Rainbow Reef, Nationalfeiertag, und Sonntagsausflug zu den Mantas von Rabi Island

Flora ankert immer noch in der Viani Bay hinter dem Rainbow Reef. Ein paar windarme Tage sind vorhergesagt, das passt perfekt. Gemeinsam mit der Crew der Lille Venn machen wir weitere Tauchgänge am Rainbow Reef und wir gehen außerdem auch gemeinsam auf dem Riff Schnorcheln. Dafür müssen wir zwar fast drei Meilen mit dem Dinghy durch die Bucht fahren, aber bei diesen perfekten Bedingungen lohnt sich das unbedingt. Die bunten Regenbogenfarben des Riffs zeigen sich schon in den Steinkorallen …

… erst recht aber in den vielen verschiedenen Weichkorallen, für die dieses Riff so bekannt ist:

An manchen Stellen sieht das Korallenriff aus wie das plüschige Fell eines Teddybären …,

… dann wieder scheint sich eine blumengeschmückte Felsbrücke durch das Blau des Meeres zu spannen:

Egal ob Tauchen oder Schnorcheln, wir sind schlicht begeistert.

Am Samstag werden wir schon wieder mit dem Dinghy der Lille Venn abgeholt, diesmal allerdings zu einem ganz anderen Anlass. Ralph‘s Kleidung lässt es wohl schon erahnen,

der Schweizer Nationalfeiertag am 01. August soll begangen werden. Feiern wollen wir bei bei der hiesigen Tauchschule „Dolphin Bay Divers“, denn deren Eigner Roland ist ebenfalls Schweizer. Er hat die Lille Venn und auch uns Nichtschweizer zum Grillen auf seine Terrasse eingeladen, herrlich mit Blick über die Bucht.

Den Sonntagsausflug machen wir dann mit der anderen Tauchschule der Viani Bay, der „Dive Academy“. Die bietet nämlich eine Tour hoch zur Insel Rabi an. Etwa 17 Seemeilen (über 30 km) einfache Strecke, mit dem offenen Tauchschulen-Langboot kann das ein ziemlicher Ritt sein. Zum Glück ist das Wasser zumindest auf der Hinfahrt spiegelglatt, mit 22 Knoten (40 km/h) brettern wir Richtung Rabi.

Rabi Island ist ein Kuriosum in Fiji, denn die Einwohner dieser Insel stammen aus dem Gebiet des heutigen Kiribati und wurden hierher umgesiedelt. Die Geschichte dahinter ist dramatisch. Auf dem etwa 6 Quadratkilometer kleinen gehobenen Atoll Banaba wird im Jahr 1900 ein riesiges Phosphatvorkommen entdeckt, denn ein großer Teil der Insel besteht aus versteinertem Guano (Vogelkot). Die Engländer besetzen das fast auf dem Äquator liegende Eiland, gliedern es in die Gilbert-Inseln (heute Teil Kiribatis) ein und schon im nächsten Jahr beginnt eine australische Firma (damals ebenfalls britisch) mit dem Phosphatabbau zur Düngemittelproduktion. Die Insel wird quasi ausgeschlachtet. Im zweiten Weltkrieg wird Banaba von Japan besetzt, viele Bewohner werden als Zwangsarbeiter deportiert, fast alle übrigen schlicht ermordet, bevor die Alliierten die Insel zurückerobern. Nach dem zweiten Weltkrieg verweigern die Briten den von den Japanern verschleppten Zwangsarbeitern die Rückkehr nach Banaba und siedeln sie stattdessen auf die etwa 2.000 km südöstlich liegende Insel Rabi um, die zum damals ebenfalls britischen Fiji gehört.

Der Grund für unsere Fahrt nach Rabi Island hat mit dieser höllisch anmutenden Geschichte zum Glück nichts zu tun. Ein klein bisschen diabolisch ist er dennoch: Große Mantas, auch „Teufelsrochen“ genannt, versammeln sich an der Südspitze von Rabi Island. Eine Besonderheit: während die meisten Mantas eine schwarze Oberseite und eine weiße Unterseite mit schwarzen, ganz individuellen Flecken haben, sind hier in größerer Zahl schwarze Mantas vertreten. Bei ihnen sind auch der Bauch sowie die Unterseiten der Flügel schwarz, die individuellen Flecken dann umgekehrt weiß.

