Ein Wochenende in Rangiputa

Die Bootsarbeiten hier in Whangārei werden wohl noch einige Zeit andauern. Einige Ersatzteile sind bestellt. Das Wochenende bietet eine gute Gelegenheit fĂŒr etwas Abstand – im Wortsinne.

Wir fahren mit dem Auto etwa zweieinhalb Stunden nach Norden. Nicht zur hinauf zum Cape Reinga, der Nordspitze von Neuseelands Nordinsel, das wĂ€re fast doppelt so weit. Unser Ziel ist Rangiputa auf der Karikari-Halbinsel, immerhin schon im District „Far North“ gelegen. Unsere neuseelĂ€ndischen Segelfreunde Jacqui und Phil von der Skylark haben uns nach dort in ihr Ferienhaus eingeladen.

Wir halten die beiden mit unserem Besuch zwar von der Arbeit an der Erneuerung ihrer Terrasse ab, aber die beiden versichern uns, etwas Abwechslung von dieser Arbeit (und der Bootsarbeit auf Skylark) kÀme ihnen durchaus gelegen.

Es wird ein wunderschönes Wochenende. Jacqui und Phil sind leidenschaftliche Wingfoiler und auf der Terrasse direkt am Meer findet sich denn auch eine reichliche Auswahl an Spielzeugen. Der Wind hat allerdings ebenfalls eine Auszeit genommen. Kein Problem, wechseln wir hat auf ein anderes Spielzeug: mit dem Mini-Traktor zieht Phil sein krĂ€ftig motorisiertes RIB-Schlauchboot etwa 100 m die Straße hinunter zur Slipbahn.

Wiebke und ich fahren im RIB mit. Jacqui bringt Traktor und Trailor zurĂŒck, wir holen sie dann auf der Wasserseite ihres GrundstĂŒcks ab. Gemeinsam brausen wir ĂŒber die Bucht und versuchen an verschiedenen Stellen unser AngelglĂŒck.

Allerdings: beim ersten Versuch haben wir nur bedingt Erfolg. Einen Pigfish lassen wir zurĂŒck ins Wasser und als sich Phils Angel danach dann so richtig biegt, ist es es kolossaler „Bronze Whaler“. Dieser krĂ€ftige Hai zieht uns eine ganze Weile kreuz und quer am Riff entlang, bis wir es im flachen Wasser nah an ihn heran schaffen und die Leine kurz abreißen können. Beim zweiten Versuch am nĂ€chsten Tag haben Phil und ich deutlich mehr AngelglĂŒck. Die gekauften Köderfische sind zwar so weich, dass sie im Wasser aufgetaut praktisch gleich vom Haken fallen, aber wir erwischen mit der Schleppangel einen „Kahawai“ (eine Art Lachsforelle), der sich kleingeschnitten hervorragend als Köder eignet. Damit fangen wir dann in kurzer Zeit 7 Snapper (zwei setzen wir zurĂŒck) und einen Trevally (Dickkopf-Stachelmakrele). Das Festessen ist also gesichert, zumal Phil beim Strandspaziergang am 3 km langen Karikari Beach auch noch fleißig „Tuatua“ sammelt. Diese sich im Sand vergrabenden Muscheln sind eine typische neuseelĂ€ndische Speise, oft werden sie (frikadellenartig) zu Fritters verarbeitet.

Weil der Wind zum Wingfoilen nicht reicht, verlegen wir uns auf das Tow-Foilen. Es ist nicht ganz so einfach wie hinter unserer Florecita, weil das RIB mit seinem 115 PS Motor doch fĂŒr ganz ordentliche Prop-Wash-Verwirbelungen sorgt. Aber nachdem ich dem etwas ausweiche und mich an Jacqui‘s ungewohnt schmales Downwind-Board sowie die mit viel Lift agierenden Armstrang-Foils gewöhnt habe, klappt es dann doch noch.

Es geht auch ruhiger: Wiebke und Jacqui nutzen die Terrasse zum morgendlichen Yoga und lassen sich auch von den auf dem Rasen vorbeispazierenden kalifornischen Schopfwachteln (wieder so eine heimisch gewordene importierte Art) nicht irritieren.

Ein herrliches Wochenende, die Zeit verfliegt. Zum Abschluss begleiten uns Jacqui und Phil noch eine Stunde auf der RĂŒckfahrt Richtung Whangārei. Gemeinsam besuchen wir das Weingut „Marsden Winery“ bei Kerikeri und essen wunderbar im dortigen Restaurant.

Danke, Ihr Lieben, fĂŒr Eure Gastfreundschaft und die tolle Zeit mit Euch!

Passage von Minerva nach Neuseeland, Tag 1


Wir segeln, zwar langsam, aber wir segeln und das bei herrlichem Wetter.


Der Wind ist schwach, meist zwischen 7 und 10 Knoten. Immerhin reicht das unter Groß und Code0, um nicht Motoren zu mĂŒssen, zumal die See auch angenehm ruhig ist. Allerdings haben wir eine Gegenströmung von jetzt noch 0,7 kn, zwischendurch war es mehr als ein Knoten. Das macht sich natĂŒrlich im VerhĂ€ltnis zu der langsamen Fahrt besonders bemerkbar. Also zupfen wir ein bisschen mehr als sonst auf Passage ĂŒblich an den Schoten, so legen wir in den ersten 24 Stunden dann doch immerhin 95 Seemeilen zurĂŒck.

