Cinnamon Bay 2: Wald, Strand, Wasser

Es bleibt dabei, wir haben die Cinnamon Bay fast für uns allein. Der Campingplatz hinter den Palmen am Strand ist gesperrt, das dazugehörige Restaurant wurde ebenso wie das Infogebäude des Nationalparks offenbar beim letzten Hurrikan schwer beschädigt und sind nicht nutzbar.

Aber an beiden vorbei führt ein Weg zu den Ruinen der Cinnamon Sugar Plantantion. Denen statten wir einen Besuch ab und es lohnt sich. Ein kleiner, beschilderter Wanderpfad führt über das inzwischen völlig überwucherte Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik und der mühsam von Sklaven in die Berghänge terrassierten Plantagen, deren Begrenzungsmauern längst abgerutscht und kaum mehr zu erkennen sind.

Der Wald hat sich mit ungeheurer Geschwindigkeit zurück geholt, was ihm einst so mühsam abgerungen wurde. Erst vor 50 Jahren wurden die Gebäude hier aufgegeben. Das verbaute Holz haben sich vermutlich spätestens nach dem nächsten Hurrikan schnell die Termiten geholt, deren zum Teil riesige Karton-Nester wir als dunkle Trauben in den Bäumen hängen sehen.

Andererseits, eigentlich gelten vor allem die bodennistenden Termitenarten als gebäudeschädigend. Hier im Wald sind die blinden Insekten (soweit es die Arbeiter betrifft, das Königspaar hat voll ausgebildete Facettenaugen) dagegen Nützlinge, da sie ausschließlich totes Holz fressen und ihre irgendwann herabfallenden verlassenen Nester sehr stickstoffreich und somit natürlicher Dünger für den sonst eher kargen karibischen Boden sind. Raubbau und Recycling liegen manchmal dicht beieinander, das zeigen auch die steinernen Reste der Gebäude.

Überall finden sich darin große Korallenbrocken, man kann nur hoffen dass sie nicht extra für den Bau aus einem Riff gebrochen wurden. Gebaut wurde die Plantage übrigens noch zu der Zeit, als diese Inseln zu DÄNEMARK 🇩🇰 gehörten. Ab 1666 gab es zunächst auf St Thomas und etwas später auch hier “Dänisch-Westindien” als dänische Kolonie von Dänemark-Norwegen. Erst 1917 wurden die Inseln von Dänemark an die USA verkauft, die hier im ersten Weltkrieg einen Flottenstützpunkt benötigten. Für uns als alte Ostseesegler interessant: der Import von Zucker und Roh-Rum (“Killdevil” genannt) von hier in die damals zu Dänemark gehörende Stadt Flensburg, wo er verschnitten und gelagert wurde. Über 200 Rum-Häuser soll es zur Blütezeit im 18. Jahrhundert in Flensburg gegeben haben, zwei gibt es noch heute und so bleibt die heute norddeutsche Stadt dem Rum verbunden (und wir mit ihr 😊).

Dänischer Friedhof im Wald oberhalb der alten Zuckerfabrik

Wir sind nicht allein hier. Weißwedelhirsche beäugen uns aus den Bäumen heraus, scheinen aber über unsere Anwesenheit weniger verdutzt als wir über ihre:

Jetzt beginnt der eigentliche Hike auf dem Cinnamon Bay Trail. Wobei, “Hike” kommt etwas dramatischer daher als es ist. Würde es auf den etwa eineinhalb Kilometern nicht rund 300 m nach oben gehen, es wäre einfach nur ein schöner Waldspaziergang mit tollen Ausblicken. Aber so ist es bei rund 30 Grad doch ganz schön anstrengend für unsere das nicht mehr gewohnten Beine.

Gut, der Wald sieht irgendwie anders aus als gewohnt. Fächerpalmen (Coccotrinax Alta) sind hier – wie schon in den Ruinen – weit verbreitet. Es sind die einzigen natürlicherweise hier einheimischen noch vorkommenden Palmen. Ihre breiten Blätter wurden früher zu Dächern der Hütten verarbeitet, sie wurden als Besen benutzt und z.B. zu Fischfallen geflochten.

Und noch eine zweite Pflanze kommt erstaunlich häufig vor. Mitten im Wald, an den unzugänglichsten Steilhängen wachsen Papayas. Wie uns Locals erzählen, hat die Verbreitung nach dem letzten Hurrikan deutlich zugenommen. Das finden vor allem die Vögel klasse, hier tut sich eine Perlaugen-Spottdrossel an der Frucht gütlich:

Wir kommen leider nicht dran (nächstes Mal sollten wir vielleicht einen Apfelpflücker mitbringen 😂). Aber die tollen Ausblicke des Wanderwegs können auch wir genießen:

Unten warten Flora und der Strand auf uns. Wer kann diesem Wasser schon widerstehen 😉. Also den gleichen Weg wieder runter, für heute reicht das auch.

Obwohl, eigentlich auch wieder nicht, denn zwar findet sich am Strand vom einem Leguan nur die verräterische Spur, aber beim Schnorcheln haben wir dann doch eine weitere tierische Begegnung.

Eine Meeresschildkröte (ich tippe auf Echte Karettschildkröte, kann sie aber nicht gut von der Unechten mit etwas dickerem Kopf und fünf statt vier Rippenschilden auseinanderhalten), jedenfalls immer wieder beeindruckend für uns.

