Isla Boca

Eigentlich heißt sie Isla de Colon, aber in immer mehr Karten taucht sie als Isla Boca auf. Wohl, weil hier der Hauptort Boca Town liegt, vielleicht auch weil sich hier der Anlaufort für die Fähre und auch der kleine Flughafen befinden, die eben sozusagen das ganze Bocas del Toro Archipel abdecken.

Wir mieten uns Fahrräder, um die knapp 14 km lange uns 7 km breite Hauptinsel zu erkunden. Uns werden E-Bikes mit dicken Ballonreifen empfohlen. Ein nettes Gimmik? Nein, das hat schon seine Berechtigung. Die zwei Straßen sind vielfältig, aber meist eher schlecht 😉. Schlaglöcher im Asphalt, längere Schotterstrecken und – da machen die dicken Pneus sich richtig gut – auch Sandpisten. Und der kräftige Elektroantrieb hilft uns auch mehr als gedacht. Auf der Strecke von Bocas Town nach Bocas del Drago geht es längs auf dem Inselrücken entlang und dabei unerwartet oft und steil die Hügel hoch. Das hat aber auch zur Folge, das die Vegetation mehrfach wechselt. Die Palmen werden mehr und mehr durch hohe Bäume abgelöst, dazwischen immer wieder Weiden mit Kühen. Dann wieder wilde Bananenstauden am Straßenrand („Panama riecht von oben bis unten nach Bananen“ sagt der Bär zum Tiger in Janoschs Klassiker Oh wie schön ist Panama. Wir treffen mehrere Staßenbaukolonnen, die die wuchernden Bananenstauden zurechtstutzen.

Die Luftwurzeln des gleichen Baumes nochmal aus anderer Perspektive
Kuhweide

Aber an unserem ersten Ziel, Boca del Drago, sind wir wieder am Strand angekommen. Und an was für einem:

Boca de Drago ist die Einfahrt in das Archipel, die wir bei unserer Ankunft mit Flora genommen haben.

Hier ist die Straße zu Ende, zu Fuß gehen wir aber noch etwa 2 km weiter zum Playa Estrella, dem Strand der Seesterne. Lanchas bieten ihre Dienste an, aber wir verzichten auf die Bootstaxis. Wir haben gehört dass die Wanderung schön sein soll. Das ist sie denn auch ohne Zweifel. Mal direkt an dem fast immer palmengesäumten Ufer entlang, mal etwas schattiger ein kleines Stück hinter dem Strand windet sich der schmale Pfad.

Und immer wieder gibt es tolle Ausblicke.

Der Seesternstrand ist dann zwar schön, aber auch ziemlich mit Hütten zur touristischen Versorgung bestückt. So genehmigen wir uns hier nur einen Drink und dann gehts zurück. Auch mit den Fahrrädern, denn die Straße ist im wesentlichen eine Sackgasse. Erst kurz vor Boca Town biegt eine weitere Straße (also: die andere) ab und führt an die Nordküste der Insel.

Auch die lassen wir uns nicht entgehen, zu gerne wollen wir sehen, warum es die Wellenreiter hierhin zieht. Erst einmal aber entdecken wir andere Gleichgewichtskünstler. Eine Familie Mantelbrüllaffen zieht über uns durch die Bäume am Weg.

Dann aber haben wir die Surfer-Strände erreicht. Der Wind ist eher mau heute, aber offenbar reicht die Brandung trotzdem:

Also ab in die Surfer-Bar am Paunch Beach, noch ein bisschen schauen und lecker essen. Wir sind nämlich trotz E-Bike ziemlich geschafft. 44 Kilometer Radfahrt und 4 km Wandern werden es am Ende sein. Und das mit unseren inzwischen offenbar verweichlichten Seebeinen 😚.

Am nächsten Tag ist eher „Hausarbeit“ angesagt. Unsere Waschmaschine gibt leider gleich beim ersten Waschgang den Geist auf. Grr. Die Trommel scheint nicht frei zu drehen. Wir wuchten die Maschine aus ihrem engen Schrank im vorderen Bad und nehmen sie auseinander.

Zum Laufen bekommen wir sie nicht, aber immerhin können wir die Spezifikation des wahrscheinlichen Übeltäters, nämlich des Lagers der Trommel ausmachen. Wenn wir das Lager bestellen, könnte es in 7 bis 10 Tagen hier sein und ein örtlicher Mechaniker könnte es wechseln. Vielleicht.

