Coppercoat auffrischen

Nur noch vier Tage, dann geht es los auf die große Reise. Sind wir bereit?

Ja, sind wir. So bereit, wie man nur sein kann. Und voller Vorfreude. 😊

Ist die Vorbereitung abgeschlossen, die Flora auch startklar?

Ja, bestmöglich (soweit wir das aus der Ferne beurteilen können). Ich hatte ja schon geschrieben, dass wir dem Unterwasserschiff noch eine Auffrischung gegönnt haben. Für die Nichtsegler: Beim Schiff schaut ja (genau umgekehrt zum Eisberg) der größte Teil aus dem Wasser, unsere Mastspitze ist z.B. etwas über 20 m oberhalb der Wasseroberfläche. Aber natürlich gibt es auch einen Teil des Schiffsrumpfes unter Wasser, unser Bleikiel geht ca. 2 m tief. Und so ziemlich alles, was dauerhaft im Wasser liegt, wird irgendwann auch biologisch besiedelt.

Erst ist es meist nur loser Schleim, dann kommen festsitzende Muscheln und Seepocken dazu (die eigentlich zur Familie der Krebse gehören, aber sich hier unfassbar festsetzen), Algen finden das auch gemütlich. Auf lange Sicht würde man quasi sein eigenes Hausriff spazieren fahren. Wobei – so schön so ein Biotop auch sein mag – die Fortbewegung und auch die Steuerungsfähigkeit würde es dann doch erheblich hemmen, für das Schiff und seine Technik wäre es auch nicht förderlich.

Deshalb wird das Unterwasserschiff mit einer speziellen Farbe gestrichen, die den „Fouling“ genannten biologischen Bewuchs verhindern soll – Antifoulingfarbe eben. Es gibt verschiedene Arten: „Selbstpolierendes“ Antifouling, dessen jeweils oberste Schicht sich bei Fahrt quasi durch das Wasser abschleift und dabei den erst im Ansatz befindlichen Bewuchs mitnimmt. Und es gibt „Hartantifouling“, bei dem die bioziden Bestandteile langsam aus der im übrigen verbleibenden Beschichtung herausgewaschen werden. Die meisten Antifoulings müssen regelmäßig (meist jährlich) neu aufgetragen werden. Eine Ausnahme ist das Coppercoat, eine spezielle Epoxidharz-Kupfer-Mischung. Einmal aufgetragen, soll es für mindestens 10 Jahre vor Bewuchs schützen, erfordert allerdings eine sehr akribische Vorbereitung des Rumpfes und genaue Einhaltung der geforderten Umgebungsbedingungen beim Auftragen.

Als wir die Flora kauften, war ihr Unterwasserschiff schon mehrere Jahre mit Coppercoat versehen, wir waren damit die letzten beiden Jahre sehr zufrieden. Allerdings hatte es – insbesondere im Bereich des Bugstrahlruders – einige Schadstellen, die ausgebessert werden mussten. Wir haben die Gelegenheit genutzt, jetzt vor der Langfahrt das Coppercoat noch einmal komplett auffrischen zu lassen, um hoffentlich für die Langfahrt erstmal Ruhe zu haben.

Anschleifen (dabei kommt die eigentliche Kupferfarbe wieder unter dem Kupferoxid zum Vorschein:

Ausbessern, schleifen, schlichten, schleifen.

Anstriche ein, zwei, drei, vier.

Stützen versetzen lassen (geht in Gouvia leider nur über das Marina-Büro):

Und das ganze auf den Restflächen noch einmal:

Und so sieht der Tunnel des Bugstrahlruders jetzt aus:

Der Propeller wurde auch noch poliert, außerdem das Kühlwassereinlass-Seeventil des Motors gewechselt.

Das müssen wir natürlich noch auf Dichtigkeit prüfen, außerdem den Windgenerator auf Funktion.

