Beach-Dinner

Eigentlich hätten wir heute dann doch mal weiter segeln wollen, aber 1. haben wir gestern mit den Crews der Amalia of London (Steve 🇬🇧 und Helena 🇵🇹 ) und der Anushka (Marc und Annie 🇫🇷) Silvester gefeiert, Lobster vertilgt und bei uns auf dem Boot danach noch gemeinsam “Dinner for one” geguckt. Da haben wir heute dann doch etwas länger geschlafen.

Und 2. haben wir dabei die Einladung für ein Beach-Dinner mit weiteren Seglern erhalten, insbesondere der Ariel IV – Crew Eric und Birgitta 🇸🇪 und noch einigen mehr. Marc hat dafür schon mal Austern angekündigt, wir konnten nicht widerstehen. Und so gab es ein großes Dinghy-Treffen auf der Landzunge am Turtle-Beach mit viel Schnacken (unter anderem haben wir Nils, Andrea und Noah von der Marzemino 🇩🇪 getroffen, die mit ihrer Bavaria 31 auf Atlantikrunde sind).

Und mit Dunkelwerden haben wir uns etwas windgeschützter in die Ecke verholt, die Decken ausgebreitet, getafelt und den Humor der anderen Crews genossen, die sich schon aus Surinam kennen. Ariel hat die Welt schon umsegelt, Anushka ist von den Seychellen über Madagaskar, Südafrika, St. Helena und Brasilien hierher gesegelt, Amalia ist nach ihrer Atlantiküberquerung 2018 nun schon die zweite Saison in der Karibik. Wir sind hier die Frischlinge.

Oh, und nicht zu vergessen: auch die Naturerlebnisse reißen nicht ab. Gestern z.B. ist doch glatt beim Schnorcheln ein gefleckter Adlerrochen elegant und ohne einen einzigen “Flügelschlag” unter uns durchgeflogen:

Adlerrochen

Tschüß Kapverden

Auf Deinem Shirt stehen die Dinge, die Du gerne wärst, nicht die Du bist”
Textzeile aus dem Lied “Stockhausen und Bill Gates und ich” von Kettcar

Die Kapverden haben uns richtig gut gefallen. Das Landesmotto lautet “No Stress” und meistens haben wir es hier auch genau so erlebt. Wir sind vor allem sehr froh, mehrere Inseln der Gruppe besucht zu haben, Stadt und Land, Hinterland und Küstenorte, Bergregionen und flache Halbwüste. So sehr unterschiedlich, nicht nur landschaftlich. Vor allem aber haben uns auch die Menschen, die wir hier treffen durften jeweils ganz andere Aspekte der Kapverden aufgezeigt.

Gestern hat uns Uli noch einmal eine andere Facette vor Augen geführt. Uli ist ein Bekannter aus Wiebkes Studienzeit, der seit gut drei Jahren für die EU in deren Büro in der Hauptstadt Praia auf der Ilha de Santiago tätig ist. Ganz spannend z.B. die politische Einordnung etwa des (auch finanziellen) Engagements Chinas auf den Inseln, die auch in den Gesprächen mit Lauri und seiner Familie schon Thema war. Erwartete und eingeforderte Gegenleistungen für die Entwicklungshilfe der verschiedenen Weltmächte. Oder auch hinsichtlich der immer noch bestehenden Auswanderungswünsche der Jugend, trotz allen Nationalstolzes. Nochmal einen externen Blick auf Drogen- und Gewaltproblematik vor allem der großen Insel Santiago, die wir genau aus diesem Grunde für uns von Anfang an aus unserem Törnplan ausgeschlossen hatten. Wir haben uns auf allen von uns besuchten Inseln hier immer sehr sicher gefühlt, aber man sollte die Augen nicht verschließen vor dem besonders hier in Mindelo doch deutlich sichtbaren Armutsgefälle nicht nur zu (uns) Besuchern sondern auch innerhalb der Inselbevölkerung. Villen mit Swimmingpool und halb verfallene oder halbfertige Bauten liegen oft nur einen Steinwurf voneinander entfernt. Lauri hat mehrfach betont, dass auch er vorsichtig ist mit dem, was andere sehen können und was Begehrlichkeiten wecken könnte.

