Passage Minerva nach Fiji, Tag 3. Angekommen in Fiji. Bula!

Tatsächlich benötigen wir nochmal 24 Stunden, bis wir unseren Port of Entry in Fiji erreichen: ziemlich genau um 12.00 Uhr mittags machen wir am Quarantäne-Steg der Nawi-Marina in Savusavu fest. Wir müssen nicht lange warten, dann bringt Dockmaster Trevor bereits die Dame von der Gesundheitsbehörde als erste Offizielle zu uns. Noch einmal beantworten wir auf zwei Formularen die Fragen zur Gesundheit an Bord. Es sind die gleichen Antworten, die wir im obligatorischen Online-Formular schon übermittelt hatten. Ein Blick in unseren Kühlschrank, einer in ein Lebensmittel-Schapp. Alles gut, die Rechnung über 169 Fijidollar (etwa 66 Euro) können wir am Montag im Büro der Behörde bezahlen. Nicht morgen am Freitag, da ist Feiertag. „Girmit-Day“.

Das müssen wir erstmal nachschlagen und stellen fest, dass dieser Nationalfeiertag tatsächlich eine ganze Menge über Fiji aussagt.

Girmit-Day ist einer der Nationalfeiertage in Fiji. Er erinnert an die über 60.000 indischen Vertragsarbeiter, die zwischen 1879 und 1920 von der britischen Regierung mit ausbeuterischen „Vereinbarungen“ (in Fiji-Hindi Girmit genannt) zur Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen nach Fiji übersiedelt wurden. Mindestverpflichtung war 5 Jahre, nach 10 Jahren sollte die Regierung die Kosten für die Passage zurück nach Indien übernehmen. Die Arbeiter erhielten zwar Lohn. Was sie bei Vertragsunterzeichnung allerdings typischerweise nicht wussten: davon wurde der Großteil für Unterbringung und Verpflegung gleich wieder abgezogen. Praktisch konnten sie so kaum etwas sparen, schon gar nicht genug, um die vorzeitige Rückreise zu bezahlen. Die meisten blieben und bildeten damit die Grundlage für Fijis heutigem – keineswegs immer konfliktfreie – multikulturelle Gesellschaft. Über 37 % der Bevölkerung ist heute indischstämmig. 1987 waren es 49% und so gewannen indische Parteien erstmals die Wahlen. Mehrere Miltärputsche stellten in der Folge aber die Vorherrschaft der melanesischen Bevölkerungsmehrheit (heute ca. 57%) wieder her. Es gab Anfeindungen und Übergriffe gegen die ökonomisch dominierende indischstämmige Bevölkerungsminderheit und deren Eigentum. In der Folge wanderten viele gut ausgebildete indischstämmige Fijianer aus, was einen andauernden wirtschaftlichen Niedergang auslöste. Erst 2013 trat eine neue Verfassung in Kraft, mit der die bis dahin bestehenden politischen Vorrechte der „Urbevölkerung“ abgeschafft und politische Gleichberechtigung wieder hergestellt wurde. Der jüngst (2023) eingeführte Girmit-Day ist damit auch ein Symbol für den Versuch der Aufarbeitung der nationalen Geschichte und der Anerkennung der Indo-Fijis als integraler Bestandteil der Nation.

Zurück zum Einklarieren: einige Zeit später bringt Trevor die drei anderen Offiziellen zu uns: Zoll, Immigration und Biosecurity.

Wieder machen wir in Papierform die Angaben, die wir zuvor im C2C Formular „Advanced Notice of Arrival“ schon online übermitteln mussten. Aber wieder ist es auch unkompliziert und freundlich. Alles in allem sind wir zwei Stunden nach unserer Ankunft offiziell einklariert, die gelbe Quarantäneflagge können wir streichen und nur die Fiji-Flagge weht jetzt unter unserer Steuerbord-Saling.

Es ist die 31ste Gastlandflagge unserer Reise. 🇫🇯

Danach verholen wir vom Quarantänesteg in die eigentliche Marina.

An unserem Liegeplatz warten bereits mehrere Mitarbeiter auf uns, nehmen unsere Leinen an und singen uns ein Begrüßungsständchen.

Das Ständchen endet mit einem enthusiastischen „Bula!“ (Gesprochen: Mbula) Das ist die traditionelle Begrüßung in Fiji. Und wir bekommen ein Salusalu umgehängt. Die handgemachte Blumengirlande ist nicht nur ein herzliches Willkommen, sondern symbolisiert Respekt und ist zentraler Teil der fijianischen Kultur und Gastfreundschaft.

