Baumhaus im Dschungel

Von Chachagua aus fahren wir in die weite Ebene Richtung nicaraguanischer Grenze. Zunächst wird die Straße über weite Strecken von Feldern gesäumt. Hauptsächlich Zuckerrohr, Ananas und Bananen werden angebaut, aber wir sehen auch landwirtschaftliche Kulturen, die wir nicht auf Anhieb zuordnen können. Zunehmend mischen sich dann Weideflächen in das Bild, die Straße wird schmaler. Bei Pital geht sie dann unvermittelt in eine grobe Schotterpiste über, rund 17 km vor unserem Tagesziel. Hm, so ist es nun mal. Wir nehmen es als Einstimmung auf die etwas abseits gelegene Maquenque Eco Lodge, wo wir zwei Nächte verbringen wollen. Einiges ist hier ein bisschen anders:

Zunächst einmal endet die Anfahrt auf einem Parkplatz vor dem schlammig braunen Rio San Carlos. In einem „Kommunikationshäuschen“ hängt ein UKW-Gerät, mit dem wir die Lodge anfunken. „Kein Problem, das Wassertaxi holt Euch gleich ab, sobald der Regenschauer durch ist.“

Und so geschieht es. Danach einchecken, ein Willkommensdrink, und dann geht’s zu unserem Baumhaus. Mitten im Dschungel, wir können von dort keines der anderen Baumhäuser ausmachen, sehen nur auf dem Trampelpfad dorthin die Wegweiser an Abzweigungen.

Dann sind wir da und stehen vor einer Treppe, die bestimmt gut 10 m hoch zum Baumhaus „Perezoso“ führt. Übersetzt: Faultier 🦥. 😂

Oben angekommen erkennen wir, dass die großflächigen „Fenster“ gar kein Glas haben, sondern lediglich Mückennetze die Öffnungen überspannen. Das war uns bei der Buchung gar nicht aufgefallen, verspricht aber jedenfalls ein (hoffentlich nur akustisch 😳) noch unmittelbareres Dschungelnaturerlebnis.

Sieht aber absolut klasse aus, einschließlich Terrasse und Außendusche in schwindelerregender Höhe. Übrigens zieht während unseres Aufenthalts unvermittelt eine eine komplette Sippe von Weißschulterkapuzinern auf Augenhöhe durch die Nachbarbäume vorbei; die Affen scheinen über uns mindestens eben so erstaunt zu sein wie wir über sie:

Brüllaffen dagegen hören wir zum Glück nur in weiter Ferne, in direkter Nachbarschaft hätte sie uns vermutlich eine schlaflose Nacht beschert. So aber ist das nächtliche Dschungelgeräusch zwar fremdartig, aber der Klangteppich aus Zirpen, Pfeifen, Quaken, Zwitschern und, und, und … klingt auch wahnsinnig faszinierend und bringt uns nicht um den Schlaf.

Das ist auch gut so, denn für den nächsten Morgen haben wir eine schon um 6.00 Uhr früh beginnende vogelkundliche Wanderung gebucht. Guide José „Chino“ ist wieder einmal ein Glücksgriff. 36 Arten kann er uns auf dieser Tour zeigen. Eine kleine Auswahl unserer Sichtungen:

Montezumastirnvogel
Gelbstirn-Blatthühnchen
Goldkehltukan
Königsspecht
Fischertukan, auch Regenbogentukan genannt
Nochmal der Fischertukan. Photocredit: unser Guide José „Chino“ (Instagram: WildChinoCR)
Grauwangenpapagei, die englische Bezeichnung Brown Hooded Parrot trifft es irgendwie besser
Strumpfband-Trogon / Violáceo-Trogon, aus der Familie, zu der auch der Quetzal gehört
Tovisittich
Rotbrustfischer, mit bis zu 40 cm der größte Eisvogel Amerikas.

Die Fähigkeiten von Augen und Ohren unseres Guides Chino sind wirklich beeindruckend, unfassbar, wie er die Vögel entdeckt und sie uns dann zeigt.

Ganz nebenbei streift vor uns auf dem weitläufigen und in den meisten Bereichen sehr naturbelassenen Gelände der Lodge auch noch ein Nasenbär über den Weg.