Zeitangaben sind hier in Panama mit etwas Vorsicht zu genießen. Unsere Cruising Permit haben wir beantragt. Ich sollte in ein bis zwei Tagen vorbeikommen, dann sei es eingegeben und könnte (nach Bezahlung) übermittelt werden. Heute war ich wieder da. Nee, geht leider noch nicht. Das Internet im Büro funktioniert nicht. Meine Nachfrage ergibt: hat es auch die ganze letzte Woche schon nicht getan. Aber man arbeitet daran. Auch das ist …

Pura Vida.

Ruhige Tage am Cape Lookout

Danke für’s Daumendrücken, es hat ganz offensichtlich geholfen. Unsere Passage um das Kap Hatteras war so, wie wir wie sie uns angesichts des Wetterfensters nur wünschen konnten: vergleichsweise ruhig, ohne allzu große Seen und mit durchaus schönen segelbaren Abschnitten, obwohl ganz überwiegend doch der Motor ran musste. Insgesamt 38 Stunden Fahrt, zwei Nächte wegen der Abfahrt am Nachmittag, die Ankunft kurz vorm Hellwerden.

Und jetzt sind wir hier auf dem Ankerplatz im Barden Inlet am Cape Lookout. Durchatmen und genießen.

Während sich die Wellen draußen am Strand krachend brechen, liegen wir hier drinnen wunderbar ruhig.

Lange Strandspaziergänge gemeinsam mit Helena und Steve, Spiele, gemeinsame Abendsessen.

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Pura Vida.

Cape Lookout

Ein näherer Blick auf die amerikanische Ostküste von North Carolina aufwärts bis New York State offenbart etwas (zumindest für uns) Unerwartetes. Der Atlantik hat hier gemeinsam mit der oft küstenparallelen Strömung auf etwa 1.000 km Länge eine Landschaft geschaffen, bei der häufig Sanddünen lange Strände säumen. Dahinter befinden sich aber Lagunen und Buchten, die auf uns wie eine Mischung aus den Hafflandschaften der Ostsee und den Tidenrevieren hinter den friesischen Inseln wirken.

Ganz besonders betrifft das die “Outer Banks”, genau genommen eine Kette von rund 20 schmalen, langgestreckten und teilweise mit Brücken verbundenen Inseln, die sich in einem Bogen von etwa 300 Kilometern vor dem Festland von North Carolina und Virginia entlangziehen. Die Linie der zum Teil nur wenige Hundert Meter breiten Inseln entfernt sich dabei am Kap Hatteras etwa 50 Km vom Festland.

Südlichster Punkt der “Outer Banks” ist Cape Lookout, an dem wir jetzt im Barden Inlet, geschützt von der South Core Banks und der Shackelford Banks ankern.

Die flachen Sandinseln und die sich an den Kaps noch weit ins Meer erstreckenden Flachs, verbunden mit der starken und schwer einschätzbaren Strömung des Golfstroms, die bei nördlichen Wind zudem eine grobe See produziert, haben für viele Schiffbrüche an diesem Küstenabschnitt gesorgt. Schon früh wurden deshalb Leuchttürme errichtet. Das erste Leuchtfeuer am Cape Lookout ging 1812 in Betrieb, aber es war zu niedrig und die Reichweite zu gering. Einige Kapitäne bezeichneten die Feuer von Hatteras, Lookout und Cape Florida als geradezu gefährlich, weil sich Schiffe auf der Suche nach dem Licht des Leuchtturms zu nahe an die Flachs begaben. Schon 1859 ging deshalb ein neuer, mit 163 Fuß (knapp 50 m) deutlich höherer Leuchtturm in Betrieb, der dann auch ausreichend Tragweite hatte. Die charakteristische, unverwechselbare Bemalung mit weißen und schwarzen Rauten (day marks) erhielt er 1870.

Natürlich statten wir dem Leuchtturm einen Besuch ab, mit dem Dinghy können wir an der Innenseite des Fähranlegers festmachen. Über Holzbohlenstege geht es dann durch die Dünenlandschaft zum Leuchtturm und weiter hinüber zum breiten Strand an der Atlantikseite. Teile des Strandes sind für Autos befahrbar, weiter im Norden gibt es eine Fährverbindung extra für diesen Zweck. Viel Verkehr ist aber nicht, wir machen einen herrlichen Strandspaziergang.

Zurück zum Leuchtturm, wo uns intensiver Kiefernduft empfängt, Sommerluft wie auf Anholt oder Hiddensee 😃.

