Ono im Great Astrolabe Reef

Von Gau aus segeln wir bei weiterhin idealen Bedingungen in einem langen Tagesschlag von etwas über 70 Seemeilen zum Great Astrolabe Reef. Wie vorhergesagt nimmt der Wind unterwegs langsam ab und dreht achterlicher, wir wechseln von der Fock auf den Code0 und weiter auf unser größtes Vorsegel, den Gennaker.

Herrliches, flottes Segeln. Und schnell muss es sein, denn auch so schaffen wir es nur gerade eben bei Tageslicht in das Great Astrolabe Reef einzulaufen, der Anker fällt genau zum Sonnenuntergang bei Buliya Island. Am nächsten Morgen folgt das Sevusevu beim Chief des Dorfes. Erstmals sitzen wir dazu im Haus eines Chiefs nicht klassisch auf dem Boden, sondern auf einem Sofa. Chief Joe und seine Frau Cilia laden uns zum Tee ein und wir reden lange über Fiji, Deutschland und über Australien. Dort haben die beiden lange gelebt, ihre Kinder und Enkel wohnen dort. Während unseres Besuchs geht ein schwerer Regenschauer nieder, das Wetter hat sich deutlich verschlechtert.

Unser Ankerplatz wird auch zunehmend unruhig, wir verlegen die Flora eine Meile weiter südlich zu einer kleinen Nachbarinsel. Hier liegen wir etwas besser und hätten eigentlich die Chance, mit Mantas zu schnorcheln. Nur, die natürliche Putzerstation für diese großen Rochen ist in den jetzigen Bedingungen zu exponiert, um dort in Ruhe zu schnorcheln, etwa einen Meter hohe Wellen ziehen darüber hinweg. Wir bleiben eine Nacht, aber als es nicht besser wird und für die nächsten Tage noch kräftigere Winde mit Böen deutlich über 30 Knoten vorhergesagt werden, verholen wir erneut. Wir bleiben in der vom etwa 65 km langen Great Astrolabe Reef geschützen Kadavu-Inselgruppe. Dieses Mal fällt der Anker in der gut geschützten Bucht vor dem Dorf Nabouwalu an der etwas größeren Insel Ono.

Auch wenn der innere Teil der Bucht von Nabouwalu durch ein großes Flachwassergebiet mit vorgelagerten Korallen gebildet wird, liegen wir hier sehr geschützt.

Der Zugang zum Dorf ist allerdings nur um Hochwasser herum möglich, bei Niedrigwasser ist selbst die Einfahrt in das etwas tiefere Flussbett vor dem Ort für unser Dinghy zu flach.

Wir kommen an einem Sonntag an und hören, wie die Trommeln im Dorf zum Kirchgang rufen. Es regnet, wir bleiben an Bord. Die Fahrt in den Ort zum Sevusevu machen wir dann am Montag, allerdings immer noch im Regen.

Am Dienstagnachmittag kommt tatsächlich mal die Sonne durch, Zeit für die Drohnenbilder. Und – wer sagt es denn – sogar für einen Sundowner.

Heute zeigt sich die Sonne zwar nicht, aber immerhin bleibt es (fast) trocken. Wir nutzen das für einen ausgedehnten Hike über die Insel Ono. Leider verschusseln wir, die Wander-App Komot gleich zu Beginn einzuschalten, etwa 10 Kilometer werden es insgesamt wohl. Als Guide hat sich Isea angeboten, der uns bei unserer Anlandung in Nabouwalu begrüßt. Ohne ihn hätten wir den manchmal recht zugewachsenen Pfad wohl auch nicht gefunden. Isea holt von Zuhause kurz noch Gummistiefel und eine Machete, mit der er zwischenzeitlich auch den Trail freischlägt.

Das Höhenprofil unserer Wanderung sieht gar nicht sonderlich anstrengend aus, aber die schmalen und vom Regen der letzten Tage rutschigen Pfade haben es durchaus in sich. Bei unserer Rückkehr spüren wir unsere untrainierten Beine deutlich. Aber es lohnt sich. Der Trail führt erst durch Kassavafelder am Dorf, dann durch verschiedene Wälder. Palmen, Baumfarne, Bambus und Kiefern wechseln sich ab. Über Trittsteine queren wir mehrere Bäche.

Isea erklärt uns, dass auf dem fruchtbaren Ono – anders als auf den meisten kleineren Inseln – sogar der Kawa-Strauch wächst und er zeigt uns, welche weiteren Pflanzenteile davon außer der Wurzel noch verwendet werden.