Hinterm Riff

Das vor dem Riff nach Osten hin erstmal ganz lange nichts und dann irgendwann Afrika kommt hatte ich ja im letzten Blog geschrieben. Aber was kommt hinterm Riff?

Erst mal ein Bojenfeld. Geschätzt etwa 15 Bojen, laut Aufschrift geeignet für Schiffe bis 60 Fuß Länge, also mehr als gut dimensioniert für unser Boot. Augenscheinlich mit einem Schraubanker im Meeresboden befestigt, von dem eine kräftige Kette zur Boje führt. Man macht nicht an der Boje selbst fest, sondern am Auge eines kräftigen Tampens, der oben an die Boje geschäkelt ist. Das macht das Aufnehmen der Bojenverbindung vergleichsweise einfach, weil man den Tampen mit dem Bootskaken auf Arbeitshöhe hochziehen kann und dann einfach die eigenen Festmacherleinen durch das Auge führt. Die Kette habe ich gewohnheitsmäßig nach dem Festmachen abgetaucht. Sie ist natürlich bewachsen, aber ziemlich massiv.

Und neben uns fängt schon der Korallengarten als Ausläufer des Riffs an. Ein großer Teil der Korallen ist leider geschädigt und gebleicht, wer hier eine bunt leuchtende Korallenwelt erwartet wird sicher enttäuscht. Es finden sich gleichwohl einzelne Fächerkorallen, ein paar Blumenkorallen sowie Blattkorallen und in etwas größerer Zahl auch Gehirn- und Seilkorallen, an denen sich dann auch vermehrt Fische beobachten lassen.

Coney-Zackenbarsch und Goldschwanz-Muräne an einer Hirschgeweih-Koralle

Witzig ist die Geräuschkulisse unter Wasser. Fische sind ja sprichwörtlich stumm, aber das gilt ganz deutlich nicht für die hier:

Die Gelbstreifen-Grunzer tragen ihren Namen völlig zurecht!

Einen anderen Teil der hiesigen Unterwasserwelt haben wir (noch gerade rechtzeitig vor der heute beginnenden Schonzeit) bei Devon erworben. Der kommt gelegentlich hier mit seinem Boot vorbei, hat Obst und Gemüse dabei (wir haben z.B. leckere Mini-Ananas erstanden) und bietet an, von den Fischern fangfrischen Fisch oder Lobster zu besorgen.

Also Lobster. Er wird erstmal in unserer Tauchtasche (aus Netz und damit durchlässig für Wasseraustausch) außenbords gehängt. Mangels Grill müssen wir für an Bord erst die beste Zubereitung googeln. Wir machen ihn im Backofen und er wird

SUPERLECKER!

Zum Ausgleich Sport, Schnorcheln 🤿 einschließlich etwas am Schiffsboden rumschubbern (hört nicht auf), Standup-Paddeln und für Wiebke Yoga.

Und Genießen.

Einsiedler

Dieses Bild geistert gemeinsam mit ein paar anderen maritim thematisierten Corona-Verhaltensregeln durch die sozialen Medien. Und in Zeiten von Ausgangssperre mag sich der ein oder andere vielleicht tatsächlich ein bisschen wie ein Einsiedlerkrebs vorkommen. Ganz besonders nahe liegt das Bild, wenn man als Segler sein Heim zwar nicht auf dem Rücken trägt, aber eben doch dauernd dabei hat.

Und ganz ehrlich, das empfinden wir gerade in dieser Zeit als ein riesengroßes Privileg. Gut, die Beweglichkeit ist immer noch eingeschränkt, aber wir dürfen mit unserem Heim den Ankerplatz wechseln und Antigua hat einige sehr schöne zu bieten.

Einsiedler oder Eremiten wollen wir deshalb aber trotzdem nicht werden, asketisch, bewusst ohne Ablenkungen und Reize. Im Gegenteil, soziale Kontakte sind uns wichtig und zum Glück können wir auch aus der Ferne die bestehenden weiter pflegen, durch diesen Blog und Eure Kommentare (über die wir uns riesig freuen) und durch andere soziale Medien; WhatsApp-Telefonie hilft uns ungemein. Auch wichtig für uns: neue soziale Kontakte am Ankerplatz entstehen, die UKW-Funkrunden in Jolly Harbour und ganz besonders auch zuletzt in der Carlisle Bay haben für ein tolles Gemeinschaftsgefühl gesorgt. Um so schöner, wenn wir dann bei Lockerung der Ausgangssperre Gesichter zu den Stimmen an der Funke zuordnen kann, am Strand noch maskiert 😷, von Dinghy zu Dinghy (oder Schiff) dann in voller Schönheit 😁. Wir haben es uns auch zur Gewohnheit gemacht, mit dem Dinghy bei unseren Nachbarn vorbeizufahren und uns vorzustellen, was meist gleich zu einem netten Gespräch führt. Der vor dem Lockdown übliche gemeinsame Sundowner fällt zwar aus, aber wer weiß, wann und wo wir den mal nachholen können, diese gemeinsam erlebte Sondersituation schweißt auch zusammen und bleibt ziemlich sicher in Erinnerung.

Und weil mir die “Trivia – unnützes Wissen” – Rätselrunden auf der Funke so gut gefallen haben: wusstet Ihr, dass wissenschaftlich die Familien der Diogenidae (linkshändige Einsiedlerkrebse) und der Paguridae (rechtshängige Einsiedlerkrebse) unterschieden wird?

