Hat die Dinghy-Reparatur geklappt? Leider nicht ganz. Die Bugkammer ist ziemlich dicht und verliert nur ganz langsam Luft. Den Riss in der Steuerbordluftkammer des Beibootes haben wir weniger gut geflickt bekommen. Wir könnten jetzt zwar zur Not an Land fahren, müssten vor der Rückfahrt aber nachpumpen.
Notiz an mich selbst:
1) das begrenzte Material eines Dinghy-Reparaturset reicht möglicherweise nicht.
2) die Sets werden mit der Zeit alt. Rechtzeitig erneuern.
Wir beschließen, uns zeitnah in Richtung Festland zu orientieren. Dort können wir Material nachkaufen oder das Dinghy vielleicht gleich professionell reparieren lassen. Also verabschieden wir uns schon nach ein paar Tagen wieder von Great Barrier Island. Diesen Namen hat die schöne Insel Aotea übrigens 1769 von Captain Cook bekommen. Ziemlich passend, denn der zwischen Auckland und der Coromandel-Halbinsel liegende Hauraki-Golf wird nach Norden und Nordosten durch Little Barrier Island und eben Great Barrier Island zusätzlich geschützt.
Und in diesem Hauraki-Golf orientieren wir uns jetzt nach Westen. Wieder wird es ein ganz wunderbarer Segeltag. Ziel ist Kawau-Island, dicht an der neuseeländischen Nordinsel gelegen.
Dass die Segelsaison in Neuseeland jetzt beginnt, haben wir schon auf Great Barrier gemerkt. An diesem Wochenende geht es offenbar richtig los, denn Montag ist Feiertag (Labour Day). Hatten wir unseren Ankerplatz zunächst ganz für uns, trudelten ab Donnerstag Abend mehr und mehr Boote ein. Am Ende konnten wir aus dem Cockpit heraus 8 andere Boote sehen.
Das war allerdings nichts gegen das Gewusel, das wir am Ankerplatz in Kawau vorfinden.
Quirlig, auch ein bisschen lauter, trotzdem sehr entspannt. Sommerstimmung im Frühling (Ende Oktober hier entspricht Ende April auf der Nordhalbkugel).
Ankerlieger dicht an dicht, immer weitere kommen dazu. Klönschnack von Schiff zu Schiff. Boote gehen vor Anker ins Päckchen, Kanuten, Ruderboote und Dinghies suchen sich einen Weg, Kinder werden auf Ring-Tubes geschleppt und jauchzen vor Freude, vom Bistro am Ufer klingt eine Live-Band herüber.
Was für ein Gegensatz zu unserer Ankunft auf Great Barrier Island.
Man merkt das lange Wochenende, die Freude auf den Sommer und ganz sicher auch die Nähe zu Auckland und seinen Vororten. Und wer wollte einen solchen herrlich lauen Abend nicht auskosten?
Nee wat schön. Herrliches Segeln von den Mokohīnau Islands nach Great Barrier Island. Ein Kreuzkurs, wie unser Track auf Noforeignland zeigt, aber ganz überwiegend einer zum Genießen.
Der Legende nach landete hier das „Aotea Waka“ genannte Kanu von Turi und seinen Gefolgsleuten, mit dem die Entdeckung und Besiedlung Neuseelands durch die Polynesier begann. Von den Maorí wird Great Barrier Island deswegen Aotea (Weiße Wolke) genannt.
Bei unserer Ankunft präsentiert sich Aotea aber entgegen seines Namens wolkenlos mit blitzblank geputztem blauem Himmel. Unser Ziel liegt etwa in der Mitte des 35 km langen Great Barrier Island. Wir schlängeln uns zwischen den vorgelagerten Inseln hindurch und an diversen einladenden Buchten vorbei bis in die Kiwiriki Bay im Südosten des geschützten Naturhafens Fitzroy Harbour.
Nur wenig entfernt in der beliebten Smokehouse Bay ankern sechs Boote und es wäre trotzdem noch reichlich Platz, hier aber liegen wir ganz allein.
Blauer Himmel, je nach Lichteinfall jadegrünes, türkises oder blaues Wasser, Vogelgezwitscher und Landschaft pur.
Wir lassen es uns gut gehen, backen Kuchen und Brot, schlemmen uns durch die in Whangārei frisch aufgestockten Delikatessen-Vorräte. Rehwildfleisch mit grünem Spargel zum Beispiel.
Venison, auf Deutsch Wildfleisch, ist in Neuseeland eher ein landwirtschaftlicher als ein jagdwirtschaftler Artikel. Rehe und auch Hirsche werden im großen Stil freilaufend auf Weideflächen gehalten, 2015 gab es etwa 900.000 dieser Tiere auf Farmen. Zur Erinnerung: Neuseeland hat nur etwa 5 Millionen Einwohner. Venison wird auch in Neuseeland gern gegessen, aber der weit überwiegende Teil geht in den Export. Größter Abnehmer ist übrigens – wer hätte es gedacht – Deutschland.
Wir beschließen, einen Landausflug zu machen. In der Nachbarbucht soll man mit dem Dinghy am Strand anlanden können, ganz in der Nähe eines Wanderweges. Das lockt uns, aber zum Wandern kommen wir leider nicht. Wir schlitzen uns kurz vor dem Ufer das Dinghy an einer messerscharfen Austernbank auf. Ein lautes Zischen, unmittelbar darauf noch eines. Das darf doch nicht wahr sein. Gleich zwei der drei Luftkammern unseres Beibootes hat es erwischt. Dabei wähnten wir uns mit dem Aluminiumboden unseres Dinghy’s eigentlich ganz gut geschützt, aber direkt daneben erhält unter Wasser der gute Hypalonrumpf ein paar Kratzer und eben auch zwei Schnitte. Glück im Unglück: Bug und der Steuerbordschlauch sind zwar schlapp. Die Restluft darin und der intakte Backbordschlauch reichen in Verbindung mit dem festen Alu-Boden aber aus, um sicher und trocken zurück zur Flora zu fahren. Dort nehmen wir erstmal den Motor ab und hieven das Beiboot dann auf Floras Vordeck.
