Crewwechsel und erfolgreiche Reparatur

Elke und Uli sind angekommen. Die erste Nacht mussten sie noch mit der Hafentoilette klarkommen, das andere Klo an Bord hinter unserer Achterkajüte wollten sie trotz Aufforderung nicht benutzen.

Aber: beim größeren Schiffsausrüsterladen in Arrecife habe ich doch tatsächlich eine passende Ersatztoilette gefunden. Jetzt gibt’s also wieder zwei funktionierende an Bord 😊. Haben wir gleich mit einem schönen Abendessen in der Stadt gefeiert, mit Blick auf die fast trockenfallende Lagune mit ihren vielen kleinen Bötchen.

Heute dann Atlantiksegeln, unser neuer Besuch stand dem durchaus mit sehr gemischten Gefühlen entgegen, aber alles ging gut:

Und wir sind gut hier in der Marina Rubikon ganz im Süden von Lanzarote angekommen.

Ins Klo gegriffen

Man kann unserer Johnson Elektrotoilette im Vorschiff ja eventuell zu Gute halten, dass sie so lange durchgehalten hat (wenn auch am Ende nur nach Ermuntertung durch leichte Schläge auf das Zerhackerpumpengehäuse), bis unsere Mitseglerin Maria nach vier schönen gemeinsamen Wochen wieder abgereist ist.

Jetzt allerdings hat sie den Geist komplett aufgegeben. Ich erspar Euch die Zwischendurch-Arbeitsbilder. Das schmutzige Ergebnis ist jedenfalls, dass die Pumpe vom Hersteller bestenfalls lausig abgedichtet war. Und damit SCHROTT!

Den Einbau einer hier in Arrecife zu erwerbenden manuellen Toilette haben wir länger erwogen, trotz des heutigen Nationalfeiertags sogar ein entsprechendes (offenes) Geschäft gefunden, aber trotzdem erstmal wieder verworfen. Die Verankerungsschrauben müssten neu gesetzt werden, wir kommen aber kaum an den schmalen Spalt, in dem die Kontermuttern unterzubringen wären. Grrrr.

Also erstmal einen Ersatzmotor für die Zerhackerpumpe bestellt. Zunächst muss die andere Toilette im Achterschiff genügen. Im Vorschiff bis dahin:

Karg ist nicht farblos! Montaña Amarilla

Da hatte ich in meinem vorigen Post doch geschrieben, La Graciosa sei karg und habe ihren Anmuts-Namen wohl quasi aus einem spätmittelalterlichen Marketingversuch heraus erhalten. Und dann das:

Der Wetterbericht sagt einen Sonne-Wolken-Mix voraus, es wird nicht so heiß, beste Voraussetzungen für eine Wanderung auf den Montaña Amarilla, den „gelben Berg“. Der liegt in der Südwestecke von La Graciosa, nicht weit von unserem Ankerplatz entfernt, an der Tauchern und Badenden vorbehaltenen Nachbarbucht. Google Earth wird befragt, lässt einen Rundwanderweg erahnen und liefert in der 3D-Ansicht ein beeindruckendes Bild des erloschenen Vulkankraters, dessen Nordwestseite offenbar bei einer Eruption weggesprengt wurde.

Also die Wanderschuhe an und los? Nein, natürlich nicht. Erstmal müssen wir ein ganzes Stück durch den losen Dünensand, das geht besser barfuß.

Aber schon jetzt zeigt sich, warum der gut 170 m hohe Berg nach einer Farbe benannt ist: die vom Meer angeknabberte Südseite präsentiert sich in einem Mix aus gelbem und rotem Tuffgestein und scheint gerade bei diesem Wetter manchmal regelrecht zu leuchten. Und was für ein Kontrast mit dem gelegentlich knalligen Blau des Himmels oder des Meeres, dem hellen Sand von sowohl Strand als auch manchen Dünen und dem Türkis der flacheren Buchten.

Jetzt mit Wanderschuhen geht’s auf einem zwar unbeschilderten aber meist gut erkennbaren Pfad über loses Geröll hinauf zum Grat des Vulkankraters.

Fantastische Ausblicke über den „Rio“ hinüber nach Lanzarote, über die Buchten und die Ankerlieger, hinunter zum Dorf Caleta del Sebo und auch nach Norden über La Graciosa hinweg zu den anderen Inseln des Naturschutzgebietes Archipelago Chinijo.

