So wird Kokosöl auf Fulaga gemacht

Bei einem Besuch im Dorf erwähnt Lina, dass sie in dieser Woche Kokosöl machen wird und wir uns das gerne anschauen können. Lassen wir uns natürlich nicht entgehen.

Eins vorweg: Kokosöl und Palmöl sind zwei verschiedene Dinge. Palmöl wird aus dem Fruchtfleisch der dichten Büschel rötlicher Fruchtstände der Ölpalme hergestellt. Kokosöl dagegen: tja, aus dem weißen Fruchtfleisch der Kokosnüsse.

Seru zeigt uns, welchen Reifegrad der Kokosnüsse sie dazu hier auf Fulaga bevorzugen. Nicht die grünen Trinknüsse, na klar. In den braunen ist weniger Wasser, mehr Fruchtfleisch. Zu unserer Überraschung nimmt Seru aber am liebsten die bereits angekeimten Kokosnüsse, die schon etwa zwei Wochen am Boden gelegen haben. Praktisch kein Kokoswasser mehr, dafür ganz viel Fruchtfleisch und gerne schon etwas schaumartiger „Kokosapfel“ im Inneren. Der wird wird für das Öl zwar gar nicht verwendet, zeigt aber den richtigen Reifegrad an.

Der Schaum kann einzeln gegessen werden. Das feste weiße Fruchtfleisch wird dann aus der Nuss gelöst, zerkleinert und ausgepresst. Jetzt könnte eigentlich mit dem Kochen begonnen werden, aber dann müsste man sehr lange kochen, um das ganze Wasser zu verdampfen. Die Brennstoff sparendere Methode: den offenen Topf ein paar Tage in die Sonne stellen. So trennen sich Wasser und Öl-Rohstoff schon einmal grob. Nach dem Abgießen wird dann nur der Öl-Rohstoff in einem Topf aufs Herdfeuer in der Hütte gesetzt.

Als Brennstoff dienen neben etwas Holz die Kokosnuss-Schalen und die „Barawa“ (die hinter dem Herdfeuer in der Ecke stehenden trockenen Palmblattansätze. Wie eine Fackel brennen sie vom oberen Ansatz und werden nach und nach ins Feuer geschoben.

Jetzt kochen und dabei kontinuierlich rühren. Mit der Zeit wird der Kokosgeruch immer deutlicher. Aber erst wenn die festen Reste des weißen Kokosfruchtfleisches bräunlich werden und zuckerartig kristallisieren ist es soweit. Die süßlich schmeckenden Brösel werden abgesiebt und zurück bleibt das reine Kokosöl.

Insbesondere wenn das Kokosöl zur Pflege von Haut oder Haar verwendet werden soll, werden auch Blüten oder Blätter (z.B. Hibiskus oder Frangipani) beim Kochprozess hinzugefügt.

Lina mag das Kokosöl aber am liebsten pur und findet, dass es dann für die Zubereitung von Speisen auch am universellsten verwendet werden kann.

Wir bekommen gleich eine Kostprobe: Seru bereitet aus Mehl, Wasser und etwas Zucker Teig für „Saparaki“ vor. Diese Pfannkuchen werden dann von Lina in heißem Kokosöl ausgebacken. Anders als klassische Doughnuts werden sie aber nicht mit Eiern (dann wären es in Fiji „Parile“) und auch nicht mit Hefe (sonst „Babakau“) gemacht.

Lecker (auf fijianisch: maleka)!

Aber wir werden noch weiter verwöhnt. Lina hat aus Mehl und heißem Wasser noch einen anderen Teig vorbereitet. Aus den abgekühlten Kugeln rollt sie mit einem Nudelholz auf einer runden Holzplatte Roti-Fladen, der indische Einfluss in Fiji reicht kulinarisch bis auf die Lau-Inseln.

Seru schabt derweil aus (diesmal ungekeimten) Kokosnüssen wiederum das Fruchtfleisch heraus.

Er presst es mit den Händen aus. Die so gewonnene sahnige Kokosmilch wird dann über die von Lina in der heißen Pfanne gebackenen (nicht frittierten) und dann aufgerollten Roti gegossen.

Und natürlich lassen es sich die beiden nicht nehmen, uns nach dem leckeren Essen auch noch eine Flasche von dem frisch gemachten Kokosöl mitzugeben.

Leere Glasflaschen (Weinflaschen mit Schraubverschluss) sind im Dorf übrigens für das Abfüllen des Öls sehr begehrt. Wir haben Lina ein paar mitgebracht, neben kleinen Gastgeschenken wie Tüchern, Sonnenbrillen, Lesebrille, Schnorchelbrille, und Verbandszeug für Linas maladen Daumen.

Lebensmittel anbauen, ernten, verarbeiten, zubereiten. Für die Inselbewohner hier auf Fulaga macht das einen großen Teil ihres Alltags aus.

Was für ein Privileg, dass uns Lina und Seru an diesem Leben so unmittelbar teilhaben lassen.

Fulaga: ein ganz besonderes Erlebnis

Etwa 20 Segelboote haben sich in Fulaga eingefunden. Kein Wunder, es hat sich unter den Cruisern herumgesprochen, dass dieses atemberaubende Naturwunder die durchaus meist schwierige Anreise mehr als wert ist. Einklariert werden kann auf den Inseln in Fiji‘s Lau-Gruppe nicht, das geht nur auf den Hauptinseln weiter im Nordwesten. Erst danach darf die Lau-Gruppe angelaufen werden. Dazu sind dann allerdings etwa 200 Seemeilen gegen den vorherrschenden Südostpassat mit der entsprechenden Pazifikwelle zurückzulegen. Und außer mit dem Segelboot ist Fulaga fast gar nicht zu erreichen. Immerhin, zwar ohne regelmäßigen Fahrplan aber meistens einmal im Monat läuft ein Versorgungsschiff diese Insel an. Es befördert auch Personen. Die Inselbewohner können so ihre Verwandten in der Hauptstadt Suva besuchen (für mindestens einen Monat) und zum Beispiel Baumaterial (wie etwa die typischen Wasserspeicher) bestellen.