Jetzt gilt es erst einmal, das eingedrungene Salzwasser aus dem Schlauch zu bekommen. Dafür müssen die Schnitte die tiefste Stelle des Dinghies sein. Wir wuchten das gut 50 kg schwere Beiboot mit Hilfe des Spinnakerfalls hin und her, heben es zum Ablaufenlassen des Wassers mal vorne und mal hinten an.
Dann rücken wir den Schnitten mit einem Hypalon-Reparaturset zu Leibe. Säubern, Schadstelle und Flicken mit Sandpapier anrauen, wieder säubern. Stelle und Flicken mit einem speziellen Kleber einpinseln, trotz Wölbung und schlappem Schlauch möglichst gerade auflegen und andrücken … und dann hoffen. Erst nach frühestens sieben Stunden sollen wir das Dinghy wieder aufpumpen, also warten wir gleich über Nacht ab.
Morgen sehen wir dann, ob unsere Reparatur erfolgreich war oder ob wir doch noch einen Profi in Auckland damit beauftragen müssen.
Über eine Woche war Ruhe auf diesem Kanal. Machen wir Urlaub?
Erstmal nicht wirklich, wir hatten durchaus zu tun. Aber jetzt sind alle dringenden Arbeiten an Flora erledigt, es kann weitergehen.
Die Segel sind vom Segelmacher zurück und wieder voll einsatzfähig. An einem windstillen Vormittag haben wir sie auch wieder angeschlagen. Das ist insbesondere beim Großsegel durchaus mit einigem Aufwand verbunden. 56 Quadratmeter schweres Hydranet-Tuch wollen gebändigt, hochgezogen und in den Mast gerollt werden. Danach dann langsam wieder herausrollen, um die durchgehenden vertikalen Latten in die Segeltaschen einzufädeln und zu spannen. Die größte der fünf Segellatten ist länger als unser Schiff, das ist also schon ein bisschen Action.
Auch die Lichtmaschine tut inzwischen wieder, was sie soll. Scott von EM-Power hat sich unseren Mastervolt-Lichtmaschinen-Regler vorgenommen. Zunächst schien alles ok. Als wir aber die Motordrehzahl erhöhten, stieg der Regler aus und startete neu. Dafür hatte Scott dann am späten Abend auch keine Erklärung mehr und wollte am nächsten Tag wiederkommen.
Brauchte er aber nicht, denn in der Nacht hatte ich einen Geistesblitz. Der Lichtmaschinenregler ist über den Öldruck geschaltet. Könnte es am Öldruckgeber oder an dessen Kabel liegen? Volltreffer, eine lose Steckverbindung am Öldruckgeber war der Übeltäter.
Außerdem haben wir für die Zeit auf der Werft schon mal vorgearbeitet und einige Teile bestellt. Die Schrauben der Tanks unter den Fußbodenbrettern wieder angezogen, die hatten sich gelockert und damit bei Seegang Quietschgeräusche ausgelöst.
Dazu natürlich sauber gemacht und bei der Gelegenheit auch die Bilgepumpe am tiefsten Punkt im Inneren des Schiffes gereinigt.
Den Stauraum unter der Achterkoje ausgeräumt, sortiert, Sachen zum Sozialladen gebracht, die Hochdruckpumpe des Wassermachers ausgebaut, gereinigt und wieder eingebaut, einige Schläuche und Ventile beim Wassermacher erneuert, und und und.
Zwischendurch genießen wir aber auch den Frühling in Whangārei, machen einen Ausflug in den Quarry Garden. In einem ehemaligen Steinbruch wurde ein Park angelegt. Halb botanischer Garten, halb Planten und Blomen, mit See und mehreren Wasserfällen, dazwischen Skulpturen und auch Reste des industriellen Steinbruchs. Und hier auf der Südhalbkugel lässt der Frühling halt jetzt die Pflanzen sprießen und die Farben leuchten.
Sabine und Jochen liegen mit ihrer Josa auch am Steg bei Dockland 5, gemeinsame Sundowner, Spieleabende und ein Besuch beim „Oktoberfest“ im Judge Alehouse sind da logisch und wir bleiben länger in Dockland 5 als ursprünglich geplant.
Aber wir reißen uns los. In gut einem Monat ist schon unser Krantermin und bis dahin wollen wir auch seglerisch etwas mehr von Neuseeland erkunden. Etwa fünf Wochen haben wir dafür erstmal, es fühlt sich wie Urlaub an. Die Inseln zwischen Whangārei und Auckland stehen auf dem Programm. Und es geht sehr gut los!
Die direkt vor den Whangārei Heads gelegenen Hen and Chicken Islands bieten keinen guten Ankerplatz bei den derzeitigen Südwestwinden, daher segeln wir durch diese Inselgruppe hindurch weiter hinaus zu den ebenfalls unbewohnten und seltener besuchten Mokohīnau Islands. Etwa 33 Seemeilen Richtung Osten sind es nach unserem Übernachtungsstop in Marsden Cove bis dort. 6 Stunden herrliches Segeln bei strahlendem Sonnenschein, im Wind ist auf dem nur 15° kalten Wasser trotzdem recht frisch, Fleecepulli ist angesagt.