Im Dorf Naqara werden wir freudig begrüßt. Die Kinder der Schule üben draußen gerade für ihr Fest zum Abschluss des Schulhalbjahres am Ende dieser Woche. Lehrerin Sala hat die jüngeren Klassen versammelt und sie trainieren enthusiastisch ein Meke, die traditionelle fijianische Kunstform, die Gesang, Tanz und das Erzählen von Geschichten vereint. Wir dürfen zuschauen:

Ab durch die Mitte: Lomaiviti

Fiji gliedert sich in 14 Distrikte, aber obwohl wir schon drei Monate durch Fiji segeln, haben wir erst zwei davon besucht. Das hat mit der Weitläufigkeit Fijis, aber auch mit dem Zuschnitt der Distrikte zu tun. Allein 8 der 14 Distrikte liegen auf der Hauptinsel Viti Levu, da waren wir bisher mit Flora noch nicht. Der erste von uns besuchte Distrikt „Cakaudrove“ beinhaltet neben einem großen Teil der zweitgrößten Insel Vanua Levu in der Umgebung von Savusavu auch die Nachbarinsel Taveuni. Und der zweite von uns besuchte Distrikt „Lau“ hat zwar nur 9.600 Einwohner, aber die leben eben verteilt auf abgelegenen und über rund 400 km verstreut liegende Inseln im Osten Fijis. Da gab es viel zu entdecken.

Jetzt aber geht es in das Herz Fijis, geographisch und auch historisch. Lomaiviti heißt dieser Distrikt, der die Inselgruppe im Zentrum bezeichnet. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn Lomai bedeutet auf fijianisch Mitte/Zentrum/Inneres und Viti eben Fiji. Historisch war zudem bis 1882 Levuka auf der zu Lomaiviti gehörenden Insel Ovalau die Hauptstadt Fijis.

Das Wetterfenster ist ausnahmsweise günstig, um von Savusavu aus nach Süden in Tagesetappen durch Lomaiviti zu segeln. Unser erstes Ziel ist dabei die Insel Koro. Diese fruchtbare Vulkaninsel bietet zwar wenig guten Ankergrund, aber vor einem Resort in Nordwesten der Insel sind mehrere Mooringbojen ausgebracht. Ideal für einen Übernachtungs-Zwischenstopp, zumal kein Sevusevu erforderlich ist und die etwa 8 Euro Mooring-Gebühr gleichzeitig als Verzehrgutschein an der Bar gilt.

So hatten wir es vorher gelesen und so ist es im Prinzip auch, nur ist das Resort eigentlich noch gar nicht in Betrieb. Als wir mit dem Dinghy am ewig langen Steg des Resorts anlanden, die nur mit Angelschnur befestigte Aluleiter hinaufklettern und zur Rezeption gehen, wird das beim Näherkommen immer deutlicher. Was aus der Ferne durchaus ansehnlich schien, entpuppt sich als aktive Baustelle.

Immerhin, die Rezeptionistin gibt uns an der Bar zwei Dosenbier und wir dürfen uns auch auf dem Baustellengelände bewegen, sogar die Hängematten am Strand benutzen.

Und wir sehen mehrere der auf dieser kleinen Insel endemischen Koro-Rotglanzsittiche, einer Unterart der Pampadursittiche.

Am nächsten Morgen zieht es uns dennoch früh weiter, wir wollen den günstigen Wind für einen 45 Seemeilen langen Schlag hinunter in die Lagune von Gau nutzen. Es wird ein wunderschöner Segeltag bei bestem Wetter.

Bei der Einfahrt in die Lagune allerdings sehen wir, dass sich an einem Hügel der Insel ein Feuer entwickelt. Rauchwolken kleinerer Brände sind auf Fiji Alltag, völlig normal. Müll wird verbrannt, Felder abgeflammt. Das hier sieht anders aus, entwickelt sich weiter, läuft bei starkem Wind in beide Richtungen die Hänge hinauf.

Wir überlegen ernsthaft, ob wir weiterfahren sollen, auch wenn der Wind den Rauch von unserem Ankerplatz zum Glück fernhält.

Beim Sevusevu am nächsten Morgen (im Dorf Sawaieke sind Sonnenbrillen o.k., Rucksäcke tragen jedoch tabu) erklärt uns der Chief dann aber bei Tee und Roti, das sei kein außergewöhnliches Feuer gewesen. Ein Farmer habe nur sein Feld-Yams abgeflammt und würde jetzt die Wurzeln ernten. Alles ganz normal. Hm. Wir hatten uns wirklich Sorgen um das Dorf gemacht, das genau zwischen dem Feuer und unserem Ankerplatz liegt.

