Wieder unterwegs.

Das fühlt sich gut an. Der Morgennebel in Herrington verzieht sich schnell. Die Ölabsaugpumpe steht nach dem Motorölwechsel gestern noch draußen, also erledigen wir gleich noch den Ölwechsel bei der Hochdruckpumpe des Watermakers. Geht mit 0,2 l Ölvolumen ziemlich fix, und ich kann jetzt das Altöl in der Annahmestelle der Marina abgeben.

Noch auschecken, auf dem Nachbarsteg von Helena und Steve verabschieden, oh wie praktisch, Glen von der “Cloudy Bay” ist auch gerade dort und schenkt uns zum Abschied ein Chartbook der Exumas. Umarmungen fallen wegen Social Distancing leider aus. Und los geht’s. Es fühlt sich ein bisschen so an als würden wir in eine neue Segelsaison starten, dabei waren wir (und Flora) weniger als drei Wochen an Land.

Aber jedenfalls lässt es sich gut an. Schöner Segelwind und meist blauer Himmel für unseren Schlag hinüber auf die andere Seite der Chesapeake Bay (Eastern Shore).

Und auch die Seevögel vor Flora sind ein gutes Zeichen. Fisch! Die Angel rauscht aus, kaum dass sie drin ist. Zum ersten Mal überhaupt in der Chesapeake Bay haben wir Angelglück, es schwimmt aber auch viel weniger Seegras herum und verfängt sich am Haken. Statt dessen: ein schöner Striper (Striped Bass/Felsenbarsch) 😃. Den gibt’s gedämpft mit asiatischem Gemüse (frischer Koriander, Pak Choi und Möhren, Wiebke hat vorgesorgt) auf Reis.

Nachdem wir uns gerade von den Engländern verabschiedet haben mutet es irgendwie komisch an, uns zwischen den Tageszielen Oxford und Cambridge entscheiden zu sollen. Aber hinter dem schiefen Leuchtturm von Sharps Island fällt die Entscheidung für Oxford.

Nach Eisgang-Schaden aufgegeben: Sharps Island Lighthouse. Die Insel selbst ist inzwischen sogar ganz untergegangen.

Kurz vor Sonnenuntergang kommen wir in Oxford an. Ein paar Boote ankern schon nördlich des Ortes, aber wir möchten noch den Naturhafen des Town Creek erkunden und wir haben Glück. Der Ankerplatz zwischen den Bootsstegen bietet zwar nur begrenzt Platz, aber wir haben ihn ganz für uns allein.

Und das Abendspektakel möchte nicht hinter dem des Morgens zurück stehen, der Mond steht zwischen flammenden Wolken am Himmel. Was für ein Tag.

Technik hält uns fest. Bordalltag.

Der Wassersammler war am Sonntag dann leider doch nicht da, kam erst am Montag Nachmittag. Wir hatten aber auch ohnehin noch zu tun.

Der Test des gewarteten Außenbordmotors gestaltet sich erst schwierig und dann unerfreulich. Der Mechaniker hatte uns gesagt, dass er den Tank und die Benzinleitung reinigen musste, weil Wasser im Sprit war. Nebeneffekt: jetzt ist kein Benzin mehr im Tank. Eine Bootstankstelle gibt es auf dem Gelände der Marina nicht, also leihe ich mir ein Fahrrad und hole Sprit von der nächsten Tankstelle an der nächsten Marina. Nur: der Motor nimmt weiter nur widerwillig Gas an. Mechaniker Sean muss nochmal kommen, lässt den NEUEN Sprit in einen durchsichtigen Behälter ab: etwa ein Zehntel ist Wasser. Er rät von den hiesigen Bootstankstellen ab, sie würden zu wenig Benzin verkaufen, die Tanks sind weit weg an Land, die Leitungen dadurch lang. Durch Kondensation gelangt Wasser in den Sprit. Er rät zu “av-gas” für den Außenborder. Sehr sauberer Sprit ohne Bio-Anteile und Additive, 100 Oktan, eigentlich für Flugzeuge gedacht. “Aviation Gasoline” ist hier in Baumärkten und bei Westmarine erhältlich und natürlich teuer. Vielleicht nächstes Mal doch zur Autotankstelle? Der Motor mit erneut gereinigtem Vergaser läuft besser, aber immer noch nicht perfekt. Hm.