Je nachdem, welches das größere Scherenbein ist, mit dem das geborgte Schneckengehäuse verschlossen wird. Den Unterschied kann man ganz gut auf der Zeichnung oben und dem Bild unten erkennen 😉.

Gefühlt unterwegs !?!

Heute machen wir wieder mal eine kleine Wanderung. Schon komisch, was das in der Wahrnehmung der eigenen Situation für einen Unterschied macht. Nur zwei Wochen mussten wir darauf verzichten, konnten aber ja zum einkaufen trotzdem an Land. Seit fünf Tagen ist die Ausgangssperre gelockert und es fühlt sich gleich anders an, selbst wenn man es gar nicht intensiv nutzt.

Heute nun der zweite größere Spaziergang, ein kleiner Hike auf einem unbefestigten und unbeschilderten Pfad über dem Ostufer der Carlisle Bay. Den eigentlich weiterführenden Pfad die Hügel hinauf finden wir nicht. Wir schlagen uns durchs stachlige Unterholz und drehen einen Kreis um die Stelle, wo laut unserer bisher zuverlässigen WanderApp “Komoot” der Weg sein sollte: Fehlanzeige, nur Hautkratzer sind hier zu finden. Die von uns sonst eher belächelten anknöpfbaren langen Beine an Wanderhosen scheinen uns auf einmal sehr erstrebenswert. 😛

Na gut, also zurück auf den schmalen Küstenpfad der ohnehin schon schwer genug zu erkennen ist. Die Pflanzen kuscheln hier so eng, dass sich sogar auf Kakteen Bromelien finden. Überhaupt, Kakteenliebhaber kommen hier auf ihre Kosten. Wir müssen aufpassen, auf dem schmalen Pfad nicht versehentlich an ihnen Halt zu suchen.

Aber auch Vögel sind hier in größerer Zahl zu hören und zu finden (bisher hatten wir ein bisschen neidisch das Frühlingsgezwitscher bei unseren Telefonaten mit Freunden in Hamburg gehört). Vielleicht eine Erinnerung daran, dass wir uns quasi seit neun Monaten im Dauer-Sommer befinden. Ist ja auch nicht schlecht. 😃 Immerhin bekomme ich heute Zuckervögel (Bananaquit) und Antillen-Haubenkolibri vor die Linse.

Einige schöne Ausblicke haben wir auch, aber mangels Weg auf den Hügel muss für den großen Überblick über unsere Ankerbucht und die Küstenlinie dann doch die Drohne herhalten:

Witzig, dass uns dieser kleine Hike irgendwie das Gefühl gibt, UNTERWEGS zu sein, wieder zu reisen. Neues zu entdecken kann auch vor der „Haustür“ (oder dem Schott des Bootes) passieren. So fühlt es sich heute an.

Zurück bei Flora springen wir erstmal ins Wasser. Beim Schnorcheln hatten wir in den letzten Tage rund ums Boot schon wunderschöne Begegnungen, zum Beispiel jede Menge große Kissenseesterne und diesen herrlichen Stachelrochen:

Das Video dazu (dann auch mit Wiebke und Flora) findet Ihr HIER ALS LINK.

Die Fischversammlung unter unserem Boot ist aber eher ein Zeichen dafür, wie schnell die Tiere sich daran gewöhnt haben, dass ich jeden Tag schnorchelnd ein bisschen am Rumpf herum schabe und ihnen damit wohl bei der Futtersuche helfe. Damit ist jetzt erstmal Schluss, denn den hier noch zu sehenden Bewuchs am unteren Rumpf und den Kiel bin ich heute Nachmittag mit Tauchausrüstung zu Leibe gerückt.

Schade, dass sich damit wohl auch unsere kleinen „Bienenfischchen“ (Baby-Riffbarsche) am Ruderspalt eine neue Bleibe suchen werden.

Ganz sicher schon ein paar Mal hat das dieser Einsiedlerkrebs gemacht, denn er ist inzwischen in einem veritablen Conch-Gehäuse eingezogen. Das dürfte unter Einsiedlerkrebsen schon als Villa gelten (sie ist etwa so groß wie der Flammenhelm aus dem letzten Blogbeitrag).

Wir möchten im Moment nicht umziehen. Wir werden mit Flora wohl noch ein paar Tage in der Carlisle Bay bleiben, aber jetzt sind wir ja gefühlt wieder etwas unterwegs.

Carlisle Bay

Kaum zu fassen, wir sind Ostermontag hier angekommen, jetzt also schon wieder fünf Tage hier. Eine ganze Arbeitswoche, nur dass wir das mit der Arbeit (unserem letzten Blogbeitrag entsprechend) laaangsam angegangen sind. Immerhin haben wir die noch fehlenden Winschen jetzt auch auseinandergenommen und gewartet. Am Unterwasserschiff taste ich mich ebenfalls eher gemächlich vorwärts, in kleinen Abschnitten wird es vom Bewuchs befreit, der sich dort eben doch schon wieder ganz schön breit macht. Aber das ist auf Langfahrt tatsächlich eine nicht aufhörende Sisyphusarbeit, selbst wenn unser Coppercoatanstrich das Reinigen bisher vergleichsweise einfach macht.