Dienstag wissen wir mehr.😊 🤞

Let the adventure begin

Mein letzter Arbeitstag war am Sonntag auf der EDEKA-Jahrestagung in Lübeck. Nach über 21 Jahren den EDEKA-Verband jetzt zu verlassen, war ohnehin schon ziemlich emotional. Die unfassbar tolle Verabschiedung dann umso mehr. Heute war ich dann das letzte mal im EDEKA-Haus, um mich auch bei den Mitarbeitern und Wegbegleitern noch einmal zu bedanken. Der Büroschlüssel ist abgegeben, viele gute Wünsche durfte ich entgegennehmen und jetzt … das Geschenk der Kollegen von der EDEKA Juniorengruppe sagt es.

😊

Grün oder nicht grün

Arbeiten am Schiff in Abwesenheit sind eigentlich nicht unsere erste Wahl. Aber leider musste unser „Holzwurm“ Peter aus familiären Gründen dringend in seine Heimat Schweiz reisen, den Austausch einer gerissenen Teakholzleiste auf dem Vorschiff konnte er dann aber inzwischen in unserer Abwesenheit vornehmen. Auf dem von ihm geschickten Foto sieht es schon mal gut aus. So gut, wie er eben auch die anderen Holz- und Lackierarbeiten (Cockpitgräting, Niedergang und Ablagen) erledigt hatte, die wir bei unserem letzten Besuch ja schon „abnehmen“ konnten.

Für die Nichtsegler: die Farbe wird sich ganz von alleine schnell wieder angleichen.

Etwas größer ist der Umfang der Arbeiten am Unterwasserschiff, die derzeit von Argyris und Mihalis durchgeführt werden. Wir haben uns entschlossen, nicht nur die (kleineren) Macken im Coppercoat-Antifouling auszubessern, sondern vor dem großen Törn unseren bewuchshindernden Langzeit-Unterwasser-Schutzanstrich vollständig aufzufrischen. Dazu wird das vorhandene Coppercoat erst angeschliffen und dann flächig drei bis vier neue Schichten Coppercoat aufgebracht. Hier ist noch das Anschleifen zu sehen:

In den nächsten Tagen soll dann der Neuanstrich folgen. Die Kupferfarbe wird im Salzwasser dann schnell wieder grüne Patina bekommen (ein Zeichen, dass die Farbe aktiv ist). Außerdem wird noch das Seeventil des Kühlwassereinlasses vorsorglich getauscht, weil durch hier unerwünschte Grünfärbung erste Anzeichen für eine Auszinkung erkennbar waren, da möchten wir doch lieber auf Nummer sicher gehen.

Bis zum 25. sollte alles fertig sein. 🤞

Routenplanung 2019

Nachdem wir ja bei der Montage des Windgenerators von Mario gelernt haben, dass menschliche Planung der göttlichen Erheiterung dient (Halbmast) geben wir hier mal fröhlich den derzeitigen Stand unserer Routenplanung für dieses Jahr weiter:

Am 25.6. geht unser One-way-Flug nach Korfu.

Von dort aus wollen wir bis zum 5.7. Catania auf Sizilien erreichen, um unsere Nichte Emma und unseren Neffen Emil aufzupicken. Mit ihnen möchten wir durch die Straße von Messina und zu den Liparischen Inseln. Irgendwo an der sizilianischen Nordküste werden wir uns dann einen Mietwagen nehmen und die beiden für ihren Rückflug wieder nach Catania bringen. Für uns soll es dann weiter Richtung Sardinien gehen.

Ein wenig Süd-Sardinien, dann hinüber nach Menorca. Mal schauen, wie viel Zeit wir auf den Balearen verbringen können, bevor wir dann ans spanische Festland hinüberwechseln und weiter nach Westen bis nach Gibraltar arbeiten. Dort würden wir gerne Anfang bis Mitte September ankommen.

