Passage Fiji nach NZ, Tag 4

Nachdem das Adrenalin der Aktion mit den Vorsegeln zunĂ€chst seine Wirkung getan hat, sackt mit etwas Abstand statt der Segel der Körper leicht durch: die schon ĂŒberstanden geglaubte Seekrankheit ist zurĂŒck und ich fĂŒttere nochmal die Fische.

DafĂŒr scheint unsere seglerische Improvisationslösung zu funktionieren. Das ist gut so, denn laut PredictWind-Vorhersage entwickelt sich bei Neuseeland ein Windband mit krĂ€ftigeren Winden und insbesondere wegen der fehlenden Fock nicht idealer Windrichtung (schrĂ€g von vorn). Nichts dramatisches, aber: je eher wir da sind, desto besser.

Immerhin, heute feiern wir Bergfest, mehr als die HĂ€lfte der Strecke liegt im Kielwasser.

Flotte Fahrt, aber auch Wolken am Horizont. So geht’s in die Nacht:

Wir merken deutlich, dass wir den Wendekreis des Steinbocks nach SĂŒden ĂŒberquert und damit die Tropen wieder verlassen haben. Es wird deutlich kĂ€lter, lange Hosen und nachts auch Socken und Fleecedecke im Cockpit sind angesagt.

Essen: kaum der ErwĂ€hnung wert, ein paar trockene Cracker fĂŒr mich, nochmal Bratkartoffeln (eigentlich meine Ration von gestern) fĂŒr Wiebke.

Etmal: fĂŒr diese Situation sehr gute 157 sm, gesamt 646 sm, noch etwa 410 sm zu segeln.

Passage Fiji nach NZ, Tag 3: Murphy ist ein Segler

Chaos-Tag. Die Seekrankheit ist noch da, wird aber langsam besser. Muss sie auch, denn mitten in der Nacht sackt wieder das Vorsegel durch und rutscht teilweise ins Wasser. Wir können es bergen. Es ist ein hartes StĂŒck Arbeit, obwohl es diesmal “nur” 20 kn Wind sind und nicht 30 kn wie beim letzten Mal im April.

Nach der Erfahrung vom April laschen wir das Segel diesmal nicht an den Seezaun, sondern ziehen es gleich mit dem Ersatzgenuafall wieder hoch. Aber entweder hat es bei der Bade-Aktion schon einen kleinen Schaden am Keder bekommen oder wir beschĂ€digen ihn beim EinfĂ€deln. Die unteren zwei Meter gehen nicht in die Nut und das Segel lĂ€sst sich bei diesen Bedingungen auch nicht wieder herunterziehen, der Teil ĂŒber den zwei Metern ist blockiert.

Unsere Notlösung: das Segel eng ins erste Reff wickeln. So können wir weitersegeln. Sechs Stunden lang. Dann ein kleiner Knall und das Segel sackt wieder durch. Offenbar ist auch der SchĂ€kel vom Ersatzfall entweder aufgegangen oder gebrochen. Das gibt’s doch nicht: 45.000 Meilen passiert das nicht und dann gleich drei Mal hier zwischen Neuseeland und Fiji. Immerhin kann die Fock diesmal nicht ins Wasser rutschen, weil sie ja schon ein bisschen eingerollt ist.

Wir rollen sie ganz ein, da ist im Augenblick nichts zu machen. In den Mast zu gehen kommt bei diesem Geschaukel nicht in Frage.

Wir dĂŒmpeln bei 15 bis 20 kn Wind unter Groß, aber alleine ist mit diesem Segel kein Amwindkurs zu fahren und wir haben etwa 60° Windwinkel zum 600 Meilen entfernten Ziel.

Nach einiger Überlegung entschließen wir uns, den Code0 zu setzen und nur ein kleines StĂŒck auszurollen. Das tut dem Code0 ganz sicher nicht gut, aber es balanciert das Boot so weit aus, dass wir mit einfach gerefftem Groß Kurs anlegen können und sogar wieder einigermaßen Geschwindigkeit machen.

Essen: Bratkartoffeln fĂŒr Wiebke, trockene Cracker fĂŒr mich.

Etmal: 155 sm, gesamt 489 sm, noch ca. 580 sm bis Marsden Cove.

Schlimm fĂŒr den allerdings ohnehin schon etwas verschlissenen Code0, aber im Moment wohl unsere beste Option.

Passage Fiji nach NZ, Tag 2

Zum Abend wird die Wellenfrequenz etwas lĂ€nger. Flora stoppt nicht so stark ab, wir laufen gute Geschwindigkeit. Wie ein GĂŒterzug zieht das Boot durch die mondhelle Nacht.

Der Tag beginnt bewölkt und eher grau. Es ist böig werden zwischendurch etwas konfus.

