Cinnamon Bay 2: Wald, Strand, Wasser

Es bleibt dabei, wir haben die Cinnamon Bay fast für uns allein. Der Campingplatz hinter den Palmen am Strand ist gesperrt, das dazugehörige Restaurant wurde ebenso wie das Infogebäude des Nationalparks offenbar beim letzten Hurrikan schwer beschädigt und sind nicht nutzbar.

Aber an beiden vorbei führt ein Weg zu den Ruinen der Cinnamon Sugar Plantantion. Denen statten wir einen Besuch ab und es lohnt sich. Ein kleiner, beschilderter Wanderpfad führt über das inzwischen völlig überwucherte Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik und der mühsam von Sklaven in die Berghänge terrassierten Plantagen, deren Begrenzungsmauern längst abgerutscht und kaum mehr zu erkennen sind.

Der Wald hat sich mit ungeheurer Geschwindigkeit zurück geholt, was ihm einst so mühsam abgerungen wurde. Erst vor 50 Jahren wurden die Gebäude hier aufgegeben. Das verbaute Holz haben sich vermutlich spätestens nach dem nächsten Hurrikan schnell die Termiten geholt, deren zum Teil riesige Karton-Nester wir als dunkle Trauben in den Bäumen hängen sehen.

Andererseits, eigentlich gelten vor allem die bodennistenden Termitenarten als gebäudeschädigend. Hier im Wald sind die blinden Insekten (soweit es die Arbeiter betrifft, das Königspaar hat voll ausgebildete Facettenaugen) dagegen Nützlinge, da sie ausschließlich totes Holz fressen und ihre irgendwann herabfallenden verlassenen Nester sehr stickstoffreich und somit natürlicher Dünger für den sonst eher kargen karibischen Boden sind. Raubbau und Recycling liegen manchmal dicht beieinander, das zeigen auch die steinernen Reste der Gebäude.

Überall finden sich darin große Korallenbrocken, man kann nur hoffen dass sie nicht extra für den Bau aus einem Riff gebrochen wurden. Gebaut wurde die Plantage übrigens noch zu der Zeit, als diese Inseln zu DÄNEMARK 🇩🇰 gehörten. Ab 1666 gab es zunächst auf St Thomas und etwas später auch hier “Dänisch-Westindien” als dänische Kolonie von Dänemark-Norwegen. Erst 1917 wurden die Inseln von Dänemark an die USA verkauft, die hier im ersten Weltkrieg einen Flottenstützpunkt benötigten. Für uns als alte Ostseesegler interessant: der Import von Zucker und Roh-Rum (“Killdevil” genannt) von hier in die damals zu Dänemark gehörende Stadt Flensburg, wo er verschnitten und gelagert wurde. Über 200 Rum-Häuser soll es zur Blütezeit im 18. Jahrhundert in Flensburg gegeben haben, zwei gibt es noch heute und so bleibt die heute norddeutsche Stadt dem Rum verbunden (und wir mit ihr 😊).

Dänischer Friedhof im Wald oberhalb der alten Zuckerfabrik

Wir sind nicht allein hier. Weißwedelhirsche beäugen uns aus den Bäumen heraus, scheinen aber über unsere Anwesenheit weniger verdutzt als wir über ihre:

Jetzt beginnt der eigentliche Hike auf dem Cinnamon Bay Trail. Wobei, “Hike” kommt etwas dramatischer daher als es ist. Würde es auf den etwa eineinhalb Kilometern nicht rund 300 m nach oben gehen, es wäre einfach nur ein schöner Waldspaziergang mit tollen Ausblicken. Aber so ist es bei rund 30 Grad doch ganz schön anstrengend für unsere das nicht mehr gewohnten Beine.

Gut, der Wald sieht irgendwie anders aus als gewohnt. Fächerpalmen (Coccotrinax Alta) sind hier – wie schon in den Ruinen – weit verbreitet. Es sind die einzigen natürlicherweise hier einheimischen noch vorkommenden Palmen. Ihre breiten Blätter wurden früher zu Dächern der Hütten verarbeitet, sie wurden als Besen benutzt und z.B. zu Fischfallen geflochten.

Und noch eine zweite Pflanze kommt erstaunlich häufig vor. Mitten im Wald, an den unzugänglichsten Steilhängen wachsen Papayas. Wie uns Locals erzählen, hat die Verbreitung nach dem letzten Hurrikan deutlich zugenommen. Das finden vor allem die Vögel klasse, hier tut sich eine Perlaugen-Spottdrossel an der Frucht gütlich:

Wir kommen leider nicht dran (nächstes Mal sollten wir vielleicht einen Apfelpflücker mitbringen 😂). Aber die tollen Ausblicke des Wanderwegs können auch wir genießen:

Unten warten Flora und der Strand auf uns. Wer kann diesem Wasser schon widerstehen 😉. Also den gleichen Weg wieder runter, für heute reicht das auch.

Obwohl, eigentlich auch wieder nicht, denn zwar findet sich am Strand vom einem Leguan nur die verräterische Spur, aber beim Schnorcheln haben wir dann doch eine weitere tierische Begegnung.

Eine Meeresschildkröte (ich tippe auf Echte Karettschildkröte, kann sie aber nicht gut von der Unechten mit etwas dickerem Kopf und fünf statt vier Rippenschilden auseinanderhalten), jedenfalls immer wieder beeindruckend für uns.

Ankersalat vor Water Island

Mal wieder was für die Segler: So schön unser Ankerplatz vor Water Island auch ist, einen Haken hat er doch. Wir haben uns in dem gemischten Bojen- und Ankerfeld einen Platz ausgewählt, der möglichst weit weg von freien und belegten Bojen ist, den Anker auf knapp 10 m Wassertiefe fallen lassen und ihn rückwärts eingefahren. Er hält supergut. Das anschließende routinemäßige Abschnorcheln des Ankers offenbart aber ein Problem.

