Navigatorisch technisches zu elektronischen Seekarten, Navionics, OpenCPN, SEAiq und Satellitenbildern

Mal wieder was technisches: wir navigieren im Wesentlichen elektronisch, haben für alle bisherigen Gebiete aber Papierseekarten als Backup. Die elektronischen Seekarten laufen auf dem Plotter steuerbords neben dem Niedergang, auf dem iPad backbords des Niedergangs läuft die Navionics Seekarte. In Bocas del Toro hatten wir bereits festgestellt, dass beide Karten hier in Panama so ihre Tücken haben und der ohnehin sehr empfehlenswerte Revierführer Bauhaus hier am präzisesten ist. Oder eben Satellitenbilder. Mit denen hatten wir auf Antigua experimentiert und damals mit Ovitalmap zur Offlinenutzung der Satellitenfotos auf dem iPad gute Erfahrungen gemacht. Nur leider: diese App funktioniert nicht mehr.

Ein kleines Beispiel hier auf Guna Yala / San Blas: so sieht unser Ankerplatz auf den (aktuellen) Navionics Seekarten aus:

Grün bedeutet trockenfallend, ganz sicher nichts für uns mit 2 m Tiefgang und rund 30 cm Tidenhub im Golfo de San Blas. Tatsächlich haben wir aber 8 Meter Wassertiefe an diesem Ankerplatz in den Cayos Coco Bandero.

Interessant ist, dass wir von mehreren anderen Seglern gehört haben, sie seien mit den Navionics Karten in den San Blas gewesen und hätten keine Fehler festgestellt. Wir hätten uns selbst mit vorsichtiger Eyeball-Navigation (die ohnehin immer zu empfehlen ist) dann wohl nicht hier hinein getastet, sonder wären dann eben einen solchen Ankerplatz von vornherein nicht angefahren.

Viel besser: die lokalen Karten:

Die unter den Seglern kursierenden KAP-Dateien für OpenCPN laufen dankenswerterweise auch auf dem iPad. Zwar gibt es OpenCPN nicht für das iPad, aber die Dateien solcher Seekarten können z.B mit der App SEAiq angezeigt werden.

Letzteres Programm kann dafür – anders als die neueren Versionen von OpenCPN – keine MBTiles anzeigen. In diesem Format sind offline nutzbare georeferenzierte Satellitenbilder erhältlich, die kostenlos heruntergeladen werden können, etwa auf:

https://chartlocker.brucebalan.com

Das sieht dann für denselben Ankerplatz so aus:

Man sieht also auf dem Bildschirm die exakte Position des eigenen Bootes (hier rot). Über die Wasserfarben kann hier auch eine gute Einschätzung der Tiefe bzw. der Beschaffenheit des Ankergrundes erfolgen. Und weil bei uns das AIS mit dem Bordrechner gekoppelt ist, eben auch andere Boote, sofern sie AIS haben.

⚠️ Die auf dem Satellitenfoto mit abgebildeten anderen Ankerlieger sind dagegen mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr da, dafür einige andere ohne AIS 😉.

Ich finde den Vorteil schon hier ziemlich offensichtlich. Noch relevanter wird das Ganze aber natürlich, wenn die eigentlichen Seekarten die Inseln nicht an der richtigen Stelle zeigen, etwa weil die Vermessung noch von Captain Cook durchgeführt wurde. Speziell im Pazifik, etwa bei Atollen, liegen die Karten zum Teil mehrere Meilen daneben. Die Einfahrt in ein Atoll ist aber auf dem georeferenzierten Satellitenbild exakt positioniert und typischerweise gut an den Wasserfarben erkennbar.

Für den Pazifik übrigens ebenfalls sehr empfehlenswert, mit Kompendien (eine Art seglerischer Reiseführer), Kap-Dateien und GPX-Tracks (z.B. bezüglich der Bommies in Fakarava) sowie vielen weiteren Infos ist die Webseite

http://SVsoggypaws.com

Für uns ist die Konsequenz: Also doch gerne OpenCPN. Das läuft auf Window (unser Bordrechner) und Mac (unser Notebook), wobei für die Anzeige der eigenen Position ein angeschlossenes GPS (bzw. z.B. über Bluetooth übermittelte GPS-Daten) nötig sind. Und Open CPN läuft auch auf Android-Tablets. Sofern das Tablet ein gutes eingebautes GPS hat, kann das eine vergleichsweise preiswerte Navigationshilfe sein.

Und nicht unbedingt nur für den Pazifik; es wäre doch wirklich schade, so einen Ankerplatz wie eben den hier in den San Blas zwischen Olosicuidup und Gualadup zu verpassen:

Auf nach Guna Yala

Es ist voller geworden in der Shelter Bay Marina. 23 Boote der “Oyster World Rally” sind angekommen. Die meisten sind ziemlich groß, die kleinste ist 54 Fuß, die meisten um die 60, zwei Boote über 70 Fuß lang. Und in großem Umfang mit bezahlter Crew unterwegs, für die es sogar eigene Partys (ohne die Eigner) gibt. Wir unterhalten uns sehr nett mit den Eignern der einzigen deutsch geflaggten Yacht der Flotte. Rund 15 Monate dauert die Rally, von Antigua nach Antigua, einmal um die Erde. Zum Vergleich: wir sind mit der Flora jetzt schon doppelt so lange unterwegs und gerade erst am Tor zum Pazifik angekommen. Allerdings genießen wir es sehr, Zeit zum Erkunden der besuchten Orte zu haben und eben auch viele verschiedene Stops machen zu können.

So auch hier in Panama. Nach den faszinierenden Bocas del Toro und dem Aufenthalt hier in der Shelter Bay soll es jetzt, wo der Papierkram für die Kanalpassage auf dem Weg ist, erst einmal ein paar Wochen nach Guna Yala gehen.

Guna Yala (Land der Guna) ist eine teilautonomes Region Panamas. Das weitgehende Maß an Selbständigkeit haben sich die indigenen Kuna/Guna in blutigen Auseinandersetzungen ab 1925 hart erkämpft. Das stolze Volk ist deshalb nicht glücklich darüber, wenn das Archipel mit dem international bekannteren spanischen Namen “San Blas Inseln” bezeichnet wird.

