Kaua’i und letzte Vorbereitungen

Die nördlichste – viele sagen: die Schönste – der größeren Inseln des Hawai’i-Archipels wollen wir gerne noch besuchen: Kaua’i.

Auf dem Weg dorthin ankern wir für eine Nacht im Vorhafen von Haleiwa im Norden von O’ahu. Aber schon um 3.00 Uhr nachts geht es weiter, denn vor uns liegen 90 sm bis Kaua’i.

Es wird ein Segeltag mit idealen Bedingungen, trotzdem grummelt es leicht im Magen. Aber um 18.00 laufen wir in die wunderschöne Hanalei-Bucht auf Kaua’i ein. 15 Sunden, wie geplant noch bei Tageslicht, die frühe Abfahrt war gut getimt.

Hier rücken die Berge nah an die Küste, nach Westen hin schließt sich die spektakuläre Nā Pali Küste an, die wir bei der Abfahrt Richtung Alaska noch näher anschauen wollen. Landseitig ist sie kaum zugänglich, der ansonsten am Ufer entlang um die Insel führende Highway 560 bricht dort ab. Nach Osten hin ist es etwas flacher und entlang des hier mündenden Hanalei River gibt es sogar (Wasser-) Felder, überwiegend wird hier Kalo (=Taro) angebaut. Die Knollen dieser Pflanze werden zum traditionellen Hawaiianischen Grundnahrungsmittel Poi verarbeitet, die Blätter zum Beispiel für Lau Lau genutzt, ein weiteres traditionelles hawaiianisch-polynesisches Gericht, in seiner ursprünglichen Form im Erdofen gegart.

Das ich diesen Ausblick habe, verdanken wir der unglaublichen Gastfreundschaft hier. Mit dem Dinghy fahren wir in den Hanalei River, im Gepäck Rucksäcke für den letzten Einkauf von frischen Lebensmitteln und unseren Hackenporsche mit zwei Zwanzig-Liter Kanistern, deren Diesel wir zuvor in den Schiffstank geschüttet hatten und die nun wieder aufgefüllt werden sollen. Zur Tankstelle ist es ein langer Fußmarsch, aber es soll auch einen stündlich fahrenden Bus geben. Ist allerdings fraglich, ob der uns mit Kanistern einsteigen lassen würde. Ein Stück den Fluss hinauf legen wir am Ufer an und binden das Dinghy an einer Palme fest. Riley sitzt daneben im Liegestuhl hinter seinem Truck. Wir kommen ins Gespräch, fragen ihn nach dem Weg zur Tankstelle. Er beschreibt uns den Weg, “aber das könnt ihr nicht laufen. Ich würde Euch ja fahren, aber da ist mir jetzt zu viel Verkehr. Nehmt einfach meinen Truck. Schlüssel steckt.” Machen wir, ich setze Wiebke am Supermarkt ab, fahre zur Tankstelle. Das wäre zu Fuß tatsächlich nicht nur weit, sondern auch schwierig geworden. Es geht ziemlich steil den Berg rauf und die schmale Straße hat keinen Randstreifen und erst recht keinen Fußweg. Danke, Riley. Wir laden ihn auf ein Bier zu uns auf die Flora ein und es wird ein angeregtes, spannendes und persönliches Gespräch.

Wie an fast allen Ankerplätzen sind auch in Hanalei viele Auslegerkanus unterwegs. Wie sehr das auf Hawai’i Volkssport ist zeigt sich heute, als am Ufer Zelte aufgebaut werden und vor dem Strand eine Rennstrecke abgesteckt wird. Den ganzen Tag schallen die Kommandos der Bootsführer und die Anfeuerungsrufe der vielen Zuschauer zu uns herüber.

Trotz immer wieder auch trauriger Gedanken, heute sind wir genau drei Jahre unterwegs. das wollen wir würdig begehen. Wiebke backt einen Jubiläumskuchen (eine Variation von Tante Christas Zitronen-Baiser).

Fahren wir morgen wirklich los? Nein, einen Tag geben wir uns noch. Also Abfahrt am Montag. Es sei denn, der Wetterbericht ändert sich noch einmal. Waren zuletzt in flotter Folge Tiefs durchgezogen, scheint sich jetzt das nordpazifische Hochdruckgebiet mit etwa einem Monat Verzögerung (La Niña bedingt) zu stabilisieren. Unsere Route um dieses Hoch herum wäre dann etwa 2.600 Seemeilen lang, würde aber günstigere Winde erhoffen lassen, Segelzeit dann vielleicht drei Wochen. Für den direkten Weg (2.300 sm) hatte unser Routenprogramm zwischendurch auch schon mal 30 Tage ausgewiesen, zu viel Gegenwind und Flauten. Dann doch lieber so:

Aloha.

Kāne’ohe Bay

Wir haben uns entschieden, noch einige Tage in Hawai’i zu bleiben und die Abfahrt nach Alaska etwas zu verschieben. Aus der quirligen Großstadt Honolulu verabschieden wir uns aber, um den Süden von O’ahu herum fahren wir auf die Ostseite der Insel, in die Lagune von Kāne’ohe. Es ist keine Spazierfahrt, ziemlich schaukelig und erst im letzten Drittel vernünftig segelbar.

Die Einfahrt in die Bucht ist beeindruckend. An Steuerbord ragen steile grüne Berghänge in die Höhe, die das Ka’a’awa Tal abschirmen, es erinnert an Jurassic Park. Erinnert? Nein, nicht nur. Teile der Filme wurden tatsächlich hier gedreht.

