Work & travel

Seit Fort Lauderdale findet sich ja vorübergehend unser Chief Engineer Jan auf der Crewliste. Bei der Arbeit am “Geweih”, der Rückflussleitung der Einspritzdüsen des Volvo-Penta Dieselmotors, hatte ich ihn schon gezeigt.

Zeit also, auch mal sein Arbeitszimmer vorzustellen 😉:

Übrigens, das Weitwinkelobjektiv lässt Floras Motorraum um einiges größer erscheinen. Man muss schon so schlank sein wie Jan (und sich trotzdem noch ordentlich verbiegen), um zwischen Diesel und Generator hockend an der Einspritzung arbeiten zu können.

Und: ja, es hat geklappt, keine neuen Dieselpfützen mehr in der Motorbilge. also Zeit für neue Projekte:

Den abgestürzten Plotter durch Hard-Reset wiederbeleben und alles neu einstellen …
Die Umlenkblöcke von Großschot und Ausholer auseinandernehmen …
… auch wenn dafür die Deckenverkleidungen im Bad und in der Achterkoje ebenfalls weg müssen …
… sich so hartnäckig durch all die verkorksten Menüstrukturen und Einstellungen von Furuno-Plotter (mit Installationswizzard 🤣) und Autopilot wühlen, bis endlich auch die Steuerung nach Windwinkel funktioniert …
die USB-Steckdose am Niedergang erneuern und eine weitere zwischen den Sesseln im Salon einbauen, damit auch dort Telefone, iPads, eReader, Kameras etc. geladen werden können.

Und noch einiges mehr. Danke, Jan. Echt Urlaub auf der Flora, oder?

Aber natürlich gehts auch manchmal anders, hier auf der Isla Mujeres:

Und heute Abend kommt Catalina 😉. Dann wird’s allerdings enger im Vorschiff.

Pura Vida.

Passage Key West nach Mexico 2

Bisher verwöhnt uns die westliche Karibik. Zwar war zwischendurch etwa 24 Stunden der Motor an, aber bei spiegelglatter See und weiteren Delfinbesuchen, zudem einem schönen Sonnenuntergang und einem fast noch beeindruckenderen Aufgang des Vollmonds ist das leicht zu verschmerzen. Und dann folgt auch noch ein Halo um den Mond, wohl verursacht von Eiskristallen in großer Höhe.

Danach herrliches Code0-Segeln. Und wieder Delfine. 🤩

Wir entscheiden uns für einen direkteren als den zunächst geplanten Kurs und werden belohnt. Unter Code0 kreuzen wir zum zweiten mal den Golfstrom, diesmal schräg gegen ihn. So werden aus den 7 bis 8 Knoten durchs Wasser nur 4 bis 5 über Grund. Trotzdem nicht schlecht. Jetzt sind wir knapp 20 sm vor der südlichen Ansteuerung, scheinen soeben den Golfstrom verlassen zu haben. Der Wind frischt auf, wir wechseln auf die Fock.
Mal schauen, ob wir noch im letzten Büchsenlicht ankommen, der Ankerplatz wäre aber auch bei Dunkelheit anlaufbar. Mexiko, wir kommen.

Pura Vida.

Dieser Beitrag wird per Iridium-Satellit übermittelt, ist also (ursprünglich) wieder mal ohne Bilder. Es gibt aber welche 😉 die werden (wurden) nachgereicht.

Passage Key West nach Mexiko

Unseren Toern nach Mexiko starten wir mitten in der Nacht. Um 2.00 Uhr gehen wir ankerauf, durch die gut befeuerte Hauptansteuerung geht es zurueck ins tiefe Wasser. Wobei, erst einmal nicht zu tief, wir bleiben bei der 100 m Linie und laufen westwaerts etwa Richtung der Dry Tortugas. Dort haetten wir eigentlich gerne geankert, der Nationalpark soll ein Schnorchel-Paradies sein. Aber dann wuerde sich das Wetterfenster schliessen, also lassen wir sie schweren Herzens aus, gehen noch ein Stueckchen weiter westlich und biegen dann nach Suedwesten ab, um hier den Golfstrom zu queren und auf der anderen (kubanischen) Seite den fuer uns guenstigen Gegenstrom zu nutzen.