Teufelsrochen heißen diese eleganten Tiere übrigens, weil ihre flossenartigen Loben vorne am Kopf ein wenig an Hörner erinnern. Tatsächlich aber sind sie keineswegs fest, sondern ausgesprochen flexibel. Oft rollen die Mantas sie wie zu einem Trichter ein, um mehr Plankton zum Mund zu führen. Die Loben scheinen aber auch zur Kommunikation zwischen den Mantas eingesetzt zu werden. Wir haben großes Glück und können bei zwei ausgiebigen Schnorchelgängen mit diversen Exemplaren schwimmen, wobei die größten etwa 5 Meter Flügelspannweite aufweisen.

Ein kleines Video davon:

In besserer Qualität findet Ihr mein Video hier: https://vimeo.com/1214936956

Obwohl die Rückfahrt leider etwas ruppiger ausfällt sind wir von diesem Sonntagsausflug mit tierischer Begegnung mal wieder ziemlich geflasht.

Bula im Paradise. Zur Südspitze von Taveuni und zur Viani Bay am Rainbow Reef

Das fängt schon mal gut an: bester Segelwind und fast direkt nach der Ausfahrt aus dem Atoll Vanua Balavu geht uns endlich wieder einmal ein kleiner Thunfisch an die Angel. In den Atollen fischen wir ja wegen der Ciguatera-Gefahr nicht und auf den Passagen war uns das Angelglück zuletzt nicht wirklich hold. Der Bonito beschert uns für die nächsten Tage schöne Filets. Poke-Bowls, Fisch-Tacos und orientalisch scharf angemacht mit Couscous-Salat zaubert Wiebke daraus.

Möglich wird das auch dadurch, dass wir in der an das Paradise-Resort an der Südspitze von Taveuni angeschlossenen kleinen Bäckerei Tomaten und sogar Paprika kaufen können. Und ja, ein Abendessen im Restaurant des Resorts ist bei unserem kurzen Aufenthalt dort sogar auch noch drin. Das Paradise ist extrem Segler-freundlich: wir dürfen unseren Müll dort entsorgen, könnten mit Kanistern am Dinghysteg Frischwasser nehmen und sind sogar eingeladen, den Pool zu benutzen. Im Gegenzug wird nur ein Besuch an der Bar oder im Restaurant erhofft. Die etwa zehn eigens für die Segelboote ausgelegten Moorings sind bei unserer Ankunft zwar alle schon belegt, aber mit das Boot der Tauchschule des Ressorts kommt zu uns heraus, begrüßt uns mit einem freundlichen „Bula“ und zeigt uns, wo wir am besten ankern können. Der Ankergrund ist allerdings schwierig: die Kette verknotet sich gleich in den Felsen. Also erst einmal Flossen an und Maske auf, den Anker auf 9 m Tiefe befreien und neu ankern (ich werde ihn allerdings am nächsten Morgen erneut freischnorcheln müssen). Dann aber gibts das verdiente Ankommensbierchen an der Bar bzw. auf der Schaukel im Restaurantgarten und ein nettes Abendessen mit anderen Seglern im Restaurant.

Am nächsten Morgen sieht das Wetter freundlicher aus, beim Gang zum Bäcker durch das liebevoll dekorierte Paradise machen machen wir nochmal Halt an der Schaukel.

Auf dem Weg zurück zum Boot gibt’s mit einem fröhlichen „Bula“ die nächste gastfreundliche Überraschung: für alle Bojen- und Ankerlieger hat das Resort eine Tüte mit frischen Zimtschnecken vorbereitet. Die sollen jetzt gerade ausgeliefert werden, aber da wir gerade an Land sind, bekommen wir die Flora-Tüte gleich in die Hand gedrückt:

Trotzdem geht’s für uns nach nur einer Übernachtung weiter, denn auf wir wollen mit Barbara und Ralph von der Lille Venn Ralphs Geburtstag feiern. Die Lille Venn kommt von Norden die Somosomo Strait herunter, wir überqueren sie von Süden her. Wir treffen uns in der Viani Bay, die durch das ihr vorgelagerte Rainbow-Riff gut geschützt ist.

Wunderbar: hier ankert gerade auch die Kavenga unserer amerikanischen Freunde Heather und Jim, die wir in British Columbia kennengelernt und seitdem unterwegs mehrfach wieder getroffen haben.

Ingo ist mit der Easy-One ebenfalls da, wir haben einen gemeinsamen Sundowner auf der Flora.

