Angekommen in Matthew Town, Bahamas

Was für eine wunderschöne Passage. Wir benötigen 43 Stunden für die 300 sm, sind also mit im Schnitt knapp 7 kn flott unterwegs (Strömung hilft und wir halten uns fein in ihrer Mitte).

So ist es ganz überwiegend reines Schmetterlingssegeln, zwei Halsen mit jeweiligem Umbauen des Spibaums auf die andere Seite, ansonsten trimmfreies Segeln.

In die beiden Sonnenuntergänge segeln wir auf unserem Westkurs genau hinein, was für Geschenke.

Tja, das Angeln. Mein Missgeschick hatte ich ja schon beschrieben, auf dem nächsten Foto sieht man die neue lange Sicherungsleine an der anderen Angel. Trotz vollem Einsatz gab es leider kein Angelglück, hier ziehe ich gerade einen großen Mahi-Mahi bis fast an das Boot, dann geht er leider doch noch vom Haken. Andrea auf der Easy-One hat aber mehr Erfolg, wir werden heute Abend zum Fisch-Festmal hinüberfahren.

Am Ankerplatz kommen wir um 5.00 Uhr morgens an, also unplanmäßig noch im Dunkeln. Eigentlich in den Bahamas ein No-Go, aber hier in Matthew Town auf Great Inagua ist es kein Problem. Bis direkt vor dem Ankerplatz ist es so tief, dass wir nicht einmal eine Anzeige auf dem Echolot haben, nur drei Striche – – -. Und dann sind es bis fast ans Ufer Tiefen um 5 m und Sandgrund. Die anderen Ankerlieger haben ihre Ankerlichter an und liegen wie an einer Perlenkette aufgereiht, wir legen uns einfach südlich daneben.

Jetzt erst einmal schlafen und morgens noch vor dem Einklarieren ein Sprung ins glasklare Nass. Unfassbar, von der Badeleiter aus können wir vor dem Schiff noch weit über 10 m Ankerkette sehen, außerdem den Schlagschatten unseres Schiffes auf dem Grund.

Wie geht’s weiter? Kaffee und dann die Behörden, noch vor dem Frühstück. Beim Dinghyfestmachen im kleinen Hafen treffe ich auf den Officer von der Immigration, er nimmt mich mit seinem Auto mit zum etwa einen Kilometer entfernten Büro. Noch ein paar Formulare mit den bereits online gemachten Angaben ausfüllen, das kenne ich ja bereits. Er hat die Stempel vergessen und schickt mich erstmal rüber zur Lady vom Zoll. Der Eingang ist am anderen Ende des gleichen Gebäudes gelegen, dazwischen liegt noch ein Weinhandel. Die Tür steht offen, eine Halle mit vielen Paketen, überwiegend Amazon. Dort hindurch und in der einen Ecke der Wellblechdachhalle ist ein klimatisiertes Büro abgeteilt. Die nette Dame schaut gerade Internetvideos, der Ton läuft auf voller Lautstärke weiter während jetzt im Vordergrund die Maske zur Bearbeitung meines Cruising Permits geöffnet ist. Aber die Bezahlung der 300 US$ dafür hatten wir online nicht mehr hinbekommen (weil das Angelmissgeschick dazwischen kam), danach hatten wir kein Netz mehr. Das Wifi hier bei Customs (Zoll) funktioniert seit gestern nicht mehr, aber das bei Immigration läuft. Also zurück. Dort ist noch zu, aber gerade kommt der Officer mit den Stempeln angebraust. Ach was WiFi, er füllt das eben schnell für mich aus. Nur die persönlichen Daten und die Kreditkarteninformationen soll ich dann doch selbst eintragen, an seinem Bürocomputer.

Der Mann ist echt entspannt, getreu dem gerahmten Wahlspruch mit dem kleinen Sprung in der Scheibe, der die Wand in seinem Büro ziert:

Wieder zu Customs, dort bekomme ich das Cruising Permit und (im Preis inbegriffen) die Angelerlaubnis für die Bahamas. Und – ganz wichtig: Die Lady ruft (am Sonntag) ihre Freundin bei der Telefongesellschaft „aliv“ an. Die muss zwar jetzt erst zur Kirche und danach das Sonntagsmahl vorbereiten, aber um 15.00 wird sie mir am Hafen einen kleinen Router mit Bahamas-SIM-Karte vorbeibringen. Der Router ist kostenlos, für die Karte muss ich das gewünschte Datenpaket auswählen und auf dem Handy der Zöllnerin eine Bestätigungs-SMS an ihre Freundin schicken. O.k.

Dann wieder zur Immigration, die gestempelten Pässe abholen. Und noch 40 Dollar bezahlen. Diese Gebühr ist vermutlich nicht legal, obwohl es eine offiziell gestempelte Quittung gibt. Andere Segler beschweren sich und der Officer erklärt (wenn ich ihn richtig verstehe), dass das Dienstauto geschrottet wurde und er seinen Privatwagen verwenden muss. Hm. Wie auch immer, keiner scheint die 40 Dollar zurückzubekommen und ich will unsere Pässe haben. Es bleibt ein Beigeschmack, wenn auch kein dramatischer. Selbst in den Cruising Guide hat es diese Gebühr schon geschafft, Ratschlag: bezahlen und sich bei der vorgesetzten Stelle in Nassau beschweren. Scheint nicht viel zu bringen, unser Revierführer ist schon ein paar Jahre alt 😉, die Kosten muss man beim Einklarieren auf Great Inagua wohl einfach mit einkalkulieren. Jedenfalls sind wir einklariert und dürfen jetzt bis zu drei Monate durch die Bahamas cruisen.

Dass dieser Text mit Bildern erscheint zeigt: die Übergabe des Routers mit SIM hat geklappt:

Karibische Farben. 😁

Auch an unserem Ankerplatz. Keines dieser Bilder ist bearbeitet. Durch die polarisierende Sonnenbrille fotografiert sieht es sogar noch etwas krasser aus:

Einklarieren in der Dominikanischen Republik

Im Vorfeld hat das Einklarieren hier in der Dominikanischen Republik bei uns ein paar Irritationen gesorgt. Wir informieren uns über die Formalitäten regelmäßig aus verschiedenen Quellen. Die jeweiligen Facebookgruppen für die Cruiser zu dem betreffenden Staat bieten gute Infos, aber insbesondere auch die Webseite „Noonsite“ schauen wir dazu immer an, sie fasst für die Segler viele relevante Informationen zusammen und wird ziemlich aktuell gehalten. Die für das Einklarieren wichtigen Infos sind etwa die möglichen „Ports of Entry“, also die Häfen, in denen man in einem Land überhaupt mit dem eigenen Boot einklarieren kann, Besonderheiten zum Prozedere (auch wegen COVID/Biosecurity) und auch Links etwa zu vorab online auszufüllenden Formularen.