Das Wetter meint es gut mit uns, für die ersten 36 Stunden – und damit etwas länger als vorhergesagt – haben wir gut segelbaren Wind, wobei wir unsere komplette Segelgarderobe einmal ausprobieren koennen. Wir starten nur mit dem gerefften Großsegel, reffen aus, nehmen die Fock dazu, wechseln auf den Gennaker und spaeter vom Gennaker auf den Code0.

Und nicht nur das ist wunderbar: wieder haben wir Angelglueck, ein etwa 80 cm großer dicker Thunfisch geht uns an den Haken.
Um es perfekt zu machen leistet uns dann auch noch eine Delfinschule über eine Stunde lang Gesellschaft, spielt ausdauernd in unserer Bugwelle.


Seite heute Mittag läuft jetzt der Motor, der Wind wurde erst immer spitzer und schwaecher, schlief dann ganz ein.
Langweilig wird uns trotzdem nicht, gerade haben wir es geschafft, den nach einem Systemabsturz komplett resetteten Plotter (unser „Navi“) wieder dazu zu überreden, uns auch die AIS-Symbole anderer Schiffe anzuzeigen.
Außerdem haben wir ein herrliches Bad im tiefen blauen und irgendwas zwischen 2000 und 3000 m tiefen Wasser zu nehmen.

Pura Vida.

Der Beitrag wurde per Iridium-Satellit übermittelt, deshalb keine Bilder. Auf Kommentare (über die wir uns riesig freuen) können wir deshalb auch erst wieder reagieren, wenn wir in Mexiko eine Internetverbindung haben.

Key West und Aufbruch nach Mexiko

Unser Aufenthalt im schönen Key West fällt kürzer aus, als eigentlich gedacht. Der Wettercheck für die Passage nach Isla Mujeres ergibt: jetzt oder erst mal nicht.

Die Routenplanung ist nicht ganz trivial. Zweimal ist der Golfstrom zu queren. Dabei wollen wir Wind gegen Strom unbedingt vermeiden. Außerdem wäre es schön, Vor Weihnachten in Mexiko einchecken zu können und Catalina, die am 23. in Cancún eintrifft, in Empfang nehmen zu können.

Wir beschließen, noch in der nächsten Nacht zu starten. Damit sollten wir etwas Puffer hinsichtlich des für Dienstag prognostizierten stärkeren Nordwestwind zu haben, der bei der zweiten Golfstromquerung vor der Isla Mujeres für sehr unangenehme Bedingungen sorgen könnte.

Stipvisite in Key West, das ist zwar schade, aber wir kennen den Ort schon von früherer landesweiteren Besuchen. Also klarieren wir bei der CBP aus. Für die Weiterreise nach Mexiko bekommen wir ein „Formular 1300“ ausgestellt, was sonst nicht üblich ist. Und wir bummeln noch ein bisschen durch den schönen Ort mit seinen historischen Häusern, den allgegenwärtigen Hühnern und dem ganz besonderen Flair, gleichzeitig USA und sehr karibisch.

Und natürlich dürfen auch die Sonnenuntergangstouren-Katamarane nicht fehlen:

Für uns gehts jetzt los Richtung Mexiko. Etwa drei Tage wird die Passage wohl dauern.

Pura Vida.

Das amerikanische Venedig

The Venice of America. Diesen Beinamen trägt Fort Lauderdale wegen der über 160 Meilen von Flüssen und Kanälen im Stadtgebiet. Der Ort selbst ist mit nur knapp 200.000 Einwohnern gar nicht so groß, aber die Zahl täuscht immens. Zum einen, weil schon das erweiterte Stadtgebiet, die Metropolregion Fort Lauderdale, auf etwa 2 Millionen Einwohner kommt. Aber auch das ist kaum abzugrenzen, die Region geht unmittelbar in die Metropolregion Miami über und in dieser auf. Die macht dann schon deutlich über sechs Millionen Einwohner aus.

Beides, sowohl das überschaubar mittelstädtische als auch das metropolhafte, finden sich im Stadtbild und damit auch in den prägenden unzähligen Wasserläufen wieder.

