Connecticut: Kulissenwechsel

Nur einmal kurz über den Sund gesegelt, schon gibt’s statt langer Sandstrände und Dünen felsige Granitinseln mit Holzhäusern drauf. Schärenlandschaft.

Dänemark 🇩🇰 nach Schweden 🇸🇪, Gilleleje nach Hallands Väderö, Anholt nach Öckerö? Ja, auch. So kannten wir das bisher. Jetzt lernen wir, das Gleiche gilt auch für New York 🇺🇸 nach Connecticut 🇺🇸, Long Island nach Thimble Islands.

Es ist, als hätte man im Theater einmal kurz geblinzelt und die Kulissenschieber hätten – schwupp – auf die nächste Szene, den nächsten Aufzug gewechselt.

Was die Thimble Islands (wörtlich übersetzt: Fingerhut-Inseln) von ihren schwedischen Verwandten unterscheidet: Landgang ist schwierig bzw. zumeist nicht gestattet. Die Inseln sind im Privatbesitz und die Schilder mit “No trespassing” allgegenwärtig. Macht uns aber nichts aus, wir sind froh, überhaupt nach Connecticut reisen zu können. Die obligatorische Anmeldung per Telefon bei der Coast & Border Patrol ist insofern spannend, als Connecticut gerade wegen Covid eine obligatorische zweiwöchige Quarantäne für die Einreise aus diversen anderen Bundesstaaten verkündet hat. Darunter ist Maryland wo wir ja vor weniger als zwei Wochen noch waren. Andererseits, jetzt kommen wir aus New York State. Wie auch immer, wir haben jedenfalls keinerlei Problem.

Und so schlängeln wir uns zwischen halbüberspülten Felsbrocken und Inselchen hindurch an eine der Stellen, die wir als Ankerplatz ausgemacht haben. der Revierführer strotzt nur so vor “Caution!”, aber die Einfahrt ist gut betont und nicht allzu schwierig. Die Wahl des Ankerplatzes ist allerdings wegen einiger auf dem Grund liegender Kabel und wegen der vielen privaten Bojen etwas knifflig. Wir finden einen Platz (wenn auch mit begrenztem Schwoiraum) und im zweiten Versuch hält der Anker in dem schlammigen, muscheldurchsetzten Grund.

Kurz darauf zeigt sich die amerikanische Gastfreundschaft. Ein Motorboot löst sich von einer Mooring und kommt bei uns vorbei. Der Skipper informiert uns über am Abend zu erwartende heftige “Thunderstorms” (Gewitterböen) und bietet uns an, an die von ihm freigemachte kräftige Mooring zu gehen, die seinem Verein gehört. Machen wir.

Endlich ist das Wasser auch wieder klarer. Ich schwimme ausgiebig, auch wenn der Einstieg bei einer Wassertemperatur von 24 Grad uns nach der Karibikverwöhnung frisch erscheint 😉.

Zum Abendessen gibt’s auf der Überfahrt frisch gefangenen Bluefish (Blaubarsch). Danach kommt George von der neben uns an der Boje liegenden Saber 38 herüber und versorgt uns mit Tips für die Gegend, sowohl was Ziele angeht als auch hinsichtlich der Tidennavigation hier, die mit rund zwei Meter Tidenhub und kräftigen Strömungen in den Engstellen nicht ganz ohne ist.

Lange bleiben kann George nicht, dass Gewitter ist tatsächlich schon im Anmarsch, wird dann aber nicht so schlimm wie befürchtet. Trotzdem sind wir froh, an die Mooring gewechselt zu haben, um die herum Flora in den Böen bei wechselnden Strömungen einige Pirouetten dreht.

New York: Jetzt aber richtig

Nachdem gestern Abend ja erstmal die Ankunft gefeiert wurde, jetzt noch mal deutlich ausführlicher:

Wir sind superfroh, angesichts der Regenfront erst mal nach Sandy Hook abgelaufen zu sein und dafür dann am nächsten Tag bei Kaiserwetter in den Hafen von New York einzulaufen.

Dafür müssen wir uns zunächst mal durch die vielen Muschelfischer in der Sandy Hook Bay hindurchschlängeln, die mit speziellen Metallkäschern an langen Stangen und offenbar harter körperlicher Arbeit die Muschelbänke abernten. Mit pumpenden Bewegungen von Oberkörper und Armen am T-förmigen Griff wird das Gerät über den Grund gezogen und dann ins Boot geleert.

Ein Stück weiter Richtung NY sind es dann unzählige Angelboote, die uns zur Slalomfahrt nötigen. Der Fischreichtum zeigt sich aber auch in den an der Oberfläche springenden Schwarmfischen (wir vermuten Menhaden) und den vielen Delfinen in der Bucht.

Dann geht’s unter der Staten Island und Brooklyn verbindenden Verrazano-Narrows-Bridge hindurch in den Hafen von New York. Und ja, es ist ein äußerst lebendiger Hafen, mit Großschifffahrt, Schubverbänden, viel Fährverkehr, Frachtern auf Reede, geparkten Schuten, jeder Menge kreuzender oder abzweigender Fahrwasser mit entsprechender Betonnung, mehreren einmündenden Flüssen, dazu regem Sportbootverkehr und erstaunlich vielen Jetskis. Dazu reichlich Polizei- und Coastguardboote und – um die Wuselei komplett zu machen – diversen tieffliegenden Hubschraubern. Trotzdem beschert uns Covid einen mutmaßlich wesentlich ruhigeren Hafen als sonst üblich. Kreuzfahrer fehlen komplett, ebenso die Besucherboote für Liberty Island 🗽 und Ellis Island. Das macht sich für uns um so mehr bemerkbar, als wir ja genau zwischen diesen beiden Inseln ankern.

Das allerdings erst, nachdem wir gleich bei unserer Ankunft mit der SY Escape ein gegenseitiges Fotoshooting unserer Boote unter Segeln vorgenommen haben. Annemarie und Volker wollen nämlich gerade aufbrechen, schade, aber immerhin passt es perfekt und wir werden uns hoffentlich schon bald im Long Island Sound wiedersehen. Aber dadurch haben wir diese tollen Fotos der Flora bekommen (und sie auch ein paar ganz gute der Escape 😉):

Das anschließende Feiern hält uns aber nicht davon ab, noch ein paar Abend- und Nachtfotos der Kulisse an unserem Ankerplatz zu machen:

Und weil ich mich nicht sattsehen kann, gleich noch ein paar frühe Fotos von heute morgen (“The City never sleeps!) vor und zum Sonnenaufgang über Manhattan:

New York

Angekommen im “Big Apple”, auf eigenem Kiel. Wir ankern direkt an der Freiheitsstatue mit Blick auf die Skyline von Manhattan. Ein ausgewiesener offizieller Ankerplatz, nur 150 m Sicherheitsabstand zur Freiheitsstatue sind einzuhalten und man soll sich bei Traffic Control per UKW-Funk auf Kanal 12 anmelden. Haben wir gemacht und wurden willkommen geheißen. Wir sind das einzige Boot auf diesem Ankerplatz. Fühlt sich irre an.

Deshalb gibt’s auch nur ein paar schnelle Bilder, wir feiern jetzt nämlich erstmal 😁 🥂.

Andere Länder, andere Sitten

Wir segeln weiter die Chesapeake Bay hinauf und erkunden verschiedene Flüsse und Creeks. Mit Greg und Michael an Bord machen wir als erstes einen kurzen Schlag von Annapolis in den Magothy River eben nordwestlich der Chesapeake Bay Bridge und ankern weiter drinnen hinter North Ferry Point.

Vor dem flachen Uferbereich ziehen sich lange Stege der versteckt unter den Bäumen liegenden Häuser hinaus. Manchmal mit Bootshäusern, fast immer aber mit Bootsliften versehen. Insbesondere die Motorboote werden hier zumeist nicht am Steg vertäut, sondern mit dem heimischen Bootslift elektrisch komplett aus dem Wasser gehoben und „in der Luft“ geparkt. Spart vielleicht auch das Antifouling. ☺️ In Marinas gibt es häufig überdachte Hallen für die Motorboote im Wasser, manchmal auch regelrechte Hochregallager, mehrstöckige Stapelplätze an Land.

Mit Florecita erkunden wir den gegenüber liegenden Cypress Creek, ein wunderschöner Ausflug auch wenn einmal mehr auffällt, dass das Anlanden mit dem Dinghy wegen des fast überall im Privatbesitz befindlichen Ufer schwierig sein kann.

Und – für uns vielleicht noch irritierender als bei den zahlreichen überwiegend eben doch kleineren Motorbooten – auch Segelboote haben manchmal am heimischen Steg und zum Teil auch in der Marina einen luftigen Liegeplatz:

Als nächstes Ziel haben wir uns Georgetown ausgewählt. Dafür segeln wir ein Stück weiter die Chesapeake Bay hinauf und dann gut 8 sm weit in den wunderschönen Sassafras River hinein. Wir sind schier überwältigt von diesem für uns bisher schönsten Fluss hier. Der Sassafras schlängelt sich, mal schmal, mal breiter, zwischen einer leicht hügeligen Landschaft hindurch, die mit lehmigen Steilufern, flachen Sandstränden, dichtem Schilf, riesigen Seerosenbuchten, gelegentlichen Wiesen oder Feldern und viel Wald herrlich abwechslungsreich ist. Die Bebauung ist hier am „Eastern Shore“ bei weitem nicht mehr so dicht wie um Annapolis herum oder am Magothy River. Wenn die Häuser höher am Hang gebaut sind, wird der Wasserzugang über Treppenkonstruktionen erschlossen oder es gibt einen eigenen Freisitz über dem Privatsteg.

Aber es gibt nicht nur solche Luxusvillen, sondern auch schöne einfache Häuser am Ufer. Insgesamt erinnert die Landschaft uns vielfach an unser altes Heimatrevier Schlei, kein Wunder, dass es uns so gut gefällt. Noch dazu, wenn wir vom Ankerplatz aus einen solchen Sonnenuntergangsblick genießen dürfen:

Hochs und Tiefs

Nee. Nicht meteorologisch. Das Wetter ist weiterhin fein, überwiegend sonnig, tagsüber um die 30 Grad Celsius (mit den hier verkündeten Grad Fahrenheit stehen wir noch auf Kriegsfuß). Derzeit auch ab und zu mal heißer, gestern hatten wir bis 34 Grad. Nachts so 23 oder 24 Grad, das kann man gut aushalten, zumal wir bisher weitestgehend von Mückenalarm verschont geblieben sind.

Von den Orten her gibt’s schon eher Hochs und Tiefs. Die Einsamkeit im Smith Creek war auf alle Fälle ein Hoch, dagegen konnte uns Solomon am Patuxent River nicht so recht begeistern. Vom Cruising Guide als „one of the Chesapeake’s top destinations for cruising boaters“ beschrieben, statten wir dem für uns auch günstig nahe der Flußmündung gelegenen Ort einen Besuch ab. Und tatsächlich finden sich hier acht (8!) Marinas und auch sonst Unmengen von Booten, in welchen Arm des verzweigten Creeksystems man auch einbiegt. Wir ankern in einem kleinen Nebenarm dicht bei einer Marina. Dann geht’s mit dem Dinghy hinüber zum – tja, wohin eigentlich? Ein Zentrum scheint es nicht zu geben, auch vielen moderneren amerikanischen Orten ist dieses Strukturprinzip ja eher fremd. Und wie sich dort Supermarkt, Tankstelle, Diner, Restaurant und Geschäfte irgendwo entlang der Durchgangsstraße verteilen, so gibt es auch hier keine zentrale Hafenpromenade, an der sich etwa die Restaurants finden ließen und auf der man entlang bummeln könnte. Statt dessen: Stückwerk, überwiegend Privatgrundstücke am Wasser. Auch ein ausgewiesenes Dinghydock gibt es nicht, lediglich bei einzelnen Restaurants oder Bars kann man anlegen. Das spricht uns nicht an. Eine Anlandemöglichkeit für das Beiboot gibt es am Museum, aber das ist geschlossen. Vom Wasser her kann man es erreichen, aber die Tore zur Straße sind mit Schlössern verriegelt. Bierchen im Cockpit ist aber auch schön 😋.

Kreuzend und motorend (der wenige Wind kommt von Norden) geht es für uns gleich am nächsten Tag weiter nach Saint Michaels. Auch das liegt in Maryland, aber auf der anderen, östlichen Seite der Chesapeake Bay. Diesmal müssen wir um einiges tiefer in das Labyrinth der Buchten und Creeks hineinfahren. Aber wir sehen viele andere Segler auf dem Weg, vielleicht nicht das schlechteste Omen. Und es kommt noch besser: als wir um die letzte Ecke biegen, liegen rund 50 Boote auf dem weiten Ankerplatz vor dem Ort. Und etwas entfernt eine Schute, auf der ein großes Schild prangt: „Fireworks. Danger. Stay away.“

Na, da werden wir den amerikanischen Nationalfeiertag ja gebührend begehen können. Anders als etwa zu Silvester nämlich wird hier am Independence Day der Nachthimmel künstlich und laut böllernd in Farben getaucht. Vorher werden wir noch beim Ankermanöver von Delfinen begrüßt und die Wartezeit bis zum Beginn der Pyrotechnik wird uns durch einen tollen Sonnenuntergang und einen mindestens ebenso beeindruckenden Aufgang des Vollmondes verkürzt.

Immer mehr Boote finden sich ein, als es dunkel wird irrlichtern diverse kleine und größere Motorboote aus den Creeks heran. Roten, grünen und weißen Glühwürmchen ähnlich tanzen sie aus verschiedenen Richtungen auf uns zu, am Ende sind geschätzt rund hundert zusätzliche angekommen. Manche mit Festbeleuchtung, die meisten beflaggt, Musik zieht über das Wasser. Feierstimmung mit bestem physical distancing. Und dann geht’s los: July 4th 🇺🇸 in Saint Michaels: für uns Hamburger wie das Kirschblütenfest auf der Außenalster in groß 😁.

Aber die Hochs und Tiefs beschränken sich natürlich nicht of die besuchten Orte. Auch die Technik an Bord sorgt für Abwechslung 🥺.

Kein allzu gutes Zeichen, dass die Fock (mal wieder) abgeschlagen und am Seezaun angelascht ist. Nach mehreren problemlosen Tagen lässt sie sich mal wieder nicht einrollen und kann deshalb nur so geborgen werden. Gestern Abend wollten wir uns da nicht mehr drum kümmern, aber heute morgen muss ich dann natürlich doch dran. Ich baue die Leinentrommel ab (da hab ich inzwischen schon Übung drin). Diesmal schraube ich aber auch die Furlex noch weiter auseinander, um besser an die Kugellager heranzukommen. Die werden ausgiebig mit Süßwasser gespült, auch das obere, trocknen jetzt erstmal und kriegen dann ihr (seewasserfestes) Fett. Hoffentlich hilft es, ich kann nämlich immer noch keinen wirklichen Grund für die gelegentliche Fehlfunktion finden.

Zum Trost gibt es ein herrliches Sonntagsfrühstück mit Pfannkuchen, Ahornsirup, Zaft und Apfelmus.

Deltaville

Rund 30 sm ums Eck vom East River in der Mobjack Bay, mal herrliches (wenn auch langsames) Schwachwindsegeln unter unserem blauen Gennaker, mal dann doch unter Motor.

Dann noch um zwei Flachs herum in den Piankatank River hinein, hinter der langgezogenen Halbinsel „Stove Point Neck“ nach Deltaville abbiegen, => Ententeichfeeling.

Ja, die Chesapeake Bay ist eine Bucht des eher rauhen Nordatlantik und ja, sie ist etwa 12.000 Quadratkilometer groß, RIESIG!

Aber durch ihre Verzweigungen bietet sie viele geschützte Ankerplätze. Unter anderem die Fishing Bay, hier bei Deltaville. Und die zeigt sich uns so, wie man sich einen Ankerplatz wünscht: recht gleichmäßige Tiefe, kein bisschen Ozeanschwell, gegen die vorherrschenden Windrichtungen gut geschützt. Einziger Wermutstropfen: klares Wasser geht anders (aber immerhin können wir hier etwa einen halben Meter weit ins Wasser spähen, doppelt so tief wie auf unserem letzten Ankerplatz).

Aber in dem brackigen Wasser fühlen sich neben anderen Muscheln auch Austern richtig wohl, zudem ist es ein Paradies für Krebse. Kein Wunder also, dass das „Ernten“ der Meeresfrüchte hier eine lange Tradition hat, ebenso wie der Bau der dazu notwendigen Arbeitsboote. Lange Zeit war das Zentrum des (Holz-)Bootsbaus dieser zumeist kleinen Working-Boats genau hier bei Deltaville und die maritime Prägung sorgt noch heute für eine kaum zu übertreffende die Dichte an Liegeplätzen und Häfen auf der von Creeks durchzogenen Halbinsel zwischen Piankatank River und dem viel größeren, sich fast 300 km von den Blue Ridge Mountains hierher schlängelnden Rappahannok River.

In der Marina vor der wir Ankern gibt es ein Dinghydock. Für 5 US$ können wir unsere Florecita dort anbinden. Hört sich erstmal gar nicht so günstig an. Ist es aber, denn diverse Zusatzleistungen sind enthalten. So können wir dort unseren Müll entsorgen und – damit hatten wir nicht gerechnet – sogar kostenlos Fahrräder ausleihen. Die Chance ergreifen wir und statt zu Fuß zum Supermarkt in den langgestreckten Ort zu gehen machen wir eine herrliche Fahrradtour. Sprichwörtlich durch Wald und Feld.

Wobei der Wald sich als lockere Mischung von Laub- und Nadelbäumen erweist, obwohl wir aus der Entfernung meinten, ganz überwiegend Laubbäume zu sehen und doch Nadelbäume zu riechen. Kein Wunder, wenn sich die Kiefern so tarnen:

Es riecht nach Sommer und wir erkunden auf unserer Fahrradtour einen größeren Teil der Landspitze mit ihren verschiedenen Häfen. In der Stingray Point Marina stoßen wir auf einen kompletten 1:1 Nachbau des alten Leuchtturms von 1853, der damals das ausgedehnte Flach vor dieser Halbinsel zwischen den Flüssen markierte und der sich so deutlich von den klassischen europäischen Leuchttürmen unterscheidet, Ähnliche Leuchtürme fanden – und finden – sich in der Chesapeake Bay aber noch mehrere.

Im Regatta Point Yachting Center lockt uns die mit Schaukelstühlen und sich gemächlich drehenden Ventilatoren bestückte Club-Terrasse mit Blick über den Hafen.

Was in allen Marinas auffällt sind die überdachten, manchmal Hallen, manchmal Hütten ähnelnden Garagen für Motorboote. Für uns ungewohnt, hier aber absolut üblich und auch an den Privatstegen mancher Häuser am Creek zu finden.

Am Ende landen wir aber doch noch beim Supermarkt, Milch und Küchenrollen sind an Bord ausgegangen. Regionaltypisches zeigt sich auch hier: in dem wirklich kleinen Haushatswarensortiment findet sich eingekeilt von Salatmesser und Grillzange tatsächlich der Muschelöffner zwischen Austernmesser und Hummergabeln.

Letztere haben wir dank Catalina sogar in der edlen Silberausführung an Bord und sie kommen heute auch noch zum Einsatz, leckere Snow-Crab-Legs werden unser Abend(fest)essen auf Flora:

Foto-Nachträge Passage USVI-Bahamas-USA

Die Blogposts der Passagen von den USVI zu den Bahamas und weiter in die Chesapeake Bay konnten wir von unterwegs ja nur als Text versenden. Ganz lieben Dank für Eure Kommentare!

Ich habe jetzt nachträglich die Bilder zu den entsprechenden Posts zugeordnet. Weil Ihr Euch sicher nicht nicht alle nochmal durch die Blogposts der letzten zwei Wochen arbeiten wollt, sind einige der Highlights hier unten angefügt. Durch Klick auf die jeweilige Bildunterschrift kommt Ihr zu dem entsprechenden Blogpost, wo sich dann meist auch noch weitere Bilder finden. Wer nicht hin und her springen möchte, kann natürlich auch in einem der Beiträge ganz herunterscrollen und dann auf „Vorheriger Beitrag“ oder „Weiter“ klicken.

Es fängt gut an. So wünscht man sich die Bedingungen auf Passage.

Die geplante Route und der Umweg zur virtuellen Stecknadel

Sehnsuchtsort Hogsty Reef

Schnorcheln am Hogsty Reef

Conception Island

Zähne

Abacos nach Dorian

Schwimmen im tiefen Blau

Genießerzeit

Viel Spaß beim Blättern.

Tag 7 Passage Bahamas USA

Ein WUNDERSCHÖNER Segeltag.

Gestern Abend sind wir in den Schnellzug „Golfstrom“ eingestiegen. Bei Anfangs zudem noch kräftigem Wind sausten wir nur so dahin, der SOG (Speed over Ground) also die tatsächlich laut GPS zurückgelegte Strecke lag viele Stunden hintereinander bei über 8 bis knapp 9 Knoten. Wenn es mit 172 sm in 24 Stunden trotzdem kein Rekordetmal geworden ist, liegt das an den ganz flauen Winden seit heute kurz vor Sonnenaufgang und bis zum frühen Nachmittag. Aber auch in dieser Zeit hat uns Europas Fernwärmeversorgung mit mindestens 1 kn, in der Spitze sogar mit knapp 4 kn geschoben, wir sind also gut vorangekommen.


Wo wir schon beim Golfstrom sind: in Europa sollten wir ihm eigentlich jeden Tag auf Knien danken. Man macht sich das ja meist nicht so richtig klar, aber der Norden Deutschlands (Sylt) liegt auf rund 55 Grad nördlicher Breite. Spiegelt man das auf die Südhalbkugel, emtspricht diese Breite der Lage der südlichsten Stadt der Welt: Ushuaia in der Nähe von Kap Hoorn. Bleibt man auf der Nordhalbkugel, liegen auf dieser Breite z.B. Kamtschatka in Russlands Osten oder die zu Alaska gehörenden Aleuten. Wenn also auf Sylt nicht gerade der Gletschertourismus boomt und die Eisbären steppen, dann liegt es eben an dem Fernheizungssystem Golfstrom. Heute sind wir auf der Flora aber dankbarer für seine Beförderungs- als für seine Heizleistung.
Bei strahlend blauem Himmel werden wir vorangeschoben, ohne große Welle, wir können uns auf dem Vorschiff vorlesen, finden sogar die Muße unterwegs Sushi zu machen und natürlich zu verspeisen.


Dazu kommt die Vorfreude, morgen in der Chesapeake Bay und damit in den USA anzukommen.

Dieser Blogpost wurde ursprünglich per Iridium-Satellit übermittelt, somit nur Text ohne Bilder. Die Bilder sind nach der Passage nachträglich eingefügt.

Tag 6 Passage Bahamas USA

Seit gestern Abend 21.00 Uhr brummt überwiegend der Diesel. Der Wind hat sich komplett verkrümelt und haucht mit unter 4 kn abwechselnd aus allen Richtungen rund um die Kompassrose. Dafür hat der Regen aufgehört und wir motoren über eine fast glatte See mit ein wenig altem Schwell. Wir lassen das Großsegel dichtgeholt stehen, um die die Amplitude unserer Schaukelbewegungen etwas zu dämpfen.
Unser Buddyboat Amalia hat zusätzlich noch mit anderen Schwingungen zu kämpfen: ihre Propellerwelle vibriert stark und sie können deshalb nur ziemlich langsam motoren. Als sie uns das heute morgen per Satelliten-SMS mitteilen, nehmen wir weiter Gas weg, um die Lücke von jetzt schon 24 sm nicht noch weiter zu vergrößern.
Die Batterien sind durch die Lichtmaschine gut gefüllt, wir lassen den Wassermacher laufen und laden die Elektrogeräte. Gleich nach Ausbringen der Angel können wir einen herrlichen Yellowfin-Tuna hereinziehen, das Essen ist also auch gesichert ;-).


Unterbrochen wird die Gleichförmigkeit des Dahinmotorens, als wir eine kleine Schule Wale sichten, allerdings in zu großer Entfernung, um sie sicher bestimmen zu können. Ich meine, zumindest einmal die lange, charakteristische Finne eines Orcas erkannt zu haben, aber wirklich sicher bin ich nicht. Jedenfalls haben sie keine Notiz von unserem Boot genommen.
Irgendwann stellen wir den Motor mal ab und nehmen ein Bad in dem dunklen Blau des hier wohl etwa 2.000 m tiefen Wasser. Schon ein komisches Gefühl, aber auch wunderschön, insbesondere weil kurz mal die Sonne durchblitzt und dem kräftigen Blau ein ganz besonderes Strahlen verleiht.


Gegen Mittag (Etmal 130 sm) stellt sich ein Lüftchen ein, gerade soeben segelbar, allerdings nur auf einem etwas westlicheren Kurs. Machen wir trotzdem, weil wir ja ohnehin auf Steve und Helena warten wollen. Und so dümpeln wir jetzt mit kaum 3 kn unter Groß und Code0, damit die beiden mit der Amalia weiter aufholen können.
Etwa um 18.00 hiesiger Zeit sollten wir den Wegepunkt erreichen, an dem wir mit dem Eintritt in den Golfstrom rechnen können. Unser Kurs knickt dann etwas nach Osten ab.
Derweil lassen wir es uns gut gehen: eine hawaiianische Bowl mit frisch gefangenem Thunfisch zu Mittag und jetzt ein (oder zwei,drei) Stück des von Wiebke gerade gebackenen Zitronen-Kokos-Kuchen.

Dieser Blogpost wurde ursprünglich per Iridium-Satellit übermittelt, somit nur Text ohne Bilder. Die Bilder sind nach der Passage nachträglich eingefügt.

Tag 5 Passage Bahamas USA

Im Morgengrauen fängt es leicht an zu tröpfeln. Wir bauen die Kuchenbude auf (quasi ein Zelt über dem Cockpit mit großen Folienfenstern). Es regnet sich ein, kein Schauer, sondern ein schwaches aber konstantes Pieseln aus bleigrauem Himmel bei Schiebewelle und schwachem aber doch segelbarem achterlichen Wind. Wir machen Musik an. Zu den Klängen von Norah Jones schweben wir in unserer leicht beschlagenen Glocke sanft geschaukelt über den scheinbar unendlichen Ozean.


Ganz so beschaulich bleibt es leider nicht. Der Wind wechselt mehrfach von achterlich steuerbord auf achterlich backbord und zurück, was wir durch einen Schlingerkurs weitgehend ausgleichen können und ansonsten die Fock auf die andere Seite nehmen, dort nicht ausgebaumt. Mittagsetmal 160 sm.
Als der Wind schwächer wird und aus 90 Grad kommt wollen wir wie gestern Abend auf den Code0 wechseln, aber die Fock lässt sich wieder nicht einrollen. Ganz offensichtlich ist es mit der neuen Leine nicht getan. Wir probieren noch verschiedene Fall- und Achterstagspannungen aus, aber es hilft nichts. Selbst mit dem Fernglas lässt sich auch kein eventuell falsch laufendes Fall oben am Mast als Ursache ausmachen. Wir nehmen die Fock also wieder ganz herunter. Die Trommel dreht sich danach einwandfrei. Wir nehmen die Fock wieder hoch, sie lässt sich – wenngleich schwer – aufrollen. Also bleibt sie aufgerollt, statt dessen baumen wir den Code0 aus. Vielleicht ist es das Lager? Können wir erst in den USA klären. Aber bis dahin ist ja noch viel Zeit. Und die verbringen wir heute mit Musik und Vorlesen im Cockpit unter der Kuchenbude, der Regen plätschert den ganzen Tag vor sich hin und lässt erst zum Abend nach. Was für ein Luxus, im Mittelcockpit so regengeschützt segeln zu können.
Wir haben die Tropen verlassen, der Wendekreis des Krebses führt quer durch die Bahamas. Merkt man eigentlich nicht, Andererseits: abgesehen von der Temperatur erzeugt das Wetter heute Ostsee-Feeling, einschließlich „ich glaube, dahinten wird’s schon etwas heller“ und dem gemeinsamen ungläubigen Lachen, das jetzt wirklich auch hier gesagt zu haben.

Dieser Blogpost wurde ursprünglich per Iridium-Satellit übermittelt, somit nur Text ohne Bilder. Das Bild wurde nach der Passage nachträglich eingefügt.