Zwischenstand aus Minerva

Ganz lange bleiben wir nicht das einzige Boot in Minerva, einen Tag nach uns kommt auch die Scout und ankert neben uns. Noch einen Tag spĂ€ter kommen auch Jacqui und Phil mit ihrer Skylark an. Alle hatten wir eine ziemlich unangenehme Passage, mĂŒssen uns erst einmal von der Seekrankheit erholen.

Hier in Minerva gilt es zunĂ€chst, das Schiff wieder in Ordnung zubringen. Die salzwassernasse Fock wird aus dem vorderen Bad wieder an Deck geschafft. Kleine Leckagen an ein paar Fenstern und Luken bei den schweren ĂŒberkommenden Wellen haben zudem fĂŒr reichlich zusĂ€tzliche Arbeit gesorgt. Die Stromversorgung der UKW-Funke habe ich repariert. Wir stellen aber fest, dass Seewasser in den lĂ€ngs durch die Flora fĂŒhrenden Kabelkanal gelangt ist und an verschiedenen Stellen in Schapps und SchrĂ€nke gelaufen ist. Die dadurch nass gewordene Kleidung mĂŒssen wir mit SĂŒĂŸwasser waschen. Kein Problem, sollte man denken, wir haben ja seit Whangarei jetzt wieder eine Waschmaschine an Bord. Stimmt – aber das Trocknen macht Probleme. Dauernd ziehen Squalls durch, bei diesen Regenschauern kann die WĂ€sche nicht draußen am Seezaun hĂ€ngen. Und wenn, dann können die Klammern sie kaum festhalten. Es blĂ€st. Böen bis 32 Knoten waren heute eigentlich angesagt, tatsĂ€chlich hatten wir mehr als 41 Knoten (WindstĂ€rke 9 Beaufort). Und morgen sind bis 37 kn angesagt. Erstaunlicherweise sind die Wellen hier in Minerva dabei noch recht ertrĂ€glich. Besonders wenn man bedenkt, dass (außerhalb des Riffs) knapp 4 m Welle stehen. FĂŒr morgen sind sogar 4,6 m vorhergesagt.

Wie sieht das aus? Jayne und James von der Scout haben mit ihrem Dinghy einen Ausflug an die innere Riffkante gemacht. Vom Riffdach aus gibts bei Niedrigwasser einen etwa kniehohen Wasserfall in die Lagune, draußen ans Außenriff donnern die brechenden Pazifikwellen. Von Bord der Flora zeigt sich das so:

Bei Hochwasser schafft es der Ozeanschwell stark abgeschwĂ€cht ĂŒber das Riffdach. Dann wird es hier am Ankerplatz unruhiger, aber bisher ist es immer noch gut ertrĂ€glich.

Nach dem Peak morgen sollen sich Wind und Wellen dann ab ĂŒbermorgen langsam wieder abschwĂ€chen.

Samstag kann ich dann vielleicht auch in den Mast, um das zum GlĂŒck am Fallenaustritt hĂ€ngengebliebene Fockfall herunterzuholen. In 20 m Höhe schaukelt mir das derzeit zu sehr.

Dann doch lieber erstmal an Bord der Scout mit Jayne und James dessen Geburtstag nachfeiern.

Überhaupt hat man ja von der Scout aus einen besonders schönen Blick auf die Flora, wie auch das von James geschossene Sonnenaufgangsfoto zeigt:

Auf der Horizontlinie ist ĂŒbrigens kein fernes Land zu sehen, sondern eben die Ozeanwellen außerhalb des Riffs.

Passage von Opua nach Minerva, Tag 3

Seekrank.

Die Wellen haben nochmal zugenommen und scheinen kreuz und quer zu kommen. Dazu Böen ĂŒber 30 kn. Das Groß ist st inzwischen dreimal gerefft.

Der Wind ist um 30° nördlicher gesprungen, das ist unschön, denn nun segeln wir am Wind. War allerdings auch von allen Wettermodellen so vorhergesagt.

Demnach sollte sich die Windrichtung ab morgen wieder langsam verbessern.

Wiebke hÀlt sich gut, ich muss beim ZÀhneputzen dann doch spucken. Immerhin sind danach meine Kopfschmerzen weg.

Zur Nacht kommt noch Regen dazu. Die Wolken verdecken meistens auch den Mond. Es fĂŒhlt sich an, als wĂŒrden wir auf einem bockenden Bronco-Pferd durch die stockdunkle Nacht jagen. Einer von uns hĂ€lt die ZĂŒgel, der andere versucht auf dem Rodeopferd zu schlafen. Alle drei Stunden wechseln wir uns ab. Obwohl, immerhin bleiben wir trocken. Die an die Bordwand klatschenden Dwarslöper schicken zwar WasserfontĂ€nen Richtung Cockpit, aber die aufgebaute Kuchenbude hĂ€lt sie draußen. Erstmal.

Irgendwann explodieren die Wellen so an der Bordwand, dass sich doch auch Wasser durch den Schlitz zwischen Sprayhood und Kuchenbude ins Cockpit ergießt. Immerhin bleibt die Bank auf der Leeseite trocken.

Die dauernden Schwallwasser-SchlĂ€ge setzen leider auch den Fenstern zu. Die Dichtungen scheinen unter der Tropensonne doch gelitten zu haben, Tropfen fĂŒllen die HandtĂŒcher, die wir hinter die Gardinen gestopft haben.