Wir bekommen in Fort Lauderdale Crew, Jan fliegt aus Hamburg ein und wird uns bis Mexiko begleiten. Schon bevor er ankommt besuchen wir mit dem Dinghy Jans Cousin Frank, der hier in Fort Lauderdale lebt. Etwa viereinhalb Meilen schlängeln wir uns mit Florecita durch die Kanäle und den New River, fahren dabei durch edle Wohngegenden und auch mitten durch die Hochhausschluchten von Downtown. Genau an diesem Tag findet die große weihnachtliche Bootsparade auf dieser Strecke statt. “Winterfest” wird sie abgekürzt genannt, mit vollem Namen: “The Seminole Hard Rock Winterfest Boat Parade” 😁

Schon auf der Hinfahrt fallen uns viele oft skurril geschmückte Boote auf, die für die Parade vorbereitet werden.

Vom Ausflugsdampfer bis zum Kanu, Lichterketten, aufblasbare Figuren und Weihnachtsschmuck allenthalben.

Und noch andere Besonderheiten bekommen wir gezeigt: gleich zweimal müssen wir mit dem Dinghy warten, weil größere Yachten und einmal gar ein Arbeitsschutz der Coast Guard von speziellen kleinen “Tug-Boats” durch den an einigen Stellen sehr schmalen und gewundenen Fluss geschleppt werden, jeweils ein Schlepper vorne, einer hinten.

Einen Nachmittag lang blockieren wir Franks Waschmaschine und Trockner, chillen auf seiner Terrasse und aktualisieren im WLAN unsere iPad. Dann sehen wir zu, noch vor der Dunkelheit zurück auf der Flora zu sein. Denn erst jetzt geht die “Winterfest”-Parade los, mit ihrer Illumination sicher ein Hingucker, der allerdings mit einer Streckensperrung für den übrigen Schiffsverkehr einhergeht.

Für uns heißt es jetzt, den Törn über die Florida Keys nach Mexiko vorzubereiten. Das Rigg wird gecheckt. Muss natürlich die Crew hoch 😉, obwohl ich diese Aufgabe inzwischen ganz gerne mache.

Vor allem aber kümmert sich unser Mechaniker Chief Jan um den Motor. Seit der Inspektion in der Chesapeake haben wir nach Motorfahrt immer eine kleine Dieselpfütze in der Motorbilge. Wir haben das Leck bei der Einspritzung am zweiten Zylinder lokalisiert, ohne es aber durch nachziehen der oberen Muttern beseitigen zu können. An die unteren kommen wir nicht heran, ohne das “Geweih” der festen Dieselleitungs-Röhrchen abzunehmen. Chief Jan erledigt das. Es stellt sich heraus, dass das Geweih selbst (genauer: die Rückflussleitung am 2. Injector) defekt ist. Schweißen lässt es sich nicht. Wir bestellen ein neues, das mit Übernacht-Lieferung heute schon da sein soll, mal sehen.

Trotz der vielen aufgeblasenen Schneemänner hier sind wir übrigens in der sommerlichen Wärme angekommen, Höchstwerte heute 27 Grad, Tiefstwert 23 Grad.

Pura Vida!

Ankern auf dem Rondeelteich

Wir liegen hier in Fort Lauderdale vor Anker im Lake Sylvia. Unfassbar, es ist als würde man in Hamburg kurz von der Elbe in die Alster schleusen (o.k., hier war’s nur eine Klappbrücke) ein kleines bisschen weiter motoren und dann im Rondeelteich ankern. Hört sich übertrieben an?

Und was machen wir, wenn wir nicht gerade die Szenerie genießen? Bisher jeden Tag einen langen Spaziergang durch die Stadt und ihre Gewerbegebiete westlich des Port Everglades. Wir bringen unsere unsere in Charleston ausgebaute alte Lichtmaschine zu einer Werkstatt. Und was für eine: Lauderdale Battery and Alternator. Freundlicher Empfang, dann schickt man uns gleich in die Werkstatt zum Spezialisten. Lichtmaschinen in allen (zumeist aber: späteren) Lebensphasen säumen den Weg. Die Maschinen sehen antiquiert aus, aber die Jungs wissen, was sie tun. Nur: Neil gibt unumwunden zu, es sei die erste Lichtmaschine mit externem (Lithium-Batterien-)Regler, die zu ihm gebracht wird. Der erste Test auf dem scheinbar musealen Prüfstand ergibt: Lichtmaschine tot.

Aber so schnell gibt Neil nicht auf. Dann muss er sie halt auseinandernehmen. Wir sollen morgen wiederkommen.