Die neue Rettungsinsel ist da und sie passt von der Länge und Breite her in unsere alte Halterung am Heckkorb. So weit gut, aber sie ist zu dick. Aus Draht werden kleine Zwischenstücke gefertigt, jetzt passt es.

Eine Danbuoy haben wir uns auch gegönnt, dieses Sicherheitsequipment einer selbstaufblasenden Notboje fehlte uns bisher. Im Hintergrund kann man auch die neue zusätzliche Abstützung des Windgeneratormastes zum Davit sehen, die mehr Stabilität und damit Ruhe bringt.

Schon länger habe ich eine Spinlock-Klemme liegen, da das Spinnakerfall der Flora bisher nur auf der Winsch oder einer Klampe dahinter belegt werden kann. Jetzt komme ich dazu, sie am Mast anzunieten, aber natürlich muss ich sie dazu erstmal auseinandernehmen und dann mit Wiebkes Hilfe (man braucht mehr als zwei Hände, damit die Teile nicht herausfallen) am Mast wieder zusammenbauen, dazu muss ich Wiebke von ihren Reinigungs- und Stauarbeiten im Schiff loseisen.

Die Leine des Großsegelausholers zeigt im gespleißten Auge (auf das ich so stolz war) Verschleißerscheinungen im Mantel, der Dyneema-Kern liegt schon teilweise bloß. Wir kürzen die Leine und versehen sie mit einer Kausch (einer Metallverstärkung, um die die Leine läuft). Die alte Leine kann ich aber nicht erneut spleißen, diesmal muss es ein Knoten mit Takling tun.

Dienstag streikt das achtete Bordklo, es pumpt nicht ab, die Elektropumpe quirlt nur. Meine Lieblingsaufgabe 🥺. Erstmal mit einer Handpumpe absaugen. Dann in Einzelteile zerlegen. Pumpe und Dichtung scheinen in Ordnung, also den Schlauch bis zum Ventil abbauen.

Sieht hier noch nach Durchsatzverengung aus, ist innen aber komplett zu. Urinstein blockiert den Durchlass. Was ich bisher nur gelesen hatte wird jetzt Realität: der steife Geruchs dichte Spezialschlauch muss mit Kraft auf den Boden geschlagen werden, dann bröseln die Steine langsam heraus. Im Stutzen funktioniert das leider nicht, auch Einlegen in Essig hilft bei dieser Stärke nur bedingt. Mit Hammer und Schraubenziehern wird der Stein herausgemeißelt.

Und der Wassersammler?

Findet am Dienstag auch endlich in den Motorraum (es ist die schwarze Schlauch/Edelstahl-Konstruktion rechts unten im Bild). Links daneben mit dem kleinen roten Punkt ist die neu eingefügte Opferanode, die bei unserem Volvo aus unerfindlichen Gründen nicht serienmäßig verbaut ist, hoffentlich aber künftig hilft, Korrosion zu begrenzen.

Der anschließende Motoröl- und -Filterwechsel bringt weitere Ausflüge zum Westmarine Bootsausrüster. Wenn ich schon an der Quelle sitze, möchte ich mein mitgeführtes Volvo-Ersatzöl nicht verwenden, aber die erhältlichen Öle haben andere Spezifikationen (VDS 4-5 statt VDS 3 und auch abweichende API). Googeln bringt nur bedingt Licht ins Dunkel. Chief Jan stellt aber aus Hamburg die Ferndiagnose “abwärtskompatibel” und schickt mir gleich eine Übersicht zu den verschiedenen Normen.

Nur: meine Ballon-Ölabsaugpumpe stellt den Dienst ein und widersetzt sich auch unseren Reparaturversuchen. Ich kaufe eine Ölpumpe mit Bohrmaschinenantrieb, aber der Akkuschrauber reicht dafür wohl leider doch nicht. Also nochmal hin und doch die große unhandliche und stauraumfressende 6,9 l Säulenabsaugpumpe. Die allerdings funktioniert dann prächtig.

