The Rock

Es ist ein 50 sm Törn. Trotzdem, kaum sind wir aus Fuengirola los und um das Kap Punta de Calaburras herum, meinen wir unser Ziel am Horizont schon im Dunst erahnen zu können. Sicher sind wir zuerst nicht, aber dann schälen sich zwei markante Berge immer mehr heraus. Zwischen ihnen ist … Wasser. Ja, da geht’s raus. Raus aus dem Mittelmeer. Backbord (links) liegt Afrika, steuerbord (rechts) Europa.

Sieht eigentlich ganz unspektakulär aus und lässt doch unsere Herzen höher schlagen.

Wir haben Gibraltar 🇬🇮 erreicht, den Kalksteinmonolith, den sie hier nur „The Rock“ nennen. Ein Stein, der für uns tatsächlich ein MEILENSTEIN ist. Das erste Etappenziel ist erreicht, wir sind am westlichen Ende des Mittelmeeres angekommen. 1883 Seemeilen (fast 3500 km) haben wir von Korfu aus zurückgelegt.

Ohne größere Probleme, und die kleineren technischen mit Windgenerator und Lichtmaschine haben wir ganz gut bewältigt. Dafür aber mit vielen tollen Eindrücken und Begegnungen. Wir schauen zurück und freuen uns. Wir schauen nach vorn, sind gespannt und freuen uns noch mehr!

Unser Liegeplatz in der Marina Alcaidesa in La Línea de la Conception liegt in Spanien, einen Steinwurf von der Grenze zu Gibraltar entfernt. Um in den Ort Gibraltar zu gelangen, muss man die beiderseitigen Grenzkontrollen hinter sich bringen (Personalausweis reicht) und dann die Landebahn des Flughafens überqueren. Kommt ein Flieger, werden Straße, Rad- und Fußweg mit Schranken und Ampel kurz gesperrt.

Und danach könnte man manchmal meinen, auf der britischen Insel zu sein, zumal zumindest heute das Wetter den Eindruck verstärkt: wolkig und eher kühl.

Das Schild links unten auf dem letzten Bild ist dann aber doch sehr verräterisch 😉.

Und bei einem anderen Schild konnte ich es mir nicht verkneifen, es in dem „richtigen“ Ausschnitt neben den Telefonzellen zu fotografieren 😁 😛

Genug gealbert, zurück aus der Stadt durfte ich im Hafenbüro zwei Pakete abholen (die Marineros haben mir die unhandlichen und zusammen rund 40 kg schweren Kartons aber dann dankenswerterweise mit dem Golfcart um den weitläufigen Hafen herum zum Steg gebracht):

Floras neues Großsegel ist damit auf den Tag genau pünktlich von Dänemark aus hier angekommen. Im zweiten Paket im Hintergrund sind die Segellatten aufgerollt. Das 8 Jahre alte Laminatgroßsegel zeigte leichte Auflösungserscheinungen mit Laminatbrüchen entlang der Achterlieksnaht, das neue haben wir für die Langfahrt jetzt aus dem weniger sportlichen aber robusteren Material Hydranet radial fertigen lassen.

Nix mit Marbella, dafür Bootstüdelkram

Dienstag haben wir uns in die lange Reihe derer eingefunden, die Probleme mit dem Wiederbefüllen von Gasflaschen in fremden Ländern haben. Bei uns wird es zusätzlich noch dadurch verkompliziert, dass wir in Griechenland 🇬🇷 die an Bord befindliche unbekannte Flasche (entweder schwedisch 🇸🇪 oder bulgarisch 🇧🇬 ) nicht befüllen lassen konnten und deshalb eine neue griechische 11 kg Gasflasche gekauft haben (und noch eine zweite als Reserve). Angeschlossen haben wir sie aber über einen deutschen 🇩🇪 Gasdruckminderer, weil ich für den internationale Adapteranschlussstücke bekommen konnte. Natürlich den griechischen (der auch in Italien 🇮🇹 funktionieren soll), aber auch einen spanischen 🇪🇸 und einen portugiesischen 🇵🇹 (der übrigens wiederum dem schwedischen, also vielleicht der Ausgangsflasche entspricht). Zum Verständnis: die Adapter sind nur ein Notbehelf, mit ihnen soll man eine in dem jeweiligen Land erworbene Gasflasche an den deutschen Gasdruckminderer anschließen können. Und als Not-Not-Lösung haben wir zudem noch einen Adapter für die kleinen sauteuren blauen CampingGaz-Flaschen. Wir fühlten uns gut gewappnet. Zumal andere Segler berichtet hatten, dass das Befüllen ausländischer Flaschen zwar in England 🏴󠁧󠁢󠁥󠁮󠁧󠁿 und Frankreich 🇫🇷 quasi unmöglich sei, in Spanien dagegen kein großes Problem. Na ja, in Fuengirola aber leider doch.