Fun fact: die Rauten sind keineswegs nur zufällig dekorativ zur Unterscheidung von anderen Leuchttürmen. Sie sind so aufgemalt, dass die weißen Rauten übereinander exakt in Ost-West-Richtung sichtbar sind, die schwarzen Rauten exakt in Nord-Süd-Richtung. 😎

Die Landschaft scheint irgendwie vertraut, aber sie ist es natürlich nicht allein, die die verschiedenen Regionen auf unserer Reise unterscheidet. Es sind die Menschen und – auf unbewohnten Inseln wie hier – eben auch die Pflanzen und Tiere. Lösen die Kiefern mit ihrem Duft eher heimatliche oder zumindest urlaubsbekannte Gefühle aus, erinnert uns die zum Teil ungewohnte Tierwelt daran, dass wir eben doch Besucher in fremden Ländern sind.

Beim Strandspaziergang sehen wir bekannte Arten wie Möven, Austernfischer, Seeschwalben und Standäufer. Aber eben auch das:

Ein weißer Ibis (Schneesichler) erschüttert unsere vorschnelle “ ach, das ist ja wie in … “ – Einordnung. Auch die Reiher kommen irgendwie anders daher. Erst ein Rötelreiher (Egretta Rufescens),

dann ein Schmuckreiher (Egretta THULA!) mit gelben Füßen und ebensolchem “Brillenband”:

Der erinnert uns einmal mehr an Janna und Ilja von der Thula, die jetzt gerade auf dem nicht ganz einfachen Törn von den Bahamas zu den Azoren unterwegs sind und mit denen wir immer mal über Iridium Kontakt haben.

Vielleicht sogar noch mehr als durch die Vögel bekommen wir durch ein anderes Tier deutlich vermittelt, dass wir uns in für uns neuem Terrain befinden:

Am Baum direkt neben dem Bohlenweg schlängelt sich eine amerikanische Kletternatter entlang. Sie ist ungiftig und als Würgeschlange eher auf Nagetiere und Vögel spezialisiert, aber – hey – , das muss ja doch erstmal nachschlagen ☺️.

Governor’s Harbour

Eine Nacht bleiben wir an dem vergleichsweise offen gelegenen, aber auch sehr schönen und ruhigen Ankerplatz bei Sands Cay.

Der südlicher drehende leichte Wind sorgt am nächsten Morgen dann doch für etwas Schwell und so segeln wir – mal mit Fock, mal mit Code0 – gemächlich die kurze Strecke weiter nach Governor’s Harbour. Hier, etwa in der Mitte von Eleuthera, begann 1648 die Wiederbesiedelung der Bahamas nach dem gut 100 Jahre zuvor erfolgten Genozid an den Tainos.

Das vorgelagerte und ursprünglich mit einer Brücke angebundene Cupids Cay sorgt für Naturhäfen, die auch bei nördlicheren oder südlicheren Winden guten Schutz bieten und tatsächlich kommt der leichte Südostschwell hier nicht hinein.

Und auch der Ort weiß zu gefallen. Ein schöner Sandstrand säumt die Bucht, eine palmenbestandene Promenade gleich dahinter, zwei Kirchen, aus denen die kräftigen melodischen Gesänge am Sonntag zu uns herüberschallen, selbst der Friedhof liegt in bester Lage.

Verglichen mit der zwar bunten aber oft eher einfachen Bebauung der meisten kleinen Orte in den Bahamas wirken alte wie neue Häuser hier fast schon mondän mit ihren liebevollen Details, Schnitzereien, den üppigen Balkonen und Veranden.

Und die Pflanzenwelt mag da nicht zurückstehen. Üppig wie zuletzt selten grünt und blüht es überall, bei dem Mangobaum rechts im Bild drücken die vielen noch etwas unreifen Früchte die Äste bis fast auf den Boden hinunter.

Wir können das alles auf einem langen Spaziergang hinüber zum Atlantikstrand auf der Ostseite der Insel ausgiebig erkunden. Rosa soll der Stand sein, ein „Pink Beach“. Und tatsächlich:

Der Großteil des Strandes sieht eigentlich ganz normal aus, wunderschön feinsandig, breit und eben sandfarben. In dem Spülbereich aber schimmert es deutlich rosa, die (durch die vorgelagerten Riffe) nur kleinen Wellen hier sehen ein bisschen aus wie ein quirlender Erdbeer-Shake. Und auch das zurücklaufende Wasser ist mit rosa Pünktchen durchsetzt. Der Grund dafür sind „Foraminifera“, kleine Korallentierchen mit hellrosa Schale. Sie leben normalerweise an der Unterseite von bestimmten Riffen (eben auch den hier vorgelagerten) und ihre Überreste werden nach dem Absterben mit Sand und Korallenresten vermischt angespült. Offenbar sind sie etwas leichter als der Sand und werden deshalb im Spülbereich immer als erstes mitgenommen.