Das ist in zwei Absätzen so kurz beschrieben, aber alles in allem werden wir dabei dann über 1.500 Seemeilen zurücklegen. Ganz grob entspricht das etwa der bisher durchschnittlich in 1 1/2 Saisons zurückgelegten Entfernung. Anders gesagt: selbst wenn wir nicht wegen entgegenstehender Winde kreuzen und damit noch größere Entfernungen zurücklegen müssen, hätten wir bei gemäßigter Fahrrad-Geschwindigkeit (so schnell fährt unser Boot maximal) fast 3/4 der Strecke von Hamburg zum Nordpol zurückgelegt.

Überhaupt: die Geschwindigkeit. Natürlich ist sie bei einem Segelboot abhängig vom Wind, klar. Im Normalfall sind wir irgendwo zwischen 5 und 7 Knoten schnell. Bei richtig guten Bedingungen schaffen wir auch etwas über 8 kn, aber für die grobe Planung der längeren Strecken kalkulieren wir vorsichtig mit 5,5 kn. Das bedeutet, dass etwa die Strecke von Sardinien hinüber nach Menorca etwa 36 Stunden dauern sollte. Damit würden wir im Mittelmeer zwar einige längere Schläge vorsehen, aber das bliebe weitgehend im Rahmen der Distanzen, die wir auch auf der Ostsee gelegentlich mal gesegelt haben.

Der erste „richtig“ lange Schlag ist dann für Mitte/Ende September vorgesehen: Wenn der Wind mitspielt, wollen wir nicht direkt zu den Kanarischen Inseln, sondern noch einen kleinen Schlenker machen. Wir möchten gerne von Gibraltar aus nach Madeira segeln. Das sind rund 600 sm, also kalkuliert 110 Stunden bzw. viereinhalb bis fünf Tage am Stück. Von Madeira aus soll es Mitte Oktober weiter auf die Kanaren und von dort Mitte November weiter auf die Kapverden gehen. Und von da etwa Mitte Dezember über den Atlantik in die Karibik.

Und als Ausblick: die am nächsten gelegene Karibikinsel ist Barbados, aber erster Anlaufpunkt könnte auch St. Lucia oder Martinique sein. Im ersten Halbjahr 2020 möchten wir dann die Inseln des Antillenbogens erkunden (sicher nicht alle, aber eben doch einige davon).

Ob wir unsere Planung auch so verwirklichen können? Mal sehen. Wir versuchen, flexibel zu bleiben. Wo wir dann gerade sind, könnt ihr jedenfalls unter https://www.noforeignland.com/map/flora/ jeweils aktuell verfolgen.

Feuer und Wasser

Für eine Langfahrt gibt es ein ganz ein ganz einfaches Erfolgsrezept:

„Keep the crew happy!“ 😃 Wer beim Titel dieses Blogs jetzt an Feuerwasser denkt … nein, wir sind hier ganz nüchtern, vielleicht sogar ein wenig zu technisch unterwegs. Ich hoffe, es schreckt Euch nicht zu sehr.

Glücklich wird die Mannschaft sicher nur sein, wenn es nicht nur der Besatzung selbst, sondern auch dem Boot gut geht, alles andere würde die Stimmung der Crew schnell vermiesen. Zweiter wesentlicher Grundsatz ist deshalb:

„Keep the water out!“

Die Vorsorge dafür schließt eine ganze Menge ein: Kollisionsverhütung genauso wie die regelmäßige Überprüfung aller Seeventile. Bei uns sind das eine ganze Menge: schon ab Werk hat unsere HR 43 über 20 „Löcher“ im Rumpf, die mit Seeventilen abgesperrt werden. Manche davon sind über der Wasserlinie und somit weniger kritisch, erstaunlich viele jedoch auch unter der Wasseroberfläche und somit im Falle eines Defektes ein potentielles Leck. Die hohe Anzahl hat uns erst einmal überrascht und auch ein bisschen erschreckt. Zum Beispiel fand ich es ziemlich befremdlich, dass beide Spülbecken der Pantry jeweils einen eigenen Unterwasser-Rumpfdurchbruch und somit ein eigenes Seeventil haben.

