Salz

Von Raccoon Cay segeln wir ganze 5 sm nach Nord und ankern gleich wieder, diesmal an der Westseite von Buenavista Cay.

Beide Inseln weisen Trampelpfade quer über den flachen Inselrücken auf, so wie zuvor schon Hog Cay. Und natürlich lassen wir uns die Gelegenheit nicht entgehen, auf die (bei den vorherrschenden Ostwinden) deutlich rauhere Seite hinüber zu laufen. Vereinzelt finden sich auch dort Sandstrände, verbreitet wird die Küste aber mit schroffen, scharfkantigem Korallengestein gebildet. Die See brandet dagegen an, unterspült die Klippen und deutet ganz allgemein an, welche Urgewalt das Meer ausmacht.

Unwirtlich, wie auch weite Teile des jeweiligen Inselinneren. Auch dort dominieren karge, nur mit flachem Gestrüpp bewachsene Korallenböden, auf denen sich kaum Humus bildet. Bäume und Sträucher krallen sich mit ihren Wurzeln knorrig und gewunden in Spalten und Löchern fest und versuchen, ein kleines bisschen Nahrung zu finden. Leicht ist das sicher nicht, das wenige Wasser ist zumeist stark salzhaltig.

Ganz besonders deutlich wird das in den oft zu findenden Salzseen. Wie im Beitragsbild schimmern auf vielen der Cays in der Ragged Island Chain weiße und rosarote Flächen im Inselinneren. Auf der Ostseite von Buenavista Cay finden wir einen Weg zu dem großen langgestreckten Salzsee im Süden der Insel.

Wir wandern an seinem Ufer entlang, nicht einmal die ziemlich salzvertragenden Mangroven überleben hier.

Aber selbst in einer so lebensfeindlich scheinenden Umgebung gibts Überraschungen. Ein kleiner Vogel läuft aufgeregt am Strand herum, zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich. Hm, das macht der doch mit Absicht?!?

Tatsächlich, am vorderen Rand des Baumstumpfes findet sich das Gelege des kleinen Regenpfeifers in einer in den salzigen Sand gescharrten und mit Steinchen und Muschelkalk „ausgepolsterten“ und gut getarnten Mulde, die aber Andrea gleich entdeckt.

Übrigens finden sich selbst oben auf den Klippen natürliche Siedepfannen, in denen sich Salz sammelt. Die Zeiten, in denen die Menschen in den wenigen kleinen Siedlungen hier (etwa auf Ragged Island) noch ihren Lebensunterhalt in Salinen bestreiten konnten sind aber lange vorbei, es lohnt sich einfach nicht mehr.

Nur noch selten versucht jemand, auf einer der Inseln der Kette Fuß zu fassen. Hier auf Buenavista Cay war das zuletzt Edward Lockhard, der ein Haus und ein paar Nebengebäude errichtete und hier einige Zeit lebte. 78jährig überstand er 2017 sogar den Hurrikan Irma hier, nach eigenem Bekunden indem er sich mit einem Seil an einen der Bäume band. Drei Tage später wurde er dehydriert gefunden und gerettet. Auch Edward ist inzwischen nicht mehr hier, sondern bei seiner Familie auf einer anderen Insel der Bahamas. Die Gebäude sind nur noch traurige Ruinen, die Geräte und Maschinen verrostet, nur der Viehstall ist noch erstaunlich intakt. Die Borken über den Laufwegen der Termiten auf den hölzernen Abgrenzungen lassen aber vermuten, dass das nicht mehr lange so bleibt. Buenavista Cay ist wieder so unbewohnt (von Menschen) wie fast alle Inseln der Jumentos bzw. Ragged Island Chain.

Nur die Cruiser finden sich regelmäßig am Stand auf der Westseite ein und üben sich in Inselromantik.

„Bacardi“-Insel oder nicht

Wenn es für die Dominikanische Republik eine Windregel gibt, dann wohl die, dass die Brise nachts und am Morgen eher flauer ist und dann wieder zunimmt. Angesichts der spiegelglatten See entscheiden wir uns daher heute, mit den Dinghys die etwa drei Seemeilen hinüber zur Cayo Levantado zu flitzen. Diese Insel soll für einen der Bacardi-Werbespot als Kulisse gedient haben. Wir haben den Hit von Kate Yanai im Ohr, als wir auf den palmenbestandenen Strand zusteuern.

Allerdings, was aus der Entfernung so klischeehaft dem Karibikbild entspricht, erfüllt eben auch manches Karibik-Vorurteil. Noch während wir die Dinghys vorm Strand verankern wird uns eine Massage angeboten, unter den Palmen stehen (leere) weiße Liegen in Reih und Glied. Hinter den Palmen verbirgt sich ein Hotel, der Strand wird von Ausflugsbooten aus Santa Bárbara de Samaná regelmäßig angefahren. Auch wenn es jetzt hier relativ leer ist, so richtig wohl fühlen wir uns nicht.

Wir holen den Anker wieder auf und fahren hinüber zum „Mainland“, suchen uns dort eine kleine Bucht. Weniger türkises Wasser, weil vorgelagert im Wasser nicht flacher Sand sondern korallenbesetztes Riff zu finden ist. Da kommen unsere mitgebrachten Schnorchelsachen doch noch zum Einsatz.

Sandstrand nur vorn zwischen den beiden Felsen, dahinter ist es Kies. Dafür ist es schön einsam. Yoga am Strand.

Und als Zugabe bekommen wir wieder mal einen endemischen Vogel zu sehen: ein Haiti-Specht (gibt’s nur auf der Insel Hispaniola und ihren kleinen Nebeninseln) brütet in der Palme gleich hinter uns.

Nach einem ausgiebigen Picknick geht’s zurück zur Flora, da frischt der Wind tatsächlich auch schon wieder auf und die Dinghyfahrt wird etwas welliger. Ein kleines bisschen hatten wir gehofft, vielleicht auch wieder Buckelwale zu sehen, aber diesmal lässt sich hier keiner blicken.

Erst am Abend auf dem Malecón und beim dort an einer der kleinen Buden mit Blick auf den Ankerplatz genossenen Sundowner sehen wir wieder welche 😉, wenn auch eher als Zeichen dafür, wie wichtig die Wale für den Tourismus hier in der Stadt und der Region sind.

Palmenflash auf Vieques

Was uns hier in den Spanish Virgin Islands besonders auffällt sind die Palmen. An praktisch jedem der vielen Strände stehen auch Palmen. Anders als in den meisten anderen Inseln der kleinen Antillen finden sie sich nicht ganz überwiegend nur vor Hotelstränden oder exquisiten Wohnanlagen oder säumen die Allee-Zufahrten der Rumdestillerien.

Unsere letzte Station auf der Isla de Vieques machen wir am ganz Westende der Insel, an dem Ankerplatz zwischen Punta Arenas und Punta Boca Quebrada.

Vorsichtig brechen wir gemeinsam mit der Easy-One schon morgens um 9.00 in der Sun Bay auf, es ist in dieser eigentlich geschützten Bucht mit zunehmendem Südost-Wind doch etwas rollig geworden. Wir sind uns nicht sicher, ob der Schutz an unserem angedachten Ankerplatz besser sein wird, durch die frühe Abfahrt könnten wir zu Not einfach weiter nach Westen zur Hauptinsel Puerto Rico weitersegeln.

Das müssen wir aber nicht, denn als wir nach einem schönen Vormwindkurs um die Punta Boca Quebrada herumkommen, liegt der Ankerplatz ziemlich ruhig da. Am nördlichen Ende, oben bei Punta Arenas, ankern mehrere Motorboote dicht mit dem Heck am Strand (auf den meist zusätzlich der Heckanker ausgebracht ist), die wenigen Segler und ein paar weitere Motorboote halten sich weiter im Süden.

Und wie schon in der Sun Bay säumen eben wieder reichlich Palmen das Ufer, hier stehen sie sogar noch viel dichter und drängeln sich so auf den Strand, dass einige Wurzeln der vordersten Palmen schon freigespült sind.

Und den Strand haben wir fast für uns. So viele Boote sind ohnehin nicht hier und die Motorbootfahrer scheinen meist an Bord zu bleiben oder im flachen Wasser hinter ihren Schiffen stehend von Schaumstoffgriffen kühl gehaltene Drinks zu genießen. Ich weiß, das hört sich nach Vorurteil an, ist aber hier wirklich typisch und die „Coozies“, also die isolierenden Dosen- und Flaschenüberzieher sind für die meisten Amerikaner ganz selbstverständlich. Wir haben schon mehrfach welche z.B. mit dem jeweiligen Bootsnamen als Gastgeschenk bekommen.

Jedenfalls dürfen wir den karibischen Traum vom Strand unter den Palmen weitgehend allein genießen.

Am (Rosen-)Montagabend wird es dann noch etwas leerer, fast alle Motorboote düsen wieder hinüber nach Mainland Purto Rico. Dahin wollen wir ihnen dann morgen folgen, allerdings an die Südküste, wo uns wohl eher Mangroven als Palmenstrände erwarten. Aber heute genießen wir noch einmal die Abendsonne auf Vieques‘ Weststrand.

Es geht rund

Rund Culebra zunächst mal. Wir verlassen unsere wunderbare Bahia Tortuga auf Culebrita, allerdings nicht ohne vorher noch einmal einen Spaziergang über den Strand hin zu den „Pools“ am Montecito Primero zu machen. Die felsige Nordspitze der Insel wird hier von immer mal wieder durch die Brocken flutenden Wellen quasi abgeschnitten. Dabei bilden sich mehrere Pools, teils ganz ruhig, teils echte Wellenbäder.

Von einem Sitzbad nehmen wir aber Abstand, fast überall unter Wasser machen sich kleine Seeigel breit.

Statt dessen werden endlich mal wieder die Segel gesetzt und wir folgen der amerikanischen „Honu Kai“. René und Carole geben uns vor dem Auslaufen noch Tips für die Weiterfahrt. Wir können uns bald dafür revanchieren, denn nachdem wir die Westspitze von Culebra runden, sehen wir sie an der Boje am Punto Tamarinde. Wir sind schon fast vorbei, als uns auffällt, dass Carole etwas ratlos mit dem Bootshaken unter dem Boot stochert und wir die Boje nicht sehen.

Tatsächlich kann ich den beiden schnorchelnd helfen, wieder freizukommen und neu an der Boje festzumachen. Uns ist es hier aber zu rollig und so gehen wir wieder ankerauf, umrunden auch die Südspitze von Culebra und ankern letztlich in der Bahía de Almodóvar, wieder wunderbar geschützt von dem vorgelagerten breiten Riff. Die Oroboro von Yuka und Francesco ist schon da, die beiden kiten. Kurz nach uns laufen Kim und Chuck mit der La Rive Nord ein. Ansonsten finden jetzt am Wochenende allerdings auch einige Motoryachten von der Ostküste Puerto Ricos hier herüber. Sie machen alle – für uns ungewohnt – mit Heckanker in Richtung Riff (also zum Wind) und Buganker in Richtung Bucht fest. Voll ist es übrigens trotzdem nicht, sogar ein paar Moorings sind noch frei.

Die Einfahrt ist allerdings ein bisschen verwirrend, weil die im nächsten Bild links am Bildrand liegende „Insel“ zwar auf der Navionics-Karte als solche eingezeichnet ist, jedoch vollständig versunken und nur in der Luftaufnahme oder mit der Sonne im Rücken, aber im Gegenlicht eben nicht leicht zu erkennen ist.

Das wir von hier nach nur zwei Nächten weiterfahren liegt an unseren zu füllenden Tauchflaschen. Und so ankern wir an der Punta Melones westlich des Ortes Culebra, verfrachten die Tauchflaschen ins Dinghy und ich düse in den Ort. Wir sind allerdings offenbar inzwischen so tiefenentspannt, dass wir ein kleines Detail übersehen haben: heute ist Sonntag. Oops 😬. Also unverrichteter Dinge zurück. Na gut, dann können wir auch nochmal verholen, es steht doch einiger Schwell auf unseren Ankerplatz.

Vielleicht ist es drüben in der Cayo de Luis Peña auf der gleichnamigen unbewohnten Insel besser? Wir tasten uns durch die Riffeinfahrt, aber hier steht trotz des Riffs zu viel Windsee hinein. Nächster Versuch: immer noch Luis Peña, nur um dessen Ostecke herum in Lana‘s Cove. O.k., da bleiben wir, allein an einer Boje vor dem Sandstrand, an dem sich auch wieder ein paar Palmen finden. Kann man sich dran gewöhnen.

Obwohl, Florecita muss noch mal ran. Ein kleines Motorboot torkelt in die Bucht, offensichtlich kaum zu manövrieren. Miguel geht bei uns längsseits und versucht einen Schlepp zurück nach Culebra zu organisieren, aber das erweist sich zur vorgerückten Stunde am Sonntag als schwierig. Es droht, dunkel zu werden, also bieten wir an ihn hinüberzuschleppen. Miguel nimmt sichtlich erleichtert an, aber als wir Flora klarmachen meint er, ich solle ihn lieber mit dem Dinghy schleppen. Tatsächlich bekomme ich ihn (mit geriggtem Hahnepot) und unserem 20 PS Außenborder trotz der zwischen den Inseln stehenden Welle ganz gut hinüber geschleppt. Mit Flora hätten wir auch nicht durch den Kanal fahren können sondern ganz außen herum in die Ensenada Honda (die Große Bucht auf der anderen Seite des Ortes) gemusst. Selbst so komme ich im Dunkeln zurück auf Flora an.

Culebra

Wir sind auf Culebra, damit auf den zu Puerto Rico gehörenden „Spanischen Jungferninseln“ und somit in Lateinamerika angekommen. Fast alle Puertoricaner geben Spanisch als Muttersprache an. Und doch: wir sind auch wieder in den USA. Für die Einreise brauchten wir ein gültiges US-Visum. Puerto Rico führt nicht nur eine Flagge 🇵🇷 , die sehr an die kubanische 🇨🇺 erinnert, gegenüber der nur blau und rot vertauscht sind. Sondern eben (wie der Lone-Star-State Texas) eine rot weiß gestreifte Flagge mit einem weißen Stern auf blauem Grund, quasi ein „ein-Stern-Banner“. Obwohl die USA 🇺🇸 im Zuge des Spanisch-Amerikanischen Krieges 1898 Puerto Rico erst vier Jahre nach dem Entwurf der Flagge besetzten und fortan für sich beanspruchten.

Der Freistaat Puerto Rico (Estado Libre Asociado de Puerto Rico) hat heute den Status eines Außengebietes (nicht inkorporiertes Gebiet) der Vereinigten Staaten. Das heißt, es ist weder ein Bundesstaat der USA noch gehört es einem Bundesstaat an, aber sämtliche außenpolitischen Angelegenheiten Puerto Ricos werden von den USA wahrgenommen. Amtssprachen sind Spanisch und Englisch. So ganz einfach scheint es hier in der Karibik selten zu gehen.

Schattiges Plätzchen, einmal die gelb-grüne Flagge Culebras, einmal die von Puerto Rico auf dem Vorsegel.

Auch seglerisch bleibt‘s vorerst etwas kompliziert. Die Wellen aus Nord, vor denen wir ja unbedingt hier ankommen wollten, haben sich mittlerweile zwar etwas abgeschwächt und rollen nur noch mit zwischen zwei und drei Metern Höhe an. Dafür hat aber der Wind auf Südost gedreht, die Ankerplätze auf der Südseite von Culebra sind also nicht mehr geschützt. Der Naturhafen in dem wir liegen ist fast rundum geschützt, nur eben nach Südost offen. Er ist trotzdem für uns weiter die beste Wahl, denn die der Einfahrt vorgelagerten Riffe halten das Gröbste, eigentlich sogar fast alles ab.

Und das es grob sein kann sehen wir auf unserer Wanderung heute. Am Flughafen und der Laguna del Flamenco (auf der wir aber keine Flamingos entdecken) vorbei geht’s gemeinsam mit Heike und Jürgen von der „Valentin“ zum Vorzeigestrand in der Bahia de Flamenco. Die mitgebrachten Schnorchelsachen bleiben in der Tasche, selbst Baden ist hier heute nicht drin.

Auch wenn sich nicht jede Welle so dramatisch bricht, die Roller kommen ziemlich regelmäßig, steilen sich vor dem Ufer auf und lassen sich vom durchaus steifen Wind die Kämme abwehen. Da laufen wir doch lieber einfach nur am herrlich feinen Sandstrand entlang bis in die Nordwestecke der Bucht.

Zum einen ist die Vergangenheit der Spanischen Jungferninseln als militärisches Übungsgebiet der Amerikaner hier in einem inmitten der Brandungszone vor sich hinrostenden und inzwischen bunt besprühten Panzerwrack deutlich sichtbar. Zum anderen reicht an dieser Stelle das Riff vom Strand aus weit hinaus und wir haben auch den Blick über die Bucht hinaus an den kleinen Kaps der nördlichen Küstenlinie entlang, die Drohne macht das noch deutlicher.

Zurück gehts auf dem gleichen Weg, immer schön am Strand entlang, mit kleiner Pause unter Palmen.

Und ein paar tierische Begegnungen gab es auch noch, die mit Schwanz manchmal zwei Meter langen Iguanas kann ich einfach nicht unfotografiert lassen (dieser hier war zwar nur etwa 1m50, trotzdem ein Prachtexemplar):

Weihnachtsfeier

Zu Weihnachten haben wir uns mit mehreren befreundeten Crews in am Cocoa Beach in Barbuda getroffen. Zum Festschmaus – regional angepasst statt Weihnachtsgans ein Hummer-BBQ -. Inoch feuert an seiner Strandbar den Grill an und liefert Hummer und Getränke, die Beilagen bringen die Crews mit. Und es wird ohne große Abstimmung ein vielfältiges Menü mit karibischen Krautsalat, selbst gebackenem Baguette, Nudelsalat, Reissalat, grünem Salat und Knoblauchbutter.

Mit der Jill und Michael von der amerikanischen “Gerty“, Annemarie und Volker von der “Escape” und Antje und Beat von der schweizer “San Giulio” vertilgen wir den riesig erscheinenden Lobsterberg. Die anderen Crews machen mir (Familientradition) eine Riesenfreude: gemeinsam singen wir tatsächlich noch “Am Weihnachtsbaume”, die Liedtexte sind vorbereitet und für die Crew der Gerty in provisorisch lautmalerische englische Silben umgeformt: klappt. Sogar Geschenke gibt es noch. Beat verteilt Schweizer Taschenmesser. Wow. Auch mit dem Wetter haben wir Glück, nur in der Vorbereitung ziehen ein paar Squalls durch, es bleibt trocken bis wir wieder an Bord sind und plestert erst dann wieder los. 😀 Das eigentlich für Heiligabend geplante Feuer auf dem Strand verschieben wir einfach auf den ersten Weihnachtstag.

Der bringt – wie Heiligabend – erstmal Telefonate und Videochats mit der Familie in Deutschland. Unser zweites Weihnachten unterwegs – und das in diesen Zeiten und deshalb ohne zwischenzeitliche Deutschlandbesuche – da sind diese Telefonate schon sehr emotional.

Der Rest des Tages ist dann allerdings (vielleicht auch zur Ablenkung) angefüllt mit ein bisschen Bootsarbeit. Der geplatzte Hochdruckschlauch unseres Watermakers ist lang genug für den Versuch, dass direkt am Fitting defekte Ende um ein paar Zentimeter zu kürzen. Also baue ich den Schlauch aus (unterm Bett, unterm Waschbecken und im Badezimmerschrank), was im Boot natürlich ein leichtes Chaos der sonst in diesen Bereichen gestauten Sachen auslöst, weil schließlich auf Langfahrt jeder Stauraum bis in die hinterste Ecke gefüllt ist.

Mit dem ausgebauten Schlauch geht’s zunächst hinüber zur Gerty, denn Michael hat ebenfalls einen Watermaker von Echotec, den er zudem selbst installiert hat, dass könnte bei der Kürzung des Schlauchs und der Neumontage des Fittings ebenso helfen wie die eingerichtete Werkstatt in der Backbordachterkabine der Gerty (Allures 45.9). Es wird ein Teilerfolg und führt daher dazu, das auch die anderen Crews eingebunden werden. 😊

Laut Michaels Erinnerung und dem Echotec-Handbuch müsste das Fitting zweiteilig sein, wir finden aber zunächst keinen Weg es (wieder) zu teilen und somit auch keinen, es wieder zu montieren, auch nicht in der ebenfalls super ausgestatteten Werkstatt im Vorschiff der Escape (CNB 66, wir müssen wohl doch noch mal über unsere Raumaufteilung nachdenken, welchen Raum der Flora opfern wir der Werkstatt 😂).

Auf der San Giulio findet sich ein ganz ähnliches Fitting als Ersatzteil, passt leider zwar nicht, ABER: es gibt den entscheidenden Hinweis, wie wir den Fitting wieder auseinander bekommen. Nur brauchen wir dafür eine (sehr große) Schraube, die in das Gewinde passt. Die aus der Membran können wir dafür leider nicht ausbauen. Ein paar Dinghyfahrten später findet sich so eine auf der Gerty und Volker schafft es in seiner Werkstatt auf Escape damit, den Fitting zu öffnen, bei Kaffee und Weihnachtskeksen auf der Flora montiert er den Fitting auf dem gekürzten Schlauch.

Happy End – jedenfalls fast. Schlauch und Fitting sind jetzt wieder dicht, aber der Watermaker tut es trotzdem nicht, der Druck ist zu hoch. Da muss wohl noch etwas anderes im Argen liegen.

Egal, mindestens der gemeinschaftlich errungene Teilerfolg will gefeiert werden und für den Abend steht ja das verschobene Bonfire 🔥 auf dem Strand an. Die “San Giulio” ist diesmal nicht dabei, dafür sind Francesco und Yuka von der Oroboro dazu gekommen. Ein wunderschöner Abend!

Einsamer Strand

So sieht’s aus. Low Bay, an der Westseite von Barbuda. Zumindest in Corona-Zeiten kann es Mitte Dezember passieren, dass sich kein anderes Schiff hierher an den wunderbaren, steil aus dem türkisfarbenen Wasser aufsteigenden feinsandigen Strand südlich der Lagunenpassage verirrt. Im Frühjahr hatten wir hier nördlich des Durchbruchs geankert, aber die halbverfallene und langsam ins Wasser abrutschende Hotelruine dort schlägt doch ein bisschen auf die Stimmung.

Am 6. September 2017 zog der Kategorie-5-Hurrikan “Irma” mit etwa 300 km/h genau über Barbuda, zerstörte 95 Prozent der Gebäude. Zudem riss er hier ein Loch in die schmale Nehrung, die die Codrington Lagune bis dahin nach Westen hin abschloss. Sämtliche Einwohner der Insel wurden damals nach Antigua evakuiert, viele kamen erst Monate später zurück auf die Insel (wenn überhaupt, noch nach einem halben Jahr war es weniger als ein Drittel der ursprünglichen Bewohner).

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Hurrikan der flachen Lagune einen zusätzlichen Meerwasserzugang verschafft. Und wie bisher immer, wird sich wohl auch diese Lücke irgendwann wieder auf natürliche Weise schließen. Derzeit ist aber die Passage mit flach gehenden Fischerbooten oder Dinghys möglich. Allerdings steht häufig eine konfuse Welle über dem größten Teil des Eingangs, es sieht in der Enge trotz sonst eher ruhigem Wetter auch heute durchaus beeindruckend aus:

Wir beschränken uns da lieber darauf, mit den Paddelboards auf die sogar mit ein paar Palmen bestandene Landzunge zu fahren und den Strand der Halbinsel zu erkunden, die karibischen Farben und die Blicke hinüber zu unserer Flora auszukosten.

Am Abend kommt dann die Escape an den Ankerplatz, mit Annemarie und Volker verbringen wir wieder mal einen schönen Abend, diesmal auf der Flora.

Anhalter und Dress code

Beim morgendlichen Schwimmen um die Flora gibt’s mal wieder eine Überraschung. Wir haben Anhalter. Unter Wasser. Gleich vier Schiffshalterfische haben sich mit den Saugplatten auf ihrer Stirn an Floras Rumpf geheftet, zwei größere und zwei etwas kleinere.

Ein bisschen herumpruddeln am Boot, Wäsche waschen, sich mit der Frischwasserpumpe auseinandersetzen. Sich wundern über die Bauarbeiten am Cocoa Point, wo gerade Luxushäuser entstehen, obwohl die Insel eigentlich kein privates Grundeigentum kennt. Die Regierung (von Antigua und Barbuda) sitzt auf Antigua und hat dem Betreiberkonsortium einen langfristigen Erbbaurechtsvertrag vereinbart, um diese Klippe zu umschiffen. Entsprechend sind viele der Locals wenig begeistert. Hinzu kommt, dass nur ein kleines Stück weiter die Küstenlinie hinunter die Strandhäuser eines bisherigen Luxushotels hier am “Princess-Diana-Beach” ein Opfer des letzten Hurrikans geworden sind, man sieht fast nur noch die Fundamente. Aber trotzdem werden laufend potentielle Investoren per Wasserflugzeug eingeflogen und dann per Amphibienfahrzeug an Land gebracht. Sie sollen sich ja nicht die Füße nassmachen. Wir hatten das bereits im Frühjahr beobachtet, da schienen die Wasserflieger aber noch häufiger zu landen.

Uns dagegen bleiben nasse Füße – was nicht schlimm ist – nicht erspart, als wir uns am Nachmittag natürlich wieder hinüber zum verlockend feinsandigen Strand verholen.

Inoch hat eine kleine, wunderbare Bar hier direkt auf dem Traumstrand. “SHACK-A-KAÏ” wurde von ihm erst 2019 eröffnet. Die ganze Geschichte findet sich auf dem Blog von Andrea und Kai.

Wir haben hier schon im Frühjahr eine tolle Zeit gehabt, trotzdem finden wir es erstaunlich, dass sich Inoch offenbar noch an uns erinnert. Als wir mit dem Dinghy anlanden hilft er uns, Florecita auf den Strand zu ziehen. Wie schon gestern machen wir erstmal einen Spaziergang am Strand.

Kleidungsfarblich haben wir uns wohl schon angepasst. Mimikry oder der erste Teil des Dresscodes 😂.

Und dann geht’s zu Inoch in seine SHACK-A-KAÏ. Viel Betrieb ist nicht, kein Wunder bei nur drei Ankerliegern in der Bucht. Aber das gibt uns die Gelegenheit, ausführlich mit Inoch zu plaudern und den Ausblick zu genießen. Wenn schon der unvermeidliche Spiegel hinter der Bar dieses Bild zeigt …

kann man es wohl aushalten:

Den zweiten Teil des Dresscode halten wir in jedem Fall auch ein:

Warum Barbuda?

Warum segelt eigentlich irgendwer nach Barbuda? Das habe ich mich beim ersten Blick auf die Seekarte gefragt. Die rund 24 km lange und 14 km breite Insel ist überwiegend flach (höchster “Berg” 42 m!), hat mit Codrington nur einen einzigen, ausweislich des Revierführers aber nicht sehenswerten Ort sowie insgesamt deutlich unter 2.000 Einwohner. Es gibt viele Flachs und Riffe, aber keine richtig gut geschützten tief einschneidenden Ankerbuchten, Häfen sowieso nicht. Man ist auf Ostwinde (die aber ja auch vorherrschen) angewiesen, um einigermaßen gut und schwellarm zu liegen.

Also warum?

Zum Beispiel darum:

Und nein, wir waren auf unserem langen Strandspaziergang nicht ganz alleine. Wir haben tatsächlich EINE andere Seglercrew getroffen.

Esel, Teufelsbrück, Palmen & Obama

Landausflug auf Antigua. Gemeinsam mit Annemarie und Volker von der Escape bereisen wir ausnahmsweise einmal das Landesinnere von Antigua. Auch dort, wo mir mit unseren kurzen Hikes zu Fuß nicht hinkommen, der Jeep mit Allradantrieb wird’s schon richten.

Zunächst geht’s ein wenig im Süden der Insel entlang auf den „Fig Tree Drive“. Eine falsche Fährte – dem Namen nach, Feigen sehen wir nämlich keine. Dafür aber Mangobäume zuhauf, Bananenstauden und einige andere tropische Pflanzen. Das alles auf einer schmalen und gewundenen Straße, die mal durch kleine Ortschaften, zumeist aber durch die Berge führt. Etwa 7 km lang, und dann finden wir uns (Volker fährt, Annemarie lotst) völlig überraschend für Wiebke und mich am Ufer der Carlisle Bay wieder. Nur ein einziger Ankerlieger schwoit in der Ferne, die Bucht ist fast völlig leer, ebenso der schöne palmengesäumte Sandstrand.

Also klettern wir etwas herum, schicken ein Foto an die WhatsApp-Freunde von der „Carlisle Bay Corona Group“ und weiter geht’s auf der Uferstraße Richtung Westen, bis ein unscheinbarer Feldweg rechts abzweigt. Dem folgen wir bergauf, auch wenn es immer enger, steiler und zugewucherter wird. Jetzt kann (und muss) der Jeep sein Können beweisen. Und er tut es, von Volker souverän chauffiert.

Ziel ist der Mount Obama, dort wo die Funkmasten stehen. es ist mit etwas über 400 m die höchste Erhebung Antiguas. Bis 2009 hieß sie „Boggy Peak“, wurde dann aber zu Ehren des damaligen US-Präsidenten ganz offiziell umbenannt. Wir stellen uns mal kurz vor, Deutschland würde die Zugspitze, Österreich den Großglockner oder die Schweiz die Dufourspitze im Monte Rosa Massiv …, na gut, wohl eher nicht (zumindest nicht nach einem ausländischen Staatsmann). Man kommt bis fast ganz hinauf, nur der höher stehende Mast ist von einem eingezäunten Sperrgebiet umgeben. Der niedrigere Mast dagegen ist erstaunlicherweise zugänglich und schon vom Dach der kleinen Hütte aus hat man einen herrlichen Blick bis hinüber nach Montserrat und heute bei der klaren Sicht sogar nach Guadeloupe.

Die Fahrt ist ziemlich holperig und langsam, aber auch spannend (o.k., zwei von uns finden mehr Vergnügen daran als die anderen beiden).

Dann geht’s zu den Eseln (hier ist der Spaß anders (aber nicht umgekehrt) verteilt, eher 3:1.

Wieder über Holperpisten, wenn auch diesmal im flacheren nordöstlich Teil Antiguas, kommen wir zum Donkey Sanctuary der Insel. Etwa 150 Esel leben hier, geschätzte weitere 400 Esel leben noch wild oder halbwild auf Antigua. Wie auch auf anderen karibischen Inseln wurden die früher wertvollen Nutztiere irgendwann nicht mehr benötigt und nicht selten einfach sich selbst überlassen, bei anderen Haustieren würde man wohl „ausgesetzt“ sagen. Wir sehen einige durchaus gut genährte Gruppen von ihnen auf unserer Fahrt, aber nicht allen geht es wirklich gut. Wie wir im Reservat erzählt bekommen, sind einige Farmer über das Fressen der Wilden Esel in ihren Pflanzungen so böse, dass sie dabei erwischten Wildeseln die sprichwörtlichen Langohren stutzen, weil die nach einer solchen Quälerei die Gegend meiden. Ob es stimmt? Wir sehen jedenfalls im Sanctuary mehrere Esel mit gekappten Ohren.

Der Eintritt ist übrigens frei, Spenden natürlich willkommen. Bürsten zum Striegeln stehen bereit, wir sind allerdings die einzigen Gäste.

Auf der Weiterfahrt statten wir einem der Wahrzeichen Antiguas einen Besuch ab, den teilweise restaurierten Doppelwindmühlen von „Betty’s Hope“ in den Ruinen einer ehemaligen Zucker- und Rumfabrikation auf einer der ältesten Zuckerrohrplantagen der Insel. Ein kleines Museum informiert dort über die ehemalige Produktion, aber die meisten Gebäude sind verfallen.

Zeit für eine Verschnaufpause. Wir fahren zum Strand der Long Bay und finden dort ein schönes italienisches Meeresfrüchte-Restaurant, „Mama Pasta“, ein Familienbetrieb, in dem natürlich auch der Fernseher italienische Dauerbeschallung erledigen muss, dessen Küche uns aber überzeugt. Schade nur, dass sich kaum jemand von den wenigen Besuchern am Strand hier hinauf auf die schöne Terrasse oberhalb der karibisch farbenfrohen (geschlossenen) Verkaufsbuden verirrt.

Ähnlich leer finden wir nach dem leckeren Essen die „Devil’s Bridge“ (für Hamburger: Teufelsbrück) vor, in Zeiten mit den sonst üblichen vier Kreuzfahrtschiffen im Hafen hätte Volker wohl kaum alleine die Abkühlung durch spritzende Gischt auf der natürlichen Felsbogenbrücke erfahren 😉:

Wo wir schon mal ein Auto haben, schließen wir die Inseltour nach einem kurzen Abstecher in den uns eher enttäuschenden „historischen Ort“ Parham noch mit einem Einkaufstrip in den großen Epicurean-Supermarkt im Hauptort St. John’s ab. Lohnt sich, obwohl die große Nonfood-Weihnachtsabteilung im Eingangsbereich doch überrascht und weder die staksigen Kunstofftannen noch der bunte Flitter darin wirklich überzeugen 😳:

Die Lebensmittelauswahl dagegen ist für hiesige Verhältnisse richtig gut, mit prall gefülltem Kofferraum geht’s zurück nach English Harbour.

Eine tolle und lange Tagestour, der Mond geht schon über den an ihren roten Ankerlichtern erkennbaren Megayachten von Falmouth auf, als wir mit dem Dinghy wieder bei Flora ankommen.