Faszinierend, aber ein anderes Naturphänomen zieht dann auch unsere Aufmerksamkeit auf sich:

Hm, da machen wir uns doch lieber auf den Rückweg. Allerdings kehren wir dabei noch im Buccaneer‘s Club ein, einem liebevoll eingerichteten Restaurant mit überwiegend Außengastronomie unter dem schützenden Blätterdach alter Bäume.

Der Regen und die Gewitter verschonen uns noch einmal, holen uns heute aber auf dem Ankerplatz ein. Na ja, so viel Grün hier braucht wohl auch etwas Regen. Und das Schiff wird gründlich entsalzen 😉.

Insel der Felsendrachen

Unser nächster Ankerplatz liegt bei Bitter Guana Cay. Dieses Mal können wir westlich der Inselkette bleiben und müssen nicht durch einen Cut hinaus in den Exuma Sound und dann wieder hinein in den Schutz der Inselkette segeln. Die Bucht weist einen schönen Sandstrand, aber auch eine malerische Steilküste mit leuchtend weißen Felsen auf, kaum ist der Anker gefallen, fahren wir hinüber.

Eine Besonderheit der von Menschen unbewohnten Insel sind die hier heimischen „Northern Bahamas Rock Iguanas“, diese Felsenleguane sind eine insgesamt bedrohte Tierart, die aber auf Bitter Guana Cay in großer Zahl leben. So hat sich die Insel zu einer Attraktion entwickelt, die wegen der Nähe zu dem Touristenhotspot Staniel Cay sogar in das Programm der Tagesausflüge (wörtlich zu nehmen, ✈️) von Nassau und Miami aufgenommen wurde. Faktisch folgt daraus, dass gelegentlich kleine Motorboote von Staniel Cay herübergesaust kommen und acht bis zehn Leute auf den Strand spucken, die dann aber nach 20 Minuten schon wieder abfahren. Die meiste Zeit des Tages sind wir allerdings allein in der Bucht. Na ja, nicht wirklich allein, denn die Felsenleguane sind eben an Menschen gewöhnt und kommen auf uns zu, sobald wir den Strand betreten, selbst wenn wir sie nicht füttern.

Diese Unterart (es gibt auch noch den Allan’s Cay Iguana und den Andros Iguana) zeigt ein eher dunkles, direkt nach der Häutung leicht bläulich erscheinendes Schuppenkleid mit vielen individuellen pinkfarbenen Sprengseln vor allem auf den Wangen, dem Nasenrücken und dem Kehllappen, am Bauch und den Beinen und dem Rückenkamm. Anders als die weit verbreiteten Grünen Leguane sind ihre Rückenstacheln ziemlich klein, eher gezackte Ausformungen des wulstigen Rückenkammes und bis auf die rosa Farbe fast unauffällig.

Sie haben zwar kräftige Krallen, aber als Pflanzenfresser Zähnchen, die ihrem sonst martialischem Aussehen mit der wie blutunterlaufen scheinenden rötlichen Lederhaut der Augen zu spotten scheinen. Aber es passt auch wieder, denn sie sind friedlich, hier offensichtlich an Menschen (und Fütterung) gewöhnt und kein bisschen aggressiv, obwohl sie so urzeitlich aussehen, dass Wissenschaftler und Filmemacher sich bei ihnen Anregungen für die Rekonstruktion des Aussehens von Dinosauriern geholt haben sollen. Und sie sind mit im Normalfall unter einem Meter Gesamtlänge klein genug um nicht Angst auszulösen, als sie im knappen Dutzend aus ihren schattigen Verstecken kommen und sich auf unsere am Strand angelandeten Dinghys zu bewegen.

Leguanspur
Ankerwache oder Ankerdrache?

Übrigens finden sich bei weitem nicht alle diese Echsen am Strand ein. Als wir oben auf die Steilküste klettern, sehen wir auch dort immer wieder Felsendrachen.

