Nelson’s Dockyard

Natürlich schauen wir uns English Harbour nicht nur mit der Drohne an. Die historischen Stätten liegen dicht beieinander, da kann man durch die Werftanlagen schon mal ganz gemütlich schlendern. In einem der historischen Gebäude ist das Dock Yard Museum (und die Nationalparkverwaltung) untergebracht. Das Gebäude ist schön renoviert, aber die Ausstellung begeistert uns nicht. Schnell verlassen wir das Museum wieder, zumal uns drinnen Mücken überfallen und uns insbesondere die Beine ordentlich zerstechen. Vor dem Museum steht übrigens eine „Royal Palm“ (Königspalme), die Queen Elizabeth 1966 dort bei einem Besuch gepflanzt hat. Beide sind immer noch im Dienst ☺️.

Dass es Nelson hier nicht leicht hatte habe ich ja im Frühjahr hier schon beschrieben. Er würde sich vermutlich im Grab umdrehen wenn er wüsste, dass Jahrhunderte später ein kluges Marketing-Team die Schiffsreparaturwerft „Antigua Naval Dockyard“ nach ihm benannt hat. Aber wer weiß, vielleicht haben die vergangenen Jahre ja auch milder gestimmt. Zu Lebzeiten jedenfalls war er auf die Bewohner der Insel (sowohl die menschlichen als auch die Mosquitos!) nicht sehr gut zu sprechen. Aber immerhin trägt jetzt ein UNESCO-Weltkulturerbe seinen Namen.

Das Wahrzeichen von Nelson’s Dockyard sind die Boat House Pillars, auf denen früher das Segelloft ruhte. Durch den kleinen Kanal wurden auf Langbooten die unhandlichen Segel herangebracht und nach oben in das Segelloft gewuchtet.

Die Salty Dawg organisieren eine „Rum in the Ruins“- Führung durch Teile dieses Areals, das als eines der größten Freilichtmuseen der Karibik gilt. 1889 von der Royal Navy aufgegeben, wurde es von den „Friends of English Harbours“ renoviert und 1961 wiedereröffnet. Neben der Geschichte des Hafens kommt bei der Führung auch die des Rums nicht zu kurz, zwei Rumpunsch und eine Pur-Verkostung sind auch dabei 🤪.

Aber anders als noch im Frühjahr gibt’s dafür dieses Mal beim Hike hinauf auf Shirley Height keine Rumpunsch-Belohnung, lediglich mein wegen der unchristlichen (aber weniger heißen und deshalb sinnvollen) Startzeit morgens um 7.00 Uhr mitgenommener Kaffee fließt durch die durstige Kehle.

Mit den Crews von „Escape„ und „San Giulio“ erklimmen wir den bekannten Aussichtspunkt und wandern dann weiter über den Klippenpfad zurück zum Galleon Beach.

Eine wirklich wunderschöne Tour. Überhaupt, Galleon Beach. Schon ein paar mal sind Wiebke und ich jetzt morgens mit dem SUP aus dem Inneren Hafen hinaus zu diesem Strand in der vorderen Freeman’s Bay gepaddelt, um die SUPs dort an eine kleine Boje zu binden und zu Schwimmen oder zu Schnorcheln. Frühsport halt.

Schön auch, dass sich dort an den Fragmenten alter „Hurrikan-Ketten“ gerne kleine Fische sammeln. Diese Kettenreste sind eine Herausforderung für das Ankern in der Bucht, aber eine Attraktion für Tierwelt und damit auch für uns Schnorchler.

Noch eine Woche bis zum 1. Advent.

Wirklich?

