Der Chief geht von Bord

Fünf Wochen waren wir jetzt zu dritt, unser Chief Engineer Jan ist in Mindelo an Bord gekommen, hat als alter Regattahase unsere Atlantiküberquerung beschleunigt 😉, hat mit uns Weihnachten in Bequia und Silvester in den Tobago Cays gefeiert, Carriacou und Sandy Island für uns entdeckt, wir haben gemeinsam das unbewohnte Eiland Mopion erobert und sind über St. Vincent und Saint Lucia nach Martinique gesegelt. Und von hier fliegt er heute wieder nach Hamburg. Was für eine wunderschöne Zeit, auch und gerade weil wir sie gemeinsam verbringen durften.

Aber entsprechend seiner Bordfunktion auf der Flora als Leitender technischer Offizier (LI, bzw. international eben „Chief“) hat sich Jan eben auch um alles Technische an Bord gekümmert. Zwar ist auf der Atlantiküberquerung tatsächlich original NICHTS (0,0) kaputt gegangen, aber insgesamt war hier in der Karibik trotzdem immer mal wieder was zu tun.

Mal Kleinkram wie unsere wegnehmbare Cockpitbeleuchtung Loominoodle löten,
mal die wegen Herausbrechens der vom Vorbesitzer verwendeten Holzschrauben komplett verbogene Klappmechanik der Dinghyräder richten und mit dem Spiegel verbolzen,
mal das Manometer unseres Watermakers ersetzen (das Ersatzteil hatte ich schon seit Griechenland spazieren gefahren),
oder z.B. mal das Getriebeöl wechseln. Da musste dann auch der McGyver im Chief mal wieder ran, denn die Klemmmechanik im Filterdeckel wollte nicht ganz so, wie der Konstrukteur sich das wohl mal gedacht hatte. Und obwohl unser bordeigener Schraubstock bei der Reparatur der Dinghyradaufhängung das Zeitliche gesegnet hatte – Jan hat’s natürlich hingekriegt.

Selbstverständlich war da noch mehr (heute z.B. die Demontage und Neuabdichtung der etwas leckenden Backbordmittelklampe), aber wenn ich gerade Handlangerdienste mache und im technischen Lernmodus bin, kann ich nicht immer auch noch fotografieren.

Trotz der ganzen Einsätze hat der Chief manchmal auch so ausgesehen:

Ganz nebenbei ist der Chief in Personalunion auch Bordkameramann und Drohnenkapitän, Editor und Regisseur. Deshalb hier noch zwei seiner Filme 🎥:

Atlantiküberquerung
Tobago Cays

Danke, Chief. Schön, dass Du mit Catalina im Mai wieder an Bord bist.

Leinengetüdel und Segelgeraffel? Passatsegel II

Warnhinweis für Nichtsegler und Noch-Nicht-Segler: Mal wieder ein SEHR technischer Beitrag. Ich hoffe, die Bilder machen es etwas klarer. Ansonsten: lasst Euch nicht abschrecken! Vor dem Wind segelt eigentlich auch ein Ballen Stroh! Schlimmstenfalls: diesen Beitrag ausnahmsweise einfach „nicht mal ignorieren“ ! 😉

Vor unserer Langfahrt haben wir uns viele Gedanken gemacht, welche Besegelung in den Passatwindzonen wir für unser Boot vorsehen (dazu hatte ich hier schon etwas geschrieben). Vorhanden waren Großsegel, Fock, (135%-)Genua und Rollgennaker. Wir haben uns letztendlich gegen ein spezielles Passatsegel (oder auch einen Blue-Water-Runner oder einen Parasailor) und für einen modifizierten Code0 zur Ergänzung der Segelgarderobe entschieden. Modifiziert insoweit, als wir mit dem Segelmacher den voraussichtlichen Einsatzzweck als ausgebaumtes Vormwindsegel und nur in zweiter Linie als Leichtwind-Amwindsegel besprochen haben. Das Schothorn ist deshalb etwas höher geschnitten, als Segeltuch haben wir statt Code0-Laminat ein schweres Spinnakertuch (MPEX 300, 130 gr/qm) gewählt. Unser Code0 ist mit einem Antitorsionskabel im Vorliek auf einer Rollanlage mit Endlosleine montiert, hinten am Cockpit läuft die Endlosleine durch einen Doppelblock mit Klemmen. Im Längssack an der Reling angeschlagen, ist der Code0 schnell gesetzt oder geborgen und verstaut. Mit dem Segel waren wir schon vor der Passatzone hochzufrieden, es hat sich bereits im Mittelmeer bei leichteren Winden als echter Allrounder und Schwachwindturbo erwiesen und lässt sich selbst bei stärkerem Wind noch gut von Hand einrollen. Auf Teneriffa haben wir im Schothornbereich noch Klettstreifen nachrüsten lassen, die ein unbeabsichtigtes Ausrollen verhindern.