Ich habe den Dienstag damit verbracht, die Stadt abzuklappern mit unserer (fast) leeren griechischen 11 kg Flasche auf unserem „Hackenporsche“, einer kleinen zusammenklappbaren Sackkarre. Gut, die erste Runde hätte ich mir schenken können, sie war allein schon wegen meines Timings zur Erfolglosigkeit verdammt. Irgendwann sollte ich mir merken, dass man tagsüber (am frühen Nachmittag) in Spanien nichts erledigt bekommt, weil die relevanten Läden dann eben meistens geschlossen sind.

Auf meiner zweiten Runde (nach 16:30) war die mir vom Hafenmeister empfohlene Ferreteria (Eisenwarenhandlung, manchmal auch eher schon Baumarkt) entgegen der Angaben auf ihrem Öffnungszeitenschild trotzdem zu und wirkte so, als sei sie das endgültig (keineswegs, wie wir am Mittwoch auf der dritten Runde erfuhren, allerdings konnten sie unsere Flasche ohnehin nicht befüllen). Die Repsol-Tankstelle hatte zwar 11 kg Gasflaschen, wollte sie aber nur tauschen, nicht verkaufen. Das wiederum würde nur die Zentralniederlassung am anderen Ende der Stadt machen. Also da hin. Nur um dort mitgeteilt zu bekommen, die Flaschen würden für unser System nicht passen, das müsste von einem Fachmann umgerüstet werden. Der optische Vergleich schien das zu bestätigen, die spanischen Flaschen haben anders als unsere kein integriertes Absperrventil.

Na gut, wir haben kein aktuelles Problem, die Flasche hat die ganze letzte Saison und die beiden zurückliegenden Monate gehalten, etwas ist noch drin und wir haben noch eine ganze Flasche in Reserve. Und der zwischenzeitlich befragte Gasflaschenlieferant (LKW auf der Straße getroffen und Fahrer befragt) sagt uns, die Flasche könne weder in Fuengirola noch in Málaga oder Marbella befüllt werden, das ginge nur in Algeciras. Praktisch, der Nachbarort von Gibraltar ist ja ohnehin unser nächstes Ziel.

Ein bisschen Google bringt auch Licht in die Absperrventil-Problematik. Auf womo-iberico ist sehr schön beschrieben, wo die Unterschiede liegen und welche Lösung es für den Anschluss der spanischen Gasflaschen gibt: einen einfachen Clip-on für 10-15 Euro.

Lernkurve! 🤨

Das erste an Bord der Flora selbstgebackene Brot hebt die Stimmung am Abend.

Wie schon angedeutet, sind wir Mittwoch dann doch nicht nach Marbella gefahren, obwohl es eine gute Busverbindung gibt. Aber Wiebke schnüffelt etwas und Klimaanlagen (wie in den Bussen) sind dann nicht so angesagt. Das gibt uns die Gelegenheit, die Gasflaschenproblematik weiter zu verfolgen (siehe oben), etwas einzukaufen und bisher aufgeschobenen Bootstüdelkram anzugehen, etwa den Außenborder mit Frischwasser zu spülen, damit sich nicht zuviel Salz in den Kühlwasserkanälen festsetzt:

Oder das Dinghy vom gesammelten Sand (auch unter den Bodenbrettern) befreien, also Luft ablassen, spülen, wieder aufpumpen. Doof allerdings, wenn dabei die Pumpe den Geist aufgibt. Aber mit etwas Ducktape und der eigentlich unpassenden SUP-Pumpe lässt sich auch hier ein Workaround finden 😉.

Außerdem nutzt das gescholtene Fuengirola die Zeit um bei uns Punkte zu machen. Wie unsere Segelfreunde Doris und Christian auf ihrem schönen Blog Dancingpearl so treffend geschrieben haben, lohnt sich ein zweiter Blick.

Wir finden auch in Fuengirola ein paar nette Ecken und genießen außerdem in einem schönen Chiringuito (Urform des Beachclubs/Strandrestaurants) superleckere am offenen Holzfeuer gegrillte Sardinen.

Und jetzt geht’s auf nach Gibraltar 🇬🇮.