English Harbour mit der Drohne

English Harbour im Süden von Antigua ist einer der ikonischen Naturhäfen der Karibik. Sein hervorragender Schutz, auch als „Hurrican Hole“ in der Sommersaison, vor allem aber auch seine strategische Lage im Nordosten der Karibik machen ihn aus. Deshalb wählte ihn die englische Royal Navy als Seekriegshafen für die karibischen Operationen im 17. und 18. Jahrhundert und so erhielten die Buchten um den Ort Falmouth ihren Namen. Navy ist hier nicht mehr stationiert, aber die Sicherheit der Häfen zieht heute Yachten an, ebenso wie die Lage, die mit dem Nordostpassat im Rücken von hier aus quasi die gesamte Karibik erreichbar macht.

Was wir davon in COVID-Zeiten nutzen können bleibt abzuwarten, aber jedenfalls wäre es wohl seglerisch machbar.

Kleiner Nachteil: English Harbour ist zugleich Hauptort des Nelson’s Dockyard National Park, des größten Nationalparks von Antigua mit dem Unesco Weltkulturerbe „Nelson’s Dockyard“ mittendrin. Das selbst wäre wohl eher ein Vorteil, allerdings ist das Ein- oder Ausklarieren hier ist vor diesem Hintergrund automatisch mit besonderen (erhöhten) Gebühren verbunden.

Wunderschön ist es allerdings auch, insbesondere wenn wie jetzt nur vergleichsweise wenige Boote da sind und selbst der Ankerplatz der Freeman’s Bay gleich in der Einfahrt von English Harbour und unterhalb des oben auf der Klippe gelegenen historischen Aussichtspunkts Shirley Heights noch Platz genug bietet, um trotz der tückischen gegenläufigen Strömungen dem Nachbarlieger nicht zu nahe zu kommen. Die legendäre Sonntagsparty auf Shirley Heights mit Rumpunsch, Dark‘n Stormy (Rum mit Ginger Ale), Barbecue und Steeldrum Band findet derzeit covidbedingt allerdings nicht statt, auch wenn Bars und Restaurants hier sonst vor dem Hintergrund der guten Zahlen (aktuell nur 8 aktive Fälle) weitgehend geöffnet sind.

Diverse Salty Dawg Schiffe haben sich hier eingefunden, einige wenige werden noch erwartet, die ersten sind schon wieder zur Weiterreise aufgebrochen. Tatsächlich wäre es ohne die Salty Dawg noch immer extrem leer hier.

Wir werden wohl noch etwas bleiben, der Spibaum soll am Dienstag aus der Reparatur zurück sein. Mal sehen.

Derweil darf die Drohne mal wieder ran. Nicht nur für die Fotos, ein kleines Drohnen-Video über den Hafen habe ich hier eingestellt.

Bootsarbeit

Abgesehen vom Erholen und Cocktails trinken – was man halt so mit Karibik verbindet, wir bemühen uns diesem Klischee ausreichend zu entsprechen 😉 – gibt’s auch ein kleines bisschen auf dem Boot zu tun.

Zunächst mal die Scheuerleiste. Unsere Flora hat unterhalb des blauen Streifens am Rumpf eine rund 4 cm dicke eingeformte Massivlaminatleiste, auf die außen zudem eine Edelstahlleiste aufgeschraubt ist. Ist ein Markenzeichen von Hallberg-Rassy und hat sich in diesem Fall sehr bewährt. Nach dem ungewollte Vollkontakt mit der Fahrwassertonne sah unsere Scheuerleiste so aus:

Die Metallleiste war hochgeschoben und verbogen, zwei Schraubenköpfe abgerissen und die beiden Schrauben hatten das Laminate teilweise hochgehebelt, wohlgemerkt das der Scheuerleiste, der Rumpf selbst war völlig intakt.

Mit abgeschraubter Edelstahlleiste (und vor dem Putzen) sieht das so aus:

Das Geradeziehen der verbogenen Leiste haben wir einem Fachbetrieb überlassen, ist sehr gut geworden.

Das gerissene GFK musste ausgefräst und geschliffen werden, dann aufgespachtelt und erneut geschliffen. Die abgerissenen Schrauben ausgebohrt. Ein Werftmitarbeiter hat dann mehrere Schichten neues Gelcoat aufgesprüht und anschließend fein geschliffen.