20 Boote hört sich für ein so abgelegenes Ziel viel an. Unser Ankerplatz ist auch tatsächlich gut besucht, wenn auch keineswegs überfüllt. Es gibt genug andere Möglichkeiten zum Ankern hier, denn den größten Teil der über 18 Quadratkilometer messenden Insel nimmt ja die innere Lagune ein. Warum also knubbeln wir uns besonders hier im Südosten? Auf fast allen Booten sind Kiter oder Wingfoiler und die Bedingungen hier sind einfach ideal. Ziemlich glattes Wasser und konstanter Wind. Da bin ich dabei.

Allerdings: Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Gerade läuft es noch so gut, die Halsen klappen, dann aber haut es mich hin und ich falle unglücklich genau in den Wing hinein.

Mmh, da steht eine längere intensive Reparatur an:

Und zwischendurch lässt sich die Zeit auch mit anderem Wassersport gut überbrücken. Wir bauen endlich mal wieder unser Zweier-Kayak auf. Perfekt für die flachen Abschnitte zwischen den unzähligen pilzförmigen Kalkstein-Inselchen mit ihren verborgenen Sandstränden, den Höhlen und den Durchbrüchen zum „Wassergraben“, der das äußere Saumriff zur Lagune abgrenzt.

Es ist wahrlich traumhaft hier. Und doch: das ganz besondere Erlebnis machen wie so oft auf unserer Reise die Menschen aus. Hier auf Fulaga wird ja beim Sevusevu jeder Bootscrew eine Gastfamilie zugeordnet. Unsere hat uns für Sonntag nach der Kirche zum Lunch eingeladen.

Für den Kirchgang kleiden wir uns wieder formal mit Herrenrock bzw. langem Tuch um die Hüften.

Photo credit: Aagje, SY My Motu

Neue erste Male: auch vor der Kirche werden die Schuhe ausgezogen. Die „Glocken“ der Kirche sind rot gestrichene ausgehöhlte Baumstämme, auf denen zum Gottesdienst getrommelt wird. Und die meisten Gesänge in der Kirche werden von einer sehr hektisch geschlagenen Triangel als einzigem Instrument begleitet. Der jugendliche Musikant scheint die Gemeinde zu schnellerem Singen antreiben zu wollen, er ist im Takt deutlich voraus. Die Predigt auf Fijianisch verstehen wir nicht, den deutlich ermahnenden um nicht zu sagen anklagende Tonfall des Pastors aber schon. Wird wohl unser einziger Besuch in dieser Kirche bleiben.

Das Highlight folgt aber danach: Lunch bei unserer Gastfamilie. Talei und Lina sind Schwägerinnen, gemeinsam mit ihren Männern Nam und Seru sowie Lucy und Enkel Caleb leben sie in einer sehr einfachen Hütte. Zwei Wände und eine Hälfte des Daches sind aus geflochtenen Palmblättern gefertigt. Die andere Hälfte des Dachüberstandes ist aus Wellblech und wird zum Auffangen von Regen als Trinkwasser genutzt. In einer mit Wellblech geschützten Ecke wird über einem offenen Feuer gekocht. Der 8jährige Caleb hat die Aufgabe, nach der Schule trockene Palmzweigansätze als Feuerholz zu sammeln.

Die Brüder Nam und Seru stammen aus Fulaga, hatten aber zwischenzeitlich beide die Insel verlassen. Als zunächst Nam und seine Frau Talei beschlossen, nach Fulaga zurückzukehren baten sie die Dorfältesten, eine traditionelle Hütte statt einer moderneren Holzhütte zu errichten. Insbesondere Talei wollte nach dem Studium in Malaysia und beruflichen Aufenthalten in China und England sowie in Fiji‘s Haupstadt Suva zurück zum einfachen, ländlichen Leben.

Bei inzwischen sechs Bewohnern ist eine hölzerne Schlafhütte dazu gekommen, eine zweite ist im Bau. Die Dachflächen dieser Hütten helfen auch, den Bedarf an Trinkwasser zu decken. Die weltoffene Talei ist dabei keineswegs dogmatisch traditionell: zwischen den Hütten findet sich eine Starlink-Antenne. Sie ermöglicht es Enkelkind Caleb tägliche Video-Telefonate mit seiner Mutter in Suva. Der Strom kommt aus (von der Regierung gesponserten) Solarpanelen.

Mit Talei, Nam und deren Enkel Caleb beim Festmahl, im Hintergrund bereitet Seru auf dem offenen Feuer weitere Köstlichkeiten zu

Es gibt Fisch, von Talei frisch gefangen, dazu mehrere Varianten der super leckeren Bratlinge aus Morringeli-Blättern (deutsch: Meerettichbaum, unbedingt googeln), Tapioka und weitere Köstlichkeiten.

Und es gibt lange, intensive Gespräche. Über Gott und die Welt (Talei und Nam gehen nicht in die Kirche), über das Schulsystem und den Schulalltag von Caleb, über die Familienbindungen in Fiji, den Sternenhimmel, das Reisen, dieses und jenes und vor allem über das Leben und was darin wirklich wichtig ist.

Danke für Eure Gastfreundschaft und Eure Offenheit. Danke, dass Ihr Euer Heim in Fulanga auch unser Heim sein lasst. Danke, dass Ihr diesen ohnehin wunderschönen Ort so für uns mit diesem einzigartigen Erlebnis in unsere Erinnerung prägt.

Passage Minerva nach Fiji, Tag 3. Angekommen in Fiji. Bula!

Tatsächlich benötigen wir nochmal 24 Stunden, bis wir unseren Port of Entry in Fiji erreichen: ziemlich genau um 12.00 Uhr mittags machen wir am Quarantäne-Steg der Nawi-Marina in Savusavu fest. Wir müssen nicht lange warten, dann bringt Dockmaster Trevor bereits die Dame von der Gesundheitsbehörde als erste Offizielle zu uns. Noch einmal beantworten wir auf zwei Formularen die Fragen zur Gesundheit an Bord. Es sind die gleichen Antworten, die wir im obligatorischen Online-Formular schon übermittelt hatten. Ein Blick in unseren Kühlschrank, einer in ein Lebensmittel-Schapp. Alles gut, die Rechnung über 169 Fijidollar (etwa 66 Euro) können wir am Montag im Büro der Behörde bezahlen. Nicht morgen am Freitag, da ist Feiertag. „Girmit-Day“.