Überhaupt, der Ankerplatz. Zwar ist die Einfahrt in die geschützte Lagune im Westen der Insel Gau recht einfach, aber trotzdem statten ihr vergleichsweise wenige Boote einen Besuch ab. Die Lagune ist fast überall über 30 m tief und steigt dann zum auch landseitig vorhandenen Korallenriff steil an. Wir ankern in der Herald Bay, hier zeigt das Satellitenbild im landseitigen Riff mehrere größere Sandflecken zwischen tiefer liegenden Bommies. Als wir näher kommen, können wir sowohl die Korallen als auch den Sandgrund auf 8 m Tiefe gut erkennen. Nach dem Manöver schnorcheln wir den Raum noch einmal ab, in dem Flora herumschwingen kann. Ganz viel Platz haben wir nicht, aber es geht und etwas besseres werden wir hier nicht finden.

Schön ist dafür, dass wir von der Bucht aus auf einem Feldweg einen herrlichen Spaziergang ins Dorf machen können. Mal mit Aussicht auf die Lagune, mal mit Papagei im Dickicht, mal sogar mit einem kleinen Bachlauf. Frei laufende Schweine mit ihren Ferkeln nutzen ihn zur Abkühlung …

… aber im Matsch des Bachufers entdecke ich noch eine gut getarnte echte Besonderheit: Schlammspringer (engl.: Mudskippers)! Die habe ich überhaupt erst einmal gesehen, das war vor über 10 Jahren in Hagenbecks Tierpark in Hamburg. Jetzt sitzen diese 10 bis 15 cm kleinen Wunder der Natur hier im Morast und auf Ästen am Ufer herum. Es sind amphibisch lebende Fische, die den Großteil ihres Lebens außerhalb des Wassers verbringen. Mit ihren Brustflossen können sie sich an Land hüpfend fortbewegen.

Noch ein paar Impressionen aus dem Dorf Sawaieke:

Wir besuchen auch noch die Schule des Ortes, hier werden Kinder bis zur 8. Klasse unterrichtet. Und auch wir lernen etwas: der Lehrer klärt uns lachend darüber auf, dass die Steine am Hang unterhalb des Schulgebäudes keineswegs für das von uns hinterfragte Notsignal S.O.S. stehen. Finanziell knapp sei man, aber nicht in Not.

Vielmehr heißt es S.D.S, Kürzel für Sawieke District School. ☺️

Bula im Paradise. Zur Südspitze von Taveuni und zur Viani Bay am Rainbow Reef

Das fängt schon mal gut an: bester Segelwind und fast direkt nach der Ausfahrt aus dem Atoll Vanua Balavu geht uns endlich wieder einmal ein kleiner Thunfisch an die Angel. In den Atollen fischen wir ja wegen der Ciguatera-Gefahr nicht und auf den Passagen war uns das Angelglück zuletzt nicht wirklich hold. Der Bonito beschert uns für die nächsten Tage schöne Filets. Poke-Bowls, Fisch-Tacos und orientalisch scharf angemacht mit Couscous-Salat zaubert Wiebke daraus.

Möglich wird das auch dadurch, dass wir in der an das Paradise-Resort an der Südspitze von Taveuni angeschlossenen kleinen Bäckerei Tomaten und sogar Paprika kaufen können. Und ja, ein Abendessen im Restaurant des Resorts ist bei unserem kurzen Aufenthalt dort sogar auch noch drin. Das Paradise ist extrem Segler-freundlich: wir dürfen unseren Müll dort entsorgen, könnten mit Kanistern am Dinghysteg Frischwasser nehmen und sind sogar eingeladen, den Pool zu benutzen. Im Gegenzug wird nur ein Besuch an der Bar oder im Restaurant erhofft. Die etwa zehn eigens für die Segelboote ausgelegten Moorings sind bei unserer Ankunft zwar alle schon belegt, aber mit das Boot der Tauchschule des Ressorts kommt zu uns heraus, begrüßt uns mit einem freundlichen „Bula“ und zeigt uns, wo wir am besten ankern können. Der Ankergrund ist allerdings schwierig: die Kette verknotet sich gleich in den Felsen. Also erst einmal Flossen an und Maske auf, den Anker auf 9 m Tiefe befreien und neu ankern (ich werde ihn allerdings am nächsten Morgen erneut freischnorcheln müssen). Dann aber gibts das verdiente Ankommensbierchen an der Bar bzw. auf der Schaukel im Restaurantgarten und ein nettes Abendessen mit anderen Seglern im Restaurant.

Am nächsten Morgen sieht das Wetter freundlicher aus, beim Gang zum Bäcker durch das liebevoll dekorierte Paradise machen machen wir nochmal Halt an der Schaukel.