Fuengirola / Málaga

Der „lange“ Schlag von 190 sm, den wir wettervorhersagebedingt von Cartagena aus eingelegt haben, erweist sich als richtig gute Entscheidung. Der Wind ist kräftig, kommt aber ziemlich achterlich. Also quasi eine weitere Trainingseinheit für den Passat. Angesagt sind zunehmende Winde, die in den Böen abends 25 zunehmend auf 30 kn erreichen. Genauso kommt es auch. Wir segeln Schmetterling mit der Fock und Groß, gehen zwischenzeitlich mit dem Groß ins zweite Reff und haben trotz der Welle und in der Spitze 31,3 kn wahrem Wind auf der Windanzeige einen nicht allzu schaukeligen angenehmen Törn.

Bevor die Sonne ganz untergeht runden wir das Cabo de Gata, nehmen die Fock (und den Spibaum) weg, werden nach der erforderlichen Halse aber nur einen knappen Knoten langsamer und Flora liegt immer noch gut auf dem Ruder. Beim zweiten Wachwechsel in der Nacht ist der Wind plötzlich weg (auch das war vorhergesagt), wir motoren auch noch als die Sonne hinter uns aufgeht.

Dann kommt der Wind schwach und aus Süd zurück und hält uns damit die Gewitter auf Abstand, die wir über Land Wetterleuchten sehen. Ein Stückchen können wir sogar (jetzt wieder mit Vollzeug) segeln, wenn auch nicht ganz auf optimaler Kurslinie.

Wir haben uns den Hafen Fuengirola als Ziel ausgesucht und bekommen dort tatsächlich auch für vier Nächte einen günstigen Platz (38,- € pro Nacht). Fuengirola bietet den Riesenvorteil, dass man vom Hafen aus eine hervorragende S-Bahn-Verbindung nach Málaga (sogar mit Zwischenstop am Flughafen, wäre also auch für Crewwechsel perfekt) und eine gute Busverbindung nach Marbella hat.

Dafür muss man akzeptieren, dass Fuengirola ein wohl eher typischer Ferienort für weite Teile der Costa del Sol ist, voller Bettenburgen, Billigimbissen, Ramschläden, Kneipen und Bars. Wir sind ob der fast durchgängige Bettenburgenkette (jedenfalls da, wo es Strand gibt) entlang der spanischen Südküste bis hierher irgendetwas zwischen erstaunt 😮, erschreckt 😧 und erschüttert 😢, so massiv hatten wir es jedenfalls nicht erwartet.

Heute haben wir ausgeschlafen und dann gleich den Trip nach Málaga gemacht.

Die S-Bahn hat uns in 40 Minuten mitten ins Zentrum gebracht, wir konnten Málaga dadurch gut zu Fuß erkunden. Die schöne Altstadt beginnt gleich am Hafen, der aber mehr Handels- und Fährhafen ist, auch wenn es am östlichen Kai malerisch vor Palmen, Leuchtturm und Hafenkränen gelegene (schwellige und teure) Liegeplätze und weiter draußen auch einen (ebenfalls teuren) Yachthafen gibt.

Zunächst erklimmen wir den Burgberg, ein schöner Fußweg mit allerdings extrem glatten Platten führt hinauf (gibt ja nicht soviel Regen hier) und gewährt tolle Ausblicke über die Stadt und sogar hinein in die Stierkampfarena.

Wieder unten, diesmal im von Hochhäusern freien Kern der Altstadt, lassen wir uns durch die Gassen treiben bis hin zur „Einarmigen“. Die Kathedrale der Stadt wurde nur sehr langsam gebaut, vereint deshalb einige Baustile und hat nur einen Turm, der zweite ist seit dem 18. Jahrhundert Baustelle 🚧 ohne Fortgang. Im imposanten Inneren merkt man davon natürlich nichts und ein auch deutschsprachiger Audioguide ist praktischerweise im Eintritt von 6,50 € enthalten.

Spannend auch, wie in Málaga die auch hier üblichen Anti-Terror-Poller ausgestaltet sind, nämlich mal so:

und mal so:

Aber – obwohl uns Málaga wirklich gut gefällt – wir merken, dass wir etwas stadtmüde werden. Es ist zwar noch etwas hin, aber die Vorfreude auf den geplanten langen Schlag nach Madeira und hoffentlich die Wanderungen auf dem auch „Blumeninsel“ genannten Eiland steigt.