Das müssen wir erstmal nachschlagen und stellen fest, dass dieser Nationalfeiertag tatsächlich eine ganze Menge über Fiji aussagt.

Girmit-Day ist einer der Nationalfeiertage in Fiji. Er erinnert an die über 60.000 indischen Vertragsarbeiter, die zwischen 1879 und 1920 von der britischen Regierung mit ausbeuterischen „Vereinbarungen“ (in Fiji-Hindi Girmit genannt) zur Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen nach Fiji übersiedelt wurden. Mindestverpflichtung war 5 Jahre, nach 10 Jahren sollte die Regierung die Kosten für die Passage zurück nach Indien übernehmen. Die Arbeiter erhielten zwar Lohn. Was sie bei Vertragsunterzeichnung allerdings typischerweise nicht wussten: davon wurde der Großteil für Unterbringung und Verpflegung gleich wieder abgezogen. Praktisch konnten sie so kaum etwas sparen, schon gar nicht genug, um die vorzeitige Rückreise zu bezahlen. Die meisten blieben und bildeten damit die Grundlage für Fijis heutigem – keineswegs immer konfliktfreie – multikulturelle Gesellschaft. Über 37 % der Bevölkerung ist heute indischstämmig. 1987 waren es 49% und so gewannen indische Parteien erstmals die Wahlen. Mehrere Miltärputsche stellten in der Folge aber die Vorherrschaft der melanesischen Bevölkerungsmehrheit (heute ca. 57%) wieder her. Es gab Anfeindungen und Übergriffe gegen die ökonomisch dominierende indischstämmige Bevölkerungsminderheit und deren Eigentum. In der Folge wanderten viele gut ausgebildete indischstämmige Fijianer aus, was einen andauernden wirtschaftlichen Niedergang auslöste. Erst 2013 trat eine neue Verfassung in Kraft, mit der die bis dahin bestehenden politischen Vorrechte der „Urbevölkerung“ abgeschafft und politische Gleichberechtigung wieder hergestellt wurde. Der jüngst (2023) eingeführte Girmit-Day ist damit auch ein Symbol für den Versuch der Aufarbeitung der nationalen Geschichte und der Anerkennung der Indo-Fijis als integraler Bestandteil der Nation.

Zurück zum Einklarieren: einige Zeit später bringt Trevor die drei anderen Offiziellen zu uns: Zoll, Immigration und Biosecurity.

Wieder machen wir in Papierform die Angaben, die wir zuvor im C2C Formular „Advanced Notice of Arrival“ schon online übermitteln mussten. Aber wieder ist es auch unkompliziert und freundlich. Alles in allem sind wir zwei Stunden nach unserer Ankunft offiziell einklariert, die gelbe Quarantäneflagge können wir streichen und nur die Fiji-Flagge weht jetzt unter unserer Steuerbord-Saling.

Es ist die 31ste Gastlandflagge unserer Reise. 🇫🇯

Danach verholen wir vom Quarantänesteg in die eigentliche Marina.

An unserem Liegeplatz warten bereits mehrere Mitarbeiter auf uns, nehmen unsere Leinen an und singen uns ein Begrüßungsständchen.

Das Ständchen endet mit einem enthusiastischen „Bula!“ (Gesprochen: Mbula) Das ist die traditionelle Begrüßung in Fiji. Und wir bekommen ein Salusalu umgehängt. Die handgemachte Blumengirlande ist nicht nur ein herzliches Willkommen, sondern symbolisiert Respekt und ist zentraler Teil der fijianischen Kultur und Gastfreundschaft.

Was für eine Begrüßung.

Überhaupt: die Nawi-Marina überrascht uns sehr positiv. Stege und Anlagen sind in Top-Zustand. Ein bisschen haben wir das Gefühl, in einem Luxusressort gelandet zu sein. Mit 9 qm Individual-Badezimmern einschließlich Außendusche, einem Endless-Pool mit Blick über den Hafen und Swim-in-Bar für unseren Morgenkaffee sowie vielen liebevollen Details. Andererseits: zum Ausgleich der anstrengenden Überfahrt von Neuseeland haben wir uns vielleicht ein wenig Luxus verdient und mit 176 Euro für eine ganze Woche, also gerade 25 Euro pro Tag ist dieser Luxus dann doch auch nicht eben exorbitant teuer.

Trotz des bedeckten Himmels mit regelmäßigen Schauern und der für uns ungewohnten Wärme und Luftfeuchtigkeit ein richtig guter Start in Fiji.

Ein Wochenende in Rangiputa

Die Bootsarbeiten hier in Whangārei werden wohl noch einige Zeit andauern. Einige Ersatzteile sind bestellt. Das Wochenende bietet eine gute Gelegenheit für etwas Abstand – im Wortsinne.

Wir fahren mit dem Auto etwa zweieinhalb Stunden nach Norden. Nicht zur hinauf zum Cape Reinga, der Nordspitze von Neuseelands Nordinsel, das wäre fast doppelt so weit. Unser Ziel ist Rangiputa auf der Karikari-Halbinsel, immerhin schon im District „Far North“ gelegen. Unsere neuseeländischen Segelfreunde Jacqui und Phil von der Skylark haben uns nach dort in ihr Ferienhaus eingeladen.

Wir halten die beiden mit unserem Besuch zwar von der Arbeit an der Erneuerung ihrer Terrasse ab, aber die beiden versichern uns, etwas Abwechslung von dieser Arbeit (und der Bootsarbeit auf Skylark) käme ihnen durchaus gelegen.

Es wird ein wunderschönes Wochenende. Jacqui und Phil sind leidenschaftliche Wingfoiler und auf der Terrasse direkt am Meer findet sich denn auch eine reichliche Auswahl an Spielzeugen. Der Wind hat allerdings ebenfalls eine Auszeit genommen. Kein Problem, wechseln wir hat auf ein anderes Spielzeug: mit dem Mini-Traktor zieht Phil sein kräftig motorisiertes RIB-Schlauchboot etwa 100 m die Straße hinunter zur Slipbahn.

