Champagne Beach, Nacula Island und mal wieder eine Lernkurve

Fast ganz im Norden von Fiji‘s Yasawa-Gruppe ankern wir vor dem Champagne Beach. Ein wirklich wunderschöner, langer und breiter Strand mit ganz feinem, hellen Sand.

Klitzekleiner Haken: wie so oft in den Yasawas findet der Ozeanschwell auch hier seinen Weg zum Ankerplatz. Das Auf und Ab ist an Bord nicht mal besonders störend. Das Anlanden am Strand wird aber deutlich erschwert, denn im flacheren Wasser steilen sich die Wellen auf und brechen.

Wir sind ja nach unserem Erlebnis am Cape Scott in Kanada „gebrannte Kinder“ (war’s eine FeuerTAUFE oder sind wir jetzt mit allen Wassern gewaschen?).

Vom Dinghy aus schauen wir uns das erst einmal genau und wirklich in Ruhe an, versuchen ein Muster im Rhythmus der Wellen zu erkennen. Drei größere sind durch, jetzt folgt eine kleine Pause. Also Gas geben, ran, dann das Dinghy schnell auf den Strand ziehen. Auf die nächsten höheren Brandungswellen warten und mit ihnen das Beiboot noch höher hinauf auf den Strand wuchten. Klappt wunderbar. Es ist ablaufend Wasser, insofern sollte das Dinghy jetzt sicher liegen. Trotzdem legen wir zur Sicherheit hoch auf dem Strand noch den Dinghyanker aus. Wir beobachten das noch eine Zeit lang, während wir schon mal den Korken knallen lassen.

Champagne Beach. Nehmen wir wörtlich.

Nach dem Anstoßen folgt ein herrlicher Strandspaziergang barfuß im Puderzucker-Sand der Gezeitenzone.

Allerdings: Irgendeine Monsterwelle hat zwischenzeitlich doch unser Dinghy erwischt und zur Hälfte mit Wasser und auch reichlich Sand gefüllt. Mist.

Davon gibt’s keine Fotos, leer schöpfen hat die oberste Priorität. Dann schnell zurück zur Flora, der Außenborder des Dinghies läuft zum Glück problemlos, so schlimm war die Welle dann doch nicht. Es dauert aber fast eine Stunde, bis wir mit Hilfe von Deckswaschpumpe und Schlauch den Sand zumindest größtenteils wieder aus dem schräg in den Davits hängen Beiboot herausgespült haben. Das war wohl nicht ganz optimal.

In den nächsten Tagen soll der Wind hier oben im Norden der Yasawas deutlich auffrischen. Wir beschließen, wieder etwas weiter nach Süden zu segeln, um spätestens am Freitag den Schutz des Windschattens von Viti Levu nutzen zu können. Unser nächster Ankerplatz liegt auf bei der Insel Nacula vor dem Örtchen Malakati.

Auch hier wieder: traumhafter Sandstrand.

Und überhaupt, was für ein Ankerplatz. Auf 5 m Wassertiefe über Sandgrund, der in herrlichstem Türkis geradewegs zu leuchten scheint.

Der notorische Schwell allerdings findet auch den Malakati Anchorage. Wie also am besten an Land kommen? Die Longboats der Locals sind zumeist nicht auf den Strand gezogen, sondern zwischen einer Ankerleine und einer Landleine so im seichten Wasser festgemacht, dass man an Land waten kann. Wir kopieren ihre Technik und nutzen dafür zwei Anker, jeweils an einem „Anchor-Buddy“, einer sich von 5 m auf 15 m dehnenden speziellen Ankerleine. Die eine Leine ist nicht mehr ganz so elastisch, aber das war der eigentliche Grund, warum wir überhaupt eine zweite haben. Jedenfalls klappt es wunderbar, das Dinghy schwimmt mit dem Bug in Wellenrichtung, die Welle steigt nicht klatschend über das niedrigere Heck ein. Da hätten wir auch schon früher drauf kommen können. Lernkurve, aber wir sind ja auch erst gut sieben Jahre unterwegs!

