Newport, RI

Die meisten Segler haben irgendwann schon mal von Newport, RI, gehört. Wie das von uns schon besuchte Annapolis in der Chesapeake Bay versteht sich auch Newport, Rhode Island, als Segelmetropole der USA. Tatsächlich gibt es im weiten Naturhafen der fast mittig zwischen Boston im Norden und New York im Südwesten gelegenen Stadt große, gut belegte Bojenfelder und auch mehrere gute Ankerplätze. Aber das allein macht es nicht aus.

Von unserem Ankerplatz aus können wir ein Gebäude sehen, das den Anspruch Newports als Segelhauptstadt vielleicht am besten verkörpert, das Clubhaus des New York Yacht Club.

Club und Ort sind eng verbunden mit der wohl ältesten und bekanntesten Segelregatta, dem America’s Cup. Nachdem der vereinseigene Schoner „America“ 1851 die (damals noch nach dem Preisgeld „100 Sovereign Cup“ genannte) Regatta erstmals gewonnen hatte, wurde der Kampf um die im Wortsinn wirklich bodenlose Kanne „Auld Mug“, wie der geschwungene Pokal respektlos genannt wird, bisher 35 mal ausgetragen. Dabei blieb die Siegtrophäe 132 Jahre lang (also bis 1983) in den USA, was sie mit einigen Regeländerungen intensiv unterstützten. Die Titelverteidigung erschien ihnen so selbstverständlich, dass der Pokal tatsächlich in der Vitrine des New York Yacht Club festgeschraubt war (hineinfüllen konnte man ja ohnehin nichts) und vor der Pokalübergabe an die siegreichen Australier erst die Handwerker kommen mussten. Und na klar, nicht nur der America’s Cup wurde mehrfach hier vor Newport ausgetragen, auch andere bekannte Regatten sind mit diesem Ort verbunden. Etwa das regelmäßig alle zwei Jahre ausgetragene aber in diesem Jahr Covid-beding ausgefallene Newport-Bermuda-Race und (muss ich natürlich erwähnen) die Daimler-Chrysler-North-Atlantic-Challenge 2003 sowie das HSH Nordbank Blue Race 2007, die beide jeweils von Newport, RI nach Hamburg führten.

Aber auch zwei bekannte Namen sind mit dem Ort und dem America’s Cup eng verknüpft. Da ist zum einen Nathanael Herreshoff. Der weltberühmte Yachtkonstrukteur aus Bristol hier an der Narragansett Bay hat nicht nur im Nachbarort seine Manufacturing Company, wo insgesamt sieben der siegreichen America’s Cup Yachten gezeichnet und z.T. auch gebaut wurden, er gestaltete auch entscheidend das Regelwerk hinsichtlich der Bauvorschriften für die am Cup teilnehmenden Yachten im frühen 20. Jahrhundert (ab 1902 Herreshoff Rule, später in Universal Rule umbenannt).

Der zweite Name ist Vanderbilt. Der 1794 geborene Cornelius Vanderbilt hat aus kleinen Verhältnissen kommend zunächst eine Ein-Segelboot-Fährlinie von Staten Island nach New York betrieben, und sich dann sehr erfolgreich zunächst als Reeder und nach dem amerikanischen Bürgerkrieg als Eisenbahn-Unternehmer engagiert, wobei er wegen seines rücksichtslosen Geschäftsgebarens zum Inbegriff des „Räuberbarons“ wurde. Konkurrenten, die er für den Verlust von Transitrechten durch Nicaragua verantwortlich machte, schrieb er den berühmten Brief:

„Meine Herren! Sie haben es gewagt, mich zu betrügen. Ich werde Sie nicht verklagen, denn die Justiz ist zu langsam. Ich werde Sie ruinieren. Hochachtungsvoll, Cornelius Vanderbilt“ (Quelle: Webseite der Vanderbilt Universität)

Cornelius Vanderbilt (allerdings der II., ein Enkel des oben genannten) hat in Newport anstelle eines abgebrannten Vorgängerbaus der Familie eine 1895 fertiggestellte Privatresidenz errichten lassen, das „The Breakers“. Obwohl nur eine von diversen Residenzen der Familie ist das auf einem Kliff über dem Atlantik im Stil eines genuesischen Palastes gebaute Anwesen doch bis heute die größte Privatresidenz von (dem an solchen nicht eben armen) Newport. Auch das ist USA: Copy and Prunk. Wobei die bauliche Anlehnung an fremde Historie gekoppelt wurde mit modernster Ausstattung, etwa elektrischem Licht und Fahrstuhl, Badewannen mit wahlweise Frischwasser oder Salzwasser, beides warm oder kalt. Mit dem America’s Cup sind die Vanderbilts natürlich auch verbunden. Ein Sohn der Familie, Harold S. Vanderbilt, hat nicht nur die Bridge-Regeln verändert und das Kartenspiel damit populär gemacht, sondern in den Jahren 1930, 1934 und 1937 in seinen J-Class Yachten Enterprise, Rainbow und Ranger den America’s Cup gewonnen bzw. jeweils verteidigt.