Und dann erwartet uns dieser spektakuläre Ankerplatz, eingerahmt von hoch aufragenden Felsnadeln und fast senkrechten Cliffs:
Hier an Land zu gehen wäre ja ohnehin schwierig, es ist aber sowieso verboten. Nur die größte Insel des unter Naturschutz stehenden Archipels darf betreten werden. Also machen wir das Dinghy klar, erkunden ein wenig die Höhlen und Felsbögen der Cliffs an unserem Ankerplatz und fahren dann hinüber nach Pokohino, das auch Burgess Island genannt wird. Auf 122 m Höhe macht hier seit 1883 ein Leuchturm auf die verstreuten Felseninseln aufmerksam. Vor über 40 Jahren wurde er automatisiert, seitdem ist die ganze Inselgruppe unbewohnt.
Das Anlanden auf Pokohino ist nicht ganz einfach. Zwar gibt es eine alte, halbverfallene Betonpier, aber die dazu gehörige Treppe ist bei unserer Ankunft dem Ozeanschwell doch ziemlich ausgesetzt. Ich setze erst Wiebke ab, die mit einer langen Leine das Dinghy auf der Pier sichert, dann werfe ich den Dinghyanker an der Bungee-Leine. In einer Wellenpause an die Treppe motoren, überspringen ohne auf der glitschigen Treppe auszurutschen und das Dinghy vom Bungee zurückziehen lassen. Klappt.
Von der Pier zieht sich ein schöner Trail hoch zum Leuchtturm. Von dort haben wir einen tollen Ausblick über den Archipel (wir können den Mast der Flora ersähen, sie ist heute das einzige Boot hier) und bei der guten Sicht sogar zurück bis Hen and Chicken und weiter bis hinüber nach Great Barrier Island.
Pokohino ist wie alle Eilandes des Archipels eine Vogelinsel. Wir hatten bei den steilen Felsen eigentlich überwiegend Seevögel erwartet, aber das grüne Inselinnere bietet ganz offensichtlich auch vielen anderen Vogelarten willkommene Rückzugsorte. Wir hören und sehen unter anderem Maorí-Honigfresser sowie die einheimischen Kākāriki-Sittiche.
Vor allem aber freuen wir uns über die zahlreichen wunderschönen Tuí.
Ein weiteres Highlight gibt’s auf der Rückfahrt zur Flora: mehrere große Tümmler jagen zwischen den Schwärmen von Großmaul-Makrelen in der Bucht. Die Delfine kommen direkt zu unserem Dinghy geschwommen, drehen eine Runde um uns und widmen sich dann wieder den Makrelen.
Fast ganz im Norden von Fiji‘s Yasawa-Gruppe ankern wir vor dem Champagne Beach. Ein wirklich wunderschöner, langer und breiter Strand mit ganz feinem, hellen Sand.
Klitzekleiner Haken: wie so oft in den Yasawas findet der Ozeanschwell auch hier seinen Weg zum Ankerplatz. Das Auf und Ab ist an Bord nicht mal besonders störend. Das Anlanden am Strand wird aber deutlich erschwert, denn im flacheren Wasser steilen sich die Wellen auf und brechen.
Wir sind ja nach unserem Erlebnis am Cape Scott in Kanada „gebrannte Kinder“ (war’s eine FeuerTAUFE oder sind wir jetzt mit allen Wassern gewaschen?).
Vom Dinghy aus schauen wir uns das erst einmal genau und wirklich in Ruhe an, versuchen ein Muster im Rhythmus der Wellen zu erkennen. Drei größere sind durch, jetzt folgt eine kleine Pause. Also Gas geben, ran, dann das Dinghy schnell auf den Strand ziehen. Auf die nächsten höheren Brandungswellen warten und mit ihnen das Beiboot noch höher hinauf auf den Strand wuchten. Klappt wunderbar. Es ist ablaufend Wasser, insofern sollte das Dinghy jetzt sicher liegen. Trotzdem legen wir zur Sicherheit hoch auf dem Strand noch den Dinghyanker aus. Wir beobachten das noch eine Zeit lang, während wir schon mal den Korken knallen lassen.
Champagne Beach. Nehmen wir wörtlich.
Nach dem Anstoßen folgt ein herrlicher Strandspaziergang barfuß im Puderzucker-Sand der Gezeitenzone.
Allerdings: Irgendeine Monsterwelle hat zwischenzeitlich doch unser Dinghy erwischt und zur Hälfte mit Wasser und auch reichlich Sand gefüllt. Mist.
Davon gibt’s keine Fotos, leer schöpfen hat die oberste Priorität. Dann schnell zurück zur Flora, der Außenborder des Dinghies läuft zum Glück problemlos, so schlimm war die Welle dann doch nicht. Es dauert aber fast eine Stunde, bis wir mit Hilfe von Deckswaschpumpe und Schlauch den Sand zumindest größtenteils wieder aus dem schräg in den Davits hängen Beiboot herausgespült haben. Das war wohl nicht ganz optimal.
In den nächsten Tagen soll der Wind hier oben im Norden der Yasawas deutlich auffrischen. Wir beschließen, wieder etwas weiter nach Süden zu segeln, um spätestens am Freitag den Schutz des Windschattens von Viti Levu nutzen zu können. Unser nächster Ankerplatz liegt auf bei der Insel Nacula vor dem Örtchen Malakati.
Auch hier wieder: traumhafter Sandstrand.
Und überhaupt, was für ein Ankerplatz. Auf 5 m Wassertiefe über Sandgrund, der in herrlichstem Türkis geradewegs zu leuchten scheint.
Der notorische Schwell allerdings findet auch den Malakati Anchorage. Wie also am besten an Land kommen? Die Longboats der Locals sind zumeist nicht auf den Strand gezogen, sondern zwischen einer Ankerleine und einer Landleine so im seichten Wasser festgemacht, dass man an Land waten kann. Wir kopieren ihre Technik und nutzen dafür zwei Anker, jeweils an einem „Anchor-Buddy“, einer sich von 5 m auf 15 m dehnenden speziellen Ankerleine. Die eine Leine ist nicht mehr ganz so elastisch, aber das war der eigentliche Grund, warum wir überhaupt eine zweite haben. Jedenfalls klappt es wunderbar, das Dinghy schwimmt mit dem Bug in Wellenrichtung, die Welle steigt nicht klatschend über das niedrigere Heck ein. Da hätten wir auch schon früher drauf kommen können. Lernkurve, aber wir sind ja auch erst gut sieben Jahre unterwegs!