Wenn wir schon mal in der Gegend sind, laufen wir noch ein paar Blocks weiter und statten “Bluewater Books and Charts” einen Besuch ab. Annemarie von der Escape hatte darüber berichtet, und wir brauchen für unsere weitere Reise noch nautische Informationen und Literatur. Wir werden nicht enttäuscht, die Auswahl ist riesig, wirklich alle Teile der (nautischen) Welt werden abgedeckt. Im Prinzip ein Laden wie früher Hanse-Nautic in Hamburg, nur viel größer.

Es ist herrlich, in den Törnführern erst einmal stöbern zu können, sie in der Hand zu halten. Das macht am Ende zwar die Auswahl leichter, unsere Rucksäcke aber umso schwerer. Ganz schöne Wälzer.

Elektronische Seekarten gibts auch, der Pazifik rückt näher. Die für unseren alten (2011) Furuno-Plotter erforderlich maximal 2 GB fassenden Speicherkarten (größere liest er nicht) sind vorrätig, die Karten werden schnell aufgespielt. Zum Glück habe ich im Handy die erforderliche Seriennummer des Plotters abgespeichert (Danke, Uwe, für den Tip und Deine Hilfe damals bei der letzten Aktion). Wieder ein wenig Vorbereitung abgehakt.

Tja, und an dem riesengroßen WestMarine Schiffsausstatter, der auch in dieser Gegend liegt, kommen wir natürlich auch nicht vorbei. Bepackt wie die Lastesel gehts zurück zum Boot, zumal wir kurz vorm Dinghydock noch einen Supermarkt finden. 😁

Heute Vormittag kommt dann der Anruf: die Lichtmaschine ist fertig, zur Abholung bereit. Diesmal kommt uns der Weg dorthin schon kürzer vor. 😉

Die Bürsten sind getauscht, aber das eigentliche Problem lag in einem Kabelbruch innerhalb der Lichtmaschine an der Verbindung zum externen Regulator. Auf dem Prüfstand zeigt die Lichtmaschine diesmal genau das, was sie soll. Neil ist stolz, wir sind superfroh, wieder ein funktionsfähiges Backup zu haben.

Und warum haben wir eigentlich kein Taxi oder Uber genommen? Ein bisschen Bewegung tut uns ganz gut und außerdem mögen wir es, uns einen Ort quasi zu „erlaufen“, gerade auch mit seinen weniger herausgeputzten Ecken.

Außerdem gibts hinterher zur Belohnung Austern in der „Southport Raw Bar“, einer der wenigen Orte, wo wir unser Dinghy lassen können. Festmachen kostet 10 $, aber erstens gibt es kaum eine Alternative und zweitens werden die 10 $ beim Besuch der Bar voll auf die Rechnung angerechnet. Na dann …

Pura Vida.

West Palm Beach und dann zum Lake Sylvia in Fort Lauderdale

Palm Beach begrüßt uns mit Hochhäusern, Industriehafen und Superyachten, aber der Ankerplatz im Lake Worth zeigt auch die schöne Seite der Stadt. Vom (allerdings eine lange Dhinghyfahrt entfernten) städtischen und damit kostenlosen Dinghydock führt eine palmengesäumte Promenade am Ufer entlang.

Auf der anderen Seite sind weihnachtliche Sandskulpturen zu sehen, ein riesiger Sandtannenbaum nimmt gleich einen ganzen Platz ein und der Weihnachtsmann passt doch auch gut zum Manatee, oder? Rudolph braucht ja auch mal Pause und vielleicht eine Abkühlung. Andere Länder, andere Sitten.

Unser Weg führt uns dann weiter zum Norton Museum of Art. Die sehr sehenswerte Sammlung überwiegend zeitgenössischer Kunst wird mit wechselnden Sonderausstellungen ergänzt, uns hat neben der Empfehlung der LuSea-Crew die aktuelle “Frida Kahlo, Diego Riviera & Mexican Modernism” hier her gelockt. Sie gefällt uns sehr gut, aber auch das übrige Museum weiß zu begeistern.

In West Palm Beach treffen wir Freunde wieder – und müssen uns auch von ihnen verabschieden. So typisch für Cruiser, aber doch immer wieder auch traurig. Mareike mit ihrer Moana, Karen und Steve mit der Second Chance und auch Helene und Klaus mit der LuSea, sie alle wollen von hier aus zu den Bahamas. Wir dagegen wollen erst mal weiter die US-Ostküste hinunter und dann nach Mexiko. Da passt die Kunstausstellung um so besser 😉.