Am Morgen (immerhin bei Tageslicht) bricht dann der erst drei Jahre alte SchĂ€kel des in Hawaii erneuerten Fockfalls. Kleine Ursache, große Wirkung. Das Segel rutscht nach unten und teilweise auch ins Wasser. Es ist bei 25 kn Wind und drei Meter Welle eine ziemliche Plackerei, die Fock wieder an Bord zu ziehen und provisorisch an der Seereling zu sichern.

Ein Ersatzgenuafall ist im Mast zwar geriggt, bei den unverÀnderten Bedingungen wollen wir das Segel aber nicht neu einfÀdeln und hoch ziehen, weil es gefÀhrlich schlagen könnte und vielleicht auch in Fetzen ginge.

Mit dem Groß allein können wir bei diesem Seegang aber die Höhe nicht halten. Wir beißen in den sauren Apfel und motorsegeln erstmal Richtung Minerva.

Shit happens. es gibt solche Tage.

Etmal 143 Seemeilen, gesamt 463 Seemeilen, noch gut 300 Seemeilen bis Minerva. Wir hoffen, dass der Wind wie angesagt wieder auf etwas sĂŒdlicher als Ost dreht.

Essen: KnĂ€ckebrot, fĂŒr Wiebke sogar mit Belag.

Leinen wieder los!

Der Wecker wĂŒrde um 6.00 Uhr klingeln, aber wir sind schon kurz vorher wach. Es geht endlich wieder los, unsere Segelsaison startet.

Kurz nach dem Morgenhochwasser laufen wir um 6.45 aus, der Hatea River ist fĂŒr uns allenfalls etwa bis zur halben Tide befahrbar, jedenfalls mĂŒssen wir bis dahin den Kawaka Point vor der Halbinsel Onerahi passiert haben. Weiter flussabwĂ€rts ist es dann auch bei Ebbe tief genug. Klappt heute wunderbar, das Wetter spielt auch mit. Mehrere schöne Regenbögen, aber nur ein klitzekleiner Schauer auf den 10 Seemeilen zum Ankerplatz in der Munro Bay.

Eigentlich könnten wir bei dem vorwiegend achterlichen Wind auch segeln. Stattdessen brummt durchgehend der Motor, denn wir wollen die Antriebswelle (genau genommen deren prĂ€zise Ausrichtung) in verschiedenen Drehzahlbereichen des Motors ausgiebig testen. Durch die erneuerten MotorfĂŒĂŸe sowie das neue Wellenlager und die neue Wellendichtung musste die Ausrichtung von Motor und Antriebswelle neu abgestimmt werden. Wirklich ĂŒberprĂŒfen lĂ€sst sich dass erst in Fahrt und so arbeiten wir uns auf diesem ersten kurzen Törn durch die verschiedenen Lastbereiche. Zum GlĂŒck gibt es keine AuffĂ€lligkeiten, das „alignment“ scheint in Ordnung zu sein.

Die Munro Bay hat eine relativ seichte Zufahrt, typisch fĂŒr das mit SandbĂ€nken durchzogene aufgefĂ€cherte Flussdelta des Hatea, wird aber an drei Seiten flankiert von den hĂŒgeligen AuslĂ€ufern der Whangārei Heads. Damit bietet sie auch gegen die aktuell in Böen krĂ€ftigen Westwinde recht guten Schutz. In der Munro Bay ankert schon die Freydis (eine Malö 46) unserer australischen Freunde Paula und Jim. Das passt, so können wir gemeinsam mit dem Dinghy am flachen und bei Ebbe trocken fallenden Scheitel der Bucht anlanden und einen schönen Spaziergang machen.

Es ist erstmal nur ein kurzes Wiedersehen, denn unsere Wege werden sich morgen schon wieder trennen, bevor wir uns hoffentlich in Fiji wieder treffen. Die beiden möchten ein StĂŒckchen weiter nach SĂŒden segeln. Wir dagegen haben entschieden, das kurze passende Wetterfenster zu nutzen, um in nördliche Richtung zur Bay of Islands aufzubrechen.

Refit der Flora in Neuseeland

„Refit“, das trifft es eigentlich ganz gut. Es war einfach mal wieder an der Zeit, unserer Flora eine Kur zu gönnen, sie wieder richtig fit zu machen. Seit fast sieben Jahren leben wir auf dem Boot, die vielen Jahre unterwegs haben Spuren hinterlassen. Klar, wir haben unterwegs immer wieder, eigentlich laufend, an ihr gearbeitet. Aber insbesondere die letzten Jahre in den etwas abgelegeneren Ecken des Pazifik haben fĂŒr einen gewissen Service-Stau gesorgt. Zuletzt (und auch nur kurz) aus dem Wasser gekrant hatten wir das Schiff ja in Kanada. Neuseeland ist – was Ersatzteilversorgung und auch maritimen Service angeht – ein ausgesprochen guter Ort dafĂŒr, diesen Stau abzuarbeiten. Trotz der guten Infrastruktur hat das am Ende deutlich lĂ€nger gedauert als zunĂ€chst veranschlagt, das war ja in den letzten BeitrĂ€gen bereits Thema. Aber ein Blick auf die Gesamtliste erklĂ€rt das schon ein bisschen.

