Passage von Opua nach Minerva, Tag 6

Angekommen, geankert. Durchatmen. Durchschlafen.

Wir sind ein klein wenig zu spÀt, etwa eine Stunde. Den eindrucksvollen Sonnenuntergang fotografieren wir, als Flora noch sieben Meilen vom Pass in das Minerva Nord Riff entfernt ist.

Lasst Euch von den nach Achtern fotografierten Wellen auf diesem Bild nicht tĂ€uschen, auch zu dieser Zeit der Passage rollen mit (un)schöner RegelmĂ€ĂŸigkeit feste Wassermassen ĂŒber unser Deck.

Die kleine VerpĂ€tung bedeutet leider, dass wir die Einfahrt in den Pass bei Dunkelheit machen mĂŒssen. Völlige Dunkelheit, denn zu diesem Zeitpunkt verdecken dicke Wolken den Vollmond.

Wir kennen den Pass aber ja bereits, er ist breit genug und vergleichsweise einfach zu befahren. Wir haben die Tracks unserer letzten Durchfahrten, mĂŒssen also nur auf der Linie unseres Tracks bleiben. Trotzdem ist es aufregend, PĂ€sse sind immer auch ein bisschen unberechenbar. Also nutzen wir das volle Programm elektronischer UnterstĂŒtzung fĂŒr die Nachtansteuerung: auf Wiebkes iPad lĂ€uft Navionics mit unserem alten Track, auf dem Orca (der von Minerva keine Karte hat) das Satellitenbild von Google Maps und natĂŒrlich auf dem Furuno-Plotter die Time-Zero-Seekarte. Alles jeweils mit unserer aktuellen Position darin.

TatsÀchlich haben wir kurzfristig bis zu 3 Knoten Gegenstrom, aber ansonsten kommen wir gut und problemlos in die Lagune.

Der nÀchste skurrile Moment ist dann, den Anker im Stockdunkel auf 13 m Wassertiefe fallen zu lassen, mit hunderten von Meilen offenem Ozean um uns herum.

Der Haken grÀbt sich sofort ein, hÀlt mit 65 m Kette perfekt auch bei den 30er Böen in der Nacht. Und die Bedingungen innerhalb des Riffs erlauben es eben, einfach mal 10 Stunden durchzuschlafen.

Am Morgen dann:

FrĂŒhstĂŒcken im Cockpit, immer noch mit aufgebauter Kuchenbude wegen der permanent durchziehenden Squalls. Anbaden. Duschen. Und das klare Wasser sowie die relative Ruhe bei ziemlich durchgĂ€ngig 25 Kn Wind zu genießen. Wir sind das einzige Boot hier.

Danke an alle fĂŒrs DaumendrĂŒcken, es hat wohl geholfen.

Gesamtstrecke 745 Seemeilen, 5 Tage, 9 Stunden.

Essen: Nix. Fertig in die Koje.

Passage zu den Cook Islands, Tag 3

Es ist eine Schande, jetzt schon wieder von Maupiha’a abzufahren. Es ist soooo schön dort. Warum wir es trotzdem machen? Wenn wir lĂ€nger bleiben, schickt ein Wettersystem aus dem SĂŒden hohe Wellen zu uns hinauf. Bei gleichzeitig abnehmendem Wind wĂŒrde das eher unangenehme Bedingungen fĂŒr eine Passage bedeuten.

Die Abfahrt ist trotzdem nicht ganz einfach zu planen. FĂŒr die Fahrt durch die Lagune und den engen Pass hĂ€tten wir gern eine hoch stehende Sonne und idealerweise auch keine zu starke Tidenströmung im Pass. Um Mittag herum wĂ€re gut dafĂŒr. Allerdings sind es 360 Seemeilen von Maupiha’a bis nach Aitutaki in den Cook Inseln. Das bedeutet bei ideal schneller Fahrt zwei Tage, etwas konservativer gerechnet 2 1/2 Tage bzw. 60 Stunden. Bei Mittagsabfahrt heißt das Ankunft in der Nacht. Nicht ideal, aber wir können ja vielleicht langsamer segeln.

Also fahren wir tatsĂ€chlich mittags ab, kommen gut (wenn auch etwas angespannt) durch den 20 m engen Pass und setzen das Großsegel gleich im ersten Reff. Immer noch zu schnell. Wir wechseln ins zweite Reff. Sehr angenehmes Segeln.