Und mit der Ville Venn Crew feiern wir nicht nur Ralphs Geburtstag, sondern verbringen auch sonst wieder eine richtig gute Zeit miteinander.

Das Rainbow-Reef bietet aber nicht nur dem Ankerplatz Schutz, es ist zudem einer der besten Tauchplätze in Fiji. Insbesondere ist dieses Riff bei Tauchern weltweit bekannt und trägt den Beinamen „Hauptstadt der Weichkorallen“. Die über 2.000 Meter tiefe Koro-See quetscht sich hier zwischen Fiji‘s zweitgrößter Insel Vanua Levu und der drittgrößten Taveuni hindurch, wobei der Meeresgrund an der beidseitig von Riffen begrenzten Engstelle auf nur etwa 100 m Wassertiefe ansteigt. Dadurch werden Nährstoffe in die oberen Wasserschichten gespült. Davon wiederum profitieren neben den Fischen auch die Blumentierchen, Hartkorallen aller Art, vor allem eben die hier so reichlich gedeihenden Weichkorallen.

Von meinen bisher vier Tauchgängen hier stehen zwei ganz besonders heraus. Zuerst der am „Little Cabbage Patch“ (übersetzt: Kleines Kohlfeld). Hier sind Turbinaria-Steinkorallen dominant. Sie bilden in mehreren Schichten breite, um einander verdrehte Platten, die sich wie die Blätter eines riesigen Unterwasserkohls stapeln. Taucht man darüber, ist es als ob man über ein eine untergetauchtes Kohlfeld fliegt. Oder – blumiger – über eine Landschaft wirbelnder Rosenblüten. Mit Fischen statt Bienen.

Lila-blaue Weichkorallen an einer Steilwand sind namensgebend für den Tauchplatz „Purple Wall“. Daran schiebt uns die Strömung bei diesem Drift-Dive allerdings vergleichsweise schnell vorbei, weil die Wand vertikal stärker als horizontal ausgedehnt scheint. Faszinierend ist es trotzdem.

Und sonst: neben der Korallenvielfalt begeistert auch der Fischreichtum. Und – endlich – entdecken wir auch wieder Nudibranchs. Diese Nacktkiemer sind zumeist ziemlich kleine Unterwasserschnecken, deren extreme Farb- und teilweise auch Formgebung Fressfeinde abschrecken soll.

Qilaqila #2: Fächerkorallen, Kayaktouren und Cathedral Cave

Qilaqila, Fiji’s Bay of Islands, bietet nicht nur traumhafte Ankerplätze, sondern schwelgt auch unter Wasser in Schönheit, farbenfroh und fischreich.

Neben diversen Hartkorallen sehen wir hier beim Schnorcheln seit längerem erstmals wieder Gorgonien. Diese Blumentiere sind Fächerkorallen. Sie bieten einen faszinierenden Anblick, vor allem wenn sie sich in der Strömung hin und her wiegen. Schnorcheln wie im Aquarium!

Gerade so eben über der Wasserlinie sind wir beim Kayakfahren oder mit dem SUP im Insellabyrinth. Kaum ein Lufthauch kräuselt das Wasser hier und auch die Wellen bleiben draußen. So macht das Spaß.

Halb unter, halb über Wasser befinden sich in den porösen Kalkstein-Koralleninseln mehrere Höhlen. Wir besuchen gleich drei davon.

Am meisten beeindruckt uns die „Cathedral Cave“. Die liegt allerdings ganz im Nordwesten von Qilaqila, wir wechseln den Ankerplatz.

Zur Cathedral Cave kurven wir dann mit dem Dinghy durch das Wirrwarr der hohen Felsen und legen Florecita direkt vor das „Schlüsselloch“, unser Eintrittstürchen in diese geräumig hohe und mit ihren Kalksteinsäulen und „Fenstern“ tatsächlich kathedralenartig wirkende Höhle.

Der neue Ankerplatz hier im Nordwesten des Vanua-Balavu-Atolls hat noch einen weiteren Vorteil: gleich um die Eckeliegt der NW-Pass von Vanua Balavu. Morgen früh im ersten Büchsenlicht wollen wir zur Passage Richtung Taveuni aufbrechen. Wenn wir früh losfahren, haben wir vielleicht eine Chance darauf, noch bei Tageslicht anzukommen.

Batavu Harbour: Korallen und Schnorcheln

So sehr uns der Wind- und Wellenschutz von Batavu Harbour auch gefällt, immer wieder mal stecken wir unsere Nasen doch heraus vor die Tür.