Aber um in diese Inselgruppe zu gelangen, müssen wir erst einmal aus der Panamakanalzone heraus und dann etwa siebzig Meilen nach Osten, gegen den derzeit recht kräftigen Passatwind mit der entsprechenden, etwas über zwei Meter hohen Wellen.

Die Rekordzahl von 429 empfangenen AIS-Signalen melden unsere Instrumente, aber wir passen eine gute Lücke zwischen den ein- und ausfahrenden Frachtern ab und kommen wir gut durch die Molen. Draußen liegen die Frachter auf Reede und wir motoren noch ein Stück zwischen ihnen hindurch, bis wir die Segel hoch nehmen.

Wir teilen die Strecke nach Guna Yala in zwei Etappen auf. Erst geht es gute zwanzig Seemeilen nach Nordosten um das Kap Punta Manzanillo. Kurz danach können wir vor der Linton Bay Marina geschützt ankern. Dieses erste Stück hat es allerdings in sich. Wir müssen aufkreuzen, Wind und Welle kommen genau auf die Nase. Der Wendewinkel bei diesen Bedingungen ist nicht gut und so werden aus den gut 20 sm fast 40 sm. Knackiges Segeln.

Am nächsten Tag segeln wir dann von Linton Bay nach Chichime in Guna Yala. Die Küste in diesem Abschnitt ist rauh und felsig. Steil aufsteigende Hänge, grün bewachsen aber schwer zugänglich, mit vorgelagerten Felsinseln.

Was für ein Unterschied dann, als wir den Punta Ciengas und damit den Golfo de San Blas erreichen. Das hohe Land springt zurück, statt dessen tauchen in seiner Verlängerung erste flache palmenbestandene Inseln auf. Über 340 sollen es sein (auch hier spukt ein ums andere Mal die 365 – für jeden Tag eine – durch die Literatur). Ein Cruiser-Paradies mit klarem Wasser und unzähligen Ankerplätzen vor palmenbestandenen Sandstränden, allerdings auch voller Riffe und damit navigatorisch anspruchsvoll. Nur etwa 50 der Inseln sind dauerhaft bewohnt, die insgesamt etwa 33.000 Kuna bewirtschaften aber jede einzelne Palme auf den Eilanden. Gemüse wird auf dem Festland angebaut. Neben dem Fischfang bestreiten die traditionell lebenden Kuna ihren Unterhalt vor allem durch den Verkauf von Molas. Diese kunstvoll gearbeiteten Stoffstücke werden in einer aufwändigen Stickerei- und Durchbrucharbeit mit mehreren übereinander liegenden verschiedenfarbigen Stoffen gefertigt. Traditionell graphische Muster mischen sich mit Tiermotiven. Die Molas haben sich inzwischen über Guna Yala hinaus zu einem der Symbole Panamas entwickelt.

Als ersten Ankerplatz haben wir Chichime ausgesucht, für uns gut erreichbar und zudem mit einer vergleichsweise einfachen Zufahrt. Beim Näherkommen sieht es danach allerdings gar nicht aus. Zwar liegt ein gutes Dutzend andere Boote recht ruhig zwischen den beiden Inseln Uchutupu Pipigua und Uchutupu Dummat, aber der hohe Schwell scheint quer über die ganze Einfahrt zu brechen.

Der Rumpf eines Segelbootes liegt auf dem Riff. Und nicht allein, ein Stückchen weiter rostet die 58 m lange San Blas Ferry auf dem gleichen Riff vor sich hin. Interessanterweise lief sie in Panama nie als Fähre, ein Österreicher hatte sie in Kanada günstig gekauft und umbenannt, weil er hier ein Fährgeschäft zwischen Panama und Kolumbien aufbauen wollte. Er bekam allerdings keine Genehmigung und das unversicherte Schiff strandete nach Motorschaden 2016 dann ausgerechnet bei den namensgebenden Inseln.

Die Einfahrt finden wir dann zum Glück doch. Zwar fehlt die in der Seekarte verzeichnete Ansteuerungstonne, aber als wir einen kleinen Haken schlagen können wir mit der Sonne im Rücken die Lücke zwischen den Riffen (und den Brechern) gut erkennen. Und drinnen ist erst dann tatsächlich erstaunlich ruhig.

Kaum ist der Anker unten im Sandgrund auf in 11 m Wassertiefe, kommt auch schon das erste Kuna-Boot angebraust und bietet uns Molas an. Wir wollen aber erst einmal ankommen und vertrösten die beiden auf den nächsten Tag.

Und um halb neun in der Früh sind dann Yessica (die Künstlerin, zugleich bei den matriarchisch organisierten Kuna die Chefin und Verhandlungsführerin) und ihr Mann Romiliano auch gleich wieder da.

Auf unserem Achterdeck breiten sie nacheinander eine Vielzahl der von Yessica und anderen weiblichen Familienmitgliedern gearbeiteten Molas in unterschiedlichen Größen und Qualitäten aus. Zwischen zehn und fünfunddreißig Dollar dürfen die Molas kosten, haben uns andere Cruiser berichtet. Verlangt wird erst einmal mehr, Handeln ist gefragt.

Zwei wunderschöne Molas wechseln den Besitzer ☺️.

Pura Vida.

Das amerikanische Venedig

The Venice of America. Diesen Beinamen trägt Fort Lauderdale wegen der über 160 Meilen von Flüssen und Kanälen im Stadtgebiet. Der Ort selbst ist mit nur knapp 200.000 Einwohnern gar nicht so groß, aber die Zahl täuscht immens. Zum einen, weil schon das erweiterte Stadtgebiet, die Metropolregion Fort Lauderdale, auf etwa 2 Millionen Einwohner kommt. Aber auch das ist kaum abzugrenzen, die Region geht unmittelbar in die Metropolregion Miami über und in dieser auf. Die macht dann schon deutlich über sechs Millionen Einwohner aus.

Beides, sowohl das überschaubar mittelstädtische als auch das metropolhafte, finden sich im Stadtbild und damit auch in den prägenden unzähligen Wasserläufen wieder.