Ein bisschen „Arbeit“ noch außer der Reihe: Auf der Webseite unseres Vereins Trans-Ocean (TO) ist ein Reisebericht von uns erschienen. Kann man HIER ansehen, wird Euch als Bloglesern aber sowieso bekannt vorkommen. Da haben wir uns schon drüber gefreut, schließlich hat TO als Netzwerk von und für Hochseesegler gut 5.000 Mitglieder, von denen ein großer Teil weit mehr Erfahrung im Hochseesegeln hat als wir.

Und ansonsten: Live Slow Today. Mit Schildkröten schwimmen. Rochen direkt unterm Boot beobachten, Sepien im Schwarm. Das klare Wasser hier in der Carlisle Bay genießen. Schnorcheln.

Z.B. mit einem jungen Franzosen-Kaiserfisch (ausgewachsen hat er keine Streifen mehr) und einem senkrecht im Wasser stehenden Trompetenfisch in der Bildmitte
oder mit einem Flammenhelm aus der Familie der Helmschnecken, so dunkel könnte es auch eine in der Karibik eher ungewöhnliche rote Helmschnecke sein,
oder mit unserem ersten Sanddollar außerhalb der Bahamas (Kalkplatten von sehr flachen Seeigeln),
oder wieder einmal den Kiemen von vielen bunten Tannenbaumwürmern, diesmal auf einer Hirnkoralle.

Aber wir dürfen jetzt ja seit der Lockerung der Ausgangssperre vormittags wieder an Land, das haben wir heute erstmals genutzt. Am Dinghysteg des zur Zeit leeren Hotels dürfen wir anlanden, wenn wir uns über die Hochwasserlinie hinaus auf das nicht als solches gekennzeichnete Privatgelände des Hotels (unter die Palmen an diesem Strandabschnitt) verlaufen werden wir aber recht rüde vertrieben. Macht nichts, ein Stück weiter den Strand hinunter gibt’s auch Palmen und hier sind wir willkommen.

Aus einer kleinen Hütte heraus wird Obst und Gemüse verkauft, Getränke gibt’s auch. Banane und Avocado kaufen wir hier, ein Stück die Straße rauf erstehen wir auch noch ein paar frisch gepflückte Mangos.

Gesichtsmasken sind eigentlich auf der Straße obligatorisch, aber hier ist es etwas abgelegen und es gibt kaum Kontrollen, von den Locals trägt nur etwa die Hälfte eine Maske. Etwas erstaunlich ist auch, wie einfach und zum Teil auch heruntergekommen die Hütten sind, die hier im Dörfchen unmittelbar neben dem Hotel („Leading Hotels of the World!) stehen.

Im Garten einer der verblüffend zahlreichen Kirchen des kleinen Ortes entdecken wir eine riesige, etwa zwölf Zentimeter große Raupe, die doch einiges von unserem Franzosen-Kaiserfisch hat:

Es ist mehr, als nur die gelben Streifen auf schwarzem Grund. Auch bei ihr sieht die nächste Entwicklungsstufe deutlich unauffälliger aus: zwar wird aus ihr einer der größten amerikanischen Schmetterlinge mit bis 17 cm Flügelspannweite. Allerdings ist er braunbeige gemustert und somit gut auf Rinde getarnt. Die meisten würden ihn wohl als riesengroße Motte bezeichnen 😔.

Zurück zum Boot: wir freuen uns weiter, hier zu sein. Ein bisschen eingemottet wären wir wegen Covid-19 überall sonst auch. Aber nicht überall so schön.

Physical Distancing leicht gemacht

Bisher sind in Antigua und Barbuda nur Gruppenbildungen von über 25 Personen verboten. Restaurants, Bars und Cafés sind (noch) geöffnet, die Geschäfte auch, die Versorgungslage ist weiter gut. Aber auch hier werden die Einschränkungen nach und nach schärfer: ab dem 27. März darf Barbuda nicht mehr angelaufen werden (auch nicht von Antigua aus), dort bereits befindliche Boote dürfen aber bleiben.

Hier in Jolly Harbor auf Antigua ist der Ankerplatz mit vielleicht 75 Booten gut gefüllt, wobei in den letzten Tagen durchaus einige Bewegung drin war. Kein Wunder, viele erwarten demnächst Einschränkungen, da kann man sich jetzt noch einmal positionieren. Heute z.B. haben einige die (vor-)letzte Chance genutzt, noch nach Barbuda zu segeln. Wir dagegen haben beschlossen, lieber erst weiter hier vor Jolly Harbor zu bleiben.

Anders als auf anderen Inseln der Karibik gilt bisher kein Ausgangsverbot. Wiebke und ich machen deshalb heute mit der Florecita einen kleinen Dinghyausflug. Vom gut gefüllten Ankerplatz aus geht es an der nördlichen Landzunge entlang erst zu den kleinen vorgelagerten Inselchen, dann aber doch um Pearns Point herum weiter zu den Sandstränden an der Nordseite der Halbinsel. Am ersten langen Sandstrand fahren wir noch vorbei, er ist zwar menschenleer, aber eine neu gebaute Villa liegt etwas oberhalb.

Der zweite Strand präsentiert sich dann menschenleer und ohne jegliche Bebauung. Kleine weiße Pfähle an der Hochwasserlinie und die auf Google Earth erkennbare Erschließung des Hügelrückens mit einer Ringstraße lassen aber vermuten, dass dies vielleicht nicht mehr lange so bleibt. Der Küstenabschnitt entpuppt sich als hinter einem kleinen Riff verborgener, am östlichen Ende aber mit dem Dinghy erreichbarer Traumstrand:

Wir bummeln ihn vom einen zum anderen Ende entlang und entscheiden uns dann, mit der vorsorglich eingepackten Schnorchelausrüstung etwas das Riff und die östliche Felsnase zu erkunden. Das flache Riff gibt nicht viel her, aber bei der Felsnase fliegt ein gefleckter Adlerrochen so nahe an uns vorbei, dass wir seine an einen Entenschnabel erinnernde vorstehende Schnauze wunderbar erkennen können.