Auf die Dominikanische Republik bezogen lesen wir auf Noonsite, dass wir in (Santa Barbara de) Samana einklarieren können, dass aber vorab online das „SailClear“-Verfahren online anzuwenden sei. Das scheitert allerdings, denn im SailClear-Onlineformular kann Samana nicht ausgewählt werden. Bei anderen Häfen in der Dominikanischen Republik mag das funktionieren oder sogar erforderlich sein, für Samana derzeit definitiv nicht.

Auf der Biosecurity-Seite von Noonsite zur DomRep wird außerdem darauf hingewiesen, dass Cruiser seit dem 1. Februar 2021 vor der Einreise ein Online-Formular zur Immigration ausfüllen müssen. Auch das scheitert bei uns im Laufe des Prozesses, diesmal ist es die Einreiseart, die nicht passt. Im Auswahlfenster können wir nur eine einzige Einreiseart ankreuzen. In der deutschen Version des Online-Formulars lautet sie „Antenne“. ???

Nach Umschalten auf die englische Version wird es etwas klarer, dort heißt es „Air Transport“. Trifft aber trotzdem nicht unsere Einreiseart mit dem eigenen Segelboot, also entweder falsche Angaben machen oder abbrechen. Grr.

Dramatisch ist das nicht, Freunde von uns wussten nichts von den Formularen, sind einfach hingefahren und berichten, dass das Einklarieren in Samana unproblematisch war. Gelbe Flagge setzen und abwarten. Dann kommt Luis vorbei und nimmt die Sache in die Hand. Ein COVID-Test ist übrigens nicht erforderlich (anders aber, wenn man in der hiesigen Marina de Puerto Bahía einklariert, dort wird ein Schnelltest gemacht).

Und tatsächlich, Luis kommt gleich nach dem Ankermanöver angebraust und erklärt uns das Prozedere. Eine Viertelstunde später ist er mit einem Vertreter der Armada zurück, der unser Ausklarierungspapier aus Puerto Rico bekommt und auf dessen Rückseite nochmal unsere Namen und Passnummern notiert. WICHTIGER HINWEIS: wer später in die USA oder z.B. zurück nach Puerto Rico möchte, sollte sich das Ausklarierungspapier vorher kopieren oder zumindest fotografieren. Mangels Ausreisestempel im Pass vermutet die USA sonst gerne, dass man gar nicht ausgereist ist und sich illegal länger als erlaubt im Land aufgehalten hat. Die Behördenkommunikation diesbezüglich funktioniert nicht immer.

Mit dem auch dolmetschenden Luis an der Seite geht’s für mich dann in seinem Boot an Land. Zur Immigration zuerst, aber der zuständige Officer ist gerade nicht da. Dann erstmal zur Port Authority und zum Zoll. Kostet 31 US$. Die Quittung, die Pässe und die Bootspapiere müssen kopiert werden. Ab zum Copyshop in der Stadt. Dann zurück zu Zoll/Port Authority. Dann (in diesem Fall) abschließend zur Immigration. Dort werden für zwei Personen bei 44Fuß Bootslänge nochmal 96 US$ fällig. Jetzt dürfen wir bis zu einem Monat im Land bleiben. Mit zusammen 127 US$ (etwa 105 €) nicht ganz billig, aber das wussten wir vorher. Dazu kommen nochmal 20 US$ für Luis plus evtl. Trinkgeld, was wir für seinen Service aber sehr angemessen finden, insbesondere weil unser Spanisch doch ziemlich rudimentär ist und für die Behördengänge nicht sehr gut taugt.

Nächster Schritt: SIM-Karte fürs Telefon besorgen, ein „Claro“-Shop ist direkt am Anleger. 5 Gigabite Datenvolumen für 240 Pesos (3,60 €). Günstig, aber nur fünf Tage gültig. Für den Anfang jedenfalls gut.

Noch Pesos am ATM Geldautomat nebenan ziehen und nicht darauf hereinfallen, dass der standardmäßig 500 Pesos als Auszahlungssumme angibt. Das sind nur 7,50 €, es wird aber 250 Pesos als Auslandsauszahlungsgebühr fällig. Wie auch bei der Höchstauszahlungssumme an diesem Geldautomaten von 10.000 Pesos 😉.

Und dann zurück aufs Boot, relaxen, den Blick auf die Hafenpromenade von Santa Barbara de Samana, die Fußgängerbrücke zur Insel Cayo Vigia und die vielen Palmen auf den Hügeln um den Ankerplatz auf uns wirken lassen, ein bisschen SUP fahren. Und dabei feststellen, dass nicht alle der vielen herumschwimmenden Plastikflaschen Müll sind: manche dienen auch als kaum erkennbare aber für die Schiffsschrauben umso gefährlichere Fischerbojen und sind mit Leinen an Lobsterpods oder Netzen verbunden.

Einklariert in Puerto Rico 🇵🇷

Um 10:30 gehen wir Anker auf, winken noch einmal Ute und Russ auf der Tairua und sagen Sint Maarten 🇸🇽 Good Bye. Wir wollen ein kleines Wetterfenster nutzen, das sich nur bis zum nächsten Morgen auftut. Danach soll sich das riesige Sturmtief bemerkbar machen, das sich derzeit über dem Nordatlantik austobt. Sebastian Wache von unserem deutschen Dienst Wetterwelt in Kiel berichtet von 15 hohen „signifikanten“ Wellen in diesem Tief, wobei einzelne Wellen gut die doppelte Höhe erreichen können. Das ist zwar weit weg, aber der Wetterdienst für die USVI (durch die wir hindurchfahren) hat eine explizite Warnung vor „hazardous wave conditions“ bis 20 Fuß Höhe (etwa 7 m) ab Samstag früh herausgegeben. Dann wollen wir bereits in Puerto Rico sein, allerdings dürfen wir auch nicht zu früh auf Culebra eintreffen, denn die Einfahrt in die geschützte Bucht dort führt gewunden und eng durch Riffe. Tageslicht ist angeraten. 127 Seemeilen liegen vor uns, das sollte passen und uns genug Gelegenheit geben, durch Tempoanpassungen pünktlich anzukommen. Für den Anfang ist eher wenig Wind vorausgesagt, aber wir werden positiv überrascht. Tatsächlich finden wir ideale Bedingungen für unseren Code0 und mit rund 5 kn plus unterstützendem Strom segeln wir ganz gemütlich über die ruhige See.