Wir bekommen in Fort Lauderdale Crew, Jan fliegt aus Hamburg ein und wird uns bis Mexiko begleiten. Schon bevor er ankommt besuchen wir mit dem Dinghy Jans Cousin Frank, der hier in Fort Lauderdale lebt. Etwa viereinhalb Meilen schlängeln wir uns mit Florecita durch die Kanäle und den New River, fahren dabei durch edle Wohngegenden und auch mitten durch die Hochhausschluchten von Downtown. Genau an diesem Tag findet die große weihnachtliche Bootsparade auf dieser Strecke statt. “Winterfest” wird sie abgekürzt genannt, mit vollem Namen: “The Seminole Hard Rock Winterfest Boat Parade” 😁

Schon auf der Hinfahrt fallen uns viele oft skurril geschmückte Boote auf, die für die Parade vorbereitet werden.

Vom Ausflugsdampfer bis zum Kanu, Lichterketten, aufblasbare Figuren und Weihnachtsschmuck allenthalben.

Und noch andere Besonderheiten bekommen wir gezeigt: gleich zweimal müssen wir mit dem Dinghy warten, weil größere Yachten und einmal gar ein Arbeitsschutz der Coast Guard von speziellen kleinen “Tug-Boats” durch den an einigen Stellen sehr schmalen und gewundenen Fluss geschleppt werden, jeweils ein Schlepper vorne, einer hinten.

Einen Nachmittag lang blockieren wir Franks Waschmaschine und Trockner, chillen auf seiner Terrasse und aktualisieren im WLAN unsere iPad. Dann sehen wir zu, noch vor der Dunkelheit zurück auf der Flora zu sein. Denn erst jetzt geht die “Winterfest”-Parade los, mit ihrer Illumination sicher ein Hingucker, der allerdings mit einer Streckensperrung für den übrigen Schiffsverkehr einhergeht.

Für uns heißt es jetzt, den Törn über die Florida Keys nach Mexiko vorzubereiten. Das Rigg wird gecheckt. Muss natürlich die Crew hoch 😉, obwohl ich diese Aufgabe inzwischen ganz gerne mache.

Vor allem aber kümmert sich unser Mechaniker Chief Jan um den Motor. Seit der Inspektion in der Chesapeake haben wir nach Motorfahrt immer eine kleine Dieselpfütze in der Motorbilge. Wir haben das Leck bei der Einspritzung am zweiten Zylinder lokalisiert, ohne es aber durch nachziehen der oberen Muttern beseitigen zu können. An die unteren kommen wir nicht heran, ohne das “Geweih” der festen Dieselleitungs-Röhrchen abzunehmen. Chief Jan erledigt das. Es stellt sich heraus, dass das Geweih selbst (genauer: die Rückflussleitung am 2. Injector) defekt ist. Schweißen lässt es sich nicht. Wir bestellen ein neues, das mit Übernacht-Lieferung heute schon da sein soll, mal sehen.

Trotz der vielen aufgeblasenen Schneemänner hier sind wir übrigens in der sommerlichen Wärme angekommen, Höchstwerte heute 27 Grad, Tiefstwert 23 Grad.

Pura Vida!

Ankern auf dem Rondeelteich

Wir liegen hier in Fort Lauderdale vor Anker im Lake Sylvia. Unfassbar, es ist als würde man in Hamburg kurz von der Elbe in die Alster schleusen (o.k., hier war’s nur eine Klappbrücke) ein kleines bisschen weiter motoren und dann im Rondeelteich ankern. Hört sich übertrieben an?

Und was machen wir, wenn wir nicht gerade die Szenerie genießen? Bisher jeden Tag einen langen Spaziergang durch die Stadt und ihre Gewerbegebiete westlich des Port Everglades. Wir bringen unsere unsere in Charleston ausgebaute alte Lichtmaschine zu einer Werkstatt. Und was für eine: Lauderdale Battery and Alternator. Freundlicher Empfang, dann schickt man uns gleich in die Werkstatt zum Spezialisten. Lichtmaschinen in allen (zumeist aber: späteren) Lebensphasen säumen den Weg. Die Maschinen sehen antiquiert aus, aber die Jungs wissen, was sie tun. Nur: Neil gibt unumwunden zu, es sei die erste Lichtmaschine mit externem (Lithium-Batterien-)Regler, die zu ihm gebracht wird. Der erste Test auf dem scheinbar musealen Prüfstand ergibt: Lichtmaschine tot.

Aber so schnell gibt Neil nicht auf. Dann muss er sie halt auseinandernehmen. Wir sollen morgen wiederkommen.

Wenn wir schon mal in der Gegend sind, laufen wir noch ein paar Blocks weiter und statten “Bluewater Books and Charts” einen Besuch ab. Annemarie von der Escape hatte darüber berichtet, und wir brauchen für unsere weitere Reise noch nautische Informationen und Literatur. Wir werden nicht enttäuscht, die Auswahl ist riesig, wirklich alle Teile der (nautischen) Welt werden abgedeckt. Im Prinzip ein Laden wie früher Hanse-Nautic in Hamburg, nur viel größer.

Es ist herrlich, in den Törnführern erst einmal stöbern zu können, sie in der Hand zu halten. Das macht am Ende zwar die Auswahl leichter, unsere Rucksäcke aber umso schwerer. Ganz schöne Wälzer.

Elektronische Seekarten gibts auch, der Pazifik rückt näher. Die für unseren alten (2011) Furuno-Plotter erforderlich maximal 2 GB fassenden Speicherkarten (größere liest er nicht) sind vorrätig, die Karten werden schnell aufgespielt. Zum Glück habe ich im Handy die erforderliche Seriennummer des Plotters abgespeichert (Danke, Uwe, für den Tip und Deine Hilfe damals bei der letzten Aktion). Wieder ein wenig Vorbereitung abgehakt.