Übrigens lassen sich auch direkt von dem offenen Hotelrestaurant aus Vögel beobachten, einige aufgehängte Bananen dienen als offenbar attraktive Futterstelle. So können wir uns beim Frühstück nach der Wanderung gleich weiter von den Exoten faszinieren lassen:

Fun Fact: zum Nationalvogel hat sich Costa Rica diese Schlichtdrossel gewählt:

Das illustriert ziemlich deutlich, dass die Ticos nicht eben auf Effekthascherei aus sind. Haben sie auch gar nicht nötig. Die gigantische Artenvielfalt in Costa Rica zeigt sich aber nicht nur bei den Vögeln.

Die Lodge bietet um 14.00 eine kostenlose Dschungelführung an. Wieder ist Chino der Guide und wieder sind wir die einzigen Teilnehmer, es gibt jetzt in der Regenzeit und auch wegen der COVID-Auswirkungen nur sehr wenige Gäste hier.

Diesmal erfahren wir viel über die Pflanzen und die Insekten, sehen auch einige Amphibien. Besonders faszinierend ist, dass sich (wie beim Tauchen) bei genauem Hinsehen auf die kleinen versteckten Details eine völlig neue Welt von Crittern zu öffnen scheint. Etwa bei dieser Troll-Hair-Nymphe …

Photo Credit: José „Chino“

oder bei dieser zikadenverwandten Fulgoridae:

Und auch den Goldbaumsteiger-Frosch (Green Poison Frog)

Photo Credit: José „Chino“

und den klitzekleinen aber ziemlich lauten Bluejeans-Frosch (Erdbeer-Pfeilgift-Frosch) bekommen wir noch einmal bei Tageslicht in freier Wildbahn zu sehen:

Es ist nur schwer in Worte zu fassen, wie begeistert wir von unserem Aufenthalt hier sind. „Kneif mich mal, bitte.“ 😁

Pura Vida.

Chachagua

Das Nebelwaldgebiet um den Monteverde gefällt uns super, aber es zieht uns trotzdem weiter, wir möchten noch mehr von der vielgerühmten Vielfalt Costa Ricas erkunden.

Als „Schweiz Mittelamerikas“ wird Costa Rica häufig bezeichnet. Wohl überwiegend wegen der strikten Neutralität des Landes (Costa Rica hat das Militär abgeschafft und die freigewordenen Mittel in die Bildung gesteckt, demzufolge auch eine extrem geringe Analphabetenquote) und der für zentralamerikanische Verhältnisse stabilen Wirtschaft des Landes, jedenfalls vor COVID. Schon früh und sehr konsequent wurde auf Ökotourismus gesetzt, große Hotelburgen sind in den meisten Landesteilen selten, dafür gibt es viele kleine, oft familiengeführte „Lodges“. Die hatten (und haben) wegen Corona natürlich eine schwere Zeit, wir hören allerdings keine Klagen, sondern nur ein „jetzt gehts endlich wieder los“.

Neben politischer Neutralität und relativ stabiler Wirtschaft erinnert aber auch gelegentlich die Landschaft an die Schweiz. Nicht an die hochalpinen Bereiche, aber auf unserer Fahrt von Monteverde in Richtung des Arenal-Vulkans ist die Gebirgslandschaft durchaus steil und mit vielen Bergwiesen durchsetzt. Milchwirtschaft ist weit verbreitet, wir kommen an einer Käserei vorbei.

Am Ufer der Laguna de Arenal fahren wir sogar an einem komplett im Schweizer Stil erbauten Hotel mit Nebengebäuden vorbei, aber das wirkt hier dann doch etwas deplatziert, sind doch die Berge im Hintergrund bei näherem Hinsehen klar als Vulkane auszumachen. Der Arenal allerdings hüllt sich in ziemlich dichte Wolken, als wir an diesem riesigen und ziemlich modellhaften Vulkankegel vorbeifahren.

1968 gab es einen starken und verheerenden Ausbruch, mehrere Dörfer wurden zerstört. Bis 2011 blieb er einer der aktivsten Vulkane der Erde, seitdem schläft er wieder. Über den zerstörten Dörfern wurde ab 1973 ein 80 Quadratkilometer großer Stausee (eben der „Laguna de Arenal“) angelegt, der seitdem zur Stromerzeugung dient und erheblichen Anteil daran hat, dass Costa Rica inzwischen seinen Strom zu 100 % aus erneuerbaren Energien bezieht.

Aber wenn der Vulkan sich eh vor uns unter Wolken versteckt, fahren wir halt an ihm vorbei.

Die Chachagua-Lodge haben wir uns ausgesucht, sie liegt in einem Regenwaldgebiet einige Kilometer östlich des Vulkans. Regenwaldblick aus dem Zimmer und von der Terrasse unserer Hütte. Die Lodge ist liebevoll angelegt, hat eine Kaskade von heißen Pools zum Entspannen. Selbst beim Duschen haben wir Dschungelblick.

Vor allem aber führen von der Lodge aus eigene nur teilweise befestigte Pfade durch den Dschungel. Wir wählen den Hike, der zu einem kleinen Wasserfall führen soll. Tatsächlich finden wir ihn, allerdings scheinbar unzugänglich in einer kleinen Klamm. Mit ein bisschen Umweg erreichen wir dann aber doch eine Badestelle etwas oberhalb und können uns von dort im Flüsschen zum Wasserfall vorarbeiten.

Übrigens treffen wir während der ganzen Wanderung keine anderen Menschen. Wohl aber einige Tiere, zum Beispiel diese Blattschneiderameisen (hier als Video).

Und wir finden einen riesigen Ceibo-Baum mit wahrhaft gigantischen Brettwurzeln:

Aber auch auf dem Gelände der Lodge gibt es viel zu sehen, etwa diese Kolibri direkt in der Nähe unseres Zimmers:

Eines der Highlights hier ist für uns die von einem Biologen geführte Nachtwanderung, bei der wir viel erfahren (unter anderem den Trick, wie wir die Augen der Tiere besser erkennen können: die Taschenlampe in der Nähe der eigenen Augen halten, auf einmal leuchten überall Augenpunkte auf!) und natürlich wieder neue Tiere kennenlernen.

Zum Beispiel diesen Glasfrosch:

Von oben eher unscheinbar eben Knallgrün wie das Blatt auf dem er sitzt, zeigt die Beleuchtung des Blattes von unten mit der Taschenlampe fast ein Röntgenbild und erklärt die Namensgebung des kleinen Kerlchens ganz gut.

Oder diese blaue Zikade, die sich gerade aus dem Exoskelett häutet:

Einen schlafenden Gecko:

Wir entdecken sogar ein Faultier, dass sich bei Vollmond vor dem Nachthimmel abzeichnet. In tolles Bild, leider zu dunkel zum Fotografieren. Außerdem Spinnen, eine Schlange, viele große Grashüpfer, Schmetterlinge und neben verschiedenen neuen Fröschen auch einen schon bekannten, aber gern wieder gesehenen Rotaugenlaubfrosch:

Pura Vida.

Abhängen über den Baumwipfeln: Selvatura Park in Monteverde

Die Hauptattraktion in Costa Rica ist für uns die Natur. Das sehen die Ticos auch so, nicht ohne Grund ist inzwischen mehr als ein Viertel der Landesfläche geschützt, über 250 Naturschutzgebiete sind ausgewiesen, darunter auch privat finanzierte wie Monteverde. Selbst die menschengemachten Attraktionen in Costa Rica sind eng mit der Natur verknüpft (Achtung: Wortspiel 🤪), denn zu den Highlights zählen insbesondere (Fußgänger-)Hängebrücken über Urwaldtäler und Canopy-Touren. Letztere werden auch “Zipline” genannt. Und das machen wir jetzt im Selvatura Park. Mit Helm, dicken Lederhandschuhen und Klettergeschirr erklimmen wir eine im Regenwald aufgestellte Plattform. Von dort läuft ein gespanntes Stahlseil über die Baumwipfel hinweg bergab in das scheinbar endlose Grün hinein. Das Klettergeschirr wird mit einer Rolle über dem Stahlseil eingeklinkt und los geht die rauschende Fahrt. Die Handschuhe sind für das Bremsen im Notfall gedacht, wir müssen sie nicht einsetzen. Es ist ein irres Gefühl, so über das Blätterdach des Regenwaldes zu fliegen, mit traumhafter Aussicht und einem ziemlichen Adrenalinkick. Nach der ersten kürzeren Strecke stellt sich auch Vertrauen in die “Bremser” ein, die an der jeweils nächsten Plattform den Mechanismus für die Reduzierung der Geschwindigkeit bedienen. Ungebremst möchte man nicht in die sicherheitshalber angebrachten Sportmatten sausen. Insgesamt 13 Kabel umfasst die Tour, das längste ist über eine Strecke von mehr als einem Kilometer gespannt.

Manche der Strecken dürfen wir auch im Zweiergespann zurücklegen, der hintere umschlingt dann mit seinen Beinen den Vorderen (die Vordere). Und die Kilometerstrecke absolviere ich in “Superman-Manier” liegend, auch wenn ich mich dafür in eine Mischung aus Zwangsjacke und Trage hinein festgurten lassen muss. Is, wie wennste fliechst 😁.

Und gleich im Anschluss machen wir eine kleine Wanderung, allerdings auch wieder zumeist über den Baumwipfeln des Regenwaldes. Der Rundweg beinhaltet insgesamt acht Hängebrücken, zwischen knapp 60 m und 170 m lang und bis zu 30 m über dem Boden. Wir schwanken ganz ordentlich, bewundern die Blütenpracht in den Baumkronen und die Ausblicke hinunter in die Täler.

Brüllaffen machen ihrem Namen Ehre und sorgen für die passende akustische Untermalung. Übrigens erwischt uns nur ein kurzer Schauer, wir sind früh los und am Vormittag hält sich der Niederschlag hier selbst in der Regenzeit bisher doch vornehm zurück. Kaum zurück im Hotel geht der Wolkenbruch um so heftiger los, aber das stört ja nicht.

Was für ein Tag! Pura Vida.

Jugendtraum, Nebelwald, kleine Große und große Kleine …

Irgendwann als Teenager habe ich mal ein Buch in die Finger gekriegt, in dem ein Motorrad fahrendes Paar die Panamericana (und noch vieles mehr) komplett befahren hat. Seitdem bin ich infiziert. Auf dieser Traumstraße von Alaska bis Feuerland wollte ich eines Tages auch unterwegs sein, wenigstens ein Teilstück am Pazifik entlang! Und: jetzt ist es passiert.

Na klar, wenn sich dieser Highway von Nord nach Süd ganz durch die beiden amerikanischen Kontinente zieht, muss er zwangsläufig auch durch Costa Rica 🇨🇷 verlaufen, schließlich erstreckt sich das Land von der Atlantikseite bis hinüber zur Pazifikküste (wie neben den großen Ländern Kanada 🇨🇦 , USA 🇺🇸, und Mexiko 🇲🇽 auch Guatemala 🇬🇹 sowie Costa Ricas Nachbarländer Nicaragua 🇳🇮 und Panama 🇵🇦, außerdem Kolumbien 🇨🇴 und wohl auch Chile 🇨🇱 zu den zwingenden Transitländern dieser Straße zählen weil sie eben beide Ozeane berühren).

Von unserem Hotel in Alajuela fahren wir auf der in Costa Rica “Carretera Interaméricana” genannten Straße denn auch tatsächlich zum Pazifik und auf der Küstenstraße ein Stück weit an ihm entlang.

Dann biegen wir wieder ins Landesinnere ab und es geht hinauf in die Berge. Unser Tagesziel heißt “Monteverde”, es ist ein privates Naturschutzgebiet hoch oben auf der Wasserscheide zwischen Atlantik und Pazifik. Die von Osten kommenden Passatwinde werden hier bis auf etwa 1.400 m die Berghänge der zentralen Kordilleren hinauf gedrückt. Sie kühlen dabei ab, der in der warmen Luft enthaltene Wasserdampf kondensiert, und so liegen diese Gipfel zumeist in dichten Wolken. Nebelwald. Regenwald.

So die Theorie und so präsentiert sich Monteverde auch bei unserer Ankunft.

Ein weiteres Klischee erfüllt sich dann gleich nach Bezug unseres Zimmers in einem kleinen Extrahäuschen auf dem Gelände der Lodge: Wiebke stößt im Badezimmer einen Schrei aus und ich darf einen unerwünschten Mitbewohner einfangen und an die frische Luft befördern:

Held mit Wasserglas. 😉 Danach bleiben wir hier übrigens von solchen ungebetenen Gästen verschont.

Wir besuchen den in der Nachbarschaft gelegenen Orchideengarten und werden überrascht. 150 der rund 500 Arten blühen bei unserer Visite, aber so richtig bunt sieht es auf den ersten Blick nicht aus. Nachdem wir den Eintritt bezahlt haben, bekommen wir gleich einmal eine Lupe in die Hand gedrückt. Ach so ist das. Tatsächlich sind 80 % der Orchideenarten weltweit mit wenn nicht unscheinbaren so doch jedenfalls ziemlich kleinen Blüten bestückt. Kein Wunder, dass wir sie bei unseren bisherigen Urwaldwanderungen nicht erkannt haben. Die bei uns verkauften Pflanzen sind zumeist extra gezüchtete Hybride mit großen und langlebigen Blüten.

Aber klein kann auch fein sein, hier zum Beispiel die “Tänzerin”:

Manche Arten muss Alvaro, der Eigner und Begründer des Parks, uns mit einem kleinen Stöckchen zeigen:

Aber die zumeist heimischen Arten bieten auch einige spannende Formen, etwa “Espíritu Santo” (Heiliger Geist mit weißer Taube), “Mariposa” (=Schmetterling) oder “Cara del Mono” (=Affengesicht):

Und da wir schon mal im Ort unterwegs sind, gehen wir erst mal im Baumhaus essen

und dann mit einsetzender Dämmerung zum “Frog Pond”, in dem sowohl tag- als auch nachaktive heimische Froscharten beobachtet werden können.

Und auch hier sind wieder die Kleinen ganz groß. Während uns die viel massigeren Erdkröten nicht wirklich in den Bann schlagen, fasziniert uns der nur knapp fingernagelgroße Erdbeer-Pfeilgift-Frosch, gelegentlich auch „Bluejeans-Frosch“ genannt:

Oder auch der etwas größere Rotaugenlaubfrosch:

Leider bekommen wir bei der ansonsten wunderschönen dreistündigen Regenwaldwanderung am nächsten Tag keinen einzigen Frosch zu sehen, dafür aber einige wenige klitzekleine Orchideen und ein paar andere Exoten.

Diesen Glasflügelschmetterling etwa …

und diese Stabheuschrecke (richtiger: Gespensterschrecke):

Den fazinierenden Regenwald selbst natürlich, mit klitzekleinen wie Perlen funkelnden Tautropfen im Moos, Wasserfällen und Baumriesen wie uralten Maagoniebäumen oder gewaltigen Würgefeigen.

Einen brütenden Kolibri …

Vor allem aber sehen wir zu unserer Freude ein weit größeres Tier, leider nur ganz klein aus großer Entfernung. Die zottelige Fellkugel dort weit oben im Blätterdickicht ist tatsächlich ein Faultier 🦥 :

Pura Vida.

Pura Vida, Costa Rica

“Pura Vida” heißt unser erstes Hotel in Costa Rica 🇨🇷.

Allerdings weist der Betreiber uns schon vor der Anreise darauf hin, dass wir dem Taxifahrer unbedingt auch die Adresse (Tuetal, Alajuela) mitteilen müssen, da es hier gleich drei Hotels mit diesem Namen gibt.

Pures Leben, reines Leben, wahres Leben, einfach Leben … Es gibt viele mögliche Übersetzungen, aber keine trifft es wirklich. Denn tatsächlich ist “Pura Vida” schon lange der inoffizielle und spätestens seit 2014 auch der offizielle Wahlspruch von Costa Rica. Die Ticos (so nennen sich die Einwohner des Landes mit einigem Stolz selbst; Ticas, wenn ausschließlich Frauen gemeint sind) verwenden ihr Lebensmotto “Pura Vida” denn auch in vielerlei ganz anderen Zusammenhängen. Mal als Begrüßung, mal als Verabschiedung. Oder zum Beispiel auch als absolut positive Antwort auf die Frage, wie es ihnen geht. Gesund und glücklich: Pura Vida!

