Bergwanderung auf La Gomera

Eigentlich ist so ein morgendlicher Regenbogen in den Bergen hinter unserem Hafen ja ein deutliches Signal, oder?

Mit Susanne, Jochen und Jakob von der SY Stressless haben wir heute eine 15 km Bergwanderung unternommen. Die drei kennen die Insel (und auch diese Wanderung) gut, was heute von besonderem Vorteil war. Wiebke und ich hätten nämlich vermutlich noch nichtmal den Einstieg in die Tour gefunden, nachdem uns der Bus der Linie 1 von San Sebastián bis auf 1.100 m Höhe in einer dichten Wolke abgesetzt hat. Konnten wir vorher noch die tollen Ausblicke hinunter nach San Sebastián und unseren Hafen und hinüber über die Meerenge mit einem auf der anderen Seite wieder über die Wolken hinausragenden Pico de Teide genießen, sehen wir jetzt … nicht viel.

Neben der Bushaltestelle führt ein kleiner steiler und rutschiger Pfad scheinbar ins Nichts. Nicht mal den 1.350 m hohen Roque de Agando können wir erkennen, obwohl wir neben ihm ausgestiegen sind. Offenbar nicht grundlos gibt’s im gebirgigen Inneren La Gomeras im Herz des Nationalparks Garajonay subtropischen Nebelwald mit bis zu zwei Meter hohen Farnen.

Aber Susanne ist sich sicher und wir folgen ihr. Tatsächlich führt er uns zum eigentlichen Einstieg in den dann ausgeschilderten Wanderweg hinunter nach Playa de Santiago.

Und trotz Nebel oder Wolke oder Regen, die Wanderung ist wunderschön und abwechslungsreich. Laufen wir zunächst meist durch Kiefernwald, wird es zwischendurch offener und ab und zu können wir sogar in der Ferne das Meer durchblitzen sehen.

Je weiter wir hinuntersteigen, desto karger wird es. Und das, obwohl sich Agaven und auch Palmen einfinden.

Aber dafür werden die Hänge steiler, die vor langen Zeiten angelegten Terrassen werden kaum noch genutzt, zu aufwendig ist die erforderliche Handarbeit. Manchmal geht’s direkt neben dem Pfad senkrecht hinunter, aber meist ist der Weg eigentlich ganz gut zu begehen. Nur das ständige Bergab auf dem glitschigen Geläuf setzt den Knien auf Dauer doch kräftig zu.

Die Wolken und mit ihnen die Feuchtigkeit begleiten uns bis hinunter nach Playa de Santiago, obwohl sich zwischendurch sogar mal die Sonne zeigt.

Im Ort erwischen wir mit perfektem Timing den Bus zurück nach San Sebastián, kaufen noch etwas ein und genießen dann bei Sonnenschein Eis und Bier im Cockpit der Stressless – wir finden, das haben wir uns verdient.

Nachtrag zum Whale-watching

Einen kleines Video noch als Nachtrag. Zum Schluss des letzten Posts geschrieben habe ich ja geschrieben „29 kn Wind, ordentlich Welle, zweifach gerefftes Groß und Fock. Langweilig wird es nicht 😁“. Da wusste ich noch nicht, dass wir nur Minuten später über 37 kn Wind (mittlere Windstärke 8) haben würden. Dazu eine richtig gemeine hohe Kreuzsee, die für eine quer durch den Salon fliegende Kaffeemaschine gesorgt hat. Alles heil geblieben.

Das Gebolze gabs aber nur für die letzten 5 Meilen vor San Sebastián de La Gomera, jetzt liegen wir hier gut geschützt im Hafen, das Kreuzfahrtschiff legt gerade ab, das Anlegebier ist schon getrunken. Was für ein Tag!

Eine etwas längere Version (mit aufgeregten Regieanweisungen) findet ihr durch Klick auf den Link: Grindwale zwischen Teneriffa und La Gomera: https://vimeo.com/372942890.

Tschüß Teneriffa, Whale-watching auf dem Weg nach Gomera

Wir verabschieden uns von Teneriffa. Vorm Hafen von San Miguel steht noch etwas Welle, die Acceleration Zone begleitet uns noch bis zum Kap Punta Rasca mit etwa 25 kn Wind, sogar der Pico de Teide grüßt noch einmal aus den Wolken. Und dann – Flaute. Wir dümpeln noch etwas, spielen mit verschiedenen Segelkombinationen, beobachten die Gelbschnabelsturmtaucher, die mit einer Flügelspannweite von über einem Meter elegant und bei mehr Wind scheinbar mühelos ohne einen Flügelschlag ganz dicht über dem Wasser dahingleiten, immer wieder hinter den Wellen verschwindend.

Etwa 30.000 Brutpaare der hier auch Guañaguaña genannten Verwandten der Albatrosse sollen auf den Kanaren brüten.

Aber Wind und Wellen nehmen ab und irgendwann müssen die Segel eingerollt doch der Jockel angeworfen werden. Aber dann das:

Grindwale. Direkt an der Flora ziehen sie ganz langsam ihre Bahn. Eine ganze Schule der auch „Pilotwal“ genannten 3 bis 6 m großen Tiere begleitet uns auf beiden Seiten des Schiffes. Ihre fast rohrförmigen Körper mit der runden Melone am Kopf, die den Schnabel fast zu überragen scheint können bis zu 8 m lang werden, aber so große Exemplare entdecken wir nicht. Dafür aber Walmütter mit ihren Jungen. Wir sind mal wieder völlig aus dem Häuschen.

Jetzt sind wir schon kurz vor La Gomera, in der nächsten Acceleration Zone. 29 kn Wind, ordentlich Welle, zweifach gerefftes Groß und Fock. Langweilig wird es nicht 😁

Acceleration Zone

Acceleration Zone, WAZ’n das? Wind Acceleration Zone Canary Islands ist der wunderschöne technische Begriff für das, was wir auf Seglerdeutsch “Düse” nennen würden. Verschärfte Düse vielleicht.

Für Nichtsegler: zwischen den hohen kanarischen Inseln muss sich der vorherrschende Nordostwind quasi durchzwängen. Dabei wird er beschleunigt, und aus entspannten 20 kn (Windstärke 5) Wind werden 30 kn (Windstärke 7). Hinter den Inseln (also südwestlich), ganz besonders hinter Teneriffa mit seinem hohen Teide gibt’s dann dafür Windschatten bzw. Flaute.

Auf Windy sieht das für heute so aus:

So weit, so gut. Wenn man wie wir von Santa Cruz im Norden nach San Miguel im Süden Teneriffas segeln möchte, hat man eben starken Rückenwind, kein Problem, oder?

Na ja, für die Windböen gilt das Ganze natürlich auch. Wieder Windy:

Das ist jetzt schon weniger nett. 43 kn sind Windstärke 9, also Sturm. Hm.

Dazu kommen natürlich noch die Wellen und da gibt’s eine weitere Gemeinheit:

Den Windwellen von 2,7 m Höhe aus Nordost steht nämlich fieserweise ein Schwell (nicht zum Wind passende Welle) aus Süd entgegen. Auch wenn der nur 70 cm hoch ist, führt das doch zu steilen Wellen und einem chaotischen Wellenbild, das eher unangenehm zu befahren ist.

Heute haben wir das heute seeehr anschaulich erleben dürfen. Wir sind so früh wie möglich losgefahren, um das Ärgste zu vermeiden, tatsächlich hatten wir erst perfekten Wind, der dann aber immer stärker wurde und erst am letzten Kap (Cabo de Punta Roja) oft die dreißig und selten 40 kn (Windstärke 8) erreichte. Und die See, na ja.

Dazu muss man allerdings sagen, dass sich Wellen vom Boot aus wirklich schlecht fotografieren und filmen lassen 😚.

Trotzdem ein kleines Video, bei knapp 30 kn aufgenommen:

Sooo schlimm war es also nicht, sonst hätte ich ja nicht gefilmt. Aber die Halse (Seitenwechsel des Segels) am Kap hat doch einiges an Adrenalin freigesetzt. Und warum waren wir überhaupt unterwegs? Unsere Reservierung im knackvollen Hafen Santa Cruz war abgelaufen, mit einem neuen Hafenplatz hier unten hatte es geklappt. Allerdings nur durch Vermittlung des hiesigen Segelmachers, der unseren Code0 noch mit einem Klettstreifen nachrüsten sollte, das Segel aus Santa Cruz bei einem anderen Termin mitgenommen hat und uns mitgeteilt hat, es würde jetzt hier in bei ihm in San Miguel fertig bereitliegen.

Außerdem soll es die nächste Zeit windmäßig nicht besser werden und es ist ein weiterer (begrenzter) Test für den Atlantik. Bestanden, 😁.

Ach ja, und die Vorhersage des gegenläufigen Schwells hatten wir schlicht übersehen 😳. Hätte aber eh nichts geändert.

Teneriffa: Über den Wolken …

… und manchmal auch darunter oder darin! Wie, Wolken? Richtig mit Regen? Ja, das gibt’s hier auf Teneriffa. Und deshalb gibt’s auch ordentlich Grün, was wir ja auf Gran Canaria noch suchen mussten.

Aber Teneriffa kann mit dem Teide aufwarten, dem mit 3.715 m höchsten Berg Spaniens und insgesamt dritthöchsten Inselvulkans unserer Erde. Ganz schön hoch!? Wie so oft ist auch das relativ. Der “Olympus Mons” als wohl höchster Vulkan unseres Sonnensystems befindet sich auf dem Mars ist und steigt etwa 26 km hoch aus der umliegenden Tiefebene auf. Ich finde, es spricht für die Spanier, dass sie auf dem Aussichtsparkplatz vor dem Teide auf diesen Fakt aufmerksam machen.

Aber zunächst mal machen wir einen großen Bogen um den Teide. Mit Uschi fahren wir nämlich quer über die Insel und dann an der herrlich grünen Nordseite der Insel entlang. Der Küstenstreifen ist hier recht dicht bebaut und ansonsten auch intensiv landwirtschaftlich genutzt, oft mit Bananenplantagen bis dicht an die Steilküste heran.

Hier ist noch die wunderschöne lila Blüte unter der Bananenstaude zu erkennen

Wir fahren nach Westen bis Garachico, einer der ältesten Städte Teneriffas. Mit dem Bau der Kirche Santa Ana wurde schon 1520 begonnen, allerdings wurde sie wie der größte Teil des Ortes bei einem Vulkanausbruch zerstört, die heutige Kirche am idyllischen zentralen Platz stammt aus dem 18. Jahrhundert.

Eigentlich wären wir gern in dem zwischen den Lavaklippen vor dem alten Castillo befindlichen Meerwasserschwimmbad mit seinen natürlichen Becken schwimmen gegangen, Badesachen hatten wir extra mitgenommen. Aber im “Winter” ist das Bad leider geschlossen. Wir verstehen schnell, warum das so ist: der Wellengang ist enorm und es bilden sich beeindruckende Strudel, obwohl die See selbst noch nicht einmal besonders bewegt aussieht.

Der Hafen von Garachico, im 16. und 17. Jahrhundert der wichtigste der Insel, wurde 1706 bei einem Vulkanausbruch größtenteils verschüttet.

Für uns geht’s ab Garachico in engen Serpentinen über eine Nebenstraße hinauf in die Berge, wobei wir den Teide nur in der Ferne immer mal wieder hinter den “kleineren” Gipfeln auftauchen sehen.

Nachdem wir noch Los Gigantes und seinem unter den wahrhaft gigantischen 450 m senkrecht ins Meer fallenden Klippen liegenden Hafen einen Besuch abgestattet haben kurven wir uns wieder hinauf über die Berge und nehmen die Küstenautobahn zurück nach Santa Cruz.

Los Gigantes

Am nächsten Tag spannen wir aus, holen mit dem Mietwagen in größerem Umfang Proviant und fahren dann mit Uschi sowie mit Doris und Christian von der Dancing Pearl zum Strand Playa de las Teresitas, diesmal auch mit Baden.

(Foto-Credit: Christian)

Dieser Strand ist ein Beispiel für die Blüten, die der Tourismus so treibt. Uns als Touristen bewegt die Natur, dafür wird einiges bewegt. Ob das noch Natur ist? Nördlich von Santa Cruz wurde 1973 auf den ursprünglich vulkanisch schwarzen Sand feinster heller Sand aufgelegt, den man eigens aus der Sahara hergeschafft (=hergeschifft) hatte. Ein kilometerlanger Wellenbrecher sorgt dafür, dass er nicht gleich wieder weg gewaschen wird.

Übrigens liegt auch heute ein Frachter im Hafen von Santa Cruz, aus dem unentwegt feiner heller Sand auf einen Lkw nach dem anderen geladen wird. Nachschub oder ein weiterer “aufgehellter” Strand 🏖?

Nehmen wir doch lieber nochmal den Teide ins Visier. Schon wieder müssen wir Abschied nehmen, Uschi fliegt zurück ins kalte und regnerische Norddeutschland. Wir bringen sie zum Flughafen im Süden Teneriffas. Auf dem Rückweg wählen wir nicht die Küstenautobahn, sondern die Nebenstraße, die quer durch den Teide Nationalpark in der Inselmitte verläuft. Wieder geht es zunächst über viele Serpentinen hinauf, wobei wir schnell in die diesmal tief hängenden Wolken hineinkommen. Schon bei unserem Mittagsstop im kleinen Ort Vilaflor sind wir mittendrin.

Die ausgeschilderten Wanderwege locken bei diesem Wetter nicht so sehr, es wird mit nur 7 Grad auch empfindlich kalt. Aber wir finden ein tolles, eher rustikales Restaurant mit ländlicher, deftiger, traditioneller kanarischer Küche. Lecker. Und auch die kleine alte, bis auf den prunkvollen Altar eher schlicht gehaltene Kirche des Ortes begeistert uns.

Auf der Weiterfahrt durch den grauen Nebel der Wolken fragen wir uns schon, ob wir den Teide heute überhaupt zu sehen bekommen, aber dann wird es mit jedem Höhenmeter etwas heller über uns. Und irgendwann lassen wir die Wolken unter uns, ein phantastischer Anblick.

Und wir schrauben uns immer noch höher, bis wir die auf etwa 2.200 m gelegene Hochebene der Las Cañadas erreichen, die ältere Vulkancaldera mit 17 km Durchmesser, aus der sich der Pico de Teide, also die eigentliche Bergspitze noch einmal fast 1,5 km hoch erhebt.

Aber selbst auf dieser Höhe holen uns die Wolken dann doch ein.

Wir schaffen es gerade noch, einen Blick auf die Observatorien am Kamm des Berges Izaña zu werfen, die hier in 2.400 m Höhe die normalerweise klare Sicht ins Weltall nutzen, dann werden auch sie von Wolken eingehüllt.

Das Freiburger Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik betreibt hier leitend gleich zwei Teleskope, “VTT” und GREGOR”. Aber auch Institute aus anderen Ländern betreiben hier (oft in internationaler Zusammenarbeit) Teleskope.

Den Rest der Fahrt geht’s durch Nebel oder Regen, viele Aussichtspunkte (Mirador) sind ausgeschildert, aber mehr als das Hinweisschild können wir nicht erspähen. Erst kurz bevor wir es bis hinab zur Küste geschafft haben reißt der Himmel wieder auf und unter einem schönen Regenbogen 🌈 sehen wir wieder das Meer.

Wird Zeit, dass wir mal wieder segeln.😉

Santa Cruz de Tenerife

Wir haben Teneriffa erreicht. Einmal mehr gestaltete sich die Reservierung des Liegeplatzes eher schwierig. Auf unsere Mailanfrage hin gab es erstmal eine Absage, scheint Standard zu sein. Also angerufen, auf die Absage verwiesen und erklärt, wir müssten am Ende der abgefragten Zeit Uschi zum Flughafen bringen. Also vielleicht ein paar Tage am Ende des Zeitraums? Antwort: mal sehen, was ich tun kann, melde mich per Mail. Eine halbe Stunde später kommt eine Mail: ihr könnt morgen kommen.

Nur, da können wir noch gar nicht da sein, hatten auch erst ab übermorgen angefragt. E-Mail zurück: morgen schaffen wir nicht, wir kommen übermorgen. Und so geschieht es.

Eine ruppige Am-Wind-Überfahrt, nach 50 sm sind wir da, funken den Hafen an. „Habt Ihr eine Reservierung?“. Ja. „Hm, SY Flora. Nein, ich habe der Flora doch eine Absage geschickt.“ Ja, erst schon, aber die Mail eine halbe Stunde später … . „Hm. Melde mich gleich.“ 10 Minuten später: „O.k., Steg 2, aber nur für eine Nacht.“ Grrr.

Nach dem Anlegen geht es zur Anmeldung ins Marinabüro. Soll ich meckern oder um Verständnis/Mitleid bitten? Ich überlege noch. Begrüßt werde ich im Büro mit einer Entschuldigung dafür, dass ein Missverständnis mit den Mails vorliege und ich deshalb EVENTUELL EIN ODER ZWEI MAL VERHOLEN (umparken) MÜSSE. Ja, wenn es das nur ist. Wir haben eine Liegeplatzzusage für den ursprünglich angefragt es Zeitraum, perfekt. Wieder einmal wendet sich alles zum Guten.

Liegeplatz in Santa Cruz de Tenerife am Schwimmsteg mit Finger

Auch die Stadt gefällt uns auf Anhieb. Der Hafen war ursprünglich wie in Las Palmas auf Gran Canaria durch eine große mehrspurige Straße von der Innenstadt getrennt, aber inzwischen ist das hier in Santa Cruz nicht mehr der Fall. Es gibt einen Deckel über der tiefergelegten Straße, darauf eine schöne, neu angelegte Promenade, die auch bis zum „Auditorio de Tenerife“ führt (Oper, Synphonieorchester, Tanz etc). Und was für ein imposantes Auditorio der Architekt Santiago Calatrava hier erstellt hat. Wir laufen um das Gebäude herum und aus jeder Perpektive wirkt es wieder total anders auf uns.

Witzig auch, dass die Molenbilder (unseres hatten wir ja in Porto Santo an die Pier gepinselt, auch hier im Hafen finden sich viele, in Las Palmas de GC waren einige auf die Felsbrocken der Hafenbefestigung gemalt) an der Mole hinter dem Auditorio ihre Entsprechung finden:

Wir gehen weiter, am Seewasserschwimmbad vorbei, einem Nachwerk von César Manrique, in den Palmengarten. Absolut empfehlenswert. Quasi eine Weltreise im Spaziergang, mit einigen weiten Sprüngen: direkt nach den Kanaren sind wir auf Hawaii:

Dann machen wir mit Melanesien weiter, Vanuatu, Neu Guinea, Neu Kaledonien (weil es so schön ist gleich mit zwei Bildern, ungewöhnliche Reiseabfolge übrigens😉)

Selbst die Everglades in Florida erwischen wir:

Und wir frischen unsere Erinnerungen an Cuba auf:

Und, und und. Stellvertretend hier noch ein paar Sabanas im Baströckchen von Hispaniola:

Zur Abrundung gibt’s noch einen Blick vom Mirador de Caribe auf Schwimmbad, Auditorium und Hafen (Yacht- und Industriehafen im Hintergrund):

Inseln des ewigen Frühlings?

Es ist wohl ein ziemlich trockener Frühlung, mit dem jedenfalls die östlichen Kanaren aufwarten, die Bezeichnung passt auf La Graciosa, Lanzarote und Fuerteventura allenfalls hinsichtlich der Temperatur. Frisches Grün dagegen: Fehlanzeige.

Aber jetzt und hier, auf Gran Canaria, da sollte das jahreszeitliche Attribut doch besser passen, oder ist es nur ein Werbelabel der Tourismusbranche? Gran Canaria ist hoch, erhebt sich fast 2.000 m aus dem Atlantik. Anders als auf den flacheren östlichen Inseln reicht das öfter, um die übers Meer ziehenden Wolken zum Abregnen anzuhalten oder zumindest dazu, ihre Feuchtigkeit als Nebelwolken in höheren Nordlagen der Insel zu schenken. So weit die Theorie. In den letzten Jahren hat das allerdings nicht ausreichend stattgefunden. Anfang August hatten die Staubecken einen kritischen Füllstand erreicht, waren zum Teil sogar ganz trockengefallen.

Wasserspeicher bei La Aldea in Gran Canarias Westen; der arme Schmetterling

Die Landwirtschaft ächzt unter Trockenheit, diesen Sommer haben schlimme Waldbrände Gran Canaria heimgesucht.

Wiebkes Mutter Uschi ist zu Gast. Hier im Süden ist es knochentrocken, obwohl wir untypisch diesiges Wetter haben und gelegentlich sogar ein paar Tropfen Regen fallen. Der wäscht aber nicht das Boot, sondern zementiert es nur mit dem in der Luft liegenden Staub. Grrr.

Mit dem Mietwagen fahren wir gemeinsam von Puerto de Mogán aus im Uhrzeigersinn um die Insel. In den Bergen und dann vor allem im Norden müsste es doch besser, will sagen: grüner werden.

Zunächst aber beschränkt sich das Grün weitestgehend auf einige Plantagen beim Ort Mogán und – neben wenigen Bäumen – auf leuchtendes Türkis im Fels beim Pass oberhalb des Dorfes.

Hinunter geht es Richtung La Aldea. Weit die Hänge hinauf ziehen sich die mit Stoffplanen abgedeckten Plantagen. Manchmal kann man einen Blick auf die darunter wachsenden Pflanzen erhaschen, wir erspähen Bananen und meinen auch Tomaten und Papayas zu erkennen.

Aber die Landschaft bleibt karg und die Planen-Wirtschaft erfreut unser Auge nicht wirklich. Wir halten bei einer kleinen, schön renovierten Windmühle (neben der auch das trockene Wasserbecken liegt). Leider ist das angeschlossene Ein-Raum-Mini-Museum geschlossen. Rätsel gibt uns auch auf, dass wir häufiger mitten im trockenen Berghang Schilf und Kakteen direkt beieinander sehen, es ist offenbar nicht immer so trocken wie jetzt.

Leicht macht es uns Gran Canaria weiterhin nicht. Die „30 km Panoramastraße“, laut Reiseführer eine der Top 10 – Sehenswürdigkeiten der Insel, mit mehreren „Miradores“, also Aussichtspunkten lässt bei diesem Wetter nur wenig Aussicht zu:

Ja klar, das ist Wetter, da kann die Insel nix dafür. Blöd aber, wenn auf dem höchsten Punkt der Straße, gleich hinter dem Aussichtsbalkon, plötzlich ein Sackgassenschild steht. Weiterfahrt gesperrt. Wieder ganz zurück und über die Autobahn, nur so kommen wir nach Agaete. 15 km hoch und wieder retour sind ja irgendwie auch 30 km Panoramastraße 😳.

Immerhin können wir neben jetzt trockenem, aber offensichtlich lebenswilligem Strauchwerk auch viele der von der Kanarenregierung zu pflanzlichen Natursymbolen Gran Canarias bestimmten Kanaren-Wolfsmilch sehen.

Strauchwerk
Kanaren-Wolfsmilch: sieht aus wie ein Kaktus, ist aber eine nur auf den Kanaren heimische Euphorbia, eben eine Wolfsmilch-Planze, deren Milchsaft stark giftig ist.

Am Ende der oft durch Tunnel verlaufenden Autobahn schrauben wir uns über Serpentinen auf einer schmalen Straße hinunter nach Puerto de Las Nieves bei Agaete, einem kleinen, ziemlich touristischen Fischerort, deren größte Sehenswürdigkeit, die „Dedo Del Dios“ (Finger Gottes) genannte Felsnadel allerdings schon vor einigen Jahren abgebrochen und ins Meer gestürzt ist. Wir essen in dem heute hauptsächlich als Fährort nach Teneriffa bekannten Fischerdörfchen (natürlich Fisch) und fahren dann an Las Palmas vorbei in einem großen Bogen auf der Autobahn Dreiviertel um die Insel herum schneller zurück, als wir für das erste Viertel hierhin über die gebirgige Küstenstraße gebraucht haben.

Das frühlingsfrische Grün hat sich ziemlich erfolgreich vor uns versteckt, aber in die Nordhänge des Inselgebirges haben wir es bei unserer Fahrt bisher auch noch nicht geschafft. 😉 Wir finden es erst in unserer Oase Puerto de Mogán wieder 😊.

Denkansätze zum Abtauchen

Hier auf Lanzarote gibt es ein Unterwassermuseum, das Muséo Atlántico Lanzarote, eigentlich eher ein Unterwasser-Skulpturenpark. Der Künstler Jason deCaires Taylor hat hier (wie auch in Grenada oder in Cancun, Mexico) lebensgroße Statuen gestaltet und am Meeresboden platziert, wobei er mit seiner Kunst auch politische und gesellschaftliche Denkanstöße gibt.

Besonders deutlich wird dies mit dem „Floß von Lampedusa“. Insbesondere im Zusammenspiel mit der daneben gestellten Gruppe, zwei gesichtslosen Menschen, die ein Selfie in Richtung des Bootes machen. Besonders zum Nachdenken anregend, wenn man selbst das Ganze ja auch gerade fotografiert. Aber auch die größte Skulptur, „Cruzando el Rubicón“ ist in ihrer Aussage deutlich. Eine große Gruppe Menschen strebt einem kleinen Tor in einem hohen Zaun zu, auch wir tauchen hindurch. Danach gibt es kein Zurück, der Rubikon ist überschritten, die Statuen auf der anderen Seite des Zauns sind anders gestaltet. Zum Teil Mischwesen etwa aus Kaktus und Mensch (am Ende gewinnt ohnehin stets die Natur, auch hier, die Statuen werden als künstliches Riff schon von Unterwasserpflanzen besiedelt). Zum Teil (in der Skulpturengruppe „Desregulado“) als Manager in Anzügen, deren „Spielzeuge“ oder Insignien sich verändert haben: Wippen aus Ölpumpen zum Beispiel oder Kravatten mit Galgenstrick-Knoten. Keine leichte Kost, wenn man sich gleichzeitig auf die Tarierung beim Tauchen konzentrieren muss 😉.

Auf der „Natur“-Seite des Zauns zeigen sich übrigens auch weitaus mehr Fische. Blöd nur, ausgerechnet auf diesem Tauchgang einen neuen Fotofilter an der GoPro auszuprobieren und die Aufnahmen nur so „na ja“ werden zu lassen. Grrr.

Übrigens heißt die Marina Rubicón wahrscheinlich nicht nach dem italienischen Fluss, den Cäsar mit seinen Truppen so bedeutungsvoll überschritten hat, sondern nach dem historischen Ort Rubicón, der als erster von den Europäern auf den Kanaren errichtet wurde und (wahrscheinlich) nach den im Abendlicht rötlich (rubicundus) wirkenden Vulkanbergen benannt wurde. Trotzdem hat uns das Wortspiel bezüglich des Unterwasserzaunes und auch die offensichtliche Bezugnahme auf Manriques Kunst (Kaktusgarten und Kunst-Natur/Natur-Kunst) wie das gesamte Muséo Atlántico sehr gefallen.

Und zwei tolle Nachrichten haben uns heute erreicht:

Sönke hat es geschafft, durch persönliche Ansprache im Marinabüro einen Platz für die Flora auf Gran Canaria (Puerto Mogán) zu reservieren, auf unsere Kontaktaufnahmeversuche aus der Ferne hatte man dort schlicht nicht reagiert. Aber da Wiebkes Mutter am Samstag auf Gran Canaria landet, war ein Marinaplatz für uns wichtig.

Aus Hamburg hat uns Bernd Bilder der am Hamburger Wahrzeichen, dem Michel, angebrachten Stiftertafel geschickt, als Abschiedsgeschenk der ADS-Kollegen ist dort für uns eine Widmung angebracht worden.

Ganz lieben Dank!

Ich seh´ schwarz

Neben dem Blau des Himmels und dem Weiß der Häuser ist schwarz hier auf Lanzarote die deutlich vorherrschende Farbe. Der Lavaboden der Insel zeigt sich häufig sehr dunkel. Streckenweise fahren wir mit unserem Mietwagen durch Landschaft, die wie Stein gewordene schorfig verbrannte Riesenhaut oder frisch umgebrochener, dann aber sofort versteinerter Marschboden wirkt.

Aber an anderer Stelle hat der schwarze Boden – jetzt feiner gemahlen – auch sein Gutes. Lanzarote verfügt kaum über nennenswerte Grundwasservorkommen und ist zudem extrem regenarm. Die Trinkwasserversorgung wird heute aufwendig über Meerwasserentsalzungsanlagen sichergestellt, die Landwirtschaft musste sich also früh etwas Besonderes einfallen lassen. Zum Beispiel den Trockenfeldanbau. Und der funktioniert z.B. im Weinbaugebiet La Geria so:

Feiner schwarzer Aschesand, sogenannter Lapili, bildet eine dicke Deckschicht über dem fruchtbaren aber eben trockenen Vulkanboden. Am Lapili kondensiert die Nachtfeuchtigkeit und sinkt nach unten. Der Weinstock wird in einer künstlichen tiefen Mulde des Lapili gepflanzt, die zusätzlich noch von einer halbrunden und ohne Mörtel aufgeschichteten Lavasteinmauer gegen den Wind und die dadurch bedingte Austrocknung geschützt wird. Hektarertrag: nicht der Rede wert. Wahnsinnig viel Handarbeit? Ja! Wird seit Generationen so gemacht.

Meine Cuisine Elke und ihr Freund Uli sind zu Besuch, mit ihnen erkunden wir Lanzarote. Wir besuchen das bekannte Weinbaugebiet, die Feuerberge des Timanfaya-Nationalparks, wo thermische Anomalien in Erdlöchern von wenigen Metern Tiefe schon Temperaturen von einigen hundert Grad Celsius entstehen lassen. Uns Besuchern wird das eindrucksvoll mit sich selbst entzündenden Dornlattichbüschen demonstriert, Moses und der brennende Dornbusch lassen grüßen, aber der Timanfaya-Nationalpark hat für die Montaña del Fuego stattdessen trotzdem ein Teufelchen als Logo gewählt.

Weiter geht es hinunter ans Meer, wo die See mal an steil empor springende schwarze Felsen schlägt, in die für uns extra Besucherbalkone eingelassen sind, mal aber auch Surfern herrliche Brandungswellen vor sandigen Stränden bietet.

Manchmal zaubert es sogar Farbspiele wie den grünen See hinter dem schwarzen Sandstrand bei El Golfo.

Schwarz war auch die Gummidichtung für unser Vorluk (also das Fenster über der Vorschiffskoje). Jedenfalls ursprünglich mal. Inzwischen war sie eher Undichtung und zudem vom eingedrungenen Salz ziemlich grau geworden. Elke und Uli hatten vom Spezialhändler SVB aus Bremen eine neue Dichtung mitgebracht. Zwischen den Ausflügen auf Lanzarote war also mal wieder Handwerken angesagt.

⚠️ Gäste werden übrigens gnadenlos eingebunden ⚠️.

Der Rahmen des Lewmar-Luks ist geteilt und mit ein paar kleinen technischen Gemeinheiten versehen, aber: wir haben das gemeinsam hingekriegt und das Luk ist wieder dicht! Wasserstrahltest bestanden.

Dann also wieder Inselerkundung. 😊 Und dabei kommt man auf Lanzarote an einem Künstler auf keinen Fall vorbei. Wir besuchen das César Manrique Museum der gleichnamigen Fundación, den von ihm gestalteten Kaktusgarten und den ebenfalls von Manrique umgesetzten Aussichtspunkt Mirador Del Rio ganz im Norden der Insel. Neben vielem anderen ist besonders beeindruckend, wie Manrique immer wieder eine Einheit zwischen Umgebung, Natur und seinem Werk schafft, sei es bei den in Lavablasen eingebetteten Räumen seines Hauses, bei dem zudem die Lavafelsen gleichsam durch das Fenster hineingelassen werden, dem amphitheatrisch anmutenden Kaktusgarten In einem ehemaligen Steinbruch oder dem in die Steilwandkuppe eingelassenen Restaurant und Aussichtspunkt mit Blick hinüber nach La Graciosa. Manrique selbst prägte dafür den Ausdruck „Kunst-Natur/Natur-Kunst“.

Und so schafft es Manrique nebenbei auch, dass Lanzarote künstlerisch bei all dem Schwarz dann manchmal eben doch recht bunt daherkommt.

Karg ist nicht farblos! Montaña Amarilla

Da hatte ich in meinem vorigen Post doch geschrieben, La Graciosa sei karg und habe ihren Anmuts-Namen wohl quasi aus einem spätmittelalterlichen Marketingversuch heraus erhalten. Und dann das:

Der Wetterbericht sagt einen Sonne-Wolken-Mix voraus, es wird nicht so heiß, beste Voraussetzungen für eine Wanderung auf den Montaña Amarilla, den „gelben Berg“. Der liegt in der Südwestecke von La Graciosa, nicht weit von unserem Ankerplatz entfernt, an der Tauchern und Badenden vorbehaltenen Nachbarbucht. Google Earth wird befragt, lässt einen Rundwanderweg erahnen und liefert in der 3D-Ansicht ein beeindruckendes Bild des erloschenen Vulkankraters, dessen Nordwestseite offenbar bei einer Eruption weggesprengt wurde.

Also die Wanderschuhe an und los? Nein, natürlich nicht. Erstmal müssen wir ein ganzes Stück durch den losen Dünensand, das geht besser barfuß.

Aber schon jetzt zeigt sich, warum der gut 170 m hohe Berg nach einer Farbe benannt ist: die vom Meer angeknabberte Südseite präsentiert sich in einem Mix aus gelbem und rotem Tuffgestein und scheint gerade bei diesem Wetter manchmal regelrecht zu leuchten. Und was für ein Kontrast mit dem gelegentlich knalligen Blau des Himmels oder des Meeres, dem hellen Sand von sowohl Strand als auch manchen Dünen und dem Türkis der flacheren Buchten.

Jetzt mit Wanderschuhen geht’s auf einem zwar unbeschilderten aber meist gut erkennbaren Pfad über loses Geröll hinauf zum Grat des Vulkankraters.

Fantastische Ausblicke über den „Rio“ hinüber nach Lanzarote, über die Buchten und die Ankerlieger, hinunter zum Dorf Caleta del Sebo und auch nach Norden über La Graciosa hinweg zu den anderen Inseln des Naturschutzgebietes Archipelago Chinijo.

Und wie den Farben angepasst, hat sich bei unserer Rückkehr zur Flora eine kleine Palmtaube auf dem Heck unseres Bootes niedergelassen. Schön, ganz viele Tiere haben wir auf La Graciosa sonst leider nicht entdecken können und irgendwie kommt das von meinen Eltern und unserem Grundschuldirektor früh mit vogelkundlichen Wanderungen geweckte Naturinteresse offenbar immer wieder durch 😉.

Heute wollen wir trotzdem unseren herrlichen Ankerplatz verlassen und hinüber nach Lanzarote segeln. An die Ostseite zum Hauptort Arrecife. Zur Abwechslung mal wieder Stadt.