Und immer im Hinterkopf: wie verändern sich die Kapverden? Was bringt die Zukunft diesem Inselstaat ohne große Rohstoffe, der derzeit deshalb vor allem den Tourismus zu entwickeln versucht? Ein Kreuzfahrtterminal hier in Mindelo ist in der Planung, soll im nächsten Jahr (mit holländischer Hilfe) gebaut werden. Bleibt etwas für die normale Bevölkerung hängen?

Fischer reparieren ihr Boot am Strand vorm Hafen von Mindelo mit Ankerliegern und einer AIDA im Hintergrund
Straßenszenen in Mindelo

Wir haben heute unsere Abfahrt um einen Tag verschoben, wollen die morgen nicht mehr ganz so starken Winde abwarten und statt dessen noch etwas Kultur hier in Mindelo tanken. Zuerst besuchen wir das kleine Museu do Mar im Nachbau des bekannten Lissabonner Wahrzeichens Torre de Belém, hier direkt am Hafen. Vor allem die Ausstellung über den Walfang im dritten Stock und die Dachterrasse mit ihrem Blick sind die zwei Euro Eintritt locker wert. Darüber kann man bei den fünf Euro Eintritt in die Césaria Évora- Ausstellung in der Casa do Colleccionador eher streiten, dass neben Kleidern der Diva hauptsächlich bunt zusammengewürfelte Fotos (und Fotoalben) der berühmtesten Sängerin der Kapverden zeigt.

Nachbau des Torre de Belém, in portugiesischer Zeit erbaut (und mit portugiesischem Geld restauriert)

Und jetzt am Nachmittag runden wir unsere Vorbereitungen noch etwas ab. Schäkel und Splinte an Bord werden nochmal kontrolliert und durch das Boot (in dem inzwischen überall Obst und Gemüse herumhängen) zieht der Duft von frisch gebackenem Brot.

Die Möhren haben zum Glück später noch einen besseren Platz gefunden 😉
Die Zitrusfrüchte hängen in einer mit Gummiseilen abgespannten Drahtampel unter der Duschstange im vorderen Bad, ein großer Bunsch Bananen (aber keine ganze Staude) draußen am Achterstag.

Jetzt kann’s wirklich losgehen mit der Atlantiküberquerung.

WAS IST WAS- Das Schöne am Neuen

Obst und Gemüse erfordern ein wenig Ein- oder Umgewöhnung. Nix dramatisches, vieles kommt einem bekannt vor, aber auch das birgt Überraschungen. Bananen zum Beispiel. O.k., man sieht bei uns selten ganze Bananenstauden, aber entscheidender ist, dass die Bananen hier in sehr unterschiedlichen Arten angeboten werden, die für uns nicht so leicht zu unterscheiden sind.

Hiesige (Dessert-)Banane. Manchmal sehr klein und jedenfalls sehr lecker.

Kochbananen sehen (un)praktisch genauso aus wie normale (Dessert-)Bananen, sind meist etwas größer (schlechtes Unterscheidungsmerkmal, weil die „normalen“ Bananen hier eher kleiner sind als bei uns im EDEKA), sind aber roh erst in quasi überreifem Zustand genießbar. Man muss sie eben kochen, frittieren oder backen. Erfordert halt ein wenig Flexibilität, wenn man meinte, sie als „normale“ Bananen gekauft zu haben. Auch Verständigung ist Glückssache 😉.

Obst- und Gemüsestand auf dem „afrikanischen Markt“ in Mindelo
Orangen, Zitronen, die grünen stacheligen Dinger werden hier als Paúls-Früchte, von einer jungen Verkäuferin dagegen als „Pinha“ verkauft, sehen aufgeschnitten aus und schmecken wie Cherimoya, also Weiß mit schwarzen, nicht essbaren großen Kernen und sind SEHR lecker, rechts unten Papaya von São Vincente
Maniok, Zwiebeln, Yams. Bekanntes und uns Unbekannteres bunt gemischt. Viel auszuprobieren, macht Spaß und hat (bisher) immer gut geschmeckt.