Passend zu dieser Lebensfreude begrüßt uns der erste Morgen in Costa Rica trotz Regenzeit mit strahlend blauem Himmel.

Hotelbesitzer Bernie erklärt uns beim Frühstück, dass die in der Ferne sichtbaren Wolken typischerweise bis zum frühen Nachmittag von dem vulkanischen Gebirgszug der Cordillera bis hier voranschieben werden.

Wir frühstücken ausgiebig und erkunden dann ebenso genussvoll den liebevoll angelegten Garten mit seinen exotischen Pflanzen:

Dann lömern wir noch ein bisschen auf unserem Zimmer herum und holen gegen Mittag den Mietwagen ab, den wir uns für die zwei Wochen hier schon von Deutschland aus reserviert hatten. Annemarie von der escape hatte uns erklärt, dass wir nicht unbedingt die von Agenturen oft empfohlenen Transfers mit Fahrer/Guide benötigen, also probieren wir das trotz rudimentärer Beschilderung und teilweise schlechter Straßenzustände mal aus.

Heute jedenfalls klappt es ganz gut, wir machen gleich noch einen Ausflug zur familiengeführten Kaffeeplantage Doka an den Hängen des Vulkans Poás.

Schön, dass wir dort auch gleich noch einen Schmetterlingsgarten besichtigen können.

Caligo-Schmetterling, wegen der „Augen“ auch Eulen-Schmetterling genannt
An der (Ananas-) Futterstelle

Schon auf der Plantage beginnt es zu regnen, aber so richtig pladdert es erst los, nachdem wir wieder zurück im Hotel sind. Nicht, ohne vorher noch im von Bernie empfohlenen Restaurant herrliche Fischgerichte verspeist zu haben.

Pura Vida!

Auf nach Costa Rica

Zack – sind sechs Wochen in Deutschland schon wieder um und wir stehen am Flughafen in Hamburg. (Chief) Jan hat uns hin gebracht und schießt das Abschiedsfoto.

Ja, wir haben ein paar Kilo zugenommen in den wenigen Wochen. Familien- und Freundesbesuche sind irgendwie wie Weihnachten und Ostern zusammen, Wiebkes Geburtstag kam noch dazu 😉.

Alle haben wir leider trotzdem nicht treffen können, sorry dafür.

Und jetzt (wir sitzen inzwischen in Frankfurt im nächsten Flieger) geht’s nicht etwa direkt zurück in die USA zur Flora, sondern zunächst mal nach Costa Rica 🙃.

Der Grund dafür ist einfach: wer in den letzten 14 Tagen im Schengenraum war, darf grundsätzlich nicht direkt in die USA. Es gibt aber eben die Möglichkeit, zwischendurch zwei Wochen in einem NICHT-Schengen-Land zu verbringen und von dort weiterzureisen. So machen wir das.

Wir haben viele tolle Sachen über Costa Rica gehört und gelesen und freuen uns riesig darauf. Allerdings ist dort gerade absoluter Peak der Regenzeit. Neben Tagen mit 10 bis 20 Litern Regen pro Quadratmeter sind deshalb auch solche mit 20 bis 50 Litern zu erwarten und der aktuelle Wetterbericht zeigt denn auch kein Sonnensymbol , sondern nur unterschiedliche viele Regentropfen. Hm. Na gut, deshalb heist es wohl Regenwald 🤓.

Wir sind sehr gespannt.

Zwei Wochen in Deutschland

Die Zeit saust dahin, obwohl (oder weil?) wir es ruhig angehen lassen. Wir genießen die Zeit mit Chief Jan (und Catalina, wenn sie da ist) in unserer Wohnung.

Wiebkes Mutter Uschi und Bruder Jörg wollen uns besuchen kommen, aber der Bahnstreik kommt dazwischen. Ihr Auto hat Uschi uns für unseren Deutschlandaufenthalt großzügig überlassen. Fahren wir halt umgekehrt mit dem Auto hinaus nach Hoya und machen dort mit den beiden eine wunderschöne Radtour durch die Feldmark in ein abgelegenes Bauern-Café mit herrlichem Kuchenangebot.

Unter der Woche treffen wir alte Freunde. Am Wochenende bekommen wir dann doch in Hamburg Besuch, meine Schwester Anja und Schwager Ralf kommen vorbei.

Eine gute Gelegenheit, mal wieder auf den Goldbekmarkt zu gehen und auch einen langen Spaziergang durch Winterhude, Barmbek und den Stadtpark zu machen. Natürlich mit Besuch an unserer Lieblingsfontäne, dem Pinguinbrunnen.

Anja ist aber von anderen Tieren noch mehr begeistert: Jan hat die immer mal wieder unsere Dachterrasse besuchenden Eichhörnchen in der langen Homeofficezeit inzwischen soweit gebracht, dass sie ihm Nüsse aus der Hand fressen. Probieren wir natürlich gleich aus und … es klappt!

Und, fehlt uns das Schiff? Wenn ich sehe, was Wiebke auf der Busfahrt zum Markt mit der Fahrkarte macht, offensichtlich schon:

Aber immerhin bekommen wir aus Herrington Rückmeldung, was inzwischen an Flora passiert. Mike koordiniert dort die Arbeiten bzw. macht einen größeren Teil davon selbst. Und er schickt uns Fotos. So zum Beispiel sah unser Leinenschneider an der Propellerwelle und das Kegelrad des Props vorher und jetzt aus:

Und so die Propellerflügel:

Gereinigt und poliert, nicht neu gekauft. Das klappt also soweit in der Ferne und auch hier. Die größeren Arbeiten stehen allerdings noch aus. Auch die Steuererklärung harrt noch darauf, dass ich mich endlich daran mache … 😔

Und schon eine Woche in Deutschland …

Wow. So schnell geht das, schon über eine Woche sind wir auf Besuch in Deutschland. Urlaub vom Segeln. Und was machen wir?

Ankommen. Staunen, wie wenig sich in den zwei Jahren im Grunde verändert hat. Formalkram anstoßen oder sogar gleich abarbeiten, Termine vereinbaren (auch mit Freunden und Familie, krass!), Wiebkes Mutter und unsere Geschwister besuchen, zum Zahnarztfreund nach Kiel fahren, dabei gleich weitere alte Freunde treffen und – Meerweh – in Laboe Hafen und Strand einen Besuch abstatten.

Sich die “typisch deutschen” Strandkörbe wieder vor Augen führen (gibt es dafür eigentlich überhaupt ein Wort in einer anderen Sprache? Segway’s wie “roofed wicker beach chair” ist ja doch etwas gestelzt) 😉

Und in Hamburg: durch die Stadt laufen, uns beim Spaziergang durch unseren Stadtteil Winterhude über das viele Grün und die Kanäle freuen, mal wieder richtig schöne Wochenmärkte wie den am Goldbekkanal besuchen.

Und aus der Ferne noch ein bisschen die Arbeiten am Boot koordinieren. Gedanken- und Gefühlsspagat zwischen den beiden “Zuhause”. Aber es ist doch auch sehr schön, mal wieder hier zu sein!

Zurück im anderen Zuhause

Nach zwei Jahren das erste Mal. Wieder fliegen. Wieder zurück in Deutschland. Familie und alte Freunde treffen. In siebeneinhalb Stunden eine Strecke zurücklegen, für deren Entsprechung mit einem ganz anderen, viel südlicheren Bogen und diversen wunderschönen Aufenthalten wir hin etwa ein Jahr gebraucht hatten. Und ein weiteres Jahr für die Runde in den Nordosten der USA und dann durch die Karibik. Jetzt der Flug mit durchaus gemischten Gefühlen, ganz viel Vorfreude, aber auch dem unschönen Gefühl, Flora zurückzulassen.

Auch der Anschlussflug nach Hamburg klappt und am Flughafen warten trotz einstündiger Verspätung Freunde, um uns zu begrüßen und abzuholen 🤩

Und auch das Wetter spielt mit: feinstes Hamburger Schmuddelwetter mit viel Wind und Regenschauern empfängt uns. Auf dem Weg zum Bäcker wechseln sich Sonnenschein und Niesel ab, aber beim Grillen auf unserer Dachterrasse ist es am Abend trocken. Heute pladdert es zwischendurch „wie wenn die Kuh das Wasser lässt*“, aber meist bleibt es bei dramatischen Wolken über den Hamburger Dächern. Außerdem sind wir nach den sonnenverwöhnten letzten zwei Jahren weiter denn je davon entfernt, dass unser „Körper an der Nordseite schon Moos ansetzt*“ und überhaupt:

„Ob du meckerst oder jubelst, deprimiert bist oder froh,
ist völlig wurscht, denn das Wetter kommt sowieso.
Und dann sehe ich es lieber schon als Optimist
und ich freue mich, dass überhaupt noch Wetter ist.*“

Fühlt sich gut an, mal wieder im anderen Zuhause zu sein.

* jeweils aus Reinhard Mey: Das Sauwetterlied

Ergänzung zum Fortgeschrittenen-Puzzle

Weil das im letzten Beitrag vielleicht etwas unverständlich war, nochmal kurz zu den Besonderheiten der Bebauung hier im Washingtoner Speckgürtel.

Ja, es ist (wie so oft in den USA) Holzbauweise und unterscheidet sich damit doch ziemlich von den für uns gewohnteren Massivhäusern. Einmal fertig, sieht das ungeübte Auge das allerdings nicht auf Anhieb. Hier das gleiche Haus (wenn auch spiegelverkehrt) auf dem linken Bild in zwei verschiedenen Abschnitten im Bau und rechts fertiggestellt.

Oder hier ein anderer Haustyp in verschiedenen Stadien (Holzständer, Folie, verkleidet mit Klinkern oder Fassadenplatten):

Und hier noch ein paar weitere Beispiele, alle aus dem gleichen uns gegenüberliegenden Baugebiet „Crown“, aus dem auch die gestrigen Bilder waren.

Die Bauträgergesellschaften dieser Reihenhäuser sind für die Varianz der Fassaden ebenso verantwortlich wie für die Bepflanzung mit Grün und (hohen) Bäumen, die Parks und Grünflächen, die Gehwege und sogar die Straßen, die erst zu einem späteren Zeitpunkt der Stadt übergeben werden – mit Abnahme in einem vertraglich festgelegten Zustand. Hier nochmal das Bild von gestern mit der scheinbar eintönigen Reihenausansicht im Rohbau, wobei die Häuserzeile im Vordergrund die Rückansicht der Gebäude mit den Garagentoren zeigt:

Schon spannend und mal wieder ein Beispiel für „andere Länder, andere Sitten“.

Für uns auch ungewohnt ist der Zuschnitt der Wohnungen und Häuser. Oft steht man nach dem Eingangstür (ohne Flur) direkt im Wohnzimmer oder in einem selten genutzten, aber komplett eingedeckten „guten“ Esszimmer. Bei vielen dieser Neubauten gibt es zudem mehr Badezimmer als Schlafzimmer. Überhaupt, Schlafzimmer. Die Wohnungsklassifizierung erfolgt hierzulande nicht nach der Zahl der Zimmer (3-Zimmer-Wohnung), sondern nach der Zahl der Schlafzimmer (3 bedroom). Als Schlafzimmer zählt aber nur ein Zimmer, das auch einen Einbauschrank aufweisen kann (closet). Der Master-Bedroom hat bei diesen Neubauwohnungen eigentlich immer ein En-Suite-Bad, bei den anderen Schlafzimmern ist es oft zumindest eine Option, nur die kleinen Kinderzimmer müssen sich ein Bad teilen. Wer mag, kann ja mal in den Grundrissen der Bauträger hier in Crown stöbern.

Noch etwas eingewachsener sieht es dann in ein paar Jahren aus, wie hier bei Greg und Michael auf der anderen Straßenseite:

Bauweise und Aufteilung sind aber ähnlich.