Mar Menor, Cartagena und das „Was soll DAS denn?“

Von Alicante aus wollen wir nach eigentlich direkt nach Cartagena. Allerdings bekommen wir auf unsere Onlinebuchung keine Rückmeldung und außerdem sind wir wegen der Einstellung des LiMa-Reglers auch etwas spät losgekommen.

Wir legen deshalb einen Zwischenstop im Mar Menor ein.

Das Mar Menor ist der größte Salzwasserbinnensee Europas, quasi eine Lagune, eine rund 23 km lange Nehrung trennt sie fast vollständig vom Mittelmeer ab. Da die Lagune zwar flach, aber eben doch auch mit größeren Segelbooten gut befahrbar ist, bietet sich nach einem schönen Segeltag ein Ankerstop hinter gut gegen den Ostwind schützenden Nehrung an. Die Einfahrt erfolgt etwas nördlich der Isla Grosa. Ein schmaler Tonnenstrich führt durch die Flachstellen zu einer alle zwei Stunden öffnenden Klappbrücke. Wir haben es ganz gut abgepasst und müssen im engen Kanal vor der Brücke nicht lange warten.

In der Lagune ist die Salzkonzentration mit 42 – 47 g/l noch einmal deutlich höher als im Mittelmeer (36 – 37 g/l), es hat deshalb eine ganz eigene Flora und Fauna. Ein unberührtes Naturparadies sollte man aber dennoch nicht erwarten. Wer bei der Nehrung an den Ringkøbing Fjord in Dänemark, die deutschen Bodden oder gar die hohen Dünen der Kurischen Nehrung denkt, wird bei der Annäherung hier ziemlich überrascht. „La Manga“ (der Ärmel), wie hier die Nehrung genannt wird, ist sehr dicht bebaut, überwiegend mit Hochhäusern. Es sieht ein bisschen aus wie der verzweifelte Versuch, Miami Beach zu kopieren, entwickelt aber leider keineswegs den gleichen Charme.

Dieses noch recht schmeichelhafte Bild zeigt unseren Ankerplatz:

Und ja, wir ankern wirklich so weit weg, näher am Strand ist es zu flach. Trotzdem wird die Nacht ruhig, es gibt hier weniger Schwell als im Hafen von Alicante. Das eigentlich geplante Baden in der Salzlake fällt dennoch aus. Wir sind noch das wunderbare klare Wasser unserer letzten Ankerplätze gewohnt, hier aber kann man keinen halben Meter tief in die schlammige Brühe schauen.

Und deshalb geht’s am nächsten Morgen auch mit der ersten Brückenöffnung weiter, die E-Mail-Reservierung im Hafen Cartagena für die nächste Nacht hat geklappt. Es wird wieder ein schöner Segeltag (feines Geburtstagsgeschenk für Wiebke) und wir machen im gut geschützten Hafen fast direkt neben der Blue Monde fest, ebenfalls eine HR 43 MK II und somit Floras Zwillingsschwester. Noch bevor wir richtig eingecheckt haben, schnacken wir uns bei einem anderen Bootsnachbarn fest , Tom von der Swan 47 Kalteface. Nett. Wie auch Cartagena selbst, das wir uns mal wieder durch unstrukturiertes Draufloslaufen erschließen.

Vor allem überrascht uns dabei die Dichte der erhaltenen architektonischen Relikte der Vergangenheit dieser von den Karthagern gegründeten und von den Römern zu großer Blüte geführten Stadt.

Hier könnte man eigentlich noch etwas bleiben und dann Mitte nächster Woche weiter in Richtung Gibraltar fahren. EIGENTLICH! Aber was soll DAS denn?

Der Wetterbericht (jedenfalls das ECMWF-Modell und auch Wetterwelt, nicht ganz so stark das GFS-Modell) zeigen für das westliche Mittelmeer Mitte nächster Woche extreme Windverhältnisse. Zwischen Valencia und Mallorca werden für Mittwoch Mittag in Böen 58 kn vorhergesagt, Windstärke 11. Hier die Illustrationen von Windy für Dienstag Abend:

Keine gute Idee, dann Richtung Gibraltar unterwegs zu sein. Konsequenz ist für uns, dass wir schon heute wieder die Leinen losgeworfen haben und jetzt bei inzwischen allerdings auch schon 20 kn Wind (von achtern) unterwegs sind um etwas Strecke gutzumachen.

Wieder komplett

Dienstagabend haben uns Eike und seine Kollegin Lara besucht, wir hatten einen sehr schönen Abend bei uns an Bord.