Ab Morgen soll erst einmal Südwind einsetzen. Also klingelt heute früh mal wieder der Wecker und pünktlich zum Sonnenaufgang lichten wir den Anker.

Wie vorhergesagt, können wir zunächst noch mit raumem Nordost-Wind von 8 bis 10 kn segeln, ab Mittag wird der Wind dann einschlafen. So kommt es auch, aber bis dahin ist es herrliches Gennaker-Segeln.

Und wir haben mehrfaches Glück, der Golfstrom bremst uns nicht, sondern lässt uns eine für uns gute Neerströmung nutzen; schenkt uns zudem aber auch wieder Angelerfolg. Dieses Mal ziehen wir einen schönen Schwarzflossen-Thunfisch an Bord.

Auch Fort Lauderdale begrüßt uns mit Hochhäusern und Industriehafen, aber einmal rechts um die Ecke, durch die erste Klappbrücke, der 17th Street Bascule Bridge, hindurch, schon sind wir in einer anderen Welt.

Eine Vielzahl von Wasserwegen durchzieht Fort Lauderdale. Sie zweigen links und rechts vom ICW ab, die Kanäle versorgen eine Unzahl von Grundstücken mit Wasserzugang. Unfassbare 40.000 Sportboote soll es hier geben. Andererseits:

Trotz – oder vielleicht wegen – der vielen privaten Stege sind öffentliche Ankerplätze im Stadtgebiet eher rar. Ein paar finden sich in Verbreiterungen des ICW, sie sind aber zumeist recht flach und durch den Intracoastal auch schwellig.

Wir entscheiden uns, einen Versuch im Lake Sylvia zu wagen. Der liegt ruhig, etwas abseits vom ICW, und er weist eine gute Ankertiefe auf. Kleine Haken: die Einfahrt ist ein bisschen tricky und der Platz ist oft voll. Wir tasten uns ganz nahe am Ostufer durch die Einfahrt, wechseln kurz vorm See auf die Westseite und werden belohnt: was für ein toller Platz in der Stadt:

Pura Vida.

Fort Pierce und Fisch zum 2. Advent

Der Weg an der Ostküste der USA herunter ist für uns mit ein bisschen mehr Motorstunden verbunden, als uns eigentlich lieb ist. Aber zwischendurch ist es auch immer wieder herrliches Segeln. Der Törn von Cape Canaveral nach Fort Pierce ist dafür exemplarisch, zu Beginn und am Ende jeweils ein paar Stunden motoren, dazwischen aber wunderbares Vor-dem-Wind-Segeln. Wir riggen beide Spinnakerbäume, setzen an Backbord den Code0 mit Floras Logo und an Steuerbord die Fock. Wie ausgebreitete Flügel vor dem Bug ziehen uns die beiden Segel südwärts. Was für ein herrlicher Anblick, was für ein tolles Gefühl.

Zumal der Törn auch noch Angelerfolg bietet, zwei Bonitos in guter Größe hole ich herein, dann verhängt Wiebke Angelverbot. 😳

In Fort Pierce kommen wir so rechtzeitig an, dass wir vorm Sonnenuntergang sogar noch unsere schwergängig gewordene Steuerbord-Mastwinsch auseinandernehmen, säubern, fetten und wieder anbauen können.

Im Hintergrund sieht man eine der typischen festen Brücken über den Intracoastal Waterway ICW, der parallel zu unserer Strecke entlangführt. Genau 65 Fuß Durchfahrtshöhe hat auch diese Brücke, bei unserer Masthöhe also nicht machbar mit der Flora.

Auf der anderen Seite unseres Ankerplatzes liegt ein Naturschutzgebiet mit Mangroven und Salzmarschen.

Wobei, wie so oft ist auch hier der eigentliche Küstenstreifen zum Strand nicht mehr Teil des Naturschutzgebietes, sondern mit Betonburgen bebaut, die etwas an die unglücklichen Hotelklötze auf der Nehrung des Mar Menor an der spanischen Mittelmeerküste erinnern.

Wir bleiben einen Tag hier am Ankerplatz, pruddeln am Boot herum (z.B. verstärken wir die Halterung unseres Außenborders am Heckkorb). Außerdem wird die komplette an Bord vorhandene Adventsdeko geriggt, bestehend aus einem handtellergroßen Herrnhuter Stern und einer Weihnachtsbaumkugel im Globus-Design.