Wir machen unser Sevusevu beim Chief. Und wir begegnen Josa, Tetro und Mario, die uns den nicht ganz einfach zu findenden Einstieg in den Trail hinauf auf den hinter dem Ort liegenden Berg zeigen. Ihre (und unsere) Namen ritzt Josa in das Blatt einer stacheligen Agave am Wegrand. Wir sollen uns vor den Spitzen Blattenden in Acht nehmen. Zur Sicherheit pickst er dieses Blattende in das beschriftete Blatt.

Der Hike beginnt unscheinbar unter haushohen, die Kokospalmen am Strand deutlich überragenden Mangobäumen und führt dann steil den Hang hinauf. Ein Stück höher wachsen noch Kiefern, dann wird es an den Hängen eher kahl. Wie bei früheren Wanderungen haben sich uns auch diesmal wieder einige Hunde aus dem Dorf angeschlossen und weichen uns kaum von der Seite.

Zurück im Dorf werden wir in die Vorschule hineingebeten. Eigentlich ist sie für die fünfjährigen gedacht. Weil aber die Frauen im Dorf fast alle im Hotel-Resort des Nachbarortes arbeiten, gehen in Malakati auch die drei- und vierjährigen in die Vorschule.

Wiebke und ich werden sofort fröhlich in Beschlag genommen. Die Muttersprache ist Fijianisch, die Kinder erproben von der Lehrerin ermuntert ihr Englisch an uns. Wir sollen diverse Lieblingsbücher vorlesen, vorsingen, als Kletterbäume dienen, bekommen die Vorschule gezeigt. Umgekehrt singen auch die Kleinen ein fijianisches Lied.

Fulaga: im Revier der Kalkstein-Pilze

Für ein paar Tage verholen wir die Flora auf einen Ankerplatz im Nordosten der Lagune. Hier findet sich eine von mehreren Ansammlungen kleiner Inselchen. Die meisten von ihnen sind an der Basis so stark erodiert, dass sich Durchbrüche und meterlange Überhänge gebildet haben, wodurch oft eine markante Pilzform entstanden ist.

Die Inselchen bestehen aus Korallenkalk, sind also ehemalige Bommies, die durch Landhebung über die Wasseroberfläche gedrückt wurden. Die Korallen können dort nicht überleben und sterben ab. Mit der Zeit siedeln sich oben auf dem porösen Kalkstein erste Pflanzen an, inzwischen wächst dort Buschwerk und sogar Palmen. Umgekehrt nagen unten an der Basis die durch die Tide wechselnden Wasserstände und unterspülen die Kalkinseln. So sind in den Flachwassergebieten am Rand der Lagune Märchen-Landschaften aus skurrilen Felsen-Pilzen mit grünen Mützen und Palmen wie Federschmuck entstanden.

Von unserem Ankerplatz aus lassen sie sich mit dem Kayak am besten erkunden, denn bei Ebbe – wenn sich die Pilzformen am intensivsten zeigen – ist es zwischen ihnen an vielen Stellen selbst mit dem Dinghy zu flach. (Für bessere Auflösung auf eines der Fotos klicken und durchblättern)

Tagelang haben wir diesen, bei Ost- und Nordostwinden hervorragend geschützten Ankerplatz ganz für uns, die anderen Boote ankern weiter im Südosten der Lagune an den Sandbänken.

Außer den Kayak-Ausflügen machen wir von hier aus auch mehrere Driftschnorchelgänge im nahe gelegenen Pass mit herrlicher Korallen-Vielfalt und Fisch-Reichtum.

Als der Wind wieder auf Südost zurück dreht und für die kommenden Tage auch stärker vorhergesagt wird, wechseln wir wieder zurück hinter die Sandbank.

Von hier sind dann auch der „Pools“ gut zu erreichen. Nicht, dass es bei dem wunderbar türkisen Wasser der Lagune wirklich noch einen Pool bräuchte, aber …

… nett sind diese sich bei Ebbe bildenden Privatbecken schon, zumal die auch hier unterspülten Korallenblöcke mit etwas Phantasie von Felsentieren bewacht werden.

Außerdem können wir den lokalen Fischern bei der Arbeit zusehen: Tui (der mit den zwei Fischen) erklärt uns bereitwillig, wie die Einheimischen bei Ebbe ihre Netze platzieren und die Fische dann dort hineintreiben.