Noch dazu hatte Eike unter anderem unsere neue Lichtmaschine im Gepäck hergeschleppt und deshalb wurde es auch ein sehr schöner Mittwochmorgen. Der Mechaniker erschien, hatte unseren Regler und nicht mehr reparable Lichtmaschine dabei, baute den Regler und die neue LiMa ein und siehe da: unser Bootsmotor kann wieder die Batterien laden. 😀

Wir waren glücklich und haben das am Abend ausgiebig auf einem Zug durch Alicantes Altstadt mit Tinto de Verano hier, Vermouth dort und abschließend einem weiteren Besuch in einer Arrocería (also einem Reis-Restaurant) mit Rotwein gefeiert. Wie der Name andeutet, gab es auch ein wenig Schinken 😊.

Heute morgen haben wir das gute Hafen-WLAN genutzt, um mit dem LiMa-Lieferanten per Computer-Fernwartung (TeamViewer) die Einstellungen des Mastervolt-Reglers für die LiMa anzupassen. Und das war gut so. Es stellte sich nämlich heraus, dass die LiMa doch noch nicht komplett angeschlossen war. Zwar lieferte sie Strom, aber noch nicht alle zur optimalen Steuerung nötigen Informationen. Also durfte ich ein weiteres Kabel aus den Tiefen des Kabelbaums pulen („ein weißes Kabel suchen“), auch das noch mit dem Regler verbinden und siehe da: jetzt wird nicht nur die Temperatur sondern auch die Drehzahl der LiMa an den Regler gemeldet und die entsprechenden Grenzen konnten eingestellt werden. Das sollte hoffentlich der neuen LiMa ein längeres Leben bescheren 🤞.

Im Augenblick darf sie sich aber noch ausruhen, wir haben bei schönen Segelwind das Cabo de Santa Pola schon passiert und laufen am Wind in Richtung Mar Menor.

Da fehlt doch was …

Irgendwas fehlt ja immer.

Hier zum Beispiel fehlt unserem Bootsmotor eindeutig die Lichtmaschine.

Heute Abend bringt Eike die neue mit. Wir hoffen sehr, dass sie morgen eingebaut werden kann. Heute allerdings war der Regler noch in Denía in der Werkstatt, in der die alte Lichtmaschine hätte repariert werden sollen (hätte, hätte, Fahrradkette).

Aber besser so, als wenn uns Zeit fehlen würde. Dazu haben wir gestern hier am Rande der Altstadt eine schöne Wandmalerei entdeckt, El tiempo vuela (frei übersetzt: die Zeit vergeht im Flug):

Und tatsächlich, über zwei Monate sind wir schon unterwegs, die Zeit vergeht so schnell. Dabei müssen wir uns nicht einmal – wie in dem Gedicht – einen weiteren achten Wochentag wünschen, um ihn zum Reisen zu nutzen.

Umgekehrt können wir die Wartezeit auf die neue Lichtmaschine zum Bleiben, zum Erkunden unserer Umgebung nutzen.

Wir haben die Stadt ausgiebig zu Fuß erkundet, dabei ein paar mal einen Abstecher zur bisher besten Eisdiele unserer Reise gemacht,

haben ein spezielles Reisrestaurant dieser für ihre Reisgerichte bekannten Stadt besucht (lecker!), haben Tapas-Bars und in Ihnen zu den Leckereien mal Bier, mal Tinto de Verano genossen. Letzteres ist gekühlter Rotwein mit Zitronenlimo und schmeckt bei der Wärme hier VIEL besser, als es sich anhört. Und klar haben wir auch die hoch über Alicante aufragende Festung Castillo de Santa Barbara besichtigt, mit tollen Ausblicken über die Stadt und hinüber über die Bucht bis nach Sant Joan, wobei uns ein Aufzug für nur 2,70 € vom Strand aus hinauf befördert hat, die Festung selbst kann frei betreten werden.

Und wir haben – na klar – das Ocean Race Museum auf der anderen Seite des Hafens auch nicht ausgelassen.

Schließlich wurde zuletzt alle drei Jahre hier in Alicante das Volvo Ocean Race gestartet. Die Stadt feiert das nicht nur mit dem Museum, mitten in der großen Avenida gleich hinter Strandpromenade findet sich folgende Verkehrsinsel:

Und „Turn the tide on plastic“, so hieß nicht nur die von Dee Caffari geskipperte Yacht im 2017er/2018er Rennen, sondern dieser Slogan wird hier ernst genommen. Anders als früher vielleicht aus Spanien gewohnt, wird jedenfalls auf Mülltrennung großer Wert gelegt.

