Bilderbuch-Sonntag im SĂŒdsommer und Regentage danach

Nach der Bootsarbeit am Samstag beziehen wir unser neues AirBnB, dieses Mal eben nordöstlich von Whangārei etwas abseits auf dem Land gelegen. Der Vermieter bezeichnet es als „Shed“, was wörtlich ĂŒbersetzt Schuppen oder Stall bedeuten wĂŒrde. Vielleicht wurde das GebĂ€ude wirklich mal so genutzt, wahrscheinlicher aber scheint die Bezeichnung einfach nur auf der Lage in der Wiese am HĂŒgel hinzudeuten. Es ist zwar einfach gebaut, aber gerĂ€umig und gut eingerichtet. GrĂ¶ĂŸere Gruppen wĂŒrden das einzige Schlafzimmer des GebĂ€udes durch drei zubuchbare 3-Bett-HĂŒtten ergĂ€nzen, aber jetzt in der Nebensaison können wir eben auch das Haus allein mieten.

Und so schwelgen wir im Luxus mit Waschmaschine, Trockner, SpĂŒlmaschine, RiesenkĂŒhlschrank mit EiswĂŒrfelspender 


Das Beste aber ist der Ausblick ĂŒber das Tal und die dahinter wieder ansteigende HĂŒgellandschaft. Am Morgen hĂ€ngt kurz noch Nebel ĂŒber dem Bach, spĂ€ter können wir beobachten, wie ein SchĂ€fer seine Herde zusammentreibt und auf die nĂ€chste Weide leitet.

Vögel spazieren ĂŒber die Wiesen am Haus. Bekannte, wie die von den EuropĂ€ern eingefĂŒhrten Lerchen, aber auch farbenfrohe typische neuseelĂ€ndische Arten wie Maskenkiebitze (von den MaorĂ­ Pukekohe genannt) mit ihren gelben Gesichtslappen oder die PĆ«kekos (PurpurhĂŒhner) mit dem krĂ€ftigen roten Schnabel und dem eben auch purpurroten Stirnschild sowie dem blauschwarzen Bauchfederkleid.

Den Sonntag nutzen wir diesmal fĂŒr einen Ausflug nach Pataua an der Ngunguru Bay. Kein Touristenort, eher ein charmant verschlafenes Nest, das inzwischen mehr und mehr mit FerienhĂ€usern fĂŒr die Sommerfrische garniert ist.

Das Stranddörfchen Pataua ist zweigeteilt. Der gleichnamige Fluss schneidet tief ins Land ein, fĂŒr Autos gibt’s weder eine BrĂŒcke noch eine FĂ€hre, also Sackgasse von beiden Seiten. Wir entscheiden uns fĂŒr die Anfahrt nach Pataua SĂŒd und parken dort. Eine schmale FußgĂ€ngerbrĂŒcke fĂŒhrt hinĂŒber nach Norden. Sie bildet nicht nur einen Verbindungsweg zum Nachbarn, sie ist auch Treffpunkt, Spielplatz, Badestelle, Sprungturm, Kulisse fĂŒr das Picknick. Kurz: das eigentliche Zentrum des Dorfes. Eben nördlich und sĂŒdlich der BrĂŒcke finden sich öffentliche Bootsrampen, ĂŒber die Angelboote ein- und ausgewassert werden. Jetzt am Sonntag ist ordentlich Betrieb.

Über die FußgĂ€ngerbrĂŒcke spazieren wir nach Pataua Nord und weiter zum wunderschönen Strand.

Hier erschließt sich mir erstmals der ganze Charme eines Elektrofoils: mĂŒhelos hinausfahren (Motor ist unter Wasser) und dann in den Wellen hoch aufs Foil zum Surfen (Motor ist ĂŒber Wasser).

😁

Auf der RĂŒckfahrt machen Wiebke und ich noch einen Abstecher zu den Taheke Waterfalls, nahe bei unserem AirBnB.

Ein schöner Wanderweg fĂŒhrt durch Kauri-Wald und unter den typisch neuseelĂ€ndischen Baumfarnen hindurch zum Wasserfall. Direkt zu unseren FĂŒĂŸen rauscht der Fluß weit in die Tiefe.

Beeindruckend ist auch, wie hervorragend der Wanderweg angelegt (eher: ausgebaut) ist. Es sind nicht viele Wanderer unterwegs, wir begegnen nur einem anderen PĂ€rchen. Trotzdem winden sich ewig lange Treppen den Berg hinauf und machen den Hike durch den Wald eher zu einem ausgedehnten Spaziergang.

Und unter der Woche?

Ein Tiefdruckwirbel mit Böen in OrkanstÀrke (65 kn) in seinem Zentrum zieht nördlich von Neuseeland durch. Das bringt auch hier starken Wind (bis 40 kn) und intensive RegenfÀlle.

Der SpÀtsommer (MÀrz hier entspricht September in Europa) macht Pause und zeigt, dass der Herbst nicht mehr weit ist.

FĂŒr nĂ€chste Woche ist aber wieder sommerliches Wetter angekĂŒndigt.

😎

Ein Wochenende in Rangiputa

Die Bootsarbeiten hier in Whangārei werden wohl noch einige Zeit andauern. Einige Ersatzteile sind bestellt. Das Wochenende bietet eine gute Gelegenheit fĂŒr etwas Abstand – im Wortsinne.

Wir fahren mit dem Auto etwa zweieinhalb Stunden nach Norden. Nicht zur hinauf zum Cape Reinga, der Nordspitze von Neuseelands Nordinsel, das wĂ€re fast doppelt so weit. Unser Ziel ist Rangiputa auf der Karikari-Halbinsel, immerhin schon im District „Far North“ gelegen. Unsere neuseelĂ€ndischen Segelfreunde Jacqui und Phil von der Skylark haben uns nach dort in ihr Ferienhaus eingeladen.

Wir halten die beiden mit unserem Besuch zwar von der Arbeit an der Erneuerung ihrer Terrasse ab, aber die beiden versichern uns, etwas Abwechslung von dieser Arbeit (und der Bootsarbeit auf Skylark) kÀme ihnen durchaus gelegen.

Es wird ein wunderschönes Wochenende. Jacqui und Phil sind leidenschaftliche Wingfoiler und auf der Terrasse direkt am Meer findet sich denn auch eine reichliche Auswahl an Spielzeugen. Der Wind hat allerdings ebenfalls eine Auszeit genommen. Kein Problem, wechseln wir hat auf ein anderes Spielzeug: mit dem Mini-Traktor zieht Phil sein krĂ€ftig motorisiertes RIB-Schlauchboot etwa 100 m die Straße hinunter zur Slipbahn.

Wiebke und ich fahren im RIB mit. Jacqui bringt Traktor und Trailor zurĂŒck, wir holen sie dann auf der Wasserseite ihres GrundstĂŒcks ab. Gemeinsam brausen wir ĂŒber die Bucht und versuchen an verschiedenen Stellen unser AngelglĂŒck.

Allerdings: beim ersten Versuch haben wir nur bedingt Erfolg. Einen Pigfish lassen wir zurĂŒck ins Wasser und als sich Phils Angel danach dann so richtig biegt, ist es es kolossaler „Bronze Whaler“. Dieser krĂ€ftige Hai zieht uns eine ganze Weile kreuz und quer am Riff entlang, bis wir es im flachen Wasser nah an ihn heran schaffen und die Leine kurz abreißen können. Beim zweiten Versuch am nĂ€chsten Tag haben Phil und ich deutlich mehr AngelglĂŒck. Die gekauften Köderfische sind zwar so weich, dass sie im Wasser aufgetaut praktisch gleich vom Haken fallen, aber wir erwischen mit der Schleppangel einen „Kahawai“ (eine Art Lachsforelle), der sich kleingeschnitten hervorragend als Köder eignet. Damit fangen wir dann in kurzer Zeit 7 Snapper (zwei setzen wir zurĂŒck) und einen Trevally (Dickkopf-Stachelmakrele). Das Festessen ist also gesichert, zumal Phil beim Strandspaziergang am 3 km langen Karikari Beach auch noch fleißig „Tuatua“ sammelt. Diese sich im Sand vergrabenden Muscheln sind eine typische neuseelĂ€ndische Speise, oft werden sie (frikadellenartig) zu Fritters verarbeitet.

Weil der Wind zum Wingfoilen nicht reicht, verlegen wir uns auf das Tow-Foilen. Es ist nicht ganz so einfach wie hinter unserer Florecita, weil das RIB mit seinem 115 PS Motor doch fĂŒr ganz ordentliche Prop-Wash-Verwirbelungen sorgt. Aber nachdem ich dem etwas ausweiche und mich an Jacqui‘s ungewohnt schmales Downwind-Board sowie die mit viel Lift agierenden Armstrang-Foils gewöhnt habe, klappt es dann doch noch.

Es geht auch ruhiger: Wiebke und Jacqui nutzen die Terrasse zum morgendlichen Yoga und lassen sich auch von den auf dem Rasen vorbeispazierenden kalifornischen Schopfwachteln (wieder so eine heimisch gewordene importierte Art) nicht irritieren.

Ein herrliches Wochenende, die Zeit verfliegt. Zum Abschluss begleiten uns Jacqui und Phil noch eine Stunde auf der RĂŒckfahrt Richtung Whangārei. Gemeinsam besuchen wir das Weingut „Marsden Winery“ bei Kerikeri und essen wunderbar im dortigen Restaurant.

Danke, Ihr Lieben, fĂŒr Eure Gastfreundschaft und die tolle Zeit mit Euch!

DĂ€nemark ĂŒber Silvester

Urlaub im Landurlaub. Meine Geschwister haben ĂŒber Silvester fĂŒr die Familie ein großes Ferienhaus in DĂ€nemark gemietet. Mit 14 Leuten machen wir es uns dort gemĂŒtlich. Lassen uns vom kalten Wind auf langen StrandspaziergĂ€ngen zerzausen, wĂ€rmen uns in der Sauna wieder auf. Spielen, lesen, stricken. Reden.

Der Schnee am letzten Tag ermöglicht nach der Sauna zwar einen Engel auf der Terrasse, macht aber die Heimfahrt ein bisschen tricky. Wir kommen bis Hamburg noch ganz gut durch, danach setzt aber wieder Schneefall ein und lĂ€sst es fĂŒr den Rest der Familie zu einer ziemlich langen Fahrt werden. Immerhin, alle kommen heile an.

Da genießen Wiebke und ich schon einen GlĂŒhwein auf unserer tief verschneiten Terrasse im Winter-Wonderland-Hamburg.

Frohes Neues Jahr!

Tonga: Kenutu

Wir genießen die Tage am Ankerplatz #30 vor der Insel Kenutu. Das Anlanden auf der unbewohnten Insel ist einfach, zum Ankerplatz hin ist Kenutu von einem Sandstrand gesĂ€umt. Von dort fĂŒhrt ein langsam ansteigender Pfad durch den Wald hinĂŒber zur Ostseite.

Die dem Passatwind zugewandte Ostseite prĂ€sentiert sich dann ganz anders. Steile Klippen fallen vielleicht 15 m hoch ins Meer ab, das mit einer am ruhigen Ankerplatz kaum zu spĂŒrenden Wucht gegen die Felsen brandet. Noddies, Boobies und die mit ihren langen weißen Schwanzfedern so auffĂ€lligen Tropikvögel nutzen die Aufwinde der Klippen und segeln ĂŒber der spritzenden Gischt durch die Bucht.

Oben am Klippenrand geht der Pfad in beide Richtungen noch etwas weiter zu den nĂ€chsten Felsenbuchten. Ab und zu fĂŒhrt er ein kleines bisschen weiter ins Inselinnere und sofort Ă€ndert sich die Vegetation. Knorrige Kiefern wechseln sich ab mit Hainen von Pandanus-Palmen. Die rotbraunen Ringe am Stamm lassen ahnen, warum sie auch SchraubenbĂ€ume genannt werden. Sowohl die aufgefĂ€cherten Stelzenwurzeln als auch die „Baströckchen“ alter BlĂ€tter sind typisch und ziemlich unverwechselbar. Der in GrĂ¶ĂŸe und Form an eine Ananas erinnernde Fruchtstand lĂ€dt aber nicht zum Naschen ein, denn diese ScheinfrĂŒchte setzen sich aus etwa 100 kleinen SteinfrĂŒchten zusammen. Sie sind zwar essbar, es ist aber sehr mĂŒhselig, sie aus dem umgebenden, faserigen Pflanzenstoff herauszulösen. Verwendet werden vor allem die BlĂ€tter, sie eignen sich gut zum Flechten, etwa von Matten und Körben.

Oberhalb der SteilkĂŒste finden sich auch erodierte FlĂ€chen, die den hier auffĂ€llig roten, lehmigen Boden zeigen.

Und immer wieder gibt es auf unserer kleinen Wanderung auch Ausblicke auf die felsigen Buchten.

Wie unterschiedlich sich der Ankerplatz im Westen und die FelskĂŒste im Osten prĂ€sentieren kann vielleicht dieses kurze Video etwas besser illustrieren:

Die Ankerbucht lĂ€dt zum Wingfoilen ein und gemeinsam mit Volker von der Tomorrow und James von der Scout wird also fleißig geĂŒbt. Und der Absprung nach Neuseeland rĂŒckt langsam aber sicher nĂ€her, einige unserer Segelfreunde sind sogar schon unterwegs. Die FormalitĂ€ten und insbesondere die strengen Anforderungen der Biosecurity nehmen in den GesprĂ€chen zwischen den Seglern immer mehr Raum ein. Die Unterwasserschiffe werden ausgiebig geputzt. Auch bei uns.

Ein willkommener Ausgleich: das gemeinsame Grillen und Feiern am Strand, dass an so einem herrlichen Ort natĂŒrlich nicht fehlen darf.

Cruising Life. 😊

Tonga: mit Federsternen und Kugelfischen zur OstkĂŒste von Vava‘u

Bisher haben wir uns in Tonga‘s Vava‘u-Gruppe fast nur im besser geschĂŒtzten zentralen und nordwestlichen Teil aufgehalten. Es wird Zeit, auch den etwas exponierteren SĂŒden und die Inseln am Ostriff zu erkunden.

Floras Track auf Noforeignland

Der Weg ist das Ziel, er ist hier mit Palmen und Sandstrand gesÀumt.

Und auf diesem Weg machen wir zunĂ€chst am Ankerplatz #22 (Taunga) halt. Der Ankerplatz ist nur als „daystop“ ausgewiesen, aber inzwischen wurde hier eine einzelne Übernachtungsboje ausgelegt.

Wir haben GlĂŒck, die Boje ist frei. die gut gewarteten Bojen kosten in Tonga ĂŒbrigens regelmĂ€ĂŸig 20 TOP pro Nacht (etwa 7 €).

Abnehmender Wind ist angesagt, langsam von SĂŒdost auf Ost rĂŒckdrehend. Sowohl das Abnehmen als auch das RĂŒckdrehen verspĂ€ten sich allerdings. Die Folge ist, dass Flora in der Nacht dann doch ziemlich rollt, weil das Riff um Hochwasser herum noch zu viel Welle zum Ankerplatz lĂ€sst.

Am nĂ€chsten Morgen verholen wir deshalb zum besser gegen diese Windrichtung und die damit einher gehenden Wellen geschĂŒtzten Ankerplatz #10 (Lisa Beach). Wie schon am Ankerplatz #22 gehen wir auch hier wieder schnorcheln. Diesmal ist es allerdings kein steil abfallendes Riff mit vielen Fischen, sondern ein Korallengarten im Flachwasserbereich. Wir entdecken unter anderem Anemonenfische, bunte SchwĂ€mme und Elefantenohren (Korallen, die fast wie Quallen aussehen).

Was zudem auffĂ€llt ist die ungeheure Menge an Seesternen. Blaue und rosafarbene Seesterne, aber auch große Kissenseesterne. Und darĂŒber hinaus auch Federsterne. Sie erinnern an farnartige Unterwasserpflanzen, sind aber tatsĂ€chlich Tiere, die nah mit Seesternen und Seeigeln verwandt sind. Einzelne Korallen auf den SandflĂ€chen sind von unzĂ€hligen schwarz-weißen Preußenfischen und grĂŒnblauen Chromies umschwĂ€rmt. Und wir finden sogar einen Weißfleck-Kugelfisch. Eigentlich im Lichtspiel der Wellen des flachen Wassers schwer zu erkennen, verrĂ€t er sich durch seine leuchtend gelborangenen Augen und den runden schwarzen Schulterfleck um seine Brustflossen. Er bleibt auf seine Tarnung vertrauend regungslos am Grund sitzen.

Auch sonst bekommen wir an diesem Ankerplatz einiges geboten. So kann ich hier mal wieder schön Wingfoilen, der Wind hat immer noch nicht abgenommen. Und gegen Abend legt ein kleines Boot vom einzigen GebĂ€ude am Ufer ab und fĂ€hrt zu den einzelnen Ankerliegern. Anders als zunĂ€chst vermutet, soll aber keine AnkergebĂŒhr einkassiert werden, stattdessen wird uns geflochtenes und geschnitztes Kunsthandwerk angeboten.

Nach einem kleinen Crewwechsel wird dann danach noch vom gleichen Boot aus in der Bucht gefischt.

Beim Drohnenflug am nĂ€chsten Morgen können wir ĂŒber unsere Bucht hinweg schon mal einen Blick auf unser nĂ€chstes Ziel werfen, die im Osten liegenden „Outer Islands“.

Die Route dorthin ist allerdings durchaus Respekt einflĂ¶ĂŸend. Wie unser Treck in der Navionics-Seekarte zeigt, fĂŒhrt sie ĂŒber mehrere Flachs, bei denen wir mit unseren 2 Metern Tief schon sorgfĂ€ltig navigieren mĂŒssen.

Wiebke steht im Bug und kontrolliert per „Eyeball Navigation“, ob ich am Steuer die Karte richtig lese. TatsĂ€chlich lĂ€sst sich die Wassertiefe und die Lage der Bommies jetzt bei hochstehender Sonne so sehr gut abschĂ€tzen.

Wir kommen im Zickzack unbeschadet durch das Gewirr und finden einen herrlichen Ankerplatz (#30, Kenutu). An unserem Platz liegen wir nahe am Durchbruch zwischen den Inseln Kenutu und Lulu. Nach Norden hin schließen sich mit weiteren DurchbrĂŒchen die Inseln Umuna, Faioa und Koloa an. Befahrbar ist keiner dieser DurchbrĂŒche, bei Ebbe trocken fallende Riffe schotten die Lagune hier ab und setzen sich auch nach SĂŒden noch weiter fort. Zusammen mit den Riffen und Flachs innerhalb dieses Teils der Lagune fĂŒhrt das zu einem Farbenspiel aus GrĂŒn, TĂŒrkis und Blau, das wohl eine ganze Menge von der Zeit verblasste SĂŒdseetrĂ€ume wieder kolorieren kann.

Tonga. Vava‘u und die Flora halten uns auf Trab.

Was fĂŒr ein wunderbares Revier. Auch wenn wir gerne lĂ€nger an einem einmal gewĂ€hlten Ankerplatz bleiben, wollen wir unseren GĂ€sten doch auch etwas Abwechslung bieten. Hier in der Vava‘u-Gruppe fĂ€llt das leicht. Die traumhaften AnkerplĂ€tze liegen nahe beieinander und selbst zum Hauptort ist es meist nur ein kurzer Schlag.

FĂŒr eine Nacht stoppen wir am Ankerplatz #6 (Mala). Wir sind begeistert vom Schnorcheln an den kleinen Felsinselchen, viel bunter Korallenfisch, MorĂ€nen, Anemonen und damit auch Clownfische, das alles in kristallklarem Wasser.

#6

Beim Abduschen nach dem Schnorcheln gibt’s allerdings eine unangenehme Überraschung: nur ganz kurz kommt noch Wasser. Hm. Die Tankanzeige steht auf voll, die Pumpe macht allerdings ein seltsames GerĂ€usch. Also dann muss wohl eine Ersatzpumpe ran, die hatten wir allerdings auch wegen viel zu hĂ€ufigem Anspringen ausgetauscht und eigentlich nur als TeiletrĂ€ger behalten. Jetzt macht sie kurzfristig mehr Druck und bringt den Wasserhahn zum Sprötzeln, mehr aber auch nicht. Sollte die Tankanzeige klemmen und der Tank leer sein?

Wir stellen den Wassermacher an und motoren zum Ort. Wir holen unsere gefĂŒllte Gasflasche ab, außerdem die neuen Crew-Shirts. Und wir fĂŒllen die VorrĂ€te auf. Außerdem finden wir beim SchiffsausrĂŒster noch eine neue 12V Druckwasserpumpe – super, zumindest ein funktionierendes Backup. Einbauen brauchen wir sie noch nicht, mit dem jetzt wieder gefĂŒllten Frischwassertank funktionieren Dusche und WasserhĂ€hne wieder. Das bedeutet allerdings, dass wir den Salontisch ausbauen und die Bodenbretter losschrauben mĂŒssen. Nur so kommen wir an die Inspektionsluke fĂŒr den Wassertank und können die klemmende Tankanzeige wieder gĂ€ngig machen. Emma und Claas werden natĂŒrlich zur Bootsarbeit mit eingespannt.

Zur Belohnung gibt es Abends im „Basque“ ein Abschiedsessen mit Bonnie und Bob von der Scout. Die beiden wollen weiter nach Fiji und werden wohl das nĂ€chste passende Wetterfenster nehmen. Da sie in Fiji aber lĂ€nger bleiben werden, treffen wir sie hoffentlich dort im FrĂŒhsommer 2026 wieder.

Wir verholen am nĂ€chsten Morgen ein weiteres Mal, jetzt zum Ankerplatz #16 an der Insel Vaka‘eitu. Auf dieser privaten Insel lebt nur eine zehnköpfige Familie. Am Strand treffen wir Dorothy mit zwei ihrer drei Kinder. Sie begrĂŒĂŸt uns freundlich und erlaubt uns bereitwillig, auf ihrer Insel herum zu wandern. Wir melden uns auch gleich fĂŒr das „Tongan Feast“ an, das hier am Ende der Woche stattfinden soll.

ZurĂŒck am Dinghy erwartet uns eine Überraschung: direkt am Strand schlĂ€ngelt sie sich schwarz weiß geringelt im flachen Wasser: das sieht nach einer hochgiftigen gebĂ€nderten Seeschlange aus.

WĂ€re allerdings nicht sehr gefĂ€hrlich fĂŒr uns, denn diese gut einen Meter langen Schlangen haben ein so kleines Maul, dass sie Menschen eigentlich kaum beißen könnten. Und – wichtiger – das Tier sieht wirklich nur sehr Ă€hnlich aus. TatsĂ€chlich bedient sich hier ein gebĂ€nderter Schlangenaal der Mimikry. Er imitiert in seiner Erscheinung weitgehend die Seeschlange, ist aber komplett harmlos. Erkennbar ist er vor allem an der Zeichnung am Kopf (Auge im weißen Bereich) und an den gelegentlich vorkommenden schwarzen Punkten in den weißen Bereichen. Das musste ich allerdings erst mal nachschlagen. Diese Schlangenaale lieben flache sandige FlĂ€chen in Lagunen und Riffen, aber es ist trotzdem der erste seiner Art, den wir sehen.

Auch der heutige Morgen bringt uns Tiere direkt ans Schiff. Als wir wach werden, hören wir rund um die Flora herum in kurzen AbstĂ€nden ziemlich heftiges Plantschen. Ein Schwarm kleiner Fische sucht unter unserem Boot Schutz. Diverse Raubfische versuchen sie vom Rumpf weg an die OberflĂ€che zu treiben, wo sie sich leichter jagen lassen. Die ins Wasser gehaltene GoPro enthĂŒllt, dass neben Dicklippen-Makrelen einige Blauflossenmakrelen und auch mehrere kleine Thunfische (Wavyback-Skipjacks) zu den JĂ€gern gehören.

Einige Noddie-Seeschwalben, vor allem aber eine Menge an Schwarznacken-Seeschwalben nutzen die Gelegenheit, um die aus ihrem Versteck getriebenen kleinen Fische von oben anzugreifen.

Es ist insgesamt ein langanhaltendes ordentliches Spektakel. Die uns als Zuschauern gebotene Unterhaltung passt ja eigentlich auch gut zu einen Ankerplatz, der ein wenig an ein natĂŒrliches Amphitheater erinnert.

Besuch in Tonga

Kaum zu fassen. Unsere Nichte Emma ist bisher nur ein einziges Mal geflogen, vor sechs Jahren hat sie uns zu Beginn unserer Langfahrt auf Sizilien besucht.

Und jetzt – inzwischen 22jĂ€hrig – fliegt sie mit ihrem Freund Claas buchstĂ€blich um die halbe Welt. FĂŒr Claas ist es die allererste Flugreise und das tatsĂ€chlich ĂŒber die USA und Fiji hierher nach Tonga, wow! Die mit der langen Reise verbundene Anstrengung lassen sich die beiden jedenfalls nicht anmerken, als wir sie am Flughafen von Vava‘u abholen.

Erst einmal bleiben wir mit den beiden am Liegeplatz vor dem Hauptort Neiafu, denn fĂŒr die folgenden Tage ist eher raues Wetter angesagt. Außer einigem Regen bekommen wir in der geschĂŒtzten Bucht zum GlĂŒck nicht allzu viel davon ab. Außerdem gibt uns dass die Gelegenheit, den Ort Neiafu mit seinem Fruchtmarkt zu erkunden, die Flughunde zu bewundern, den Gottesdienst am Sonntag mit den traditionell festlich gekleideten Tonganern zu besuchen und auch noch eine Wanderung zur Vaimumuni-Höhle zu machen.

In der nahe am Meer gelegenen und auch mit SĂŒĂŸwasser gespeisten Höhle kann man ein Bad nehmen. Allerdings erwartet uns jenseits des niedrigen Eingangs ziemliche Finsternis.

Eine kurze Holztreppe fĂŒhrt drinnen hinunter zum Wasser. Wir haben aber zwei Taschenlampen dabei. Mit der einen erkunden Claas und ich schwimmend die Höhle, mit der anderen haben Wiebke und Emma von der Treppe aus ein wachsames Auge auf uns.

Am Dienstag hat sich das Wetter dann beruhigt und nach letzten EinkĂ€ufen bewegen wir die Flora von Neiafu weg zum ersten Ankerplatz auf Tonga. Gar nicht so weit, einfach nur kurz ums Eck (die Entfernungen in der Vava’u-Inselgruppe sind wirklich nicht sehr groß). Und trotzdem: gefĂŒhlt eine völlig andere Welt.

Die Paddelboards und das Kanu werden aufgeblasen, damit lÀsst sich die schöne Ankerbucht wunderbar erkunden. Bilderbuch mit Sandstrand und Palmen. Muscheln sammeln, Schnorcheln im klaren Wasser.

SĂŒdsee eben. 😎

Letzte Tage auf Aitutaki: Vorbereitung fĂŒr die Passage nach Samoa, Palmenromantik, Wattwanderung, Rochen und Kirchengesang

Ein Wetterfenster fĂŒr die Weiterfahrt tut sich auf. Das passt gut, denn am 19. geht schon Elisas Flugzeug von Apia in Samoa. Wir machen also Flora fit fĂŒr den geplanten Aufbruch am Montag. ZunĂ€chst fĂŒllen wir den Dieseltank wieder auf. Eine Bootstankstelle gibt es nicht, aber immerhin ist eine der drei Tankstellen der Insel ganz dicht am Hafen gelegen. Der „Hackenporsche“, ein Art klappbare Mini-Sackkarre, wird aus dem Schrank geholt. Mit ihm können wir unsere zwei jeweils 20 Liter fassenden Diesel-Kanister nach dem BefĂŒllen zum Hafen zurĂŒckbringen. 120 Liter Diesel fĂŒllen wir auf, drei Fuhren also.

Etwas aufwĂ€ndiger ist das AuffĂŒllen des Wassertanks. Von Nachbarbooten leihen wir uns zunĂ€chst Kanister, wieder zweimal 20 Liter. Am GebĂ€ude des Aitutaki Island Council gibt es eine Zapfstelle fĂŒr Trinkwasser. Die QualitĂ€t ist gut, wie uns andere Cruiser bestĂ€tigen. Diesmal sind 9 Fuhren fĂ€llig, wir zapfen 360 Liter Trinkwasser. Das ist trotz des Hackenporsches eine ziemliche Plackerei, schließlich mĂŒssen die Kanister ĂŒber einen holperigen Feldweg zur Pier gezogen und auch jeweils ins Dinghy und von dort ĂŒber die Bordwand zum Tank gewuchtet werden.

Mit dem Papierkram zum Ausklarieren werden wir leider nicht ganz fertig. Wir entrichten zwar wie vorgeschrieben zunĂ€chst die AnkergebĂŒhr (20 NZD, also gut 10 € pro Tag des Aufenthalts), aber das Ausklarieren beim Zoll klappt trotzdem nicht. Der zustĂ€ndige Officer ist krank. Wir können nur hoffen, das es ihm Montagvormittag wieder besser geht, sonst mĂŒssen wir unsere Abreise verschieben.

Als NĂ€chstes machen wir am spĂ€ten Samstagnachmittag dann noch einen „Provision Run“, gehen also Einkaufen. Das darf wörtlich genommen werden, der nĂ€chste Supermarkt mit guter Frischeauswahl ist nicht eben um die Ecke. Es wird ein ĂŒber fĂŒnf Kilometer langer Spaziergang zum 24/7 offenen „Tina & Co“. Allerdings auch ein sehr erfolgreicher, auf dem RĂŒckweg sind unsere RucksĂ€cke unter anderem mit Möhren, Äpfeln, Paprika, Tomaten und Kartoffeln gefĂŒllt. Und der Gang ist nicht nur erfolgreich, sondern auch schön. Auf dem RĂŒckweg setzt die DĂ€mmerung ein, die Sonne geht dramatisch hinter den Palmen westlich der Straße unter.

Die Locals fĂŒgen mit einem Lagerfeuer aus PalmblĂ€ttern und sonstigem GrĂŒnabfall von der samstĂ€glichen GrundstĂŒcksreinigung noch weiteres Flair dazu, auch wenn teils Rauchschwaden die Palmen vernebeln.

Neben der Vorbereitung fĂŒr die Weiterfahrt bleibt auch noch Zeit fĂŒr den Besuch „unserer“ Sandbank in der Lagune, diesmal ist es fast eine Wattwanderung dort.

Und fĂŒr weitere SchnorchelgĂ€nge am Riff. Die Gefleckten Adlerrochen haben es uns besonders angetan. Gleich unglaubliche 13 dieser eleganten Unterwasser-Flieger ziehen uns in einem der Riff-Canyons entgegen.

Kleines Video dazu:

Um nicht immer nur die „Großen“ zu zeigen, hier noch ein vorwitziger Langnasen-Doktorfisch vom gleichen Schnorchelplatz:

Am Pfingstsonntag reihen wir uns in die Schar der KirchgĂ€nger ein. Wir entscheiden uns fĂŒr die ZIONA TAPU Church oberhalb des Hafens.

Die 1853 aus Korallenkalksteinen gebaute Kirche hat keinen Turm und ist mit dem mittig an der Westseite des langen Kirchenschiffs platzierten Altar auch sonst außergewöhnlich.

Frauen tragen hier beim Kirchgang zumeist Hut, mal blumenverziert, mal nicht. Freie Schultern sind verpönt, wir wussten das aber vorher und sind vorbereitet.

(FĂŒr bessere Auflösung kann wie immer auf die kleinen Bilder geklickt werden)

Oder Ihr schaut Euch das Video an, dann bekommt Ihr (Ton an) auch einen Eindruck vom Gesang.

Ein Sonntag in Aitutaki.

Aitutaki – Impressionen

Hier einfach nur ein paar erste EindrĂŒcke von Aitutaki.

Wie immer: auf die kleinen Bilder klicken fĂŒr bessere Auflösung, sie lassen sich dann auch durchblĂ€ttern).

Es ist erstaunlich, wie sehr sich die Insel in ihrem „Vibe“ von Französischen Polynesien unterscheidet. Jedenfalls fĂŒr uns. Gut möglich, dass die Sprache dabei eine Rolle spielt. Es wird Englisch gesprochen – mit klar neuseelĂ€ndischem Akzent. Unser Englisch ist deutlich besser als unser Französisch, kann natĂŒrlich sein, dass uns das entspannt.

Jedenfalls gefĂ€llt uns Aitutaki ausnehmend gut. Selbst der Straßenverkehr ist – trotz der Challenge, dass Links gefahren wird – ausgesprochen relaxt. Wir haben heute erstmal mit einem der hier sehr gĂŒnstig zu mietenden Scooter đŸ›” ein wenig die Insel erkundet und außerdem im Supermarkt unsere Obst- und GemĂŒsevorrĂ€te wieder aufgefĂŒllt. Beides darf nĂ€mlich beim Einklarieren nicht an Bord sein. Wir hatten das ganz gut hinbekommen und tatsĂ€chlich praktisch alles vorher aufgebraucht.

Baden und Schnorcheln waren wir auch noch. đŸŠâ€â™€ïž đŸ€ż

Delfin-Eskorte zum Traumstrand

Es ist ein fast unwirklich stillen Morgen. Kein PlĂ€tschern am Bootsrumpf. Kaum ein Windhauch krĂ€uselt das Wasser. Flaute am Ankerplatz. Nur die dĂŒnnen Striche der Palmen-Motus am Rande des Atolls verhindern in der Ferne, dass die See und der Himmel am Horizont ansatzlos mit einander verschmelzen.

Das Wasser ist so kristallklar, dass wir in zwölf Meter Tiefe jede Muschel und jeden kleinen Fisch erkennen. Zeit fĂŒr ein Bad. Wir lassen uns ins TĂŒrkis gleiten, Hineinzuspringen kĂ€me uns schon als Störung vor, schwimmen zur vor uns ankernden Lille Venn hinĂŒber.

Mit Ralph besprechen wir, kurz nach Mittag im Pass tauchen zu gehen. Fein, dann können wir vorher noch mit dem Dinghy hinĂŒber zu den Motus im wildromantischen Flachwasserbereich westlich des Passes fahren. Die Korallenriffe und die ausgreifenden SandbĂ€nke dort machen den Besuch praktisch nur an stillen Tagen wie heute möglich.

TatsĂ€chlich wĂ€ren es Luftlinie vom Ankerplatz nur etwa anderthalb Meilen dorthin, durch die erforderlichen Umwege ist es allerdings fast die doppelte Strecke. Aber die lohnt sich, zumal uns die Slalomfahrt um die Bommies durch eine unerwartete tierische Begleitung versĂŒĂŸt wird.

Wir haben bisher in Französisch Polynesien erstaunlich wenige Delfine gesehen, hier aber begrĂŒĂŸt uns einer, kommt so nahe zu unserem Dinghy heran, dass wir im flachen Wasser seinen Schatten auf dem Sandgrund erkennen können.

Und das Beste: er bleibt bei uns, schwimmt mit etwas Abstand vor unserem Dinghy her, lĂ€sst sich zurĂŒck fallen, ĂŒberholt wieder und schwimmt voraus, als wolle er uns durch das Labyrinth der Korallenbommies lotsen.

Erst kurz vor den SandbĂ€nken der Motus verlĂ€sst er uns. Als es selbst mit schon angeklapptem Außenbordmotor zu flach wird, ankern wir Florecita und waten hinĂŒber.

Ein tropischer Inseltraum empfĂ€ngt uns und wir haben dieses abgelegene Idyll ganz fĂŒr uns allein.