  • Motor: große Inspektion, neue MotorfĂŒĂŸe, neuer Turbolader, EinspritzdĂŒsen geprĂŒft, neuer WĂ€rmetauscher, neues Motorinterface zum NMEA 2000 Netzwerk, neuer Anlasser (bisheriger als Ersatzteil, getauscht)
  • Antriebswelle: neues Wellenlager, neue Wellendichtung
  • Getriebe: Ölwechsel und Filterwechsel, Aquadrive-Kupplung ausgebaut und ĂŒberprĂŒft
  • Schaltung: neuer Schalthebel an der SteuersĂ€ule
  • Dieselgenerator: Instandsetzung nach Ausfall. Verstopftes Auspuffknie gereinigt, ebenso WĂ€rmetauscher und Wasserabscheider, KĂŒhlflĂŒssigkeit erneuert, Ausgleichstank fĂŒr KĂŒhlflĂŒssigkeit neu verlegt, neue AuspuffschlĂ€uche
  • BorddurchlĂ€sse und Seeventile: 23 BorddurchlĂ€sse (davon 17 im Unterwasserschiff) auf TrueDesign KompositborddurchlĂ€sse umgestellt
  • FĂ€kalientanks: beide Schwarzwassertanks durch neu gefertigte Edelstahltanks ersetzt, diverse Leitungen und Ventile ebenfalls erneuert
  • Segel: vom Segelmacher durchgesehen, UV-Schutz an Fock und Großsegel erneuert, Großsegelunterliek repariert
  • Solarpanel: zwei zusĂ€tzliche Panel je 100 Wattpeak auf den Davids (zusĂ€tzlich zu dem 430 WP Panel, dafĂŒr neuen Aluminiumrahmen schweißen lassen. Zwei der vier 100 WP Panel auf dem Bimini erneuert
  • Bimini: repariert, neue Fensterfolie fĂŒr den Blick in die Segel, nachgenĂ€ht und Klett erneuert
  • Navigationsinstrumente: Neuer Monitor am Kartentisch fĂŒr den Bordcomputer, ORCA Navigation (ORCA Core und Display) ergĂ€nzt
  • Unterwasserschiff komplett ĂŒberarbeitet, Schadstellen heruntergeschliffen und neu aufgebaut, ĂŒber alles eine Epoxi-Sperrschicht und 5 neue Schichten Epoxi-Coppercoat
  • SĂ€mtliche Polster im Salon, am Kartentisch und Sitz in der Achterkoje neu bezogen, Umbau der „Runden Ecke“ im Salon auf eckig
  • Waschmaschine neu (im vorderen Bad, Camec II 4 KG)
  • WasserhĂ€hne und Dusch-Armaturen in beiden BĂ€dern neu
  • Herd/Backofen neu (Kardanik in altem Herd war ausgerissen, zudem neu: Grillfunktion)
  • Ocean-Air Rollos repariert, mit neuen Verdunklungsstoffen und neuen MĂŒckennetzen versehen
  • Gardinen im Achterschiff erneuert (selbst genĂ€hte Verdunklungsgardinen)
  • Laufendes Gut: Großsegelausholer erneuert
  • Wassermacher: Ölwechsel, Fitting neu eingedichtet, neue Membran (deren Einbau erfolgt aber erst, wenn wir wieder in klarem Meerwasser sind)
  • Bugstrahlruder: neue Propeller, neues Antifouling im Tunnel
  • Kielnaht erneuert
  • Anoden: neue Zinkanoden an Welle, Propeller, Bugstrahlruder und KĂŒhlschrank (KĂŒhlungen in den BordduchlĂ€ssen der KĂŒchenspĂŒle)
  • Gelcoat: kleinere SchĂ€den im Bereich des Hecks repariert
  • Rumpf poliert (ĂŒber der Wasserlinie)
  • Spiegel in beiden BĂ€dern neu

Eine kleine Auswahl mit Vorher-, Chaos- und Nachher-Fotos:

Die Spiegel sind ĂŒbrigens nach einer kleiner Irrversendung quer durch Neuseeland heute erst hier angekommen. Egal, besser spĂ€t als nie und wir sind ja noch hier. Letzteres allerdings nur, weil quasi in der Nachbarschaft Zyklone (so wird ein Hurrikan auf der SĂŒdhalbkugel genannt) unterwegs sind. Die Zyklonsaison dauert im SĂŒdpazifik regulĂ€r noch bis Ende April. Erst danach wollen wir uns Richtung Fiji aufmachen. Denn jetzt sieht es in den Tropen nördlich von Neuseeland so aus: wĂ€hrend nordöstlich von Australien der tropische Zyklon Maila fast stationĂ€r seine Runden dreht, steuert der tropische Zyklon Vaianu gerade an Fiji vorbei sĂŒdwĂ€rts Richtung Neuseeland. Dabei wird er sich ĂŒber dem kĂ€lteren Wasser abschwĂ€chen (derzeit ist Vaianu in der Kategorie 3 eingestuft), aber nach bisheriger Prognose erwarten wir in Neuseeland zum Wochenende schlechtes Wetter mit extremen RegenfĂ€llen und sehr starken, in der Richtung drehenden Winden. Da bleiben wir lieber noch ein wenig hier im gut geschĂŒtzten Whangārei etwa 30 Kilometer flussaufwĂ€rts der KĂŒste.

