Innenansichten

Wie sieht unser Zuhause eigentlich innen aus? Wir versuchen, Euch mal einen Einblick zu geben. Natürlich ist die Perspektive auf den mit Weitwinkelobjektiv aufgenommenen Fotos etwas verzerrt, die Räume wirken dadurch etwas größer(!) als sie in Wahrheit sind.

Zunächst mal die Aufteilung. Die Nummern in der Zeichnung stehen für die verschiedenen Stauräume. Sie sind prall gefüllt, die Inhalte haben wir deshalb in einer Excel-Tabelle zugeordnet um uns die Sucherei etwas zu vereinfachen.

Aber man kann eben auch ganz gut erkennen, wie Flora aufgeteilt ist. Es gibt zwei Kabinen: die Dreieckskoje im Vorschiff und die Eignerkabine im Achterschiff, beide mit eigener kleiner Nasszelle incl. Dusche. Das Bad im Vorschiff ist etwas größer und beherbergt auch unsere kleine (3,5 kg) Waschmaschine, auch der Platz zum Duschen ist etwas großzügiger. Hier in den Tropen benutzen wir allerdings vorwiegend die Außendusche an der Badeplattform am Heck des Schiffes.

Kommt man vom Cockpit aus die vier Stufen des Niedergangs herunter, ist man zunächst im „Salon“, also dem zentralen Wohnraum.

Schon seit Griechenland liegen Leinentücher über den Sesseln und auf dem L-Sofa. Sieht vielleicht nicht so gut aus, aber Schweiß und Sonnencreme hinterlassen so etwas weniger Spuren 😊.

Wendet man sich nach rechts / steuerbord, findet sich direkt am Niedergang die Pantry, also die Küchenecke.

Zweiflammenkocher, Backofen (beides mit Gas betrieben, die Gasflasche befindet sich in einem Extrafach außen), außerdem eine von uns kaum genutzte aber auch ohne Landstrom oder Generator über den Inverter betreibbare Mikrowelle, eine Doppelspüle nahe am Zentrum des Schiffes (die also auch bei Schräglage gut abläuft) und eine große von oben befüllbare (geringer Kälteverlust) Kühlbox mit drei verschiebbaren und herausnehmbaren Körben, sie reicht von der Spüle bis unter die Obstschale. Eine zweite Kühlbox, die auch als Gefrierbox genutzt werden kann (von uns aber meist nur als Getränkekühlschrank verwendet) findet sich auf der gegenüberliegenden Seite hinter dem Navigationsplatz.

Nach vorne hin schließt sich an den Salon ein knapp zwei Meter langer Gang zur Dreieckskoje an. Rechts davon sind Schapps (Stauräume), in denen sich im Wesentlichen Werkzeug und Ersatzteile befinden. Links ist die Tür zur vorderen Nasszelle.

Wenn wir keine Gäste haben, trennen wir die Backbordhälfte der übrigens gut 2 m langen Dreieckskoje mit einem Leesegel ab und stauen dort z.B. den Code0, Kissen und anderes. Aktuell auch noch Gemüse im Staunetz darüber. Sieht dann etwas wild aus 😉.

Die Vordere Nasszelle von oben durch das Decksluk gesehen:

Geht man umgekehrt vom Salon aus an der Navi-Ecke vorbei ins Achterschiff, ist über zwei kleine Türchen der unter dem Cockpit gelegene Motorraum erreichbar, der immerhin Kriechhöhe aufweist.

Hier finden sich neben unserem 75 PS Volvo der 5kw-Dieselgenerator, Heizung, Warmwasserboiler, Ladegerät/Inverter, diverse Pumpen und einiges an weiterer Installation.

Weiter nach achtern schließt sich die Eignerkabine an.

Wir haben vor der Langfahrt die beiden Matratzen der Doppelkoje an Steuerbord durch dickere ersetzt. Die Matratzenauflage (IKEA) auf der mit einem Leesegel sicherbaren Backbord-Einzelkoje findet auf Passagen ihren Platz gerne im Vorschiffsgang (bei rolligem achterlichen Wind) oder im Salon oder Achterschiffsgang (auf stampfigen Amwindkursen) und ist dann äußerst beliebt 😁, weil man sich auf ihr am ruhigsten Platz des Schiffes ausruhen kann.

Der Sitz zwischen den Kojen hat übrigens absolut seine Berechtigung. Nicht nur zum Hineinsteigen als Tritt oder zum abgeschiedenen Lesen, sondern insbesondere zum Anziehen bei kräftiger Bewegung des Schiffes.

Und zuletzt noch das durch die Eignerkabine erreichbare achtere Bad:

In dem Schrank hinter der Plexiglas-Duschabtrennung finden sich Bedieneinheit und Filter des Wassermachers. Die Membran und die Hochdruckpumpe sind unter der Eignerkoje untergebracht.

Aufräumarbeiten

Wir haben auf der Passage viel geschlafen, trotz Gebolze, vielleicht auch wegen der Anstrengung. Möglicherweise lag es auch daran, dass einfach nicht allzu viel anderes drin war. Lesen – eher nicht. Podcast hören ging, aber zumindest ich hatte dazu gar kein großes Bedürfnis, Wiebke hat ein paar Podcasts gehört.

Trotzdem schlafen wir in der ersten Nacht (die für uns schon um halb acht abends begann) fast zwölf Stunden durch.

Und dann beginnt die große Entsalzungsaktion. Es ist kaum zu fassen, wieviel Salz sich überall auf dem Schiff abgelagert hat und wie sehr sich das Salz auch festgebacken hat. Auf den Scheiben und Edelstahlteilen sieht man es besonders gut.

Am Biminigestänge: Meersalz, fertig zur Ernte 😉

Wie wir feststellen mussten, lässt es sich auch mit viel Süßwasser nicht einfach abwaschen. Erst aufwändige mechanische Rubbelei oder noch besser die kombinierte Behandlung mit einem zitonensäuregetränkten Lappen bringen Abhilfe.

Und wegen des Benzingestanks und auch der zusätzlichen Salzwasserspülung muss auch der komplette Inhalt der nicht perfekt wasserdichten beiden achteren Backskisten einschließlich der Festmacher- und Ersatzleinen mit Süßwasser gespült und anschließend getrocknet werden, ebenso das Ölzeug und alle im Cockpit während der Passage verwendeten Kissen (das sind einige, weil sie halt nach und nach salzig, damit dauerfeucht und erst einmal nicht mehr weiter verwendbar wurden. Ein wenig Chaos ist da kaum vermeidbar.

Weil das so ist, geht die Wäsche diesmal an die Wäscherei in Nelson’s Dockyard (obwohl wir sonst unsere Waschmaschine nicht missen möchten). Dort wird sie gleich am Nachmittag schnell und gründlich erledigt, trocken und sauber gefaltet bekommen wir Bettwäsche, Matratzenbezug und eben unsere Wäsche am Abend zurück, obwohl wir sie erst am Mittag abgegeben hatten. Auch unsere geliebten kleinen Kissen, die wir zur Taufe unserer vorherigen Boote von Freunden geschenkt bekamen sind wieder salzfrei und verwendbar. 😁 Das wären mit der 3,5 kg Bordwaschmaschine einige Ladungen und Relingstrocknungen gewesen.

Nachdem das Boot wieder „shipshape“ ist und ich den Pelz aus dem Gesicht geschabt habe, verpassen wir uns auf dem jetzt wieder ordentlichen Achterschiff noch gegenseitig einen Haarschnitt, das war ebenfalls überfällig.

Und dann verholen wir vom Ankerplatz in die Antigua Slipway Marina, organisieren die anstehenden kleineren Reparaturen (wie im letzten Blogbeitrag erklärt) und … feiern ein bisschen 🍾 🥂 🍹 .

Technik hält uns fest. Bordalltag.

Der Wassersammler war am Sonntag dann leider doch nicht da, kam erst am Montag Nachmittag. Wir hatten aber auch ohnehin noch zu tun.

Der Test des gewarteten Außenbordmotors gestaltet sich erst schwierig und dann unerfreulich. Der Mechaniker hatte uns gesagt, dass er den Tank und die Benzinleitung reinigen musste, weil Wasser im Sprit war. Nebeneffekt: jetzt ist kein Benzin mehr im Tank. Eine Bootstankstelle gibt es auf dem Gelände der Marina nicht, also leihe ich mir ein Fahrrad und hole Sprit von der nächsten Tankstelle an der nächsten Marina. Nur: der Motor nimmt weiter nur widerwillig Gas an. Mechaniker Sean muss nochmal kommen, lässt den NEUEN Sprit in einen durchsichtigen Behälter ab: etwa ein Zehntel ist Wasser. Er rät von den hiesigen Bootstankstellen ab, sie würden zu wenig Benzin verkaufen, die Tanks sind weit weg an Land, die Leitungen dadurch lang. Durch Kondensation gelangt Wasser in den Sprit. Er rät zu “av-gas” für den Außenborder. Sehr sauberer Sprit ohne Bio-Anteile und Additive, 100 Oktan, eigentlich für Flugzeuge gedacht. “Aviation Gasoline” ist hier in Baumärkten und bei Westmarine erhältlich und natürlich teuer. Vielleicht nächstes Mal doch zur Autotankstelle? Der Motor mit erneut gereinigtem Vergaser läuft besser, aber immer noch nicht perfekt. Hm.

Die neue Rettungsinsel ist da und sie passt von der Länge und Breite her in unsere alte Halterung am Heckkorb. So weit gut, aber sie ist zu dick. Aus Draht werden kleine Zwischenstücke gefertigt, jetzt passt es.

Eine Danbuoy haben wir uns auch gegönnt, dieses Sicherheitsequipment einer selbstaufblasenden Notboje fehlte uns bisher. Im Hintergrund kann man auch die neue zusätzliche Abstützung des Windgeneratormastes zum Davit sehen, die mehr Stabilität und damit Ruhe bringt.

Schon länger habe ich eine Spinlock-Klemme liegen, da das Spinnakerfall der Flora bisher nur auf der Winsch oder einer Klampe dahinter belegt werden kann. Jetzt komme ich dazu, sie am Mast anzunieten, aber natürlich muss ich sie dazu erstmal auseinandernehmen und dann mit Wiebkes Hilfe (man braucht mehr als zwei Hände, damit die Teile nicht herausfallen) am Mast wieder zusammenbauen, dazu muss ich Wiebke von ihren Reinigungs- und Stauarbeiten im Schiff loseisen.

Die Leine des Großsegelausholers zeigt im gespleißten Auge (auf das ich so stolz war) Verschleißerscheinungen im Mantel, der Dyneema-Kern liegt schon teilweise bloß. Wir kürzen die Leine und versehen sie mit einer Kausch (einer Metallverstärkung, um die die Leine läuft). Die alte Leine kann ich aber nicht erneut spleißen, diesmal muss es ein Knoten mit Takling tun.

Dienstag streikt das achtete Bordklo, es pumpt nicht ab, die Elektropumpe quirlt nur. Meine Lieblingsaufgabe 🥺. Erstmal mit einer Handpumpe absaugen. Dann in Einzelteile zerlegen. Pumpe und Dichtung scheinen in Ordnung, also den Schlauch bis zum Ventil abbauen.

Sieht hier noch nach Durchsatzverengung aus, ist innen aber komplett zu. Urinstein blockiert den Durchlass. Was ich bisher nur gelesen hatte wird jetzt Realität: der steife Geruchs dichte Spezialschlauch muss mit Kraft auf den Boden geschlagen werden, dann bröseln die Steine langsam heraus. Im Stutzen funktioniert das leider nicht, auch Einlegen in Essig hilft bei dieser Stärke nur bedingt. Mit Hammer und Schraubenziehern wird der Stein herausgemeißelt.

Und der Wassersammler?

Findet am Dienstag auch endlich in den Motorraum (es ist die schwarze Schlauch/Edelstahl-Konstruktion rechts unten im Bild). Links daneben mit dem kleinen roten Punkt ist die neu eingefügte Opferanode, die bei unserem Volvo aus unerfindlichen Gründen nicht serienmäßig verbaut ist, hoffentlich aber künftig hilft, Korrosion zu begrenzen.

Der anschließende Motoröl- und -Filterwechsel bringt weitere Ausflüge zum Westmarine Bootsausrüster. Wenn ich schon an der Quelle sitze, möchte ich mein mitgeführtes Volvo-Ersatzöl nicht verwenden, aber die erhältlichen Öle haben andere Spezifikationen (VDS 4-5 statt VDS 3 und auch abweichende API). Googeln bringt nur bedingt Licht ins Dunkel. Chief Jan stellt aber aus Hamburg die Ferndiagnose “abwärtskompatibel” und schickt mir gleich eine Übersicht zu den verschiedenen Normen.

Nur: meine Ballon-Ölabsaugpumpe stellt den Dienst ein und widersetzt sich auch unseren Reparaturversuchen. Ich kaufe eine Ölpumpe mit Bohrmaschinenantrieb, aber der Akkuschrauber reicht dafür wohl leider doch nicht. Also nochmal hin und doch die große unhandliche und stauraumfressende 6,9 l Säulenabsaugpumpe. Die allerdings funktioniert dann prächtig.

Bei der Gelegenheit (Westmarine) versuche ich auch ein neues Leuchtmittel für unseren Kühlschrank zu kaufen, natürlich gibt’s nicht das exakt gleiche. Entweder gleiche Länge ODER gleiche Dicke wie unsere defekte, einer Glassicherung nicht unähnliche Birne. Also dann gleiche Länge. Einbau und – wow, die werden aber schnell heiß. Hm. Na ja, der Kühlschrank bleibt ja nicht lange offen. Und die mechanische Abschaltung beim Schließen des Deckels scheint zu funktionieren, oder? Schnell mal einen Tip von der Samai befolgt, Handy auf Video und in den Kühlschrank, Klappe zu. Klappe auf, Kontrolle des Videos: nein, leider nicht. Kein Wunder, dass die alte Lampe durchgebrannt ist. Und mit unpassender Birne wird es erst recht nichts. Muss der Kühlschrank halt noch erstmal dunkel bleiben. Man kann nicht alles haben. 😉

Und dass wir hier noch länger als ursprünglich gedacht geblieben sind hat auch sein Gutes. Unverhofft laufen Helena und Steve mit der Amalia in Herrington ein, wir freuen uns beide sehr über das Wiedertreffen.

Videointerview

Es ist schon einige Zeit her, wir waren noch oben in Neuengland, da wurden wir von Stephan Boden um ein Videointerview für seine „ADAC Langfahrt Interview“ – Reihe gebeten.

Wir kennen Stephan schon länger über seinen damaligen Blog Digger Hamburg über seine Erlebnisse mit der gleichnamigen Varianta 18 und haben ihn ein paar mal zufälligerweise getroffen. Das war aber vor ein paar Jahren, insofern kam die Anfrage für uns überraschend. Grund war wohl auch eher, dass er beim Interview der Escape-Crew über unsere Fotos der Escape in New York gestolpert war.

Wie auch immer, jedenfalls haben wir hinsichtlich des Interviews zugesagt und es ist dann über „Messenger“ vor Anker in der Mündung des Delaware bei gutem Mobilfunkempfang auch ein rund 20minütiges Videotelefonat zustandekommen.

Jetzt ist das Interview auf der ADAC-Skipper-Webseite erschienen, wobei Stephan seine Fragen herausgeschnitten und in Schriftform eingefügt hat, ebenso wie ein paar von uns zur Verfügung gestellte Fotos.

Wie man den Screenshots entnehmen kann, ist die Überschrift in journalistischer Freiheit etwas weiter gefasst als unsere Ziele. Wir werden ja eigentlich nicht müde zu betonen, dass wir nicht zwingend „um die Welt“ segeln wollen, sondern die Welt besegeln. Wir wissen noch nicht, ob es für uns über den Atlantik hinausgeht und möchten das jetzt – unabhängig von COVID – auch noch garnicht entscheiden. Macht aber nix, das fertige Interview gefällt uns trotzdem und hat uns (wohl sichtbar) viel Spaß gemacht.

Hier noch mal der direkte Link zum Interview.

Der Bart der Chesapeake & Cabrio die Zweite

Die UV-Strahlung setzt allem an Bord ziemlich zu. Na klar wenn man sich quasi im Dauersommer und zumeist in den Tropen oder Subtropen bewegt ist das keine große Überraschung.

Ein (leider) ganz gutes Beispiel dafür ist die Hülle unseres Rettungskragens. Vor erst gut einem Jahr in Italien gekauft, hat die Hülle nicht nur ihre Farbe von dunkelblau nach „blassgraublau gescheckt“ verändert, sondern leider auch ihre sonstige Erscheinungsform. Sackartig, mehrfach gerissen und zerfleddert, Reißverschlüsse fest. Immerhin könnte man den Kragen wohl inzwischen herausreißen, ohne die Reißverschlüsse zu öffnen 😖. Trotz des Kaufs in Italien beim Marineausstatter offensichtlich nicht für Langfahrt geeignet, muss leider neu.

Aber auch dem Boot selbst setzen die Bedingungen sichtbar zu. Der blaue Streifen im Gelcoat der Flora kreidet aus und wird scheckig, auch wenn das eher ein lediglich optischer Makel ist.

Flora bei Abfahrt in 🇬🇷

Inzwischen sah es leider so aus, dass neben dem stumpfen Gelcoat und dem besonders leidenden blauen Streifen auch der „braune Bart der Chesapeake“ am Bug ziemlich deutlich erkennbar war:

Aber die angekündigte Wellnesskur für Flora zeigt erste glänzende Erfolge der Schönheitsfarm:

Mir ist schon klar, dass es ein bisschen luxuriös erscheint, wenn wir solche Arbeiten machen LASSEN und gleichzeitig auch noch selbst von unseren Freunden mit ihrer Gastfreundschaft verwöhnt werden, sowohl kulinarisch durch Michaels ausgezeichnete Küche als auch z.B. mit Cabrioausfahrten in ihrem uns zur Verfügung gestellten MX5. Ja, das ist es wohl. Aber wir gönnen es uns ganz bewusst, genießen es, cruisen bei wunderbarem Spätsommerwetter durch die leicht gewellte Landschaft von Maryland (hier immer als MD abgekürzt). Noch im Pendler-Einzugsgebiet von Washington D.C. zeigt uns MD vergleichsweise weniger Felder als die anderen von uns besuchten Südstaaten wie etwa Virginia und dafür deutlich mehr Pferdekoppeln mit ihren typischen Holzzäunen.

Und – gerade in dieser Jahreszeit wunderschön – es gibt eben auch reichlich Laubwald hier in MD. In den USA muss man sich als Deutscher erst daran gewöhnen, dass der Wald zumeist nicht öffentlich zugänglich ist und auch größere nicht waldwirtschaftlich bewirtschaftete Wälder in privater Hand mit einem deutlichen „NO TRESPASSING“ potentiellen Spaziergängern ihre Unwillkommenheit deutlich machen. Aber: Es gibt eben neben den großen bekannten US-Nationalparks auch viele kleine State Parks und in denen sind Spaziergänge und Hikes (oft auf gut beschilderten Routen) möglich. Mit dem kleinen Zweisitzer-Cabrio fahren wir diesmal hinaus nach Sunshine (wirklich 🌞!) und weiter zum Patuxent River Watershed Park. Und wenn die Covid-Beschränkungen auch den eigentlich geplanten Heimflug ausfallen lassen, so kommen auch wir „Sommersegler“ doch in den Genuss, mit den Füßen in trockenem Laub rascheln zu können, die Farbenpracht und den wunderbaren Geruch eines vorsichtig den Herbst begrüßenden Laubwaldes so richtig auszukosten.

Hoch und hinaus?

Wie wir es auch drehen und wenden, die Saison hier in der Karibik neigt sich langsam dem Ende zu. Einige Wege werden sich zumindest vorübergehend trennen. Unsere Freunde von der Easy-One haben einen Platz in Grenada 🇬🇩 reserviert und gestern auch Flüge nach Europa (für Ende Juli) buchen können. Für uns selbst rückt die Abfahrt nach Norden näher, mit Salty Dawg wäre es schon in zwei Wochen. Auch wenn wir gerne noch länger in der sich laaaangsam wieder öffnenden Karibik bleiben würden, an der US-Ostküste steigt in der kommenden Jahreszeit die Gefahr von „Thunderstorms“, kräftigen Gewitterstürmen deutlich an, so dass uns erfahrene Segler vor einem zu späten Aufbruch gewarnt haben.

Also beginnen wir jedenfalls schon mal mit den Vorbereitungen. Ein Punkt dabei ist die gewissenhafte Durchsicht des Riggs. Also steige ich mal wieder in das professionelle Klettergeschirr mit Hosenträger-Schultergurten, das uns Jan vor unserer Abfahrt geschenkt hat. Dafür bin ich sehr dankbar, ich fühle mich darin sicherer und bin gleichzeitig beweglicher als in unserem alten Bootsmannstuhl. Super gefällt mir auch, dass die Sicherungsleine im Rücken angeschlagen ist und dadurch zugleich weniger stört (wir nehmen die Dirk als Aufholeleine und das Spifall als Sicherungsleine).

Tatsächlich machen mir die Inspektionen des Riggs inzwischen sogar Spaß, wenn die Wellen wie hier in der Nonsuch Bay ziemlich ruhig sind und sich deshalb das Geschaukel auch am langen Hebel in 20 m Höhe in Grenzen hält. Erstaunlich, wenn man bedenkt wie sehr ich früher mit Höhenangst zu kämpfen hatte und das meine Knie noch heute an steilen Abhängen oder in durchsichtigen Treppenhäusern manchmal leicht weich werden. Hier nicht, und deshalb darf ich die Sicht- und Tastaturprüfung des Riggs sowohl auf der Flora als auch auf der Easy-One durchführen.

Alle Wanten (die Strahldrähte, die den Mast seitlich halten) und ihre Befestigungsterminals werden (mit leider erforderlicher Lesebrille) nach etwaigen Beschädigungen abgesucht. Außerdem das Achterstag (das den Mast nach hinten hält). Das Vorstag ist überwiegend in der Vorsegelrollanlage versteckt, hier beschränkt sich meine Prüfung auf den sichtbaren Teil ganz oben am Mast und die Beschläge der Rollanlage. Alle Splinte werden überprüft und ggfs. abgetaped. Tape, Werkzeug, Kamera und ein „Reel“ (aus unseren Tauchsachen, eine aufgerollte lange Leine auf einer Spule) zum etwaigen hochholen von Material finden sich in der roten Tasche, die am Klettergurt befestigt ist. Für die Easy-One mache ich zudem reichlich Fotos von den Beschlägen, den Fallenaustritten und den Installationen im Masttop (auf Flora hatte ich das schon beim letzten Mal erledigt).

Und ich kann den tollen Ausblick von oben diesmal ganz ohne Drohne genießen. Zum Beispiel hinüber zu unserer Flora vor dem Inselchen. Aus der Ferne wirkt sie so klein, obwohl die Masten fast genau gleich hoch sind 😊.

Nächtliche Ausgangssperre und Versammlungsverbot

Antigua hat die Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19 verschärft. Der Notstand wurde ausgerufen, ab sofort gilt für die nächsten zwei Wochen ein Versammlungsverbot und eine nächtliche Ausgangssperre (von 20.00 bis 06.00 Uhr).

Außerdem dürfen Boote von “französischen” Inseln nicht mehr in Antigua und Barbuda einklarieren, zu diesen Inseln kann von hier aus auch nicht ausklariert werden. Nicht ganz einfach zu verstehen, schließlich dürften wir aus EU-Bürger gerade dort noch einklarieren.

Die nicht mehr vorhandene Möglichkeit des Einklarierens etwa von St. Martin aus trifft viele Crews hart. Wir kennen ein deutsches Boot mit kleinen Kindern an Bord, dem das heute nach 26 Stunden gegen den Wind überraschend verweigert wurde. Nur ausnahmsweise wurde ihnen eine Nacht vor Anker genehmigt, dann müssen sie weiter, sofern nicht über Nacht die nächste Änderung in der Handhabung beschlossen wird. Kaum zu fassen, vor allem weil die Regierung einen Shutdown erst für das Wochenende (also einen Tag nach der Ankunft des Bootes) angekündigt hatte.

Und was machen wir so? Wir bleiben erst mal, wo wir sind. Kümmern uns um die To-do-Liste der Flora. Bei Langfahrt bleibt diese Liste ja angeblich immer mindestens gleich lang, nur die Prioritäten sollen sich verschieben. Mal sehen. Ich vermute stark, dass die mehr oder weniger intensive Quarantänesituation vieler Yachten hier und anderswo auf Blauwasserfahrt zu einem erheblichen Wartungsschub führt.

Heute Vormittag habe ich mich schnorchelnderweise um das Unterwasserschiff gekümmert. Nur die Steuerbordseite und dabei den Kiel erstmal ausgespart. Trotzdem war ich danach erstmal platt und brauchte eine Pause.

Frühstücksgestärkt haben Wiebke und ich uns dann der Wartung unserer Winschen gewidmet.

Genau genommen haben wir auch hier abgeschichtet. Die Steuerbord-Mastwinsch und die Steuerbord-Spiwinsch (auch für den Ausholer des Großsegels genutzt und daher ziemlich belastet) nehmen wir uns heute vor. Das alte Fett in den Zahnrädern ist hart geworden und hat auch einigen Schmutz und Sand aufgenommen. Wurde dringend Zeit, das mal wieder gründlich zu reinigen und dann neu mit seewasserfestem Fett für Getriebe und Lager sowie Öl für die Sperrklinken und Federn zu versorgen. Hersteller Lewmar sieht eigentlich vor, dies jedes Jahr zwei- bis dreimal zu machen. Zugegebenermaßen waren wir da bisher etwas im Rückstand. Schäm. Immerhin: die minikleine Feder kommt auf ihrer versuchten Flucht nicht weit, wird schnell wieder eingefangen und wir bekommen das Puzzle auch wieder zusammen.

Ein kurzer Dinghyausflug in den Hafen von Jolly Harbor zum Erwerb einer Datenkarte für Wiebkes iPad bleibt erfolglos: der Telefonladen hatte seine Öffnungszeiten auf 15-17 Uhr verkürzt, jetzt ist er bis auf Weiteres geschlossen, “Sorry for the inconvenience”. Im Supermarkt kann man nur aufladen, aber das kriegen wir für unsere schon gekauften Karten auch online hin. Muss Wiebkes iPad halt weiter über den Hotspot ihres Handys versorgt werden. Keine so schwerwiegende Unannehmlichkeit.

Wieder zurück auf der Flora ist die Backbordseite des Unterwasserschiffes dran (auch hier erstmal ohne Kiel, ist schnorchelnd schon anstrengend genug so). Vor etwa einem Monat hatte ich (mit Tauchflasche) alles wirklich gründlich sauber gemacht. Trotzdem weist das Coppercoat schon wieder einen grünen Flaum auf. Der lässt sich zwar leicht abwischen, aber einige rötliche Puschel und kleine weiße Ablagerungen erfordern dann doch mehr Druck. Diesmal habe ich bei der Arbeit Gesellschaft. Zwei Fische (vielleicht junge Yellowtail-Snapper) genießen die erleichterte Nahrungsbeschaffung und wuseln am liebsten direkt neben dem Schwamm herum:

Video dazu durch Klick HIER. Da sieht man auch ganz schön den “Pelz” am Rumpf und die beim Putzen aufgewirbelten Wolken. Andererseits: Flora ist jetzt ununterbrochen seit rund einem Jahr in ziemlich warmem Wasser und immerhin lässt sich der Kram recht leicht vom Coppercoat abwischen. Muscheln / Seepocken sind kaum vorhanden, diesmal hab ich drei von ihnen gefunden.

Auch das ist Karibik

Karibik ist so vieles. Von Traumstränden, Hikes und hiesiger Tierwelt haben wir schon viel geschrieben, von Corona und seinen Auswirkungen hier zuletzt auch.

Immer mal wieder überrascht uns das Leben hier aber mit Kleinigkeiten oder Kuriositäten, die wir so nicht erwartet hätte. Vor ein paar Tagen z.B. haben wir am Steg in der Marina einen Schweden mit einem Schwesterschiff der Flora, einer anderen Hallberg-Rassy 43, getroffen. Er erzählte uns, dass die Pumpe der Waschmaschine auf seinem Schiff nun schon zum zweiten Mal kaputt gegangen sei, nach nur knapp über 100 Waschladungen. Das hat uns irritiert (wir haben die gleiche Maschine) und hellhörig gemacht, denn wir wissen dank Klaus und Katrin von der Saphir, dass die Bordwaschmaschinen etwa in den USA am Landstrom nicht funktionieren. Zurück an Bord hat Wiebke recherchiert und tatsächlich: hier in Antigua und Barbuda hat das Stromnetz zwar 230 Volt (wie in Europa, in USA 110 V), aber die Frequenz beträgt 60 Hertz (wie in den USA, in Europa 50 Hz). Die Pumpe der Waschmaschine würde also 20 % schneller pumpen, dafür ist sie nicht konstruiert und deshalb steigt sie aus. Wer kommt auf solche Ideen? Der Schwede war jedenfalls ganz froh über die Auflösung des Rätsels.

Und wo wir schon beim Waschen sind: Wir waschen Bettwäsche und Handtücher nach Möglichkeit nicht in unserer kleinen 3,5 kg Bordwaschmaschine, sondern geben sie in ein örtliche Wäscherei. So auch hier in Jolly Harbor, wo sich die Wäscherei direkt auf dem Hafengelände befindet. Das sieht dann so aus:

Das eigentlich kuriose hier ist der Trockner (hinter Wiebke), bei dem die Trocknerluft durch ein halboffenes Gasfeuer erhitzt wird:

Um die Assoziationskette weiter fortzusetzen: Gas. Wie schon geschrieben, haben wir Jolly Harbor ja auch deshalb angelaufen, weil unsere (spanische) Gasflasche leer ist und der Adapter für unsere (griechische) Ersatzgasflasche nicht aufzufinden ist. Die leere spanische Gasflasche aus Edelstahl muss erst mit einer über Nacht einwirkenden Ladung WD40 überredet werden, den Bajonetverschluss des spanischen Druckminderers freizugeben, dann kann ich sie an der Hafentankstelle abgeben. „Spanisch? Kein Problem. Kannst Du morgen gefüllt wieder abholen. Kostet 80 EC$ (etwa 27 €), sofort zu zahlen.“ Gut. Oder eben doch nicht, wenn die Flasche am nächsten Tag doch wieder leer zurück kommt. Hm. Sie hatten nicht den passenden Fülladapter und konnten auch nicht improvisieren. Letzteres ist eher ungewöhnlich, aber wohl gut für uns. Denn wie sich im Gespräch herausstellt, füllen sie hier nur Propan. Unsere spanische Edelstahlflasche ist aber eine Butangasflasche, das hatte ich auch ausdrücklich erwähnt. Das mache nichts, sie hätten schon mehrere Kunden mit Butanflaschen gehabt, die wären aber immer mit dem Propan sehr zufrieden gewesen, das halte mindestens genauso lange.

Hm. Hm. Muss ich mich doch mal im Internet schlauer machen. Ergebnis: Wenn man nicht gerade bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt kocht, gibt’s am Herd kaum einen Unterschied zwischen Butan und Propan, bei kälteren Temperaturen bleibt Butan flüssig, funktioniert also dann nicht. Das wäre hier in der Karibik kein entscheidendes Kriterium. ABER: bei 20 Grad Temperatur hat Butan einen Druck von 1,2 bar. Propan hat dann einen Druck von 7,0 bar. Die vergleichsweise leichte Edelstahlflasche möchte ich dann doch lieber nicht mit Propan befüllt haben.

Kochen wir also erstmal weiter mit unserer Induktionsplatte und versuchen, einen Adapter für unsere leider rostende griechische (Stahl-)Flasche zum deutschen Druckminderer aufzutreiben. Letzteres stellt sich als gar nicht so einfach heraus. Wir erwerben für teures Geld im hiesigen Budget Maine eine (amerikanische) Alu-Propangasflasche nebst passendem Druckminderer und lassen sie befüllen (70 EC$, wir bekommen also 10 EC$ heraus). Jetzt können wir wieder mit Gas kochen und machen zur Feier des Tages gleich mal Bananen-Schoko-Muffins im Backofen. Und dann haben wir nochmal Glück: die Crew der Ithaka kann uns mit dem gesuchten Adapter aushelfen. Angela und Christoph haben das Adapterset gleich doppelt an Bord, nun ist auch unsere griechische Propangasflasche wieder ein einsatzfähiger Ersatz. Mindestens für das nächste halbe Jahr haben wir genug Gas, ein gutes Gefühl.

Links Alu 🇺🇸, oben rechts Edelstahl 🇪🇸, unten rechts Stahl 🇬🇷

Langfahrer-Alltag. Die meisten Blauwassersegler können bezüglich der Gasbeschaffung in Liedchen singen. Wir jetzt auch. Und wo wir schon dabei sind und Zeit haben, kümmern wir uns noch um ein paar weitere kleine Bootsprojekte.

Da ist zunächst mal das Phänomen des stetigen, nicht versiegenden Salzwasserrinnsals beim Impellerwechsel der Seewasserpumpe unseres Bootsmotors (Volvo-Penta D2-75). Die Recherche in einem Hallberg-Rassy-Eignerforum ergibt, dass tatsächlich der Bypass für die Volvo-Gummidichtung der Antriebswelle das Seewasser liefert und es dafür ein Absperrventil oberhalb der Dichtung gibt. Blöderweise kann ich das Ventil auch mit Verrenkungen im Motorraum nicht sehen (es aber per Handykamera lokalisieren) noch mit der Hand bewegen (nachdem ich es blind tastend gerade so erreiche). Nach Leerräumen eines Schrankes in der Achterkoje und Herausnahme des Schrankbodens und des entsprechenden Teils der Motorraumisolierung soll es laut Forum besser erreichbar sein, aber trotzdem nicht zu bewegen. Den Versuch schenke ich mir. Statt dessen baue ich in den Bypass an besser erreichbarer Stelle ein weiteres Ventil ein. Das muss ich jetzt zwar regelmäßiger schließen und wieder öffnen, damit es nicht ebenfalls festgeht, aber ich hoffe, ich denke daran. Jedenfalls sollte mir das Ganze künftig ermöglichen, den Impeller einfacher und mit weniger Wasser in der Motorbilge (dem Auffangbecken unten im Motorraum) wechseln zu können.

Leider tropft die Konstruktion ein bisschen (motivierender Kommentar von Wiebke: „Jetzt haben wir ein Problem, das wir vorher nicht hatten.“) Also gut. alles wieder auseinander, Verschraubungen neu mit Teflonband umwickeln, dicht!

Nächstes kleines Bootsprojekt: unser Watermaker ist mit einem Mineralisierer ausgestattet (über dessen Sinn durchaus gestritten wird, aber das ist jetzt nicht mein Thema). Das Watermakerwasser wird darin quasi wie in einem umgekehrten Filter mit Mineralien angereichert. Nur: bei uns gilt das nur für das Wasser, dass in den großen 600 l Wassertank geleitet wird. Das Wasser aus diesem Tank nutzen wir zum Kochen, zum Waschen und Duschen, aber nicht als Trinkwasser. Füllen wir Trinkwasser aus dem Watermaker in Flaschen ab, geht das bisher nur über den Testauslass. Dann läuft es aber vorher eben nicht durch den Mineralisierer.

Also baue ich auch hier etwas um, setze hinter dem Mineralisierer eine Abzweigung mit Ventilen in den Schlauch. Klappt ausnahmsweise auf Anhieb. 😃

Als Nächstes ist die (bisher eben nicht vorhandene) Befestigung für den Benzintank im Dinghy dran. Schnallen und Haltebügel für das Gurtband haben wir schon. Nur noch ein bisschen Nähen, Bohren, Schrauben und Abdichten. So kann man seine Tage auch verbringen 😉.

Arbeiten und staunen im Aquarium

So harmlos fängt es an. Ich putze mal wieder schnorchelnd das Unterwasserschiff. Wir haben zwar einen speziellen „Coppercoat“-Anstrich, der weniger Giftstoffe an die Umwelt abgibt als klassische Antifouling-Anstriche und dabei deutlich länger halten soll, aber ein leicht lösbarer grüner Schleim setzt sich trotzdem gern fest und den schrubbe ich dann eben mit einem Schwamm öfter mal weg.

Diesmal sind dann aber plötzlich Fische da, nicht nur ein paar wie unten am Bildrand zu sehen, sondern es werden immer mehr, gleich ein ganzer Schwarm Sardinen schießt um mich herum.

Der Grund zeigt sich auch gleich: erst eine und dann zwei Blaurücken-Stachelmakrelen jagen den Schwarm durch die Gegend, immer rund um den Kiel der Flora.

Interessanterweise wirkt es nicht so, als würden die Makrelen „alles geben“, um wirklich Sardinen zu erwischen (ich sehe das auch kein einziges Mal). Es scheint eher so, als wollten die Makrelen die Sardinen ärgern. Aber schaut selbst:

Jedenfalls macht das Ganze mir noch mehr Lust, hier „richtig“ Tauchen zu gehen und es nicht nur beim Schnorcheln zu belassen.

Gemeinsam mit Wiebke und Ingo betauchen wir erst einmal ein kleines Riff, dass sich in rund 6 m Tiefe quer unter dem Ankerfeld durchzieht. Ein schöner Einstieg, zumal wir unsere Tauchflaschen in der Tauchschule am Dinghydock für nur 5 € pro Flasche wieder füllen lassen können. Deshalb geht’s heute dann noch einmal los, diesmal mit dem Dinghy hinüber zu den Pigeon Islands.

Wieder statten wir der Costeau-Büste einen Besuch ab, erinnern uns an seine rote Wollmütze, bleiben diesmal aber in der Tiefe und tauchen an der Riffkante entlang. Es ist wie im Aquarium:

Viele lebendige Korallen, Schwämme, Federbüsche, Anemonen und eben auch viel Fisch.
z.B. wieder Doktorfische
hier mal einer mit einer Felsenschönheit (so heißt der schwarz-gelbe Fisch mit dem dunklen „Kussmund“
Ein Zackenbarsch, der seine Zacken auch farblich betont
ein blaugepunkteter Roter Zackenbarsch, der seine noch verbirgt
ein langgestreckter Sand-Torpedobarsch
verschiedene Feilenfische
ein Königin-Drückerfisch

und noch so vieles mehr. Leider auch dieser Indische Rotfeuerfisch hier:

Der Feuerfisch ist in der Karibik nicht heimisch und insbesondere der eingeschleppte oder aus Aquarien freigelassene Pazifische Rotfeuerfisch hat sich teilweise zu einer echten Plage entwickelt, die die heimischen Jungfische des Riffes gefährdet. Manchmal werden von den Tauchschulen regelrechte Feuerfisch-Jagden veranstaltet, um das Übermaß der invasiven Art zu reduzieren.

Aber wir entdecken auch kleine Augenschätze wie diese von Wiebke erspähte knapp 3 cm große Buckel-Flamingozunge:

Die Nacktschnecke mit den dunkel gerahmten gelben Punkten ist leicht zu übersehen, aber bei dem Namen staunt man doch und möchte eigentlich gerne wissen, wie denn nun die Zunge der scheinbar einbeinigen rosafarben Stelzenvögel wirklich aussieht, oder?

Unsere Tauchflaschen haben wir schon wieder an der Befüllstation abgegeben. Was für Revier, über wie unter Wasser!

Fehler #4

So fing unser Tag heute an:

Der Regenbogen leuchtet mit intensiven Farben hinter Floras Heck. Wunderschön doppelt sogar, auch der schwächere zweite Bogen mit der umgekehrten Farbreihenfolge ist komplett, dazwischen spannt sich Alexanders dunkles Band. Alle bilden ein Tor zur Nachbarinsel Îlet à Cabrit, tja, dann sollten wir da heute wohl mal hin.

Aber beim Herunterlassen des Dinghys passiert es: das Stahlseil des Steuerbord-Davits (die kleinen Kräne am Heck, mit denen das Beiboot hochgezogen wird) reißt mit einem hässlichen Geräusch einfach durch, der Bug des Dinghys klatscht aufs Wasser. Die Erklärung ist vergleichsweise einfach und sie beginnt schon bei gestern Abend. Es soll es schnell gehen (Fehler #1), weil es zu regnen anfängt. Während Wiebke die Sachen unter die Sprayhood ins Trockene bringt, lasse ich schon mal die Haken runter. Ziemlich weit runter (Fehler #2), weil ich dabei nicht im Dinghy sein kann um sie gleich einzuhaken, und zudem einiger Schwell Florecita auf und ab tanzen lässt. Wiebke kommt wieder, ich springe ins Dinghy und mache die Haken fest, dann klettere ich auf die Heckplattform, richte das Dinghy aus und Wiebke bedient die elektrischen Schalter, um es hochzuholen. Backbord geht es hoch, Steuerbord nicht. Wir stellen fest, dass die Rolle übergesprungen ist, der Steuerbordtaster funktioniert jetzt umgekehrt: „Aufholen“ und „Ablassen“ sind vertauscht. Da es immer noch wegen des Regens schnell gehen soll (zählt wohl noch als Fehler #1) tasten wir auf „Ablassen“ und holen das Dinghy eben so hoch (Fehler #3), müssen wir halt morgen so viel Drahtseil fieren, dass die Rolle wieder zurück überspringt.

Heute unterläuft mir dann im „Morgentrött“-Modus der entscheidende Fehler #4: ich will Florecita wieder herunterlassen und drücke dazu gewohnheitsgemäß auch Steuerbord auf „Ablassen“. Eine Milisekunde kämpfen Drahtseil und Elektromotor wohl miteinander, der Motor gewinnt aber klar durch k.o. In der ersten Runde.

„Rütt is rütt“ habe ich mal von einem geschätzten hessischen Kollegen gelernt. Ist der Ton erst mal aus der Trompete, kriegt man ihn nicht wieder reingestopft. Bringt nix, über das Geschehene zu lamentieren.

Also fahren wir erst mal mit dem Dinghy rüber zum kleinen Bojenfeld vor der Îlet à Cabrit, gehen dort an Land und und machen unsere geplante kleine Wanderung hoch zur Ruine der alten Festung (gibt’s hier fast auf jeder Insel, weil sich vor allem die Engländer und die Franzosen jahrhundertelang um die Inseln gestritten haben und das Kriegsglück oft hin und her ging).

Von der Festungsruine aus sehen wir auch die „Sea Cloud“, die hinter unserem Bojenfeld vor Anker gegangen ist. Was für ein Anblick.

Aber irgendwann müssen wir doch zurück und uns unserem defekten Davit widmen. Auf der Rückfahrt mackelt auch noch unser Außenbordmotor. Er geht aus, springt aber wieder an und bringt uns, wenn auch sprotzend mit unnormaler Geräuschentwicklung zurück zur Flora. Hm.

Ein 5m-Ersatzdrahtseil für das gerissene haben wir natürlich nicht dabei. Mit unserem (jetzt leider in Deutschland weilenden) Chief und berufsmäßigen Kranfachmann Jan hatte ich aber schon mal diskutiert, ob man die Drahtseile in den Davits nicht durch Dyneemaseile ersetzen könnte. Jetzt also: streiche „könnte“ und ersetze durch „müsste“. Ist meine einzige Option, von dem hochfesten Dyneema habe ich in verschiedenen Stärken einiges dabei.

Erstmal müssen wir allerdings den Steuerbord-Davit auseinander bauen. Die Betriebsanleitung findet sich im Ordner, fein, das scheint nicht sonderlich schwer. Okay, der Motor muss noch raus und vom Schlitten abgebaut werden, um an die Seilrolle zu kommen.

Die Seilrolle sieht dann gar nicht gut aus, da war wohl schon vor unserem Missgeschick ein bisschen was im Argen. Ist jetzt eh egal: um das auf der Rolle verknotete Drahseil los zu bekommen, muss ich erstmal ein Stück davon mit dem Seitenschneider durchknipsen, aber es klappt.

Einige Spleiß- und Anpassarbeiten später schaffen wir es tatsächlich, ein 5 m langes 4 mm dickes Dyneemaseil auf die Rolle zu wickeln und durch den Davit zu fädeln. Die hier noch zu sehende (einfache Lese-)Brille verabschiedet sich dabei leider in die Fluten. Der beherzte Sprung des Skippers rettet die Brille. Fast ganz, immerhin das Gestell mit noch einem Glas. Hm, hm. Bisschen Schwund ist wohl immer.

Dann der Test des Davits und:

Funktioniert. Zumindest erstmal. Hört sich sogar besser an als der Backbord-Davit, in dem noch ein Drahtseil quietscht. Die Ergebnisse des Dauertests bleiben zwar noch abzuwarten, trotzdem sind wir irgendwie auch ein kleines bisschen stolz, das jetzt mit Bordmitteln hingekriegt zu haben. 😊

Regen und Regenbogen. Der Tag hat nicht nur gut begonnen, er endet auch gut. Und der Außenborder? Hm, hm, hm. Da kümmern wir uns dann mal morgen drum.