Tierisches aus der Chesapeake Bay

Am Ankerplatz Delfine sehen, das hatten wir schon in Beaufort. Und auch in Deltaville zieht am Abend eine Schule Delfine eine Runde. Um die Flora herum und dicht am Ufer entlang, in aller Ruhe und scheinbar ohne von den Ankerliegern Notiz zu nehmen.

Am nächsten Abend ist es anders. Kein Schnaufen beim Atomholen, kein auftauchender Rücken. Trotzdem Flossen an der Wasseroberfläche, die sich diesmal direkt auf die Flora zu bewegen.

Ziemlich dicht bei einander, meist paarweise auftauchend, immer nur die Flossen. Was ist das?

Bis zu fünf Flossen sehen wir gleichzeitig, in kreisenden Bewegungen nähern sie sich unserem Boot. Trotz der fast glatten Wasseroberfläche können wir nicht viel erkennen, zu trübe ist das dunkle Wasser. Ab und zu gibt’s ein bisschen Geplansche, dann geht das Kreisen von vorn los. Erst als sie schon ganz nahe sind, erkennen wir von oben, was sich da tut:

Rochen. Ein großer vorneweg, mehrere kleine hinterher. Sieht fast aus wie Schwimmunterricht, ist aber vermutlich etwas anderes 😉. Es sind Kuhnasenrochen (cownose ray), das größere Weibchen schwimmt vorn, die Männchen sind etwas kleiner. Und das Herausstrecken der Flügelspitzen gehört tatsächlich zum Paarungsritual.

Da sind die für die Chesapeake Bay so typischen Fischadler (Osprey) schon um einiges weiter. Der Nachwuchs macht bereits ordentlich Lärm in den Nestern und die Eltern haben reichlich zu tun, um die hungrigen Schnäbel zu stopfen.

Aber sie sind sehr erfolgreich, obwohl es reichlich Konkurrenz gibt. Nicht nur aus dem eigenen Lager, sondern auch von den ebenfalls zahlreich vorhanden anderen auf Fischfang spezialisierten Vögeln.

Sieht auf den ersten Blick wie eine Ansammlung von Kormoranen aus. Aber auch Pelikane, Fischadler, Möve und Seeschwalbe verstecken sich im Bild.

Wie die Adler es anstellen, an flachen Stellen in der trüben Brühe der Chesapeake Bay sogar Plattfische vom Grund zu holen ist um so mehr erstaunlich und bewundernswert.

Um so schöner, dass wir sie an allen bisherigen Ankerplätzen beobachten konnten, egal, ob es stärker bebaute Ufer mit viele Häusern gab (etwa in Solomon’s) oder idyllisch eher abgelegen war (wie z.B. im Mill Creek am Wicomico River, einem unserer Lieblingsankerplätze hier:

Die Südküste von Puerto Rico

Mit dem Palmenflash von Vieques verabschieden wir uns von den Spanish Virgin Islands. Etwa 28 Seemeilen sind es nach Puerto Patillas im Südosten der Hauptinsel Puerto Rico. Schon am Ankerplatz riggen wir den Spibaum zum Ausbaumen der Fock und den Bullenstander, um das einmal gereffte Großsegel auf der anderen Seite zu sichern. Schmetterling vor dem recht kräftigen achterlichen Wind ist angesagt. Es werden für uns 28 sm traumhaftes Segeln bei bestem Wetter.

Endlich sehen wir auch wieder einmal Delfine. Eine größere Schule von vielleicht 30 Tieren kommt uns in den Wellen springend entgegen, passiert kurz vor unserem Bug. Einige der Meeressäuger spielen ganz kurz vor unserem Schiff und dann – schwupp – sind sie schon wieder verschwunden. Hat nur eine Minute gedauert und zaubert uns doch für Stunden ein Lächeln ins Gesicht. Zumal wir rein zufällig die Kamera laufen haben:

O.k, die Bilder sind nicht perfekt, sie sind aber auch nur herauskopiert aus unserem Video (Ton anschalten).

Wie man an dem Blau des Wassers unschwer erkennt, ist das Karibische Meer hier richtig tief. Obwohl wir ja küstennah segeln, fällt der Grund auf unserer Route bis auf etwa 900 m ab, 35 Meilen südlich von Puerto Rico ist es über 5.000 m tief. Und das ist nur die eine Seite. Nördlich von Puerto Rico geht es in der Tiefseerinne des Puerto Rico Graben jedenfalls bis über 8.300 m hinab, die genaue Tiefe ist noch strittig. So gesehen ist Puerto Rico praktisch der über Wasser befindliche Gipfelgrat eines unterseeischen Gebirgsrückens.