Und für noch etwas fehlte uns nicht die Zeit, den doppelten Friseurbesuch:

War allerdings auch mal wieder Zeit!

Alicante, die Mancha und der Großeinkauf

Wir sind in Alicante, genauer gesagt im Real Club de Regatas de Alicante. Wir haben uns gleich für eine ganze Woche hier im Hafen eingebucht, für uns ziemlich ungewöhnlich. Der Grund dafür ist unsere Lichtmaschine, die leider den Geist aufgegeben hat. Nachdem sie schon eine Weile herumzickte, hatten wir eigentlich gehofft sie hier reparieren lassen zu können. Leider ist sie wohl vollständig hinüber.

Zum Glück trifft uns das aber nicht unvorbereitet: wir hatten schon eine eigentlich nur als Backup gedachte neue Lichtmaschine in Auftrag gegeben (sie musste ja für die Lithium-Batterien und damit an den externen AlphaPro-Regler angepasst werden). Die neue LiMa wurde nach Burgwedel geschickt, von wo sie unser Freund Eike Dienstag mitbringt. Eike arbeitet derzeit immer Dienstags bis Donnerstags in Valencia und wollte uns deshalb hier in Spanien besuchen. Passt natürlich prima, ein bisschen Flickzeug für unser leicht angeschlagenes Dinghy bringt er auch noch mit 😉.

Genießen wir also bis dahin Alicante und umzu.

Und Alicante ist wirklich schön. Nicht nur dass die Stadt reichlich Restaurants, Cafés, Cervezerias und Bars bietet und zudem einen sehr gepflegten und gleichzeitig lebendigen Eindruck macht, allein schon für die vielen Palmen und Ficus-Bäume im Stadtbild könnte man Alicante lieben. Palmen säumen viele der Boulevards bzw. Avenidas, so auch die marmorgepflasterte Promenade hier am Hafen.

Und wunderschöne Plätze wie diesen an der alten Post (scheint im Hintergrund durch):

Samstag am frühen Morgen noch mit wenig Leuten, wir wollten aber gerne zeitig in der Markthalle sein:

Schon von außen beeindruckend, aber noch mehr drinnen, zumal es eben keine Touristenpräsentation ist, sondern eine wirklich von der Bevölkerung genutzte Markthalle. Zwei Ebenen, unten hauptsächlich Fisch und Obst/Gemüse, oben überwiegend Fleisch/Wurst.

Zur Abwechslung mal kein Schwertfischbild vom Markt, sondern der Blick in einen Obst- und Gemüsewald:

Auch wir haben ein bisschen eingekauft, aber hier noch nicht nicht sehr viel. Das kam später.

Vielmehr haben wir uns fürs Wochenende günstig (Tip von Eike) ein Auto gemietet und sind erst mal raus aufs Land gefahren. Zunächst in den kleinen Ort Banyeres de Mariola, wo wir die Burg besichtigt und uns mit dem kleinen Auto durch die super engen Gassen gequetscht haben. Interessant zu sehen, dass hier in der Gegend viele Kirchen blaue Ziegeldachkuppeln haben, ich habe noch nicht herausgefunden, was es damit auf sich hat, jedenfalls ist es sehr auffällig.

Und dann weiter durchs Gebirge und einige Landschaftsschutzgebiets bis in die flachere und kargere Region Kastilien-La Mancha, die sich nördlich anschließt an die Region Valencia (zu der auch Alicante gehört).

Windmühlen, gegen die Cervantes Don Quichotte als vermeintliche Riesen mit ihren langen Armen ankämpfen könnte gibt es heute wieder reichlich und sie sind größer geworden. Moderne Windkraftanlagen finden sich zuhauf auf den etwas höheren Kämmen der Hügelketten der Mancha. Sonst gibt’s dort aber nicht ganz viel, weshalb wir das Auto auch noch für einen Großeinkauf genutzt haben, schließlich naht so langsam Gibraltar und damit der erste längere Törn im Atlantik, jetzt also doch ein paar Vorräte mehr 😉 (unser bisher größter Bon, hat die Bevorratungspanik uns jetzt doch noch erwischt?).

Ganz nebenbei: offensichtlich sind wir wirklich in Spanien, denn wir haben auf unserer Autofahrt auch den obligatorischen Osborne-Stier gesehen:

Die Geschichte dieser Werbe-Stiere und ihres Einzugs in die Spanien-Symbolik ist übrigens auch ein tolles Beispiel dafür, was Gesetzgebung bewirkt (und was eben nicht).