Code0 als normales Leichtwindsegel, nicht ausgebaumt, dafür mit Barberholer auf der Schot als zusätzliche Trimmmöglichkeit. Vorne sieht man den Längssack des Code0 an der Reling. Wir können das Segel in ihm verstauen und dabei die Endlosleine angeschlagen lassen.

Und wie hat sich das Segel nun im Passat der Atlantiküberquerung geschlagen?
Zunächst einmal: es kam weniger zum Einsatz als erwartet, wir sind mehr „Schmetterling“ gefahren als erwartet. Das lag daran, dass der Passatwind bei unserer Überfahrt Mitte Dezember 2019 ziemlich stark blies. In der ersten Woche von Mindelo auf den Kapverden aus hatten wir praktisch durchgehend sechs bis sieben Windstärken, selten auch mal Böen die untere acht Windstärken erreichten. Eher nicht das perfekte Einsatzgebiet für ein 80 qm großes Segel. Wenn aber der wahre Wind unter 20 kn fiel konnte es seine Stärken voll ausspielen, vor allem, weil das Umstellen der Besegelung so einfach war, denn der Code0 ist auf der Gennakernase angeschlagen und blieb aufgerollt auch bei Nichtbenutzung stehen.

„Schmetterling“ mit gerefftem Groß und ausgebaumter Fock. In der Mitte kann man den aufgerollten Code0 erkennen.

Wie ist nun unser Setup insgesamt?

Wir haben auf der Passage beide Spibäume permanent ausgestellt geriggt. Jeder ist zur Spibaumnock hin mit Topnant, vorderem Niederholer zur Vorschiffsklampe und achterem Niederholer zur Mittelklampe gesichert. Da wir nur einen echten Topnant haben, dient beim Backbordspibaum das Ersatzgenuafall als Topnant. Auf eine Ausführung der Topnanten als Hahnepot haben wir verzichtet, wichtig ist nur, sie zur Baumnock und nicht etwa zu einem mittiger auf dem Spibaum angeschlagenen Haltebügel zu führen, weil sonst erhebliche Biegekräfte auf den Spibaum wirken. Die Backbord-Spischot ist durch die Spibaumnock zum Schothorn des Code0 geführt. Entsprechend läuft die Steuerbord-Spischot durch die Spibaumnock des Steuerbord-Spibaumes zum Schothorn der Fock.

Steuerbordseite auf der Atlantiküberquerung
Im Vordergrund die Furlex-Rollanlage mit der Fock, dahinter unsere Code0-Endlosleinerollanlage (Bartels IV)
Seldén-Doppelblock mit Klemmen, auf der Fußreling hinten beim Cockpit angeschlagen
Die beiden Spibäume laufen auf derselben Schiene am Mast, sie sind mit einem Dyneema-Tauwerkschäkel miteinander verbunden. Der Kohlefaserbaum wird bei Nichtbenutzung am Mast hochgezogen und befestigt, der Alu-Teleskopbaum wird dann in einer speziellen Relingshalterung gefahren. Natürlich kann der Kohlefaserbaum auch einzeln gefahren werden.

Die normalen Fockschoten bleiben ebenfalls angeschlagen. Das hat gleich mehrere Vorteile: zum einen kann so sehr leicht die Spischot auf Schamfil-Stellen (insbesondere dort, wo sie in der Spibaumnock liegt) kontrolliert werden, indem die normale Fockschot dichtgeholt und die Spischot lose gegeben wird. Zum zweiten wird dadurch ermöglicht, die Fock „ganz normal“ zu fahren, falls doch einmal höher als ca. 120 Grad zum Wind gesteuert werden muss. Bei uns war das z.B. am Anfang der Passage in den Turbulenzen hinter Santo Antão der Fall. Die Fock kann bei dieser Konfiguration sogar gewendet und normal an Backbord gefahren werden. Im Prinzip hat die Fock ansonsten fast die ganze Passage über an Steuerbord ausgebaumt gestanden, wobei wir sie dabei zweimal etwas eingerefft hatten.

Bei Winden über 20 kn (TWS) fahren wir dazu das Großsegel (Schmetterling, also auf der gegenüberliegenden Seite zur Fock), bei mehr Wind reffen wir dann das Groß entsprechend ein. Der Bullenstander zur Sicherung des Großbaumes ist auf der Passage permanent an der Großbaumnock angeschlagen und außen zur Bugklampe und dann dort hindurch zurück auf die Backbord-Spinnakerwinsch im Cockpit geführt. Er lässt sich also vom Cockpit aus fieren oder dichtholen.

Bei wahrem Wind unter 20 kn rollen wir an Backbord zusätzlich den Code0 aus und nehmen dafür das Großsegel weg. Der Vorteil liegt nicht nur in der größeren Segelfläche des Code0 gegenüber dem Großsegel, sondern vor allem in einem etwas verminderten Rollen des Bootes und einem geringeren Arbeitspensum (und damit auch Stromverbrauch) unseres elektrischen Autopiloten.

Sind wir mit dem Setup zufrieden? Ja, sehr sogar. Es hört sich etwas kompliziert an und sieht mit den vielen geriggten Leinen auch erstmal so aus, ist aber extrem einfach zu bedienen und variabel in den Möglichkeiten, sich an geänderte Windverhältnisse anzupassen. Dazu ist auf der Passage keine Turnerei auf dem Vorschiff erforderlich, alles lässt sich sicher von hinten regeln. Gut war, dass wir statt der 135%-Genua die Arbeitsfock angeschlagen haben. Die Genua lässt sich mit ihrem niedrigen Schothorn nur schwer ausbaumen und hätte vermutlich ohnehin dauernd gerefft sein müssen. Der Größenunterschied zwischen Fock und Code0 bei gleichzeitiger Nutzung der beiden als Passatsegel hat nicht zu einer größeren „Unwucht“ mit spürbarem Effekt auf die Ruderlage geführt, aber vor dem Wind ist ja auch der Druckpunkt beider Segel nach vorn gerichtet und nahe am Bug, worauf wir auch die geringere Neigung zum Rollen zurückführen. Der Code0 hat sehr dabei geholfen, dem Atlantikschwell in leichtwindigeren Phasen genug Druck im Segel entgegenzusetzen.

Wäre ein extra Passatsegel nötig gewesen? Ganz klar nein, auch der Code0 nicht. Auch unter Schmetterling ließ sich das Boot im stärkeren wie im normalstarken Passat wunderbar fahren. Am Ende ist es immer die Frage, welchen der vielen möglichen Kompromisse man eingehen möchte. Wir sind aber trotzdem oder gerade deshalb sehr froh, dass wir uns für den Code0 entschieden haben, denn den setzen wir auch unabhängig von der langen Vormwindstrecke sehr gerne und sehr häufig ein. Ein gar nicht beabsichtigten „Nebeneffekt“ ist, dass wir unsere Fock sehr schätzen gelernt haben, die zuvor ein reines Reservistendasein geführt hatte. Die Genua war auf der Rollanlage angeschlagen und weil der Wechsel ja doch ein ziemlicher Aufwand ist, blieb sie es meist das ganze Jahr. Gerade wenn schon mehr Wind ist, möchte man nicht mehr wechseln, sondern fährt dann eben die Genua gerefft. Da steht allerdings die Fock besser und lässt das Boot auch mehr Höhe laufen. Der Nachteil der Fock bei wenig Wind und auf raumeren Kursen wird nach unserer Erfahrung mit dem leicht einsetzbaren Code0 deutlich überkompensiert.

😁
Die gelbgrünen Flecken auf dem Wasser an Steuerbord sind übrigens Sargassum.

Ins Klo gegriffen

Man kann unserer Johnson Elektrotoilette im Vorschiff ja eventuell zu Gute halten, dass sie so lange durchgehalten hat (wenn auch am Ende nur nach Ermuntertung durch leichte Schläge auf das Zerhackerpumpengehäuse), bis unsere Mitseglerin Maria nach vier schönen gemeinsamen Wochen wieder abgereist ist.

Jetzt allerdings hat sie den Geist komplett aufgegeben. Ich erspar Euch die Zwischendurch-Arbeitsbilder. Das schmutzige Ergebnis ist jedenfalls, dass die Pumpe vom Hersteller bestenfalls lausig abgedichtet war. Und damit SCHROTT!

Den Einbau einer hier in Arrecife zu erwerbenden manuellen Toilette haben wir länger erwogen, trotz des heutigen Nationalfeiertags sogar ein entsprechendes (offenes) Geschäft gefunden, aber trotzdem erstmal wieder verworfen. Die Verankerungsschrauben müssten neu gesetzt werden, wir kommen aber kaum an den schmalen Spalt, in dem die Kontermuttern unterzubringen wären. Grrrr.

Also erstmal einen Ersatzmotor für die Zerhackerpumpe bestellt. Zunächst muss die andere Toilette im Achterschiff genügen. Im Vorschiff bis dahin:

Nix mit Marbella, dafür Bootstüdelkram

Dienstag haben wir uns in die lange Reihe derer eingefunden, die Probleme mit dem Wiederbefüllen von Gasflaschen in fremden Ländern haben. Bei uns wird es zusätzlich noch dadurch verkompliziert, dass wir in Griechenland 🇬🇷 die an Bord befindliche unbekannte Flasche (entweder schwedisch 🇸🇪 oder bulgarisch 🇧🇬 ) nicht befüllen lassen konnten und deshalb eine neue griechische 11 kg Gasflasche gekauft haben (und noch eine zweite als Reserve). Angeschlossen haben wir sie aber über einen deutschen 🇩🇪 Gasdruckminderer, weil ich für den internationale Adapteranschlussstücke bekommen konnte. Natürlich den griechischen (der auch in Italien 🇮🇹 funktionieren soll), aber auch einen spanischen 🇪🇸 und einen portugiesischen 🇵🇹 (der übrigens wiederum dem schwedischen, also vielleicht der Ausgangsflasche entspricht). Zum Verständnis: die Adapter sind nur ein Notbehelf, mit ihnen soll man eine in dem jeweiligen Land erworbene Gasflasche an den deutschen Gasdruckminderer anschließen können. Und als Not-Not-Lösung haben wir zudem noch einen Adapter für die kleinen sauteuren blauen CampingGaz-Flaschen. Wir fühlten uns gut gewappnet. Zumal andere Segler berichtet hatten, dass das Befüllen ausländischer Flaschen zwar in England 🏴󠁧󠁢󠁥󠁮󠁧󠁿 und Frankreich 🇫🇷 quasi unmöglich sei, in Spanien dagegen kein großes Problem. Na ja, in Fuengirola aber leider doch.

Ich habe den Dienstag damit verbracht, die Stadt abzuklappern mit unserer (fast) leeren griechischen 11 kg Flasche auf unserem „Hackenporsche“, einer kleinen zusammenklappbaren Sackkarre. Gut, die erste Runde hätte ich mir schenken können, sie war allein schon wegen meines Timings zur Erfolglosigkeit verdammt. Irgendwann sollte ich mir merken, dass man tagsüber (am frühen Nachmittag) in Spanien nichts erledigt bekommt, weil die relevanten Läden dann eben meistens geschlossen sind.

Auf meiner zweiten Runde (nach 16:30) war die mir vom Hafenmeister empfohlene Ferreteria (Eisenwarenhandlung, manchmal auch eher schon Baumarkt) entgegen der Angaben auf ihrem Öffnungszeitenschild trotzdem zu und wirkte so, als sei sie das endgültig (keineswegs, wie wir am Mittwoch auf der dritten Runde erfuhren, allerdings konnten sie unsere Flasche ohnehin nicht befüllen). Die Repsol-Tankstelle hatte zwar 11 kg Gasflaschen, wollte sie aber nur tauschen, nicht verkaufen. Das wiederum würde nur die Zentralniederlassung am anderen Ende der Stadt machen. Also da hin. Nur um dort mitgeteilt zu bekommen, die Flaschen würden für unser System nicht passen, das müsste von einem Fachmann umgerüstet werden. Der optische Vergleich schien das zu bestätigen, die spanischen Flaschen haben anders als unsere kein integriertes Absperrventil.

Na gut, wir haben kein aktuelles Problem, die Flasche hat die ganze letzte Saison und die beiden zurückliegenden Monate gehalten, etwas ist noch drin und wir haben noch eine ganze Flasche in Reserve. Und der zwischenzeitlich befragte Gasflaschenlieferant (LKW auf der Straße getroffen und Fahrer befragt) sagt uns, die Flasche könne weder in Fuengirola noch in Málaga oder Marbella befüllt werden, das ginge nur in Algeciras. Praktisch, der Nachbarort von Gibraltar ist ja ohnehin unser nächstes Ziel.

Ein bisschen Google bringt auch Licht in die Absperrventil-Problematik. Auf womo-iberico ist sehr schön beschrieben, wo die Unterschiede liegen und welche Lösung es für den Anschluss der spanischen Gasflaschen gibt: einen einfachen Clip-on für 10-15 Euro.

Lernkurve! 🤨

Das erste an Bord der Flora selbstgebackene Brot hebt die Stimmung am Abend.

Wie schon angedeutet, sind wir Mittwoch dann doch nicht nach Marbella gefahren, obwohl es eine gute Busverbindung gibt. Aber Wiebke schnüffelt etwas und Klimaanlagen (wie in den Bussen) sind dann nicht so angesagt. Das gibt uns die Gelegenheit, die Gasflaschenproblematik weiter zu verfolgen (siehe oben), etwas einzukaufen und bisher aufgeschobenen Bootstüdelkram anzugehen, etwa den Außenborder mit Frischwasser zu spülen, damit sich nicht zuviel Salz in den Kühlwasserkanälen festsetzt:

Oder das Dinghy vom gesammelten Sand (auch unter den Bodenbrettern) befreien, also Luft ablassen, spülen, wieder aufpumpen. Doof allerdings, wenn dabei die Pumpe den Geist aufgibt. Aber mit etwas Ducktape und der eigentlich unpassenden SUP-Pumpe lässt sich auch hier ein Workaround finden 😉.

Außerdem nutzt das gescholtene Fuengirola die Zeit um bei uns Punkte zu machen. Wie unsere Segelfreunde Doris und Christian auf ihrem schönen Blog Dancingpearl so treffend geschrieben haben, lohnt sich ein zweiter Blick.

Wir finden auch in Fuengirola ein paar nette Ecken und genießen außerdem in einem schönen Chiringuito (Urform des Beachclubs/Strandrestaurants) superleckere am offenen Holzfeuer gegrillte Sardinen.

Und jetzt geht’s auf nach Gibraltar 🇬🇮.

Wieder komplett

Dienstagabend haben uns Eike und seine Kollegin Lara besucht, wir hatten einen sehr schönen Abend bei uns an Bord.

Noch dazu hatte Eike unter anderem unsere neue Lichtmaschine im Gepäck hergeschleppt und deshalb wurde es auch ein sehr schöner Mittwochmorgen. Der Mechaniker erschien, hatte unseren Regler und nicht mehr reparable Lichtmaschine dabei, baute den Regler und die neue LiMa ein und siehe da: unser Bootsmotor kann wieder die Batterien laden. 😀

Wir waren glücklich und haben das am Abend ausgiebig auf einem Zug durch Alicantes Altstadt mit Tinto de Verano hier, Vermouth dort und abschließend einem weiteren Besuch in einer Arrocería (also einem Reis-Restaurant) mit Rotwein gefeiert. Wie der Name andeutet, gab es auch ein wenig Schinken 😊.

Heute morgen haben wir das gute Hafen-WLAN genutzt, um mit dem LiMa-Lieferanten per Computer-Fernwartung (TeamViewer) die Einstellungen des Mastervolt-Reglers für die LiMa anzupassen. Und das war gut so. Es stellte sich nämlich heraus, dass die LiMa doch noch nicht komplett angeschlossen war. Zwar lieferte sie Strom, aber noch nicht alle zur optimalen Steuerung nötigen Informationen. Also durfte ich ein weiteres Kabel aus den Tiefen des Kabelbaums pulen („ein weißes Kabel suchen“), auch das noch mit dem Regler verbinden und siehe da: jetzt wird nicht nur die Temperatur sondern auch die Drehzahl der LiMa an den Regler gemeldet und die entsprechenden Grenzen konnten eingestellt werden. Das sollte hoffentlich der neuen LiMa ein längeres Leben bescheren 🤞.

Im Augenblick darf sie sich aber noch ausruhen, wir haben bei schönen Segelwind das Cabo de Santa Pola schon passiert und laufen am Wind in Richtung Mar Menor.

Arbeiten, spielen und genießen auf Ibiza und Formentera

In Can Pastilla ist Jan zugestiegen, der Chief (Chefingenieur) ist an Bord. Auftragsgemäß hat er neue Umlenkrollen für unseren Großsegelausholer im Gepäck. Die vordere Rolle (am Lümmelbeschlag) ist gebrochen, die hintere (an der Baumnock) eiert ziemlich. Der Austausch ist insofern etwas tricky, als die Aluminiumachse, auf der die Rollen jeweils sitzen, durch Plastikschraube gesichert werden, die mit einem viertelzölligen Imbusschlüssel geöffnet werden muss. Vielen Dank an Seldén dafür, wir haben ja ansonsten nur metrisches Werkzeug an Bord. Aber der Chief ist natürlich bestens vorbereitet und bringt den passenden Schlüssel mit 😀.

Und so geht’s schon am späten Samstag Abend los zu einem weiteren herrlichen Nachttörn, diesmal hinüber nach Ibiza. Zu dritt an Bord ist es natürlich noch entspannter hinsichtlich der nächtlichen Wachen.

Wir haben uns die Cala Blanca am Nordostende Ibizas als ersten Stop ausgesucht. Selbst in der Hochsaison findet man hier schöne Plätze über Sand, auch weiter draußen noch mit guter Wassertiefe, das Ankern ist kein Problem.

Tagsüber muss man damit leben, dass die vielen Wasserspielzeuge wie Jetskis und ähnliches natürlich auch genutzt werden wollen, aber abends herrscht dann sowieso wieder Ruhe. Wir schließen uns einfach an und frönen ebenfalls unserem Spieltrieb: ja, vom Dinghy gezogen kann man auf unserem SUP „Wasserski“ laufen:

An der Westküste Ibizas entlang fahren wir dann hinunter und genießen die wilden Steinformationen.

Ist das jetzt eigentlich ein bis zum Bauch im Wasser stehender Elefant oder ein kniender Gorilla, der mit dem linken Arm im Schlamm wühlt? Oder ganz was anderes?

Bei Sant Antoni ankern wir in der Cala Port des Torrent und Catalina steigt zu. Zu viert geht es weiter ums Eck in die Cala Comta mit ihren Strandbars und dem herrlichen Sonnenuntergangsblick, für den sich auf Ibiza so viele Orte rühmen. Das muss festgehalten werden 😉, gleich vierfach bei uns und ebenso auf allen Booten um uns herum:

Ist aber auch einfach schön.

Leider beutelt uns der Schwell in dieser Nacht doch ziemlich und so gehen wir früh ankerauf und segeln bei herrlichem Wind hinüber nach Formentera, Ibizas kleiner Schwesterinsel. Auch hier ist der Ankerplatz zwar gut gefüllt (wir haben uns wegen des für die Nacht vorhergesagten starken Ostwindes für die Cala Sahona entschieden), aber wir finden völlig unproblematisch einen guten Platz über Sandgrund (mit Rochen, wie ich beim Abschnorcheln des Ankers feststellen durfte) auf 8 m Wassertiefe.

Nach unserer abendlichen guten Tat (wir befreien schnorchelnd und mit Dinghy-Zugkraft den unter einem einsamen Felsen verkanteten Anker unseres Motorboot-Nachbarliegers) belohnen wir uns mit einem Drink in der Lounge des Hotels und einem Abendessen in einem der Strandrestaurants.

Leider ist das für Jan schon wieder das Abschiedsessen, heute morgen haben wir ihn zur Fähre nach Puerto de la Savina gebracht.

Ein langer Weg. Oder zwei oder drei …

Unser Windgenerator hat uns ja bisher nicht so richtig Freude bereitet. Die Montage im April war vom ihn auch installierenden Verkäufer auf zwei Tage veranschlagt worden, aber tatsächlich erst am allerletzten Tag unseres zweiwöchigen Urlaubs fertig. Leider war da kein Wind, wir konnten ihn nicht testen. Vor dem Start zu unserer Langfahrt lief er, brachte aber nicht viel Ertrag, was der Verkäufer (und wir mit ihm) auf den wenigen Wind schoben. Aber auf der Überfahrt nach Italien hatten wir reichlich Wind und bei 20 kn Wind trotzdem nur 0,5 bis 1 Amp Ertrag, viel zu wenig.

In Catania fand der in Absprache mit dem Verkäufer beauftragte Elektriker dann heraus: es ist die 24 Volt-Version montiert, nicht die vom Verkäufer angegebene 12 Volt-Version. Dumm gelaufen. Mario (der Verkäufer) war angemessen geknickt und brachte dann den zur Umrüstung notwendigen Austauschgenerator auf den Weg.

Und zwar nach Palermo in die leider etwas abgelegene und ziemlich teure Marina Villa Igiea, weshalb wir dort eine Liegeplatzreservierung vornehmen mussten. Den Austauschgenerator konnten wir dort zum Glück entgegennehmen, obwohl als Empfänger nur die Marina und nicht unser Boot oder wir vermerkt waren. Das hätte leicht zur Verweigerung der Annahme und damit Zurücksendung führen können, aber … Pffff, es hat geklappt. Allerdings nicht mit der Montage vor Ort, Mario hat sich zwar bemüht, aber keinen englischsprachigen Monteur vor Ort in Palermo organisieren können. Und auch wir waren – gemeinsam mit dem Hafenbüro – insoweit nicht erfolgreicher.

ABER: in Cagliari konnte mir der Hafenmeister einen mit Silentwind-Generatoren vertrauten Monteur der Firma mit dem schönen Namen „Creative Yachting Solutions“ vermitteln, der für den folgenden Tag um 16.00 einen Termin machte, um 15.40 da war, den Windgenerator abbaute und um 17:50 mit dem inzwischen ausgetauschten Ersatzteil wieder montierte.

Er läuft! Und er produziert endlich auch Strom, wir haben sogar schon einmal eine 11 bei der aktuell erzielten Ampere-Ausbeute gesehen.

Da konnte ich nicht zurückstehen. Die zweite schon länger bestehende Baustelle war die nicht funktionierende externe Antenne unseres Iridium-Go. Über dieses Gerät können wir auch auf hoher See (also ohne Handy-Empfang) per Iridiumsatelliten-Verbindung telefonieren sowie SMS und sogar E-Mail senden und empfangen. Letztere dürfen allerdings nur minikleine Anhänge im Kilobite-Bereich haben. Das reicht aber für komprimierte Wetterberichte über sogenannte GRIBfiles. Außerdem senden wir über dieses Gerät unterwegs stündlich unsere Position, so dass Ihr über Noforeignland sehen könnt, wo wir sind. Blöd nur, dass wir dafür bisher das Gerät ins Cockpit legen mussten, weil eben die extra montierte externe Antenne oberhalb der halbkardanisch aufgehängten Radarantenne nicht funktionierte.

Der Verdacht auf selbstverursachtes Elend lag nahe, schließlich hatte ich das das dafür von mir verlegte RG58-Kabel selbst mit TNC-Steckern an den Kabelenden versehen müssen. Das mangelhafte Ancrimpen der Stecker war die wahrscheinlichste Fehlerquelle. Nur – neue passende Stecker ließen sich nicht so leicht besorgen. Im Internet hatte ich welche bestellt, Emma und Emil hatten sie uns dann mitgebracht. Nur leider wurden entgegen der Verkaufsanzeige die „weiblichen“ Stecker geliefert, nicht die benötigten „männlichen“. Eine Lieferadresse hier haben wir nicht und derzeit wollen wir auch nicht so lange an einem Ort sein, dass sich mit dem Hafen etwas improvisieren ließe. In diversen Elektronikshops und bei Schiffsausrüstern bisher: Fehlanzeige.

Aber Creative Yachting Solutions hatte eine Adresse parat, leider am anderen Ende von Cagliari. Macht nichts, Wiebke fand heraus, dass es eine direkte Busverbindung gibt. Für 1,30 Euro sind wir gestern Abend noch dorthin gefahren (kleine Stadtrundfahrt inclusive) und haben die passenden Stecker tatsächlich bekommen. Zur Belohnung haben wir noch einmal einen wunderschönen Abend im Ausgehviertel von Cagliari verbracht.

Heute morgen durfte dann ich auf die (wieder beim Hafenmeister geborgte) Leiter. Kabel neu vercrimpt und … JA, DIE EXTERNE ANENNE FUNKTIONIERT!

Und der dritte lange Weg? Das ist wohl unser eigener, vom Urlaubsmodus in den Langfahrtmodus überzugehen. Ohne schlechtes Gewissen „Nichtstun“ zu genießen. Mal länger zu bleiben. Wir arbeiten noch dran. In Cagliari hätte es klappen können, die Stadt hat uns richtig gut gefallen. Allerdings wollen wir auf der Langfahrt eigentlich die teuren Marinas möglichst vermeiden und lieber ankern. Entscheidend war aber der Wind, wären wir nicht heute gefahren, hätten wir noch einige Tage mehr in der Marina bleiben müssen oder gegen fiese Winde gegenanbolzen. Da sind wir dann doch lieber heute weiter gesegelt in die wunderschöne Malfatano-Ankerbucht ganz im Süden Sardiniens.

Das obligatorische Sonnenuntergangsfoto erspare ich Euch, ich will Euch ja nicht langweilen.

Cagliari

Heute haben wir uns dann doch mal von unserem tollen Ankerplatz vor Villasimius gelöst

und sind rund 20 sm weiter nach Cagliari herrlich gesegelt.

In Cagliari haben wir einen Mechaniker aufgetan, der sich hoffentlich morgen um unseren Windgenerator kümmern wird.

Wir haben dann heute Abend einen ersten Gang in die Stadt gemacht und freuen uns. Zwar ist es von der Marina aus ein ganzes Stück zu gehen (insgesamt hatten wir heute knapp 14 km Fußmarsch auf der Uhr (bzw. auf dem iPhone), aber der größere Teil des Weges in die Innenstadt ist eine schöne Promenade am Wasser entlang.

Zur Belohnung gab’s erstmal ein wieder SUPER LECKERES Eis

und dann einen Aperitivo in einer der vielen tollen Locations der Altstadt, bei uns war es ein palmenbestandener abgestufter Platz mit einer wundervollen Atmosphäre. Belebt und trotzdem nicht hektisch, sondern sehr entspannt.

Lecker war es auch noch. Und die Stimmung setzte sich beim weiteren Spazieren durch die Stadt so fort. Cagliari hat uns spontan in seinen Bann gezogen.

Catania

Kontraste: Nach dem Blauwasser des letzten Posts folgte die Großstadt. Catania, 400.000 Einwohner und die zweitgrößte Stadt Siziliens. Statt des offenen und rolligen Ankerplatzes vor dem Strand von Africo nun die (jedenfalls bei den herrschenden Winden) gut geschützte Marina Circulo Nautico NIC, die am Ende des betriebsamen großen Industrie- Fähr- und Fischerhafens liegt. Statt klarem Freiwasser undurchsichtige und mit Abfall durchsetze Stadthafenbrühe. Und auch Catania selbst ist voller Gegensätze. Einerseits voller Geschichte, mit noch sichtbaren Wurzeln aus der Antike, wie etwa den Resten des ehemals mit zu den größten im römischen Reich gehörenden Theater Anfiteatro Romano.

Gelegen zwischen vielen anderen deutlich neueren und doch historischen Bauten, im Stadtzentrum sind das praktisch fast alle Gebäude, Neubauten gibt es dort wenige. Aber selbst auf Prachtstraßen, wie der zum Theatro Massimo Bellini führenden Via Guiseppe Perrotta ist zu erkennen, dass Catanias Bauten eher einen leicht morbiden Charme ausstrahlen.

Uns gefällt die Stadt mit ihren freundlichen Bewohnern trotzdem. Wir fragen uns, ob bei einer Stadt, die auch die Tochter des Ätna genannt wird und die in ihrer Geschichte immer wieder von schlimmen Erdbeben und Vulkanausbrüchen gebeutelt oder gar zerstört wurde, die Einwohner der äußeren Pflege der Gebäude einfach weniger Aufmerksamkeit widmen. Wie die Häuser wohl innen aussehen? Jedenfalls tun sich immer wieder Blicke in Innenhöfe auf, die unser Interesse wecken. So wie hier

oder hier, im Garten der juristischen Fakultät der Universität:

Und auch die quirligen wirklich aktiven Märkte haben es uns angetan:

Ach ja, die Lebensmittel 😉: Wir müssen uns da wohl noch etwas umgewöhnen. Ob es der Wein ist, der im kleinen Alimentari genannten Lebensmittellädchen aus Fässern verkauft und in 2-Liter-PET-Wasserflaschen abgefüllt wird

oder – wiederum auf dem Markt – die reichlich angebotenen Schnecken 🐌, bitte genau hinsehen:

Von wegen genau hinsehen: Unseren neuen und in Griechenland vom Fachmann erworbenen und angebauten aber schwächelnden (fast keine Leistungsabgabe) Windgenerator haben wir hier übrigens trotz italienisch fachmännischer Hilfe nicht zur Arbeit überreden können, aber immerhin die Ursache entdeckt: es ist die 24 Volt, nicht die 12 Volt Version. Entsprechende Umrüstung soll jetzt in zwei Wochen in Palermo erfolgen.

Aber es gibt auch richtig Schönes zu vermelden: Nichte Emma und Neffe Emil sind wohlbehalten eingeflogen und verstärken bis Palermo unsere Crew. Heute sind wir noch einmal gemeinsam durch Catania gestreift und sind dann schön hinauf nach Taormina gekreuzt, wo wir jetzt vor Anker liegen.

Entsetzen und Erlösung

Die SY Samai hat neulich auf ihrem Blog geschrieben, man müsse

1. für eine Langfahrt ein festes Startdatum setzen und

2. sei man an diesem Datum nicht fertig.

Wir waren eigentlich der Auffassung, erstens mit unserem Abflug nach Griechenland den Starttermin gesetzt (und eingehalten) zu haben und zweitens im Rahmen des Möglichen (eine To-do-Liste wird es immer geben) uns selbst und auch Flora abfahrfertig zu haben – EIGENTLICH!

Am Montag, einen Tag vor unserem Startdatum, bekam ich dann von unserem Fernwarnsystem C-POD eine Mail: Batteriestatus-Warnung. Grrr. Also auf der C-Pod-Seite eingeloggt um nach den Details zu sehen:

Das führte zu einem ziemlichen Schrecken: im obersten Kasten steht bei „Externe Batterie“ die Angabe 1,0 V. Diese Angabe war bisher immer sehr präzise und wenn unsere schöne neue Lithium-Ionen-Batteriebank nur noch eine Spannung von 1 Volt aufweisen könnte, wäre sie wohl Schrott.

Also was tut der abwesende Eigner: erstmal alle erreichbaren Personen in der Nähe des Bootes wuschig machen und per Telefon SOFORT zum Boot beordern. Was dann zurückkommt, hört sich nach einer halben Entwarnung an, genaueres dann morgen vor Ort. Hm. Wir flogen trotzdem mit einem etwas flauen Gefühl hierher.

Hier in Griechenland angekommen, klärt es sich einigermaßen auf: Mihalis und Argiris haben wohl einen Verbraucher an Bord angelassen (welcher bleibt unklar), irgendein anderes Boot hat das Landstromkabel zweckentfremdet und nicht wieder angeschlossen, die Batterien wurden deshalb leergenuckelt (was man bei Lithiumbatterien sehr sehr lange nicht an der Spannung ablesen kann) und dann …

… hat das batterieeigene BMS (Batteriemanagement) bei knapp 80 % Entladung in den Sicherheitsmodus geschaltet und einfach nix mehr rausgelassen. Führte natürlich zu der Batteriestatuswarnung und der gemeinen Anzeige. Alles wieder gut 😊, Batterien sind wieder voll und haben ausweislich der (gespeicherten) Historie auch nicht gelitten. Puh.

Da konnten wir gestern Abend den Sonnenuntergang hier dann doch wirklich genießen.