4. Tag Passage Eleuthera nach Beaufort / Ankunft

Wieder herrliches Segeln, zwischendurch schiebt der Golfstrom mit gut 2 Knoten. Angeln macht keinen Spaß, kaum ist der Köder draußen, sitzt auch schon ein Bunsch Sargassum daran und man kann sie wieder einholen.

Sonst alles fein. Aber es zieht sich zu, gegen Abend sehen wir Wetterleuchten. In der ersten Nachtwache wird es extrem, quasi wie ein Stroboskop mit teilweise mehreren Blitzen pro Sekunde – allerdings zum Glück weit weg, oft nur ein Erhellen der fernen Wolken. Kaum so, dass man die Blitze selbst sieht, geschweige denn den Donner hören könnte. Kurz vor dem Morgengrauen (in Wiebkes Wache) bekommen wir noch einen kurzen aber heftigen Schauer ab, das war’s. Einlaufen in Beaufort bei blauem Himmel und Sonnenschein, die Crews der Vairea und der Tropicool winken uns zum Willkommen bei der Ankunft nach dieser schönen Passage.

Etmal: 157 sm (in 23 Std).

Dann gleich per CBP-ROAM-App bei den Behörden anmelden, ein kurzes Videointerview mit dem Officer und die Bitte, kurzfristig vorbeizukommen. Machen wir gemeinsam mit der Crew der Easy-One doch gleich, per Uber geht es hinüber vom Ankerplatz bei Beaufort zur Customs & Border Protection nach Morehead. Der freundliche Officer versorgt uns mit einer neuen (hier kostenlosen!) Cruising Licence und stempelt unsere Pässe. Fertig, die gelbe Q-Flagge kann runter. Dann Telefonkarten/Internet besorgen, Burger und Bier, To-do-Liste des Tages abgearbeitet 😁.

3.Tag Passage Eleuthera nach Beaufort

Die sich im Wetterbericht abzeichnende Schwachwindphase ist da. Wir motoren fast 17 Stunden lang, aber das hatten wir ja vorher schon auf dem Schirm. Ein bisschen irritierend ist der zum Teil mit über 2 kn kräftige Gegenstrom, der uns zudem mal 15 Grad nach Backbord und dann einige Stunden später 15 Grad nach Steuerbord versetzen will und entsprechendes Gegensteuern erfordert. Seit heute morgen um 5.00 Uhr (Wachwechsel) sind aber die Segel wieder gesetzt und der Motor ist aus.
Der Gegenstrom hatte aber auch sein Gutes: ohne ihn läge unsere voraussichtliche Ankunft definitiv irgendwann mitten in der Nacht. Selbst jetzt noch wirft der Plotter für die Ankunft an der Ansteuerungstonne vor Beaufort irgendetwas zwischen 2:30 und 7:oo Uhr aus. Angesichts des uns auf dem lezten Stück wohl noch beschleunigenden Golfstromes und der für heute Nacht angekündigten kräftigen Winde bauen wir vor und reffen bereits jetzt das Groß doppelt ein, um etwas langsamer zu werden und einen gewissen Puffer zu haben.

Etmal (nur) 105 sm.

Und was machen wir so, wenn wir den ganzen Tag motoren?
Ein bisschen mehr schlafen, auch tagsüber. Lesen und vorlesen. Ansonsten das Meer ansehen. Unfassbar, wie es doch immer gleich da ist und sich trotzdem immer wieder so anders präsentiert.

Tiere beobachten? Immer gern, aber tatsächlich sehen wir auf hoher See weit weniger Lebewesen, als man denken würden. Es ist eben doch eine (scheinbar) unendliche Weite.
Aber wir haben Glück: zwei Wale kreuzen unseren Weg und zeigen uns zweimal kurz ihre glatten Rücken mit kurzer Finne, zu wenig allerdings, um sie sicher zu identifizieren.