Bei der Gelegenheit (Westmarine) versuche ich auch ein neues Leuchtmittel für unseren Kühlschrank zu kaufen, natürlich gibt’s nicht das exakt gleiche. Entweder gleiche Länge ODER gleiche Dicke wie unsere defekte, einer Glassicherung nicht unähnliche Birne. Also dann gleiche Länge. Einbau und – wow, die werden aber schnell heiß. Hm. Na ja, der Kühlschrank bleibt ja nicht lange offen. Und die mechanische Abschaltung beim Schließen des Deckels scheint zu funktionieren, oder? Schnell mal einen Tip von der Samai befolgt, Handy auf Video und in den Kühlschrank, Klappe zu. Klappe auf, Kontrolle des Videos: nein, leider nicht. Kein Wunder, dass die alte Lampe durchgebrannt ist. Und mit unpassender Birne wird es erst recht nichts. Muss der Kühlschrank halt noch erstmal dunkel bleiben. Man kann nicht alles haben. 😉

Und dass wir hier noch länger als ursprünglich gedacht geblieben sind hat auch sein Gutes. Unverhofft laufen Helena und Steve mit der Amalia in Herrington ein, wir freuen uns beide sehr über das Wiedertreffen.

Wieder im Wasser

Die Zeit “on the hard” (also Flora ausgekrant an Land stehend für fast drei Wochen) war für uns alles andere als hart. Vielen Dank an Greg und Michael für Eure erneute Gastfreundschaft. Trotzdem, es fühlt sich richtig gut an, wieder auf unserer Flora zu wohnen, die seit gestern wieder im Wasser der Chesapeake Bay schwimmt.

Ganz fertig sind die Arbeiten an Flora noch nicht, aber der Mechaniker will tatsächlich morgen Vormittag (am Sonntag!) noch mal vorbeikommen, um mit den hoffentlich heute eingetroffenen Teilen dann wirklich den Abschluss machen zu können.

Denn – wie das meist so ist – kurz vor Schluss tauchte ein bisher übersehenes Problem auf. Der Schalldämpfer in der Abgasleitung im Motorraum war der Übeltäter. Im Prinzip ein vielleicht 20 cm dicker Spezialschlauch aus gewebeverstärktem Gummi mit zwei Edelstahl-Endkappen. Er dient auch als Wassersammler, der mit seiner Kapazität das Risiko vermindert, dass bei stehendem Motor Wasser in die Brennräume eindringt. Von außen sah er gut aus, aber er musste raus, weil sonst die ganz leicht tropfende und deshalb zu ersetzende Gummistopfbuchse nicht zu erreichen war. Einmal auseinander genommen offenbarte der Wassersammler aber, dass in seinem Inneren Lochfraß im Edelstahl eingesetzt hatte, nur noch knapp vom Schlauch verdeckt. Wasser und Abgase im Motorraum wären wohl demnächst die Folge gewesen. Insofern schon ganz gut, dass es jetzt entdeckt wurde.

Im roten Oval sollte der blaue Himmel eigentlich nicht durchscheinen 😞

Blöderweise ist genau dieses Edelstahlteil nicht (mehr) einzeln erhältlich. Herumflicken wollen wir nicht, also muss ein kompletter neuer Schalldämpfer bestellt werden. Mal schauen, ob er morgen wirklich da ist.

Der Bart der Chesapeake & Cabrio die Zweite

Die UV-Strahlung setzt allem an Bord ziemlich zu. Na klar wenn man sich quasi im Dauersommer und zumeist in den Tropen oder Subtropen bewegt ist das keine große Überraschung.

Ein (leider) ganz gutes Beispiel dafür ist die Hülle unseres Rettungskragens. Vor erst gut einem Jahr in Italien gekauft, hat die Hülle nicht nur ihre Farbe von dunkelblau nach „blassgraublau gescheckt“ verändert, sondern leider auch ihre sonstige Erscheinungsform. Sackartig, mehrfach gerissen und zerfleddert, Reißverschlüsse fest. Immerhin könnte man den Kragen wohl inzwischen herausreißen, ohne die Reißverschlüsse zu öffnen 😖. Trotz des Kaufs in Italien beim Marineausstatter offensichtlich nicht für Langfahrt geeignet, muss leider neu.

Aber auch dem Boot selbst setzen die Bedingungen sichtbar zu. Der blaue Streifen im Gelcoat der Flora kreidet aus und wird scheckig, auch wenn das eher ein lediglich optischer Makel ist.