Der Anker hält, bloß konnte er sich nicht eingraben, sondern hat sich im Gerümpel des Grundgeschirrs einer alten Mooringboje verfangen. Dabei hat sich die Spitze des Ankers unter der an beiden Enden im Boden befestigten Kette dieses Geschirrs verhakt. So lässt sich unser Anker nicht einfach aufholen. Wenn wir unsere eigene Kette (die in der Mitte oben aus dem Bild läuft) aufholen, bleibt der Anker unter der alten Bodenkette verhakt, selbst wenn wir mit der Flora nach vorne über unseren Anker hinwegfahren.

Unser Echolot zeigt 9,60 m Wassertiefe. Ich versuche schnorchelnd, eine Tripleine am Anker zu befestigen. Viel tiefer hätte es nicht sein dürfen, sonst hätte ich doch unsere Tauchausrüstung auspacken müssen. Im zweiten Versuch kann ich die Tripleine an der Leine anknoten, mit der wir den Anker unterwegs am Bugkorb sichern. An der Tripleine haben wir einen kleinen Fender als Ankerboje befestigt.

Rot: Tripleine

Einfach an der Tripleine zu ziehen wird aber wohl nicht reichen, um diesen verklemmten Anker zu lösen. Beim Ankeraufgehen heute ziehe ich deshalb mit Florecita über einen rechts und links am Dhinghymotor vorbeiführenden Hahnepot die Tripleine in entgegengesetzter Richtung unserer Ankerkette weg. Wiebke fährt gleichzeitig Flora nach vorn, gibt damit Lose in die Ankerkette und holt dann den Anker auf, nachdem er unter dem Grundgeschirr rausgezogen ist.

Klappt auf Anhieb. 😊

Und warum fahren wir nicht immer eine Tripleine mit Ankerboje? Immerhin könnten dann auch andere Skipper sehen, wo unser Anker liegt (und entsprechend Abstand halten). Wir finden, dass sie das Ankern und Ankeraufgehen im Normalfall unnötig verkompliziert. Außerdem haben wir schon einige Male gesehen, dass diese Leinen auch Ärger bereiten, etwa wenn Schiffe beim Schwoien (herumdrehen und hin und her treiben) über ihre eigene Boje treiben und sich diese an Kiel, Propeller oder Ruder verfängt und dann eventuell sogar den eigenen Anker aus dem Grund zieht. Oder (mehrfach gesehen) andere Boote die kleine Boje übersehen und sich die Leine um den Propeller wickeln.

An unserem neuen Ankerplatz in der schönen und geschützten Magens Bay im Norden von St. Thomas hat sich der Anker diesmal wieder ordentlich in den Sandgrund gegraben. So soll das sein!

Wir liegen hier direkt hinter der “Invia“ und statten Dorothee und Stefan gleich einen Besuch ab. Schön, die beiden auch endlich persönlich kennenzulernen, zumal wir einige gemeinsame Bekannte haben, sowohl Segler als auch Nichtsegler 😁.

Auf geht’s, endlich mal wieder

Nach fast zweieinhalb Monaten auf Antigua und Barbuda 🇦🇬 wollen wir mal wieder das Revier wechseln. Wir sind dankbar, dass wir die heiße Corona-Phase gerade hier in diesem abwechslungsreichen und mit Augenmaß auf die Pandemie reagierenden Inselstaat verbringen durften.

Wir klarieren in English Harbour aus. Das bedeutet, dass wir für die letzten drei Tage vor Anker in Falmouth eine Nationalparkgebühr und eine Müllgebühr zahlen müssen, aber dafür brauchen wir nicht extra nach St. John’s zu fahren. Stattdessen segeln wir bei herrlichsten Bedingungen nach Jolly Harbour (wo das Ausklarieren leider im Moment nicht möglich ist), tanken Flora nochmal voll und bereiten sie für die Überfahrt in die USVI vor. Der Außenborder kommt an den Heckkorb, wir erledigen diese kleine “Kranarbeit” ziemlich unproblematisch mit der Dirk. Florecita wird in den Davits fest verzurrt, bekommt also ihre Bellybands (breite Spanngurte, die unter ihrem Boden durchführen) und kleine Spanngurte, die sie quer verspannt am Schaukeln hindern. Der Code0 wird wieder einsatzbereit an die Reling geklippst und die Spinnakerschoten angeschlagen, unter Deck natürlich alles seefest gestaut. Der Wetterbericht ist gut. Es kann losgehen.

Um sechs Uhr weckt uns die aufgehende Sonne.

Und um sieben ziehen wir den Anker hoch und machen uns auf den Weg. Etwa 200 sm sind es bei Charlotte Amalie auf St. Thomas, dem Hauptort der USVI. Wir rechnen mit etwa 36 Stunden.

Der Tracker auf Noforeignland wird leider unseren Reisefortschritt diesmal nicht anzeigen, denn wir haben (als erforderlichen Test für die Salty Dawg Flotilla) den IridiumGo-Tracker auf PredictWind umgestellt. Dort wartet er aber noch auf Freigabe. Sobald die erfolgt, könnt Ihr die Position der Flora (und der anderen Salty Dawgs) HIER sehen.