Was für eine Begrüßung.

Überhaupt: die Nawi-Marina überrascht uns sehr positiv. Stege und Anlagen sind in Top-Zustand. Ein bisschen haben wir das Gefühl, in einem Luxusressort gelandet zu sein. Mit 9 qm Individual-Badezimmern einschließlich Außendusche, einem Endless-Pool mit Blick über den Hafen und Swim-in-Bar für unseren Morgenkaffee sowie vielen liebevollen Details. Andererseits: zum Ausgleich der anstrengenden Überfahrt von Neuseeland haben wir uns vielleicht ein wenig Luxus verdient und mit 176 Euro für eine ganze Woche, also gerade 25 Euro pro Tag ist dieser Luxus dann doch auch nicht eben exorbitant teuer.

Trotz des bedeckten Himmels mit regelmäßigen Schauern und der für uns ungewohnten Wärme und Luftfeuchtigkeit ein richtig guter Start in Fiji.

Passage Minerva nach Fiji, Tag 2

Es bleibt abwechslungsreich. Wir wechseln wieder mehrfach die Seite, auf der wir die Fock fahren, der Großbaum bleibt mit Bullenstander gesichert an Backbord. Diesmal sind aber auch zwei Flautenfelder dabei, in denen wir erst relativ lange sutje vorwärts dümpeln und dann doch einmal eine dreiviertel Stunde, ein andermal gar drei Stunden motoren.

Ansonsten aber ist es ein schöner, variantenreicher Segeltag. Klar, auch mal ein Squall dazwischen mit mehr Wind und auch etwas Regen. Aber die ganze Segelgarderobe kommt zum Einsatz, neben Fock und Großsegel sowohl Code0 als auch der große blaue Gennaker.

Letzterer zieht uns – Land Ho! – zwischen den ersten zu Fiji gehörenden Inseln hindurch. Zunächst erspähen wir Matuku Island:

Diese Insel böte zwar auch Ankerplätze, aber bisher dürfen wir dort noch nicht hin. Als erstes muss einer der ausgewiesenen „Port of Entry“ zum Einklarieren angelaufen werden. Neben dem industriellen Hafen des Hauptortes Suva wären das Lautoka sowie die Marinas Vuda und Denerau (jeweils auf der weit westlich gelegenen Hauptinsel Viti Levu), zudem das völlig abgelegen auf halbem Weg nach Tuvalu liegende Rotuma. Die beiden von uns bevorzugten Ports of Entry sind Levuka und Savusavu, denn sie liegen weiter im Osten von Fiji. Das soll uns nach dem Einklarieren den Weg in die nochmals weiter östlich liegenden Inseln der Lau-Gruppe erleichtern, denn dorthin gilt es gegen den vorherrschenden Südostpassat zu navigieren.

Obwohl Levuka dafür noch ein bisschen günstiger wäre, haben wir uns zum Einklarieren in Savusavu auf Fijis zweitgrößter Insel Vanua Levu entschieden. Hier finden sich bessere Einkaufs- und Versorgungsmöglichkeiten. Da wir ja keine frischen Sachen einführen dürfen ist das nicht ganz unerheblich, zumal es uns danach zunächst in die abgelegenen Lau-Gruppe zieht.

Etmal: 114 Seemeilen, gesamt bisher seit Minerva 255 Seemeilen, noch zu Segeln bis Savusavu etwa 150 Seemeilen.

Essen: Bratkartoffeln mit Rührei, Möhren und Bacon.

Passage Minerva nach Fiji, Tag 1

Und wieder Ozeansegeln. Die Wellen sind immer noch bei 2,5 m Höhe (aus Südwest), der Wind pendelt zwischen Südost und Süd und ist auch in der Stärke ziemlich variabel.

Wir haben einen Spinnakerbaum an Steuerbord fest geriggt und die Fock in den ersten 24 Stunden sechsmal zwischen dem Spibaum und der normalen Backbord-Schot hin und her gewechselt.

Schauer ziehen immer mal wieder durch und bringen weitere Abwechslung ins Wettergeschehen.

Zum Ende des ersten Tages dann auch noch mal 45 Minuten motoren durch eine Flaute, bei der der hohe Ozeanschwell uns ordentlich durchschüttelt.

Stimmung an Bord ist aber gut, bisher keine Seekrankheit.

