Sal de Ibiza

Mit Catalina haben wir nach dem Abschied von Jan etwas weiter nördlich auf Formentera in die Karibik Europas verholt, auf den Ankerplatz Platja de Ses Illettes. Na klar, wir waren nicht ganz alleine dort. Aber den Schutz des schmalen Sandstreifens vor dem immer noch steifen Ostwind und das traumhaft klare Wasser durften die anderen ruhig mit uns genießen, Platz hatten wir genug.

Da war es tatsächlich in unserer nächsten Ankerbucht enger, denn gestern haben wir zurück nach Ibiza verholt, ganz in den Süden in die Ensenada de la Canal. Das gab uns die Möglichkeit, mit dem Bus nach Ibiza Stadt (Eivissa) hineinzufahren und den letzten Abend mit Catalina in Eivissas schöner Altstadt und der innerhalb der Stadtfestung gelegenen Oberstadt zu feiern.

Ganz ungetrübt war der Genuss nicht. Unser Ankerplatz war schon mächtig voll, eine Boje war ohnehin nicht zu bekommen. Und laufend kamen weitere Boote hinzu, mehrfach ankerten sie zu eng bei uns, verholten dann aber etwas später doch weiter nach draußen, zumal der kräftige Schwell die Boote in ziemlich verschiedene Richtungen schwojen ließ. Es kostete mich einige Überwindung, Flora hier unbeaufsichtigt liegen zu lassen. Wie es Catalina so schön formulierte: ich habe jetzt vielleicht eine Ahnung davon wie es ist, das Kind seinen ersten eigenen Urlaub allein machen zu lassen 🥺.

Hilft ja nix.

Und wir haben Flora am Ende auch wohlbehalten wieder vorgefunden.😁

Heute ist dann Catalina vom Strand mit dem Taxi zum nahen Flughafen gefahren. Wir haben nur um die Ecke in die nächste Bucht verholt – was für ein Unterschied. Kaum Schiffe hier, eine beeindruckende Steilküste auf der einen Seite und nur eine Strandbar oberhalb des flachen Steinstrandes vor den Salinen im Scheitel der großen Bucht.

Es ist zwar nicht ganz einfach mit dem Dinghy an Land zu kommen, aber es lohnt sich. Ein Wanderpfad geht an der Steilküste entlang und dann (nur ab August erlaubt!) steil den Berg hinauf durch den Wald an die obere Steilküstenkante.

Es bieten sich tolle Ausblicke über unseren Ankerplatz, die Buchten unterhalb der Steilküste und die farbenprächtig türkisgrün und rosa schimmernden Salinen.

Und die Salinen machen nicht nur optisch viel her, sie haben es auch in sich. Noch immer wird hier auf einer Fläche von etwa 450 Hektar Salz gewonnen. Natürlich nicht nur (aber eben auch) das edle Speisesalz Sal de Ibiza. Der größte Teil des Salzes geht zu anderen Zwecken überwiegend nach Nordeuropa: wie in alten Zeiten zur Stockfischverarbeitung und – ja, tatsächlich auch ein hoher Anteil als Enteisungs-Salz. Die Preisdifferenz zwischen den verschiedenen Salzqualitäten ist hoch, wir konnten aber trotzdem nicht widerstehen uns ein schönes Sal de Ibiza für die Pantry zu kaufen 😊.

Arbeiten, spielen und genießen auf Ibiza und Formentera

In Can Pastilla ist Jan zugestiegen, der Chief (Chefingenieur) ist an Bord. Auftragsgemäß hat er neue Umlenkrollen für unseren Großsegelausholer im Gepäck. Die vordere Rolle (am Lümmelbeschlag) ist gebrochen, die hintere (an der Baumnock) eiert ziemlich. Der Austausch ist insofern etwas tricky, als die Aluminiumachse, auf der die Rollen jeweils sitzen, durch Plastikschraube gesichert werden, die mit einem viertelzölligen Imbusschlüssel geöffnet werden muss. Vielen Dank an Seldén dafür, wir haben ja ansonsten nur metrisches Werkzeug an Bord. Aber der Chief ist natürlich bestens vorbereitet und bringt den passenden Schlüssel mit 😀.