Gleich außerhalb der Einfahrt liegt nämlich eine kleine Insel. Bereits kurz nach Hochwasser zeigt sich ein schmaler Streifen, bei Ebbe ist das Eiland mit einem breiten Sandstrand hinüber nach Vanua Balavu verbunden. Hier am Strand können wir dann in gutem Wellenschutz unser Dinghy ankern und an dem die Insel umgebenden Korallenriff schnorcheln gehen.

Obwohl die Sichtverhältnisse unter Wasser eigentlich nicht ideal sind, zieht es uns doch mehrfach hier her. Der Grund: bei Niedrigwasser fällt ein großer Teil des Korallenriffs trocken.

Viele Rifffische sammeln sich dann am äußeren Saum des Riffs, also genau dort, wo wir Schnorcheln. Vielleicht kein ganz so klares Wasser, aber ansonsten: Aquarium!

Die bunten Kiemen der Weihnachtsbaumwürmer schauen in großer Vielzahl aus den Korallen hervor (und ziehen sich schnell zurück, wenn wir ihnen zu nahe kommen). Auch Seenadeln (enge Verwandte der Seepferdchen) sehen wir häufig:

Noch etwas anderes fällt häufig ins Auge, teils grüngelb, teils lila gefärbte etwa tellergroße Gebilde:

Obwohl sie optisch an eine weiche Pflanzenknospe erinnern, sind sie tierisch und sehr hart. Diese Pilzkorallen gehören tatsächlich zu den Steinkorallen, nur die Färbung erhalten sie durch symbiotisch mit ihnen zusammen lebende Algen.

Beim Schnorcheln hier am Riff bekomme ich auch erstmals einen Schwarm Großmaul-Makrelen (auch Indische Makrelen genannt) vor die Kamera. Die zumeist etwa 20 cm langen Fische ernähren sich hauptsächlich von Plankton und seihen nahe der Oberfläche mit weit aufgerissenem Maul in Schwärmen auch durch unsere Ankerbucht. Von oben erkennen wir aber zumeist nur das Glitzern der silbernen Köpfe.

Als Nesseltiere weit weniger beliebt, sind auch die blau- bis lilafarbenen Kranz- oder Kronenquallen hier derzeit ziemlich häufig:

Zum Glück müssen wir uns beim Schwimmen nicht großartig vor ihnen in Acht nehmen. Sie haben keine langen Nesselfäden und sind etwa so groß wie ein Medizinball, also ziemlich leicht zu erkennen. Zudem soll ihre Berührung beim Menschen wenn überhaupt dann nur eine kaum spürbare Reizung auslösen.

Wollen wir gar nicht ausprobieren. Lieber mit etwas Abstand ihre Schönheit und ihre durchaus anmutigen Bewegungen anschauen.

Susui

So klein die Insel Susui auch ist, sie weist doch ganz viele unterschiedliche Facetten auf. An unserem Ankerplatz vor dem Dorf ist vom Tiefwasser der Lagune einfach anzulaufen.

Ein weiterer Ankerplatz liegt zwischen Susui und der Nachbarinsel Namalata. Wir erkunden ihn nur mit dem Dinghy, denn die Zufahrt zu diesem verlockend seeartigen und fast rundum geschützten Ankerplatz ist deutlich kniffliger. Sie führt durch flaches Wasser, wir messen aber vom Dinghy aus mit dem Handlot immer mindestens 3,5 m Wassertiefe. Dabei muss allerdings Slalom um die verstreuten Korallenbommies gefahren werde. Immerhin wissen wir jetzt, machbar wäre es auch mit der Flora.

Das Dorf Susui liegt strategisch gut auf dem schmalen Istmus der gleichnamigen Insel, so haben die Dorfbewohner Zugang zur inneren Lagune und ebenso zum Außenriff. Ganz einfach ist dieser Zugang allerdings nicht, vor allem bei Niedrigwasser. Denn in diesem Bereich ist die Insel von einem Korallengürtel umgeben. Er ist dem Sandstrand mit etwas Abstand vorgelagert und fällt bei Ebbe in Teilen sogar trocken.