Wir könnten auch noch küstennäher segeln, es gibt nur wenige gefährliche Flachstellen. Aber weiter draußen im tieferen Wasser hoffen wir auf mehr Angelglück und tatsächlich, querab der Punta Tuna (jaaaa!) rauscht die Steuerbordleine das erste Mal aus. Noch während ich den mittelgroßen Schwarzflossenthunfisch herankurbele, sirrt auch die Rolle der Backbordangel. Allerdings sind wir dort nicht schnell genug, der Fisch geht vom Haken. Kein Problem, denn noch ein zweiter Schwarzflossenthun beißt, wieder an Steuerbord. Diese Thunfischart wird maximal nur etwa einen Meter groß (unsere sind beide kleiner), ist aber sehr lecker. Und noch ein dritter Fisch geht an die selbe Angel, diesmal eine Fregattmakrele (unechter Bonito). Dann stellen wir das Angeln erstmal ein.

Mein neuer Lieblingsköder war wieder reichlich erfolgreich. Waren bisher die roten und vor allem die neongrünen Tintenfisch-Imitate am besten, läuft ihnen jetzt der Zedernholzköder (cedar plug lure) den Rang ab. Nur etwa 10 cm lang, mit Bleispitze und ansonsten ziemlich simpel und unverwüstlich. Auch nur mit einem Einfachhaken, kein Drilling, weshalb gefühlt weniger Sargassum an ihm hängen bleibt, obwohl das gelegentlich trotzdem noch passiert.

Die Beißspuren sprechen für sich

Heute Abend gibt es jedenfalls Fisch auf der Flora, die Crew der Easy One ist eingeladen, aber Andrea lässt es sich nicht nehmen, die Beilagen beizusteuern. Das Eis für die Piña Colada muss Ingo auch von drüben holen, ts, ts.

Anders als befürchtet müssen wir aber auf die Palmen noch nicht verzichten, auch hier an der Südküste säumen sie überaus üppig das Ufer, selbst an unserem Ankerplatz im Städtchen Puerto Patillas. Der Ankerplatz ist durch ein ausgreifendes Korallenriff relativ gut geschützt, allerdings machen ein paar Korallenköpfe einen Bogen bei der Anfahrt erforderlich und das Wasser ist etwas trüb und ziemlich flach. Gute Bedingungen für Manatees, auf die mit Geschwindigkeitsbegrenzungen und Warnbaaken hingewiesen wird. Wir bekommen hier allerdings keine zu Gesicht, hoffen aber auf Sichtungen der Rundschwanz-Seekühe bei unserer weiteren Reise an der Südküste von Puerto Rico. Aber einen (weiteren) traumhaften Sonnenuntergang gibts.

Am nächsten Tag holen wir nach einem Regenschauer den Anker auf und gemeinsam mit der Easy-One geht es weiter nach Westen. Wieder segeln wir vor dem Wind, wieder baumen wir die Fock aus. Aber das Groß hat heute Pause, in Böen messen wir knapp 8 Beaufort, da reicht die Fock alleine dicke.

Wind genau von achtern, Flora und Easy-One fahren das Vorsegel auf der jeweils anderen Seite

Und die Regenschauer bleiben uns erst einmal treu, während wir an der hier im Südosten noch sehr grünen Küste entlangsegeln. Etwa auf der Hälfte der heutigen Strecke von nur 20 Seemeilen wandelt sich aber das Bild, die Hänge der Berge werden zunehmend brauner und karger. Das lässt auch für unsere Regengüsse jedenfalls statistisch hoffen, erstmal bleiben die Wolken, aber tatsächlich wird es gegen Nachmittag schöner, der Himmel reißt auf.

Grün, Blau, Grau. Der letzte größere Schauer bei der Riff-Einfahrt „Boca del Infierno“

Wir machen einen Ankerstop hinter den Cayos de Barca. Durch vorgelagerte Riffe und ein Labyrinth von Mangroveninselchen sind wir hier gut gegen den hohen Ozeanschwell geschützt, aber die immer noch heftigen Windböen sprechen doch für einen geschützteren Platz für die Nacht. Schade, es ist so wunderschön hier:

Aber so fahren wir nach einer ausgiebigen Kaffeepause das kleine Stückchen weiter nach Salinas, in ein von den vorgelagerten Cayos zusätzlich geschütztes schmales Inlet. Im Ort am Ende der von mangrovenumstandenden Salzwassertümpeln gesäumten schmalen und tief einschneidenden Bucht liegt sogar eine kleine Marina, diverse Motorboote ankern davor. Für uns bietet es sich eher an, das zunächst flacher werdende Fahrwasser nicht bis dorthin durchzufahren, sondern zeitig einen Ankerplatz vor dem Ostufer anzusteuern. Ganz dicht kommen wir nicht an die Mangroven heran, es wird schnell seicht. Auf 2,80 m fällt der Anker, direkt neben der Easy-One.

