Friseursalon mit Ausblick und Schildkröten

Es ist mal wieder soweit. Der Klappstuhl wird aufs Achterdeck gestellt, die Werkzeuge bereitgelegt. Badeklamotten an, damit die nicht vom Wind weggewehten Schnipsel gleich abgespült werden können. Langfahrt führt halt dazu, dass auch ungeahnte (und ungelernte) Tätigkeiten an Bord übernommen werden. Und Wiebke macht das richtig gut. Ich muss zugeben, dass ich sie lieber zum Inselfriseur schicke 😉.

Und – na klar – danach gehts erst mal ins Wasser. Mit den Paddelboards fahren wir an das Riff und schnorcheln dort ausgiebig. Das Wasser ist nicht ganz so klar wie zuletzt am Molokini-Krater, aber die Sicht ist noch ganz gut und die Unterwasserlandschaft wunderschön. An der Kante unserer sandigen Ankerfläche springt das Riff ein, zwei Meter nach oben, bildet dann aber keine ebene Fläche, sonder ist von tiefen Spalten durchzogen, weist Blöcke, Brücken und kleine Höhlen auf. Und das alles in guter Schnorcheltiefe von rund 5 Metern, zum Ufer hin dann bis zur Oberfläche.

Klar, es gibt Rifffisch, vor allem aber sehen wir wunderbar viele Schildkröten.

Wie Delfine haben Meeresschildkröten (für uns) einen integrierten “Gute Laune – Lächeln” – Effekt. Und, wie die Amerikaner sagen: “it never gets old”. Sonnenuntergänge, Regenbögen, Wasserfälle, Delfine oder eben Schildkröten, immer wieder faszinierend.

Am Nachmittag dann ein schöner Spaziergang auf dem Kapalua-Coastal-Trail, vom Ankerplatz aus an der Küste entlang. Zum Teil schroffe felsige Abschnitte, dazwischen öffentlich zugängliche Sandstrände, sogar ein bisschen Dünenlandschaft.

Die Hotels in diesem Küstenabschnitt halten sich vornehm im Hintergrund. Zurück gehen wir durch den kleinen Ort, der im wesentlichen aus verschiedenen Ressorts besteht, die sich um den Golfplatz gruppieren.

Wir sind ja keine Golfer, aber … das geht wohl auch 😎.

Aloha.

Flora im Vulkan!

Schon eine Woche sind wir in und auf Hawai‘i, langsam wird es Zeit sich auch um die anderen Inseln des Archipels zu kümmern. Also lichten wir den Anker und segeln Richtung Maui. Es ist ein Übernacht-Törn, etwa 100 sm. Mittags geht es los, mit kräftigem raumen bis achterlichen Wind brausen wir an der Nordostküste von Big Island entlang. Über dem Land hängen dichte fast bis zum Meer hinunter, lediglich die Steilküste mit unzähligen über sie hinabstürzenden Wasserfällen und den tiefen Taleinschnitten können wir ausmachen.

Der ungewöhnliche Südwind schiebt uns schnell hinauf in den Alenuihaha-Channel zwischen Big Island und Maui und er sorgt dafür, dass wir in diesem Kanal heute nicht die gefürchteten Starkwinde der Acceleration Zone zwischen den hohen Vulkanbergen erleben. Stattdessen haben wir ab Mitternacht wie vorhergesagt Flaute und motoren durch den Rest der Nacht.

Zum Sonnenaufgang zeigen sich eine hell strahlende Venus und ein durch die niedrige Wolkendecke hindurchstoßender Vulkan auf Maui.

Wie geplant erreichen wir die Ankerbucht “La Perouse Bay” im Hellen. Bloß, die vorgefundenen Bedingungen sprechen ziemlich deutlich gegen sie. Ein hässlich hoher Schwell aus Südwest steht genau in die Bucht hinein und lässt die Gischt an der steinigen Küste hoch aufspritzen. Wir drehen ab und laufen etwa 5 sm weiter zur Insel Molokini. Schon der Blick auf die Seekarte macht deutlich, dass es sich dabei um die Reste des Kraterrandes eines Vulkans handelt.