Und wie den Farben angepasst, hat sich bei unserer Rückkehr zur Flora eine kleine Palmtaube auf dem Heck unseres Bootes niedergelassen. Schön, ganz viele Tiere haben wir auf La Graciosa sonst leider nicht entdecken können und irgendwie kommt das von meinen Eltern und unserem Grundschuldirektor früh mit vogelkundlichen Wanderungen geweckte Naturinteresse offenbar immer wieder durch 😉.

Heute wollen wir trotzdem unseren herrlichen Ankerplatz verlassen und hinüber nach Lanzarote segeln. An die Ostseite zum Hauptort Arrecife. Zur Abwechslung mal wieder Stadt.

Die Anmutige

La Graciosa, also die Anmutige, die Liebreizende. So hat der normannische Seefahrer Jean IV. de Béthencourt die Insel 1402 benannt, als er Anfang des 14. Jahrhunderts die Kanaren unter der Krone Kastiliens kolonialisierte und christianisierte.

Man darf wohl davon ausgehen, dass nicht seine poetische Ader diese Namensgebung für die nördlichste heute bewohnte Kanareninsel beeinflusste, sondern vielmehr sein Bestreben, die karge Insel ohne Süsswasserquellen für die von ihm gewünschten nachfolgenden Siedler attraktiv erscheinen zu lassen.

Und doch, wenn man in den „Rio“, die nur rund einen Kilometer breite Meerenge zwischen dem hier dunklen und bis zu 400 m steil aufragenden Lanzarote im Süden und der hügeligen, hellsandigen Dünenlandschaft La Graciosas im Norden einbiegt, scheint die Namensgebung nicht mehr so abwegig. Zumal die Trinkwasserversorgung inzwischen durch eine Pipeline von Lanzarote hinüber auch gesichert ist 😉.

Angekommen am Ankerplatz in der Playa Francesca auf La Graciosa

Es gibt keine befestigten Straßen auf der fast 9 km langen und bis zu 4 km breiten Insel, nur einige wenige Sandpisten. Wir ziehen Florecita hoch auf den Strand, es gibt etwa zwei Meter Tidenhub und wir wollen vermeiden, die frisch reparierte Heckspiegel/Boden-Verbindung des Dinghys bei auflaufender Flut durch Hin und her schubbern in den Wellen wieder aufzuscheuern. Dafür haben wir jetzt endlich die Räder aus dem Vorschiff geholt und ans Beiboot geschraubt, sie lassen sich herunterschwenken. „Klappt“ ganz gut 😊. Hätten wir früher ausprobieren sollen.

Und dann geht’s durch die Dünenlandschaft hinüber zum „Hauptort“ der Insel, dem 700-Einwohner-Örtchen Caleta del Sebo. Tatsächlich gibt es im Norden noch Pedro Barba mit 15 Häusern als zweiten Ort.

Caleta Del Sebo, im Hintergrund die dunklen Berge Lanzarotes

Wir trinken eine Caña (kleines Bier) in einem der erstaunlich vielen Cafés/Bars/Restaurants des Örtchens, decken uns in einem speisekammergroßen Supermarkt mit frischem Obst und Gemüse ein und wandern am Strand zurück zu unserer Ankerbucht.

Seidenreiher am Strand
und sind rechtzeitig vor Sonnenuntergang zurück.

Ist das nicht schön?

Ja, das ist nicht schön. Liebes Tagebuch: MERKEN: Längere Törns mit einem AWA von 60-80 Grad (Wind schräg von vorn), 2m Atlantikwelle von der Seite und 20+ Kn Wind sind zum 🤢. Selbst, wenn man dann mit 178 sm in 24 Stunden einen neuen Flora-Rekord aufstellt und insgesamt nur 36,5 Stunden für die 270 sm braucht.

Gast Maria ist so seefest, dass sie das Vorschiff unterwegs mit Erwachsenenwindeln in Petersburger Hängung auskleidet. Hatten wir vorher extra zu diesem Zweck besorgt, weil die Vorluksdichtung ihren Job nicht mehr macht und Abkleben von außen nicht den gewünschten Erfolg brachte. Muss eine neue Dichtung her, dieser Törn hat das sehr deutlich gezeigt.

Oder nicht mehr Am-Wind-Segeln 😉

Licht am Ende der Tunnel

Funchal ist schön, vom Hafen aus kann man das Zentrum, die Oberstadt und auch das alte Fischer- und Handwerkerviertel „Zona Velha“, also die Altstadt gut zu Fuß erreichen. Letzterer war zuletzt etwas heruntergekommen, während die beiden erstgenannten Stadtteile gut in Schuss gehalten wurden. Das rief 2011 eine Gruppe Künstler auf den Plan, die die engen Gassen rund um Funchals älteste Straße Rua de Santa Maria wieder beleben wollten. Etwa 200 Türen und Tore verzierten sie und tatsächlich, Galerien und dann auch Restaurants entdeckten die zuvor (und teilweise auch noch heute) bröckelnden Gebäude neu und das Viertel ist heute wieder sehr belebt, vor allem Abends.

