Filicudi und Cefalu

Filicudi ist die letzte der Äolischen Inseln, die wir besuchen. Von Panarea aus segeln wir nördlich an Salina vorbei, passieren dabei mit Secca del Capo recht nah einen Unterwasservulkan, der es nur ganz knapp (bis auf 6 m) nicht an die Oberfläche geschafft hat, und wir bewundern den Felsenbogen an der Punta Persiato im Nordwesten von Salina.

Eigentlich ist der Ankerplatz von Filicudi Porto (jedenfalls nach unserer aktuellen Navionics Seekarte) zwischen ein Sperrgebiet am östlichen Kap der Insel und ein weiteres Ankerverbotsgebiet rund um ein Wrack gequetscht, aber das scheint hier niemanden zu kümmern. Wir haben aber ohnehin das Glück, dass direkt bei unserer Ankunft ein Motorboot genau im von uns anvisierten Gebiet ankerauf geht. Der Ankergrund ist auf rund 10 m Wassertiefe perfekter Sand, näher am Strand sehen wir beim Schnorcheln dagegen ziemlich steinigen Grund.

Eine Infotafel auf Filicudi macht uns darauf aufmerksam, dass die Insel von der Unesco auf die Liste des Welterbes der Menschheit gesetzt wurde.

Allerdings bezieht sich das nicht auf die Insel allein, sondern auf die Äolischen Inseln insgesamt, die wegen ihrer vulkanischen Entstehung und der an ihnen vorgenommenen und fortdauernden Untersuchungen der vulkanischen Energie zum Weltnaturerbe erkoren wurden. Allzu viel scheint sich aber jedenfalls für Filicudi durch die Aufnahme auf die Unesco-Liste nicht geändert zu haben.

Es fällt auf, dass viele Fischer des Ortes noch immer ihre Boote nach alter Sitte mit Taljen über Holzbohlen hoch auf den den steinigen Strand ziehen. Das Bojenfeld vor der Hafenmole dagegen ist mit moderneren Booten besetzt, auch Yachten können hier für 60 Euro pro Nacht eine Boje mieten. Ankern geht aber auch 😉.

Die Hafenzeile des Ortes gibt sich am Abend durchaus belebt, es gibt zwei Restaurants, einen kleinen Supermarkt und sogar einen kleinen Laden der Schiffszubehör anbietet, aber trotzdem wirkt die Kulisse – wie das Kulturerbeschild auch – ein wenig angestaubt.

Beeindruckender ist dagegen, wie offenbar Generationen von Inselbewohnern die früher dicht mit Farn bewachsenen steilen Berghänge der Insel durch Steinmauern terrassiert haben, um Ackerbau betreiben zu können. Diese Form der Selbstversorgung steht heute für die nur rund 250 dauerhaften Bewohner der Insel nicht mehr so im Fokus, viele der Steinmauern werden nicht mehr gepflegt, rutschen teilweise ab und die Natur erobert sich das Terrain zurück.

Die Insel ist von steingepflasterten Mautierpfaden durchzogen und soll sich für Wanderungen anbieten, aber der Crew steht nicht der Sinn danach. So geht es am nächsten Morgen weiter, diesmal zurück nach Sizilien.

Unser Ziel ist Cefalu, eine mittelalterliche Stadt etwa in der Mitte der Nordküste Siziliens. Die Altstadt ist geprägt durch einen imposanten Normannischen Dom, dessen Bau auf das Jahr 1133 zurückgeht und der beeindruckende Goldmosaiken beherbergt.

Und trotzdem, als wir uns dem Ort nähern, scheint sich die gesamte Stadt in den Schatten des 270 m hohen Kalkfelsens zu ducken, an den sie gebaut wurde.

Doris und Christian von der Dancing Pearl hatten in der vorigen Nacht vor dem Strand am Rande der Altstadt geankert und schilderten das wegen des Schwells als Horrornacht. Sie rieten uns, lieben in den Hafen auf der anderen Seite des Kalkfelsens zu gehen. Haben wir natürlich gemacht.

Tatsächlich scheinen die Hafenmole auf der einen Seite und die malerisch ruinenbestandenen Felsen auf der gegenüberliegenden einen recht guten Schutz zu bieten. Leider gilt das aber nicht für Schwell aus Nordosten. Genau der stellte sich blöderweise recht heftig ein, gepaart mit einem knackigen Gewitter. Es wurde also auch für uns und unsere Gäste eine eher unruhige Nacht.