Hatte uns die letzten Tage das Wetter mit häufigen Regenschauern (die uns sogar die Kuchenbude aufbauen ließen) überwiegend auf der Flora bleiben lassen und nur wenige Besuche bei oder von Nachbarbooten mit sich gebracht, herrscht jetzt wieder strahlender Himmel und Sonnenschein. Es fällt aber trotzdem auch heute leicht, große Menschenansammlungen zu meiden 😉

Wir sind allerdings sehr froh, dass uns die moderne Technik erlaubt, trotz räumlicher Distanz soziale Distanz vermeiden zu können, nicht nur hier in Antigua sondern auch zu unseren Lieben in anderen Teilen der Welt.

Bleibt gesund und munter!

Also Antigua!

Zur Eindämmung des Coronavirus werden auch hier in der Karibik allenthalben Maßnahmen getroffen, allerdings – wie in Europa auch – nicht in allen Staaten gleichzeitig. Da hier in den kleinen Antillen fast jede größere Insel ein eigener Staat ist, führt das zu einem Flickenteppich von sich in schneller Folge verändernden (=derzeit: verschärfenden) Regularien für die Segler, die sich zwischen den Inseln bewegen.

Verständlicherweise sind die Auswirkungen auf Segler nicht das Allererste, was beim Erlass neuer Regelungen in den Sinn kommt oder geprüft wird. Ist eine Regelung zur Corona-Eindämmung aber erstmal getroffen, wird sie von den ausführenden Oganen/Behörden in der Regel mit Vehemenz umgesetzt, auch das ist vor dem Hintergrund einer Pandemie nur zu verständlich. Es führt allerdings in manchen Fällen zu nur schwer verdaulichen Situationen, wenn etwa einem Segler trotz schlechten Wetters und rauer See das Anlegen in einem Hafen des Landes verwehrt wird, in dem er sich schon längere Zeit bewegt (so geschehen auf Madeira) oder nach tagelanger Fahrt (von den Kanaren nach Marokko) das Schiff mit Maschinenpistole im Anschlag zur Umkehr gezwungen wird.

In solche Situationen möchten wir natürlich nicht kommen. Auch hier in den kleinen Antillen werden zunehmend Grenzen geschlossen, Häfen gesperrt, beim Einreisen 14tägige Quarantäne vorgeschrieben, Ausgangssperren verhängt, dem Vernehmen nach z.T. sogar Ankerplätze geräumt (z.B. Îles des Saintes oder Bequia).

Nachdem sich in den letzten Tagen die Situation immer unübersichtlicher gestaltete, hatten wir für uns drei Länder als mögliche Fixpunkte herausgesucht, in denen wir die weitere Entwicklung in Ruhe beobachten könnten. Zunächst einmal Antigua und Barbuda 🇦🇬 , in dem wir seit Anfang des Monats einklariert sind, darüber hinaus Guadeloupe 🇫🇷 und Sint Maarten 🇸🇽 / St. Martin 🇫🇷, die beide mit einer längeren Tagesfahrt erreichbar gewesen wären. Allerdings: bei Guadeloupe und St. Martin zeichnete sich wegen der Anbindung an Frankreich früh ab, das die in Frankreich getroffenen strikten Maßnahmen auch hierhin ausstrahlen würden. Und tatsächlich: dort wie auch im holländisch geprägten Sint Maarten ist die Einreise für neu ankommende Schiffe inzwischen seit dem 18. März nicht mehr möglich. Wäre unglücklich gewesen, wenn man sich dorthin auf den Weg gemacht hätte und nicht rechtzeitig vor Schließung angekommen wäre.

Wir bleiben also hier in Antigua und Barbuda. Vor gut einer Woche, am 12. März, hatte ich ja schon mal zitiert: „If you’re gonna get stuck, get stuck somewhere nice“. Und „nice“ ist es hier allemal. Es gibt zwar Restriktionen, einklariert werden kann nur noch in der Hauptstadt St. John’s, aber die Bewegungsfreiheit im Land ist bisher nicht eingeschränkt. Wir können also zwischen den Ankerplätzen hin und her wechseln.

Und das machen wir auch: zuletzt in Barbuda am Cocoa Point Anchorage verholen wir uns etwas weiter nördlich in die Low Bay (wieder vor Anker) und machen von dort aus einen geführten Ausflug in das Vogelschutzgebiet im Norden der großen Insellagune.

Links Ankerplatz, rechts Lagune. Hurrikan Irma hat diese Dinghydurchfahrt in die westliche Nehrung gerissen, die sich aber bereits langsam wieder schließt.

Guide George holt uns mit einem flachgehenden Boot ab und bringt uns in das Schutzgebiet. Auch diese von den Fregattvögeln als Brutgebiet geschätzte Mangrovenlandschaft wurde von Irma schwer getroffen. Sie erholt sich aber und auch die Zahl der dort lebenden Fregattvögel nimmt erstaunlich schnell wieder zu.