Die Scout und die Quantum sind am selben Vormittag ein paar Stunden vor uns losgefahren, insofern können wir bisher meist zumindest eines der beiden anderen Boote auf dem AIS sehen.

Mit dem Hörbuch „Sugar“ stimmen wir uns schon mal auf Fiji ein.

Etmal: 141 Seemeilen, noch circa 290 Seemeilen bis Fiji.

Essen: Wiebke hat in Minerva Steckrübensuppe vorgekocht. Unsere Würstchen (mit Schweinefleisch) müssen aufgegessen werden, die dürfen ebenso wie Obst, Gemüse und Honig nicht nach Fiji eingeführt werden.

Tschüss Minerva

Photo credit: Jayne, S/V Scout

Es ist soweit. An diesem Wochenende geht der Wind endlich mal auf deutlich unter 20 kn herunter. Zeit, um ganz oben an der Mastspitze das Fockfall einzusammeln. James von der Scout assistiert an der Sicherungsleine, dadurch muss Wiebke nicht zwischen Genuawinsch und Mastwinsch hin und her flitzen.

Leider hat sich die Kausch des Falls etwas im Fallauslass verklemmt, also nochmal runter, neues Werkzeug holen, wieder rauf in 20 m Höhe und: ja, ich kann dasFall mit nach unten nehmen.

Wir bereiten die Ersatzfock vor und Phil von der Skylark bringt seinen Feeder herüber, der an einer kurzen Leine das Einfädeln der Fock in das Profilvorstag erleichtert. So ziehen wir gemeinsam die neue Fock hoch und und sind – endlich – wieder voll einsatzklar. Super, denn am Montag gibt es ein Wetterfenster für die Weiterfahrt nach Fiji.

Wir klaren die Flora auf, gehen nochmal Schnorcheln …

…, noch einmal eine lange Wingfoil-Session:

Und auch die Drohne kommt nochmal zum Einsatz, um die einmalige Atmosphäre dieses so besonderen Ruheplatzes mitten im Ozean noch einmal in Bildern einzufangen.

Die anderen Crews gehen derweil auf Lobsterfang, Minerva ist bekannt dafür. Jacqui und Phil bringen uns nach ihrer erfolgreichen Jagd ein Prachtexemplar vorbei:

Lobster credit: Phil & Jacqui, S/V Skylark

Festessen also auf allen Booten einschließlich der Flora! Da kommen sogar die silbernen Hummergabeln zum Einsatz. Das Geschenk unserer Freundin Catalina aus Hamburg hat uns schon in der Karibik, in Maine, in Alaska und BC und jetzt hier in Minerva gute Dienste geleistet. Mehrere Riesendankeschön, Ihr Lieben.

Ganz ohne weitere Bootsarbeit geht’s leider doch nicht ab, der Wassermacher streikt. Der Elektromotor der Hochdruckpumpe gibt keinen Mucks von sich. Strom kommt bei ihm an. Also ausbauen, reinigen. Eine der Kohlefaserbürsten ist defekt. Vom letzten Tausch haben wir aber noch eine gebrauchte, die noch ausreichend lang scheint. Wir setzen sie ein und siehe da, der Wassermacher tut wieder was er soll.

Also: die Passage nach Fiji kann starten.

Flora wieder mit Fock auf der Rollanlage

Minerva II

Eine Woche sind wir jetzt im Minerva Riff. Gestern haben wir nochmal verholt, liegen jetzt ganz im Süden der Lagune. Simpler Grund: der Wind hat auf Süd gedreht.

Auf fast allen Booten gibt es nach der fordernden Passage etwas zu reparieren oder zumindest trockenzulegen. Am härtesten von den fünf Booten mit denen wir hier liegen hat es ein australisches Boot getroffen. Der Anker hat sich unterwegs gelöst, ist aus der Ankerrolle gesprungen und hat von außen ein Loch in den Rumpf geschlagen. Zum Glück auf Höhe des Ankerkastens, trotzdem ist durch Lücken im Schaumkern des Laminats Seewasser ins Schiff gelaufen (etwa 10 Liter pro Stunde).

Marc von der Quantum sammelt auf den anderen Booten kleine Schrauben und Muttern ein. Bis auf 2 haben sich alle 30 Nieten seiner Solarpanelbefestigung verabschiedet, da muss jetzt eine neue Lösung her.