Andrea und Ingo haben hier schon ein Manatee direkt hinter ihrem Boot erspäht, wir warten noch darauf und begnügen uns vorerst mit den rund um uns herum jagenden Pelikanen. Es ist immer wieder faszinierend zu beobachten, wie sie oft ohne Flügelschlag in Kompaktform dicht über das Wasser gleiten als hätten sie Pate für die Entwicklung der behäbig eleganten Flugboote gestanden. Und dann wieder unvermutet wendige Manöver fliegen und ins Wasser stoßen, wenn sie Beutefische entdecken.

Im Fluss

Vier Tage haben wir jetzt an unserem Ankerplatz vor Lewes verbracht. Ruhige Tage (wenn man von dem ruppigen Wasser beim Weiterfahrt- Versuch gleich am ersten Tag absieht).

Gut geschützt hinter der inneren Mole werden wir am Morgen tatsächlich vom Prusten der Delfine geweckt, die ums Boot herum spielen, jagen oder einfach nur einen Familienausflug machen, ohne von der Flora besondere Notiz zu nehmen.

Wir nutzen die Zeit für kleinere Bootsarbeiten, bringen ausgerissene Druckknöpfe am Teppich neu an, säubern den Motorraum von den öligen Schaumstoffresten des Luftfilters unseres Volvos (der muss jetzt eine Zeitlang mit offenem Ansaugrohr arbeiten, was kein Problem sein dürfte, ein verbesserter Dauerluftfilter ist schon auf dem Postweg). Die Vorräte werden durchgesehen, Ersatzteile online bestellt (Postadresse Greg und Michael) nochmal am Vorluk nachgearbeitet. Ganz viel relaxt. Der Mittwochsregatta des örtlichen Yachtclubs zugeschaut, schließlich haben wir einen Logenplatz: es geht rund um den Breakwater und am Leuchtturm muss der Spi weg, auf der anderen Seite des Breakwaters folgt die Kreuz zurück. Und wir haken noch mal bei der Werft in der Chesapeake Bay nach, bei der wir ein Auskranen und einen Landeplatz für zwei Wochen angefragt hatten. Im zweiten Telefonat haben wir Erfolg, ja, schon nächste Woche können wir raus. O.k., dann machen wir uns also doch mal auf den Weg 😉.

Was uns auffällt: der gerade neu gestrichene dunkelrote Leuchtturm am Ankerplatz trägt den doch sehr prosaischen Namen “Delaware Breakwater East End Lighthouse”. Auch der weiße Leuchtturm auf dem äußeren Breakwater ist mit “Harbor of Refuge Lighthouse” eher beschreibend benannt. Nur, was sollen wir dann davon halten, wenn das nächstfolgende Leuchtfeuer im Fluss “Brandywine” heißt? 😊

Dolphin-Day

Was denn, schon wieder ein Post in diesem Blog? Ja, den hier kann ich nicht aufschieben. Denn für heute stand eigentlich nur ein kurzer Hüpfer an, rund 40 sm herüber von Porto Santo nach Funchal auf Madeira.

Um halb acht ging’s los, um acht Uhr war dann Sonnenaufgang auf See. Und kurz danach begrüßten uns die ersten Delfine, ein großer Tümmler zeigte sich sogar ganz nah am Boot, wenn auch nur kurz.

Zwar war erst gegen 10.00 genug Wind, um die Segel hochzunehmen und mit Passatbesegelung langsam dahinzudümpeln, aber dafür waren wir langsam genug um die Schildkröte (Caretta Caretta) fast direkt an der Bordwand zu bemerken. Und noch ein paar weitere Male gab es zudem Delfine (wieder Große Tümmler) in einiger Entfernung zu sehen.