Für die Locals ist Fisch aus der Lagune ein ganz wesentlicher Bestandteil ihrer Ernährung. Wir selbst angeln nicht in der Lagune, obwohl es hier angeblich keine Ciguatera geben soll.

Wir zehren aber lieber von Flora‘s noch ziemlich üppigen Vorräten.

Fulaga: ein ganz besonderes Erlebnis

Etwa 20 Segelboote haben sich in Fulaga eingefunden. Kein Wunder, es hat sich unter den Cruisern herumgesprochen, dass dieses atemberaubende Naturwunder die durchaus meist schwierige Anreise mehr als wert ist. Einklariert werden kann auf den Inseln in Fiji‘s Lau-Gruppe nicht, das geht nur auf den Hauptinseln weiter im Nordwesten. Erst danach darf die Lau-Gruppe angelaufen werden. Dazu sind dann allerdings etwa 200 Seemeilen gegen den vorherrschenden Südostpassat mit der entsprechenden Pazifikwelle zurückzulegen. Und außer mit dem Segelboot ist Fulaga fast gar nicht zu erreichen. Immerhin, zwar ohne regelmäßigen Fahrplan aber meistens einmal im Monat läuft ein Versorgungsschiff diese Insel an. Es befördert auch Personen. Die Inselbewohner können so ihre Verwandten in der Hauptstadt Suva besuchen (für mindestens einen Monat) und zum Beispiel Baumaterial (wie etwa die typischen Wasserspeicher) bestellen.

20 Boote hört sich für ein so abgelegenes Ziel viel an. Unser Ankerplatz ist auch tatsächlich gut besucht, wenn auch keineswegs überfüllt. Es gibt genug andere Möglichkeiten zum Ankern hier, denn den größten Teil der über 18 Quadratkilometer messenden Insel nimmt ja die innere Lagune ein. Warum also knubbeln wir uns besonders hier im Südosten? Auf fast allen Booten sind Kiter oder Wingfoiler und die Bedingungen hier sind einfach ideal. Ziemlich glattes Wasser und konstanter Wind. Da bin ich dabei.

Allerdings: Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Gerade läuft es noch so gut, die Halsen klappen, dann aber haut es mich hin und ich falle unglücklich genau in den Wing hinein.

Mmh, da steht eine längere intensive Reparatur an:

Und zwischendurch lässt sich die Zeit auch mit anderem Wassersport gut überbrücken. Wir bauen endlich mal wieder unser Zweier-Kayak auf. Perfekt für die flachen Abschnitte zwischen den unzähligen pilzförmigen Kalkstein-Inselchen mit ihren verborgenen Sandstränden, den Höhlen und den Durchbrüchen zum „Wassergraben“, der das äußere Saumriff zur Lagune abgrenzt.

Es ist wahrlich traumhaft hier. Und doch: das ganz besondere Erlebnis machen wie so oft auf unserer Reise die Menschen aus. Hier auf Fulaga wird ja beim Sevusevu jeder Bootscrew eine Gastfamilie zugeordnet. Unsere hat uns für Sonntag nach der Kirche zum Lunch eingeladen.

Für den Kirchgang kleiden wir uns wieder formal mit Herrenrock bzw. langem Tuch um die Hüften.

Photo credit: Aagje, SY My Motu

Neue erste Male: auch vor der Kirche werden die Schuhe ausgezogen. Die „Glocken“ der Kirche sind rot gestrichene ausgehöhlte Baumstämme, auf denen zum Gottesdienst getrommelt wird. Und die meisten Gesänge in der Kirche werden von einer sehr hektisch geschlagenen Triangel als einzigem Instrument begleitet. Der jugendliche Musikant scheint die Gemeinde zu schnellerem Singen antreiben zu wollen, er ist im Takt deutlich voraus. Die Predigt auf Fijianisch verstehen wir nicht, den deutlich ermahnenden um nicht zu sagen anklagende Tonfall des Pastors aber schon. Wird wohl unser einziger Besuch in dieser Kirche bleiben.