Immerhin 8 passende Schrauben und Muttern finden sich in unserem Bestand, 3 bei der Scout, 6 hat Marc selbst und den Rest kann die Skylark beisteuern. Nieten hätten wir natürlich auch, aber denen traut Marc jetzt nicht mehr.

Die Stromversorgung unseres UKW-Funkgeräts ist zwar wiederhergestellt, aber etwas später erschreckt es uns mit einem Alarm. Die Funke erhält keine zuverlässige GPS-Position mehr. Scheint ein Problem mit einem defekten NMEA2000-Stecker zu sein. Blöderweise ein Stecker am Ende eines Kabels, das wir so nicht ohne weiteres ganz austauschen können. Also ist mal wieder etwas Improvisation gefragt. Zwischenstand dazu: scheint jetzt wieder zu funktionieren.

Außerdem wird gebacken, gestrickt, gebadet, geschnorchelt und das Wingfoil endlich mal wieder genutzt.

Vorgestern war Sundowner auf der Skylark:

Heute Abend hat Marc zum Spieleabend auf die Quantum geladen.

Langweilig wird uns nicht 😉.

Zwischenstand aus Minerva

Ganz lange bleiben wir nicht das einzige Boot in Minerva, einen Tag nach uns kommt auch die Scout und ankert neben uns. Noch einen Tag später kommen auch Jacqui und Phil mit ihrer Skylark an. Alle hatten wir eine ziemlich unangenehme Passage, müssen uns erst einmal von der Seekrankheit erholen.

Hier in Minerva gilt es zunächst, das Schiff wieder in Ordnung zubringen. Die salzwassernasse Fock wird aus dem vorderen Bad wieder an Deck geschafft. Kleine Leckagen an ein paar Fenstern und Luken bei den schweren überkommenden Wellen haben zudem für reichlich zusätzliche Arbeit gesorgt. Die Stromversorgung der UKW-Funke habe ich repariert. Wir stellen aber fest, dass Seewasser in den längs durch die Flora führenden Kabelkanal gelangt ist und an verschiedenen Stellen in Schapps und Schränke gelaufen ist. Die dadurch nass gewordene Kleidung müssen wir mit Süßwasser waschen. Kein Problem, sollte man denken, wir haben ja seit Whangarei jetzt wieder eine Waschmaschine an Bord. Stimmt – aber das Trocknen macht Probleme. Dauernd ziehen Squalls durch, bei diesen Regenschauern kann die Wäsche nicht draußen am Seezaun hängen. Und wenn, dann können die Klammern sie kaum festhalten. Es bläst. Böen bis 32 Knoten waren heute eigentlich angesagt, tatsächlich hatten wir mehr als 41 Knoten (Windstärke 9 Beaufort). Und morgen sind bis 37 kn angesagt. Erstaunlicherweise sind die Wellen hier in Minerva dabei noch recht erträglich. Besonders wenn man bedenkt, dass (außerhalb des Riffs) knapp 4 m Welle stehen. Für morgen sind sogar 4,6 m vorhergesagt.

Wie sieht das aus? Jayne und James von der Scout haben mit ihrem Dinghy einen Ausflug an die innere Riffkante gemacht. Vom Riffdach aus gibts bei Niedrigwasser einen etwa kniehohen Wasserfall in die Lagune, draußen ans Außenriff donnern die brechenden Pazifikwellen. Von Bord der Flora zeigt sich das so:

Bei Hochwasser schafft es der Ozeanschwell stark abgeschwächt über das Riffdach. Dann wird es hier am Ankerplatz unruhiger, aber bisher ist es immer noch gut erträglich.

Nach dem Peak morgen sollen sich Wind und Wellen dann ab übermorgen langsam wieder abschwächen.

Samstag kann ich dann vielleicht auch in den Mast, um das zum Glück am Fallenaustritt hängengebliebene Fockfall herunterzuholen. In 20 m Höhe schaukelt mir das derzeit zu sehr.

Dann doch lieber erstmal an Bord der Scout mit Jayne und James dessen Geburtstag nachfeiern.

Überhaupt hat man ja von der Scout aus einen besonders schönen Blick auf die Flora, wie auch das von James geschossene Sonnenaufgangsfoto zeigt:

Auf der Horizontlinie ist übrigens kein fernes Land zu sehen, sondern eben die Ozeanwellen außerhalb des Riffs.

Passage von Opua nach Minerva, Tag 6

Angekommen, geankert. Durchatmen. Durchschlafen.