Auf dem Weg zurück zum Boot gibt’s mit einem fröhlichen „Bula“ die nächste gastfreundliche Überraschung: für alle Bojen- und Ankerlieger hat das Resort eine Tüte mit frischen Zimtschnecken vorbereitet. Die sollen jetzt gerade ausgeliefert werden, aber da wir gerade an Land sind, bekommen wir die Flora-Tüte gleich in die Hand gedrückt:

Trotzdem geht’s für uns nach nur einer Übernachtung weiter, denn auf wir wollen mit Barbara und Ralph von der Lille Venn Ralphs Geburtstag feiern. Die Lille Venn kommt von Norden die Somosomo Strait herunter, wir überqueren sie von Süden her. Wir treffen uns in der Viani Bay, die durch das ihr vorgelagerte Rainbow-Riff gut geschützt ist.

Wunderbar: hier ankert gerade auch die Kavenga unserer amerikanischen Freunde Heather und Jim, die wir in British Columbia kennengelernt und seitdem unterwegs mehrfach wieder getroffen haben.

Ingo ist mit der Easy-One ebenfalls da, wir haben einen gemeinsamen Sundowner auf der Flora.

Und mit der Ville Venn Crew feiern wir nicht nur Ralphs Geburtstag, sondern verbringen auch sonst wieder eine richtig gute Zeit miteinander.

Das Rainbow-Reef bietet aber nicht nur dem Ankerplatz Schutz, es ist zudem einer der besten Tauchplätze in Fiji. Insbesondere ist dieses Riff bei Tauchern weltweit bekannt und trägt den Beinamen „Hauptstadt der Weichkorallen“. Die über 2.000 Meter tiefe Koro-See quetscht sich hier zwischen Fiji‘s zweitgrößter Insel Vanua Levu und der drittgrößten Taveuni hindurch, wobei der Meeresgrund an der beidseitig von Riffen begrenzten Engstelle auf nur etwa 100 m Wassertiefe ansteigt. Dadurch werden Nährstoffe in die oberen Wasserschichten gespült. Davon wiederum profitieren neben den Fischen auch die Blumentierchen, Hartkorallen aller Art, vor allem eben die hier so reichlich gedeihenden Weichkorallen.

Von meinen bisher vier Tauchgängen hier stehen zwei ganz besonders heraus. Zuerst der am „Little Cabbage Patch“ (übersetzt: Kleines Kohlfeld). Hier sind Turbinaria-Steinkorallen dominant. Sie bilden in mehreren Schichten breite, um einander verdrehte Platten, die sich wie die Blätter eines riesigen Unterwasserkohls stapeln. Taucht man darüber, ist es als ob man über ein eine untergetauchtes Kohlfeld fliegt. Oder – blumiger – über eine Landschaft wirbelnder Rosenblüten. Mit Fischen statt Bienen.

Lila-blaue Weichkorallen an einer Steilwand sind namensgebend für den Tauchplatz „Purple Wall“. Daran schiebt uns die Strömung bei diesem Drift-Dive allerdings vergleichsweise schnell vorbei, weil die Wand vertikal stärker als horizontal ausgedehnt scheint. Faszinierend ist es trotzdem.

Und sonst: neben der Korallenvielfalt begeistert auch der Fischreichtum. Und – endlich – entdecken wir auch wieder Nudibranchs. Diese Nacktkiemer sind zumeist ziemlich kleine Unterwasserschnecken, deren extreme Farb- und teilweise auch Formgebung Fressfeinde abschrecken soll.

Qilaqila / Bay of Islands

Seglerisch schlägt das türkisfarbene Herz 🩵 der nördlichen Lau-Gruppe ganz sicher in Qilaqila. An diesem traumschönen Ankerplatz sind wir jetzt!

Besser bekannt ist dieser Ort als „Bay of Islands“ im Atoll von Vanua Balavu. Allerdings hat ja neben Fiji praktisch jedes englischsprachige Land eine Bay of Islands, am berühmtesten ist sicher die auf Neuseelands Nordinsel.

Wir bleiben deshalb dem von den iTaukei (den indigenen Fijianern) verwendeten Namen Qilaqila, obwohl die gar nicht mal so große Bucht im Nordwesten von Vanua Balavu tatsächlich eine Unmenge von kleinen und noch kleineren Korallen-Inseln aufweist. An mehreren Stellen schmiegen sich die Eilande ganz eng aneinander. Sie bilden ein Labyrinth mit schmalen Durchlässen, von denen viele bei Niedrigwasser selbst mit dem Dinghy nicht passiert werden können. Für die Segelboote bleiben diese kleinen flachen Hintertürchen zwar versperrt, es bieten sich zwischen den zumeist dicht bewachsenen Inseln aber trotzdem eine Vielzahl von wunderschönen Ankerplätzen an. Wir entscheiden uns für einen ganz speziellen, eben für das Herz. Rückwärts fahren wir in die enge Bucht, lassen dabei auf 4 m Wassertiefe den Anker in den Sand fallen. Eine Landleine nach hinten, später noch jeweils eine weitere zu den Seiten.