Bei Sturm bietet dieses Riff einen gewissen Schutz vor den sich aufbauenden Wellen, allerdings nur, wenn es nicht allzu schlimm wird. Beim Zyklon Wynston 2016 wurden in dem kleinen Ort 8 Häuser völlig zerstört, die Bewohner hatten aber in der aus Stein gebauten und etwas höher gelegenen Schule Zuflucht gesucht und blieben unversehrt.

Im Bereich vor der Schule finden wir beim Schnorcheln diverse Riesenmuscheln (Giant Clams). Sie werden über einen Meter groß. Beeindruckender als ihre schiere Größe sind aber ihre farbenprächtigen Mantellippen.

Auch sonst weiß das Schnorcheln auf dem Riff mit seiner bunten Korallen- und Fischviefalt zu begeistern.

Und selbst direkt an der Flora können wir die Wunder der Unterwasserwelt bestaunen: mehrere Großflossen-Riffkalmare scheinen Floras Ankerkette zu ihrem Spielplatz oder (wahrscheinlicher) als Jagdsitz für die unter unserem Boot Schutz suchenden kleinen Schwarmfische zu nutzen.

Als wir durch den schmalen Dinghypass hindurch zum Strand fahren, zeigen uns drei Kinder aus dem Dorf den nicht ganz einfach zu findenden Weg hinüber zum Strand auf der Außenriff-Seite.

Als Anführer fungiert Tui (8, der prestigeträchtige Name bedeutet übersetzt „König“ oder „Häuptling“), außerdem Josua (10) und Vinendra (7) weichen uns nicht mehr von der Seite, bis wir den Strandspaziergang beendet haben und wieder im Dorf angekommen sind. Tui lässt es sich auch nicht nehmen, zwischendurch auf eine Palme zu klettern und uns eine Trink-Kokosnuss zu pflücken, die er mangels Machete gleich am Strand auf einem Palmenstamm aufschlägt.

Kein Wunder, dass es uns hier so gut gefällt. Und doch: nach einer Woche beschließen wir, gemeinsam mit Lille Venn und My Motu zur andere Seite der Hauptinsel Vanua Balavu weiterzusegeln. Der Wetterbericht kündigt den Durchzug eines Troges an, da kann das Verholen an einen gegen Schwell noch besser beschützter Ankerplatz sicher nicht schaden.

Yagasa Levu, die Vogelinsel

Weißbauchtölpel

Wir laufen gemeinsam mit der Lille Venn unser drittes Atoll in der südlichen Lau-Gruppe von Fiji an. Das Riff von Yagasa ist (mit etwas Phantasie) ein bisschen wie ein Ypsilon geformt, mit einer breiten und sehr tiefen Einfahrt im Nordwesten.

Unser bisheriger Track durch die südliche Lau.Gruppe auf http://www.noforeignland.com

Der Ankerplatz liegt bei Südostwind in Lee der hoch aufragenden Steilküste von Yagasa Levu. Das schirmt uns gut vor dem derzeit kräftigen Passat ab.

Zugleich bringt es uns nahe an die von dichtem Grün bewachsene Felswand heran. Sowohl kahle Steinvorsprünge als auch die Äste der Bäume sind dicht besetzt mit brütenden Vögeln. Wir machen insbesondere Weißbauchtölpel und Rotfußtölpel aus, sehen aber im Flug zum Beispiel auch Tropikvögel und Fregattvögel.

Insbesondere die weißflauschigen Küken der ausgewachsen etwa gänsegroßen Tölpel setzen helle Tupfer in das dunkle Grün hinter unseren Booten.

Die Nester im Geäst scheinen zu den Rotfußtölpeln zu gehören.

Aber die sehen doch anders aus? Hier in der Lau-Gruppe sehen wir nur Rotfußtölpel mit hellem Gefieder (weiße Morphe), während wir auf der Fahrt von Panama nach Galapagos nur Rotfußtölpel mit dunkleren Gefieder (braune Morphe) als nächtliche blinde Passagiere an Bord hatten.

Die Weißbauchtölpel mit ihrem schokoladenbraunen Mantelgefieder und gelben Füßen dagegen bevorzugen aus wenigen Zweigen auf kahlem Fels errichtete Nistmulden. Die Küken werden dort von den Männchen (blaues Gesicht und hellblauer Schnabel) und den Weibchen gelbes Gesicht und gelber Schnabel) abwechselnd gefütterten betreut.

Und das Schnorcheln ist auch fein hier.