Flora bei Abfahrt in 🇬🇷

Inzwischen sah es leider so aus, dass neben dem stumpfen Gelcoat und dem besonders leidenden blauen Streifen auch der „braune Bart der Chesapeake“ am Bug ziemlich deutlich erkennbar war:

Aber die angekündigte Wellnesskur für Flora zeigt erste glänzende Erfolge der Schönheitsfarm:

Mir ist schon klar, dass es ein bisschen luxuriös erscheint, wenn wir solche Arbeiten machen LASSEN und gleichzeitig auch noch selbst von unseren Freunden mit ihrer Gastfreundschaft verwöhnt werden, sowohl kulinarisch durch Michaels ausgezeichnete Küche als auch z.B. mit Cabrioausfahrten in ihrem uns zur Verfügung gestellten MX5. Ja, das ist es wohl. Aber wir gönnen es uns ganz bewusst, genießen es, cruisen bei wunderbarem Spätsommerwetter durch die leicht gewellte Landschaft von Maryland (hier immer als MD abgekürzt). Noch im Pendler-Einzugsgebiet von Washington D.C. zeigt uns MD vergleichsweise weniger Felder als die anderen von uns besuchten Südstaaten wie etwa Virginia und dafür deutlich mehr Pferdekoppeln mit ihren typischen Holzzäunen.

Und – gerade in dieser Jahreszeit wunderschön – es gibt eben auch reichlich Laubwald hier in MD. In den USA muss man sich als Deutscher erst daran gewöhnen, dass der Wald zumeist nicht öffentlich zugänglich ist und auch größere nicht waldwirtschaftlich bewirtschaftete Wälder in privater Hand mit einem deutlichen „NO TRESPASSING“ potentiellen Spaziergängern ihre Unwillkommenheit deutlich machen. Aber: Es gibt eben neben den großen bekannten US-Nationalparks auch viele kleine State Parks und in denen sind Spaziergänge und Hikes (oft auf gut beschilderten Routen) möglich. Mit dem kleinen Zweisitzer-Cabrio fahren wir diesmal hinaus nach Sunshine (wirklich 🌞!) und weiter zum Patuxent River Watershed Park. Und wenn die Covid-Beschränkungen auch den eigentlich geplanten Heimflug ausfallen lassen, so kommen auch wir „Sommersegler“ doch in den Genuss, mit den Füßen in trockenem Laub rascheln zu können, die Farbenpracht und den wunderbaren Geruch eines vorsichtig den Herbst begrüßenden Laubwaldes so richtig auszukosten.

Luftveränderung

Flora steht auf dem Trockenen und bekommt eine kleine Schönheitskur. Wir wollen das diesmal von Profis erledigen lassen, nachdem meine zwischenzeitlich auf unserer bisherigen Reise vorgenommenen Streicheleinheiten in Form von (Hand-)Politur, Maschinenpolitur und Waxen des blauen Streifens nur von bescheidenem und zudem schnell vergänglichen Erfolg gekrönt waren. Außerdem gibt uns das die Gelegenheit, noch mal zwei Wochen bei unseren Freunden Greg und Michael in Washington Landluft zu schnuppern, Sachen zu erledigen (und zu bestellen 🎁, z.B. neue SUPs), bevor es ab Mitte des Monats mit Flora wieder weiter gen Süden gehen soll.

Wohin genau? Wissen wir noch nicht. Eigentlich war die Idee, in unserer zweiten Karibiksaison eher die westliche Karibik zu bereisen. Nach dem Absprung über die Bahamas (und einem längeren Erkunden dort) wären wir gern über Kuba, México, Belize und vielleicht Cayman nach Jamaika gesegelt. Aktuell sieht es aber so aus:

Rot heißt Grenzen geschlossen, Grün heißt offen, wenn auch mit Covid-Test und Quarantäne

In der westlichen Karibik ist die Luft für uns also ziemlich dünn geworden, lediglich México ist derzeit offen, hat aber selbst nicht eben die besten COVID-Zahlen. Interessant ist die große grüne Blase der kleinen Antillen. Tatsächlich haben die Inseln von Grenada nordwärts bis hin nach Anguilla (nördlich von St. Kitts and Nevis), allerdings ohne die französischen Inseln wie Guadeloupe und Martinique eine gemeinsame „Bubble“ gebildet. Die Einreise in die Bubble erfordert Covid-Test / Quarantäne, aber zwischen den Inseln der Bubble soll man sich dann frei bewegen können.

