Cádiz und ein unwahrscheinlicher Zufall

Da hatten wir gerade geschrieben, wir wären ein wenig stadtmüde, und dann fahren wir direkt von Gibraltar nach Cádiz. Warum denn das eigentlich? Ja, gute Frage!

Cádiz hat uns gereizt und ist auch tatsächlich sehr schön 😍, außerdem ist der Winkel hinüber nach Madeira bei den vorherrschenden Winden etwas besser. Vor allem aber können wir dadurch auch die „Aufregung“ ein bisschen teilen und das Passieren der Straße von Gibraltar mit ihren Strömen und Tiden und dem vielen Schiffsverkehr vom langen Schlag abkoppeln. Und letztlich auch: wir können mit unserem neuen Crewmitglied Maria erst mal einen kleinen Schlag segeln und nicht gleich 5 Tage und Nächte am Stück.

Die Begrüßung in Cádiz ist für einen Hamburger klasse: schon von weitem scheint die große Schwester der Köhlbrandbrücke zu grüßen. Die „Puente de la Constitutión“ ist eine ganz ähnlich konstruierte Schrägseilbrücke und führt ebenfalls durch sich öffnende Tragstützen. Etwas höher als in Hamburg, dafür ein tickchen kürzer, können wir sie schon aus großer Entfernung sehen und ihr Anblick bietet sich auch noch von unserem Liegeplatz in der Marina Puerto América. Und – wie in HH – sind auch hier die Kreuzfahrtschiffe reichlich vertreten. Gleich vier haben im Stadthafen festgemacht, darunter eine AIDA und die „Mein Schiff 2“. Wir hören viel Deutsch in der wunderschönen Altstadt 😉.

Ganz besonders beeindrucken uns die zumeist gekachelten Eingänge in Hausflure und Innenhöfe, in die man beim Gang durch die engen Gassen immer wieder einmal hineinsehen kann:

Aber auch die Markthalle, der Mercado Público, hat es uns wieder einmal angetan, hier in Cádiz präsentiert sie sich mit säulengestützten Arkaden im äußeren Rechteck und einer moderneren Fisch- und Gemüsehalle innen.

Wir besuchen sie an beiden Tagen und kaufen dort günstig und mit viel Freude ein. Nicht ganz so glücklich sind wir bei der abendlichen Suche nach einer Tapas-Bar: weil Krischan am nächsten morgen früh los muss, möchten wir zeitig essen und kollidieren einmal mehr mit der hiesigen Gestaltung der Öffnungszeiten 🥺. Es klappt dann aber doch noch, nur haben wir uns zuvor ordentlich hungrig gelaufen.

Heute Nachmittag sind wir dann von Cádiz weiter gesegelt, eine schöne Kreuz hoch nach Chipiona. Im dortigen Hafen sehen wir ein über die Toppen geflaggtes Schiff mit ziemlich ungewöhnlicher Kombination von Gastlandsflaggen:

Nicht alle erkennen wir. Während wir versuchen sie zuzuordnen dämmert uns langsam, dass es einen Zusammenhang mit Magellans Weltumsegelung (bzw. der eines Teils seiner Crew) geben könnte. So ist es auch. Von unserem Standort aus, der Mündung des Flusses Guadalquivir, ist Magellan am 20.09.1519, also morgen vor GENAU FÜNFHUNDERT JAHREN aufgebrochen, hier wurde die allererste Weltumsegelung auch wieder beendet. Unseren Hafen gab es damals noch nicht, als Start- und Zielort gilt Sanlúcar, der Nachbarort von Chipiona, dort gibt’s allerdings noch heute keinen Hafen.

Morgen soll hier vor der Stadt die Ansteuerungstonne #1, bisher „El Perro“ genannt, offiziell umgetauft werden und den Namen von Juan Sebástian Elcano tragen, der als Kommandant der Victoria das letzte verbleibende Schiff von Magellans Flotte zurück an den Ausgangsort dieser ersten Weltumsegelung führte.

Und morgen fahren wir dann von hier wieder los. Mal sehen, wohin und wie weit wir am Ende kommen. 😊

The Rock

Es ist ein 50 sm Törn. Trotzdem, kaum sind wir aus Fuengirola los und um das Kap Punta de Calaburras herum, meinen wir unser Ziel am Horizont schon im Dunst erahnen zu können. Sicher sind wir zuerst nicht, aber dann schälen sich zwei markante Berge immer mehr heraus. Zwischen ihnen ist … Wasser. Ja, da geht’s raus. Raus aus dem Mittelmeer. Backbord (links) liegt Afrika, steuerbord (rechts) Europa.

Sieht eigentlich ganz unspektakulär aus und lässt doch unsere Herzen höher schlagen.

Wir haben Gibraltar 🇬🇮 erreicht, den Kalksteinmonolith, den sie hier nur „The Rock“ nennen. Ein Stein, der für uns tatsächlich ein MEILENSTEIN ist. Das erste Etappenziel ist erreicht, wir sind am westlichen Ende des Mittelmeeres angekommen. 1883 Seemeilen (fast 3500 km) haben wir von Korfu aus zurückgelegt.

Ohne größere Probleme, und die kleineren technischen mit Windgenerator und Lichtmaschine haben wir ganz gut bewältigt. Dafür aber mit vielen tollen Eindrücken und Begegnungen. Wir schauen zurück und freuen uns. Wir schauen nach vorn, sind gespannt und freuen uns noch mehr!

Unser Liegeplatz in der Marina Alcaidesa in La Línea de la Conception liegt in Spanien, einen Steinwurf von der Grenze zu Gibraltar entfernt. Um in den Ort Gibraltar zu gelangen, muss man die beiderseitigen Grenzkontrollen hinter sich bringen (Personalausweis reicht) und dann die Landebahn des Flughafens überqueren. Kommt ein Flieger, werden Straße, Rad- und Fußweg mit Schranken und Ampel kurz gesperrt.

Und danach könnte man manchmal meinen, auf der britischen Insel zu sein, zumal zumindest heute das Wetter den Eindruck verstärkt: wolkig und eher kühl.

Das Schild links unten auf dem letzten Bild ist dann aber doch sehr verräterisch 😉.

Und bei einem anderen Schild konnte ich es mir nicht verkneifen, es in dem „richtigen“ Ausschnitt neben den Telefonzellen zu fotografieren 😁 😛

Genug gealbert, zurück aus der Stadt durfte ich im Hafenbüro zwei Pakete abholen (die Marineros haben mir die unhandlichen und zusammen rund 40 kg schweren Kartons aber dann dankenswerterweise mit dem Golfcart um den weitläufigen Hafen herum zum Steg gebracht):

Floras neues Großsegel ist damit auf den Tag genau pünktlich von Dänemark aus hier angekommen. Im zweiten Paket im Hintergrund sind die Segellatten aufgerollt. Das 8 Jahre alte Laminatgroßsegel zeigte leichte Auflösungserscheinungen mit Laminatbrüchen entlang der Achterlieksnaht, das neue haben wir für die Langfahrt jetzt aus dem weniger sportlichen aber robusteren Material Hydranet radial fertigen lassen.

Regen. Gewitter.

Irgendwann musste es ja mal passieren. Gut zwei Monate hat es gedauert, aber jetzt haben wir unseren ersten richtigen REGENTAG. Mit ordentlich Gewitter obendrauf. Schon heute Nacht um eins hat uns das Gewitter aufgeweckt, obwohl der heftigste Teil südlich an uns vorbeigezogen ist.

Aber Regen und auch gelegentlich Blitz und Donner sind uns bisher (und nach Vorhersage wohl auch noch für den Rest des Tages) treu geblieben.

Was macht man da?

Sich freuen, dass das Boot mal wieder mit Süßwasser gespült und von der Salzkruste befreit wird. Das erledigen wir sonst nach Möglichkeit bei jedem Marinabesuch, aber vor Anker ist es schwierig, da spülen wir meist nur die Fenster mit etwas Frischwasser.

Scones zum Frühstück backen. Für ein Brot oder Brötchen haben unsere Zutaten nicht gereicht, da müssen wir beim nächsten größeren Einkauf unsere Vorräte nochmal aufstocken. Selbst bei den „Scones“ mussten wir improvisieren, Buttermilch hatten wir nämlich genauso wenig wie Clottet Cream für den Belag. Aber das Gebäck sollte ja auch zum Frühstück und nicht zur Tea Time verspeist werden 😉. Hat jedenfalls sehr gut geschmeckt.

Lesen. Musik hören. Herumlömern. 😀

Die weitere Reiseroute (und den Ersatzteilversand) planen.

Nach draußen schauen. Sieht mal so

und mal so aus:

Oh, und das Wetter taugt prima um das Erkennen von Gewitter- und Starkregenzellen mit dem Radar schon mal zu üben. Ich hoffe, das wird uns auf dem Atlantik für die Squalls nützlich sein.

Bilder von gestern sortieren. Aber heute im Gewitter steht uns der Sinn nicht so sehr nach Schwimmen und Schnorcheln.

Das macht die Erinnerung an gestern um so schöner! 😊

Sal de Ibiza

Mit Catalina haben wir nach dem Abschied von Jan etwas weiter nördlich auf Formentera in die Karibik Europas verholt, auf den Ankerplatz Platja de Ses Illettes. Na klar, wir waren nicht ganz alleine dort. Aber den Schutz des schmalen Sandstreifens vor dem immer noch steifen Ostwind und das traumhaft klare Wasser durften die anderen ruhig mit uns genießen, Platz hatten wir genug.

Da war es tatsächlich in unserer nächsten Ankerbucht enger, denn gestern haben wir zurück nach Ibiza verholt, ganz in den Süden in die Ensenada de la Canal. Das gab uns die Möglichkeit, mit dem Bus nach Ibiza Stadt (Eivissa) hineinzufahren und den letzten Abend mit Catalina in Eivissas schöner Altstadt und der innerhalb der Stadtfestung gelegenen Oberstadt zu feiern.

Ganz ungetrübt war der Genuss nicht. Unser Ankerplatz war schon mächtig voll, eine Boje war ohnehin nicht zu bekommen. Und laufend kamen weitere Boote hinzu, mehrfach ankerten sie zu eng bei uns, verholten dann aber etwas später doch weiter nach draußen, zumal der kräftige Schwell die Boote in ziemlich verschiedene Richtungen schwojen ließ. Es kostete mich einige Überwindung, Flora hier unbeaufsichtigt liegen zu lassen. Wie es Catalina so schön formulierte: ich habe jetzt vielleicht eine Ahnung davon wie es ist, das Kind seinen ersten eigenen Urlaub allein machen zu lassen 🥺.

Hilft ja nix.

Und wir haben Flora am Ende auch wohlbehalten wieder vorgefunden.😁

Heute ist dann Catalina vom Strand mit dem Taxi zum nahen Flughafen gefahren. Wir haben nur um die Ecke in die nächste Bucht verholt – was für ein Unterschied. Kaum Schiffe hier, eine beeindruckende Steilküste auf der einen Seite und nur eine Strandbar oberhalb des flachen Steinstrandes vor den Salinen im Scheitel der großen Bucht.

Es ist zwar nicht ganz einfach mit dem Dinghy an Land zu kommen, aber es lohnt sich. Ein Wanderpfad geht an der Steilküste entlang und dann (nur ab August erlaubt!) steil den Berg hinauf durch den Wald an die obere Steilküstenkante.

Es bieten sich tolle Ausblicke über unseren Ankerplatz, die Buchten unterhalb der Steilküste und die farbenprächtig türkisgrün und rosa schimmernden Salinen.

Und die Salinen machen nicht nur optisch viel her, sie haben es auch in sich. Noch immer wird hier auf einer Fläche von etwa 450 Hektar Salz gewonnen. Natürlich nicht nur (aber eben auch) das edle Speisesalz Sal de Ibiza. Der größte Teil des Salzes geht zu anderen Zwecken überwiegend nach Nordeuropa: wie in alten Zeiten zur Stockfischverarbeitung und – ja, tatsächlich auch ein hoher Anteil als Enteisungs-Salz. Die Preisdifferenz zwischen den verschiedenen Salzqualitäten ist hoch, wir konnten aber trotzdem nicht widerstehen uns ein schönes Sal de Ibiza für die Pantry zu kaufen 😊.

Alles ein bisschen intensiver

49 Tage sind wir jetzt unterwegs. Sieben mal sieben, ganz feiner Sand. Wir sind gefragt worden, ob uns langweilig wird. Nein! Alles andere als das.

Aber selbst in dieser ja eigentlich ja kurzen Zeit hat sich unser Empfinden für das, was wir so machen doch verändert. Alles fühlt sich ein bisschen intensiver an, so hat es Wiebke treffend formuliert. Fahrt-, Landschafts- und Natureindrücke, z.B. die wunderschönen Calas, die Wanderungen oder die Delfinbegegnungen jetzt wieder auf der Überfahrt von Menorca nach Mallorca:

Spannend ist auch die Veränderung im Zeitempfinden. Eine Uhr tragen wir schon seit einer ganzen Weile nicht mehr (Danke an Susanne für den Hinweis). Klar passiert es dann schon mal, dass man wie unlängst in Alcúdia etwas erledigen möchte, aber vor verschlossenen Geschäftstüren steht, aber das liegt mehr an unserem noch nicht an die spanische Siesta 😴 bis 16.00 angepasstem Rhythmus. Welcher Wochentag ist eigentlich, welches Datum ???

Das „Zeit miteinander haben“ ist sicher einer der Punkte, den wir am meisten genießen und das obwohl – oder gerade weil – auch die Höhen und (na sagen wir mal) Wellentäler im Zusammensein eben intensiver für uns sind.

Landausflüge wie vorgestern der Spaziergang in die schöne Altstadt des sonst nicht so attraktiven Alcúdia,

Fürstlich speisen (an Bord von Wiebke gezauberte Köstlichkeiten oder auswärts, wobei das im Tontopf gegarter Lobster ebenso sein kann wie eine herrliche Schinken- und Käseplatte eines kleinen Weinhändlers)

Wir lassen es uns gut gehen.

Und auch Mallorca verwöhnt uns, etwa mit der pittoresken Cala Figuera am nördlichen Ende (Cap Formentor), die wir heute Nacht komplett exclusiv für uns hatten. Gut, eine etwas rumpelte „Anreise“ unter Segeln mit bis zu 28 kn AWS am Wind und einiger Schwell in der Bucht war der Preis dafür, aber es hat sich sehr gelohnt:

36 Stunden

So auf etwa eineinhalb Tage Länge hatten wir die Überfahrt von Sardinien nach Menorca kalkuliert. Etwa 200 sm bei im Schnitt 5,5 Knoten (=sm/Std) Geschwindigkeit.

Aufbruch in die Nacht:

Da wir am Mittwoch Abend losgefahren sind, bedeutete das zwei Nachtfahrten und eben den Tag dazwischen. Nachtfahrten auf offener See sind schön, ganz besonders in warmen klaren Nächten. Meist gibt es hier nicht so viele Gemeinheiten zu beachten wie etwa Stellnetze, Fischerfähnchen und Flachs, Felsen oder schwach beleuchtete Angelboote, die Nachtfahrten in Küstennähe deutlich schwieriger machen. Die Lichter der Schiffe weit draußen kann man meist schon von weitem sehen. So sind die großen Pötte nachts oft aus größerer Entfernung auszumachen als am Tage. Außerdem haben praktisch alle AIS, sind also auf unserem Plotter zu erkennen. Und der sagt einem dann eine ganze Menge zu den Dampfern an: natürlich Kurs und Geschwindigkeit (kann man auch schon an den Pfeilen erkennen) , aber auch z.B. die größte Annäherung bei den bestehenden Kursen (CPA), also ob man sich zu nahe kommt. Man kann sogar automatische Annäherungswarnungen programmieren.

Letztlich heißt das, das man die Fahrt fast noch besser genießen kann. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hatten wir übrigens nur eine einzige Schiffsbegegnung und die in großem Abstand. Der Sternenhimmel auf See ist geradezu sprichwörtlich schön, klar, da keine „Lichtverschmutzung“ den Blick beeinträchtigt. es ist wunderbar ruhig, man kann seinen Gedanken nachhängen, lesen oder ein Hörbuch oder Podcasts hören. Und wenn man Glück hat, so wie wir in den letzten beiden Nächten, leuchtet in den vom Schiff aufgeworfenen Wellen fluoreszierendes Plankton.

Ein bisschen schwieriger als tagsüber ist der Segeltrimm, aber Kopflampen (umschaltbar auf das weniger beeinträchtigende Rotlicht) helfen. Nachtwachen zu zweit funktionieren bei uns so, dass der eine unter Deck schläft und der andere im Cockpit eben wacht. Zur Sicherheit stellt er sich auf dem Handy für alle 15 Minuten den Wecker, um spätestens dann Rundumblick und Plottercheck zu machen, aber fast immer stellt man den Wecker schon vor Ablauf der 15 Minuten neu. Es ist tabu, das Cockpit während dieser Zeit zu verlassen um zum Beispiel am Mast etwas zu erledigen oder das Vorsegel einzurollen. Für solche Fälle muss immer der unten Schlafende geweckt werden und ins Cockpit kommen. Für lange Passagen wie die Atlantiküberquerung haben wir uns feste Wachen vorgenommen. Auf kürzeren Törns wie jetzt sprechen wir uns einfach ab und entscheiden die Wachwechsel eher spontan.

Dass wir die Nachtfahrten mögen, war aber gar nicht der springende Punkt bei unserer Entscheidung, Mittwoch Abend loszufahren. Das Wetterfenster gefiel uns besser und – auch nicht ganz ohne – wir hatten mehr Puffer, um bei Tageslicht im für uns fremden Mahon anzukommen. Wir durften nur nicht zu SCHNELL sein (das lässt sich leicht machen), während wir bei Abfahrt am Morgen nicht zu LANGSAM hätten sein dürfen. Das ist manchmal schwieriger, besonders wenn der Wind anders eintritt als in der Wetterprognose.

Weil wir danach gefragt wurden: als Wetterbericht verwenden wir meist „Windy“ zur groben Orientierung und „Seaman“ für die Feinplanung. Unterwegs (ohne Internet) können wir per Satellitentelefon über „Saildocs“ Wetter-GRIBfiles abrufen und mit verschiedenen Programmen auswerten.

Unser Wetterfenster sah so aus (auf „Seaman“):

Letztlich mussten wir allerdings ein gutes Stück vor Menorca motoren und das auch länger, als wir es uns erhofft hatten, zumal uns ein Gewitter nachts um halb drei zwar nicht direkt erwischte, die Fahrt unter Motor aber angeraten schien. Dennoch, alles in allem waren wir trotzdem sehr zufrieden mit unserer Passage. Zumal uns während der Motorfahrt auch noch – endlich mal wieder nach langer Zeit und zwischenzeitlichem mehrmaligen Köderverlust – Angelglück mit hold war:

Ein bisschen Ceviche gab es gleich, drei große Portionen Thunfischfilet haben wir vakuumiert, sie sind in den Bordkühlschrank gewandert.

Und jetzt liegen wir hier auf dem zwar für drei Tage kostenlosen, aber deshalb auch ziemlich überfüllten Ankerplatz in der Cala Teulera vor Mahon.

Let the adventure begin

Mein letzter Arbeitstag war am Sonntag auf der EDEKA-Jahrestagung in Lübeck. Nach über 21 Jahren den EDEKA-Verband jetzt zu verlassen, war ohnehin schon ziemlich emotional. Die unfassbar tolle Verabschiedung dann umso mehr. Heute war ich dann das letzte mal im EDEKA-Haus, um mich auch bei den Mitarbeitern und Wegbegleitern noch einmal zu bedanken. Der Büroschlüssel ist abgegeben, viele gute Wünsche durfte ich entgegennehmen und jetzt … das Geschenk der Kollegen von der EDEKA Juniorengruppe sagt es.

😊

Routenplanung 2019

Nachdem wir ja bei der Montage des Windgenerators von Mario gelernt haben, dass menschliche Planung der göttlichen Erheiterung dient (Halbmast) geben wir hier mal fröhlich den derzeitigen Stand unserer Routenplanung für dieses Jahr weiter:

Am 25.6. geht unser One-way-Flug nach Korfu.

Von dort aus wollen wir bis zum 5.7. Catania auf Sizilien erreichen, um unsere Nichte Emma und unseren Neffen Emil aufzupicken. Mit ihnen möchten wir durch die Straße von Messina und zu den Liparischen Inseln. Irgendwo an der sizilianischen Nordküste werden wir uns dann einen Mietwagen nehmen und die beiden für ihren Rückflug wieder nach Catania bringen. Für uns soll es dann weiter Richtung Sardinien gehen.

Ein wenig Süd-Sardinien, dann hinüber nach Menorca. Mal schauen, wie viel Zeit wir auf den Balearen verbringen können, bevor wir dann ans spanische Festland hinüberwechseln und weiter nach Westen bis nach Gibraltar arbeiten. Dort würden wir gerne Anfang bis Mitte September ankommen.

Das ist in zwei Absätzen so kurz beschrieben, aber alles in allem werden wir dabei dann über 1.500 Seemeilen zurücklegen. Ganz grob entspricht das etwa der bisher durchschnittlich in 1 1/2 Saisons zurückgelegten Entfernung. Anders gesagt: selbst wenn wir nicht wegen entgegenstehender Winde kreuzen und damit noch größere Entfernungen zurücklegen müssen, hätten wir bei gemäßigter Fahrrad-Geschwindigkeit (so schnell fährt unser Boot maximal) fast 3/4 der Strecke von Hamburg zum Nordpol zurückgelegt.

Überhaupt: die Geschwindigkeit. Natürlich ist sie bei einem Segelboot abhängig vom Wind, klar. Im Normalfall sind wir irgendwo zwischen 5 und 7 Knoten schnell. Bei richtig guten Bedingungen schaffen wir auch etwas über 8 kn, aber für die grobe Planung der längeren Strecken kalkulieren wir vorsichtig mit 5,5 kn. Das bedeutet, dass etwa die Strecke von Sardinien hinüber nach Menorca etwa 36 Stunden dauern sollte. Damit würden wir im Mittelmeer zwar einige längere Schläge vorsehen, aber das bliebe weitgehend im Rahmen der Distanzen, die wir auch auf der Ostsee gelegentlich mal gesegelt haben.

Der erste „richtig“ lange Schlag ist dann für Mitte/Ende September vorgesehen: Wenn der Wind mitspielt, wollen wir nicht direkt zu den Kanarischen Inseln, sondern noch einen kleinen Schlenker machen. Wir möchten gerne von Gibraltar aus nach Madeira segeln. Das sind rund 600 sm, also kalkuliert 110 Stunden bzw. viereinhalb bis fünf Tage am Stück. Von Madeira aus soll es Mitte Oktober weiter auf die Kanaren und von dort Mitte November weiter auf die Kapverden gehen. Und von da etwa Mitte Dezember über den Atlantik in die Karibik.

Und als Ausblick: die am nächsten gelegene Karibikinsel ist Barbados, aber erster Anlaufpunkt könnte auch St. Lucia oder Martinique sein. Im ersten Halbjahr 2020 möchten wir dann die Inseln des Antillenbogens erkunden (sicher nicht alle, aber eben doch einige davon).

Ob wir unsere Planung auch so verwirklichen können? Mal sehen. Wir versuchen, flexibel zu bleiben. Wo wir dann gerade sind, könnt ihr jedenfalls unter https://www.noforeignland.com/map/flora/ jeweils aktuell verfolgen.

Saisonstart-Anreisemarathon

Wir sind unterwegs – allerdings erst ZUM Boot. Das erste und wohl auch einzige Mal fahren wir mit dem Auto nach Griechenland. Na ja, eigentlich ist es eher eine kombinierte Anreisestaffel: erstmal von Hamburg nach Würzburg – dort haben wir heute Nacht Dillas 50. Geburtstag mitfeiern dürfen -, von dort aus dann die restliche Nacht (mit zwei kurzen Schlafpausen auf Raststätten) weiter bis Venedig. Und da warten wir jetzt gerade auf die Fähre nach Igoumenitsa, die sich leider um zwei Stunden verspätet. Kommt nicht so drauf an, es wird dann eh eine 25stündige „Kreuzfahrt“ die Adria hinunter. Morgen am späten Nachmittag werden wir dann die Anschlussfähre nach Korfu nehmen.

Warum das Ganze? Bisher haben wir alles Notwendige im Fluggepäck mit zur Flora gebracht, aber jetzt, sozusagen in der Abschlussvorbereitung, hat doch einiges angesammelt:

Ein bisschen Kofferraum-Tetris war angesagt, schließlich musste neben den im letzten Blogbeitrag angesprochenen 100 m Ankerkette und 30 kg Spade-Anker noch einiges mehr mit: ein kompletter 2. Autopilot (mit Bedienteil, Kompass, Computer und Ruderlagengeber), EPIRB, (2.) Handfunke, Notantenne, Servicekit für den Dieselgenerator, Befestigungskit und Ersatzrotorblätter Windgenerator, Ersatzseewasserpumpe Motor, Seekarten, Bücher und Seehandbücher, Leesegel, Fenderbrett, Treibanker, IridiumGo incl. externe Antenne, neuer Triducer, diverse Ersatz- bzw. Verbrauchsteile (wie Thermostat, Relais, reichlich Öl, Diesel- und Wasserfilter, Impeller, Opferanoden, etc), Bluetooth-Armbänder, MOB-AIS-Sender, umfangreiche Bordapotheke, Defibrilator, ein Tauch-Notfallset mit 2kg-Sauerstoffflasche incl. Zubehör, Borddrucker, Ventilator, diverses zusätzliches Werkzeug einschließlich Fein Multimaster, ein paar Chemikalien (Boracol, Grotamar), Grabbag, Hochdruck-SUP-Pumpe, Matratzenauflage, Moskitonetz, Sonnenhüte, zusätzliche Feuerlöscher, ein Klappstuhl, Kochtöpfe, Küchenutensilien, Kamerazubehör, natürlich auch Klamotten (und ganz sicher noch einiges mehr, das tief in Kartons und Taschen verborgen ist, mir aber im Moment gerade nicht einfällt 🤔).

Wir konnten es aber so packen, dass wir noch etwas Sicht nach achtern hatten.