Wiebke und ich fahren im RIB mit. Jacqui bringt Traktor und Trailor zurück, wir holen sie dann auf der Wasserseite ihres Grundstücks ab. Gemeinsam brausen wir über die Bucht und versuchen an verschiedenen Stellen unser Angelglück.

Allerdings: beim ersten Versuch haben wir nur bedingt Erfolg. Einen Pigfish lassen wir zurück ins Wasser und als sich Phils Angel danach dann so richtig biegt, ist es es kolossaler „Bronze Whaler“. Dieser kräftige Hai zieht uns eine ganze Weile kreuz und quer am Riff entlang, bis wir es im flachen Wasser nah an ihn heran schaffen und die Leine kurz abreißen können. Beim zweiten Versuch am nächsten Tag haben Phil und ich deutlich mehr Angelglück. Die gekauften Köderfische sind zwar so weich, dass sie im Wasser aufgetaut praktisch gleich vom Haken fallen, aber wir erwischen mit der Schleppangel einen „Kahawai“ (eine Art Lachsforelle), der sich kleingeschnitten hervorragend als Köder eignet. Damit fangen wir dann in kurzer Zeit 7 Snapper (zwei setzen wir zurück) und einen Trevally (Dickkopf-Stachelmakrele). Das Festessen ist also gesichert, zumal Phil beim Strandspaziergang am 3 km langen Karikari Beach auch noch fleißig „Tuatua“ sammelt. Diese sich im Sand vergrabenden Muscheln sind eine typische neuseeländische Speise, oft werden sie (frikadellenartig) zu Fritters verarbeitet.

Weil der Wind zum Wingfoilen nicht reicht, verlegen wir uns auf das Tow-Foilen. Es ist nicht ganz so einfach wie hinter unserer Florecita, weil das RIB mit seinem 115 PS Motor doch für ganz ordentliche Prop-Wash-Verwirbelungen sorgt. Aber nachdem ich dem etwas ausweiche und mich an Jacqui‘s ungewohnt schmales Downwind-Board sowie die mit viel Lift agierenden Armstrang-Foils gewöhnt habe, klappt es dann doch noch.

Es geht auch ruhiger: Wiebke und Jacqui nutzen die Terrasse zum morgendlichen Yoga und lassen sich auch von den auf dem Rasen vorbeispazierenden kalifornischen Schopfwachteln (wieder so eine heimisch gewordene importierte Art) nicht irritieren.

Ein herrliches Wochenende, die Zeit verfliegt. Zum Abschluss begleiten uns Jacqui und Phil noch eine Stunde auf der Rückfahrt Richtung Whangārei. Gemeinsam besuchen wir das Weingut „Marsden Winery“ bei Kerikeri und essen wunderbar im dortigen Restaurant.

Danke, Ihr Lieben, für Eure Gastfreundschaft und die tolle Zeit mit Euch!

So wird Kopra gemacht – eine weitere wundervolle Begegnung auf Fakarava

Die Herstellung von Kopra ist uns auf unserer Reise schon mehrfach begegnet. Insbesondere auf den Marquesas fielen uns immer wieder flache überdachte Gestelle auf, die zum Trocknen von Kopra dienen. Die kleinen Inseln (Motus) in den Atollen der Tuamotus sind oft nicht dauerhaft bewohnt, trotzdem finden sich dort oft einfache Hütten, die nur als temporäre Unterkünfte für die Bewirtschaftung der Plamenhaine dienen – eben um Kopra zu machen.

Was ist das überhaupt- Kopra?

Das weiße innere Fleisch der Kokosnüsse ist frisch gegessen sehr nahr- und schmackhaft, kann auch zu Kokosmilch, Kokosraspeln, Snacks und Ähnlichem genutzt werden. Vor allem aber enthält es einen hohen Anteil von gesättigten Fettsäuren, weshalb es in großen Mengen zu Kokosöl und Kokosfett weiterverarbeitet wird. Für die Verwendung in Lebensmitteln, aber auch für pharmazeutische und kosmetische Zwecke. Das erfolgt aber typischerweise in einem industriellen Prozess, in Französisch Polynesien zentral auf Tahiti. Da es ziemlich unpraktisch wäre, die voluminösen Kokosnüsse dorthin zu verschiffen, gibt es direkt bei den Plantagen einen Vorprozess, in dem aus den Nüssen in aufwändiger Handarbeit das weiße Nährgewebe entnommen und getrocknet wird. Die so gewonnene Kopra wird dann in 25 kg Säcke verpackt und von den Versorgungsschiffen der Inseln als Rückfracht nach Tahiti gebracht.

Wie das genau funktioniert erklärt uns Jakob. Wir treffen ihn, als wir auf einem Spaziergang zufällig an dem Kokospalmenhain hinter seinem Haus vorbeikommen. Bereitwillig, geduldig und freundlich zeigt er uns den Prozess, nimmt sich viel Zeit für uns.

Verwendet werden die braunen, trockenen Kokosnüsse mit viel Fruchtfleisch, nicht die grünen Trinknüsse mit viel Kokoswasser und wenig Fleisch. Jakob bevorzugt die größeren, aber langsamer wachsenden klassischen Arten. Nach sieben Jahren tragen diese Palmen die ersten Nüsse. Neuere Hybridsorten tragen früher (etwa nach 5 Jahren) , dann allerdings kleinere Kokosnüsse.

Zunächst einmal müssen die Kokosnüsse an einem Platz zusammengesammelt werden. Statt sich zu bücken werden die Kokosnüsse dazu typischerweise mit einem Werkzeug aufgepickt, das einem Holzstab mit Enterhaken am Ende ähnelt. Dieser wird dann kräftig und doch kunstvoll gegen einen anderen Stock geschlagen, so dass die Kokosnuss in hohem Bogen zielgenau an den Sammelort fliegt.

Dort werden die Nüsse dann mit einem gezielten Axthieb halbiert.

Die halbierten Nüsse werden zunächst mit der Schale nach oben (vor Regen geschützt) zwischengelagert, aber zumeist noch am selben Tag weiterverarbeitet.

Mit einem an einen S-förmig gebogenen Stechbeitel erinnernden Werkzeug wird dann mit einer einzigen fließenden Bewegung das Kokosfleisch aus der Nusshälfte herausgetrennt.