Fulaga: im Revier der Kalkstein-Pilze

Für ein paar Tage verholen wir die Flora auf einen Ankerplatz im Nordosten der Lagune. Hier findet sich eine von mehreren Ansammlungen kleiner Inselchen. Die meisten von ihnen sind an der Basis so stark erodiert, dass sich Durchbrüche und meterlange Überhänge gebildet haben, wodurch oft eine markante Pilzform entstanden ist.

Die Inselchen bestehen aus Korallenkalk, sind also ehemalige Bommies, die durch Landhebung über die Wasseroberfläche gedrückt wurden. Die Korallen können dort nicht überleben und sterben ab. Mit der Zeit siedeln sich oben auf dem porösen Kalkstein erste Pflanzen an, inzwischen wächst dort Buschwerk und sogar Palmen. Umgekehrt nagen unten an der Basis die durch die Tide wechselnden Wasserstände und unterspülen die Kalkinseln. So sind in den Flachwassergebieten am Rand der Lagune Märchen-Landschaften aus skurrilen Felsen-Pilzen mit grünen Mützen und Palmen wie Federschmuck entstanden.

Von unserem Ankerplatz aus lassen sie sich mit dem Kayak am besten erkunden, denn bei Ebbe – wenn sich die Pilzformen am intensivsten zeigen – ist es zwischen ihnen an vielen Stellen selbst mit dem Dinghy zu flach. (Für bessere Auflösung auf eines der Fotos klicken und durchblättern)

Tagelang haben wir diesen, bei Ost- und Nordostwinden hervorragend geschützten Ankerplatz ganz für uns, die anderen Boote ankern weiter im Südosten der Lagune an den Sandbänken.

Außer den Kayak-Ausflügen machen wir von hier aus auch mehrere Driftschnorchelgänge im nahe gelegenen Pass mit herrlicher Korallen-Vielfalt und Fisch-Reichtum.

Als der Wind wieder auf Südost zurück dreht und für die kommenden Tage auch stärker vorhergesagt wird, wechseln wir wieder zurück hinter die Sandbank.

Von hier sind dann auch der „Pools“ gut zu erreichen. Nicht, dass es bei dem wunderbar türkisen Wasser der Lagune wirklich noch einen Pool bräuchte, aber …

… nett sind diese sich bei Ebbe bildenden Privatbecken schon, zumal die auch hier unterspülten Korallenblöcke mit etwas Phantasie von Felsentieren bewacht werden.

Außerdem können wir den lokalen Fischern bei der Arbeit zusehen: Tui (der mit den zwei Fischen) erklärt uns bereitwillig, wie die Einheimischen bei Ebbe ihre Netze platzieren und die Fische dann dort hineintreiben.

Für die Locals ist Fisch aus der Lagune ein ganz wesentlicher Bestandteil ihrer Ernährung. Wir selbst angeln nicht in der Lagune, obwohl es hier angeblich keine Ciguatera geben soll.

Wir zehren aber lieber von Flora‘s noch ziemlich üppigen Vorräten.

Minerva II

Eine Woche sind wir jetzt im Minerva Riff. Gestern haben wir nochmal verholt, liegen jetzt ganz im Süden der Lagune. Simpler Grund: der Wind hat auf Süd gedreht.

Auf fast allen Booten gibt es nach der fordernden Passage etwas zu reparieren oder zumindest trockenzulegen. Am härtesten von den fünf Booten mit denen wir hier liegen hat es ein australisches Boot getroffen. Der Anker hat sich unterwegs gelöst, ist aus der Ankerrolle gesprungen und hat von außen ein Loch in den Rumpf geschlagen. Zum Glück auf Höhe des Ankerkastens, trotzdem ist durch Lücken im Schaumkern des Laminats Seewasser ins Schiff gelaufen (etwa 10 Liter pro Stunde).

Marc von der Quantum sammelt auf den anderen Booten kleine Schrauben und Muttern ein. Bis auf 2 haben sich alle 30 Nieten seiner Solarpanelbefestigung verabschiedet, da muss jetzt eine neue Lösung her.

Immerhin 8 passende Schrauben und Muttern finden sich in unserem Bestand, 3 bei der Scout, 6 hat Marc selbst und den Rest kann die Skylark beisteuern. Nieten hätten wir natürlich auch, aber denen traut Marc jetzt nicht mehr.

