Wieder unterwegs.

Das fühlt sich gut an. Der Morgennebel in Herrington verzieht sich schnell. Die Ölabsaugpumpe steht nach dem Motorölwechsel gestern noch draußen, also erledigen wir gleich noch den Ölwechsel bei der Hochdruckpumpe des Watermakers. Geht mit 0,2 l Ölvolumen ziemlich fix, und ich kann jetzt das Altöl in der Annahmestelle der Marina abgeben.

Noch auschecken, auf dem Nachbarsteg von Helena und Steve verabschieden, oh wie praktisch, Glen von der “Cloudy Bay” ist auch gerade dort und schenkt uns zum Abschied ein Chartbook der Exumas. Umarmungen fallen wegen Social Distancing leider aus. Und los geht’s. Es fühlt sich ein bisschen so an als würden wir in eine neue Segelsaison starten, dabei waren wir (und Flora) weniger als drei Wochen an Land.

Aber jedenfalls lässt es sich gut an. Schöner Segelwind und meist blauer Himmel für unseren Schlag hinüber auf die andere Seite der Chesapeake Bay (Eastern Shore).

Und auch die Seevögel vor Flora sind ein gutes Zeichen. Fisch! Die Angel rauscht aus, kaum dass sie drin ist. Zum ersten Mal überhaupt in der Chesapeake Bay haben wir Angelglück, es schwimmt aber auch viel weniger Seegras herum und verfängt sich am Haken. Statt dessen: ein schöner Striper (Striped Bass/Felsenbarsch) 😃. Den gibt’s gedämpft mit asiatischem Gemüse (frischer Koriander, Pak Choi und Möhren, Wiebke hat vorgesorgt) auf Reis.

Nachdem wir uns gerade von den Engländern verabschiedet haben mutet es irgendwie komisch an, uns zwischen den Tageszielen Oxford und Cambridge entscheiden zu sollen. Aber hinter dem schiefen Leuchtturm von Sharps Island fällt die Entscheidung für Oxford.

Nach Eisgang-Schaden aufgegeben: Sharps Island Lighthouse. Die Insel selbst ist inzwischen sogar ganz untergegangen.

Kurz vor Sonnenuntergang kommen wir in Oxford an. Ein paar Boote ankern schon nördlich des Ortes, aber wir möchten noch den Naturhafen des Town Creek erkunden und wir haben Glück. Der Ankerplatz zwischen den Bootsstegen bietet zwar nur begrenzt Platz, aber wir haben ihn ganz für uns allein.

Und das Abendspektakel möchte nicht hinter dem des Morgens zurück stehen, der Mond steht zwischen flammenden Wolken am Himmel. Was für ein Tag.

Reisebericht mal analog

Wow. Unser Bericht über Flora in den Bahamas wurde im Mitgliedermagazin unseres Vereins Trans-Ocean veröffentlicht. Sechs Seiten lang und für uns mit der Erinnerung an persönliche Highlights wie „Hogsty Reef“ und die Haibegegnungen bei Conception Island verbunden. Wir freuen uns.
😁

Text und Bilder sind aber für Euch Blogleser natürlich keine Neuigkeit, sondern waren im Wesentlichen hier (und den dann folgenden Posts) schon zu sehen.

Besonders hat uns auch gefreut, dass in der gleichen (Oktober-) Ausgabe III/2020 auch ein Bericht der Crew der Samai zu finden ist, die wir schon beim Losseglertreffen des TO in Laboe kennengelernt haben und mit denen wir seitdem in Kontakt geblieben sind. Sie berichten über ihren “Familienausflug in die Antarktis” im Magazin und ausführlich in ihrem tollen Blog. Und außerdem findet sich auch noch ein Bericht von Andrea und Nils (SY Marzemino), die wir auf den Tobago Cays kennengelernt haben.

Im Fluss

Vier Tage haben wir jetzt an unserem Ankerplatz vor Lewes verbracht. Ruhige Tage (wenn man von dem ruppigen Wasser beim Weiterfahrt- Versuch gleich am ersten Tag absieht).

Gut geschützt hinter der inneren Mole werden wir am Morgen tatsächlich vom Prusten der Delfine geweckt, die ums Boot herum spielen, jagen oder einfach nur einen Familienausflug machen, ohne von der Flora besondere Notiz zu nehmen.