Mit etwas Nachdenken findet sich dafür aber ein guter Grund: wir haben zwei Kühlschränke, die beide wassergekühlt arbeiten, was gerade in warmen Gefilden den Energieverbrauch des Kühlkompressors deutlich verringert. Bei dieser sogenannten SP-Kühlung wird die natürliche Pumpbewegung im mit Kühlspiralen versehenen Borddurchlass genutzt, um die vom Kühlkompressor erzeugte Wärme abzuführen.

Durch die nachträglich eingebauten Extras wie Klimaanlage und Watermaker finden sich weitere Seeventile. Wir haben den von Hallberg-Rassy mitgelieferten Plan der Borddurchlässe deshalb ergänzt. Laminierte Ausfertigungen liegen im Kartentisch und sollten im Fall des Falles bei einem Wassereinbruch die Suche trotz Hektik systematisieren helfen.

Außerdem vereinfacht der Plan die regelmäßige Sicht- und Funktionskontrolle aller Seeventile, ansonsten würde man einfach zu leicht eines vergessen. Wir machen das regelmäßig und jetzt im Frühjahr haben wir leider bei einem der Seeventile eine grünliche Verfärbung und kristalline Ausblühung an der Verschraubung gefunden. Das Ventil des Seewassereinlasses des Motors wird daher im Juni getauscht werden, Flora kommt für eine Erneuerung des Coppercoat-Antifouling-Unterwasseranstriches ohnehin noch einmal aus dem Wasser.

Wir haben außerdem auch endlich einmal in praktischer Übung nachvollzogen, welche Bilgepumpen wir haben (es sind drei, davon eine elektrische und eine manuelle ganz tief unten im Bilgensumpf, dazu noch eine große elektrische (Not-) Volumenpumpe, die etwas höher in der Bilge sitzt), welcher Schalter welche Pumpe bedient und (testweise) wo das Wasser denn tatsächlich nach draußen gepumpt wird.

Wenn man etwas darüber nachdenkt, gehört zur Vorbeugung hinsichtlich „Keep the water out!“ auch alles, was der Bekämpfung des eigentlich komplementären Elementes 🔥 dient. Denn Feuer an Bord wäre neben einem Wassereinbruch nicht nur das zweite große Schreckensszenario an Bord, außer Kontrolle geraten würde es auch für den Untergang und damit für mehr als reichlich Wasser 💦 im Schiff sorgen.

Schon ab Werk hat die Flora 4 Feuerlöscher 🧯 (je einen im Vorschiff, Salon und Achterkajüte sowie einen in der Backskiste draußen). Diese Feuerlöscher sind jeweils ABC-Pulverlöscher (also für die Brandklassen A, B und C, d.h. für Feststoffe, Flüssigkeiten und Gase), nicht aber Metalle (D) oder Fette (F) geeignet. Soweit eigentlich schon mal ganz gut, allerdings richtet der Einsatz eines Pulverlöschers in einem geschlossenen Raum eine ausgesprochene Sauerei an, nimmt sofort die Sicht und auch die Luft zum Atmen. Der feine Staub kriecht dann auch in die Bauteile aller elektronischen Geräte. Übrigens backt das feine Pulver nach einiger Zeit durch Luftfeuchtigkeit zusammen und wird dann hart wie Beton, nach einem Einsatz sollte man also schnellstmöglichst mit der Reinigung beginnen. Nun wird einem das alles ziemlich egal sein, wenn man nur so das Feuer an Bord gelöscht bekommt.

Bei noch vergleichsweise kleinen Bränden (Entstehungsbränden) wäre es allerdings wünschenswert, die negativen Begleiterscheinungen des Löschens so gering wie möglich zu halten.