Eingeparkt. ☺️

(für bessere Auflösung auf die kleinen Bilder klicken)

Das Wetter ist ein bisschen durchwachsen, sonnige Abschnitte wechseln sich mit Regen ab. Sollten die Pilz-Inseln mit dem ganz dünnen Stiel eigentlich Regenschirm-Inseln heißen?

Unsere zwischenzeitlichen Nachbarn Rosa und Gunnar lassen sich scheinbar inspirieren und setzen mit dem knallroten echten Regenschirm (und mit den roten Masten ihres Wharram-Katamarans) herrliche Farbtupfer in die grün-türkise Kulisse.

In einem trockenen Abschnitt steht mal wieder ein Ausflug in den Mast der Flora an. Rigg checken: ja, auch das. Vor allem aber: unsere Windanzeige ist auf der Herfahrt hinsichtlich der Windstärke in den Streik getreten, zeigt die Windrichtung aber weiterhin an. Wahrscheinlich ist also nur das Anemometer (das sich eigentlich durch den Wind drehende Schalenkreuz) fest. In 20 m Höhe mit etwas Schmiermittel eingesprüht, lässt es sich tatsächlich wieder leicht drehen.

Wir bleiben noch ein wenig und wollen das Labyrinth über und unter Wasser erkunden.

Bavatu Harbour

Im Norden von Vanua Balavu schneidet der Naturhafen Bavatu etwa einen Kilometer tief in das Inselinnere. Eine 40 m hohe Insel teilt steil aufragend die Einfahrt, so dass die Bucht fast rundherum geschützt ist. Das ist gut, trotzdem suchen wir uns ob des Starkwind ankündigenden tiefdunklen Lilas der Windvorhersage einen Platz in der hinterste Ecke von Bavatu Harbour.

Hier, ganz im Südosten der Bucht, können wir uns wunderbar verkriechen. Wir liegen im Windschatten einer senkrecht vor uns in die Höhe steigenden Felswand. Die kleine, dicht bewachsene Insel hinter uns bietet zudem die Gelegenheit zum Ausbringen einer Landleine. So können wir Flora quasi fest einparken und schwingen an dem engen und nach hinten schnell flach werdenden Ankerplatz nicht herum.

Kurz nach uns kommt die Lille Venn an, sie entscheidet sich für die andere Seite der kleinen Insel. My Motu legt sich dann wiederum auf unsere Seite. Was für ein herrliches Fleckchen!

Tatsächlich haben wir hier bisher von den kräftigen Winden und Böen praktisch nichts gespürt.

Die Nähe zu den dicht mit alten Bäumen bewachsenen Uferwänden hat zudem noch einen weiteren Vorteil: wir können von der Flora aus Flughunde an ihren Rastplätzen beobachten. Auch wenn wir die meisten nur im Flug sehen, weil sie zum Abhängen hinter das dichte Blattwerk schlüpfen, ein paar dieser hier wohl etwa 80 cm Flügelspannweite messenden Fledertiere zeigen sich uns dann doch auch vor dem grünen Vorhang:

Und wir können an diesem geschützten Platz im Bavatu Harbour die Flora auch gut mal alleine lassen und einen Hike auf die andere Seite der Insel machen. Durch den Wald hindurch und auch quer über die unerwartet großflächigen, mit Palmen bestandenen Weiden einer Farm.

Beim Wandern huschen vor uns immer wieder kleine Eidechsen davon. Insbesondere beim Sonnenbaden auf den aus den Wiesen ragenden Korallensteinen (oder ganz oben auf einer Mimose) können wir sie dann doch auch in Ruhe beobachten. Es sind Pazifische Blauschwanz-Eidechsen. Trotz des Namens ist der im Verhältnis zum Körper auffällig lange Schwanz allerdings nur bei Jungtieren wirklich auffällig irisierend blau. Mit zunehmendem Alter wechselt die Farbe über Blaugrün zu dem unauffälligen Braun des Körpers.

Eine zusätzliche Belohnung bei dieser ohnehin schon schönen Wanderung ist der Aussichtspunkt am westlichen Ende des Trails. Hoch oben von einer steilen Klippe bietet sich ein famoser Blick über die „Bay of Islands“. Dieses kleine Juwel ist mit seinem Gewirr von Inseln und Buchten für die meisten Segler der Hauptgrund für das Törnziel Vanua Balavu.

Wanderin über dem Inselmeer

(oder Korallenfelsen auf Vanua Balavu)

Damit blicken wir auch auf unser nächstes Ziel, denn wenn sich der Wind etwas legt, wollen wir Flora um die Nordwestecke von Vanua Balavu herum in die Bay of Islands segeln. So richtig eilig haben es damit aber weder der Wind noch wir.