Nach dem Trocknen konnte ich die Edelstahlleiste wieder anschrauben und so sieht das Ergebnis aus:

😁.

Und wo wir schon mal dabei sind, unsere Doradelüfter ärgern uns schon geraume Zeit. Nicht deren Funktion (finden wir klasse!), wohl aber ihre Optik. Scheinbar gibt es ein paar Jahrgänge dieser Lüfter, bei denen sich die Farbe von Weiß in ein scheckiges Gelb verfärbt. Es sieht so aus, als sei der Klarlacküberzug nicht UV-stabil, er blättert auch teilweise ab.

Vier dieser Lüfter haben wir, ein fünfter Doradelüfter auf dem Vorschiff mit rundem Fuß ist nicht betroffen und weiß geblieben. Also bauen wir die vier ab, nehmen die weißen Hutzen herunter (darunter sieht man die Originalfarbe) und können dann den Klarlacküberzug abpulen.

Entfetten, neu lackieren und wieder montieren:

O.k., dann können wir uns ja auch mal wieder belohnen

🏊 🏝 🍸 🍹 .

Aufräumarbeiten

Wir haben auf der Passage viel geschlafen, trotz Gebolze, vielleicht auch wegen der Anstrengung. Möglicherweise lag es auch daran, dass einfach nicht allzu viel anderes drin war. Lesen – eher nicht. Podcast hören ging, aber zumindest ich hatte dazu gar kein großes Bedürfnis, Wiebke hat ein paar Podcasts gehört.

Trotzdem schlafen wir in der ersten Nacht (die für uns schon um halb acht abends begann) fast zwölf Stunden durch.

Und dann beginnt die große Entsalzungsaktion. Es ist kaum zu fassen, wieviel Salz sich überall auf dem Schiff abgelagert hat und wie sehr sich das Salz auch festgebacken hat. Auf den Scheiben und Edelstahlteilen sieht man es besonders gut.

Am Biminigestänge: Meersalz, fertig zur Ernte 😉

Wie wir feststellen mussten, lässt es sich auch mit viel Süßwasser nicht einfach abwaschen. Erst aufwändige mechanische Rubbelei oder noch besser die kombinierte Behandlung mit einem zitonensäuregetränkten Lappen bringen Abhilfe.

Und wegen des Benzingestanks und auch der zusätzlichen Salzwasserspülung muss auch der komplette Inhalt der nicht perfekt wasserdichten beiden achteren Backskisten einschließlich der Festmacher- und Ersatzleinen mit Süßwasser gespült und anschließend getrocknet werden, ebenso das Ölzeug und alle im Cockpit während der Passage verwendeten Kissen (das sind einige, weil sie halt nach und nach salzig, damit dauerfeucht und erst einmal nicht mehr weiter verwendbar wurden. Ein wenig Chaos ist da kaum vermeidbar.

Weil das so ist, geht die Wäsche diesmal an die Wäscherei in Nelson’s Dockyard (obwohl wir sonst unsere Waschmaschine nicht missen möchten). Dort wird sie gleich am Nachmittag schnell und gründlich erledigt, trocken und sauber gefaltet bekommen wir Bettwäsche, Matratzenbezug und eben unsere Wäsche am Abend zurück, obwohl wir sie erst am Mittag abgegeben hatten. Auch unsere geliebten kleinen Kissen, die wir zur Taufe unserer vorherigen Boote von Freunden geschenkt bekamen sind wieder salzfrei und verwendbar. 😁 Das wären mit der 3,5 kg Bordwaschmaschine einige Ladungen und Relingstrocknungen gewesen.

Nachdem das Boot wieder „shipshape“ ist und ich den Pelz aus dem Gesicht geschabt habe, verpassen wir uns auf dem jetzt wieder ordentlichen Achterschiff noch gegenseitig einen Haarschnitt, das war ebenfalls überfällig.

Und dann verholen wir vom Ankerplatz in die Antigua Slipway Marina, organisieren die anstehenden kleineren Reparaturen (wie im letzten Blogbeitrag erklärt) und … feiern ein bisschen 🍾 🥂 🍹 .

Blödheitsgeständniss, Nachbetrachtung, Fotonachträge und Einklarieren in Antigua

Erst mal ganz herzlichen Dank für Eure Anteilnahme und Eure Glückwünsche, das hat uns mächtig gefreut.

Ganz ohne Zweifel waren die letztendlich 1.720 sm von Hampton VA 🇺🇸 nach English Harbour auf Antigua 🇦🇬 die bisher insgesamt anstrengendste Passage für uns. 10 Tage und zwei Stunden hat der Törn gedauert, davon lief 28 Stunden der Motor. Das war ganz überwiegend am Anfang, denn nachdem wir aus der Chesapeake Bay herauskamen, erwartete uns ein Schwachwindgürtel. Das war ein Teil des Wetterfensters, denn so hatten wir im Golfstrom weder die gefürchtete Wind-gegen-Strom-Situation, sondern konnten vielmehr mit dieser Meeresströmung ein gutes Stück Ost gutmachen. Wichtig, weil der Passatwind ja aus östlichen Richtungen weht und Antigua nunmal von der Chesapeake Bay aus im Südosten liegt.

Man sieht auf dem Noforeignland-Track ganz gut unseren Hinweg von Antigua über die USVI und die Bahamas und dann den Knick nach Norden. Auf dem Rückweg sieht man, wie sehr wir uns mit dem Golfstrom nach Nordosten bewegt haben, in diese Phase fällt auch die Motorfahrt bis wir mit Segeln und dann auch bald mit den ersten Kreuzschlägen beginnen. Dann der Bogen hin zum Eddie. Dazu mal wieder ein Screenshot aus Windy.com, der sehr schön den aktuellen Golfstrom und die zum Teil riesigen Eddies zeigt.

Weiter ging es, jetzt immer am Wind, nah an den Bermudas vorbei. 5 der knapp 40 Boote sind abgebogen und haben hier einen Zwischenstop eingelegt, zum Teil wegen Schäden, zum Teil wegen Seekrankheit, zum Teil kam beides zusammen. Überhaupt: Schäden. Ein Boot ist gleich nach dem ersten Tag mit defektem Großsegel umgekehrt. Mehrere andere hatten ebenfalls Segelschäden, konnten aber weiterfahren. Bei einem Boot brach der Großbaum, zum Glück erst 15 sm vor Antigua. Außerdem gab es diverse Motor-, Generator- und Watermakerschwierigkeiten sowie kleinere Leckagen auf ziemlich vielen Schiffen. Flora hat sich gut gehalten, auch wenn wir es ihr nicht ganz leicht gemacht haben. Direkt am Ausgang der Chesapeake wollten wir nämlich beim schwächer werdenden Wind das Vorsegel ausbaumen. Aus dem betonten Fahrwasser waren wir schon heraus, kein Schiffsverkehr um uns herum. Als wir gerade beide auf dem Vorschiff am Hantieren waren, hat sich aber eine Tonne einfach per Wurmloch mitten in unseren Kurs gebeamt. 🤔 Vielleicht haben wir aber auch nur verpennt, wie uns die Strömung wieder Richtung Fahrwasser gedrückt hat. Jedenfalls sind wir mit einem unserer beiden Spinnakerbäume dagegen gedengelt, der Spibaum ist gebrochen, die Spischot hat sich hinter der Tonne verfangen und Flora an die Tonne gedrückt. Wiebke hat superschnell reagiert, das am Heckkorb befestigte Messer herausgerissen und die Schot gekappt, wir waren also schnell wieder frei. Nur die massive Scheuerleiste der Flora hat eine kleine Macke davongetragen, das wird hier in Antigua gleich repariert.

Was die Messer angeht, wir haben drei davon an Bord verteilt: Mastfuß, Cockpit und Heckkorb. Hat sich gerade bewährt 😉.

Fazit: Schäden am Schiff einigermaßen gering, kleinere Kratzer und eine Scheuerleiste, die ihrem Namen gerecht wird. Größere Kratzer nur am seemännischen Selbstverständnis der Skipper. 😖

Aber immerhin ein bisschen können wir das vor uns selbst mit dem guten Meistern der restlichen Passage wieder aufpolieren. Es nagt trotzdem.

Hier noch die versprochenen Fotonachträge mit ein paar Eindrücken vom Törn (Sorry, aber Catalina hatte Sonnenuntergang- und -Aufgänge gefordert 😁):

Vormwind mit (Ersatz-)Spibaum
Eine der wenigen Schiffsbegegnungen. Ein Frachter zieht weit hinter Floras Heck durch.
Squall
Schräg. Und grüne Farbexplosion der Gischt an der Steuerbord-Buglaterne
Sturmvogel
Sonnenaufgang
Essensvorbereitung
Sonnenuntergang
Wieder ein Squall
Sonnenaufgang
Mondsichel als Schale (mit Venus darüber)
Durch aufschwimmende Gasflasche aufgesprungener Gasflaschenkasten
Fenriswolf über der Ketch Shamrock?
Matratzenlager auf dem Salonboden
Und wieder Sonnenuntergang
Schräg
Versöhnung?
Angekommen.

Und noch ein bisschen was zum Prozedere bei der Ankunft:

Eigentlich müssen derzeit alle neu ankommenden Boote in St. John’s auf der Westseite der Insel einklarieren. Für die Salty Dawg gilt aber eine Ausnahme, wir dürfen in English Harbour einklarieren. Und das geht so:

Erstmal hat man sich 6 Stunden vor Ankunft (oder bei Erreichen der Funkreichweite) bei der Coastguard anzumelden. Wir haben zwar eine Reservierung in der Antigua Slipway Marina, aber zunächst müssen wir wie alle Boote in der Freeman’s Bay ankern und uns -wieder über Funk – bei der Nelson’s Dockyard Marina melden, die den Gesundheitsbehörden Bescheid sagt. Einige Zeit später kommt dann ein Behördenboot längsseits und der Health Officer steigt auf unser Boot. Er sammelt unsere ausgedruckten COVID-Testergebnisse ein, außerdem unser Gesundheitstagebuch der letzten 14 Tage, das für jedes Crewmitglied die Morgen- und Abendtemperatur und die tägliche Beantwortung von 21(!) Gesundheitsfragen beinhaltet. Außerdem muss der Kapitän eine „Maritime Declaration of Health“ ausfüllen, für Seuchenfälle gedacht mit z.B. Angabe der Zahl der unterwegs Verstorbenen.

Da wir das alles vorbereitet haben geht es schnell (Formular-Muster gab’s von Salty Dawg).

Zwei zusätzliche Formulare händigt uns der Health-Officer aus, aber die sind einseitig und ebenfalls flott erledigt. Dann wird bei uns beiden noch die Temperatur gemessen (kühlen Kopf bewahrt 😉) und …

… jetzt darf der Kapitän (nur der!) an Land um bei Zoll und Immigration sowie der Hafenbehörde (sind alle im gleichen Gebäude) den Rest der Einklarierung klarzumachen. Das musste vorher schon zwingend online über https://www.eseaclear.com vorbereitet werden. Kapitän bin für solche Behördenzwecke übrigens ich (Ralf), Wiebke möchte mit dem Formalkram lieber weniger zu tun haben. Noch 30 US$ bezahlen, schon fertig. 😁 Mit dem Gesundheitstagebuch (einschließlich Überfahrt) ist unsere Quarantänezeit erledigt. Willkommen auf Antigua und Barbuda 🇦🇬 .

10. Tag Passage Chesapeake nach Antigua

Was für ein Unterschied. Gestern Wind- und Wellenchaos, zudem ging auch noch unser Alarm im Schiff los. Der Vorbesitzer hatte ihn uns als Gasalarm erklärt. Oh sh.., hat die provisorische Befestigung im Gaskasten doch nicht einen Schaden verhindert? Und wie kriegen wir jetzt das Gas aus der Bilge? Lüften fällt bei dem Wellengang aus. Nach dem Öffnen der Bodenklappe sehen wir, dass dort eine Handvoll Wasser hin und her pülscht. Hm. Mit dem Lappen getrocknet, ist der Alarm aus und springt auch nicht wieder an. Aber wenn da Wasser in der Bilge unter der Pantry (Küche) ist, dann vielleicht woanders auch? Nö. Überall trocken. Gut.
Heute dann (fast) alles anders. Flora pflügt durch die noch bewegte, aber nicht mehr chaotische See. Das dritte Reff bleibt erstmal drin, die Bewegungen sind deutlich erträglicher. Am Morgen schon ein Regenbogen hinterm Schiff, Versöhnung mit den Elementen. Den Tag über schönes Segeln bei Sonnenschein und nur noch etwa 1,5 m Welle. So kanns gehen. Nachmittags läste der Wind ein bisschen nach, wir wechseln vom dritten ins zweite Reff. Die Freiwache kann vernünftig schlafen, viel weniger Gebolze. Jetzt gehts in unsere letzte Nacht der Passage, einige Squalls sind angesagt, aber bisher haben sie uns verschont. Wenn es so weitergeht, sind wir morgen gegen Mittag (Ortszeit, also am Abend in Deutschland) in English Harbour auf Antigua.

9. Tag Passage Chesapeake nach Antigua

Der Rest der Nacht ist nicht schön. Der Wind wechselt die Richtung und die Stärke, als würde ein Zufallsgenerator im Minutentakt neue Ergebnisse ausspucken. Immer mal wieder sind Böen über 30 kn dabei. Das führt natürlich auch zu chaotischen Wellen. Es rumpelt und kracht, holpert und spritzt. Flora steckt das erstaunlich gut weg, aber der Autopilot steigt dann doch einige Male aus. Es ist einfach nur anstrengend. In einem kurzen Windloch reffen wir auch die Fock, dass Groß ist ohnehin im zweiten Reff.
Der Tag versöhnt ein wenig, aber es bleibt bei den Böen und wir sind natürlich auch immer noch auf Amwindkurs, kein Vergnügen bei der Welle. Wir reffen die Fock wieder aus, sie steht gerefft einfach nicht gut, reffen dafür das Groß ins nun dritte Reff.
So geht es jetzt auch in die vorletzte Nacht dieser Passage und das ist gut so, denn schon wieder pfeiffen Böen über 30 kn. Habe ich schon erwähnt dass wir uns aufs Ankommen freuen?