Nebenbei sind wir Dauergast in den großen SupermĂ€rkten von Whangārei und stocken jetzt auch schon die langfristigen ProviantvorrĂ€te auf Flora fĂŒr die kommende Saison wieder auf.

Wunderland in vielerlei Form: Alice, Hobbits und die Flora

Gemeinsam mit Barbara und Ralph beziehen wir unser nĂ€chstes AirBnB, diesmal im fast vier Fahrstunden nördlich von Napier gelegenen StĂ€dtchen Gisborne. Schlechtes Wetter ist angekĂŒndigt, aber der zu Neuseelands East Cape hinfĂŒhrende Gebirgszug der RaukĆ«mara Range sollte in Gisborne eigentlich das Schlimmste abhalten. Das klappt auch, einen Regentag verbringen wir mit Spielen in unserer „Alice in Wonderland“-Villa. Das ĂŒber 100 Jahre alte Holzhaus ist tatsĂ€chlich nicht nur so benannt, sondern liebevoll-skurril englisch-plĂŒschig eingerichtet mit vielen „Alice“-BezĂŒgen.

Wir genießen die ruhige Zeit mit unseren Schweizer Freunden, von denen wir hier erst einmal Abschied nehmen mĂŒssen. Aber in Fiji gibt’s hoffentlich ein Wiedersehen.

Von Gisborne aus fĂŒhrt uns unser Weg bei jetzt wieder besserem Wetter quer ĂŒber die RaukĆ«mara Range hinĂŒber zur Bay of Plenty und dort nach Tauranga. Die fĂŒnftgrĂ¶ĂŸte Stadt Neuseelands ist einer der wichtigsten HĂ€fen des Landes, zugleich aber auch mit seinen langen StrĂ€nden, vielfĂ€ltigen Sportmöglichkeiten und der ausgeprĂ€gten Restaurant- und Kneipenszene ein touristischer Anziehungspunkt. Wir verbringen einen schönen Abend mit unserem Segelfreund Michael, der gerade mit seinem Katamaran „Gerty“ hier liegt. Aber am nĂ€chsten Tag treibt es uns schon weiter, der Krantermin fĂŒr Flora naht und außerdem haben wir Karten fĂŒr „Hobbiton“ ergattert.

Hobbiton? Auf Deutsch „Hobbingen“ genannt, ist es der bekannteste Drehort der Verfilmungen von J.R.R. Tolkiens „Herr der Ringe“-Triologie und der „Hobbit“-Geschichten. Quasi das Auenland in Mittelerde, mitten auf der Nordinsel Neuseelands, wo sich die wollfĂŒĂŸigen Halblinge hinter die runden TĂŒren ihrer in die sanften HĂŒgel gebauten Miniaturen-HĂ€user zurĂŒckziehen, wenn sie nicht auf der Festwiese oder im „GrĂŒnen Drachen“ ordentlich feiern.

Zweieinhalb Stunden dauert die gefĂŒhrte Tour durch das zu einer Touristenattraktion umgenutze ehemalige Filmset. Viele Details lassen sich auf dem entspannten Spaziergang durch das Dörfchen im Auenland bewundern, abgeschlossen natĂŒrlich mit einem Besuch im „Green Dragon“ auf der anderen Seite des MĂŒhlenteiches.

Vier weitere Stunden Autofahrt folgen, wir wollen am Sonntagabend noch an Auckland vorbei und zum Wochenanfang zurĂŒck in Whangārei sein. Am Dienstag soll Flora schließlich gekrant werden, letzte Vorbereitungen sind noch zu erledigen.

Dienstag frĂŒh wird Flora per Travellift tatsĂ€chlich wieder ins Wasser gesetzt 



 aber nur sehr kurz. Drei der 17 getauschten Seeventile sind nicht ganz dicht. Also wieder an Land stellen zur Nachbesserung.

Nicht Àrgern, nur wundern!

Morgen frĂŒh wird dann der nĂ€chste Versuch erfolgen, Flora nach dem umfangreichen Refit wieder in ihr eigentliches Element zu setzen. DrĂŒckt uns bitte die Daumen.

Arbeitsergebnisse – Zwischenstand

Sind wir fertig?

Nein, weder mit den Nerven, noch mit der Bootsarbeit. Eigentlich wollten wir ja schon unterwegs sein und jetzt mit Auto Neuseeland zu bereisen, aber das muss noch warten. Ich hĂ€tte erwartet, dass uns Verzögerungen bei den Bootsprojekten mehr stressen wĂŒrden, aber erstaunlicherweise macht es uns bisher gar nichts aus. Wir machen es uns heimisch im mittlerweile dritten AirBnB in und um Whangārei, erkunden die Umgebung und treiben die Bootsprojekte voran. Als wir beim Wechsel zwischen unseren UnterkĂŒnften einen Tag ĂŒberbrĂŒcken mĂŒssen und dafĂŒr auf die Flora ziehen, hat das einen erstaunlichen Nebeneffekt. Unser Handwerker fĂŒhlt sich motiviert, das temporĂ€re Chaos auf Flora zu verringern und dafĂŒr sogar am Wochenende zu arbeiten.

Die Woche begann aber sowieso schon gut. Endlich kommen die Alu-Schweißer vorbei. Gemeinsam bauen wir das Solarpanel und dessen TrĂ€ger von den Davits ab. Sie nehmen die (zusĂ€tzlichen) beiden neuen Solarpanel ebenfalls mit und machen sich ans Werk fĂŒr den beauftragten neuen Halterahmen.

Außerdem ist unser Bimini repariert. Der Stoff wurde geflickt und verstĂ€rkt, die spröde und rissig gewordene Fensterfolie erneuert, die Klettabdeckungen der ReisverschlĂŒsse nachgenĂ€ht bzw. getauscht. Dadurch können wir auch die jetzt die 400 WP Solarpanel auf dem Bimini wieder nutzen, um so wichtiger, weil ja jetzt die anderen 400 WP auf den Davits gerade abgebaut sind.

Den alten Herd, der uns auf dem Törn nach Neuseeland aus der Halterung gesprungen war und dessen gebrochene AufhĂ€ngung wir notdĂŒrftig repariert hatten, wird durch eine neuere Version ersetzt. Damit haben wir endlich auch die Möglichkeit zusĂ€tzlicher Oberhitze im Backofen.

Dazu diverser Kleinkram. Ein Beispiel: die WasserhĂ€hne im Bad sind ziemlich unansehnlich geworden, das lĂ€sst sich leider auch nicht mehr wegpolieren. Ich hatte neue bestellt, leider sind aber die nötigen Anschlussfittinge trotz Odyssee durch alle in Frage kommenden GeschĂ€fte nicht zu bekommen. Wohl oder ĂŒbel muss ich die alten Anschlussfittinge aufarbeiten und wiederverwenden.

Grausgruselig sieht es um die Edelstahl-Holdingtanks aus. Der Schwarzwassertank der achteren Toilette hatte ja an einer Schweißnaht nadelfeine Löcher entwickelt, mit entsprechend unangenehmen Begleiterscheinungen. Gegen den Ausbau wehrt er sich lange aber am Ende vergeblich. Die Naht neu zu schweißen oder einige Bleche zu verstĂ€rken erweist sich als nicht sinnvoll, wir lassen einen Ersatztank bauen. Sicherheitshalber bauen wir auch den vorderen Holdingtank aus und lassen ihn prĂŒfen. Von außen sieht er noch gut aus, aber die Bleche sind von innen ebenfalls stark korrodiert und extrem dĂŒnn geworden. Also wird auch diese tickende Zeitbombe mit einem neuen Tank entschĂ€rft, außerdem werden bei beiden Tanks auch die SchlĂ€uche und Ventile erneuert. Das beschĂ€ftigt uns und unsere Handwerker lĂ€nger als erwartet, aber der Teufel steckt wie so oft im Detail.

Das Highlight der Woche: die neuen Polster sind da und wir bauen sie gleich ein. Aus der „runden Ecke“ ist eine eckige geworden und auch sonst sind wir von der QualitĂ€t und auch vom Preis begeistert.

Zum Vergleich: runde Ecke (alt) und eckige Ecke (neu):

Und sonst: der Motor ist grĂ¶ĂŸtenteils wieder zusammengebaut, beim Generator fehlt allerdings noch immer eine Dichtung (soll nĂ€chste Woche kommen). Das neue Coppercoat ist ebenfalls fĂŒr nĂ€chste Woche angekĂŒndigt (jedenfalls beim Importeur).

Es wird so langsam. Hoffentlich.

Lust und Frust in Whangārei

Ich fang mal mit dem Positiven an: wir haben eine schöne Unterkunft hier in Whangārei und mit den Bootsarbeiten geht es auch langsam voran.

Unser AirBnB liegt eigentlich direkt neben dem State Highway #1, der lĂ€ngsten und wichtigsten Bundesstraße in Neuseeland. Trotzdem bekommen wir vom Verkehr kaum etwas mit, denn die Straße verlĂ€uft deutlich oberhalb des GrundstĂŒcks, das wir nur ĂŒber eine Serpentine hinunter ins Flusstal erreichen. Das FlĂŒsschen Waiarohia River strömt von BĂ€umen ĂŒberdacht direkt unterhalb der Terrasse unserer Unterkunft laut rauschend durch sein felsiges, gewundenes Bett.

Auch wenn es morgens mit 12 Grad durchaus noch frisch ist, nehmen wir den zweiten Kaffee und das FrĂŒhstĂŒck deshalb gerne auf der Terrasse. Das Feierabendbier dafĂŒr dann gern auf einem der inzwischen aufgewĂ€rmten Felsen im Fluss (tagsĂŒber hat es etwa 24 Grad).

Im klaren Wasser des FlĂŒsschens können wir NeuseelĂ€ndische Langflossenaale beobachten. Sie können bis zu 180 cm lang und 25 kg schwer werden, den grĂ¶ĂŸten hier schĂ€tzen wir auf gut ĂŒber einen Meter. Die MaorĂ­ nennen diesen Aal „Tuna“, er ist als Speise geschĂ€tzt, hat aber auch mythische und religiöse Bedeutung.

So zeigt sich das Wasserungeheuer Taniwha (gesprochen Tanifa, wh wird wie f gesprochen, auch in Whangārei) hĂ€ufig in dieser Form. FĂ€ngt man also einen solchen Aal, der andere Merkmale hat, etwa Streifen oder rote Augen, wĂŒrde bei seiner Tötung ein Fluch auf dem Angler liegen. Wir angeln lieber nicht, sondern beobachten die Aale nur.