Wir machen unser Sevusevu beim Chief. Und wir begegnen Josa, Tetro und Mario, die uns den nicht ganz einfach zu findenden Einstieg in den Trail hinauf auf den hinter dem Ort liegenden Berg zeigen. Ihre (und unsere) Namen ritzt Josa in das Blatt einer stacheligen Agave am Wegrand. Wir sollen uns vor den Spitzen Blattenden in Acht nehmen. Zur Sicherheit pickst er dieses Blattende in das beschriftete Blatt.
Der Hike beginnt unscheinbar unter haushohen, die Kokospalmen am Strand deutlich überragenden Mangobäumen und führt dann steil den Hang hinauf. Ein Stück höher wachsen noch Kiefern, dann wird es an den Hängen eher kahl. Wie bei früheren Wanderungen haben sich uns auch diesmal wieder einige Hunde aus dem Dorf angeschlossen und weichen uns kaum von der Seite.
Zurück im Dorf werden wir in die Vorschule hineingebeten. Eigentlich ist sie für die fünfjährigen gedacht. Weil aber die Frauen im Dorf fast alle im Hotel-Resort des Nachbarortes arbeiten, gehen in Malakati auch die drei- und vierjährigen in die Vorschule.
Wiebke und ich werden sofort fröhlich in Beschlag genommen. Die Muttersprache ist Fijianisch, die Kinder erproben von der Lehrerin ermuntert ihr Englisch an uns. Wir sollen diverse Lieblingsbücher vorlesen, vorsingen, als Kletterbäume dienen, bekommen die Vorschule gezeigt. Umgekehrt singen auch die Kleinen ein fijianisches Lied.
Fiji Time. Ein feststehender, viel verwendeter Ausdruck in diesem Land. Man hat Zeit, lässt sich Zeit. Kommt nicht so drauf an.
Es ist schon irgendwie erstaunlich. Gestern haben wir die Flüge für den „Heimaturlaub“ gebucht, Anfang Dezember geht’s von Auckland über Singapur nach Hamburg. Das ist (erst !?!) in zweieinhalb Monaten. Und was macht das mit uns? Eine ganze Menge. Von jetzt auf gleich fühlt sich Fiji anders an. Bisher schien die Zeit hier fast unendlich – immerhin sind wir eine ganze Saison lang ausschließlich hier in „Bula-Land“. Lassen uns reichlich Zeit, bummeln alleine über zwei Monate nur durch die abgelegenen Inseln der Lau-Gruppe. Und jetzt? Auf einmal tickt die Uhr. Nur noch 10 Tage und dann ist schon Oktober, dann schauen wir schon nach einem Wetterfenster für die Passage nach Neuseeland. Und plötzlich fühlen sich die Tage wie Abschiednehmen von Fiji an. Noch bewusster genießen, noch intensiver schauen. Wehmut? Ein wenig vielleicht. Aber auch das Gefühl: ja, das ist rund. Fiji ist toll, wir haben viele verschiedene Landesteile gesehen, wunderbar herzliche Menschen kennenlernen dürfen. Wir durften dieses Land sehr intensiv erleben, eben fast ein halbes Jahr lang hier leben. Was für ein Geschenk.
Und jetzt zum Abschluss die Inselgruppe der Yasawas. Wir haben inzwischen die nördlichste, namensgebende Hauptinsel dieser Kette erreicht, eben Yasawa Island.
Rund 20 Kilometer lang ist Yasawa Island, dabei aber nur maximal einen Kilometer breit. Die Insel erstreckt sich von Südwest nach Nordost, ein langer schmaler Schutzwall gegen den vorherrschenden Südostpassat. Das ist um so wichtiger, weil der Passat durch die Düse zwischen Fijis hohen Hauptinseln Viti Lvu und Vanua Levu gepresst noch einmal deutlich verstärkt hier ankommt, während die südlichen Inseln der Yasawa-Gruppe oft im Windschatten von Viti Levu liegen.
Vorschau für Freitag dieser Woche auf Windy.com
Unser erster Ankerplatz auf Yasawa Island war Namataya Anchorage, ganz im Süden der langen Insel.
Eine durchziehende Front mit über Süd drehendem Wind, da kann man hier zwischen den Riffen guten Schutz finden und beim kräftigen Südwind am nächsten Tag super Wingfoilen (mit dem kleinen 4 qm Wing).
Jetzt, mit dem Passat wieder klassisch aus Südost, aber noch gemäßigt ruhig (und wahrscheinlich seine Kräfte für Freitag aufsparend) liegen wir nach einem schönen Segeltag am anderen Ende von Yasawa Island, ganz im Norden vor dem Champagne-Beach.
Zum Wingfoilen muss jetzt der große 6,5 qm Wing ran.
Auch das ist ein bisschen Abschied nehmen, denn in Neuseeland werde ich wohl nicht mehr so viel foilen, erst recht nicht in kurzer Hose und nur mit T-Shirt unter der Prallschutzweste. Kein tropisch warmes Wasser dort, also jetzt nochmal Fiji-Temperatur und Fiji-Time genießen.
Von Somosomo aus segeln wir weiter die Perlenkette der Yasawas hinauf. Vorbei an Yaqeta, hinein in einen zwischen gleich drei Inseln eingebetteten Naturhafen.
