Passage nach Panama 🇵🇦

Geschafft. Wir sind in Bocas des Toro in Panama angekommen, etwas über eine Woche nach der Abfahrt in Mexiko, exakt eine Woche, wenn wir den Pausentag an der Isla de Providencia heraus rechnen. Gut 1.000 sm haben wir dabei zurück gelegt. Und wie war nun das letzte Stück? Herrlich!

Bei der Abfahrt von unserem kolumbianischen Zwischenstopp pfeift es mit 20 kn. Wir binden (rollen!) das zweite Reff ins Groß und nehmen die Fock dazu. Trotz der etwa 1,5 m Welle kommen wir gut und auch ziemlich komfortabel voran. Zumal Wind und Welle abnehmen und der scheinbare Wind zwischen halb und raum pendelt (von der Seite bis schräg von hinten). Wir lassen das Groß im zweiten Reff, obwohl das jetzt nicht mehr nötig wäre. Sonst wären wir einfach zu schnell und würden im Dunkeln in Panama ankommen 😁. Da können wir auch mal wieder die Drohne fliegen:

Was auf den Drohnenbildern gut zu sehen ist: auf der der Sonne zugewandten Seite haben wir die Shades heruntergerollt. Die hatten wir uns erst in Herrington für unser Bimini machen lassen, das hätten wir schon viel früher ergänzen sollen. Das Netzgewebe (80er Mesh) lässt genug Luft und Licht durch, bietet aber gleichzeitig Schutz vor der gleitenden Sonne der Tropen. Die einzelnen Teile werden mit einem Reißverschluss mit dem Bimini verbunden und können nach unten zu den Befestigungspunkten der Kuchenbude abgespannt werden. Das funktioniert selbst unter Segeln. Wenn kein schweres Wetter zu erwarten ist, lassen wir sie einfach verbunden und rollen sie nur nach Bedarf hoch und runter. Wir möchten sie nicht mehr missen.

Das ruhige Segeln hat noch einen weiteren Vorteil, denn das Angeln funktioniert besser. Nach den drei (kleinen) Schwarzflossenthunfischen im ersten Teil der Passage gehen uns diesmal zwei schöne Mahi Mahi an den Haken, einmal 80 cm und einmal gut über einen Meter lang:

Das ist klasse, denn der Fisch mit den vielen verschiedenen Namen ist super lecker und zudem auch noch angenehm leicht zu filetieren. Wir nennen ihn meist Mahi, denn mit dem Delfin ist er natürlich nicht verwandt und geschmacklich spielt er in einer anderen Liga als das, was wir gemeinhin unter Makrele verstehen.

Heute bei uns zum Beispiel in Butter-Zitronensoße auf Apfel-Lauch-Chili-Gnocchi 😋

Ja, ok, das letzte Stück bis zur Ansteuerungstonne Boca del Drago vor den Bocas del Torro müssen wir durch die Nacht motoren, aber damit können wir die Ankunftszeit auch perfekt timen.

Wir wissen eigentlich nicht so genau, was uns in Panama erwartet. Und so sind wir positiv überrascht von der herrlichen Einfahrt in die weitverzweigte Buchtenlandschaft. Die sich hier auf gut drei Meter Höhe aufsteilende Dünung schiebt uns hinein in die breite und gut betonnte Mündung und kurz danach: Ententeich. Glattes Wasser. Im Morgendunst schichten sich die Staffelung der (unerwartet hohen und steilen) Hügelketten malerisch von Grün nach Blau.

Fischer paddeln in Kanus, als wir näher zum Ort kommen brausen dann auch zunehmend Lanchas unter Motor vorbei.Wir sind gut angekommen. Es fühlt sich richtig an, hier zu sein. 😁

Pura Vida.

Angekommen auf Isla de Providencia

Wir sind in Kolumbien 🇨🇴. Irgendwie. Andererseits auch wieder nicht, denn wir haben nicht einklariert, liegen hier nur vor Anker, die gelbe Q-Flagge unter der Steuerbordsaling. Auf Funk hat niemand reagiert, auch der designierte Agent nicht, der auch auf unsere Email nicht geantwortet hat. An Land dürfen wir erst, wenn wir einen PCR-Test vorlegen, der nicht älter als drei Tage ist. Das wird wohl nichts. Man kann auch in Kolumbien einen PCR-Test machen (dazu kommt wohl die Gesundheitsbehörde an Bord), bis zum Vorliegen des Ergebnisses dann Quarantäne an Bord. Wenn hier keiner auf unsere Kontaktversuche reagiert, kommt das wohl auch nicht in Frage. Macht aber nichts, wir erholen uns hier eine Nacht, schlafen aus, genießen den Ankerplatz als Zwischenstopp, und dann gehts weiter Richtung Panama 😁

Schön ist es trotzdem hier. Als wir gegen 15.00 in die malerische Ankerbucht einlaufen, haben wir in den fünf Tagen und 6 Stunden insgesamt 760 sm zurückgelegt. Grün und gebirgig hebt sich die Isla de Providencia aus dem Meer.

Der Naturhafen diente dem Freibeuter (und spätere Vizegouverneur des englischen Jamaika) Henry Morgan als eines seiner vielen Verstecke, von hier organisierte er die Überfälle auf Panama.

Im bunten Mix der Bebauung kann man bei genauerem Hinsehen noch deutlich die Spuren des 2020er Hurrikans Iota erkennen, aber auch die fortschreitenden Wiederaufbauarbeiten.

Dann jetzt die Bilder zu den vorherigen (Satelliten-)Blogbeiträgen:

Steve, Paula und Helena werfen unsere Leinen in Mexico los.
Irgendwie falsch, Sonnenuntergänge hinter uns …
Und Sonnenaufgänge vor uns. Aber zunächst mal segeln wir ja tatsächlich nach Osten.

Überhaupt, “Segeln”. Auf diesem Törn lief knapp ein Drittel der Strecke der Motor, wenn auch zum Teil nur zur Unterstützung. Die windarmen Teilstrecken hatten aber auch ihre Vorteile. Wir lieben das Baden im tiefen Blau!

Kuchenbacken ist sonst auch schwieriger 😉

Nicht zuletzt stellte sich auch unser zum frischen Sushi erforderliche Angelerfolg unter Motor ein.

Und immerhin sind wir ja die anderen zwei Drittel hierher gesegelt.

Pura Vida.

Bürokratie und Unterwelt

Mit dem TIP stand ja noch eine weitere Formalität aus, obwohl wir bereits einklariert sind. In Mexiko ist es nämlich so, dass wir für das Boot eine “temporäre Importbewilligung” benötigen (auf Englisch: Temporary Import Permit), wenn Flora denn länger als 14 Tage im Land bleiben soll. Wir sind vorgewarnt, was den formalen Aufwand angeht. Originale und Kopien von allen Papieren der Einklarierung und des Reisepasses, ein frei formuliertes Antragsschreiben (auf Spanisch), das idealerweise auch Angaben zur Motornummer unseres Bootsdiesels sowie ein Foto des Schiffes und der Motornummer beinhalten soll, Außerdem einen Eigentumsnachweis für das Dinghy, auch hier möglichst mit Dinghynummer und Außenbordmotornummer. Das wurde jedenfalls bei einem befreundeten Boot verlangt, die hatten es nicht mit und mussten einen neuen Termin machen. Haben wir alles gemacht, die Kopien in der beim Einklarieren bewährten Weise als auf dem Borddrucker ausgedrucktes Handyfoto.

Dann telefonisch (zwischen 13.00 und 13.30!) einen Termin vereinbaren, mit der Fähre nach Cancún fahren, zum Büro der dortigen Capitanía gehen. Ich bin zu früh, muss warten, obwohl sonst niemand da ist. Aber Termin ist Termin, ist ja auch o.k.

Auch bei uns die Frage nach dem Dinghy, die wir aber ja parieren können. Dann aber: die Kopien gefallen ihr nicht. Es sei zwar alles erkennbar, aber wenn sie das jetzt kopieren und weiterschicken würde, könnten Informationen verloren gehen. So ginge das nicht. Außerdem sei das Papier der Kopien zu groß (es ist DIN A4), das passt nicht in ihre Akten. Es müsste gut einen Zentimeter kürzer sein. Wir diskutieren. Ich bitte um eine Schere. Nein, hat sie nicht. Außerdem würden dann Informationen verloren gehen. Nein, nur Rand.

Am Ende reißt sie mit angelegtem Lineal von jeder Kopie ein Stückchen weg, ich bezahle meine 60 US$ Gebühr und bekomme mein Temporary Import Permit.

Puuuh. 😳

Jetzt dürfen wir uns mit Flora frei in Mexiko bewegen. Flora dürfte sogar bis zu 10 Jahre hier bleiben. Soll sie aber nicht. Wir feiern ein bisschen mit den Crews der Freydis (brauchte mehrere Anläufe fürs TIP) und der Amalia (TIP steht noch aus).

Und dann trennen sich leider unsere Wege mal wieder, denn wir wollen mit unserer Crew bei dem günstigen Wind etwas weiter nach Süden segeln.

Es wird ein schöner, flotter Törn nach Puerto Morelos, wir machen in der El Cid Marina fest. Und auch Fest, Silvester an Bord 🎆, so schön, dass die beiden da sind.

Neujahr gehts mit dem Mietwagen zu unserer erste Cenote. Hier im Norden der Halbinsel Yucatan gibt es unzählige Cenotes. Im Grunde sind sie ganz eng verwandt mit den Blue Holes, die uns in den Bahamas so fasziniert haben.

Die Cenotes hier sind ebenfalls ausgewaschene Karsthöhlen, oft unterirdisch zu weitreichenden Wassersystemen verbunden, mit Öffnungen in der Höhlendecke, die oft als Einstieg dienen. Die von uns besuchte „7 Bocas“ hat gleich sieben Öffnungen, die meisten klein, eine aber mit etwa 20 m Durchmesser. Die Cenote soll 150 m tief gehen, hineinspringen vom Rand ist erlaubt (und einer von uns macht das auch 😉). Das Gefühl ist schon sehr besonders, in das dunkle Loch der Cenote hinunterzusteigen und dann in das von unten (über die unterseeische Verbindung zum großen Loch) mystisch blau leuchtende Süßwasser zu gleiten.

Manche der Höhlen sind luftig, andere lassen nur wenig Luft über unseren Köpfen. Zwei der sieben Höhlen sind sogar nur für (Geräte-)Taucher erreichbar, die lassen wir heute aus.

(Photo Credit Jan)
(Photo Credit Jan)

Faszinierend ist aber auch der Blick unter Wasser, wo sich die größeren Stalaktiten von der Höhlendecke weiter fortsetzen.

Oder auch der Blick in die andere Richtung, nach oben zu einer der sieben „Bocas“, also Öffnungen, wörtlich übersetzt aber „Münder“.

Die Mayas übrigens verehrten die Cenotes als heilige Quellen, nutzten sie als Trinkwasserbrunnen. Sie sahen in ihnen aber zugleich auch Eingänge zum Sitz der Götter der Unterwelt und verwendeten sie auch als religiöse Opferstätten.

Mit den „7 Bocas“ haben wir ein glückliches Händchen. Jedenfalls heute am Neujahrstag ist sie ganz überwiegend von Mexikanern besucht, Familien mit jung und alt haben sich ein Picknick mitgebracht und genießen den allerdings auch etwas abgelegenen Ort, der aber eben extra Picknickstellen mit palmgedeckten offenen Hütten bietet und an dem sich keine Massen durchschieben.

Splash. Und Pura Vida.

Drittes Weihnachten unterwegs und wie soll es weitergehen?

2021 also Weihnachten in Mexiko. Nach Bequia Weihnachten 2019 und Barbuda Weihnachten 2020. Ziemlich genau zweieinhalb Jahre leben wir jetzt auf der Flora, seit dem 25. Juni 2019.

18.692 Nautische Meilen haben wir dabei mit der Flora zurückgelegt, das entspricht 34.617 Kilometern. Einige Kringel haben wir in der Karibik und in den USA gedreht, 20 Länder bzw. Regionen besucht (wobei man da je nach Definition auch ein paar mehr oder weniger zählen könnte, wer mag, kann ja die Flaggen mal zuordnen).

🇬🇷 🇮🇹 🇪🇸 🇵🇹 🇮🇨 🇨🇻 🇻🇨 🇬🇩 🇱🇨 🇲🇶 🇩🇲 🇬🇵 🇦🇬 🇻🇮 🇺🇸 🇸🇽 🇵🇷 🇩🇴 🇧🇸 🇲🇽

Stellvertretend und doch so unvollständig ein paar ganz besonders einprägsame der unfassbar vielen Highlights aus diesem Jahr:

Culebrita in Puerto Rico

Wale in der Samana Bay, Dominikanische Republik

Blue Holes in den Ragged Islands

und überhaupt das gemeinsame Cruisen mit anderen Seglern in den Bahamas,

Menschen, Menschen, Menschen, davon viele, aber eben nicht nur, Segler,

Segeln, Segeln Segeln

und wunderbare Naturerlebnisse.

Reisemüde sind wir jedenfalls nicht, für die nächste Zeit haben wir uns einiges vorgenommen. Allerdings, mit der Planung ist das ja so eine Sache, nicht nur in COVID-Zeiten.

„Man plans and God laughs“ heißt es, zurückgehend auf das jiddische Sprichwort „Mann Tracht Un Gott Lacht“. Auch wenn es denn für göttliche Erheiterung sorgt, unsere Idee für den Pazifik konkretisiert sich langsam.

Dabei fassen wir fürs erste den nordöstlichen Pazifik ins Auge, würden also gern im nächsten Frühjahr durch den Panamakanal und dann vielleicht über Hawaii zurück an die Küste des nordamerikanischen Kontinents, also eine Schleife im Nordostpazifik. Noch ein bisschen vage? Ja! Die Seestücke auf dieser Strecke wären ziemlich lang. Selbst auf der direkten Großkreisroute (die einen ausgedehnten Bereich mit schwachen Winden und Flauten erwarten lässt und deshalb meist nicht empfohlen wird) wären es von Panama bis Hawaii 4.530 nautische Meilen, mehr als doppelt so viele wie auf unserer Atlantiküberquerung von den Kapverden nach Bequia. Die empfohlenen Routen liegen bei etwa 5.000 sm. 🙄 und von Hawaii aus müsste man dann ja auch wieder ans Festland. Aber verlockend finden wir es schon ☺️.

Feliz Navidad aus Mexiko und

Pura Vida.

Passage Key West nach Mexico 2

Bisher verwöhnt uns die westliche Karibik. Zwar war zwischendurch etwa 24 Stunden der Motor an, aber bei spiegelglatter See und weiteren Delfinbesuchen, zudem einem schönen Sonnenuntergang und einem fast noch beeindruckenderen Aufgang des Vollmonds ist das leicht zu verschmerzen. Und dann folgt auch noch ein Halo um den Mond, wohl verursacht von Eiskristallen in großer Höhe.

Danach herrliches Code0-Segeln. Und wieder Delfine. 🤩

Wir entscheiden uns für einen direkteren als den zunächst geplanten Kurs und werden belohnt. Unter Code0 kreuzen wir zum zweiten mal den Golfstrom, diesmal schräg gegen ihn. So werden aus den 7 bis 8 Knoten durchs Wasser nur 4 bis 5 über Grund. Trotzdem nicht schlecht. Jetzt sind wir knapp 20 sm vor der südlichen Ansteuerung, scheinen soeben den Golfstrom verlassen zu haben. Der Wind frischt auf, wir wechseln auf die Fock.
Mal schauen, ob wir noch im letzten Büchsenlicht ankommen, der Ankerplatz wäre aber auch bei Dunkelheit anlaufbar. Mexiko, wir kommen.

Pura Vida.

Dieser Beitrag wird per Iridium-Satellit übermittelt, ist also (ursprünglich) wieder mal ohne Bilder. Es gibt aber welche 😉 die werden (wurden) nachgereicht.

Passage Key West nach Mexiko

Unseren Toern nach Mexiko starten wir mitten in der Nacht. Um 2.00 Uhr gehen wir ankerauf, durch die gut befeuerte Hauptansteuerung geht es zurueck ins tiefe Wasser. Wobei, erst einmal nicht zu tief, wir bleiben bei der 100 m Linie und laufen westwaerts etwa Richtung der Dry Tortugas. Dort haetten wir eigentlich gerne geankert, der Nationalpark soll ein Schnorchel-Paradies sein. Aber dann wuerde sich das Wetterfenster schliessen, also lassen wir sie schweren Herzens aus, gehen noch ein Stueckchen weiter westlich und biegen dann nach Suedwesten ab, um hier den Golfstrom zu queren und auf der anderen (kubanischen) Seite den fuer uns guenstigen Gegenstrom zu nutzen.


Das Wetter meint es gut mit uns, für die ersten 36 Stunden – und damit etwas länger als vorhergesagt – haben wir gut segelbaren Wind, wobei wir unsere komplette Segelgarderobe einmal ausprobieren koennen. Wir starten nur mit dem gerefften Großsegel, reffen aus, nehmen die Fock dazu, wechseln auf den Gennaker und spaeter vom Gennaker auf den Code0.

Und nicht nur das ist wunderbar: wieder haben wir Angelglueck, ein etwa 80 cm großer dicker Thunfisch geht uns an den Haken.
Um es perfekt zu machen leistet uns dann auch noch eine Delfinschule über eine Stunde lang Gesellschaft, spielt ausdauernd in unserer Bugwelle.


Seite heute Mittag läuft jetzt der Motor, der Wind wurde erst immer spitzer und schwaecher, schlief dann ganz ein.
Langweilig wird uns trotzdem nicht, gerade haben wir es geschafft, den nach einem Systemabsturz komplett resetteten Plotter (unser „Navi“) wieder dazu zu überreden, uns auch die AIS-Symbole anderer Schiffe anzuzeigen.
Außerdem haben wir ein herrliches Bad im tiefen blauen und irgendwas zwischen 2000 und 3000 m tiefen Wasser zu nehmen.

Pura Vida.

Der Beitrag wurde per Iridium-Satellit übermittelt, deshalb keine Bilder. Auf Kommentare (über die wir uns riesig freuen) können wir deshalb auch erst wieder reagieren, wenn wir in Mexiko eine Internetverbindung haben.

West Palm Beach und dann zum Lake Sylvia in Fort Lauderdale

Palm Beach begrüßt uns mit Hochhäusern, Industriehafen und Superyachten, aber der Ankerplatz im Lake Worth zeigt auch die schöne Seite der Stadt. Vom (allerdings eine lange Dhinghyfahrt entfernten) städtischen und damit kostenlosen Dinghydock führt eine palmengesäumte Promenade am Ufer entlang.

Auf der anderen Seite sind weihnachtliche Sandskulpturen zu sehen, ein riesiger Sandtannenbaum nimmt gleich einen ganzen Platz ein und der Weihnachtsmann passt doch auch gut zum Manatee, oder? Rudolph braucht ja auch mal Pause und vielleicht eine Abkühlung. Andere Länder, andere Sitten.

Unser Weg führt uns dann weiter zum Norton Museum of Art. Die sehr sehenswerte Sammlung überwiegend zeitgenössischer Kunst wird mit wechselnden Sonderausstellungen ergänzt, uns hat neben der Empfehlung der LuSea-Crew die aktuelle “Frida Kahlo, Diego Riviera & Mexican Modernism” hier her gelockt. Sie gefällt uns sehr gut, aber auch das übrige Museum weiß zu begeistern.

In West Palm Beach treffen wir Freunde wieder – und müssen uns auch von ihnen verabschieden. So typisch für Cruiser, aber doch immer wieder auch traurig. Mareike mit ihrer Moana, Karen und Steve mit der Second Chance und auch Helene und Klaus mit der LuSea, sie alle wollen von hier aus zu den Bahamas. Wir dagegen wollen erst mal weiter die US-Ostküste hinunter und dann nach Mexiko. Da passt die Kunstausstellung um so besser 😉.

Ab Morgen soll erst einmal Südwind einsetzen. Also klingelt heute früh mal wieder der Wecker und pünktlich zum Sonnenaufgang lichten wir den Anker.

Wie vorhergesagt, können wir zunächst noch mit raumem Nordost-Wind von 8 bis 10 kn segeln, ab Mittag wird der Wind dann einschlafen. So kommt es auch, aber bis dahin ist es herrliches Gennaker-Segeln.

Und wir haben mehrfaches Glück, der Golfstrom bremst uns nicht, sondern lässt uns eine für uns gute Neerströmung nutzen; schenkt uns zudem aber auch wieder Angelerfolg. Dieses Mal ziehen wir einen schönen Schwarzflossen-Thunfisch an Bord.

Auch Fort Lauderdale begrüßt uns mit Hochhäusern und Industriehafen, aber einmal rechts um die Ecke, durch die erste Klappbrücke, der 17th Street Bascule Bridge, hindurch, schon sind wir in einer anderen Welt.

Eine Vielzahl von Wasserwegen durchzieht Fort Lauderdale. Sie zweigen links und rechts vom ICW ab, die Kanäle versorgen eine Unzahl von Grundstücken mit Wasserzugang. Unfassbare 40.000 Sportboote soll es hier geben. Andererseits:

Trotz – oder vielleicht wegen – der vielen privaten Stege sind öffentliche Ankerplätze im Stadtgebiet eher rar. Ein paar finden sich in Verbreiterungen des ICW, sie sind aber zumeist recht flach und durch den Intracoastal auch schwellig.

Wir entscheiden uns, einen Versuch im Lake Sylvia zu wagen. Der liegt ruhig, etwas abseits vom ICW, und er weist eine gute Ankertiefe auf. Kleine Haken: die Einfahrt ist ein bisschen tricky und der Platz ist oft voll. Wir tasten uns ganz nahe am Ostufer durch die Einfahrt, wechseln kurz vorm See auf die Westseite und werden belohnt: was für ein toller Platz in der Stadt:

Pura Vida.

Fernandina Beach

Nach dem herrlichen Naturerlebnis auf Cumberland Island verholen wir uns auf die andere Seite des St. Mary’s Inlet vor das Städtchen Fernandina. Wieder ein anderer Bundesstaat, nach Georgia haben wir jetzt Florida erreicht. Also: der Meldepflicht genügen und die CBP (Custums and Border Protection) anrufen. Wir erreichen nur die Mailbox, sprechen die wesentlichen Daten aufs Band. Woher, wann und wo angekommen, Nummer der Cruising Licence, Bootsname, etc.

Der Ort weist einige schöne historische Bauten auf und wird als schmuck beschrieben, aber so richtig zieht er uns nicht in Bann. Die Nase arbeitet gegen das Auge 😉.

Zudem ist der Ankerplatz eher industriell geprägt, insbesondere die große Papierfabrik mit ihren Kränen und Sägespänehalden ist keine Zierde, vor allem aber: sie stinkt. Das ist sicher von der Windrichtung begünstigt, aber es verleidet uns doch etwas den Aufenthalt.

Zurück an Bord schreckt uns ein Klatschen an Deck auf. Ein Pelikan hat sich auf dem Großbaum niedergelassen und lässt sich von uns nicht stören.

Ein beeindruckender Vogel. Als er dann allerdings anfängt, mit seinem kräftigen Schnabel auf unser Bimini-Solarpanel einzuhacken, müssen wir ihn doch verscheuchen. Wildes Gewackel am Großbaum reicht dafür nicht, er scheint es eher als Gleichgewichtsübung zu nehmen. Anschreien und wirklich dicht auf die Pelle rücken funktioniert dann aber doch.

Ein schönes Thanksgiving-Abendessen auf der Flora mit Helena und Steve ist gleichzeitig ein Abschiedsessen, denn die beiden wollen einen größeren Sprung nach Süden machen, während wir weiter die Küste hinunterbummeln. Unsere nächste Station soll das 55 sm entfernte St. Augustine sein. Dafür will die Abfahrtszeit gut geplant sein. Zum einen, um möglichst mit der Tide auszulaufen, vor allem aber, um keinesfalls bei Wind gegen Tide in St. Augustine einzulaufen, denn dann ist die Einfahrt dort berüchtigt.

Für uns heißt das, um 6:30 mit aufgehender Sonne auszulaufen und unterwegs nicht zu bummeln.

Klappt, denn wir haben besten Segelwind und so fällt schon um 15:00 Uhr der Anker vor dem Castillo de San Marcos in St. Augustine.

Pura Vida.

Amerikanische Gastfreundschaft

In Reedville machen wir einmal mehr Bekanntschaft mit großzügiger amerikanischer Gastfreundschaft. Wir ankern im Back Creek. Steve und Helena sind dagegen mit ihrer Amalia an den Steg von Mary und Walt gegangen. Sie hatten die beiden über den OCC kennengelernt (Ocean Cruising Club, quasi das englisch internationale Pendant zu unserem Verein TransOcean).

Am Abend nach Halloween werden wir mit zum Sundowner ins Haus von Mary und Walt eingeladen. Die beiden bieten uns großzügig an, bei ihnen Wäsche zu waschen, das schnelle Wifi zu nutzen, Müll da zu lassen (nehmen wir gern in Anspruch). Es folgen noch weitere Sundownerabende mit angeregtem Gesprächen, einmal bekocht Mary sogar die ganze Bande.

Gemeinsam mit Helena, Steve, deren Kurzzeitbesuch Luda und Dave sowie eben Mary und Walt gehts am nächsten Tag zum Lunch in das nette rustikale Leadbelly Restaurant bei der Fairway Marina. Luftlinie nicht weit entfernt, aber durch die Umwege um die Creeks herum dann doch ein ganzes Stück mi dem Auto zu fahren.

Fahren würden sie uns auch zum Einkaufen, außerdem bieten sie uns an das Dock des Nachbarn zu nutzen, … aber wir wir möchten sie nicht überstrapazieren und fühlen uns auch sehr wohl vor Anker. Trotzdem, bevor wir nach 5 Tagen wieder weiter segeln, gehen wir doch noch einmal kurz bei der Amalia längsseits und bunkern am Steg Frischwasser. Unseren Wassermacher haben wir nämlich noch nicht wieder in Betrieb genommen, das trübe Chesapeakewasser setzt die Filter sonst recht schnell zu.

Übrigens ist es inzwischen recht frisch geworden hier, nachts geht es runter bis auf 5 Grad Celsius. Wird wirklich Zeit, weiter nach Süden zu segeln. Also nicht wundern, warum die Kuchenbude aufgebaut ist 😊. Sie wird auch ihrem Namen entsprechen genutzt:

Pure Vida.

Auf nach Süden

War der kurze 20 sm Hüpfer nach Annapolis auch schon mal ein toller Saisonauftakt, eine ganze Woche hätten wir dort eigentlich gar nicht bleiben wollen.

Dass es trotzdem so kommt, ist neben dem Wetter einigen Bootsarbeiten und – vor allem – den Treffen mit anderen Seglern geschuldet. Außerdem tut es gut, wieder anzukommen auf dem Boot, sich Zeit zu nehmen. 😎 Die Atmosphäre der Stadt aufzunehmen und auf uns wirken zu lassen.

Wir kümmern uns nochmals um unseren Generator, aber da kommen wir derzeit nicht wirklich weiter. Trotz neuer Kondensatoren kommt beim Start zunächst zwei mal eine Fehlermeldung, beim dritten Start läuft dann der Generator problemlos. Noch nicht optimal!

Den neuen Teppich hatten wir uns (von Hallberg-Rassy Parts) nach Herrington schicken lassen. Beim alten war an den Rändern die Kettelung z.T. aufgegangen, einige Druckknöpfe waren defekt, vor allem aber war die Gummierung der Rückseite nach 10 Jahren nun so porös und bröselig geworden, dass wir eine Reparatur der übrigen Macken für nicht sinnvoll hielten.

Neue Druckknöpfe und das passende Werkzeug hatten wir mitbestellt. Beim Auspacken jetzt in Annapolis die freudige Überraschung: Druckknöpfe sind schon drin!

Und sie passen ziemlich gut bei den ersten drei Teppichen, die wir austauschen. Beim vierten, dem großen im Salon, machen wir dann aber lange Gesichter: die Ausschnitte für die Füße des Salontisches passen nicht, sind ein paar Zentimeter versetzt. Grrr 😖.

Tatsächlich schaffen wir es mit etwas Überredungskunst, eine Boat-Canvas-Werkstatt zum KURZFRISTIGEN Umsäumen der von uns angepassten Ausschnitte zu bringen. Per Dinghy schaffen wir den Teppich zu ihnen in den Backcreek, kaufen Lebensmittel ein und schwupp, können wir den Teppich wieder mitnehmen. Jetzt passt er 😁.

Mehrmals treffen wir Annemarie und Volker von der „escape“, feiern ausgiebig Abschied, denn zumindest für diese Saison trennen sich unsere Wege. Wir sind gespannt, wo sie sich wieder kreuzen.

Peter, ein deutscher Segler, den wir im letzten Jahr kennengelernt haben, lädt uns in sein Haus in Annapolis ein, wo wir einen sehr netten Abend mit ihm und seiner Frau verbringen.

Am nächsten Tag kommt Mario vorbei, ein amerikanischer Eigner einer anderen Hallberg-Rassy 43. Bootsbesichtigung und fachsimpeln.

Aber dann geht es los. Herrliches Segeln mit raumem bis achterlichem Wind, der anfangs zwar noch in Böen 30 kn erreicht, dann aber schnell abnimmt, so dass wir ein Reff nach dem anderen ausschütteln können.

Trotz des herrlichen Sonnenscheins und des achterlichen (und damit scheinbar ja weniger starken) Windes ist es frisch, Wiebke mummelt sich im Cockpit in eine Decke. Wird doch Zeit, südlicher zu gehen.

Das letzte Stück der 45 sm nach Solomons müssen wir wieder etwas anluven, schön, dass bei der Schotführung nur die durch die Spibaumnock geführte Spischot losgeworfen und die Fockschot dichtgenommen werden muss, der Baum kann erst einmal stehenbleiben:

Pura Vida.