Der Strömung können wir ĂŒbrigens kaum ausweichen, die Darstellung der StrömungsverhĂ€ltnisse (auf Windy.com) gleicht eher einer surrealistischen Malerei und die kleinen Kringel verĂ€ndern sich stĂ€ndig:

Anders als ursprĂŒnglich geplant werden wir aber wohl nicht nach Opua (Bay of Islands) gehen, sondern direkt nach Marsden Cove / Whangarei. Der Grund ist, dass wir bisher trotz dreimaliger Übermittlung von Unterwasservideos und ergĂ€nzenden Unterwasserfotos kein Pre-Approval von der Biosecurity haben. So, wie die neuen Regeln zumindest am Anfang dieser Ankunftssaison angewendet wurden, wĂ€re das etwa ein 1/3 Risiko dafĂŒr, im Ankunftshafen sofort aus dem Wasser gekrant werden zu mĂŒssen. In Opua wĂŒrde das bedeuten, dass wir auch noch einen Rigger bezahlen mĂŒssten um das Vorstag abzubauen, weil sie dort ansonsten nur bis 40 Fuß rausnehmen können. Oder rĂŒckwĂ€rts, aber dann wĂ€re unser Windgenerator im Weg. Um diese zusĂ€tzliche Komplikation zu vermeiden haben wir uns lieber fĂŒr Marsden Cove/Whangarei als Ankunftsort in Neuseeland entschieden.

Die Planung fĂŒr die Passage ist auch so schon komplex genug. Es sind nur rund 850 Seemeilen von Minerva bis nach Whangarei, aber die Wettersysteme verĂ€ndern sich in diesem Bereich sehr schnell. Der Wendekreis des Steinbocks (also der sĂŒdlichste Breitengrad, auf dem die Sonne mittags im Zenit stehen kann) verlĂ€uft in etwa in Höhe des Minerva Riffs. Mit der Passage verlassen wir also jetzt definitiv die relativ klimastabilen Tropen. Die Temperaturschwankungen (auch zwischen Tag und Nacht) nehmen spĂŒrbar zu und die weit sĂŒdlich durchziehenden Sturmgebiete beeinflussen mit ihren AuslĂ€ufern die WindverhĂ€ltnisse um so krĂ€ftiger, je weiter wir nach SĂŒden kommen.

Aktuell sieht der Wind zwischen unserer Position (weißer Punkt in dem grĂŒnblauen Schwachwindbereich) und Neuseeland so aus:

AuffĂ€llig ist dabei der schmale blaue „Flautenfluss“ links in der Mitte des Bildes. Nördlich davon herrscht Nordwestwind, sĂŒdlich davon SĂŒdostwind. Schaut man auf die Böen, wird vor dem Nordkap Neuseelands ein Bereich mit bis zu 45 Knoten (WindstĂ€rke 9) ausgewiesen. Er zieht nach Osten ab, quert also unsere Route.

Die Abfahrt haben wir deshalb so geplant, dass dieser Bereich vor uns durch sein sollte und das nĂ€chste Starkwindgebiet erst nach unserer Ankunft unsere Route quert. Der Kurs dafĂŒr ist nicht die gerade Strecke. Wir halten zunĂ€chst sĂŒdlicher und schwenken dann erst auf Whangarei ein.

Kleiner Haken: auch der angesprochene Flautenfluss an der Grenze zweier gegenlĂ€ufiger Wettersysteme verlagert sich östlich und da mĂŒssen wir durch. Es kann also sein, dass wir im Verlauf der Passage noch etwas motoren mĂŒssen. Dabei gilt es dann auch die Gewitter zu umfahren, die dieses PhĂ€nomen mit sich bringt.

Wenn die Vorhersage stimmt, können wir zwischen zwei stĂ€rkeren Zellen hindurch schlĂŒpfen.

Und als weiterer bedeutsamer Parameter sind noch die Wellen zu berĂŒcksichtigen. auch hierfĂŒr bieten sowohl Windy als auch PredictWind Vorhersagemodelle fĂŒr Richtung und Höhe an. Danach sind in der Spitze etwa 2,6 m Welle zu erwarten. Das ist fĂŒr sich genommen ok, allerdings kann das Wellenbild wegen der gegenlĂ€ufigen Systeme durchaus chaotisch werden. Unangenehm, aber bei dieser Höhe nicht gefĂ€hrlich.

Soweit unsere Überlegungen. Dass wir damit nicht ganz falsch liegen, scheinen die professionellen Wetterrouter einiger anderer Boote zu bestĂ€tigen. Nach zuvor eher ablehnender Haltung haben sie gestern doch kurzfristig zum Aufbruch von Minerva geraten. Wir sind also mit einem kleinen Konvoi losgefahren.

Auf See verteilt sich das aber schnell. Inzwischen sehen wir nur noch zwei Boote in 12 Seemeilen Entfernung auf dem AIS, ihre Segel können wir am Horizont aber schon nicht mehr erkennen.

Na gut. So viel zu unserem Plan. Vermutlich am vierten November wĂŒrden wir dann in Marsden Cove ankommen.

Bisher ĂŒbrigens kein AngelglĂŒck.