Purer Zufall: Gerade als wir wieder weiter wandern wollen, kommt Ingo von der Easy-One am Aussichtspunkt an. Er ist von der Bay of Islands herauf gewandert. Zuletzt hatten wir uns in Französisch Polynesien gesehen. Verabredet haben wir uns hier oben nicht, wollten uns aber in der nächsten Zeit in der Bay of Islands treffen.

Tagesreise zum etwas ANDEREN Supermarkt

Von Yagasa in der abgelegeneren südlichen Lau-Gruppe machen wir einen Übernacht-Törn von 115 Seemeilen hinauf nach Vanua Balavu, der Hauptinsel der Lau.

Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/File:VANUABALAVU_MAP_TURAGA_NA_RASAU.GIF#/media/File:VANUABALAVU_MAP_TURAGA_NA_RASAU.GIF
Unser Noforeignland-Track von der Südlichen Lau-Gruppe hinauf nach Vanua Balavu

Mittags segeln wir los und besonders in den ersten sechs Stunden ist es herrliches Bilderbuch-Segeln. Guter Wind und glattes Wasser, so schön hatten wir das lange nicht mehr. Auch die Nacht durch bleibt es fein, nur die Wellen nehmen etwas zu. Und obwohl wir bis ins dritte Reff gehen, sind wir etwas zu schnell unterwegs. So drehen wir vor der Einfahrt in das Riff von Vanua Balavu bei und warten ab, bis es hell wird. Erst dann laufen wir durch den breiten und jetzt gut erkennbaren Südost-Pass in die große Lagune ein und steuern die Insel Susui an.

In der Bucht vor dem kleinen Dorf liegen schon Mareike mit ihrer Moana sowie die Norweger Carine und Bruse mit ihrer Noxoma vor Anker, jetzt kommen die Flora und kurz darauf die Lille Venn dazu.

Mareike berichtet, dass Headmann Jacob und die meisten anderen Inselbewohner zur Zeit im Hauptort Lomaloma auf Vanua Balavu sind, weil ein neuer Chief in sein Amt eingeführt wird. Unser Sevusevu muss deshalb warten und findet später dann untypisch für Fiji stark verkürzt statt: als wir gerade alle beim Sundowner auf der Moana sitzen (und die Siege von Norwegen und der Schweiz feiern), kommt Jacob mit seinem Longboat zurück und hält bei uns an. Nein, morgen sei er wieder in Lomaloma. Ob wir ihm vielleicht einfach die Kawawurzeln geben könnten? Na klar und schwupp – Sevusevu ist schon durch, wir sind willkommen im Dorf und auf der Insel.

Nach nunmehr schon über sechs Wochen ohne echten Einkauf geht unser Gemüse langsam wirklich zur Neige. Hier auf Susui ist keins zu bekommen, aber andererseits würden wir gerne noch etwas hier bleiben. Wir vereinbaren mit Jacob, dass er am übernächsten Tag die Crews der Flora, der Lille Venn und der Noxoma mit seinem Longboat hinüberfährt zu einer Farm auf Vanua Balavu.

Und so machen wir das.

Glücklicher Zufall: das Versorgungsschiff ist auch gerade in Lomaloma. In dem kleinen Dorfladen dieses mit 250 Einwohnern Hauptortes von Vanua Balavu können wir deshalb neben Kartoffeln und Zwiebeln sogar einige Äpfel erstehen. Und, in der zum Laden gehörenden „Tankstelle“, auch Benzin für den Außenbordmotor unseres Dinghies.

Nebenbei: hier gibt es auch ein lange entbehrtes Speiseeis.

Für den eigentlichen Gemüseeinkauf steigen wir um in einen Pickup (bzw. für die Jungs auf die Ladefläche). Mit dem geht es über Schotterstraßen und Feldwege in Richtung Farm.

Zwischendurch machen wir noch Halt bei der Yavusavusawaitui Womens Expo 2026. Im Caree um den Dorfplatz sind Pavillons aufgestellt. Festlich gekleidete Damen sitzen auf dem Boden oder am Rand der Pavillons im Sonnenschutz, teilweise werden Produkte wie Fächer oder Kokosöl zum Verkauf angeboten.

Auch wenn sich uns der Sinn nicht so richtig erschließt, immerhin können wir vor Ort gleich nebenan Bok Choy kaufen.

Ein Dorf weiter holen wir dann den Farmer ab und mit ihm geht es steil den Berg hinauf zu seinem (hauptsächlich) Gemüseanbau. Unser Supermarkt-Ersatz will sportlich erarbeitet werden!

Weißkohl, Tomaten, Grüne Bohnen, Kürbis, Auberginen. Wow. Dazu frischer Koriander und Papayas. Zwei Rucksäcke und eine Tasche schleppen wir zurück.