Heute morgen dann noch kurz tanken und dann durch das Fort Pierce Inlet wieder hinaus in den Atlantik. Das Timing ist diesmal schlecht, bis zu vier Knoten Gegenstrom stehen uns im Inlet entgegen. Lässt sich aber nicht ändern, wenn wir unser Ziel West Palm Beach bei Tageslicht erreichen wollen. Also müssen wir da durch, ist ja auch nur ein kurzes Stück von ungefähr einer Meile. Aber die Strömungskabbelungen im Fahrwasser sind schon beeindruckend.

Wir hoffen mal, dass das nicht ein Vorgeschmack auf den Golfstrom ist, der uns bei Palm Beach leider mit voller Stärke bis direkt unter Land entgegenstehen wird. Seit Kap Hatteras hatten wir davon profitieren können, dass er auf dem Zwischenstück weiter draußen floss und sich in Landnähe sogar für uns vorteilhafte, Süd setzende Neerströme bildeten. Das ist ab jetzt wohl leider erst einmal vorbei.

Ein Gutes hat das aber auch, wir profitieren vom sprichwörtlichen Fischreichtum im Golfstrom. Einen Bonito lassen wir noch wieder frei, dann beißt diese schöne und leckere King Mackerel.

Und dann – verhängt Wiebke gleich wieder Angelverbot. Ist wohl besser so 😁.

Als ein Squall vor uns auftaucht, schalte ich das Radar ein, um die Regenzelle auf dem Plotter besser lokalisieren zu können. Nur leider sagt die Anzeige „Kein Radar gefunden“. Grr. Die nächste Baustelle tut sich auf. Aber auch das ist Bootsleben. Die To-do-Liste wird nie leer.

Pura Vida.

Cape Canaveral

Unser nächster Stop an Floridas Ostküste ist nach rund 115 sm Cape Canaveral. Der Weltraumbahnhof? Genau der. Zumindest der gleiche Ort. Und immerhin wird der Hafen ebenfalls vom Weltraumbahnhof genutzt, wir wir schon bei der Einfahrt sehen können. Denn auch das private “SpaceX” nutzt Cape Canaveral und mehrere Schiffe der Firma liegen im Kanal.

Wir gehen ausnahmsweise in eine Marina, der Port Canaveral Yacht Club hat einen Stegplatz mit den hier ungewöhnlichen Pollern für uns, so wie wir es aus der Ostsee kennen (allerdings gibt es hier bis zu eineinhalb Meter Tidenhub). Super, vor allem weil der Platz für US-Verhältnisse mit etwa 65 € pro Nacht erfreulich “günstig” ist, andere Marinas hier rufen bis zu 3,50 US$ pro Fuß Schiffslänge auf, da kämen wir dann auf rund 170 US$. Theoretisch gibt es zwar auch einen Ankerplatz hinter den drei Hubbrücken und der Schleuse, aber der bietet maximal 2,10 m Wassertiefe und liegt direkt am Intracoastal Waterway. Bei den Wellen der durchfahrenden Sportboote kann es dann schon mal knapp werden.

Am Steg zwei Boote weiter liegt die schweizer San Giulio, Antje und Beat begrüßen uns gleich beim Anlegen. Uns sie bieten an, uns mit ihrem Mietwagen zum Visitors Center des Kennedy Space Centers mitzunehmen. Das passt wunderbar, die Karten für den nächsten Tag hatte Wiebke schon vorher im Internet bestellt.

Der erste Eindruck nach der langen Anfahrt über das riesige Gelände ist irritierend: die verschiedenen Raketen im “Rocket Garden” wirken erstaunlich klein, obwohl sie dort in Originalgröße stehen (z.B. die “Delta” ganz rechts mit dem Haifischkopf, die die GPS-Satelliten ins All gebracht hat, da sind wir als Segler besonders dankbar).

Aber so ist das, die Dimensionen können immens täuschen. Richtig deutlich wird das am “VAB” (Vehicle Asambly Building, in der die Raketen vor dem Start montiert werden), an dem wir in einiger Entfernung vorbeifahren. Wir hatten die riesige Halle mit dem Nasa-Logo und der US-Flagge schon vom Meer aus gesehen. Jetzt, aus der scheinbaren Nähe, wirkt sie wie ein Scheinriese viel kleiner.