Als der Wind dann doch noch etwas nachlässt, nehmen wir den Motor dazu und nutzen das um auch den Wassermacher anzuwerfen. Der läuft zwar über die 12-Volt-Anlage, zieht aber etwa 38 Amp um 50 Liter Wasser zu machen.

Wir können diesen Teil der Passage sogar auf dem Vorschiff genießen, ein seltenes Privileg. Unterbrochen oder besser gesagt, getopt, von einem Angelerfolg. Eine schöne große King Mackarel geht an eine unserer beiden Schleppangeln. Drei Viertel von ihr bekomme ich auch an Bord, nur den Schwanz beißt am Ende noch eine große Golddorade ab. Gibt aber trotzdem noch genug Filets für drei Tage. Durch den abgebissenen Schwanz gibt’s allerdings etwas Blut aufs Teakdeck, da sind wir mit der sonst so hilfreichen Filetierungswanne aus der Backskiste einfach nicht schnell genug. 😔

Der Wind hat dann ein Einsehen, nimmt der Vorhersage entsprechend wieder zu und lässt uns unter Code0 in den Sonnenuntergang und die Vollmondnacht gleiten.

Beim ersten Wachwechsel um 22.00 rollen wir den Code0 dann aber weg, 8 Knoten über Grund sind einfach zu schnell für unsere geplante Ankunftszeit, wir wechseln auf die Fock und reffen sogar noch das Groß, damit passt es wieder. Tatsächlich erreichen wir kurz nach Sonnenaufgang die Ansteuerungstonne und laufen bei noch geringer Welle vom maximal einem Meter in Culebra ein.

Nach dem Aufklaren der Flora und Crêpes zum Frühstück steht das Einklarieren an. Zunächst versuchen wir uns über die CBP-Roam-App anzumelden, aber das stößt auf Schwierigkeiten. Wir haben noch keine Telefon-/Datenkarten, und die bisher so zuverlässige virtuelle SIM in Wiebkes GlocalMe scheint zu zicken, der letzte Bestätigungsschritt in CBP-Roam will nicht klappen. Laut Törnführer soll die Einklarierung bei der CBP (Customs and Border Patrol nahe am Dinghysteg erfolgen. Pustekuchen, da ist nichts. Ich werde zur Polizei verwiesen und von denen zum Flughafen. Das ist aber alle ganz gut fußläufig zu machen.

Am Flughafen residiert aber natürlich nicht nur die CBP (das hätte ich allein machen können) sondern die nimmt gleich auch die Aufgaben der Immigration wahr. Also einmal zurücklaufen, Wiebke mit dem Dinghy abholen und wieder zum Flughafen, denn die „Immigration“möchte uns beide sehen. Anfängerfehler! Die von uns vorab ausgefüllten Formulare CBP Form 1300 und CBP Form I-418 (gelten für die gesamten USA und auch USVI und Puerto Rico) soll ich aber schon mal da lassen, die Pässe mit den USA-Visa auch. Außerdem war ja vorher schon eine „Online Travel Declaration“ auszufüllen, die findet sich auf der Regierungs-Webseite für Puerto Rico. Das dabei hochzuladende Ergebnis unserer Covidtest kam rechtzeitig vor der Abreise in Sint Maarten per Email. Aus den Ankreuzmöglichkeiten der Travel Declaration ergibt sich übrigens, dass wir den Covidtest theoretisch auch in Puerto Rico machen könnten, dann allerdings bis zum Ergebnis in Quarantäne wären. Auf unsere Nachfrage sagt uns die CBP, ein Test wäre „wohl“ auch im kleinen Krankenhaus hier in Culebra möglich. Für Segler mit mehr als 72 Stunden Anreise (ab Test!) wäre das aber immerhin eine Möglichkeit.

Als wir auf der Suche nach einem WLAN zur Aktivierung unserer US-Telefonkarte im Ort sind, treffen wir die Crews der „Rive du Nord“ und der „Valentin“ wieder und schnacken kurz. Schön, da fühlt man sich doch gleich gut aufgenommen.

Im WLAN erfahren wir dann auch, dass die CBP-Roam-App sehr wohl funktioniert hat und uns der zuständige Officer per Videocall über die App und per Telefon vergeblich zu erreichen versucht hat. Deshalb teilt er uns per Email mit, dass wir unverzüglich zur CBP am Flughafen in Culebra zum Einchecken müssen. Gut, dass haben wir ja ohnehin gemacht ☺️.

Ein wenig Boatwork ist auch fällig, wieder mal meine Lieblingstätigkeit. Diesmal im achteten Bad. Aber es gibt eine tolle Kompensation.

Zum zweiten Filet vom selbstgefangenen Fisch (das erste ging gleich für Ceviche drauf) zaubert Wiebke an Bord heute Abend Pastinaken-Kartoffelstampf mit Lauch-Apfel-Beilage und Walnuss-Zitronen-Petersilien-Cremolata. Ein versöhnliches Hoch auch auf die Einkaufsmöglichkeiten auf der vorigen Insel in Sint Maarten.

Uns geht’s gut, schön jetzt hier in Puerto Rico zu sein.