Am besten ist es da natürlich, sich von Einheimischen bekochen zu lassen 😁. Wir hatten Laury aus Hamburg auf Sal kennengelernt und er hatte uns das Versprechen abgenommen, uns zu melden wenn wir nach Mindelo kommen. Haben wir natürlich gemacht und wir werden von seiner Gastfreundschaft überwältigt. Laury ist in Mindelo geboren und aufgewachsen, mit 15 dann aber – wie viele hier – zur See gefahren um der (portugiesischen) Wehrpflicht und dem Einsatz als Kanonenfutter in Kolonialkriegen zu entgehen. Später war er beim Bezirksamt Mitte in Hamburg beschäftigt, heute ist er pensioniert und fährt im Winter gern für ein paar Monate auf die Kapverden. Er zeigt uns nicht nur Mindelo, sondern lädt uns zu einem Cachupa-Essen zu seiner Schwester ein. Natürlich inclusive Catalina und dem inzwischen eingetroffenen Jan. Und da treffen wir dann auf viele Familienmitglieder und Freunde, dass von Laurys Schwester zubereitete Nationalgericht wird in großer geselliger und sehr internationaler Runde auf der Dachterrasse verzehrt.

Schwedisch, Deutsch, Kanadisch, US-amerikanisch, Portugiesisch, Philippinisch und vielleicht noch mehr. Es sind auch gar nicht alle Gäste auf dem Foto. Jedenfalls auch Kapverdisch. Laury im geblümten Hemd neben Wiebke.

Danke, Laury, muito obrigado an alle für Eure wunderbare Gastfreundschaft!

Fahrt zu den Kapverden – 5 Tage, 5 Nächte (Wiebke)

Kaum aus dem Hafen von Gomera, viel Wind und Welle. Ich steuere von Hand. Wie erwartet hält es aber nicht lange an. Im Windschatten von Teneriffa nimmt beides ab, wir riggen unsere Pasatbesegelung. Zur Nacht rollen wir den Code0 weg. Meine erste Wache in der Nacht ist nicht schön. Wind und Welle haben wieder deutlich zugenommen, Wolken sind auf gezogen. Als die Sonne ganz untergegangen ist, wird es stockdunkel. Ein komisches Gefühl im Finsteren durch die Welle zu preschen. Wir machen 3-Stunden-Wachen. Meine erste Wache beginnt um 6 Uhr abends. Eigentlich oft erst gegen 7, wenn Ralf sich bis kurz vor 9 Uhr hingelegt. Als ich um Mitternacht wieder hoch komme ist es schon besser, der Mond lugt ab und zu hinter dichten Wolken hervor, es ist nicht mehr stockdunkel. Um 3 Uhr nachts löst Ralf mich ab, ich darf nochmal 3 Stunden schlafen, bevor ich um 6 Uhr morgens dann wieder übernehme. Das Aufstehen ist Überwindung, aber eigentlich nicht schlimm. Gewöhnt man sich schnell dran. Auch der zweite Tag und die zweite Nacht sind von Wolken geprägt. Immer wieder Sprühregen. Es ist kalt. Viel kälter als auf den Nachtwachen im Mittelmeer und auch auf der Fahrt nach Gomera. Skiunterwäsche, dicke Skisocken, Segel-Latzhose, Fleecejacke, Windstoperjacke, Mütze. Und draußen noch die Fleecedecke bis zum Kinn hochziehen. Auch tagsüber bleibt es bei Jeans und Pulli. Die dritte Nacht wird schön. Ich habe die Wachen mit Sonnenuntergang, Mondaufgang und Sonnenaufgang.