Wir nutzen die Zeit für kleinere Bootsarbeiten, bringen ausgerissene Druckknöpfe am Teppich neu an, säubern den Motorraum von den öligen Schaumstoffresten des Luftfilters unseres Volvos (der muss jetzt eine Zeitlang mit offenem Ansaugrohr arbeiten, was kein Problem sein dürfte, ein verbesserter Dauerluftfilter ist schon auf dem Postweg). Die Vorräte werden durchgesehen, Ersatzteile online bestellt (Postadresse Greg und Michael) nochmal am Vorluk nachgearbeitet. Ganz viel relaxt. Der Mittwochsregatta des örtlichen Yachtclubs zugeschaut, schließlich haben wir einen Logenplatz: es geht rund um den Breakwater und am Leuchtturm muss der Spi weg, auf der anderen Seite des Breakwaters folgt die Kreuz zurück. Und wir haken noch mal bei der Werft in der Chesapeake Bay nach, bei der wir ein Auskranen und einen Landeplatz für zwei Wochen angefragt hatten. Im zweiten Telefonat haben wir Erfolg, ja, schon nächste Woche können wir raus. O.k., dann machen wir uns also doch mal auf den Weg 😉.

Was uns auffällt: der gerade neu gestrichene dunkelrote Leuchtturm am Ankerplatz trägt den doch sehr prosaischen Namen “Delaware Breakwater East End Lighthouse”. Auch der weiße Leuchtturm auf dem äußeren Breakwater ist mit “Harbor of Refuge Lighthouse” eher beschreibend benannt. Nur, was sollen wir dann davon halten, wenn das nächstfolgende Leuchtfeuer im Fluss “Brandywine” heißt? 😊

Cape Cod

Der 130 sm-Schlag hinunter von Port Clyde in Maine nach Provincetown auf Cape Cod in Massachusetts beginnt ziemlich rau, aber das war abzusehen. Einmal mehr scheint die für die Böen in der Wettervorhersage von Windy angegebene Wert quasi durchgängig vorzuherrschen und so haben wir zunächst Wind von stets über 25 kn. Bei einem scheinbaren Windeinfallswinkel von meist zwischen 60 und 90 Grad kommen wir mit der Fock und zwei Reffs im Groß gut voran, aber durch die etwa 1,5 m Welle fühlt es sich an wie eine Kopfsteinpflasterautobahn.

Am späten Nachmittag wird es etwas ruhiger, und so wird die Nachtfahrt bei fast Vollmond überwiegend angenehm. Am Ende bremst uns auch ein wenig Gegenstrom noch weiter ab, dass passt ganz gut denn so geht die Sonne noch auf bevor wir dann gegen 7.00 nach rund 20 Stunden unser Ziel erreichen.

Als wir uns Cape Cod nähern erwartet uns eine Landschaft, die sich so ganz anders als Maine präsentiert. „Dänisch“ ist die erste Schublade, die unser Gehirn für die Dünenlandschaft hinter dem Sandstrand am Leuchtturm Wood End Lighthouse aufzieht:

Aber nur eine Ecke weiter, beim Blick auf den Hafen von Provincetown, geht das „Länderrätsel“ in die nächste Runde. Grüßt da aus der Stadt nicht ein mittelalterlicher norditalienischer Prunkturm herüber?

Tatsächlich haben die Amerikaner hier 1907 bis 1910 ein Monument errichtet, das als Denkmal für die hier gelandeten „Pilgerväter“, die mit ihrer Mayflower 1620 hier im Naturhafen von Cape Cod erstmals in der „neuen Welt“ vor Anker gingen. Warum das Denkmal hierfür dem Torre del Manga in Siena nachempfunden ist, erschließt sich nicht. Aber immerhin ist es – kein Ort in den USA ohne Superlativ – mit 77 m Höhe „the tallest all-grannite structure in the United States“. Vielleicht hatte man die Baupläne auch gerade zur Hand, schließlich steht im nicht weit entfernten Boston die schon etwa 15 Jahre früher errichtete etwas kleinere Kopie des gleichen Turmes, nur aus Backstein und als Teil der zentralen Feuerwehrstation gebaut.