Einklarieren in Sint Maarten

Es ist so eine herrliche Überfahrt. Den Gennaker schlagen wir schon am Ankerplatz an, motoren über das Flach vor der Crab Hill Bay im Südwesten Antiguas, nehmen das Groß raus und rollen den Gennaker aus. Erst noch langsam mit 4 kn, dann eher so um die 6 kn Fahrt durchs Wasser. Der Antillenstrom schiebt zusätzlich. Fein. So geht’s in die Nacht und so bleibt es auch bis wir um 4 Uhr nachts St. Barth(thelemy) querab haben. Wir sind zu schnell, im Dunkeln möchten wir nicht ankommen. Also wird der Gennaker weggerollt und mit jetzt wieder nur 4 bis 5 kn kommen wir kurz nach 7 Uhr bei Tageslicht in der Simpson Bay von Sint Maarten an.

Hinter Floras Heck geht über St. Barth die Sonne auf.

Flaggenwechsel. Die alte Gastlandsflagge von Antigua und Barbuda hat sichtbar ihre Schuldigkeit getan und es auch wirklich hinter sich.

Nur: erstmal geht ja nur die gelbe Quarantäneflagge unter der Steuerbordsaling hoch. Ich fahre mit dem Dinghy zum Einklarieren und nehme Ute von der gleichzeitig angekommenen Tairua mit.

Ursprünglich wollten wir ja auf die französische Seite der geteilten Insel. Dann aber hat Saint Martin vor ein paar Tagen einen verpflichtenden Covidtest eingeführt. Das hätte einigen Aufwand für uns bedeutet, denn auf Antigua hätten wir diesen Test nur im Krankenhaus in St. John’s machen können. Kosten: 200,- € pro Person, zudem nur mit Terminanmeldung eine Woche vorher. Inzwischen soll es auch eine Möglichkeit geben, die Testentnahme privat in Falmouth machen zu lassen, dann allerdings gegen zusätzliche weitere Gebühren. Zudem ist für die nächsten Tage eher Nordschwell angesagt, was eher für den südlichen Teil der Insel spricht.

Also haben wir unser Ziel einfach auf die (ehemals) holländische Seite der Insel verlegt. Zwar haben sich auch in Sint Maarten die Einreisebestimmungen gerade kürzlich verändert, aber ein COVID Test ist bei Eireise aus dem „Low-Risk-Land“ Antigua weiterhin nicht erforderlich. Die neuerdings notwendige „EHAS“-Selbstauskunft (Electronic Health Authorization System) stellt keine große Hürde dar und ist auf http://www.noonsite.com auch direkt verlinkt. Weitere elektronische Dokumente sind laut Noonsite nicht gefordert (was sich als nicht mehr richtig erweist). Ok, 30,- US$ pro Person sind im EHAS-Anmeldeverfahren für eine „COVID-Versicherung“ zu bezahlen, obwohl man unmittelbar vorher bestätigen musste, ausreichend umfangreich krankenversichert zu sein. Dafür kommt aber auch prompt eine vierseitige vorläufige „Authorization Pre Approved“ per Email zurück.

Sicherheitshalber setzen wir uns aber noch mit Kirk und Helen von der „Landscape“ in Verbindung, Salty Dawgs, die gerade letzte Woche nach Sint Maarten gegangen sind. Kirk berichtet, dass auf dem Tisch des Einklarierungsbüros ein handschriftlicher Zettel klebt, demzufolge man die letzte Clearance, Schiffspapiere, EHAS und Crewliste vorab an drei aufgeführte Email-Adressen senden muss. Auch wenn sich das auf keiner offiziellen Seite wiederfindet machen wir es sicherheitshalber.

Kirk hatte von einer der drei eine positive Rückmeldung erhalten. Das ist aber weder bei Ute noch bei mir der Fall. Eine Adresse existiert nicht mehr, von einer kommt eine automatisierte Mail zurück:

Thank you for contacting Collective Prevention Services (CPS). Please note that this inbox is primarily for the reporting of infectious diseases or for concerns related to vector control, youth health care and health promotion. NOTICE: If you need assistance with travel and the electronic health authorization system (EHAS) please visit: https://stmaartenentry.com/ or email: ehas@sintmaartengov.org

Nicht hilfreich, das hatten wir ja schon.

Die dritte Mailadresse seaborder.info@policesxm.sx meldet sich nicht (erhält aber wohl die Email).

Ok, immerhin haben wir alles getan, oder? Oder eben nicht. Im Bürogebäude der Clearance gibt’s eine kleine Schlange, der vor uns rauft sich die Haare. Drei weitere Formulare bekommen wir ausgehändigt, die müssen ausgefüllt und dann per Email an die drei schon geschilderten Adressen gesandt werden. Darunter (nochmal) die Crewliste und der schon aus Antigua bekannte offenbar für die Großschifffahrt gedachte „Annex 8, Model of Maritime Declaration of Health“, in dem unter anderem eine etwaige Übersterblichkeit/-krankheitsneigung gegenüber normalen Passagen sowie die Anzahl der Toten abgefragt wird. Der vor uns hat weder Handy noch Computer dabei und zieht ab.

Ich erkläre, dass wir ja gerade angekommen sind, uns mangels Einklarierung noch keine SIM-Karten kaufen konnten und ergo der Emailversand schwierig ist. Die nette Dame am Schalter erwidert, dass ich das doch im WLAN bei McDonalds machen könnte. Ja, so ist das in Covid-Zeiten sicher total sinnvoll. Normalerweise darf man sich ja auch vor Einklarierung nicht frei bewegen, aber wenn die Immigration uns expliziert dazu auffordert? Aber Ute findet ein freies WLAN vor Ort (wenn auch nicht von einer der Behörden) und so bekommen wir die Formulare versandt. In kleinen Häppchen, sonst ist die Mail zu groß. Und – ähh – die Pässe bitte auch noch fotografieren und einschicken. Und die erhaltene Bestätigung des EHAS. Machen wir doch alles gerne in einem unbekannten nicht offiziellen WLAN. Danach bitte die ganzen Unterlagen in Papierform am Schalter abgeben, aber erst nachdem die Kollegin den Eingang der Mails bestätigt hat.

Teilweises Happy End: Wiebke und ich sind einklariert, haben die Stempel im Pass und dürfen uns frei bewegen. Morgen wiederkommen müssen wir trotzdem, denn der Kollege von der SLAC (Simpson Bay Lagoon Authority) ist heute nicht da, da müssen wir morgen noch bezahlen.

Nachtrag: nachdem wir schon einklariert sind, kommt dann doch noch eine (positive) Antwort von der zweiten Email-Adresse.

