Flora im Vulkan!

Schon eine Woche sind wir in und auf Hawai‘i, langsam wird es Zeit sich auch um die anderen Inseln des Archipels zu kümmern. Also lichten wir den Anker und segeln Richtung Maui. Es ist ein Übernacht-Törn, etwa 100 sm. Mittags geht es los, mit kräftigem raumen bis achterlichen Wind brausen wir an der Nordostküste von Big Island entlang. Über dem Land hängen dichte fast bis zum Meer hinunter, lediglich die Steilküste mit unzähligen über sie hinabstürzenden Wasserfällen und den tiefen Taleinschnitten können wir ausmachen.

Der ungewöhnliche Südwind schiebt uns schnell hinauf in den Alenuihaha-Channel zwischen Big Island und Maui und er sorgt dafür, dass wir in diesem Kanal heute nicht die gefürchteten Starkwinde der Acceleration Zone zwischen den hohen Vulkanbergen erleben. Stattdessen haben wir ab Mitternacht wie vorhergesagt Flaute und motoren durch den Rest der Nacht.

Zum Sonnenaufgang zeigen sich eine hell strahlende Venus und ein durch die niedrige Wolkendecke hindurchstoßender Vulkan auf Maui.

Wie geplant erreichen wir die Ankerbucht “La Perouse Bay” im Hellen. Bloß, die vorgefundenen Bedingungen sprechen ziemlich deutlich gegen sie. Ein hässlich hoher Schwell aus Südwest steht genau in die Bucht hinein und lässt die Gischt an der steinigen Küste hoch aufspritzen. Wir drehen ab und laufen etwa 5 sm weiter zur Insel Molokini. Schon der Blick auf die Seekarte macht deutlich, dass es sich dabei um die Reste des Kraterrandes eines Vulkans handelt.

Die Smiley-Insel Molokini 😀

Halbkreisförmig und nach Süden geschlossen sollte der Schutz bei den aktuellen Bedingungen gut sein. Ankern dürfen wir dort zwar nicht, aber es sind reichlich Bojen ausgebracht. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Als wir in den Krater einfahren, sind schon einige Tauch- und Schnorchelboote da, es ist aber noch genug Platz vorhanden. Wir haben sogar das große Privileg, eine der nur zwei an der Wasseroberfläche befindlichen Bojen zu bekommen.

Ernsthaft, alle anderen Bojen sind von der Naturschutzbehörde drei Meter tief unter der Wasseroberfläche angebracht. In den offiziellen Anweisungen steht, ein Crewmitglied solle ins Wasser springen und tauchend die Leine durch die Öse der Boje fädeln. Die Touristenboote voller Schnorchler machen es auch genau so.

😮

Na gut, wenn hier schon so viele Schnorchler sind, wird es ja wohl was zu sehen geben. Das Wasser ist jedenfalls kristallklar, wir können den Korallengrund in 20 m Tiefe von Bord aus sehen und auch schon einige Fische an Floras Rumpf.

Dann mal rein und … Aquarium, vor allem näher am Ufer!

Kihikihi (Moorish Idol)
Witwen-Drückerfisch (mit gelber Brustflosse und weiß-rosa Schwanzflosse
Papageifisch und Zitronenenflossen-Doktorfische
Kihikihi und ein Schwarm Orangerücken-Einhornfische
Dunkle Drückerfische im Schwarm
Orangenstreifen-Falterfisch und Schwarzer Doktorfisch

Danach halten wir erst mal Mittagsschlaf. Als wir wieder aufstehen, wartet die nächste Überraschung auf uns: wir haben die ganze Caldera dieses lange erloschenen Vulkans für uns allein. Erstaunlicherweise bleibt auch es auch fast den ganzen Nachmittag so. Das Wetter ist etwas bedeckt, aber hey, was für ein magischer Ort!

Aloha.

Bildernachträge Passage Panama nach Galapagos

Wir sind da. 😊

Also angekommen auf den Galápagos-Inseln, einklariert noch nicht. Das kommt hoffentlich morgen früh, aber es scheint eine größere Aktion zu werden. Hoffen wir mal, das alles glatt geht.