Zwischen Matakawa Levu, Tavewa und Nanuya gelegen, bietet der Ankerplatz hier ziemlich guten Schutz, zumal die diesen Inseln vorgelagerten Riffe den Pazifik-Schwell zusätzlich dämpfen.
Das macht diesen Platz auch insofern attraktiv, als die Einfahrten zwischen den Riffen gute Bedingungen für Kiter und Wingfoiler bieten. Sportsessions stehen damit auch für mich auf dem Programm.
Aber auch auf einem Landgang kann man hier die Seglerbeine mal wieder bewegen. Ein schöner Hike führt auf Nanuya vom Strand aus hinauf zu einem Aussichtspunkt und weiter durch abwechslungsreiche Landschaft. Mal mit Blick vom Grat der Insel auf Ankerplatz und umgebende Inseln, mal unter dem dichten Blätterdach von Mangobäumen entlang (die Früchte sind leider noch nicht reif). Dann geht’s durch abgebrannte Flächen hindurch, manche sind schon umgegraben und mit Kasawa-Setzlingen bestückt. Wilde Ananas, Frangipani-Blüten. Kleine Wäldchen, ein sumpfiges Gebiet mit improvisierten Baumstamm-Brücken, Palmenhaine. Abwechslung pur. Begleitet werden wir auf unserer Wanderung von Hunden, die uns schon seit dem Anlanden am Strand nicht von der Seite weichen.
Ziel der 5-km-Wanderung ist „Lo‘s Tea House“ auf der gegenüberliegenden Inselseite, bekannt für seine hausgemachten Doughnuts. Die sind zwar mit den uns bekannten amerikanischen Namensvettern nur entfernt verwandt, aber immerhin auch sehr süß und fettgebacken, sie werden nach Bestellung vor unseren Augen frisch frittiert.
Hier auf der Luvseite von Nanuya bekommen wir auch einen guten Eindruck, wie sehr es draußen tatsächlich bläst. Jenseits des Riffs ist die See ziemlich aufgewühlt.
Ein zusätzliches „Zuckerl“ auf dieser Wanderung: ich bekomme zwei kleine, auf Fiji endemische (also nur hier heimische) Vogelarten vor die Kameralinse:
Fiji-BrillenvogelOrangebrust-Honigfresser
Neben Wanderung, Wingfoilen und auch Schnorcheln gibt noch weitere Annehmlichkeiten hier. Es ist deutlich spürbar, dass die Yasawa-Inselgruppe touristischer aufgestellt ist als andere Inseln Fijis. Das hat negative Seiten, wie etwa Hubschrauber und Wasserflugzeuge, die zahlungskräftige Klientel zu den um den Ankerplatz verteilten Resorts bringen. Ein Teil des Strandes ist an anderthalb Tagen der Woche für die Passagiere eines Mini-Kreuzschiffes reserviert. Aber es hat eben auch positive Seiten: Locals kommen auf Paddelboards vorbei und bieten frisches Obst zum Kauf an. Semi und seine Frau Kini fragen, ob wir Interesse an einem Fijianischen Erdofen-Buffet haben. Na klar. Auch noch etwa ein Dutzend andere Cruiser sagen zu, und so werden der Erdofen und Lagerfeuer hergerichtet. Am Abend gibt’s dann am Strand vor dem kleinen Haus der beiden den versprochenen Festschmaus, Lagerfeuer und Gesang mit Gitarren- und Ukulelen-Begleitung.
An anderen Abenden: Sundowner mit Nicole und Toby von der Invictus am Strand oder Wiebke und ich an Bord der Flora.
Zum Sevusevu nach Somosomo, so ist das hier. Wir greifen uns einmal mehr ein in Zeitungspapier eingeschlagenes Bündel von Kawa-Wurzeln. Unserer schrumpfender Bestand baumelt in der Dusche, denn die hängende Aufbewahrung ist gut für den Kawa und in der Dusche lassen sich wegbröckelnde Wurzelreste gut aufnehmen. Außerdem haben die Wurzeln durchaus einen Eigengeruch. So sieht das aus:
Mit diesem rituellen Geschenk machen wir uns in unserem Beiboot auf zum Chief des nächstgelegenen Dorfes Somosomo und bitten um die Erlaubnis, in der Bucht ankern zu dürfen.
Am Strand vor dem Dorf Somosomo landen wir an. Eta heißt uns im Dorf willkommen und führt uns zum Haus des Chief. Nach dem Sevusevu zeigt sie uns das Dorf. Spannend: hier wachsen noch einzelne Sandelholz-Bäume. Der Sandelbaum war früher auf den Yasawa-Inseln weit verbreitet. Das hier Yasi genannte schwere Hartholz war in China ursprünglich dem Kaiserhof vorbehalten und ist auch heute noch zur Produktion von Möbeln und Kunstobjekten äußerst begehrt. Die Bäume wurden fast bis zur Ausrottung abgeholzt. Heute liegt der Marktwert für ein Kilo hochwertiges Sandelholz über 100 Fiji$. Auf der südlich von Naviti Island liegenden Insel Waya wird deshalb Sandelholz im Rahmen eines Nachhaltigkeitsprojektes in Baumschulen wieder kultiviert, um eine vom Tourismus unabhängige langfristige Einnahmequelle zu schaffen.
Junger Sandelbaum neben dem Haus des Chiefs
Mehrere Frauen des Dorfes haben während unseres Sevusevus schnell einen improvisierten Kunsthandwerksmarkt auf der Wiese im Zentrum des Dorfes aufgebaut. Das scheint nur uns zu gelten, aber vielleicht kommen nachher ja auch noch weitere Crews, denn vorm Ort ankern ebenfalls ein paar Boote. Wir kaufen zwei Tapa-Tischsets. Jetzt am Wochenende sind die Kinder im Dorf (und nicht im Boarding-Haus der Schule im Nachbardorf). Mehrere von ihnen sitzen bei ihren Müttern auf den Decken, für ein Foto rücken sie schnell zusammen.