Nur ein kurzer Bericht heute, die Seekrankheit hat mich erwischt.

Essen: KĂŒrbisrisotto.

Etmal: 170 sm, gesamt 334, noch zu segeln ca. 715 sm.

Passage Fiji nach NZ, Tag 1

Um 9.00 Uhr haben wir einen Termin zum Ausklarieren in Denarau. Wir sind um 8.20 Uhr da und das erweist sich als gute Entscheidung. Diverse Crews haben offenbar den gleichen Termin bekommen. So aber sind wir ziemlich weit vorne in der Schlange und um 9.15 Uhr tatsĂ€chlich schon durch. Vor dem BĂŒro wartet inzwischen eine Traube von Seglern.

Das ist auch ein gutes Zeichen, denn offenbar sind wir nicht die einzigen, die in der aktuellen Vorhersage ein Wetterfenster erkennen. Es scheinen sich gut 40 Boote von Denarau und Nadi aus auf den Weg nach Neuseeland zu machen.

Ein wenig zweifeln wir trotzdem schon bald an der Entscheidung, denn nach der Riffdurchfahrt empfangen uns 3-Meter-Wellen und ein Amwind-Kurs. Keine sehr angenehme Kombination und immer wieder klatschen auch Wellen ĂŒbers Deck. GĂ€nzlich unerwartet ist das allerdings nicht, der Bereich eben sĂŒdlich von Fiji‘s Hauptinsel Viti Levu ist fĂŒr diese Bedingungen bekannt.

Immerhin können wir Kurs auf Neuseeland anlegen. Nach der Vorhersage sollte der Wind unterwegs ein kleines bisschen zu unseren Gunsten drehen und auch die Wellen dĂŒrften sich zumindest zwischenzeitlich etwas beruhigen.

Der erste Tag allerdings ist geprÀgt von viel SchrÀglage und wildem Geschaukel, nicht eben der perfekte Einstand. Immerhin sind wir recht flott unterwegs.

Essen: Wiebke hat eine Asia-Pfanne vorgekocht, die wird warm gemacht. Schon das ist bei den BocksprĂŒngen des Bootes nicht ganz ohne.

Etmal: 153 Seemeilen von Schiffsmittag bis Schiffsmittag, dazu 11 sm am ersten Vormittag. Also bisher 164 sm geschafft, noch etwa 890 sm vor uns.

Waya und Vorbereitungen fĂŒr die Weiterfahrt nach Neuseeland

Von Nacula segeln wir mit einem Stop auf dem schon bei der Hinfahrt besuchten Naviti Island noch weiter sĂŒdlich die Perlenkette der Yasawas hinunter nach Waya. Wieder einmal beeindruckt uns die Unterschiedlichkeit der Inseln.

Von weitem wirkt Waya kantig, fast abweisend.

Aus der NÀhe betrachtet offenbart sich die herbe Schönheit der Insel.

Schroff, fast senkrecht steigen am Ankerplatz die schwarzen Felsen auf, als wollten sie der Insel einen gehörnten Helm aufsetzen.

Von Mareike und ihrer Crew werden wir gleich bei unserer Ankunft begrĂŒĂŸt, einmal mehr haben wir einen schönen gemeinsamen Abend auf der Moana.

Als wir am nÀchsten Morgen weiterfahren, ziehen sich niedrige Wolken weit die HÀnge herunter. Man könnte fast glauben, wir seien in Schottland.

Aber kaum sind wir aus der Bucht heraus, reißt der Himmel ein bisschen auf. Erste Sonnenstrahlen kĂ€mpfen sich durch die Wolkendecke, beleuchten die Palmen hinter dem Sandstrand. Doch nicht Schottland!

Fast vierzig Seemeilen sind es bis zu unserem Tagesziel, aber mit Segeln wird es leider nichts. Wir motoren die ganze Strecke bis nach Denarau. Warum tun wir uns das an, wir hĂ€tten doch auch gemĂŒtlich in Waya bleiben können? Ja, schon. Aber: es gibt ein Wetterfenster fĂŒr die Passage nach Neuseeland. Und zum Ausklarieren mĂŒssen wir eben nach Denarau, dort haben wir (wie gefordert) mit zwei Tagen Vorlauf fĂŒr Montag einen Termin mit den Behörden vereinbart. Außerdem können wir in Denarau noch Frischwaren fĂŒr die Passage einkaufen und – ganz wichtig – den Dieseltank der Flora wieder auffĂŒllen.