Von fliegenden Chill-Kröten, sinnlosen Elektroschlangen und schwebenden Elefanten

Von der Carlisle Bay verabschieden wir uns heute nach nun auch schon wieder 1 1/2 Wochen. Gar nicht so einfach, die Gemeinschaft der vielleicht 15 Boote dort war einfach klasse, die launigen Funkrunden morgens und Abends (gestern Quizz Südafrika), der unfassbare Aufwand, den manche Bootscrews auf sich genommen haben um für alle Gemüse-, Fisch- oder Lobsterlieferungen zu organisieren und zu administrieren und die wunderbare Hilfsbereitschaft, der unfassbar humorvolle Wetterbericht von Rean (Top Secret) heute morgen …

… aber wir fahren ja nicht alleine weg. Gemeinsam mit Mareike (Moana) und Andrea & Ingo (Easy-One) verholen wir das kleine Stück hinüber nach Osten in den Naturhafen von Falmouth Harbour. Das Wasser ist hier nicht mehr ganz so klar, aber dafür gibt’s auch weniger Schwell. Vorgestern Nacht hatte Wiebke sich wegen des Rollens sogar dafür entschieden, ihre Seekoje im Durchgang zum Vorschiff zu reaktivieren und die zweite Nachthälfte dort zu schlafen, weil die Schiffsbewegungen doch ziemlich heftig waren.

Danach haben wir dann den Heckanker wieder ausgebracht, damit das Schiff nicht mehr quer zu den hereinrollenden Wellen liegt. Weil der Wind in der Folge eher von der Seite kam, gab es natürlich einigen Druck auf unsere beiden Anker, aber sie hielten super. Eher zu gut 😊, denn das Aufholen des Heckanker (ein 20 kg Bruce-Anker, der auf der HR 43 schon mit Heckankergeschirr angebracht war) gestaltet sich heute dann eher schwierig. Obwohl mit Tripleine und Ankerboje versehen, lässt er sich zunächst nicht ausbrechen. Dann eben mit dem Dinghy voll rückwärts. Nichts. O.k., rückwärts bringt unser Dinghymotor trotz 20 PS nicht allzu viel Kraft auf, aber bisher hatte das stets gereicht. Heute nicht. Ingo kommt dazu, taucht, dirigiert schnorchelnd, und gaaaanz langsam und mit einigem Hin und Her kriegen wir ihn los. Nächstes Mal würde ich wohl einen Hahnepot riggen um mit dem Dinghy vorwärts ziehen zu können. Zur Not hätten wir ihn sonst mit der Flora ausbrechen müssen. Wieder was gelernt.

Dann motoren wir die weniger als vier sm nach Falmouth. Muss auch nicht länger sein: Wind und Welle vierkant von vorn. Wir hüpfen an der ebenfalls Luftsprünge machenden Easy-One vorbei.

Fliegende Chill-Kröte am Bug

Aber jetzt liegen wir ruhig und super geschützt. Am Wochenende soll etwas kräftigerer Wind sein, danach flaut es ab und dann werden wir wir wohl wieder weiter ziehen zum etwas idyllischer gelegenen Green Island.

Erstmal aber noch etwas Bootsarbeit hier. Wir entfernen die schon länger nicht mehr genutzte “C-Pod”-Station hinter unserem Elektronikpanel. Sie hat uns als das Boot in Griechenland lag per Email oder Internetabruf darüber informiert, ob die Flora noch vor Ort liegt und ob die Batteriespannung unter einen kritischen Wert sinkt. Letzteres funktioniert seit der Umstellung auf Lithium ohnehin nicht mehr. Man könnte auch die Bilgepumpe aus der Ferne über sie schalten, aber so war sie nicht angeschlossen. Das vom Vorbesitzer eingegangene kostenpflichtige Abo hatten wir zuletzt nicht mehr verlängert. Gut, dann kann der Kram auch raus. Und mit ihm einige Kabel, denn der C-Pod hat eine eigene GPS-Antenne zur unabhängigen Positionsermittlung und ist direkt mit der Batterie verbunden. Bei der Gelegenheit (wir wühlen uns durch die Kabelschächte vom Kartentisch zur Batteriebank unter der Achterkoje) entfernen wir gleich auch noch ein übrig gebliebenes Ethernetkabel vom inzwischen ersetzten Solar-Regler. Und ich baue endlich einen Schalter ein, um das AIS bei Bedarf “stumm” schalten zu können, als nur zu empfangen, aber nicht die eigene Position zu senden. Test mit der Easy-One und der Moana: funktioniert.

So sollte das nicht aussehen! Tut es auch nicht mehr.

Die Verkabelung der Hallberg-Rassy-Rassy ist eigentlich vorbildlich, aber die nachträglich eingebauten Teile sind ziemlich gefrickelt. Der C-Pod ist jetzt rausgeflogen, der Fox-Solarladeregler schon bei der Lithium-Umstellung. Das Raymarine-AIS ist offenbar ebenfalls nachträglich eingebaut, da haben wir jetzt etwas Kabelsalat bereinigt und eben den Stumm-Schalter eingebaut. Hatten wir schon lange geplant, und die Covid-Zeit führt eben auch zur Verkürzung der To-Do-Listen 😉.

Und heute Abend: Frischer Thunfisch vom Fischer. Und zwischen Mond und Venus passt immer noch ein Elefant!

Osterspaziergang zur See als Tapetenwechsel

Am 01. März haben wir in Jolly Harbor für Antigua und Barbuda 🇦🇬 einklariert. Über Deep Bay und Great Bird Island, dann English Harbor und weiter nach Green Island (Nonsuch Bay) haben wir Antiguas nördliche und westliche Küste erkundet. Dann sind wir hoch nach Barbuda gefahren und haben auch dort wunderschöne Ankerplätze und eine beeindruckende Natur vorgefunden. Rechtzeitig vor dem Lockdown sind wir ganz bewusst zurück nach Jolly Harbor gesegelt. Der dortige Ankerplatz bietet guten Schutz und zudem die Anbindung an den Hafen mit umfangreicher Versorgung. Diesel, Gas, Lebensmittel, Schiffsausrüster, Müllentsorgung selbst für Problemstoffe wie Altöl (nach dem Ölwechsel am Generator). Aber nach jetzt doch schon wieder 26 Tagen dort war mal wieder ein Tapetenwechsel fällig.