Obwohl wir Cefalu schon recht ausführlich durchstreift hatten, wären wir gerne noch länger geblieben und hätten uns das touristisch ziemlich erschlossene Städtchen, das sich trotzdem viel Charme erhalten hat, gerne noch intensiver angesehen. Aber diesmal machte uns der Wetterbericht einen Strich durch die Rechnung.

Meine Ex-Kollegin Anja hatte uns dankenswerterweise eine Sturmwarnung für Italien und Griechenland weitergeleitet. Da haben wir uns mit dem Wetter der nächsten Tage natürlich noch etwas intensiver beschäftigt. Zwar konnten wir hinsichtlich des eigentlichen Medicanes für unser Gebiet Entwarnung geben, aber für den für Dienstag geplanten Sprung nach Palermo zeichneten sich trotzdem fieser Gegenwind mit bis zu 35 kn ab. Eindeutig nicht das, was man sich wünscht. Also früher los, nämlich schon heute. Tatsächlich konnten wir erst herrlich segeln, wieder einmal mit unserem Code0, dem Spaß-Segel. Dann drehte der Wind, kam direkt von achtern und so konnten mal wieder was Neues ausprobieren. Schmetterlingssegeln mit ausgebaumtem Code0, schließlich soll das Segel ja auch eventuell als die eine Hälfte des Passatsegels herhalten (die auf der anderen Seite ausgebaumte Genua wäre dann die zweite Hälfte). Wir spielten noch etwas mit den verschiedenen einzusetzenden Leinen herum (neben der Schot noch Topnant, vorlicher und achterlicher Niederholer) herum und das Ergebnis konnte sich sehen lassen, obwohl wir an den Details noch weiter feilen werden:

Im Ergebnis führt diese Leinenkombination dazu, dass wir den Code0 einfach einrollen können, ohne den Baum und die ihn haltenden Leinen bedienen zu müssen.

Sieht dann zwar ein bisschen wie ein Spinnennetz aus, ist aber ungemein praktisch:

Vor allem, wenn man die Konstruktion länger stehen lassen kann 😉. Wenn wie bei uns heute dann allerdings zunehmender Wind auf die Nase mit gemeiner Welle von vorn folgen, baut man es doch besser schnell wieder zurück. Wir sind jedenfalls heile in Palermo angekommen.

Salina und Panarea (und Stromboli aus der Ferne)

Die Hitze und die Trockenheit hier führen offenbar zu zahlreichen Bränden, die an den steilen Berghängen nur schwer gelöscht werden können, wir sehen das fast jeden Tag. So auch bei unserem Törn von Vulcano nach Salina: wir segeln östlich an der Insel Lipari vorbei. Auf Höhe des gleichnamigen Hauptortes der Insel kommt von hinten ein auffällig gelb-rotes Flugzeug auf, touchiert mehrfach das Wasser um die Tanks zu füllen, steigt dann wieder auf und dreht in Richtung eines Brandes jenseits des Gebirgskammes hinter der Stadt ab, wo wir nur eine große Rauchwolke sehen. Das Schauspiel mit dem Löschflugzeug wiederholt sich vor der berühmten Burgruine der größten Stadt der Inselgruppe gleich mehrfach.

Auch vor Gallipoli hatten wir dieses Schauspiel (und auch das Abwerfen des Löschwassers) schon beobachten können, dort jedoch aus weit größerer Entfernung.

Nördlich um Lipari herum segeln wir zur etwas westlich gelegenen Insel Salina mit den erloschenen Zwillingsvulkanen, wo wir auf rund 7 m Wassertiefe einen Ankerplatz vor der Steilküste südlich des Hafens Santa Marina Salina finden, wie an einer doppelten Perlenkette liegen hier die Schiffe nebeneinander. Das Wasser ist so klar das wir beim Baden und Schnorcheln über dem felsigen, mit Seegras und kleinen Sandflecken durchsetzten Grund viele Fische sehen können. Aber auch hier gibt es jedenfalls tagsüber wieder durch den stetigen Fährverkehr des nahen Hafens einigen Schwell.

Nach dem Morgenbad geht es deshalb am nächsten Tag weiter nach Panarea, der ältesten Insel des Äolischen (oder auch Liparischen) Archipels. Emma und Emil fahren erstmals das Ankerauf-Manöver und machen das gut. Bei wenig Wind segeln wir zunächst mit Code0, später muss dann doch der Motor ran. Aber die Strecke ist kurz, nur 11 sm, dann sind wir schon in der Caletta dei Zimmari angekommen, der Anker fällt in wieder traumhaft klarem Wasser auf 10 m Wassertiefe. Insgesamt ist der Ankerplatz keineswegs überfüllt, wir sind positiv überrascht. Diverse Boote ankern auch tiefer in der Bucht in seichterem Wasser, dann lässt sich allerdings der formal geforderte Mindestabstand zum Strand nicht einhalten. Tatsächlich erscheint auch ein Boot der Guardia Costiera, aber hier kümmert es sich nicht um die Yachten sondern verscheucht nur die sehr dicht am Strand ankernden Dinghys und kleinen Motorboote. Und noch ein Boot erscheint: ein Eisboot bietet besonderen Service für die Ankerlieger.

Wir denken aber, dass wir ein italienisches Gelato besser im Ort bekommen und machen mit dem Dinghy einen Ausflug in den gut eine Seemeile entfernten Ort San Pietro Panarea. uns erwartet ein schnuckeliges Örtchen, dass mit seinen fast durchweg weißen Häusern fast den Eindruck vermittelt, wir hätten uns nach Griechenland verirrt.

und auch bei näherer Betrachtung gefällt San Pietro, überall finden sich liebevolle Details wie dieser Kachelspiegel mit den historischen Inselnamen

oder nette Dekorationen.

Und immer wieder ergeben sich auch durch Gassen und Feigenbäume hindurch Ausblicke zur Nachbarinsel Stromboli.

Jetzt scheint sie ruhig dazuliegen aber in gar nicht so großen Abständen steigen dunkelgraue Aschewolken von ihr auf. Gestern Nacht konnten wir selbst von Salina aus mit bloßem Auge die nachts rot leuchtenden Fontänen der ziemlich regelmäßigen Eruptionen des von dort rund 21 sm entfernten aktiven Vulkans Stromboli beobachten. Ein imposanter Anblick und zugleich eine sehr deutliche Erinnerung, welche immensen Kräfte der Natur diese Inselgruppe entstehen ließen und noch immer hier wirken.

Vulcano

Überall um unser Schiff schwimmen STEINE. Die meisten sind eher klein, irgendwo zwischen Kiesel und grobem Sand. Es hat tatsächlich ziemlich lange gedauert, bis wir überhaupt begriffen haben, dass dieses braune Zeug kein Algen-Schmodder ist. Erst als uns die Hitze und eine relativ saubere Wasseroberfläche hineingetrieben haben, hat es „klick“ gemacht. Aber auf einer Insel, die sogar Vulcano heißt, dürfte man sich über die vulkanischen Bimssteine eigentlich nicht wundern.

Trotzdem fühlt es sich seltsam an MIT Steinen zu schwimmen.

Den Herkunftsort des Bims haben wir heute näher erkundet. Die Wanderschuhe an, ordentlich Wasser eingepackt und früh los, bevor es richtig warm wurde. Gleich hinter dem Ort Vulcano Porto, an dem unsere Ankerbucht liegt, zweigt ein Wanderweg ab. Der Pfad führt recht steil bergauf, aber der zunächst recht lose Sand wird mit zunehmender Höhe fester und schon nach einer Stunde steht man am Kraterrand in knapp 400 m Höhe.

Oben angekommen werden wir von wabernden gelben Schwefelschwaden begrüßt, die der Wind aber von uns weg drückt, der Geruch bleibt erträglich.

Und der Blick hätte sowieso einige Belästigung der Nase wettgemacht: vor uns breitet sich jenseits der schwefeligen Kraterkante links die Ankerbucht Porto di Poniente gegenüber unserer Ankerbucht Porto di Levante aus, dahinter liegt die Halbinsel Vulcanello. Die nächste Insel ist Lipari, Namensgeberin der Inselgruppe. Hinter ihr kann man links Salina und rechts im Dunst Panarea erkennen. Außerhalb des Bildes könnte man noch Filicudi und Stromboli ausmachen.

Wieder zurück an Bord pfeifen bald die angekündigten kräftigen Böen in unser Rigg und sorgen für weitere Schaukelei. Zusätzlich insofern, als der Fährverkehr hier in Anbetracht der kleinen Insel mit nur 470 Einwohnern ungeahnte Ausmaße hat, alle Naselang rauscht eine foilende Hochgeschwindigkeitsfähre (die uns schon bei der Anfahrt mit über 30 kn um die Ohren sausten) nah am Ankerfeld in Richtung Hafen oder eben wieder hinaus.

Die Rasekisten kennen wir schon aus Griechenland, dort werden sie „Dolphin“ genannt. Was wir aber bisher noch nicht kannten, sind eine andere Art äußerst skurriler Schiffe: Schwertfischfänger sind hier in der Gegend sehr verbreitet, im Hafen von Scilla lagen gleich drei von ihnen. Ein hoher Ausguck wie ein Strommast, der gleichzeitig die Verspannung für einen absurd lang erscheinenden Bugspriet trägt. Von diesem Laufsteg aus werden dann die zuvor von oben erspähten Schwertfische harpuniert.

Heute Abend gibts bei uns aber keinen Schwertfisch, sondern Thunfisch. Ein örtlicher Fischer kam mit seinem Boot längsseits und bot von dem Tagesfang an. Wir schlugen zu, denn trotz neuer Angel als Geburtstagsgeschenk hat es mit dem eigenen Fang leider noch nicht geklappt. Aber ich bleibe dran!

Von Taormina nach Scilla

Die Bucht vor Taormina ist ziemlich belebt, trotzdem kann man die teuren Muringbojen in der Nordwestecke vermeiden, wir fanden etwas südlicher und nur wenig weiter draußen auf 13 m Wassertiefe einen guten Ankerplatz. Tagsüber ist die Bucht zudem von Jetskifahrern und herumsausenden Motorbooten bevölkert, man kann wohl beide im Küstenörtchen Giardini Naxos mieten. Das schlägt im Wortsinn einige Wellen, aber pünktlich zum (wegen der dazwischenlegendes Berge recht frühen) Sonnenuntergang kehrt Ruhe ein und man kann den spektakulären Blick hoch zum in den steilen Berg gebauten Ort Taormina genießen.

Am nächsten Morgen suchen wir zunächst vergeblich nach einem Anlandeplatz für unser Dinghy, am Ende bleibt uns nichts anderes als es etwas abseits zwischen den Felsen auf den Kiesstrand zu ziehen. Nicht ideal, aber es geht.

Zunächst müssen wir die Bahnlinie unterqueren, auch das bietet Herausforderungen. Denn alle Tunnel die wir ausmachen sind reine Entwässerungstunnel für Starkregen. Nach der Bahnunterführung steigen sie steil an und bieten nur kleine Nebeneingänge zu Privatgärten. Erst viel weiter südlich beim Beach Club werden wir fündig, hier bietet sich hinter dem zu durchquerenden Entwässerungstunnel die Möglichkeit, nach oben zu der Straße zu gelangen.

Und dort gibt es auch gleich eine Bushaltestelle. Allerdings rauscht der erste der viertelstündlichen Busse gleich durch, proppenvoll. Noch ein bisschen länger in der Hitze warten, aber Emma und Emil halten sich tapfer. Und dann schraubt sich der Bus die schmalen Serpentinen hinauf, immer wieder mit tollen Ausblicken auf unsere Ankerbucht und auf die Isola Bella auf der anderen Seite des Kaps. Oben in Taormina ist es immer noch heiß und der Ort touristisch gut besucht, aber erstaunlicherweise ist das berühmte Amphitheater keineswegs überlaufen. Außerdem sparen wir auch noch 40,-€, denn der Eintritt ist heute frei, wohl wegen des noch andauernden Abbaus der Bühne der Filmfestspiele, die hier bis gestern stattfanden. Der Ausblick des in seinen Ursprüngen um 300 vor Christus gebauten Theaters hinüber bis zum Ätna ist so beeindruckend, dass Goethe Taormina gleich einige Seiten seiner Italienischen Reise widmete.

Und auch der Ort selbst hat abseits der touristischen Hauptfußgängerzone schöne ruhige Ecken, sogar einen kleinen schattigen Park, und er bietet immer wieder tolle Ausblicke hinunter auf unseren wuseligen Ankerplatz.

Abends haben wir dann noch Besuch an Bord: Doris und Christian mit der Dancing Pearl sind eingetroffen und haben neben uns geankert. Wir hatten die beiden in Catania kennengelernt, sie wollen eine einjährige Atlantikrunde machen. Für die nächsten Monate werden wir einen ganz ähnlichen Kurs haben.

Hoffentlich treffen wir die beiden noch öfter. Von ihnen haben wir auch den Tip für http://www.correntidellostretti.it, einer Webseite, die die Strömung in der Straße von Messina anzeigt. Deren Studium sorgt dafür, dass wir am nächsten Morgen schon um vier Uhr ankerauf gehen. Währen wir wie üblich einfach gegen 10 losgefahren, hätte uns in der engsten Stelle eine Gegenströmung von viereinhalb Knoten empfangen:

So dagegen rauschen wir mit über neun Knoten über Grund bei drei Knoten mitsetzendem Strom am Punta Pezzo vorbei, nachdem wir zuvor beim für uns arabisch anmutenden Leuchtturm von Messina die gleichnamige Straße und damit das Verkehrstrennungsgebiet überquert haben.

Schon gegen 11 Uhr ankern wir dann vor Scilla. In einer Höhle unter dem Burgberg soll das sechsköpfige Ungeheuer hausen, das sechs von Odysseus‘ Gefährten verschlungen hat als er den Strudeln der gegenüberliegenden Charybdis auswich.

Zum Glück hat im Jahr 1783 ein Erdbeben die Struktur des Meeresbodens in der Straße von Messina verändert und die (immer noch sichtbaren) Strudel entschärft.

Den ganz heißen Nachmittag verschlafen wir, als wir abends durch das Gassengewirr zum Einkaufen hinauf in die Oberstadt kraxeln, schlaucht uns das trotzdem noch sehr. Trotzdem schade, dass wir die Hälfte der eingekauften Lebensmittel wegen eines ausgelaufenen ebenfalls eingekauften ätzenden Reinigers gleich wieder wegwerfen müssen. Und auch die echte italienische Pizza im Restaurant hoch überm Hafen mit Blick auf unser Boot können wir nur bedingt genießen, plötzliche Verdauungsprobleme stellen sich ein. War es das zuvor genossene Eis? Wie dem auch sei, heute geht’s den davon betroffenen wieder besser.

Catania

Kontraste: Nach dem Blauwasser des letzten Posts folgte die Großstadt. Catania, 400.000 Einwohner und die zweitgrößte Stadt Siziliens. Statt des offenen und rolligen Ankerplatzes vor dem Strand von Africo nun die (jedenfalls bei den herrschenden Winden) gut geschützte Marina Circulo Nautico NIC, die am Ende des betriebsamen großen Industrie- Fähr- und Fischerhafens liegt. Statt klarem Freiwasser undurchsichtige und mit Abfall durchsetze Stadthafenbrühe. Und auch Catania selbst ist voller Gegensätze. Einerseits voller Geschichte, mit noch sichtbaren Wurzeln aus der Antike, wie etwa den Resten des ehemals mit zu den größten im römischen Reich gehörenden Theater Anfiteatro Romano.

Gelegen zwischen vielen anderen deutlich neueren und doch historischen Bauten, im Stadtzentrum sind das praktisch fast alle Gebäude, Neubauten gibt es dort wenige. Aber selbst auf Prachtstraßen, wie der zum Theatro Massimo Bellini führenden Via Guiseppe Perrotta ist zu erkennen, dass Catanias Bauten eher einen leicht morbiden Charme ausstrahlen.

Uns gefällt die Stadt mit ihren freundlichen Bewohnern trotzdem. Wir fragen uns, ob bei einer Stadt, die auch die Tochter des Ätna genannt wird und die in ihrer Geschichte immer wieder von schlimmen Erdbeben und Vulkanausbrüchen gebeutelt oder gar zerstört wurde, die Einwohner der äußeren Pflege der Gebäude einfach weniger Aufmerksamkeit widmen. Wie die Häuser wohl innen aussehen? Jedenfalls tun sich immer wieder Blicke in Innenhöfe auf, die unser Interesse wecken. So wie hier

oder hier, im Garten der juristischen Fakultät der Universität:

Und auch die quirligen wirklich aktiven Märkte haben es uns angetan:

Ach ja, die Lebensmittel 😉: Wir müssen uns da wohl noch etwas umgewöhnen. Ob es der Wein ist, der im kleinen Alimentari genannten Lebensmittellädchen aus Fässern verkauft und in 2-Liter-PET-Wasserflaschen abgefüllt wird

oder – wiederum auf dem Markt – die reichlich angebotenen Schnecken 🐌, bitte genau hinsehen:

Von wegen genau hinsehen: Unseren neuen und in Griechenland vom Fachmann erworbenen und angebauten aber schwächelnden (fast keine Leistungsabgabe) Windgenerator haben wir hier übrigens trotz italienisch fachmännischer Hilfe nicht zur Arbeit überreden können, aber immerhin die Ursache entdeckt: es ist die 24 Volt, nicht die 12 Volt Version. Entsprechende Umrüstung soll jetzt in zwei Wochen in Palermo erfolgen.

Aber es gibt auch richtig Schönes zu vermelden: Nichte Emma und Neffe Emil sind wohlbehalten eingeflogen und verstärken bis Palermo unsere Crew. Heute sind wir noch einmal gemeinsam durch Catania gestreift und sind dann schön hinauf nach Taormina gekreuzt, wo wir jetzt vor Anker liegen.

Blauwassersegeln

Als wir uns für das entschieden haben, was wir jetzt machen, hatten wir schon viel gelesen über das Langfahrtsegeln. Es wird oft auch als Blauwassersegeln bezeichnet. warum?

Darum: (kein Farbfilter!)

Heute sind wir von Kalabrien rüber nach Catania auf Sizilien gefahren. Erst mangels Wind unter Motor, dann herrlich gesegelt, dann wieder motort. Irgendwo mittendrin in der Flaute, rund 1.000 m Wasser unter dem Kiel, haben wir die Maschine ausgestellt und einen Badestop eingelegt, dabei ist das Bild entstanden.

Aber die Straße von Messina ist doch (an der schmalsten Stelle) nur drei Kilometer breit, kann es da trotzdem so tief sein? Es kann, sogar noch deutlich tiefer. Und es geht dann ja auch an Land steil hinauf: den 3.323 m hohen Ätna hatten wir fast den ganzen Tag vor Augen, schon aus knapp 50 sm Entfernung zeichnete er sich im Dunst ab.

Hier sind wir allerdings schon etwas näher:

Und Besuch hatten wir zwischendurch:

Zum Abschluss noch etwas nicht so blaues: die Sonne geht hier schon früh unter, das Bild ist schon um 20.07 Uhr entstanden.

Gallipoli – Angekommen in Italien

Gestern Abend haben wir quasi mit dem Sonnenuntergang unseren Anker vor der schönen Altstadt von Gallipoli fallen lassen, noch kurz ein Stündchen durch die Gassen geschlendert und ab in die Kojen. Schließlich hatten wir rund 90 sm zurückgelegt, zunächst herrlich segelnd bei frischem und böigem Wind, der uns zwar einige Reff- und Ausreffmanöver abverlangte, aber richtig Spaß brachte.

Leider war der Wind ab der Südspitze des Stiefelabsatzes (St. Maria di Leuca) wie abgeschaltet und kam später dann „auf die Nase“ zurück. Also das letzte Stück motoren (und damit auch die Batterien wieder vollmachen).

Heute morgen haben wir dann noch einmal das Städtchen erkundet: Es ist unschwer zu erkennen, dass wir in Bella Italia angekommen sind:

An den Vespas natürlich, aber auch an der Art, Gemüse am Straßenrand vom Ape aus zu verkaufen.

Daran, dass sich die italienische Flagge etwas mit der Europäischen verhakt hat 😉

Und leider auch daran, dass die Guardia Costiera (Küstenwache) es mit der Kontrolle von Ankervorschriften ernst nimmt, manchmal vielleicht ernster als es die Vorschriften vorsehen. Allgemein gilt in Italien, dass nicht NÄHER!?! als 100 m von der Küste und 200 m (Nachtrag: inzwischen anscheinend sogar 300 m!) von Stränden geankert werden darf. Die 100 m hatten wir eingehalten, Strand war nicht in der Nähe. Trotzdem wurden wir bei der Rückkehr aus der Stadt freundlich gebeten, 100 m weiter draußen zu ankern. Immerhin: das mögliche Bußgeld von bis zu 350 € wurde nicht einmal erwähnt. Wir haben dann also noch einmal umgeankert: statt auf 10 m Wassertiefe (wie auf dem ersten Bild zu sehen) liegen wir jetzt auf gut 13 m.

Leinen los, die 2.

Ja – wir haben tatsächlich die Leinen losgeschmissen. Nein – es ist noch nicht alles fertig installiert, fertig repariert. Aber das ist nichts, was im Moment zwingend notwendig ist. Und wir hatten nicht das Gefühl, dass die Handwerker hier vor Ort noch wesentlich weiter helfen. Also müssen wir uns daran gewöhnen, eine ewige To-do-Liste zu haben und die Lösung selbst zu finden oder uns irgendwo Unterstützung zu organisieren.

Also raus aus dem Hafen. Das fühlte sich einerseits an wie sonst auch, aber da war dieses etwas flaue und aufgeregte Gefühl in der Magengegend. Im Hafen war es drückend heiß, das gab sich draußen sofort. Es war herrlich! Im Laufe des Tages wurde die Laune immer besser. Spätestens nach dem Ankern und dem ersten Bad im ??? (ach ja, die To-do-Liste) Grad warmen Wasser, sind wir langsam im Hier und Jetzt angekommen.

Leinen los.

Ja. Wir sind los. Festmacher und Stromkabel sind in den Backskisten verstaut, wir sind tatsächlich unterwegs. Was geht uns durch den Kopf? Es fühlt sich noch etwas unwirklich an, während langsam an Backbord Korfu und an Steuerbord die Küste von Albanien vorbeizuziehen scheint. Es ist (außer in der Engstelle im Norden von Korfu) nicht viel Wind. Wir motoren. Wir segeln. Wir motoren. Wir segeln. Wir kommen langsam an auf Flora.

Eigentlich waren wir seit vorgestern „Liveaboards“, aber im Hafen, in unserem Heimathafen seit zwei Jahren, fühlte sich das überhaupt nicht so an. Eher wie Murmeltiertag in der Vorbereitungsphase.

Jetzt hier vor Anker, in der herrlichen Bucht im Süden von Erikoussa, mit dem Sonnenuntergang hinter dem Ort, jetzt trauen wir uns langsam zu glauben, dass wir wirklich den Schritt in ein neues (oder jedenfalls anderes) Leben gemacht haben. Der neue Alltag fängt nicht schlecht an.

(Ohne Filter oder Nachbearbeitung!)

Entsetzen und Erlösung

Die SY Samai hat neulich auf ihrem Blog geschrieben, man müsse

1. für eine Langfahrt ein festes Startdatum setzen und

2. sei man an diesem Datum nicht fertig.

Wir waren eigentlich der Auffassung, erstens mit unserem Abflug nach Griechenland den Starttermin gesetzt (und eingehalten) zu haben und zweitens im Rahmen des Möglichen (eine To-do-Liste wird es immer geben) uns selbst und auch Flora abfahrfertig zu haben – EIGENTLICH!

Am Montag, einen Tag vor unserem Startdatum, bekam ich dann von unserem Fernwarnsystem C-POD eine Mail: Batteriestatus-Warnung. Grrr. Also auf der C-Pod-Seite eingeloggt um nach den Details zu sehen:

Das führte zu einem ziemlichen Schrecken: im obersten Kasten steht bei „Externe Batterie“ die Angabe 1,0 V. Diese Angabe war bisher immer sehr präzise und wenn unsere schöne neue Lithium-Ionen-Batteriebank nur noch eine Spannung von 1 Volt aufweisen könnte, wäre sie wohl Schrott.

Also was tut der abwesende Eigner: erstmal alle erreichbaren Personen in der Nähe des Bootes wuschig machen und per Telefon SOFORT zum Boot beordern. Was dann zurückkommt, hört sich nach einer halben Entwarnung an, genaueres dann morgen vor Ort. Hm. Wir flogen trotzdem mit einem etwas flauen Gefühl hierher.

Hier in Griechenland angekommen, klärt es sich einigermaßen auf: Mihalis und Argiris haben wohl einen Verbraucher an Bord angelassen (welcher bleibt unklar), irgendein anderes Boot hat das Landstromkabel zweckentfremdet und nicht wieder angeschlossen, die Batterien wurden deshalb leergenuckelt (was man bei Lithiumbatterien sehr sehr lange nicht an der Spannung ablesen kann) und dann …

… hat das batterieeigene BMS (Batteriemanagement) bei knapp 80 % Entladung in den Sicherheitsmodus geschaltet und einfach nix mehr rausgelassen. Führte natürlich zu der Batteriestatuswarnung und der gemeinen Anzeige. Alles wieder gut 😊, Batterien sind wieder voll und haben ausweislich der (gespeicherten) Historie auch nicht gelitten. Puh.

Da konnten wir gestern Abend den Sonnenuntergang hier dann doch wirklich genießen.