In diesem Fall kein Drache, sondern ein Felsen-Ingo 😁

Georgetown, Exuma

Schluss mit der Segler-Einsamkeit, wir fahren in die große Stadt. Immerhin rund 1.400 Einwohner hat Georgetown. Da sich rund 70 % der Gesamtbevölkerung der Bahamas (knapp 400.000) in und um Nassau auf der Insel New Providence konzentrieren, zählt Georgetown damit schon zu dem knappen Dutzend anderer großer Städte mit über 1.000 Einwohnern. Und sie ist der Hauptort des Distrikts Exuma. Wir sehen praktisch täglich ein Versorgungsschiff hinter dem Ankerfeld durchziehen, es gibt gleich zwei kleine Supermärkte, verschiedene Schiffsausrüster, drei Gemüsehändler an der Straße, eine Tankstelle, einen Tauchshop und mehrere Bars, Cafés und Restaurants. Fast schon eine Metropole. 😉

Der Hauptankerplatz liegt allerdings gegenüber der Stadt bei der langgestreckten Insel Stocking Island, die östlich vorgelagert quasi einen geschützten Kanal bildet. Wobei das relativ ist, die Dinghyfahten zum Einkaufen und Tauchflaschen füllen gestalten sich wellig und ziemlich feucht.

Durch eine kleine Einfahrt geht es in mit dem Dinghy auf den Lake Victoria, um den herum das Zentrum des Städtchens liegt.

Jetzt um Vollmond herum haben wir hier etwa einen Meter Tidenhub, so dass das Wasser häufig mit viel Strömung durch die Enge strömt, bis zu einem Meter Welle kann hier bei Wind gegen Strömung stehen. Wir kommen trotz mal wieder sprotzendem Dinghymotor gut durch und erledigen unsere Einkäufe. Wider Erwarten ist das Gemüse gut und auch nicht allzu teuer, manche andere Artikel entsprechen eher dem Bahamas-Klischee. Laktosefreie Milch z.B. kostet 9$ für die halbe Gallone (1,89 Liter). Angelköder liegen im Schnitt auch beim Doppelten des Preises, den wir etwa auf Antigua bezahlt haben. Man muss halt im Einzelnen schauen.

Für den Müll der Segler gibt es eine karibisch praktische Lösung: gleich neben dem Dinghysteg steht in Kleinlastwagen. Im Fenster auf der Fahrerseite hängt die Preisliste. Das Geld wird durch das einen Schlitz geöffnete Fenster geworfen, auf dem Fahrersitz häufen sich die Dollarscheine.

Auf Stocking Island statten wir dem rustikalen „Chat ‘N’ Chill“-Strandclub einen Besuch ab, zum Sundowner, jedenfalls aber zum sonntäglichen Spanferkelessen (Pig Roast) findet sich hier ein Großteil der Seglergemeinschaft ein.

Noch besser allerdings gefallen uns die Sundowner im kleinen Kreis am Strand oder auf den Booten und die schönen Wanderungen auf Stocking Island. Hinauf zum Obelisken auf dem Hügel über der Bucht, von wo aus wir einen schönen Blick über den Ankerplatz in der Monument Bay haben. Von hier oben kann man auch die großen Schriftzüge mit den Schiffsnamen erkennen, die hier viele Crews aus Steinen gelegt haben.

Die hier ein verbreiteten Fächerpalmen sind auf der Leeseite neben niedrigem Buschwerk mit Kiefern durchsetzt, ein kräftiger Sommergeruch liegt in der Luft. Auf der Luvseite der Insel dagegen dominiert zwischen den Fächerpalmen das großblättrige Seagrape.

Die Früchte sehen, wenn sie erst mal reif sind, tatsächlich fast aus wie Trauben. Sie sind essbar, man kann auch Marmelade und sogar Wein daraus herstellen. Meist allerdings bedienen sich nur die Vögel 😉.

Wie in den Ragged Islands ist auch hier die See an der Ostseite der Insel rauher, die Wellen des Atlantik branden ans Ufer. Hier auf Stocking Island treffen sie allerdings nicht auf eine steinige Korallenfelsküste, sondern rollen über das Riff an den breiten und fast menschenleeren kilometerlangen Sandstrand. Wie auf der anderen Seite der Insel auch ist der Strand wunderbar feinsandig, fast samtig unter den Füßen, zumal sich so gut wie keine Steinchen oder Muscheln in ihm finden.

Zum Glück wird offenbar auch deutlich weniger Müll angeschwemmt, der sich auf der Luvseite der Raggeds in so erschütternder Menge jenseits der Hochwassermarke findet. Somit verstärkt sich die Vermutung, dass tatsächlich ein großer Teil der dortigen Strandverunreinigungen von der Strömung aus den großen Antillen, insbesondere Hispaniola herübergetragen und angespült wird während es hier weiter nördlich auch auf den Luvstränden erheblich sauberer bleibt.

Salz

Von Raccoon Cay segeln wir ganze 5 sm nach Nord und ankern gleich wieder, diesmal an der Westseite von Buenavista Cay.

Beide Inseln weisen Trampelpfade quer über den flachen Inselrücken auf, so wie zuvor schon Hog Cay. Und natürlich lassen wir uns die Gelegenheit nicht entgehen, auf die (bei den vorherrschenden Ostwinden) deutlich rauhere Seite hinüber zu laufen. Vereinzelt finden sich auch dort Sandstrände, verbreitet wird die Küste aber mit schroffen, scharfkantigem Korallengestein gebildet. Die See brandet dagegen an, unterspült die Klippen und deutet ganz allgemein an, welche Urgewalt das Meer ausmacht.

Unwirtlich, wie auch weite Teile des jeweiligen Inselinneren. Auch dort dominieren karge, nur mit flachem Gestrüpp bewachsene Korallenböden, auf denen sich kaum Humus bildet. Bäume und Sträucher krallen sich mit ihren Wurzeln knorrig und gewunden in Spalten und Löchern fest und versuchen, ein kleines bisschen Nahrung zu finden. Leicht ist das sicher nicht, das wenige Wasser ist zumeist stark salzhaltig.

Ganz besonders deutlich wird das in den oft zu findenden Salzseen. Wie im Beitragsbild schimmern auf vielen der Cays in der Ragged Island Chain weiße und rosarote Flächen im Inselinneren. Auf der Ostseite von Buenavista Cay finden wir einen Weg zu dem großen langgestreckten Salzsee im Süden der Insel.

Wir wandern an seinem Ufer entlang, nicht einmal die ziemlich salzvertragenden Mangroven überleben hier.

Aber selbst in einer so lebensfeindlich scheinenden Umgebung gibts Überraschungen. Ein kleiner Vogel läuft aufgeregt am Strand herum, zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich. Hm, das macht der doch mit Absicht?!?

Tatsächlich, am vorderen Rand des Baumstumpfes findet sich das Gelege des kleinen Regenpfeifers in einer in den salzigen Sand gescharrten und mit Steinchen und Muschelkalk „ausgepolsterten“ und gut getarnten Mulde, die aber Andrea gleich entdeckt.

Übrigens finden sich selbst oben auf den Klippen natürliche Siedepfannen, in denen sich Salz sammelt. Die Zeiten, in denen die Menschen in den wenigen kleinen Siedlungen hier (etwa auf Ragged Island) noch ihren Lebensunterhalt in Salinen bestreiten konnten sind aber lange vorbei, es lohnt sich einfach nicht mehr.

Nur noch selten versucht jemand, auf einer der Inseln der Kette Fuß zu fassen. Hier auf Buenavista Cay war das zuletzt Edward Lockhard, der ein Haus und ein paar Nebengebäude errichtete und hier einige Zeit lebte. 78jährig überstand er 2017 sogar den Hurrikan Irma hier, nach eigenem Bekunden indem er sich mit einem Seil an einen der Bäume band. Drei Tage später wurde er dehydriert gefunden und gerettet. Auch Edward ist inzwischen nicht mehr hier, sondern bei seiner Familie auf einer anderen Insel der Bahamas. Die Gebäude sind nur noch traurige Ruinen, die Geräte und Maschinen verrostet, nur der Viehstall ist noch erstaunlich intakt. Die Borken über den Laufwegen der Termiten auf den hölzernen Abgrenzungen lassen aber vermuten, dass das nicht mehr lange so bleibt. Buenavista Cay ist wieder so unbewohnt (von Menschen) wie fast alle Inseln der Jumentos bzw. Ragged Island Chain.

Nur die Cruiser finden sich regelmäßig am Stand auf der Westseite ein und üben sich in Inselromantik.

„Bacardi“-Insel oder nicht

Wenn es für die Dominikanische Republik eine Windregel gibt, dann wohl die, dass die Brise nachts und am Morgen eher flauer ist und dann wieder zunimmt. Angesichts der spiegelglatten See entscheiden wir uns daher heute, mit den Dinghys die etwa drei Seemeilen hinüber zur Cayo Levantado zu flitzen. Diese Insel soll für einen der Bacardi-Werbespot als Kulisse gedient haben. Wir haben den Hit von Kate Yanai im Ohr, als wir auf den palmenbestandenen Strand zusteuern.

Allerdings, was aus der Entfernung so klischeehaft dem Karibikbild entspricht, erfüllt eben auch manches Karibik-Vorurteil. Noch während wir die Dinghys vorm Strand verankern wird uns eine Massage angeboten, unter den Palmen stehen (leere) weiße Liegen in Reih und Glied. Hinter den Palmen verbirgt sich ein Hotel, der Strand wird von Ausflugsbooten aus Santa Bárbara de Samaná regelmäßig angefahren. Auch wenn es jetzt hier relativ leer ist, so richtig wohl fühlen wir uns nicht.

Wir holen den Anker wieder auf und fahren hinüber zum „Mainland“, suchen uns dort eine kleine Bucht. Weniger türkises Wasser, weil vorgelagert im Wasser nicht flacher Sand sondern korallenbesetztes Riff zu finden ist. Da kommen unsere mitgebrachten Schnorchelsachen doch noch zum Einsatz.

Sandstrand nur vorn zwischen den beiden Felsen, dahinter ist es Kies. Dafür ist es schön einsam. Yoga am Strand.

Und als Zugabe bekommen wir wieder mal einen endemischen Vogel zu sehen: ein Haiti-Specht (gibt’s nur auf der Insel Hispaniola und ihren kleinen Nebeninseln) brütet in der Palme gleich hinter uns.

Nach einem ausgiebigen Picknick geht’s zurück zur Flora, da frischt der Wind tatsächlich auch schon wieder auf und die Dinghyfahrt wird etwas welliger. Ein kleines bisschen hatten wir gehofft, vielleicht auch wieder Buckelwale zu sehen, aber diesmal lässt sich hier keiner blicken.

Erst am Abend auf dem Malecón und beim dort an einer der kleinen Buden mit Blick auf den Ankerplatz genossenen Sundowner sehen wir wieder welche 😉, wenn auch eher als Zeichen dafür, wie wichtig die Wale für den Tourismus hier in der Stadt und der Region sind.

Palmenflash auf Vieques

Was uns hier in den Spanish Virgin Islands besonders auffällt sind die Palmen. An praktisch jedem der vielen Strände stehen auch Palmen. Anders als in den meisten anderen Inseln der kleinen Antillen finden sie sich nicht ganz überwiegend nur vor Hotelstränden oder exquisiten Wohnanlagen oder säumen die Allee-Zufahrten der Rumdestillerien.

Unsere letzte Station auf der Isla de Vieques machen wir am ganz Westende der Insel, an dem Ankerplatz zwischen Punta Arenas und Punta Boca Quebrada.

Vorsichtig brechen wir gemeinsam mit der Easy-One schon morgens um 9.00 in der Sun Bay auf, es ist in dieser eigentlich geschützten Bucht mit zunehmendem Südost-Wind doch etwas rollig geworden. Wir sind uns nicht sicher, ob der Schutz an unserem angedachten Ankerplatz besser sein wird, durch die frühe Abfahrt könnten wir zu Not einfach weiter nach Westen zur Hauptinsel Puerto Rico weitersegeln.

Das müssen wir aber nicht, denn als wir nach einem schönen Vormwindkurs um die Punta Boca Quebrada herumkommen, liegt der Ankerplatz ziemlich ruhig da. Am nördlichen Ende, oben bei Punta Arenas, ankern mehrere Motorboote dicht mit dem Heck am Strand (auf den meist zusätzlich der Heckanker ausgebracht ist), die wenigen Segler und ein paar weitere Motorboote halten sich weiter im Süden.

Und wie schon in der Sun Bay säumen eben wieder reichlich Palmen das Ufer, hier stehen sie sogar noch viel dichter und drängeln sich so auf den Strand, dass einige Wurzeln der vordersten Palmen schon freigespült sind.

Und den Strand haben wir fast für uns. So viele Boote sind ohnehin nicht hier und die Motorbootfahrer scheinen meist an Bord zu bleiben oder im flachen Wasser hinter ihren Schiffen stehend von Schaumstoffgriffen kühl gehaltene Drinks zu genießen. Ich weiß, das hört sich nach Vorurteil an, ist aber hier wirklich typisch und die „Coozies“, also die isolierenden Dosen- und Flaschenüberzieher sind für die meisten Amerikaner ganz selbstverständlich. Wir haben schon mehrfach welche z.B. mit dem jeweiligen Bootsnamen als Gastgeschenk bekommen.

Jedenfalls dürfen wir den karibischen Traum vom Strand unter den Palmen weitgehend allein genießen.

Am (Rosen-)Montagabend wird es dann noch etwas leerer, fast alle Motorboote düsen wieder hinüber nach Mainland Purto Rico. Dahin wollen wir ihnen dann morgen folgen, allerdings an die Südküste, wo uns wohl eher Mangroven als Palmenstrände erwarten. Aber heute genießen wir noch einmal die Abendsonne auf Vieques‘ Weststrand.

Es geht rund

Rund Culebra zunächst mal. Wir verlassen unsere wunderbare Bahia Tortuga auf Culebrita, allerdings nicht ohne vorher noch einmal einen Spaziergang über den Strand hin zu den „Pools“ am Montecito Primero zu machen. Die felsige Nordspitze der Insel wird hier von immer mal wieder durch die Brocken flutenden Wellen quasi abgeschnitten. Dabei bilden sich mehrere Pools, teils ganz ruhig, teils echte Wellenbäder.

Von einem Sitzbad nehmen wir aber Abstand, fast überall unter Wasser machen sich kleine Seeigel breit.

Statt dessen werden endlich mal wieder die Segel gesetzt und wir folgen der amerikanischen „Honu Kai“. René und Carole geben uns vor dem Auslaufen noch Tips für die Weiterfahrt. Wir können uns bald dafür revanchieren, denn nachdem wir die Westspitze von Culebra runden, sehen wir sie an der Boje am Punto Tamarinde. Wir sind schon fast vorbei, als uns auffällt, dass Carole etwas ratlos mit dem Bootshaken unter dem Boot stochert und wir die Boje nicht sehen.

Tatsächlich kann ich den beiden schnorchelnd helfen, wieder freizukommen und neu an der Boje festzumachen. Uns ist es hier aber zu rollig und so gehen wir wieder ankerauf, umrunden auch die Südspitze von Culebra und ankern letztlich in der Bahía de Almodóvar, wieder wunderbar geschützt von dem vorgelagerten breiten Riff. Die Oroboro von Yuka und Francesco ist schon da, die beiden kiten. Kurz nach uns laufen Kim und Chuck mit der La Rive Nord ein. Ansonsten finden jetzt am Wochenende allerdings auch einige Motoryachten von der Ostküste Puerto Ricos hier herüber. Sie machen alle – für uns ungewohnt – mit Heckanker in Richtung Riff (also zum Wind) und Buganker in Richtung Bucht fest. Voll ist es übrigens trotzdem nicht, sogar ein paar Moorings sind noch frei.

Die Einfahrt ist allerdings ein bisschen verwirrend, weil die im nächsten Bild links am Bildrand liegende „Insel“ zwar auf der Navionics-Karte als solche eingezeichnet ist, jedoch vollständig versunken und nur in der Luftaufnahme oder mit der Sonne im Rücken, aber im Gegenlicht eben nicht leicht zu erkennen ist.

Das wir von hier nach nur zwei Nächten weiterfahren liegt an unseren zu füllenden Tauchflaschen. Und so ankern wir an der Punta Melones westlich des Ortes Culebra, verfrachten die Tauchflaschen ins Dinghy und ich düse in den Ort. Wir sind allerdings offenbar inzwischen so tiefenentspannt, dass wir ein kleines Detail übersehen haben: heute ist Sonntag. Oops 😬. Also unverrichteter Dinge zurück. Na gut, dann können wir auch nochmal verholen, es steht doch einiger Schwell auf unseren Ankerplatz.

Vielleicht ist es drüben in der Cayo de Luis Peña auf der gleichnamigen unbewohnten Insel besser? Wir tasten uns durch die Riffeinfahrt, aber hier steht trotz des Riffs zu viel Windsee hinein. Nächster Versuch: immer noch Luis Peña, nur um dessen Ostecke herum in Lana‘s Cove. O.k., da bleiben wir, allein an einer Boje vor dem Sandstrand, an dem sich auch wieder ein paar Palmen finden. Kann man sich dran gewöhnen.

Obwohl, Florecita muss noch mal ran. Ein kleines Motorboot torkelt in die Bucht, offensichtlich kaum zu manövrieren. Miguel geht bei uns längsseits und versucht einen Schlepp zurück nach Culebra zu organisieren, aber das erweist sich zur vorgerückten Stunde am Sonntag als schwierig. Es droht, dunkel zu werden, also bieten wir an ihn hinüberzuschleppen. Miguel nimmt sichtlich erleichtert an, aber als wir Flora klarmachen meint er, ich solle ihn lieber mit dem Dinghy schleppen. Tatsächlich bekomme ich ihn (mit geriggtem Hahnepot) und unserem 20 PS Außenborder trotz der zwischen den Inseln stehenden Welle ganz gut hinüber geschleppt. Mit Flora hätten wir auch nicht durch den Kanal fahren können sondern ganz außen herum in die Ensenada Honda (die Große Bucht auf der anderen Seite des Ortes) gemusst. Selbst so komme ich im Dunkeln zurück auf Flora an.