Wie überall auf der Welt ist es aber auch hier so, dass die Einschätzungen und in der Folge die Einschränkungen bezüglich COVID immer wieder überprüft werden und sich somit schwer für einen Zeitraum von auch nur ein paar Monaten voraussagen lassen. Insofern bleiben wir gespannt und wälzen die Ideen immer wieder mal hin und her.

Klar ist aber, dass wir Mitte November aus den USA raus sein müssen, dann läuft nämlich unser Visum erstmal ab.

Also machen wir Flora wieder reiseklar, und das nicht nur optisch. Der Außenborder bekommt eine große Wartung, die Gummi-Wellendichtung des Volvo wird erneuert, die Halterung des Windgenerators repariert und ergänzt. Natürlich alle Opferanoden erneuert, ebenso die Gummianschläge des Gori-Propellers, der zudem wie auch die Props im Bugstrahlruder poliert wird. Die Rettungsinsel kommt neu, da der Container der alten spröde und rissig geworden ist (die UV-Einwirkung auf die Insel selbst lässt sich da nur erahnen und eine neue Wartung wäre eh fällig gewesen. Und dann noch diverser Kleinkram.

Z.B. hatte sich der Schaumstoff-Luftfilter unseres Volvo-Penta D2-75 ja leider in Einzelteile zerlegt und die öligen Schaumstoffbrösel im Motorraum verteilt. Damit das nicht wieder passiert, haben wir ihn durch einen wertigeren Luftfilter ersetzt. Interessanterweise war der trotzdem günstiger als das Original-Ersatzteil von Volvo Penta. Der Onlineshop „parts4engines“ hat uns dabei gute Dienste geleistet. Diverse Ersatzteile für unseren Motor (hinter dessen grünem Anstrich sich ein Perkins-Motor verbirgt) sind dort wesentlich günstiger zu beziehen. Außerdem erfolgte die Lieferung des in England ansässigen Unternehmens superschnell, in weniger als einer Woche hatten wir die Teile in Washington.

Bei einem kurzen Besuch in Herrington habe ich den roten Dauerfilter angebaut, jetzt kann der Motor wieder gefilterte Luft atmen 😊.

Und wir? Wir lassen uns ärztlich noch einmal richtig durchchecken. Großes Blutbild, Hautscreening wegen der Hautkrebsgefahr bei der hohen UV-Belastung an Bord. Und wir atmen erste Herbstluft, bevor es wieder in den Sommer gehen soll. Unsere Gastgeber leihen uns ihren Zweitwagen, einen MX5. Mit dem Cabrio fahren wir bei Traumwetter hinaus zum Sugarloaf Mountain, wo die beiden auch ihre Hochzeit gefeiert hatten. Was für ein herrliches Farbenspiel.

Reisebericht mal analog

Wow. Unser Bericht über Flora in den Bahamas wurde im Mitgliedermagazin unseres Vereins Trans-Ocean veröffentlicht. Sechs Seiten lang und für uns mit der Erinnerung an persönliche Highlights wie „Hogsty Reef“ und die Haibegegnungen bei Conception Island verbunden. Wir freuen uns.
😁

Text und Bilder sind aber für Euch Blogleser natürlich keine Neuigkeit, sondern waren im Wesentlichen hier (und den dann folgenden Posts) schon zu sehen.

Besonders hat uns auch gefreut, dass in der gleichen (Oktober-) Ausgabe III/2020 auch ein Bericht der Crew der Samai zu finden ist, die wir schon beim Losseglertreffen des TO in Laboe kennengelernt haben und mit denen wir seitdem in Kontakt geblieben sind. Sie berichten über ihren “Familienausflug in die Antarktis” im Magazin und ausführlich in ihrem tollen Blog. Und außerdem findet sich auch noch ein Bericht von Andrea und Nils (SY Marzemino), die wir auf den Tobago Cays kennengelernt haben.

Herausgestellt

Es ist grau und ein bisschen feucht. Kein Nieselregen, kein Nebel, aber trotzdem viel Wasser in der Luft. Die Wolken hängen so tief, dass die Masten der Segler an ihnen zu kratzen scheinen, die Spitzen hoher Strom- oder Signalmasten verschwinden einfach im Dunst.