Wir sind superfroh, dass ein Wechsel des Ankerplatzes hier zwar mit ein bisschen Formalkram verbunden, aber eben zulässig ist und Antigua diese Möglichkeit trotz Ausgangssperre weiter bietet. Also haben wir heute früh vorschriftsgemäß die Coastguard angerufen (die Telefonnummern sind in der Facebook-Gruppe „Antigua Cruisers“ abrufbar). Auf unsere Bitte, wir würden gerne unseren Fäkalientank leeren und auf der Rückfahrt einen anderen Ankerplatz aufsuchen kamen ein paar freundliche Rückfragen zu geplanter Abfahrtszeit (sollte nicht vor 08.00 Uhr liegen), erwarteter Ankunftszeit (sollte nicht nach 12.00 liegen). Beides war uns bekannt und unsere Planung dementsprechend angepasst. Außerdem erhielten wir den Hinweis, wir sollten möglichst zwischen 4 und 5 sm hinausfahren.

Fein also, dann mal los. Herrliches Segeln bei zwischenzeitlich durchaus frischem Wind erst mal raus und dann eine schöne Kreuz Richtung Carlisle Bay im Südwesten von Antigua. Alles in allem drei Stunden, in denen Flora uns Segelgenuss vom Feinsten beschert und einen Oster“spaziergang“, den wir so schnell nicht vergessen werden. Was für ein Geschenk.

Das Oster-Eichhörnchen (einen Schoko-Osterhasen haben wir nicht gefunden und außerdem ist es eine schöne Reminiszenz an unseren regelmäßigen Terrassenbesuch in Hamburg) durfte übrigens nur ganz kurz an der Winsch in der Sonne verweilen, sonst wäre es uns wohl davon gelaufen. Nach dem Fotoshootings wurde es im Kühlschrank gechillt und dann noch während des Törns seiner inneren Bestimmung zugeführt.

Ausgangssperre Tag 3

Es ist ruhig. Sehr ruhig. Angenehm ruhig (traue ich mich kaum zu schreiben, weil der Grund so schlimm und die Dauer so ungewiss und damit auch beunruhigend ist). Trotzdem: praktisch kein Bootsverkehr mehr, keine Flugzeuge über uns, kaum Dinghys, keine Jetskis, keine überfüllten Touristenkatamarane, die mit Vollgas durchs Ankerfeld zum Strand rauschen, kaum Autos auf den Straßen am Ufer.

Auch keine Besuche von oder bei anderen Booten. Wir sind auf uns selbst zurückgeworfen. Entschleunigung. Werden wir das ertragen oder können wir das sogar genießen? Wäre einfach, wenn es wirklich nur die bisher angesetzte Woche wäre, aber davon gehen wir nicht aus. Gleichwohl: ändern können wir es eh nicht, also lassen wir uns darauf ein. Wir haben Zeit (und wieder beunruhigt im Hinterkopf ein fernes „aber nur bis zum Beginn der Hurrikansaison“).

Ganz überwiegend schaffen wir es ganz gut, uns auf das Genießen einzulassen. Es gibt keinen Druck, kein „dass muss ich eben noch schnell erledigen, weil dann ja gleich …“. Selbst unsere Bootsprojekte gehen wir sutje (*1) an. Das Dinghy haben wir gesäubert und endlich (neben Logo und Florecita) auch mit dem offiziellen T/T SY Flora (*2) beschriftet, die verbogene Halterung für die umklappbaren Beibooträder gerichtet.

Ansonsten Brot gebacken, erstmals selbst an Bord Joghurt gemacht und …

… gepuzzelt. Ja, tatsächlich. Eike hatte uns bei seinem Besuch in Spanien ein 1.000-Teile-Puzzle mitgebracht. Innerlich hab ich den Kopf geschüttelt, obwohl er wohlweislich den sperrigen Karton zu Hause gelassen hatte. Wann und wo soll man auf einem schaukelnden Schiff ein 1.000-Teile-Puzzle machen? Landratte! Pah. Ich leiste Abbitte. Jetzt wissen wir, wann und wo. Der Salontisch ist belegt, begeistert puzzeln Wiebke und ich gemeinsam vor uns hin. Hatte fast vergessen, wie herrlich es als Kind war. Tausend Erfolserlebnisse und dazwischen …

Danke Eike!

Ein paar Details zur Ausgangssperre haben sich inzwischen geklärt. Wichtig für uns: wir dürfen schwimmen und sogar das SUP (*3) benutzen, nur eben nicht an den Strand fahren. Unser aufblasbares SUP sorgt für ein bisschen zusätzliche Bewegung neben dem Schwimmen und Schnorcheln am Boot, strengt beim Paddeln erstaunlich viele Muskeln an und erst recht beim Yoga, dass aber nur Wiebke auf dem schwankenden Ding mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad jetzt während der Ausgangssperre bisher täglich praktiziert.

Die Segler hier begegnen der Vereinzelung außerdem mit einigen Funkrunden auf UKW (*4), morgens um 9.00 gibts dort Wetterbericht, aktuelle Meldungen zum Covid-Stand auf Antigua und allem, was Segler hier betrifft, der eigentlich stets damit verbundene Flohmarkt ist allerdings derzeit mangels Kontaktmöglichkeiten einigermaßen mau. Zu um 9.30 haben wir dann (seit dem Lockdown) eine deutsche Funkrunde in Leben gerufen. Sie war heute morgen mit mindestens acht Booten ebenfalls gut besucht, zum Quatschen und wiederum Informationsaustausch. Nachmittags um 17.30 hat dann Merrill seine Show, er hat uns zum (funklichen) Sundowner geladen. Von ihm launig und humorvoll moderiert, berichten alle Teilnehmer (heute sicher 15+) über den von ihnen gerade verzehrten Sundowner und ihr heutiges Bootsprojekt (das kann z.B. die Suche nach dem fiesen Elektrowurm in der Bordelektronik oder auch nach dem besten Platz für die Hängematte sein). Anschließend hält Merrill noch ein kurzweiliges Quizz bereit und schwupp hat man das Gefühl, die isolierten Segler seien eben doch in einer Gemeinschaft vereint.