Und so geht’s schon am späten Samstag Abend los zu einem weiteren herrlichen Nachttörn, diesmal hinüber nach Ibiza. Zu dritt an Bord ist es natürlich noch entspannter hinsichtlich der nächtlichen Wachen.

Wir haben uns die Cala Blanca am Nordostende Ibizas als ersten Stop ausgesucht. Selbst in der Hochsaison findet man hier schöne Plätze über Sand, auch weiter draußen noch mit guter Wassertiefe, das Ankern ist kein Problem.

Tagsüber muss man damit leben, dass die vielen Wasserspielzeuge wie Jetskis und ähnliches natürlich auch genutzt werden wollen, aber abends herrscht dann sowieso wieder Ruhe. Wir schließen uns einfach an und frönen ebenfalls unserem Spieltrieb: ja, vom Dinghy gezogen kann man auf unserem SUP „Wasserski“ laufen:

An der Westküste Ibizas entlang fahren wir dann hinunter und genießen die wilden Steinformationen.

Ist das jetzt eigentlich ein bis zum Bauch im Wasser stehender Elefant oder ein kniender Gorilla, der mit dem linken Arm im Schlamm wühlt? Oder ganz was anderes?

Bei Sant Antoni ankern wir in der Cala Port des Torrent und Catalina steigt zu. Zu viert geht es weiter ums Eck in die Cala Comta mit ihren Strandbars und dem herrlichen Sonnenuntergangsblick, für den sich auf Ibiza so viele Orte rühmen. Das muss festgehalten werden 😉, gleich vierfach bei uns und ebenso auf allen Booten um uns herum:

Ist aber auch einfach schön.

Leider beutelt uns der Schwell in dieser Nacht doch ziemlich und so gehen wir früh ankerauf und segeln bei herrlichem Wind hinüber nach Formentera, Ibizas kleiner Schwesterinsel. Auch hier ist der Ankerplatz zwar gut gefüllt (wir haben uns wegen des für die Nacht vorhergesagten starken Ostwindes für die Cala Sahona entschieden), aber wir finden völlig unproblematisch einen guten Platz über Sandgrund (mit Rochen, wie ich beim Abschnorcheln des Ankers feststellen durfte) auf 8 m Wassertiefe.

Nach unserer abendlichen guten Tat (wir befreien schnorchelnd und mit Dinghy-Zugkraft den unter einem einsamen Felsen verkanteten Anker unseres Motorboot-Nachbarliegers) belohnen wir uns mit einem Drink in der Lounge des Hotels und einem Abendessen in einem der Strandrestaurants.

Leider ist das für Jan schon wieder das Abschiedsessen, heute morgen haben wir ihn zur Fähre nach Puerto de la Savina gebracht.

Der wilde wilde Westen …

… fängt natürlich gleich hinter Hamburg an. Hätten wir also nicht weit zu reisen brauchen. Aber Mallorcas wilder Westen war uns bisher ziemlich unbekannt. Den Süden der Insel hatten wir vor ewiger Zeit schon einmal auf einem Chartertörn besucht, landseitig waren wir auch schon bis in die südlicheren Teile der Serra de Tramuntana gekommen. Aber dass dieser wilde zerklüftete Gebirgszug praktisch die ganze Westküste Mallorcas vom Kap Formentor bis hinunter nach Dragonera nicht nur prägt, sondern mit seinen steilen Berghängen regelrecht durchgängig ins Wasser abfällt, das war uns nicht klar.

Auf dieser Strecke gibt es zwar elf Berge mit über 1000 m Höhe, aber nur wenige sichere Häfen und gegen diverse Windrichtungen geschützte Ankerplätze. Schon die Cala Figuera am Kap Formentor hatte uns ja zwar guten Windschutz geboten, uns aber trotzdem mit dem weit laufenden Schwell eines entfernten Starkwindes geschaukelt. Wir waren dann noch einmal ums Kap zurück bis zur Cala Formentor gefahren und hatten dort einen schönen Abend auf der XOXO. Dann nochmal um das wegen seiner Windsprünge berüchtigte Kap und … der Wind war weg. Der Schwell blieb leider die meiste Zeit.

Und so sind wir an der wilden Westküste ganz zahm entlang motort.

Landschaftlich war die Fahrt trotzdem ein Genuss. Natürlich haben wir auch dem berühmten Felsenschlucht-Ankerplatz Sa Calobra einen kurzen Besuch abgestattet, es war uns dort aber zu rummelig.

Wir sind weiter zur Sa Foradada und haben hinter der Felsnase (mit Nasenloch) einen zwar tiefen, aber sogar ein wenig gegen den Schwell geschützten Ankerplatz gefunden.

Und dann sind wir heute morgen um 7:30 aufgebrochen um weiter zu motoren ;-), denn wir wollen heute Nachmittag in Can Pastilla Chief Jan aufpicken.

Seit dem Cap de Cala Figuera können wir jetzt quer über die Bucht von Palma sogar segeln.

Alles ein bisschen intensiver

49 Tage sind wir jetzt unterwegs. Sieben mal sieben, ganz feiner Sand. Wir sind gefragt worden, ob uns langweilig wird. Nein! Alles andere als das.

Aber selbst in dieser ja eigentlich ja kurzen Zeit hat sich unser Empfinden für das, was wir so machen doch verändert. Alles fühlt sich ein bisschen intensiver an, so hat es Wiebke treffend formuliert. Fahrt-, Landschafts- und Natureindrücke, z.B. die wunderschönen Calas, die Wanderungen oder die Delfinbegegnungen jetzt wieder auf der Überfahrt von Menorca nach Mallorca:

Spannend ist auch die Veränderung im Zeitempfinden. Eine Uhr tragen wir schon seit einer ganzen Weile nicht mehr (Danke an Susanne für den Hinweis). Klar passiert es dann schon mal, dass man wie unlängst in Alcúdia etwas erledigen möchte, aber vor verschlossenen Geschäftstüren steht, aber das liegt mehr an unserem noch nicht an die spanische Siesta 😴 bis 16.00 angepasstem Rhythmus. Welcher Wochentag ist eigentlich, welches Datum ???

Das „Zeit miteinander haben“ ist sicher einer der Punkte, den wir am meisten genießen und das obwohl – oder gerade weil – auch die Höhen und (na sagen wir mal) Wellentäler im Zusammensein eben intensiver für uns sind.

Landausflüge wie vorgestern der Spaziergang in die schöne Altstadt des sonst nicht so attraktiven Alcúdia,

Fürstlich speisen (an Bord von Wiebke gezauberte Köstlichkeiten oder auswärts, wobei das im Tontopf gegarter Lobster ebenso sein kann wie eine herrliche Schinken- und Käseplatte eines kleinen Weinhändlers)

Wir lassen es uns gut gehen.

Und auch Mallorca verwöhnt uns, etwa mit der pittoresken Cala Figuera am nördlichen Ende (Cap Formentor), die wir heute Nacht komplett exclusiv für uns hatten. Gut, eine etwas rumpelte „Anreise“ unter Segeln mit bis zu 28 kn AWS am Wind und einiger Schwell in der Bucht war der Preis dafür, aber es hat sich sehr gelohnt:

Durch die Calas der Nordküste nach Ciutadella

Die Nordküste Menorcas ist schroff. Oft mit hohen abweisenden Felsplateaus, wirkt sie manchmal von See kommend wie eine natürliche Festung.

Aber dann diese Buchten! Einige wenige weite, offene gibt es, zum Teil sogar mit Sandstrand. Und viele kleine, versteckte Calas laden zumindest für einen kurzen Stop ein. Manchmal als eher große Badebuchten mit Sandstrand, wie die Cala de la Olla, in der wir schon kurz nach unserer Abfahrt aus Addaia wieder gestoppt haben.

Die Cala de la Olla hatten wir uns ausgesucht, und sie machte einen prächtigen Eindruck (auch wenn ich die Hotel- und Ferienhausbebauung rechts vom Bildrand durch den Ausschnitt ein bisschen „weggeflogen“ habe 😉:

Das der Badestop sehr kurz ausfiel, lag an den hübschen, aber ungeliebten Badeverderbern, die sich zwar 2 m unter uns aufhielten, aber äußerst zahlreich waren. Ich musste extra runtertauchen, um sie zu fotografieren. 😊

Also doch lieber schnell weiter, in die Cala Fornells, unsere super geschützte, tief ins Land einschneidenden nächste Übernachtungsbucht.

Der Ort Fornells – aufgeräumt und chic:

Wir auch, beim Apero auf der Dachterrasse des „Sa Taula“ (ganz lieben Dank an die Crew der Xoxo für diesen und so viele andere hilfreiche Tips):

Aber man muss erst mal hinfinden, der Leuchtturm neben dem charakteristischen alten Turm an der schmalen Einfahrt sieht noch nicht sehr einladend aus:

Und auch am folgenden Tag dauerte es nicht lange bis zum Badestop: wir wählten die sehr kleine, felsumstandene Cala Barril. Hier unser Plot auf der Navionics-Karte:

Mit zwei Booten war sie auch gefüllt, mehr hätten kaum ohne Beeinträchtigung der geschützten Posidonia-Seegrasflecken ankern können. Diesmal keine lästigen Quallen, sondern herrlich viel Fisch vor der Maske beim Schnorcheln.

Übernachtet haben haben wir nach einem eigentlich viel zu kurzen herrlich Segelschlag dann in der Cala Fontanelles, einem Teil der größeren Cala de Algaiarens. Nicht ganz allein, aber doch mit viel Platz nach allen Seiten. Und WUNDERSCHÖN gelegen. Wir sind das ganz rechte Boot auf dem Bild und liegen direkt an der kleinen Felsinsel Escull de ses Vinyoles.

Keine Ahnung, was der Name der Insel bedeutet, aber in die Form kann man viel hineinlesen.

Heute morgen haben wir dann noch einmal eine (diesmal kleine) Wanderung auf einem Teilstück des Camí de Cavalls gemacht. Dieser Trail führt in diversen Abschnitten fast ganz um Menorca herum. Anders als bei den Salinen von Addaia ging es diesmal meist direkt an den steilen Küstenhängen entlang, wieder war es traumhaft schön.

Und ebenso herrliches Segeln schloss sich an. Unter Code0 (erst normal, dann ohne Baum Schmetterling mit dem gesicherten Groß) ging es den Rest der Nordküste entlang und ums Eck nach Ciutadella.

Weil alle Reservierungsversuche im Hafen nicht gefruchtet hatten, ankern wir jetzt zwischen der Hafeneinfahrt und dem Fährterminal mit gefühlt 50 anderen Booten in einem kleinen, mit Bojen abgegrenzten Bereich. Wäre nicht so wild, wenn der Wind wie in der Vorhersage stetig Ost wäre. Statt dessen hat er jetzt die Kompassrose eindreiviertel mal umrundet. Hm.

Ciutadella haben wir uns aber trotzdem angesehen. Hier nur ein paar Eindrücke, die Bilder aus der Canon hab ich noch nicht übertragen. Muss für heute erstmal reichen, jetzt geht’s nämlich in die Koje 😴 . Der menorquinische Gin als Schlummertrunk hat wohl gewirkt.

Menorca – zu Fuß

Gestern haben wir gesehen, dass an unserer Ankerbucht ein Wanderweg entlang führt. Also habe ich Ralf heute zu einem Morgenspaziergang überredet. Gut, dass es heute etwas bewölkt war. Es hat sich zu einer ausgewachsenen Halbtagestour entwickelt. Knapp 13 km- zu Fuß! Es war wunderschön. Der Wanderweg entpuppte sich als Teil des Camí de Cavalls. Dieser Weg führt um fast ganz Menorca herum. Er ist super ausgeschildert

und selbst auf dem von uns begangenen kurzen Abschnitt sehr abwechslungsreich.

Am Ende unserer Ankerbucht führte er zunächst durch ehemalige Salinen. Sie wurden erst 1990 aufgegeben und waren die letzten noch wirtschaftlich genutzten Salinen auf Menorca. Heute sind sie Teil eines Naturschutzgebietes.

Selbst auf den Wegen bilden sich noch Salzkrusten.

Nach einigen Kilometern sind wir Richtung Strand abgebogen. Wir haben eine tolle Dünenlandschaft mitten zwischen den Felsen entdeckt und sind erstmal schwimmen gegangen.

Es Grau und Addaia

Wir bummeln an der Nordseite Menorcas entlang. Die Entfernungen zwischen den Buchten sind nicht groß, im Gegenteil, trotz unserer hier bisher sehr kurzen Törns haben wir verlockende Strände und Ankerplätze links liegen gelassen.

Erster Stop war die Cala Arsenal den Moro bei Es Grau.

Eigentlich gibt es sogar hier mehrere getrennte Ankerbuchten, wobei „unsere“ mittels einer Dinghypassage übers Flach mit dem Ort Es Grau verbunden ist, man muss nicht um die Illa d’en Colom herum. Es existieren mehrere Bojenfelder, aber es ist auch genug Platz zum freien Ankern.

Wir ankern auf 10 m Wassertiefe über Sand und können beim Abschnorcheln des Ankers gleich 5 kleine bis jugendliche Rochen beobachten.

Am nächsten Tag segeln wir unter Code0 und Groß die kurze Strecke zur Cala de Addaia, einer rund zwei Meilen ins Land schneidenden schmalen Bucht. Die Einfahrt erinnert an Schweden, zwischen Felsen über und unter Wasser windet sich ein Tonnenstrich bis zum Hafen Puerto de Addaia, der sich hinter einer Felsinsel an Steuerbord versteckt. Danach wird es wieder etwas breiter und vor und hinter dem ausgelegten Bojenfeld darf geankert werden. Das wird ausgiebig genutzt, es ist auch hier wieder gemütlich eng.

Maó

Maó / Mahon (Amtsprachen sind Katalanisch und Spanisch) ist die Hauptstadt Menorcas. Sie liegt am Ende eines über fünf Kilometer langen fjordartigen Einschnitts in die sich hier felsig präsentierende Insel, der mit seiner schmalen nach Südost liegenden Einfahrt einen großartigen Naturhafen bildet. Der genueser Großadmiral Andrea Doria soll sogar gesagt haben, er kenne nur drei sichere Häfen im Mittelmeer: Juli, August und Mahon.

Währen freies Ankern früher in weiten Teilen der Bucht erlaubt war, muss man sich inzwischen auf eine kleine, aber sehr gut geschützte Nebenbucht gleich am Eingang des Fjords beschränken, die Bucht von Teulera. Entsprechend dicht belegt präsentierte sie sich bei unserer Ankunft am Freitagmorgen. Wir mussten zudem ein paar Mal umankern, weil wir unseren Nachbarn gefühlt dann doch zu nahe kamen (hätten wir gewusst, wieviel mehr Schiffe sich am Samstag in die Bucht quetschen, hätten wir das vielleicht gelassen). Der Start war also eigentlich nicht so toll für Teulera. Jetzt sind wir drei Tage hier und können sagen: es ist klasse!

Bild von heute, später Nachmittag. Schon wieder relativ leer 😉.

Aber der Reihe nach: Freitag Mittag haben wir erstmal etwas geschlafen, dann haben uns Irene und Thomas mit dem Auto abgeholt und quer über die Insel gefahren. Die beiden machten nämlich gerade mit ihrer Familie hier zwei Wochen Urlaub und hatten eine wunderschöne Finca irgendwo im Nirgendwo der Mitte Menorcas gemietet.

Und da waren wir dann für den wunderschönen und sehr entspannten Rest des Tages zu Gast, es war schon Mitternacht als uns die beiden zurück zur Flora kutschierten.