Über Funk melden wir uns bei der Bootstankstelle. Ein Boot wird gerade betankt, wir sollen in 15 Minuten kommen. Das passt perfekt. Eigentlich. Allerdings entpuppen sich die 15 Minuten als 
 „Fiji Time“. Eine weitere Yacht drĂ€ngelt sich dazwischen, nicht so wild. Die andere Seite des Tanksteges wird von kleineren lokalen Booten so genutzt, dass immer mindestens eines die HĂ€lfte des Platzes nutzt und damit den Tankplatz blockiert, na gut, wohl ein Vorrecht der Locals. Dann ist irgend etwas mit der Zapfanlage, auf einmal geht nichts mehr. Kommunikation? Nö.

Geschlagene zwei Stunden driften wir im Hafenbecken vor der kleinen Tankstelle herum.

Dann geschieht ein kleines Wunder: wir kommen doch noch dran. Und das Warten hat sich auch gelohnt. Floras 400 Liter Dieseltank ist wieder komplett gefĂŒllt, wir mĂŒssen uns nicht mehr vor möglichen Flautenlöchern auf der etwa einwöchigen Passage nach Neuseeland fĂŒrchten. Und der Preis an der ZapfsĂ€ule ist angesichts der aktuellen Ölpreisentwicklung recht gĂŒnstig: ein Liter Diesel kostet 3,20 FJD (ca. 1,25 €), Benzin fĂŒr den Außenbordmotor des Dinghies ist mit 3,10 FJD (ca. 1,20 €) noch etwas billiger.

Morgen frĂŒh um 9.00 Uhr haben wir einen Termin zum Ausklarieren. Der umfangreiche Formularkram fĂŒr Neuseeland ist schon eingereicht. Das Wetterfenster sieht gut aus, was den Wind angeht. Die Wellen werden vermutlich mit bis etwas ĂŒber 3 m zwischenzeitlich unangenehm hoch sein, aber die Frequenz den Wellen ist mit rund 12 Sekunden immerhin einigermaßen lang. Sowas wird fĂŒr diese Passage schon als recht gutes Wetterfenster verkauft. Es ist halt kein Wunschkonzert.

DrĂŒckt uns also gerne die Daumen.

Champagne Beach, Nacula Island und mal wieder eine Lernkurve

Fast ganz im Norden von Fiji‘s Yasawa-Gruppe ankern wir vor dem Champagne Beach. Ein wirklich wunderschöner, langer und breiter Strand mit ganz feinem, hellen Sand.

Klitzekleiner Haken: wie so oft in den Yasawas findet der Ozeanschwell auch hier seinen Weg zum Ankerplatz. Das Auf und Ab ist an Bord nicht mal besonders störend. Das Anlanden am Strand wird aber deutlich erschwert, denn im flacheren Wasser steilen sich die Wellen auf und brechen.

Wir sind ja nach unserem Erlebnis am Cape Scott in Kanada „gebrannte Kinder“ (war’s eine FeuerTAUFE oder sind wir jetzt mit allen Wassern gewaschen?).

Vom Dinghy aus schauen wir uns das erst einmal genau und wirklich in Ruhe an, versuchen ein Muster im Rhythmus der Wellen zu erkennen. Drei grĂ¶ĂŸere sind durch, jetzt folgt eine kleine Pause. Also Gas geben, ran, dann das Dinghy schnell auf den Strand ziehen. Auf die nĂ€chsten höheren Brandungswellen warten und mit ihnen das Beiboot noch höher hinauf auf den Strand wuchten. Klappt wunderbar. Es ist ablaufend Wasser, insofern sollte das Dinghy jetzt sicher liegen. Trotzdem legen wir zur Sicherheit hoch auf dem Strand noch den Dinghyanker aus. Wir beobachten das noch eine Zeit lang, wĂ€hrend wir schon mal den Korken knallen lassen.

Champagne Beach. Nehmen wir wörtlich.

Nach dem Anstoßen folgt ein herrlicher Strandspaziergang barfuß im Puderzucker-Sand der Gezeitenzone.

Allerdings: Irgendeine Monsterwelle hat zwischenzeitlich doch unser Dinghy erwischt und zur HĂ€lfte mit Wasser und auch reichlich Sand gefĂŒllt. Mist.

Davon gibt’s keine Fotos, leer schöpfen hat die oberste PrioritĂ€t. Dann schnell zurĂŒck zur Flora, der Außenborder des Dinghies lĂ€uft zum GlĂŒck problemlos, so schlimm war die Welle dann doch nicht. Es dauert aber fast eine Stunde, bis wir mit Hilfe von Deckswaschpumpe und Schlauch den Sand zumindest grĂ¶ĂŸtenteils wieder aus dem schrĂ€g in den Davits hĂ€ngen Beiboot herausgespĂŒlt haben. Das war wohl nicht ganz optimal.

In den nĂ€chsten Tagen soll der Wind hier oben im Norden der Yasawas deutlich auffrischen. Wir beschließen, wieder etwas weiter nach SĂŒden zu segeln, um spĂ€testens am Freitag den Schutz des Windschattens von Viti Levu nutzen zu können. Unser nĂ€chster Ankerplatz liegt auf bei der Insel Nacula vor dem Örtchen Malakati.

Auch hier wieder: traumhafter Sandstrand.

Und ĂŒberhaupt, was fĂŒr ein Ankerplatz. Auf 5 m Wassertiefe ĂŒber Sandgrund, der in herrlichstem TĂŒrkis geradewegs zu leuchten scheint.

Der notorische Schwell allerdings findet auch den Malakati Anchorage. Wie also am besten an Land kommen? Die Longboats der Locals sind zumeist nicht auf den Strand gezogen, sondern zwischen einer Ankerleine und einer Landleine so im seichten Wasser festgemacht, dass man an Land waten kann. Wir kopieren ihre Technik und nutzen dafĂŒr zwei Anker, jeweils an einem „Anchor-Buddy“, einer sich von 5 m auf 15 m dehnenden speziellen Ankerleine. Die eine Leine ist nicht mehr ganz so elastisch, aber das war der eigentliche Grund, warum wir ĂŒberhaupt eine zweite haben. Jedenfalls klappt es wunderbar, das Dinghy schwimmt mit dem Bug in Wellenrichtung, die Welle steigt nicht klatschend ĂŒber das niedrigere Heck ein. Da hĂ€tten wir auch schon frĂŒher drauf kommen können. Lernkurve, aber wir sind ja auch erst gut sieben Jahre unterwegs!

Wir machen unser Sevusevu beim Chief. Und wir begegnen Josa, Tetro und Mario, die uns den nicht ganz einfach zu findenden Einstieg in den Trail hinauf auf den hinter dem Ort liegenden Berg zeigen. Ihre (und unsere) Namen ritzt Josa in das Blatt einer stacheligen Agave am Wegrand. Wir sollen uns vor den Spitzen Blattenden in Acht nehmen. Zur Sicherheit pickst er dieses Blattende in das beschriftete Blatt.

Der Hike beginnt unscheinbar unter haushohen, die Kokospalmen am Strand deutlich ĂŒberragenden MangobĂ€umen und fĂŒhrt dann steil den Hang hinauf. Ein StĂŒck höher wachsen noch Kiefern, dann wird es an den HĂ€ngen eher kahl. Wie bei frĂŒheren Wanderungen haben sich uns auch diesmal wieder einige Hunde aus dem Dorf angeschlossen und weichen uns kaum von der Seite.

ZurĂŒck im Dorf werden wir in die Vorschule hineingebeten. Eigentlich ist sie fĂŒr die fĂŒnfjĂ€hrigen gedacht. Weil aber die Frauen im Dorf fast alle im Hotel-Resort des Nachbarortes arbeiten, gehen in Malakati auch die drei- und vierjĂ€hrigen in die Vorschule.

Wiebke und ich werden sofort fröhlich in Beschlag genommen. Die Muttersprache ist Fijianisch, die Kinder erproben von der Lehrerin ermuntert ihr Englisch an uns. Wir sollen diverse LieblingsbĂŒcher vorlesen, vorsingen, als KletterbĂ€ume dienen, bekommen die Vorschule gezeigt. Umgekehrt singen auch die Kleinen ein fijianisches Lied.

Zeit ist relativ. Selbst Fiji-Time.

Fiji Time. Ein feststehender, viel verwendeter Ausdruck in diesem Land. Man hat Zeit, lÀsst sich Zeit. Kommt nicht so drauf an.

Es ist schon irgendwie erstaunlich. Gestern haben wir die FlĂŒge fĂŒr den „Heimaturlaub“ gebucht, Anfang Dezember geht’s von Auckland ĂŒber Singapur nach Hamburg. Das ist (erst !?!) in zweieinhalb Monaten. Und was macht das mit uns? Eine ganze Menge. Von jetzt auf gleich fĂŒhlt sich Fiji anders an. Bisher schien die Zeit hier fast unendlich – immerhin sind wir eine ganze Saison lang ausschließlich hier in „Bula-Land“. Lassen uns reichlich Zeit, bummeln alleine ĂŒber zwei Monate nur durch die abgelegenen Inseln der Lau-Gruppe. Und jetzt? Auf einmal tickt die Uhr. Nur noch 10 Tage und dann ist schon Oktober, dann schauen wir schon nach einem Wetterfenster fĂŒr die Passage nach Neuseeland. Und plötzlich fĂŒhlen sich die Tage wie Abschiednehmen von Fiji an. Noch bewusster genießen, noch intensiver schauen. Wehmut? Ein wenig vielleicht. Aber auch das GefĂŒhl: ja, das ist rund. Fiji ist toll, wir haben viele verschiedene Landesteile gesehen, wunderbar herzliche Menschen kennenlernen dĂŒrfen. Wir durften dieses Land sehr intensiv erleben, eben fast ein halbes Jahr lang hier leben. Was fĂŒr ein Geschenk.

