Nächtliche Ausgangssperre und Versammlungsverbot

Antigua hat die Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19 verschärft. Der Notstand wurde ausgerufen, ab sofort gilt für die nächsten zwei Wochen ein Versammlungsverbot und eine nächtliche Ausgangssperre (von 20.00 bis 06.00 Uhr).

Außerdem dürfen Boote von “französischen” Inseln nicht mehr in Antigua und Barbuda einklarieren, zu diesen Inseln kann von hier aus auch nicht ausklariert werden. Nicht ganz einfach zu verstehen, schließlich dürften wir aus EU-Bürger gerade dort noch einklarieren.

Die nicht mehr vorhandene Möglichkeit des Einklarierens etwa von St. Martin aus trifft viele Crews hart. Wir kennen ein deutsches Boot mit kleinen Kindern an Bord, dem das heute nach 26 Stunden gegen den Wind überraschend verweigert wurde. Nur ausnahmsweise wurde ihnen eine Nacht vor Anker genehmigt, dann müssen sie weiter, sofern nicht über Nacht die nächste Änderung in der Handhabung beschlossen wird. Kaum zu fassen, vor allem weil die Regierung einen Shutdown erst für das Wochenende (also einen Tag nach der Ankunft des Bootes) angekündigt hatte.

Und was machen wir so? Wir bleiben erst mal, wo wir sind. Kümmern uns um die To-do-Liste der Flora. Bei Langfahrt bleibt diese Liste ja angeblich immer mindestens gleich lang, nur die Prioritäten sollen sich verschieben. Mal sehen. Ich vermute stark, dass die mehr oder weniger intensive Quarantänesituation vieler Yachten hier und anderswo auf Blauwasserfahrt zu einem erheblichen Wartungsschub führt.

Heute Vormittag habe ich mich schnorchelnderweise um das Unterwasserschiff gekümmert. Nur die Steuerbordseite und dabei den Kiel erstmal ausgespart. Trotzdem war ich danach erstmal platt und brauchte eine Pause.

Frühstücksgestärkt haben Wiebke und ich uns dann der Wartung unserer Winschen gewidmet.

Genau genommen haben wir auch hier abgeschichtet. Die Steuerbord-Mastwinsch und die Steuerbord-Spiwinsch (auch für den Ausholer des Großsegels genutzt und daher ziemlich belastet) nehmen wir uns heute vor. Das alte Fett in den Zahnrädern ist hart geworden und hat auch einigen Schmutz und Sand aufgenommen. Wurde dringend Zeit, das mal wieder gründlich zu reinigen und dann neu mit seewasserfestem Fett für Getriebe und Lager sowie Öl für die Sperrklinken und Federn zu versorgen. Hersteller Lewmar sieht eigentlich vor, dies jedes Jahr zwei- bis dreimal zu machen. Zugegebenermaßen waren wir da bisher etwas im Rückstand. Schäm. Immerhin: die minikleine Feder kommt auf ihrer versuchten Flucht nicht weit, wird schnell wieder eingefangen und wir bekommen das Puzzle auch wieder zusammen.

Ein kurzer Dinghyausflug in den Hafen von Jolly Harbor zum Erwerb einer Datenkarte für Wiebkes iPad bleibt erfolglos: der Telefonladen hatte seine Öffnungszeiten auf 15-17 Uhr verkürzt, jetzt ist er bis auf Weiteres geschlossen, “Sorry for the inconvenience”. Im Supermarkt kann man nur aufladen, aber das kriegen wir für unsere schon gekauften Karten auch online hin. Muss Wiebkes iPad halt weiter über den Hotspot ihres Handys versorgt werden. Keine so schwerwiegende Unannehmlichkeit.

Wieder zurück auf der Flora ist die Backbordseite des Unterwasserschiffes dran (auch hier erstmal ohne Kiel, ist schnorchelnd schon anstrengend genug so). Vor etwa einem Monat hatte ich (mit Tauchflasche) alles wirklich gründlich sauber gemacht. Trotzdem weist das Coppercoat schon wieder einen grünen Flaum auf. Der lässt sich zwar leicht abwischen, aber einige rötliche Puschel und kleine weiße Ablagerungen erfordern dann doch mehr Druck. Diesmal habe ich bei der Arbeit Gesellschaft. Zwei Fische (vielleicht junge Yellowtail-Snapper) genießen die erleichterte Nahrungsbeschaffung und wuseln am liebsten direkt neben dem Schwamm herum:

Video dazu durch Klick HIER. Da sieht man auch ganz schön den “Pelz” am Rumpf und die beim Putzen aufgewirbelten Wolken. Andererseits: Flora ist jetzt ununterbrochen seit rund einem Jahr in ziemlich warmem Wasser und immerhin lässt sich der Kram recht leicht vom Coppercoat abwischen. Muscheln / Seepocken sind kaum vorhanden, diesmal hab ich drei von ihnen gefunden.

Physical Distancing leicht gemacht

Bisher sind in Antigua und Barbuda nur Gruppenbildungen von über 25 Personen verboten. Restaurants, Bars und Cafés sind (noch) geöffnet, die Geschäfte auch, die Versorgungslage ist weiter gut. Aber auch hier werden die Einschränkungen nach und nach schärfer: ab dem 27. März darf Barbuda nicht mehr angelaufen werden (auch nicht von Antigua aus), dort bereits befindliche Boote dürfen aber bleiben.

Hier in Jolly Harbor auf Antigua ist der Ankerplatz mit vielleicht 75 Booten gut gefüllt, wobei in den letzten Tagen durchaus einige Bewegung drin war. Kein Wunder, viele erwarten demnächst Einschränkungen, da kann man sich jetzt noch einmal positionieren. Heute z.B. haben einige die (vor-)letzte Chance genutzt, noch nach Barbuda zu segeln. Wir dagegen haben beschlossen, lieber erst weiter hier vor Jolly Harbor zu bleiben.

Anders als auf anderen Inseln der Karibik gilt bisher kein Ausgangsverbot. Wiebke und ich machen deshalb heute mit der Florecita einen kleinen Dinghyausflug. Vom gut gefüllten Ankerplatz aus geht es an der nördlichen Landzunge entlang erst zu den kleinen vorgelagerten Inselchen, dann aber doch um Pearns Point herum weiter zu den Sandstränden an der Nordseite der Halbinsel. Am ersten langen Sandstrand fahren wir noch vorbei, er ist zwar menschenleer, aber eine neu gebaute Villa liegt etwas oberhalb.

Der zweite Strand präsentiert sich dann menschenleer und ohne jegliche Bebauung. Kleine weiße Pfähle an der Hochwasserlinie und die auf Google Earth erkennbare Erschließung des Hügelrückens mit einer Ringstraße lassen aber vermuten, dass dies vielleicht nicht mehr lange so bleibt. Der Küstenabschnitt entpuppt sich als hinter einem kleinen Riff verborgener, am östlichen Ende aber mit dem Dinghy erreichbarer Traumstrand:

Wir bummeln ihn vom einen zum anderen Ende entlang und entscheiden uns dann, mit der vorsorglich eingepackten Schnorchelausrüstung etwas das Riff und die östliche Felsnase zu erkunden. Das flache Riff gibt nicht viel her, aber bei der Felsnase fliegt ein gefleckter Adlerrochen so nahe an uns vorbei, dass wir seine an einen Entenschnabel erinnernde vorstehende Schnauze wunderbar erkennen können.

Hatte uns die letzten Tage das Wetter mit häufigen Regenschauern (die uns sogar die Kuchenbude aufbauen ließen) überwiegend auf der Flora bleiben lassen und nur wenige Besuche bei oder von Nachbarbooten mit sich gebracht, herrscht jetzt wieder strahlender Himmel und Sonnenschein. Es fällt aber trotzdem auch heute leicht, große Menschenansammlungen zu meiden 😉

Wir sind allerdings sehr froh, dass uns die moderne Technik erlaubt, trotz räumlicher Distanz soziale Distanz vermeiden zu können, nicht nur hier in Antigua sondern auch zu unseren Lieben in anderen Teilen der Welt.

Bleibt gesund und munter!

Steht unsere Segelwelt Kopf?

Wir sind auf unserem Boot in der Karibik. Hätte man uns vor einem Jahr oder einem halben Jahr oder auch erst vor drei Monaten (zwei Tage vor dem Ende unserer Atlantiküberquerung) gefragt, wo wir im März 2020 sein möchten, dann wäre das genau unser Wunsch gewesen. Und genauer eingrenzen, etwa auf eine Insel, einen Staat, hätten wir es weder können noch wollen.

Etwas genauer: wir sind in Antigua & Barbuda 🇦🇬. Es ist schön hier, selbst wenn es heute regnet, wie man ja meinem Foto oben hoffentlich ganz gut entnehmen kann. Es gibt keine Ausgangssperre, die Versorgungslage ist gut, wir dürften hier den Ankerplatz oder Hafen im Land frei wählen und frei wechseln, auch ausreisen, wenn wir denn wollten. In anderen Ländern, auf anderen Inseln hier in der Karibik ist das heute nicht möglich, wir haben objektiv vergleichsweise viele Möglichkeite.

Trotzdem, es fühlt sich anders an. Warum? Segeln ist Freiheit, Bewegungsfreiheit zumeist ohne vorgeschriebene Bahn, das gute Gefühl den Motor auszumachen weil man den engen Tonnenstrich hinter sich gelassen hat. Stimmt irgendwie, aber romantisiert doch stark.

Wind, Tide, Wetter, Jahreszeiten … , noch mehr aber Zeit, Geld und Gesundheit sind einschränkende Faktoren, mal mehr, mal weniger. Die eigene Gesundheit, klar, die der Mitsegler, o.k., und – den Aspekt hatte man bisher gar nicht auf dem Schirm – eben auch die Gesundheit jener, deren Gast man eben derzeit ist wenn man wie wir gerade nicht im eigenen Land segelt. Auf einmal ist die gelbe „Q“-Flagge wirklich die Quarantäne-Flagge, die ursprüngliche Bedeutung scheint wieder auf, ihr Hissen und mithin die gesamte Einklarierung in dem vom Segler angesteuerten Land nicht mehr bloßer Formalismus, der manchmal gar als sinnlose Schikane empfunden wird.

Die Einschränkungen, die mit den Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 einhergehen, sind starke Eingriffe in die persönliche (Bewegungs-)Freiheit. Die meisten von uns, auch die allermeisten Segler, sehen darin eine Notwendigkeit und akzeptieren diese.

Was die Langfahrtsegler hier in der Karibik und wohl auch anderswo massiv umtreibt ist nach meiner Wahrnehmung nicht so sehr, dass der “Plan A“ (in unserem Fall: Sommer an der US-Ostküste) vielleicht nicht umgesetzt werden kann, sondern dass derzeit überhaupt nicht absehbar ist, ob auch nur irgendeiner der Alternativpläne „B“ bis „D“ (für die Hurrikansaison z.B. Trinidad, Curaçao, für manch anderen auch vorherige Rückreise über den Nordatlantik oder Ein Törn an die südamerikanische Ostküste) umsetzbar wäre. Segler sind es gewohnt, Alternativpläne zu haben. Jede Planung verlangt nach Ausweichhäfen für Schwerwetter, Ausweichrouten. So haben wir es gelernt. Aber: das ist immer die eigene verantwortliche Entscheidung. Jetzt, in Corona-Zeiten, gilt das nicht. Ausweichrouten abzustecken funktioniert nicht. Statt Eigenverantwortung fühlen wir schwer zu ertragende Fremdbestimmung. Das passiert natürlich nicht nur durch den Coronavirus SARS CoV-19, aber durch eine Pandemie und die Reaktionen darauf passiert es eben vielen Menschen, vielen Seglern gleichzeitig.

Das ist schon für die Flora-Crew schwierig, obwohl wir über viel Zeit verfügen. Wie viel schwieriger mag es für Crews mit einem engeren Zeitplan sein, etwa auf einer geplanten Atlantikrunde?

Nur: wir sind damit nicht allein, haben diese Fremdbestimmung als Segler keineswegs exclusiv. Auch an Land können Menschen nicht zu Familienmitgliedern, müssen Einschränkungen hinnehmen, die wir jedenfalls in den letzten Jahrzehnten so nicht kannten, lösen sich Zukunftspläne und sogar wirtschaftliche Existenzen in Luft auf. Menschen erkranken, sterben vielleicht.

Wieviel brutaler eine schwere Erkrankung als die Freiheitseinschränkung ist wird vielleicht erst bewusst, wenn es nicht eine anonyme Gefahr ist sondern näher rückt, konkret wird. Einer unserer Bekannten hier auf dem Ankerplatz hat uns das gestern in einem missverständlichen Facebook-Post aus dem Krankenbett im Hospital heraus ziemlich deutlich gemacht.

Segeln – Langfahrtsegeln allemal – ist nicht nur Freiheit. Es ist auch ein Stückweit Unvorhersehbarkeit, Improvisation, manchmal auch notwendige Isolation etwa auf langen Passagen, beinhaltet das Anpassen von Plänen und Zielen, zudem oft unfreiwilliges Warten und eben auch Unsicherheit.

Wir versuchen, wegen der aktuellen Einschränkungen nicht Kopf zu stehen. Bisher gelingt es uns ganz gut.

Also Antigua!

Zur Eindämmung des Coronavirus werden auch hier in der Karibik allenthalben Maßnahmen getroffen, allerdings – wie in Europa auch – nicht in allen Staaten gleichzeitig. Da hier in den kleinen Antillen fast jede größere Insel ein eigener Staat ist, führt das zu einem Flickenteppich von sich in schneller Folge verändernden (=derzeit: verschärfenden) Regularien für die Segler, die sich zwischen den Inseln bewegen.

Verständlicherweise sind die Auswirkungen auf Segler nicht das Allererste, was beim Erlass neuer Regelungen in den Sinn kommt oder geprüft wird. Ist eine Regelung zur Corona-Eindämmung aber erstmal getroffen, wird sie von den ausführenden Oganen/Behörden in der Regel mit Vehemenz umgesetzt, auch das ist vor dem Hintergrund einer Pandemie nur zu verständlich. Es führt allerdings in manchen Fällen zu nur schwer verdaulichen Situationen, wenn etwa einem Segler trotz schlechten Wetters und rauer See das Anlegen in einem Hafen des Landes verwehrt wird, in dem er sich schon längere Zeit bewegt (so geschehen auf Madeira) oder nach tagelanger Fahrt (von den Kanaren nach Marokko) das Schiff mit Maschinenpistole im Anschlag zur Umkehr gezwungen wird.

In solche Situationen möchten wir natürlich nicht kommen. Auch hier in den kleinen Antillen werden zunehmend Grenzen geschlossen, Häfen gesperrt, beim Einreisen 14tägige Quarantäne vorgeschrieben, Ausgangssperren verhängt, dem Vernehmen nach z.T. sogar Ankerplätze geräumt (z.B. Îles des Saintes oder Bequia).

Nachdem sich in den letzten Tagen die Situation immer unübersichtlicher gestaltete, hatten wir für uns drei Länder als mögliche Fixpunkte herausgesucht, in denen wir die weitere Entwicklung in Ruhe beobachten könnten. Zunächst einmal Antigua und Barbuda 🇦🇬 , in dem wir seit Anfang des Monats einklariert sind, darüber hinaus Guadeloupe 🇫🇷 und Sint Maarten 🇸🇽 / St. Martin 🇫🇷, die beide mit einer längeren Tagesfahrt erreichbar gewesen wären. Allerdings: bei Guadeloupe und St. Martin zeichnete sich wegen der Anbindung an Frankreich früh ab, das die in Frankreich getroffenen strikten Maßnahmen auch hierhin ausstrahlen würden. Und tatsächlich: dort wie auch im holländisch geprägten Sint Maarten ist die Einreise für neu ankommende Schiffe inzwischen seit dem 18. März nicht mehr möglich. Wäre unglücklich gewesen, wenn man sich dorthin auf den Weg gemacht hätte und nicht rechtzeitig vor Schließung angekommen wäre.

Wir bleiben also hier in Antigua und Barbuda. Vor gut einer Woche, am 12. März, hatte ich ja schon mal zitiert: „If you’re gonna get stuck, get stuck somewhere nice“. Und „nice“ ist es hier allemal. Es gibt zwar Restriktionen, einklariert werden kann nur noch in der Hauptstadt St. John’s, aber die Bewegungsfreiheit im Land ist bisher nicht eingeschränkt. Wir können also zwischen den Ankerplätzen hin und her wechseln.

Und das machen wir auch: zuletzt in Barbuda am Cocoa Point Anchorage verholen wir uns etwas weiter nördlich in die Low Bay (wieder vor Anker) und machen von dort aus einen geführten Ausflug in das Vogelschutzgebiet im Norden der großen Insellagune.

Links Ankerplatz, rechts Lagune. Hurrikan Irma hat diese Dinghydurchfahrt in die westliche Nehrung gerissen, die sich aber bereits langsam wieder schließt.

Guide George holt uns mit einem flachgehenden Boot ab und bringt uns in das Schutzgebiet. Auch diese von den Fregattvögeln als Brutgebiet geschätzte Mangrovenlandschaft wurde von Irma schwer getroffen. Sie erholt sich aber und auch die Zahl der dort lebenden Fregattvögel nimmt erstaunlich schnell wieder zu.

Die Wucht des Hurrikans und auch das Schließen der durch ihn verursachten Wunden werden deutlich an diesem (gefüllten) Seecontainer, den Irma rund zwei Meilen durch die Luft schleuderte und der heute fast schon von Magroven überwuchert ist.

Etwas weiter zeigen sich dann auch die Fregattvögel. In der Balz versuchen die geschlechtsreifen Männchen die Weibchen durch Aufblasen ihres roten Kehlsacks zu beeindrucken.

Eigentlich ist die Zeit dafür schon vorbei, längst hocken bereits flaumige, gar nicht mehr kleine Federknäuel in den Mangrovennestern. Aber die übrig gebliebenen Junggesellen werfen sich trotzdem noch mächtig in Schale, aus der Entfernung wirkt es gelegentlich, als seien Luftballons 🎈 in den Büschen hängen geblieben.

Fregattvögel sind riesig, ihre Flügelspannweite kann über 2,40 m erreichen. Dabei sind sie im Verhältnis zu ihrer Größe die leichtesten Vögel überhaupt. Ihre Beute fangen sie im Flug, wobei sie – wenn sie selbst jagen – selten mehr als mit dem Schnabel oder höchstens Kopf ins Wasser tauchen. Mit gutem Grund: ihr Gefieder ist nur unzureichend wasserdicht. Sind sie zu lange im Wasser saugt es sich voll und sie können kaum noch starten. Auch das sehen wir auf unserer Exkursion, wobei das Wiederaufsteigen in die Lüfte dann doch noch klappt, aber erst nachdem unser Guide schon begonnen hat, zu einem Rettungsversuch anzusetzen.

Der fast ausgewachsene, aber noch nicht geschlechtsreife Jungvogel (erkennbar am weißen Kopf) hat große Mühe wieder in die Luft zu kommen.

Der Name Fregattvögel kommt übrigens von einer weiteren Eigenart bei der Nahrungsbeschaffung, die an die Überfälle der Kriegsschiffe erinnern mag. Die sehr wendigen Fregattvögel bedrängen andere Vögel im Flug so sehr, bis diese ihre eigene Beute fallen lassen, die der Fregattvogel dann dann oft noch im Flug auffängt.

Am Tag nach dieser für uns eindrucksvollen Exkursion segeln wir wieder nach Süden, zurück in den Westen von Antigua nach Jolly Harbor. Der Grund hierfür ist vorrangig, dass wir zum einen die weitere Entwicklung in Sachen Corona von einem Ort mit guter Versorgungslage beobachten wollen. Das betrifft einerseits den Proviant: wir sind gut ausgerüstet, stocken aber vor allem noch frische Lebensmittel wie Milch, Käse, Obst und Gemüse auf. Zum Anderen ist unsere in Spanien gekaufte 11kg-Gasflasche jetzt doch mal leer. Wir haben zwar noch eine griechische 10 kg-Flasche in Reserve, aber der notwendige „Adapter # 2“ (zwischen deutschem Druckminderer und griechischer Flasche ist nicht auffindbar. Grrr. Wir hatten ihn ausgeliehen, glauben aber eigentlich ihn wiederbekommen zu haben. Nur ist er jedenfalls nicht da, wo wir bisher überall gesucht haben. Kochen können wir trotzdem: erstmalig kommt unser Backup, eine elektrische Induktionskochplatte zum Einsatz und bewährt sich dabei gut, wobei sie allerdings über den Inverter betrieben mächtig viel Strom aus unseren Batterien saugt, wenn wir nicht nur unseren Morgenmokka zubereiten.

Der Törn hinunter nach Jolly Harbor bietet uns 30 sm wunderschönes Segeln und zwei dicke Überraschungen: erst fange ich an einem Köder zwei Jackfische gleichzeitig (und danach nur noch Sargassum).

Und dann besucht uns ein Wal. Er taucht nur 5 m neben der Flora auf, erfreut und erschreckt uns etwas mit seinem Blas, lässt sich dann aber zurückfallen und zeigt sich hinter uns noch zwei weitere Male. Er ist groß, aber wir können die Art nicht sicher bestimmen 😔. Kann jemand aushelfen?

Und wie geht’s weiter? In Antigua & Barbuda sind bisher die Geschäfte weiter geöffnet, es gibt (noch?) keine Ausgangssperre, der Supermarkt ist gut sortiert und ohne größere Regallücken. Es gibt einen Budget-Marine (Yachtausrüster), wir können also auch gut am Boot basteln. Internetempfang ist in Ordnung, was unserem gesteigerten Informationsbedürfnis in Corona-Zeiten sehr entgegenkommt und uns auch über WhatsApp-Telefonate mit den Lieben daheim und unseren Freunden in anderen Teilen der Welt verbindet. Hier bleiben wir erstmal ein bisschen und vielleicht (wenn das dann noch möglich sein sollte) verholen wir uns nach einiger Zeit wieder in eine ruhigere Ankerbucht. Menschenansammlungen, wie wir sie noch vor einer Woche auf Shirley Heights in English Harbor hatten, würden wir jetzt eher meiden. In kleinem Rahmen bleiben wir aber in Kontakt mit den befreundeten Seglern anderer Boote. Unabhängig von den jeweiligen ursprünglichen Plänen sind wir alle konfrontiert mit der Pandemie und ihren noch immer unklaren Auswirkungen, der Ungewissheit, welche Reisewege bis zum Beginn der Hurrikansaison wieder offen sein werden oder versperrt bleiben, vor allem aber Sorge um die Angehörigen und Freunde daheim. Bleibt gesund!

Segeln als Ablenkung: Schiffe gucken

Gestern haben die Corona-Nachrichten unser Verständnis von lang-, mittel-, und sogar kurzfristiger Törnplanung ziemlich erschüttert. Klar war unsere Reiseplanung bisher auch unsicher, aber das war durch das positive Gefühl fast unendlicher Auswahl-Möglichkeiten geprägt, abgesehen von Wind und Wetter eigenbestimmt. Jetzt mischt sich das Gefühl hinein, die Corona-Reaktionen verschiedener Länder könnten eine ganz andere, fremdbestimmte Unsicherheit erzeugen, Türen zu vielen Reisezielen einfach zuschlagen, uns irgendwo feststecken lassen.

Anderseits: „If you’re gonna get stuck, get stuck somewhere nice!“, wie es Melanie (www.melonthego.com) als ein Langfahrtsegler-Mantra formuliert.

Und da sich die Ereignisse und Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 weiterhin überschlagen, etwa mit der gemeldeten Schließung der spanischen Häfen (nur für Kreuzfahrer?) und die Lage somit für uns ziemlich unübersichtlich ist, lenken wir uns doch erstmal ein bisschen ab.

Hier unmittelbar hinter unserem Ankerplatz English Harbor auf Antigua liegen derzeit diverse riesige Segelyachten am Steg bei Nelson‘s Dockyard, sie sind Teilnehmer der Antigua Superyacht Challenge. Heute findet nun das erste Rennen statt und der Kurs führt größtenteils in Landnähe an der Südküste Antiguas entlang. Praktischerweise gibt’s einen Wanderweg oben auf der Steilküste entlang und die Aussicht auf das Spektakel wollen wir uns nicht entgehen lassen.

Beim Hinaufsteigen auf die Klippen können wir noch hinunter in den Hafen schauen, wo die Crews die Schiffe auf das Rennen vorbereiten und zum Auslaufen klarmachen. Die kaum fassbare Dimension der Superyachten wird etwas deutlicher, wenn auf Vorschiff und Klüverbaum NEUN Besatzungsmitglieder das Vorsegel bereitmachen.

Wir klettern weiter die Klippe hinauf (an der steilsten Stelle ist dankenswerterweise ein Seil angebracht) und haben einen tollen Ausblick auf die herumwuselnden Schiffe in der Vorstartphase, die unter uns vorbeiziehen.

Der Start selbst ist dann eher unspektakulär und als solcher kaum zu erkennen, denn die Schiffe gehen mit einigem zeitlichen Abstand über die auch nur schwer als solche auszumachende Startlinie. Kurz danach versteckt eine durchziehende Regenfont die Schiffe vor unseren Blicken.

Darauf waren wir nicht eingestellt. Wir verstecken uns auch – vor dem Regen flüchten wir unter einen Felsüberhang und lassen den Schauer durchziehen.

Dann geht’s den Wanderweg entlang weiter in Richtung Falmouth Bay. Die Regattaflotte finden wir dabei wieder, mit bestem Blick auf die Wendemarke, an der das Spinnakermanöver gefahren wird.

Wobei, nicht jeder findet das so spannend wie wir 😉

Und für uns geht’s weiter zum Pigeon Beach hinunter, von wo wir allerdings nochmal einen tollen Blick haben

und dann zurück zur Flora. Kurz Baden und gleich wieder los, denn heute Abend ist wie jeden Donnerstag Reggae Night auf Shirley Heights, dem Aussichts- und Sundownerpunkt über English Harbor. Da können wir die Superyachten mit ihren roten Toplichtern und den illuminierten Masten und Salingen hinter unserem Ankerplatz um die Wette leuchten sehen.

Corona und Segeln

Eigentlich waren wir bisher ganz froh, in der Karibik zu sein und mit Corona abgesehen von solche Plakaten wie oben vergleichsweise wenig zu tun zu haben. Hamsterkäufe nur vor langen Seestrecken zu tätigen, trotzdem aber an Bord eigentlich immer so ausgestattet zu sein, dass man auch mehrere Wochen am Stück ohne zu darben zurechtkäme, das gab uns zusätzliche Sicherheit und 14 Tage Quarantäne an Bord an einem der Ankerplätze hier – nur so ein Gedankenspiel.

Aber … das Gedankenspiel nimmt auf einmal eine andere Färbung an. Grenada 🇬🇩, wo wir vor zwei Monaten waren, hat gerade verfügt, dass Personen aus vier Ländern (darunter Deutschland) nicht mehr einreisen dürfen. Hm, wie soll man das verstehen, zählt die Reiseroute oder der Pass? Und will man das mit dem Immigration-Officer diskutieren?

Jamaika 🇯🇲 (liegt aber erst nächstes Jahr eventuell auf unserer Reiseroute) hat gestern ebenfalls eine Einreisesperre verhängt bzw. auf Deutschland ausgeweitet. Da ist es aber klarer formuliert: „Ausschließliches Entscheidungskriterium für die Zurückweisung ist der Aufenthalt in einem (oder Transit durch eines) der genannten Länder (China, Südkorea, Singapur, Iran und Italien und jetzt auch Deutschland, Frankreich und Spanien) innerhalb der letzten 14 Tage. Ob die Person bereits Symptome einer Erkrankung zeigt oder nicht, spielt für das Einreiseverbot keine Rolle.“ (Quelle jeweils: Auswärtiges Amt). Bei den beiden Ländern wird es wohl kaum bleiben. Es wäre natürlich zu hoffen, dass Regelungen wie für Jamaika zur Anwendung kommen. Aber wie viele Länder werden auf die gesperrte Transitliste genommen? Wie ginge man mit einer Zurückweisung um, wenn im Herkunftsland inzwischen die maximale Bleibedauer abläuft (hier oft 30 Tage, manchmal wie in Antigua günstig verlängerbar, manchmal wie in den British Virgin Islands nicht)?

Der deutsche Reisepass bietet den unglaublichen Luxus, in die allermeisten Länder der Welt (über 170 von 194 Staaten) visafrei und damit vergleichsweise unkompliziert einreisen zu dürfen. Was das für ein großes Privileg ist, wird uns jetzt – wo es möglicherweise zu Einschränkungen kommt – erst so richtig deutlich.

Wir sind weit von Panik entfernt und fühlen uns hier in der Karibik noch immer sehr gut aufgehoben. Es sieht aber doch danach aus, dass bei unserer Reiseplanung künftig ein paar mehr Variablen zu beachten sein werden.

Nachtrag: kaum geschrieben, schon gibt’s so erschütternd viel Neues:

Kreuzfahrtschiff vor Martinique unter Quarantäne, die USA überlegen wie bezüglich Corona „Europa als Ganzes zu behandeln sei“ und „setzen Reisen von Europa in die USA für 30 Tage aus“, Argentinien, Kolumbien und Peru wollen Menschen aus schwer Corona-betroffenen Ländern bei der Einreise isolieren (ähnlich schwammig formuliert wie Grenada) und es gibt Meldungen über ein Festmachverbot für Kreuzfahrtschiffe UND YACHTEN auf den Azoren. Die Turks & Caicos verweigern scheinbar wegen Corona Yachten aus St. Martin die Einreise.

Gerade letzteres macht klar: zum größeren Problem könnte sich für Langfahrtsegler in der Karibik entwickeln, dass der (Mini-)Staat in dem man in der Karibik gerade mit seinem Boot ist, wegen Coronafällen auf die „Schwarze Liste“ kommt. Macht man selbst die anzulaufenden Länder von der Betroffenheitsliste COVID-19 der WHO abhängig, die sich aber selbstverständlich ständig ändert?

Möglicherweise sind da deutlich mehr Variablen, als wir bisher befürchtet hatten.