Floras Reparaturen sind bei unserer Ankunft wie erwartet noch nicht so suuuper weit, von den im November erteilten AuftrÀgen ist vieles bisher nicht abgearbeitet. Das ist etwas frustrierend, aber immerhin:
Der Anlasser ist getauscht, der WĂ€rmetauscher ausgebaut (leider hat das RohrbĂŒndel einen Riss), die MotorfĂŒĂŸe erneuert, die flexible Wellenkupplung gecheckt (und fĂŒr noch gut befunden), das Wellenlager erneuert, die EinspritzdĂŒsen geprĂŒft (gut), der Gori-Propeller auseinander genommen und geserviced (war schwierig), der durch nadelkleine Löcher leckende achtere FĂ€kalientank ausgebaut, ok, dann nehmen wir den vorderen Tank auch noch raus. 9 Seeventile sind bereits (gegen TrueDesign-Komposit-Ventile) getauscht, vier weitere in Arbeit. Mit dem Unterwasserschiff-Coppercoat konnte also noch nicht begonnen werden. Trotz Ansage im November ist das Coppercoat leider auch noch nicht bestellt, da laufen wir jetzt hinterher.

Außerdem bauen wir das Bimini ab, um einen Sturmschaden-Riss reparieren lassen zu können. Die bei SVB in Deutschland bestellte Ankerwinsch hĂ€ngt noch im Zoll, es beginnt ein intensiver Email-Verkehr mit der neuseelĂ€ndischen Post und dem Zoll.

Jetzt, wo wir da sind, gehen auch die Handwerker mit neuem Elan ans Werk. Der Turbolader gibt nach intensivem Zureden seinen Widerstand gegen den Ausbau auf, muss aber leider erneuert werden. Beim Wechsel der Anoden bricht ein FlĂŒgel am Propeller des Bugstrahlruders ab, das Material ist ziemlich spröde geworden, da steht also auch ein Austausch an. Am Generator zeigt sich, dass der KrĂŒmmer sich komplett zugesetzt hat. Der Wasserabscheider hat verdĂ€chtige Spuren, das muss nĂ€her untersucht werden.

Der Rahmen fĂŒr die Befestigung der neuen Solarpanele ist noch nicht geschweißt. Mit dem dritten Handwerker der gleichen Firma nehme ich nochmal die Maße auf.

Nebenbei nĂ€ht Wiebke neue Verdunklungsgardinen fĂŒr die Achterkoje und wir versuchen das OceanAir Verdunklungsrollo/Fliegengitter fĂŒr das Luk zu reparieren.

Langweilig wird es also nicht und dieser Kur-Werftaufenthalt hier bei Dockland 5 in Whangārei bedeutet sicher das umfangreichste Refit, das Flora bisher bekommen hat.

Was liegt an?

Nur ein paar Tage bleiben uns noch in Whangārei, dann fahren wir schon nach Auckland. Und von da aus fliegen wir Ende nÀchster Woche nach Deutschland.

Flora steht aufgebockt auf dem GelÀnde von Dockland 5, sie hat sich einen Kur-Aufenthalt wahrlich verdient.

Die sechseinhalb Jahre Dauerbelastung sind nicht ganz spurenlos geblieben, da ist tatsÀchlich Allround-Wellness angesagt.

Ganz oben auf der Liste stehen die Checkups unserer beiden Dieselmotoren, also Hauptmaschine und Generator. Da ist mal ein bisschen mehr zu tun als die von uns regelmĂ€ĂŸig durchgefĂŒhrten Öl-, Filter- und Impellerwechsel. Turbo und WĂ€rmetauscher werden ausgebaut. Der letztere bietet gleich eine unangenehme Überraschung. Beim Ausbau zeigt sich, dass eine verdeckt liegende Dichtung ihrem Namen nicht mehr ganz gerecht wird. „Gerade noch rechtzeitig“, sagt der Mechaniker.

Ebenfalls weit oben auf der Liste stehen die BorddurchlĂ€sse und Seeventile. Löcher im Schiff verdienen halt besonderes Augenmerk. Flora hat davon eine ziemlich große Anzahl. Schon ab Werk, erst recht aber durch die NachrĂŒstungen des Vorbesitzers (Wassermacher, Generator und Klimaanlage). Allein im hinteren Bad befinden sich sieben BorddurchlĂ€sse, alle aus seewasserbestĂ€ndigem Messing, wie es ab Werk verbaut wird. Das leidet allerdings in dem warmen Salzwasser ziemlich heftig unter Korrosion beziehungsweise Auszinkung. Wir wollen es deshalb – da wo es geht – durch korrosionsresitente TrueDesign-Komposit-Fittinge ersetzen.

Hier als Beispiel die Batterie von fĂŒnf Seeventilen im hinteren Bad, zwei weitere befinden sich im Waschbeckenunterschrank gleich daneben.

Leider sind bei weitem nicht alle Seeventile so gut zugÀnglich wie diese, insbesondere im Motorraum geht es ziemlich eng zu.

Im Bad gibt es noch eine weitere Baustelle: der Abwassertank hat ein kleines Leck. Eine der SchweißnĂ€hte des Edelstahltanks scheint ein nadelgroßes Loch aufzuweisen. Hoffentlich kann er geschweißt werden. Der Tank muss also raus. Nachdem wir die Wandverkleidung und das WC abgebaut haben, sieht das Ganze so aus:

Auch diese Ventile sollen raus, sie sind extrem schwergĂ€ngig geworden. Die hinter dem Tank verbaute TankentlĂŒftung und das seitlich (durch den Motorraum gefĂŒhrte Knie zum anschließenden Schlauch der Tankabsaugung via Decksstutzen verkomplizieren den Ausbau des Tanks allerdings erheblich. Es ist eben ein Boot.

Was noch?

Die Segel bringen wir zur Durchsicht und Ausbesserung zum Segelmacher.

Die Gangschaltung nehmen wir uns selbst vor. In Aitutaki auf den Cook Islands hatte ja beim Anlege-Hafenmanöver das Gasgeben im RĂŒckwĂ€rtsgang nicht mehr geklappt. Murphy‘s Law.

Offenbar war ein Mitnehmer innerhalb der Gangschaltung gebrochen. Bei geöffneter SteuersĂ€ule konnten wir den Gang manuell auf der RĂŒckseite der Gangschaltung wechseln, immerhin war ein “Workaround“ gefunden. Aus Deutschland brachten wir dann nach Samoa eine Ersatzschaltung mit. Einbauen konnten wir sie allerdings nicht, da sich der Schalthebel nicht lösen ließ. Weder Rostlöser noch Hitze- und KĂ€lteanwendungen brachten Abhilfe, selbst gutes Zureden half nicht.

Hier in Whangārei gehen wir es nochmal an, Kommen aber zerstörungsfrei nicht weiter. Der Konus, auf dem der Schalthebel sitzt, bricht irgendwann. Immerhin, das eröffnet uns die Möglichkeit, die zwischen Ă€ußerer Edelstahlplatte und innerem Stahlblech komplett fest gegammelten Schrauben auszubohren und den Schaltmechanismus innerhalb der SteuersĂ€ule zu lösen. DafĂŒr mĂŒssen wir aber die SteuersĂ€ule auseinander bauen und die darin befindliche Elektrik und Elektronik trennen. Dabei natĂŒrlich schön beschriften, damit wir das jemals wieder zusammensetzen können.

Die Solarpanel auf dem Bimini funktionieren nur noch teilweise. Die (Ă€lteren) SunWare-Panel laden noch immer gut, die (neueren) Sunbeam-Panel haben schon eine völlig matte OberflĂ€che und geben den Geist auf. Dabei hatten wir fĂŒr die erst in Tahiti eine mit Klett abgedeckte Reißverschluss-Halterung auf das Bimini nĂ€hen lassen. Wir finden hier in Whangārei semiflexible Panele in passender GrĂ¶ĂŸe und lassen bei einer Sattlerei die gleichen ReißverschlĂŒsse darannĂ€hen.

Wo wir schon dabei sind, kaufen wir auch noch zwei feste Panele, die unser großes 400 Wattpeak-Panel auf den Davits ergĂ€nzen sollen. DafĂŒr ist jetzt bei einem Aluminium-Schweißer ein geĂ€nderter Halte-Rahmen in Auftrag gegeben.

Wegen der schÀbig gewordenen Salonpolster sprechen wir mit verschiedenen Polstereien.

FĂŒr das Auffrischen des Coppercoat-Unterwasseranstrichs und die erforderlichen Ausbesserungen geben wir einen Auftrag an den Spezialisten vor Ort.

Und noch dies und noch das. Die Tage vergehen im Flug. Um so besser, wenn dann zum Feierabend der Blick hinunter auf Whangārei meistens eben doch klar und die Berge nicht regenverhangen sind.

Angekommen im Minerva-Riff. Irgendwo im Nirgendwo.

Es ist fast unwirklich. Wie eine maritime Fata Morgana in der WasserwĂŒste tauchen sie auf. Masten, die still stehen, obwohl doch um sie herum der Pazifische Ozean braust. Und ja, er braust noch, obwohl der Wind zuletzt etwas nachgelassen hat. Trotzdem, die zu den Masten gehörenden Segelboote liegen ruhig da, als ihre RĂŒmpfe beim NĂ€herkommen langsam sichtbar werden. Das ist es. Minerva, wir haben Dich erreicht.

Was fĂŒr ein Ritt. Nach nur knapp ĂŒber 48 Stunden liegen die 328 Seemeilen von der Ha’apai-Gruppe aus hinter uns, wir laufen durch den Pass ins Minerva-Riff ein.

Der Anker fĂ€llt irgendwo im Nirgendwo, ein paar hundert Meilen sĂŒdlich von den Inselwelten in Tonga und Fiji, tausend Seemeilen nördlich von Neuseeland, mitten im tiefblauen SĂŒdpazifik. Aber er fĂ€llt eben nur 13 m tief, grĂ€bt sich sofort in den Sandgrund der Lagune. Das lĂ€sst sich vom Bug der Flora wunderbar verfolgen, denn das Wasser ist kristallklar. Kein BĂ€chlein trĂ€gt hier bei Regen Sedimente ein, weit und breit ist kein Land in Sicht.

Ein Atoll ohne Insel. Nur ein fast kreisrundes, perfektes Ringriff mit einem einzelnen Pass umfasst die Lagune.