Nur: das täuscht! Tatsächlich passt das Empire State Building vom Rauminhalt her mehr als dreimal in die Halle hinein, jeder der Streifen der US-Flagge hat die Breite einer Busspur!

Und auch hinsichtlich der Raketen wird unser Größenempfinden in der weiteren Ausstellung zurecht gerückt, als wir an und unter der Saturn V Mondrakete angekommen sind.

Und auch, als wir unter den Antriebsraketen und dem Treibstofftank des Space Shuttle hindurchgehen und drinnen die Raumfähre in voller Größe und mit geöffneten Ladeklappen ausgestellt finden.

Die Geschichte der menschlichen Raumfahrt einschließlich des Wettlaufs mit den Russen, den amerikanischen Befindlichkeiten zu deren Anfangsvorsprung und der späteren internationalen Zusammenarbeit auf der ISS wird dargestellt.

Schmunzel-Details finden sich …

… ebenso wie eher bestaunenswerte Originale wie das der engen Landekapsel, mit dem die Astronauten wieder auf der Erde (bzw. auf dem Meer) ankamen.

Oder die Original-Einrichtung des Überwachungsraumes, von dem aus der Raketenstart zum Mond kontrolliert wurde.

Als Zuschauer erleben wir hier den simulierten Countdown eines Starts, einschließlich Lärm und Vibrationen. So wie ein Stückchen weiter auch die Simulation des Starts einer Raumfähre, diesmal angeschnallt und mit dreidimensionale Rotation (und Durchschütteln), die das ebenfalls gebotene IMAX-3D-Kino nochmal topen.

Überhaupt Simulation: wir dürfen ins nachgebaute Cockpit eines Space Shuttle und an einem anderen Simulator sogar dessen Landung üben 😎

Auch die dramatischen Abstürze der Space Shuttle “Columbia” und “ Challenger” mit dem Tod aller jeweils sieben Besatzungsmitglieder werden behandelt.

Bisher noch nicht so richtig in der Ausstellung angekommen ist die “Privatisierung” der Raumfahrt, obwohl ja vom Gelände aus auch die SpaceX operiert, dessen Falcon-Raketen und das Raumschiff “Dragon” starten. Seit 2020 gibt es durch SpaceX durchgeführte bemannte Raumflüge zur ISS im Auftrag der NASA und seit September 2021 werden auch Privatpersonen von SpaceX ins All geflogen.

Mit etwas Glück können wir heute Abend einen Raketenstart hier in Cape Canaveral erleben, bei dem 53 Satelliten durch SpaceX in die Umlaufbahn der Erde gebracht werden sollen. Eigentlich schon für gestern geplant, wurde der Start kurzfristig auf heute verschoben.

Karen und Steve von der “Second Chance” aus unserer Carlisle Bay Corona Group aus dem Frühjahr 2020 liegen in der Nachbarmarina. Wir beschließen gemäß ihrem Schiffsnamen zu handeln und vielleicht doch noch den Start live und aus der Nähe zu sehen. Bleiben wir halt noch einen Tag länger hier.

Pura Vida.

Nachtrag: da ist sie 🚀. Hat geklappt. Ein Video (nicht von mir) dieses heutigen Raketenstarts gibts auf YouTube: https://youtu.be/0bd5DjagC4s

Und so ha5 es für uns ausgesehen:

St. Augustine: da kommt uns Amerika spanisch vor

Die Einfahrt nach St. Augustine hat einen Ruf. Wir werden vorher von anderen Seglern gefragt, ob wir da wirklich rein wollen. Man habe Schlimmes gehört. Und die Navionics-Seekarte zeigt direkt vor der Einfahrt die Zweimeter-Linie an. Hm. Aber auf Sonar-Charts umgestellt wird klar, dass die Tiefe mehr als ausreichend ist. Die Recherche zeigt außerdem, dass der schlechte Ruf von Wind-gegen-Strom-Situationen herrührt. Wir timen es so, dass uns das nicht trifft. Tatsächlich ist es dann völlig unproblematisch und wir finden auch noch einen Platz im gut gefüllten Ankerfeld vor der alten Festung der Stadt.

Schon von dort sieht die Stadt eher südeuropäisch als typisch amerikanisch aus.