Die so gewonnene Kopra wird dann – je nach Wetter – noch mindestens eine Woche sonnengetrocknet, luftig aufgeschichtet in den regengeschützten und aufgebockten Trockengestellen. Danach wird die Kopra in Säcke gepackt und mit dem nächsten Versorgungungsschiff nach Papeete geschickt. Die Bezahlung richtet sich nach der Qualität, wofür auch der Trocknungsgrad wichtig ist.

Reich werden kann man davon bei der erforderlichen Handarbeit nicht, eine wichtige Einnahmequelle auf den abgelegenen Inseln Französisch Polynesiens ist das Herstellen von Kopra aber noch immer.

Die Kokosfasern der trockenen Hülle werden andernorts manchmal noch wie früher als Füllmaterial für Matratzen verwendet. Jakob aber kompostiert sie, insbesondere für die Vanille, die er ebenfalls anbaut.

Natürlich: Trink-Kokosnüsse hat Jakob auch. Bei der Hitze tut das richtig gut.

Von uns etwas annehmen möchte er aber nicht. Er sei froh, uns seine Kultur näherbringen zu können und Gastfreundschaft gehöre elementar dazu. Wir sind einmal mehr zutiefst beeindruckt. Das ganze wohlgemerkt auf Fakarava, wo auch heute wieder wie schon in den vergangenen Tagen ein Kreuzfahrtschiff für eine Tagesvisite in der Bucht ankert.

Die grünen, hohen Inseln der Marquesas bleiben achteraus.

Bananen baumeln am Achterstag. Die übrigen Fruchvorräte sind in der Flora in Netzen gestaut, schaukeln von der Decke im Salon und an der Duschvorhangstange im Bad. Der Dinghymotor wird mittels der Dirk auf den Heckkorb gesetzt, das jetzt motorlose Beiboot in den Davits zusätzlich mit « Bellybands » (unter dem Boden durchgezogenen Gurtbändern) gesichert und natürlich auch sonst alles an Bord seefest verstaut. Es geht wieder los. 450 Seemeilen offener Pazifik liegen vor uns, das entspricht etwa der Entfernung der Strecke einmal quer durch Deutschland.

Der Abschied von den Marquesas fällt nicht leicht. Zum einen sind gerade noch unsere amerikanischen Freunde Jill und Michael mit ihrer „Gerty“ angekommen. Immerhin konnten wir sie noch gebührend in Empfang nehmen und einen netten Begrüßungsabend mit ihnen sowie Simone und Joren von der holländischen „Vlinder“ verbringen. Heather und Jim sind noch hier, Andrea und Ingo im Norden der Insel.

Zum anderen waren die Marquesas einfach wunderbar. Fatu Hiva mit seinem Traumankerplatz in der Baie de Vierges. Tahuata mit seinen Stränden, den Delfin- und Mantabegegnungen und dem traditionellen Erdofen-Festmahl. Hiva Oa, das uns nach dem rolligen und knallvollen Atuona mit schönen Ankerplätzen an seiner Nordseite verwöhnt, das weniger besuchte Ua Huka, auch wenn es uns nur eine Stippvisite ohne Landgang gönnte. Das hohe Ua Pou mit den charakteristischen Pitons, den Zacken seiner Krone. Und – zwischendurch schon einmal und zuletzt wieder – das vielfältige Nuku Hiva.

Die Erlebnisse, die Wanderungen, die Schönheit der Natur, all das hat uns auf den Marquesas beeindruckt. Und doch, einmal mehr waren es die Begegnungen mit den Menschen, die die prägendsten und bewegendsten Eindrücke hinterlassen haben. Die Gastfreundschaft der Bewohner dieser Inseln, ihre Offenheit und Zugewandheit.

So wie Henrys Familie auf Fatu Hiva, Stella und Gil auf Tahuata, Tepua und José auf Hiva Oa, Eveline auf Ua Pou, Kua und Te‘iki auf Nuku Hiva, sie machen für uns das Gsicht dieser Inseln aus und stehen doch auch stellvertretend für die unglaublich freundlichen Menschen der Marquesas.

Vom weitläufigen Ankerplatz vor dem Hauptort Taiohae brechen wir jetzt auf.

Neue Abenteuer locken. Unser Ziel sind die Tuamotos. Auch sie bilden eine der fünf Inselgruppen Französisch Polynesiens. Ganz anders als die hohen grünen gebirgigen Marquesas sind sie flache Atolle, die sich kaum über den Meeresspiegel erheben. Fast alle von ihnen haben eine von einem Riff umgebene Lagune, die wenigen Ausnahmen sind gehobene Atolle. Früher ebenfalls mit einer flachen Lagune im inneren, hat sich das ganze Atoll durch tektonische Veränderungen so weit aus dem Meer gehoben, dass kein Meerwasser mehr in die ausgetrocknete Lagune gelangt.

Bei allen anderen Atollen der Tuamotus aber ist die Lagune ein Teil des Ozeans. Durch einen oder mehrere Pässe atmet die Lagune mit der Tide Pazifikwasser ein und aus. Wenn der Wind auf dem Ozean hohe Wellen aufbaut, gelangt zudem auch über das Ringriff hinweg weiteres Wasser in die Lagune, was dann bei Ebbe zu besonders kräftigen Strömungen im Pass führt. Die Passagen durch die Pässe der Lagunen sind also mit Vorsicht und idealerweise um Stillwasser herum vorzunehmen. Also sollten wir in drei Tagen möglichst um 8:30 oder um 14:30 vor dem Pass von Raroia angekommen sein, unserem geplant ersten Atoll der Tuamotus. Lieber etwas früher, um Spielraum zu haben. Mal sehen, ob das klappt.

Besuch. Chillen oder auf die Palme …und Entdecken.

Die Maschine von Air Tahiti schwebt auf der Landebahn von Hiva Oa ein und bringt unser Patenkind Jannik mit. Er hat gerade sein Abitur gemacht und wird jetzt einen Monat lang mit uns Französisch Polynesien erkunden.

“Chillen”. Sagt er. Aber ganz so ist es dann doch nicht. In dem 19jährigen steckt dann doch ordentlich Entdeckergeist und so vieles ist neu.

Zuletzt an Bord war Jannik vor sechs Jahren in Griechenland. Wahnsinn, schon so lange her, fast ein Drittel seines bisherigen Lebens.