Tja, und an dem riesengroßen WestMarine Schiffsausstatter, der auch in dieser Gegend liegt, kommen wir natürlich auch nicht vorbei. Bepackt wie die Lastesel gehts zurück zum Boot, zumal wir kurz vorm Dinghydock noch einen Supermarkt finden. 😁

Heute Vormittag kommt dann der Anruf: die Lichtmaschine ist fertig, zur Abholung bereit. Diesmal kommt uns der Weg dorthin schon kürzer vor. 😉

Die Bürsten sind getauscht, aber das eigentliche Problem lag in einem Kabelbruch innerhalb der Lichtmaschine an der Verbindung zum externen Regulator. Auf dem Prüfstand zeigt die Lichtmaschine diesmal genau das, was sie soll. Neil ist stolz, wir sind superfroh, wieder ein funktionsfähiges Backup zu haben.

Und warum haben wir eigentlich kein Taxi oder Uber genommen? Ein bisschen Bewegung tut uns ganz gut und außerdem mögen wir es, uns einen Ort quasi zu „erlaufen“, gerade auch mit seinen weniger herausgeputzten Ecken.

Außerdem gibts hinterher zur Belohnung Austern in der „Southport Raw Bar“, einer der wenigen Orte, wo wir unser Dinghy lassen können. Festmachen kostet 10 $, aber erstens gibt es kaum eine Alternative und zweitens werden die 10 $ beim Besuch der Bar voll auf die Rechnung angerechnet. Na dann …

Pura Vida.

Charleston und die Lichtmaschine

Wir sind immer noch in Charleston. Das liegt zum einen daran, dass es uns hier so gut gefällt, was sowohl die wunderschöne Stadt als auch die nette Gesellschaft der anderen Segler hier betrifft. Zum anderen liegt es an unserer Lichtmaschine.

Während des Motorens auf der Nachtfahrt von der Chesapeake Bay zum Cape Lookout wurde ich in meiner Freiwache unsanft geweckt: das Mastervolt-Display vermeldet begleitet von schrillem Piepen, dass die Lichtmaschine nicht mehr lädt. “Feldspannung gering”. Hm. Was soll das? Der Kontrollblick in den Motorraum verrät, dass der Keilriemen in Ordnung ist und die Lichtmaschine sich dreht. Heiß ist sie auch nicht, die Motortemperatur ebenfalls in Ordnung. Die Batterien sind voll genug, also kein dringendes Problem, finden wir.

Die Fehleranalysen in den nächsten Tagen (und auf den nächsten Etappen) ergeben nichts neues, alle Kabel und Verbindungen werden gecheckt, aber die Lima will nicht laden. Wir bestellen einen neuen (externen Mastervolt-) Regler nach Charleston, dankenswerterweise können wir ihn dort in die Marina liefern lassen, obwohl wir davor am Anker liegen.

Die Wartezeit vergeht schnell, mit der Amalia und der Moana liegen zwei befreundete Schiffe vor Anker, mit deren Crews wir uns treffen und gemeinsames unternehmen. Wir lernen die Crew der amerikanischen “Polaris” kennen und treffen auch endlich Helene und Klaus von der österreichischen “LuSea“, einer Hallberg-Rassy 46. Mit den beiden hatten wir bisher nur über die sozialen Medien und Email Kontakt. Gemeinsam machen wir einen schönen langen Spaziergang durch Charleston.

Heute ankern dann auch die jungen Schweizer Leonie und Jonas mit ihrer Jollity hinter uns, die wir schon aus der Dominikanischen Republik und von den Bahamas kennen. Aber ich hätte ihre Ankunft fast verpasst, denn den größten Teil des Tages verbringe ich im Maschinenraum. Regler wechseln. Bringt nichts. Kabel durchmessen. Alte Lichtmaschine ausbauen, Ersatzlichtmaschine einbauen. Alten Kabelbaum zwischen Lichtmaschine und Regler raus und neuen rein. Bringt auch nichts. Relay wechseln. Nix. Chief Jan in Hamburg leistet Telefonberatung. Unter seiner Anleitung messe ich alles Mögliche, mal mit, mal ohne Zündung, aber immer ohne Erfolg im Sinne einer eindeutigen Fehlerursache. Grrr.

Eine Verzweiflungstat: ich wechsele den Regler zurück auf den alten, vorher ausgebauten. Ein anderer Leuchtzeichencode auf dem Regler erscheint, die Lichtmaschine lädt. Wie jetzt? Sollte die Kombination aus neuer Lichtmaschine und altem Regler funktionieren, der funkelnagelneue baugleiche Regler aber nicht?

Egal, es bleibt dabei, die Lichtmaschine lädt wieder und darauf kommt’s an. Wundern und Aufräumen.

Pura Vida.

Zurück im Wasser 🤩

Es ist immer aufregend, wenn der eigene Dampfer in Gurten hängend in der Luft schwebt, der Kran (Travellift) sich in Bewegung setzt und mit leichtem Schaukeln das Boot zum Wasser karrt. Dann – ganz langsam – hinunterlässt. Wir springen an Bord, kontrollieren die Seeventile und …

… 😖. Eins tropft. Nicht viel, aber eben doch stetig. HALT, Gurte noch nicht losmachen. Bei genauerer Kontrolle stellt sich heraus, dass nicht das (neu eingesetzte bronzene) Seeventil der Klimaanlagenpumpe undicht ist, sondern der nur der Deckel des Seewasserfilters darüber. Einmal aufmachen, neu mit Vaseline einsetzen, gut aber nicht zu fest zuschrauben, dicht. Erleichtert geben wir das Signal, dass die Gurte jetzt doch weg können. Der Motor, die Klimaanlage und der Generator müssen noch gecheckt werden. Das geht erst im Wasser, aber natürlich nicht an der Kranstelle. Also werden wir an einen Liegeplatz geschleppt und können dort in Ruhe alles erledigen.

Hm. In Ruhe? Ein bisschen mehr Ruhe, als wir uns gewünscht hatten. Am Donnerstag eingewassert, dürfen wir noch bis Sonntag auf dem Liegeplatz bleiben, dann müssen wir weg. Verlängern ist nicht möglich, der Hafen ist voll.

Egal, heute passiert eh nix mehr, fahren wir also auf die Bootsmesse nach Annapolis und treffen mit Annemarie, Volker (escape), Mareike (Moana), Kim und Chuck (La Rive Nord) alte Bekannte endlich wieder.