Wie dem auch sei, auch für uns ergibt sich ein Superlativ. Der Platz an der Boje kostet hier in Provincetown (gerne auch P´town genannt) 3 Dollar pro Fuß Schiffslänge. Macht für uns 132 Dollar pro Nacht, wenn man zwei bezahlt ist die dritte allerdings frei. Knackig teuer, aber Mittwoch soll viel Wind kommen und wir wollen uns Cape Cod auf alle Fälle intensiver ansehen, also beißen wir in den sauren Apfel. Immerhin können wir es ja durch 4 teilen 😉.

P´town ist quirlig, touristisch, sympathisch und schwer in Regenbogenfarben gehüllt. Hier einige Eindrücke aus der Stadt:

Was uns außerdem richtig gut gefällt, ist die Radtour durch die Dünenlandschaft und den Wald auf der Nordwestspitze von Cape Cod. Der Radweg ist größtenteils unabhängig von der Straße geführt und gut ausgebaut.

Auch am Strand kommen wir entlang, es sieht einladend aus, wobei, zum Baden dann vielleicht auch wieder nicht:

Segel-Eindrücke in Maine

Wir sind schwer beeindruckt von Maine. Warum? Wieder schwer (zu beschreiben).

Die Landschaft, die Menschen, die Tide, die Ankerplätze, das Segeln. O.k., ab und zu auch die Herausforderungen der Lobsterpots. Ich mache es mir heute einfach mal leicht und poste nur ein paar Bilder und (da wir unsere Drohne ziemlich aktiv eingesetzt haben) den Link zu einem kleinen Video. Eindrücke halt.

Landschaft
Lobsterpots in der Anfahrt
Belohnung: Blubber Island bei Port Clyde
Genießen
Weitersegeln
Anders als gestern bleibt der Abendschauer diesmal über dem Festland
Neue Ankerbucht: Marshal Island

Und das Video: Hier 😊.

Maine: Landschaft, Landschaft und Lobster

Jetzt, da nach dem Covid-19-Test der Weg frei ist, Maine zu erkunden, segeln wir erst einmal weiter nach Nordosten. Ein bisschen kreuz und quer durch die an die schwedischen Schären erinnernde Landschaft mit ihren vielen felsigen Inseln.

Begünstigt durch die glatte Wasseroberfläche sehen wir mehrfach Delfine, eine kleinere Art, vielleicht auch Schweinswale, die uns beim Segeln ein Stück begleiten.

Wobei, nicht immer können wir so richtig „frei“ segeln. Da sind zum einen die Felsen unter Wasser, die hier allerdings meist gut gekennzeichnet sind, häufig mit großen Glockentonnen. Zum anderen – und das ist die anspruchsvollere Herausforderung – sehen wir in diesen ersten Tagen hier in Maine schon tausende von Fischertönnchen. Hört sich übertrieben an?

Slalomkurs. Das ist ein Fahrwasser!
Mal wunderbar zu sehen,
mal eher versteckt.

Die „Lobsterpots“ gehören zu Maine wie die Hummer, deren Fallen sie markieren. Unfassbare 100.000 t des Amerikanischen Hummers werden jährlich gefangen (nicht allein, aber eben doch zu einem großen Teil in Maine). Trotz dieser Befischung gilt die Population als stabil bzw. sogar zunehmend. Allerdings müssen die Fischer ihre Fallen zunehmend weiter draußen in größeren Tiefen aufstellen, weil die Wassertemperatur in Küstennähe spürbar angestiegen ist und die Lobster in tieferes kälteres Wasser ausweichen. 19,4 Grad Celsius messen wir heute unter Flora.

Ebenfalls typisch für Maine sind die Kiefern, die nicht nur viele der Inseln bedecken, sondern auch große Teile des Festlandes. Der offizielle Beiname des Bundesstaates ist denn auch „The Pine State“, der Kiefernstaat. An unserem ersten Ankerplatz in einer Bucht bei Small Point Harbor lassen wir die Drohne fliegen und können ganz gut erkennen, woher dieser Beiname kommt.

Rechts von dem Sandstrand auf dem Bild schließt sich der namensgebenden kleine Hafen an. Keine angelegte Marina, sondern ein Naturhafen in einem schmalen Meeresarm, in dem an Bojen kleine Fischerboote, Motorbötchen und auch kleinere Segelboote der versteckt zwischen den Bäumen liegenden Häuser liegen.

Kleines Video dazu gibt’s HIER.

Draußen in unserer Ankerbucht liegen wir dagegen fast allein, nur ein Einhandsegler kommt kurz vor Sonnenuntergang noch hinzu und ankert ein Stück hinter uns.

