Bula im Paradise. Zur Südspitze von Taveuni und zur Viani Bay am Rainbow Reef

Das fängt schon mal gut an: bester Segelwind und fast direkt nach der Ausfahrt aus dem Atoll Vanua Balavu geht uns endlich wieder einmal ein kleiner Thunfisch an die Angel. In den Atollen fischen wir ja wegen der Ciguatera-Gefahr nicht und auf den Passagen war uns das Angelglück zuletzt nicht wirklich hold. Der Bonito beschert uns für die nächsten Tage schöne Filets. Poke-Bowls, Fisch-Tacos und orientalisch scharf angemacht mit Couscous-Salat zaubert Wiebke daraus.

Möglich wird das auch dadurch, dass wir in der an das Paradise-Resort an der Südspitze von Taveuni angeschlossenen kleinen Bäckerei Tomaten und sogar Paprika kaufen können. Und ja, ein Abendessen im Restaurant des Resorts ist bei unserem kurzen Aufenthalt dort sogar auch noch drin. Das Paradise ist extrem Segler-freundlich: wir dürfen unseren Müll dort entsorgen, könnten mit Kanistern am Dinghysteg Frischwasser nehmen und sind sogar eingeladen, den Pool zu benutzen. Im Gegenzug wird nur ein Besuch an der Bar oder im Restaurant erhofft. Die etwa zehn eigens für die Segelboote ausgelegten Moorings sind bei unserer Ankunft zwar alle schon belegt, aber mit das Boot der Tauchschule des Ressorts kommt zu uns heraus, begrüßt uns mit einem freundlichen „Bula“ und zeigt uns, wo wir am besten ankern können. Der Ankergrund ist allerdings schwierig: die Kette verknotet sich gleich in den Felsen. Also erst einmal Flossen an und Maske auf, den Anker auf 9 m Tiefe befreien und neu ankern (ich werde ihn allerdings am nächsten Morgen erneut freischnorcheln müssen). Dann aber gibts das verdiente Ankommensbierchen an der Bar bzw. auf der Schaukel im Restaurantgarten und ein nettes Abendessen mit anderen Seglern im Restaurant.

Am nächsten Morgen sieht das Wetter freundlicher aus, beim Gang zum Bäcker durch das liebevoll dekorierte Paradise machen machen wir nochmal Halt an der Schaukel.

Auf dem Weg zurück zum Boot gibt’s mit einem fröhlichen „Bula“ die nächste gastfreundliche Überraschung: für alle Bojen- und Ankerlieger hat das Resort eine Tüte mit frischen Zimtschnecken vorbereitet. Die sollen jetzt gerade ausgeliefert werden, aber da wir gerade an Land sind, bekommen wir die Flora-Tüte gleich in die Hand gedrückt:

Trotzdem geht’s für uns nach nur einer Übernachtung weiter, denn auf wir wollen mit Barbara und Ralph von der Lille Venn Ralphs Geburtstag feiern. Die Lille Venn kommt von Norden die Somosomo Strait herunter, wir überqueren sie von Süden her. Wir treffen uns in der Viani Bay, die durch das ihr vorgelagerte Rainbow-Riff gut geschützt ist.

Wunderbar: hier ankert gerade auch die Kavenga unserer amerikanischen Freunde Heather und Jim, die wir in British Columbia kennengelernt und seitdem unterwegs mehrfach wieder getroffen haben.

Ingo ist mit der Easy-One ebenfalls da, wir haben einen gemeinsamen Sundowner auf der Flora.

Und mit der Ville Venn Crew feiern wir nicht nur Ralphs Geburtstag, sondern verbringen auch sonst wieder eine richtig gute Zeit miteinander.

Das Rainbow-Reef bietet aber nicht nur dem Ankerplatz Schutz, es ist zudem einer der besten Tauchplätze in Fiji. Insbesondere ist dieses Riff bei Tauchern weltweit bekannt und trägt den Beinamen „Hauptstadt der Weichkorallen“. Die über 2.000 Meter tiefe Koro-See quetscht sich hier zwischen Fiji‘s zweitgrößter Insel Vanua Levu und der drittgrößten Taveuni hindurch, wobei der Meeresgrund an der beidseitig von Riffen begrenzten Engstelle auf nur etwa 100 m Wassertiefe ansteigt. Dadurch werden Nährstoffe in die oberen Wasserschichten gespült. Davon wiederum profitieren neben den Fischen auch die Blumentierchen, Hartkorallen aller Art, vor allem eben die hier so reichlich gedeihenden Weichkorallen.

Von meinen bisher vier Tauchgängen hier stehen zwei ganz besonders heraus. Zuerst der am „Little Cabbage Patch“ (übersetzt: Kleines Kohlfeld). Hier sind Turbinaria-Steinkorallen dominant. Sie bilden in mehreren Schichten breite, um einander verdrehte Platten, die sich wie die Blätter eines riesigen Unterwasserkohls stapeln. Taucht man darüber, ist es als ob man über ein eine untergetauchtes Kohlfeld fliegt. Oder – blumiger – über eine Landschaft wirbelnder Rosenblüten. Mit Fischen statt Bienen.

Lila-blaue Weichkorallen an einer Steilwand sind namensgebend für den Tauchplatz „Purple Wall“. Daran schiebt uns die Strömung bei diesem Drift-Dive allerdings vergleichsweise schnell vorbei, weil die Wand vertikal stärker als horizontal ausgedehnt scheint. Faszinierend ist es trotzdem.

Und sonst: neben der Korallenvielfalt begeistert auch der Fischreichtum. Und – endlich – entdecken wir auch wieder Nudibranchs. Diese Nacktkiemer sind zumeist ziemlich kleine Unterwasserschnecken, deren extreme Farb- und teilweise auch Formgebung Fressfeinde abschrecken soll.

Qilaqila #2: Fächerkorallen, Kayaktouren und Cathedral Cave

Qilaqila, Fiji’s Bay of Islands, bietet nicht nur traumhafte Ankerplätze, sondern schwelgt auch unter Wasser in Schönheit, farbenfroh und fischreich.

Neben diversen Hartkorallen sehen wir hier beim Schnorcheln seit längerem erstmals wieder Gorgonien. Diese Blumentiere sind Fächerkorallen. Sie bieten einen faszinierenden Anblick, vor allem wenn sie sich in der Strömung hin und her wiegen. Schnorcheln wie im Aquarium!

Gerade so eben über der Wasserlinie sind wir beim Kayakfahren oder mit dem SUP im Insellabyrinth. Kaum ein Lufthauch kräuselt das Wasser hier und auch die Wellen bleiben draußen. So macht das Spaß.

Halb unter, halb über Wasser befinden sich in den porösen Kalkstein-Koralleninseln mehrere Höhlen. Wir besuchen gleich drei davon.

Am meisten beeindruckt uns die „Cathedral Cave“. Die liegt allerdings ganz im Nordwesten von Qilaqila, wir wechseln den Ankerplatz.

Zur Cathedral Cave kurven wir dann mit dem Dinghy durch das Wirrwarr der hohen Felsen und legen Florecita direkt vor das „Schlüsselloch“, unser Eintrittstürchen in diese geräumig hohe und mit ihren Kalksteinsäulen und „Fenstern“ tatsächlich kathedralenartig wirkende Höhle.

Der neue Ankerplatz hier im Nordwesten des Vanua-Balavu-Atolls hat noch einen weiteren Vorteil: gleich um die Eckeliegt der NW-Pass von Vanua Balavu. Morgen früh im ersten Büchsenlicht wollen wir zur Passage Richtung Taveuni aufbrechen. Wenn wir früh losfahren, haben wir vielleicht eine Chance darauf, noch bei Tageslicht anzukommen.

Qilaqila / Bay of Islands

Seglerisch schlägt das türkisfarbene Herz 🩵 der nördlichen Lau-Gruppe ganz sicher in Qilaqila. An diesem traumschönen Ankerplatz sind wir jetzt!

Besser bekannt ist dieser Ort als „Bay of Islands“ im Atoll von Vanua Balavu. Allerdings hat ja neben Fiji praktisch jedes englischsprachige Land eine Bay of Islands, am berühmtesten ist sicher die auf Neuseelands Nordinsel.

Wir bleiben deshalb dem von den iTaukei (den indigenen Fijianern) verwendeten Namen Qilaqila, obwohl die gar nicht mal so große Bucht im Nordwesten von Vanua Balavu tatsächlich eine Unmenge von kleinen und noch kleineren Korallen-Inseln aufweist. An mehreren Stellen schmiegen sich die Eilande ganz eng aneinander. Sie bilden ein Labyrinth mit schmalen Durchlässen, von denen viele bei Niedrigwasser selbst mit dem Dinghy nicht passiert werden können. Für die Segelboote bleiben diese kleinen flachen Hintertürchen zwar versperrt, es bieten sich zwischen den zumeist dicht bewachsenen Inseln aber trotzdem eine Vielzahl von wunderschönen Ankerplätzen an. Wir entscheiden uns für einen ganz speziellen, eben für das Herz. Rückwärts fahren wir in die enge Bucht, lassen dabei auf 4 m Wassertiefe den Anker in den Sand fallen. Eine Landleine nach hinten, später noch jeweils eine weitere zu den Seiten.

Eingeparkt. ☺️

(für bessere Auflösung auf die kleinen Bilder klicken)

Das Wetter ist ein bisschen durchwachsen, sonnige Abschnitte wechseln sich mit Regen ab. Sollten die Pilz-Inseln mit dem ganz dünnen Stiel eigentlich Regenschirm-Inseln heißen?

Unsere zwischenzeitlichen Nachbarn Rosa und Gunnar lassen sich scheinbar inspirieren und setzen mit dem knallroten echten Regenschirm (und mit den roten Masten ihres Wharram-Katamarans) herrliche Farbtupfer in die grün-türkise Kulisse.

In einem trockenen Abschnitt steht mal wieder ein Ausflug in den Mast der Flora an. Rigg checken: ja, auch das. Vor allem aber: unsere Windanzeige ist auf der Herfahrt hinsichtlich der Windstärke in den Streik getreten, zeigt die Windrichtung aber weiterhin an. Wahrscheinlich ist also nur das Anemometer (das sich eigentlich durch den Wind drehende Schalenkreuz) fest. In 20 m Höhe mit etwas Schmiermittel eingesprüht, lässt es sich tatsächlich wieder leicht drehen.

Wir bleiben noch ein wenig und wollen das Labyrinth über und unter Wasser erkunden.

Batavu Harbour: Korallen und Schnorcheln

So sehr uns der Wind- und Wellenschutz von Batavu Harbour auch gefällt, immer wieder mal stecken wir unsere Nasen doch heraus vor die Tür.

Gleich außerhalb der Einfahrt liegt nämlich eine kleine Insel. Bereits kurz nach Hochwasser zeigt sich ein schmaler Streifen, bei Ebbe ist das Eiland mit einem breiten Sandstrand hinüber nach Vanua Balavu verbunden. Hier am Strand können wir dann in gutem Wellenschutz unser Dinghy ankern und an dem die Insel umgebenden Korallenriff schnorcheln gehen.

Obwohl die Sichtverhältnisse unter Wasser eigentlich nicht ideal sind, zieht es uns doch mehrfach hier her. Der Grund: bei Niedrigwasser fällt ein großer Teil des Korallenriffs trocken.

Viele Rifffische sammeln sich dann am äußeren Saum des Riffs, also genau dort, wo wir Schnorcheln. Vielleicht kein ganz so klares Wasser, aber ansonsten: Aquarium!

Die bunten Kiemen der Weihnachtsbaumwürmer schauen in großer Vielzahl aus den Korallen hervor (und ziehen sich schnell zurück, wenn wir ihnen zu nahe kommen). Auch Seenadeln (enge Verwandte der Seepferdchen) sehen wir häufig:

Noch etwas anderes fällt häufig ins Auge, teils grüngelb, teils lila gefärbte etwa tellergroße Gebilde:

Obwohl sie optisch an eine weiche Pflanzenknospe erinnern, sind sie tierisch und sehr hart. Diese Pilzkorallen gehören tatsächlich zu den Steinkorallen, nur die Färbung erhalten sie durch symbiotisch mit ihnen zusammen lebende Algen.

Beim Schnorcheln hier am Riff bekomme ich auch erstmals einen Schwarm Großmaul-Makrelen (auch Indische Makrelen genannt) vor die Kamera. Die zumeist etwa 20 cm langen Fische ernähren sich hauptsächlich von Plankton und seihen nahe der Oberfläche mit weit aufgerissenem Maul in Schwärmen auch durch unsere Ankerbucht. Von oben erkennen wir aber zumeist nur das Glitzern der silbernen Köpfe.

Als Nesseltiere weit weniger beliebt, sind auch die blau- bis lilafarbenen Kranz- oder Kronenquallen hier derzeit ziemlich häufig:

Zum Glück müssen wir uns beim Schwimmen nicht großartig vor ihnen in Acht nehmen. Sie haben keine langen Nesselfäden und sind etwa so groß wie ein Medizinball, also ziemlich leicht zu erkennen. Zudem soll ihre Berührung beim Menschen wenn überhaupt dann nur eine kaum spürbare Reizung auslösen.

Wollen wir gar nicht ausprobieren. Lieber mit etwas Abstand ihre Schönheit und ihre durchaus anmutigen Bewegungen anschauen.

Bavatu Harbour

Im Norden von Vanua Balavu schneidet der Naturhafen Bavatu etwa einen Kilometer tief in das Inselinnere. Eine 40 m hohe Insel teilt steil aufragend die Einfahrt, so dass die Bucht fast rundherum geschützt ist. Das ist gut, trotzdem suchen wir uns ob des Starkwind ankündigenden tiefdunklen Lilas der Windvorhersage einen Platz in der hinterste Ecke von Bavatu Harbour.

Hier, ganz im Südosten der Bucht, können wir uns wunderbar verkriechen. Wir liegen im Windschatten einer senkrecht vor uns in die Höhe steigenden Felswand. Die kleine, dicht bewachsene Insel hinter uns bietet zudem die Gelegenheit zum Ausbringen einer Landleine. So können wir Flora quasi fest einparken und schwingen an dem engen und nach hinten schnell flach werdenden Ankerplatz nicht herum.

Kurz nach uns kommt die Lille Venn an, sie entscheidet sich für die andere Seite der kleinen Insel. My Motu legt sich dann wiederum auf unsere Seite. Was für ein herrliches Fleckchen!

Tatsächlich haben wir hier bisher von den kräftigen Winden und Böen praktisch nichts gespürt.

Die Nähe zu den dicht mit alten Bäumen bewachsenen Uferwänden hat zudem noch einen weiteren Vorteil: wir können von der Flora aus Flughunde an ihren Rastplätzen beobachten. Auch wenn wir die meisten nur im Flug sehen, weil sie zum Abhängen hinter das dichte Blattwerk schlüpfen, ein paar dieser hier wohl etwa 80 cm Flügelspannweite messenden Fledertiere zeigen sich uns dann doch auch vor dem grünen Vorhang:

Und wir können an diesem geschützten Platz im Bavatu Harbour die Flora auch gut mal alleine lassen und einen Hike auf die andere Seite der Insel machen. Durch den Wald hindurch und auch quer über die unerwartet großflächigen, mit Palmen bestandenen Weiden einer Farm.

Beim Wandern huschen vor uns immer wieder kleine Eidechsen davon. Insbesondere beim Sonnenbaden auf den aus den Wiesen ragenden Korallensteinen (oder ganz oben auf einer Mimose) können wir sie dann doch auch in Ruhe beobachten. Es sind Pazifische Blauschwanz-Eidechsen. Trotz des Namens ist der im Verhältnis zum Körper auffällig lange Schwanz allerdings nur bei Jungtieren wirklich auffällig irisierend blau. Mit zunehmendem Alter wechselt die Farbe über Blaugrün zu dem unauffälligen Braun des Körpers.

Eine zusätzliche Belohnung bei dieser ohnehin schon schönen Wanderung ist der Aussichtspunkt am westlichen Ende des Trails. Hoch oben von einer steilen Klippe bietet sich ein famoser Blick über die „Bay of Islands“. Dieses kleine Juwel ist mit seinem Gewirr von Inseln und Buchten für die meisten Segler der Hauptgrund für das Törnziel Vanua Balavu.

Wanderin über dem Inselmeer

(oder Korallenfelsen auf Vanua Balavu)

Damit blicken wir auch auf unser nächstes Ziel, denn wenn sich der Wind etwas legt, wollen wir Flora um die Nordwestecke von Vanua Balavu herum in die Bay of Islands segeln. So richtig eilig haben es damit aber weder der Wind noch wir.

Purer Zufall: Gerade als wir wieder weiter wandern wollen, kommt Ingo von der Easy-One am Aussichtspunkt an. Er ist von der Bay of Islands herauf gewandert. Zuletzt hatten wir uns in Französisch Polynesien gesehen. Verabredet haben wir uns hier oben nicht, wollten uns aber in der nächsten Zeit in der Bay of Islands treffen.

Susui

So klein die Insel Susui auch ist, sie weist doch ganz viele unterschiedliche Facetten auf. An unserem Ankerplatz vor dem Dorf ist vom Tiefwasser der Lagune einfach anzulaufen.

Ein weiterer Ankerplatz liegt zwischen Susui und der Nachbarinsel Namalata. Wir erkunden ihn nur mit dem Dinghy, denn die Zufahrt zu diesem verlockend seeartigen und fast rundum geschützten Ankerplatz ist deutlich kniffliger. Sie führt durch flaches Wasser, wir messen aber vom Dinghy aus mit dem Handlot immer mindestens 3,5 m Wassertiefe. Dabei muss allerdings Slalom um die verstreuten Korallenbommies gefahren werde. Immerhin wissen wir jetzt, machbar wäre es auch mit der Flora.

Das Dorf Susui liegt strategisch gut auf dem schmalen Istmus der gleichnamigen Insel, so haben die Dorfbewohner Zugang zur inneren Lagune und ebenso zum Außenriff. Ganz einfach ist dieser Zugang allerdings nicht, vor allem bei Niedrigwasser. Denn in diesem Bereich ist die Insel von einem Korallengürtel umgeben. Er ist dem Sandstrand mit etwas Abstand vorgelagert und fällt bei Ebbe in Teilen sogar trocken.

Bei Sturm bietet dieses Riff einen gewissen Schutz vor den sich aufbauenden Wellen, allerdings nur, wenn es nicht allzu schlimm wird. Beim Zyklon Wynston 2016 wurden in dem kleinen Ort 8 Häuser völlig zerstört, die Bewohner hatten aber in der aus Stein gebauten und etwas höher gelegenen Schule Zuflucht gesucht und blieben unversehrt.

Im Bereich vor der Schule finden wir beim Schnorcheln diverse Riesenmuscheln (Giant Clams). Sie werden über einen Meter groß. Beeindruckender als ihre schiere Größe sind aber ihre farbenprächtigen Mantellippen.

Auch sonst weiß das Schnorcheln auf dem Riff mit seiner bunten Korallen- und Fischviefalt zu begeistern.

Und selbst direkt an der Flora können wir die Wunder der Unterwasserwelt bestaunen: mehrere Großflossen-Riffkalmare scheinen Floras Ankerkette zu ihrem Spielplatz oder (wahrscheinlicher) als Jagdsitz für die unter unserem Boot Schutz suchenden kleinen Schwarmfische zu nutzen.

Als wir durch den schmalen Dinghypass hindurch zum Strand fahren, zeigen uns drei Kinder aus dem Dorf den nicht ganz einfach zu findenden Weg hinüber zum Strand auf der Außenriff-Seite.

Als Anführer fungiert Tui (8, der prestigeträchtige Name bedeutet übersetzt „König“ oder „Häuptling“), außerdem Josua (10) und Vinendra (7) weichen uns nicht mehr von der Seite, bis wir den Strandspaziergang beendet haben und wieder im Dorf angekommen sind. Tui lässt es sich auch nicht nehmen, zwischendurch auf eine Palme zu klettern und uns eine Trink-Kokosnuss zu pflücken, die er mangels Machete gleich am Strand auf einem Palmenstamm aufschlägt.

Kein Wunder, dass es uns hier so gut gefällt. Und doch: nach einer Woche beschließen wir, gemeinsam mit Lille Venn und My Motu zur andere Seite der Hauptinsel Vanua Balavu weiterzusegeln. Der Wetterbericht kündigt den Durchzug eines Troges an, da kann das Verholen an einen gegen Schwell noch besser beschützter Ankerplatz sicher nicht schaden.

Tagesreise zum etwas ANDEREN Supermarkt

Von Yagasa in der abgelegeneren südlichen Lau-Gruppe machen wir einen Übernacht-Törn von 115 Seemeilen hinauf nach Vanua Balavu, der Hauptinsel der Lau.

Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/File:VANUABALAVU_MAP_TURAGA_NA_RASAU.GIF#/media/File:VANUABALAVU_MAP_TURAGA_NA_RASAU.GIF
Unser Noforeignland-Track von der Südlichen Lau-Gruppe hinauf nach Vanua Balavu

Mittags segeln wir los und besonders in den ersten sechs Stunden ist es herrliches Bilderbuch-Segeln. Guter Wind und glattes Wasser, so schön hatten wir das lange nicht mehr. Auch die Nacht durch bleibt es fein, nur die Wellen nehmen etwas zu. Und obwohl wir bis ins dritte Reff gehen, sind wir etwas zu schnell unterwegs. So drehen wir vor der Einfahrt in das Riff von Vanua Balavu bei und warten ab, bis es hell wird. Erst dann laufen wir durch den breiten und jetzt gut erkennbaren Südost-Pass in die große Lagune ein und steuern die Insel Susui an.

In der Bucht vor dem kleinen Dorf liegen schon Mareike mit ihrer Moana sowie die Norweger Carine und Bruse mit ihrer Noxoma vor Anker, jetzt kommen die Flora und kurz darauf die Lille Venn dazu.

Mareike berichtet, dass Headmann Jacob und die meisten anderen Inselbewohner zur Zeit im Hauptort Lomaloma auf Vanua Balavu sind, weil ein neuer Chief in sein Amt eingeführt wird. Unser Sevusevu muss deshalb warten und findet später dann untypisch für Fiji stark verkürzt statt: als wir gerade alle beim Sundowner auf der Moana sitzen (und die Siege von Norwegen und der Schweiz feiern), kommt Jacob mit seinem Longboat zurück und hält bei uns an. Nein, morgen sei er wieder in Lomaloma. Ob wir ihm vielleicht einfach die Kawawurzeln geben könnten? Na klar und schwupp – Sevusevu ist schon durch, wir sind willkommen im Dorf und auf der Insel.

Nach nunmehr schon über sechs Wochen ohne echten Einkauf geht unser Gemüse langsam wirklich zur Neige. Hier auf Susui ist keins zu bekommen, aber andererseits würden wir gerne noch etwas hier bleiben. Wir vereinbaren mit Jacob, dass er am übernächsten Tag die Crews der Flora, der Lille Venn und der Noxoma mit seinem Longboat hinüberfährt zu einer Farm auf Vanua Balavu.

Und so machen wir das.

Glücklicher Zufall: das Versorgungsschiff ist auch gerade in Lomaloma. In dem kleinen Dorfladen dieses mit 250 Einwohnern Hauptortes von Vanua Balavu können wir deshalb neben Kartoffeln und Zwiebeln sogar einige Äpfel erstehen. Und, in der zum Laden gehörenden „Tankstelle“, auch Benzin für den Außenbordmotor unseres Dinghies.

Nebenbei: hier gibt es auch ein lange entbehrtes Speiseeis.

Für den eigentlichen Gemüseeinkauf steigen wir um in einen Pickup (bzw. für die Jungs auf die Ladefläche). Mit dem geht es über Schotterstraßen und Feldwege in Richtung Farm.

Zwischendurch machen wir noch Halt bei der Yavusavusawaitui Womens Expo 2026. Im Caree um den Dorfplatz sind Pavillons aufgestellt. Festlich gekleidete Damen sitzen auf dem Boden oder am Rand der Pavillons im Sonnenschutz, teilweise werden Produkte wie Fächer oder Kokosöl zum Verkauf angeboten.

Auch wenn sich uns der Sinn nicht so richtig erschließt, immerhin können wir vor Ort gleich nebenan Bok Choy kaufen.

Ein Dorf weiter holen wir dann den Farmer ab und mit ihm geht es steil den Berg hinauf zu seinem (hauptsächlich) Gemüseanbau. Unser Supermarkt-Ersatz will sportlich erarbeitet werden!

Weißkohl, Tomaten, Grüne Bohnen, Kürbis, Auberginen. Wow. Dazu frischer Koriander und Papayas. Zwei Rucksäcke und eine Tasche schleppen wir zurück.

Jacob nimmt auch noch einen Via mit. Die stärkehaltige Pflanze ähnelt dem verwandten Taro, allerdings wird bei Via nicht die Wurzel sondern der Stamm geerntet.

Außerdem werden wir beim Einkauf mit frischen Kokosnüssen verwöhnt:

Tatsächlich ist dieser Einkaufstrip hier auf Vanua Balavu eher eine Tagesreise. Eine zum Genießen.

Yagasa Levu, die Vogelinsel

Weißbauchtölpel

Wir laufen gemeinsam mit der Lille Venn unser drittes Atoll in der südlichen Lau-Gruppe von Fiji an. Das Riff von Yagasa ist (mit etwas Phantasie) ein bisschen wie ein Ypsilon geformt, mit einer breiten und sehr tiefen Einfahrt im Nordwesten.

Unser bisheriger Track durch die südliche Lau.Gruppe auf http://www.noforeignland.com

Der Ankerplatz liegt bei Südostwind in Lee der hoch aufragenden Steilküste von Yagasa Levu. Das schirmt uns gut vor dem derzeit kräftigen Passat ab.

Zugleich bringt es uns nahe an die von dichtem Grün bewachsene Felswand heran. Sowohl kahle Steinvorsprünge als auch die Äste der Bäume sind dicht besetzt mit brütenden Vögeln. Wir machen insbesondere Weißbauchtölpel und Rotfußtölpel aus, sehen aber im Flug zum Beispiel auch Tropikvögel und Fregattvögel.

Insbesondere die weißflauschigen Küken der ausgewachsen etwa gänsegroßen Tölpel setzen helle Tupfer in das dunkle Grün hinter unseren Booten.

Die Nester im Geäst scheinen zu den Rotfußtölpeln zu gehören.

Aber die sehen doch anders aus? Hier in der Lau-Gruppe sehen wir nur Rotfußtölpel mit hellem Gefieder (weiße Morphe), während wir auf der Fahrt von Panama nach Galapagos nur Rotfußtölpel mit dunkleren Gefieder (braune Morphe) als nächtliche blinde Passagiere an Bord hatten.

Die Weißbauchtölpel mit ihrem schokoladenbraunen Mantelgefieder und gelben Füßen dagegen bevorzugen aus wenigen Zweigen auf kahlem Fels errichtete Nistmulden. Die Küken werden dort von den Männchen (blaues Gesicht und hellblauer Schnabel) und den Weibchen gelbes Gesicht und gelber Schnabel) abwechselnd gefütterten betreut.

Und das Schnorcheln ist auch fein hier.

Ogea: Wattwanderung in den Tropen

Wir machen den kleinen Hüpfer herüber von Fulaga. Im Nachbar-Atoll Ogea (auch hier wird vor dem g ein n gesprochen, also Ongea) entscheiden wir uns für den den Ankerplatz Ogea Driki North.

Das Atoll von Ogea beinhaltet nämlich gleich drei größere Inseln, wobei die beiden nördlichen durch dazwischen liegende Inselchen und Sandbänke fast ganz verbunden sind und deshalb gemeinsam als Hauptinsel Ogea Levu bezeichnet werden. Eine gute Meile offenes Wasser innerhalb des Atolls trennt Ogea Levu von Ogea Driki.

Blick von Ogea Driki hinüber nach Ogea Levu

Der Ankerplatz Ogea Driki North ist mit drei bis vier Metern türkisem Wasser über fast reinem Sandgrund einfach wunderbar.

Als wir ankommen, ist die Flora das dritte Boot, die kurz nach uns einlaufende Lille Venn ist Nummer vier.

Für unser Sevusevu allerdings müssen wir hinüber ins Dorf auf Ogea Levu. So ist das, beim Ankern an einer neuen Insel oder auch nur im Gebiet eines anderen Dorfes der gleichen Insel ist ein Antrittsbesuch beim Dorf-Chief Pflicht. Barbara und Ralph holen uns mit ihrem Dinghy ab und gemeinsam brausen wir hinüber. Es geht allerdings nicht ganz bis zum Dorf, schon einen guten Kilometer vorher ist es bei Ebbe selbst für das Beiboot zu flach.

So kommen wir hier in den Tropen zu einer Wattwanderung. Die breite Gezeitenzone auf Ogea Levu ist tatsächlich ganz überwiegend sandig, manchmal waten wir durch knietiefe Priele. Am Rand finden sich mal Mangroven, mal mit Palmen bewachsene Felsen. Und auf den trocken gefallenen Sandflächen wuseln unzählige Winkerkrabben. Mit der auffälligen Asymmetrie ihrer roten Scheren ziehen sie die Blicke auf sich. Eine „Hand“ der Männchen ist überdimensional groß. Für die Nahrungsaufnahme ist sie nicht geeignet, das „Winken“ mit ihr soll stattdessen Weibchen beeindrucken. Oder auch Revierkonkurrenten, denn die besten Stellen für Höhlen im Wattboden sind heiß umkämpft. Einmal besetzt, nutzt die Winkerkrabbe diese Schere dann auch als gepanzerte Eingangstür.

In einem der ersten Häuser des Dorfes nimmt Ebi uns in Empfang. Sie führt uns erst einmal zur Hütte ihres Bruders, der als Stellvertreter (der Chief ist gerade Fischen) unser Sevusevu durchführt, unsere Kawa-Wurzeln und das Ankergeld von 50 Fiji$ entgegennimmt, die aktuell herrschenden Tabus erklärt und uns formal in die Dorfgemeinschaft aufnimmt.

Ebi begleitet uns auch danach auf dem weiteren Weg ins Dorf, der noch einmal durch das Watt führt, bis es dann im inneren Dorf betonierte Wege gibt. Wir vermuten, dass letztere auch den häufigen Überschwemmungen geschuldet sind, denn das Dorf will die Ankergelder zum Bau eines Schutzwalls zur Lagune hin verwenden. Ein Großteil des Dorfes liegt nur wenig über dem Wasser, der steigende Meeresspiegel ist eine ganz unmittelbare Bedrohung. Einige der Hütten stehen auf kurzen Stelzen, andere sind wie auf kleinen Warften aus Korallengestein errichtet.

Es gibt einen kleinen Laden im Dorf, hier können wir tatsächlich einige Zwiebeln, zwei Liter H-Milch und eine Packung Kekse erstehen, unser erster Einkauf seit über einem Monat (abgesehen von Bananen und Papaya auf Fulaga)!

Die Schule ist am Samstag zwar eigentlich geschlossen, aber ein paar Schüler und der Direktor sind auf dem Gelände. Wir kommen ins Gespräch und uns werden die Klassenräume gezeigt. Wiebke macht anhand unserer Reiseroute auch noch ein bisschen Erdkundeunterricht.

Als wir auf dem Rückweg wieder bei Ebi vorbei kommen, wartet sie schon mit einer Schale voll Obst, dass sie uns verkaufen möchte. Nur zu gerne schlagen wir bei den Papayas und Passionsfrüchten zu.

Und die Wochenendbeschäftigung der Kids auf Ogea? Fische und Krebse fangen. Nicht die kleinen Winkerkrabben natürlich, sondern ordentlich große, essbare. Da braucht‘s dann auch schon ein bisschen Ausstattung:

Als wir nach unserem Ausflug zurück an Flora‘s Ankerplatz bei Ogea Driki kommen, hat sich der deutlich gefüllt. Weil gut drei Meter Süd-Schwell über das Riff schwappen, bevorzugen viele Boote diese geschützte Bucht. Kein Problem, Platz ist genug. Und wer lieber Einsamkeit möchte, muss halt etwas exponierter und mit etwas mehr Schwell an anderer Stelle ankern.

Und was für ein herrlicher Ort ist das, um erst 7 Jahre Langfahrt und dann einen Geburtstag zu feiern 🥂?

Abschied von Fulaga

Pilzinsel, die über dem Wasser zu schweben scheint.

Wir haben beschlossen, zum Wochenende auf die nächste Insel weiterzufahren. Bevor wir uns aber zum Nachbar-Atoll Ogea aufmachen, wechseln wir in Fulaga noch ein letztes Mal den Ankerplatz. Ziemlich genau im Herzen der Lagune, um Rooster Island herum, gibt es eine Gruppe von malerischen kleinen Pilz-Inseln mit mehreren wunderschönen Sandstränden. Ein weiterer idealer Ort, um noch einmal unser aufblasbares Doppelkayak zum Einsatz zu bringen.

Das Verholen beginnt allerdings mit einer unschönen Überraschung. Wie üblich hatten wir unseren Anker abgeschnorchelt, er lag wunderbar tief eingegraben im Sandgrund. Als wir die Kette einholen, kommt sie steif, aber der Anker bricht nicht aus. Na gut, dann hilft leichte Fahrt voraus. Tatsächlich, der Anker kommt sofort frei. Aber er sieht jetzt so aus:

Das ist blöd und für uns auch ziemlich unerklärlich. Wir müssen vom extra größer gewählten 30 kg Spade-Anker auf unseren Zweitanker wechseln, den 25 kg Delta. Aber immerhin ist das eigentlich Flora‘s Originalanker, nur dass wir ihn eben seit Griechenland zu unserem Ersatzanker degradiert hatten. Der Wechsel muss natürlich unterwegs passieren, wir lassen Flora treiben und bugsieren die beiden schweren Anker mit Hilfe des Spi-Falls aus bzw. in die Halterung vorn am Bug. Das klappt immerhin auf Anhieb.

Der neue Ankerplatz ist dann wie erwartet einfach traumhaft. Bei Flut sind die Strände schmal und viele Sandbänke zwischen einzelnen Pilzinseln gerade so eben überspült. Bei Ebbe werden die feinen Strände breit, die Sandbänke tauchen dann auf und fallen trocken.

Von diesem Ankerplatz aus fahren wir mit dem Dinghy ein letztes Mal zum Hauptdorf Muaninuku , um uns von unserer Gastfamilie zu verabschieden. Wir treffen sie nicht bei ihrer Hütte an, sondern geraten direkt in eine Festivität auf dem zentralen Dorfplatz. Der Cricket-Pitch in der Mitte des Platzes war uns bereits aufgefallen, jetzt wir er bespielt. Das ganze Dorf ist gekommen und bejubelt entweder das Team Muaninuku oder das Team Vulaga (die alte Schreibweise von Fulaga) . Mehrere kleine Zelt-Pavillions sind am Rand aufgebaut und spenden den Zuschauern Schatten, in ihnen wird außerdem Kava getrunken. Wir finden Lina in einem der Zelte und werden gleich eingeladen. Das koloniale Erbe Britanniens wird deutlich: Cricket ist (neben Rugby) eine der Nationalsportarten in Fiji und wird selbst auf so abgelegenen kleinen Inseln wie Fulaga begeistert gespielt. Einfach auf dem Dorfplatz zwischen Wellblechhütten und Kirche, zugleich mit Blick aufs Meer und unter Palmen.

(Wie immer: für bessere Auflösung auf eines der kleinen Fotos klicken)

Später auf dem Rückweg sehen wir dann erstmals in Fiji Flughunde. In großer Zahl konnten wir diese faszinierenden fruchtfressenden Flederttiere mit einer Spannweite von über einem Meter ja schon in Tonga bewundern, nun also auch hier.

Am nächsten Morgen machen wir dann eine ausgedehnte Kayaktour durch das Insellabyrinth um Flora herum. Die Kalksteinpilze bergen zum Teil Höhlen und das Wasser hat nicht nur die Basis der Inseln erodiert, sondern an mehreren Stellen Torbögen oder regelrechte Brücken gestaltet.

Herrlich! Aber wir haben gehört, dass unser nächstes Ziel Ogea ähnlich beeindruckende Felsformationen bieten soll. Also geht’s nach über vier Wochen Fulaga jetzt weiter zur nächsten Insel der südlichen Lau-Gruppe. Ogea, wir kommen. Tschüß, Fulaga. Du und Deine so herzlich gastfreundlichen Menschen werden uns unvergesslich bleiben.