Nicht wie besprochen am Donnerstag, auch nicht am Freitag, sondern erst am Samstag (immerhin) kommt der Motor-Spezialist und erledigt seine Restarbeiten einschließlich des Spülens der Kühlkreisläufe mit einer Reinigungslösung, die Kalkverkrustungen und etwaigen Muschelbewuchs entfernt. Das muss einige Zeit einwirken, danach erst können wir die Maschinen starten.

Klappt beim Motor wunderbar. Beim Generator …

… leider nicht so perfekt. Er startet zwar, stellt sich aber nach zehn Minuten selbsttätig ab: „FEHLER AC-1 SPANNUNG“. Hm. Zugegeben hatten wir diese Fehlermeldung zuletzt gelegentlich, wenn wir starke Verbraucher angeschlossen hatten und das Batterieladegerät ebenfalls unter Last arbeitete. Dem hätten wir uns demnächst eigentlich in Ruhe widmen wollen, aber jetzt müssen wir es vorziehen. Na gut. Die wahrscheinliche Ursache sind nach gleichlautender Aussage im Manual und den Internet-Foren defekte Kondensatoren („Capacitors“, elektronische Bauteile, die die Spannung regeln). Nach einiger Suche und einem Anruf beim technischen Support von Whisperpower in Holland finde ich sie.

Bloß, wo kriege ich jetzt auf die Schnelle Ersatz her? Es gibt in Annapolis einen Whisperpower-Händler, aber derzeit ist Messe, die Auftragsbücher sind voll und Termine kaum zu bekommen. Aber Mike schaltet sich ein, lässt seine Beziehungen spielen und für Dienstag kündigt Nate von Hortonmarineservices seinen Besuch mit Ersatzkapazitatoren an. Wow.

Allerdings können wir bis dahin eben nicht in Herrington im Hafen bleiben. Wieder durch Vermittlung von Mike bekommen wir einen eigentlich unpassenden „Not“-Platz gegenüber bei Shipwright für einige weitere Tage.

Das ist mehr als gut, denn unsere Shades für das Bimini sind zwar in letzter Minute fertig geworden, allerdings sind am Bimini selbst noch in paar Nachbesserungen zu erledigen, die tatsächlich auch erst am Dienstag fertig sind. Zwischendurch haben wir es allerdings an Bord und können unsere Sunware-Solarpanele wieder auf ihm befestigen, die Loxx-Knöpfe dafür lassen sich vom alten Bimini wiederverwenden. Auch wenn es ein befremdliches Gefühl ist, in das niegelnagelneue Bimini gleich 20 Löcher zu stanzen 😬, wir wagen es und es passt.

Fühlt sich gut an, nun (soweit wir es beurteilen können) endlich alles auf Stand zu haben. Jetzt lockt die schon leicht herbstliche Chesapeake Bay und dann der Weg nach Süden.

Pura Vida.

It’s hard on the hard

Seit 13 Tagen am Stück fahren wir (manchmal auch nur ich) jeden Morgen gut eine Stunde mit dem Auto über den gut gefüllten “Beltway“ um Washington herum nach Herrington zu unserer Flora und Abends mit meist etwas mehr Stau wieder zurück. Auch an den beiden Wochenenden ging es so, weil auch Mechaniker Mike (von Zimmerman Marine) dankenswerterweise beide Wochenenden auf unserem Boot durchgearbeitet hat.

Warum eigentlich? Soooo viel hatten wir doch eigentlich gar nicht auf dem Zettel? Na ja, es summiert sich dann doch, und in den 8 Wochen unserer Abwesenheit ist – außer einigen kleineren Arbeiten, den Teilebestellungen und Vorbereitungen nicht allzu viel passiert. Das hat auch sein Gutes, so werden wir zwar nicht vom fertig montierten neuen Solarpanel begrüßt, können dafür aber die Details der Montage und der Installation noch gemeinsam festlegen. Mike räumt bei dieser Gelegenheit noch ein bisschen die bisherige Elektroinstallation der verschiedenen bisherigen Nachrüstungen auf und ergänzt ein ordentliches Sicherungspanel dafür, damit uns Überraschungen wie mit der angeschmorten Solarsicherung künftig möglichst erspart bleiben.

Unlackiertes Panel unter dem in Griechenland montierten Windgeneratorregler. Das wäre Mike nicht passiert. Tsss..

Auch die Arbeiten am Motor haben es in sich. Zwar müssen an unserem Volvo-Penta D2-75 F die Ventile nur minimal neu eingestellt werden und auch die Einspritzdüsen sind in Ordnung. Der auseinander genommene Motor offenbart aber trotzdem einige Überraschungen. So öffnet das „waste gate“ des Turboladers bereits mit dem Original-Volvo-Auspuffknie nicht vollständig, weil dieses ihm minimal zu wenig Platz lässt. Die Suche in den Foren ergibt, dass das kein Sonderproblem unseres Motors ist, sondern wohl weiter verbreitet:

https://forums.ybw.com/index.php?threads/volvo-d2-75-turbo.431360/

Leider tritt die gleiche Beeinträchtigung auch mit dem neuen Edelstahlteil ein, dass deshalb leicht nachgearbeitet werden muss.

Die Opferanode, die wir im letzten Herbst in den Kühlkreislauf unseres ab Werk ohne Opferanode daher kommenden Motors eingesetzt hatten, hat sich im Laufe dieses Jahres fast vollständig verbraucht. Ein klares Zeichen, dass sie wirkt und sich eben für andere Teile „opfert“. Wir erneuern sie und spendieren ihr dabei ein neues Gehäuse, in dass jetzt Standard-Stiftananoden passen.

Ja ich weiß, deine Motorfüße muss ich noch entrosten und schützen 🧐

Das kleine Seewasserventil an der Stopfbuchse ist nur schwer erreichbar, setzt sich leicht fest, ist nur aus Messing und außerdem etwas „windig“ befestigt. Wir ersetzen es durch einen massiv befestigten Edelstahlnippel und verlegen das Ventil an einen besser erreichbaren Ort im Motorraum. Zur Erinnerung: ist das Ventil geöffnet, läuft beim Impellerwechsel ein stetiger Fluss von Seewasser aus der Pumpe.

Der einfache Schaumstoff-Luftfilter unseres Volvos hatte sich ja leider in der Vergangenheit selbst zerlegt und zu diversen unschönen und öligen Schaumstofffetzen im Motorraum gesorgt. Die hatten wir beseitigt und uns einen stabileren auswaschbaren Nachrüstfilter besorgt. Beim Zerlegen des Turbos für dessen Reinigung fanden sich überraschend weitere Teile des Schaumstoffilters – sie hatten den Ladeluftkühler großflächig zugesetzt. Grrr.

Und nicht nur der musste gereinigt werden. Auch der Wärmetauscher des Volvo zeigte Belag an den Endkappen und auch innen.

Wo wir schon bei Kühlung sind: unverständlicherweise hat unser Motor keinen separaten Ausgleichsbehälter für die Kühlflüssigkeit. Technisch notwendig ist das zwar nicht, sinnvoll aber schon. Denn so spuckt bei Überdruck der Motor die sich ausdehnende Flüssigkeit über den serienmäßigen Schlauch in die Bilge statt in den Ausgleichsbehälter, aus dem er sich zudem beim Abkühlen das benötigte Maß wieder herauslaufen würde. Wir rüsten das Teil nach.

Größer ist der Aufwand für den Racor-Doppelfilter, der den bisherigen einzelnen Volvo Dieselvorfilter ersetzt. Wegen der zu verlegenden Dieselleitung, vor allem aber wegen des Platzbedarfs. Die Filteranlage rücken wir mit einem neu konstruierten Edelstahlhalter etwas höher, so lässt sich auch etwaiges separiertes Wasser besser ablassen. Der bisherige Einzelfilter ersetzt den Vorfilter des Whisper-Generators, so müssen wir nicht mehr die manchmal schwer zu beschaffenden Whisper-Filter mitführen, sondern können uns auf eine gängige Filterart beschränken.

Unsere bisherigen Änderungen am Volvo-Penta D2-75 zusammengefasst:

  1. Regler der Lichtmaschine im Rahmen der Umrüstung auf Lithiumbatterien durch Mastervolt Alpha Pro ersetzt
  2. Änderung am Auspuffknie
  3. Opferanode eingefügt
  4. Seewasserventil an der Stopfbuchse ersetzt und verlegt
  5. Schaum-Luftfilter durch ein langlebigeres Ersatzteil ersetzt
  6. Ausgleichsbehälter für Kühlflüssigkeit ergänzt
  7. Diesel-Vorfilter durch Doppel-Racor ersetzt

Außerdem platzieren wir die neue Filteranlage so, dass auch die gereinigte (war wegen inneren Ablagerungen und äußerer beginnender Korrosion sehr notwendig) Pumpe der Klimaanlagen (die hintere musste zudem getauscht werden) besser zugänglich ist und dem neue Mamba-Autopilotantrieb nicht in die Quere kommt. Den haben wir endlich eingebaut und mit einem Umschalter versehen. Jetzt können wir bei Ausfall des einen Antriebs auf den anderen umschalten.

Unser Bimini wird gerade erneuert, leider war im ersten Anlauf das Fenster zum Großsegel nicht dort eingearbeitet, wo wir es bestellt hatten und die Reißverschlüsse für die schattenspendenden aber luftdurchlässigen Shades fehlten.

Jetzt schon mit Fenster und Reißverschlüssen, aber noch ohne Shades

Immerhin hat der Segelmacher Bescheid gegeben, dass die Segel nach der Durchsicht und den kleineren Reparaturen abholbereit sind.

Und – last not least – der Rigger hatte schon in unserer Abwesenheit die bestellten verschlissenen Teile an der Rollreffanlage des Großsegels getauscht.

Na ja, die anstrengende mehrtägige Schleifaktion am Unterwasserschiff zur erneuten „Aktivierung“ des Coppercoat haben wir ja selbst erledigt. Das Polieren des Rumpfes und des Aufbaus hat derweil eine Truppe der auf dem Werftgelände ansässigen Spezialfirma gemacht, heute sind sie fertig geworden.

Pura Vida.

Neues Dinghy zum Unabhängigkeitstag

Mit unserem Außenbordmotor haben wir uns ja schon etwas länger rumgeärgert. Schlechtes Anspringen (insbesondere halbwarm), von Wiebke gar nicht zu starten, unrunder Lauf, Ausgehen bei Standgas (selbst wenn es schon so hochgedreht war, das das Dinghy beim Gangeinlegen erst mal einen Hüpfer machte). Grrrr. Der Service durch einen Techniker letztes Jahr brachte kaum Besserung, der neue Vergaser nur eine gewisse Linderung der Symptome.

Hilft nix, ein neuer soll her. Und wo wir schon dabei sind, das etwas überdimensionierte 340er Dinghy mit seinem Luftboden und seiner PVC-Hülle würden wir auch gerne durch ein 310er (Länge in Zentimetern) mit robustem Aluminiumboden und UV-beständigeren Hypalonschläuchen ersetzen, idealerweise mit einem festen Staukasten im Bug. Der dient als bequemer Tritt beim Einstieg, lässt den Tank, das Kabel zum Anschließen und die in den USA obligatorischen Rettungswesten verschwinden und von dort aus wird der Benzinschlauch zwischen dem doppelten Aluboden nach hinten zum Motor geführt. So stellen wir uns das jedenfalls vor.

Die erste Internetrecherche ist allerdings ernüchternd. Fast überall heißt es „derzeit nicht verfügbar“. Beim Spaziergang durch Eastport (auf der Südseite des Hafenbeckens von Annapolis und durch eine Klappbrücke verbunden) finden wir an einem Hinterhof das Schild „Annapolis Inflatables“ und schauen dort hinein. Tatsächlich verbirgt sich hinter dem unscheinbaren Eingang ein ganz veritabler Showroom mit diversen Dinghys (leider fast alle mit „verkauft“-Schild) und sogar auch einigen Motoren. Schon länger bestellte Außenborder sind angekommen, noch verpackt stehen sie in der Ecke. Und wir haben Glück, ein 20 PS Tohatsu ist dabei und noch nicht verkauft, da werden wir uns schnell handelseinig.