Und danach? Gibt noch einen weiteren Sundowner:

(*1) norddeutsch, etwa: langsam, bedächtig, ruhig

(*2) T/T steht für Tender to, also insgesamt international übliche Kennzeichnung für: Beiboot der Segelyacht Flora

(*3) SUP = Stand Up Paddelboard

(*4) UKW = Ultrakurzwelle, der Frequenzbereich in dem das Bordfunkgerät (selbst als Handfunke) sendet und empfängt.

Nabucco in Antigua

Seit heute um 20.00 Uhr gilt hier in Antigua der “24-Hour-curfew”, also die Rund-um-die Uhr-Ausgangssperre, zunächst mal für eine Woche. Vor dem Supermarkt hat das zu extrem langen Schlangen geführt, zumal ja auch nur eine begrenzte Anzahl an Kunden hineingelassen wurde. Mehrere Segelfreunde von uns haben jeweils vier Stunden (!) angestanden, um in den Supermarkt zu kommen. Wobei: er wird auch ab morgen (wenn auch mit eingeschränkten Öffnungszeiten) weiter zur Verfügung stehen. Die Regale sind gut gefüllt, Nachschubcontainer sind reichlich unterwegs, der Premierminister mahnt an die Vernunft jetzt nicht panikartig einzukaufen. Andererseits hat der Tourismusminister dazu aufgefordert, in der nächsten Woche nur absolut notwendige unaufschiebbare Einkäufe zu tätigen und ansonsten zu Hause (auf dem Boot) zu bleiben. Da wollte heute dann doch der ein oder andere noch vorsorgen.

Wir nicht, wir haben vorgestern frisch eingekauft und haben sowieso einiges an Vorräten. Noch etwas Frischware aufstocken wäre o.k. gewesen, aber dafür vier Stunden anstehen? Nö. Dann lieber noch einen schönen langen Spaziergang vor der Ausgangssperre. Wegen der klaren Luft heute können wir vom Berg (na ja, oder Hügel) Pearns Point aus tatsächlich Guadeloupe, Montserrat, Redonda, Nevis und sogar St. Kitts erspähen, auf der anderen Seite wandert der Blick über den mangrovengesäumten Salzsee hinweg auf Jolly Harbor und die den Ort umgebenden grünen Hügel.

Mal sehen, wie wir mit der Ausgangssperre zurechtkommen, dass es bei einer Woche bleibt glauben wir allerdings eher nicht. An Segeln ist wohl erst einmal etwas länger nicht zu denken. Wir sind trotzdem guter Dinge, pendeln mental aber allerdings manchmal zwischen einem fast freudigen “wie eine Atlantiküberquerung, nur mit weniger Geschaukel und nachts ruhig durchschlafen” und dem weniger guten Gefühl, eben doch irgendwie angebunden zu sein. Meist überwiegt die durchaus positive Erwartung der neuen Erfahrung dieser (wenn auch nicht selbstgewählten) “Auszeit in der Auszeit”.

Was Künstler aus einer erzwungenen Vereinzelung machen können, hat bei uns für eine Gänsehaut gesorgt, weshalb ich hier ausnahmsweise mal ein YouTube Video verlinken möchte. Wer keine Aversion gegen klassische Musik hat sollte sich das außergewöhnliche Kunstwerk des International Opera Choir aus Rom ansehen. Jedes Chormitglied hat den eigenen Beitrag mittels Smartphone aufgenommen. Die Aufnahmedateien wurden dann in einer bewunderswerten Montagetechnik zusammengeschnitten und.. das ist das Ergebnis! Und noch ein Hinweis, weil wir unterwegs auf unser Download-Volumen achten und Videos deshalb SEHR selten anklicken: das hier lohnt sich , uns hat es jedenfalls tief berührt.

Es ist ohne Zweifel kein Zufall, das sie dafür ausgerechnet Verdis “Nabuccu” gewählt haben, noch dazu den berühmte Gefangenenchor. Schön, das diese Oper auch noch gut ausgeht 😀. Für diejenigen, die – wie ich – kein italienisch können, hier der Text der ersten Strophe:

Flieg, Gedanke, getragen von Sehnsucht,
lass dich nieder in jenen Gefilden,
wo in Freiheit wir glücklich einst lebten,
wo die Heimat uns’rer Seele ist.

Ja, das ist ziemlich pathetisch, aber eben doch auch wunderschön.

Ein letzter gemeinsamer Sundowner am leeren Strand, noch erlaubt, mit Mareike, Andrea, Ingo und uns. Ein bisschen werden wir das wohl doch vermissen.

Steht unsere Segelwelt Kopf?

Wir sind auf unserem Boot in der Karibik. Hätte man uns vor einem Jahr oder einem halben Jahr oder auch erst vor drei Monaten (zwei Tage vor dem Ende unserer Atlantiküberquerung) gefragt, wo wir im März 2020 sein möchten, dann wäre das genau unser Wunsch gewesen. Und genauer eingrenzen, etwa auf eine Insel, einen Staat, hätten wir es weder können noch wollen.

Etwas genauer: wir sind in Antigua & Barbuda 🇦🇬. Es ist schön hier, selbst wenn es heute regnet, wie man ja meinem Foto oben hoffentlich ganz gut entnehmen kann. Es gibt keine Ausgangssperre, die Versorgungslage ist gut, wir dürften hier den Ankerplatz oder Hafen im Land frei wählen und frei wechseln, auch ausreisen, wenn wir denn wollten. In anderen Ländern, auf anderen Inseln hier in der Karibik ist das heute nicht möglich, wir haben objektiv vergleichsweise viele Möglichkeite.