Das Highlight folgt aber danach: Lunch bei unserer Gastfamilie. Talei und Lina sind Schwägerinnen, gemeinsam mit ihren Männern Nam und Seru sowie Lucy und Enkel Caleb leben sie in einer sehr einfachen Hütte. Zwei Wände und eine Hälfte des Daches sind aus geflochtenen Palmblättern gefertigt. Die andere Hälfte des Dachüberstandes ist aus Wellblech und wird zum Auffangen von Regen als Trinkwasser genutzt. In einer mit Wellblech geschützten Ecke wird über einem offenen Feuer gekocht. Der 8jährige Caleb hat die Aufgabe, nach der Schule trockene Palmzweigansätze als Feuerholz zu sammeln.

Die Brüder Nam und Seru stammen aus Fulaga, hatten aber zwischenzeitlich beide die Insel verlassen. Als zunächst Nam und seine Frau Talei beschlossen, nach Fulaga zurückzukehren baten sie die Dorfältesten, eine traditionelle Hütte statt einer moderneren Holzhütte zu errichten. Insbesondere Talei wollte nach dem Studium in Malaysia und beruflichen Aufenthalten in China und England sowie in Fiji‘s Haupstadt Suva zurück zum einfachen, ländlichen Leben.

Bei inzwischen sechs Bewohnern ist eine hölzerne Schlafhütte dazu gekommen, eine zweite ist im Bau. Die Dachflächen dieser Hütten helfen auch, den Bedarf an Trinkwasser zu decken. Die weltoffene Talei ist dabei keineswegs dogmatisch traditionell: zwischen den Hütten findet sich eine Starlink-Antenne. Sie ermöglicht es Enkelkind Caleb tägliche Video-Telefonate mit seiner Mutter in Suva. Der Strom kommt aus (von der Regierung gesponserten) Solarpanelen.

Mit Talei, Nam und deren Enkel Caleb beim Festmahl, im Hintergrund bereitet Seru auf dem offenen Feuer weitere Köstlichkeiten zu

Es gibt Fisch, von Talei frisch gefangen, dazu mehrere Varianten der super leckeren Bratlinge aus Morringeli-Blättern (deutsch: Meerettichbaum, unbedingt googeln), Tapioka und weitere Köstlichkeiten.

Und es gibt lange, intensive Gespräche. Über Gott und die Welt (Talei und Nam gehen nicht in die Kirche), über das Schulsystem und den Schulalltag von Caleb, über die Familienbindungen in Fiji, den Sternenhimmel, das Reisen, dieses und jenes und vor allem über das Leben und was darin wirklich wichtig ist.

Danke für Eure Gastfreundschaft und Eure Offenheit. Danke, dass Ihr Euer Heim in Fulanga auch unser Heim sein lasst. Danke, dass Ihr diesen ohnehin wunderschönen Ort so für uns mit diesem einzigartigen Erlebnis in unsere Erinnerung prägt.

Passage Minerva nach Fiji, Tag 2

Es bleibt abwechslungsreich. Wir wechseln wieder mehrfach die Seite, auf der wir die Fock fahren, der Großbaum bleibt mit Bullenstander gesichert an Backbord. Diesmal sind aber auch zwei Flautenfelder dabei, in denen wir erst relativ lange sutje vorwärts dümpeln und dann doch einmal eine dreiviertel Stunde, ein andermal gar drei Stunden motoren.

Ansonsten aber ist es ein schöner, variantenreicher Segeltag. Klar, auch mal ein Squall dazwischen mit mehr Wind und auch etwas Regen. Aber die ganze Segelgarderobe kommt zum Einsatz, neben Fock und Großsegel sowohl Code0 als auch der große blaue Gennaker.

Letzterer zieht uns – Land Ho! – zwischen den ersten zu Fiji gehörenden Inseln hindurch. Zunächst erspähen wir Matuku Island:

Diese Insel böte zwar auch Ankerplätze, aber bisher dürfen wir dort noch nicht hin. Als erstes muss einer der ausgewiesenen „Port of Entry“ zum Einklarieren angelaufen werden. Neben dem industriellen Hafen des Hauptortes Suva wären das Lautoka sowie die Marinas Vuda und Denerau (jeweils auf der weit westlich gelegenen Hauptinsel Viti Levu), zudem das völlig abgelegen auf halbem Weg nach Tuvalu liegende Rotuma. Die beiden von uns bevorzugten Ports of Entry sind Levuka und Savusavu, denn sie liegen weiter im Osten von Fiji. Das soll uns nach dem Einklarieren den Weg in die nochmals weiter östlich liegenden Inseln der Lau-Gruppe erleichtern, denn dorthin gilt es gegen den vorherrschenden Südostpassat zu navigieren.