An Land setzt sich dieser Eindruck fort. Zunächst bei der Festung „Castillo de San Marcos“, deren Mauern und Türme nicht zufällig an San Juan in Puerto Rico erinnern, die wir uns ob des Besucheransturms aber lieber nur von außen anschauen.

Dann aber vor allem bei den im Stadtzentrum mit Gebäuden, die mit ihren Ornamenten und Holzbalkonen sehr deutlich spanischen Einfluss zeigen. Oder auch in der alten Pflasterung mit Ziegelsteinen.

Tatsächlich ist St. Augustine (kein amerikanischer Ort ohne Superlativ) die älteste noch durchgehend besiedelte existierende Stadt der USA. 1565 von Spanien gegründet, wechselte ihr Besitz mehrfach zwischen den Staaten, die Stadt wurde 1763 britisch, 1784 wieder spanisch und dann 1821 wie ganz Florida durch einen Grenzbereinigungs- und Kaufvertrag Teil der Vereinigten Staaten.

Aber nicht nur die beiden spanischen Phasen führen zu dem südeuropäischen Gepräge, sondern auch eine Besonderheit der Besiedlung während der britischen Phase. Etwa 1.000 vorwiegend aus Menorca stammende Siedler waren nach Neu Smyrna, etwa 100 km weiter südlich in Florida ausgewandert und dort in der Indigoproduktion angeworben worden. Die Arbeitsbedingungen und mangelnde Vertragstreue der Partner führten aber 1777 dazu, dass sie sich zu Fuß auf den Weg nach St. Augustine machten und hier im Stadtteil „Little San Felipe“ ansiedelten. Schöner Nebeneffekt für uns: die Küche in den Restaurants dort verbindet inzwischen mediterranes Erbe mit karibischen Einflüssen, eine tolle Mischung.

Ein Spaziergang führt uns in ein ganz anderes, historisch aber ebenfalls bedeutsames Eckchen der Stadt. Der Stadtteil Lincolnville wurde nach dem amerikanischen Bürgerkrieg 1866 von befreiten Sklaven gegründet und entwickelte sich ausnehmend gut, wie diverse erhaltene viktorianische Häuser bezeugen. Er blieb dabei ein afroamerikanischer Stadtteil. Als solcher machte er knapp 100 Jahre später Schlagzeilen, als 1963/64 Dr. Martin Luther King und andere Aktivisten des Civil Rights Movement wie Dr. Robert Hayling nach mehreren rassistischen Vorfällen friedliche Proteste organisierten, die gewaltsam aufgelöst wurden. Auch Dr. Martin Luther King wurde 1964 hier verhaftet.

Die Hauptstraße durch das bunte Viertel trägt heute seinen Namen.

Ein anderer (ziemlich langer) Spaziergang führt uns am nächsten Tag zum Leuchtturm von St. Augustine auf einer Insel jenseits des ICW. Es ist der erste Advent und nicht nur das Geländer der Aussichtsplattform des charakteristisch spiralförmig schwarz-weiß geringelten Leuchtturm mit seiner roten Haube ist weihnachtlich geschmückt.

Das angeschlossene interessante Museum in den Nebengebäuden des Leuchtturms ist es ebenso, außerdem sehen wir in jedem Raum (und auch vor dem ehemaligen Außen-WC) verzierte Tannenbäume. Alle sind phantasievoll, detailversessen und sehr unterschiedlich (aber immer übervoll und bunt) dekoriert, hier eine kleine Auswahl:

Am Abend sehen wir dann schon vom Ankerplatz aus und erst recht später in der Stadt, warum derzeit so viele Touristen in der Stadt sind.

Nights Of Lights. Schon seit 28 Jahren wird in St. Augustine unter diesem Namen in den Wintermonaten eine Illumination privater und öffentlicher Gebäude vorgenommen, bei der die besten Beleuchtungen am Ende prämiert werden. Das ganze hat hat sich zu einem Touristenmagnet entwickelt, kaum einer mag zurückstehen. Auch die Schiffe werden mit Glühbirnen vollgehängt und wir sehen sogar Pferdekutschen mit „Unterboden-Beleuchtung“. American Show, die auf der offiziellen Webseite der Stadt ohne erkennbaren Anflug von Ironie auf den alten spanischen Brauch zurückgeführt wird, zu Weihnachten eine weiße Kerze ins Fenster zu stellen, um in den Häusern und Herzen symbolisch Raum für Jesus zu schaffen.

Pura Vida.