Die Wucht des Hurrikans und auch das Schließen der durch ihn verursachten Wunden werden deutlich an diesem (gefüllten) Seecontainer, den Irma rund zwei Meilen durch die Luft schleuderte und der heute fast schon von Magroven überwuchert ist.

Etwas weiter zeigen sich dann auch die Fregattvögel. In der Balz versuchen die geschlechtsreifen Männchen die Weibchen durch Aufblasen ihres roten Kehlsacks zu beeindrucken.

Eigentlich ist die Zeit dafür schon vorbei, längst hocken bereits flaumige, gar nicht mehr kleine Federknäuel in den Mangrovennestern. Aber die übrig gebliebenen Junggesellen werfen sich trotzdem noch mächtig in Schale, aus der Entfernung wirkt es gelegentlich, als seien Luftballons 🎈 in den Büschen hängen geblieben.

Fregattvögel sind riesig, ihre Flügelspannweite kann über 2,40 m erreichen. Dabei sind sie im Verhältnis zu ihrer Größe die leichtesten Vögel überhaupt. Ihre Beute fangen sie im Flug, wobei sie – wenn sie selbst jagen – selten mehr als mit dem Schnabel oder höchstens Kopf ins Wasser tauchen. Mit gutem Grund: ihr Gefieder ist nur unzureichend wasserdicht. Sind sie zu lange im Wasser saugt es sich voll und sie können kaum noch starten. Auch das sehen wir auf unserer Exkursion, wobei das Wiederaufsteigen in die Lüfte dann doch noch klappt, aber erst nachdem unser Guide schon begonnen hat, zu einem Rettungsversuch anzusetzen.

Der fast ausgewachsene, aber noch nicht geschlechtsreife Jungvogel (erkennbar am weißen Kopf) hat große Mühe wieder in die Luft zu kommen.

Der Name Fregattvögel kommt übrigens von einer weiteren Eigenart bei der Nahrungsbeschaffung, die an die Überfälle der Kriegsschiffe erinnern mag. Die sehr wendigen Fregattvögel bedrängen andere Vögel im Flug so sehr, bis diese ihre eigene Beute fallen lassen, die der Fregattvogel dann dann oft noch im Flug auffängt.

Am Tag nach dieser für uns eindrucksvollen Exkursion segeln wir wieder nach Süden, zurück in den Westen von Antigua nach Jolly Harbor. Der Grund hierfür ist vorrangig, dass wir zum einen die weitere Entwicklung in Sachen Corona von einem Ort mit guter Versorgungslage beobachten wollen. Das betrifft einerseits den Proviant: wir sind gut ausgerüstet, stocken aber vor allem noch frische Lebensmittel wie Milch, Käse, Obst und Gemüse auf. Zum Anderen ist unsere in Spanien gekaufte 11kg-Gasflasche jetzt doch mal leer. Wir haben zwar noch eine griechische 10 kg-Flasche in Reserve, aber der notwendige „Adapter # 2“ (zwischen deutschem Druckminderer und griechischer Flasche ist nicht auffindbar. Grrr. Wir hatten ihn ausgeliehen, glauben aber eigentlich ihn wiederbekommen zu haben. Nur ist er jedenfalls nicht da, wo wir bisher überall gesucht haben. Kochen können wir trotzdem: erstmalig kommt unser Backup, eine elektrische Induktionskochplatte zum Einsatz und bewährt sich dabei gut, wobei sie allerdings über den Inverter betrieben mächtig viel Strom aus unseren Batterien saugt, wenn wir nicht nur unseren Morgenmokka zubereiten.

Der Törn hinunter nach Jolly Harbor bietet uns 30 sm wunderschönes Segeln und zwei dicke Überraschungen: erst fange ich an einem Köder zwei Jackfische gleichzeitig (und danach nur noch Sargassum).

Und dann besucht uns ein Wal. Er taucht nur 5 m neben der Flora auf, erfreut und erschreckt uns etwas mit seinem Blas, lässt sich dann aber zurückfallen und zeigt sich hinter uns noch zwei weitere Male. Er ist groß, aber wir können die Art nicht sicher bestimmen 😔. Kann jemand aushelfen?

Und wie geht’s weiter? In Antigua & Barbuda sind bisher die Geschäfte weiter geöffnet, es gibt (noch?) keine Ausgangssperre, der Supermarkt ist gut sortiert und ohne größere Regallücken. Es gibt einen Budget-Marine (Yachtausrüster), wir können also auch gut am Boot basteln. Internetempfang ist in Ordnung, was unserem gesteigerten Informationsbedürfnis in Corona-Zeiten sehr entgegenkommt und uns auch über WhatsApp-Telefonate mit den Lieben daheim und unseren Freunden in anderen Teilen der Welt verbindet. Hier bleiben wir erstmal ein bisschen und vielleicht (wenn das dann noch möglich sein sollte) verholen wir uns nach einiger Zeit wieder in eine ruhigere Ankerbucht. Menschenansammlungen, wie wir sie noch vor einer Woche auf Shirley Heights in English Harbor hatten, würden wir jetzt eher meiden. In kleinem Rahmen bleiben wir aber in Kontakt mit den befreundeten Seglern anderer Boote. Unabhängig von den jeweiligen ursprünglichen Plänen sind wir alle konfrontiert mit der Pandemie und ihren noch immer unklaren Auswirkungen, der Ungewissheit, welche Reisewege bis zum Beginn der Hurrikansaison wieder offen sein werden oder versperrt bleiben, vor allem aber Sorge um die Angehörigen und Freunde daheim. Bleibt gesund!

Fliwatüüt: Überraschungen

Überraschungen in der Luft, dem Wasser und an Land. So war’s heute. Wer sich noch an Robby, Tobby und das Fliwatüüt erinnert, hat schon mal die richtige Ahnung, obwohl: technisch sind wir noch nicht ganz so weit wie in dem WDR-Vierteiler von 1972 😉, eher FliWa und WaTüüt.

Die Gäste in dem Luxusressort neben unserem Ankerplatz reisen ziemlich ungewöhnlich an: ein Wasserflugzeug schwebt ein, landet mitten im Ankerfeld (ein Boot hat vorher Schwimmer, Schnorchler und SUPs an die Seite gescheucht). Das Wasserflugzeug macht an einer reservierten Boje fest.

Dann kommt ein Boot und holt die Gäste ab, fährt in Richtung Strand (einen Steg gibt’s allerdings nicht), klappt unter Wasser aus dem Bootsrumpf Raupen heraus und fährt damit den Strand hinauf, wo die Gäste aussteigen.

Starten und Landen wirklich mitten durch das Ankerfeld? Ja. Für das Video HIER klicken.

Aber das ist heute nicht die einzige Überraschung. Ja, das Wakeboarden auf dem Kiteboard hinter unserem Dinghy habe ich diesmal hinbekommen. Schwierig ist eigentlich nur, aus dem Wasser hoch zu kommen (da fehlt auch Florecita vielleicht doch das letzte Quäntchen Kraft für mein Gewichtsklasse), saust man erstmal dahin klappt sogar das Kurvenfahren ganz gut.

Die größere Überraschung wartet unter der Flora auf mich. Nach dem Schnorcheln mit Wiebke draußen am Riff denke ich, dass Unterwasserschiff könnte noch eine Putzeinheit vertragen und ich also mit dem Schnorcheln gleich weitermachen. Aber da unten macht schon jemand meinen Job: ein geschätzt etwa 80 cm langer Schiffshalter hat sich an unserem Kiel festgesaugt.

Als ich zu ihm hinunter tauche läßt er Kurz los und wechselt dann an Floras Rumpfunterseite. Es sieht so aus als würde er verkehrt herum schwimmen, aber die an eine Turnschuhsohle erinnernden Saugplatte ist tatsächlich aus dem Vorderteil der Rückenflosse umgebildet und befindet sich auf der Stirn.

Na gut, wenn er da putzen möchte lasse ich ihm den Vortritt 😁.

Das gibt mir die Zeit, Flora noch mal von oben zu betrachten, mangels Fliwatüüt allerdings per Drohne:

Ruhige Tage in Antiguas Nordosten

Die Ankerbucht hat sich geleert, im Moment liegt die Flora mit nur zwei anderen Booten wunderbar geschützt hier hinter Great Bird Island. Auch die „Heaven 47“ und die „Gladan“ sind weg, sie wollen sich in Jolly Harbor mit größeren Proviantvorräten versehen. Der Gedanke an den Corona-Virus spielt dabei mit, wie uns Sam von der Heaven 47 gesagt hat.

Ob auch die im Vergleich zu unserem ersten Tag hier extrem geringe Zahl von Touristenbooten zur Insel mit dem Virus bzw. dem damit zusammen hängenden Ausbleiben von Kreuzfahrtschiffen zu tun hat können wir nur vermuten. Jedenfalls ist es ruhig geworden in der Bucht und auf der Insel. Am ersten Tag wurden wir noch weg geschickt, als wir mit unserem Dinghy an einer kleinen Boje festgemacht hatten um zu schnorcheln, heute sind alle drei schon den ganzen Tag frei.

Wir fahren noch etwas weiter hinaus nach Hell‘s-Gate-Island, trotz des martialischen Namens nur eine kleine Felseninsel an der Riffkante, die aber einen schönen natürlichen Felsdurchbruch zwischen dem offenen Atlantik und dem geschützten Riffbereich hinter den Inseln bietet.

Einmal mehr fahren wir auch nach Great Bird Island hinüber und haben die Insel diesmal ganz für uns. Auf einem nur gelegentlich mit farbigen Bändern markierten Pfad durch Buschwerk, Kakteen und Agaven erkunden wir die dicht bewachsene westliche Halbinsel in der Hoffnung, vielleicht doch noch eine Antigua-Schlanknatter vor die Kameralinse zu bekommen. Das war (noch in den 1990er Jahren) die seltenste Schlagenart der Welt und galt zwischenzeitlich sogar als ausgestorben, bis man eben hier auf dem nur gut 8 Hektar kleinen Great Bird Island (die Insel würde also flächenmäßig gut 18 mal in den Hamburger Stadtpark passen) ein paar wenige Exemplare fand. Was folgte, gilt inzwischen als eine der erfolgreichsten Bestandserholungsmaßnahmen für bedrohte Tiere: zunächst wurden in einem ziemlich aufwändigen Verfahren alle Ratten auf der Insel getötet. Diese vom Menschen auf den Karibikinseln eingeschleppten Tiere hatten den Bestand vieler heimischer Tierarten ausgerottet oder stark gefährdet (die zur Bekämpfung der Ratten im frühen 19. Jahrhundert eingeführten indischen Mungos hatten den Ratten nicht viel anhaben können und eine zusätzliche Gefahr für die heimische Tierwelt, insbesondere die Schlangen, dargestellt). Mungos gab es allerdings auf Great Bird Island nicht. Weil Ratten aber gute Schwimmer sind, mussten auch auf den nahegelegenen Inseln erst mal die Ratten beseitigt werden. Tatsächlich hat sich der Bestand der Antigua-Schlanknattern danach so weit erholt, das sie inzwischen auf drei weiteren nahegelegenen Inseln erfolgreich wieder angesiedelt werden konnte.

Wir kriegen zwar trotzdem keine zu sehen, aber wir hatten ja in Dominica immerhin ihre nahen Verwandten, die Antillen-Schlanknattern vor die Linse bekommen. Lediglich ihre Hauptbeute können wir entdecken, die ebenfalls nur auf Antigua lebenden kleinen Schienenechsen. Überhaupt finden sich diverse kleine Echsenarten im Unterholz:

Ein spannender Ausflug war es jedenfalls trotzdem. Zurück vom North-Beach zum gleichermaßen weißsandigen und besser für die Dinghy-Anlandung geeigneten South-Beach nehmen wir aber lieber den kurzen Sandpfad.

Wobei, die Inselerkundung wäre nicht vollständig ohne einen kleinen Besuch an den Blow-Holes oben auf dem Hügel. Dort gibt’s zwar diesmal keinen Sundowner, aber dafür diesen tollen Blick durch das Blow-Hole geschätzte 15 Meter hinunter ins Meer:

Zurück auf der Flora können wir von den vorbei kommenden örtlichen Fischern Conches (Riesen-Flügelschnecken, also karibische Meeresschnecken) und Fische kaufen.

Von den Fischern bekommen wir die Conches schon ohne das (wunderschöne) Gehäuse, eine ziemliche Arbeitserleichterung 😉.

Great Bird Island, Antigua

Die Seekarte sieht selbst im kleinen Maßstab durchaus interessant aus, Flachstellen und Korallenblöcke sind in großer Zahl vertreten und der Weg zu unserem Ankerplatz ist nicht betonnt. Segelfreunde hatten uns berichtet, dass die Navionics-Karte hier sehr präzise sei, trotzdem tasten wir uns langsam an den geplanten Ankerplatz vor Great Bird Island heran.

Die Ankunftszeit haben wir so gewählt, dass die Sonne noch hoch und in unserem Rücken steht, so können wir die Hindernisse sehr gut an der Wasserfarbe erkennen (Eyeball-Navigation): dunkleres Türkis zeigt gute Wassertiefe an, helleres Türkis heißt flacher, braun bedeutet Korallenblock. Im langsamen Zickzack fahren wir in die Lee Cove westlich von Great Bird Island. Zu ankern brauchen wir nicht, nahe der Insel ist eine (kostenlose) Mooring frei, an ihr machen wir Flora fest.

Und dann geht’s erst mal ab ins Wasser, das hier jetzt auch klarer und weniger milchig ist als das allerdings ebenfalls schön türkise Wasser in der Deep Bay, unserer letzten Ankerbucht an der Nordwestseite von Antigua. Ich tauche die Muringkette ab, sie ist sehr massiv und sieht nicht angegriffen und gut verankert aus, fein.

An der Nachbarboje macht später die „Heaven 47“ fest, Briten, denen Wiebke auf Instagram (dotontheocean) folgt. Wir fahren mal rüber und werden gleich an Bord eingeladen, schnacken ein bisschen und verabreden uns zum Abendessen. Sam und Simon haben frischen Fisch von einem Fischerbötchen erstanden, wir bringen warmen Couscous-Möhren-Staudensellerie-Fenchel-Salat und Getränke mit, Paola und Giancarlo von dem Katamaran „Gladan“ (https://sailingladan.com) steuern frische Pizza und Wein bei, es wird ein lustiger Abend.

Heute Vormittag fahren wir gemeinsam hinüber nach Great Bird Island, erkunden etwas die Insel, lassen auf Picknickbänken am Strand die Füße im Wasser baumeln (Ausflusboote kommen keine, nur ein ziemlich leeres liegt noch da, legt aber ab kurz nachdem wir gekommen sind) und schnorcheln dann in der flachen Dhingypassage zwischen den Inseln.

Zurück auf der Flora backe ich erstmal Brot, dann kümmere ich mich um den immer mal wieder stotternden Außenborder. Wie von Giancarlo vorgeschlagen lasse ich ein weiteres Mal den Vergaser ab, es scheint tatsächlich geholfen zu haben 🤞. Ich teste ihn, indem ich zum Fotografieren nochmal hinüber auf die Insel fahre. Wenn sie schon „Great Bird Island“ heißt …

Und wirklich schaffe ich es von der Klippe aus erstmals, die mit einer Flügelspannweite von über einem Meter tatsächlich großen, zudem wunderschönen Rotschnabel-Tropikvögel vernünftig abzulichten. Wir haben sie bisher vorwiegend auf den Passagen zwischen den karibischen Inseln gesehen und dann bewundert wie mit ihren verlängerten Schwanz-Steuerfedern so elegant über die See gleiten.

Zurück an Bord muss die Drohne nochmal ran, Vogelperspektive halt, diesmal der ganze Ankerplatz mit den Nachbarbooten:

Noch einmal schwimmen gehen und schwupp – trudelt per WhatsApp eine Verabredung zum Sundowner oben auf dem Hügel von Great Bird Island ein. Tja dann …