Für den nächsten Tag verholen wir uns wiederum weiter nach Nordosten, diesmal machen wir zur Abwechslung an einer Boje im belebteren Boothbay Harbor fest. Große Bojenfelder belegen den ganzen inneren Teil der Bucht. Weiter draußen könnten wir zwar ankern, aber die Bojen sind mit 35 $ pro Nacht eher günstig. Wir liegen vor dem Ostufer, wo es zwar auch zwei kleinere Marinas und eine Bootstankstelle gibt, das ansonsten aber eher von den aktiven Lobsterfischern geprägt ist, während sich der durchaus hübsche aber eher touristischere Ortskern am Westufer findet. Eine wiederaufgebaute historische Fußgängerbrücke verkürzt uns den Fußweg, denn wegen des leider zunehmend und ungeachtet meiner Reparaturversuche stotternden Dinghymotors entscheiden wir uns lieber für das nächstgelegene Dinghydock.

Auf dem Rückweg machen wir bei der Boothbay Lobster Wharf Station und bestellen uns uns Abendessen „to Dinghy“, da die rustikale Terrasse gut gefüllt ist genießen wir unseren frisch gekochten Lobster lieber im Cockpit der Flora.

Jill kommt mit ihrem Kajak vorbei gepaddelt, wünscht uns „Guten Tag“ bestellt dann auf Deutsch ein Bier bei uns. 😁 Wir kommen ins Gespräch und reichen ihr eine Dose „Schöfferhofer Grapefruit“ hinüber (hatten wir gerade in Portland gefunden). Und so gibt es zum Sonntagsfrühstück heute morgen ebenfalls lokale Leckereien, denn Jill kommt schon vor dem Frühstück erneut mit ihrem Paddelboot und bringt uns Bier aus der örtlichen Brauerei (testen wir heute Abend) und eine große Portion frische Wildblaubeeren, die zwar klein sind, aber unglaublich intensiv schmecken und perfekt zu unserem amerikanischen Frühstück mit French Toast (Arme Ritter) und Bacon passen. Und als ob das nicht schon gastfreundlich genug wäre, bietet sie uns auch an in ihrem Appartement unsere Wäsche zu waschen und zu duschen, uns zum Supermarkt zu fahren und die Familienmooring in der nächsten Ankerbucht zu nutzen. WOW.

Covid-Testresultate

Das ging schnell. Gestern Nachmittag den Test gemacht, heute Vormittag um 9:30 bekommen wir alle nacheinander jeweils den Anruf: Covidtest negativ. Super, wir dürfen uns frei bewegen und irgendwie löst das Testergebnis auch sonst ein befreiendes Gefühl aus.

Vielleicht noch mal zur Verdeutlichung, weil das in meinem letzten Post eventuell etwas schnell ging. Das ist unsere bisherige Segelroute, wie man sie auch auf http://www.noforeignland.com nachvollziehen kann:

Und präziser, so sieht unsere Strecke an der US-Ostküste bisher aus:

Ein weiteres (sehr positives) Ergebnis des negativen Testresultates ist, dass wir uns Portland noch ein wenig ansehen können. Und die Stadt gewinnt beim zweiten Blick deutlich. Zwar bleibt der Charme der in die Jahre gekommenen Hafenkante doch sehr rau, von Fischerei und Industrie geprägt, aber eben auch authentisch, nur gelegentlich mit romantisierenden Wandbildern aufgehübscht, nicht übertouristisch totrenoviert.

Und schon eine Querstraße weiter hoch in Richtung des Rathauses mit der fast ein bisschen an den Michel erinnernden Turmspitze finden sich nette kleine Geschäfte, diverse Bars, Eisdielen und vor allem: Restaurants. Portland soll eine der besten Kleinstädte für Foodies sein. Wir sind erst skeptisch, aber jedenfalls das aus einem Food-Truck hervorgegangene, von außen äußerst unscheinbar wirkende “mami” entpuppt sich als wunderbares japanisches Restaurant mit überraschender und super leckerer Küche.

Auch der Schrecken der Segler dieser Gegend, zugleich verantwortlich für Slalomfahrten, Propellerschäden (bitte nicht) und – in allererster Linie – Schlemmergenuss findet sich als Lokalkolorit und sogar mit nationalstolzem Dekor: die kleinen Bojen der Lobsterkörbe mit ihren kurzen und damit für Segler oft kaum sichtbaren Stangen bzw. eher Griffen.