Das macht uns den Abschied aus Annapolis leicht, obwohl auch heute wieder Motorfahrt angesagt ist. Null Wind. Hat aber auch seine schönen Seiten:

Außerdem sind es nur rund 15 sm bis nach Herrington Harbor North, der großen und schönen “Full-Service-Marina” an der Herring Bay. Etwa 1.600 Landliegeplätze gibt es dort, alle möglichen Servicebetriebe sind direkt auf dem Gelände untergebracht. Ganz gute Voraussetzungen für uns um kurzfristig einen Krantermin und einen zweiwöchigen Landliegeplatz zu bekommen und außerdem auch neben den geplanten Dienstleistungen für Eventualitäten gewappnet zu sein (obwohl wir hoffen, dass da nicht allzu viel kommt).

Aber zunächst mal sind wir leicht nervös, wie unser Unterwasserschiff aussehen wird. Das in Griechenland aufgebrachte Coppercoat hat sich im Mittelmeer super bewährt, in der Karibik fanden wir es o.k., wobei ich dort im klaren Wasser schnorchelnd oder tauchen häufiger mal mit einem Glitzi-Schwamm den leichten Bewuchs abgewischt habe. Das ist in den letzten vier Monaten nicht mehr passiert und die Chesapeake Bay mit ihrem warmen braunen Wasser ist für ihren schnellen Bewuchs gefürchtet. Das ich zwischendurch mal schwimmend von der Wasseroberfläche aus (soweit man mit dem Arm eben kommt) den sich wie 2 mm starker Rollrasen lösenden Teppich mit dem Eiskratzer abgeschabte habe hat unsere Befürchtungen nicht gemindert. Außerdem ist unklar, wie das kältere aber nährstoffreiche Wasser in Neuengland und der Wechsel zurück ins Brackwasser der Chesapeake Bay sich ausgewirkt haben.

Entsprechend zusätzlich angespannt beobachten wir, wie Flora im Travellift aus dem Wasser gehoben wird, was ja für sich schon immer aufregend genug ist.

O.k., dass sieht immer noch nach Teppich aus, aber immerhin kaum Barnacles/Seepocken (kleine sehr festsitzende Muscheln), auch keine Entenmuscheln oder Ähnliches. Aber die Nagelprobe kommt ja erst. Wie sieht es aus, wenn das Unterwasserschiff mit dem Dampfstrahler gereinigt wurde?

Die Marinamitarbeiter hier in Herrington North sind gründlich. Sicher mindestens eine Viertelstunde lang, eher noch ausgiebiger wird der Rumpf abgestrahlt.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen und uns fällt ein Stein vom Herzen. Das Coppercoat sieht noch gut aus und der Bewuchs ist praktisch weg, als Flora zum Landliegeplatz gefahren und dort aufgebockt wird.

Der Coppercoat-Unterwasseranstrich jedenfalls hat sich bisher als gut wirksam herausgestellt, wir hoffen dass diese Wirkung auch weiter anhält.

Zurück

Manche Gefühle sind ziemlich irritierend. Zum Beispiel jetzt, wo wir wieder in Annapolis sind, das Gefühl als ginge ein Urlaub zu Ende. New York. Neuengland. Und noch etwas mehr.

Wieso Urlaub? Wir hatten auf unserer Reise bisher nicht den Eindruck, Urlaub zu machen. Ganz im Gegenteil, die freie Zeit, das eben nicht auf ein paar Wochen limitierte Fenster, die Möglichkeit – auch in Covid-Zeiten – einfach umzuplanen, abzuwarten oder die Route zu ändern, das fühlte sich eben nicht wie Urlaub an, sondern einfach wie eine andere Art zu leben. Zeit zu genießen. Hat sich daran etwas geändert? Nein.

Und doch, zum ersten Mal auf dieser Reise waren wir auf dem Rückweg. Wieder durch den Cape Cod Canal, aber da ging es ja dann zu neuen und lang ersehnten Zielen wie Martha’s Vineyard und Nantucket. Dann wieder Delaware River, diesmal flussaufwärts, wieder der Chesapeake Delaware Canal, diesmal nach Westen. Die Chesapeake Bay diesmal hinunter. Ganz wenig Wind und der auf die Nase. Viele Motorstunden. ZURÜCK. Nach zweieinhalb Monaten voller neuer Eindrücke sind wir wieder in Annapolis. Da mischt sich ein bisschen Melancholie in die Wiedersehensfreude.