Jacob nimmt auch noch einen Via mit. Die stärkehaltige Pflanze ähnelt dem verwandten Taro, allerdings wird bei Via nicht die Wurzel sondern der Stamm geerntet.

Außerdem werden wir beim Einkauf mit frischen Kokosnüssen verwöhnt:

Tatsächlich ist dieser Einkaufstrip hier auf Vanua Balavu eher eine Tagesreise. Eine zum Genießen.

Passage Minerva nach Fiji, Tag 2

Es bleibt abwechslungsreich. Wir wechseln wieder mehrfach die Seite, auf der wir die Fock fahren, der Großbaum bleibt mit Bullenstander gesichert an Backbord. Diesmal sind aber auch zwei Flautenfelder dabei, in denen wir erst relativ lange sutje vorwärts dümpeln und dann doch einmal eine dreiviertel Stunde, ein andermal gar drei Stunden motoren.

Ansonsten aber ist es ein schöner, variantenreicher Segeltag. Klar, auch mal ein Squall dazwischen mit mehr Wind und auch etwas Regen. Aber die ganze Segelgarderobe kommt zum Einsatz, neben Fock und Großsegel sowohl Code0 als auch der große blaue Gennaker.

Letzterer zieht uns – Land Ho! – zwischen den ersten zu Fiji gehörenden Inseln hindurch. Zunächst erspähen wir Matuku Island:

Diese Insel böte zwar auch Ankerplätze, aber bisher dürfen wir dort noch nicht hin. Als erstes muss einer der ausgewiesenen „Port of Entry“ zum Einklarieren angelaufen werden. Neben dem industriellen Hafen des Hauptortes Suva wären das Lautoka sowie die Marinas Vuda und Denerau (jeweils auf der weit westlich gelegenen Hauptinsel Viti Levu), zudem das völlig abgelegen auf halbem Weg nach Tuvalu liegende Rotuma. Die beiden von uns bevorzugten Ports of Entry sind Levuka und Savusavu, denn sie liegen weiter im Osten von Fiji. Das soll uns nach dem Einklarieren den Weg in die nochmals weiter östlich liegenden Inseln der Lau-Gruppe erleichtern, denn dorthin gilt es gegen den vorherrschenden Südostpassat zu navigieren.

Obwohl Levuka dafür noch ein bisschen günstiger wäre, haben wir uns zum Einklarieren in Savusavu auf Fijis zweitgrößter Insel Vanua Levu entschieden. Hier finden sich bessere Einkaufs- und Versorgungsmöglichkeiten. Da wir ja keine frischen Sachen einführen dürfen ist das nicht ganz unerheblich, zumal es uns danach zunächst in die abgelegenen Lau-Gruppe zieht.

Etmal: 114 Seemeilen, gesamt bisher seit Minerva 255 Seemeilen, noch zu Segeln bis Savusavu etwa 150 Seemeilen.

Essen: Bratkartoffeln mit Rührei, Möhren und Bacon.

Passage Minerva nach Fiji, Tag 1

Und wieder Ozeansegeln. Die Wellen sind immer noch bei 2,5 m Höhe (aus Südwest), der Wind pendelt zwischen Südost und Süd und ist auch in der Stärke ziemlich variabel.

Wir haben einen Spinnakerbaum an Steuerbord fest geriggt und die Fock in den ersten 24 Stunden sechsmal zwischen dem Spibaum und der normalen Backbord-Schot hin und her gewechselt.

Schauer ziehen immer mal wieder durch und bringen weitere Abwechslung ins Wettergeschehen.

Zum Ende des ersten Tages dann auch noch mal 45 Minuten motoren durch eine Flaute, bei der der hohe Ozeanschwell uns ordentlich durchschüttelt.

Stimmung an Bord ist aber gut, bisher keine Seekrankheit.

Die Scout und die Quantum sind am selben Vormittag ein paar Stunden vor uns losgefahren, insofern können wir bisher meist zumindest eines der beiden anderen Boote auf dem AIS sehen.

Mit dem Hörbuch „Sugar“ stimmen wir uns schon mal auf Fiji ein.

Etmal: 141 Seemeilen, noch circa 290 Seemeilen bis Fiji.

Essen: Wiebke hat in Minerva Steckrübensuppe vorgekocht. Unsere Würstchen (mit Schweinefleisch) müssen aufgegessen werden, die dürfen ebenso wie Obst, Gemüse und Honig nicht nach Fiji eingeführt werden.

Passage von Opua nach Minerva, Tag 4

Nur graduelle Verbesserung beim Seegang und der Seekrankheit.