Den Abend lassen wir auf der Terrasse des Centerboard Yacht Club ausklingen, wo wir mit herrlichem Blick hinüber auf Portland auf unsere Wäsche in der clubeigenen und für Gäste kostenlos nutzbaren Waschmaschine bzw. Trockners warten. Gutes kostenloses WLAN ist in den 40 Dollar Mooringgebühr ebenfalls enthalten.

Newport, RI

Die meisten Segler haben irgendwann schon mal von Newport, RI, gehört. Wie das von uns schon besuchte Annapolis in der Chesapeake Bay versteht sich auch Newport, Rhode Island, als Segelmetropole der USA. Tatsächlich gibt es im weiten Naturhafen der fast mittig zwischen Boston im Norden und New York im Südwesten gelegenen Stadt große, gut belegte Bojenfelder und auch mehrere gute Ankerplätze. Aber das allein macht es nicht aus.

Von unserem Ankerplatz aus können wir ein Gebäude sehen, das den Anspruch Newports als Segelhauptstadt vielleicht am besten verkörpert, das Clubhaus des New York Yacht Club.

Club und Ort sind eng verbunden mit der wohl ältesten und bekanntesten Segelregatta, dem America’s Cup. Nachdem der vereinseigene Schoner „America“ 1851 die (damals noch nach dem Preisgeld „100 Sovereign Cup“ genannte) Regatta erstmals gewonnen hatte, wurde der Kampf um die im Wortsinn wirklich bodenlose Kanne „Auld Mug“, wie der geschwungene Pokal respektlos genannt wird, bisher 35 mal ausgetragen. Dabei blieb die Siegtrophäe 132 Jahre lang (also bis 1983) in den USA, was sie mit einigen Regeländerungen intensiv unterstützten. Die Titelverteidigung erschien ihnen so selbstverständlich, dass der Pokal tatsächlich in der Vitrine des New York Yacht Club festgeschraubt war (hineinfüllen konnte man ja ohnehin nichts) und vor der Pokalübergabe an die siegreichen Australier erst die Handwerker kommen mussten. Und na klar, nicht nur der America’s Cup wurde mehrfach hier vor Newport ausgetragen, auch andere bekannte Regatten sind mit diesem Ort verbunden. Etwa das regelmäßig alle zwei Jahre ausgetragene aber in diesem Jahr Covid-beding ausgefallene Newport-Bermuda-Race und (muss ich natürlich erwähnen) die Daimler-Chrysler-North-Atlantic-Challenge 2003 sowie das HSH Nordbank Blue Race 2007, die beide jeweils von Newport, RI nach Hamburg führten.

Aber auch zwei bekannte Namen sind mit dem Ort und dem America’s Cup eng verknüpft. Da ist zum einen Nathanael Herreshoff. Der weltberühmte Yachtkonstrukteur aus Bristol hier an der Narragansett Bay hat nicht nur im Nachbarort seine Manufacturing Company, wo insgesamt sieben der siegreichen America’s Cup Yachten gezeichnet und z.T. auch gebaut wurden, er gestaltete auch entscheidend das Regelwerk hinsichtlich der Bauvorschriften für die am Cup teilnehmenden Yachten im frühen 20. Jahrhundert (ab 1902 Herreshoff Rule, später in Universal Rule umbenannt).

Der zweite Name ist Vanderbilt. Der 1794 geborene Cornelius Vanderbilt hat aus kleinen Verhältnissen kommend zunächst eine Ein-Segelboot-Fährlinie von Staten Island nach New York betrieben, und sich dann sehr erfolgreich zunächst als Reeder und nach dem amerikanischen Bürgerkrieg als Eisenbahn-Unternehmer engagiert, wobei er wegen seines rücksichtslosen Geschäftsgebarens zum Inbegriff des „Räuberbarons“ wurde. Konkurrenten, die er für den Verlust von Transitrechten durch Nicaragua verantwortlich machte, schrieb er den berühmten Brief:

„Meine Herren! Sie haben es gewagt, mich zu betrügen. Ich werde Sie nicht verklagen, denn die Justiz ist zu langsam. Ich werde Sie ruinieren. Hochachtungsvoll, Cornelius Vanderbilt“ (Quelle: Webseite der Vanderbilt Universität)