Trotzdem, es fühlt sich anders an. Warum? Segeln ist Freiheit, Bewegungsfreiheit zumeist ohne vorgeschriebene Bahn, das gute Gefühl den Motor auszumachen weil man den engen Tonnenstrich hinter sich gelassen hat. Stimmt irgendwie, aber romantisiert doch stark.

Wind, Tide, Wetter, Jahreszeiten … , noch mehr aber Zeit, Geld und Gesundheit sind einschränkende Faktoren, mal mehr, mal weniger. Die eigene Gesundheit, klar, die der Mitsegler, o.k., und – den Aspekt hatte man bisher gar nicht auf dem Schirm – eben auch die Gesundheit jener, deren Gast man eben derzeit ist wenn man wie wir gerade nicht im eigenen Land segelt. Auf einmal ist die gelbe „Q“-Flagge wirklich die Quarantäne-Flagge, die ursprüngliche Bedeutung scheint wieder auf, ihr Hissen und mithin die gesamte Einklarierung in dem vom Segler angesteuerten Land nicht mehr bloßer Formalismus, der manchmal gar als sinnlose Schikane empfunden wird.

Die Einschränkungen, die mit den Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 einhergehen, sind starke Eingriffe in die persönliche (Bewegungs-)Freiheit. Die meisten von uns, auch die allermeisten Segler, sehen darin eine Notwendigkeit und akzeptieren diese.

Was die Langfahrtsegler hier in der Karibik und wohl auch anderswo massiv umtreibt ist nach meiner Wahrnehmung nicht so sehr, dass der “Plan A“ (in unserem Fall: Sommer an der US-Ostküste) vielleicht nicht umgesetzt werden kann, sondern dass derzeit überhaupt nicht absehbar ist, ob auch nur irgendeiner der Alternativpläne „B“ bis „D“ (für die Hurrikansaison z.B. Trinidad, Curaçao, für manch anderen auch vorherige Rückreise über den Nordatlantik oder Ein Törn an die südamerikanische Ostküste) umsetzbar wäre. Segler sind es gewohnt, Alternativpläne zu haben. Jede Planung verlangt nach Ausweichhäfen für Schwerwetter, Ausweichrouten. So haben wir es gelernt. Aber: das ist immer die eigene verantwortliche Entscheidung. Jetzt, in Corona-Zeiten, gilt das nicht. Ausweichrouten abzustecken funktioniert nicht. Statt Eigenverantwortung fühlen wir schwer zu ertragende Fremdbestimmung. Das passiert natürlich nicht nur durch den Coronavirus SARS CoV-19, aber durch eine Pandemie und die Reaktionen darauf passiert es eben vielen Menschen, vielen Seglern gleichzeitig.

Das ist schon für die Flora-Crew schwierig, obwohl wir über viel Zeit verfügen. Wie viel schwieriger mag es für Crews mit einem engeren Zeitplan sein, etwa auf einer geplanten Atlantikrunde?

Nur: wir sind damit nicht allein, haben diese Fremdbestimmung als Segler keineswegs exclusiv. Auch an Land können Menschen nicht zu Familienmitgliedern, müssen Einschränkungen hinnehmen, die wir jedenfalls in den letzten Jahrzehnten so nicht kannten, lösen sich Zukunftspläne und sogar wirtschaftliche Existenzen in Luft auf. Menschen erkranken, sterben vielleicht.

Wieviel brutaler eine schwere Erkrankung als die Freiheitseinschränkung ist wird vielleicht erst bewusst, wenn es nicht eine anonyme Gefahr ist sondern näher rückt, konkret wird. Einer unserer Bekannten hier auf dem Ankerplatz hat uns das gestern in einem missverständlichen Facebook-Post aus dem Krankenbett im Hospital heraus ziemlich deutlich gemacht.

Segeln – Langfahrtsegeln allemal – ist nicht nur Freiheit. Es ist auch ein Stückweit Unvorhersehbarkeit, Improvisation, manchmal auch notwendige Isolation etwa auf langen Passagen, beinhaltet das Anpassen von Plänen und Zielen, zudem oft unfreiwilliges Warten und eben auch Unsicherheit.

Wir versuchen, wegen der aktuellen Einschränkungen nicht Kopf zu stehen. Bisher gelingt es uns ganz gut.

Also Antigua!

Zur Eindämmung des Coronavirus werden auch hier in der Karibik allenthalben Maßnahmen getroffen, allerdings – wie in Europa auch – nicht in allen Staaten gleichzeitig. Da hier in den kleinen Antillen fast jede größere Insel ein eigener Staat ist, führt das zu einem Flickenteppich von sich in schneller Folge verändernden (=derzeit: verschärfenden) Regularien für die Segler, die sich zwischen den Inseln bewegen.

Verständlicherweise sind die Auswirkungen auf Segler nicht das Allererste, was beim Erlass neuer Regelungen in den Sinn kommt oder geprüft wird. Ist eine Regelung zur Corona-Eindämmung aber erstmal getroffen, wird sie von den ausführenden Oganen/Behörden in der Regel mit Vehemenz umgesetzt, auch das ist vor dem Hintergrund einer Pandemie nur zu verständlich. Es führt allerdings in manchen Fällen zu nur schwer verdaulichen Situationen, wenn etwa einem Segler trotz schlechten Wetters und rauer See das Anlegen in einem Hafen des Landes verwehrt wird, in dem er sich schon längere Zeit bewegt (so geschehen auf Madeira) oder nach tagelanger Fahrt (von den Kanaren nach Marokko) das Schiff mit Maschinenpistole im Anschlag zur Umkehr gezwungen wird.

In solche Situationen möchten wir natürlich nicht kommen. Auch hier in den kleinen Antillen werden zunehmend Grenzen geschlossen, Häfen gesperrt, beim Einreisen 14tägige Quarantäne vorgeschrieben, Ausgangssperren verhängt, dem Vernehmen nach z.T. sogar Ankerplätze geräumt (z.B. Îles des Saintes oder Bequia).