Mit Rose (11), Meme (5), Mela (8) und Sake (7) schließen sich einige andere Kinder bei unserem weiteren Spaziergang durchs Dorf und die Umgebung an.
Es wird ein spaßiger Gang zu den Mangroven, durch den Fluss und zurück zum Strand vor Somosomo.
Die Haare von Rose und Meme sind übrigens nicht gefärbt. Vielmehr wird hier auf den Yasawas im Gegensatz zur eher von polynesisch-tonganischen Einfluss geprägten Lau-Inselgruppe die mehr melanesische Abstammung der fijianischen Bevölkerung deutlich.
Zurück zur Flora und an die Arbeit, es stehen mal wieder einige Projekte an. An den Davits (den kleinen Kränen, an denen wir unser Beiboot hochziehen und lagern) hat sich eine Leine verklemmt. Dafür müssen wir erstmals die Umlenkrolle am äußeren Ende des Davit ausbauen. Das Lösen der Schrauben (vom schwankenden Dinghy aus) erfordert dementsprechend ein wenig Überzeugungskunst, aber es klappt und wir bekommen das Ganze wieder gängig.
Nächstes Projekt: Großsegel. Ein kleines Loch zeigt sich oberhalb der hinteren Segellatte. Das in den Mast gerollte Segel herunterzunehmen würde bedeuten, dass wir alle 5 der bis zu 15 Meter langen Latten ausbauen müssten, das wollen wir uns am Anker lieber ersparen. Also zieht Wiebke mich in den Mast. Aus der Nähe zeigt sich, das nur ein kleines Stück Naht des Segels aufgegangen ist. Ich kann die Hand hindurchstecken. Selbst nähen möchte ich das hier nicht, also klebe ich auf jede Seite ein kleines Patch (selbstklebender Segelflicken). Nicht besonders schön, aber das sollte das weitere Auflösen der Naht erstmal verhindern.
Drittes Projekt: die Winsch der Ausholleine des Großsegels funktioniert mechanisch zwar noch, lässt sich aber nicht mehr elektrisch bedienen. Der Elektromotor surrt, aber die Winsch bewegt sich nicht. Das lässt einen Fehler im Kraftschluss der Zahnräder vermuten. Zur Behebung müssen wir die Winsch nicht nur auseinander bauen, sondern auch das Winschfundament ganz abnehmen. Wiederum erstmals und wieder bedarf es deshalb besonderer Überzeugungskraft um die Schrauben zu lösen. Ein mechanischer Schlagschrauber hilft. Dann alles schön säubern, die Sperrklinken wieder gängig machen und ölen. Zusammenpuzzeln, funktioniert wieder.
So soll das.
Zur Belohnung gehen wir vom Boot aus am Riff unseres Ankerplatzes ausgiebig schnorcheln.
Die Vielfalt und Farbenpracht der Steinkorallen und der Weichkorallen hier in Fiji beeindruckt uns immer wieder. Weitere Highlights des Schnorchelgangs hier in der Bucht sind die „Nemos“, die ein- oder zweistreifigen Anemonenfische. Zwischen verschiedensten Seeanemonen und Weichkorallen sehen wir sie hier. Sogar gras-grüne Anemonen sind dabei, die einen herrlichen Kontrast zum Orange der Nemos bilden.
Ein weiterer Lieblingsfisch von uns zeigt sich ebenfalls mehrfach, der knuffige Harlekin-Feilenfisch, auch Palettenstachler oder Orangeflecken-Feilenfisch genannt:
Auch sonst ist es herrlich bunt und fischreich hier. Beim zurückschnorcheln zur Flora sehen wir auf dem Sandgrund sogar noch einen endemischen Fiji-Maskenrochen.
Übrigens: wenn in der Bildbeschreibung beim Aufruf „Screenshot“ steht liegt das nicht daran, dass ich das Foto irgendwo im Netz stibitzt hätte. Vielmehr sind meine Unterwasserbilder meist eben Screenshots eines Standbilds aus einem mit meiner GoPro oder zuletzt häufiger meiner DJI Action6 aufgenommenen Unterwasser-Videos.
Unser Segel hat sich immer noch nicht wieder angefunden. Extrem ärgerlich. Wir haben schon mal Anfragen für eine neue Fock gestartet, aber die würde uns wahrscheinlich nicht mehr in Fiji erreichen, sondern bestenfalls in Neuseeland.
Aber: bis zum 14. September hätten wir Fiji verlassen müssen, kurz vorher bekommen wir eine Email, es klappt dann doch noch mit der zweimonatigen Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis. Pfff. Durchatmen. Unsere Reisepässe müssen wir bei der Immigration mit neuen Stempeln versehen lassen. Bevor wir dazu wieder nach Denarau zurücksegeln, machen wir noch einen herrlichen Spaziergang über Malolo Island. Die Ankerbucht von Musket Cove füllt sich immer mehr. Die Fiji Regatta Week mit der 42. Musket Cove Regatta steht an, in diesem Jahr wird zugleich der 50. Geburtstag des Musket Cove Island Resorts gefeiert. Neben Segelregatten gibt’s Kostümfeiern mit „Pirate Days“ und ähnlichem Spektakel.
Das ist nicht so unser Ding, das Timing passt also ganz gut für unsere Weiterfahrt.
Die Immigration in Denarau ist zwar besetzt, aber den erforderlichen Stempel hat man leider nicht vor Ort. Also ins Taxi gesprungen und zur Immigration nahe des Flughafens von Nadi. Das Gebäude kennen wir schon von der Beglaubigung unserer aktuellen Fotos im Passfoto-Format. Immerhin, alles klappt, Stempel in den Pässen und wir dürfen bis maximal 14. November in Fiji bleiben.