Die Wolken haben sich verzogen. Schon bei Sonnenuntergang zeigen sich Venus, Jupiter und Saturn. Der Sternenhimmel wird immer deutlicher. In meiner zweiten Wache geht nach Mitternacht der Mond auf. Er liegt auf dem Rücken, wie eine Schale. In der dritten Wache geht gegen halb acht morgens die Sonne auf. Ich höre nachts ein Hörbuch, damit vergeht die Zeit schnell. Oder höre Musik, die Orchestersuiten von Bach nachts bei Wind und Welle, Grieg zum Sonnenaufgang, schön. Ansonsten passiert nicht viel. An Lesen kann ich bei dem Wellengang frühestens ab dem vierten Tag denken. Wir essen auch nicht viel. Morgens eine Scheibe trockenes Brot zum Kaffee, dann jeder eine halbe Kaki oder einen halben Apfel und ein paar Nüsse. Ich hatte Reis vorgekocht, davon mache ich am ersten Tag eine schnelle Tomatensuppe, die reicht auch noch für den zweiten Tag. Eventuell noch eine Scheibe Brot oder Knäcke mit Käse, ein paar Kekse, mehr brauchen wir nicht. Am dritten Tag Nudeln mit Pesto, am vierten Tag Reissalat mit Tomaten und Gurke, am fünften Tag den Rest Nudeln.

Ich bin gespannt, wie es auf der Atlantiküberquerung wird.

Gran Canaria: Beeindruckende Landschaften und doch noch Grün

An der Südspitze von Gran Canaria hatten wir ja schon bei der Überfahrt langen hellen Sandstrand und Dünenlandschaft beobachtet. Playa Inglés und Maspalomas, die touristischen Hochburgen für die vielen Sonnenanbeter, die auf diese Insel pilgern. Rund 4,5 Millionen sollen es jährlich sein, davon rund ein Fünftel und damit der größte Anteil Deutsche. Vom Parkhaus aus geht’s erst einmal auf der Promenade am Naturschutzgebiet der Lagune „La Charca“ (einfach nur: der Teich) entlang, die vielen Wasservögeln als Brutplatz dient. Sie begrenzt zugleich die mit knapp zehn Quadratkilometern gar nicht mal so kleine Sandwüste nach Westen.

Am Palm Beach Hotel beim Leuchtturm biegen wir ostwärts auf den breiten Strand ab und können von jetzt ab wählen, ob wir die Dünen rauf und runter klettern oder bequem am flachen Strand entlang schlendern. Gerade war Neumond, also Springtide (besonders hohes Hochwasser, besonders niedriges Niedrigwasser). Deutlich zu spüren war das am Kletteraufwand von unserem Boot hinauf auf die Kaimauer bzw. dem Fahstuhleffekt bei Hochwasser. Hier am Strand macht es sich so bemerkbar, dass der Beachvolleyballplatz zwischen den Dünen noch immer unter Wasser steht, obwohl er weit hinter dem längst wieder trockenen Strandstreifen liegt.

Baden ist gar nicht so einfach, Wiebke und ich machen es trotzdem und es ist herrlich, aber immer mal wieder spült uns eine meterhohe Welle den feinen Sand überall hin oder zieht uns glatt die Beine weg 😉.

Am nächsten Tag wollen wir uns ein bisschen die Inselhauptstadt Las Palmas de GC ansehen. Um noch etwas von der Markthalle zu haben fahren wir früh los, sind dann aber von ihr nicht sehr beeindruckt. Das obere Stockwerk ist komplett geschlossen, Obst- und Gemüse-, Fleisch- und Fischstände buhlen nur im Erdgeschoss um die nicht sehr zahlreichen Kunden. Zwei Sachen sind gleichwohl interessant: zum einen scheint das Fischangebot sich zumindest jetzt doch deutlich von dem in spanischen Festlandsmarkthallen zu unterscheiden. Wir finden hier – wie übrigens auch in den Frischfisch-Bedientheken der hiesigen Supermärkte – keinen fangfrischen Thunfisch oder Schwertfisch am Stück. Lediglich von dem kleineren Bonito sehen wir ein paar Exemplare. Zum zweiten hinterlässt die Transatlantic-Segelregatta ARC sogar hier ihre Spuren. Ein Fleischstand wirbt mit dem Logo der ARC und auf Segler zugeschnittenen Servicediensten.