Nachdem sich in den letzten Tagen die Situation immer unübersichtlicher gestaltete, hatten wir für uns drei Länder als mögliche Fixpunkte herausgesucht, in denen wir die weitere Entwicklung in Ruhe beobachten könnten. Zunächst einmal Antigua und Barbuda 🇦🇬 , in dem wir seit Anfang des Monats einklariert sind, darüber hinaus Guadeloupe 🇫🇷 und Sint Maarten 🇸🇽 / St. Martin 🇫🇷, die beide mit einer längeren Tagesfahrt erreichbar gewesen wären. Allerdings: bei Guadeloupe und St. Martin zeichnete sich wegen der Anbindung an Frankreich früh ab, das die in Frankreich getroffenen strikten Maßnahmen auch hierhin ausstrahlen würden. Und tatsächlich: dort wie auch im holländisch geprägten Sint Maarten ist die Einreise für neu ankommende Schiffe inzwischen seit dem 18. März nicht mehr möglich. Wäre unglücklich gewesen, wenn man sich dorthin auf den Weg gemacht hätte und nicht rechtzeitig vor Schließung angekommen wäre.

Wir bleiben also hier in Antigua und Barbuda. Vor gut einer Woche, am 12. März, hatte ich ja schon mal zitiert: „If you’re gonna get stuck, get stuck somewhere nice“. Und „nice“ ist es hier allemal. Es gibt zwar Restriktionen, einklariert werden kann nur noch in der Hauptstadt St. John’s, aber die Bewegungsfreiheit im Land ist bisher nicht eingeschränkt. Wir können also zwischen den Ankerplätzen hin und her wechseln.

Und das machen wir auch: zuletzt in Barbuda am Cocoa Point Anchorage verholen wir uns etwas weiter nördlich in die Low Bay (wieder vor Anker) und machen von dort aus einen geführten Ausflug in das Vogelschutzgebiet im Norden der großen Insellagune.

Links Ankerplatz, rechts Lagune. Hurrikan Irma hat diese Dinghydurchfahrt in die westliche Nehrung gerissen, die sich aber bereits langsam wieder schließt.

Guide George holt uns mit einem flachgehenden Boot ab und bringt uns in das Schutzgebiet. Auch diese von den Fregattvögeln als Brutgebiet geschätzte Mangrovenlandschaft wurde von Irma schwer getroffen. Sie erholt sich aber und auch die Zahl der dort lebenden Fregattvögel nimmt erstaunlich schnell wieder zu.

Die Wucht des Hurrikans und auch das Schließen der durch ihn verursachten Wunden werden deutlich an diesem (gefüllten) Seecontainer, den Irma rund zwei Meilen durch die Luft schleuderte und der heute fast schon von Magroven überwuchert ist.

Etwas weiter zeigen sich dann auch die Fregattvögel. In der Balz versuchen die geschlechtsreifen Männchen die Weibchen durch Aufblasen ihres roten Kehlsacks zu beeindrucken.

Eigentlich ist die Zeit dafür schon vorbei, längst hocken bereits flaumige, gar nicht mehr kleine Federknäuel in den Mangrovennestern. Aber die übrig gebliebenen Junggesellen werfen sich trotzdem noch mächtig in Schale, aus der Entfernung wirkt es gelegentlich, als seien Luftballons 🎈 in den Büschen hängen geblieben.

Fregattvögel sind riesig, ihre Flügelspannweite kann über 2,40 m erreichen. Dabei sind sie im Verhältnis zu ihrer Größe die leichtesten Vögel überhaupt. Ihre Beute fangen sie im Flug, wobei sie – wenn sie selbst jagen – selten mehr als mit dem Schnabel oder höchstens Kopf ins Wasser tauchen. Mit gutem Grund: ihr Gefieder ist nur unzureichend wasserdicht. Sind sie zu lange im Wasser saugt es sich voll und sie können kaum noch starten. Auch das sehen wir auf unserer Exkursion, wobei das Wiederaufsteigen in die Lüfte dann doch noch klappt, aber erst nachdem unser Guide schon begonnen hat, zu einem Rettungsversuch anzusetzen.

Der fast ausgewachsene, aber noch nicht geschlechtsreife Jungvogel (erkennbar am weißen Kopf) hat große Mühe wieder in die Luft zu kommen.

Der Name Fregattvögel kommt übrigens von einer weiteren Eigenart bei der Nahrungsbeschaffung, die an die Überfälle der Kriegsschiffe erinnern mag. Die sehr wendigen Fregattvögel bedrängen andere Vögel im Flug so sehr, bis diese ihre eigene Beute fallen lassen, die der Fregattvogel dann dann oft noch im Flug auffängt.

Am Tag nach dieser für uns eindrucksvollen Exkursion segeln wir wieder nach Süden, zurück in den Westen von Antigua nach Jolly Harbor. Der Grund hierfür ist vorrangig, dass wir zum einen die weitere Entwicklung in Sachen Corona von einem Ort mit guter Versorgungslage beobachten wollen. Das betrifft einerseits den Proviant: wir sind gut ausgerüstet, stocken aber vor allem noch frische Lebensmittel wie Milch, Käse, Obst und Gemüse auf. Zum Anderen ist unsere in Spanien gekaufte 11kg-Gasflasche jetzt doch mal leer. Wir haben zwar noch eine griechische 10 kg-Flasche in Reserve, aber der notwendige „Adapter # 2“ (zwischen deutschem Druckminderer und griechischer Flasche ist nicht auffindbar. Grrr. Wir hatten ihn ausgeliehen, glauben aber eigentlich ihn wiederbekommen zu haben. Nur ist er jedenfalls nicht da, wo wir bisher überall gesucht haben. Kochen können wir trotzdem: erstmalig kommt unser Backup, eine elektrische Induktionskochplatte zum Einsatz und bewährt sich dabei gut, wobei sie allerdings über den Inverter betrieben mächtig viel Strom aus unseren Batterien saugt, wenn wir nicht nur unseren Morgenmokka zubereiten.