Als wir die Bucht vor Denarau verlassen, kommen wir an der schon vor drei Jahren außer Dienst gestellten „Reef Endevour“ vorbei. Der kleine Kreuzfahrer hat einige Zeit lang Touren durch die Yasawa-Inseln gemacht, jetzt aber rottet er am Rande des Ankerplatzes langsam vor sich hin und wird anscheinend nach und nach ausgeschlachtet, ein trauriger Anblick.
Das alte Schiffe auch ganz erfreulich anzuschauen sein können, belegt die gegenüber ankernde Luxusyacht „Haida“:
Sie wurde 1929 auf der Krupp-Werft in Kiel für den Lebensmittelproduzenten Max C. Fleischmann gebaut, ist heute aber bekannter wegen ihres Auftritts im Film „Mama Mia“ von 2008.
Deutlich wird bei beiden Schiffen, dass wir jetzt im Westen von Fiji und damit im touristisch stärker erschlossenen Teil des Landes unterwegs sind. Die Inselgruppe der Yasawas ist vergleichsweise gut an den internationalen Flughafen Nadi angebunden, auf den meisten Eilanden hier gibt es gleich mehrere Resorts. Die ganz überwiegende Zahl der Gäste kommt aus Neuseeland und Australien eingeflogen.
Sie (und wir) erwarten Traumstrände und Palmen und die gibt es hier, na klar. Für uns ein bisschen überraschend: es sind keineswegs lediglich niedrige Atolle, überwiegend schmiegen sich die Resorts eher unauffällig in eine Landschaft, die auch eine rauhe Schönheit mitbringt.
Steile Berghänge, Felsformationen mit zackigen Graten und Resten der Schlote uralter Vulkane aus dem Eozän. Kein Wunder, dass die Yasawas und die südlich anschließenden Mamanuca Islands als Filmlocation der internationalen Reality-TV-Serie „Survivor“ dienen.
Seglerisch spannend: die Inseln der Yasawa-Gruppe sind nicht von einem durchgehenden Saumriff geschützt, der Ozeanschwell findet zumeist einen Weg an den Ankerplatz. Gebremst wird der Schwell nur von unzähligen einzelnen Riffen, die wild um die Inseln verstreut liegen und aufmerksame Navigation erfordern. Wir arbeiten uns entsprechend vorsichtig im Zickzack an der Westküste von Naviti Island hinauf zum Ankerplatz in der Vunayawa Bay. Sie soll uns Schutz bieten vor dem starken Südschwell, der mit bis zu vier Metern Wellenhöhe am Wochenende Fiji erreich könnte.
Ein erster Ankerversuch lässt uns dann doch für unseren Geschmack etwas zu nah an die scharfen Korallen vor dem Strand heran schwoien, die Drohne macht das sichtbarer als es der Blick vom Boot aus gezeigt hat.
Wir ankern lieber ein weiteres Mal und diesmal passt es gut. Kaum ist der Anker wieder in den Sandgrund eingefahren, verschlechtert sich auch das Wetter, Regen und kräftiger Südwind stellen sich ein.
Bei den Aufenthaltsgenehmigungen und auch bei der Suche nach unserer von YachtHelp verlegten Fock gibt’s leider (immer noch) nichts zu feiern.
Aber: das hält uns natürlich nicht davon ab, Wiebkes schon achten Geburtstag auf dieser Reise ordentlich zu zelebrieren. Zur Erinnerung:
6.9.2019: Cartagena, Spanien 🇪🇸
6.9.2020: Martha‘s Vinyard, USA 🇺🇸
6.9.2021: Hamburg und Hoya, Deutschland 🇩🇪 Erster Heimatbesuch
6.9.2022: Meyers Chuck, Alaska, USA 🇺🇸
6.9.2023: San Francisco, USA 🇺🇸
6.9.2024: von Französisch Polynesien 🇵🇫 aus Heimatbesuch mit Nachfeier Silberhochzeit, Deutschland 🇩🇪
6.9.2025: Neiafu, Tonga 🇹🇴
31 Länder haben wir inzwischen auf dieser Reise besucht. Um so erstaunlicher, wie oft wir gerade an Wiebkes Geburtstag in den verschiedensten Ecken der USA oder auf Heimaturlaub in Deutschland waren.
Aber jetzt eben:
6.9.2026: Musket Cove, Fiji 🇫🇯
Ganz gemütlich begonnen mit einem ersten Kaffee in der Koje …
… und dann French Toast/Arme Ritter mit Ahornsirup und frischen Bananen im Cockpit:
Anders als in zuletzt besuchten abgelegenen Bereichen von Fiji sind die westlichen Inseln wegen ihrer relativen Nähe zum internationalen Flughafen Nadi touristisch durchaus erschlossen. Wir segeln von Denarau nach Malolo Island. Drei größere Resorts gibt es allein hier. Sie sind seglerfreundlich, eines bietet sogar einen kleinen Hafen. In dessen Yachtclub kann man gegen einen kleinen Einmalbetrag eine lebenslange Mitgliedschaft erwerben und dann auch die Pools, Restaurants und Cafés des Ressorts benutzen.
Eine schöne Abwechslung für uns:
Die bekannteste Ankerbucht von Malolo Island heißt Musket Cove. Bequem erreichbar vom Flughafen und auch von den Port-of-Entry-Marinas Vuda und Denerau ist Musket Cove einer der meistbesuchten Ankerplätze in Fiji und entsprechend gut gefüllt.
Kein Wunder also, dass wir hier in der Bucht auch wieder mehrere befreundete Bootscrews treffen. Am Vorabend hatten Jill und Michael zum Sundowner auf die Gerty geladen, für Wiebkes Geburtstag verabreden wir uns in der Beachbar des Resorts an Land und wechseln danach in eines der Restaurants.