Am einfachsten geht das durch den Einsatz von Löschdecken. Wir haben zwei davon im Bereich Pantry und Salon leicht erreichbar platziert. Es sind einfache IKEA-Löschdecken, aber hier kommt es eigentlich nur auf die schnelle Einsatzmöglichkeit an.

Zusätzlich haben wir noch einen Aerosol-Löschstab am Salontisch neben dem Pulverlöscher angebracht:

Die wartungsfreien kleinen Aerosolstäbe haben eine für ihre Größe erstaunlich hohe Löschleistung und hinterlassen kaum Schmutzrückstände. Allerdings muss man beachten, dass er dem Feuer quasi nur die „Luft“ entzieht und nicht die Glut löscht.

Darüber hinaus haben wir (ebenfalls für Entstehungsbrände) einen kleinen Schaumfeuerlöscher griffbereit. Diese Sprühdose ist sehr leicht und unproblematisch einsetzbar und macht in überschaubarem Umfang Sauerei, nämlich wirklich nur in der Nähe des Brandherdes. Nicht zuletzt deshalb werden diese Löscher auch für den Brand am heimischen Adventskranz empfohlen 😉.

Wir haben zwar einen Feuermelder installiert, aber trotzdem war es uns für den Motorraum wichtig, einen selbstauslösenden „Automatik“-Löscher zu haben. Uns gefiel weder die Vorstellung, im Brandfall die Türen zum Motorraum aufmachen zu müssen, noch auf gut Glück durch das kleine – immerhin ab Werk vorhandene – aufzustoßende Feuerlöschloch in den Motorraum hineinzusprühen.

Wir haben deshalb im Motorraum eine Feuerlöschkugel angebracht. Sie löst bei Kontakt mit Feuer automatisch aus und wirkt dann pyrotechnisch wie ein Pulverlöscher.

Zwar dürfte das unser ebenfalls im Motorraum untergebrachtes Batterieladegerät nicht so toll finden, aber das wäre dann wohl eher zweitrangig.

Überhaupt hoffen wir doch sehr, dass es sich mit den Feuerlöschern bei uns an Bord wie mit den Regenschirmen verhält, die man ja immer nur braucht, wenn man sie NICHT dabei hat 😉.

Auch in diesem Sinne: KEEP THE CREW HAPPY! 😌

Saisonstart-Anreisemarathon

Wir sind unterwegs – allerdings erst ZUM Boot. Das erste und wohl auch einzige Mal fahren wir mit dem Auto nach Griechenland. Na ja, eigentlich ist es eher eine kombinierte Anreisestaffel: erstmal von Hamburg nach Würzburg – dort haben wir heute Nacht Dillas 50. Geburtstag mitfeiern dürfen -, von dort aus dann die restliche Nacht (mit zwei kurzen Schlafpausen auf Raststätten) weiter bis Venedig. Und da warten wir jetzt gerade auf die Fähre nach Igoumenitsa, die sich leider um zwei Stunden verspätet. Kommt nicht so drauf an, es wird dann eh eine 25stündige „Kreuzfahrt“ die Adria hinunter. Morgen am späten Nachmittag werden wir dann die Anschlussfähre nach Korfu nehmen.

Warum das Ganze? Bisher haben wir alles Notwendige im Fluggepäck mit zur Flora gebracht, aber jetzt, sozusagen in der Abschlussvorbereitung, hat doch einiges angesammelt:

Ein bisschen Kofferraum-Tetris war angesagt, schließlich musste neben den im letzten Blogbeitrag angesprochenen 100 m Ankerkette und 30 kg Spade-Anker noch einiges mehr mit: ein kompletter 2. Autopilot (mit Bedienteil, Kompass, Computer und Ruderlagengeber), EPIRB, (2.) Handfunke, Notantenne, Servicekit für den Dieselgenerator, Befestigungskit und Ersatzrotorblätter Windgenerator, Ersatzseewasserpumpe Motor, Seekarten, Bücher und Seehandbücher, Leesegel, Fenderbrett, Treibanker, IridiumGo incl. externe Antenne, neuer Triducer, diverse Ersatz- bzw. Verbrauchsteile (wie Thermostat, Relais, reichlich Öl, Diesel- und Wasserfilter, Impeller, Opferanoden, etc), Bluetooth-Armbänder, MOB-AIS-Sender, umfangreiche Bordapotheke, Defibrilator, ein Tauch-Notfallset mit 2kg-Sauerstoffflasche incl. Zubehör, Borddrucker, Ventilator, diverses zusätzliches Werkzeug einschließlich Fein Multimaster, ein paar Chemikalien (Boracol, Grotamar), Grabbag, Hochdruck-SUP-Pumpe, Matratzenauflage, Moskitonetz, Sonnenhüte, zusätzliche Feuerlöscher, ein Klappstuhl, Kochtöpfe, Küchenutensilien, Kamerazubehör, natürlich auch Klamotten (und ganz sicher noch einiges mehr, das tief in Kartons und Taschen verborgen ist, mir aber im Moment gerade nicht einfällt 🤔).

Wir konnten es aber so packen, dass wir noch etwas Sicht nach achtern hatten.

Kettenkasten

Die Vorbereitung geht weiter, vielmehr: sie läuft auf Hochtouren.

Flora ist heute morgen verholt worden, sie wird für eine Woche an Land gestellt. Mihalis und Argiris kümmern sich um ihr Unterwasserschiff: an zwei Stellen wird das Coppercoat ausgebessert, mit dem wir ansonsten bisher sehr zufrieden sind. Opferanoden tauschen, Leinenschneider an der Welle anbringen, Ruderlager schmieren, so etwas. Die beiden werden dann auch noch Rumpf und Deck polieren, allerdings erst nachdem Peter zwischendurch noch ein paar Holz- und Schleifarbeiten erledigt hat, um das Teakdeck wieder in Topzustand zu bringen.

Am kommenden Wochenende wollen wir das erste (und einzige) Mal mit dem Auto nach Griechenland fahren, um alles, was noch auf die Flora soll, tatsächlich auch dahin zu bekommen. Unser Gästezimmer ist ziemlich vollgepackt mit Sachen, die wir am Donnerstag ins Auto verfrachten wollen, wir sind gespannt ob es passt.

Unter anderem ist der neue Anker bei uns eingetroffen, ein 30 kg Spade-Anker. So sah das Paket aus:

Ausgepackt ist der Anker nicht mehr ganz so monströs, aber immer noch ziemlich groß:

Und Freitag kam dann auch die neue Wälder Ankerkette. Leider können wir wegen der von uns angestrebten warmen Reviere keine normale Niro-Ankerkette verwenden. Selbst V4A-Niroketten neigen bei Wassertemperaturen über 26 Grad zu Lochfraß, was dann zum unerwarteten Bruch der Ankerkette führen könnte. Andererseits möchten wir eine Edelstahl-Ankerkette, weil sich diese glatte Kette besser in den Ankerkasten staut und weniger „Haufen“ bildet, die bei unserer 100 m langen Ankerkette sonst die Ankerwinsch blockieren könnten. Für uns kam deswegen nur die Wälder Cromox Duplex Ankerkette (Material 1.4462) in Betracht, die für Wassertemperaturen bis 34,5 Grad geeignet ist.

Den Anker haben wir übrigens nur deshalb ebenfalls in Edelstahl genommen, weil in der Spitze des Spade-Ankers Blei eingegossen ist. Bei einem verzinkten Anker müsste das Blei zum Nachgalvanisieren jeweils ausgeschmolzene und wieder eingegossen werden.

Zum Glück haben für die 100 m lange Ankerkette einen vorübergehenden Kettenkasten unter unserem Kofferraum gefunden:

Jetzt haben wir die Hoffnung, dass wir auch die restliche Ausrüstung noch mitbekommen. ☺️

Gürtel und Hosenträger für MOB?

Eine der schlimmsten Vorstellungen hinsichtlich einer Langfahrt ist, dass auf hoher See ein Crewmitglied über Bord gehen könnte. Nicht ohne Grund ist „Eine Hand fürs Schiff!“ oberster Grundsatz.

Die praktische Erfahrung beim Safety-at-sea-Kurs in Elsfleth im letzten Jahr hat uns noch einmal deutlicher gemacht, wie schwierig es insbesondere bei Wellengang sein dürfte, eine über Bord gegangene Person wieder an Deck zu bekommen. Die allererste Prämisse muss also sein, das Überbordfallen zu verhindern. Strecktaue und feste Punkte zum Einpicken der Sicherheitsleine sind bei uns an Bord vorhanden.

Allerdings – das ständige Tragen von Rettungswesten und darin eingepickten Lifebelts halten wir nicht für realistisch. Schaut man sich die Fotos oder Videos von Seglern auf Langfahrt an, tragen nur die Allerwenigsten IMMER eine Rettungsweste. Blöderweise besteht das Risiko, über Bord zu fallen aber nicht nur bei Schwerwetter oder jedenfalls starkem Wind.

Zwar wäre es bei weniger schwerem Wetter im Prinzip einfacher, jemanden wieder an Bord zu bekommen, allerdings kommen bei unserer kleinen Crew auch bei eigentlich gutem Wetter ein paar weitere Schwierigkeiten dazu.

Zunächst mal bewegt sich das Boot ja, schwimmend kommt man da nicht hinterher. Also muss das Boot stoppen. Dafür muss erst mal jemand anderes mitbekommen, dass ein Crewmitglied fehlt. Bei kleiner Crew ist das nicht selbstverständlich. Nachts darf selbst eingepickt niemand das geschützte Cockpit verlassen, wenn nicht mindestens ein anderer ebenfalls im Cockpit ist. O.k., aber tagsüber?

Eine mögliche Lösung könnte in diesen kleinen, einer Armbanduhr ähnlichen „OLAS“-Sendern liegen.

Die mit rund 50 Euro pro Stück vergleichsweise eher günstigen OLAS-Armbänder (SmartTags) sind über Bluetooth mit einer App auf Handy und/oder iPad verbunden. Sie zu tragen stellt auch bei heißem ruhigen Wetter praktisch keine Einschränkung der Bequemlichkeit dar. Fällt der Träger eines solchen SmartTags über Bord, unterbricht die Bluetooth-Verbindung, die App löst dann optisch und akustisch Alarm aus. Außerdem zeigt die App den Ort (die GPS-Position) der Unterbrechung an und auch die Richtung, in der dieser Ort von dem sich inzwischen ja fortbewegenden Schiff aus liegt.

Die optimale Lösung?