Essen: Bratkartoffeln mit Frikadellen und Möhren-Krautsalat.

Passage zu den Cook Islands, Tag 4

Herrliches Segeln. Allerdings sind wir zu schnell, zugegebenermaßen ein Luxusproblem. Also segeln wir trotz 15 kn Wind im zweiten Reff, wĂ€hrend der Nacht sogar im dritten. TagsĂŒber bei langsam abnehmendem Wind wieder im zweiten Reff. Angenehme Bedingungen, Sonnenschein, tefblaues Meer. Offshore-Segeln vom Feinsten.

Um das Blauwassererlebnis wirklich perfekt zu machen gehört dann auch noch Angelerfolg dazu. Der kleine fliegende Fisch, der sich wĂ€hrend Elisas Wache ins Cockpit verirrt, zĂ€hlt nicht als solcher. Dann aber am Nachmittag: beide Angelleinen rauschen aus. Es wird ein ordentlicher Kampf mit Bauchgurt im Drill. Auch Elisa versucht sich zwischenzeitlich, aber die KrĂ€fte sind doch ein bisschen groß. (FĂŒr bessere Auflösung auf Foto klicken)

Wir bekommen beide Fische tatsĂ€chlich an Bord, es sind jeweils kapitale Mahi Mahi. Allerdings schaffen wir das nicht ganz ohne Schwund: die vorsorglich herausgestellte altbewĂ€hrte Plastikwanne (zum Ausbluten und Filetieren) ist viel zu klein und gleich der erste Mahi Mahi zertrĂŒmmert sie schon vor dem Hineinlegen mit einem Schwanzschlag. Beim zweiten Mahi Mahi bricht dann unser altes Gaff (ein Haken an einem Stiel, mit dem große Fische an Bordgehievt werden). Zum GlĂŒck erst, nachdem der Mahi Mahi schon auf dem Achterdeck zappelt.

Nach dem Filetieren sind die KĂŒhlschrĂ€nke ĂŒbervoll und ich bin erstmal völlig fertig, Nachmittagsschlaf ist angesagt.

Vorher mĂŒssen allerdings noch die Spuren des Gemetzels auf dem Achterdeck beseitiget werden, gefolgt von ausgiebigen gegenseitig verabreichten Eimerduschen.

Essen: Kartoffel-Lauch-Eintopf. Der Fisch muss im KĂŒhlschrank noch ein bisschen warten.

Noch rund 200 Seemeilen bis Aitutaki.

AbgrĂŒnde und Rettungsflieger

In der letzter Woche ist so viel passiert, dass wir eine ganze Zeit gebraucht haben, um ĂŒberhaupt darĂŒber berichten zu können. Begonnen hat es wunderbar entspannt.

Mit unseren Freunden Theresa und Joe genießen wir zunĂ€chst die Zeit im Atoll Aratika. Wir schnorcheln im Ostpass, wo neben den Haien 



 dieses Mal insbesondere der wirklich als senkrechte Wand in die dunkle Tiefe abfallende Dropoff am Ă€ußeren Ende des Passes beeindruckt. Ein irres GefĂŒhl, darĂŒber hinaus bzw. hinein zu schnorcheln. Gerade noch 10 m Wassertiefe und gleich daneben: scheinbar ein unendlicher Abgrund. Der Blick sucht Halt, tastest sich an der steilen Wand hinunter und verliert sich im immer dunkler werdenden Blau.

Im Pass selbst begeistern uns vor allem die Adlerrochen. ZunÀchst ein einzelnes Exemplar 



 dann mehrmals gleich jeweils vier Geflecke Adlerrochen im Formationsflug:

Diese wunderschönen und eleganten Tiere gehören (anders als die Mantas) zu den Stechrochen und tatsĂ€chlich haben sie Giftstachel am Schwanzansatz. Allerdings dienen diese lediglich als Verteidigungswaffe, Menschen gegenĂŒber sind die Adlerrochen eher scheu.

Auch an Land sind wir gemeinsam unterwegs, wandern wir durch eine Palmenallee hinĂŒber zum Außenriff.

Abends verabschieden wir uns von Theresa und Joe, am nĂ€chsten Tag brechen wir frĂŒh auf. Es scheint die einzige Möglichkeit zu sein, einigermaßen vernĂŒnftig durch den (West-)Pass und nach Fakarava zu kommen. Die Strömung in den PĂ€ssen von Aratika scheint derzeit zu machen, was sie will. Seit zwei Tagen haben wir kein einlaufendes Wasser erlebt, jederzeit strömt es hinaus. Die Tide nach Vollmond (Springtide) und der Wind haben da wohl den eigentlichen Rhythmus ziemlich durcheinander gebracht.

Wir laufen erst einmal eine Boje am Westass an und ich erkunde mit dem Beiboot die Situation im Pass. Auslaufendes Wasser, recht krĂ€ftig. Aber keine stehende Welle, nur kleinere Strudel und stĂ€rkeres Kabbelwasser erst draußen außerhalb der engen Riffdurchfahrt. Ok, das können wir probieren. TatsĂ€chlich werden wir beim Hinausfahren kaum durchgeschaukelt und auch nicht vom Kurs abgebracht. Allerdings schießen wir mit bis zu zwölf Knoten Fahrt wie ein Korken aus der Flasche. Puh, aufregend, aber gut.