Und auch die Seevögel machen sich zwar insgesamt rar, bescheren uns aber doch mehrere um so intensivere Besuche. So hatten wir zunächst kleine Wellenläufer (Sturmseeschwalben) zu Gast. Der englische Name ist „Storm Petrel“, wobei Petrel von Petrus abgeleitet sein soll (obwohl nach der Bibel ja nicht Petrus, sondern Jesus selbst übers Wasser lief). Doch genau darauf wird im deutschen wie im englischen Namen angespielt: insbesondere die uns besuchenden in der Größe und dem Flugbild an Schwalben erinnernden „Wilson Storm Petrel) mit ihren langen, im Flug noch über die Schwanzspitze hinausragenden Beinen, scheinen immer wieder nicht nur knapp über die Wellen dahinzufliegen, sondern tatsächlich mit ihren Füßen über das Wasser zu laufen. Ein tolles Schauspiel, dass sie mindestens eine halbe Stunde lang um die Flora herum vorführen.

Noch eine andere Vogelart schaut bei uns vorbei: Tropikvögel. Dieses Mal nicht die Rotschnabeltropikvögel, die wir in der Karibik häufiger bewundern durften (insbesondere auf Great Bird Island / Antigua). Drei gelbschnäbelige Tropikvögel kreisen einige Zeit um die dahinmotorende Flora herum, oft zwei von ihnen im Paarflug. Wie die Rotschnabeltropiks haben sie schwarze Flügelspitzen und eine schwarze Augenmaske, der Rücken aber ist nicht hell gesperbert sondern weist ebenfalls eine kräftige Zeichnung in Form eines dunklen V auf. Auch ihre Flugmanöver sind spektakulär, vor allem, wenn sie neben den charakteristischen langen Steuerfedern ihre kürzeren Schwanzfedern aufspreizen.

Position:
32 Grad 17.977 N
76 Grad 59.126 W

Dieser Beitrag wird per Iridium-Satellit übermittelt, Bilder reiche ich nach. Auf Kommentare (über die wir uns immer sehr freuen) können wir erst nach unserer Ankunft in den USA reagieren.

2. Tag Passage Eleuthera Beaufort

Ein weiterer schöner Segeltag. Die See ist ruhig, nur eine lange Dünung läuft von schräg achtern auf und schaukelt uns ein wenig. Ansonsten nur geringe Schräglage, wir gleiten dahin.
Solche Seetage scheinen wie aus der Zeit gefallen. Wir müssen nichts tun, außer auf unser Boot und uns selbst zu achten. Ganz einfach. Schlafen, Essen, Genießen. Lesen, Musik hören, bei uns sein.
Angeln, ein klitzekleiner Wermutstropfen, denn seit unserer Golddorade gleich zu Beginn der Passage geht nur noch Sargassum-Seetang an den Haken, das aber in so schöner Regelmäßigkeit, dass wir die Angeln zwischendurch schon ganz eingeholt hatten. Ist ja auch noch Fisch da 😉
Ein Aufreger gestern Abend auf unserem Buddyboat Easy-One: der Fallschäkel der Genua bricht und das Segel rauscht ins Wasser. Ingo und Andrea können die Genua mit einer großen Kraftanstrengung bergen und mit dem Spifall provisorisch setzen, allerdings gerefft. Nachdem Ingo uns über Funk berichtet hat gehen wir ebenfalls ins Reff und bummeln etwas untertakelt durch die Nacht, um in Funkdistanz zu bleiben. Tatsächlich sind die beiden am Morgen auf die halbe Distanz (4,5 sm) herangekommen, haben inzwischen den Motor dazu genommen. Wir schütteln das Reff aus dem Groß und bei dem leichten Wind von inzwischen meist unter 10 kn setzen wir den Code0, machen so meist zwischen 5 und 6 Kn, kurz vor Mittag dann nur noch 3,5 kn. Kann sein, dass wir einen halben Tag motoren müssen, jedenfalls aber kommt aber erstmal unser Gennaker noch zum Einsatz, bei 8 kn wahrem Wind schaffen wir damit jetzt noch gut 4 kn. Laut Wetterwelt-Wetterbericht hat unsere geringe Geschwindigkeit den Vorte
il, dass das zwischen uns und Beaufort liegende Regengebiet bis zu unserer Ankunft abziehen sollte.