Bei den Dhinghys können wir die von uns favorisierten Marken „AB“ und „Highfield“, außerdem „Achilles“ direkt vergleichen. Ein 310er Highfield gefällt uns am besten, allerdings steht der Käufername schon dran. Weitere sind aber bestellt und sollten spätestens im September kommen. Nach etwas Hin und Her in den folgenden Tagen ergibt sich, dass wir ein (anderes) bestelltes 310er Highfield bekommen können, der Käufer hat es mit einem Suzuki-Motor bestellt, die Lieferung des Motors verzögert sich. Der Ladenbesitzer erklärt uns, er könne derzeit weit mehr Dinghys und Motoren verkaufen, als er beschaffen kann – COVID-bedingter Run auf den Wassersport und COVID-bedingte Lieferknappheit seien eine blöde Kombination.

In Zahlung nimmt er unsere Florecita und den Honda leider nicht, und so wandert der Honda auf die Halterung am Heckkorb, Florecita wird geschleppt. Der Nachbarlieger unkt „It’s always good to have a spare.“

Wir hoffen aber, die beiden Sachen über Ebay oder Facebook Marketplace bald loszuwerden.

In Annapolis wird es voll, die freien Bojen werden schon mit Paddleboards und Dinghys reserviert. Ein paar historische Segelschiffe kommen herein und drehen eine Ehrenrunde durch das Hafenbecken. Sie haben eine US-Nationalflagge mit nur 13 (statt der heute 50) Sternen gehisst, die „Betsy-Ross-Flagge“. Betsy soll im Juni 1776 diese erste US-Nationalflagge nach einer Zeichnung von George Washington genäht haben, was aber historisch umstritten ist. Jedenfalls kamen ursprünglich für jeden weiteren Staat der Vereinigten Staaten ein Streifen und ein Stern dazu, bis der Kongress 1818 beschloss, die Zahl der Streifen auf 13 (Zahl der Gründerstaaten) zu beschränken und jeweils am 4. Juli nach dem Beitritt eines weiteren Staates einen Stern hinzuzufügen, so dass die Zahl der Sterne der aktuellen Zahl der Bundesstaaten entspricht. Zuletzt wurden am 4.Juli 1960 zwei Sterne hinzugefügt, nachdem Alaska und Hawaii 1959 zu weiteren Bundesstaaten erklärt worden waren.

Zu den Feiern am amerikanischen Unabhängigkeitstag bleiben wir nicht mehr in Annapolis, sondern segeln schon hinunter nach Herrington. Am 4. Juli gibt’s auch hier Feuerwerk, wenn auch kleiner und ohne Umzüge auf den Straßen. Macht nichts. Wir müssen die Flora vorbereiten, schließlich soll sie in der nächsten Woche an Land gestellt werden. Nicht am 5. Juli, da ist hier Ruhetag. Wenn ein Feiertag (4. Juli) auf ein Wochenende fällt, wird dafür der folgende Montag frei 😎.

Aber halt an einem der darauf folgenden Tage, also putzen wir, räumen auf, geben den uns besuchenden Greg und Michael Sachen mit (im Gegenzug zu den bei ihnen angelieferten Amazon-Paketen), schlagen schon mal die Segel ab. Letzteres funktioniert besser als gedacht. Den Code0 können wir auf dem Weg nach Herrington trockensegeln, er war bei dem Gewitter in seiner Tasche am Seezaun doch ganz schön geflutet worden. Die Fock flutscht gut herunter und beim Großsegel bekommen wir die 5 langen Segellatten (die längste ist über 15 m) mit wenig Fummelei heraus und können das Segel auf dem Steg ordentlich zusammenfalten.

Knapp zwei Jahre alt, hat aber schon deutlich über 10.000 Seemeilen auf dem Buckel. Wir finden, das Großsegel sieht dafür noch gut aus, wollen es aber trotzdem beim Segelmacher auf kleinere Beschädigungen durchsehen lassen. Bei der Fock finden wir ein paar Macken, insbesondere im UV-Schutz und an den Lieken. Besser jetzt reparieren lassen, bevor sich größere Schäden entwickeln.

Zur Feier des Tages fahren wir am Abend des 4. mit dem neuen Dinghy raus aus dem Hafen in die Bucht und genießen das rundherum in den Himmel steigende Feuerwerk 🎇 über der Herrington Bay.

Die Schönen und die „Biester“ mit dem dritten Auge

Das Dorf löst sich auf. Ein letzter gemeinsamer Spieleabend auf der Easy-One hier in den Allans Cays und dann geht die Caroline Richtung Nassau. Die schweizer Jollity und die Thula hatten sich schon in Norman’s Cay verabschiedet. Ein bisschen Wehmut und viel Freude über die schöne gemeinsame Zeit.

Wir ankern auf dem sandigen Flach im Pass zwischen Allans Cay und Leaf Cay. Einmal mehr viel Strömung, aber was für ein Ankerplatz.

Und weil ich mehrfach darauf angesprochen wurde: die drei Drohnenfotos sind farblich nicht bearbeitet, die Klarheit des Lichts hier und eben auch die blau-türkisen Farbspiele sind kaum zu glauben aber echt!

Neben der landschaftlichen Schönheit lockt die Inselgruppe der Allens Cays mit den hier heimischen Rock Iguanas, die sonst nur noch auf Andros und auf Bitter Guana Cay vorkommen, wo wir sie erstmals gesehen haben. Diese Reptilien erscheinen manchen (meiner Schwester z.B.) wie Biester aus einer anderen Zeit. Und wirklich, die Urzeit-Tiere haben mit ihrem Saurieraussehen etwas durch die Jahrtausende hinübergerettet, was ebenfalls schier unglaublich scheint: ein drittes Auge. Nicht das Ajna Chakra Yoga-Auge der Intuition, sondern ein biologisches. Echt jetzt. Das „Scheitelauge“ oder Pinealauge genannte Organ weist zwar keine Iris, aber tatsächlich Linse, Netzhaut und Sehnerv auf. Wie der Name verrät sitzt es mittig oben auf dem Schädel, geschützt von einer transparenten Schuppe. Klein und deshalb kaum zu erkennen, aber doch sehr faszinierend.