Cornelius Vanderbilt (allerdings der II., ein Enkel des oben genannten) hat in Newport anstelle eines abgebrannten Vorgängerbaus der Familie eine 1895 fertiggestellte Privatresidenz errichten lassen, das „The Breakers“. Obwohl nur eine von diversen Residenzen der Familie ist das auf einem Kliff über dem Atlantik im Stil eines genuesischen Palastes gebaute Anwesen doch bis heute die größte Privatresidenz von (dem an solchen nicht eben armen) Newport. Auch das ist USA: Copy and Prunk. Wobei die bauliche Anlehnung an fremde Historie gekoppelt wurde mit modernster Ausstattung, etwa elektrischem Licht und Fahrstuhl, Badewannen mit wahlweise Frischwasser oder Salzwasser, beides warm oder kalt. Mit dem America’s Cup sind die Vanderbilts natürlich auch verbunden. Ein Sohn der Familie, Harold S. Vanderbilt, hat nicht nur die Bridge-Regeln verändert und das Kartenspiel damit populär gemacht, sondern in den Jahren 1930, 1934 und 1937 in seinen J-Class Yachten Enterprise, Rainbow und Ranger den America’s Cup gewonnen bzw. jeweils verteidigt.

Und was machen wir in Newport? Nachdem wir gestern mit der Crew der Escape die Stadt erkundet haben, machen wir uns heute auf die sehr empfehlenswerte Wanderung auf dem ausgeschilderten Cliff Walk. Hier kann man die zeitlose landschaftliche Schönheit und die bautechnischen Höhenflüge gleichermaßen betrachten. Gemeinsam mit Steve und Helena, Greg und Michael bewältigen Wiebke und ich den überwiegend eher leichten, aber immerhin 12 km langen und jedenfalls kurzweiligen Spaziergang. Schließlich lockt am Ende ein leckeres Eis in Newports Hauptstraße, fast gegenüber der Kirche in der J.F. Kennedy seine Jackie geheiratet hat.

Absoluter Gewinner im Eyecatcher-Contest für mich: Die Landschaft

Connecticut: Kulissenwechsel

Nur einmal kurz über den Sund gesegelt, schon gibt’s statt langer Sandstrände und Dünen felsige Granitinseln mit Holzhäusern drauf. Schärenlandschaft.

Dänemark 🇩🇰 nach Schweden 🇸🇪, Gilleleje nach Hallands Väderö, Anholt nach Öckerö? Ja, auch. So kannten wir das bisher. Jetzt lernen wir, das Gleiche gilt auch für New York 🇺🇸 nach Connecticut 🇺🇸, Long Island nach Thimble Islands.

Es ist, als hätte man im Theater einmal kurz geblinzelt und die Kulissenschieber hätten – schwupp – auf die nächste Szene, den nächsten Aufzug gewechselt.

Was die Thimble Islands (wörtlich übersetzt: Fingerhut-Inseln) von ihren schwedischen Verwandten unterscheidet: Landgang ist schwierig bzw. zumeist nicht gestattet. Die Inseln sind im Privatbesitz und die Schilder mit “No trespassing” allgegenwärtig. Macht uns aber nichts aus, wir sind froh, überhaupt nach Connecticut reisen zu können. Die obligatorische Anmeldung per Telefon bei der Coast & Border Patrol ist insofern spannend, als Connecticut gerade wegen Covid eine obligatorische zweiwöchige Quarantäne für die Einreise aus diversen anderen Bundesstaaten verkündet hat. Darunter ist Maryland wo wir ja vor weniger als zwei Wochen noch waren. Andererseits, jetzt kommen wir aus New York State. Wie auch immer, wir haben jedenfalls keinerlei Problem.

Und so schlängeln wir uns zwischen halbüberspülten Felsbrocken und Inselchen hindurch an eine der Stellen, die wir als Ankerplatz ausgemacht haben. der Revierführer strotzt nur so vor “Caution!”, aber die Einfahrt ist gut betont und nicht allzu schwierig. Die Wahl des Ankerplatzes ist allerdings wegen einiger auf dem Grund liegender Kabel und wegen der vielen privaten Bojen etwas knifflig. Wir finden einen Platz (wenn auch mit begrenztem Schwoiraum) und im zweiten Versuch hält der Anker in dem schlammigen, muscheldurchsetzten Grund.

Kurz darauf zeigt sich die amerikanische Gastfreundschaft. Ein Motorboot löst sich von einer Mooring und kommt bei uns vorbei. Der Skipper informiert uns über am Abend zu erwartende heftige “Thunderstorms” (Gewitterböen) und bietet uns an, an die von ihm freigemachte kräftige Mooring zu gehen, die seinem Verein gehört. Machen wir.

Endlich ist das Wasser auch wieder klarer. Ich schwimme ausgiebig, auch wenn der Einstieg bei einer Wassertemperatur von 24 Grad uns nach der Karibikverwöhnung frisch erscheint 😉.

Zum Abendessen gibt’s auf der Überfahrt frisch gefangenen Bluefish (Blaubarsch). Danach kommt George von der neben uns an der Boje liegenden Saber 38 herüber und versorgt uns mit Tips für die Gegend, sowohl was Ziele angeht als auch hinsichtlich der Tidennavigation hier, die mit rund zwei Meter Tidenhub und kräftigen Strömungen in den Engstellen nicht ganz ohne ist.

Lange bleiben kann George nicht, dass Gewitter ist tatsächlich schon im Anmarsch, wird dann aber nicht so schlimm wie befürchtet. Trotzdem sind wir froh, an die Mooring gewechselt zu haben, um die herum Flora in den Böen bei wechselnden Strömungen einige Pirouetten dreht.

New York: Jetzt aber richtig

Nachdem gestern Abend ja erstmal die Ankunft gefeiert wurde, jetzt noch mal deutlich ausführlicher:

Wir sind superfroh, angesichts der Regenfront erst mal nach Sandy Hook abgelaufen zu sein und dafür dann am nächsten Tag bei Kaiserwetter in den Hafen von New York einzulaufen.

Dafür müssen wir uns zunächst mal durch die vielen Muschelfischer in der Sandy Hook Bay hindurchschlängeln, die mit speziellen Metallkäschern an langen Stangen und offenbar harter körperlicher Arbeit die Muschelbänke abernten. Mit pumpenden Bewegungen von Oberkörper und Armen am T-förmigen Griff wird das Gerät über den Grund gezogen und dann ins Boot geleert.

Ein Stück weiter Richtung NY sind es dann unzählige Angelboote, die uns zur Slalomfahrt nötigen. Der Fischreichtum zeigt sich aber auch in den an der Oberfläche springenden Schwarmfischen (wir vermuten Menhaden) und den vielen Delfinen in der Bucht.

Dann geht’s unter der Staten Island und Brooklyn verbindenden Verrazano-Narrows-Bridge hindurch in den Hafen von New York. Und ja, es ist ein äußerst lebendiger Hafen, mit Großschifffahrt, Schubverbänden, viel Fährverkehr, Frachtern auf Reede, geparkten Schuten, jeder Menge kreuzender oder abzweigender Fahrwasser mit entsprechender Betonnung, mehreren einmündenden Flüssen, dazu regem Sportbootverkehr und erstaunlich vielen Jetskis. Dazu reichlich Polizei- und Coastguardboote und – um die Wuselei komplett zu machen – diversen tieffliegenden Hubschraubern. Trotzdem beschert uns Covid einen mutmaßlich wesentlich ruhigeren Hafen als sonst üblich. Kreuzfahrer fehlen komplett, ebenso die Besucherboote für Liberty Island 🗽 und Ellis Island. Das macht sich für uns um so mehr bemerkbar, als wir ja genau zwischen diesen beiden Inseln ankern.

Das allerdings erst, nachdem wir gleich bei unserer Ankunft mit der SY Escape ein gegenseitiges Fotoshooting unserer Boote unter Segeln vorgenommen haben. Annemarie und Volker wollen nämlich gerade aufbrechen, schade, aber immerhin passt es perfekt und wir werden uns hoffentlich schon bald im Long Island Sound wiedersehen. Aber dadurch haben wir diese tollen Fotos der Flora bekommen (und sie auch ein paar ganz gute der Escape 😉):

Das anschließende Feiern hält uns aber nicht davon ab, noch ein paar Abend- und Nachtfotos der Kulisse an unserem Ankerplatz zu machen:

Und weil ich mich nicht sattsehen kann, gleich noch ein paar frühe Fotos von heute morgen (“The City never sleeps!) vor und zum Sonnenaufgang über Manhattan: