HAWAI’I (Big Island)

Wir sind immer noch auf der größten und namensgebenden Insel des Archipels, auf Hawai’i, zur besseren Unterscheidung oft auch „Big Island“ genannt. Und groß ist die Insel wirklich. Auch, aber nicht nur von der Fläche her, sondern insbesondere hinsichtlich ihrer Vielfalt. Aktive Vulkane? Na klar.

Entsprechend gibt es viele Lavafelder überall auf der Insel. Eine irre Vorstellung, das diese Landschaften erst entstanden sind, nachdem wir geboren wurden. Der letzte große Ausbruch war erst 2018. Die von den jüngeren Ausbrüchen stammenden Felder sind zumeist noch fast überhaupt nicht bewachsen, lediglich die knallrot blühenden „Ōhi’a lehua“ besiedeln als Pionierpflanzen die kargen Steinwüsten.

Das ist insofern besonders spannend, als diese auf den Lavafeldern kleinen Sträucher zugleich die Pflanzen sind, die als Bäume in den meisten hawaiianischen Regenwäldern das Blätterdach bilden, während unter ihnen Riesenfarne dominieren.

So zum Beispiel auch im Kilauea Nationalpark, wo wir nicht nur die trockenen Lavafelder durchfahren, sondern durch einen solchen Regenwald zu einem beeindruckenden Lavatunnel wandern.

Und – wieder ganz anders – auch die wildromantische Küstenstraße 11 hin zum Sea Arch „Hõlei“ findet sich dort.

Aber Hawai’i bietet noch viel mehr. Wo wir schon einmal einen Mietwagen haben, erkunden wir auch den Norden der Insel. Dabei können wir zunächst nahtlos an die Regenwaldwanderung vom Vortag anknüpfen, nur dass es diesmal zu einem anderen, gleichwohl ebenso wie die Vulkane für ein Element stehendes und immer wieder faszinierendes Naturwunder geht. Obwohl zunächst in ein tief eingeschnittenes Tal hinein und dann auf schmalen, auf beiden Seiten steil abfallenden Grat hinauf, ist es doch ein Spaziergang über Treppen und kein anstrengender Hike bis zum Akaka-Wasserfall.

„Kennst Du einen, kennst Du alle“ hat mal jemand über Wasserfälle gesagt. Können wir absolut nicht unterschreiben, selbst wenn dieser hier absolut bilderbuchmäßig 135 m in die Tiefe stürzt.

(für die skeptische Kerstin: Bild komplett unbearbeitet!)

Aaaaber: Vielfalt zeigt sich ja eher im Unerwarteten. Und auch das sehen wir auf unserer Tagestour. Zum Beispiel trockene Steppenlandschaft im Nordwesten der Insel.

Und immer wieder weidende Kühe. Wer hätte schon gedacht, dass die Insel Hawai’i eine der größten Rinder-Ranchen der gesamten Vereinigten Staaten von Amerika beherbergt? Allein die 1847 etablierte Parker Ranch bewirtschaftet hier 900 Quadratkilometer (also 90.000 Hektar!) Landfläche und hat allein bereits ca. 60.000 Rinder. Und es gibt noch weitere große und vor allem kleine Viehbetriebe.

Weite Prärielandschaft mit oasengleich eingebettetem Ort:

Wieder ganz anders, die wilde Steilküste im Nordosten mit dem alten Waipi’o Königstal:

Oder das teilweise wiederaufgebaute polynesischen Fischerdorf mit Grashütten auf der gegenüberliegenden trockenen Inselseite:

Die sanfthügelige Landschaft dazwischen, die selbst schon wieder so viele Facetten zeigt:

Von der Nebel-Fahrt durch die Wolken zurück quer über die Insel, vom modernen Ort Kailua-Kona aus (von dem aus südlich sich die Hotels an die hier verglichen etwa mit dem berühmten Waikiki auf der Insel O’AHU eher kleineren Strände anschließen) und dann zwischen den 4.000dern Mauna Kea und Mauna Loa hindurch gibts keine Bilder, aber immerhin vom Blick hinüber zur Nachbarinsel MAUI, deren immerhin auch über 3.000 m hoher Vulkan Haleakala durch die Wolken stößt:

Schon ein ganz schönes Spiel mit unseren Erwartungen (oder Vorurteilen?) über Hawai’i. Wir sind sehr gespannt, was die anderen Inseln der Gruppe für uns bereithalten.

Aloha.

Erste Eindrücke aus Hilo, Hawai’i

Wir haben herausgefunden, dass wir unser Dinghy in einem kleinen öffentlichen Hafen im Wailoa River parken können, von dort aus führt ein schöner Weg durch einen weitläufigen Park mit dem Waiākea Pond. Immer am Wasser entlang, geschwungen angelegt, mit vielen Palmen, vor allem aber mit riesigen Schirmakazien (unser Taxifahrer sagt, sie werden hier „Monkey Pod“ genannt, anderenorts heißen sie auch „Raintree“). Eigentlich in der Savanne beheimatet, gedeihen sie hier so gut, dass sie – obwohl eben nicht heimisch – als gern angenommenen weitausgreifende Schattenspender zum Stadtbild gehören.

Es gibt auch einen Weg an der der Bucht entlang, aber der Strand ist nicht sonderlich attraktiv, schwarz, mal Sand und mal Kies. Schwemmholz lagert sich dort an und er ist vom Ort durch die große Straße eher getrennt als angebunden.

Hilo ist nach Honolulu die zweitgrößte Stadt im Bundesstaat Hawai’i. Davon sollte man sich aber nicht täuschen lassen. Mit etwa 45.000 Einwohnern ist Hilo eher ein beschauliches Städtchen, das wird sehr deutlich, als wir das Zentrum erreichen. Ursprünglich in dem Bereich gelegen, in dem jetzt der Park und ausgedehnte Sportanlagen liegen, verlagerte es sich nach mehreren verheerenden Tsunamis (der letzte große sorgte 1960 für schlimme Verwüstungen und erhebliche Opferzahlen) aus dem Scheitel der Bucht weiter nach Westen und etwas den Hügel hinauf, wobei es auch hier schon historische Gebäude gab.

Die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein. Das wirkt meistens charmant, an einigen Ecken aber auch ein bisschen „in die Jahre gekommen“, wird aber von den Geschäften auch mit den Auslagen in den Schaufenstern eher noch bewusst unterstrichen 😉.

Man pflegt das „Hang Loose“, die Öffnungszeiten unterstreichen das. Privatleben will auch Raum. Customs (zum Einklarieren) hat von 6.00 bis 14.00 Uhr geöffnet, die Läden in der Haupteinkaufsstraße machen um 15.00 oder 16.00 zu. Manche auch eher 😉:

Auch das sehenswerte und informative Pacific-Tsunami-Museum schließt um 16.00, wir statten ihm aber vorher noch einen Besuch.

Und was macht der Hawaiianer nach Feierabend? Angeln offenbar manche. Surfen vielleicht, aber eher auf Maui als hier in Hilo, hier wird das Ausleger-Kanu klargemacht. Die polynesischen Wurzeln werden gepflegt, es ist Volkssport. An der Boje am Ankerplatz hängt natürlich auch eins.

Aber auf dem Parkplatz an Land ist es ebenfalls kein ungewöhnlicher Anblick:

Und am Nachmittag wird es quirlig um die Flora herum.

Segeln geht aber auch:

Wir schauen uns ein weiteres Museum an, das Imiloa Astronomy Center. Es bietet eine Ausstellung über die polynesische Navigationskunst und die weiten Reisen mit den Hochseekanus und über die astronomischen Observatorien und Teleskope auf dem Vulkan Mauna Kea, dem höchsten Berg Hawai’is. Was wir nicht wissen: Auch ein Planetarium ist darin und dort bekommen wir eine tolle Doppelvorführung über schwarze Löcher (mit sehr aktuellem Bezug zu neuen Forschungsergebnissen) und über den aktuellen Sternenhimmel und wie die Polynesien ihn lesen, welche Sternbilder sie in ihm erkennen und nach ihnen navigierten.

Den Mauna Kea und bei genauem Hinsehen sogar die weißen Observatorien auf seiner Spitze können wir vom Boot aus bei guter Sicht erkennen, kaum zu fassen, dass er über 4.200 m hoch ist.

Die Vulkane hier müssen wir uns auf alle Fälle noch näher ansehen, insbesondere den nur wenig niedrigeren und noch aktiven Mauna Loa.

Und vorher: Shaved Ice. 😁 Hatten wir auch schon mal in Panama, ist hier in Hilo aber ganz besonders lecker. In meinem verbirgt sich innen noch eine Vanilleeiskugel, auf Wiebkes ist Kokoscreme und Passionsfrucht-Topping.

Bildernachtrag Passage Hawai’i

So kurz nach der Passage sind wir immer noch mittendrin, die ganzen Eindrücke dieser intensiven 26 Tage zu verarbeiten. Die Bilder durchzugehen, eine Auswahl besonderer Momente oder Eindrücke oder damit verbunden auch Stimmungen zu treffen, das ist gar nicht so leicht. Ich versuche, mich ein bisschen an den Beiträgen entlang zu hangeln und ein paar Blöcke bilde, ohne dass ich alles im Einzelnen zuordne.

Los ging es mit eher wenig Wind.

Angelerfolg, hier ein schöner Gelbflossenthunfisch, so schwer, dass wir tatsächlich einmal unser Gaff benutzt haben.

„Kreative“ Besegelung schon mal am Anfang, wir haben das in den Kalmen dann noch einmal aufgegriffen.

Überhaupt, so viele wunderbare Sonnenuntergänge vor Floras Bug und Sonnenaufgänge hinter ihrem Heck, dass ich hier mal nur eine kleine Auswahl einstelle:

Kochen und Essen strukturiert auf einer langen Passage den Tag und ist immer wieder ein Highlight.

Fliegende Fische. In „ihrem“ Element:

Und was man morgens so jeweils an Deck findet.

Herrliches Segeln

… und auch knackiges Segeln.

Ein kleines bisschen Bootsarbeit natürlich auch …

Flaute. Wenn sie kurz genug ist, auch mal schön.

Und sinnvoll zu nutzen. Wahnsinn, wie schnell hier im Pazifik Bewuchs entsteht. So sieht (nach zwei Wochen) eine zwei Zentimeter lange Entenmuschel aus:

Eigentlich ja ganz hübsch. Nur nicht, wenn sie in Massen am Boot klebt. Also Tauch- und Säuberungseinsatz in der Flaute. Vorher:

Nachher:

Noch mal Wolkenstimmung

Vögel sorgen auch immer mal wieder für Abwechslung.

Ganz liebe Überraschung zum Bergfest

Wind und Wellen, Boot und überhaupt 😁

So viel Blau. Und wir strahlen sogar ohne Farbe 😁

Aloha 🌺 Hawai‘i.

25 Tage, 14 Stunden. Das ist lang, jedenfalls das längste Seestück, was wir bisher gesegelt haben. Tatsächlich überwiegend gesegelt, wir mussten nur 22 Stunden durch die Kalmen motoren. Da hatten wir viel Glück mit unseren taktischen Entscheidungen 😊. Und es ist auch ganz schön kurz, denn auf 4.278 sm gerechnet bedeutet es, dass wir ziemlich genau 7 kn im Schnitt gemacht haben (zwischendurch hat der Strom ordentlich geholfen und damit die windschwächeren Phasen mehr als ausgeglichen).

Und 4.300 sm sind eben ganz schön weit. Von Hamburg aus entspricht das der Luftlinie nach Peking! Der Pazifik ist nun mal groß, klar. Alle Kontinente der Erde passen gemeinsam flächenmäßig locker hinein. Wir blasen noch mal unseren Wasserball-Globus auf:

Wow, ja, der Pazifik ist groß, und Hawai‘i liegt ganz schön weit drin. Der Blick auf den Globus bringt einige Überraschungen. Wer hätte das gedacht: Hawai’i liegt westlicher als die Gesellschaftsinseln (Tahiti). Von Hawai‘i nach Neuseeland (oder nach Japan) ist es kürzer als nach Galápagos.

Das polynesische Dreieck (Südsee) ist auch noch mal hervorgehoben

Und von wegen Überraschungen: auch das Bild von Hawai´i bietet einige. Wir hatten uns z.B. vorgestellt, dass wir die hohen Vulkanberge EWIG vorher sehen würden, mindestens aber die sie umhüllenden Wolken. Nix da. Bei unserer Ansteuerung wären wir mit derartiger Navigation aufgeschmissen gewesen, die ganze Insel verhüllt sich scheinbar im Dunst, obwohl wir gutes Wetter haben (und ich extra schon mal das passende T-Shirt angelegt hab).

Aber hinsichtlich der Überraschungen: der regenreichste Ort der Welt liegt …

… auf Hawai‘i (Mount Wai’ale’ale in Hawaii. Auf dem 1’569 Meter hohen Berg auf der Insel Kaua‘i regnet es an 335 Tagen im Jahr). Und die regenreichste Stadt der USA ist …

… Hilo. Wo wir jetzt gerade sind. Und wir haben einmal mehr Glück. Hatte mein iPhone gerade noch gemeckert: 😂

Heute haben wir 16.407 Schritte zurückgelegt. Im Trockenen 😁.

Sind zum Einklarieren gelaufen (sehr nett und unproblematisch, neue US-Cruising-Licence für ein Jahr, vorher per CBP-ROAM-App vorbereitet). Und dann durchs amerikanische Industriegebiet zu Walmart und Target, SIM-Karten besorgen und Einkäufe erledigen. Zurück per Uber.

Wir sind angekommen. Und wir brauchen noch etwas Zeit, sorry. Die Bilder der Überfahrt muss ich noch erst sortieren, sonst kriegt Ihr nur Unmengen von Sonnenauf- und -untergängen zu sehen, wer will das schon 😎.

Essen 😉: New York Strip Steak Premium Angus Beef. An Bord in der (neuen) Pfanne gebraten. Auch sooo lecker.

Passage nach Hawai’i, Tag 25

Hochstimmung an Bord. Feinstes Segelwetter heute vormittag, mit strahlend blauem Himmel und um die 15 kn Wind (jetzt etwas auffrischend), die Nacht durch waren allerdings wieder zwei Reffs im Groß, Böen bis 25,6 kn. Also immerhin schnell („Pferdchen riecht den Stall“).

Heute morgen umkreiste der erste Albatros unser Boot. Was für ein majestätischer Anblick.

Gestern haben wir doch tatsächlich gleich wieder eine Goldmakrele gefangen, ein standesmäßiges Abschlussessen für unsere lange Passage ist also gewährleistet. Essen gestern: Orientalisch gewürzter Couscous mit Möhren und Rindfleischstreifen. Wiebke verarbeitet gerade unsere restlichen frischen Lebensmittel (also 2 Möhren, den restlichen Rotkohl und Weißkohl, eine Orange, zwei Kartoffeln, zwei Zwiebeln und noch ein paar Mini-Limetten, war eine gute Planung, der letzte Apfel war gestern im Müsli). Einführen dürfen wir in die USA keine frischen Lebensmittel.
Der superleckere Rotkohl-Walnuss-Salat ist inzwischen bereits verspeist, der erste Teil des Mahi Mahi zu „Poisson Cru“ Flora-Style vorbereitet, also in Limettensaft gegart, mit Chili, Ananas und Kokosmilch.

Wir haben noch ungefähr 60 sm zu segeln, werden also wohl heute am späten Abend unserer Zeit in Hilo auf Hawai’i ankommen.
Wir sind etwa 40 sm vor der südöstlichen Landspitze, gucken uns natürlich fast die Augen aus den Köpfen, aber bisher ist von den hohen Vulkanen noch nichts zu erspähen, nicht einmal eine verräterische Wolkenformation.

Etmal um 12.00: 175 sm, bisher gesegelt insgesamt 4.217 sm, nur noch geschätzte 63 sm nach Hawai’i (Schätzung angepasst auf 4.280 sm).

Passage nach Hawai’i, Tag 24

Wer sagts denn, alles ist gut, so schnell kann das gehen. Die Wellen haben ein bisschen nachgelassen, vor allem die Querwellen sind fast ganz weg. Der Wind ist auf 13 kn zurückgegangen. Wir haben die Reffs aus dem Groß genommen. Die Sonne scheint, blauer Himmel.
Sehr versöhnlich. Sogar die Angeln sind endlich mal wieder draußen, bei den Bedingungen zuvor hätte ich nicht auf dem bockenden Achterschiff einen Fisch filetieren wollen, wäre vermutlich auch nicht ohne Selbstverstümmelung ausgegangen.

Wer hätte das bei dem Ziel Hawai’i gedacht, es ist deutlich „kälter“ geworden, wir spüren das vor allem Nachts. Tagsüber jetzt bis 23 Grad, schon eine deutliche Veränderung gegenüber den ca. 30 Grad auf Galapagos. Aber es geht nun einmal vom Äquator aus nach Norden, wir sind bereits auf 18 Grad nördlicher Breite.

Wir haben auf diesem Törn jetzt schon über 4.000 sm auf der Logge und heute – wieder einmal – eine Zeitzonengrenze passiert. Jetzt sind wir in der Zeitzone von Hawai’i (GMT -10h), also zeitlich genau in Opposition zu Deutschland. Wenn Ihr Mittag habt, beginnt unser Tag (0.00 Uhr), haben wir Mittag, ist in Deutschland bereits wieder Mitternacht.

Bootsarbeit des Tages: mal wieder der Plotter. Dieses Furuno-Menü treibt mich noch in den Wahnsinn (vgl. Tag 21). Heute Nacht der Beweis, dass der Radar-Alarm nach der Neujustierung tatsächlich funktioniert. Da muss man allerdings erst einmal drauf kommen, dass ein Alarmkreis von 8 sm um das Boot keineswegs automatisch den Bereich von dort bis zum Boot umfasst, sondern nur den unmittelbaren 8sm-Bereich (7,8 sm also schon nicht mehr!). Ok, zweite Begrenzung der Zone gesetzt, jetzt geht es. AAAAber: Sobald ein Schiff (oder ein Squall) in den jetzt gesetzten Alarmbereich zwischen 8 sm und 3 sm um die Flora hineingelangt, ertönt nicht nur der gewünschte Alarm, sondern der Plotter setzt auch ab jetzt laufend MOB-Punkte (also Mann-über-Bord-Punkte) und zeigt den Kurs zum letzten MOB-Punkt an, löscht dafür aber unseren Wegepunkt. Total unpraktikabel, und leider habe ich noch keine Möglichkeit gefunden, dies zu ändern. Grrrr. Gelegenheit für Versuche boten ein Squall in der
Nacht und eine Frachter-Begegnung gerade eben. Die „Jericho Beach“ kreuzt unseren Weg, ändert aber sichtbar Ihren Kurs und passiert 2 sm hinter Floras Heck. Zielhafen: „Bell Bay, Australia“. Wow. Pazifik halt.

Essen: Rigatoni mit Tomaten-Chili (gestern noch im Geschüttel).

Etmal: 182 sm in 24 Stunden, zusätzlich weitere 7 sm in der Zeitumstellungsstunde, gesamt gesegelt bisher 4.042 sm, noch geschätzte 258 sm nach Hawai’i.

Passage nach Hawai’i, Tag 23

Sonne-Wolken-Mix, nicht so bedeckt wie gestern. Und gleich sieht die Welt wieder etwas besser aus.
O.k., das permanente Beschleunigen und Abbremsen, das Schaukeln und der plötzliche seitliche Versatz durch eine an der Bordwand explodierende Querwelle sind geblieben. Das Gefühl der Schiffsbewegungen auch, irgendwo zwischen „Polyp“ auf dem Jahrmarkt und Waschmaschine im Schleudergang.

Aber erstens sieht alles eben etwas sonniger aus (auch im Gemüt) und zweitens wird langsam ein Ende absehbar. Noch 3 Tage, dann sollten wir Hilo auf Hawai’i erreichen, wenn weiter alles glatt läuft. Im Moment sieht es allerdings nach einer Ankunft mitten in der Nacht aus, das kann sich aber durch den wohl im Stau vor den hohen Bergen deutlich geringeren Wind noch ändern.
Um keinen falschen Eindruck zu erwecken, die Wellen sind wirklich nicht dramatisch und wie üblich sehen sie auf den Fotos und Videos eher niedlich aus.
Ein Nachmittag oder gar ein Tag lang bei diesen Bedingungen wäre ein wunderschöner sportlicher Törn, schnell und fordernd.
Ein paar Tage lang … da gesellt sich zu dem Spaß dann doch der Aufwand, sich dauernd festhalten und abstützen zu müssen. Wir sind jetzt knapp zwei Wochen in dieser Konstellation unterwegs. Und ja, wir sind schnell. Aber selbst das Schlafen ist da anstrengend, jeder Gang zur Toilette eine Herausforderung, Duschen ein Balanceakt mit etappenweisem Festkrallen. Wie Wiebke im Stemmschritt verkeilt in unserer U-förmigen Pantry vor dem herumschwingnden Herd kochen kann ist mir ohnehin ein Rätsel.

Das Groß ist seit Tagen unverändert im zweiten Reff, dazu steht die 108% Arbeitsfock. Die Schoten haben wir ebenfalls seit Tagen nicht angefasst (das Groß ist ja ohnehin mit dem Bullenstander festgesetzt). In den stärkeren Böen fallen wir falls es notwendig ist einfach 10 oder 15 Grad ab, luven hinterher wieder an (nix mit der Amwind-Regel „jede Bö gibt Höh“, hier gehts nur darum, nicht in die Querwellen hineingedrückt zu werden).

Essen: Kartoffeln mit Hering in Honig-Senf-Soße (unser letztes Glas „Sild“ von Ikea) mit frisch gemachtem Coldslaw / Krautsalat, verfeinert mit frischen Karotten und (Dosen-)Ananas.

Etmal: 196 sm, gesamt gesegelt bisher 3.853 sm, noch geschätzte 447 sm nach Hawai’i.

Passage nach Hawai’i, Tag 22

Hat sich doch der Titel geändert: Hawai’i statt Hawaii. Warum das? Weils eigentlich richtiger ist. Wir würden ja auch nicht wollen, dass Düsseldorf Dusseldorf geschrieben würde, nur weil es in einer anderen Sprache genau so ausgesprochen wird, oder (die Kölner vielleicht schon, aber die hätten ja selbst mit einem Umlaut zu kämpfen)?
Das Alphabet in Hawai’i hat nicht wie unseres 26 Buchstaben (ohne Umlaute), sondern nur die Hälfte, nämlich 13. Die Vokale A, E, I, O und U sind aber gleich, nur bei den Konsonanten hakts: in der lokalen Sprache werden nur H, K, L, M, N, P und W verwendet.
Kein Wunder, dass die Sprache so weich und melodisch klingt und dass die Worte uns oft so ähnlich erscheinen. Und ebenso logisch ist, dass zum Teil sehr lange Wörter gebildet werden müssen, wenn man halt weniger Buchstaben zur Auswahl hat.
Aber 13? Da fehlt doch ein Buchstabe, und das ist der „Glottal-Laut“ bzw. Glottal-Stop. Das Zeichen zwischen den beiden i von Hawai’i. Es ist quasi eine gesprochene Pause. Hört sich etwas abstrus an, gibts aber im Deutschen aus, nur ohne extra Zeichen. Wenn man zum Beispiel nach Grönland fährt um zu „Verreisen“ und „Vereisen“, hört man den Glottal in Vereisen sehr deutlich. Und in der Sprache der Ureinwohner auf Hawai’i wird er viel verwendet, drei der vier großen Inseln führen ihn im Namen. Maui nicht, aber Kaua’i, O’Ahu und eben Hawai’i Island, das zur besseren Unterscheidung von dem Gesamtarchipel auch oft „Big Island“ genannt wird.
Und da fahren wir als erstes hin, denn Big Island liegt als jüngste Insel der Kette ganz im Südosten des Archipels und ist damit für uns am besten zu erreichen.
Die Inseln sind alle vulkanischen Ursprungs. Wie Galapagos und auch die Kanaren gibt es hier einen „Hotspot“, quasi einen Schneidbrenner unter der Erdkruste, der ein Loch in die über dem Magma liegende feste Erdplatte brennt und einen Vulkan entstehen lässt. Weil sich aber die Platten verschieben, reißt irgendwann die Verbindung ab und über dem Hotspot entsteht der nächste Vulkan. Die Pazifische Platte ist zwar riesig, bewegt sich aber trotzdem recht schnell. Am Mariannengraben z.B. schiebt sie sich mit etwa 11 cm pro Jahr unter die Phillipinische Platte, mit 8 cm pro Jahr bewegt sie sich auf die Kurilen zu. Durch diese Bewegung sind über dem Hotspot nach und nach die zum Hawai’i-Archipel gehörenden Inseln entstanden. Einige im Nordwesten sind in den Millionen Jahren ihrer Geschichte schon wieder versunken, die jüngeren sind die jetzt bevölkerten. Big Island als jüngste mit seinen aktiven Vulkanen, dem über 4.200 m hohen Mauna Kea und dem nur wenige Meter niedriger
en Mauna Loa stellt zugleich die höchsten Berge der Inselgruppe. Wenn man bedenkt, dass die Lava die Berge ja auf dem hier 5.000 m tiefer liegenden Meeresboden formen musste, steigen sie sogar über 9.000 m in die Höhe.
Es wird aber trotzdem noch ein paar Tage dauern, bis wir hoffentlich die Berge Hawai’is vor uns erkennen können.

Heute ist die Sicht nicht sehr klar, der Himmel wolkenverhangen, manchmal Regen, nur ab und zu kommt die Sonne durch. Wir hoppeln über eine Wasser gewordene Buckelpiste, zu dem hohen Schwell des starken Passatwindes gesellt sich eine weiter aus nördlicher Richtung kommende Welle eines entfernten Windsystems, die uns ordentlich durchschüttelt. Ungenehm, anstrengend und ermüdend. Heute Nacht hatten wir in der dritten Wache durchziehende Wolkensysteme, die den Wind zwischen 25 kn und 3 kn hin und her springen ließen, danach wieder stetigen Passat.

Bootsarbeit des Tages: „Neustart und Hoffen“. Der Autopilot steigt plötzlich aus, ohne dass ihn gerade eine besonders hohe , Seiten-Welle aus dem Konzept gebracht hätte. Display-Anzeige: „Position Source are changed“. Auf dem Plotter erscheint eine gezackte Kurslinie (die wir nicht gefahren sind) und die Vorauslinie des Schiffes weicht 90 Grad von unserer wahren Vorauslinie ab. Grrr.
Wir starten den Autopilot neu. Keine Änderung. Den Plotter neu. Keine Änderung. Fahren die Geräte noch einmal herunter, schalten die Sicherungen des gesamten NMEA2000 Netzwerks aus und wieder ein, fahren die Geräte wieder hoch. „Neustart und Hoffen“ hat funktioniert, die systemischen Selbstheilungskräfte einmal mehr obsiegt. Aber wir denken verstärkt über ein Backup für die bisher vom Plotter gelieferte System-GPS-Position nach. Kommt auf die Liste.

Essen: Curry-Bratreis mit frischen Möhren und frischem Weißkohl, Ketjap Manis und Steak Strips (luftgetrocknete Rindfleischstreifen). Zum Nachtisch Cheesecake-Pfirsich-Muffins, die Wiebke trotz der Schaukelei gezaubert hat.

Etmal: 187 sm, gesamt gesegelt bisher 3.657 sm, noch geschätzte 643 sm nach Hawai’i.

Passage nach Hawaii, Tag 21

21 Tage. Drei Wochen sind wir jetzt auf See. Es sieht so aus, als würde das Geschaukel (und der kräftige Wind) bis Hawaii anhalten, aber es kommt uns nicht mehr sooo anstrengend vor, wir haben uns wohl ein bisschen daran gewöhnt. Ausnahme: wenn irgend etwas an Bord zu erledigen ist.
Heute zum Beispiel – Bootsarbeit des Tages: Schlüsseldienst. Das Schloss der Tür zwischen Achterkajüte und Badezimmer hat den Geist aufgegeben. Offensichtlich ist eine Feder gebrochen, die die Türklinken hochhält. So öffnet sich die Tür im Seegang selbstständig und knallt in den Magnetbeschlag. Hm. Schloss ausbauen, o.k., aber die Federn sind nicht zugänglich im Inneren des Schlosses. Also auch das Schloss der sowieso immer offenen Tür zwischen Achterkajüte und Salon ausbauen und die Schlösser tauschen. Alles kein großes Ding – außer eben bei diesem Geschaukel! Aber es ist vollbracht.

Was ich gestern vergessen habe zu erwähnen: Beim PredictWind-Wetterbericht fahren am Ende stets 6 Schiffe mit mehr oder weniger unterschiedlichen Kursen vom Ausgangsort dem Zielort entgegen. Eins für jedes angebotene Vorhersagemodell, selbst wenn man die Gribfiles für manche Modelle gar nicht herruntergeladen hat. Unabhängig voneinander stellen Wiebke und ich fest, dass wir dadurch das (natürlich blödsinnige) Gefühl haben, außer uns wären noch mehrere Boote auf unserer Route unterwegs. Als wir das feststellen, lachen wir herzlich darüber, wie wir überhaupt bisher auf diesem Törn viel zusammen lachen. Kein schlechtes Zeichen.

Wir sind aber tatsächlich nicht ganz allein unterwegs hier. Nach ewiger Zeit taucht heute nacht zum ersten Mal wieder ein AIS-Signal auf dem Plotter auf, ein Frachter auf dem Weg nach Long Beach kreuzt 6 sm vor uns unseren Kurs. Das gibt uns die Gelegenheit, den Radar-Alarm mal in der Praxis zu testen. Leider ernüchternd, ich muss die Einstellungen noch einmal deutlich nachschärfen. Immmerhin gut, dass wir es gemerkt haben. Mal sehen, was der nächste Test ergibt.

Essen: Spätzle mit Pilz-Sahne-Soße und frischem Rotkohlsalat (getrocknete Pilze aus Galapagos, ähnlich Steinpilz, seeehr lecker).

Etmal 187 sm, gesamt gesegelt bisher 3.470 sm, noch geschätzte 830 sm nach Hawaii.

Passage nach Hawaii, Tag 20

Fliegende Fische und Wetterbericht

Der Himmel ist blau, die Sonne scheint. Große Schwärme von Fliegenden Fischen springen vor und neben der Flora aus den Wellen und stieben in alle Richtungen davon. Manche gleiten 100 m weit, andere holen auf den Wellen mit der Schwanzflosse neuen Schwung, wieder andere brechen ihren Gleitflug urplötzlich ab und tauchen vorzeitig wieder ins Wasser. Sturmvögel und Boobies jagen ihnen nach, es ist ein toller Anblick. Stundenlang kann ich dieses Schauspiel genießen (und versuchen, einen kleinen Eindruck davon auch mit der Kamera festzuhalten).

Wir sind allerdings wieder im 2. Reff, zur Nacht war es eher der Vorsicht geschuldet, jetzt ist es schlichte Notwendigkeit. Wind und Wellen haben wieder zugenommen, wir haben jetzt konstant über 20 kn Wind. Unsere Kurslinie weist einmal mehr Knicke auf, statt direkt auf Hilo zuzulaufen. Der Grund dafür liegt in der Wettervorhersage. Wir werden demnach zum Ende hin noch einmal stärkere Böen bekommen. Nichts wirklich dramatisches, aber bis Windstärke 7 könnte es wohl gehen. Um es uns dann etwas „gemütlicher“ zu machen, fahren wir etwas höher am Wind, solange der Wind nicht ganz so stark ist und fallen dann etwas ab, wenn der Wind stärker wird. Für die Nichtsegler: Je nach Boot und sportlichem Ansatz der Skipper ist es natürlich unterschiedlich, aber für uns auf der Flora gilt: bei wenig Wind und Welle ist Segeln am Wind (Wind schräg von vorn) am angenehmsten, bei mehr Wind aber noch akzeptabler Welle darf er gern genau von der Seite kommen, bei viel Welle am besten Wind und Welle schräg von hinten.
Der über Satellit eingeholte Wetterbericht sagt uns, wie der Wind auf der restlichen Strecke vermutlich drehen wird und mit welcher Stärke er dann bläst. Das ist in sofern ganz spannend, als wir ja selbst noch nicht so genau wissen, wo wir in Abhängigkeit von Windstärke und -richtung in der nächsten Zeit genau sein werden, sondern genau dafür ja den Wetterbericht einholen. Aber die (guten) Wetterberichte rechnen das für uns ziemlich zuverlässig aus und zeigen es in der Karte als animiertes Schiff an. Dazu muss der Computer aber natürlich wissen, wie schnell das Schiff bei welchem Wind (Winkel und Stärke) sein wird. Diese Werte sind je nach Schiff unterschiedlich, sie können für die Flora aber in einer Tabelle oder Grafik (Polardiagramm) auf der Webseite von Hallberg-Rassy abgerufen werden. Man kann die Werte sowohl bei PredictWind als auch bei SeamanPro eingeben oder auf dort bereits hinterlegte Polardiagramme von Schiffstypen zurückgreifen. Weil die Polardiagra
mme der Hersteller natürliche von optimalen Bedingungen ausgehen (also z.B.: leeres Schiff, fast leere Tanks, keine Zusatzausrüstung, perfekt aufmerksamer Steuermann, neue Segel, ständiges Nachtrimmen) erreichen wir die Werte des Polardiagramms in der Praxis nicht. Wir haben daher die Voreinstellung für die kleinere aber ähnliche Hallberg-Rassy 40 übernommen und die Werte zusätzlich noch einmal um einen prozentualen Sicherheitsabschlag von 15% reduziert, damit passt es für uns ganz gut. Und so bekommen wir für den überschaubaren und damit auch einigermaßen sicher vorhersagbaren Rest unseres Törns einen guten Eindruck davon, wann wir wo welchen Wind haben werden. Bei PredictWind werden zudem verschiedene Vorhersagemodelle angezeigt, neben dem amerikanischen GFS-Modell das europäische ECMWF sowie die PredictWind eigenen Modelle PWG und PWE. Für den Rest des Törns sind alle ziemlich ähnlich (ein gutes Zeichen). Lediglich die Böen sind bei EMWCF (wie fast immer) stärker vorhergesagt, was nach unserer Erfahrung aber auch zutreffender ist.
Und das erklärt eben hoffentlich, warum wir bewusst einen gewissen Schlingerkurs fahren und nicht einfach den kürzesten Weg wählen.

Essen: Indisch, Matras-Linsen mit Hühnchen aus der Dose und Reis

Etmal 171 sm, bisher gesegelt gesamt 3.283, noch geschätzte 1.017 nach Hawaii