Was deutlich besser klappt als befürchtet: die totale Nachteule Jannik (steht zu Hause gerne erst nachmittags auf) steht morgens als erster auf, geht schwimmen oder setzt sich einfach an Deck und beobachtet die vielen Delfine am Ankerplatz. Wiebke gesellt sich dazu, ich komme irgendwann mit dem Kaffee nach.

Die Zeitverschiebung zu Europa hilft da sicherlich, aber jedenfalls ist es sehr praktisch. Hier geht die Sonne um 5:30 auf und um 17:30 wieder unter.

Und so ist Jannik beim morgendlichen Hike zum Aussichtspunkt über unserer Bucht voll dabei. Den Kokospalmen unten am Wasser müsste doch eine Nuss abzutrotzen sein? Es ist die typische Lernkurve, oder jedenfalls entspricht sie unserer eigenen. Mit Steinen werfen?

Bringt nichts. Lange Stangen sind nicht greifbar. Also klettern!

Hinterlässt zwar ein paar Spuren am ungeübten Körper, aber dass wird für den Erfolg gern in Kauf genommen. Nach der pfadfinderischen Meisterleistung mit steilem Waldklettern abseits des Weges treffen wir zurück auf der Straße eine Local. Sie öffnet uns mit ihrer Machete freundlicherweise die Nuss.

Überhaupt, die Einheimischen. Die Gastfreundschaft hier ist einfach überwältigend. Auf dem weiteren Weg im Dorf Hapatoni kommen wir an einem riesigen Mangobaum vorbei. Wir fragen, ob wir Mangos kaufen können. Gil und Stella bitten uns auf ihre Terrasse und verneinen. Sie verkaufen kein Obst. Sie verschenken es nur, schließlich würde die Natur sie ja auch beschenken. Wow.

Gil mit seinem beeindruckenden polynesischen Gesichts-Tattoo streift mit uns durch den Garten und erntet. Stella schickt ihn hinterher trotzdem noch einmal los, um noch mehr Spezialitäten zum probieren zu bringen, etwa Zuckerrohr und Cœur Coco, die Baiser-artige Masse aus einer frisch gekeimten Kokosnuss.

Gill holt uns Papaya vom Baum.

Wir unterhalten uns lange. Über alles mögliche, etwa den Ukraine-Krieg. Der scheint hier in der Idylle weit weg zu sein, aber für Gil und Stella gilt das nicht. Ihr Sohn ist als Soldat in Frankreich bzw. dort, wo er als Fallschirmspringer eingesetzt wird. So war er in Mali und jetzt, wo Präsident Macron den Einsatz französischer Soldaten in der Ukraine ins Gespräch gebracht hat, ist dieser Krieg für sie ganz nahe gerückt. Jannik (mit seinem Französisch-Leistungskurs) ist aktiv in dem Gespräch dabei.

Und einmal mehr gehen wir mit vielen geschenkten Früchten im Gepäck. Eine komplette Bananenstaude müssen Jannik und ich gemeinsam tragen, sie kommt ans Achterstag und wir versorgen noch die umliegenden Boote damit. Inzwischen haben zufällig zwei weitere Hallberg-Rassy neben uns geankert, die schwedische 43 “Elin” und die amerikanische 53 “Sula”.

Als nächstes ist Schnorcheln angesagt, das bietet sich bei diesem wunderbaren Ankerplatz einfach an.

Und was die Kokosnüsse angeht, ist jetzt Janniks Ehrgeiz geweckt. Für die kleine Expedition rüsten wir uns besser aus. Per Paddelboard geht’s an Land, die SUP lassen sich über die Steine leichter vor dem Schwell in Sicherheit bringen. Im Rucksack: Machete, Seil, Gaff, Tupperdosen sowie Messer und Löffel für das Kokosfleisch und eine Weithalsflasche für das Kokoswasser. Auf geht’s.

Mit dem Paddel das Seil in Position zu bringen und dann mit der Leine die Nuss herunterzureißen erweist sich als effektive Erntemethode. Und dann geht’s ans Öffnen mit der Machete, Auffangen von Kokoswasser und herausoperieren des Kokosfleischs.

Für das Abendessen wird der frische Überfluss gleich verarbeitet: Poisson Cru vom Mahi Mahi, dazu gebratener Fisch mit Kokosnussstückchen, Auberginen und Möhren, dazu Brotfrucht-Fritter, Mango-Chutney und Papayasalat.

Janniks Jäger-und-Sammler-Ader ist offenbar aktiv: nachdem das Fischen vom Boot aus nicht erfolgreich war, möchte er zum Sonnenuntergang mit dem Dinghy ein Stück weiter rausfahren und dort angeln.

Wir fangen zwar nichts, aber dann ist es eben Chillen unter der gerade so eben sichtbaren dünnen Mondsichel.

Fatu Hiva III: Tiki und hoch hinauf

Der wunderschöne Ankerplatz von Hanavave auf Fatu Hiva hat sich geleert, zwischenzeitlich sind wir nur noch fünf Boote hier. Unsere Nachbarn sind schon weiter gezogen, erkunden bereits andere Inseln der Marquesas, aber wir bleiben noch ein bisschen.

Einen ruhigen Tag verbringen wir einfach auf dem Schiff, genießen die einzigartige Szenerie und die verschiedenen Licht-Schatten-Spiele der Basaltmonoliten vor dem Hintergrund der steilen grünen Berghänge.

Am nächsten Tag machen wir wieder eine Wanderung. Es soll 9 km weit zu einem 450 m hohen Gipfel über der Bucht gehen, also brechen wir zeitig auf, um bei den ohnehin hohen Temperaturen nicht auch noch in die Mittagshitze zu kommen. Guter Plan, aber die Umsetzung klappt nicht so recht. Auf dem Weg durch das Dorf fällt uns ein eine mit luftigem Mesh eingehauste Plantage auf. Was mag das sein?