Unser Internet ist noch ein bisschen mau, aber der Agent hat eine SIM-Karte vorbeigebracht, netter Emfangsservice.

Hier erst mal die versprochenen Bildernachträge zu den Blogbeiträgen der Passage. Viel blau, viele Tiere, ein bisschen grau, viel Boot, ganz viel Freude bei uns. Kriegt ihr die Bilder mit den Blogposts überein?

Und ja. Wir sind auf Galapagos. 🥂

Bildernachträge Passage Panama nach Galapagos

Wir sind da. 😊

Also angekommen auf den Galápagos-Inseln, einklariert noch nicht. Das kommt hoffentlich morgen früh, aber es scheint eine größere Aktion zu werden. Hoffen wir mal, das alles glatt geht.

Unser Internet ist noch ein bisschen mau, aber der Agent hat eine SIM-Karte vorbeigebracht, netter Emfangsservice.

Hier erst mal die versprochenen Bildernachträge zu den Blogbeiträgen der Passage. Viel blau, viele Tiere, ein bisschen grau, viel Boot, ganz viel Freude bei uns. Kriegt ihr die Bilder mit den Blogposts überein?

Brown Boobie
Rauchschwalbe
Nazca Boobie
Red footed Boobie
schuldbewusst?
matured at sea / gereift auf See

Und ja. Wir sind auf Galapagos. 🥂

Ausklariert in Panama. Stiller Ozean.

Wir klarieren aus Panama aus, es wird ernst. Auf dem Zarpe steht „con destino a GALAPAGOS ISLANDS, ECUADOR“. Also gut.

Nach dem Papierkram noch kurz letzte Einkäufe und noch einmal Müll wegbringen, beides wird für die nächste Zeit etwas komplizierter. 😉
Einmal mehr laufen mir dabei Krabbenwaschbären über den Weg, Die hatten wir vorher noch nirgends gesehen, aber hier in der Playita Marina sind sie auch tagsüber ziemlich aktiv.

Gegen Mittag gehts dann wirklich los, raus auf den Pazifik. Den (dem Namen nach) Stillen Ozean, der zugleich das größte der Weltmeere ist. Trotzdem wird es erst einmal nur ein kurzer Nachmittagstörn von 35 sm, hinüber zu den vorgelagerten noch zu Panama gehörenden „Las Perlas“-Inseln. Ganz legal, das Zarpe verlangt eine Ausreise erst in den
nächsten 48 Stunden.

Und wie als Gruß aus unserer Heimatstadt für diesen neuen Abschnitt unserer Reise kommt bei unserer Abfahrt ein Containerschiff der Hamburg Süd aus dem Panamakanal und dampft an uns vorbei.

Auch wir müssen erst ein gutes Stück vom Festland weg motoren, bis wir ausreichend Wind finden. Dann aber ist es herrliches Segeln auf glattem Wasser, erst Code0, dann Gennaker.

Am Ende noch der Wechsel auf die Fock, weil der Wind abnimmt und immer mehr von vorn kommt. Nur kurz, dann muss doch der Motor
ran, zumal die Sonne schon ganz schön tief steht.

Hunderte Pelikane ziehen an uns vorbei ebenfalls zu den Las Perlas, wie an der (Perlen-?)Schnur gezogen in langen Reihen, meist dicht über dem Wasser, manchmal auch ungewohnt hoch. Zweimal sehen wir jeweils über 50 Pelikane im Formationsflug hintereinander.

Kurz vor der Ankunft am Ankerplatz vor der Insel Contadora dann auch noch Angelerfolg, ein schöner Skipjack Tuna (Echter Bonito) geht uns an den Haken. Der erste Segeltag auf dem Stillen Ozean verwöhnt uns wirklich.

Fremdsegeln in den Lemon Cays. Was Einbäume so alles können!