Und jetzt zum Abschluss die Inselgruppe der Yasawas. Wir haben inzwischen die nördlichste, namensgebende Hauptinsel dieser Kette erreicht, eben Yasawa Island.

Rund 20 Kilometer lang ist Yasawa Island, dabei aber nur maximal einen Kilometer breit. Die Insel erstreckt sich von SĂŒdwest nach Nordost, ein langer schmaler Schutzwall gegen den vorherrschenden SĂŒdostpassat. Das ist um so wichtiger, weil der Passat durch die DĂŒse zwischen Fijis hohen Hauptinseln Viti Lvu und Vanua Levu gepresst noch einmal deutlich verstĂ€rkt hier ankommt, wĂ€hrend die sĂŒdlichen Inseln der Yasawa-Gruppe oft im Windschatten von Viti Levu liegen.

Vorschau fĂŒr Freitag dieser Woche auf Windy.com

Unser erster Ankerplatz auf Yasawa Island war Namataya Anchorage, ganz im SĂŒden der langen Insel.

Eine durchziehende Front mit ĂŒber SĂŒd drehendem Wind, da kann man hier zwischen den Riffen guten Schutz finden und beim krĂ€ftigen SĂŒdwind am nĂ€chsten Tag super Wingfoilen (mit dem kleinen 4 qm Wing).

Jetzt, mit dem Passat wieder klassisch aus SĂŒdost, aber noch gemĂ€ĂŸigt ruhig (und wahrscheinlich seine KrĂ€fte fĂŒr Freitag aufsparend) liegen wir nach einem schönen Segeltag am anderen Ende von Yasawa Island, ganz im Norden vor dem Champagne-Beach.

Zum Wingfoilen muss jetzt der große 6,5 qm Wing ran.

Auch das ist ein bisschen Abschied nehmen, denn in Neuseeland werde ich wohl nicht mehr so viel foilen, erst recht nicht in kurzer Hose und nur mit T-Shirt unter der Prallschutzweste. Kein tropisch warmes Wasser dort, also jetzt nochmal Fiji-Temperatur und Fiji-Time genießen.

Yasawa zum Genießen

Von Somosomo aus segeln wir weiter die Perlenkette der Yasawas hinauf. Vorbei an Yaqeta, hinein in einen zwischen gleich drei Inseln eingebetteten Naturhafen.

Zwischen Matakawa Levu, Tavewa und Nanuya gelegen, bietet der Ankerplatz hier ziemlich guten Schutz, zumal die diesen Inseln vorgelagerten Riffe den Pazifik-Schwell zusÀtzlich dÀmpfen.

Das macht diesen Platz auch insofern attraktiv, als die Einfahrten zwischen den Riffen gute Bedingungen fĂŒr Kiter und Wingfoiler bieten. Sportsessions stehen damit auch fĂŒr mich auf dem Programm.

Aber auch auf einem Landgang kann man hier die Seglerbeine mal wieder bewegen. Ein schöner Hike fĂŒhrt auf Nanuya vom Strand aus hinauf zu einem Aussichtspunkt und weiter durch abwechslungsreiche Landschaft. Mal mit Blick vom Grat der Insel auf Ankerplatz und umgebende Inseln, mal unter dem dichten BlĂ€tterdach von MangobĂ€umen entlang (die FrĂŒchte sind leider noch nicht reif). Dann geht’s durch abgebrannte FlĂ€chen hindurch, manche sind schon umgegraben und mit Kasawa-Setzlingen bestĂŒckt. Wilde Ananas, Frangipani-BlĂŒten. Kleine WĂ€ldchen, ein sumpfiges Gebiet mit improvisierten Baumstamm-BrĂŒcken, Palmenhaine. Abwechslung pur. Begleitet werden wir auf unserer Wanderung von Hunden, die uns schon seit dem Anlanden am Strand nicht von der Seite weichen.

Ziel der 5-km-Wanderung ist „Lo‘s Tea House“ auf der gegenĂŒberliegenden Inselseite, bekannt fĂŒr seine hausgemachten Doughnuts. Die sind zwar mit den uns bekannten amerikanischen Namensvettern nur entfernt verwandt, aber immerhin auch sehr sĂŒĂŸ und fettgebacken, sie werden nach Bestellung vor unseren Augen frisch frittiert.