Vielleicht liegt es auch mit am Wetter. Wolkig mit Schauern. Und an dem Gedanken, unsere Flora in der nächsten Woche in Herrington Harbor North, etwa 15 sm südlich von hier, für rund zwei Wochen aus ihrem Element zu nehmen. Der Werfttermin steht, ein paar kleinere Wartungsarbeiten und ein wenig Schönheitskur stehen an. Ursprünglich schon für August geplant, wir hätten dann einen Europaaufenthalt eingestreut, Familie und Freunde getroffen. Also jetzt Saisonende?

Eigentlich nicht. Unmittelbar nach dem Werftaufenthalt soll es ab Mitte Oktober wieder Richtung Süden gehen. Auf in die zweite Karibiksaison. Na ja, erstmal wohl die US-Ostküste weiter hinunter und dann (hoffentlich) Bahamas 🇧🇸.

😎

Im Fluss

Vier Tage haben wir jetzt an unserem Ankerplatz vor Lewes verbracht. Ruhige Tage (wenn man von dem ruppigen Wasser beim Weiterfahrt- Versuch gleich am ersten Tag absieht).

Gut geschützt hinter der inneren Mole werden wir am Morgen tatsächlich vom Prusten der Delfine geweckt, die ums Boot herum spielen, jagen oder einfach nur einen Familienausflug machen, ohne von der Flora besondere Notiz zu nehmen.

Wir nutzen die Zeit für kleinere Bootsarbeiten, bringen ausgerissene Druckknöpfe am Teppich neu an, säubern den Motorraum von den öligen Schaumstoffresten des Luftfilters unseres Volvos (der muss jetzt eine Zeitlang mit offenem Ansaugrohr arbeiten, was kein Problem sein dürfte, ein verbesserter Dauerluftfilter ist schon auf dem Postweg). Die Vorräte werden durchgesehen, Ersatzteile online bestellt (Postadresse Greg und Michael) nochmal am Vorluk nachgearbeitet. Ganz viel relaxt. Der Mittwochsregatta des örtlichen Yachtclubs zugeschaut, schließlich haben wir einen Logenplatz: es geht rund um den Breakwater und am Leuchtturm muss der Spi weg, auf der anderen Seite des Breakwaters folgt die Kreuz zurück. Und wir haken noch mal bei der Werft in der Chesapeake Bay nach, bei der wir ein Auskranen und einen Landeplatz für zwei Wochen angefragt hatten. Im zweiten Telefonat haben wir Erfolg, ja, schon nächste Woche können wir raus. O.k., dann machen wir uns also doch mal auf den Weg 😉.

Was uns auffällt: der gerade neu gestrichene dunkelrote Leuchtturm am Ankerplatz trägt den doch sehr prosaischen Namen “Delaware Breakwater East End Lighthouse”. Auch der weiße Leuchtturm auf dem äußeren Breakwater ist mit “Harbor of Refuge Lighthouse” eher beschreibend benannt. Nur, was sollen wir dann davon halten, wenn das nächstfolgende Leuchtfeuer im Fluss “Brandywine” heißt? 😊

Stützen gegen das Vergessen

Die Wellen im Delaware-River halten uns noch ein bisschen in Lewes fest. Bis zum Eingang in den Chesapeake-Delaware-Canal müssen wir gut 50 sm den Fluss hinauf, der sich hier unten aber eher als eine bis zu 40 km breite Meeresbucht präsentiert.

Etwa 25 kn Wind aus Nordnordost haben wir, der Fluss geht nach Nordwest hinauf, eigentlich segelbar. Bloß, die Strömung im Fluss beträgt bis zu drei Knoten und wechselt tidenbedingt, wir müssen also mit auflaufender Tide hoch. Wind gegen Strom, aber nur schräg, nur ein bisschen also, das könnte doch gehen? Wir machen einen Versuch. Als wir um den äußeren Breakwater herumkommen, werden wir unsanft daran erinnert, dass es nicht geht! Wilde Kabbelsee, vielleicht auch noch verstärkt durch den Schwell des Hurrikans Teddy weit draußen auf dem Atlantik. Alle Naselang läuft eine Welle komplett bis zu unserer Windschutzscheibe durch. Umdrehen. Zurück hinter dem zweiten Breakwater ankern wir wieder am gleichen Platz in ruhigem Wasser.

Und die Salzwasserflecken auf der Vorschiffskoje erinnern uns zusätzlich daran, dass sich die Dichtung des Vorschiffsluks (auf Lanzarote erneuert) an der Schnittstelle einen kleinen Spalt weit geöffnet hat und Schwallwasser jetzt einen Weg hindurch findet. 😖

Na gut, der verlängerte Ankeraufenthalt (für die nächsten beiden Tage sind keine besseren Bedingungen vorhergesagt) bietet ja Gelegenheit, sich der Sache anzunehmen. Und wenn wir schon bei Schiffsarbeiten sind, fällt uns gleich noch mehr ein. Ein Check im Motorraum, Ölstand, Seewasserfilter, Kühlwasser. Ah, die Handpumpe für den Dieseltank. Der sollte doch auch mal wieder kontrolliert werden 😊.

Das ist auf unserer Hallberg-Rassy 43 eigentlich eine feine Sache. Im Motorraum gibt es eine Handpumpe, mit der Diesel aus dem Sumpf am tiefsten Punkt des unter den verschraubten Bodenbrettern im Salon montierten Dieseltanks gefördert werden kann. Wenn sich (Kondens-)Wasser oder Verschmutzungen im Tank befinden oder die gefürchtete Dieselpest zugeschlagen hat und einen zähen Schlamm aus Mikroorganismen im Dieseltank bildet, würde man das bei der mit der Handpumpe heraufgeförderten Probe (zumindest mit einiger Wahrscheinlichkeit) feststellen. Ein Blick ins Wartungslogbuch bestätigt: schon wieder zu lange nicht kontrolliert. Erstmal die Niedergangstreppe abbauen, den Teppich hochnehmen, Kontolldeckel im Fußboden auf, Ventil für die Handpumpe öffnen. Welches der sechs war es gleich? Zum Glück sind sie beschriftet.

“Drain Fuel Tank” öffnen, dann in den Motorraum und pumpen. Ein bisschen heller Diesel aus dem Schlauch fließt ins Glas, dann wird das Pumpen schwer und nix kommt mehr. Verstopft? Etwa Dieselpestplocken? 😨

Nachdenken. Da war doch letztes Mal auch irgendwas? Irgendwann fällt der Groschen. Ein zweites Absperrventil sitzt versteckt unterhalb der Pumpe, ohne Knebel, nur mit einem Schraubenzieher zu bedienen, wie Chief Jan herausgefunden hatte, als wir die Pumpe wegen Festsitzens austauschen mussten, der Vorbesitzer hatte sie wohl auch nicht allzuoft benutzt. Das war mir blöderweise schon wieder entfallen.

Schlitz quer: Ventil geschlossen

Nochmal soll mir das nicht passieren, also muss gleich der Etikettierer dran:

Wie man sieht, sind im Motorraum schon andere Etiketten angebracht. Der ein oder andere mag das für übertrieben halten, aber z.B. die Neun❗️Seeventile im Motorraum möchte ich im Notfall nicht erst zuordnen müssen und auch die vier Wasserpumpen im Motorraum (Frischwasser, WC, Duschwanne, Bilgepumpe) sind mit Labeln versehen (im Bad im Vorschiff sind noch ein paar weitere).

Übrigens fördert die Handpumpe dann zum Glück nur Diesel, aber trotzdem eine Überraschung: er ist rosa gefärbt. Hm. Aus englischen Yachtzeitschriften ist mir die Steuerproblematik um “Red Diesel” in Erinnerung, in Deutschland das Färben von Heizöl aus gleichem Grund, wobei das auch einen anderen Schwefelgehalt und andere Additive haben sollte. Wie sieht es in den USA aus? Der Diesel ist an den Bootstankstellen nicht billiger als an den Straßentankstellen, wenngleich mit zumeist weniger als 3$ pro US-Gallone (=3,78 Liter) deutlich günstiger als in Deutschland. Und doch, das Prinzip ist das Gleiche. “Dyed Diesel”, also (rot) gefärbter Diesel, wird an den Bootstankstellen verkauft und ist “not to be used for on-road vehicles”. Wieder was gelernt.

Und im Hinterkopf die Fragen, ob wohl in Europa Yachten Ungemach droht, die in den USA mit “Dyed Diesel” betankt und z.B. per Frachter zurück über den Atlantik gebracht wurden. Oder wann durch Nachtanken mit ungefärbtem Diesel der Art Farbstich wieder verschwindet ⁉️.