Später am großen Yachthafen von Las Palmas treffen wir die Crew der Segelyacht Morangie wieder. Wir haben die beiden jungen US-Amerikaner Maggie und Sam in einer Ankerbucht vor Sardinien kennengelernt, sie haben für das nächste halbe Jahr eine ähnliche Route wie wir. Jetzt ankern sie neben dem ARC-Hafen. Es ist schön, bei einem Kaffee mit ihnen zu schnacken, zu erfahren, wie es ihnen in der Zwischenzeit ergangen ist und wie sich die weitere Reiseplanung konkretisiert.

Danach geht’s für uns hinauf in die Berge, diesmal ins Zentrum der Insel. Zunächst fahren wir hoch in das Örtchen Teror, das auf gut 500 m Höhe liegt. Hier soll die Jungfrau Maria (die deshalb wenn auch erst 1912 zur Schutzheiligen der Insel erklärt wurde) im Jahr 1481 in einem Pinienbaum einigen Bewohnen der Insel erschienen sein. Das liegt somit immerhin noch zwei Jahre vor der endgültigen Eroberung der Insel durch die Spanier, die diesem Wunder mit einer Basilika am Ort, Wallfahrten und jährlichen Feierlichkeiten gedenken.

Der Ort ist schön renoviert und viele Häuser weisen noch die ehemals hier auf den Kanaren so typischen Holzbalkone auf. Wunderschön ist auch der Vorplatz der Basilika, auf dem ein uralter riesiger Lorbeerbaum Schatten spendet.

Wir suchen uns ein kleines Café am Platz und genießen die empfohlenen Süßspeisen: Mandeltorte, Schokobrownie und vor allem Polvito Uruguayo (ein Keksbrösel-Sahne-Schaumgebäck), LECKER!

Auf der Weiterfahrt sehen wir neben zunehmend mehr Grün und wunderschönen hochgewachsenen Eukalyptus-Alleebäumen an der Straße auch bis hoch zum Gipfel immer wieder die Folgen der schlimmen Brände, die Gran Canaria im August getroffen haben.

Aber zum Glück ist nicht der ganze Nationalpark betroffen, weite Teile der Kiefernwälder sind intakt geblieben und auch viele Maronenbäume haben überlebt, wenngleich einige Stämme Brandschäden aufweisen und auch die Esskastanien selbst zum Teil (ob nun wegen der Feuer oder der allgemeinen Trockenheit) nicht alle voll ausgereift scheinen.

Als wir das Wahrzeichen Gran Canarias, den in über 1800 m Höhe aufragenden Basaltfelsen Roque Nublo (=Wolkenfels) erreichen, steht die Sonne schon tief und Dunst fängt an, sich über die herrliche Szenerie zu legen.

Auf der anderen Seite des Gebirges wechselt sofort wieder die Pflanzenwelt und über unzählige Serpentinen und vorbei an immer karger werdenden Schluchten fahren wir hinunter nach Maspalomas und im Dunkeln weiter nach Puerto de Mogán.

Schön, dass wir diese anderen Seiten von Gran Canaria auch noch entdecken durften, schließlich segeln wir jetzt schon wieder weiter. Wir freuen uns auf Teneriffa 😊.

Bordküche

Vor der Abreise haben mich viele gefragt, wie wir das mit dem Einkaufen für die lange Reise machen. Ich habe allen versichert, dass es in Italien und Spanien auch Supermärkte gibt und wir deshalb nicht in Griechenland das Schiff für Monate ausrüsten müssen 😉. Aber ein paar Dinge wie Kaffee, Nudeln, Pesto, Reis, Dosenthunfisch bunkern wir natürlich schon. Wir habe feststellen müssen, dass frische Milch bei diesen Temperaturen sinnlos ist und haben nun immer ausreichend H-Milch an Bord. Milchkaffee morgens ist lebensnotwendig und für mich außerdem, besonders bevor wir auslaufen, etwas zu essen. In Griechenland war das meist Joghurt mit frischen Früchten, in Italien war Naturjoghurt kaum zu bekommen. Dann gibt es normalerweise Müsli. Für die Tage an denen es schnell gehen soll, haben wir immer ausreichend Müsliriegel an Bord. Und für zwischendurch ausreichend Nüsse und Salzstangen o.ä.