Und auch voraus an der Westseite der Bucht zieht sich ein Gebirgszug wie eine natürliche Festungsmauer entlang, nur dass er hier ein kleines Stück vom Ufer zurück emporsteigt und damit Raum für ein paar kleinere Ortschaften bietet. Das Besondere der mit Korallenköpfen gespickten Bucht ist das große Barriereriff, das sie vor dem Pazifikschwell abschirmt und zudem eine beeindruckende Sandbank beinhaltet. Boote können aus dem Inneren der Bucht im tiefen Wasser bis an die Sandbank heranfahren, sogar den Anker auf die Sandbank fallen lassen und sich mit dem Heckanker im 12 m tiefen Wasser vor einem Herumschwingen schützen.

Wir wählen aber die klassischere Variante und ankern frei schwingend etwas abseits der Sandbank, nachdem wir uns im betonten Fahrwasser zwischen den Korallenbommies (den oliv-braunen Flecken im Drohnenbild) hindurch getastet haben.

Durchatmen, jetzt erst einmal diese Landschaft in uns aufnehmen:

Anders als in Honolulu an O’ahus Westküste bleiben die Wolken hier im dem Wind zugewandten Osten der Insel zumeist nicht auf Abstand, sondern ziehen in schneller Folge durch. Bleiben an den Bergen hängen und bescheren uns immer mal wieder einen Regenguss.

Morgens, Mittags und Abends haben wir den Ankerplatz fast für uns allein. Dazwischen aber wird die Sandbank in getakteten Schichten reichlich genutzt. Ausflugsboote bringen stundenweise Tagestouristen und reichlich “Spielzeug” heran, also Kajaks, Paddleboard, Schwimmwesten und Schnorchelbrillen.

Wer mag es ihnen verdenken. Aber zu unserer Stimmung passt die Fröhlichkeit der Tagestouristen nicht, trotzdem tut es uns gut, in der Natur zu sein. Wir setzen mit dem Dinghy zur Sandbank über, suchen uns eine ruhige Ecke, laufen durch das flache Wasser, Schnorcheln an der Riffkante.

Lenken uns ab und versuchen, das Schöne zu sehen. Das gelingt uns mal besser, mal weniger gut, wenn die Trauer wieder Raum greift. Aber das muss sein und ist wohl auch gut so.

Aloha.

O’ahu. Wellen im Meer und an Land.

Mit dem Mietwagen erkunden wir O’ahu. Wer sich noch nicht mit Hawai’i beschäftigt hat, dem wird der Inselname O’ahu vermutlich nichts sagen. Schon eher dagegen Honolulu als auf dieser Insel gelegene größte Stadt von Hawai’i und Hauptstadt des 50. und damit jüngsten US-Bundesstaates. Und vielleicht auch noch Waikīkī, Stadtteil von Honolulu und zugleich Namensgeber des berühmtesten Strandes der Inselgruppe.

Auf der Parallelstraße zum Waikīkī-Beach fahren wir aus Honolulu hinaus Richtung Südosten. An den Ampeln ungewohnte Anblicke: Surfer aller Altersklassen laufen barfuß durch die Großstadt, das Board unterm Arm. Vor der Schule oder der Arbeit eben noch mal schnell ‘ne Runde Wellenreiten 🏄.

Am Aussichtspunkt bei Diamond Head legen wir eine erste Pause ein. Eigentlich hätten wir dieses Wahrzeichen von Honolulu gern von “innen” besichtigt, denn was von See und auch vom Stadtzentrum aus wie ein normaler Berg aussieht, ist in Wahrheit ein gigantischer Tuffring. An der südwestlichen Seite hat sich ein höherer Rand mit einer Spitze ausgebildet, weil bei der zugrunde liegenden Eruption der Nordostpassat die Partikel vorwiegend in diese Richtung geweht hat.

Man soll von dort einen tollen Blick über Honolulu haben, aber bei der Anfahrt blinken uns bereits Leuchtschriften entgegen. Ohne Reservierung kein Eintritt! Wir probieren es gleich online, aber für die nächsten Tage ist schon alles dicht. Mit dem Museum über dem Wrack der Arizona in Pearl Harbor wird es uns genauso gehen. Der Tourismus auf O’ahu ist durchorganisiert, solche typischen Attraktionen muss man rechtzeitig buchen. Ups. Macht aber nichts, es gibt so vieles zu sehen was man nicht buchen muss. Den Blick über die Vorstadtviertel hinüber zu den scheinbar sanft gewellten Hügeln bei unserem nächsten Ziel Koko Head zum Beispiel.

Beim Näherkommen wird aber klar: sanft gewellt ist höchstens die Straßenführung dort hindurch, Koko Head und Koko Crater sind weitere Vulkankrater, die sich durchaus schroff präsentieren.

Auf der Küstenstraße geht es mit wunderschönen Panoramablicken weiter gegen den Uhrzeigersinn um O’ahu herum.

Bei Kaneohe an der Ostseite der Insel machen wir einen Abstecher weg vom Meer in die Berge hinein. Es geht durch dichten Wald und ein paar Tunnel steil hinauf zum Nu’uano Pali Lookout. Der Ausblick von dort ist wirklich atemberaubend, denn vor der Steinplattform fällt das Gelände fast senkrecht rund 300 m ab. Der Legende nach fand hier der entscheidende Kampf statt, aufgrund dessen der siegreiche Kamehameha auch O’ahu als letzte Insel des Archipels seinem Königreich eingliedern konnte und damit ganz Hawai’i unter seiner Herrschaft vereinigte. Die Armee von Kamehameha soll die unterlegenen Truppen seines Widersachers über die Klippen in den Abgrund gedrängt haben.

Der Blick geht entlang an den steilen Hänge der Ko’olau Berge.

Wie Stein gewordene senkrechte Wellen kurz vorm Brechen muten die Flanken dieser Berge an, oder wie gefaltete “Ziehharmonika”-Berge. Der zumeist vergleichsweise schmale Streifen Flachland zwischen den Steilwänden und dem Meer wird hier im feuchteren Osten der Insel dort wo die Häuser noch Platz lassen meist landwirtschaftlich genutzt. Der breite, weitgehend unzugängliche Gebirgszug Ko’olau nimmt aber fast die Hälfte der Fläche der Insel ein und zieht sich von der Südspitze bis in den Nordosten. An seinen östlich Flanken fahren wir – unterbrochen vom Stop an Giovanni’s Foodtruck – bis zu dem berühmten Surfstrand schlechthin. Der Sunset Beach an O’ahus Nordküste ist legendär. Surfer sehen wir dort aber kaum. Kein Wunder, das Wasser vor dem kilometerlangen Sandstrand ist fast spiegelglatt:

Jetzt. Im Sommer. Im Winter dagegen baut der dann vorherrschende Nordschwell hier die Brandung auf, die ihn zum Mekka der Wellenreiter gemacht hat.

Ein weiterer kleiner Abstecher führt uns in den botanischen Garten von Waimea, der in einem wunderhübschen Tal einen Spaziergang zu einem kleinen Wasserfall sowie zudem einen Einblick in die Hawaiianische Kultur bietet und quasi ein Museumsdorf beinhaltet. Auf besonderen Wunsch einer lieben Segelfreundin (gestern von Bermuda aus geäußert) gehe ich bei dieser Gelegenheit nochmal auf die Vögel dort ein, denn auch in diesem botanischen Garten können wir wieder ganz besondere entdecken, Zum Beispiel diese beiden doch sehr unterschiedlich aussehenden Schamadrosseln:

Vor allem aber, liebe Andrea, den hier:

Rotohrbülbül

Wie sein naher Verwandter, der Rotsteißbülbül (aus dem letzten Beitrag) ein echter Bülbül. Die Familie heißt wirklich so (engl.: bulbul) und lebt überwiegend in Afrika und auf Madagaskar. Die deutschen (Vor-)Namen der (profaner auch Haarvögel genannten Familie sind bei der Lage ihrer auffälligen Farbflecken ja selbsterklärend.

😉

Weiter an der Nordküste entlang findet sich im Nordwesten ein Naturschutzgebiet, dass zwischen sehr felsigen Abschnitten nur kleine, abgelegene und selten besuchte Sandstrände aufweist. Ein Rückzugsgebiet für die selten gewordene Hawaiianische Mönchsrobbe, von der wir eine auf unserem langen Spaziergang dort auch tatsächlich antreffen.

Das Wasser zeigt schon: hier wird es wieder wilder. Aber so richtig knackig zeigen sich die Wellen erst an der Westküste. Ganz im Norden dort liegt die Yokohama Bay. Als wir ankommen, zeigen rote Flaggen überall am Strand, dass Schwimmen derzeit nicht angesagt ist. Wären wir aber wohl auch so drauf gekommen:

Es gibt aber auch Badegäste, die trotzdem ins Meer wollen, es sich dann aber kurzfristig doch anders überlegen 🤔

Und natürlich die Surfer. 😎

Wir begnügen uns einfach mit dem Betrachten dieses wunderbaren Naturspektakels können uns an den Farben und der Dynamik einfach nicht sattsehen.

Pünktlich zum Sonnenuntergang sind wir zurück in Honolulu. Vor Floras Bug, auf der anderen Seite der Hafenmole gehen die Wellen ebenfalls hoch und so sind dort und auch auf der Mole selbst noch Surfer unterwegs.

Aloha.

Honolulu erkunden, Aloha und Hang Loose

Wir lassen uns Zeit, Honolulu ausgiebig zu erkunden. Vom Hafen Ala Wai aus erlaufen wir uns zunächst die nähere Umgebung.

Am Hilton Hotel mit den farbigen Kacheln seiner „Rainbow“-Fassade vorbei schließt sich gleich der berühmte Waikīkī Beach an. Der öffentliche Park im Vordergrund gehört noch nicht dazu, aber direkt hinter dem Hochhaushotel geht es los.

Die Straßenschluchten der zumeist nicht ganz topmodernen Highriser gleich hinterm Strand sind von Palmen gesäumt. Eigentlich müsste jeden Augenblick wie in der Fernsehserie aus den 80ern Thomas Magnum im roten Ferrari 308 am die Ecke biegen.

Auch auf der anderen Seite des Hafens schließt sich zunächst ein kleiner Park an, wegen des dazwischen liegenden Kanals ist es dahin aber schon ein ordentlicher Spaziergang.

Dafür ist man aber auch schon beim ersten großen Shoppingcenter angekommen, das sich hinter dem Park erstreckt und so ziemlich alles abdeckt, was das Konsumherz begehrt.

Für die Erkundung der Altstadt ist es zu Fuß dann aber doch etwas weit. Macht nichts, denn – eher untypisch für die USA – ist das Bussystem hier in Honolulu wunderbar ausgebaut und mit 5,50 $ für die Tageskarte auch günstig. Wir bekommen die dafür erforderliche Chipkarte im Mini-Supermarkt gegenüber unseres Hafens.

Das auf Hawai’i allgegenwärtige „Aloha“, mit dem man sich begrüßt oder verabschiedet, dessen Wortsinn aber auch „Liebe“ bedeutet, leuchtet uns auch auf dem Display im Bus entgegen. Ergänzt wird es passenderweise durch das „Chaka“-Zeichen. Die Surfer haben dieses ebenfalls eng mit dem hawaiianischen Lebensgefühl verbundene Handzeichen als „Hang Loose“ mit ihrem Sport von Hawai‘i aus in die Welt getragen.

Ach ja, Surfer. Mit 19 war ich auf einer Tramptour in Südfrankreich so bekloppt, gemeinsam mit zwei Freunden einfach mal ein Surfbrett auszuleihen und in der Nähe von Arcachon einen Nachmittag lang abwechselnd mit den Wellen zu kämpfen. Keiner von uns dreien hat es damals geschafft, auf dem Brett in den Wellen überhaupt zum Stehen zu kommen, wir haben uns die Knie wund gescheuert und die Arme aus dem Leib gerudert, um wieder hinauszukommen, nachdem wir in der Welle zum Strand gezogen wurden, während das mit einer Leine an unserem Bein befestigte Board quer vor der Welle eben dahin gespült wurde. Reichlich Salzwasser haben wir geschluckt und trotzdem sogar noch Spaß gehabt.

Ich kann nicht widerstehen und melde mich für eine Lehrstunde im Wellenreiten am Waikīkī-Beach an. Große Erwartungen (an mich) habe ich nicht. Aber wo ich doch schon mal hier am Geburtsort des Wellenreitens bin …

Runterfallen, wieder aufsteigen. Und von vorne. Dazwischen jedes Mal wieder durch die Wellen hindurch hinauspaddeln, es wird so anstrengend, wie ich es in Erinnerung hatte. Aber in den anderthalb Stunden habe ich auch sechs Erfolgserlebnisse, GlücksMOMENTE im Wortsinn, denn der längste gestandene Ritt dauert gerade mal 7 Sekunden. Völlig platt aber glücklich komme ich wieder auf der Flora an. Das schreit nicht eben nach Wiederholung, aber wie der Nachmittag in Arcachon wird es eine tolle Erinnerung bleiben. Bilder davon gibts keine – außer in meinem Kopf!

Von der Altstadt dagegen gibts Bilder. Zum Beispiel:

Königspalast
Aloha-Tower am Hafen. Der alte Leuchtturm hat eine (leider seit COVID geschlossene) Aussichtsplattform. Und hier wurde für ausfahrende Schiffe das von der Hawaiianischen Königin komponierte Lied „Aloha Oe“ gespielt.

Ein Stückchen weiter die Statue von König Kamehameha I. vor dem Gebäude des obersten Gerichtshofes. Ein bisschen kniffelig, wir sehen sie bereits zum dritten Mal. Das mit Rot und Gold verzierte Original soll wohl im kleinen Örtchen Kapaau auf Big Island stehen, in Hilo und Honolulu hätten wir dagegen Kopien gesehen.

Beeindruckend ist auch die First United Methodist Church, die wir am Sonntag besuchen. In Hawaiianisch ist der Gesang im Gottesdienst zwar nicht (das wäre aber beim 12.00 Uhr Gottesdienst der Fall, vielleicht hören wir uns das am nächsten Sonntag an). Aber schon die von der Straßenseite eher unauffällige Kirche fasziniert mit ihrer Architektur. Der Österreicher Alfred Preis hat 1955 hier aus Korallenzement und Lavasteinen ein Bauwerk geschaffen, dass nicht nur Hawaiianisch luftig erscheint, sondern es auch ist. Die obere „Fenster“-Reihe ist völlig offen, der Wind weht wie bei den ursprünglichen Hawaiianischen Grashütten und den traditionellen wändelosen polynesischen Versammlungshütten quer durch das Gebäude. Das Altarkreuz aus Glasbausteinen erstrahlt ohne künstliches Licht.

Für uns schließt sich ein Besuch im nahe gelegenen botanischen Garten an. Ein Goldbaum lässt dort seine Blüten auf uns herunter regnen …

… wir sehen, wo der Pfeffer wächst …

… die Macademia-Nüsse , für deren Export Hawai’i bekannt ist noch am Baum …

… und noch so vieles mehr. Insbesondere auch eine ganze Menge Vögel, der von der Pracht der Blüten und Früchte natürlich auch angelockt werden. Zum Beispiel

Rotkardinal (Northern Cardinal)
Graukardinal (Red crested Cardinal)
Rotsteißbülbül (Red vented Bulbul)
Wellenastrild (Common Waxbill)
Reisnonne (Java Finch)
Sperbertäubchen (Zebra Dove), ausgewachsen etwas kleiner als eine Amsel
Hirtenmaina (Common Mynah)

Konnte ich also auch wieder meinem Vogel-Tick nachgehen. Und von Sonnenuntergängen und Skyline-Bildern kriege ich wohl auch nicht genug. 😊

Aloha.

Lanā’i und Moloka’i: Ankern in Abgeschiedenheit

Nach dem etwas rolligen Ankerplatz vor dem bunten und touristisch erschlossenen Lahaina auf Maui entscheiden wir uns für ein Kontrastprogramm. Das ist einfach, in Sichtweite gegenüber der Stadt liegt Lāna’i. Diese Insel steht für Exklusivität, sie ist fast vollständig im Besitz von Larry Ellison, der dort für extrem zahlungskräftige Erholungssuchende zwei absolute Edelressorts und diverse Villen anbietet. Gekauft hat er die Insel von Dole. Genau, der Frucht-Produzent. Jim Dole kaufte Lāna’i 1922 und verwandelte das Eiland zur damals größten Ananasplantage der Welt, lange Jahre wurde hier bis zu ein Fünftel aller weltweit produzierten Ananas angebaut.

Aber was zieht uns dorthin? Auf der Westseite der Insel soll es einen spektakulären Ankerplatz an der Steilküste geben, dessen hoch aufragende Felsnadeln zudem Schutz vor dem in Lahaina recht lästigen Südschwell bieten. Einen Versuch ist es jedenfalls wert. Wir segeln etwa 25 sm südlich um Lāna’i herum und hoch bis zur Mitte der eher kargen Westküste. Und wir werden nicht enttäuscht:

Wir liegen wunderbar ruhig und der Anker findet perfekten Halt auf dunklem Sandgrund. Und als Extra bieten die “Needles of Nanahoa” auch noch ein beeindruckendes Schnorchelrevier.

Das zaubert doch gleich ein Lächeln ins Gesicht. Warum?

Am nächsten Tag segeln wir eine Insel weiter, wieder auf eine der etwas kleineren, unbekannteren Inseln des Archipels. Moloka’i hat sich dem Tourismus weitgehend verweigert, ist eher ländlich strukturiert, bietet aber tolle Sandstrände, Wanderpfade und mit rund fünfzig Prozent den höchsten Anteil hawaiisch/polynesischstämmiger Bevölkerung. Für uns ist die Insel zudem ein passender Absprungort für den geplanten Schlag hinüber nach Honolulu auf O’ahu, was dann wohl wieder Kontrastprogramm sein dürfte.

Auch der Ankerplatz auf Moloka’i ist sehr speziell und gut geschützt, er liegt in einem aufgegebenen, früher wohl zum Sand- und Kiesverladen genutzten Hafen mitten im weitgehend unbewohnten Nirgendwo der westlichen Südküste der Insel.

Ankern im Hafen? Ja, die Mole ist eher nicht mehr so vertrauenerweckend, aber zum Anlanden mit dem Dinghy (das wir anschließend mit dem Dinghyanker etwas von der Pier abhalten) reicht es allemal.

Witzig: der Online-Törnführer „Noodle Notes“ berichtet, dass hier im Sommer manchmal „infestation of honey bees desperate for fresh water” zu erwarten sei. Tatsächlich findet sich gleich nach unserer Ankunft eine größere Zahl Bienen ein und stürzt sich auf den Bezug unseres Kugelfenders, der nach dem Abspülen unseres Hecks (vorher dort den gefangenen Bonito filetiert) noch mit Frischwasser getränkt ist.

Das scheint dringend zu sein. Wir stellen den übrigens kein bisschen aggressiven Bienen eine große Schüssel mit Wasser hin und es ist erstaunlich, wie schnell sie den Pegel reduzieren. Aber die Wand scheint zu glatt und manche Bienen ertrinken, also schwenken wir auf flache Untertassen um.

Die muss ich allerdings ein paar mal nachfüllen. Zum Sonnenuntergang sind die Bienen dann wieder verschwunden.

Dafür kommt im letzten Tageslicht ein amerikanischer Einhandsegler in den Hafen und ankert neben uns. Wir laden James zu Fischtacos aus dem Bonito ein und es wird ein super netter Abend. James hat seine “Triteia” nach dem günstigen Gebrauchtkauf sehr umfangreich überholt (eher: wieder aufgebaut). Auf dem Törn von der US-Westküste hinüber nach Hawai’i hat er nach einer Kollision mit Treibgut sein Ruder verloren und über tausend Meilen einhand unter selbst konstruiertem Notrunder zurückgelegt (YouTube: Sailing Triteia). Als er hört, das wir nach Alaska wollen, schenkt er uns seine Papierseekarten für die Region. Er hatte ursprünglich geplant, dorthin zu segeln, sich jetzt aber für Französisch Polynesien umentschieden. Geld will er auf keinen Fall annehmen, wir sollen die Karten halt nach Gebrauch weiterverschenken.

Das werden wir machen, vielen Dank, James!

Aloha.

Friseursalon mit Ausblick und Schildkröten

Es ist mal wieder soweit. Der Klappstuhl wird aufs Achterdeck gestellt, die Werkzeuge bereitgelegt. Badeklamotten an, damit die nicht vom Wind weggewehten Schnipsel gleich abgespült werden können. Langfahrt führt halt dazu, dass auch ungeahnte (und ungelernte) Tätigkeiten an Bord übernommen werden. Und Wiebke macht das richtig gut. Ich muss zugeben, dass ich sie lieber zum Inselfriseur schicke 😉.

Und – na klar – danach gehts erst mal ins Wasser. Mit den Paddelboards fahren wir an das Riff und schnorcheln dort ausgiebig. Das Wasser ist nicht ganz so klar wie zuletzt am Molokini-Krater, aber die Sicht ist noch ganz gut und die Unterwasserlandschaft wunderschön. An der Kante unserer sandigen Ankerfläche springt das Riff ein, zwei Meter nach oben, bildet dann aber keine ebene Fläche, sonder ist von tiefen Spalten durchzogen, weist Blöcke, Brücken und kleine Höhlen auf. Und das alles in guter Schnorcheltiefe von rund 5 Metern, zum Ufer hin dann bis zur Oberfläche.

Klar, es gibt Rifffisch, vor allem aber sehen wir wunderbar viele Schildkröten.

Wie Delfine haben Meeresschildkröten (für uns) einen integrierten “Gute Laune – Lächeln” – Effekt. Und, wie die Amerikaner sagen: “it never gets old”. Sonnenuntergänge, Regenbögen, Wasserfälle, Delfine oder eben Schildkröten, immer wieder faszinierend.

Am Nachmittag dann ein schöner Spaziergang auf dem Kapalua-Coastal-Trail, vom Ankerplatz aus an der Küste entlang. Zum Teil schroffe felsige Abschnitte, dazwischen öffentlich zugängliche Sandstrände, sogar ein bisschen Dünenlandschaft.

Die Hotels in diesem Küstenabschnitt halten sich vornehm im Hintergrund. Zurück gehen wir durch den kleinen Ort, der im wesentlichen aus verschiedenen Ressorts besteht, die sich um den Golfplatz gruppieren.

Wir sind ja keine Golfer, aber … das geht wohl auch 😎.

Aloha.

Flora im Vulkan!

Schon eine Woche sind wir in und auf Hawai‘i, langsam wird es Zeit sich auch um die anderen Inseln des Archipels zu kümmern. Also lichten wir den Anker und segeln Richtung Maui. Es ist ein Übernacht-Törn, etwa 100 sm. Mittags geht es los, mit kräftigem raumen bis achterlichen Wind brausen wir an der Nordostküste von Big Island entlang. Über dem Land hängen dichte fast bis zum Meer hinunter, lediglich die Steilküste mit unzähligen über sie hinabstürzenden Wasserfällen und den tiefen Taleinschnitten können wir ausmachen.

Der ungewöhnliche Südwind schiebt uns schnell hinauf in den Alenuihaha-Channel zwischen Big Island und Maui und er sorgt dafür, dass wir in diesem Kanal heute nicht die gefürchteten Starkwinde der Acceleration Zone zwischen den hohen Vulkanbergen erleben. Stattdessen haben wir ab Mitternacht wie vorhergesagt Flaute und motoren durch den Rest der Nacht.

Zum Sonnenaufgang zeigen sich eine hell strahlende Venus und ein durch die niedrige Wolkendecke hindurchstoßender Vulkan auf Maui.

Wie geplant erreichen wir die Ankerbucht “La Perouse Bay” im Hellen. Bloß, die vorgefundenen Bedingungen sprechen ziemlich deutlich gegen sie. Ein hässlich hoher Schwell aus Südwest steht genau in die Bucht hinein und lässt die Gischt an der steinigen Küste hoch aufspritzen. Wir drehen ab und laufen etwa 5 sm weiter zur Insel Molokini. Schon der Blick auf die Seekarte macht deutlich, dass es sich dabei um die Reste des Kraterrandes eines Vulkans handelt.

Die Smiley-Insel Molokini 😀

Halbkreisförmig und nach Süden geschlossen sollte der Schutz bei den aktuellen Bedingungen gut sein. Ankern dürfen wir dort zwar nicht, aber es sind reichlich Bojen ausgebracht. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Als wir in den Krater einfahren, sind schon einige Tauch- und Schnorchelboote da, es ist aber noch genug Platz vorhanden. Wir haben sogar das große Privileg, eine der nur zwei an der Wasseroberfläche befindlichen Bojen zu bekommen.

Ernsthaft, alle anderen Bojen sind von der Naturschutzbehörde drei Meter tief unter der Wasseroberfläche angebracht. In den offiziellen Anweisungen steht, ein Crewmitglied solle ins Wasser springen und tauchend die Leine durch die Öse der Boje fädeln. Die Touristenboote voller Schnorchler machen es auch genau so.

😮

Na gut, wenn hier schon so viele Schnorchler sind, wird es ja wohl was zu sehen geben. Das Wasser ist jedenfalls kristallklar, wir können den Korallengrund in 20 m Tiefe von Bord aus sehen und auch schon einige Fische an Floras Rumpf.

Dann mal rein und … Aquarium, vor allem näher am Ufer!

Kihikihi (Moorish Idol)
Witwen-Drückerfisch (mit gelber Brustflosse und weiß-rosa Schwanzflosse
Papageifisch und Zitronenenflossen-Doktorfische
Kihikihi und ein Schwarm Orangerücken-Einhornfische
Dunkle Drückerfische im Schwarm
Orangenstreifen-Falterfisch und Schwarzer Doktorfisch

Danach halten wir erst mal Mittagsschlaf. Als wir wieder aufstehen, wartet die nächste Überraschung auf uns: wir haben die ganze Caldera dieses lange erloschenen Vulkans für uns allein. Erstaunlicherweise bleibt auch es auch fast den ganzen Nachmittag so. Das Wetter ist etwas bedeckt, aber hey, was für ein magischer Ort!

Aloha.

HAWAI’I (Big Island)

Wir sind immer noch auf der größten und namensgebenden Insel des Archipels, auf Hawai’i, zur besseren Unterscheidung oft auch „Big Island“ genannt. Und groß ist die Insel wirklich. Auch, aber nicht nur von der Fläche her, sondern insbesondere hinsichtlich ihrer Vielfalt. Aktive Vulkane? Na klar.

Entsprechend gibt es viele Lavafelder überall auf der Insel. Eine irre Vorstellung, das diese Landschaften erst entstanden sind, nachdem wir geboren wurden. Der letzte große Ausbruch war erst 2018. Die von den jüngeren Ausbrüchen stammenden Felder sind zumeist noch fast überhaupt nicht bewachsen, lediglich die knallrot blühenden „Ōhi’a lehua“ besiedeln als Pionierpflanzen die kargen Steinwüsten.

Das ist insofern besonders spannend, als diese auf den Lavafeldern kleinen Sträucher zugleich die Pflanzen sind, die als Bäume in den meisten hawaiianischen Regenwäldern das Blätterdach bilden, während unter ihnen Riesenfarne dominieren.

So zum Beispiel auch im Kilauea Nationalpark, wo wir nicht nur die trockenen Lavafelder durchfahren, sondern durch einen solchen Regenwald zu einem beeindruckenden Lavatunnel wandern.

Und – wieder ganz anders – auch die wildromantische Küstenstraße 11 hin zum Sea Arch „Hõlei“ findet sich dort.

Aber Hawai’i bietet noch viel mehr. Wo wir schon einmal einen Mietwagen haben, erkunden wir auch den Norden der Insel. Dabei können wir zunächst nahtlos an die Regenwaldwanderung vom Vortag anknüpfen, nur dass es diesmal zu einem anderen, gleichwohl ebenso wie die Vulkane für ein Element stehendes und immer wieder faszinierendes Naturwunder geht. Obwohl zunächst in ein tief eingeschnittenes Tal hinein und dann auf schmalen, auf beiden Seiten steil abfallenden Grat hinauf, ist es doch ein Spaziergang über Treppen und kein anstrengender Hike bis zum Akaka-Wasserfall.

„Kennst Du einen, kennst Du alle“ hat mal jemand über Wasserfälle gesagt. Können wir absolut nicht unterschreiben, selbst wenn dieser hier absolut bilderbuchmäßig 135 m in die Tiefe stürzt.

(für die skeptische Kerstin: Bild komplett unbearbeitet!)

Aaaaber: Vielfalt zeigt sich ja eher im Unerwarteten. Und auch das sehen wir auf unserer Tagestour. Zum Beispiel trockene Steppenlandschaft im Nordwesten der Insel.

Und immer wieder weidende Kühe. Wer hätte schon gedacht, dass die Insel Hawai’i eine der größten Rinder-Ranchen der gesamten Vereinigten Staaten von Amerika beherbergt? Allein die 1847 etablierte Parker Ranch bewirtschaftet hier 900 Quadratkilometer (also 90.000 Hektar!) Landfläche und hat allein bereits ca. 60.000 Rinder. Und es gibt noch weitere große und vor allem kleine Viehbetriebe.

Weite Prärielandschaft mit oasengleich eingebettetem Ort:

Wieder ganz anders, die wilde Steilküste im Nordosten mit dem alten Waipi’o Königstal:

Oder das teilweise wiederaufgebaute polynesischen Fischerdorf mit Grashütten auf der gegenüberliegenden trockenen Inselseite:

Die sanfthügelige Landschaft dazwischen, die selbst schon wieder so viele Facetten zeigt:

Von der Nebel-Fahrt durch die Wolken zurück quer über die Insel, vom modernen Ort Kailua-Kona aus (von dem aus südlich sich die Hotels an die hier verglichen etwa mit dem berühmten Waikiki auf der Insel O’AHU eher kleineren Strände anschließen) und dann zwischen den 4.000dern Mauna Kea und Mauna Loa hindurch gibts keine Bilder, aber immerhin vom Blick hinüber zur Nachbarinsel MAUI, deren immerhin auch über 3.000 m hoher Vulkan Haleakala durch die Wolken stößt:

Schon ein ganz schönes Spiel mit unseren Erwartungen (oder Vorurteilen?) über Hawai’i. Wir sind sehr gespannt, was die anderen Inseln der Gruppe für uns bereithalten.

Aloha.

Erste Eindrücke aus Hilo, Hawai’i

Wir haben herausgefunden, dass wir unser Dinghy in einem kleinen öffentlichen Hafen im Wailoa River parken können, von dort aus führt ein schöner Weg durch einen weitläufigen Park mit dem Waiākea Pond. Immer am Wasser entlang, geschwungen angelegt, mit vielen Palmen, vor allem aber mit riesigen Schirmakazien (unser Taxifahrer sagt, sie werden hier „Monkey Pod“ genannt, anderenorts heißen sie auch „Raintree“). Eigentlich in der Savanne beheimatet, gedeihen sie hier so gut, dass sie – obwohl eben nicht heimisch – als gern angenommenen weitausgreifende Schattenspender zum Stadtbild gehören.

Es gibt auch einen Weg an der der Bucht entlang, aber der Strand ist nicht sonderlich attraktiv, schwarz, mal Sand und mal Kies. Schwemmholz lagert sich dort an und er ist vom Ort durch die große Straße eher getrennt als angebunden.

Hilo ist nach Honolulu die zweitgrößte Stadt im Bundesstaat Hawai’i. Davon sollte man sich aber nicht täuschen lassen. Mit etwa 45.000 Einwohnern ist Hilo eher ein beschauliches Städtchen, das wird sehr deutlich, als wir das Zentrum erreichen. Ursprünglich in dem Bereich gelegen, in dem jetzt der Park und ausgedehnte Sportanlagen liegen, verlagerte es sich nach mehreren verheerenden Tsunamis (der letzte große sorgte 1960 für schlimme Verwüstungen und erhebliche Opferzahlen) aus dem Scheitel der Bucht weiter nach Westen und etwas den Hügel hinauf, wobei es auch hier schon historische Gebäude gab.

Die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein. Das wirkt meistens charmant, an einigen Ecken aber auch ein bisschen „in die Jahre gekommen“, wird aber von den Geschäften auch mit den Auslagen in den Schaufenstern eher noch bewusst unterstrichen 😉.

Man pflegt das „Hang Loose“, die Öffnungszeiten unterstreichen das. Privatleben will auch Raum. Customs (zum Einklarieren) hat von 6.00 bis 14.00 Uhr geöffnet, die Läden in der Haupteinkaufsstraße machen um 15.00 oder 16.00 zu. Manche auch eher 😉:

Auch das sehenswerte und informative Pacific-Tsunami-Museum schließt um 16.00, wir statten ihm aber vorher noch einen Besuch.

Und was macht der Hawaiianer nach Feierabend? Angeln offenbar manche. Surfen vielleicht, aber eher auf Maui als hier in Hilo, hier wird das Ausleger-Kanu klargemacht. Die polynesischen Wurzeln werden gepflegt, es ist Volkssport. An der Boje am Ankerplatz hängt natürlich auch eins.

Aber auf dem Parkplatz an Land ist es ebenfalls kein ungewöhnlicher Anblick:

Und am Nachmittag wird es quirlig um die Flora herum.

Segeln geht aber auch:

Wir schauen uns ein weiteres Museum an, das Imiloa Astronomy Center. Es bietet eine Ausstellung über die polynesische Navigationskunst und die weiten Reisen mit den Hochseekanus und über die astronomischen Observatorien und Teleskope auf dem Vulkan Mauna Kea, dem höchsten Berg Hawai’is. Was wir nicht wissen: Auch ein Planetarium ist darin und dort bekommen wir eine tolle Doppelvorführung über schwarze Löcher (mit sehr aktuellem Bezug zu neuen Forschungsergebnissen) und über den aktuellen Sternenhimmel und wie die Polynesien ihn lesen, welche Sternbilder sie in ihm erkennen und nach ihnen navigierten.

Den Mauna Kea und bei genauem Hinsehen sogar die weißen Observatorien auf seiner Spitze können wir vom Boot aus bei guter Sicht erkennen, kaum zu fassen, dass er über 4.200 m hoch ist.

Die Vulkane hier müssen wir uns auf alle Fälle noch näher ansehen, insbesondere den nur wenig niedrigeren und noch aktiven Mauna Loa.

Und vorher: Shaved Ice. 😁 Hatten wir auch schon mal in Panama, ist hier in Hilo aber ganz besonders lecker. In meinem verbirgt sich innen noch eine Vanilleeiskugel, auf Wiebkes ist Kokoscreme und Passionsfrucht-Topping.

Galapagos. Die verzauberten Inseln. Und wie es für uns weitergehen soll.

Einer der früh verwendeten Namen für die Inselgruppe auf dem Äquator, weit draußen im Pazifik, lautet “Las Islas Encantadas”, die verzauberten Inseln. Er taucht bereits in einer Seekarte von 1589 auf. Das war ganz und gar nicht hochachtungsvoll auf die uns so bezaubernde einzigartige Tierwelt des Archipels bezogen, sondern damals eher ein verzweifelter Erklärungsversuch. Die Inseln schienen zu erscheinen und zu verschwinden. Manchmal konnte man Galápagos einfach überhaupt nicht finden, dann wieder waren die Inseln scheinbar an einem völlig anderen Ort auf dem Meer. Da mussten unchristliche Mächte am Werk sein, es war ja wie verhext. Ab und zu wurde sogar die Vermutung geäußert, es könne sich um schwimmende Inseln handeln, wie sie schon in der griechischen Mythologie existierten, zum Beispiel Aiolia als Sitz des Windgottes Aiolos.

Wie so oft: wenn der Bauer nicht schwimmen kann, ist die Badehose schuld! Aber es war auch schwierig, bevor die Satellitennavigation oder zumindest Sextant und exakte Uhren den Seglern ihre eigene Position auf dem Globus klar machten. Die Winde hier am Äquator sind schon recht unstet, außerdem verbergen sich die Inseln oft im Dunst. Viele Flautentage machten die gekoppelten (also geschätzten) Positionen immer unsicherer. Denn für den Navigator schwer einschätzbar waren früher auf der Fahrt zu den Galápagosinseln die (auch heute noch vorhandenen) Strömungen. Gleich drei völlig unterschiedliche Strömungen treffen bei den Galápagosinseln aufeinander und machen deren reiche Tierwelt überhaupt erst möglich. Gemeinerweise sind die Strömungen dabei aber auch keineswegs so verlässlich wie etwa der Golfstrom im Atlantik, sondern verändern sich etwa in „El Niño“-Jahren massiv, weil dann der Humboldtstrom deutlich schwächer wird oder sogar fehlt.

Dieser wohl bekannteste Strom ist kalt und nährstoffreich, er wird vom Südostpassat zu den Galápagos hinaufgedrückt. Umgekehrt schiebt der Panamastrom, gefüttert vom Nordäquatorialgegenstrom warme Wassermassen aus Nordosten heran und hilft den wärmeliebenden tropischen Tierarten. Der dritte Mitspieler kommt aus dem Verborgenen: aus dem Westen und damit gegen die vorherrschende Windrichtung zieht in der Tiefe der Cromwellstrom als (kalte) Äquatoriale Unterströmung heran, er wird an der unterseeischen vulkanischen Galapagosplattform nach oben gedrückt. Das kalte, wiederum sehr nährstoffhaltige Wasser dieses Stroms sorgt dafür, dass sich zum Beispiel die Pinguine an den Küsten der westlich gelegenen Inseln Fernandina und Isabela wohlfühlen.

Und alle drei Ströme umspülen die Inseln, versetzen die Schiffe und verwirrten die frühen Seefahrer. Islas Encantadas.

Eines der schönen, zugleich aber auch schwierigen Phänomene der spanischen Sprache ist, manche Wörter so viele völlig unterschiedliche Bedeutungen haben. „Encantada“ ist ein gutes Beispiel dafür. Es kann verzaubert, verhext oder verdammt bedeuten. Aber auch glücklich, begeistert oder entzückt. Und sogar für einen ganzen Satz stehen:

„Schön, Sie kennenzulernen.“

Wir sind jedenfalls sehr glücklich, diese bezaubernden Inseln kennengelernt zu haben. Und wir sind sehr gespannt, ob Strömungen und Winde im Pazifik uns auf unserer Weiterfahrt nach Hawaii 🌺 wohl gesonnen sind. Etwa gut einen Monat wird die Passage dauern, wenn alles glatt läuft.

Warum Hawaii? Für die weitaus meisten Boote hier in Santa Cruz sind die Galápagosinseln das Sprungbrett zu den Marquesas, das sind rund 3.000 Seemeilen. Eine richtig lange Strecke. Unsere Atlantiküberquerung von Mindelo auf den Kapverden bis Bequia in St. Vincent und den Grenadinen waren dagegen nur 2.200 sm. Der Pazifik ist groß, riesengroß.

Nach Hawaii sind es von den Galápagosinseln aus mindestens 4.000 sm direkte Strecke, auf dem wahrscheinlicheren Kurs 4.300 sm, nämlich erst einmal 2.000 sm nach Westen und dann 2.300 sm im Bogen nach Nordwesten. Ganz schön weit! Und davor haben wir auch gehörigen Respekt. Aber wir wollen zurück auf die Nordhalbkugel segeln und eine nordpazifische Runde über Hawaii, Alaska und British Columbia im Westen Kanadas segeln um irgendwann im Herbst in der Gegend von Vancouver oder vielleicht Seattle (das wäre dann schon wieder USA) zu sein. Ein deutlicher Schlenker von der klassischen Barfußroute, der uns nach fast drei Jahren durchgehendem Sommersegeln – Maine im August 2020 geht dabei als Spätsommer durch – jetzt aber sehr reizt.

Und danach? Die US-Westküste hinunter zu Mexikos Baja California (Sea of Cortez) schwebt uns vor. Und von da vielleicht unser Absprung nach Französisch Polynesien. dann wären wir auch wieder auf der klassischen Barfußroute. 🦶 ⛵️

😊