Bei Ute und Russ hat eine offenbar verantwortliche Person die Mails noch nicht gesehen, das gesamte Einklarieren kann deshalb erst später (morgen?) passieren.

English Harbour mit der Drohne

English Harbour im Süden von Antigua ist einer der ikonischen Naturhäfen der Karibik. Sein hervorragender Schutz, auch als „Hurrican Hole“ in der Sommersaison, vor allem aber auch seine strategische Lage im Nordosten der Karibik machen ihn aus. Deshalb wählte ihn die englische Royal Navy als Seekriegshafen für die karibischen Operationen im 17. und 18. Jahrhundert und so erhielten die Buchten um den Ort Falmouth ihren Namen. Navy ist hier nicht mehr stationiert, aber die Sicherheit der Häfen zieht heute Yachten an, ebenso wie die Lage, die mit dem Nordostpassat im Rücken von hier aus quasi die gesamte Karibik erreichbar macht.

Was wir davon in COVID-Zeiten nutzen können bleibt abzuwarten, aber jedenfalls wäre es wohl seglerisch machbar.

Kleiner Nachteil: English Harbour ist zugleich Hauptort des Nelson’s Dockyard National Park, des größten Nationalparks von Antigua mit dem Unesco Weltkulturerbe „Nelson’s Dockyard“ mittendrin. Das selbst wäre wohl eher ein Vorteil, allerdings ist das Ein- oder Ausklarieren hier ist vor diesem Hintergrund automatisch mit besonderen (erhöhten) Gebühren verbunden.

Wunderschön ist es allerdings auch, insbesondere wenn wie jetzt nur vergleichsweise wenige Boote da sind und selbst der Ankerplatz der Freeman’s Bay gleich in der Einfahrt von English Harbour und unterhalb des oben auf der Klippe gelegenen historischen Aussichtspunkts Shirley Heights noch Platz genug bietet, um trotz der tückischen gegenläufigen Strömungen dem Nachbarlieger nicht zu nahe zu kommen. Die legendäre Sonntagsparty auf Shirley Heights mit Rumpunsch, Dark‘n Stormy (Rum mit Ginger Ale), Barbecue und Steeldrum Band findet derzeit covidbedingt allerdings nicht statt, auch wenn Bars und Restaurants hier sonst vor dem Hintergrund der guten Zahlen (aktuell nur 8 aktive Fälle) weitgehend geöffnet sind.

Diverse Salty Dawg Schiffe haben sich hier eingefunden, einige wenige werden noch erwartet, die ersten sind schon wieder zur Weiterreise aufgebrochen. Tatsächlich wäre es ohne die Salty Dawg noch immer extrem leer hier.

Wir werden wohl noch etwas bleiben, der Spibaum soll am Dienstag aus der Reparatur zurück sein. Mal sehen.

Derweil darf die Drohne mal wieder ran. Nicht nur für die Fotos, ein kleines Drohnen-Video über den Hafen habe ich hier eingestellt.

Blödheitsgeständniss, Nachbetrachtung, Fotonachträge und Einklarieren in Antigua

Erst mal ganz herzlichen Dank für Eure Anteilnahme und Eure Glückwünsche, das hat uns mächtig gefreut.

Ganz ohne Zweifel waren die letztendlich 1.720 sm von Hampton VA 🇺🇸 nach English Harbour auf Antigua 🇦🇬 die bisher insgesamt anstrengendste Passage für uns. 10 Tage und zwei Stunden hat der Törn gedauert, davon lief 28 Stunden der Motor. Das war ganz überwiegend am Anfang, denn nachdem wir aus der Chesapeake Bay herauskamen, erwartete uns ein Schwachwindgürtel. Das war ein Teil des Wetterfensters, denn so hatten wir im Golfstrom weder die gefürchtete Wind-gegen-Strom-Situation, sondern konnten vielmehr mit dieser Meeresströmung ein gutes Stück Ost gutmachen. Wichtig, weil der Passatwind ja aus östlichen Richtungen weht und Antigua nunmal von der Chesapeake Bay aus im Südosten liegt.

Man sieht auf dem Noforeignland-Track ganz gut unseren Hinweg von Antigua über die USVI und die Bahamas und dann den Knick nach Norden. Auf dem Rückweg sieht man, wie sehr wir uns mit dem Golfstrom nach Nordosten bewegt haben, in diese Phase fällt auch die Motorfahrt bis wir mit Segeln und dann auch bald mit den ersten Kreuzschlägen beginnen. Dann der Bogen hin zum Eddie. Dazu mal wieder ein Screenshot aus Windy.com, der sehr schön den aktuellen Golfstrom und die zum Teil riesigen Eddies zeigt.

Weiter ging es, jetzt immer am Wind, nah an den Bermudas vorbei. 5 der knapp 40 Boote sind abgebogen und haben hier einen Zwischenstop eingelegt, zum Teil wegen Schäden, zum Teil wegen Seekrankheit, zum Teil kam beides zusammen. Überhaupt: Schäden. Ein Boot ist gleich nach dem ersten Tag mit defektem Großsegel umgekehrt. Mehrere andere hatten ebenfalls Segelschäden, konnten aber weiterfahren. Bei einem Boot brach der Großbaum, zum Glück erst 15 sm vor Antigua. Außerdem gab es diverse Motor-, Generator- und Watermakerschwierigkeiten sowie kleinere Leckagen auf ziemlich vielen Schiffen. Flora hat sich gut gehalten, auch wenn wir es ihr nicht ganz leicht gemacht haben. Direkt am Ausgang der Chesapeake wollten wir nämlich beim schwächer werdenden Wind das Vorsegel ausbaumen. Aus dem betonten Fahrwasser waren wir schon heraus, kein Schiffsverkehr um uns herum. Als wir gerade beide auf dem Vorschiff am Hantieren waren, hat sich aber eine Tonne einfach per Wurmloch mitten in unseren Kurs gebeamt. 🤔 Vielleicht haben wir aber auch nur verpennt, wie uns die Strömung wieder Richtung Fahrwasser gedrückt hat. Jedenfalls sind wir mit einem unserer beiden Spinnakerbäume dagegen gedengelt, der Spibaum ist gebrochen, die Spischot hat sich hinter der Tonne verfangen und Flora an die Tonne gedrückt. Wiebke hat superschnell reagiert, das am Heckkorb befestigte Messer herausgerissen und die Schot gekappt, wir waren also schnell wieder frei. Nur die massive Scheuerleiste der Flora hat eine kleine Macke davongetragen, das wird hier in Antigua gleich repariert.

Was die Messer angeht, wir haben drei davon an Bord verteilt: Mastfuß, Cockpit und Heckkorb. Hat sich gerade bewährt 😉.

Fazit: Schäden am Schiff einigermaßen gering, kleinere Kratzer und eine Scheuerleiste, die ihrem Namen gerecht wird. Größere Kratzer nur am seemännischen Selbstverständnis der Skipper. 😖

Aber immerhin ein bisschen können wir das vor uns selbst mit dem guten Meistern der restlichen Passage wieder aufpolieren. Es nagt trotzdem.

Hier noch die versprochenen Fotonachträge mit ein paar Eindrücken vom Törn (Sorry, aber Catalina hatte Sonnenuntergang- und -Aufgänge gefordert 😁):

Vormwind mit (Ersatz-)Spibaum
Eine der wenigen Schiffsbegegnungen. Ein Frachter zieht weit hinter Floras Heck durch.
Squall
Schräg. Und grüne Farbexplosion der Gischt an der Steuerbord-Buglaterne
Sturmvogel
Sonnenaufgang
Essensvorbereitung
Sonnenuntergang
Wieder ein Squall
Sonnenaufgang
Mondsichel als Schale (mit Venus darüber)
Durch aufschwimmende Gasflasche aufgesprungener Gasflaschenkasten
Fenriswolf über der Ketch Shamrock?
Matratzenlager auf dem Salonboden
Und wieder Sonnenuntergang
Schräg
Versöhnung?
Angekommen.

Und noch ein bisschen was zum Prozedere bei der Ankunft:

Eigentlich müssen derzeit alle neu ankommenden Boote in St. John’s auf der Westseite der Insel einklarieren. Für die Salty Dawg gilt aber eine Ausnahme, wir dürfen in English Harbour einklarieren. Und das geht so:

Erstmal hat man sich 6 Stunden vor Ankunft (oder bei Erreichen der Funkreichweite) bei der Coastguard anzumelden. Wir haben zwar eine Reservierung in der Antigua Slipway Marina, aber zunächst müssen wir wie alle Boote in der Freeman’s Bay ankern und uns -wieder über Funk – bei der Nelson’s Dockyard Marina melden, die den Gesundheitsbehörden Bescheid sagt. Einige Zeit später kommt dann ein Behördenboot längsseits und der Health Officer steigt auf unser Boot. Er sammelt unsere ausgedruckten COVID-Testergebnisse ein, außerdem unser Gesundheitstagebuch der letzten 14 Tage, das für jedes Crewmitglied die Morgen- und Abendtemperatur und die tägliche Beantwortung von 21(!) Gesundheitsfragen beinhaltet. Außerdem muss der Kapitän eine „Maritime Declaration of Health“ ausfüllen, für Seuchenfälle gedacht mit z.B. Angabe der Zahl der unterwegs Verstorbenen.

Da wir das alles vorbereitet haben geht es schnell (Formular-Muster gab’s von Salty Dawg).

Zwei zusätzliche Formulare händigt uns der Health-Officer aus, aber die sind einseitig und ebenfalls flott erledigt. Dann wird bei uns beiden noch die Temperatur gemessen (kühlen Kopf bewahrt 😉) und …

… jetzt darf der Kapitän (nur der!) an Land um bei Zoll und Immigration sowie der Hafenbehörde (sind alle im gleichen Gebäude) den Rest der Einklarierung klarzumachen. Das musste vorher schon zwingend online über https://www.eseaclear.com vorbereitet werden. Kapitän bin für solche Behördenzwecke übrigens ich (Ralf), Wiebke möchte mit dem Formalkram lieber weniger zu tun haben. Noch 30 US$ bezahlen, schon fertig. 😁 Mit dem Gesundheitstagebuch (einschließlich Überfahrt) ist unsere Quarantänezeit erledigt. Willkommen auf Antigua und Barbuda 🇦🇬 .

Legalize it.

Jetzt sind wir offiziell in den USA. Auf die Anmeldung per CBP-ROAM-App gab es zunächst keine Rückmeldung. Eventuell auch deshalb nicht, weil ich (neben der Email-Adresse) als Kontakt meine deutsche Handynummer angegeben hatte. Solche ausländischen Nummern werden aber scheinbar nicht angerufen.

Mit einem eigenen Anruf bei der CBP (US Customs and Border Protection) und diversen internen Weiterleitungen dort ließ sich aber alles klären. Einklariert sind wir durch den auf den USVI erhaltenen Stempel im Pass, da wir ja auf den Bahamas nicht einklariert haben. Ich wurde auf meiner US (Virgin Islands) Handynummer zurückgerufen und die nette Dame machte mir gleich einen Termin mit einem Kollegen für das Cruising Permit. Also zusammen mit Steve von der Amalia fix ein Uber-Taxi bestellen und hinüber nach Norfolk. Und dort gibt es eine Fortsetzung des kleinen Kulturschocks. Wenn man die oft in Containern oder Baracken untergebrachten Customs der karibischen Inseln gewohnt ist, überrascht das Customs-Gebäude hier in Norfolk doch etwas:

Allerdings ist für unser Anliegen der auf dem Foto von der imposanten Freitreppe verdeckte kleine ebenerdige “Lieferanteneingang” vorgesehen. 😉

Und da bekommen wir unproblematisch unsere Cruising Permits, müssen uns jetzt also nicht mehr bei jedem einzelnen Liegeplatzwechsel (=Ankerplatzwechsel) bei den Behörden melden, sondern nur telefonisch darüber informieren wenn wir den Bundesstaat wechseln. 19 $ sind dafür zu zahlen, soweit kein Problem, aber bitte bar und genau passend. Hm. Steve geht uns einen Kaffee kaufen während sich der superfreundliche, aber auf dieser Position neue Officer mit Floras CP abmüht. Danach haben wir 38 $ klein. Geht aber nicht, es müssen zwei mal exakt 19 $ sein. Na gut, für mich reicht es schon und – vertauschte Rollen – während der Bearbeitung von Amalias CP gehe diesmal ich einen 5 $ Schein kleinmachen.

Danach gehen wir kurz einen Happen essen, in Virginia ist Phase 2 der Covid-Normalisierungsskala gültig und damit sind Restaurants eingeschränkt wieder geöffnet. Auf dem Weg laufen wir an dem Museumsschiff USS Wisconsin von 1944 vorbei:

Selbst wenn man wie ich für Militaria nicht viel übrig hat, ist das schlanke aber 270 m lange und zuletzt 1991 im Golfkrieg eingesetzte Schlachtschiff schon ein Hingucker und mit bis zu 2.800 Mann Besatzung ja eigentlich fast schon ein eigener Stadtteil. Das gilt aber vermutlich noch mehr für die beiden Flugzeugträger, die wir bei der Herfahrt im Hafen gesehen haben.

Noch SIM-Karten für die USA besorgt, was mit einiger Wartezeit verbunden ist und schon ist der Tag vorbei.

Mit Uber geht’s im Regen zurück, klatschnass werden wir aber bei der Fahrt vom Dinghydock zurück zu den Booten durch die fiesen Wellen, die über unseren Ankerplatz rollen. Der Sonnenuntergang versöhnt 😊

Und wir: wir können es immer noch nicht ganz fassen, dass wir wirklich auf eigenem Kiel hier in den USA 🇺🇸 angekommen sind. Aber so langsam sickert es eben doch in unser Bewusstsein. Fühlt sich gut an. Prost aus der Chesapeake Bay!

Tag 1 Passage Bahamas USA

Ob wir durch den Tankstop in Clarence Town nun ausgecheckt sind oder nie eingecheckt haben ist egal: ab jetzt geht es nordwärts Richtung USA. Nochmalige Rückfrage bei Salty Dawg ergibt, dass in den beiden von uns angestrebten Häfen Beaufort und Norfolk das Cruising Permit auch bei direkter Anreise aus den USVI bisher nie ein Problem gemacht hat. Gut.
Heute segeln wir erstmal bei feinem Halbwind wieder die 40 sm hoch nach Conception Island. Ein kräftiger Biss unterwegs und ein zehnminütiger Kampf, dann kommt der Fisch doch noch vom Haken frei. Tja. Aber nicht lange später meldet sich Steve über Funk: er hat eine Golddorade reingezogen. Er tröstet uns, wahrscheinlich hätten wir sie müde gemacht. Jedenfalls reicht sie für die Crews beider Boote.
Helena und Steve entnehmen ihrem PredictWind-Wetterbericht, dass morgen ein Wetterfenster für die Passage aufgeht. Nach unserem Bericht von Wetterwelt hätten wir dagegen zwar erst guten Wind, dann aber Montag 35 kn auf die Nase. Mal sehen, welche der Entwicklungen sich bewahrheitet. Wir werden morgen jedenfalls erstmal weiter Richtung Norden gehen, glauben aber bisher nicht dass das schon der Absprung sein wird.
Für alle Fälle backen wir mal wieder ein Brot und füllen den Wassertank und die Batterien.

7. Tag Passage USVI Bahamas

Wir sind drin, in den Bahamas. Und wieder draußen. Jedenfalls was das Klarieren an geht. Die Passage zu den Bahamas ist damit jedenfalls schon mal beendet (wir sind ja auch schon ein paar Tage hier, beginnend mit dem Wahnsinnserlebnis Hogsty Reef. Aber wir werden noch einige Zeit durch die Bahamas nach Norden segeln und hoffentlich auch noch das ein oder andere hier sehen, je nachdem wie zeitnah sich ein vernünftiges Wetterfenster für die Passage in die USA einstellt. Mit „Christobal“ ist jetzt schon der dritte benannte tropische Sturm in dieser Saison unterwegs (alle weit genug weg von uns, hat nur unsere Planungen betroffen), das ist jetzt doch ein bisschen ein Signal nicht allzu lange zu warten.
Früh um 6 Uhr geht’s heute los, wir sind zum Sonnenaufgang unterwegs um rechtzeitig in der Flying Fish Marina anzukommen. Aus dem Flachwasser vor Conception Island raus, Segel getrimmt und Angel ausgeworfen. Als ich mich umdrehe um ins Cockpit zurückzukommen rauscht sie schon aus. Das ging schnell. Wir versuchen, etwas Fahrt aus dem Schiff zu nehmen, aber die Fock lässt sich nicht einrollen. O.k., da kümmern wir uns dann später drum. Erstmal den schönen Tunfisch reinholen, der da so vorschnell angebissen hat. Klappt zum Glück. Jetzt muss er ja auch noch auf dem in der Welle schwankenden Achterdeck ausgenommen und filetiert werden, aber auch das kriege ich inzwischen immer besser hin (selbst vor dem Frühstück ;-)).
Der Rest der Fahrt verläuft angenehm ereingnislos, bei etwa 17 kn Wind rauschen wir mit 60 Grad AWA mit 7-8 kn dahin und haben die 40 sm Strecke deshalb schon am Mittag hinter uns.
Nur: die Fock lässt sich leider immer noch nicht einrollen. Also muss sie runter und das würden wir gerne vor dem flachen und mit Korallen gespickten Gebiet um die Flying Fish Marina erledigen, weil wir dafür Platz brauchen. Das heißt allerdings, dass wir gegen den knappen Meter Welle gegenan motoren müssen, um die Fock aus der Vorstagsnut auf das Vorschiff herunter zu zerren. Dort wird sie erstmal an der Reling befestigt und wir motoren zur Tankstelle im Hafen.
Etwas überrachend ist für uns, dass wir nicht wie erwartet und von den Salty Dawg angekündigt einklarieren und ausklarieren können bzw. müssen. Die Marinamitarbeiter erkären uns, die Behörden wären informiert und das würde jetzt in Covid-Zeiten so reichen.
Hm, ob ein Tankbeleg als Ein- und Ausklarierungsnachweis der Bahamas für den Immigration-Officer in den USA ausreicht? Wir werden sehen, fragen aber vorsichtshalber nochmal bei Salty Dawg per email an. Steve von der Amalia erledigt das gleich für uns beide. Die erste Spontanantwort ist nicht sehr befriedigend, möglicherweise hätten wir uns den Tankstop auch sparen können. Ist aber egal, für eine Passage hätte sich eh kein ausreichendes Wetterfenster angeboten.
Weiter geht’s zum Ankerplatz östlich des Hafens, direkt hinterm Riff. Er entpuppt sich als mehr mit Felsen durchsetzt als von uns erwartet, aber wir finden einen Sandflecken und der Anker hält sofort. Widmen wir uns also wieder unserem an die Reling gelaschten Vorsegel.
Wir können jetzt händisch die Einroll-Leine leicht aus der Trommel holen, sie ordentlich neu aufspulen und ziehen das Segel wieder hoch. Beim Einrollen sehen wir das Malheur: wie blöd kann man sein? Wir haben die Trommel falsch herum aufgerollt, jetzt ist der UV-Schutz des Segels innen und nicht außen wo er sein muss. Grrr. Also das Segel nochmal herunterzerren (geht schneller, wir haben ja Übung). Heute Abend gibt es Sushi aus eigenem Fang. Frischer geht’s kaum. Freu!