Samstag haben wir dann die Tour mit unserer Florecita nach Maó gemacht. Entgegen unserer Befürchtungen gibt es zwischen den ganzen teuren Hafenplätzen für die Schiffe ein offizielles kostenloses Dinghydock, wo wir Florecita ruhigen Gewissens festmachen konnten. Maó ist eine Kleinstadt mit knapp 30.000 Einwohnern und natürlich touristisch erschlossen. Das allerdings auf sehr sympathische Weise. Der Altstadtkern liegt rund 50 m über dem Fjord auf einem Felsabsatz und ist in seiner Architektur eher von der Zeit geprägt, als die Engländer (ab 1708) die Insel beherrschten. Wir bummeln durch die Gassen, besuchen das sehr sehenswerte Geschichtsmuseum Museo de Menorca. In den an den Kreuzgang eines ehemaligen Klosters anschließenden Räumen und den beiden darüber liegenden Ebenen werden uns die erdgeschichtlichen und siedlungsgeschichtlichen Besonderheiten der Insel, aber auch ihre wechselvolle Zugehörigkeit zu den verschiedensten Ländern nahegebracht.

Dann lassen wir uns wieder durch die Stadt treiben, genießen die vielen Aussichtspunkte und – wie sollte es anders sein – auch das lukullische Angebot. Wir besuchen den Mercado de Pescados, der links noch immer Fischmarkt ist, rechts allerdings wird leckeres Essen und Trinken in lockerer Atmosphäre angeboten.

Die Stadt macht es uns leicht, sie ins Herz zu schließen.

Gestern Abend (Samstag) füllte sich unser Ankerplatz dann zusätzlich zu den Seglern (und ein paar größeren Motorbooten) mit jeder Menge kleiner einheimischer Boote, die übers Wochenende einen Ausflug mit Kind und Kegel zum Baden, klönen, picknicken und eben auch übernachten hier in der Bucht machten. Es wurde noch voller, aber auch belebter mit spanischem Temperament und fröhlich plantschenden Kindern.

Heute war dann – ganz was anderes – erst einmal die alte Wahrheit vom Reparieren des Bootes an den schönsten Ankerplätzen umzusetzen:

Die vordere Toilette zickte schon eine Weile, leckte zunehmend und hatte zudem mit Rücklauf aus dem Tank zu kämpfen. Sie musste leider einmal komplett auseinander genommen werden. Hat eine ziemliche Weile gedauert, aber jetzt funktioniert sie wieder.

Neben ausgiebigem Baden haben wir dann noch einen Ausflug auf die „Mola“ unternommen, die Festung bewacht den Eingang zum Fjord und liegt oberhalb unseres Ankerplatzes.

Auch wenn man wie wir an Militärgeschichte nicht wirklich interessiert ist, beeindruckt die nie angegriffene Festung doch (neben den tollen Ausblicken auf unseren Ankerplatz und bis hinüber nach Maó) mit den Ausmaßen der Befestigungsanlagen und imposanten spärlich nur durch die Schießscharten beleuchteten, z.T. dreihundert Meter langen Wehrtunnelgängen.

Morgen gehts noch einmal nach Maó, ein Ersatzteil abholen. Und dann werden wir uns hoffentlich eine schöne Bucht an der Nordküste Menorcas suchen.

36 Stunden

So auf etwa eineinhalb Tage Länge hatten wir die Überfahrt von Sardinien nach Menorca kalkuliert. Etwa 200 sm bei im Schnitt 5,5 Knoten (=sm/Std) Geschwindigkeit.

Aufbruch in die Nacht:

Da wir am Mittwoch Abend losgefahren sind, bedeutete das zwei Nachtfahrten und eben den Tag dazwischen. Nachtfahrten auf offener See sind schön, ganz besonders in warmen klaren Nächten. Meist gibt es hier nicht so viele Gemeinheiten zu beachten wie etwa Stellnetze, Fischerfähnchen und Flachs, Felsen oder schwach beleuchtete Angelboote, die Nachtfahrten in Küstennähe deutlich schwieriger machen. Die Lichter der Schiffe weit draußen kann man meist schon von weitem sehen. So sind die großen Pötte nachts oft aus größerer Entfernung auszumachen als am Tage. Außerdem haben praktisch alle AIS, sind also auf unserem Plotter zu erkennen. Und der sagt einem dann eine ganze Menge zu den Dampfern an: natürlich Kurs und Geschwindigkeit (kann man auch schon an den Pfeilen erkennen) , aber auch z.B. die größte Annäherung bei den bestehenden Kursen (CPA), also ob man sich zu nahe kommt. Man kann sogar automatische Annäherungswarnungen programmieren.