Wir sind ein klein wenig zu spät, etwa eine Stunde. Den eindrucksvollen Sonnenuntergang fotografieren wir, als Flora noch sieben Meilen vom Pass in das Minerva Nord Riff entfernt ist.

Lasst Euch von den nach Achtern fotografierten Wellen auf diesem Bild nicht täuschen, auch zu dieser Zeit der Passage rollen mit (un)schöner Regelmäßigkeit feste Wassermassen über unser Deck.

Die kleine Verpätung bedeutet leider, dass wir die Einfahrt in den Pass bei Dunkelheit machen müssen. Völlige Dunkelheit, denn zu diesem Zeitpunkt verdecken dicke Wolken den Vollmond.

Wir kennen den Pass aber ja bereits, er ist breit genug und vergleichsweise einfach zu befahren. Wir haben die Tracks unserer letzten Durchfahrten, müssen also nur auf der Linie unseres Tracks bleiben. Trotzdem ist es aufregend, Pässe sind immer auch ein bisschen unberechenbar. Also nutzen wir das volle Programm elektronischer Unterstützung für die Nachtansteuerung: auf Wiebkes iPad läuft Navionics mit unserem alten Track, auf dem Orca (der von Minerva keine Karte hat) das Satellitenbild von Google Maps und natürlich auf dem Furuno-Plotter die Time-Zero-Seekarte. Alles jeweils mit unserer aktuellen Position darin.

Tatsächlich haben wir kurzfristig bis zu 3 Knoten Gegenstrom, aber ansonsten kommen wir gut und problemlos in die Lagune.

Der nächste skurrile Moment ist dann, den Anker im Stockdunkel auf 13 m Wassertiefe fallen zu lassen, mit hunderten von Meilen offenem Ozean um uns herum.

Der Haken gräbt sich sofort ein, hält mit 65 m Kette perfekt auch bei den 30er Böen in der Nacht. Und die Bedingungen innerhalb des Riffs erlauben es eben, einfach mal 10 Stunden durchzuschlafen.

Am Morgen dann:

Frühstücken im Cockpit, immer noch mit aufgebauter Kuchenbude wegen der permanent durchziehenden Squalls. Anbaden. Duschen. Und das klare Wasser sowie die relative Ruhe bei ziemlich durchgängig 25 Kn Wind zu genießen. Wir sind das einzige Boot hier.

Danke an alle fürs Daumendrücken, es hat wohl geholfen.

Gesamtstrecke 745 Seemeilen, 5 Tage, 9 Stunden.

Essen: Nix. Fertig in die Koje.

Passage von Opua nach Minerva, Tag 5

Fröhlicher Freitag auf Flora.

Wir haben die Seekrankheit überstanden, können die Passage endlich wieder genießen. Der Winddreher ist allerdings weitgehend ausgeblieben, es bleibt also beim Motorsegeln.

20 Seemeilen vor uns liegt das Doppelriff Minerva Süd. Bei ruhigem Wetter würden wir dem auch gerne einen Besuch abstatten, aber so lassen wir die Sonnenbrille (oder Taucherbrille) knapp an Backbord und fahren zum etwas besser geschützten Minerva Nord Riff.

Gut zu sehen: die Strömung drückt die Flora ordentlich weg. Die blaue Linie ist unsere Schiffsrichtung, die rot gestrichelte unsere Fahrtrichtung über Grund.

Die Stimmung an Bord:

Etmal 137 sm, gesamt bisher auf dieser Passage 707 sm, noch 39 sm bis zum Pass von Minerva Nord. Mit etwas Glück kommen wir da noch im letzten Büchsenlicht rein. Ansonsten: es ist Vollmond und wir haben unseren Track vom letzten Mal.

Essen: Eine Tasse Brühe und eine Karotte, heute Müsliriegel zum Frühstück und eine Tüte Kartoffelchips zwischendurch. Das Festessen dann vielleicht in Minerva.

Passage von Opua nach Minerva, Tag 4

Nur graduelle Verbesserung beim Seegang und der Seekrankheit.

Jedenfalls müssen wir uns keine Sorgen mehr darüber machen, dass die Fock beim Hochziehen in Fetzen gehen könnte. Eine besonders fiese Welle begräbt das Vorschiff unter Wassermassen und spült einen Zipfel der Fock außenbords. Den Rest erledigt das Wasser. Bevor wir sie zurück an Bord ziehen können, reißt die Fock. Sie hat immerhin 45.000 Seemeilen auf dem Buckel, das wird sie etwas mürbe gemacht haben. Wir bergen sie natürlich nochmal, auch wenn sich das jetzt in der Dunkelheit auf dem bockenden Vorschiff ziemlich langwierig und kräftezehrend gestaltet. Das Adrenalin kickt kurz die Seekrankheit weg, sie meldet sich danach aber gleich zurück.

Außerdem fällt unser UKW-Funkgerät aus. Wir hoffen auf einen Wasserschaden nur in der Kabelverbindung der Stromversorgung. Das müssen wir später am Ankerplatz klären, bis dahin haben wir ja noch unsere beiden Handfunkgeräte (mit allerdings deutlich geringerer Reichweite.

Weiter motorsegeln Richtung Minerva.

Etmal 107 Seemeilen, gesamt bisher auf dieser Passage 570 Seemeilen, noch zu Segeln bis Minerva etwa 190 Seemeilen.

Essen: Salzbrezeln und etwas Apfel (schmeckt rauf wie runter).

Schwacher Lichtblick: der wohl flachste Regenbogen unserer bisherigen Reise.

Und ein echter Hoffnungsschimmer: die Wellenhöhe geht weiter etwas herab und der Wind dreht leicht zu unseren Gunsten.

Außerdem fahren wir seit Kanada eine niegelnagelneue Ersatzfock unter unserer Achterkoje spazieren.

Passage von Opua nach Minerva, Tag 3

Seekrank.

Die Wellen haben nochmal zugenommen und scheinen kreuz und quer zu kommen. Dazu Böen über 30 kn. Das Groß ist st inzwischen dreimal gerefft.

Der Wind ist um 30° nördlicher gesprungen, das ist unschön, denn nun segeln wir am Wind. War allerdings auch von allen Wettermodellen so vorhergesagt.

Demnach sollte sich die Windrichtung ab morgen wieder langsam verbessern.

Wiebke hält sich gut, ich muss beim Zähneputzen dann doch spucken. Immerhin sind danach meine Kopfschmerzen weg.

Zur Nacht kommt noch Regen dazu. Die Wolken verdecken meistens auch den Mond. Es fühlt sich an, als würden wir auf einem bockenden Bronco-Pferd durch die stockdunkle Nacht jagen. Einer von uns hält die Zügel, der andere versucht auf dem Rodeopferd zu schlafen. Alle drei Stunden wechseln wir uns ab. Obwohl, immerhin bleiben wir trocken. Die an die Bordwand klatschenden Dwarslöper schicken zwar Wasserfontänen Richtung Cockpit, aber die aufgebaute Kuchenbude hält sie draußen. Erstmal.

Irgendwann explodieren die Wellen so an der Bordwand, dass sich doch auch Wasser durch den Schlitz zwischen Sprayhood und Kuchenbude ins Cockpit ergießt. Immerhin bleibt die Bank auf der Leeseite trocken.

Die dauernden Schwallwasser-Schläge setzen leider auch den Fenstern zu. Die Dichtungen scheinen unter der Tropensonne doch gelitten zu haben, Tropfen füllen die Handtücher, die wir hinter die Gardinen gestopft haben.

Am Morgen (immerhin bei Tageslicht) bricht dann der erst drei Jahre alte Schäkel des in Hawaii erneuerten Fockfalls. Kleine Ursache, große Wirkung. Das Segel rutscht nach unten und teilweise auch ins Wasser. Es ist bei 25 kn Wind und drei Meter Welle eine ziemliche Plackerei, die Fock wieder an Bord zu ziehen und provisorisch an der Seereling zu sichern.

Ein Ersatzgenuafall ist im Mast zwar geriggt, bei den unveränderten Bedingungen wollen wir das Segel aber nicht neu einfädeln und hoch ziehen, weil es gefährlich schlagen könnte und vielleicht auch in Fetzen ginge.

Mit dem Groß allein können wir bei diesem Seegang aber die Höhe nicht halten. Wir beißen in den sauren Apfel und motorsegeln erstmal Richtung Minerva.

Shit happens. es gibt solche Tage.

Etmal 143 Seemeilen, gesamt 463 Seemeilen, noch gut 300 Seemeilen bis Minerva. Wir hoffen, dass der Wind wie angesagt wieder auf etwas südlicher als Ost dreht.

Essen: Knäckebrot, für Wiebke sogar mit Belag.