Ein paar Seemeilen weiter bekommen wir einen WhatsApp-Anruf von Theresa. Sie ist ziemlich aufgelöst, Joe hat aus unbekanntem Grund akute Gesundheitsprobleme.

Wir drehen um und fahren zurĂŒck Richtung Pass. Unterwegs bringen wir die WhatsApp-Nummer der Rettungsleitstelle in Tahiti in Erfahrung, Telefonempfang hat Theresa am Ankerplatz nicht.

Die Strömung im Pass hat sich leider kaum verĂ€ndert. Gegen gut 5 Knoten Gegenstrom kĂ€mpft sich die Flora quĂ€lend langsam zurĂŒck in die Lagune von Aratika. Immer noch sieben Meilen bis zur Freefall. Unterwegs kommt mit Brassfahrt ein Dinghy von hinten auf. Die beiden Franzosen darin rufen uns zu, das eine Krankenschwester an Land sei. Wir erklĂ€ren, dass der Notfall nicht bei uns an Bord sondern auf dem Katamaran im Osten der Lagune vorliegt und klĂ€ren, wie wir die Hilfe an Bord bekommen können.

Kurz nachdem wir bei der Freefall ankommen, braust dann ein lokales Boot mit der Krankenschwester heran. Gemeinsam schaffen wir es, Joe auf das Local-Boat zu bekommen. Theresa fÀhrt mit und sie brausen davon.

Etwas spĂ€ter erfahren wir, dass der Rettungsflieger unterwegs ist um Joe nach Tahiti ins Krankenhaus zu bringen. Wir suchen auf der Freefall ein paar Sachen fĂŒr Joe zusammen und ich bringe sie zum Flughafen, wo wir gemeinsam auf den Rettungsflieger warten. Als er gelandet ist, untersucht die Ärztin Joe in der leeren Wartehalle des Flughafens (hier landet normalerweise nur einmal pro Woche ein Linienflugzeug). Sie entscheidet, dass er flugfĂ€hig ist und zur weiteren Untersuchung nach Tahiti ausgeflogen werden soll. Theresa kann allerdings nicht mitfliegen.

Die nĂ€chsten Tage sind eine emotionale Achterbahnfahrt. Wir sind froh, dass wir umgekehrt sind und Theresa unterstĂŒtzen können.

Es ist jedenfalls gut zu wissen, dass das Rettungssystem auch auf kleineren bewohnten Inseln der Tuamotus funktioniert, fast alle haben einen kleinen Flughafen. Und – Lessons Learned – wir nehmen uns vor, die Notfall-WhatsApp -Nummer der jeweiligen regionalen Rettungsleitstelle kĂŒnftig gleich in unsere Handys zu speichern. Eine aktive lokale SIM-Karte macht (Empfang vorausgesetzt) auch manches leichter. So haben wir gelernt, dass hier in Französisch Polynesien die Rettungsleitstelle per Handy ĂŒber die Telefonnummer 16 (wie der UKW-Anrufkanal) erreichbar sein soll.

Zwei Tage nach unserem ersten Versuch laufen wir dann wieder durch den Pass aus, wieder mit reichlich Strömung, aber unproblematisch. Wir wĂ€ren noch lĂ€nger geblieben, aber unsere GĂ€ste Karen und Steve kommen in Fakarava an, insofern wird es höchste Zeit. Aber immerhin sind die Untersuchungen von Joe jetzt durch und es geht ihm besser, er fliegt zwei Tage spĂ€ter zurĂŒck zur Freefall. Wir bleiben in Kontakt und immerhin auch rĂ€umlich in der NĂ€he. FĂŒr Freefall und Flora steht ja demnĂ€chst der etwas lĂ€ngere Schlag zurĂŒck Richtung Papeete an, das werden wir wohl als Buddy-Boote angehen.

Nachdem wir ja im letzten halben Jahr keinen einzigen Fisch mehr gefangen haben (und in den Atollen wegen der Ciguatera-Gefahr nicht angeln oder speeren), ist uns auf der Überfahrt von Aratika nach Fakarava endlich wieder einmal das AngelglĂŒck hold. Und wie! Passend zur Crewerweiterung von zwei auf vier ziehen wir nach lĂ€ngerem Kampf einen wirklich großen Mahi Mahi an Bord:

Mit Karen und Steve erkunden wir einmal mehr Fakarava, schaffen auch erstmals eine Fahrradtour ĂŒber die Insel.

Und, obwohl wir schon so oft hier waren, erleben auch wir dabei neben Bekanntem auch wieder einiges Neues und so von uns noch nicht gesehenes.

Wieder zur Wall of Sharks, aber erst einmal Marlin!

Der Wecker klingelt um kurz nach fĂŒnf. FrĂŒh raus, das passt gut mit der Tide im Pass von Tahanea und es gibt uns außerdem genĂŒgend Zeit, um bei Tageslicht in Fakarava anzukommen.

TatsĂ€chlich können wir praktisch die gesamte Strecke von etwas ĂŒber 50 Seemeilen wunderbar segeln, grĂ¶ĂŸtenteils unter Gennaker. Am Anfang klassisch, zwischendurch auch mal ohne Großsegel, am Ende dann Schmetterling mit Gennaker und Groß.

Ein traumhafter Segeltag. Einziger Wermutstropfen: wieder kein Fisch gefangen.

Das allerdings erweist sich als nicht so tragisch. Die parallel segelnde Freefall verkĂŒndet in unserer WhatsApp-Gruppe: Fisch fĂŒr alle! Sie haben einen knapp unter 2.5 Meter langen Marlin an Bord gezogen.

Photo credit: Theresa, SV Freefall

Kein Wunder, dass sie plötzlich etwas langsamer geworden und als letzte beim Ankerplatz am SĂŒdpass ankommen. Allerdings hat sich Joe beim Ausnehmen an der Hand verletzt, Hilfe beim Filetieren wĂ€re also gewĂŒnscht.

Das ĂŒbernehme ich doch gerne und ich bekomme es auch gerade noch vor dem Dunkelwerden hin. Der schon kopflose Marlin auf dem Heck der Freefall:

Die Wall of Sharks muss also noch etwas warten. Allerdings versammeln sich einige Haie hinter der Freefall, obwohl wir die AbfĂ€lle natĂŒrlich extra in großer Entfernung vom Ankerplatz entsorgen. Allein das SauberspĂŒlen des Hecks sorgt schon dafĂŒr, dass die nĂ€chsten beiden Tage niemand von Bord der Freefall aus ins Wasser gehen möchte. 20 Haie direkt am Schiff zĂ€hlt Joe. Flora liegt nur 100 m weiter vor Anker, aufgeregte Haie zeigen sich bei uns aber zum GlĂŒck nicht.

😉

NĂ€chtlicher Schreck – aber der Mast steht noch

Auf Tahiti warten wir ein paar Tage auf das nĂ€chste Wetterfenster und brechen dann auf Richtung Tikehau im Nordwesten der Tuamotus. 170 Seemeilen sind das, wir rechnen mit 26 bis 30 Stunden. Von SĂŒdwesten schiebt sich ein Schlechtwettergebiet mit stĂ€rkeren Winden hoch, dem wir ein bisschen davonfahren wollen, also lichten wir schon um 6.00 Uhr morgens den Anker. Funken die Port/Air-Control an und erhalten die Freigabe, vor der Landebahn durchzufahren. Ziemlich nah sind die Flieger trotzdem:

Beim Durchfahren des Hafengebiets von Papeete passiert uns eine große Schule Delfine, wenig spĂ€ter kreuzen mehrere Buckelwale unseren Kurs. Was fĂŒr ein Tagesbeginn.

Aus dem Windschatten von Tahiti mĂŒssen wir herausmotoren, aber dann wird es herrliches Segeln bei etwa halbem Wind und zunehmend achterlicher anrollender Welle. Und es kommt noch besser: wir haben AngelglĂŒck und fangen zum ersten Mal einen Wahoo:

Mitten in einem kleinen Schauer, ok, aber da beißen Fische ja angeblich auch am besten. In die Nacht hinein geht es mit etwa 20 Knoten Wind, allerdings werden die Böen jetzt doch langsam stĂ€rker.

Wir gehen mit dem Großsegel ins zweite Reff, etwas spĂ€ter vorsorglich ins dritte. Keine schlechte Idee, am Ende werden es Schauerböen bis 28 Knoten. Mit dieser Besegelung sind wir da gut aufgestellt.

Mitten in der Nacht holt mich dann allerdings Wiebke aus dem Schlaf. Ein Schock-Moment: das Achterstag (also der Draht, der den Mast nach hinten hĂ€lt) ist völlig lose, der daran kardanisch aufgehĂ€ngte Radar schwingt wild hin und her. Die Mastspitze wippt vor und zurĂŒck, entsprechend kommt auch das Vorstag (was den Mast nach vorne hĂ€lt) ins Schlackern. Ein erster Check zeigt, dass der hydraulische Achterstagspanner seinen Druck verloren hat. Wir pumpen neuen Druck auf, aber der geht schnell wieder verloren. Also bergen wir erst einmal die Segel, setzen die Großschot und die Dirk durch. Dadurch bekommen wir etwas mehr Ruhe in den Mast, aber das reicht noch nicht. Unser Rigg mit nur wenig gefeilten Salingen benötigt Zug auf dem Achterstag. Als weitere (Not-)Maßnahme setzen wir das Spifall und das Ersatz-Genuafall auf den Achterklampen fest. Damit haben wir zwei starke Leinen von der Mastspitze zum Achterschiff gefĂŒhrt und ĂŒber die Mastwinschen dicht geholt. Das bringt Entlastung und die Mastspitze wackelt jetzt kaum noch, obwohl die See mit 1,5 bis zwei Meter hohen Wellen die Flora jetzt ordentlich durchschaukelt.

Zum GlĂŒck sind mit der Gerty und der My Motu zwei bekannte Schiffe ganz in unserer NĂ€he. Wir informieren sie per Funk ĂŒber unsere Situation und obwohl sie uns jetzt nicht direkt helfen können tut es gut. Falls doch der Mast von oben kommen wĂŒrde, wĂ€re Hilfe nahe.

Aber der Mast bleibt oben, wir motoren die restlichen 35 Seemeilen bis zum Pass ohne weitere Probleme (wenn auch unter ziemlicher Anspannung). Kurz nach dem Hellwerden verlĂ€sst uns dann auch der Boobie, der erst auf unserem Bimini und dann auf dem Solarpanel als blinder Passagier mitgereist ist und uns zum Dank auf beiden großflĂ€chig weiße Ă€tzende Flecken hinterließ.