Und was machen wir in Newport? Nachdem wir gestern mit der Crew der Escape die Stadt erkundet haben, machen wir uns heute auf die sehr empfehlenswerte Wanderung auf dem ausgeschilderten Cliff Walk. Hier kann man die zeitlose landschaftliche Schönheit und die bautechnischen Höhenflüge gleichermaßen betrachten. Gemeinsam mit Steve und Helena, Greg und Michael bewältigen Wiebke und ich den überwiegend eher leichten, aber immerhin 12 km langen und jedenfalls kurzweiligen Spaziergang. Schließlich lockt am Ende ein leckeres Eis in Newports Hauptstraße, fast gegenüber der Kirche in der J.F. Kennedy seine Jackie geheiratet hat.

Absoluter Gewinner im Eyecatcher-Contest für mich: Die Landschaft

Rhode Island

Bei dem ganzen Wirbel um Isaias ist ein bisschen untergegangen, dass wir (schon seit Block Island) im nächsten amerikanischen Bundesstaat sind. Und zwar im kleinsten US-amerikanischen überhaupt, in Rhode Island, etwa so groß wie das Saarland. Adriaen Block, derselbe niederländische Forscher, der eben Block Island seinen Namen gab, nannte das (Fest-)land hier wegen seiner roten Erde “Rhode Eylandt” und gab damit dem rund um die Narragansett Bay gelegenen Bundesstaat seinen Namen.

Und Rhode Island (Kürzel: RI, Beiname und Autokennzeichen-Ergänzung: The Ocean State) ist für uns der zweite “Neuengland”-Bundesstaat. Sechs US-Bundesstaaten werden als Neuengland-Staaten zusammengefasst. Neben Rhode Island sind das Maine, Vermont, Massachusetts, New Hampshire und Connecticut, das wir mit den Thimble Islands ja schon angelaufen haben. Diese Staaten im äußersten Nordosten der USA sind eine der beiden Keimzellen der englischen Besiedlung Nordamerikas, die zweite liegt im Süden der Chesapeake Bay in Virginia.

Was die Neuengland-Staaten neben ihrer Geschichte eint, ist der Holz- und Fischreichtum dieser Gegend und – jedenfalls soweit wir das bisher beurteilen können – auch ein anderer, etwas zurückgenommener wirkender Baustil. Hier in Rhode Island dürfen wir den auf Block Island, in Bristol und zuletzt hier in East Greenwich und (auf einem ausgedehnten Lebensmittel-Großeinkaufs-Trip mit einem Mietwagen) in Wickford erleben. Das schöne Wickford bietet zudem noch die Besonderheit, dass sich dort sehr viele historische Häuser erhalten haben, an denen eine Plakette Baujahr und Erstbesitzer anzeigt. Der Bummel durch den Ort zeigt zudem an vielen Stellen auch die maritime Verbundenheit (The Ocean State) und lockt uns oftmals mit schönen kleinen Läden, etwa einem Haus- und Gartenausstatter, der in einem historischen Haus mit angegliedertem Garten und Gartenhaus auf wunderschöne Weise seine Ware zeigt.

Auch der Hafen von Wickford hat seine Besonderheit. Die Boote dort sind in Reihen jeweils zwischen zwei Pfählen festgemacht, ein (für uns) bisher ungewohnter Anblick.

Nach dem Durchgang von Isaias machen wir dann gemeinsam mit Helena und Steve von der Amalia noch einen schönen Spaziergang auf der Halbinsel vor unserem Ankerplatz, sehen unsere Schiffe hinter dem Badestrand liegen, beobachten amerikanische Silbermöven, die auf der Promenade mit Muscheln kämpfen, die sie zwar kaum in ihren Schnabel bekommen, sie lassen sie dann aber aus der Höhe auf das Trottoir fallen und damit die Schwerkraft die Arbeit des Öffnens erledigen, und wir genießen eine fast nur aus Eis bestehende Limonade, die uns bei der Hitze gut erfrischt.

Dass Flora kein Bimini trägt hat leider auch einen Grund: Wir hatten den Sonnenschutz, der zugleich unsere Solarpanele trägt, wegen des herannahenden Sturmes abgebaut. So weit so gut, nur beim Wiederaufbau zeigt sich leider ein hässlicher Riss und weitere spröde Stellen. Stoffliche Verstärkung insbesondere unter dem mittleren Träger ist erforderlich, da ist der örtliche Segelmacher gefragt. Wir geben also das Bimini ab und bleiben noch etwas hier vor Anker. Das gibt uns auch Zeit für ein bisschen weitere Bootsarbeit.