6. Tag Passage USVI Bahamas

Rolle rückwärts. Die Ramora Bay Marina sieht bei näherer Betrachtung doch, sagen wir mal, schwierig aus. Es gibt zwei Einfahrten. Eine an der Nordküste, nur mit viel Umweg zu erreichen, die dann an dem berüchtigeten Riff „Devils Backbone“ in einer Art und Weise entlangführt, dass der Revierführer ihr und dem Riff nicht nur mehrere Seiten widmet, sondern zudem auch ausführt, dass man unbedingt (jedenfalls die ersten paar Male) einen Lotsen an Bord nehmen sollte. Das Ganze gespickt mit historischen Schiffsunglücken auf diesem Riff und dem Beispiel einer Yacht, deren Besitzer meinte nach dem ersten Mal mit einem Lotsen bei der nächsten Passage keinen zu benötigen (was natürlich übel schief ging). Und es gibt eine zweite Einfahrt an der Ostküste, eben zwischen Eleuthera und Harbour Island. Die sieht erstmal gut aus, abgesehen von dem Hinweis auf starke Strömung in der Seekarte und dem Vermerk „E.N.A.“. Schaut man genauer nach, bedeutet das „Eye Navigation Area“ und
ist versehen mit dem Hinweis, gutes Licht und ruhige bis moderate Winde sowie Seegangsbedingungen seien erforderlich, um in diesem Bereich sicher zu navigieren. Hm. Von der Einfahrt bis in den Hafen überwiegend unmarkiert zwischen Riffen hindurch auf einer bogenförmigen Dreiviertelkreis-Strecke, die uns meistens nur wenige Dezimeter Wasser unter dem Kiel verspricht. Schaut man zur Abwechslung in die Sonarcharts von Navionics, würden wir dagegen eine halbmetertiefe Furche in den Grund pflügen müssen. Das Risiko möchten wir dann doch nicht eingehen.
Mit Helena und Steve von der Amalia diskutieren wir die Möglichkeiten. Wir könnten auch in Nassau oder Freeport den Papierkram erledigen, bräuchten dafür allerdings wieder eine neue Ausnahmegenehmigung. Oder wir verzichten ganz auf den Klarierungsstop, nutzen nur die „Innocent Passage“ durch die Bahamas und fahren direkt in die USA. Je nach Ankunftshafen würde das (laut Salty Dawg) ein nur geringes oder aber sehr hohes Risiko hinsichtlich des Cruising Permits bedeuten.
Letztlich entscheiden wir uns, morgen die 40 sm wieder zurück nach Süden zur Flying Fish Marina zu segeln, der Wind scheint günstig dafür zu sein und die Erlaubnis für diese Marina haben wir ja schon.
Am Ende heißt das zwar, dass wir quasi auf unserer alten Kurslinie zurücksegeln, obwohl genau dieser Abschnitt der einzige etwas rumpelige auf der insgesamt wunderbar angenehmen Passage von den USVI bis hier in die Bahamas war. Dafür haben wir aber zwei wunderbar ruhige Tage in dieser Traumbucht verbracht. Noch eine Traumbucht, benutze ich das etwa inflationär?

Na ja, sagen wir mal so: das Wasser ist hier so klar, dass man vom Anker aus an 30 m Ankerkette entlang zum Schiff sehen kann. So durchsichtig, dass wir im Mondlicht (gut Halbmond) bei Windstille die Riffel im Sandgrund in 4,20 m Wassertiefe erkennen können. So transparent, dass wir von Deck aus die Kofferfische beobachten können, die an der Ankerkette den Sand wegpusten, um ihre Beute aufzuspüren. Sogar die Haie, die es sich in Floras Schatten auf dem Grund bequem gemacht haben, können wir leicht ausmachen ;-).


Einmal erspähen wir sogar zwei Zitronenhaie (die werden etwa gut 3 m lang) und einen Ammenhai (wird über 4 m lang) gleichzeitig, aber vor die Kamera kriegen wir sie bisher nur einzeln. Wir schätzen, das die von uns gesehenen Exemplare noch nicht ganz ausgewachsen waren (vielleicht jeweils etwa einen Meter kürzer).

Außerdem gibt es in der Bucht noch ein vom Boot aus gut schnorchelnd zu erreichendes Riff, wo wir neben vielen anderen Fischen z.B. einen imposanten Nassau-Zackenbarsch und mehrere bunte Königin-Drückerfische vor die Linse bekommen.


Den herrlichen hellen Sandstrand vor der leicht hügeligen und grünen Küste dürfen wir ja leider nicht betreten. Obwohl das hier wohl kaum jemand bemerken würde halten wir uns natürlich daran. Toll anzusehen ist er allemal.

Ein paar Squalls gehen auch durch und sorgen neben der dramatischen Licht/Schatten-Kulisse auch für das ja schon bekannte Fenster auf – Fenster zu Spiel. Fenster zu heißt es auch in der ersten Nacht hier: tatsächlich ein Mückenangriff zur Dämmerung – nach Italien zum ersten Mal wieder. Wir sind verwöhnt.

Dieser Blogpost wurde ursprünglich per Iridium-Satellit übermittelt, somit nur Text ohne Bilder. Die Bilder sind nach der Passage nachträglich eingefügt.