Der Törn hinunter nach Jolly Harbor bietet uns 30 sm wunderschönes Segeln und zwei dicke Überraschungen: erst fange ich an einem Köder zwei Jackfische gleichzeitig (und danach nur noch Sargassum).

Und dann besucht uns ein Wal. Er taucht nur 5 m neben der Flora auf, erfreut und erschreckt uns etwas mit seinem Blas, lässt sich dann aber zurückfallen und zeigt sich hinter uns noch zwei weitere Male. Er ist groß, aber wir können die Art nicht sicher bestimmen 😔. Kann jemand aushelfen?

Und wie geht’s weiter? In Antigua & Barbuda sind bisher die Geschäfte weiter geöffnet, es gibt (noch?) keine Ausgangssperre, der Supermarkt ist gut sortiert und ohne größere Regallücken. Es gibt einen Budget-Marine (Yachtausrüster), wir können also auch gut am Boot basteln. Internetempfang ist in Ordnung, was unserem gesteigerten Informationsbedürfnis in Corona-Zeiten sehr entgegenkommt und uns auch über WhatsApp-Telefonate mit den Lieben daheim und unseren Freunden in anderen Teilen der Welt verbindet. Hier bleiben wir erstmal ein bisschen und vielleicht (wenn das dann noch möglich sein sollte) verholen wir uns nach einiger Zeit wieder in eine ruhigere Ankerbucht. Menschenansammlungen, wie wir sie noch vor einer Woche auf Shirley Heights in English Harbor hatten, würden wir jetzt eher meiden. In kleinem Rahmen bleiben wir aber in Kontakt mit den befreundeten Seglern anderer Boote. Unabhängig von den jeweiligen ursprünglichen Plänen sind wir alle konfrontiert mit der Pandemie und ihren noch immer unklaren Auswirkungen, der Ungewissheit, welche Reisewege bis zum Beginn der Hurrikansaison wieder offen sein werden oder versperrt bleiben, vor allem aber Sorge um die Angehörigen und Freunde daheim. Bleibt gesund!

Macht das Beste draus!

Den Tip haben wir jetzt schon ein paar Mal bekommen und wir versuchen ihn zu befolgen. Ja, die Auswirkungen des Corona-Virus bzw. der Maßnahmen zu seiner Eindämmung sind inzwischen praktisch überall auf der Welt spürbar. Reisebeschränkungen betreffen auch die Karibik, alle Boote um uns herum sind irgendwie betroffen. Können sie ihre Pläne für die Hurrikansaison noch umsetzen und falls nicht, welche Alternativen gibt es? Oder: die Azoren haben dicht gemacht, wie bekommt man jetzt sein Boot am Ende des Sabbatjahrs wieder nach Europa? Geplante Heimflüge können nicht stattfinden oder die Familie sagt einem deutlich, das man nach der Flugreise und der Ansteckungsgefahr auf den großen Flughäfen die Großeltern oder Eltern nicht besuchen darf. All das ist Gegenstand des sonst so lockeren und unbeschwerten Schnacks auf der Dinghyrunde bei den Nachbarbooten. Sollte man die überhaupt noch machen? Oder lieber freiwillige Quarantäne zur Verminderung der Ansteckungsgefahr? Muss letztlich jeder für sich entscheiden. Für heute war unsere Entscheidung: Beach-BBQ mit den Crews zweier befreundeter Booten und dreier weiterer Langfahrtboote hier am Traumstrand von Barbuda.

Genau, wir sind in Barbuda, am Cocoa Point Anchorage. Nur eine Nacht waren wir auf dem auch schon wunderschönen Ankerplatz direkt hinterm Riff in der Nonsuch Bay auf Antigua, dann lockte uns die Windsituation hierher etwas weiter nach Norden, tatsächlich wurde es ein wunderschöner Segeltag, überwiegend unter Code0.

Nonsuch Bay, Antigua. Rechts Green Island und geradeaus das Riff, dann weiter hinterm Horizont viel Wasser und dann irgendwann Afrika.

Hier auf Barbuda haben wir die Crews der Amalia of London und der Ariel IV wiedergetroffen, mit denen wir den Jahreswechsel in den Tobago Cays gefeiert hatten.

Mit Steve von der Amalia hatte ich mich gestern beim selbstgemachte Bananenkuchen auf der Amalia gleich zu einem Spaß-Event verabredet, den wir heute früh umgesetzt haben: Wakeboarden auf seinem Kiteboard hinter unserem Dinghy. Nach ein paar Versuchen hat Steve es hinter der mit 20 PS gut motorisierten Florecita hinbekommen, ich war bei meinen Versuchen am Ende ziemlich nah dran. Sehe ich als Motivation für morgen 😉.

Heute Abend dann das BBQ in der Strandbar „SHACK-A-KAÏ“. Wobei: Inoch, der Besitzer, möchte sich um das Essen nicht kümmern, er hat für heute keine Lobster bekommen. Er feuert einfach (kostenlos) für uns den Grill an, den wir dann mit Mitgebrachtem nutzen können, die Getränke sollen wir dann halt bei ihm kaufen. Die Preise sind fair.

Der Australier Wayne von der „Hope“ bringt ein Beachvolleyball-Set mit, dass wir auf dem wunderbar hellen feinen Sandstrand aufbauen und los geht’s.

Und nicht nur Besitzer Inoch, auch seine Strandbar (hier ist der Name wörtlich zu nehmen) ist cool und relaxed:

Barbie (Hope), Wiebke (Flora), Helena (Amalia)