Jill hat sogar noch extra einen Geburtstagskuchen gebacken. 😘
Am 21. August haben wir die Verlängerung unserer Aufenthaltserlaubnis für Fiji beantragt. Bei Einreise wurden vier Monate gewährt, eine Verlängerung für weitere zwei Monate ist möglich. Sie muss Online beantragt werden. Sollte eigentlich kein Problem sein. Am Ankerplatz in Kandavu starten wir den Prozess.
Das Formular auf https://immihub.immigration.gov.fj/FIDPortal/welcome stellt die erwartbaren Fragen (Person, Passnummer etc), weist aber auch einige Kinken auf. Die zwingend notwendige Eingabe einer Adresse in Fiji lässt sich noch mit dem Ankunftshafen überbrücken, bei „evidence of financial support: recent bank statement“ wird es schon schwieriger, denn den (deutsche) Kontoauszug zum Nachweis ausreichender Mittel wird erstmal ohne Begründung nicht akzeptiert. Trotz der aus dem Dropdown-Menu einzig passenden Angabe „self sponsored“ wird außerdem die „company registration“ als PDF angefordert. Gibt es natürlich nicht, aber ohne das Anhängen irgendeiner PDF geht es hier im Formular nicht weiter. Gleiches gilt für das zwingende Anhängen eines PDF des Rückflugtickets nach Deutschland, wir überbrücken dies mit dem Anhängen der Bootspapiere. Ein aktuelles Foto in Passfotogröße, nicht älter als drei Monate. Auf Kadavu können wir nur gegenseitig Fotos machen und sie auf Passfotoformat zuschneiden.
Immerhin schaffen wir es nach ein paar Stunden, für jeden von uns so ein Formular ausgefüllt abzuschicken und die jeweils 93$ Gebühr zu bezahlen. Die Rückfragen beschäftigen uns dann allerdings bis heute. Bankauskunft neu und mit persönlicher Anmerkung: o.k.
Dann die Forderung nach einer zertifizierten (beglaubigten) Passkopie. Wir schreiben zurück, dass wir auf einer abgelegenen Insel im Kadavu-Archipel sind, hier gibt es keinen Notar. Da ein PDF angehängt werden muss, um die Antwort absenden zu können, fügen wir ein Foto von uns mit den geöffneten Pässen in der Hand bei. Netter Versuch, immerhin wird als Antwort die Frist für die elektronische Abgabe der Beglaubigung von einem auf vier Tage verlängert. Danach müsste ein neuer Antrag gestellt werden (mit neuer Gebühr).
Wir segeln von Kadavu 100 Seemeilen hinüber zu Fijis Hauptinsel Viti Levu und ankern vor dem Touristenort Denarau. Im dortigen Büro von Customs und Immigration werden wir mit unseren Pässen vorstellig. Wenn online die Freigabe erfolgt wäre, würden die Behörden hier auch ein neues Datum in unseren Pass stempeln, aber unseren Pass beglaubigen können sie angeblich nicht. Immerhin macht der Zollbeamte Kopien unserer Pässe und nimmt sie mit zu seinem anderen Arbeitsplatz am Flughafen. Dort in der Nähe ist auch ein Anwaltsbüro, das die Beglaubigungen macht. Unsere Pässe braucht er dafür nicht mitnehmen. Am nächsten Tag können wir die beglaubigten Kopien im Zollbüro abholen (40$). Wir fotografieren die Beglaubigung, wandeln sie in PDF um, laden sie online hoch.
Einen Tag später kommt die Antwort, dass bitte jetzt auch die aktuellen Fotos im Passfotoformat beglaubigt einzureichen wären. Das Onlineformular sieht hierfür zwar die Notwendigkeit der Beglaubigung nicht vor, aber so kommen wir ja nicht weiter. Immerhin, diesmal wird uns ergänzend erläutert, dass auf abgelegenen Inseln hilfsweise z.B. die Krankenschwester oder der Lehrer die Zertifizierung vornehmen dürfte. Na toll, diese Info kommt ein bisschen spät.
Wir nehmen ein Taxi zum Flughafen, finden ein Anwaltsbüro und lassen uns die Ausdrucke unserer Fotos abstempeln. Zurück an Bord, in PDF umwandeln, einreichen. Aber jetzt ist Wochenende, bisher haben wir noch keine Antwort.
Fiji-Time: Abwarten.
In Denarau wollen wir auch unsere reparierte Fock abholen, die wir im Mai über den Agenten YachtHelp von Savusavu zum Segelmacher Marshall-Sails gesandt hatten. Nach der Reparatur hatte Marshall-Sails es an YachtHelp Denarau gegeben. Die sollten es zurück zu ihren Kollegen senden, aber wie wir im August in Savusavu feststellen mussten, hat das nicht geklappt. Dann holen wir es eben selbst in Denarau ab. Nur: da ist es auch nicht, man teilt uns mit es sei bei YachtHelp in der Vuda-Marina, immerhin auch hier auf Viti Levu, gar nicht so weit entfernt. Wir mieten ein Auto, um es abzuholen und bei der Gelegenheit noch Einkäufe zu erledigen.
YachtHelp Vuda bestätigt, dass sie das Segel haben müssten. Nur: sie finden es nicht. Sie sind unlängst auf dem Marinagelände umgezogen, vielleicht sei deshalb das Segel „misplaced“. Wir warten im Restaurant, wir machen unsere Einkäufe. Das Segel hat sich noch nicht angefunden. Man suche verzweifelt, sehe inzwischen auch die Aufnahmen der Sicherheitskameras durch, werde sich melden. Inzwischen sind drei Tage vergangen, das Segel ist noch nicht gefunden, die Suche geht weiter.
Frust. Abwarten. Aber: am Ende wird alles gut. Wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.
Auch das ist Segler-Leben unterwegs. Nicht immer ist alles eitel Sonnenschein.