Als wir den Pass gegen 8.00 Uhr erreichen, kommt uns schon Ralph von der Lille Venn im Dinghy entgegen. Auch er hat ĂŒber den Funk von unserem Problem erfahren und beglĂŒckwĂŒnscht uns zur heilen Ankunft. Dann berichtet er, dass wir perfekt zu Stillwasser angekommen sind und zeigt uns mit dem Dinghy vorausfahrend den Weg durch den uns ja noch unbekannten Pass. Wunderbare BegrĂŒĂŸung nach der nĂ€chtlichen Aufregung!

Am Ankerplatz holen wir erst einmal eine MĂŒtze Schlaf nach. Danach ersetzen wir die Nothalterung aus den beiden Fallen durch eine stark untersetzte Taljenkonstruktion aus extrem reißfester Dyneemafaser, mit der wir den hydraulischen Achterstagspanner ĂŒberbrĂŒcken.

Damit ist der Mast erst einmal vernĂŒnftig gesichert und wir können in Ruhe prĂŒfen, ob (und evtl. mit welchen zu beschaffenden Teilen) der Spanner repariert werden kann oder ob er komplett ersetzt werden muss. Beides könnte allerdings hier in den Tuamotus schwierig und logistisch aufwĂ€ndig werden.

Tag 1 der Passage von Nuku Hiva nach Raroia

Wir kommen wie geplant um 8:00 Uhr los. Jill und Michael bringen uns noch ein frisches Baguette vorbei, die beiden waren tatsÀchlich schon um sechs Uhr an der BÀckerei (als wir am Vortag um 10:30 da waren, hatte die BÀckerei schon zu). und auch Heather und Jim kommen im Dinghy noch einmal angepaddelt, um uns zu verabschieden.

Wir motoren aus der Bucht hinaus, setzen draußen die Segel. Den Tag ĂŒber ist es ein stĂ€ndiger Wechsel zwischen Fock und Code0. Der Wind ist unstet, ziemlich böig. Auf Höhe von Ua Pou erwischt uns der erste Schauer, ein paar weitere folgen noch. Zwei echte Bonito gehen an die Angel, einen lassen wir wieder frei.

Gegen Abend nimmt der Wind zu, mit ihm auch die Wellen, aber auch unsere Geschwindigkeit. Mit der Fock und zwei Reffs im Groß geht es in die erste Nacht dieser Passage. Weil es ja mit rund 72 Stunden eine ĂŒberschaubar kurze Überfahrt wird, experimentieren wir mit unserem Wach-Rythmus. Statt 4 mal 3 Stunden in der Nacht probieren wir es ausnahmsweise mit 2 x 6 Stunden. Aber so richtig glĂŒcklich sind wir damit nicht.

Schön ist aber der Sonnenaufgang:

Etmal trotz eher langsamem Beginn 152 Seemeilen, ein gutes Drittel ist geschafft.

Ua Pou

Mit einem Zwischenschritt ĂŒber die Baie de Controleur segeln wir zur nĂ€chsten Insel der Marquesas: Ua Pou. Unterwegs fangen wir endlich mal wieder einen Thunfisch. Perfekte GrĂ¶ĂŸe fĂŒr uns, etwa 90 cm lang und damit beim Hereinholen noch vernĂŒnftig zu handhaben, gleichzeitig aber mit fast zwei Kilogramm Filet auch fĂŒr drei Personen ausreichend fĂŒr mehrere Hauptmahlzeiten und trotzdem noch im KĂŒhlschrank unterzubringen.

Trotz der auffĂ€llig gelben Flossen ist das ĂŒbrigens kein Gelbflossen-Thunfisch, sondern ein Großaugen-Thunfisch. Beim Gelbflossen-Thunfisch wĂ€ren die gelbe Zweite RĂŒckenflosse (Dorsal Fin) und die Afterflosse wesentlich lĂ€nger, schmaler und sichelförmiger (Ă€hnlich der Brustflossen, nur eben gelb).

So oder so, wir machen gleich am ersten Abend dreierlei vom Fisch daraus: Sushi, Sashimi und zart angebratenes Thunfischfilet.

Die Überfahrt nach Uta Pou ist dann durchaus sportlich, krĂ€ftige Böen bis 28 kn pfeifen durch die Meerenge zwischen Nuku Hiva und Ua Pou. Eine kleine FĂ€hre geht nahe an uns vorbei. Die Gischt an ihrem Bug illustriert den Zustand der See recht gut:

Aber unser Kurs ist nur etwas vorlicher als Halbwind, in weniger als 4 Stunden haben wir die 28 Seemeilen der Passage bewÀltigt.

Im Windschatten von Ua Pou beruhigt sich auch der Seegang.