Das vorletzte Türbild zeigt übrigens eines der hiesigen Freibäder. Haben wir auch genutzt, soweit es der Wellengang zuließ. Der Hurrikan Lorenzo ging ja über die Azoren und damit weit an uns vorbei. Trotzdem war er auch hier zu spüren, nicht als Wind, wohl aber in den Wellen. Etwa zweieinhalb bis drei Meter Dünungswelle rauschte noch bis hierher nach Madeira. Im nach Westen offenen Hafen von Porto Santo brach sogar mitten in der Nacht ein Fingersteg ab. Als die Wellen wieder abgeebbt waren sahen die Naturschwimmbäder hier so aus:

Natürliche helle Sandstände gibt’s auf Madeira nicht, hin und wieder werden vor Hotels zwischen Buhnen extra welche aufgeschüttet. Hm. Im Nordwesten der Insel gibt’s in Porto Moniz noch ein besonderes Seewasser-Freibad, das wir auch besucht haben, kostenlos übrigens:

In Porto Moniz haben wir auch erstmals die Bacalhau-Produktion (Stockfisch) live gesehen.

Für uns lag es auf dem Weg zu unserer dritten Levadawanderung, diesmal eben im feuchteren Norden. Wir wurden nicht enttäuscht 😉:

Außerdem konnte ich auf der Wanderung die Fotopirsch auf das kleine Madeira-Goldhähnchen (etwa so klein wie ein Zaunkönig) glücklich abschließen:

Zurück ging es quer durch die Insel. Das darf man durchaus wörtlich nehmen, gefühlt fuhren wir eine größere Strecke in Tunneln als im Freien. Wirklich, auf den rund 51 Kilometern fuhren wir durch 31 oft mehrere Kilometer lange Tunnels.

Mit zum Teil wunderschönen Ausblicken, wie hier (allerdings auf dem Hinweg) auf den Farol de Ponta do Pargo.

Leider war es das fürs erste mit Madeira. Jetzt geht’s gleich los Richtung Kanaren. Wir planen 40-50 Stunden Überfahrt. 😊

Zweite Levadawanderung

Wieder mit dem Bus, diesmal war es die Überlandlinie 57, geht es hinauf in die Berge und über den Gebirgskamm nach Ribeiro Frio im gleichnamigen Park Natural. Schon auf der Fahrt ist es interessant zu beobachten, wie sich die Vegetation am Straßenrand veränderte. Erst wieder durch Eukalyptus- und Lorbeerwälder wird es, nachdem wir die dünne Wolkendecke unter uns gelassen haben immer karger bis kurz vor dem Pass nur noch trockene Wiesen und Sträucher den Weg säumen. Und wie anders sieht es auf der Nordseite aus: dunkler hoher alter Nadelwald empfängt uns, etwas weiter ins Tal geht er in Lorbeerwald über. Und dort beginnen wir unsere zweite Levadawanderung. Anders als vorgestern präsentiert sich die Natur entlang der Levada durchgehend sattgrün, neben dem unbewirtschafteten Urwald aus Lorbeerbäumen und hohen Azaleen oder Hortensien auch mit dichtem Bewuchs aus Farnen, Moosen und Flechten.

Und auch der Weg an der Levada zeigt sich abwechslungsreich. Wir haben das Glück, dass die Wolken unter uns bleiben und sich zum Ende der Wanderung hin ganz aufgelöst haben. So wandern wir meist unter einem lichtdurchbrochenen Blätterdach, mal lichter und mit tollen Ausblicken

mal dichter oder sogar durch kleine Schluchten und Tunnel.

Und auch die heimische Tierwelt zeigt sich immer wieder. Vor allem die Madeira-Eidechse, deren kleine Exemplare bei unserer Annäherung ins Wasser springen und auf die andere Levada-Seite schwimmen. Aber auch viele Madeira-Buchfinken sind zu sehen, unserem Buchfink ganz ähnlich, aber mit größerem Schnabel und pfirsichfarbener Brust:

Und sogar ein Madeira-Goldhähnchen erspähen wir, aber da bin ich mit der Kamera nicht schnell genug 🥺.

Am Ende führt auch hier der Weg von der Levada fort und recht steil hinunter nach Portela. Von dort könnten wir mit dem Bus zurück nach Funchal, aber ein Sammeltaxi für nur 5,- Euro pro Nase kommt dem Bus zuvor und bringt uns schnell und bequem direkt zurück.

Nach soviel Natur (und einer ausgiebigen Erholungspause an Bord) belohnen wir uns mit einem Restaurantbesuch und so geht es am Abend noch einmal in die Stadt. Natürlich wieder zu Fuß, so weit ist es von unserem Liegeplatz ja auch nicht. Am Ende stehen trotzdem 25,9 km und 30.052 Schritte auf meinem iPhone-Zähler. Da soll noch mal einer sagen, beim Segeln verkümmere die Beinmuskulatur.

😀

Levadawanderung und Hailight

Madeira ist eine steile, gebirgige Insel, bis zu 1.862 m hoch am Pico Ruivo. Das führt zu sehr unterschiedlichen klimatischen Verhältnissen in den verschiedenen Inselteilen. Während der Norden bei dem vorherrschenden Nordostwind die Wolken abfängt und sich daher häufiger regnerisch präsentiert ist es im Süden eher subtropisch warm und trocken. Wir sind im Hauptort Funchal, das liegt liegt im eigentlich trockenen Süden. Trotzdem gibt es hier viel Grün, nicht umsonst ist Madeira auch als die „Blumeninsel“ bekannt. Die findigen Bewohner haben schon im 15. Jahrhundert auf der erst kurz zuvor von den Portugiesen besiedelte Insel sogenannte „Levadas“ angelegt, Bewässerungskanäle, die sich aus dem nördlichen Gebirge kommend eng an die Berghänge schmiegen und das Wasser in den trockenen Süden leiten. Und damit ist nicht nur die Wasserversorgung verbunden: entlang der Levadas kann man wunderbare Wanderungen unternehmen. Die schmalen Kontrollpfade neben den Kanälen ziehen sich von der Stadt Funchal aus mit wenig Gefälle am Berg entlang, um Täler herum, teils durch Tunnel hindurch. Für unsere erste Levadawanderung wählen wir eine einfache Tour, rund 11 km lang, mit einem bequem per Linienbus zu erreichenden Einstiegspunkt.

Und tatsächlich, nach gut 20 Minuten, in denen sich der Bus der Linie 47 in Serpentinen den steilen Hang hinauf bis zum Garten Quinta do Palheiro Ferreiro an der Stadtgrenze hinaufschraubt, stehen wir am Einstiegspunkt mit fantastischem Blick über Funchal und können unten die große Hafenmole erkennen.

Die Wanderung selbst ist wunderschön, beginnt zwar hinter einem Industriegebiet, führt dann aber durch Lorbeer-, Akazien- und Eukalyptuswälder, ab und an auch wieder über Straßen und an Häusern vorbei, manchmal jedoch auch recht frei am steilen Hang mit tollen Ausblicken.

Nur das letzte Stück führt von der Levada fort erst steil bergab und dann auf der anderen Seite des Tales wieder hinauf bis zur Bergstation der Seilbahn 🚡. Von dort aus könnte man per Schlitten auf der Straße hinuntergleiten, traditionell sozusagen (früher gab es statt der Seilbahn scheinbar eine besondere Eisenbahn):

Wir schauen den Schlittenfahrern nur zu, etwas neidisch allerdings, denn unser Weg hinunter zur 2. Bushaltestelle (die erste übersehen wir wohl) ist der anstrengendste Teil unseres Marsches.

Aber zurück an Bord wartet ein Highlight bzw. Hailight auf uns – der Hammer!

Im Hafenwasser direkt neben der Flora entdecken wir mehrere jugendliche Hammerhaie. Wirklich! Sie ziehen zwischen den Booten ihre Runden, wir können es erst gar nicht fassen.

Schnell die GoPro-Kamera an den Bootshaken und:

Kurzes Video dazu:

Die Langversion des Videos gibt’s durch Anklicken HIER.

Nachtrag: Die Fehlfunktion der Videolinks bei Dolphin-Day und diesem Post sollte jetzt behoben sein.

Laut Aussage der Marine-Biologin von einem der Whalewatching-Tourboote hier im Hafen nutzen die Hammerhaie diese Gewässer als Geburtsstube, wie übrigens auch die von uns beobachteten Zügeldelfine, die sich nur im Sommer so weit nördlich aufhalten.