Es wirkt als hĂ€tte die Natur hier einen Rastplatz fĂŒr die Segler eingerichtet, die jetzt im Oktober aus dem ZyklongĂŒrtel der SĂŒdhalbkugel-Tropen heraus nach SĂŒden gen Neuseeland ziehen und im April oder Mai wieder nach Norden Richtung Fiji oder Tonga segeln. Wir sind jedenfalls sehr froh ĂŒber die Möglichkeit, nochmal inne zu halten und auszuschlafen. Dazu kommt, dass das Wetterfenster fĂŒr die weitere Passage jetzt „nur“ eine Woche und nicht mehr 10 Tage umfassen muss. Die Vorhersagen werden deutlich prĂ€ziser, je kĂŒrzer der Zeitraum ist. Bei den hier schnell wechselnden Wettersystemen ist das um so wichtiger.

Und es ist natĂŒrlich auch einfach faszinierend, mitten auf dem Ozean zu ankern.

Übrigens sind die Minerva-Riffe vielleicht kurz davor, Inseln zu werden. Langsam streben sie aus dem Meer empor, in den letzten 100 Jahren hat sich ihre Struktur um gut einen Meter angehoben. Wenn nicht ein ansteigender Meeresspiegel dagegen arbeitet, werden sich irgendwann die ersten Motus auf dem Riff bilden. Noch aber ĂŒberspĂŒlt das Wasser zumindest bei Flut praktisch das ganz Riff, bei Niedrigwasser dagegen kann inzwischen (mit feuchten FĂŒĂŸen) auf dem breiten Riffdach spaziert werden.

Abgesehen von der bei Seegang an das Riff tosenden Brandung sind die Minerva-Riffe aber noch immer schwer auszumachen. Immerhin sind sie in den Seekarten korrekt verzeichnet und in Zeiten der GPS-Navigation somit vergleichsweise einfach anzulaufen oder zu umschiffen. Aber das war eben nicht immer so, die Reste mehrerer Wracks finden sich auf den Riffen. Selbst regelmĂ€ĂŸige Lotungen helfen nicht, ohne Vorwarnung steigen die WĂ€nde des Riffs steil aus der blauen Tiefe, in denen das klassische Lot noch keinen Grund findet. Und so geht auch der Name auf einen Schiffbruch zurĂŒck: 1829 strandete der WalfĂ€nger Minerva auf dem sĂŒdlichen Minerva-Riff, die Besatzung konnte sich in einem völlig ĂŒberladenen Walboot auf eine Insel der Lau-Gruppe im entfernten Fiji retten.

Ein kleines Video von Flora im Minerva-Riff:

Den Schaden an unserem Frischwassersystem können wir zum GlĂŒck auch beheben. Eine Dichtung am Boiler war verrutscht. Bei ruhigerem Wasser ein Easy-Fix.

Tag 2 der Passage zu den Cook Inseln

Zwischenstopp auf Maupiha‘a. Wir haben zwar in Bora Bora ausklariert und sind zu den Cook Inseln aufgebrochen, aber eine kleine Komplikation gibt es dann doch noch. Der Dieselgenerator quittiert den Dienst mit der Fehlermeldung „Motor Temp“. Die Nachschau unter der Schallschutzhaube zeigt eine ziemliche Sauerei: offenbar ist Salzwasser herumgespritzt und auf dem heißen GehĂ€use verkrustet. Sieht nach einem heftigen Problem mit der Seewasserpumpe des Generators aus.

Das ist doppelt blöd. Zum einen haben wir dafĂŒr kein Ersatzteil, zum zweiten kommt der Defekt zur Unzeit, weil ja auch ein Teil unserer Solarpanel derzeit nicht einsatzfĂ€hig ist. Stromsparmodus ist angesagt. Dramatisch ist das nicht, die KĂŒhlschrĂ€nke bleiben an, der Autopilot auch. Immerhin haben wir noch 500 WP an Solar, den Windgenerator und natĂŒrlich zur Not auch noch die Lichtmaschine vom Motor.

Wir machen einen Zwischenstopp auf Maupiha‘a, einem kleinen Atoll etwa 130 Seemeilen westlich von Bora Bora. Der Generator wird soweit möglich von der Salzverkrustung befreit und der Schaden nĂ€her begutachtet. Das Problem könnte von einem Defekt der Dichtung an der Welle der Seewasserpumpe herrĂŒhren, nĂ€heres lĂ€sst sich so noch nicht sagen. Auch nicht, ob FolgeschĂ€den durch Überhitzung aufgetreten sind.

Hilft ja jetzt nix. Zur Ablenkung genießen wir das wunderschöne Maupiha‘a.

Morgen geht’s dann gleich wieder weiter. Der mit nur zwanzig Metern Durchfahrtbreite extrem enge und ziemlich strömungsreiche Pass wird uns hoffentlich genauso problemlos wieder aus dem Atoll herauslassen, wie wir (bei drei Knoten Gegenstrom) hereingekommen sind.

Und dann sollten es etwa 60 Stunden Fahrt bis nach Aitutaki auf den Cook Inseln sein, sofern alles glatt lĂ€uft. Wind- und Wellenvorhersage sehen gut aus. Wegen des Stromsparmodus wird das Starlink meistens aus sein, Positionsupdates (und natĂŒrlich auch BlogbeitrĂ€ge) können sich also eventuell ein bisschen verspĂ€ten.