Die LED-Navigationslichter am Bug haben an zwei aufeinanderfolgenden Tagen den Geist aufgegeben. Wir vermuten ein Problem an der Verbindungsstelle zu den Aqua-Marine-Kabeln der Funzeln, wie es in Griechenland schon einmal aufgetreten ist. Blöderweise liegt die Verbindungsstelle im Bugkorbgestänge, wirklich in dem Edelstahlrohr verborgen, weil die Lichter nunmal nur mit so kurzen Kabeln an die Werft geliefert werden und die Elektrik innerhalb der Lampen vergossen ist, um sie wasserfest zu machen. Wir müssen also VORSICHTIG die Kabel soweit aus dem Bugkorb heraus zur Lampe hinziehen (vorher aus dem Schiffsinneren heraus entsprechend viel Lose in das Kabel geben), dass die Verbindungsstelle sichtbar wird. Natürlich reißt ein Kabel dabei an der Verbindung ab. Der Versuch, eine Sorgeleine einzuziehen scheitert. Uns bleibt nichts anderes übrig, als den ganzen Bugkorb abzubauen. Das kriegen wir ganz gut hin, aber es liegt nicht an den Kabeln, die Lampen sind komplett hinüber. Immerhin haben wir jetzt Sorgeleinen in den Bugkorbrohren 😉

Isaias in der Rückschau

Ganz lieben Dank für Eure Kommentare, für das Daumendrücken und die guten Wünsche. Offensichtlich hilft es, denn Isaias hat sich dann doch noch ein weiteres Mal als ungewöhnlich erwiesen. Er hat die von NOAA (dem amerikanischen Wetterinstitut) mit ihrem GFS-Modell und auch von dem europäischen ECMWF-Modell einheitlich vorhergesagte Zugbahn doch noch verlassen und ist westlich an uns vorbei gerauscht, statt sich weiter an der Küstenlinie entlang zu hangeln. Einzig “Wetterwelt” aus Kiel mit ihrem “Seaman Pro” hatte uns gestern Abend eine solche westlichere Variante präsentiert und damit richtiger gelegen.

Tatsächlich fängt es am frühen Nachmittag an, kräftiger zu blasen, so gegen 17.00 ist der Gipfel erreicht. Ein paar wenige Mal zischen Böen mit 9 Beaufort über unseren Ankerplatz, maximal messen wir 42,7 kn. Schon vor 18.00 kommt die Sonne wieder heraus und der Wind lässt etwas nach. Noch bis 21.00 sind immer mal wieder Drücker in den mittleren 30ern dabei (7 bis 8 Bft), aber insgesamt flaut es spürbar ab. Wir sind durch und hatten bis auf zwei unvorsichtig abgestellte Trinkgläser keine Verluste.

Kann man sogar (im Ton) auf diesem kleinen Video miterleben, das eine Böe an unserem Ankerplatz zeigt.

Gut zu wissen, dass Flora mit dieser Windstärke so unproblematisch zurechtkommt, wenn wir für sie einen entsprechenden Ankerplatz finden können. Und natürlich hatten wir auch das Glück, dass der Wind nicht stärker war und nur über einen vergleichsweise kurzen Zeitraum kräftig blies. Die Messwerte auf der “Windfinder”-App für Quonset Point ein paar Meilen südlich von uns hier in der Narragansett Bay verdeutlichen das:

Die Böen liegen jetzt bei uns nicht mehr deutlich über 30 kn, dass merken wir auch an einem dauerhaft laufenden Windgenerator. Zuvor hatte unser “Silentwind” nämlich eine echte On-Off-Beziehung: immer wieder ging er in die automatische Abschaltung und lief erst nach etwas Wartezeit wieder an. Aber wenn er roulierte, dann richtig. In der Spitze zeigte das Display Ladewerte von über 25 Amp.

Und er musste es ja allein richten, denn die Solarpanele hatten wir ja schon gestern vorsorglich abgebaut, ebenso wie das Bimini auf dem sie montiert sind.

Ein bisschen irritiert bin ich aber über die Namensgebung für diesen Sturm. Da muss sich ja jemand was dabei gedacht haben, oder? Nun ist es so, dass die Stürme im nördlichen Atlantischen Ozean durch das National Hurricane Center (NHC) der USA benannt werden. Dabei bedient sich das NHC jährlich umlaufend seiner sechs Listen. Jede Liste beinhaltet abwechselnd Männer- und Frauennamen bzw. umgekehrt in ungeraden Jahren. 2020 ist Liste Nummer 6 dran und die sieht eben als neunten Namen Isaias vor. 2026 wird der Neunte Sturm also eventuell wieder Isaias heißen, denn Namen werden nur dann von der Liste gestrichen und durch neue ersetzt, wenn ein Sturm dieses Namens irgendwann mal ganz besonders verheerend war. Falls übrigens das Alphabet in einem Jahr nicht ausreicht, weil mehr als 21 benannte Stürme auftreten (Namen mit den Anfangsbuchstaben Q, U, X, Y und Z werden nicht verwendet) werden die Stürme nach den Buchstaben des griechischen Alphabets benannt (Alpha, Beta, Gamma …). Erstmals ist das 2005 passiert, aber 2020 ist leider auf dem (schlechten) Weg, vielleicht ebenfalls davon Gebrauch machen zu müssen.

Jedenfalls ist der Name Isaias eine andere Schreibweise des alttestamentarischen Propheten Jesaja, der eine endzeitliche Wende, das Ende des weltlichen Reiches und das Gericht Gottes ankündigte. Ich finde, da muss man als Namensgeber für einen tropischen Sturm und potentiellen Hurrikan wohl schon einen sehr eigenen Humor haben. Oder ein ganz besonderes Gottvertrauen, schließlich wird Isaias auch mit “Hilfe ist Gott” übersetzt. Diejenigen, die von einem Isaias-Sturm schwer betroffen sind könnten das auch als Sarkasmus empfinden.

Wiebke findet meine Namenanalyse in diesem Fall aber überzogen. Und vielleicht ist Isaias ja ein Name, der z.B. einen spanischsprachigen Menschen sofort in den Sinn kommt, wenn man ihn nach einem Vornamen mit “I” fragt und Ida, Ian, Idalia, Isaak und Imelda schon auf den Listen 1 bis 5 vergeben sind.. Ich bitte also um Nachsicht für meine vielleicht etwas ausufernden Überlegungen 😉.

Der ungewöhnliche Isaias

Isaias. Ungewöhnlicher Name. Erst recht für einen Hurrikan, denn ein solcher war Isaias (Kategorie 1) noch über den Bahamas, aber inzwischen hat er etwas an Kraft verloren und ist zum tropischen Sturm heruntergestuft. Vor allem aber hat Isaias eine ungewöhnliche Zugbahn.

Der Weg nach Florida war noch eher typisch, aber jetzt arbeitet sich Isaias langsam die ganze US-Ostküste hoch, vielleicht mit einem kleinen Landfall bei Myrtle Beach oder bei Kap Hatteras, nur um dann wieder Kraft auf dem offenen Meer zu tanken und weiter die Küstenlinie entlang zu ziehen. Bis nördlich von New York. Hm. Da sind wir.

Zuerst (vor einer Woche) schien die Vorhersage so ungewöhnlich, dass wir gedacht haben, das würde sich sicher noch ändern. Hat es aber nicht, die verschiedenen Modelle nähern sich immer mehr an und die ungewöhnliche Zugbahn bestätigt sich weiter.

Für uns heißt das, die wunderschöne aber weiter draußen und damit exponiert liegende Insel Block Island (für diese Gegend sind Wellen von 4 m Höhe vorhergesagt) etwas früher zu verlassen und ein Stück in die Narraganset Bay hinein zu segeln, dort sollte der Sturm weniger Kraft haben. Unser erster Ankerplatz bei Bristol ist zwar schön (insbesondere der kleine Ort), aber nach Süden zu offen. Nicht gut, denn Isaias soll hier vor allem starke Südwinde bringen.

Gemeinsam mit unserem alten Buddyboat, der Amalia (Steve und Helena), verholen wir 6 sm weiter nach Osten nach East Greenwich und ankern dort wunderschön vor einem Waldstück mit kleiner Steilküste und Sandstrand. Das Bojenfeld etwas näher vor dem Ort liegt in einem genau in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Creek und ist ziemlich eng gesteckt, da scheint uns unser Ankerplatz geschützter. Wir bauen unsere Solarpaneele und unser Bimini ab, ebenso alle jetzt überflüssigen Leinen wie Spischoten, Barberholer und die an den Spibäumen angeschlagenen Vor- und Achterholer. Selbst die Angeln verschwinden unter Deck. Steht unserer Flora eigentlich ganz gut 😊.

Hört sich übertrieben an? Na ja, die Wetterberichte zeigen, dass Isaias zwischendurch vermutlich nur etwa vier Knoten fehlen werden, um wieder zum Hurrikan hoch gestuft zu werden. Ob er sich daran hält? Außerdem ist er eben ungewöhnlich, da gehen wir um so mehr lieber auf auf Nummer sicher. Gerade bekommen wir eine NOAA-Wetterwarnung für die die Narragansett-Bay, also den tiefen Einschnitt bei Newport, in dem wir uns verkrochen haben: “Uncertanty in track, size and intensity: potential for wind 58-73 mph.” Windy sagt für unseren Standort “nur” etwa 43 kn an, was auch schon 9 Beaufort wären.

Das Gute: Isaias sollte schnell vorbeiziehen, nach ein paar Stunden durch sein. Und vermutlich wird er hier am späten Nachmittag kommen, also bei Tageslicht, und dann schon nach wenigen Stunden weitergezogen sein. Wir haben viel Platz, guten Ankergrund und gut 10fachen Scope (Verhältnis der ausgebrachten Ankerkette zur Wassertiefe).

Wir sind gespannt, aber eigentlich ganz zuversichtlich. Morgen wissen wir mehr.

Boat work

Block Island ist einer der schönsten Plätze, den wir bisher in den USA mit dem Boot besucht haben. Die Lagune bietet einen rundum geschützten Ankerplatz, die Insel ist schön und trotz ihrer touristischen Erschlossenheit angenehm zurückgenommen und unaufgeregt, es gibt kaum Bausünden, dafür aber gute Restaurants und Spezialitäten.

Ganz klasse zum Beispiel das Garten-Grill-Lokal “Three Sisters”, das uns mit wunderbarer kreativer Küche, bewusst lokalen Zutaten, dezenter guter Livemusik und herrlich improvisiert wirkendem gemütlichen Gartenambiente verwöhnt. Eine Alkoholausschanklizenz haben sie nicht, also flitzen Wiebke und Michael zum Supermarkt um die Ecke und holen gekühlten Wein (anders als etwa in Maryland dürfen hier in Rhode Island die Supermärkte Alkohol verkaufen). Gläser stellen die Three Sisters, das Korkgeld ist mit 5$ gering. Gemeinsam mit der Crew der Escape genießen wir einen weiteren richtig schönen Abend.

Aber leider, leider: auch die Zeit auf Block Island bietet nicht nur Vergnügen. Ein bisschen Bootsarbeit ist dann doch immer zu tun. So auch hier. Unser Dieselgenerator (für die Stromerzeugung an Bord, wenn Solar und Windgenerator nicht ausreichen) schaltet sich weniger als eine halbe Minute nach dem Start wieder ab und meldet ”zu hohe Abgastemperatur”. Das ist nun eher unwahrscheinlich, aber wie Wiebke in der Bedienungsanleitung herausfindet, wird mit diesem Hinweistext auch auf mangelnden Kühlwasserfluss hingewiesen, bevor die Abgastemperatur einen kritischen Wert erreicht.

Der Motorraum der Flora beherbergt neben (genauer: hinter) dem Motor auch den Generator. Mit schon entfernter Schallschutzhaube des Generators sieht das so aus:

Über dem Motor liegend, kann man also am Generator schrauben, wobei die Seewasserpumpe zum Glück an der vorderen Seite des Generators verbaut ist.

Die Kontrolle des Impellers der Seewasserpumpe ergibt ein desolates Bild:

Nun ist der Wechsel des Impellers eigentlich nicht schwierig, obwohl der des Generators (anders als bei unserem Motor) eine Papierdichtung hat. Die muss ebenfalls getauscht werden und dazu vorsichtig mit einer scharfen Klinge vom Gehäusedeckel entfernt werden, ohne ihn zu zerkratzen. Wir legen den Deckel über Nacht in eine Wasser-Essig-Lösung, das vereinfacht das Abkratzen.

Das Blöde ist nur: die am Impeller fehlenden Flügelteile müssen aus dem Kühlkreislauf entfernt werden. Da ich sie nicht im Pumpengehäuse finde, (bis auf eins, dass mir beim Öffnen entgegenfällt und in den unerreichbaren Tiefen der Generatorbilge verschwindet) muss ich sie im Verlauf der Kühlwasserschläuche suchen, die ich dafür nacheinander abbaue. In den beiden zwar langen, aber vergleichsweise einfach zugänglichen ersten Leitungen findet sich leider nichts. Ich befürchte, dass sich die Flügelreste vor dem Engpass des Wärmetauschers sammeln, der aber liegt schwer zugänglich auf der Rückseite des Generators, halb verborgen vom Rahmen der Schallschutzhaube. Nach intensiver telefonischer Beratung mit Chief Jan per Telefon mache ich mich erstmal an den Zulaufschlauch vom Seeventil zur Wasserpumpe. Und – Glück gehabt – obwohl entgegen der Fließrichtung findet sich hier ein erstes Flügelteil. So ermutigt, fingere ich mit einer Pinzette ein weiteres aus einem der 90-Grad-Metallwinkel, auf denen die Schläuche mit Schellen befestigt sind. Da ich aber nicht von beiden Seiten drankomme, fädele ich ein Stück Leine hindurch und finde den Rest (hoffentlich jedenfalls alle großen Teile). Zusammensetzen lässt sich das Puzzle nicht mehr 😉.

Entgegen meiner Befürchtung lässt sich der Deckel auch ziemlich unproblematisch wieder aufsetzen, wobei wir die Verdickung der Dichtung (und damit die Montagestelle) außen auf dem Deckel mit Edding markieren und die Dichtung mit etwas Vaseline am Deckel anhaften, damit sie bei der Montage nicht so leicht verrutscht.

Dann der spannende Moment: ja, der Generator springt an und läuft auch problemlos zwei Stunden, das soll erst mal reichen. Juhu!

Und das kann gefeiert werden, denn es ist natürlich nicht die einzige Bootsarbeit: Michael hat in der Zwischenzeit einmal mehr ein kulinarisches Highlight in der Pantry gezaubert:

Block Island

Und wieder ein anderes „Amerika“, vielmehr eine andere Facette dieses bunten Landes.

Auf dem Weg Richtung Newport lockt uns ein Naturhafen, den uns sowohl George als auch David wärmstens ans Herz gelegt haben. Block Island kann aber auch erschrecken: die Dichte der AIS-Signale in der etwa in der Mitte der Insel gelegenen Lagune des New Harbor lässt kaum Hoffnung auf einen freien Anker- oder Bojenplatz zu. Doch das täuscht. Zu Feiertagen wie etwa dem amerikanischen Unabhängigkeitstag sollen hier bis zu 2.000 Boote liegen. Jetzt sind es „nur“ etwa 500, wie uns die Jungs vom Bäckerboot erklären. Entschuldigend, denn deswegen haben sie kein Brot dabei (lohnt sich nicht), wir nehmen aber gern mit Croissants und süßen Teilchen Vorlieb.

Trotzdem sieht der Ankerplatz gut gefüllt aus, aber es eben auch noch diverse freie Bojen und auch genug Platz zum Ankern. Eine Nacht liegen wir „alleine“ hier, dann leistet uns die Escape Gesellschaft, die wir zuletzt in Sag Harbor getroffen haben. Gemeinsam machen wir zu sechst eine Radtour, Mietfahrräder gibt es unweit des Hafens. Die Insel ist eigentlich nicht sehr groß, etwa 11 km lang. Doch die haben es in sich. Wind und vor allem die hügelige Landschaft mit knackigen Steigungen verlangen der Kondition einiges ab. Zunächst schlagen wir einen Bogen in Richtung des Southeast Lighthouse an der imposanten Steilküste des Mohegan Bluff, die wir über eine laaaange Holztreppe ebenfalls erkunden um anschließend die trampelmüden Waden im Wasser zu erfrischen.

Weiter geht’s hügelauf und hügelab, vorbei an diversen kleinen und größeren Teichen und Seen (über 300 soll es auf der Insel geben), oft mit Seerosen fast flächendeckend übersät. Oft flankieren Steinmauern die Straßen und die Felder, sie würden an England erinnern wenn da nicht die verräterischen amerikanischen Häuser wären. Die Landschaft jedenfalls ist wunderschön und abwechslungsreich.

Natürlich gibt es auch hier auf dieser mit ihren langen Sandstränden im Osten sehr beliebten Urlaubsinsel viele exclusive Domizile, aber Block Island präsentiert sich trotzdem angenehm zurückgenommen, weniger mondän als zuletzt Sag Harbor in den Hamptons.

In Old Harbor im Westen haben wir fast wieder unseren Fahrradverleih erreicht, aber gemeinsam mit Annemarie und Volker wollen Wiebke und ich noch einmal zum anderen Ende der Insel radeln. Greg und Michael ziehen eine Pause im Ort vor.

Und es wird auch noch einmal anstrengend. Nach einem längeren Stück im Schutz der Dünen am Oststrand entlang geht es dann doch wieder bergauf und bergab, die Gänge wollen fleißig geschaltet werden.

Schon viermal musste er wegen der wandernden Dünen versetzt werden, ist uns dabei ein gehöriges Stück entgegen gekommen. Trotzdem: ganz bis zum Leuchtturm Block Island North Light können wir nicht fahren, etwa einen Kilometer vorher endet die Straße. Aber das Teleobjektiv und die Drohne können die restliche Strecke ganz gut überwinden 😉

Zurück am Hafen lassen wir uns eine weitere dringende Empfehlung nicht entgehen: unbedingt müssten wir einen „Mudslide“ (Schlickrutscher) im Garten des Restaurants „Oar“ mit Blick auf den Hafen probieren. Trotz des Namens schmeckt sieht das Getränk eigentlich ganz manierlich aus und schmeckt auch klasse. Kalua, Baileys und Vanillevodka mit Eis zu einem Milkshake-ähnlichen Getränk verarbeitet, nicht ganz ungefährlich.

Zurück auf die Flora. War der letzte Sonnenuntergang hier in der Ankerbucht noch so:

präsentiert sich der Abend heute ganz anders. Dunst zieht auf, erste Nebelschwaden zeigen sich. Sieht aus, als wolle die Sonne morgen mal Pause machen, Regen soll es auch geben. Wir bauen für die Nacht schon mal die Kuchenbude auf.

Ram’s Head

Auf Davids Empfehlung hin trauen wir uns, einen Abstecher in die gut geschützte Bucht zwischen Ram Island und Little Ram Island zu unternehmen. Beides sind eigentlich Halbinseln und gehören zu Shelter Island, das mittig zwischen South Fork und North Fork liegt. Knifflig ist nicht nur die geringe Wassertiefe in der Ankerbucht selbst, sondern vor allem die Anfahrt zwischen zwei leicht gegeneinander verschobenen Sandzungen hindurch, trotz gebaggerter und betonter Rinne. Aber David versichert uns, bei entsprechender Tide (am besten halbe Tide auflaufend) sei das mit unseren zwei Metern Tiefgang machbar.

Allein auf Basis der Navionics Karte wären wir hier wohl eher nicht hingefahren. Entsprechend tasten wir uns sehr vorsichtig durch die Enge quasi in Shelter Island hinein und es klappt ohne Grundberührung. Belohnt werden wir zunächst einmal mit einem wunderschönen Ankerplatz.

Aber die Belohnung reicht weiter, es gibt nämlich nämlich – Teil der Empfehlung – ein tolles Abendessen auf der Terrasse des Ram’s Head Inn oberhalb des Ankerplatzes.

Sag Harbor

Sag Harbor liegt auf der South Fork, also dem südlichen schmalen Ausläufer von Long Island, der vielleicht besser als „die Hamptons“ bekannt ist. Die Ortschaften der Hamptons sind bekannt für ihre eleganten Häuser, Sag Harbor macht da keine Ausnahme. Zumeist mit Holzschindeln verkleidet, mal extravagant, mal schlicht, immer aber extrem teuer (Lage, Lage, Lage).

Eigentlich ist Sag Harbor ein alter Walfangort. Dessen Geschichte wird im hiesigen Walfangmuseum auch recht anschaulich erläutert, obwohl wegen Covid das Gebäude noch geschlossen ist. Ein Teil der Ausstellung wurde deshalb kurzerhand auf wetterfeste Plane gedruckt und in den Garten des Museums, rund um das von einer Art Carport geschützte Walfangboot verlagert.

Wale finden sich denn auch allenthalben in dem Städtchen, auf T-Shirts, und Kissen, an Hauswänden oder auf Dächern, als Geschäftsbezeichnungen und so weiter. Es gibt sogar eine eigene Walfängerkirche.

Wir unternehmen mehrere schöne Spaziergänge durch den Ort, die eigentlich geplante Fahrradtour lassen wir wegen der Hitze (so um 30 Grad) ausfallen und gönnen uns dafür ein Eis ;-).

Aber dafür haben wir um so mehr Zeit, um gemütlich durch den Ort zu streifen.

An einer der Hauswände sind diverse Fischerbojen dekoriert. Diese kleinen, bei auch nur etwas Welle kaum noch sichtbaren Markierungen werden in der gleichen historischen Form auch noch heute benutzt, finden sich zuhauf in den flachen Buchten hier und sorgen für eine nochmal erhöhte Aufmerksamkeit beim Navigieren. Bisher sind wir davon verschont geblieben, uns eine Fischerleine einzufangen. Hoffentlich bleibt das so!

Greenport

In der Orient Bay treffen wir David von der amerikanischen Hallberg-Rassy-Rassy 40 “Flight”. Er ist extra aus Greenport hergekommen, rudert von der Flight herüber und versorgt uns mit Tips für diesen Teil von Long Island rund um das zwischen North Fork und South Fork (Hamptons) gelegene Shelter Island und für unsere Weiterfahrt. Dafür hat er extra seine Seekarten mitgebracht, außerdem Gastgeschenke. Wow. Leider muss er am Abend noch wieder weiter, aber wir verbringen ein paar schöne gemeinsame Stunden.

Und dann das: hatten wir uns zuletzt noch über die amerikanische Gastfreundschaft gefreut, kommt gleich wieder jemand daher und versucht das Gegenteil zu beweisen. Das Örtchen “Orient” hat unserer Ankerbucht den Namen gegeben, aber besuchen dürfen wir es nicht. Auf den Grundstücken überall Schilder mit “No trespassing”, im kleinen Yachthafen keinerlei Dinghysteg sondern nur der wenig freundliche Hinweis: Keine Kurzzeitlieger!

Wir sprechen ein Mitglied des Yachtclubs an. Knappe Antwort: “Nein”, fremde Dinghys sind nicht vorgesehen. Wo wir anlanden könnten? Keine Ahnung, vielleicht da ganz weit hinten, am Strand. O.k., wer uns nicht will hat uns nicht verdient (so formuliert es Michael).

Also gehen wir gleich wieder ankerauf und verholen ein paar Meilen weiter vor den etwas größeren Ort Greenport. und dort sieht es zu unserem Glück wieder anders aus, es gibt ein ausgewiesenes Dinghydock nahe zur Innenstadt:

Schon auf dem Weg in die Stadt lassen wir uns aufhalten: Lobster Rolls locken uns ins urige Sterlington Deli bzw. dann auf deren Außenterrasse. Ein Glücksgriff: nicht nur kommt die Bedienung von der Insel Föhr und hat deshalb mit dem versehentlichen Denglisch unserer Bestellung keinerlei Probleme, auch der Lobster im Brioche-Brötchen ist superlecker und mit außergewöhnlich reichlich Lobsterfleisch überhäuft.

Und auch sonst gefällt uns Greenport richtig gut. Lebendig, aber nicht nur touristisch, leckeres Eis, gute Einkaufsmöglichkeiten. Zum Abend hin reißt auch wieder der Himmel auf und wir bekommen einen traumhaften Sonnenuntergang am Ankerplatz.

Connecticut: Kulissenwechsel

Nur einmal kurz über den Sund gesegelt, schon gibt’s statt langer Sandstrände und Dünen felsige Granitinseln mit Holzhäusern drauf. Schärenlandschaft.

Dänemark 🇩🇰 nach Schweden 🇸🇪, Gilleleje nach Hallands Väderö, Anholt nach Öckerö? Ja, auch. So kannten wir das bisher. Jetzt lernen wir, das Gleiche gilt auch für New York 🇺🇸 nach Connecticut 🇺🇸, Long Island nach Thimble Islands.

Es ist, als hätte man im Theater einmal kurz geblinzelt und die Kulissenschieber hätten – schwupp – auf die nächste Szene, den nächsten Aufzug gewechselt.

Was die Thimble Islands (wörtlich übersetzt: Fingerhut-Inseln) von ihren schwedischen Verwandten unterscheidet: Landgang ist schwierig bzw. zumeist nicht gestattet. Die Inseln sind im Privatbesitz und die Schilder mit “No trespassing” allgegenwärtig. Macht uns aber nichts aus, wir sind froh, überhaupt nach Connecticut reisen zu können. Die obligatorische Anmeldung per Telefon bei der Coast & Border Patrol ist insofern spannend, als Connecticut gerade wegen Covid eine obligatorische zweiwöchige Quarantäne für die Einreise aus diversen anderen Bundesstaaten verkündet hat. Darunter ist Maryland wo wir ja vor weniger als zwei Wochen noch waren. Andererseits, jetzt kommen wir aus New York State. Wie auch immer, wir haben jedenfalls keinerlei Problem.

Und so schlängeln wir uns zwischen halbüberspülten Felsbrocken und Inselchen hindurch an eine der Stellen, die wir als Ankerplatz ausgemacht haben. der Revierführer strotzt nur so vor “Caution!”, aber die Einfahrt ist gut betont und nicht allzu schwierig. Die Wahl des Ankerplatzes ist allerdings wegen einiger auf dem Grund liegender Kabel und wegen der vielen privaten Bojen etwas knifflig. Wir finden einen Platz (wenn auch mit begrenztem Schwoiraum) und im zweiten Versuch hält der Anker in dem schlammigen, muscheldurchsetzten Grund.

Kurz darauf zeigt sich die amerikanische Gastfreundschaft. Ein Motorboot löst sich von einer Mooring und kommt bei uns vorbei. Der Skipper informiert uns über am Abend zu erwartende heftige “Thunderstorms” (Gewitterböen) und bietet uns an, an die von ihm freigemachte kräftige Mooring zu gehen, die seinem Verein gehört. Machen wir.

Endlich ist das Wasser auch wieder klarer. Ich schwimme ausgiebig, auch wenn der Einstieg bei einer Wassertemperatur von 24 Grad uns nach der Karibikverwöhnung frisch erscheint 😉.

Zum Abendessen gibt’s auf der Überfahrt frisch gefangenen Bluefish (Blaubarsch). Danach kommt George von der neben uns an der Boje liegenden Saber 38 herüber und versorgt uns mit Tips für die Gegend, sowohl was Ziele angeht als auch hinsichtlich der Tidennavigation hier, die mit rund zwei Meter Tidenhub und kräftigen Strömungen in den Engstellen nicht ganz ohne ist.

Lange bleiben kann George nicht, dass Gewitter ist tatsächlich schon im Anmarsch, wird dann aber nicht so schlimm wie befürchtet. Trotzdem sind wir froh, an die Mooring gewechselt zu haben, um die herum Flora in den Böen bei wechselnden Strömungen einige Pirouetten dreht.