Aber grundsätzlich kochen wir frisch. In Catania hat uns z.B. ein netter Franzose selbstgefangenen Thunfisch geschenkt. Also geschenkt oder selbst gefangen: Ab in die Pfanne, etwas Salat dazu, fertig.

Vor Nachtfahrten und längeren Törns bereite ich ein, zwei Sachen vor, so dass wir sie unterwegs nur aufwärmen können und nicht lange unter Deck schnippel müssen. Für die Überfahrt von Sizilien nach Sardinien gab es Kartoffel-Tomaten-Paprika-Suppe und einen Couscous-Salat mit Möhren, Staudensellerie, Rotkohl, Erdnüssen und Hühnchen.

Dafür haben wir einen super Tip umgesetzt, den ich in einem anderen Blog gelesen habe. In vielen Supermärkten gibt es frische, fertig gegrillte Brathähnchen zu kaufen. Das haben wir in Palermo gemacht, Ralf hat alles gepult und wir haben das Fleisch vakuumverpackt und ab in den Kühlschrank. Das hält ein paar Tage. Mit der zweiten Portion gab es dann eine asiatische Currysuppe.

Kartoffeln und Bohnen halten auch lange. Ergänzt mit kleinen Sardinen aus der Dose, Parmesan und getrockneten Tomaten auch lecker.

Unseren kleinen Wok haben wir auch dabei. Der wird auf dem Gasherd super heiß und so gibt es Bratreis mit Ei und Bohnen.

Manchmal gehen wir natürlich auch essen. Vorgestern gab es Tapas und Cañas (kleine Bier) in einer Cervecería (einfache Kneipe). Gestern dann ein x-Gänge Menü im einzigen Sterne-Restaurant von Alicante. So lecker!

Alles ein bisschen intensiver

49 Tage sind wir jetzt unterwegs. Sieben mal sieben, ganz feiner Sand. Wir sind gefragt worden, ob uns langweilig wird. Nein! Alles andere als das.

Aber selbst in dieser ja eigentlich ja kurzen Zeit hat sich unser Empfinden für das, was wir so machen doch verändert. Alles fühlt sich ein bisschen intensiver an, so hat es Wiebke treffend formuliert. Fahrt-, Landschafts- und Natureindrücke, z.B. die wunderschönen Calas, die Wanderungen oder die Delfinbegegnungen jetzt wieder auf der Überfahrt von Menorca nach Mallorca:

Spannend ist auch die Veränderung im Zeitempfinden. Eine Uhr tragen wir schon seit einer ganzen Weile nicht mehr (Danke an Susanne für den Hinweis). Klar passiert es dann schon mal, dass man wie unlängst in Alcúdia etwas erledigen möchte, aber vor verschlossenen Geschäftstüren steht, aber das liegt mehr an unserem noch nicht an die spanische Siesta 😴 bis 16.00 angepasstem Rhythmus. Welcher Wochentag ist eigentlich, welches Datum ???

Das „Zeit miteinander haben“ ist sicher einer der Punkte, den wir am meisten genießen und das obwohl – oder gerade weil – auch die Höhen und (na sagen wir mal) Wellentäler im Zusammensein eben intensiver für uns sind.

Landausflüge wie vorgestern der Spaziergang in die schöne Altstadt des sonst nicht so attraktiven Alcúdia,

Fürstlich speisen (an Bord von Wiebke gezauberte Köstlichkeiten oder auswärts, wobei das im Tontopf gegarter Lobster ebenso sein kann wie eine herrliche Schinken- und Käseplatte eines kleinen Weinhändlers)

Wir lassen es uns gut gehen.

Und auch Mallorca verwöhnt uns, etwa mit der pittoresken Cala Figuera am nördlichen Ende (Cap Formentor), die wir heute Nacht komplett exclusiv für uns hatten. Gut, eine etwas rumpelte „Anreise“ unter Segeln mit bis zu 28 kn AWS am Wind und einiger Schwell in der Bucht war der Preis dafür, aber es hat sich sehr gelohnt: