Ab durch die Mitte: Lomaiviti

Fiji gliedert sich in 14 Distrikte, aber obwohl wir schon drei Monate durch Fiji segeln, haben wir erst zwei davon besucht. Das hat mit der Weitläufigkeit Fijis, aber auch mit dem Zuschnitt der Distrikte zu tun. Allein 8 der 14 Distrikte liegen auf der Hauptinsel Viti Levu, da waren wir bisher mit Flora noch nicht. Der erste von uns besuchte Distrikt „Cakaudrove“ beinhaltet neben einem großen Teil der zweitgrößten Insel Vanua Levu in der Umgebung von Savusavu auch die Nachbarinsel Taveuni. Und der zweite von uns besuchte Distrikt „Lau“ hat zwar nur 9.600 Einwohner, aber die leben eben verteilt auf abgelegenen und über rund 400 km verstreut liegende Inseln im Osten Fijis. Da gab es viel zu entdecken.

Jetzt aber geht es in das Herz Fijis, geographisch und auch historisch. Lomaiviti heißt dieser Distrikt, der die Inselgruppe im Zentrum bezeichnet. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn Lomai bedeutet auf fijianisch Mitte/Zentrum/Inneres und Viti eben Fiji. Historisch war zudem bis 1882 Levuka auf der zu Lomaiviti gehörenden Insel Ovalau die Hauptstadt Fijis.

Das Wetterfenster ist ausnahmsweise günstig, um von Savusavu aus nach Süden in Tagesetappen durch Lomaiviti zu segeln. Unser erstes Ziel ist dabei die Insel Koro. Diese fruchtbare Vulkaninsel bietet zwar wenig guten Ankergrund, aber vor einem Resort in Nordwesten der Insel sind mehrere Mooringbojen ausgebracht. Ideal für einen Übernachtungs-Zwischenstopp, zumal kein Sevusevu erforderlich ist und die etwa 8 Euro Mooring-Gebühr gleichzeitig als Verzehrgutschein an der Bar gilt.

So hatten wir es vorher gelesen und so ist es im Prinzip auch, nur ist das Resort eigentlich noch gar nicht in Betrieb. Als wir mit dem Dinghy am ewig langen Steg des Resorts anlanden, die nur mit Angelschnur befestigte Aluleiter hinaufklettern und zur Rezeption gehen, wird das beim Näherkommen immer deutlicher. Was aus der Ferne durchaus ansehnlich schien, entpuppt sich als aktive Baustelle.

Immerhin, die Rezeptionistin gibt uns an der Bar zwei Dosenbier und wir dürfen uns auch auf dem Baustellengelände bewegen, sogar die Hängematten am Strand benutzen.

Und wir sehen mehrere der auf dieser kleinen Insel endemischen Koro-Rotglanzsittiche, einer Unterart der Pampadursittiche.

Am nächsten Morgen zieht es uns dennoch früh weiter, wir wollen den günstigen Wind für einen 45 Seemeilen langen Schlag hinunter in die Lagune von Gau nutzen. Es wird ein wunderschöner Segeltag bei bestem Wetter.

Bei der Einfahrt in die Lagune allerdings sehen wir, dass sich an einem Hügel der Insel ein Feuer entwickelt. Rauchwolken kleinere Brände sind auf Fiji Alltag, völlig normal. Müll wird verbrannt, Felder abgeflammt. Das hier sieht anders aus, entwickelt sich weiter, läuft bei starkem Wind in beide Richtungen die Hänge hinauf.

Wir überlegen ernsthaft, ob wir weiterfahren sollen, auch wenn der Wind den Rauch von unserem Ankerplatz zum Glück fernhält.

Beim Sevusevu am nächsten Morgen (im Dorf Sawaieke sind Sonnenbrillen o.k., Rucksäcke tragen jedoch tabu) erklärt uns der Chief dann aber bei Tee und Roti, das sei kein außergewöhnliches Feuer gewesen. Ein Farmer habe nur sein Feld-Yams abgeflammt und würde jetzt die Wurzeln ernten. Alles ganz normal. Hm. Wir hatten uns wirklich Sorgen um das Dorf gemacht, das genau zwischen dem Feuer und unserem Ankerplatz liegt.

Überhaupt, der Ankerplatz. Zwar ist die Einfahrt in die geschützte Lagune im Westen der Insel Gau recht einfach, aber trotzdem statten ihr vergleichsweise wenige Boote einen Besuch ab. Die Lagune ist fast überall über 30 m tief und steigt dann zum auch landseitig vorhandenen Korallenriff steil an. Wir ankern in der Herald Bay, hier zeigt das Satellitenbild im landseitigen Riff mehrere größere Sandflecken zwischen tiefer liegenden Bommies. Als wir näher kommen, können wir sowohl die Korallen als auch den Sandgrund auf 8 m Tiefe gut erkennen. Nach dem Manöver schnorcheln wir den Raum noch einmal ab, in dem Flora herumschwingen kann. Ganz viel Platz haben wir nicht, aber es geht und etwas besseres werden wir hier nicht finden.

Schön ist dafür, dass wir von der Bucht aus auf einem Feldweg einen herrlichen Spaziergang ins Dorf machen können. Mal mit Aussicht auf die Lagune, mal mit Papagei im Dickicht, mal sogar mit einem kleinen Bachlauf. Frei laufende Schweine mit ihren Ferkeln nutzen ihn zur Abkühlung …

… aber im Matsch des Bachufers entdecke ich noch eine gut getarnte echte Besonderheit: Schlammspringer (engl.: Mudskippers)! Die habe ich überhaupt erst einmal gesehen, das war vor über 10 Jahren in Hagenbecks Tierpark in Hamburg. Jetzt sitzen diese 10 bis 15 cm kleinen Wunder der Natur hier im Morast und auf Ästen am Ufer herum. Es sind amphibisch lebende Fische, die den Großteil ihres Lebens außerhalb des Wassers verbringen. Mit ihren Brustflossen können sie sich an Land hüpfend fortbewegen.

Noch ein paar Impressionen aus dem Dorf Sawaieke:

Wir besuchen auch noch die Schule des Ortes, hier werden Kinder bis zur 8. Klasse unterrichtet. Und auch wir lernen etwas: der Lehrer klärt uns lachend darüber auf, dass die Steine am Hang unterhalb des Schulgebäudes keineswegs für das von uns hinterfragte Notsignal S.O.S. stehen. Finanziell knapp sei man, aber nicht in Not.

Vielmehr heißt es S.D.S, Kürzel für Sawieke District School. ☺️

Vorbereitung für Fiji‘s zweite Hälfte

Wir sind wieder eine ganze Woche in der Nawi-Marina in Savusavu. Wie jetzt? Erst zwei Monate irgendwo ganz weit draußen am Anker und jetzt gleich eine ganze Woche Luxusleben in der Marina mit Duschen so lange man will, Strom aus der Steckdose, Pool, Bar und Restaurants? Ja. Und mit Einkaufen. Fünf (sic!) Shopping-Runs mit dem Dinghy hinüber in die Stadt, jeweils schwer bepackt mit zwei großen vollen Rucksäcken und mit zusätzlichen Taschen zurück. Milch, Kaffee, Dosen, Hülsenfrüchte, Reis, Nudeln, Getränke, auch Schokolade, Nutella etc, alles muss wieder aufgefüllt werden. Der letzte Run gilt den Frische-Einkäufen. Käse, Sahne, Fleisch, Gemüse und Obst. Obst und Gemüse (vom Markt) werden ausgiebig gewaschen und dann in Netzen aufgehängt oder (soweit noch Platz ist) in den beiden Kühlschränken (eher: von oben befüllbaren Kühlfächern) verstaut. Die Kawa-Wurzelbündel hängen wir an einer Stange auf, diese obligatorischen Sevusevu-Geschenke müssen trocken gelagert werden.

Nur ein kleiner Teil …

Da auch das zweite (eigentlich tiefkühlfähige) Kühlfach nur als reiner Kühlschrank genutzt wird, müssen die Fleisch-Einkäufe (Hähnchen, Hack und Rind) anderweitig konserviert werden. 12 Gläser kochen wir ein.

Außerdem lassen wir unsere fast leere Gasflasche neu befüllen. Dafür ist neben der obligatorischen Dinghyfahrt in die Stadt ein Ausflug mit dem Taxi zum Stadtrand nötig.

Oh, und den defekten Fernseher im Salon ersetzen wir tatsächlich auch noch.

Eigentlich wollten wir auch unsere von Marshall-Sails reparierte alte Fock hier in der Marina wieder in Empfang nehmen. Der Versand von YachtHelp Vuda hierher zu YachtHelp Savusavu hat allerdings trotz Zusage und zwischenzeitlicher Erinnerung durch uns nicht geklappt. Innerhalb der Woche hier in der Marina könnte sie vielleicht noch geliefert werden. Aber „vielleicht“ in Verbindung mit einer Terminierung in der sprichwörtlich geruhsamen „Fiji-Time“ würde uns womöglich deutlich länger hier in Savusavu halten. Wir werden die Fock also lieber selbst in Vuda abholen, da möchten wir im Laufe der nächsten Monate ohnehin vorbei schauen.

Flora wird ordentlich gewaschen, aufgeräumt und geputzt. Als wir komplett vorbereitet sind, findet sich auch noch ein unerwarteter, aber durchaus willkommener Gast ein.

Ein kleiner Jungfern-Gecko hat sich als blinder Passagier an Bord geschlichen. Fein, da er sich hauptsächlich von Insekten ernährt, kann er uns gerne die bisher zum Glück allerdings nicht allzu zahlreichen Mücken und Fliegen vom Hals halten.

Und jetzt geht’s los zur Erkundung der zweiten Hälfte, in den Süden und Westen von Fiji.

Von der Viani Bay nach Taveuni, Satellitennavigation und Datumslinie

Ein weiterer Ausflug steht auf dem Programm. Das hat verschiedene Gründe. Ein ganz profaner: unser Bargeldbestand an Fiji$ neigt sich dem Ende zu. Vor zwei Monaten konnten wir zuletzt an einem Geldautomaten Bargeld ziehen, das war in Savusavu. In der Lau-Gruppe war sowieso nur Bargeld gefragt, aber auch Restaurant, Ausflug und Tauchbasis hier in der Viani Bay bezahlt man besser in bar. Die Gebühren für den hier immerhin möglichen Einsatz der Kreditkarte liegen bei 3,5 bis 4 Prozent. Das ist ziemlich happig, in Fiji aber absolut üblich. Da wirkt die 1%-Gebühr am Geldautomaten dann schon wieder günstig. Außerdem locken auf Taveuni auch noch Sehenswürdigkeiten der Insel, die wir bei unserer Stipvisite bei Paradise im Süden der Insel nicht besucht haben.

Die Fahrt mit dem offenen Boot von Viani Bay führt etwa 6 Seemeilen über die Somosomo Strait nicht direkt zum Hauptort von Taveuni, sondern zum ein paar Kilometer südlich gelegenen Fähranleger Waiyevo. Obwohl das Wasser auf der Hinfahrt noch relativ glatt ist, wird es an Bord schnell feucht. Ralph und ich kauern uns auf dem Boden sitzend in den Schutz des hochgezogenen Bugs, Wiebke und Barbara schützen sich mit ihren Regenjacken und später mit einer zusätzlichen Plane.

Auf der nochmal deutlich „spritzigeren“ Rückfahrt wird die Plane zur Abdeckung von Roberts Einkäufen für sein Tauchresort benötigt, da werden die beiden dann komplett durchnässt. Als unser Gefährt nach der Hinfahrt friedlich und idyllisch neben dem Fähranleger ankert, wissen wir das natürlich noch nicht.

Robert hat uns ein Taxi für das Sightseeing organisiert und Fahrer Marc bringt uns zunächst zur Wairiki Catholic Church, einem Wahrzeichen von Taveuni. Eine weinende Maria, ein Splitter vom Kreuz Christi als Reliquie in einem Kreuz, ein kindlicher Jesus mit einer Weltkugel, auf der neben viel Wasser statt Kontinenten nur einige kleine Inseln zu sehen sind, die Kirche weist einige Besonderheiten auf. Nur eines der Seitenschiffe ist mit Bänken versehen, ansonsten zeichnet nur ein roter Läufer den Weg zum Altar über den blau wie das Meer glänzenden nackten Fußboden des Gotteshauses.

An die Kirche angeschlossen ist eine der insgesamt fünf weiterführenden Schulen der Insel. Mädchen und Jungen leben im Internat in den Räumen der ehemaligen Mission.

Die nächste Station unserer Taxitour führt uns zu einer Linie, die uns die Navigation zuletzt ein bisschen erschwert hat.

Wegen der zum Teil uralten Vermessung sind die Angaben in den Seekarten von Fiji ziemlich unzuverlässig. Wir nutzen deshalb gerne die Möglichkeit der Navigation mit Satellitenbildern. Ein Beispiel: das über die Seekarte gelegte georeferenzierte Satellitenbild zeigt, dass sich das Riff tatsächlich einen Kilometer neben der Position in der Seekarte befindet:

Aber auch die Navigation mit Satellitenbildern hat ihre Tücken, etwa wenn Wolken oder Reflektionen auf dem Satellitenfoto die Sicht teilweise verdecken. Oder wenn der „Blattschnitt“ der zusammengesetzten Einzelfotos für Irritationen sorgt. Oft lässt sich das aber vermeiden, indem wir einfach auf Satellitenfotos eines anderen Anbieters wechseln, etwa von GoogleEarth zu den Apple’s Bing oder zu den NASA-Karten auf Noforeignland. Hier auf Taveuni aber weisen alle eine mehr oder weniger breite Schnittkante auf:

Der Grund dafür (und für die Schwierigkeiten vieler Routenplanungsprogramme an diesem Ort) ist einfach. Von Nord nach Süd verläuft quer über Taveuni der 180ste Längengrad, die grundsätzliche Datumslinie. Hier könnte man eigentlich mit einem Schritt über diese Linie vom Heute ins Gestern (oder von der anderen Seite ins Morgen) springen. Taxifahrer Marc zeigt uns denn auf der Fahrt dorthin auch das „erste Kino der Erde“, das allerdings schon seit Jahren geschlossene „180th Meridian Cinema“.

Praktisch funktioniert das Hin- und Herspringen im Datum auf Taveuni allerdings ohnehin nicht, denn in ganz Fiji gilt als Normalzeit die Zeitzone UTC +12, wir sind also der Greenwich-Zeit des 0-Meridians um 12 Stunden voraus. Wäre ja auch unpraktisch, wenn östlich der Linie zum Beispiel noch Sonntagabend, westlich aber schon Montagabend wäre. Trotzdem gibt es auf dem 180sten Längengrad ein kleines Denkmal mit Schautafeln.

Ein paar hundert Meter weiter hält das Taxi erneut, diesmal wegen einer natürlichen Attraktion. Die Bäume am „Garden Island Resort“ hängen voller Flughunde. Wir dürfen aufs Gelände und die großen Fledertiere ganz aus der Nähe betrachten.

Sie lassen sich von uns überhaupt nicht stören, hängen einfach ab, kitzeln ihre Nachbarn, bohren in der Nase oder machen ein Nickerchen.

Und auch unsere nächste Station hat es tierisch in sich. Es geht zu Waitavala Natural Waterslide. Ein Bachlauf schießt hier zwischen rundgeschliffenen Felsen den Berg hinunter. Insbesondere nach stärkerem Regen kann man diese natürliche Rinne auf eigene Gefahr als Wasserrutsche benutzen, angesichts der Absätze mit ihren Wasserfällen in einigen Bereichen sicher kein ganz ungefährlicher Spaß.

Wir beschränken uns denn auch lieber auf eine Wanderung durch den Wald an der Rinne entlang.

Und wir bekommen noch eine Belohnung, im Geäst über uns zeigt sich eine nur auf Fiji und dort nur auf Vanua Levu und eben Taveuni vorkommende Papageienart, die etwa 40 cm großen Pompadursittiche.

Im diffusen Gegenlicht des Blätterdaches kommt ihr buntes Federkleid mit der rotbraunen Brust und den grünblauen Flügeln nicht voll zur Geltung (im Englischen heißen sie Red Shining Parrot), beeindruckend ist es aber auch so schon.

Als wäre das nicht genug, belohnen wir uns nach dem „Geld tanken“ im Hauptort Somosomo noch ein weiteres Mal. Ein deutscher Auswanderer betreibt mit seiner italienischen Frau eine Bio-Landwirtschaft auf Taveuni. Aus den selbst angebauten Früchten produzieren die beiden unter anderem auch eigenes Speiseeis bzw. Sorbet, für das sie in Somosomo einen kleinen Verkaufsstand unterhalten. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen.

Lecker!

Rainbow Reef, Nationalfeiertag, und Sonntagsausflug zu den Mantas von Rabi Island

Flora ankert immer noch in der Viani Bay hinter dem Rainbow Reef. Ein paar windarme Tage sind vorhergesagt, das passt perfekt. Gemeinsam mit der Crew der Lille Venn machen wir weitere Tauchgänge am Rainbow Reef und wir gehen außerdem auch gemeinsam auf dem Riff Schnorcheln. Dafür müssen wir zwar fast drei Meilen mit dem Dinghy durch die Bucht fahren, aber bei diesen perfekten Bedingungen lohnt sich das unbedingt. Die bunten Regenbogenfarben des Riffs zeigen sich schon in den Steinkorallen …

… erst recht aber in den vielen verschiedenen Weichkorallen, für die dieses Riff so bekannt ist:

An manchen Stellen sieht das Korallenriff aus wie das plüschige Fell eines Teddybären …,

… dann wieder scheint sich eine blumengeschmückte Felsbrücke durch das Blau des Meeres zu spannen:

Egal ob Tauchen oder Schnorcheln, wir sind schlicht begeistert.

Am Samstag werden wir schon wieder mit dem Dinghy der Lille Venn abgeholt, diesmal allerdings zu einem ganz anderen Anlass. Ralph‘s Kleidung lässt es wohl schon erahnen,

der Schweizer Nationalfeiertag am 01. August soll begangen werden. Feiern wollen wir bei bei der hiesigen Tauchschule „Dolphin Bay Divers“, denn deren Eigner Roland ist ebenfalls Schweizer. Er hat die Lille Venn und auch uns Nichtschweizer zum Grillen auf seine Terrasse eingeladen, herrlich mit Blick über die Bucht.

Den Sonntagsausflug machen wir dann mit der anderen Tauchschule der Viani Bay, der „Dive Academy“. Die bietet nämlich eine Tour hoch zur Insel Rabi an. Etwa 17 Seemeilen (über 30 km) einfache Strecke, mit dem offenen Tauchschulen-Langboot kann das ein ziemlicher Ritt sein. Zum Glück ist das Wasser zumindest auf der Hinfahrt spiegelglatt, mit 22 Knoten (40 km/h) brettern wir Richtung Rabi.

Rabi Island ist ein Kuriosum in Fiji, denn die Einwohner dieser Insel stammen aus dem Gebiet des heutigen Kiribati und wurden hierher umgesiedelt. Die Geschichte dahinter ist dramatisch. Auf dem etwa 6 Quadratkilometer kleinen gehobenen Atoll Banaba wird im Jahr 1900 ein riesiges Phosphatvorkommen entdeckt, denn ein großer Teil der Insel besteht aus versteinertem Guano (Vogelkot). Die Engländer besetzen das fast auf dem Äquator liegende Eiland, gliedern es in die Gilbert-Inseln (heute Teil Kiribatis) ein und schon im nächsten Jahr beginnt eine australische Firma (damals ebenfalls britisch) mit dem Phosphatabbau zur Düngemittelproduktion. Die Insel wird quasi ausgeschlachtet. Im zweiten Weltkrieg wird Banaba von Japan besetzt, viele Bewohner werden als Zwangsarbeiter deportiert, fast alle übrigen schlicht ermordet, bevor die Alliierten die Insel zurückerobern. Nach dem zweiten Weltkrieg verweigern die Briten den von den Japanern verschleppten Zwangsarbeitern die Rückkehr nach Banaba und siedeln sie stattdessen auf die etwa 2.000 km südöstlich liegende Insel Rabi um, die zum damals ebenfalls britischen Fiji gehört.

Der Grund für unsere Fahrt nach Rabi Island hat mit dieser höllisch anmutenden Geschichte zum Glück nichts zu tun. Ein klein bisschen diabolisch ist er dennoch: Große Mantas, auch „Teufelsrochen“ genannt, versammeln sich an der Südspitze von Rabi Island. Eine Besonderheit: während die meisten Mantas eine schwarze Oberseite und eine weiße Unterseite mit schwarzen, ganz individuellen Flecken haben, sind hier in größerer Zahl schwarze Mantas vertreten. Bei ihnen sind auch der Bauch sowie die Unterseiten der Flügel schwarz, die individuellen Flecken dann umgekehrt weiß.

Teufelsrochen heißen diese eleganten Tiere übrigens, weil ihre flossenartigen Loben vorne am Kopf ein wenig an Hörner erinnern. Tatsächlich aber sind sie keineswegs fest, sondern ausgesprochen flexibel. Oft rollen die Mantas sie wie zu einem Trichter ein, um mehr Plankton zum Mund zu führen. Die Loben scheinen aber auch zur Kommunikation zwischen den Mantas eingesetzt zu werden. Wir haben großes Glück und können bei zwei ausgiebigen Schnorchelgängen mit diversen Exemplaren schwimmen, wobei die größten etwa 5 Meter Flügelspannweite aufweisen.

Ein kleines Video davon:

In besserer Qualität findet Ihr mein Video hier: https://vimeo.com/1214936956

Obwohl die Rückfahrt leider etwas ruppiger ausfällt sind wir von diesem Sonntagsausflug mit tierischer Begegnung mal wieder ziemlich geflasht.

Bula im Paradise. Zur Südspitze von Taveuni und zur Viani Bay am Rainbow Reef

Das fängt schon mal gut an: bester Segelwind und fast direkt nach der Ausfahrt aus dem Atoll Vanua Balavu geht uns endlich wieder einmal ein kleiner Thunfisch an die Angel. In den Atollen fischen wir ja wegen der Ciguatera-Gefahr nicht und auf den Passagen war uns das Angelglück zuletzt nicht wirklich hold. Der Bonito beschert uns für die nächsten Tage schöne Filets. Poke-Bowls, Fisch-Tacos und orientalisch scharf angemacht mit Couscous-Salat zaubert Wiebke daraus.

Möglich wird das auch dadurch, dass wir in der an das Paradise-Resort an der Südspitze von Taveuni angeschlossenen kleinen Bäckerei Tomaten und sogar Paprika kaufen können. Und ja, ein Abendessen im Restaurant des Resorts ist bei unserem kurzen Aufenthalt dort sogar auch noch drin. Das Paradise ist extrem Segler-freundlich: wir dürfen unseren Müll dort entsorgen, könnten mit Kanistern am Dinghysteg Frischwasser nehmen und sind sogar eingeladen, den Pool zu benutzen. Im Gegenzug wird nur ein Besuch an der Bar oder im Restaurant erhofft. Die etwa zehn eigens für die Segelboote ausgelegten Moorings sind bei unserer Ankunft zwar alle schon belegt, aber mit das Boot der Tauchschule des Ressorts kommt zu uns heraus, begrüßt uns mit einem freundlichen „Bula“ und zeigt uns, wo wir am besten ankern können. Der Ankergrund ist allerdings schwierig: die Kette verknotet sich gleich in den Felsen. Also erst einmal Flossen an und Maske auf, den Anker auf 9 m Tiefe befreien und neu ankern (ich werde ihn allerdings am nächsten Morgen erneut freischnorcheln müssen). Dann aber gibts das verdiente Ankommensbierchen an der Bar bzw. auf der Schaukel im Restaurantgarten und ein nettes Abendessen mit anderen Seglern im Restaurant.

Am nächsten Morgen sieht das Wetter freundlicher aus, beim Gang zum Bäcker durch das liebevoll dekorierte Paradise machen machen wir nochmal Halt an der Schaukel.

Auf dem Weg zurück zum Boot gibt’s mit einem fröhlichen „Bula“ die nächste gastfreundliche Überraschung: für alle Bojen- und Ankerlieger hat das Resort eine Tüte mit frischen Zimtschnecken vorbereitet. Die sollen jetzt gerade ausgeliefert werden, aber da wir gerade an Land sind, bekommen wir die Flora-Tüte gleich in die Hand gedrückt:

Trotzdem geht’s für uns nach nur einer Übernachtung weiter, denn auf wir wollen mit Barbara und Ralph von der Lille Venn Ralphs Geburtstag feiern. Die Lille Venn kommt von Norden die Somosomo Strait herunter, wir überqueren sie von Süden her. Wir treffen uns in der Viani Bay, die durch das ihr vorgelagerte Rainbow-Riff gut geschützt ist.

Wunderbar: hier ankert gerade auch die Kavenga unserer amerikanischen Freunde Heather und Jim, die wir in British Columbia kennengelernt und seitdem unterwegs mehrfach wieder getroffen haben.

Ingo ist mit der Easy-One ebenfalls da, wir haben einen gemeinsamen Sundowner auf der Flora.

Und mit der Ville Venn Crew feiern wir nicht nur Ralphs Geburtstag, sondern verbringen auch sonst wieder eine richtig gute Zeit miteinander.

Das Rainbow-Reef bietet aber nicht nur dem Ankerplatz Schutz, es ist zudem einer der besten Tauchplätze in Fiji. Insbesondere ist dieses Riff bei Tauchern weltweit bekannt und trägt den Beinamen „Hauptstadt der Weichkorallen“. Die über 2.000 Meter tiefe Koro-See quetscht sich hier zwischen Fiji‘s zweitgrößter Insel Vanua Levu und der drittgrößten Taveuni hindurch, wobei der Meeresgrund an der beidseitig von Riffen begrenzten Engstelle auf nur etwa 100 m Wassertiefe ansteigt. Dadurch werden Nährstoffe in die oberen Wasserschichten gespült. Davon wiederum profitieren neben den Fischen auch die Blumentierchen, Hartkorallen aller Art, vor allem eben die hier so reichlich gedeihenden Weichkorallen.

Von meinen bisher vier Tauchgängen hier stehen zwei ganz besonders heraus. Zuerst der am „Little Cabbage Patch“ (übersetzt: Kleines Kohlfeld). Hier sind Turbinaria-Steinkorallen dominant. Sie bilden in mehreren Schichten breite, um einander verdrehte Platten, die sich wie die Blätter eines riesigen Unterwasserkohls stapeln. Taucht man darüber, ist es als ob man über ein eine untergetauchtes Kohlfeld fliegt. Oder – blumiger – über eine Landschaft wirbelnder Rosenblüten. Mit Fischen statt Bienen.

Lila-blaue Weichkorallen an einer Steilwand sind namensgebend für den Tauchplatz „Purple Wall“. Daran schiebt uns die Strömung bei diesem Drift-Dive allerdings vergleichsweise schnell vorbei, weil die Wand vertikal stärker als horizontal ausgedehnt scheint. Faszinierend ist es trotzdem.

Und sonst: neben der Korallenvielfalt begeistert auch der Fischreichtum. Und – endlich – entdecken wir auch wieder Nudibranchs. Diese Nacktkiemer sind zumeist ziemlich kleine Unterwasserschnecken, deren extreme Farb- und teilweise auch Formgebung Fressfeinde abschrecken soll.

Qilaqila #2: Fächerkorallen, Kayaktouren und Cathedral Cave

Qilaqila, Fiji’s Bay of Islands, bietet nicht nur traumhafte Ankerplätze, sondern schwelgt auch unter Wasser in Schönheit, farbenfroh und fischreich.

Neben diversen Hartkorallen sehen wir hier beim Schnorcheln seit längerem erstmals wieder Gorgonien. Diese Blumentiere sind Fächerkorallen. Sie bieten einen faszinierenden Anblick, vor allem wenn sie sich in der Strömung hin und her wiegen. Schnorcheln wie im Aquarium!

Gerade so eben über der Wasserlinie sind wir beim Kayakfahren oder mit dem SUP im Insellabyrinth. Kaum ein Lufthauch kräuselt das Wasser hier und auch die Wellen bleiben draußen. So macht das Spaß.

Halb unter, halb über Wasser befinden sich in den porösen Kalkstein-Koralleninseln mehrere Höhlen. Wir besuchen gleich drei davon.

Am meisten beeindruckt uns die „Cathedral Cave“. Die liegt allerdings ganz im Nordwesten von Qilaqila, wir wechseln den Ankerplatz.

Zur Cathedral Cave kurven wir dann mit dem Dinghy durch das Wirrwarr der hohen Felsen und legen Florecita direkt vor das „Schlüsselloch“, unser Eintrittstürchen in diese geräumig hohe und mit ihren Kalksteinsäulen und „Fenstern“ tatsächlich kathedralenartig wirkende Höhle.

Der neue Ankerplatz hier im Nordwesten des Vanua-Balavu-Atolls hat noch einen weiteren Vorteil: gleich um die Eckeliegt der NW-Pass von Vanua Balavu. Morgen früh im ersten Büchsenlicht wollen wir zur Passage Richtung Taveuni aufbrechen. Wenn wir früh losfahren, haben wir vielleicht eine Chance darauf, noch bei Tageslicht anzukommen.

Qilaqila / Bay of Islands

Seglerisch schlägt das türkisfarbene Herz 🩵 der nördlichen Lau-Gruppe ganz sicher in Qilaqila. An diesem traumschönen Ankerplatz sind wir jetzt!

Besser bekannt ist dieser Ort als „Bay of Islands“ im Atoll von Vanua Balavu. Allerdings hat ja neben Fiji praktisch jedes englischsprachige Land eine Bay of Islands, am berühmtesten ist sicher die auf Neuseelands Nordinsel.

Wir bleiben deshalb dem von den iTaukei (den indigenen Fijianern) verwendeten Namen Qilaqila, obwohl die gar nicht mal so große Bucht im Nordwesten von Vanua Balavu tatsächlich eine Unmenge von kleinen und noch kleineren Korallen-Inseln aufweist. An mehreren Stellen schmiegen sich die Eilande ganz eng aneinander. Sie bilden ein Labyrinth mit schmalen Durchlässen, von denen viele bei Niedrigwasser selbst mit dem Dinghy nicht passiert werden können. Für die Segelboote bleiben diese kleinen flachen Hintertürchen zwar versperrt, es bieten sich zwischen den zumeist dicht bewachsenen Inseln aber trotzdem eine Vielzahl von wunderschönen Ankerplätzen an. Wir entscheiden uns für einen ganz speziellen, eben für das Herz. Rückwärts fahren wir in die enge Bucht, lassen dabei auf 4 m Wassertiefe den Anker in den Sand fallen. Eine Landleine nach hinten, später noch jeweils eine weitere zu den Seiten.

Eingeparkt. ☺️

(für bessere Auflösung auf die kleinen Bilder klicken)

Das Wetter ist ein bisschen durchwachsen, sonnige Abschnitte wechseln sich mit Regen ab. Sollten die Pilz-Inseln mit dem ganz dünnen Stiel eigentlich Regenschirm-Inseln heißen?

Unsere zwischenzeitlichen Nachbarn Rosa und Gunnar lassen sich scheinbar inspirieren und setzen mit dem knallroten echten Regenschirm (und mit den roten Masten ihres Wharram-Katamarans) herrliche Farbtupfer in die grün-türkise Kulisse.

In einem trockenen Abschnitt steht mal wieder ein Ausflug in den Mast der Flora an. Rigg checken: ja, auch das. Vor allem aber: unsere Windanzeige ist auf der Herfahrt hinsichtlich der Windstärke in den Streik getreten, zeigt die Windrichtung aber weiterhin an. Wahrscheinlich ist also nur das Anemometer (das sich eigentlich durch den Wind drehende Schalenkreuz) fest. In 20 m Höhe mit etwas Schmiermittel eingesprüht, lässt es sich tatsächlich wieder leicht drehen.

Wir bleiben noch ein wenig und wollen das Labyrinth über und unter Wasser erkunden.

Batavu Harbour: Korallen und Schnorcheln

So sehr uns der Wind- und Wellenschutz von Batavu Harbour auch gefällt, immer wieder mal stecken wir unsere Nasen doch heraus vor die Tür.

Gleich außerhalb der Einfahrt liegt nämlich eine kleine Insel. Bereits kurz nach Hochwasser zeigt sich ein schmaler Streifen, bei Ebbe ist das Eiland mit einem breiten Sandstrand hinüber nach Vanua Balavu verbunden. Hier am Strand können wir dann in gutem Wellenschutz unser Dinghy ankern und an dem die Insel umgebenden Korallenriff schnorcheln gehen.

Obwohl die Sichtverhältnisse unter Wasser eigentlich nicht ideal sind, zieht es uns doch mehrfach hier her. Der Grund: bei Niedrigwasser fällt ein großer Teil des Korallenriffs trocken.

Viele Rifffische sammeln sich dann am äußeren Saum des Riffs, also genau dort, wo wir Schnorcheln. Vielleicht kein ganz so klares Wasser, aber ansonsten: Aquarium!

Die bunten Kiemen der Weihnachtsbaumwürmer schauen in großer Vielzahl aus den Korallen hervor (und ziehen sich schnell zurück, wenn wir ihnen zu nahe kommen). Auch Seenadeln (enge Verwandte der Seepferdchen) sehen wir häufig:

Noch etwas anderes fällt häufig ins Auge, teils grüngelb, teils lila gefärbte etwa tellergroße Gebilde:

Obwohl sie optisch an eine weiche Pflanzenknospe erinnern, sind sie tierisch und sehr hart. Diese Pilzkorallen gehören tatsächlich zu den Steinkorallen, nur die Färbung erhalten sie durch symbiotisch mit ihnen zusammen lebende Algen.

Beim Schnorcheln hier am Riff bekomme ich auch erstmals einen Schwarm Großmaul-Makrelen (auch Indische Makrelen genannt) vor die Kamera. Die zumeist etwa 20 cm langen Fische ernähren sich hauptsächlich von Plankton und seihen nahe der Oberfläche mit weit aufgerissenem Maul in Schwärmen auch durch unsere Ankerbucht. Von oben erkennen wir aber zumeist nur das Glitzern der silbernen Köpfe.

Als Nesseltiere weit weniger beliebt, sind auch die blau- bis lilafarbenen Kranz- oder Kronenquallen hier derzeit ziemlich häufig:

Zum Glück müssen wir uns beim Schwimmen nicht großartig vor ihnen in Acht nehmen. Sie haben keine langen Nesselfäden und sind etwa so groß wie ein Medizinball, also ziemlich leicht zu erkennen. Zudem soll ihre Berührung beim Menschen wenn überhaupt dann nur eine kaum spürbare Reizung auslösen.

Wollen wir gar nicht ausprobieren. Lieber mit etwas Abstand ihre Schönheit und ihre durchaus anmutigen Bewegungen anschauen.

Bavatu Harbour

Im Norden von Vanua Balavu schneidet der Naturhafen Bavatu etwa einen Kilometer tief in das Inselinnere. Eine 40 m hohe Insel teilt steil aufragend die Einfahrt, so dass die Bucht fast rundherum geschützt ist. Das ist gut, trotzdem suchen wir uns ob des Starkwind ankündigenden tiefdunklen Lilas der Windvorhersage einen Platz in der hinterste Ecke von Bavatu Harbour.

Hier, ganz im Südosten der Bucht, können wir uns wunderbar verkriechen. Wir liegen im Windschatten einer senkrecht vor uns in die Höhe steigenden Felswand. Die kleine, dicht bewachsene Insel hinter uns bietet zudem die Gelegenheit zum Ausbringen einer Landleine. So können wir Flora quasi fest einparken und schwingen an dem engen und nach hinten schnell flach werdenden Ankerplatz nicht herum.

Kurz nach uns kommt die Lille Venn an, sie entscheidet sich für die andere Seite der kleinen Insel. My Motu legt sich dann wiederum auf unsere Seite. Was für ein herrliches Fleckchen!

Tatsächlich haben wir hier bisher von den kräftigen Winden und Böen praktisch nichts gespürt.

Die Nähe zu den dicht mit alten Bäumen bewachsenen Uferwänden hat zudem noch einen weiteren Vorteil: wir können von der Flora aus Flughunde an ihren Rastplätzen beobachten. Auch wenn wir die meisten nur im Flug sehen, weil sie zum Abhängen hinter das dichte Blattwerk schlüpfen, ein paar dieser hier wohl etwa 80 cm Flügelspannweite messenden Fledertiere zeigen sich uns dann doch auch vor dem grünen Vorhang:

Und wir können an diesem geschützten Platz im Bavatu Harbour die Flora auch gut mal alleine lassen und einen Hike auf die andere Seite der Insel machen. Durch den Wald hindurch und auch quer über die unerwartet großflächigen, mit Palmen bestandenen Weiden einer Farm.

Beim Wandern huschen vor uns immer wieder kleine Eidechsen davon. Insbesondere beim Sonnenbaden auf den aus den Wiesen ragenden Korallensteinen (oder ganz oben auf einer Mimose) können wir sie dann doch auch in Ruhe beobachten. Es sind Pazifische Blauschwanz-Eidechsen. Trotz des Namens ist der im Verhältnis zum Körper auffällig lange Schwanz allerdings nur bei Jungtieren wirklich auffällig irisierend blau. Mit zunehmendem Alter wechselt die Farbe über Blaugrün zu dem unauffälligen Braun des Körpers.

Eine zusätzliche Belohnung bei dieser ohnehin schon schönen Wanderung ist der Aussichtspunkt am westlichen Ende des Trails. Hoch oben von einer steilen Klippe bietet sich ein famoser Blick über die „Bay of Islands“. Dieses kleine Juwel ist mit seinem Gewirr von Inseln und Buchten für die meisten Segler der Hauptgrund für das Törnziel Vanua Balavu.

Wanderin über dem Inselmeer

(oder Korallenfelsen auf Vanua Balavu)

Damit blicken wir auch auf unser nächstes Ziel, denn wenn sich der Wind etwas legt, wollen wir Flora um die Nordwestecke von Vanua Balavu herum in die Bay of Islands segeln. So richtig eilig haben es damit aber weder der Wind noch wir.

Purer Zufall: Gerade als wir wieder weiter wandern wollen, kommt Ingo von der Easy-One am Aussichtspunkt an. Er ist von der Bay of Islands herauf gewandert. Zuletzt hatten wir uns in Französisch Polynesien gesehen. Verabredet haben wir uns hier oben nicht, wollten uns aber in der nächsten Zeit in der Bay of Islands treffen.

Susui

So klein die Insel Susui auch ist, sie weist doch ganz viele unterschiedliche Facetten auf. An unserem Ankerplatz vor dem Dorf ist vom Tiefwasser der Lagune einfach anzulaufen.

Ein weiterer Ankerplatz liegt zwischen Susui und der Nachbarinsel Namalata. Wir erkunden ihn nur mit dem Dinghy, denn die Zufahrt zu diesem verlockend seeartigen und fast rundum geschützten Ankerplatz ist deutlich kniffliger. Sie führt durch flaches Wasser, wir messen aber vom Dinghy aus mit dem Handlot immer mindestens 3,5 m Wassertiefe. Dabei muss allerdings Slalom um die verstreuten Korallenbommies gefahren werde. Immerhin wissen wir jetzt, machbar wäre es auch mit der Flora.

Das Dorf Susui liegt strategisch gut auf dem schmalen Istmus der gleichnamigen Insel, so haben die Dorfbewohner Zugang zur inneren Lagune und ebenso zum Außenriff. Ganz einfach ist dieser Zugang allerdings nicht, vor allem bei Niedrigwasser. Denn in diesem Bereich ist die Insel von einem Korallengürtel umgeben. Er ist dem Sandstrand mit etwas Abstand vorgelagert und fällt bei Ebbe in Teilen sogar trocken.

Bei Sturm bietet dieses Riff einen gewissen Schutz vor den sich aufbauenden Wellen, allerdings nur, wenn es nicht allzu schlimm wird. Beim Zyklon Wynston 2016 wurden in dem kleinen Ort 8 Häuser völlig zerstört, die Bewohner hatten aber in der aus Stein gebauten und etwas höher gelegenen Schule Zuflucht gesucht und blieben unversehrt.

Im Bereich vor der Schule finden wir beim Schnorcheln diverse Riesenmuscheln (Giant Clams). Sie werden über einen Meter groß. Beeindruckender als ihre schiere Größe sind aber ihre farbenprächtigen Mantellippen.

Auch sonst weiß das Schnorcheln auf dem Riff mit seiner bunten Korallen- und Fischviefalt zu begeistern.

Und selbst direkt an der Flora können wir die Wunder der Unterwasserwelt bestaunen: mehrere Großflossen-Riffkalmare scheinen Floras Ankerkette zu ihrem Spielplatz oder (wahrscheinlicher) als Jagdsitz für die unter unserem Boot Schutz suchenden kleinen Schwarmfische zu nutzen.

Als wir durch den schmalen Dinghypass hindurch zum Strand fahren, zeigen uns drei Kinder aus dem Dorf den nicht ganz einfach zu findenden Weg hinüber zum Strand auf der Außenriff-Seite.

Als Anführer fungiert Tui (8, der prestigeträchtige Name bedeutet übersetzt „König“ oder „Häuptling“), außerdem Josua (10) und Vinendra (7) weichen uns nicht mehr von der Seite, bis wir den Strandspaziergang beendet haben und wieder im Dorf angekommen sind. Tui lässt es sich auch nicht nehmen, zwischendurch auf eine Palme zu klettern und uns eine Trink-Kokosnuss zu pflücken, die er mangels Machete gleich am Strand auf einem Palmenstamm aufschlägt.

Kein Wunder, dass es uns hier so gut gefällt. Und doch: nach einer Woche beschließen wir, gemeinsam mit Lille Venn und My Motu zur andere Seite der Hauptinsel Vanua Balavu weiterzusegeln. Der Wetterbericht kündigt den Durchzug eines Troges an, da kann das Verholen an einen gegen Schwell noch besser beschützter Ankerplatz sicher nicht schaden.