Kurz vor dem letzten Kap vor Funchal kommt uns ein kleiner Frachter entgegen, macht ein paar für uns nicht erklärliche Schlenker. Wir nehmen die Segel weg, er passiert uns an Steuerbord, also eigentlich auf der falschen Seite, aber na gut. Eine Viertelstunde später sind wir froh, dass wir die Segel unten haben, denn ein gutes Stück hinter uns scheint das Wasser plötzlich zu kochen. Wir sehen Delfine (wir glauben, es sind Zügeldelfine) und plötzlich kommen aus allen Richtungen Seevögel angerauscht. Wir drehen um und fahren ein Stück zurück um den offensichtlichen Festschmaus an einem Sardinenschwarm näher anzusehen:

Wir sind immer noch völlig geflasht.

Ich versuche mal, hier ein kurzes Video einzustellen:

Die volle (längere) Version des Videos findet Ihr HIER!

Und jetzt sind wir hier im alten Hafen von Funchal, von dem es hieß, dort seien praktisch keine Liegeplätze zu bekommen. Ich hatte trotzdem angerufen, war vertröstet worden, habe dann aber beim zweiten Anruf den Platz reservieren können. Wir liegen ganz wunderbar weit drinnen längsseits am Schwimmsteg. Herrlich.

Alles ein bisschen intensiver

49 Tage sind wir jetzt unterwegs. Sieben mal sieben, ganz feiner Sand. Wir sind gefragt worden, ob uns langweilig wird. Nein! Alles andere als das.

Aber selbst in dieser ja eigentlich ja kurzen Zeit hat sich unser Empfinden für das, was wir so machen doch verändert. Alles fühlt sich ein bisschen intensiver an, so hat es Wiebke treffend formuliert. Fahrt-, Landschafts- und Natureindrücke, z.B. die wunderschönen Calas, die Wanderungen oder die Delfinbegegnungen jetzt wieder auf der Überfahrt von Menorca nach Mallorca:

Spannend ist auch die Veränderung im Zeitempfinden. Eine Uhr tragen wir schon seit einer ganzen Weile nicht mehr (Danke an Susanne für den Hinweis). Klar passiert es dann schon mal, dass man wie unlängst in Alcúdia etwas erledigen möchte, aber vor verschlossenen Geschäftstüren steht, aber das liegt mehr an unserem noch nicht an die spanische Siesta 😴 bis 16.00 angepasstem Rhythmus. Welcher Wochentag ist eigentlich, welches Datum ???

Das „Zeit miteinander haben“ ist sicher einer der Punkte, den wir am meisten genießen und das obwohl – oder gerade weil – auch die Höhen und (na sagen wir mal) Wellentäler im Zusammensein eben intensiver für uns sind.

Landausflüge wie vorgestern der Spaziergang in die schöne Altstadt des sonst nicht so attraktiven Alcúdia,

Fürstlich speisen (an Bord von Wiebke gezauberte Köstlichkeiten oder auswärts, wobei das im Tontopf gegarter Lobster ebenso sein kann wie eine herrliche Schinken- und Käseplatte eines kleinen Weinhändlers)

Wir lassen es uns gut gehen.

Und auch Mallorca verwöhnt uns, etwa mit der pittoresken Cala Figuera am nördlichen Ende (Cap Formentor), die wir heute Nacht komplett exclusiv für uns hatten. Gut, eine etwas rumpelte „Anreise“ unter Segeln mit bis zu 28 kn AWS am Wind und einiger Schwell in der Bucht war der Preis dafür, aber es hat sich sehr gelohnt:

Blauwassersegeln

Als wir uns für das entschieden haben, was wir jetzt machen, hatten wir schon viel gelesen über das Langfahrtsegeln. Es wird oft auch als Blauwassersegeln bezeichnet. warum?

Darum: (kein Farbfilter!)

Heute sind wir von Kalabrien rüber nach Catania auf Sizilien gefahren. Erst mangels Wind unter Motor, dann herrlich gesegelt, dann wieder motort. Irgendwo mittendrin in der Flaute, rund 1.000 m Wasser unter dem Kiel, haben wir die Maschine ausgestellt und einen Badestop eingelegt, dabei ist das Bild entstanden.

Aber die Straße von Messina ist doch (an der schmalsten Stelle) nur drei Kilometer breit, kann es da trotzdem so tief sein? Es kann, sogar noch deutlich tiefer. Und es geht dann ja auch an Land steil hinauf: den 3.323 m hohen Ätna hatten wir fast den ganzen Tag vor Augen, schon aus knapp 50 sm Entfernung zeichnete er sich im Dunst ab.

Hier sind wir allerdings schon etwas näher:

Und Besuch hatten wir zwischendurch:

Zum Abschluss noch etwas nicht so blaues: die Sonne geht hier schon früh unter, das Bild ist schon um 20.07 Uhr entstanden.