Jedenfalls müssen wir uns keine Sorgen mehr darüber machen, dass die Fock beim Hochziehen in Fetzen gehen könnte. Eine besonders fiese Welle begräbt das Vorschiff unter Wassermassen und spült einen Zipfel der Fock außenbords. Den Rest erledigt das Wasser. Bevor wir sie zurück an Bord ziehen können, reißt die Fock. Sie hat immerhin 45.000 Seemeilen auf dem Buckel, das wird sie etwas mürbe gemacht haben. Wir bergen sie natürlich nochmal, auch wenn sich das jetzt in der Dunkelheit auf dem bockenden Vorschiff ziemlich langwierig und kräftezehrend gestaltet. Das Adrenalin kickt kurz die Seekrankheit weg, sie meldet sich danach aber gleich zurück.

Außerdem fällt unser UKW-Funkgerät aus. Wir hoffen auf einen Wasserschaden nur in der Kabelverbindung der Stromversorgung. Das müssen wir später am Ankerplatz klären, bis dahin haben wir ja noch unsere beiden Handfunkgeräte (mit allerdings deutlich geringerer Reichweite.

Weiter motorsegeln Richtung Minerva.

Etmal 107 Seemeilen, gesamt bisher auf dieser Passage 570 Seemeilen, noch zu Segeln bis Minerva etwa 190 Seemeilen.

Essen: Salzbrezeln und etwas Apfel (schmeckt rauf wie runter).

Schwacher Lichtblick: der wohl flachste Regenbogen unserer bisherigen Reise.

Und ein echter Hoffnungsschimmer: die Wellenhöhe geht weiter etwas herab und der Wind dreht leicht zu unseren Gunsten.

Außerdem fahren wir seit Kanada eine niegelnagelneue Ersatzfock unter unserer Achterkoje spazieren.

Passage von Opua nach Minerva, Tag 3

Seekrank.

Die Wellen haben nochmal zugenommen und scheinen kreuz und quer zu kommen. Dazu Böen über 30 kn. Das Groß ist st inzwischen dreimal gerefft.

Der Wind ist um 30° nördlicher gesprungen, das ist unschön, denn nun segeln wir am Wind. War allerdings auch von allen Wettermodellen so vorhergesagt.

Demnach sollte sich die Windrichtung ab morgen wieder langsam verbessern.

Wiebke hält sich gut, ich muss beim Zähneputzen dann doch spucken. Immerhin sind danach meine Kopfschmerzen weg.

Zur Nacht kommt noch Regen dazu. Die Wolken verdecken meistens auch den Mond. Es fühlt sich an, als würden wir auf einem bockenden Bronco-Pferd durch die stockdunkle Nacht jagen. Einer von uns hält die Zügel, der andere versucht auf dem Rodeopferd zu schlafen. Alle drei Stunden wechseln wir uns ab. Obwohl, immerhin bleiben wir trocken. Die an die Bordwand klatschenden Dwarslöper schicken zwar Wasserfontänen Richtung Cockpit, aber die aufgebaute Kuchenbude hält sie draußen. Erstmal.

Irgendwann explodieren die Wellen so an der Bordwand, dass sich doch auch Wasser durch den Schlitz zwischen Sprayhood und Kuchenbude ins Cockpit ergießt. Immerhin bleibt die Bank auf der Leeseite trocken.

Die dauernden Schwallwasser-Schläge setzen leider auch den Fenstern zu. Die Dichtungen scheinen unter der Tropensonne doch gelitten zu haben, Tropfen füllen die Handtücher, die wir hinter die Gardinen gestopft haben.

Am Morgen (immerhin bei Tageslicht) bricht dann der erst drei Jahre alte Schäkel des in Hawaii erneuerten Fockfalls. Kleine Ursache, große Wirkung. Das Segel rutscht nach unten und teilweise auch ins Wasser. Es ist bei 25 kn Wind und drei Meter Welle eine ziemliche Plackerei, die Fock wieder an Bord zu ziehen und provisorisch an der Seereling zu sichern.

Ein Ersatzgenuafall ist im Mast zwar geriggt, bei den unveränderten Bedingungen wollen wir das Segel aber nicht neu einfädeln und hoch ziehen, weil es gefährlich schlagen könnte und vielleicht auch in Fetzen ginge.

Mit dem Groß allein können wir bei diesem Seegang aber die Höhe nicht halten. Wir beißen in den sauren Apfel und motorsegeln erstmal Richtung Minerva.

Shit happens. es gibt solche Tage.

Etmal 143 Seemeilen, gesamt 463 Seemeilen, noch gut 300 Seemeilen bis Minerva. Wir hoffen, dass der Wind wie angesagt wieder auf etwas südlicher als Ost dreht.

Essen: Knäckebrot, für Wiebke sogar mit Belag.