Letztlich heißt das, das man die Fahrt fast noch besser genießen kann. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hatten wir übrigens nur eine einzige Schiffsbegegnung und die in großem Abstand. Der Sternenhimmel auf See ist geradezu sprichwörtlich schön, klar, da keine „Lichtverschmutzung“ den Blick beeinträchtigt. es ist wunderbar ruhig, man kann seinen Gedanken nachhängen, lesen oder ein Hörbuch oder Podcasts hören. Und wenn man Glück hat, so wie wir in den letzten beiden Nächten, leuchtet in den vom Schiff aufgeworfenen Wellen fluoreszierendes Plankton.

Ein bisschen schwieriger als tagsüber ist der Segeltrimm, aber Kopflampen (umschaltbar auf das weniger beeinträchtigende Rotlicht) helfen. Nachtwachen zu zweit funktionieren bei uns so, dass der eine unter Deck schläft und der andere im Cockpit eben wacht. Zur Sicherheit stellt er sich auf dem Handy für alle 15 Minuten den Wecker, um spätestens dann Rundumblick und Plottercheck zu machen, aber fast immer stellt man den Wecker schon vor Ablauf der 15 Minuten neu. Es ist tabu, das Cockpit während dieser Zeit zu verlassen um zum Beispiel am Mast etwas zu erledigen oder das Vorsegel einzurollen. Für solche Fälle muss immer der unten Schlafende geweckt werden und ins Cockpit kommen. Für lange Passagen wie die Atlantiküberquerung haben wir uns feste Wachen vorgenommen. Auf kürzeren Törns wie jetzt sprechen wir uns einfach ab und entscheiden die Wachwechsel eher spontan.

Dass wir die Nachtfahrten mögen, war aber gar nicht der springende Punkt bei unserer Entscheidung, Mittwoch Abend loszufahren. Das Wetterfenster gefiel uns besser und – auch nicht ganz ohne – wir hatten mehr Puffer, um bei Tageslicht im für uns fremden Mahon anzukommen. Wir durften nur nicht zu SCHNELL sein (das lässt sich leicht machen), während wir bei Abfahrt am Morgen nicht zu LANGSAM hätten sein dürfen. Das ist manchmal schwieriger, besonders wenn der Wind anders eintritt als in der Wetterprognose.

Weil wir danach gefragt wurden: als Wetterbericht verwenden wir meist „Windy“ zur groben Orientierung und „Seaman“ für die Feinplanung. Unterwegs (ohne Internet) können wir per Satellitentelefon über „Saildocs“ Wetter-GRIBfiles abrufen und mit verschiedenen Programmen auswerten.

Unser Wetterfenster sah so aus (auf „Seaman“):

Letztlich mussten wir allerdings ein gutes Stück vor Menorca motoren und das auch länger, als wir es uns erhofft hatten, zumal uns ein Gewitter nachts um halb drei zwar nicht direkt erwischte, die Fahrt unter Motor aber angeraten schien. Dennoch, alles in allem waren wir trotzdem sehr zufrieden mit unserer Passage. Zumal uns während der Motorfahrt auch noch – endlich mal wieder nach langer Zeit und zwischenzeitlichem mehrmaligen Köderverlust – Angelglück mit hold war:

Ein bisschen Ceviche gab es gleich, drei große Portionen Thunfischfilet haben wir vakuumiert, sie sind in den Bordkühlschrank gewandert.

Und jetzt liegen wir hier auf dem zwar für drei Tage kostenlosen, aber deshalb auch ziemlich überfüllten Ankerplatz in der Cala Teulera vor Mahon.