Obwohl Levuka dafür noch ein bisschen günstiger wäre, haben wir uns zum Einklarieren in Savusavu auf Fijis zweitgrößter Insel Vanua Levu entschieden. Hier finden sich bessere Einkaufs- und Versorgungsmöglichkeiten. Da wir ja keine frischen Sachen einführen dürfen ist das nicht ganz unerheblich, zumal es uns danach zunächst in die abgelegenen Lau-Gruppe zieht.

Etmal: 114 Seemeilen, gesamt bisher seit Minerva 255 Seemeilen, noch zu Segeln bis Savusavu etwa 150 Seemeilen.

Essen: Bratkartoffeln mit Rührei, Möhren und Bacon.

Tschüss Minerva

Photo credit: Jayne, S/V Scout

Es ist soweit. An diesem Wochenende geht der Wind endlich mal auf deutlich unter 20 kn herunter. Zeit, um ganz oben an der Mastspitze das Fockfall einzusammeln. James von der Scout assistiert an der Sicherungsleine, dadurch muss Wiebke nicht zwischen Genuawinsch und Mastwinsch hin und her flitzen.

Leider hat sich die Kausch des Falls etwas im Fallauslass verklemmt, also nochmal runter, neues Werkzeug holen, wieder rauf in 20 m Höhe und: ja, ich kann dasFall mit nach unten nehmen.

Wir bereiten die Ersatzfock vor und Phil von der Skylark bringt seinen Feeder herüber, der an einer kurzen Leine das Einfädeln der Fock in das Profilvorstag erleichtert. So ziehen wir gemeinsam die neue Fock hoch und und sind – endlich – wieder voll einsatzklar. Super, denn am Montag gibt es ein Wetterfenster für die Weiterfahrt nach Fiji.

Wir klaren die Flora auf, gehen nochmal Schnorcheln …

…, noch einmal eine lange Wingfoil-Session:

Und auch die Drohne kommt nochmal zum Einsatz, um die einmalige Atmosphäre dieses so besonderen Ruheplatzes mitten im Ozean noch einmal in Bildern einzufangen.

Die anderen Crews gehen derweil auf Lobsterfang, Minerva ist bekannt dafür. Jacqui und Phil bringen uns nach ihrer erfolgreichen Jagd ein Prachtexemplar vorbei:

Lobster credit: Phil & Jacqui, S/V Skylark

Festessen also auf allen Booten einschließlich der Flora! Da kommen sogar die silbernen Hummergabeln zum Einsatz. Das Geschenk unserer Freundin Catalina aus Hamburg hat uns schon in der Karibik, in Maine, in Alaska und BC und jetzt hier in Minerva gute Dienste geleistet. Mehrere Riesendankeschön, Ihr Lieben.

Ganz ohne weitere Bootsarbeit geht’s leider doch nicht ab, der Wassermacher streikt. Der Elektromotor der Hochdruckpumpe gibt keinen Mucks von sich. Strom kommt bei ihm an. Also ausbauen, reinigen. Eine der Kohlefaserbürsten ist defekt. Vom letzten Tausch haben wir aber noch eine gebrauchte, die noch ausreichend lang scheint. Wir setzen sie ein und siehe da, der Wassermacher tut wieder was er soll.

Also: die Passage nach Fiji kann starten.

Flora wieder mit Fock auf der Rollanlage

Passage von Opua nach Minerva, Tag 4

Nur graduelle Verbesserung beim Seegang und der Seekrankheit.

Jedenfalls müssen wir uns keine Sorgen mehr darüber machen, dass die Fock beim Hochziehen in Fetzen gehen könnte. Eine besonders fiese Welle begräbt das Vorschiff unter Wassermassen und spült einen Zipfel der Fock außenbords. Den Rest erledigt das Wasser. Bevor wir sie zurück an Bord ziehen können, reißt die Fock. Sie hat immerhin 45.000 Seemeilen auf dem Buckel, das wird sie etwas mürbe gemacht haben. Wir bergen sie natürlich nochmal, auch wenn sich das jetzt in der Dunkelheit auf dem bockenden Vorschiff ziemlich langwierig und kräftezehrend gestaltet. Das Adrenalin kickt kurz die Seekrankheit weg, sie meldet sich danach aber gleich zurück.

Außerdem fällt unser UKW-Funkgerät aus. Wir hoffen auf einen Wasserschaden nur in der Kabelverbindung der Stromversorgung. Das müssen wir später am Ankerplatz klären, bis dahin haben wir ja noch unsere beiden Handfunkgeräte (mit allerdings deutlich geringerer Reichweite.

Weiter motorsegeln Richtung Minerva.

Etmal 107 Seemeilen, gesamt bisher auf dieser Passage 570 Seemeilen, noch zu Segeln bis Minerva etwa 190 Seemeilen.

Essen: Salzbrezeln und etwas Apfel (schmeckt rauf wie runter).

Schwacher Lichtblick: der wohl flachste Regenbogen unserer bisherigen Reise.

Und ein echter Hoffnungsschimmer: die Wellenhöhe geht weiter etwas herab und der Wind dreht leicht zu unseren Gunsten.

Außerdem fahren wir seit Kanada eine niegelnagelneue Ersatzfock unter unserer Achterkoje spazieren.

Passage Opua nach Minerva, Tag 2

Schnelles Segeln, allerdings werden die Wellen höher und leider auch steiler. Etwa 2 bis 2,5 m hoch rollen sie seitlich an, die meisten laufen unter der Flora hindurch und wiegen sie hin und her. Immer mal wieder ist aber auch ein Dwarslöper dazwischen, der mit voller Wucht an die Bordwand klatscht und uns ordentlich durchschüttelt.

Diese Bedingungen lassen dann auch bei Wiebke und mir ein flaues Gefühl im Magen aufkommen. Nicht dramatisch, aber eben auch nicht schön. Wir nehmen eine Seekrankheitstablette, und wir liegen viel, schlafen viel.

Ein unbekanntes fiependes Geräusch im Mastbereich schreckt uns auf, es entpuppt sich nach einiger Suche als Fehlalarm des Wassermelders in der Bilge am Mastfuß.

Mehr Sorge macht uns danach bei einer besonders widrigen Welle ein Knarz- oder Durchrutschgeräusch in der Steuerung. Die Nullstellung des Steuerrads scheint sich dabei verstellt zu haben. Kein großer Spaß, bei diesen Bedingungen die Achterkoje auseinander zu nehmen und den Quadranten freizulegen. Muss aber sein. Die Klemmschrauben am Ruderschaft scheinen aber fest zu sein. Wir wechseln vom Lewmar auf den Furuno-Autopiloten und bisher ist das Geräusch nicht wieder aufgetreten. Das müssen wir uns aber wohl in Ruhe am nächsten Ankerplatz noch einmal genauer anschauen.

Etmal 169 Seemeilen, gesamt bisher 320 Seemeilen. Noch zu Segeln bis Minerva ca. 490 Seemeilen.

Essen: Wiebke schafft es, trotz der Bedingungen noch einen Hühnernudeltopf zu kochen.

Passage Opua nach Minerva, Tag 1

Um 9.15 Uhr haben wir einen Termin beim Zoll zum Ausklarieren. Das Online-Formular (C2B, Advanced Notice of Departure) dazu mussten wir schon vor der Terminvereinbarung per Email einreichen, dazu Passkopien,Bootspapiere und ein aktuelle Foto vom Schiff.

Beim Ausklarieren geht es dann alles ganz schnell. Ein paar Fragen, das Abgeben des gelben Zettels der Mehrwertsteuerbefreiung für alle bootsrelevanten Einkäufe und Dienstleistungen (TIE) und schon wünscht man uns gute Reise.

👋

Diese Mischung zwischen etwas Wehmut beim Abschied und der Vorfreude auf die kommende Reise berührt uns jedes Mal aufs Neue. Auch an diesem Morgen beim Aufwachen geht uns das so und wir sprechen darüber. Ein neuer Abschied, ein neuer Start.

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben. Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten.“ (aus dem Gedicht Stufen von Hermann Hesse).

Um 9:30 legen wir ab, motoren ein kleines Stück durch den Veronika-Channel aus dem Waikare Inlet. Als wir an Russel vorbei sind, öffnet sich die Bucht etwas und der Wind reicht gerade eben so zum Segeln. Ganz langsam schiebt sich die Flora aus der Bay of Islands hinaus. Jayne und James mit der Scout schließen motorsegelnd zu uns auf. Als am Ausgang der Bay of Islands der Wind zunimmt und die Segel richtig füllt, können wir so noch gegenseitig Fotos von unseren Booten beim Abschied aus Neuseeland machen.

Wir haben beide das Ziel Minerva.

Der erste Nachmittag ist dann wunderherrliches Code0-Segeln bei Traumwetter.

Zum Abend wechselt die Scout auf den Solent, wir auf die Fock. Aber über die Nacht wird der Abstand zwischen unseren Booten trotzdem größer und so können wir die Scout heute nicht mehr sehen. Trotzdem gut, sie in der Nähe zu wissen.

In den ersten 24 Stunden haben wir 135 Seemeilen zurückgelegt, bis zum Schiffsmittag heute 151 Seemeilen.

Essen: Hähnchen in Pilz-Sahnesoße mit Brokkoli.

Vortrag beim Blauwasserseminar auf der BOOT

Im Januar findet in Düsseldorf jährlich mit der BOOT statt. Mit 1.500 Ausstellern und 200.000 Besuchern ist es die weltgrößte Yacht- und Wassersportmesse.

In den Jahren vor unserer Langfahrt war das für uns natürlich immer ein Riesending. Boote anschauen, vor allem aber Ausrüstung und Zubehör. Außerdem gibt es Bühnen, auf denen Vorträge zu Wassersportthemen gehalten werden. Da konnten wir anderen Seglern lauschen, die über ihre Törns berichteten.

Und dieses Jahr? Haben wir selbst einen Vortrag über unsere inzwischen fast 4 Jahre mit der Flora im Pazifik gehalten. Auf dem Blauwasser-Seminar 2026 (www.blauwasser.de).

Hat richtig Spaß gemacht.

Passage Minerva nach NZ, Tag 5

Per Express durch das Grau.

Der Wind dreht endlich von NNE auf Ost und nimmt dabei kräftig zu. Für einige Boote um uns herum etwas zu kräftig, manche berichten von Böen um 45 kn. Über die WhatsApp-Gruppen erfahren wir von mehreren ausgefallenen Autopiloten und vom Wellengang weggerissenen Starlink-Antennen. Eines der Boote erleidet gleich beide Defekte. Wir sind in UKW-Reichweite und geben ihre Position und die Meldung, dass es ihnen gut geht an ein befreundetes Boot weiter. Die informieren dann den Shore-Contact des Bootes.

Es hat auch Vorteile, in einem großen Schwarm Zugvögel unterwegs zu sein.

Durch die großen Icons wirkt das allerdings wesentlich enger, als es tatsächlich ist. Wir haben heute wieder nur ein einziges anderes Boot sehen können.

Jedenfalls sind wir gewarnt, Reffen sehr früh und sehr tief. Mit drittem Reff im Groß und etwas eingereffter Fock geht es in die Nacht. Tatsächlich werden es für uns nur um die 30 kn in den Böen bei konstant zwischen 20 und 24 kn Wind. Etwas achterlicher als halb, das sorgt trotz der tiefen Reffs für eine sehr flotte Fahrt. Maximal rutschen wir mit 12,6 kn eine Welle herunter, meist sind wir mit 7 bis 8 kn unterwegs.

Es wird weiterhin kälter. Lange Hosen und sogar Socken kommen heraus, für die Nachtwache im Cockpit zusätzlich (trotz aufgebauter Kuchenbude) noch eine Fleecedecke.

Etmal: 150 sm, gesamt 559 sm. Noch 210 Seemeilen zu segeln bis Whangarei/NZ.

Essen: Wiebke hatte gestern in weiser Voraussicht auf die zu erwartende Schaukelei gleich einen großen Topf Curry gekocht. Also nochmal Thaicurry mit Kürbis, lila Süßkartoffeln, Paprika und Marlin (noch eingekocht aus dem Fang von Joe in den Tuamotus, leider das letzte Glas).