Überhaupt kann ich der Versuchung einer weiteren Portrait-Session mit diesen Echsen nicht widerstehen ☺️.

Die Schöne und das Biest (1):

Die Schönen und das Biest (2):

Die Möve macht ebenso wie die Fliege auf dem Auge im quadratischen Portraitfoto oben ganz gut die nicht so drachenmäßig beeindruckende Größe der „Northern Bahamas Rock Iguanas“ deutlich. Es ist übrigens eine Aztekenmöve, eine nahe Verwandte unserer Lachmöven (klingt auch ganz ähnlich, Beine und Füße sind aber schwarz statt rot und die weiße Schminke um die Augen ist kräftiger). Sie ist weit verbreitet, wir sehen (und erst recht: hören) hier kaum andere Seevögel. 😉

Nicht zum Lachen: unser schöner Schlaf in der Nacht nach dem Spieleabend wird von einem anderen Geräusch jäh unterbrochen. Nachts um 1.00 Uhr laufen die elektrischen Davits an. Will einer unser hochgezogenes Dinghy klauen oder hat der heftige Schauer vom Abend Spätfolgen hinterlassen? Wir stürmen nach einem Moment der Orientierung hinaus ans Heck, die Elektromotoren laufen noch immer und versuchen steuerbords, das Dinghy über den Anschlag hinaus hoch zu ziehen, während am Backbord-Davit das Heck von Florecita mit dem daran befindlichen Außenbordmotor komplett abgelassen wurde. Die Schalter am David sind beide funktionslos. Wir kappen an Steuerbord die Befestigung im Dinghy und wenden uns dann drinnen der Fehlersuche zu. Erstmal die Sicherung, aber in dem Moment brennt die 100 Amp Sicherung der Davits gerade durch.

O.k., Ruhe im Schiff. Dann die Achterkoje freiräumen, unter unseren Matratzen sitzt die Steuerung der Davits. Der Kasten fühlt sich warm an, aber nach dem Öffnen zeigt sich, dass nichts durchgeschmort ist. Nur die Relais sind heiß, aber jetzt ist ja die Sicherung raus. Also erst mal weiterschlafen und bei Tageslicht schauen was wir tun können. Hm. Beim Einschlafen gehe ich schon mal durch, wie wir das Dinghy manuell in den Davits sichern können. Zeigt mein (angemessen) geringes Vertrauen in meine eigenen Elektrik-Reparatur-Fähigkeiten, auf dem elektrischen Auge bin ich ziemlich blind, das manuelle Aufholen von Florecita müsste aber jedenfalls klappen.

Das Auseinanderbauen der Davits bringt dann leider auch keine neue Erkenntnis, keine offensichtlichen Scheuerstellen an den Kabeln, die Steckverbindungen scheinen in Ordnung. Immerhin bekommen wir das verklemmte Zugseil im Steuerborddavit wieder gängig.

Wir bauen die Schalter aus. Wenn wir jetzt eine neue Sicherung einsetzen, können wir jedenfalls sehen ob es an den Schaltern liegt. Aber halt, der kleine schwarze Kasten an der Steuerung der Davits, das ist doch das Empfangsteil der seit zwei Jahren nicht mehr funktionierenden Fernsteuerung. Sollte da …, aber das kann doch nicht sein, oder?

Die Fernsteuerung wird herausgesucht und BLINKT ROT! Haben wir in der nicht mehr funktionierenden, keine Regung bewirkenden Fernsteuerung wirklich die Batterien drin gelassen? Wie kann man denn so blöd sein? Und – ist das die Ursache? Batterien raus aus der Fernsteuerung, Sicherung rein. Nichts schmort, die Elektromotoren bleiben ruhig. Schalter wieder angeschlossen, funktioniert. Das wars.

Durchgebrannte Sicherung und Ursache

Erkenntnis des Tages: Wie bei dem französischen Volksmärchen (und seinem Disney-Derivat) ist nicht immer alles so biestig wie es beim ersten Anschauen scheint. 😁

Kleinkram in eigener Sache

Wie das eben so ist, manches bleibt gerne mal länger liegen. Damit das möglichst keine wesentlichen Arbeiten am Boot sind, gibt es auf der Flora neben der To-do-Liste ein Wartungsbuch. Muss man nur mal reinsehen und – schwupp – kündigt sich die nächste Aufgabe an. Heute war es der in drei Betriebsstunden fällige Ölwechsel unseres Dieselgenerators. Dann doch besser gleich hier als in den Bahamas, falls sich irgendein Problem auftut. Ging aber alles glatt, nebst Ölfilter und Dieselfilterwechsel.

Dann das leckende Lewmar-Heckfenster. Ausgebaut und festgestellt, dass das Problem nicht zwischen den verschraubten äußeren und inneren Rahmenteilen, sondern in der Verklebung des Glases mit dem äußeren Rahmen besteht. Da kann ich mit dem schon bereitgelegten Botyltape nichts werden. Erstmal wieder einbauen, dabei die Edelstahlschrauben vor dem Einsetzen in die Alurahmen alle säubern und mit Tef-Gel zum Korrosionsschutz versehen.

Die achtere Steuerbordwinsch auseinandernehmen und warten (die anderen kommen nach und nach dran). O.k.

Und dann die WordPress Blog-Seite. Als wir neulich den Menü-Reiter für die englische Version und den für die Linksammlung (zu anderen Blogs) eingefügt haben, waren uns bei den Untermenüpunkten fehlerhafte ins Nichts führende Dopplungen aufgefallen. Den Quatsch gerade zu ziehen war für IT-Laien wie uns die heute schwierigste und langwierigste Aufgabe. Ist noch nicht optimal, hat aber am Ende irgendwie doch geklappt. Und auch die gesegelten Routen von 2019 und 2020 sind jetzt endlich drin.

Reserve-Benzinkanister für das Dinghy volltanken.

Noch ein bisschen einkaufen und die Klinik für den zur Weiterreise in die Bahamas obligatorischen COVID-PCR-Test suchen.

Ups, ein Tag ohne Fotos. 😉