Einbaum-Kanus sind uns hier in Panama bisher häufig begegnet. Schon bei der Einfahrt nach Bocas del Toro hatten wir Fischer in diesen traditionellen Booten gesehen, an den Ankerplätzen dort gehörten sie zum vertrauten Bild. Gelegentlich kam einer zur Flora, bot z.B. selbstgefangene Krebse an.

Hier in Guna Yala scheinen die langen, schlanken und tatsächlich aus einem ausgehöhlten Baum gefertigten Kanus sogar noch häufiger zu sein. Ganze Kuna-Familien sind in ihnen unterwegs. Schon mehrfach kam ein Kanu angepaddelt und wir wurden gebeten, ob wir die Handys der Insassen laden könnten. Machen wir natürlich gerne, Solar und Wind geben uns reichlich Strom und der ist auf diesen kleinen Inseln hier echte Mangelware, Solarpanele oder gar Windgeneratoren können sich die Kuna zumeist schlicht nicht leisten.

Die Einbäume werden in der Regel mit aus Brettern geschnittenen, manchmal mit Schnitzereien verzierten Paddeln bewegt, in Flachwasserbereichen mit einer ebenfalls hölzernen Stange gestakt. Und wenn der Wind es zulässt, werden sie auch gesegelt.

Zumeist wird ein kleines Vorsegel und ein deutlich größeres Sprietsegel am unverstagten, Mast gefahren, der einfach durch ein Loch in ein eingeklemmtes Brett gesteckt wird. Gesteuert wird mit einem nur von Hand gegen die Bordwand gedrückten Paddel. Beeindruckend, dass das mit den schmalen kippeligen und bauartbedingt fast kiellosen Kanus überhaupt möglich ist.

Wir haben den Liegeplatz gewechselt, ein paar Meilen weiter in die Lemon Cays verholt. Ein Wirrwarr kleiner palmenbestandener Inselchen mit Riffen drumherum und dazwischen. Als wir uns auf Nuinudup (Dup heißt Insel auf Kuna) die Beine vertreten, kommt Justino mit seinem Sohn Fredi mit dem von Justino selbstgebauten Ulu (=Kanu auf Kuna) angepaddelt. Die beiden laden gerade ihre Handys auf der Flora. Justino fragt auf spanisch „Ein bisschen Spielen?“ und baut bei den etwa zwanzig Knoten Wind den Mast auf. Und er zeigt uns stolz sein buntes Segel, dass ihm ein amerikanischer Freund geschenkt hat „Ulu Sail Project“ und der Name der Sponsoryacht sind mit Edding darauf vermerkt.

Und schon sausen sie los, einmal quer über den Ankerplatz hinüber nach Banedup und wieder zurück.

Wir scherzen noch, dass Wiebkes Outfit gut zum Segel passt, da kommt auch schon die Frage, ob wir mal mitsegeln wollen? Na klar. Einzeln, ok. Und los gehts, für mich als Passagier zumindest bei Wende oder Halse mehr liegend als sitzend aber immer mit tollem Blick auf die Action:

Bei dem Wind ist das Ulu sportlich unterwegs. Und Justino ist sozusagen gleichzeitig das lebendige Want (das den Mast seitlich stützt und aufrecht hält) und zugleich das Ausreitgewicht, das für die Balance des Kanus sorgt. Fredi steuert und bedient gelegentlich die Großschot. Beide haben sichtlich Spaß.

Den habe ich auch. Und nach mir Wiebke 😁.

Was für eine Gaudi. Und ja, selbstverständlich bekommen die beiden von uns später einige Dollar für dieses Spektakel zugesteckt. Sie können es gut gebrauchen, ebenso wie ein paar unserer ausgetauschten und als Ersatz immer noch mitgeführten Leinen, Stifte und Papier. Für die Kuna auf den kleinen Inseln ist eigentlich alles knapp.

Was für ein Tag.

Pura Vida.

Passage nach Panama 🇵🇦

Geschafft. Wir sind in Bocas des Toro in Panama angekommen, etwas über eine Woche nach der Abfahrt in Mexiko, exakt eine Woche, wenn wir den Pausentag an der Isla de Providencia heraus rechnen. Gut 1.000 sm haben wir dabei zurück gelegt. Und wie war nun das letzte Stück? Herrlich!

Bei der Abfahrt von unserem kolumbianischen Zwischenstopp pfeift es mit 20 kn. Wir binden (rollen!) das zweite Reff ins Groß und nehmen die Fock dazu. Trotz der etwa 1,5 m Welle kommen wir gut und auch ziemlich komfortabel voran. Zumal Wind und Welle abnehmen und der scheinbare Wind zwischen halb und raum pendelt (von der Seite bis schräg von hinten). Wir lassen das Groß im zweiten Reff, obwohl das jetzt nicht mehr nötig wäre. Sonst wären wir einfach zu schnell und würden im Dunkeln in Panama ankommen 😁. Da können wir auch mal wieder die Drohne fliegen:

Was auf den Drohnenbildern gut zu sehen ist: auf der der Sonne zugewandten Seite haben wir die Shades heruntergerollt. Die hatten wir uns erst in Herrington für unser Bimini machen lassen, das hätten wir schon viel früher ergänzen sollen. Das Netzgewebe (80er Mesh) lässt genug Luft und Licht durch, bietet aber gleichzeitig Schutz vor der gleitenden Sonne der Tropen. Die einzelnen Teile werden mit einem Reißverschluss mit dem Bimini verbunden und können nach unten zu den Befestigungspunkten der Kuchenbude abgespannt werden. Das funktioniert selbst unter Segeln. Wenn kein schweres Wetter zu erwarten ist, lassen wir sie einfach verbunden und rollen sie nur nach Bedarf hoch und runter. Wir möchten sie nicht mehr missen.

Das ruhige Segeln hat noch einen weiteren Vorteil, denn das Angeln funktioniert besser. Nach den drei (kleinen) Schwarzflossenthunfischen im ersten Teil der Passage gehen uns diesmal zwei schöne Mahi Mahi an den Haken, einmal 80 cm und einmal gut über einen Meter lang:

Das ist klasse, denn der Fisch mit den vielen verschiedenen Namen ist super lecker und zudem auch noch angenehm leicht zu filetieren. Wir nennen ihn meist Mahi, denn mit dem Delfin ist er natürlich nicht verwandt und geschmacklich spielt er in einer anderen Liga als das, was wir gemeinhin unter Makrele verstehen.

Heute bei uns zum Beispiel in Butter-Zitronensoße auf Apfel-Lauch-Chili-Gnocchi 😋

Ja, ok, das letzte Stück bis zur Ansteuerungstonne Boca del Drago vor den Bocas del Torro müssen wir durch die Nacht motoren, aber damit können wir die Ankunftszeit auch perfekt timen.

Wir wissen eigentlich nicht so genau, was uns in Panama erwartet. Und so sind wir positiv überrascht von der herrlichen Einfahrt in die weitverzweigte Buchtenlandschaft. Die sich hier auf gut drei Meter Höhe aufsteilende Dünung schiebt uns hinein in die breite und gut betonnte Mündung und kurz danach: Ententeich. Glattes Wasser. Im Morgendunst schichten sich die Staffelung der (unerwartet hohen und steilen) Hügelketten malerisch von Grün nach Blau.

Fischer paddeln in Kanus, als wir näher zum Ort kommen brausen dann auch zunehmend Lanchas unter Motor vorbei.Wir sind gut angekommen. Es fühlt sich richtig an, hier zu sein. 😁

Pura Vida.

Angekommen auf Isla de Providencia

Wir sind in Kolumbien 🇨🇴. Irgendwie. Andererseits auch wieder nicht, denn wir haben nicht einklariert, liegen hier nur vor Anker, die gelbe Q-Flagge unter der Steuerbordsaling. Auf Funk hat niemand reagiert, auch der designierte Agent nicht, der auch auf unsere Email nicht geantwortet hat. An Land dürfen wir erst, wenn wir einen PCR-Test vorlegen, der nicht älter als drei Tage ist. Das wird wohl nichts. Man kann auch in Kolumbien einen PCR-Test machen (dazu kommt wohl die Gesundheitsbehörde an Bord), bis zum Vorliegen des Ergebnisses dann Quarantäne an Bord. Wenn hier keiner auf unsere Kontaktversuche reagiert, kommt das wohl auch nicht in Frage. Macht aber nichts, wir erholen uns hier eine Nacht, schlafen aus, genießen den Ankerplatz als Zwischenstopp, und dann gehts weiter Richtung Panama 😁

Schön ist es trotzdem hier. Als wir gegen 15.00 in die malerische Ankerbucht einlaufen, haben wir in den fünf Tagen und 6 Stunden insgesamt 760 sm zurückgelegt. Grün und gebirgig hebt sich die Isla de Providencia aus dem Meer.

Der Naturhafen diente dem Freibeuter (und spätere Vizegouverneur des englischen Jamaika) Henry Morgan als eines seiner vielen Verstecke, von hier organisierte er die Überfälle auf Panama.

Im bunten Mix der Bebauung kann man bei genauerem Hinsehen noch deutlich die Spuren des 2020er Hurrikans Iota erkennen, aber auch die fortschreitenden Wiederaufbauarbeiten.

Dann jetzt die Bilder zu den vorherigen (Satelliten-)Blogbeiträgen:

Steve, Paula und Helena werfen unsere Leinen in Mexico los.
Irgendwie falsch, Sonnenuntergänge hinter uns …
Und Sonnenaufgänge vor uns. Aber zunächst mal segeln wir ja tatsächlich nach Osten.

Überhaupt, “Segeln”. Auf diesem Törn lief knapp ein Drittel der Strecke der Motor, wenn auch zum Teil nur zur Unterstützung. Die windarmen Teilstrecken hatten aber auch ihre Vorteile. Wir lieben das Baden im tiefen Blau!

Kuchenbacken ist sonst auch schwieriger 😉

Nicht zuletzt stellte sich auch unser zum frischen Sushi erforderliche Angelerfolg unter Motor ein.

Und immerhin sind wir ja die anderen zwei Drittel hierher gesegelt.

Pura Vida.

Bürokratie und Unterwelt

Mit dem TIP stand ja noch eine weitere Formalität aus, obwohl wir bereits einklariert sind. In Mexiko ist es nämlich so, dass wir für das Boot eine “temporäre Importbewilligung” benötigen (auf Englisch: Temporary Import Permit), wenn Flora denn länger als 14 Tage im Land bleiben soll. Wir sind vorgewarnt, was den formalen Aufwand angeht. Originale und Kopien von allen Papieren der Einklarierung und des Reisepasses, ein frei formuliertes Antragsschreiben (auf Spanisch), das idealerweise auch Angaben zur Motornummer unseres Bootsdiesels sowie ein Foto des Schiffes und der Motornummer beinhalten soll, Außerdem einen Eigentumsnachweis für das Dinghy, auch hier möglichst mit Dinghynummer und Außenbordmotornummer. Das wurde jedenfalls bei einem befreundeten Boot verlangt, die hatten es nicht mit und mussten einen neuen Termin machen. Haben wir alles gemacht, die Kopien in der beim Einklarieren bewährten Weise als auf dem Borddrucker ausgedrucktes Handyfoto.

Dann telefonisch (zwischen 13.00 und 13.30!) einen Termin vereinbaren, mit der Fähre nach Cancún fahren, zum Büro der dortigen Capitanía gehen. Ich bin zu früh, muss warten, obwohl sonst niemand da ist. Aber Termin ist Termin, ist ja auch o.k.

Auch bei uns die Frage nach dem Dinghy, die wir aber ja parieren können. Dann aber: die Kopien gefallen ihr nicht. Es sei zwar alles erkennbar, aber wenn sie das jetzt kopieren und weiterschicken würde, könnten Informationen verloren gehen. So ginge das nicht. Außerdem sei das Papier der Kopien zu groß (es ist DIN A4), das passt nicht in ihre Akten. Es müsste gut einen Zentimeter kürzer sein. Wir diskutieren. Ich bitte um eine Schere. Nein, hat sie nicht. Außerdem würden dann Informationen verloren gehen. Nein, nur Rand.

Am Ende reißt sie mit angelegtem Lineal von jeder Kopie ein Stückchen weg, ich bezahle meine 60 US$ Gebühr und bekomme mein Temporary Import Permit.

Puuuh. 😳

Jetzt dürfen wir uns mit Flora frei in Mexiko bewegen. Flora dürfte sogar bis zu 10 Jahre hier bleiben. Soll sie aber nicht. Wir feiern ein bisschen mit den Crews der Freydis (brauchte mehrere Anläufe fürs TIP) und der Amalia (TIP steht noch aus).

Und dann trennen sich leider unsere Wege mal wieder, denn wir wollen mit unserer Crew bei dem günstigen Wind etwas weiter nach Süden segeln.

Es wird ein schöner, flotter Törn nach Puerto Morelos, wir machen in der El Cid Marina fest. Und auch Fest, Silvester an Bord 🎆, so schön, dass die beiden da sind.

Neujahr gehts mit dem Mietwagen zu unserer erste Cenote. Hier im Norden der Halbinsel Yucatan gibt es unzählige Cenotes. Im Grunde sind sie ganz eng verwandt mit den Blue Holes, die uns in den Bahamas so fasziniert haben.

Die Cenotes hier sind ebenfalls ausgewaschene Karsthöhlen, oft unterirdisch zu weitreichenden Wassersystemen verbunden, mit Öffnungen in der Höhlendecke, die oft als Einstieg dienen. Die von uns besuchte „7 Bocas“ hat gleich sieben Öffnungen, die meisten klein, eine aber mit etwa 20 m Durchmesser. Die Cenote soll 150 m tief gehen, hineinspringen vom Rand ist erlaubt (und einer von uns macht das auch 😉). Das Gefühl ist schon sehr besonders, in das dunkle Loch der Cenote hinunterzusteigen und dann in das von unten (über die unterseeische Verbindung zum großen Loch) mystisch blau leuchtende Süßwasser zu gleiten.

Manche der Höhlen sind luftig, andere lassen nur wenig Luft über unseren Köpfen. Zwei der sieben Höhlen sind sogar nur für (Geräte-)Taucher erreichbar, die lassen wir heute aus.

(Photo Credit Jan)
(Photo Credit Jan)

Faszinierend ist aber auch der Blick unter Wasser, wo sich die größeren Stalaktiten von der Höhlendecke weiter fortsetzen.

Oder auch der Blick in die andere Richtung, nach oben zu einer der sieben „Bocas“, also Öffnungen, wörtlich übersetzt aber „Münder“.

Die Mayas übrigens verehrten die Cenotes als heilige Quellen, nutzten sie als Trinkwasserbrunnen. Sie sahen in ihnen aber zugleich auch Eingänge zum Sitz der Götter der Unterwelt und verwendeten sie auch als religiöse Opferstätten.

Mit den „7 Bocas“ haben wir ein glückliches Händchen. Jedenfalls heute am Neujahrstag ist sie ganz überwiegend von Mexikanern besucht, Familien mit jung und alt haben sich ein Picknick mitgebracht und genießen den allerdings auch etwas abgelegenen Ort, der aber eben extra Picknickstellen mit palmgedeckten offenen Hütten bietet und an dem sich keine Massen durchschieben.

Splash. Und Pura Vida.

Drittes Weihnachten unterwegs und wie soll es weitergehen?

2021 also Weihnachten in Mexiko. Nach Bequia Weihnachten 2019 und Barbuda Weihnachten 2020. Ziemlich genau zweieinhalb Jahre leben wir jetzt auf der Flora, seit dem 25. Juni 2019.

18.692 Nautische Meilen haben wir dabei mit der Flora zurückgelegt, das entspricht 34.617 Kilometern. Einige Kringel haben wir in der Karibik und in den USA gedreht, 20 Länder bzw. Regionen besucht (wobei man da je nach Definition auch ein paar mehr oder weniger zählen könnte, wer mag, kann ja die Flaggen mal zuordnen).

🇬🇷 🇮🇹 🇪🇸 🇵🇹 🇮🇨 🇨🇻 🇻🇨 🇬🇩 🇱🇨 🇲🇶 🇩🇲 🇬🇵 🇦🇬 🇻🇮 🇺🇸 🇸🇽 🇵🇷 🇩🇴 🇧🇸 🇲🇽

Stellvertretend und doch so unvollständig ein paar ganz besonders einprägsame der unfassbar vielen Highlights aus diesem Jahr:

Culebrita in Puerto Rico

Wale in der Samana Bay, Dominikanische Republik

Blue Holes in den Ragged Islands

und überhaupt das gemeinsame Cruisen mit anderen Seglern in den Bahamas,

Menschen, Menschen, Menschen, davon viele, aber eben nicht nur, Segler,

Segeln, Segeln Segeln

und wunderbare Naturerlebnisse.

Reisemüde sind wir jedenfalls nicht, für die nächste Zeit haben wir uns einiges vorgenommen. Allerdings, mit der Planung ist das ja so eine Sache, nicht nur in COVID-Zeiten.

„Man plans and God laughs“ heißt es, zurückgehend auf das jiddische Sprichwort „Mann Tracht Un Gott Lacht“. Auch wenn es denn für göttliche Erheiterung sorgt, unsere Idee für den Pazifik konkretisiert sich langsam.

Dabei fassen wir fürs erste den nordöstlichen Pazifik ins Auge, würden also gern im nächsten Frühjahr durch den Panamakanal und dann vielleicht über Hawaii zurück an die Küste des nordamerikanischen Kontinents, also eine Schleife im Nordostpazifik. Noch ein bisschen vage? Ja! Die Seestücke auf dieser Strecke wären ziemlich lang. Selbst auf der direkten Großkreisroute (die einen ausgedehnten Bereich mit schwachen Winden und Flauten erwarten lässt und deshalb meist nicht empfohlen wird) wären es von Panama bis Hawaii 4.530 nautische Meilen, mehr als doppelt so viele wie auf unserer Atlantiküberquerung von den Kapverden nach Bequia. Die empfohlenen Routen liegen bei etwa 5.000 sm. 🙄 und von Hawaii aus müsste man dann ja auch wieder ans Festland. Aber verlockend finden wir es schon ☺️.

Feliz Navidad aus Mexiko und

Pura Vida.

Passage Key West nach Mexico 2

Bisher verwöhnt uns die westliche Karibik. Zwar war zwischendurch etwa 24 Stunden der Motor an, aber bei spiegelglatter See und weiteren Delfinbesuchen, zudem einem schönen Sonnenuntergang und einem fast noch beeindruckenderen Aufgang des Vollmonds ist das leicht zu verschmerzen. Und dann folgt auch noch ein Halo um den Mond, wohl verursacht von Eiskristallen in großer Höhe.

Danach herrliches Code0-Segeln. Und wieder Delfine. 🤩

Wir entscheiden uns für einen direkteren als den zunächst geplanten Kurs und werden belohnt. Unter Code0 kreuzen wir zum zweiten mal den Golfstrom, diesmal schräg gegen ihn. So werden aus den 7 bis 8 Knoten durchs Wasser nur 4 bis 5 über Grund. Trotzdem nicht schlecht. Jetzt sind wir knapp 20 sm vor der südlichen Ansteuerung, scheinen soeben den Golfstrom verlassen zu haben. Der Wind frischt auf, wir wechseln auf die Fock.
Mal schauen, ob wir noch im letzten Büchsenlicht ankommen, der Ankerplatz wäre aber auch bei Dunkelheit anlaufbar. Mexiko, wir kommen.

Pura Vida.

Dieser Beitrag wird per Iridium-Satellit übermittelt, ist also (ursprünglich) wieder mal ohne Bilder. Es gibt aber welche 😉 die werden (wurden) nachgereicht.