevusevu jeder Bootscrew eine Gastfamilie zugeordnet. Unsere hat uns für Sonntag nach der Kirche zum Lunch eingeladen.

Für den Kirchgang kleiden wir uns wieder formal mit Herrenrock bzw. langem Tuch um die Hüften.

Photo credit: Aagje, SY My Motu

Neue erste Male: auch vor der Kirche werden die Schuhe ausgezogen. Die „Glocken“ der Kirche sind rot gestrichene ausgehöhlte Baumstämme, auf denen zum Gottesdienst getrommelt wird. Und die meisten Gesänge in der Kirche werden von einer sehr hektisch geschlagenen Triangel als einzigem Instrument begleitet. Der jugendliche Musikant scheint die Gemeinde zu schnellerem Singen antreiben zu wollen, er ist im Takt deutlich voraus. Die Predigt auf Fijianisch verstehen wir nicht, den deutlich ermahnenden um nicht zu sagen anklagende Tonfall des Pastors aber schon. Wird wohl unser einziger Besuch in dieser Kirche bleiben.

Das Highlight folgt aber danach: Lunch bei unserer Gastfamilie. Talei und Lina sind Schwägerinnen, gemeinsam mit ihren Männern Nam und Seru sowie Lucy und Enkel Caleb leben sie in einer sehr einfachen Hütte. Zwei Wände und eine Hälfte des Daches sind aus geflochtenen Palmblättern gefertigt. Die andere Hälfte des Dachüberstandes ist aus Wellblech und wird zum Auffangen von Regen als Trinkwasser genutzt. In einer mit Wellblech geschützten Ecke wird über einem offenen Feuer gekocht. Der 8jährige Caleb hat die Aufgabe, nach der Schule trockene Palmzweigansätze als Feuerholz zu sammeln.

Die Brüder Nam und Seru stammen aus Fulaga, hatten aber zwischenzeitlich beide die Insel verlassen. Als zunächst Nam und seine Frau Talei beschlossen, nach Fulaga zurückzukehren baten sie die Dorfältesten, eine traditionelle Hütte statt einer moderneren Holzhütte zu errichten. Insbesondere Talei wollte nach dem Studium in Malaysia und beruflichen Aufenthalten in China und England sowie in Fiji‘s Haupstadt Suva zurück zum einfachen, ländlichen Leben.

Bei inzwischen sechs Bewohnern ist eine hölzerne Schlafhütte dazu gekommen, eine zweite ist im Bau. Die Dachflächen dieser Hütten helfen auch, den Bedarf an Trinkwasser zu decken. Die weltoffene Talei ist dabei keineswegs dogmatisch traditionell: zwischen den Hütten findet sich eine Starlink-Antenne. Sie ermöglicht es Enkelkind Caleb tägliche Video-Telefonate mit seiner Mutter in Suva. Der Strom kommt aus (von der Regierung gesponserten) Solarpanelen.

Mit Talei, Nam und deren Enkel Caleb beim Festmahl, im Hintergrund bereitet Seru auf dem offenen Feuer weitere Köstlichkeiten zu

Es gibt Fisch, von Talei frisch gefangen, dazu mehrere Varianten der super leckeren Bratlinge aus Morringeli-Blättern (deutsch: Meerettichbaum, unbedingt googeln), Tapioka und weitere Köstlichkeiten.

Und es gibt lange, intensive Gespräche. Über Gott und die Welt (Talei und Nam gehen nicht in die Kirche), über das Schulsystem und den Schulalltag von Caleb, über die Familienbindungen in Fiji, den Sternenhimmel, das Reisen, dieses und jenes und vor allem über das Leben und was darin wirklich wichtig ist.

Danke für Eure Gastfreundschaft und Eure Offenheit. Danke, dass Ihr Euer Heim in Fulanga auch unser Heim sein lasst. Danke, dass Ihr diesen ohnehin wunderschönen Ort so für uns mit diesem einzigartigen Erlebnis in unsere Erinnerung prägt.

Kochend heiß in Savusavu.

Wir chillen immer noch in Savusavu, unser Liegeplatz in der Nawi-Marina macht uns die langsame Eingewöhnung aber leicht.

So nutzen wir tatsächlich über den Landstromanschluss ausnahmsweise mal die von unserem Vorbesitzer in die Flora eingebaute Klimaanlage. Es ist nicht einmal so sehr die Wärme (unter Deck meist so 28 oder 29 Grad) die uns zusetzt, sondern die Kombination mit hoher Luftfeuchtigkeit und eingeschränkter Lüftungsmöglichkeit wegen der vielen und teils heftigen Regengüsse. Die Klimaanlage nimmt auch viel Feuchtigkeit aus der Luft.

Lassen wir uns halt mal Luxus-verwöhnen. Marina-Pool, Restaurants, Bar. Und sogar Spa: eine Massage löst für uns beide die Muskelverspannungen der Passage und für Wiebke gibt’s noch Pediküre obendrauf.

Und dann zurück an die Arbeit: die Fock wird auf dem Steg noch einmal ordentlich zusammengelegt und der Schaden untersucht.

Die beiden Risse sind jeweils entlang von Nähten entstanden, einmal quer durchs Vorliek und einmal fast im rechten Winkel dazu entlang des UV-Schutzes. Das sieht reparabel aus und so verschicken wir das Segel mit dem in der Marina ansässigen Servicebetrieb Yacht Help an einen Segelmacher (Marshall Sails) auf Fijis Hauptinsel Vitu Levu. Dort wollen wir es dann später in der Saison abholen.

Wir holen Fiji-Dollar am Geldautomaten und erledigen die restlichen Formalitäten, denn sowohl die Gesundheitsbehörde (170 Fiji$) als auch Biosecurity (200 Fiji$, etwa 78 €) akzeptieren nur Barzahlung in Fiji$. Dann erkunden wir die erstaunlich guten kleineren Supermärkte in Savusavu und stocken auf dem Markt neben dem Busbahnhof im Zentrum auch unsere Obst- und Gemüsevorräte wieder auf. Die in Zeitungspapier gerollten Bündel von Kawa-Wurzeln werden wir dann kurz vor unserer Abfahrt noch kaufen, sie sind das typischerweise erwartete Gastgeschenk an den Dorf-Chief auf den kleineren Inseln.

Am Dienstag soll eigentlich unser Cruising-Permit fertig sein, für das offenbar die Behörden in der Hauptstadt Suva einbezogen werden müssen. Aber als wir es abholen wollen, sind die zuständigen Officer gerade unterwegs. Wir sollen später wiederkommen.

Na gut, dann ändern wir halt die Reihenfolge. Ein kleines Stück den Hang hinauf hinter dem Zollgebäude gibt es nämlich einen ganz besonderen Platz.

Unser Ziel sind die Nakama Hot Springs. Wir haben 4 rohe Eier, ein Netz und einen stählernen Bojenhaken eingepackt, außerdem Brot, Salz und Pfeffer. Was soll das geben? Ein einfaches, aber trotzdem sehr spezielles Picknick.

Zwischen mit Palmwedeln überdachten Bänken befinden sich auf dem öffentlichen Gelände mehrere in Stein eingefasste heiße Quellen. Die sind nicht zum Baden, sondern tatsächlich zum Kochen gedacht. Wir treffen mehrere Einheimische, die in der größten der drei Quellen tatsächlich ganze Säcke von Taro-Wurzeln kochen oder – wie uns Joeli erklärt – seit drei Stunden in einem in Stoff eingewickelten Topf ein Fleisch-Gemüsegericht garen.

Wir begnügen uns damit, im brodelnden Wasser der kleinsten Quelle unsere in das Netz gefassten 4 Eier zu kochen und sie nach 7 Minuten mit dem Bojenhaken herauszufischen. Abschrecken im vorbei fließenden Bach. Hm, ein Messer hätten wir wohl auch noch einpacken können.

Anders als etwa in den Nachbarstaaten Tonga oder Vanuatu gibt es in Fiji zwar keine aktiven Vulkane mehr, wohl aber erhebliche seismische und geothermische Aktivitäten. Eine Schautafel auf dem Gelände erklärt, dass Fiji auf einer eigenen kleineren tektonischen Platte liegt, unter die sich von beiden Seiten die Indo-Australische Platte und die Pazifische Platte schieben.

Und – typisch Fiji – was die Natur bietet, wird auch genutzt.

Passage Minerva nach Fiji, Tag 1

Und wieder Ozeansegeln. Die Wellen sind immer noch bei 2,5 m Höhe (aus Südwest), der Wind pendelt zwischen Südost und Süd und ist auch in der Stärke ziemlich variabel.

Wir haben einen Spinnakerbaum an Steuerbord fest geriggt und die Fock in den ersten 24 Stunden sechsmal zwischen dem Spibaum und der normalen Backbord-Schot hin und her gewechselt.

Schauer ziehen immer mal wieder durch und bringen weitere Abwechslung ins Wettergeschehen.

Zum Ende des ersten Tages dann auch noch mal 45 Minuten motoren durch eine Flaute, bei der der hohe Ozeanschwell uns ordentlich durchschüttelt.

Stimmung an Bord ist aber gut, bisher keine Seekrankheit.

Die Scout und die Quantum sind am selben Vormittag ein paar Stunden vor uns losgefahren, insofern können wir bisher meist zumindest eines der beiden anderen Boote auf dem AIS sehen.

Mit dem Hörbuch „Sugar“ stimmen wir uns schon mal auf Fiji ein.

Etmal: 141 Seemeilen, noch circa 290 Seemeilen bis Fiji.

Essen: Wiebke hat in Minerva Steckrübensuppe vorgekocht. Unsere Würstchen (mit Schweinefleisch) müssen aufgegessen werden, die dürfen ebenso wie Obst, Gemüse und Honig nicht nach Fiji eingeführt werden.

Tschüss Minerva

Photo credit: Jayne, S/V Scout

Es ist soweit. An diesem Wochenende geht der Wind endlich mal auf deutlich unter 20 kn herunter. Zeit, um ganz oben an der Mastspitze das Fockfall einzusammeln. James von der Scout assistiert an der Sicherungsleine, dadurch muss Wiebke nicht zwischen Genuawinsch und Mastwinsch hin und her flitzen.

Leider hat sich die Kausch des Falls etwas im Fallauslass verklemmt, also nochmal runter, neues Werkzeug holen, wieder rauf in 20 m Höhe und: ja, ich kann dasFall mit nach unten nehmen.

Wir bereiten die Ersatzfock vor und Phil von der Skylark bringt seinen Feeder herüber, der an einer kurzen Leine das Einfädeln der Fock in das Profilvorstag erleichtert. So ziehen wir gemeinsam die neue Fock hoch und und sind – endlich – wieder voll einsatzklar. Super, denn am Montag gibt es ein Wetterfenster für die Weiterfahrt nach Fiji.

Wir klaren die Flora auf, gehen nochmal Schnorcheln …

…, noch einmal eine lange Wingfoil-Session:

Und auch die Drohne kommt nochmal zum Einsatz, um die einmalige Atmosphäre dieses so besonderen Ruheplatzes mitten im Ozean noch einmal in Bildern einzufangen.

Die anderen Crews gehen derweil auf Lobsterfang, Minerva ist bekannt dafür. Jacqui und Phil bringen uns nach ihrer erfolgreichen Jagd ein Prachtexemplar vorbei:

Lobster credit: Phil & Jacqui, S/V Skylark

Festessen also auf allen Booten einschließlich der Flora! Da kommen sogar die silbernen Hummergabeln zum Einsatz. Das Geschenk unserer Freundin Catalina aus Hamburg hat uns schon in der Karibik, in Maine, in Alaska und BC und jetzt hier in Minerva gute Dienste geleistet. Mehrere Riesendankeschön, Ihr Lieben.

Ganz ohne weitere Bootsarbeit geht’s leider doch nicht ab, der Wassermacher streikt. Der Elektromotor der Hochdruckpumpe gibt keinen Mucks von sich. Strom kommt bei ihm an. Also ausbauen, reinigen. Eine der Kohlefaserbürsten ist defekt. Vom letzten Tausch haben wir aber noch eine gebrauchte, die noch ausreichend lang scheint. Wir setzen sie ein und siehe da, der Wassermacher tut wieder was er soll.

Also: die Passage nach Fiji kann starten.

Flora wieder mit Fock auf der Rollanlage

Passage von Opua nach Minerva, Tag 4

Nur graduelle Verbesserung beim Seegang und der Seekrankheit.

Jedenfalls müssen wir uns keine Sorgen mehr darüber machen, dass die Fock beim Hochziehen in Fetzen gehen könnte. Eine besonders fiese Welle begräbt das Vorschiff unter Wassermassen und spült einen Zipfel der Fock außenbords. Den Rest erledigt das Wasser. Bevor wir sie zurück an Bord ziehen können, reißt die Fock. Sie hat immerhin 45.000 Seemeilen auf dem Buckel, das wird sie etwas mürbe gemacht haben. Wir bergen sie natürlich nochmal, auch wenn sich das jetzt in der Dunkelheit auf dem bockenden Vorschiff ziemlich langwierig und kräftezehrend gestaltet. Das Adrenalin kickt kurz die Seekrankheit weg, sie meldet sich danach aber gleich zurück.

Außerdem fällt unser UKW-Funkgerät aus. Wir hoffen auf einen Wasserschaden nur in der Kabelverbindung der Stromversorgung. Das müssen wir später am Ankerplatz klären, bis dahin haben wir ja noch unsere beiden Handfunkgeräte (mit allerdings deutlich geringerer Reichweite.

Weiter motorsegeln Richtung Minerva.

Etmal 107 Seemeilen, gesamt bisher auf dieser Passage 570 Seemeilen, noch zu Segeln bis Minerva etwa 190 Seemeilen.

Essen: Salzbrezeln und etwas Apfel (schmeckt rauf wie runter).

Schwacher Lichtblick: der wohl flachste Regenbogen unserer bisherigen Reise.

Und ein echter Hoffnungsschimmer: die Wellenhöhe geht weiter etwas herab und der Wind dreht leicht zu unseren Gunsten.

Außerdem fahren wir seit Kanada eine niegelnagelneue Ersatzfock unter unserer Achterkoje spazieren.

Refit der Flora in Neuseeland

„Refit“, das trifft es eigentlich ganz gut. Es war einfach mal wieder an der Zeit, unserer Flora eine Kur zu gönnen, sie wieder richtig fit zu machen. Seit fast sieben Jahren leben wir auf dem Boot, die vielen Jahre unterwegs haben Spuren hinterlassen. Klar, wir haben unterwegs immer wieder, eigentlich laufend, an ihr gearbeitet. Aber insbesondere die letzten Jahre in den etwas abgelegeneren Ecken des Pazifik haben für einen gewissen Service-Stau gesorgt. Zuletzt (und auch nur kurz) aus dem Wasser gekrant hatten wir das Schiff ja in Kanada. Neuseeland ist – was Ersatzteilversorgung und auch maritimen Service angeht – ein ausgesprochen guter Ort dafür, diesen Stau abzuarbeiten. Trotz der guten Infrastruktur hat das am Ende deutlich länger gedauert als zunächst veranschlagt, das war ja in den letzten Beiträgen bereits Thema. Aber ein Blick auf die Gesamtliste erklärt das schon ein bisschen.

  • Motor: große Inspektion, neue Motorfüße, neuer Turbolader, Einspritzdüsen geprüft, neuer Wärmetauscher, neues Motorinterface zum NMEA 2000 Netzwerk, neuer Anlasser (bisheriger als Ersatzteil, getauscht)
  • Antriebswelle: neues Wellenlager, neue Wellendichtung
  • Getriebe: Ölwechsel und Filterwechsel, Aquadrive-Kupplung ausgebaut und überprüft
  • Schaltung: neuer Schalthebel an der Steuersäule
  • Dieselgenerator: Instandsetzung nach Ausfall. Verstopftes Auspuffknie gereinigt, ebenso Wärmetauscher und Wasserabscheider, Kühlflüssigkeit erneuert, Ausgleichstank für Kühlflüssigkeit neu verlegt, neue Auspuffschläuche
  • Borddurchlässe und Seeventile: 23 Borddurchlässe (davon 17 im Unterwasserschiff) auf TrueDesign Kompositborddurchlässe umgestellt
  • Fäkalientanks: beide Schwarzwassertanks durch neu gefertigte Edelstahltanks ersetzt, diverse Leitungen und Ventile ebenfalls erneuert
  • Segel: vom Segelmacher durchgesehen, UV-Schutz an Fock und Großsegel erneuert, Großsegelunterliek repariert
  • Solarpanel: zwei zusätzliche Panel je 100 Wattpeak auf den Davids (zusätzlich zu dem 430 WP Panel, dafür neuen Aluminiumrahmen schweißen lassen. Zwei der vier 100 WP Panel auf dem Bimini erneuert
  • Bimini: repariert, neue Fensterfolie für den Blick in die Segel, nachgenäht und Klett erneuert
  • Navigationsinstrumente: Neuer Monitor am Kartentisch für den Bordcomputer, ORCA Navigation (ORCA Core und Display) ergänzt
  • Unterwasserschiff komplett überarbeitet, Schadstellen heruntergeschliffen und neu aufgebaut, über alles eine Epoxi-Sperrschicht und 5 neue Schichten Epoxi-Coppercoat
  • Sämtliche Polster im Salon, am Kartentisch und Sitz in der Achterkoje neu bezogen, Umbau der „Runden Ecke“ im Salon auf eckig
  • Waschmaschine neu (im vorderen Bad, Camec II 4 KG)
  • Wasserhähne und Dusch-Armaturen in beiden Bädern neu
  • Herd/Backofen neu (Kardanik in altem Herd war ausgerissen, zudem neu: Grillfunktion)
  • Ocean-Air Rollos repariert, mit neuen Verdunklungsstoffen und neuen Mückennetzen versehen
  • Gardinen im Achterschiff erneuert (selbst genähte Verdunklungsgardinen)
  • Laufendes Gut: Großsegelausholer erneuert
  • Wassermacher: Ölwechsel, Fitting neu eingedichtet, neue Membran (deren Einbau erfolgt aber erst, wenn wir wieder in klarem Meerwasser sind)
  • Bugstrahlruder: neue Propeller, neues Antifouling im Tunnel
  • Kielnaht erneuert
  • Anoden: neue Zinkanoden an Welle, Propeller, Bugstrahlruder und Kühlschrank (Kühlungen in den Bordduchlässen der Küchenspüle)
  • Gelcoat: kleinere Schäden im Bereich des Hecks repariert
  • Rumpf poliert (über der Wasserlinie)
  • Spiegel in beiden Bädern neu

Eine kleine Auswahl mit Vorher-, Chaos- und Nachher-Fotos:

Die Spiegel sind übrigens nach einer kleiner Irrversendung quer durch Neuseeland heute erst hier angekommen. Egal, besser spät als nie und wir sind ja noch hier. Letzteres allerdings nur, weil quasi in der Nachbarschaft Zyklone (so wird ein Hurrikan auf der Südhalbkugel genannt) unterwegs sind. Die Zyklonsaison dauert im Südpazifik regulär noch bis Ende April. Erst danach wollen wir uns Richtung Fiji aufmachen. Denn jetzt sieht es in den Tropen nördlich von Neuseeland so aus: während nordöstlich von Australien der tropische Zyklon Maila fast stationär seine Runden dreht, steuert der tropische Zyklon Vaianu gerade an Fiji vorbei südwärts Richtung Neuseeland. Dabei wird er sich über dem kälteren Wasser abschwächen (derzeit ist Vaianu in der Kategorie 3 eingestuft), aber nach bisheriger Prognose erwarten wir in Neuseeland zum Wochenende schlechtes Wetter mit extremen Regenfällen und sehr starken, in der Richtung drehenden Winden. Da bleiben wir lieber noch ein wenig hier im gut geschützten Whangārei etwa 30 Kilometer flussaufwärts der Küste.

Nebenbei sind wir Dauergast in den großen Supermärkten von Whangārei und stocken jetzt auch schon die langfristigen Proviantvorräte auf Flora für die kommende Saison wieder auf.

Napier in der Hawke’s Bay: Art Deco und Weinbau

Ein freudiges Wiedersehen: In Napier, an der weit geschwungenen Hawke’s Bay, treffen wir uns mit Barbara und Ralph von der Lille Venn.

Gemeinsam erkunden wir zunächst das Stadtzentrum. Die Besonderheit: Napier weist eine sehr hohe Konzentration von Gebäuden im Art Deco Stil auf, gilt deshalb (neben Miami Beach) als eine der Hauptstädte dieses Architekturstils.

Der Grund dafür ist ein katastrophaler. Am 3. Februar 1931 verwüstete das Hawke‘s Bay Erdbeben mit einer Starke von 7,8 auf der Richter Skala diesen Landesteil. Der Meeresboden hob sich großflächig um mehr als zwei Meter an, die bisheriger Lagune fiel weitestgehend trocken, 40 Quadratkilometer neue Landfläche entstanden.

Die Erschütterungen des zweieinhalbminütigen Hauptbebens und der etwa 600 Nachbeben sowie ausbrechende Feuer legten fast die gesamte Stadt in Schutt und Asche.

Trotz Weltwirtschaftskrise wurde die Stadt in einem Kraftakt wieder aufgebaut. Dafür wurden auch Architekturstudenten eingespannt. Art Deco wurde als optimistisch und zukunftsorientiert empfunden, das passte. Die Entscheidung für den zu der Zeit modernen Stil Art Deco war aber vermutlich nicht nur der „Mode“ geschuldet. Gegenüber den zuvor verbreiteten Holzhäusern wurden die Art Deco Bauten im Wesentlichen aus Betonplatten errichtet. Weniger feueranfällig und günstig, zumal auch die dekorativen Elemente des Baustils vergleichsweise preiswert herzustellen waren. Die charakteristischen geometrischen Formen, Wellen- und Zickzack- sowie Sonnen-Muster als Symbole von Freiheit und Kraft (flankiert von Ägyptischen anmutenden Anleihen nach der Entdeckung des Grabes von Tut Anch Amun) konnten auch mit Farbe hervorgehoben werden.

Vom langen schwarzen Strand der Stadt führt eine Betonplattform hinaus aufs Meer.

Am Horizont sehen wir gerade einen Holzfrachter davondampfen, durch Kahlschlag betriebene Waldwirtschaft bildet noch immer einen wesentlichen Wirtschaftszweig in Neuseeland. Der Holzhafen ganz nahe am Stadtzentrum zeigt das eindrücklich:

Und neben der Forstwirtschaft ist Landwirtschaft ebenso von großer Bedeutung. Um Napier ist das vor allem durch große Obstanbaugebiete sichtbar. Apfelplantagen und Weinbau stechen besonders heraus. Hawke’s Bay ist das älteste (und mit seinen über einhundert Weingütern heute noch zweitgrößte) Weinanbaugebiet Neuseelands. Insbesondere Chardonnay, Syrah und Merlot-Cabernet-Cuvées erreichen Premium Niveau.

Müssen wir natürlich ausprobieren (zur Begleiteung bei richtig guten Restaurantbesuchen) und anschauen (bei einer ausgiebigen Fahrradtour).

Besonders schön, dass wir das gemeinsam mit unseren Freunden erleben.

Zum Cape Reinga und zum „Ninety Mile Beach“, außerdem Gumdigger und schneeweiße Dünen

Wunderschöne, scheinbar unendliche Strände? Keine Frage, die hat Neuseeland zu bieten.

Vor allem hoch im Norden der Nordinsel mit dem legendären „Ninety Mile Beach“.

Aber um da hin zu kommen, braucht es etwas Geduld. Etwa vier Stunden würde die rund 280 Kilometer lange Fahrt von Whangārei bis zum Cape Reinga an der Nordwestspitze Neuseelands mindestens dauern. Etwas mehr, wenn man wie wir statt der recht gut ausgebauten Landstraße „Highway #1“ zunächst den kleineren „Highway #15“ nimmt. Letzterer führt – typisch für die kleineren Straßen in Neuseeland – mit zumeist nur einspurigen Brücken über die Flußläufe und ist eher landschaftsangepasst angelegt, dadurch äußerst kurvenreich.

Da wir am Freitagnachmittag erst nach der Bootsarbeit losfahren, haben wir uns als Unterkunft für das Wochenende ein AirBnB auf einer Farm bei Ngataki an der Henderson Bay gewählt.

Kurz bevor wir dort ankommen, lockt uns ein Schild am Straßenrand noch auf einen weiteren kleinen Umweg.

„Gumdiggers Park“ ist ein kleines Museum, welches das Leben und Arbeit der „Gumdigger“ zeigt, im wesentlichen im Freiluftbereich auf einem authentischen, im ursprünglichen Zustand belassenen „Gumfield“. Hinter dieser ominösen Bezeichnung verbirgt sich einer der zwischen 1850 und 1950 wesentlichsten Wirtschaftszweige Neuseelands. Heute fast vollständig vergessen, wurden in dieser Zeit etwa 450.000 Tonnen (sic!) „Kauri-Gum“ exportiert. Der Exportwert betrug insgesamt rund 25 Millionen Britische Pfund, in der Spitzenzeit um 1900 herum überstieg er den der landwirtschaftlichen Produkte.

Und was ist Kauri-Gum? Bernstein aus dem Harz fossiler Kauri-Bäume. Kauri, die größte neuseeländische Baumart, sind immergrüne Laubbäume aus der Familie der Koniferen. Sie können über 50 m hoch werden und überragen regelmäßig das Kronendach des Waldes. Wegen des hochwertigen Holzes wurden sie von der holzverarbeitenden Industrie früher intensiv gefällt, heute stehen sie unter Naturschutz. Bei Verletzungen bilden Kauri ein besonderes Harz aus. Schon vor der Ankunft der Europäer nutzten die Maorí den Bernstein aus diesem Harz als Schmuck und zum Feuermachen. Zum Teil konnte er oberflächlich gefunden werden. Die größeren Reservoire aber fanden sich dort, wo komplette Kauri-Wälder durch Naturkatastrophen wie etwa Tsunamis oder Vulkanausbrüche vernichtet und in sumpfige Flächen gestürzt waren. Das Holz wurde dabei in Teilen konserviert, das Harz aber versteinerte im Laufe der Jahrtausende zu Berstein. Die Gumdigger suchten in mühsamer Handarbeit mit speziellen eisernen Suchstangen nach dem Kauri-Gum und gruben dann mit Spaten Löcher in den sumpfigen Grund, um es zu bergen. Besonders schöne Stücke wurden für Schmuck verkauft, der weitaus größte Teil aber wurde nach dem Export in Englnd und den USA kleingemahlen und für die Produktion von Lack und Firnis verwendet.

Radiokarbon-Analysen haben ergeben, dass die Kauri-Bäume im Gumfield des Museumsgeländes etwa 45.000 bis 150.000 Jahre alt sind, der Ort wurde offenbar von mehreren katastrophalen Ereignissen getroffen.

Der Wanderweg über das Gelände ist auch mit vielen Hinweisen zur Tier- und Pflanzenwelt versehen. So erfahren wir zum Beispiel, dass diese gewundenen schmalen Stämme zu Hanuka-Pflanzen gehören, aus deren Blüten die Bienen den Nektar für den berühmten Hanuka-Honig sammeln.

Und natürlich hören wir beim Spaziergang die allgegenwärtigen Chor-Zikaden. Diese typisch neuseeländische Zikadenart bekomme ich dann tatsächlich auch vor die Kamera-Linse:

Nach dieser unerwarteten Geschichts- und Naturkundestunde geht’s dann aber tatsächlich zu unserem AirBnB.

Die ehemalige Scheune der Farm ist zu einem großen Einraum-AirBnB umgestaltet worden. Gut ausgestattet, vor allem aber gefällt uns das Drumherum. Im Kühlschrank findet sich ein Liter Milch, im Eisfach Toastbrot. Auf der Arbeitsfläche:

Der Hausherr ist bei unserer Ankunft zu einem Angelwettbewerb unterwegs, bei seiner Rückkehr schenkt er uns ein vier Finger dickes Stück Gelbflossen-Thunfisch. Wird natürlich gleich verarbeitet:

Außerdem besonders an dieser Unterkunft: morgens weiden Pferde auf der Wiese vor unserem Fenster und wilde Truthähne (bzw. Truthühner) laufen auch vorbei.

Oh, und ein etwa 40 cm großer Flötenvogel unterhält uns musikalisch und lässt sich dabei auch noch ablichten.

Die Henderson Bay schauen wir uns natürlich auch an:

Am Samstag fahren wir dann hoch zum Cape Reinga. Anfangs passieren wir noch häufig Avocado-Plantagen, die sich zum Schutz hinter dicht gepflanzten hohen Koniferenhecken verstecken.

Die weitere Fahrt führt dann aber durch eine fast menschenleere Gegend mit vielen Weideflächen, jetzt auch mit mehr Schafen, zumeist aber doch Kühen. Nach Westen hin blitzen vereinzelt Sandünen durch, die schon am Rande des Ninety Mile Beaches stehen.

Erst einmal aber fahren wir ganz hinauf zum Cape Reinga mit seinem markanten kleinen Leuchtturm.

Hier an der Nordwestspitze Neuseelands treffen die unterschiedlichen Strömungen der Tasmansee und des Pazifiks aufeinander und sorgen selbst bei ruhigem Wetter für eine aufgewühlte See.

Wunderschön ist der Hike oben am Rande des Cliffs entlang. Wir kehren irgendwann trotzdem um Richtung Parkplatz, aber tief unter uns können wir am Strand Wanderer beobachten, die sich schwer bepackt mit ihren Rücksäcken zur tage-, wochen- oder monatelangen Wanderung auf dem Te Araroa Trail aufmachen, dem längsten Fernwanderweg Neuseelands (insgesamt 3.030 km in etwa 300 Sektionen).

Unsere nächste Station führt uns an die Ostküste der Halbinsel, der Kokota Sandspit hat unser Interesse geweckt. Auf der Fahrt hoch zum Cape Reinga blitzte es auf der Ostseite an der Küste manchmal weiß auf. Brandung? Nein, zu regelmäßig. Es sieht eher wie Dünen aus. Aber so blendend weiß?

Google Earth hilft uns weiter. Es ist der Kokota Sandspit. Selbst auf den Satellitenbildern sieht er viel heller aus, als die bekannten riesigen Sanddünen an der Westküste südlich von Cape Reinga.

Das müssen wir uns doch mal näher ansehen. Direkt auf den Kokoa kommt (und darf) man zwar nicht, aber einer der für Nebenstraßen hier typischen Schotterwege führt über 6 km staubige Waschbrettpiste zu einem in der Bucht genau gegenüber liegenden Campingplatz. Ein Katamaran hat sich in die Bucht hineingewagt und scheint dort zu ankern.

Die Szenerie mutet ein wenig unwirklich an, aber die Farbe des Kokota Sandspit ist aus der Nähe eher noch beeindruckender. So, als wäre die gesamte Düne mit Meersalz überzogen. Aber das ist nicht der wahre Grund. Des Rätsels Lösung nach Internet-Recherche: der Kokota Sandspit besteht aus ungewöhnlich reinem Siliziumquarzsand mit einem Reinheitsgrad von bis zu 97,7 % SiO₂. Früher wurde der Siliziumsand hier auch abgebaut, insbesondere zur Glasproduktion. Zum Beispiel für die Glasfassade des Skytowers in Auckland. Inzwischen aber ist der Sandspit Teil des weit größeren und ökologisch vielfältigen Naturschutzgebietes „Te Paki Reserve“.

Ganz andere Dünen in diesem Schutzgebiet besuchen wir danach. Die „Te Paki Giant Sand Dunes“ bestehen ebenfalls aus feinem Sand, nur eben aus goldbraunem (mit deutlich weniger Siliziumanteil). Sie sind eine ziemlich bekannte Touristenattraktion, denn auf ihnen kann gesurft werden. Sand-Boarding! Bretter dafür werden direkt vor Ort vermietet. Vorwiegend wird das Angebot von jungen Leuten angenommen. Mit dem gemieteten Brett stapfen sie die Dünen hinauf, um sie dann bäuchlings auf dem Brett liegend wieder herunter zu sausen.

Und auch die nächste Attraktion hat mit Sand zu tun, denn eben südlich beginnt der berühmte „Ninety Mile Beach“. Der Name ist zwar irreführend, denn der ununterbrochene Strand ist tatsächlich „nur“ knapp 90 Kilometer (und damit etwa 55 Meilen) lang. Dafür weist er aber neben seiner wirklich imposanten Länge eine weitere Besonderheit auf. Er ist nicht nur Teil des Te Araroa Trails, sondern darf auch mit Autos befahren werden. Er ist sogar offiziell als Highway anerkannt. Hauptsächlich wird der Strand zwar von Touristen und Anglern befahren, er dient aber auch als Alternative zum nördlichen Teil des State Highway #1, wenn dieser wegen Erdrutschen oder Überflutungen gesperrt werden muss. Der superbreite Strand ist zumeist fest und wirklich gut befahrbar, allerdings ist es unerlässlich, die Tide fest im Blick zu behalten.

Wir erweitern ein wenig unsere Komfortzone. 😚

Auf der Rückfahrt nach Whangārei machen wir nochmal einen Stop und schließen ein bisschen den Kreis zu den Gumdiggern von der Hinfahrt.

In der „Kā Uri Art Gallery“ mit Café und Holzwerkstatt geht es um Maorí-Kunst und insbesondere deren Beziehung zu den Kauri-Bäumen. Neben anderen Maorí-Kunstwerken sind diverse in Kauri-Holz ausgeführte Schnitzereien zu sehen. Verwendet wird dafür regelmäßig „unearthed Kauri“, also das in Sümpfen erhaltene uralte Holz versunkener Bäume. Wie riesig diese Kauri-Bäume waren, zeigt eine Wendeltreppe, die komplett in einen etwa 50.000 Jahre alten ausgegrabenen Kauri-Stamm hineingearbeitet wurde:

Einklariert am anderen Ende der Welt

Das ist eine neue Gefühlsdimension für uns. Erstmals haben wir uns mehr Gedanken über das nachfolgende Einklarieren nach NZ als über die als manchmal durchaus knifflig bekannte Passage hierher gemacht. Und ja, auch die Passage hat uns sehr wohl beschäftigt. Aber alles in allem war sie dann (für uns) weniger problematisch als erwartet, einzig das aus den Erfahrungen der anderen Segler genährte „da könnte noch was kommen“ zehrte etwas an den Nerven. Insbesondere für die von Fiji herunter kommenden Boote, aber auch für einige gar nicht weit von uns entfernte Segler aus Tonga hatte das Wetterfenster ja tatsächlich einige unangenehme Überraschungen parat.

Und das Einklarieren?

Nach einer super ruhigen Nacht am Quarantänesteg der Marsden Cove Marina klingelt der Wecker. Statt im Bett gibt’s den Kaffee diesmal im Cockpit, wer weiß, wann die Offiziellen ankommen.

Das neuseeländische (Papier-)Formular „Masters-Declaration for full Biosecurity Clearance“ haben wir in Tonga beim Bootsausrüster kostenlos in die Hand gedrückt bekommen. Neben diversen anderen Angaben sind auf Seite 3 diverse möglicherweise problematischen Produkte aufgeführt und sollen eingekreist werden, weitere Ergänzungen sind in einer Extraspalte zu machen. Selbst Reis findet sich auf der Liste.

Wir füllen das Formular schon mal aus, es bleiben aber einige Fragen. Müssen wir wohl mit dem Officer klären.

Wiebke sortiert unsere Lebensmittelbestände nochmal komplett durch. Alles, was den Argwohn des MPI hinsichtlich der strengen Biosecurity-Vorschriften erwecken könnte, wird auf dem Salontisch aufgebaut. Die Gewürze der Pantry werden ebenfalls selektiert: gemahlene Gewürze bleiben im Schapp, alles was keimen könnte (Koreandersamen, Fenchelsamen, Nelken, Sesam, Senfkörner etc., selbst Nichtgewürze wie Popcorn-Maiskörner) werden herausgestellt.

Und ich stelle aus den Unterwasser-Videos und Fotos sowie den bereits eingereichten Formularen nochmal einen Präsentationsordner auf dem iPad bereit.

Tatsächlich kommt das MPI zuerst: ein Officer mit an einem Gestänge montierter GoPro und Unterwasserlampe kommt durch das Quarantänetor und direkt zu unserem Boot (insgesamt 11 Boote haben sich hier im Laufe der Nacht eingefunden). Er drückt uns die Masters Declaration in die Hand, aber die haben wir ja schon. Dann verschwindet er nochmal kurz. Inzwischen trifft auch der Zöllner ein. Ich beantworte Cockpit seine Fragen, Wiebke zeigt derweil dem MPI-Officer die (ja vorab elektronisch übermittelten, aber für ein Pre-Approval als nicht ausreichen klassifizierten) Unterwasserfotos auf dem iPad. Das genügt ihm, er hält nicht einmal mehr die GoPro ins Wasser. Kein Emergency-Haul-Out nötig, das sieht doch sehr gut aus. Da fällt uns schon mal ein Stein vom Herzen.

Wiebke und er wenden sich jetzt den Lebensmitteln zu.

Auch das läuft extrem entspannt ab, die ordentliche Vorbereitung findet er offenbar gut. Kein Durchstöbern aller Schapps, kein Anheben der Bodenbretter, nicht mal ein Blick in den Kühlschrank. Zudem wandert weit weniger als befürchtet in den Biosecurity-Abfallsack zur (kostenlosen) Entsorgung, die Gewürze z.B dürfen praktisch alle an Bord bleiben. Bei Dosen wird nur eine Linsensuppe mit Chorizo konfisziert. Und der Popcornmais muss auch weg.

Und auch der freundliche Zöllner hat seinen Fragenkatalog abgearbeitet, gibt mir inzwischen Reisetips für Neuseeland und für unser im nächsten Jahr folgendes Reiseziel Fiji.

Nach einer dreiviertel Stunde sind wir durch. Einklariert. Die gelbe Quarantäneflagge kann runter, die Gastlandsflagge für Neuseeland weht jetzt unter der Steuerbordsaling.

Ein weiterer Stein plumpst vom Herzen. Die müssen in Neuseeland doch echte Steinlager haben …

Haben sie tatsächlich!

Steinlager Bier, gebraut in einem Vorort von Auckland, ist international auch bekannt geworden durch das Whitbread Round the World Segelrennen 1989/90, das der legendäre Peter Blake auf der STEINLAGER II gewann. Zudem in der Folge als einer der Hauptsponsoren bei den erfolgreichen neuseeländischen Kampagnen im America‘s Cup. Der Rumpf der NZL 60, die im Jahr 2000 die „bodenlose Kanne“, diese wohl älteste Segeltrophäe für den Gewinn des America‘s Cup nach Neuseeland holen konnte, steht heute aufgebockt hier am Hafen. Perfekt im Blickfeld vom Grillponton aus.

Geschichten und Geschichte.

Wir chillen, kommen ganz langsam hier in Neuseeland an. Kneifen uns, es fühlt sich so unwirklich an. Entspannt. Stressfrei. So einfach. Mal eben im kleinen Supermarkt am Hafen grünen Spargel kaufen zum Grillen mit dem Fisch, den uns Iain und Brioni von der Indioko (red-seas.com) geschenkt haben.

Ziemlich schwer zu fassen ist auch, jetzt am anderen Ende der Welt angekommen zu sein. Vor gut sechs Jahren sind wir an Gibraltar vorbei aus dem Mittelmeer hinausgesegelt. Würde man hier im Norden Neuseelands ein Loch gerade durch den Erdmittelpunkt bohren, käme man in Gibraltar wieder heraus. Die beiden Orte sind Antipoden, mit gleicher geographischer Breite (nur eben einmal auf der Nord- und einmal auf der Südhalbkugel) und um 180 Grad versetzter geographischer Länge. Und wir sind wirklich hier her gesegelt.

Kneif mich noch mal.