Antigua

Türkisfarbenes Wasser, Palmen, feine weiße Sandstrände, das sind wohl die gängigsten Klischees über die Karibik. Auch wir konnten uns davon nicht ganz frei machen. Ein Charterurlaub 2007 auf den Bahamas hatte uns zwar schon deutlich gezeigt, dass wir mit Palmen keineswegs überall zu rechnen haben, dafür aber die beiden anderen Klischees so wunderbar bedient, dass sie sich eher noch verfestigt hatten.

Jetzt sind wir schon über zwei Monate in der Karibik, ABER: auf den von uns besuchten kleinen Antillen, von Carriacou bis hoch nach Guadeloupe war es wunderschön, allerdings ganz überwiegend ohne dabei die drei karibischen Hauptklischees so richtig zu bedienen. Lediglich in den Tobago Cays und auf Sandy Island blitzte dieses Bild deutlicher auf, ansonsten jedoch zeigten sich uns die Inseln zwar nicht weniger begeisternd, aber eben doch anders als auf den Fototapeten in den Partykellern unserer Jugend 😉.

Bisher. Und dann kamen wir auf Antigua an.

Ankerbucht vor Jolly Harbor
Und heute, zwei Buchten weiter nördlich, in der Deep Bay,
genau vor diesem Strand.

Und wenn man am Ende es Strandes zur Ruine von Fort Barrington hinaufklettert, bietet sich dieser Blick hinunter auf die Deep Bay, den Salzsee (Salt Pond) links davon und ganz links die Einfahrt zur Hauptstadt St. John’s.

Wobei, einen Yachthafen gibt’s dort in der Hauptstadt nicht, wohl aber Terminals für Kreuzfahrer. Gleich vier liegen heute an den Piers, sie dürften damit nur um ein Geringes weniger Passagiere und Besatzungsmitglieder beherbergen als St. John’s Einwohner hat (nämlich etwa 20.000). Offenbar möchten auch viele andere die Karibik gerne so sehen, wie man sich die Karibik eben wohl vorstellt.

Übrigens, trotz der Sichtnähe von der Fort-Ruine aus, der Strand unserer Bucht war heute den ganzen Tag über alles andere als überfüllt, selbst wenn zwei der großen Ausflugskatamarane gleichzeitig angelandet und ihre Passagiere für den Badestop entladen hatten. Eigentlich kein Wunder, rühmt sich Antigua doch, gleich 365 Strände zu haben. Nun muss man sich sicher der bemühten „für jeden Tag einen“-Zählweise nicht anschließen (auf Dominica soll es genau 365 Flüsse geben 😉), aber die zerklüftete Küste mit ihren vielen Einschnitten und Buchten bietet tatsächlich eine große Zahl an Sandstränden, weil um den vulkanischen Ursprung herum gehobene Korallenriffe die Küstenlinie bilden.

Die Schildkröten und Pelikane in „unserer“ Bucht passen ebenfalls in die Bilderbuch-Karibik, sie zeigen sich zahlreich und auch dicht an der Flora.

Sieht immer ein bisschen angestrengt aus, das Luftschnappen für das nächste elegante „Fliegen“ unter Wasser.

Nur das Wasser spielt dann doch noch nicht ganz mit. Ja, karibisch warme 27 Grad hat es, und diese wunderbare türkise Farbe auch. Nur ist es hier nicht sehr klar, von der Badeleiter der Flora aus können wir nicht das untere Ende unseres Ruders erkennen. Das könnte am etwas lehmigen Ankergrund hier und in der letzten Bucht liegen oder vielleicht ist es auch nur temporär. Wir hoffen, dass die Schnorchelspots im Norden der Insel uns noch mit klarerem Wasser verwöhnen werden.

Deshaies

Der kleine bunte Ort Deshaies im Scheitel unserer Ankerbucht liegt so idyllisch mit palmenbestandenem Strand vor grünen Hügeln, dass ihn die Location-Scouts zum Schauplatz der erfolgreichen BBC-Krimi/Komödienserie „Death in Paradise“ gemacht haben, wobei er das immer wieder erschütterte Paradies offenbar so gut repräsentiert, das die Serie mittlerweile in die 8. Staffel gegangen ist (in 🇩🇪 über ZDF Neo oder Amazon Prime).

Da die Serie fast ausschließlich hier gedreht wird, sind nicht nur die fiktive Honoré-Polizeistation des Films sondern auch diverse andere Gebäude als Drehorte wiederzuerkennen, man läuft quasi am Set herum und wundert sich, wenn im Krimi ein Aquarium aus einer Zoohandlung geschleppt wird, in dem Gebäude aber in Wahrheit die Bäckerei unsere Morgencroissants und Baguettes verkauft (ja, wir sind schließlich in Frankreich, nicht wie im Film auf einer zu England gehörenden Karibikinsel). Nebenbei: Eine Zoohandlung haben wir bisher in der Karibik überhaupt noch nicht gesehen und ein Aquarium wäre hier eigentlich auch eine Frechheit, die gibt’s hier höchstens für die Langusten, bevor sie auf den Grill kommen 😉.

Der Strand, an dem das Häuschen des Kommissars liegt, findet sich allerdings etwas entfernt. Es gibt mehrere Wege dorthin, wir packen die Badesachen ein und entscheiden uns für den schönen Hike über den Hausberg nördlich der Ankerbucht, den Gros Morne.

Die durchaus fordernde Kletterei durch den Wald am späten Vormittag (Ingo: „Nur Esel und Deutsche laufen in der Mittagshitze!“) wird aber belohnt durch den wunderschönen und trotzdem ziemlich leeren Sandstrand der Grande Anse auf der anderen Seite.

Video: HIER klicken.

Nach dem Bad folgen wir einem Trampelpfad durch die Büsche, denn Ingo hat dort die urige Strandbar „Chez Samy“ ausgemacht, die Freunde uns empfohlen hatten. Erst mal ein Bier, dann kredenzt uns Samy seine Version eines Ti Punch, fährt dazu Essen auf, schenkt nach, bringt eine Trink-Kokosnuss, die er am Tisch öffnet. Am Ende zahlt jeder von uns weniger als 8 Euro. Das Ambiente ist sicherlich nix für Hygienefanatiker, aber uns hat’s richtig gut gefallen.

Samy in Action

Angeschiggert wie wir sind nehmen wir den Rückweg dann lieber über die ohnehin kürzere Schotterpiste, die von „Chez Samy“ wieder nach Deshaies führt.

Im Ort versorgen wir uns an einem der Restaurantstände an der Straße noch mit Accras (frittierte karibische Stockfisch- oder manchmal auch Gemüsebällchen) und anderen Leckereien für ein spontanes Abendessen an Bord der Easy-One. Die Sonne geht gerade unter, als wir damit den Dinghysteg erreichen.