Die Stromversorgung unseres UKW-Funkgeräts ist zwar wiederhergestellt, aber etwas später erschreckt es uns mit einem Alarm. Die Funke erhält keine zuverlässige GPS-Position mehr. Scheint ein Problem mit einem defekten NMEA2000-Stecker zu sein. Blöderweise ein Stecker am Ende eines Kabels, das wir so nicht ohne weiteres ganz austauschen können. Also ist mal wieder etwas Improvisation gefragt. Zwischenstand dazu: scheint jetzt wieder zu funktionieren.

Außerdem wird gebacken, gestrickt, gebadet, geschnorchelt und das Wingfoil endlich mal wieder genutzt.

Vorgestern war Sundowner auf der Skylark:

Heute Abend hat Marc zum Spieleabend auf die Quantum geladen.

Langweilig wird uns nicht 😉.

Minerva. Innehalten im Auge des Ozeans. Was für ein Geschenk!

Dankbarkeit. Ehrfurcht. Glückseligkeit. Schwer in Worte zu fassen, was die ruhigen Tage hier im Minerva Riff uns so fühlen lassen.

Wir sind wie aus der Zeit gefallen, oder mehr noch: wie aus dem Raum, aus unserer an besonderen Orten ja schon nicht eben armen Welt. Hinein in diese Blase eines ganz eigenen Mikrokosmos.

Als stets präsentes Hintergrundgeräusch rauscht leise die Brandung auf dem Riff, sonst ist es einfach still. Der Wind hat deutlich abgeflaut. Keine Vögel, kein Zivilisationslärm, Allenfalls fährt ab und zu ein Dinghy vorbei oder eine befreundete Crew kommt auf einen Schnack herüber.

Denn ja, wir sind natürlich nicht alleine hier. Es ist Hauptsaison für den Schwarm der seglerischen Zugvögel nach Neuseeland. Das schmälert aber keineswegs das Gefühl, an einem einmaligen Ort sein zu dürfen. Eher im Gegenteil, diesen besonderen Ort gemeinsam mit Freunden erleben zu dürfen fühlt sich eher noch intensiver an, ein bisschen „wirklicher“.

Alle scheinen die „Pause“ bei wirklich idealen Bedingen hier auf Minerva zu genießen, ein Wetterfenster für die Weiterfahrt nach Neuseeland zeichnet sich nicht vor Mittwoch ab.

Mit Ralf und David von der Barbarella fahren Wiebke und ich zum Schnorcheln an den Pass. Spektaläre Drop-Offs machen deutlich, wie steil das Minerva-Riff aus der Tiefe des Pazifiks emporsteigt. Einmal mehr ändert sich die Fischwelt ein wenig, so sehen wir erstmals die weiß-gelb-schwarzen Diamant-Falterfische.

Am Nachmittag fahre ich dann mit Ralf, David, Phil und Jean-Luc hinüber ans Riff. Das Riffdach ist rund um Minerva ziemlich breit und bei Ebbe überwiegend gut begehbar. Es bietet gute Chancen, Lobster zu fangen, dieses Mal ist allerdings nur Jean-Luc erfolgreich, Phil fängt ein eiertragendes Weibchen, das er gleich wieder frei lässt (einer der Gründe, warum wir nicht mit Harpunen auf Lobsterfang gehen).

Abends dann Potluck auf der französischen Inajeen bei Soize und Ben gemeinsam mit den Crews der Naida, der Clair de Gouêt und der Skylark.

Heute gibt’s dann für Wiebke und mich Sonntags-Schnorcheln vom Feinsten. Nahe bei unserem Ankerplatz liegen im Flachwasser die Überreste des kleinen Stahlfrachters Commonderry der hier im Jahr 1969 und damit 83 Jahre nach seinem Stapellauf verunglückte. Wer sich für die wirklich ereignisreiche Geschichte der Commonderry interessiert, findet hier nähere Angaben.

Bug und Heck des auseinander gebrochenen Rumpfes liegen ein ganzes Stück voneinander entfernt. Bei unserem ersten Besuch finden wir nur den Bug, einige Metallteile davon ragen auch bei Hochwasser an die Oberfläche.

Spannend, dass nach so vielen Jahren doch noch Details der Schiffstechnik auf dem Vorschiff erkennbar sind, obwohl sich eben auch farbenfrohe Korallen angesiedelt haben.

Das kleine Wrackteil des Schiffsbugs beherbergt eher wenige Fische. Ganz anders ist das bei den anderen Überbleibseln der Commonderry, die wir am Nachmittag bei etwas niedrigerem Wasserstand näher am Riffdach ausfindig machen.

Vor allem Schwärme von Gelbstreifen-Meerbarben und auch viele große Harlekin-Süßlippen mit ihren auffälligen schwarz-weißen Punktmustern halten sich mit unzähligen anderen Meeresbewohnern im und am Wrack auf. Und sie sind wenig scheu, das macht diesen Schnorchelgang im sonnendurchfluteten, glasklaren und damit farbenfrohen Flachwasser regelrecht magisch für uns.

Das passt sich wunderbar ein in unsere Minerva-Stimmung.

Tonga: Ha‘apai und weitere Vorbereitung auf Neuseeland

Das Einchecken in die Ha‘apai-Gruppe erledigen wir im Hauptort Pangai auf der Insel Lifuka. Noch ein kurzer Spaziergang durch den etwas gesichtslosen Ort: mehrere kleine chinesische Lebensmittelläden, ein Markt, auf dem allerdings kaum etwas angeboten wird, die für Tonga so typischen freilaufenden Schweine, eine verfallende Hafenmole.

Es sind für uns nicht so sehr die Ortschaften, die Tongas Charme ausmachen. Also holen wir nach den Formalitäten und dem Spaziergang gleich wieder den Anker auf. Nur eine Insel weiter geht’s, nach Uolefa, quasi einen Steinwurf entfernt und doch auch gleich in eine andere (Gefühls-)Welt.

Palmen erheben sich über einen ewig langen Sandstrand, an den Seiten säumen zwei Riffe die Bucht. Sie bieten zusätzlichen Schutz vor dem hier scheinbar dauernd präsenten Pazifik-Schwell, der immer einen Weg um die Inseln herum zu finden scheint. Und sie laden mit vielfältiger Korallenwelt zum Schnorcheln ein. Ganz besonders gefallen uns die Harlekin-Feilenfische mit ihren orangenen Flecken auf blauem Grund, die wir hier erstmals sehen.

Schnorcheln kann aber andererseits durchaus Arbeit sein. Wir kratzen weiter an Floras Unterwasserschiff herum, insbesondere auch die Nischen sollen frei von Bewuchs und Pocken sein. Das ist zum Beispiel an den Borddurchlässen und am Ruder sowie dessen Beschlägen nicht ganz einfach. Mit allen möglichen improvisierten Werkzeugen versuchen wir die Ritzen und Spalten zu reinigen. Und es fällt leider auf, dass unser CopperCoat-Antifouling in den über 6 Jahren und über 40.000 Seemeilen doch gelitten hat. Wenn man genau hinschaut kann man allerdings auf dem Bild vom letzten echten Anschliff (vor 4 Jahren in den USA) schon ein paar Macken und Unebenheiten erkennen. Angeschliffen sieht man übrigens die Kupferfarbe, die im Salzwasser dann zum grünen Kupferoxid wird. Na gut, die Überarbeitung ist jetzt umso dringender fällig und steht in Neuseeland an.

Wir beantworten den Fragebogens des neuseeländischen MPI-Ministeriums (dem auch für Biosecurity zuständigen Ministry for Primary Industries) mit Fragen wie z.B.:

  • When were the internal pipework/strainers last treated or cleaned? (Please provide a date or indicate if never treated).

Für die Fragen zur Reinigung des Unterwasserschiffes fordert uns das MPI auf, „Evidence of the last hull cleaning“ auf einen vom MPI bereitgestellten Share-file-Link hochzuladen. Wir senden aktuelle Videos vom jetzt sauberen Unterwasserschiff, dabei fallen uns die Macken aber natürlich besonders unangenehm auf.

Überhaupt nimmt uns die Vorbereitung für die Passage zum Minerva-Riff und weiter nach Neuseeland doch ein bisschen mit. Wir vergleichen die Wettermodelle mehr als ohnehin üblich, versuchen herauszufinden, ob und eventuell für wie lange ein Stop auf Minerva möglich und empfehlenswert wäre. Windy und das Departure-Planning-Tool auf PredictWind laufen heiß. Die Wettersituation ist nicht ganz einfach und die Auswahl des möglichen Abfahrtstermins bereitet uns (wie den meisten anderen Seglern hier) durchaus Kopfzerbrechen.

Schöner Ausgleich: Wingfoilen. Vielleicht sind ja die dabei anfallenden Nasenspülungen verantwortlich, aber jedenfalls wird der Kopf wieder frei.

😊