Physical Distancing leicht gemacht

Bisher sind in Antigua und Barbuda nur Gruppenbildungen von über 25 Personen verboten. Restaurants, Bars und Cafés sind (noch) geöffnet, die Geschäfte auch, die Versorgungslage ist weiter gut. Aber auch hier werden die Einschränkungen nach und nach schärfer: ab dem 27. März darf Barbuda nicht mehr angelaufen werden (auch nicht von Antigua aus), dort bereits befindliche Boote dürfen aber bleiben.

Hier in Jolly Harbor auf Antigua ist der Ankerplatz mit vielleicht 75 Booten gut gefüllt, wobei in den letzten Tagen durchaus einige Bewegung drin war. Kein Wunder, viele erwarten demnächst Einschränkungen, da kann man sich jetzt noch einmal positionieren. Heute z.B. haben einige die (vor-)letzte Chance genutzt, noch nach Barbuda zu segeln. Wir dagegen haben beschlossen, lieber erst weiter hier vor Jolly Harbor zu bleiben.

Anders als auf anderen Inseln der Karibik gilt bisher kein Ausgangsverbot. Wiebke und ich machen deshalb heute mit der Florecita einen kleinen Dinghyausflug. Vom gut gefüllten Ankerplatz aus geht es an der nördlichen Landzunge entlang erst zu den kleinen vorgelagerten Inselchen, dann aber doch um Pearns Point herum weiter zu den Sandstränden an der Nordseite der Halbinsel. Am ersten langen Sandstrand fahren wir noch vorbei, er ist zwar menschenleer, aber eine neu gebaute Villa liegt etwas oberhalb.

Der zweite Strand präsentiert sich dann menschenleer und ohne jegliche Bebauung. Kleine weiße Pfähle an der Hochwasserlinie und die auf Google Earth erkennbare Erschließung des Hügelrückens mit einer Ringstraße lassen aber vermuten, dass dies vielleicht nicht mehr lange so bleibt. Der Küstenabschnitt entpuppt sich als hinter einem kleinen Riff verborgener, am östlichen Ende aber mit dem Dinghy erreichbarer Traumstrand:

Wir bummeln ihn vom einen zum anderen Ende entlang und entscheiden uns dann, mit der vorsorglich eingepackten Schnorchelausrüstung etwas das Riff und die östliche Felsnase zu erkunden. Das flache Riff gibt nicht viel her, aber bei der Felsnase fliegt ein gefleckter Adlerrochen so nahe an uns vorbei, dass wir seine an einen Entenschnabel erinnernde vorstehende Schnauze wunderbar erkennen können.

Hatte uns die letzten Tage das Wetter mit häufigen Regenschauern (die uns sogar die Kuchenbude aufbauen ließen) überwiegend auf der Flora bleiben lassen und nur wenige Besuche bei oder von Nachbarbooten mit sich gebracht, herrscht jetzt wieder strahlender Himmel und Sonnenschein. Es fällt aber trotzdem auch heute leicht, große Menschenansammlungen zu meiden 😉

Wir sind allerdings sehr froh, dass uns die moderne Technik erlaubt, trotz räumlicher Distanz soziale Distanz vermeiden zu können, nicht nur hier in Antigua sondern auch zu unseren Lieben in anderen Teilen der Welt.

Bleibt gesund und munter!

Also Antigua!

Zur Eindämmung des Coronavirus werden auch hier in der Karibik allenthalben Maßnahmen getroffen, allerdings – wie in Europa auch – nicht in allen Staaten gleichzeitig. Da hier in den kleinen Antillen fast jede größere Insel ein eigener Staat ist, führt das zu einem Flickenteppich von sich in schneller Folge verändernden (=derzeit: verschärfenden) Regularien für die Segler, die sich zwischen den Inseln bewegen.

Verständlicherweise sind die Auswirkungen auf Segler nicht das Allererste, was beim Erlass neuer Regelungen in den Sinn kommt oder geprüft wird. Ist eine Regelung zur Corona-Eindämmung aber erstmal getroffen, wird sie von den ausführenden Oganen/Behörden in der Regel mit Vehemenz umgesetzt, auch das ist vor dem Hintergrund einer Pandemie nur zu verständlich. Es führt allerdings in manchen Fällen zu nur schwer verdaulichen Situationen, wenn etwa einem Segler trotz schlechten Wetters und rauer See das Anlegen in einem Hafen des Landes verwehrt wird, in dem er sich schon längere Zeit bewegt (so geschehen auf Madeira) oder nach tagelanger Fahrt (von den Kanaren nach Marokko) das Schiff mit Maschinenpistole im Anschlag zur Umkehr gezwungen wird.

In solche Situationen möchten wir natürlich nicht kommen. Auch hier in den kleinen Antillen werden zunehmend Grenzen geschlossen, Häfen gesperrt, beim Einreisen 14tägige Quarantäne vorgeschrieben, Ausgangssperren verhängt, dem Vernehmen nach z.T. sogar Ankerplätze geräumt (z.B. Îles des Saintes oder Bequia).

Nachdem sich in den letzten Tagen die Situation immer unübersichtlicher gestaltete, hatten wir für uns drei Länder als mögliche Fixpunkte herausgesucht, in denen wir die weitere Entwicklung in Ruhe beobachten könnten. Zunächst einmal Antigua und Barbuda 🇦🇬 , in dem wir seit Anfang des Monats einklariert sind, darüber hinaus Guadeloupe 🇫🇷 und Sint Maarten 🇸🇽 / St. Martin 🇫🇷, die beide mit einer längeren Tagesfahrt erreichbar gewesen wären. Allerdings: bei Guadeloupe und St. Martin zeichnete sich wegen der Anbindung an Frankreich früh ab, das die in Frankreich getroffenen strikten Maßnahmen auch hierhin ausstrahlen würden. Und tatsächlich: dort wie auch im holländisch geprägten Sint Maarten ist die Einreise für neu ankommende Schiffe inzwischen seit dem 18. März nicht mehr möglich. Wäre unglücklich gewesen, wenn man sich dorthin auf den Weg gemacht hätte und nicht rechtzeitig vor Schließung angekommen wäre.

Wir bleiben also hier in Antigua und Barbuda. Vor gut einer Woche, am 12. März, hatte ich ja schon mal zitiert: „If you’re gonna get stuck, get stuck somewhere nice“. Und „nice“ ist es hier allemal. Es gibt zwar Restriktionen, einklariert werden kann nur noch in der Hauptstadt St. John’s, aber die Bewegungsfreiheit im Land ist bisher nicht eingeschränkt. Wir können also zwischen den Ankerplätzen hin und her wechseln.

Und das machen wir auch: zuletzt in Barbuda am Cocoa Point Anchorage verholen wir uns etwas weiter nördlich in die Low Bay (wieder vor Anker) und machen von dort aus einen geführten Ausflug in das Vogelschutzgebiet im Norden der großen Insellagune.

Links Ankerplatz, rechts Lagune. Hurrikan Irma hat diese Dinghydurchfahrt in die westliche Nehrung gerissen, die sich aber bereits langsam wieder schließt.

Guide George holt uns mit einem flachgehenden Boot ab und bringt uns in das Schutzgebiet. Auch diese von den Fregattvögeln als Brutgebiet geschätzte Mangrovenlandschaft wurde von Irma schwer getroffen. Sie erholt sich aber und auch die Zahl der dort lebenden Fregattvögel nimmt erstaunlich schnell wieder zu.

Die Wucht des Hurrikans und auch das Schließen der durch ihn verursachten Wunden werden deutlich an diesem (gefüllten) Seecontainer, den Irma rund zwei Meilen durch die Luft schleuderte und der heute fast schon von Magroven überwuchert ist.

Etwas weiter zeigen sich dann auch die Fregattvögel. In der Balz versuchen die geschlechtsreifen Männchen die Weibchen durch Aufblasen ihres roten Kehlsacks zu beeindrucken.

Eigentlich ist die Zeit dafür schon vorbei, längst hocken bereits flaumige, gar nicht mehr kleine Federknäuel in den Mangrovennestern. Aber die übrig gebliebenen Junggesellen werfen sich trotzdem noch mächtig in Schale, aus der Entfernung wirkt es gelegentlich, als seien Luftballons 🎈 in den Büschen hängen geblieben.

Fregattvögel sind riesig, ihre Flügelspannweite kann über 2,40 m erreichen. Dabei sind sie im Verhältnis zu ihrer Größe die leichtesten Vögel überhaupt. Ihre Beute fangen sie im Flug, wobei sie – wenn sie selbst jagen – selten mehr als mit dem Schnabel oder höchstens Kopf ins Wasser tauchen. Mit gutem Grund: ihr Gefieder ist nur unzureichend wasserdicht. Sind sie zu lange im Wasser saugt es sich voll und sie können kaum noch starten. Auch das sehen wir auf unserer Exkursion, wobei das Wiederaufsteigen in die Lüfte dann doch noch klappt, aber erst nachdem unser Guide schon begonnen hat, zu einem Rettungsversuch anzusetzen.

Der fast ausgewachsene, aber noch nicht geschlechtsreife Jungvogel (erkennbar am weißen Kopf) hat große Mühe wieder in die Luft zu kommen.

Der Name Fregattvögel kommt übrigens von einer weiteren Eigenart bei der Nahrungsbeschaffung, die an die Überfälle der Kriegsschiffe erinnern mag. Die sehr wendigen Fregattvögel bedrängen andere Vögel im Flug so sehr, bis diese ihre eigene Beute fallen lassen, die der Fregattvogel dann dann oft noch im Flug auffängt.

Am Tag nach dieser für uns eindrucksvollen Exkursion segeln wir wieder nach Süden, zurück in den Westen von Antigua nach Jolly Harbor. Der Grund hierfür ist vorrangig, dass wir zum einen die weitere Entwicklung in Sachen Corona von einem Ort mit guter Versorgungslage beobachten wollen. Das betrifft einerseits den Proviant: wir sind gut ausgerüstet, stocken aber vor allem noch frische Lebensmittel wie Milch, Käse, Obst und Gemüse auf. Zum Anderen ist unsere in Spanien gekaufte 11kg-Gasflasche jetzt doch mal leer. Wir haben zwar noch eine griechische 10 kg-Flasche in Reserve, aber der notwendige „Adapter # 2“ (zwischen deutschem Druckminderer und griechischer Flasche ist nicht auffindbar. Grrr. Wir hatten ihn ausgeliehen, glauben aber eigentlich ihn wiederbekommen zu haben. Nur ist er jedenfalls nicht da, wo wir bisher überall gesucht haben. Kochen können wir trotzdem: erstmalig kommt unser Backup, eine elektrische Induktionskochplatte zum Einsatz und bewährt sich dabei gut, wobei sie allerdings über den Inverter betrieben mächtig viel Strom aus unseren Batterien saugt, wenn wir nicht nur unseren Morgenmokka zubereiten.

Der Törn hinunter nach Jolly Harbor bietet uns 30 sm wunderschönes Segeln und zwei dicke Überraschungen: erst fange ich an einem Köder zwei Jackfische gleichzeitig (und danach nur noch Sargassum).

Und dann besucht uns ein Wal. Er taucht nur 5 m neben der Flora auf, erfreut und erschreckt uns etwas mit seinem Blas, lässt sich dann aber zurückfallen und zeigt sich hinter uns noch zwei weitere Male. Er ist groß, aber wir können die Art nicht sicher bestimmen 😔. Kann jemand aushelfen?

Und wie geht’s weiter? In Antigua & Barbuda sind bisher die Geschäfte weiter geöffnet, es gibt (noch?) keine Ausgangssperre, der Supermarkt ist gut sortiert und ohne größere Regallücken. Es gibt einen Budget-Marine (Yachtausrüster), wir können also auch gut am Boot basteln. Internetempfang ist in Ordnung, was unserem gesteigerten Informationsbedürfnis in Corona-Zeiten sehr entgegenkommt und uns auch über WhatsApp-Telefonate mit den Lieben daheim und unseren Freunden in anderen Teilen der Welt verbindet. Hier bleiben wir erstmal ein bisschen und vielleicht (wenn das dann noch möglich sein sollte) verholen wir uns nach einiger Zeit wieder in eine ruhigere Ankerbucht. Menschenansammlungen, wie wir sie noch vor einer Woche auf Shirley Heights in English Harbor hatten, würden wir jetzt eher meiden. In kleinem Rahmen bleiben wir aber in Kontakt mit den befreundeten Seglern anderer Boote. Unabhängig von den jeweiligen ursprünglichen Plänen sind wir alle konfrontiert mit der Pandemie und ihren noch immer unklaren Auswirkungen, der Ungewissheit, welche Reisewege bis zum Beginn der Hurrikansaison wieder offen sein werden oder versperrt bleiben, vor allem aber Sorge um die Angehörigen und Freunde daheim. Bleibt gesund!

Fliwatüüt: Überraschungen

Überraschungen in der Luft, dem Wasser und an Land. So war’s heute. Wer sich noch an Robby, Tobby und das Fliwatüüt erinnert, hat schon mal die richtige Ahnung, obwohl: technisch sind wir noch nicht ganz so weit wie in dem WDR-Vierteiler von 1972 😉, eher FliWa und WaTüüt.

Die Gäste in dem Luxusressort neben unserem Ankerplatz reisen ziemlich ungewöhnlich an: ein Wasserflugzeug schwebt ein, landet mitten im Ankerfeld (ein Boot hat vorher Schwimmer, Schnorchler und SUPs an die Seite gescheucht). Das Wasserflugzeug macht an einer reservierten Boje fest.

Dann kommt ein Boot und holt die Gäste ab, fährt in Richtung Strand (einen Steg gibt’s allerdings nicht), klappt unter Wasser aus dem Bootsrumpf Raupen heraus und fährt damit den Strand hinauf, wo die Gäste aussteigen.

Starten und Landen wirklich mitten durch das Ankerfeld? Ja. Für das Video HIER klicken.

Aber das ist heute nicht die einzige Überraschung. Ja, das Wakeboarden auf dem Kiteboard hinter unserem Dinghy habe ich diesmal hinbekommen. Schwierig ist eigentlich nur, aus dem Wasser hoch zu kommen (da fehlt auch Florecita vielleicht doch das letzte Quäntchen Kraft für mein Gewichtsklasse), saust man erstmal dahin klappt sogar das Kurvenfahren ganz gut.

Die größere Überraschung wartet unter der Flora auf mich. Nach dem Schnorcheln mit Wiebke draußen am Riff denke ich, dass Unterwasserschiff könnte noch eine Putzeinheit vertragen und ich also mit dem Schnorcheln gleich weitermachen. Aber da unten macht schon jemand meinen Job: ein geschätzt etwa 80 cm langer Schiffshalter hat sich an unserem Kiel festgesaugt.

Als ich zu ihm hinunter tauche läßt er Kurz los und wechselt dann an Floras Rumpfunterseite. Es sieht so aus als würde er verkehrt herum schwimmen, aber die an eine Turnschuhsohle erinnernden Saugplatte ist tatsächlich aus dem Vorderteil der Rückenflosse umgebildet und befindet sich auf der Stirn.

Na gut, wenn er da putzen möchte lasse ich ihm den Vortritt 😁.

Das gibt mir die Zeit, Flora noch mal von oben zu betrachten, mangels Fliwatüüt allerdings per Drohne:

Ruhige Tage in Antiguas Nordosten

Die Ankerbucht hat sich geleert, im Moment liegt die Flora mit nur zwei anderen Booten wunderbar geschützt hier hinter Great Bird Island. Auch die „Heaven 47“ und die „Gladan“ sind weg, sie wollen sich in Jolly Harbor mit größeren Proviantvorräten versehen. Der Gedanke an den Corona-Virus spielt dabei mit, wie uns Sam von der Heaven 47 gesagt hat.

Ob auch die im Vergleich zu unserem ersten Tag hier extrem geringe Zahl von Touristenbooten zur Insel mit dem Virus bzw. dem damit zusammen hängenden Ausbleiben von Kreuzfahrtschiffen zu tun hat können wir nur vermuten. Jedenfalls ist es ruhig geworden in der Bucht und auf der Insel. Am ersten Tag wurden wir noch weg geschickt, als wir mit unserem Dinghy an einer kleinen Boje festgemacht hatten um zu schnorcheln, heute sind alle drei schon den ganzen Tag frei.

Wir fahren noch etwas weiter hinaus nach Hell‘s-Gate-Island, trotz des martialischen Namens nur eine kleine Felseninsel an der Riffkante, die aber einen schönen natürlichen Felsdurchbruch zwischen dem offenen Atlantik und dem geschützten Riffbereich hinter den Inseln bietet.

Einmal mehr fahren wir auch nach Great Bird Island hinüber und haben die Insel diesmal ganz für uns. Auf einem nur gelegentlich mit farbigen Bändern markierten Pfad durch Buschwerk, Kakteen und Agaven erkunden wir die dicht bewachsene westliche Halbinsel in der Hoffnung, vielleicht doch noch eine Antigua-Schlanknatter vor die Kameralinse zu bekommen. Das war (noch in den 1990er Jahren) die seltenste Schlagenart der Welt und galt zwischenzeitlich sogar als ausgestorben, bis man eben hier auf dem nur gut 8 Hektar kleinen Great Bird Island (die Insel würde also flächenmäßig gut 18 mal in den Hamburger Stadtpark passen) ein paar wenige Exemplare fand. Was folgte, gilt inzwischen als eine der erfolgreichsten Bestandserholungsmaßnahmen für bedrohte Tiere: zunächst wurden in einem ziemlich aufwändigen Verfahren alle Ratten auf der Insel getötet. Diese vom Menschen auf den Karibikinseln eingeschleppten Tiere hatten den Bestand vieler heimischer Tierarten ausgerottet oder stark gefährdet (die zur Bekämpfung der Ratten im frühen 19. Jahrhundert eingeführten indischen Mungos hatten den Ratten nicht viel anhaben können und eine zusätzliche Gefahr für die heimische Tierwelt, insbesondere die Schlangen, dargestellt). Mungos gab es allerdings auf Great Bird Island nicht. Weil Ratten aber gute Schwimmer sind, mussten auch auf den nahegelegenen Inseln erst mal die Ratten beseitigt werden. Tatsächlich hat sich der Bestand der Antigua-Schlanknattern danach so weit erholt, das sie inzwischen auf drei weiteren nahegelegenen Inseln erfolgreich wieder angesiedelt werden konnte.

Wir kriegen zwar trotzdem keine zu sehen, aber wir hatten ja in Dominica immerhin ihre nahen Verwandten, die Antillen-Schlanknattern vor die Linse bekommen. Lediglich ihre Hauptbeute können wir entdecken, die ebenfalls nur auf Antigua lebenden kleinen Schienenechsen. Überhaupt finden sich diverse kleine Echsenarten im Unterholz:

Ein spannender Ausflug war es jedenfalls trotzdem. Zurück vom North-Beach zum gleichermaßen weißsandigen und besser für die Dinghy-Anlandung geeigneten South-Beach nehmen wir aber lieber den kurzen Sandpfad.

Wobei, die Inselerkundung wäre nicht vollständig ohne einen kleinen Besuch an den Blow-Holes oben auf dem Hügel. Dort gibt’s zwar diesmal keinen Sundowner, aber dafür diesen tollen Blick durch das Blow-Hole geschätzte 15 Meter hinunter ins Meer:

Zurück auf der Flora können wir von den vorbei kommenden örtlichen Fischern Conches (Riesen-Flügelschnecken, also karibische Meeresschnecken) und Fische kaufen.

Von den Fischern bekommen wir die Conches schon ohne das (wunderschöne) Gehäuse, eine ziemliche Arbeitserleichterung 😉.

Great Bird Island, Antigua

Die Seekarte sieht selbst im kleinen Maßstab durchaus interessant aus, Flachstellen und Korallenblöcke sind in großer Zahl vertreten und der Weg zu unserem Ankerplatz ist nicht betonnt. Segelfreunde hatten uns berichtet, dass die Navionics-Karte hier sehr präzise sei, trotzdem tasten wir uns langsam an den geplanten Ankerplatz vor Great Bird Island heran.

Die Ankunftszeit haben wir so gewählt, dass die Sonne noch hoch und in unserem Rücken steht, so können wir die Hindernisse sehr gut an der Wasserfarbe erkennen (Eyeball-Navigation): dunkleres Türkis zeigt gute Wassertiefe an, helleres Türkis heißt flacher, braun bedeutet Korallenblock. Im langsamen Zickzack fahren wir in die Lee Cove westlich von Great Bird Island. Zu ankern brauchen wir nicht, nahe der Insel ist eine (kostenlose) Mooring frei, an ihr machen wir Flora fest.

Und dann geht’s erst mal ab ins Wasser, das hier jetzt auch klarer und weniger milchig ist als das allerdings ebenfalls schön türkise Wasser in der Deep Bay, unserer letzten Ankerbucht an der Nordwestseite von Antigua. Ich tauche die Muringkette ab, sie ist sehr massiv und sieht nicht angegriffen und gut verankert aus, fein.

An der Nachbarboje macht später die „Heaven 47“ fest, Briten, denen Wiebke auf Instagram (dotontheocean) folgt. Wir fahren mal rüber und werden gleich an Bord eingeladen, schnacken ein bisschen und verabreden uns zum Abendessen. Sam und Simon haben frischen Fisch von einem Fischerbötchen erstanden, wir bringen warmen Couscous-Möhren-Staudensellerie-Fenchel-Salat und Getränke mit, Paola und Giancarlo von dem Katamaran „Gladan“ (https://sailingladan.com) steuern frische Pizza und Wein bei, es wird ein lustiger Abend.

Heute Vormittag fahren wir gemeinsam hinüber nach Great Bird Island, erkunden etwas die Insel, lassen auf Picknickbänken am Strand die Füße im Wasser baumeln (Ausflusboote kommen keine, nur ein ziemlich leeres liegt noch da, legt aber ab kurz nachdem wir gekommen sind) und schnorcheln dann in der flachen Dhingypassage zwischen den Inseln.

Zurück auf der Flora backe ich erstmal Brot, dann kümmere ich mich um den immer mal wieder stotternden Außenborder. Wie von Giancarlo vorgeschlagen lasse ich ein weiteres Mal den Vergaser ab, es scheint tatsächlich geholfen zu haben 🤞. Ich teste ihn, indem ich zum Fotografieren nochmal hinüber auf die Insel fahre. Wenn sie schon „Great Bird Island“ heißt …

Und wirklich schaffe ich es von der Klippe aus erstmals, die mit einer Flügelspannweite von über einem Meter tatsächlich großen, zudem wunderschönen Rotschnabel-Tropikvögel vernünftig abzulichten. Wir haben sie bisher vorwiegend auf den Passagen zwischen den karibischen Inseln gesehen und dann bewundert wie mit ihren verlängerten Schwanz-Steuerfedern so elegant über die See gleiten.

Zurück an Bord muss die Drohne nochmal ran, Vogelperspektive halt, diesmal der ganze Ankerplatz mit den Nachbarbooten:

Noch einmal schwimmen gehen und schwupp – trudelt per WhatsApp eine Verabredung zum Sundowner oben auf dem Hügel von Great Bird Island ein. Tja dann …

Antigua

Türkisfarbenes Wasser, Palmen, feine weiße Sandstrände, das sind wohl die gängigsten Klischees über die Karibik. Auch wir konnten uns davon nicht ganz frei machen. Ein Charterurlaub 2007 auf den Bahamas hatte uns zwar schon deutlich gezeigt, dass wir mit Palmen keineswegs überall zu rechnen haben, dafür aber die beiden anderen Klischees so wunderbar bedient, dass sie sich eher noch verfestigt hatten.

Jetzt sind wir schon über zwei Monate in der Karibik, ABER: auf den von uns besuchten kleinen Antillen, von Carriacou bis hoch nach Guadeloupe war es wunderschön, allerdings ganz überwiegend ohne dabei die drei karibischen Hauptklischees so richtig zu bedienen. Lediglich in den Tobago Cays und auf Sandy Island blitzte dieses Bild deutlicher auf, ansonsten jedoch zeigten sich uns die Inseln zwar nicht weniger begeisternd, aber eben doch anders als auf den Fototapeten in den Partykellern unserer Jugend 😉.

Bisher. Und dann kamen wir auf Antigua an.

Ankerbucht vor Jolly Harbor
Und heute, zwei Buchten weiter nördlich, in der Deep Bay,
genau vor diesem Strand.

Und wenn man am Ende es Strandes zur Ruine von Fort Barrington hinaufklettert, bietet sich dieser Blick hinunter auf die Deep Bay, den Salzsee (Salt Pond) links davon und ganz links die Einfahrt zur Hauptstadt St. John’s.

Wobei, einen Yachthafen gibt’s dort in der Hauptstadt nicht, wohl aber Terminals für Kreuzfahrer. Gleich vier liegen heute an den Piers, sie dürften damit nur um ein Geringes weniger Passagiere und Besatzungsmitglieder beherbergen als St. John’s Einwohner hat (nämlich etwa 20.000). Offenbar möchten auch viele andere die Karibik gerne so sehen, wie man sich die Karibik eben wohl vorstellt.

Übrigens, trotz der Sichtnähe von der Fort-Ruine aus, der Strand unserer Bucht war heute den ganzen Tag über alles andere als überfüllt, selbst wenn zwei der großen Ausflugskatamarane gleichzeitig angelandet und ihre Passagiere für den Badestop entladen hatten. Eigentlich kein Wunder, rühmt sich Antigua doch, gleich 365 Strände zu haben. Nun muss man sich sicher der bemühten „für jeden Tag einen“-Zählweise nicht anschließen (auf Dominica soll es genau 365 Flüsse geben 😉), aber die zerklüftete Küste mit ihren vielen Einschnitten und Buchten bietet tatsächlich eine große Zahl an Sandstränden, weil um den vulkanischen Ursprung herum gehobene Korallenriffe die Küstenlinie bilden.

Die Schildkröten und Pelikane in „unserer“ Bucht passen ebenfalls in die Bilderbuch-Karibik, sie zeigen sich zahlreich und auch dicht an der Flora.

Sieht immer ein bisschen angestrengt aus, das Luftschnappen für das nächste elegante „Fliegen“ unter Wasser.

Nur das Wasser spielt dann doch noch nicht ganz mit. Ja, karibisch warme 27 Grad hat es, und diese wunderbare türkise Farbe auch. Nur ist es hier nicht sehr klar, von der Badeleiter der Flora aus können wir nicht das untere Ende unseres Ruders erkennen. Das könnte am etwas lehmigen Ankergrund hier und in der letzten Bucht liegen oder vielleicht ist es auch nur temporär. Wir hoffen, dass die Schnorchelspots im Norden der Insel uns noch mit klarerem Wasser verwöhnen werden.

Pottwale

Herrliches Segeln von Guadeloupe 🇬🇵 nach Antigua 🇦🇬 , vorbei an Montserrat 🇲🇸 mit seinem vor sich hindampfenden Vulkan. Zwar geht uns kein Fisch an die Angel, aber das Meer beschenkt uns trotzdem. O.k., das Sargassum, das alle Nase lang vom Angelhaken entfernt werden möchte, das hätten wir eigentlich nicht vermisst.

Aber das große Geschenk zusätzlich zum schönen Segeltag macht sich mit einer kleinen Atemwolke in etwas Entfernung erstmals sichtbar und kommt dann immer näher. Eine ganze Schule Pottwale zieht in aller Ruhe auf die Flora zu und nur etwa eine Bootslänge hinter unserem Heck durch, augenscheinlich ohne uns weiter zu beachten. Ganz anders wir: wir sind völlig aufgeregt als sich diese ruhigen Riesen zeigen, wobei wir eigentlich nur die Rücken und gelegentlich die Kopfoberseiten und den charakteristischen buschigen Blas nach schräg links sehen. Die Pottwale bleiben auch beim Weiterziehen nah an der Oberfläche und tauchen nicht tief ab, weshalb wir ihre Fluken leider nicht zu Gesicht bekommen und auch die Größe schwer zu schätzen ist. Über 10 m sind es bei den meisten von ihnen allemal. Aber auch so sind wir jedenfalls schwer beeindruckt und beglückt von dieser Begegnung.

Wir sind inzwischen in Antigua angekommen und haben hier in Jolly Harbour einklariert. Dafür haben wir vorher online auf http://www.eSeaClear.com alle Daten des Bootes und der Crew übermittelt. Man bekommt dann per Email eine ESeaClear-ID und mit dieser Nummer kann dann beim Zoll (Customs) vereinfacht einklariert werden. Insbesondere soll es dann laut Revierführer Doyle möglich sein, nicht mit dem Schiff am Zollsteg festmachen zu müssen, sondern vor dem Hafen vor Anker zu gehen und mit dem Dinghy einzuklarieren. Und so haben wir es auch gemacht. Allerdings steht im Zollbüro ein Computer, mit dem ansonsten ebenfalls eine eSeaClear-Anmeldung durch den Einklarierenden gemacht werden muss, ich bin deshalb nicht sicher, ob das mit der Notwendigkeit des Vorführens am Zollsteg noch stimmen würde. In jedem Fall hat es bei mir mit dem Dinghy funktioniert. Ein bisschen Warterei bei den notwendigen vier Besuchen in den drei beteiligten Behörden, die aber nebeneinander im gleichen Gebäude untergebracht sind, wobei das Warten auf Bürostühlen auf der Veranda vor den kleinen Büros erfolgt. Geselliger Nebeneffekt: man kommt gleich mit anderen Seglern ins Gespräch. Customs, Immigration, wieder Customs, dann Port Authority, so ist das abzuarbeiten. Letztere Behörde stellt dann gegen Zahlung von 40 EC$ (etwa 15 €) ein für einen Monat gültiges Cruising Permit aus und uns damit das Befahren der Gewässer von Antigua & Barbuda 🇦🇬 offiziell erlaubt. Und da freuen wir uns drauf.

DES HAIES GLÜCK

Ja, ja, ja. Immer diese Wortspiele. Aber hier in Deshaies trifft das heute wirklich zu.

Gestern haben wir beim Tauchen am Nordufer der Bucht eine große Fischfalle entdeckt, in der neben einer Languste und ein paar kleinen Fischen tatsächlich ein gut ein Meter langer Ammenhai steckte. Wir haben versucht, ihn zu befreien, aber die Fischfalle ließ sich nicht so einfach öffnen. Also haben wir halt nach dem Auftauchen dem in der Nähe liegenden Boot einer örtlichen Tauchschule Bescheid gesagt, die ja wahrscheinlich die hiesigen Fischer kennen.

Trotzdem hat es uns natürlich keine Ruhe gelassen und so sind Ingo und ich dort heute wieder tauchen gewesen, sicherheitshalber mit einem Seitenschneider um ggfs. das verzwirbelte alte Elektrokabel aufzubekommen, mit dem die Falle verschlossen war.

Eine kleine Fotostory von heute:

Dann schwamm er ganz gemächlich und ohne Hektik ins dunkle Blau. Die Fischfalle haben wir übrigens so gut es ging wieder verschlossen – und sogar die Languste drin gelassen 😉.

Immer noch Guadeloupe: noch mehr Tauchen, Vögel und Bootsarbeit

Das Tauchen wird uns hier so einfach gemacht, es ist die wahre Freude. Nur eine kurze Dinghyfahrt, schon sind wir am Tauchplatz. Mit Ingo betauche ich am Vormittag das Wrack der Franjack. Der kleine wohl ehemals dänische Frachter wurde im Hurrikan Hugo 1989 von der Besatzung aufgegeben und letztlich 1996 als künstliches Riff und Tauchplatz hier versenkt. Am Rande des Ankerplatzes kennzeichnen zwei Bojen das Wrack. Wir machen das Dinghy an einer davon fest und lassen uns in die Tiefe gleiten.

Etwa 20 m unter uns sind die Umrisse erkennbar und mit jedem Meter hinab wird der Frachter deutlicher sichtbar. Obwohl die Lichtverhältnisse an diesem eher bewölkten Morgen nicht toll sind fasziniert uns der einerseits gut erhaltene und anderseits auch schon reichlich bewachsene Frachter so sehr, dass wir nach dem Tauchgang noch im Neoprenanzug die Tauchflaschen zum Wiederbefüllen wegbringen und an Nachmittag, diesmal zusammen mit Wiebke, einen weiteren Tauchgang an der Franjack machen.

Mit dem jetzt etwas besseren Licht genießen wir auch die vielen Fische (hier Blaustreifengrunzerfische im Vordergrund und viele Goldstreifengrunzer hinten). Und wir trauen uns in den (oben auf großer Breite extra geöffneten) Maschinenraum des Schiffes hinunter, in dem die (gereinigte, also von Öl und Betriebsmitteln befreite) Hauptmaschine vor sich hinrostet.

Am nächsten Tag könnn wir uns nicht recht lösen und so schnorcheln Wiebke und ich noch ein bisschen, bevor wir der Easy-One nach Deshaies folgen, wo am Freitag Abend ein Karnevalsumzug stattfinden soll.

Auch dabei lassen sich wieder tolle Dinge entdecken, etwa dieser Bunte Spiralröhrenwurm (auch Tannenbaumwurm genannt) auf einer Kleinen Sternkoralle. Die „Tannenbäume“ sind dabei die außen liegenden Kiemen des Wurmes.

Adlerauge Wiebke erspäht sogar einen noch ganz kleinen Oktopus, der unter den Stacheln eines Seeigels Schutz gesucht hat und der bei Annäherung flott die Farbe wechselt, da lassen wir ihn lieber in Ruhe bevor er Panik bekommt.

In Lee von Guadeloupe motoren wir gut 10 sm weiter in die schöne und recht tief eingeschnittene Bucht von Deshaies.

Gemeinsam mit der Crew der Easy-One wandern wir hoch zum oberhalb des Ortes liegenden botanischen Garten. Und endlich sehen wir auch Papageien. Auf Dominica hatten wir noch vergeblich nach dem dortigen Wappenvogel und irgendwie ja auch Symbol der Karibik Ausschau gehalten. Hier im botanischen Garten gibt es einige, wobei die Mehrzahl in (betretbaren) Volieren gehalten wird, nur die Gelbbrustaras scheinen sich frei bewegen zu können. Aber erstmal entdecken wir die etwas kleineren Allfarb-Loris.

Übrigens sehen wir – selbst hier im botanischen Garten mit seinen vielen Blüten – auffallend wenige Insekten auf den bisher besuchten karibischen Inseln. O.k., einige Planzen werden offenbar von Kolibris bestäubt, aber trotzdem. Bienen, Wespen oder auch nur Fliegen sind zumindest bisher selten, zu unserem Glück allerdings auch Moskitos. Bei letzteren hoffen wir allerdings, das es so bleibt. Die kleine Anolis hier sieht das vermutlich anders 😉:

An Flamingos und diversen, bei uns als Zimmerpflanzen gehaltenen, hier aber mindestens buschgroßen tropischen Gewächsen vorbei kommen wir schließlich zu den Gelbbrustaras.

Und wo wir schon bei Gelbbrust sind: der auf diesen Inseln so typische etwa Sperling-große Zuckervogel (Bananaquit) lässt sich auch endlich von mir ablichten, in einer Ecke des Gartenrestaurants, in der wir die einheimischen Biere testen:

Oh, ohne etwas Bootsarbeit wäre das Ganze ja wohl langweilig und so beschert uns Flora mal wieder eine Überraschung: Vor dem Ankerauf-Manöver an den Pigeon Islands schaltet Wiebke die Sicherungen ein. Ein paar Minuten später rattert plötzlich die elektrische Backbord-Genuawinsch los, aber zum Glück ohne das ein Schot auf ihr belegt ist. Nach anfänglicher Verwirrung schalten wir erstmal schnell die Sicherung aus. Die Untersuchung ergibt dann, das Wasser in den porös gewordenen Tastschalter eingedrungen ist und einen Kurzschluss verursacht. Wir hatten ein ähnliches Problem schon einmal in Griechenland mit dem Fußschalter der Ankerwinsch. Damals begann die Winsch überraschend damit, die Ankerkette einzuholen, während wir auf dem Nachbarboot waren 😬. Zum Glück war damals Mitsegler Jan noch an Bord. Seitdem sind die Sicherungen aus, wenn wir die Winschen nicht benötigen (nicht wie vorher an, um schnell reagieren zu können). Derart vorgewarnt haben wir jetzt Ersatzschalter an Bord und so kann ich das Problem hier in Deshaies einigermaßen schnell beheben. Das Kabel des Original-Lewmar-Schalters ist allerdings so knapp verlegt, dass ich dann doch zunächst die Deckenverkleidung im Durchgang zum Achterschiff abnehmen muss um die neue Verbindung dort herzustellen.

Der eingebaute Ersatzschalter auf dem Backbord-Cockpitsüll. Hoffentlich bleibt er länger wasserdicht, den Test durch den morgendlichen Regenschauer hat er schon mal bestanden.

Und nach getaner Arbeit lässt sich der Sonnenuntergang hinter unserem Ankerfeld umso besser genießen 😊.

Arbeiten und staunen im Aquarium

So harmlos fängt es an. Ich putze mal wieder schnorchelnd das Unterwasserschiff. Wir haben zwar einen speziellen „Coppercoat“-Anstrich, der weniger Giftstoffe an die Umwelt abgibt als klassische Antifouling-Anstriche und dabei deutlich länger halten soll, aber ein leicht lösbarer grüner Schleim setzt sich trotzdem gern fest und den schrubbe ich dann eben mit einem Schwamm öfter mal weg.

Diesmal sind dann aber plötzlich Fische da, nicht nur ein paar wie unten am Bildrand zu sehen, sondern es werden immer mehr, gleich ein ganzer Schwarm Sardinen schießt um mich herum.

Der Grund zeigt sich auch gleich: erst eine und dann zwei Blaurücken-Stachelmakrelen jagen den Schwarm durch die Gegend, immer rund um den Kiel der Flora.

Interessanterweise wirkt es nicht so, als würden die Makrelen „alles geben“, um wirklich Sardinen zu erwischen (ich sehe das auch kein einziges Mal). Es scheint eher so, als wollten die Makrelen die Sardinen ärgern. Aber schaut selbst:

Jedenfalls macht das Ganze mir noch mehr Lust, hier „richtig“ Tauchen zu gehen und es nicht nur beim Schnorcheln zu belassen.

Gemeinsam mit Wiebke und Ingo betauchen wir erst einmal ein kleines Riff, dass sich in rund 6 m Tiefe quer unter dem Ankerfeld durchzieht. Ein schöner Einstieg, zumal wir unsere Tauchflaschen in der Tauchschule am Dinghydock für nur 5 € pro Flasche wieder füllen lassen können. Deshalb geht’s heute dann noch einmal los, diesmal mit dem Dinghy hinüber zu den Pigeon Islands.

Wieder statten wir der Costeau-Büste einen Besuch ab, erinnern uns an seine rote Wollmütze, bleiben diesmal aber in der Tiefe und tauchen an der Riffkante entlang. Es ist wie im Aquarium:

Viele lebendige Korallen, Schwämme, Federbüsche, Anemonen und eben auch viel Fisch.
z.B. wieder Doktorfische
hier mal einer mit einer Felsenschönheit (so heißt der schwarz-gelbe Fisch mit dem dunklen „Kussmund“
Ein Zackenbarsch, der seine Zacken auch farblich betont
ein blaugepunkteter Roter Zackenbarsch, der seine noch verbirgt
ein langgestreckter Sand-Torpedobarsch
verschiedene Feilenfische
ein Königin-Drückerfisch

und noch so vieles mehr. Leider auch dieser Indische Rotfeuerfisch hier:

Der Feuerfisch ist in der Karibik nicht heimisch und insbesondere der eingeschleppte oder aus Aquarien freigelassene Pazifische Rotfeuerfisch hat sich teilweise zu einer echten Plage entwickelt, die die heimischen Jungfische des Riffes gefährdet. Manchmal werden von den Tauchschulen regelrechte Feuerfisch-Jagden veranstaltet, um das Übermaß der invasiven Art zu reduzieren.

Aber wir entdecken auch kleine Augenschätze wie diese von Wiebke erspähte knapp 3 cm große Buckel-Flamingozunge:

Die Nacktschnecke mit den dunkel gerahmten gelben Punkten ist leicht zu übersehen, aber bei dem Namen staunt man doch und möchte eigentlich gerne wissen, wie denn nun die Zunge der scheinbar einbeinigen rosafarben Stelzenvögel wirklich aussieht, oder?

Unsere Tauchflaschen haben wir schon wieder an der Befüllstation abgegeben. Was für Revier, über wie unter Wasser!