Hier auf der Luvseite von Nanuya bekommen wir auch einen guten Eindruck, wie sehr es draußen tatsĂ€chlich blĂ€st. Jenseits des Riffs ist die See ziemlich aufgewĂŒhlt.

Ein zusĂ€tzliches „Zuckerl“ auf dieser Wanderung: ich bekomme zwei kleine, auf Fiji endemische (also nur hier heimische) Vogelarten vor die Kameralinse:

Neben Wanderung, Wingfoilen und auch Schnorcheln gibt noch weitere Annehmlichkeiten hier. Es ist deutlich spĂŒrbar, dass die Yasawa-Inselgruppe touristischer aufgestellt ist als andere Inseln Fijis. Das hat negative Seiten, wie etwa Hubschrauber und Wasserflugzeuge, die zahlungskrĂ€ftige Klientel zu den um den Ankerplatz verteilten Resorts bringen. Ein Teil des Strandes ist an anderthalb Tagen der Woche fĂŒr die Passagiere eines Mini-Kreuzschiffes reserviert. Aber es hat eben auch positive Seiten: Locals kommen auf Paddelboards vorbei und bieten frisches Obst zum Kauf an. Semi und seine Frau Kini fragen, ob wir Interesse an einem Fijianischen Erdofen-Buffet haben. Na klar. Auch noch etwa ein Dutzend andere Cruiser sagen zu, und so werden der Erdofen und Lagerfeuer hergerichtet. Am Abend gibt’s dann am Strand vor dem kleinen Haus der beiden den versprochenen Festschmaus, Lagerfeuer und Gesang mit Gitarren- und Ukulelen-Begleitung.

An anderen Abenden: Sundowner mit Nicole und Toby von der Invictus am Strand oder Wiebke und ich an Bord der Flora.

Yasawa zum Genießen

Somosomo, Bootsklinik und Nemo im bunten Korallengarten

Zum Sevusevu nach Somosomo, so ist das hier. Wir greifen uns einmal mehr ein in Zeitungspapier eingeschlagenes BĂŒndel von Kawa-Wurzeln. Unserer schrumpfender Bestand baumelt in der Dusche, denn die hĂ€ngende Aufbewahrung ist gut fĂŒr den Kawa und in der Dusche lassen sich wegbröckelnde Wurzelreste gut aufnehmen. Außerdem haben die Wurzeln durchaus einen Eigengeruch. So sieht das aus:

Mit diesem rituellen Geschenk machen wir uns in unserem Beiboot auf zum Chief des nĂ€chstgelegenen Dorfes Somosomo und bitten um die Erlaubnis, in der Bucht ankern zu dĂŒrfen.

Am Strand vor dem Dorf Somosomo landen wir an. Eta heißt uns im Dorf willkommen und fĂŒhrt uns zum Haus des Chief. Nach dem Sevusevu zeigt sie uns das Dorf. Spannend: hier wachsen noch einzelne Sandelholz-BĂ€ume. Der Sandelbaum war frĂŒher auf den Yasawa-Inseln weit verbreitet. Das hier Yasi genannte schwere Hartholz war in China ursprĂŒnglich dem Kaiserhof vorbehalten und ist auch heute noch zur Produktion von Möbeln und Kunstobjekten Ă€ußerst begehrt. Die BĂ€ume wurden fast bis zur Ausrottung abgeholzt. Heute liegt der Marktwert fĂŒr ein Kilo hochwertiges Sandelholz ĂŒber 100 Fiji$. Auf der sĂŒdlich von Naviti Island liegenden Insel Waya wird deshalb Sandelholz im Rahmen eines Nachhaltigkeitsprojektes in Baumschulen wieder kultiviert, um eine vom Tourismus unabhĂ€ngige langfristige Einnahmequelle zu schaffen.

Junger Sandelbaum neben dem Haus des Chiefs

Mehrere Frauen des Dorfes haben wĂ€hrend unseres Sevusevus schnell einen improvisierten Kunsthandwerksmarkt auf der Wiese im Zentrum des Dorfes aufgebaut. Das scheint nur uns zu gelten, aber vielleicht kommen nachher ja auch noch weitere Crews, denn vorm Ort ankern ebenfalls ein paar Boote. Wir kaufen zwei Tapa-Tischsets. Jetzt am Wochenende sind die Kinder im Dorf (und nicht im Boarding-Haus der Schule im Nachbardorf). Mehrere von ihnen sitzen bei ihren MĂŒttern auf den Decken, fĂŒr ein Foto rĂŒcken sie schnell zusammen.

Mit Rose (11), Meme (5), Mela (8) und Sake (7) schließen sich einige andere Kinder bei unserem weiteren Spaziergang durchs Dorf und die Umgebung an.

Es wird ein spaßiger Gang zu den Mangroven, durch den Fluss und zurĂŒck zum Strand vor Somosomo.

Die Haare von Rose und Meme sind ĂŒbrigens nicht gefĂ€rbt. Vielmehr wird hier auf den Yasawas im Gegensatz zur eher von polynesisch-tonganischen Einfluss geprĂ€gten Lau-Inselgruppe die mehr melanesische Abstammung der fijianischen Bevölkerung deutlich.

ZurĂŒck zur Flora und an die Arbeit, es stehen mal wieder einige Projekte an. An den Davits (den kleinen KrĂ€nen, an denen wir unser Beiboot hochziehen und lagern) hat sich eine Leine verklemmt. DafĂŒr mĂŒssen wir erstmals die Umlenkrolle am Ă€ußeren Ende des Davit ausbauen. Das Lösen der Schrauben (vom schwankenden Dinghy aus) erfordert dementsprechend ein wenig Überzeugungskunst, aber es klappt und wir bekommen das Ganze wieder gĂ€ngig.

NĂ€chstes Projekt: Großsegel. Ein kleines Loch zeigt sich oberhalb der hinteren Segellatte. Das in den Mast gerollte Segel herunterzunehmen wĂŒrde bedeuten, dass wir alle 5 der bis zu 15 Meter langen Latten ausbauen mĂŒssten, das wollen wir uns am Anker lieber ersparen. Also zieht Wiebke mich in den Mast. Aus der NĂ€he zeigt sich, das nur ein kleines StĂŒck Naht des Segels aufgegangen ist. Ich kann die Hand hindurchstecken. Selbst nĂ€hen möchte ich das hier nicht, also klebe ich auf jede Seite ein kleines Patch (selbstklebender Segelflicken). Nicht besonders schön, aber das sollte das weitere Auflösen der Naht erstmal verhindern.

Drittes Projekt: die Winsch der Ausholleine des Großsegels funktioniert mechanisch zwar noch, lĂ€sst sich aber nicht mehr elektrisch bedienen. Der Elektromotor surrt, aber die Winsch bewegt sich nicht. Das lĂ€sst einen Fehler im Kraftschluss der ZahnrĂ€der vermuten. Zur Behebung mĂŒssen wir die Winsch nicht nur auseinander bauen, sondern auch das Winschfundament ganz abnehmen. Wiederum erstmals und wieder bedarf es deshalb besonderer Überzeugungskraft um die Schrauben zu lösen. Ein mechanischer Schlagschrauber hilft. Dann alles schön sĂ€ubern, die Sperrklinken wieder gĂ€ngig machen und ölen. Zusammenpuzzeln, funktioniert wieder.

So soll das.

Zur Belohnung gehen wir vom Boot aus am Riff unseres Ankerplatzes ausgiebig schnorcheln.

Die Vielfalt und Farbenpracht der Steinkorallen und der Weichkorallen hier in Fiji beeindruckt uns immer wieder. Weitere Highlights des Schnorchelgangs hier in der Bucht sind die „Nemos“, die ein- oder zweistreifigen Anemonenfische. Zwischen verschiedensten Seeanemonen und Weichkorallen sehen wir sie hier. Sogar gras-grĂŒne Anemonen sind dabei, die einen herrlichen Kontrast zum Orange der Nemos bilden.

Ein weiterer Lieblingsfisch von uns zeigt sich ebenfalls mehrfach, der knuffige Harlekin-Feilenfisch, auch Palettenstachler oder Orangeflecken-Feilenfisch genannt:

Auch sonst ist es herrlich bunt und fischreich hier. Beim zurĂŒckschnorcheln zur Flora sehen wir auf dem Sandgrund sogar noch einen endemischen Fiji-Maskenrochen.

Übrigens: wenn in der Bildbeschreibung beim Aufruf „Screenshot“ steht liegt das nicht daran, dass ich das Foto irgendwo im Netz stibitzt hĂ€tte. Vielmehr sind meine Unterwasserbilder meist eben Screenshots eines Standbilds aus einem mit meiner GoPro oder zuletzt hĂ€ufiger meiner DJI Action6 aufgenommenen Unterwasser-Videos.

Halb und Halb

Musket Cove auf Malolo Island

Unser Segel hat sich immer noch nicht wieder angefunden. Extrem Ă€rgerlich. Wir haben schon mal Anfragen fĂŒr eine neue Fock gestartet, aber die wĂŒrde uns wahrscheinlich nicht mehr in Fiji erreichen, sondern bestenfalls in Neuseeland.

Aber: bis zum 14. September hĂ€tten wir Fiji verlassen mĂŒssen, kurz vorher bekommen wir eine Email, es klappt dann doch noch mit der zweimonatigen VerlĂ€ngerung der Aufenthaltserlaubnis. Pfff. Durchatmen. Unsere ReisepĂ€sse mĂŒssen wir bei der Immigration mit neuen Stempeln versehen lassen. Bevor wir dazu wieder nach Denarau zurĂŒcksegeln, machen wir noch einen herrlichen Spaziergang ĂŒber Malolo Island. Die Ankerbucht von Musket Cove fĂŒllt sich immer mehr. Die Fiji Regatta Week mit der 42. Musket Cove Regatta steht an, in diesem Jahr wird zugleich der 50. Geburtstag des Musket Cove Island Resorts gefeiert. Neben Segelregatten gibt’s KostĂŒmfeiern mit „Pirate Days“ und Ă€hnlichem Spektakel.

Das ist nicht so unser Ding, das Timing passt also ganz gut fĂŒr unsere Weiterfahrt.

Die Immigration in Denarau ist zwar besetzt, aber den erforderlichen Stempel hat man leider nicht vor Ort. Also ins Taxi gesprungen und zur Immigration nahe des Flughafens von Nadi. Das GebĂ€ude kennen wir schon von der Beglaubigung unserer aktuellen Fotos im Passfoto-Format. Immerhin, alles klappt, Stempel in den PĂ€ssen und wir dĂŒrfen bis maximal 14. November in Fiji bleiben.

Als wir die Bucht vor Denarau verlassen, kommen wir an der schon vor drei Jahren außer Dienst gestellten „Reef Endevour“ vorbei. Der kleine Kreuzfahrer hat einige Zeit lang Touren durch die Yasawa-Inseln gemacht, jetzt aber rottet er am Rande des Ankerplatzes langsam vor sich hin und wird anscheinend nach und nach ausgeschlachtet, ein trauriger Anblick.

Das alte Schiffe auch ganz erfreulich anzuschauen sein können, belegt die gegenĂŒber ankernde Luxusyacht „Haida“:

Sie wurde 1929 auf der Krupp-Werft in Kiel fĂŒr den Lebensmittelproduzenten Max C. Fleischmann gebaut, ist heute aber bekannter wegen ihres Auftritts im Film „Mama Mia“ von 2008.

Deutlich wird bei beiden Schiffen, dass wir jetzt im Westen von Fiji und damit im touristisch stĂ€rker erschlossenen Teil des Landes unterwegs sind. Die Inselgruppe der Yasawas ist vergleichsweise gut an den internationalen Flughafen Nadi angebunden, auf den meisten Eilanden hier gibt es gleich mehrere Resorts. Die ganz ĂŒberwiegende Zahl der GĂ€ste kommt aus Neuseeland und Australien eingeflogen.

Sie (und wir) erwarten TraumstrĂ€nde und Palmen und die gibt es hier, na klar. FĂŒr uns ein bisschen ĂŒberraschend: es sind keineswegs lediglich niedrige Atolle, ĂŒberwiegend schmiegen sich die Resorts eher unauffĂ€llig in eine Landschaft, die auch eine rauhe Schönheit mitbringt.

Steile BerghĂ€nge, Felsformationen mit zackigen Graten und Resten der Schlote uralter Vulkane aus dem EozĂ€n. Kein Wunder, dass die Yasawas und die sĂŒdlich anschließenden Mamanuca Islands als Filmlocation der internationalen Reality-TV-Serie „Survivor“ dienen.

Seglerisch spannend: die Inseln der Yasawa-Gruppe sind nicht von einem durchgehenden Saumriff geschĂŒtzt, der Ozeanschwell findet zumeist einen Weg an den Ankerplatz. Gebremst wird der Schwell nur von unzĂ€hligen einzelnen Riffen, die wild um die Inseln verstreut liegen und aufmerksame Navigation erfordern. Wir arbeiten uns entsprechend vorsichtig im Zickzack an der WestkĂŒste von Naviti Island hinauf zum Ankerplatz in der Vunayawa Bay. Sie soll uns Schutz bieten vor dem starken SĂŒdschwell, der mit bis zu vier Metern Wellenhöhe am Wochenende Fiji erreich könnte.

Ein erster Ankerversuch lĂ€sst uns dann doch fĂŒr unseren Geschmack etwas zu nah an die scharfen Korallen vor dem Strand heran schwoien, die Drohne macht das sichtbarer als es der Blick vom Boot aus gezeigt hat.

Wir ankern lieber ein weiteres Mal und diesmal passt es gut. Kaum ist der Anker wieder in den Sandgrund eingefahren, verschlechtert sich auch das Wetter, Regen und krĂ€ftiger SĂŒdwind stellen sich ein.

Einkuscheln an Bord.