Allerdings ist der Ankerplatz von Hakahetau dafĂŒr bekannt, dass hier fast immer Schwell hinein steht. Die Easy One ist schon seit zwei Tagen da und Andreas Schilderungen sind ziemlich abschreckend: “Wiederlich und zermĂŒrbend” war die Beschreibung am ersten Tag, “Mies und echt rĂ€udig” am zweiten. Nach der Wetterlage mĂŒsste es inzwischen eigentlich besser sein, aber 


Die hohen Basaltkegel auf dieser Insel zeigen sich schon von weitem. Sie sind die Magma-Schlote lĂ€ngst erodierter Vulkane und geben Ua Pou ein unverwechselbares Gesicht. Bis ĂŒber 1.200 m ragen sie empor, die höchste Erhebung der Marquesas. In der Legende, nach der alle Inseln der Marquesas Teile eines Hauses sind, stellt Ua Pou (= zwei SĂ€ulen) die geschnitzten Pfeiler dar, die das Dach tragen. Ein nahe liegendes Bild.

Wir schaffen es, noch rechtzeitig in der Ankerbucht von Hakahetau anzukommen um unsere Schweizer Freunde Barbara und Ralph mit ihrer “Lille Venn” zu erwischen. Die sind zwar schon auf dem Sprung zur Weiterreise im ihren GĂ€sten, aber wir haben – gemeinsam mit Andrea und Ingo von der “Easy One” – noch einen wundervollen Abend, von Barbara aufs Leckerste bekocht. Es ist so schön, die beiden nach drei Jahren endlich wieder getroffen zu haben.

Photo credit: Ingo, SY Easy One

FrĂŒh am nĂ€chsten Morgen sind die Schweizer verschwunden. Mit Andrea und Ingo machen wir uns auf zu unserer ersten Wanderung auf Ua Pou. In der Noforeignland-App sehen wir, dass wir nahe am Dinghydock (gegen GebĂŒhr von ca 5 $) unseren MĂŒll abgeben können. Eine gute Gelegenheit, denn das ist auf den Marquesas nicht ĂŒberall möglich. Beim Bezahlen kommen wir mit Eveline ins GesprĂ€ch. Es stellt sich heraus, dass sie (in 4. Generation) die BĂŒrgermeisterin des Tals ist. Als wir nach den Pflanzen in ihrem Garten fragen, die ĂŒber an Stangen aufgespießten Kokosnussschalen ranken, zeigt sie uns ihren Vanille-Anbau. Und damit nicht genug, sie erklĂ€rt uns auch, wie nach der Ernte mit den Schoten verfahren werden muss und schenkt uns zum Abschied sogar einige Vanilleschoten. Ein weiteres beeindruckendes Beispiel der polynesischen Gastfreundschaft.

Jetzt aber los auf die Wanderung, immerhin haben wir uns gleich zwei Ziele vorgenommen. Zuerst machen wir uns auf den Weg zu Schoko-Manfred.

Der an der Elbe bei Boitzenburg aufgewachsene Deutsche hat sich nach einem ziemlich bewegten Lebenslauf hier niedergelassen und eine kleine Schokoladenmanufaktur aufgebaut. Auch wenn er seine Rezeptur und die Konstruktion seiner selbstgebauten speziellen KakaobohnenmĂŒhle inzwischen verkauft hat, ist ein Besuch bei ihm auf seinem abgelegenen GrundstĂŒck oben im Wald quasi ein Muss, sofern man sich vom bekanntermaßen zotigen Humor von Schoko-Manfred nicht abschrecken lĂ€sst.

Andrea und Ingo waren zwar schon da, kommen aber trotzdem wieder mit. Andrea hat sogar extra ihren selbst gemachten Schoko-Likör mitgebracht. Lecker!

“Schoko-Manfred” mit keimenden Kakaobohnen

So richtig Stimmung kommt aber trotzdem nicht auf. Manfred und seine Frau wirken mĂŒde. Wir ertragen die abgedroschenen (erwartet) derben Witze und kosten die leckere Manufaktur-Schokolade, von der dann auch einige Tafeln auf die Flora wandern.

Unser nÀchstes Ziel ist umso stimmungsvoller. Auf einem jetzt viel kleineren Pfad wandern wir zum Hakahetau- Wasserfall.

Ein erfrischendes Bad in dem wunderschönen Kessel, in den der Wasserfall hineistĂŒrzt ist ein zusĂ€tzlicher Lohn dieses Hikes.

Photo credit: Ingo, SY Easy One

Und dann zurĂŒck zum Ankerplatz. Ein bisschen Schwell ist schon noch da, o.k.

Aber inzwischen lassen sich die Bedingungen wirklich gut aushalten und mal ganz ehrlich, wie genial ist denn eigentlich dieser Blick?

Ua Huka

Eine der von Segelbooten nur selten angelaufenen Inseln der Marquesas ist Ua Huka. Der seltene Besuch liegt an der Lage östlich der Hauptinsel Nuku Hiva, was nach dem Einklarieren dort ein “ZurĂŒcksegeln” gegen den Wind erfordern wĂŒrde. Wenn man dagegen wie wir von SĂŒden kommt, ist Ua Huka ganz gut erreichbar, insbesondere wenn der Start von der NordkĂŒste von Hiva Oa erfolgt.