Vielleicht nochmal ein bisschen Orientierung. Der Blick auf den Globus zeigt im SĂŒdpazifik ja fast durchgehend Wasser. Die Cookinseln sind ein unabhĂ€ngiger Insel-Staat im SĂŒdpazifik in „freier Assoziierung mit Neuseeland“. So ist etwa die WĂ€hrung an den NeuseelĂ€ndischen Dollar gekoppelt und die StaatsbĂŒrgerschaft ist tatsĂ€chlich NeuseelĂ€ndisch mit einem besonderen Status hinsichtlich der Cookinseln.

Und da, genauer gesagt nach Aitutaki in den SĂŒdlichen Cookinseln, wollen wir jetzt erstmal hin.

Elisa kocht, es gibt Bratkartoffeln und dazu Ratatouillereste von gestern. Lecker.😋

AbgrĂŒnde und Rettungsflieger

In der letzter Woche ist so viel passiert, dass wir eine ganze Zeit gebraucht haben, um ĂŒberhaupt darĂŒber berichten zu können. Begonnen hat es wunderbar entspannt.

Mit unseren Freunden Theresa und Joe genießen wir zunĂ€chst die Zeit im Atoll Aratika. Wir schnorcheln im Ostpass, wo neben den Haien 



 dieses Mal insbesondere der wirklich als senkrechte Wand in die dunkle Tiefe abfallende Dropoff am Ă€ußeren Ende des Passes beeindruckt. Ein irres GefĂŒhl, darĂŒber hinaus bzw. hinein zu schnorcheln. Gerade noch 10 m Wassertiefe und gleich daneben: scheinbar ein unendlicher Abgrund. Der Blick sucht Halt, tastest sich an der steilen Wand hinunter und verliert sich im immer dunkler werdenden Blau.

Im Pass selbst begeistern uns vor allem die Adlerrochen. ZunÀchst ein einzelnes Exemplar 



 dann mehrmals gleich jeweils vier Geflecke Adlerrochen im Formationsflug:

Diese wunderschönen und eleganten Tiere gehören (anders als die Mantas) zu den Stechrochen und tatsĂ€chlich haben sie Giftstachel am Schwanzansatz. Allerdings dienen diese lediglich als Verteidigungswaffe, Menschen gegenĂŒber sind die Adlerrochen eher scheu.

Auch an Land sind wir gemeinsam unterwegs, wandern wir durch eine Palmenallee hinĂŒber zum Außenriff.

Abends verabschieden wir uns von Theresa und Joe, am nĂ€chsten Tag brechen wir frĂŒh auf. Es scheint die einzige Möglichkeit zu sein, einigermaßen vernĂŒnftig durch den (West-)Pass und nach Fakarava zu kommen. Die Strömung in den PĂ€ssen von Aratika scheint derzeit zu machen, was sie will. Seit zwei Tagen haben wir kein einlaufendes Wasser erlebt, jederzeit strömt es hinaus. Die Tide nach Vollmond (Springtide) und der Wind haben da wohl den eigentlichen Rhythmus ziemlich durcheinander gebracht.

Wir laufen erst einmal eine Boje am Westass an und ich erkunde mit dem Beiboot die Situation im Pass. Auslaufendes Wasser, recht krĂ€ftig. Aber keine stehende Welle, nur kleinere Strudel und stĂ€rkeres Kabbelwasser erst draußen außerhalb der engen Riffdurchfahrt. Ok, das können wir probieren. TatsĂ€chlich werden wir beim Hinausfahren kaum durchgeschaukelt und auch nicht vom Kurs abgebracht. Allerdings schießen wir mit bis zu zwölf Knoten Fahrt wie ein Korken aus der Flasche. Puh, aufregend, aber gut.

Ein paar Seemeilen weiter bekommen wir einen WhatsApp-Anruf von Theresa. Sie ist ziemlich aufgelöst, Joe hat aus unbekanntem Grund akute Gesundheitsprobleme.

Wir drehen um und fahren zurĂŒck Richtung Pass. Unterwegs bringen wir die WhatsApp-Nummer der Rettungsleitstelle in Tahiti in Erfahrung, Telefonempfang hat Theresa am Ankerplatz nicht.