Der Nachbar kommt von seinem Grundstück herüber und klärt uns auf. Es ist eine von offizieller Seite angelegte Testanpflanzung von Vanille. Wird aber aus seiner Sicht nicht intensiv genug gepflegt. Und wo wir schon mal im Gespräch sind, lädt uns Henry gleich zu sich in seinen Garten ein. Wir werden der Familie vorgestellt, die auf der Terrassenwerkstatt gerade an Knochen- und Muschelschnitzereien arbeitet. Henry selbst ist eigentlich mit dem Anschleifen von Balsaltsteinen für mehrere Tiki beschäftigt.

Aber das kann jetzt ruhig warten, statt dessen werden wir mit Früchten aus dem Garten überhäuft. Neben Mango, Bananen, Papaya, Pampelmusen und Zitronen bekommen wir erstmals auch Ambarella (polynesische Goldpflaume). Henry erklärt uns, dass sie hier grün (unreif) gegessen wird, wobei die Schale nicht mitgegessen wird.

Im Gespräch erfahren wir, dass Henry eigentlich von den Gambier kommt. Hm, da waren wir ja gerade. Wen wir dort kennen? Wir berichten und es stellt sich heraus, dass Pakoi (von Aukena) sein Cousin ist. Als wir ihm die Fotos von Pakoi und uns zeigen, ist er ganz aus dem Häuschen und auch seine Frau muss sich die Bilder gleich noch einmal ansehen. Es ist eine kleine Welt.

Unsere ganzen Gartengeschenke sollen wir nicht mit auf die Wanderung nehmen, sondern erst mal da lassen und auf dem Rückweg abholen. Das Angebot nehmen wir gern an und übrigens – für die Skeptiker – auch beim Abholen wird uns kein Verkauf angeboten, sondern einfach der Fruchtberg in die Hände gedrückt.

Jetzt sind wir natürlich doch später unterwegs und es wird eine anstrengende Wanderung, obwohl der Weg auf der wenig befahrenen Straße entlang führt. Die Serpentinen ziehen sich so steil den Berg hinauf, dass wir nach einiger Zeit lieber auf der gesamten Straßenbreite im Zickzack gehen. So mindern wir die Steigung und damit das Gefühl, eine Treppe hinauf zu gehen.

Am Point de Vue ist nur Zwischenstation, es geht weiter steil bergan. Dafür werden wir aber mit herrlichen Ausblicken auf das Dorf, die Küste und die nördlich des Dorfes liegenden schroffen Felszacken belohnt.

Die Betonstraße (weiter oben Schotterstraße) schlängelt sich am Hang entlang, mehr als einmal können wir weit unter uns Flora am Ankerplatz liegen sehen.

Bei der Steigung gehen die 9 km dann aber doch ganz gut in die Beine (rauf) bzw. auf die Knie (runter), wieder an Bord sind wir rechtschaffen kaputt.

Trotzdem schafft es Wiebke noch, einen Zitronenkuchen zu backen. Heute suchen suchen wir dann noch einige aussortierte Kleidungsstücke heraus, packen ein Sortiment Stifte für Henrys Enkel und einige Stücke Zitronenkuchen dazu und gehen nochmal zu Henry, um uns mit Gegengeschenken für die polynesische Gastfreundschaft zu bedanken. Das kommt ausgesprochen gut an. Zwei von Henrys Söhnen sind gerade da, beide sprechen (wie Henry) gutes Englisch. Einer der Söhne ist Tätowierer und beide erklären uns die Bedeutung der verschiedenen klassischen Motive.

Und Henry zeigt uns, wie und mit welchen Werkzeugen er aus den Steinen Tiki herausarbeitet. Gemeinsam erläutern sie uns den religiösen und historischen Hintergrund der Tiki und welche Bedeutung Tiki für die Marquesas auch heute noch haben.

Und ohne ein weiteres Gastgeschenk – diesmal ist es selbstgefertigter Schmuck – lassen sie uns nicht gehen. Die polynesische Gastfreundschaft ist immer wieder überwältigend.

Im kleinen Dorfladen kaufen wir noch ein paar Lebensmittel, gönnen uns ein Eis. Als wir danach zurück an Bord kommen, fängt es gerade an zu tröpfeln. Dann wächst es sich zu einem fulminanten Tropenregen aus, der fast den ganzen Nachmittag anhält. Zeit für das Kochen einer asiatischen Teriyaki Gemüsepfanne mit von Henry mitgegebenen Maniok und außerdem auch noch das Backen einer wunderbaren Key Lime Pie (Wiebke).

Oder für den großen Service am Generator (Ralf). Danach zur Abkühlung eine Tropendusche auf dem Achterdeck.

Erst zum Abend klart es dann doch wieder auf.

Ist das schön hier auf Fatu Hiva!

Abschied von Gambier

Über einen Monat sind wir schon auf den Gambier, der Abschied naht.

Wir lösen unser Versprechen ein und backen mit Tetu und Murielle eine Elsässer Guglhupf-Variante. Rezept, Kuchenform (wenn auch nicht die perfekte Guglhupf-Form) und ein paar Zutaten bringen wir mit, die übrigen Standardzutaten haben die beiden in ihrer Küche schon bereitgelegt.

Der Elsässer Hefeteig-Guglhupf wird angerührt und muss dann erst einmal ruhen. Da geht es dann mit Tetu sofort wieder in seinen Garten. Ebenso, nachdem der Kuchen dann später im Ofen ist. Tetu zeigt uns nochmal, wie man richtig mit einer Kokosnuss umgeht, sie von der schützenden weichen, faserigen Schale befreit und die innere harte Nuss öffnet und wie man die grüne Trinknuss am besten öffnet.

Und er führt uns zu den verborgenen Schätzen in seinem Garten.

Was zum Beispiel ist das hier?

So sieht die unreife Frucht aus:

Stolz führt er uns die selbst gebaute Sonnentrocknung vor, die er zum Beispiel für Bananen und Litschi nutzt.

Man merkt Tetu einfach an, wie viel Freude sein Garten und der mit Hilfe der Natur produzierte Überfluss ihm bereitet.

Zurück in die Küche, der Kuchen ist fertig: gut geworden.

Und obwohl das Backen ja eigentlich unser Gegengeschenk war, wir werden wie aus einem Füllhorn erneut mit dem überhäuft, was der wunderbare Garten alles hergibt: frische Kräuter, für Salate verwendbare (uns bisher unbekannte) Blätter, Chili, getrocknete Bananen und Litschi, frische grüne Bohnen,

Sternfrucht, Drachenfrucht (die Auflösung des Pflanzenrätsels von eben), Auberginen, Bananen, Bittergurke, Pampelmusen:

Drachenfrucht und Bittergurke noch mal aufgeschnitten:

Wir können uns gar nicht genug für Eure unglaubliche Gastfreundschaft bedanken, Murielle und Tetu!

Was machen wir noch hier auf Mangareva? Eine Wanderung zu den Ruinen des alten Klosterkonvents von Rikitea unterhalb der Steilwand des Mont Duff.

Die mit Steinen eingefasste tiefe Kuhle auf dem Gelände ist übrigens kein Brunnen, sondern eine Lagerkuhle für “Uru”. Hier wurde früher Brotfrucht haltbar eingelagert.

Und dann übergeben wir quasi den Staffelstab:

Unsere Segelfreundin Mareike kommt mit ihrer Moana an, ankert neben uns hier in Rikitea. Wir freuen uns riesig, dass es mit dem Treffen noch klappt, denn mit den Schiffen waren wir uns zuletzt an der amerikanischen Ostküste in Charleston begegnet und hatten dort ihren Geburtstag gefeiert, danach hatten wir uns noch einmal auf Heimatbesuch in Hamburg getroffen.

Aber während sie und ihre Crew jetzt erst mal die verdiente Entspannung nach dem Törn von Galapagos nach Gambier genießen, soll es für uns morgen mal wieder weitergehen: wir wollen in die nächste Inselgruppe aufbrechen. Die Tuamotus liegen vor uns. Wir möchten aber erst einmal nur eines der seltener besuchten südlichen Atolle dieses Archipels als Sprungbrett auf unserem Weg hoch zu den Marquesas nutzen. Von dort wird es dann später zurück in die Tuamotus gehen, dann aber in den nördlichen Teil dieser weit aufgefächerten Inselgruppe.

Etwa 450 Seemeilen lang wird der Törn zum Atoll Amanu sein, etwa drei bis vier Tage sollte das dauern.

Tschüss Gambier, es war toll bei Dir.

Die kleinen und die großen Dinge

Wir schnorcheln vor Aukena. Einmal mehr beeindrucken der Fischreichtum und der gute Zustand der vielen Korallen.

Das Riff selbst ist vielleicht etwas weniger farbenfroh als in manchen Teilen der Karibik, die Details sind es aber nicht. Zum Beispiel die Tridacna, quasi Zwerge in der Familie den Riesenmuscheln. In unterschiedlichen leuchtenden Türkis- und Blautönen strahlen die etwa 10 bis 15 cm messenden Muscheln zu uns herauf und schließen sich, wenn wir näher heran schnorcheln.

Später, beim Strandspaziergang unter Palmen, springt uns eine andere “Kleinigkeit” förmlich an.

Die winzigen Jungferngeckos sitzen oft in den Kokospalmen und nun pflücken wir ausgerechnet “seine” Nuss. Schwupp – sitzt er auf meinem Finger, lässt sich ausgiebig bewundern und springt dann auf die Kamera und weiter auf Wiebkes Fuß.

Nachdem er vor allem Mücken und kleine Spinnen jagt, wäre er eigentlich ein perfektes Haustier auf Flora, aber wir setzen ihn trotzdem lieber zurück in “seine” Palme. Mach’s gut, Kleiner.

Was dagegen richtig groß ist: die Gastfreundschaft hier in den Gambier. Wie fast auf jeder der etwas größeren Inseln des Archipels gibt es auch auf Aukena eine Kirche, trotz der nur ungefähr 30 Einwohner. Sie liegt dicht an unserem Ankerplatz, die Anfahrt über das Riff gestaltet sich aber schwierig. Doch Hilfe naht: Pakoi läuft aus seinem Garten ans Ufer und weist uns den Weg. Er legt sogar einen Zwischensprint ein, als wir ihn nicht gleich richtig verstehen. Eine mini-kleine Rinne führt zur kurzen Steinmole, gerade breit und tief genug für den Außenbordmotor, um mit einer auflaufenden Welle in den tieferen Bereich direkt vorm Ufer zu gelangen. Zum Glück gelingt das Manöver.

Gemeinsam ziehen wir das Dinghy auf den Strand und Pakoi lädt uns ein, ihm hinter seine Hütte zu folgen. So gut es unsere Französisch-Kenntnisse zulassen, unterhalten wir uns über Gott und die Welt, unsere Reise und Pakois Heim auf Aukena. Wir erfahren, dass er der alten Königsfamilie von Mangareva entstammt und der Name in seinem Pass eigentlich Antoine Kanuto Teapiki lautet.

Seit 30 Jahren lebt er hier, kümmert sich um die Kirche und um seinen Garten. Beides zeigt er uns bereitwillig. Als eine Sau mit mehreren Ferkeln aus dem Wald kommt, freut sich Pakoi. “Die war jetzt einen Monat lang weg und nun kommt sie mit ihren Kindern wieder.” Direkt neben der Kirche sehen wir am Waldrand einige weitere Schweine. Sie leben hier halbwild, dienen aber auch der Fleischversorgung.

In seinem Garten säbelt uns Pakoi mittels einer langen Bambusstange und daran befestigter Sichel frische Brotfrucht vom Baum, schenkt uns außerdem Zitronen, Pampelmusen und Bananen.

Danke schön Pakoi.

Die Gastfreundschaft hier ist immer wieder schon fast beschämend großzügig. Polynesier fühlen sich ob ihrer Kultur fast schon verpflichtet, alles stehen und liegen zu lassen, sobald ein Gast auftaucht. Man sollte also vorsichtig sein, die Gastfreundschaft nicht zu überbeanspruchen. Das fällt aber gar nicht immer leicht, zumal etwa Pakoi die Abwechslung durch den Besuch wirklich zu genießen schien, ebenso unser (wenn auch manchmal radebrechendes) Gespräch.

Wir versuchen, an die Kultur von Geschenk und Gegengeschenk wenigstens etwas anzuknüpfen. Als kleine Geste kommen wir später mit dem Dinghy noch einmal zurück und bringen selbst gebackenen Mandelkuchen vorbei.