Beim Abrufen des Wetterberichts stellen wir fest, dass die Batterie des IridiumGo ihren Geist aufgibt und aus dem Leim geht, kein gutes Zeichen. Beim Neustart funktioniert es zwar, aber wir nehmen das Gerät erst einmal vom Dauerstrom. Hoffen wir mal, dass es bis in die USA durchhält.
Für den Notfall haben wir aber (neben der EPIRB) ohnehin noch ein Garmin InReach als Backup zur Kommunikation auf hoher See an Bord.

Etmal 145,5 sm.

Dieser Post wird per IridiumGo über Satellit übermittelt (wenn es denn noch funktioniert ;-)). Bilder sind deshalb nicht dabei und auf Kommentare können wir erst wieder reagieren, wenn wir Telefonempfang und damit Internet haben, vermutlich also am 11. Juni in Beaufort, North Carolina, USA.

1.Tag Passage Eleuthera Beaufort

In Spanish Wells im Norden von Eleuthera tanken wir noch einmal Diesel, tasten uns dafür mit der Flora durch die flache Rinne in den Ort. Das klappt aber gut (20-30 cm Wasser unterm Kiel). Wir können Flora sogar am Fueldock liegen lassen und zum Ausklarieren gehen sowie im Supermarkt noch Möhren und Milch kaufen.
Gegen Mittag lösen wir die Leinen wieder und fahren außen um Egg Island herum ins tiefe Wasser. Von nun an ist es grob Kurs Nord. Herrliches Segeln, zunächst etwa 60 Grad am scheinbaren Wind, später fast Halbwind. Sonnenschein und bester Segelwind. Wir lassen troztdem zwei Reffs im Groß, so passen das Zusammensegeln mit der Easy-One und die voraussichtliche Ankunft in Beaufort besser und die Schräglage hält sich in Grenzen, gerade am ersten Tag der Passage ist das auch gut für den Magen 😉 Außerdem angeln wir noch eine schöne Golddorade, perfekt. Gegen Abend erreichen wir die Abacos, an denen wir dich östlich vorbei gehen. Die Moana liegt bei Elbow Cay vor Anker, wir funken kurz mit Mareike, aber die Verbindung ist schlecht. Na ja, hier haben wir ein letztes Mal Bahamas Netz, dann eben per WhattsApp.
Mit etwas Schiffsverkehr aber sonst ereignislos segeln wir durch die Nacht. Heute morgen dann leicht nachlassender, aber immer noch guter Segelwind, Sonne und ein paar Schleierwolken. Etmal: 150 sm

Dieser Post wird per Iridium-Satellit übermittelt.

Wird wohl Zeit …

Nach 11 Wochen Bahamas haben wir in Spanish Wells ausklariert und sind jetzt auf dem Weg in die USA. Ziel ist erstmal Beaufort, North Carolina.

Es sind etwa 560 sm, wir werden aber wind- und strömungsbedingt wahrscheinlich einen kleinen Bogen fahren und rechnen mit etwa 4 Tagen Ozeanpassage. Drückt uns die Daumen, unsere Position könnt Ihr auf Noforeignland verfolgen.

Ein Blick durchs Fenster, ein Blick nach vorn. Glass Window und Wasser-Schaukel

Es gibt nur wenige Orte in den Bahamas, an denen die Ambivalenz von plötzlich aus dem tiefen blauen Ozean auftauchenden Inseln und den ausgeprägten türkisen Flachwassergebieten so deutlich wird, so plastisch hervortritt, wie eben am berühmten „Glass Window“ auf Eleuthera. Noch bis ins letzte Jahrhundert hinein gab es hier einen natürlichen Felsbogen, ausgehöhlt von dem aus Osten heran brausenden Atlantik (auf dem sich auf dieser Breite den Wellen seit dem afrikanischen Festland kein Land mehr in den Weg gestellt hat). Mehrere Stürme zu Beginn des 20. Jahrhunderts aber brachten sie zum Einsturz, auch die als Ersatz gebauten Straßenbrücken mussten danach mehrfach erneuert werden. Und so ist es heute eine schmuck- und pfeilerlose Betonbrücke, die das „Glass Window“ überspannt. Selbst nicht im eigentlichen Sinne schön, gibt sie doch den Rahmen für den Blick vom Türkis zum Blau – oder umgekehrt.