Die Smiley-Insel Molokini 😀

Halbkreisförmig und nach Süden geschlossen sollte der Schutz bei den aktuellen Bedingungen gut sein. Ankern dürfen wir dort zwar nicht, aber es sind reichlich Bojen ausgebracht. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Als wir in den Krater einfahren, sind schon einige Tauch- und Schnorchelboote da, es ist aber noch genug Platz vorhanden. Wir haben sogar das große Privileg, eine der nur zwei an der Wasseroberfläche befindlichen Bojen zu bekommen.

Ernsthaft, alle anderen Bojen sind von der Naturschutzbehörde drei Meter tief unter der Wasseroberfläche angebracht. In den offiziellen Anweisungen steht, ein Crewmitglied solle ins Wasser springen und tauchend die Leine durch die Öse der Boje fädeln. Die Touristenboote voller Schnorchler machen es auch genau so.

😮

Na gut, wenn hier schon so viele Schnorchler sind, wird es ja wohl was zu sehen geben. Das Wasser ist jedenfalls kristallklar, wir können den Korallengrund in 20 m Tiefe von Bord aus sehen und auch schon einige Fische an Floras Rumpf.

Dann mal rein und … Aquarium, vor allem näher am Ufer!

Kihikihi (Moorish Idol)
Witwen-Drückerfisch (mit gelber Brustflosse und weiß-rosa Schwanzflosse
Papageifisch und Zitronenenflossen-Doktorfische
Kihikihi und ein Schwarm Orangerücken-Einhornfische
Dunkle Drückerfische im Schwarm
Orangenstreifen-Falterfisch und Schwarzer Doktorfisch

Danach halten wir erst mal Mittagsschlaf. Als wir wieder aufstehen, wartet die nächste Überraschung auf uns: wir haben die ganze Caldera dieses lange erloschenen Vulkans für uns allein. Erstaunlicherweise bleibt auch es auch fast den ganzen Nachmittag so. Das Wetter ist etwas bedeckt, aber hey, was für ein magischer Ort!

Aloha.

HAWAI’I (Big Island)

Wir sind immer noch auf der größten und namensgebenden Insel des Archipels, auf Hawai’i, zur besseren Unterscheidung oft auch „Big Island“ genannt. Und groß ist die Insel wirklich. Auch, aber nicht nur von der Fläche her, sondern insbesondere hinsichtlich ihrer Vielfalt. Aktive Vulkane? Na klar.

Entsprechend gibt es viele Lavafelder überall auf der Insel. Eine irre Vorstellung, das diese Landschaften erst entstanden sind, nachdem wir geboren wurden. Der letzte große Ausbruch war erst 2018. Die von den jüngeren Ausbrüchen stammenden Felder sind zumeist noch fast überhaupt nicht bewachsen, lediglich die knallrot blühenden „Ōhi’a lehua“ besiedeln als Pionierpflanzen die kargen Steinwüsten.

Das ist insofern besonders spannend, als diese auf den Lavafeldern kleinen Sträucher zugleich die Pflanzen sind, die als Bäume in den meisten hawaiianischen Regenwäldern das Blätterdach bilden, während unter ihnen Riesenfarne dominieren.

So zum Beispiel auch im Kilauea Nationalpark, wo wir nicht nur die trockenen Lavafelder durchfahren, sondern durch einen solchen Regenwald zu einem beeindruckenden Lavatunnel wandern.

Und – wieder ganz anders – auch die wildromantische Küstenstraße 11 hin zum Sea Arch „Hõlei“ findet sich dort.

Aber Hawai’i bietet noch viel mehr. Wo wir schon einmal einen Mietwagen haben, erkunden wir auch den Norden der Insel. Dabei können wir zunächst nahtlos an die Regenwaldwanderung vom Vortag anknüpfen, nur dass es diesmal zu einem anderen, gleichwohl ebenso wie die Vulkane für ein Element stehendes und immer wieder faszinierendes Naturwunder geht. Obwohl zunächst in ein tief eingeschnittenes Tal hinein und dann auf schmalen, auf beiden Seiten steil abfallenden Grat hinauf, ist es doch ein Spaziergang über Treppen und kein anstrengender Hike bis zum Akaka-Wasserfall.

„Kennst Du einen, kennst Du alle“ hat mal jemand über Wasserfälle gesagt. Können wir absolut nicht unterschreiben, selbst wenn dieser hier absolut bilderbuchmäßig 135 m in die Tiefe stürzt.

(für die skeptische Kerstin: Bild komplett unbearbeitet!)

Aaaaber: Vielfalt zeigt sich ja eher im Unerwarteten. Und auch das sehen wir auf unserer Tagestour. Zum Beispiel trockene Steppenlandschaft im Nordwesten der Insel.

Und immer wieder weidende Kühe. Wer hätte schon gedacht, dass die Insel Hawai’i eine der größten Rinder-Ranchen der gesamten Vereinigten Staaten von Amerika beherbergt? Allein die 1847 etablierte Parker Ranch bewirtschaftet hier 900 Quadratkilometer (also 90.000 Hektar!) Landfläche und hat allein bereits ca. 60.000 Rinder. Und es gibt noch weitere große und vor allem kleine Viehbetriebe.

Weite Prärielandschaft mit oasengleich eingebettetem Ort:

Wieder ganz anders, die wilde Steilküste im Nordosten mit dem alten Waipi’o Königstal:

Oder das teilweise wiederaufgebaute polynesischen Fischerdorf mit Grashütten auf der gegenüberliegenden trockenen Inselseite:

Die sanfthügelige Landschaft dazwischen, die selbst schon wieder so viele Facetten zeigt:

Von der Nebel-Fahrt durch die Wolken zurück quer über die Insel, vom modernen Ort Kailua-Kona aus (von dem aus südlich sich die Hotels an die hier verglichen etwa mit dem berühmten Waikiki auf der Insel O’AHU eher kleineren Strände anschließen) und dann zwischen den 4.000dern Mauna Kea und Mauna Loa hindurch gibts keine Bilder, aber immerhin vom Blick hinüber zur Nachbarinsel MAUI, deren immerhin auch über 3.000 m hoher Vulkan Haleakala durch die Wolken stößt:

Schon ein ganz schönes Spiel mit unseren Erwartungen (oder Vorurteilen?) über Hawai’i. Wir sind sehr gespannt, was die anderen Inseln der Gruppe für uns bereithalten.

Aloha.

Erste Eindrücke aus Hilo, Hawai’i

Wir haben herausgefunden, dass wir unser Dinghy in einem kleinen öffentlichen Hafen im Wailoa River parken können, von dort aus führt ein schöner Weg durch einen weitläufigen Park mit dem Waiākea Pond. Immer am Wasser entlang, geschwungen angelegt, mit vielen Palmen, vor allem aber mit riesigen Schirmakazien (unser Taxifahrer sagt, sie werden hier „Monkey Pod“ genannt, anderenorts heißen sie auch „Raintree“). Eigentlich in der Savanne beheimatet, gedeihen sie hier so gut, dass sie – obwohl eben nicht heimisch – als gern angenommenen weitausgreifende Schattenspender zum Stadtbild gehören.

Es gibt auch einen Weg an der der Bucht entlang, aber der Strand ist nicht sonderlich attraktiv, schwarz, mal Sand und mal Kies. Schwemmholz lagert sich dort an und er ist vom Ort durch die große Straße eher getrennt als angebunden.

Hilo ist nach Honolulu die zweitgrößte Stadt im Bundesstaat Hawai’i. Davon sollte man sich aber nicht täuschen lassen. Mit etwa 45.000 Einwohnern ist Hilo eher ein beschauliches Städtchen, das wird sehr deutlich, als wir das Zentrum erreichen. Ursprünglich in dem Bereich gelegen, in dem jetzt der Park und ausgedehnte Sportanlagen liegen, verlagerte es sich nach mehreren verheerenden Tsunamis (der letzte große sorgte 1960 für schlimme Verwüstungen und erhebliche Opferzahlen) aus dem Scheitel der Bucht weiter nach Westen und etwas den Hügel hinauf, wobei es auch hier schon historische Gebäude gab.

Die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein. Das wirkt meistens charmant, an einigen Ecken aber auch ein bisschen „in die Jahre gekommen“, wird aber von den Geschäften auch mit den Auslagen in den Schaufenstern eher noch bewusst unterstrichen 😉.

Man pflegt das „Hang Loose“, die Öffnungszeiten unterstreichen das. Privatleben will auch Raum. Customs (zum Einklarieren) hat von 6.00 bis 14.00 Uhr geöffnet, die Läden in der Haupteinkaufsstraße machen um 15.00 oder 16.00 zu. Manche auch eher 😉:

Auch das sehenswerte und informative Pacific-Tsunami-Museum schließt um 16.00, wir statten ihm aber vorher noch einen Besuch.

Und was macht der Hawaiianer nach Feierabend? Angeln offenbar manche. Surfen vielleicht, aber eher auf Maui als hier in Hilo, hier wird das Ausleger-Kanu klargemacht. Die polynesischen Wurzeln werden gepflegt, es ist Volkssport. An der Boje am Ankerplatz hängt natürlich auch eins.

Aber auf dem Parkplatz an Land ist es ebenfalls kein ungewöhnlicher Anblick:

Und am Nachmittag wird es quirlig um die Flora herum.

Segeln geht aber auch:

Wir schauen uns ein weiteres Museum an, das Imiloa Astronomy Center. Es bietet eine Ausstellung über die polynesische Navigationskunst und die weiten Reisen mit den Hochseekanus und über die astronomischen Observatorien und Teleskope auf dem Vulkan Mauna Kea, dem höchsten Berg Hawai’is. Was wir nicht wissen: Auch ein Planetarium ist darin und dort bekommen wir eine tolle Doppelvorführung über schwarze Löcher (mit sehr aktuellem Bezug zu neuen Forschungsergebnissen) und über den aktuellen Sternenhimmel und wie die Polynesien ihn lesen, welche Sternbilder sie in ihm erkennen und nach ihnen navigierten.

Den Mauna Kea und bei genauem Hinsehen sogar die weißen Observatorien auf seiner Spitze können wir vom Boot aus bei guter Sicht erkennen, kaum zu fassen, dass er über 4.200 m hoch ist.

Die Vulkane hier müssen wir uns auf alle Fälle noch näher ansehen, insbesondere den nur wenig niedrigeren und noch aktiven Mauna Loa.

Und vorher: Shaved Ice. 😁 Hatten wir auch schon mal in Panama, ist hier in Hilo aber ganz besonders lecker. In meinem verbirgt sich innen noch eine Vanilleeiskugel, auf Wiebkes ist Kokoscreme und Passionsfrucht-Topping.

Bildernachtrag Passage Hawai’i

So kurz nach der Passage sind wir immer noch mittendrin, die ganzen Eindrücke dieser intensiven 26 Tage zu verarbeiten. Die Bilder durchzugehen, eine Auswahl besonderer Momente oder Eindrücke oder damit verbunden auch Stimmungen zu treffen, das ist gar nicht so leicht. Ich versuche, mich ein bisschen an den Beiträgen entlang zu hangeln und ein paar Blöcke bilde, ohne dass ich alles im Einzelnen zuordne.

Los ging es mit eher wenig Wind.

Angelerfolg, hier ein schöner Gelbflossenthunfisch, so schwer, dass wir tatsächlich einmal unser Gaff benutzt haben.

„Kreative“ Besegelung schon mal am Anfang, wir haben das in den Kalmen dann noch einmal aufgegriffen.

Überhaupt, so viele wunderbare Sonnenuntergänge vor Floras Bug und Sonnenaufgänge hinter ihrem Heck, dass ich hier mal nur eine kleine Auswahl einstelle:

Kochen und Essen strukturiert auf einer langen Passage den Tag und ist immer wieder ein Highlight.

Fliegende Fische. In „ihrem“ Element:

Und was man morgens so jeweils an Deck findet.

Herrliches Segeln

… und auch knackiges Segeln.

Ein kleines bisschen Bootsarbeit natürlich auch …

Flaute. Wenn sie kurz genug ist, auch mal schön.

Und sinnvoll zu nutzen. Wahnsinn, wie schnell hier im Pazifik Bewuchs entsteht. So sieht (nach zwei Wochen) eine zwei Zentimeter lange Entenmuschel aus:

Eigentlich ja ganz hübsch. Nur nicht, wenn sie in Massen am Boot klebt. Also Tauch- und Säuberungseinsatz in der Flaute. Vorher:

Nachher:

Noch mal Wolkenstimmung

Vögel sorgen auch immer mal wieder für Abwechslung.

Ganz liebe Überraschung zum Bergfest

Wind und Wellen, Boot und überhaupt 😁

So viel Blau. Und wir strahlen sogar ohne Farbe 😁

Aloha 🌺 Hawai‘i.

25 Tage, 14 Stunden. Das ist lang, jedenfalls das längste Seestück, was wir bisher gesegelt haben. Tatsächlich überwiegend gesegelt, wir mussten nur 22 Stunden durch die Kalmen motoren. Da hatten wir viel Glück mit unseren taktischen Entscheidungen 😊. Und es ist auch ganz schön kurz, denn auf 4.278 sm gerechnet bedeutet es, dass wir ziemlich genau 7 kn im Schnitt gemacht haben (zwischendurch hat der Strom ordentlich geholfen und damit die windschwächeren Phasen mehr als ausgeglichen).

Und 4.300 sm sind eben ganz schön weit. Von Hamburg aus entspricht das der Luftlinie nach Peking! Der Pazifik ist nun mal groß, klar. Alle Kontinente der Erde passen gemeinsam flächenmäßig locker hinein. Wir blasen noch mal unseren Wasserball-Globus auf:

Wow, ja, der Pazifik ist groß, und Hawai‘i liegt ganz schön weit drin. Der Blick auf den Globus bringt einige Überraschungen. Wer hätte das gedacht: Hawai’i liegt westlicher als die Gesellschaftsinseln (Tahiti). Von Hawai‘i nach Neuseeland (oder nach Japan) ist es kürzer als nach Galápagos.

Das polynesische Dreieck (Südsee) ist auch noch mal hervorgehoben

Und von wegen Überraschungen: auch das Bild von Hawai´i bietet einige. Wir hatten uns z.B. vorgestellt, dass wir die hohen Vulkanberge EWIG vorher sehen würden, mindestens aber die sie umhüllenden Wolken. Nix da. Bei unserer Ansteuerung wären wir mit derartiger Navigation aufgeschmissen gewesen, die ganze Insel verhüllt sich scheinbar im Dunst, obwohl wir gutes Wetter haben (und ich extra schon mal das passende T-Shirt angelegt hab).

Aber hinsichtlich der Überraschungen: der regenreichste Ort der Welt liegt …

… auf Hawai‘i (Mount Wai’ale’ale in Hawaii. Auf dem 1’569 Meter hohen Berg auf der Insel Kaua‘i regnet es an 335 Tagen im Jahr). Und die regenreichste Stadt der USA ist …

… Hilo. Wo wir jetzt gerade sind. Und wir haben einmal mehr Glück. Hatte mein iPhone gerade noch gemeckert: 😂

Heute haben wir 16.407 Schritte zurückgelegt. Im Trockenen 😁.

Sind zum Einklarieren gelaufen (sehr nett und unproblematisch, neue US-Cruising-Licence für ein Jahr, vorher per CBP-ROAM-App vorbereitet). Und dann durchs amerikanische Industriegebiet zu Walmart und Target, SIM-Karten besorgen und Einkäufe erledigen. Zurück per Uber.

Wir sind angekommen. Und wir brauchen noch etwas Zeit, sorry. Die Bilder der Überfahrt muss ich noch erst sortieren, sonst kriegt Ihr nur Unmengen von Sonnenauf- und -untergängen zu sehen, wer will das schon 😎.

Essen 😉: New York Strip Steak Premium Angus Beef. An Bord in der (neuen) Pfanne gebraten. Auch sooo lecker.

Passage nach Hawai’i, Tag 25

Hochstimmung an Bord. Feinstes Segelwetter heute vormittag, mit strahlend blauem Himmel und um die 15 kn Wind (jetzt etwas auffrischend), die Nacht durch waren allerdings wieder zwei Reffs im Groß, Böen bis 25,6 kn. Also immerhin schnell („Pferdchen riecht den Stall“).

Heute morgen umkreiste der erste Albatros unser Boot. Was für ein majestätischer Anblick.

Gestern haben wir doch tatsächlich gleich wieder eine Goldmakrele gefangen, ein standesmäßiges Abschlussessen für unsere lange Passage ist also gewährleistet. Essen gestern: Orientalisch gewürzter Couscous mit Möhren und Rindfleischstreifen. Wiebke verarbeitet gerade unsere restlichen frischen Lebensmittel (also 2 Möhren, den restlichen Rotkohl und Weißkohl, eine Orange, zwei Kartoffeln, zwei Zwiebeln und noch ein paar Mini-Limetten, war eine gute Planung, der letzte Apfel war gestern im Müsli). Einführen dürfen wir in die USA keine frischen Lebensmittel.
Der superleckere Rotkohl-Walnuss-Salat ist inzwischen bereits verspeist, der erste Teil des Mahi Mahi zu „Poisson Cru“ Flora-Style vorbereitet, also in Limettensaft gegart, mit Chili, Ananas und Kokosmilch.

Wir haben noch ungefähr 60 sm zu segeln, werden also wohl heute am späten Abend unserer Zeit in Hilo auf Hawai’i ankommen.
Wir sind etwa 40 sm vor der südöstlichen Landspitze, gucken uns natürlich fast die Augen aus den Köpfen, aber bisher ist von den hohen Vulkanen noch nichts zu erspähen, nicht einmal eine verräterische Wolkenformation.

Etmal um 12.00: 175 sm, bisher gesegelt insgesamt 4.217 sm, nur noch geschätzte 63 sm nach Hawai’i (Schätzung angepasst auf 4.280 sm).

Passage nach Hawai’i, Tag 24

Wer sagts denn, alles ist gut, so schnell kann das gehen. Die Wellen haben ein bisschen nachgelassen, vor allem die Querwellen sind fast ganz weg. Der Wind ist auf 13 kn zurückgegangen. Wir haben die Reffs aus dem Groß genommen. Die Sonne scheint, blauer Himmel.
Sehr versöhnlich. Sogar die Angeln sind endlich mal wieder draußen, bei den Bedingungen zuvor hätte ich nicht auf dem bockenden Achterschiff einen Fisch filetieren wollen, wäre vermutlich auch nicht ohne Selbstverstümmelung ausgegangen.

Wer hätte das bei dem Ziel Hawai’i gedacht, es ist deutlich „kälter“ geworden, wir spüren das vor allem Nachts. Tagsüber jetzt bis 23 Grad, schon eine deutliche Veränderung gegenüber den ca. 30 Grad auf Galapagos. Aber es geht nun einmal vom Äquator aus nach Norden, wir sind bereits auf 18 Grad nördlicher Breite.

Wir haben auf diesem Törn jetzt schon über 4.000 sm auf der Logge und heute – wieder einmal – eine Zeitzonengrenze passiert. Jetzt sind wir in der Zeitzone von Hawai’i (GMT -10h), also zeitlich genau in Opposition zu Deutschland. Wenn Ihr Mittag habt, beginnt unser Tag (0.00 Uhr), haben wir Mittag, ist in Deutschland bereits wieder Mitternacht.

Bootsarbeit des Tages: mal wieder der Plotter. Dieses Furuno-Menü treibt mich noch in den Wahnsinn (vgl. Tag 21). Heute Nacht der Beweis, dass der Radar-Alarm nach der Neujustierung tatsächlich funktioniert. Da muss man allerdings erst einmal drauf kommen, dass ein Alarmkreis von 8 sm um das Boot keineswegs automatisch den Bereich von dort bis zum Boot umfasst, sondern nur den unmittelbaren 8sm-Bereich (7,8 sm also schon nicht mehr!). Ok, zweite Begrenzung der Zone gesetzt, jetzt geht es. AAAAber: Sobald ein Schiff (oder ein Squall) in den jetzt gesetzten Alarmbereich zwischen 8 sm und 3 sm um die Flora hineingelangt, ertönt nicht nur der gewünschte Alarm, sondern der Plotter setzt auch ab jetzt laufend MOB-Punkte (also Mann-über-Bord-Punkte) und zeigt den Kurs zum letzten MOB-Punkt an, löscht dafür aber unseren Wegepunkt. Total unpraktikabel, und leider habe ich noch keine Möglichkeit gefunden, dies zu ändern. Grrrr. Gelegenheit für Versuche boten ein Squall in der
Nacht und eine Frachter-Begegnung gerade eben. Die „Jericho Beach“ kreuzt unseren Weg, ändert aber sichtbar Ihren Kurs und passiert 2 sm hinter Floras Heck. Zielhafen: „Bell Bay, Australia“. Wow. Pazifik halt.

Essen: Rigatoni mit Tomaten-Chili (gestern noch im Geschüttel).

Etmal: 182 sm in 24 Stunden, zusätzlich weitere 7 sm in der Zeitumstellungsstunde, gesamt gesegelt bisher 4.042 sm, noch geschätzte 258 sm nach Hawai’i.

Passage nach Hawai’i, Tag 23

Sonne-Wolken-Mix, nicht so bedeckt wie gestern. Und gleich sieht die Welt wieder etwas besser aus.
O.k., das permanente Beschleunigen und Abbremsen, das Schaukeln und der plötzliche seitliche Versatz durch eine an der Bordwand explodierende Querwelle sind geblieben. Das Gefühl der Schiffsbewegungen auch, irgendwo zwischen „Polyp“ auf dem Jahrmarkt und Waschmaschine im Schleudergang.

Aber erstens sieht alles eben etwas sonniger aus (auch im Gemüt) und zweitens wird langsam ein Ende absehbar. Noch 3 Tage, dann sollten wir Hilo auf Hawai’i erreichen, wenn weiter alles glatt läuft. Im Moment sieht es allerdings nach einer Ankunft mitten in der Nacht aus, das kann sich aber durch den wohl im Stau vor den hohen Bergen deutlich geringeren Wind noch ändern.
Um keinen falschen Eindruck zu erwecken, die Wellen sind wirklich nicht dramatisch und wie üblich sehen sie auf den Fotos und Videos eher niedlich aus.
Ein Nachmittag oder gar ein Tag lang bei diesen Bedingungen wäre ein wunderschöner sportlicher Törn, schnell und fordernd.
Ein paar Tage lang … da gesellt sich zu dem Spaß dann doch der Aufwand, sich dauernd festhalten und abstützen zu müssen. Wir sind jetzt knapp zwei Wochen in dieser Konstellation unterwegs. Und ja, wir sind schnell. Aber selbst das Schlafen ist da anstrengend, jeder Gang zur Toilette eine Herausforderung, Duschen ein Balanceakt mit etappenweisem Festkrallen. Wie Wiebke im Stemmschritt verkeilt in unserer U-förmigen Pantry vor dem herumschwingnden Herd kochen kann ist mir ohnehin ein Rätsel.

Das Groß ist seit Tagen unverändert im zweiten Reff, dazu steht die 108% Arbeitsfock. Die Schoten haben wir ebenfalls seit Tagen nicht angefasst (das Groß ist ja ohnehin mit dem Bullenstander festgesetzt). In den stärkeren Böen fallen wir falls es notwendig ist einfach 10 oder 15 Grad ab, luven hinterher wieder an (nix mit der Amwind-Regel „jede Bö gibt Höh“, hier gehts nur darum, nicht in die Querwellen hineingedrückt zu werden).

Essen: Kartoffeln mit Hering in Honig-Senf-Soße (unser letztes Glas „Sild“ von Ikea) mit frisch gemachtem Coldslaw / Krautsalat, verfeinert mit frischen Karotten und (Dosen-)Ananas.

Etmal: 196 sm, gesamt gesegelt bisher 3.853 sm, noch geschätzte 447 sm nach Hawai’i.

Passage nach Hawai’i, Tag 22

Hat sich doch der Titel geändert: Hawai’i statt Hawaii. Warum das? Weils eigentlich richtiger ist. Wir würden ja auch nicht wollen, dass Düsseldorf Dusseldorf geschrieben würde, nur weil es in einer anderen Sprache genau so ausgesprochen wird, oder (die Kölner vielleicht schon, aber die hätten ja selbst mit einem Umlaut zu kämpfen)?
Das Alphabet in Hawai’i hat nicht wie unseres 26 Buchstaben (ohne Umlaute), sondern nur die Hälfte, nämlich 13. Die Vokale A, E, I, O und U sind aber gleich, nur bei den Konsonanten hakts: in der lokalen Sprache werden nur H, K, L, M, N, P und W verwendet.
Kein Wunder, dass die Sprache so weich und melodisch klingt und dass die Worte uns oft so ähnlich erscheinen. Und ebenso logisch ist, dass zum Teil sehr lange Wörter gebildet werden müssen, wenn man halt weniger Buchstaben zur Auswahl hat.
Aber 13? Da fehlt doch ein Buchstabe, und das ist der „Glottal-Laut“ bzw. Glottal-Stop. Das Zeichen zwischen den beiden i von Hawai’i. Es ist quasi eine gesprochene Pause. Hört sich etwas abstrus an, gibts aber im Deutschen aus, nur ohne extra Zeichen. Wenn man zum Beispiel nach Grönland fährt um zu „Verreisen“ und „Vereisen“, hört man den Glottal in Vereisen sehr deutlich. Und in der Sprache der Ureinwohner auf Hawai’i wird er viel verwendet, drei der vier großen Inseln führen ihn im Namen. Maui nicht, aber Kaua’i, O’Ahu und eben Hawai’i Island, das zur besseren Unterscheidung von dem Gesamtarchipel auch oft „Big Island“ genannt wird.
Und da fahren wir als erstes hin, denn Big Island liegt als jüngste Insel der Kette ganz im Südosten des Archipels und ist damit für uns am besten zu erreichen.
Die Inseln sind alle vulkanischen Ursprungs. Wie Galapagos und auch die Kanaren gibt es hier einen „Hotspot“, quasi einen Schneidbrenner unter der Erdkruste, der ein Loch in die über dem Magma liegende feste Erdplatte brennt und einen Vulkan entstehen lässt. Weil sich aber die Platten verschieben, reißt irgendwann die Verbindung ab und über dem Hotspot entsteht der nächste Vulkan. Die Pazifische Platte ist zwar riesig, bewegt sich aber trotzdem recht schnell. Am Mariannengraben z.B. schiebt sie sich mit etwa 11 cm pro Jahr unter die Phillipinische Platte, mit 8 cm pro Jahr bewegt sie sich auf die Kurilen zu. Durch diese Bewegung sind über dem Hotspot nach und nach die zum Hawai’i-Archipel gehörenden Inseln entstanden. Einige im Nordwesten sind in den Millionen Jahren ihrer Geschichte schon wieder versunken, die jüngeren sind die jetzt bevölkerten. Big Island als jüngste mit seinen aktiven Vulkanen, dem über 4.200 m hohen Mauna Kea und dem nur wenige Meter niedriger
en Mauna Loa stellt zugleich die höchsten Berge der Inselgruppe. Wenn man bedenkt, dass die Lava die Berge ja auf dem hier 5.000 m tiefer liegenden Meeresboden formen musste, steigen sie sogar über 9.000 m in die Höhe.
Es wird aber trotzdem noch ein paar Tage dauern, bis wir hoffentlich die Berge Hawai’is vor uns erkennen können.

Heute ist die Sicht nicht sehr klar, der Himmel wolkenverhangen, manchmal Regen, nur ab und zu kommt die Sonne durch. Wir hoppeln über eine Wasser gewordene Buckelpiste, zu dem hohen Schwell des starken Passatwindes gesellt sich eine weiter aus nördlicher Richtung kommende Welle eines entfernten Windsystems, die uns ordentlich durchschüttelt. Ungenehm, anstrengend und ermüdend. Heute Nacht hatten wir in der dritten Wache durchziehende Wolkensysteme, die den Wind zwischen 25 kn und 3 kn hin und her springen ließen, danach wieder stetigen Passat.

Bootsarbeit des Tages: „Neustart und Hoffen“. Der Autopilot steigt plötzlich aus, ohne dass ihn gerade eine besonders hohe , Seiten-Welle aus dem Konzept gebracht hätte. Display-Anzeige: „Position Source are changed“. Auf dem Plotter erscheint eine gezackte Kurslinie (die wir nicht gefahren sind) und die Vorauslinie des Schiffes weicht 90 Grad von unserer wahren Vorauslinie ab. Grrr.
Wir starten den Autopilot neu. Keine Änderung. Den Plotter neu. Keine Änderung. Fahren die Geräte noch einmal herunter, schalten die Sicherungen des gesamten NMEA2000 Netzwerks aus und wieder ein, fahren die Geräte wieder hoch. „Neustart und Hoffen“ hat funktioniert, die systemischen Selbstheilungskräfte einmal mehr obsiegt. Aber wir denken verstärkt über ein Backup für die bisher vom Plotter gelieferte System-GPS-Position nach. Kommt auf die Liste.

Essen: Curry-Bratreis mit frischen Möhren und frischem Weißkohl, Ketjap Manis und Steak Strips (luftgetrocknete Rindfleischstreifen). Zum Nachtisch Cheesecake-Pfirsich-Muffins, die Wiebke trotz der Schaukelei gezaubert hat.

Etmal: 187 sm, gesamt gesegelt bisher 3.657 sm, noch geschätzte 643 sm nach Hawai’i.