8. Tag Passage Chesapeake nach Antigua

Ein schöner Segeltag heute. Also für die Bedingungen. Nicht eben Kaffeesegeln mit Kuchentellern auf dem aufgeklappten Cockpittisch, sondern weiter Leben in Schräglage, Welle immer noch 2 Meter, Wind weiterhin um Stärke 6. Aber trotzdem deutlich angenehme, weil eine kleine Veränderung eingetreten ist. Statt zwischen 45 und 60 Grad scheinbarem Windeinfallswinkel kommt der Wind jetzt aus 60 bis 75 Grad. Nur 15 Grad Veränderung, immer noch schräg von vorn. Und doch so viel angenehmer. Weit weniger Wellen klatschen laut an die Bordwand und ergießen sich im Schwall über das Schiff.
Floras Mittelcockpit ist ohnehin gut geschützt, die feste Scheibe und die Sprayhood tun ein Übriges, auch das Bimini (der Sonnenschutz über dem Cockpit, auf dem auch unsere Solarpanele montiert sind) hält noch ein bisschen was ab. Das ändert aber nichts daran, dass querlaufende Wellen ab und zu eben doch noch in den hinteren Teil des Cockpits spritzen. Und es ändert ncihts daran, dass alles draußen mit einer Salzkruste überzogen ist. Die Gischt findet ihren Weg. Amwind-Passage eben.
Und heute ein schönerer Tag davon, neben dem bessenren Windwinkel auch mit Sonnenschein und Wärme, das Wasser hat inzwischen 28 Grad. Zur Nacht nimmt der Wind wieder etwas zu, aber wir haben nur wenige Squalls.
Der Mond nimmt ab, nur noch eine dünne, ungewohnt nach oben offene Schale steigt an Backbord immer später in der Nacht auf. Und die jetzt wieder heftigeren Bootsbewegungen führen zu interessanten Realitätsverschiebungen. Döst man im Cockpit vor sich hin (der Wecker der Wache klingelt sicherheitshalber ohnehin alle Viertelstunde) und öffnet dann die Augen, stürzen mit dem ruppigen Herauftanzen des Hecks Sterne aus dem auf der Deichsel stehenden Großen Wagen als Sternschnuppen in die dunklen Wellen, um im nächsten Moment erschreckt wieder an ihren angestammten Platz hinaufzuspringen. Oder jedenfalls irgendwo in die Nähe, denn die Auf- und Ab-Bewegung wird durch das seitliche Schlingern des Bootes in wilde Kreisel verschoben.
So geht es weiter unter der Fock und dem zweiten Reff im Groß mit gut 8 Knoten Fahrt durch die Nacht.

7. Tag Passage Chesapeake nach Antigua

Das ist ganz schön schräg. Immer. Und wir hoppeln mit dem zweiten Reff im Groß über die Wellen, die inzwischen etwa zweieinhalb Meter hoch sind, es rumpelt also ordentlich. Einfache Verrichtungen an Bord werden zur Herausforderung, das ist der Körperhygiene nicht immer zuträglich. Heute haben wir das (erst) zweite Mal auf dieser Passage geduscht. Wer jetzt (nachvollziehbar) die Nase rümpft: duschen ist bei diesen Bedingungen kein Spaß, sondern harte Arbeit. Naturgemäß wird ja der Untergrund dabei rutschig und die Standfestigkeit auf eine noch härtere Probe gestellt.Die Eimerdusche auf dem Heck scheidet aus, obwohl die Temperaturen das zulassen würden. Wir haben uns die Aufgabe etwas erleichtert, indem wir auf gut halben Wind abgefallen sind (auch dafür hat sich das Vorhalten gelohnt), die geringere Schräglage macht auch das Abpumpen des Duschwassers weniger schwierig. Weitere Highlights des Tages:
Chief Jan (zugleich in Personalunion unser Shoreside Coordinator in Hamburg) schickt uns eine längere email mit Ausführungen zur Aufnahme des Wahlergebnisses in den USA, zu den aktuellen Covid-Entwicklungen, zum Wetter und zur Entwicklung unserer Salty Dawg Flotte (leider kriegen wir die Offshore Tracking App nicht zum Laufen). Man kriegt hier unterwegs sonst echt nix mit!
Ein Sturmvogel umkreist längere Zeit die Flora, segelt ohne Flügelschlag elegant knapp über den Wellen und prüft unser aufgewühltes Kielwasser auf Essbares. Mir gelingen ein paar richtig gute Fotos von ihm.
Abendessen mit gedünstetem frischem Rosenkohl, Kartoffeln und Hähnchen. Bei den Bedingungen! Und:
Wir knacken die 1.000 sm, bei Sonnenuntergang haben wir auf dieser Passage bereits 1.045 Seemeilen geloggt. Bleiben also noch etwa 650 sm bis Antigua.