Na ja, bei genauerer Betrachtung gibt es da doch einige Bedenken. Die kleinen SmartTags brauchen natürlich Batterien. Leider sind sie nicht mit (etwa per USB) wiederaufladbaren Akkus bestückt. Allerdings kann man die Knopfzellen-Batterien gut selbst wechseln und die Laufzeit soll zwischen einem und vier Monaten liegen, was wir allerdings noch nicht getestet haben. Etwas schwerer wiegt da schon, dass das Device, auf dem die App läuft, logischerweise nicht mit über Bord gehen darf. Auch hier sehen wir aber ein eher kleines Problem, da man die App parallel auf mehreren Geräten laufen lassen kann und die SmartTags dann auch auf allen Geräten angemeldet sein können. Allerdings: wie wir im praktischen Versuch schon zu Hause ausprobiert haben, muss die App geöffnet sein, sie läuft bei uns nicht auf dem ausgeschaltetem iPad im Hintergrund. Das ist eine suboptimale und stromfressende Geschichte. Eine weitere und die im Ernstfall wohl entscheidende Einschränkung ergibt sich aus der Bluetooth-Struktur. Die geringe Reichweite von irgendwo zwischen 10 und maximal 100 Metern wird ja genutzt, um über die Unterbrechung das Alarmsignal auszulösen. Danach ist aber eben gerade keine Verbindung mehr vorhanden, d.h. man weiß zwar in etwa, wo jemand über Bord gefallen ist, aber nicht, wohin er jetzt getrieben ist. Wenn man die über Bord gefallene Person bei etwas Wellengang nicht mehr erkennen kann, liegt darin ein großes Manko. Damit ist für uns klar: Die SmartTags helfen im MOB-Fall bei der Alarmierung (was gerade bei kleiner Crew nicht unterschätzt werden sollte). Bedenkt man aber, dass der Rest der (kleinen) Crew vielleicht gerade schläft oder unter Deck beschäftigt ist, vergeht bis zum Stoppen oder gar Umdrehen des fahrenden Bootes sicher einige wertvolle Zeit, nach der man die über Bord gegangene Person vielleicht nicht mehr so leicht wiederfindet. Zur Hilfe bei der Suche bieten die SmartTags aber nur eine sehr grobe Orientierung.

In unseren Rettungswesten haben wir ja automatisch auslösende AIS-Sender ( https://florasailing.wordpress.com/2019/01/11/armed/ ), aber wie eingangs geschrieben nützt das eben nur, wenn die Rettungsweste auch tatsächlich getragen wird.

Auf der Boot haben wir deshalb kleine zusätzliche AIS-Sender von Simy gekauft. Die sind mit ca. 200 Euro pro Stück zwar nicht ganz billig, aber sehr kompakt, sie können leicht etwa in der Tasche der Shorts getragen werden. Man muss sie allerdings manuell auslösen.

Wenn so ein AIS-Sender ausgelöst wird, egal ob automatisch oder manuell, schlägt der Plotter (sofern er eingeschaltet ist!) akustisch Alarm und zeigt zugleich die Position des AIS, also des über Bord gegangenen, laufend mit einem besonderen Symbol auf dem Bildschirm an. Sind andere Schiffe mit AIS-Empfänger in der Nähe, bekommen auch sie den Alarm und die Anzeige.

Anders als bei den in unseren Rettungswesten montierten MOB1 von Ocean Signal kann keine MMSI in die kleinen Simy My-AIS programmiert werden, sie lösen also nicht zusätzlich einen Alarm auf der eigenen UKW-Funke (sofern auf Langfahrt überhaupt eingeschaltet) aus.

Verglichen mit den SmartTags vereinfacht sich aber das Wiederfinden einer über Bord gegangenen Person erheblich, weil deren Position trotz der niedrigen Antennenhöhe des Senders im Wasser jedenfalls in einer Entfernung von mindestens zwei Meilen punktgenau auf dem Plotter ersichtlich sein sollte.

Gürtel und Hosenträger? Jedenfalls verschieden Optionen für zusätzliche Sicherheit.

Am besten aber natürlich gar nicht erst über Bord fallen!

Vorbereitungsstapel

Noch dreieinhalb Monate. Wir haben natürlich schon lange mit der Vorbereitung auch unserer Wohnung angefangen. Drei mal haben wir das Auto vollgepackt und sind zum „Kramladen“ unserer Kirchengemeinde gefahren.

Am Samstag dann war der Recylinghof dran, den Keller jedenfalls etwas leerer machen.

Heute haben wir uns um unsere Bücher gekümmert:

Auf dem Bild ist nur der Rest zu sehen, da haben wir schon die ersten drei Kartons mit Büchern gefüllt und in den Flur verfrachtet. Allein die „nautische Ecke“ bringt schon so einiges auf die Waage:

Hm. Nicht so einfach. Aber muss ja 😊