Die Strömung im Pass hat sich leider kaum verĂ€ndert. Gegen gut 5 Knoten Gegenstrom kĂ€mpft sich die Flora quĂ€lend langsam zurĂŒck in die Lagune von Aratika. Immer noch sieben Meilen bis zur Freefall. Unterwegs kommt mit Brassfahrt ein Dinghy von hinten auf. Die beiden Franzosen darin rufen uns zu, das eine Krankenschwester an Land sei. Wir erklĂ€ren, dass der Notfall nicht bei uns an Bord sondern auf dem Katamaran im Osten der Lagune vorliegt und klĂ€ren, wie wir die Hilfe an Bord bekommen können.

Kurz nachdem wir bei der Freefall ankommen, braust dann ein lokales Boot mit der Krankenschwester heran. Gemeinsam schaffen wir es, Joe auf das Local-Boat zu bekommen. Theresa fÀhrt mit und sie brausen davon.

Etwas spĂ€ter erfahren wir, dass der Rettungsflieger unterwegs ist um Joe nach Tahiti ins Krankenhaus zu bringen. Wir suchen auf der Freefall ein paar Sachen fĂŒr Joe zusammen und ich bringe sie zum Flughafen, wo wir gemeinsam auf den Rettungsflieger warten. Als er gelandet ist, untersucht die Ärztin Joe in der leeren Wartehalle des Flughafens (hier landet normalerweise nur einmal pro Woche ein Linienflugzeug). Sie entscheidet, dass er flugfĂ€hig ist und zur weiteren Untersuchung nach Tahiti ausgeflogen werden soll. Theresa kann allerdings nicht mitfliegen.

Die nĂ€chsten Tage sind eine emotionale Achterbahnfahrt. Wir sind froh, dass wir umgekehrt sind und Theresa unterstĂŒtzen können.

Es ist jedenfalls gut zu wissen, dass das Rettungssystem auch auf kleineren bewohnten Inseln der Tuamotus funktioniert, fast alle haben einen kleinen Flughafen. Und – Lessons Learned – wir nehmen uns vor, die Notfall-WhatsApp -Nummer der jeweiligen regionalen Rettungsleitstelle kĂŒnftig gleich in unsere Handys zu speichern. Eine aktive lokale SIM-Karte macht (Empfang vorausgesetzt) auch manches leichter. So haben wir gelernt, dass hier in Französisch Polynesien die Rettungsleitstelle per Handy ĂŒber die Telefonnummer 16 (wie der UKW-Anrufkanal) erreichbar sein soll.

Zwei Tage nach unserem ersten Versuch laufen wir dann wieder durch den Pass aus, wieder mit reichlich Strömung, aber unproblematisch. Wir wĂ€ren noch lĂ€nger geblieben, aber unsere GĂ€ste Karen und Steve kommen in Fakarava an, insofern wird es höchste Zeit. Aber immerhin sind die Untersuchungen von Joe jetzt durch und es geht ihm besser, er fliegt zwei Tage spĂ€ter zurĂŒck zur Freefall. Wir bleiben in Kontakt und immerhin auch rĂ€umlich in der NĂ€he. FĂŒr Freefall und Flora steht ja demnĂ€chst der etwas lĂ€ngere Schlag zurĂŒck Richtung Papeete an, das werden wir wohl als Buddy-Boote angehen.

Nachdem wir ja im letzten halben Jahr keinen einzigen Fisch mehr gefangen haben (und in den Atollen wegen der Ciguatera-Gefahr nicht angeln oder speeren), ist uns auf der Überfahrt von Aratika nach Fakarava endlich wieder einmal das AngelglĂŒck hold. Und wie! Passend zur Crewerweiterung von zwei auf vier ziehen wir nach lĂ€ngerem Kampf einen wirklich großen Mahi Mahi an Bord:

Mit Karen und Steve erkunden wir einmal mehr Fakarava, schaffen auch erstmals eine Fahrradtour ĂŒber die Insel.

Und, obwohl wir schon so oft hier waren, erleben auch wir dabei neben Bekanntem auch wieder einiges Neues und so von uns noch nicht gesehenes.

Taka-Tuka-Land

Aratika. Wieder ein neues Atoll fĂŒr uns, wieder ein neuer SĂŒdsee-Inselname fĂŒr Euch. Exotisch, aber irgendwie auch sehr schwer zu merken.

Aratika. Unser neuntes Tuamotu-Atoll nach zuvor Raroia, Makemo, Tahanea, Fakarava, Tikehau, Apataki, Toau und Faaite.

Aber zuvor im Gambier Archipel waren da natĂŒrlich Mangareva, Taravai, Agakauitai, Akamaru und Aukena, in den Marquesas Fatu Hiva, Tahuata, Hiva Oa, Ua Huka, Nuku Hiva und Ua Pou. In den Gesellschaftsinseln bisher Tahiti, Moorea, Raiatea, Tahaa und Huahine. Alles in Französisch Polynesien im letzten Jahr.

Außer vielleicht Tahiti alles Namen, die – bevor man tatsĂ€chlich da gewesen ist – vor allem zwei Sachen gemeinsam haben:

  1. Sie klingen bunt, haben zumeist ebenso viele Vokale wie Konsonanten (oft auch mehr);
  2. Sie scheinen genau so sehr der Phantasie entsprungen wie Astrid Lindgrens SĂŒdsee-Insel Taka-Tuka-Land, wo Pippi Langstrumpf ihren Vater, dessen Schiff und seine Mannschaft vor Piraten rettet.

Anders als Pippi, Tommy und Annika mĂŒssen wir uns hier allerdings nicht mit Schurken wie Blut-Svente oder Messer-Jocke herumschlagen. Ganz im Gegenteil: abgesehen von der Großstadt Tahiti schließen die Segler hier auf den Inseln nicht einmal ihr Dinghy an, wenn sie an Land gehen. Ganz anders als noch in der Karibik, wo es fast ĂŒberall hieß “lock it or lose it”. Die Gefahren hier in den Tuamotus sind eher navigatorischer Natur: Riffe, Bommies und Passdurchfahrten.

Aratika hat sogar gleich zwei PĂ€sse. Einen im Westen, durch den wir nach einem sportlichen Am-Wind-Ritt pĂŒnktlich kurz nach Hochwasser bei einem Knoten Gegenstrom in die Lagune einlaufen.

Und einen im Osten, sehr schmal und zudem nicht gerade verlaufend, deshalb mit ziemlich schwierigen StrömungsverhĂ€ltnissen. Er soll toll zum Schnorcheln sein, aber trotz ausreichender Tiefe schwierig zu befahren. Wenn ĂŒberhaupt, dann nur etwas fĂŒr ruhiges Wetter.

Wir liegen an der Boje eben nördlich von diesem zweiten Pass. Als wir ihn uns anschauen, prĂ€sentiert er sich so, als wolle er das abschreckende Beispiel fĂŒr PĂ€sse in Französisch Polynesien darstellen. Oder zumindest das, was den Segler bei falschem Timing oder unpassenden Bedingungen in den PĂ€ssen erwarten kann.

Obwohl die See draußen nur mĂ€ĂŸig bewegt ist, steilt sich im Pass eine beeindruckende Welle auf.

Damit nicht genug, liegt auf dem Riff neben dem Pass auch noch das Wrack eines Segelbootes.

Aufrecht und scheinbar relativ intakt, aber ohne Mast, sicher auch ohne Kiel, und und und. Ein zerbrochener Traum, gestrandet am Ostpass von Aratika.

Taka-Tuka-Land fordert die Phantasie eben auf mehreren Seiten. Man kann sich Abenteuer an exotischen Orten der SĂŒdsee vorstellen und wir dĂŒrfen diese Abenteuer auch genießen. Aber wachsam bleiben mĂŒssen wir auch.

Flora und Freefall an Bojen in Aratika

Jetzt aber: nochmal Wall of Sharks

Hai-Light. Ernsthaft: mein NEUNTER Tauchgang an der Wall of Sharks, verteilt ĂŒber die letzten neun Monate. Anfang Juli 2024 hatten wir erstmals am SĂŒdpass von Fakarava geankert und neben mehreren DriftschnorchelgĂ€ngen auch ein paar TauchgĂ€nge gemacht. Wie dann auch bei unseren weiteren Besuchen.

Jetzt also die TauchgĂ€nge Nummer 8 und 9 dort. Wird das nicht langweilig? Haie, Haie, Haie? Nein, wird es ĂŒberhaupt nicht. Zum einen sind es ja nicht nur die Haie, sondern auch die vielen imposant großen Napoleonfische und all die anderen Riff-Fische, die Korallenlandschaft, ganz die Schwerelosigkeit beim Tauchen ĂŒberhaupt und insbesondere beim Strömungstauchen hier im Pass (“is wie wennste fliechst”). Zum anderen ist es wirklich jedesmal ĂŒberraschend unterschiedlich. Beim 9. Tauchgang zum Beispiel bevölkert ein riesiger Schwarm Neon-FĂŒseliere den Pass, das hatten wir so noch ĂŒberhaupt nicht. WĂ€hrend wir uns am Rand halten, ziehen die Haie ganz ruhig Bahnen durch den Schwarm dieser zwischen 20 und dreißig Zentimeter langen Schwarmfische mit ihren neonblauen Leuchtstreifen.

Die Szenerie erscheint fast unwirklich, zumal die Haie eben nicht im Angriffsmodus sind, sondern unbeirrt mit langsamen Bewegungen ihren Platz in der Strömung mehr oder weniger halten, wĂ€hrend die herumwuselnden Neon-FĂŒseliere Gassen fĂŒr sie bilden.

Und ja, auch bei diesem Tauchgang macht die Wall of Sharks ihrem Namen Ehre. Wir sehen eine Vielzahl von Haien, darunter einen Lemon-Shark, einige Weißspitzen-Riffhaie und im flacheren Bereich auch Blacktips. Vor allem aber Graue Riffhaie, oft mehrere Dutzend gleichzeitig.

Hier habe ich einfach mal einige Hai-Impressionen von diesen beiden Wall of Sharks-TauchgĂ€ngen zusammengestellt (zum VergrĂ¶ĂŸern einfach auf das erste kleine Bild klicken):

Na klar, wir sehen nicht nur Haie:

Obwohl, die Hauptdarsteller sind die Grauen Riffhaie an diesem ihretwegen weltbekannten Tauchplatz schon:

Ganz nebenbei, ĂŒber Wasser ist es auch hĂŒbsch am SĂŒdpass von Fakarava. Eine kleine Ansammlung von HĂ€usern gibt es, aber als Ortschaft kann man Tetamanu eigentlich kaum bezeichnen, es ist kaum mehr als die Tauchschule (wo wir auch unsere Tauchflaschen auffĂŒllen lassen) und einige Ressort-HĂŒtten. Obwohl, ein paar HĂ€uschen von Locals gibt es wohl, einen Funkmast und sogar eine kleine Kirche. Also eben doch ein klitzekleines Dorf, und ein malerisch schönes noch dazu.

Wieder zur Wall of Sharks, aber erst einmal Marlin!

Der Wecker klingelt um kurz nach fĂŒnf. FrĂŒh raus, das passt gut mit der Tide im Pass von Tahanea und es gibt uns außerdem genĂŒgend Zeit, um bei Tageslicht in Fakarava anzukommen.

TatsĂ€chlich können wir praktisch die gesamte Strecke von etwas ĂŒber 50 Seemeilen wunderbar segeln, grĂ¶ĂŸtenteils unter Gennaker. Am Anfang klassisch, zwischendurch auch mal ohne Großsegel, am Ende dann Schmetterling mit Gennaker und Groß.

Ein traumhafter Segeltag. Einziger Wermutstropfen: wieder kein Fisch gefangen.

Das allerdings erweist sich als nicht so tragisch. Die parallel segelnde Freefall verkĂŒndet in unserer WhatsApp-Gruppe: Fisch fĂŒr alle! Sie haben einen knapp unter 2.5 Meter langen Marlin an Bord gezogen.

Photo credit: Theresa, SV Freefall

Kein Wunder, dass sie plötzlich etwas langsamer geworden und als letzte beim Ankerplatz am SĂŒdpass ankommen. Allerdings hat sich Joe beim Ausnehmen an der Hand verletzt, Hilfe beim Filetieren wĂ€re also gewĂŒnscht.

Das ĂŒbernehme ich doch gerne und ich bekomme es auch gerade noch vor dem Dunkelwerden hin. Der schon kopflose Marlin auf dem Heck der Freefall:

Die Wall of Sharks muss also noch etwas warten. Allerdings versammeln sich einige Haie hinter der Freefall, obwohl wir die AbfĂ€lle natĂŒrlich extra in großer Entfernung vom Ankerplatz entsorgen. Allein das SauberspĂŒlen des Hecks sorgt schon dafĂŒr, dass die nĂ€chsten beiden Tage niemand von Bord der Freefall aus ins Wasser gehen möchte. 20 Haie direkt am Schiff zĂ€hlt Joe. Flora liegt nur 100 m weiter vor Anker, aufgeregte Haie zeigen sich bei uns aber zum GlĂŒck nicht.

😉

Manta. Schnorcheln und Tauchen am Außenriff und im Pass von Tahanea

Wir sind mal wieder auf dem Sprung. Aber bevor wir erneut nach Fakarava aufbrechen, segeln wir zunĂ€chst durch die Lagune von Tahanea zurĂŒck zum Ankerplatz am Pass.

Kaum ist der Anker gefallen, steht auch schon die nĂ€chste Verabredung. Gemeinsam mit den Crews der ebenfalls zum Pass gefahrenen Lille Venn, My Motu und Freefall wollen wir am Außenriff und im Pass Schnorcheln (Wiebke) bzw. Tauchen (Ralf). Also schnell die Tauchsachen raussuchen, zusammenbauen, und dann werden wir auch schon abgeholt. Was fĂŒr ein Service.

Der Tauchgang am steil abfallenden Außenriff (Drop off) ist ruhiger als erwartet. Haie sehen wir erstaunlicherweise nur relativ wenige. DafĂŒr begegnet mir zum ersten Mal ein Boomerang-DrĂŒckerfisch und auch den hier recht hĂ€ufigen Flammen-Zwergkaiserfisch bekomme ich erstmals vernĂŒnftig vor die Linse der GoPro-Unterwasserkamera. Auch schön: in 12 Meter Tiefe am Außenriff finden sich See-Anemonen und konsequenterweise auch Clownfische. Nemo.

Das besondere Highlight dieses Tauchgangs allerdings wartet im Pass auf uns. Ein Manta mit etwa drei Meter Spannweite gleitet gegen die Strömung ganz gemÀchlich auf mich zu und nahe an mir vorbei.

Nicht die erste Begegnung mit solchen elegant unter Wasser fliegenden Riesen, aber auch dieses Mal wieder ein magischer Moment.

Morgen soll es dann frĂŒh losgehen Richtung Fakarava, Stillwasser im Pass von Tahanea ist kurz vor 06.00 Uhr. ⏰

Tahanea

Es wird ein wunderschöner Segeltag. Wir starten mit Schwachwind und Code0, 



 wechseln dann aber bei zunehmendem Wind irgendwann auf die Fock. Zwischenzeitig zwei Reffs ins Groß. Um uns herum tauchen immer mehr Schauerwolken auf, einige ziemlich so imposant, dass die hinter uns segelnde Easy-One kaum davor auszumachen ist:

TatsĂ€chlich aber verschonen die Schauerwolken sowohl uns als auch die Easy-One, erst in der Ansteuerung auf den Pass von Tahanea bekommen wir ein paar wenige Tropfen ab, dĂŒrfen zum Ausgleich aber einen wunderschönen gleich doppelten Regenbogen bewundern, mit herrlich sichtbarem dunklerem Bereich zwischen Regenbogen und Nebenregenbogen (Alexanders dunkles Band):

Wir ankern hinter dem Motu direkt zwischen dem Nordpass und dem breiteren Hauptpass, durch den wir ins Atoll gefahren sind.

Wir schnorcheln am folgenden Tag in beiden PĂ€ssen, fahren mit dem Dinghy bei einlaufender Tide hinaus und lassen uns durch den Pass zurĂŒck in die Lagune treiben. Besonders gut gefĂ€llt uns die Nordseite des Nordpasses. Am Ă€ußeren Ende zeigen bockende Wellen starke Verwirbelungen an, aber danach ist die Strömung auf dieser Seite nicht so stark. Der dicht an dicht mit Korallen bestandene Nordrand bietet in 3 bis 5 Metern Tiefe eine vielfĂ€ltige Korallenlandschaft, die es in sich hat. Der Fischreichtum ist immens und das klare einlaufende Wasser lĂ€sst die ganze Palette der Farben auch richtig zur Geltung kommen.

Ein gutes Beispiel sind die bis zu 80 cm groß werdenden Buckelkopf-Papageifische. Diese sind eigentlich an allen halbwegs gesunden Riffen im SĂŒdpazifik zu finden und in sofern ein bekannter Anblick. Aber selten strahlen die Farben so wie hier.

Eine Besonderheit bei den meisten Papageifischarten, so auch beim Buckelkopf-Papageifisch: es handelt sich um Hermaphroditen. Nach einer Jugendphase entwickeln sich zunĂ€chst fast alle zu Weibchen. SpĂ€ter im Lebenszyklus wandelt sich dann ein grĂ¶ĂŸerer Teil zu MĂ€nnchen um. Und nicht nur das: in jeder der Phasen zeigen diese Fische auch ein völlig unterschiedliches Farbkleid.

Weiblicher Buckelkopf-Papageifisch
MĂ€nnlicher Buckelkopf-Papageifisch

Die vorderen ZĂ€hne sind ĂŒbrigens zu den Platten eines schnabelartigen und stĂ€ndig nachwachsenden Beißwerkzeugs umgebildet, mit dem die Papageifische einen niedrigen Pflanzenbewuchs auf den Korallen regelrecht abgrasen. Dabei schaben sie auch erhebliche Mengen von Korallenkalk ab, den sie zĂŒgig wieder ausscheiden. Dann allerdings fein gemahlen – als den Sand, den wir an den PalmenstrĂ€nden so lieben. Kein Scherz, ein ausgewachsener Buckelkopf-Papageifisch produziert so bis zu 90 kg feinsten Sand pro Jahr.

Wir sehen noch verschiedene andere Papageifische:

Aber natĂŒrlich nicht nur die.

GriesgrÀmig dreinschauender Lippfisch
Falterfisch
Camouflage-Zackenbarsch im Versteck
Imperator-Kaiserfisch

Jedenfalls ist der Drift-Schnorchelgang im Nordpass von Tahaneha fĂŒr uns einer der insgesamt schönsten SchnorchelgĂ€nge bisher, und das will schon etwas heißen, denn da kommen mittlerweile doch so einige zusammen.

Eine etwas alberne Frage wird nebenbei auch beantwortet: wieso heißt die Farbe von Wiebkes Tauchmaske eigentlich „Coral“?

Schnorcheln im Pass von Faaite

Morgen wollen wir weitersegeln, der Abschied von Faaite steht also bevor. Die Zeit hier in diesem kleinen Atoll hat uns richtig gut gefallen, aber das unbewohnte Tahanea im Osten von Faaite lockt. Mit gut 45 Seemeilen sollte das ein schöner Ganztagestörn werden.

Vielleicht vorher noch ein bisschen einkaufen? Na ja, die LebensmittellĂ€den hier geben nicht allzu viel her, Frisches ist ĂŒberhaupt nicht zu finden. Ist wohl schon eine Weile her, seit das letzte Versorgungsschiff hier war.

Ein paar Basissachen bekommen wir dann aber im letzten Laden doch noch.

Aber bevor wir den nÀchsten Törn angehen, möchten wir gerne noch im strömungsreichen Pass von Faaite schnorcheln.

Wir nehmen den flachen Dinghy-Pass ĂŒber das Riff. Schon dort stellen wir fest, dass die Tide sich nicht an den Zeitplan hĂ€lt und weiterhin auslaufend ist. Nicht gefĂ€hrlich stark, aber doch ein bisschen schade, denn dadurch ist das Wasser im Pass nicht ganz so klar wie bei einlaufender Strömung. Vom tieferen Pass halten wir uns dann auch fern, dort ist die auslaufende Strömung noch deutlich krĂ€ftiger.

Macht aber nichts, fĂŒr dieses kleine Manko entschĂ€digt der Fischreichtum und die vielfĂ€ltigen Korallen, die den gesamten Boden im Dinghypass bedecken.

Doktorfische wie der Achilles-Doktorfisch mit seinem auffĂ€lligen orangen Fleck um das “Skalpell” an der Schwanzwurzel oder die Weißwangen-Doktorfische mit dem schmalen gelben Streifen bilden quasi das Empfangskomitee, als wir uns ins Wasser gleiten lassen.

Auch Einhornfische und Bannerfische sehen wir wieder zuhauf.

Eine imposante, etwa oberschenkeldicke MurÀne darf auch nicht fehlen.

Aber hier im Pass begegnen uns auch Meeresbewohner, die wir bisher noch ĂŒberhaupt nicht gesehen haben, etwa dieser wunderschöne Pfauenaugen-Butt:

Wegen seiner blumigen Zeichnung wird er im Englischen auch “Flowery Flounder” genannt. Wie viele Plattfische kann er die Farbe seiner Körperoberseite verĂ€ndern, das “Blumenmuster” wird dabei mal mehr, mal weniger auffĂ€llig.

Damit nicht genug, ein riesiger Schwarm von Großaugen-Heringsmakrelen (Big Eye Scad) kommt auf uns zugeschossen. Sie fliehen vor mehreren deutlich ĂŒber einen Meter großen Trevally, die immer wieder durch den Schwarm jagen.

TschĂŒss Faaite, danke fĂŒr alles, es war sehr schön bei Dir!

Faaite. Ein weniger besuchtes Atoll.

Der Wind hier in den Tuamotus prĂ€sentiert sich aktuell ziemlich wechselhaft. Eigentlich liegen die Tuamotus im PassatwindgĂŒrtel mit seinen östlichen Winden. Jahreszeitlich bedingt schwankt der vorherrschende Wind etwas, ist von Februar bis April östlich, kommt von Mai bis November mehr aus SĂŒdost (wobei er um August herum am stĂ€rksten blĂ€st, im SĂŒdsommer dafĂŒr schwĂ€cher), im Dezember und Januar ist typischerweise eher Nordost zu erwarten. Nur: derzeit sind ĂŒber Nord auf West drehende Winde angekĂŒndigt, fĂŒr das nĂ€chste Wochenende gar mit einer krĂ€ftigen WSW-Komponente. Alles andere als ideal am SĂŒdpass von Fakarava. Etwas besseren Schutz wĂŒrde es im Norden von Fakarava geben, aber nicht bei WSW.

Wir entscheiden uns dafĂŒr, statt dessen zum kleineren und seltener besuchten Atoll Faaite zu segeln. Wir schaffen es, die Passage durch den SĂŒdpass und auch die Einfahrt nach Faaite mit nur geringer Strömung zu timen, dazwischen liegen ein paar Stunden herrlichstes Segeln bei wenig Welle und perfektem Segelwind.

Über die Passeinfahrt in Faaite hatten wir uns einige Gedanken gemacht, die Durchfahrt ist recht schmal und kann bis ĂŒber 7 kn Strömung aufweisen. Teilweise wird geraten, notfalls in der Sackgasse links von der Durchfahrt zu ankern. Zum GlĂŒck geht alles glatt, denn als wir spĂ€ter mit dem Dinghy den “Notankerplatz” checken, finden wir ihn zwar tief genug, aber dicht an dicht mit Korallen bestanden.

Pass ins Faaite-Atoll
Blick auf den Pass aus umgekehrter Richtung

Auf der Innenseite des Passes gibt es eine vergleichsweise flache Barre (wir messen 3,7 m), aber bei diesen Bedingungen ist das unproblematisch. Und so schleichen wir an den allerdings zahlreichen Bommies vorbei in die Nordwestecke des Atolls und ankern im Schutz von gleich drei palmenbestandenen Motus.

Die Easy-One ist bei uns, Lille Venn und Free Fall kommen am nÀchsten Tag dazu.

Ich denke, hier werden wir es eine Zeitlang ganz gut aushalten können.

Die Nachtluft ist mild und der Wind bisher noch lau. So bleiben wir lange in der HĂ€ngematte auf dem Vorschiff, löschen irgendwann das Licht, beobachten den halb vollen Mond und den Sternenhimmel. Orion steht hoch ĂŒber der Flora, Mars spielt mit Castor und Pollux im Zwilling, Jupiter gesellt sich zu Aldebaran im Stier. Am SĂŒdosthimmel ist zunĂ€chst nur das “Falsche Kreuz” auszumachen, etwas in der Nacht klettert auch das Kreuz des SĂŒdens höher ĂŒber den Horizont und wird damit deutlicher sichtbar.