Mit Halbwindkurs segeln wir die rund 60 sm. DafĂŒr sind wir gleich bei Sonnenaufgang losgefahren, die Tage sind kurz hier. Etwa 11 1/2 Stunden liegen derzeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Aber der Wind ist gut und so sind wir schon am frĂŒhen Nachmittag in der Baie der Vaipaee an Ua Huka’s SĂŒdkĂŒste. Sie wird auch “Unsichtbare Bucht” genannt, weil sie sich als schmaler Schlauch zwischen hohen Felsen durschlĂ€ngelt und ihre Einfahrt daher schwer auszumachen ist. Von SĂŒden kommend ist sie zwar besser erkennbar, aber wir taufen sie kurzerhand in “Unsichere Bucht” um. Es gibt kaum Schwoiraum fĂŒr das Herumschwingen des Bootes vor Anker und die Wellen werden von den Felsen so reflektiert, dass ein chaotischer Schwell bis weit in die Bucht hinein lĂ€uft.

Also Plan B. Wir laufen aus der Baie de Vaipaee wieder aus und gehen um das sĂŒdwestliche Kap von Ua Huka herum und a den Vogelinseln Teuaua und Hemeni vorbei in die Baie Haavei. Fein: auf dem letzten StĂŒck fangen wir noch zwei Bonitos, nachdem uns auf der Passage ein kapitalerer Fisch doch noch vom Haken gegangen ist. So jedenfalls kommt Jannik dazu, zum ersten Mal einen Fisch einzuholen und zu filetieren.

Die Baie Haavei bietet einen guten Ankergrund und einen schönen Sandstrand.

Leider ist aber der Schutz durch die vorgelagerten Vogelinseln nicht ganz so gut wie er scheint, auch hier lĂ€uft der Schwell ziemlich ungehindert in die Bucht hinein. An ein Anlanden am mit Palmen bestandenen Strand ist fĂŒr uns nicht zu denken. Etwa anderthalb Meter hoch brechen sich hier die Wellen.

Und natĂŒrlich wird es eine eher rollige und damit etwas unruhige Nacht.

Schön ist der Ankerplatz trotzdem. Vor allem die in der Abendsonne rot leuchtenden Felsen bieten eine imposante Kulisse.

Ka.. und Hack-Tag

Ab und zu erwischen wir einen gebrauchten Tag. Das ist so einer.

Der Morgen beginnt damit, dass die achtere Toilette nicht richtig abpumpen will. Kommt nicht plötzlich, aber jetzt ist definitiv Zeit, mehr zu tun als mit Kalklöser zu spĂŒlen. Die erste Aufgabe des Tages ist also eine der beliebtesten an Bord ĂŒberhaupt. Die SchlĂ€uche vom WC abbauen, das „Joker-Valve“ genannte RĂŒckschlagventil sĂ€ubern oder tauschen und in diesem Fall noch etwas mehr.

Der Schlauch zum Abpumpen hat sich bis auf einen Bruchteil seines Durchmessers mit Kalkstein zugesetzt. Der muss raus, mechanisches Schlagen auf den Schlauch ist die bewĂ€hrte Methode dafĂŒr.

Nachdem alles wieder eingebaut ist und funktioniert, setzen wir das Großsegel im zweiten Reff und stecken Floras Nase aus der Bucht. Nicht lang danach rollen wir das Segel wieder ein. Wind um die 20 kn war angesagt, aber am SĂŒdkap von Tahuata werden wir regelrecht verprĂŒgelt. Kapeffekt wie aus dem Buche. Böen bis 40 kn, dazu 3 bis 4 Meter Welle. Nicht genau von vorn, aber eben doch in einem spitzen Winkel.

Als wir endlich ums Kap rum sind, kommen Wind und Wellen immer noch schrĂ€g von vorn, nur auf dem anderen Bug. Flora macht das prima, aber ein VergnĂŒgen ist es trotzdem nicht. Erst etwa 5 Meilen spĂ€ter können wir endlich segeln und die Bedingungen werden etwas moderater.

Nur stellen wir fest, dass wir uns mehrere Befestigungen unserer Kuchenbude (Cockpitzelt) abgerissen haben, ein blöder Bedienfehler. Und unter Deck hat sich eine SchĂŒssel so unglĂŒcklich unter den Wasserhahn geschoben, dass der Wasserfluss ausgelöst wurde. Zwar ins Becken der SpĂŒle, aber wir haben etwa 200 Liter kostbares Frischwssser durch den Abfluss gejagt. Wie dĂ€mlich.

Ein schöner Mahi Mahi an der Angel scheint die UnglĂŒcksstrĂ€hne versöhnlich zu beenden.

Aber als wir kurz darauf endlich in Atuona auf Hiva Oa ankommen, ist der Ankerplatz vor der Mole komplett untauglich. Die dort liegenden Boote machen BocksprĂŒnge und SchaukelĂŒbungen, dass es uns schon vom Zuschauen schlecht wird.

Hinter der Mole ist es nur etwas ruhiger, aber natĂŒrlich rappelvoll. Wir zwĂ€ngen uns in eine LĂŒcke, stecken weniger Kette als gewohnt und eigentlich gewĂŒnscht und kommen so tatsĂ€chlich keinem unserer Nachbarn ins Gehege (nahe aber schon). Das bedeutet Ankerwache fĂŒr die Nacht, einer von uns ist stets im Cockpit und wach.

Warum das alles?

Jetzt kommt das Gute! Wir bekommen Besuch. Unser Patenkind Jannik hat den langen Flug (Frankfurt/Paris/Los Angeles/Papeete/Hiva Oa) auf sich genommen und wir holen ihn hier ab.

Auf den ziemlich gebrauchten Tag folgt also ein nagelneuer, sehr schöner.