Wir ankern in einiger Entfernung, direkt an der Bücke ist es zu flach für unsere Boote.

Die Fahrt hier her war (nachdem wir die enge Felsenausfahrt von Hatchet Bay Harbour passiert hatten) wieder einmal feines Buddyboating, noch dazu hatten wir endlich mal wieder unterwegs Angelglück, ein leckerer großer Mutton Snapper ging uns an n Haken. Vielleicht, weil wir für die knapp 7 sm faulerweise nur die Fock ausgerollt hatten und entsprechend nicht ganz so flott unterwegs waren.

Ziel war aber nicht nur das Glass Window, sondern auch „Queen’s Bath“, das sich ganz in der Nähe auf der Atlantikseite findet. Der Ozean brandet hier an natürliche Felsterrassen und hat über die Zeit verschiedene Becken und Mulden herausgespült. Je nach Wasseraustausch variiert auch die Temperatur (und die Anzahl der Duschen und Sprudelbäder). Selbst in Halbhöhlen beschattete natürliche Badewannen sind zu finden.

Nach ausgiebigem Genuss dieser (wieder einmal) eintritsfreien Wellnessanlage und einem kurzen Abstecher zur ebenfalls fußläufig gut erreichbaren Felsfomation „Cow & Bull“ verholen wir uns mit unseren Booten ein Stück zurück zu dem zu unserem Fang passenden Mutton Fish Point, dessen Felsnase uns besseren Schutz vor dem Südschwell bietet.

Und – neben glasklarem Wasser und tollem Schnorcheln zwischen intakten Fächerkorallen – überraschend eine wunderbare Einstimmung darauf bietet, was uns bei der demnächst anstehenden mehrtägigen Passage von den Bahamas in die USA erwarten könnte: schönes Geschaukel 🥺😉😎 :

Alabaster Bay und Hatchet Bay Harbour: auf zu den Ananasfeldern!

Von Governor’s Harbour segeln wir weiter nach Nordwesten, immer entlang an der langgestreckten Küstenlinie von Eleuthera. Die Insel zieht sich als zumeist schmales Band mit y-förmigen Ausweitungen an beiden Enden etwa 180 Kilometer lang in dieser Richtung.

Als nächsten Ankerplatz wählen wir die Alabaster Bay, sie bietet bei der derzeit wieder starken südlichen Komponente in den vorherrschenden Ostwinden guten Schutz. Und den können wir auch brauchen, denn es zieht ein Gebiet mit Squalls und Gewittern über uns hinweg. Wir igeln uns ein und nutzen die zwischenzeitlich schöneren Phasen zum Schnorcheln. Dabei kommt auch die „Hawaiian Sling“-Harpune wieder zum Einsatz. An zwei aufeinander folgenden Tagen schießen Ingo und ich damit an einem nur etwa 40 m langen Riffabschnitt elf (11) Rotfeuerfische.

Die Schädlichkeit dieser invasiven Art für die hiesige Fischwelt, aber auch die Schmackhafigkeit der Exoten hatte ich HIER schon mal erläutert. Es ist ein bisschen aufwändig, erst (mit der Feuerwehrschere) die Giftstacheln zu entfernen und dann die recht kleinen Fische zu filetieren, aber ich werde langsam geübt darin und sie sind wirklich lecker.

Nach ein paar Tagen zieht es uns aber weiter, nur leider erweist sich unser ausgeguckter Ankerplatz bei Gregory Town als zu ungeschützt, der Schwell der immer noch südöstlichen Winde lässt uns ein ganzes Stück zurück nach Hatchet Bay Harbour motoren. Dieser See mit künstlichem Durchbruch zum Meer ist hervorragend geschützt, kommt allerdings in unserem (ziemlich alten) Törnführer nicht gut weg. Macht aber nichts, nachdem wir uns durch die schmale Einfahrt getastet haben gefällt es uns ganz gut.

Der Ort (Alice Town), oft auch einfach Hatchet Bay Harbour genannt, ist zwar eher ärmlich und mit durchgehend sehr einfacher Bebauung, ganz anders als zuletzt Governor’s Harbour.

Aber natürlich gibt es – bei richtiger Kameraperspektive – auch ausgesprochen schöne Stellen 😉

O.k., schaut man nach links, sieht es man die Baustellen und auch deutlicher das marode Palmblattdach der Schirme:

Worauf es ankommt, es gibt einen kleinen Supermarkt und die Menschen sind superfreundlich. Wir treffen die Crew der kanadischen „Petit Chantier“, außer der Easy-One und der Flora das einzige Segelboot in der Bucht. Sie erzählen Wiebke und mir von einer außerhalb gelegenen Höhle, wir ihnen von etwas entfernt liegenden Ananas-Plantagen. Gemeinsam fragen wir Renaldo, den Barkeeper der Bar am Dinghydock, nach Entfernung und Erreichbarkeit der beiden Ziele. Schwups, werden wir von ihm in seinem Auto dorthin gefahren, er muss angeblich ohnehin noch irgendwo Eis und Spirituosen besorgen. Wir sollen ihm eine WhatsApp schicken, wenn wir fertig sind, dann holt er uns wieder ab. Unterwegs stellen wir fest, dass es tatsächlich sonst ein ziemlich langer Marsch geworden wäre.

Annabelle und El (französischsprachiger YouTube Channel: Voiliers les Copains) haben Lampen dabei, schließlich hatten sie die Höhlentour geplant. Wir haben zwar nur die Handy-Funzeln, aber zusammen reicht es. Tatsächlich sind die „Hatchet Bay Caves“ riesig, sie sollen sich über eine Meile hin ausbreiten. So weit gehen wir nicht, aber es ist trotzdem beeindruckend. An der Straße nur ein Schildchen, dann Feldweg und irgendwann ein Loch. Kein Eintrittsgeld, kein Reiseführer, keine Schautafel. Einfach nur ein Loch und ein paar Stufen, die hineinführen. Von der nur über diesen schmalen Einstieg erreichbaren ersten Höhlenkammer geht es – nun nur noch von den mitgebrachten Lampen beleuchtet – über eine Holzleiter eine Ebene weiter nach unten. Dort erwarten uns Gänge, die wie ein trocken gefallener unterirdischer Fluss anmuten, zwischendurch in Abständen immer wieder größere Räume, manchmal möchte man sie Kathedralen nennen, dazu Stalagmiten und Stalagtiten in großer Zahl, Fledermäuse, allerdings auch einiges an hingesprayten Namenszügen, vielleicht ein Nachteil des einfachen unkontrollierten und kostenlosen Zugangs.

Zwischendurch löschen wir kurzzeitig unser Licht und lauschen in die dunkle Stille. Ein wunderschönes Erlebnis.

Wieder draußen werden wir von vier aufgeregten Hunden empfangen, zum Teil mit neuen Halsbändern. Stürmisch, aber auch zutraulich und ausgeprägt an unseren Rucksäcken interessiert, obwohl nichts essbares darin ist. Sie begleiten uns bis zur Ananasplantage, die ein Stück weiter die Straße hinauf liegt. Für Führungen ist sie zwar derzeit geschlossen, aber die Ananasfelder und das daneben angebaute Obst und Gemüse (vor allem Bananenstauden, Papaya und Paprika) sehen wir ja trotzdem.

Die Ananas, ein im Boden wurzelndes Bromeliengewächs mit fleischigem Fruchstand, wurde als Kulturpflanze wahrscheinlich zuerst im Amazonasgebiet angebaut und von den Indigenen „Anana“ (hervorragende Frucht) genannt. Sie war bei Maya und Azteken bekannt und wurde vermutlich von den Cariben auf die nach diesem Stamm benannten Inseln verbreitet.

Hier auf Eleuthera wurde (deutlich später, vor allem im 18. und 19. Jahrhundert) Ananas-Landwirtschaft so intensiv betrieben, dass die Bahamas zwischenzeitlich einer der großen Exporteure dieser Frucht waren, allerdings sind diese Zeiten längst wieder vorbei. Interessanterweise konnten die damals sehr exklusiven Früchte zwar geschnitten in die nahen USA verschifft werden, zum fernen (politischen) Mutterland England aber mussten sie aufwändig als ganze Pflanze mit Wurzelwerk verschifft werden, bis 1857 in Governor’s Harbour die erste Dosenfabrik dafür eingerichtet wurde.

Heute sind die Bahamas nicht mehr unter den Top 10 der Ananas produzierenden Länder zu finden. Nichtsdestotrotz rühmt sich Eleuthera auch heute noch, die wohlschmeckendsten und süßesten dieser Früchte hervorzubringen, sie finden sich auf der Währung und werden als Symbol der Gastfreundschaft und des Wohlstands verehrt und in Liedern besungen (wie uns Renaldos Vater am Abend bestätigt)

Governor’s Harbour

Eine Nacht bleiben wir an dem vergleichsweise offen gelegenen, aber auch sehr schönen und ruhigen Ankerplatz bei Sands Cay.

Der südlicher drehende leichte Wind sorgt am nächsten Morgen dann doch für etwas Schwell und so segeln wir – mal mit Fock, mal mit Code0 – gemächlich die kurze Strecke weiter nach Governor’s Harbour. Hier, etwa in der Mitte von Eleuthera, begann 1648 die Wiederbesiedelung der Bahamas nach dem gut 100 Jahre zuvor erfolgten Genozid an den Tainos.

Das vorgelagerte und ursprünglich mit einer Brücke angebundene Cupids Cay sorgt für Naturhäfen, die auch bei nördlicheren oder südlicheren Winden guten Schutz bieten und tatsächlich kommt der leichte Südostschwell hier nicht hinein.

Und auch der Ort weiß zu gefallen. Ein schöner Sandstrand säumt die Bucht, eine palmenbestandene Promenade gleich dahinter, zwei Kirchen, aus denen die kräftigen melodischen Gesänge am Sonntag zu uns herüberschallen, selbst der Friedhof liegt in bester Lage.

Verglichen mit der zwar bunten aber oft eher einfachen Bebauung der meisten kleinen Orte in den Bahamas wirken alte wie neue Häuser hier fast schon mondän mit ihren liebevollen Details, Schnitzereien, den üppigen Balkonen und Veranden.

Und die Pflanzenwelt mag da nicht zurückstehen. Üppig wie zuletzt selten grünt und blüht es überall, bei dem Mangobaum rechts im Bild drücken die vielen noch etwas unreifen Früchte die Äste bis fast auf den Boden hinunter.

Wir können das alles auf einem langen Spaziergang hinüber zum Atlantikstrand auf der Ostseite der Insel ausgiebig erkunden. Rosa soll der Stand sein, ein „Pink Beach“. Und tatsächlich:

Der Großteil des Strandes sieht eigentlich ganz normal aus, wunderschön feinsandig, breit und eben sandfarben. In dem Spülbereich aber schimmert es deutlich rosa, die (durch die vorgelagerten Riffe) nur kleinen Wellen hier sehen ein bisschen aus wie ein quirlender Erdbeer-Shake. Und auch das zurücklaufende Wasser ist mit rosa Pünktchen durchsetzt. Der Grund dafür sind „Foraminifera“, kleine Korallentierchen mit hellrosa Schale. Sie leben normalerweise an der Unterseite von bestimmten Riffen (eben auch den hier vorgelagerten) und ihre Überreste werden nach dem Absterben mit Sand und Korallenresten vermischt angespült. Offenbar sind sie etwas leichter als der Sand und werden deshalb im Spülbereich immer als erstes mitgenommen.

Faszinierend, aber ein anderes Naturphänomen zieht dann auch unsere Aufmerksamkeit auf sich:

Hm, da machen wir uns doch lieber auf den Rückweg. Allerdings kehren wir dabei noch im Buccaneer‘s Club ein, einem liebevoll eingerichteten Restaurant mit überwiegend Außengastronomie unter dem schützenden Blätterdach alter Bäume.

Der Regen und die Gewitter verschonen uns noch einmal, holen uns heute aber auf dem Ankerplatz ein. Na ja, so viel Grün hier braucht wohl auch etwas Regen. Und das Schiff wird gründlich entsalzen 😉.

Bootsarbeit und kleinere Ausfälle

Auch wenn es so aussieht als würden wir nur zwischen Segeln, Palmenstrand und Schnorcheln pendeln, ein bisschen Arbeit wartet doch immer auf dem Boot. Zum Glück derzeit nichts dramatisches, aber hier ein paar Schlaglichter:

Das Dinghy beschäftigt uns schon einige Zeit. Zum einen, weil es mal wieder Luft verliert (die letzte größere Flickaktion war ja auch auf Madeira, das ist tatsächlich schon länger her. Allerdings finden wir das Loch zunächst nicht, trotz Lecksuche mit Spüli.

Zum anderen, weil der Dinghymotor wieder Zicken macht. Es scheint wieder der Vergaser zu sein. Den hatte ja der Mechaniker in Herrington Harbour letzten Herbst in der Mangel und ich hatte ja sicherheitshalber einen neuen bei ihm bestellt. Mit Ingo baue ich das Teil auseinander, tatsächlich funktioniert er nicht mehr richtig. Als wir den Ersatzvergaser einbauen, gibt’s allerdings eine böse Überraschung. Es ist der falsche Ersatz, mit elektrischem statt mechanischem Choke. Leider kann man es nicht umbauen/kombinieren. Nur ganz oder gar nicht. Also ganz, was mir zwar einen funktionierenden Motor bringt, allerdings um den Preis, jetzt keinen Choke mehr zu haben. Verschmerzbar bei den hiesigen Temperaturen, aber doch ärgerlich.

Und wo wir schon bei Motoren sind: die Routinekontrolle unseres Volvo-Diesels ergibt eine Stelle mit leichtem Ölnebel. Das genauere Inspizieren zeigt einen Riss im Schlauch (roter Pfeil). Habe ich wahrscheinlich durch Drauflehnen bei der Wartung des neben dem Motor untergebrachten Generators selbst beschädigt.

Klar, dafür habe ich keinen Ersatz. Also wird die Stelle mit selbstvulkanisierendem „Rescue-Tape“ umwickelt, zur Sicherheit setze ich noch eine Schlauchschelle darüber. Der Austausch mit unserem „Chief“ Jan in Hamburg ergibt per Ferndiagnose, dass der Schlauch die Entlüftung des Kurbelgehäuses hin zur Verbindung von Ansaugtrakt und Turbo darstellt. Da sollte kein großer Druck drauf sein und die Notreparatur erstmal genügen.

Die erst ein paar Monate junge, in Sint Maarten gekaufte GoPro 9 stellt plötzlich den Betrieb ein, das Kabel wird beim Laden heiß. Scheint ein Fehler in der Steckverbindung innerhalb der GoPro zu sein, da kann ich nichts dran machen, werde sie in den USA reklamieren.

Steckverbindungsprobleme auch bei der Fernsteuerung der Mavic Air Drohne, ich kann die Fernsteuerung nicht mehr laden. Die salzhaltige Luft tut den elektronischen Spielzeugen offenbar nicht wirklich gut, aber das war vorher klar. Die GoPro ist dann aber doch erschütternd früh ausgestiegen.

Beim Dinghy habe ich schnorchelnd dann doch eine undichte Stelle im hinteren Unterwasserbereich entdeckt. Kleber und Flicken sind an Bord, aber die Bedienungsanleitung für den Zwei-Komponenten-Kleber lässt uns dann doch die Stirn runzeln. Eine Topfzeit von drei Stunden für die Verarbeitung ist angegeben, auf beide Flächen (Dinghy und Flicken) soll der Kleber im Abstand von 30 Minuten zweimal aufgebracht werde, beim zweiten Mal mit einer Infrarotlampe aufgeheizt und mit formpassend geschliffenen Holzklötzen angepresst werden. Nicht sehr praktikabel, zumal trotz Dosierung des „Aktivators“ am unteren Ende der angegebenen Spanne der Kleber schon nach drei Minuten fest wird und kaum noch zu verarbeiten ist. Muss wohl einmaliger Auftrag und Anpressen mit der Hand reichen. Hm. Ist sowieso schon nicht so ganz einfach, an die Unterseite des schweren 3,4 m langen Dinghys heranzukommen, aber mit der Dirk als Kran und dem Heck als Arbeitsplattform klappt es doch.

Und wer sagt’s denn, der Flicken klebt und nach der Trocknung hält das Dinghy wieder die Luft.

Auf Wiedersehen, Exuma Cays. Hallo, Eleuthera!

Am 24. April sind wir in den Exumas angekommen, einen Monat lang bummelten wir diese wunderbare Inselkette hinauf. So viel mehr als nur die bekannten schwimmenden Schweine gab es zu sehen. Wieder waren neben der Natur die getroffenen Menschen die eigentlichen Highlights, unvergessen z.B. die spontane Tanzperformance von Izryel auf Little Farmers Cay oder auch das “deutsche Dorf” mit anderen Seglern.

Aber: wir haben das nördliche Ende der Inselkette erreicht, machen einen Schlag über den kilometertiefen Exuma-Sound nach Eleuthera.

Aus dem Flachen übers Tiefe ins sehr Flache. Als wenn sich zwischen Schleimünde und Lyø ein umgedrehtes Hochgebirge in die Ostsee hinabsenken würde 😙.

Die Barre im Südwesten Eleutheras hat es dann wieder in sich, aber durch den Davis-Channel können wir uns hineintasten nach Rock Sound. Die Bucht vor dem kleinen Ort ist ebenfalls ziemlich flach, am Ankerplatz haben wir bei Niedrigwasser nur 20 cm (und damit kaum mehr als die berühmte Handbreit) Wasser unter dem Kiel. Aber anders als der Name vermuten lässt ist der Grund praktisch durchgängig Sand, vielleicht ist der Ortsname ja doch eine musikalische Anspielung 😉.

Links im Vordergrund sieht man übrigens die Attraktion von Rock Sound, das “Ocean Hole”, ein 183 m tiefes Blue Hole, wohl über Höhlen mit dem tiefen Ozean östlich von Eleuthera verbunden. Und eine natürliche Meerwasser-Badeanstalt mitten im Ort.

Auf dem Weg dorthin fallen uns die vielen blühenden Pflanzen auf, vor allem die wunderschönen Flammenbäume (Flamboyant). Eigentlich in Madagaskar heimisch, sind sie als Zierpflanze eingeführt worden und inzwischen in den Tropen und Subtropen weit verbreitet.

Wir finden einen recht gut sortierten Supermarkt und kaufen mal wieder Frisches ein, außerdem füllen wir den Reservekannister für das Dinghy wieder auf, die Esso-Tankstelle hat dankenswerter Weise einen extra Dinghysteg angelegt.

Und wir essen zum ersten Mal seit fast einem Monat mal wieder in einem Restaurant. Auch das “Wild Orchids” hat einen eigenen Dinghyanleger und wir schauen von der Terrasse direkt auf die Flora.

Heute segeln wir größtenteils am Wind erst unter Code0 und dann Fock bei herrlich glattem Wasser an der Leeseite von Eleuthera hinauf bis nach Sands Cay. Zur Krönung geht auch noch ein leckerer Snapper an den Haken, das Abendessen (für die nächsten Tage) ist also gesichert.

Da sind die Fische beim Schnorcheln doch erstmal sicher vor unserer mitgeführten Hawaiian Sling (außer den Rotfeuerfischen, aber diesmal versteckt sich der einzige gesichtete beim Näherkommen schnell in einer Felsenhöhle). Da kann ich dann dafür die vorbeiziehende Schule von Fledermausfischen (Karibischer Spatenfisch) in Ruhe bewundern.