Napier in der Hawke’s Bay: Art Deco und Weinbau

Ein freudiges Wiedersehen: In Napier, an der weit geschwungenen Hawke’s Bay, treffen wir uns mit Barbara und Ralph von der Lille Venn.

Gemeinsam erkunden wir zunÀchst das Stadtzentrum. Die Besonderheit: Napier weist eine sehr hohe Konzentration von GebÀuden im Art Deco Stil auf, gilt deshalb (neben Miami Beach) als eine der HauptstÀdte dieses Architekturstils.

Der Grund dafĂŒr ist ein katastrophaler. Am 3. Februar 1931 verwĂŒstete das Hawke‘s Bay Erdbeben mit einer Starke von 7,8 auf der Richter Skala diesen Landesteil. Der Meeresboden hob sich großflĂ€chig um mehr als zwei Meter an, die bisheriger Lagune fiel weitestgehend trocken, 40 Quadratkilometer neue LandflĂ€che entstanden.

Die ErschĂŒtterungen des zweieinhalbminĂŒtigen Hauptbebens und der etwa 600 Nachbeben sowie ausbrechende Feuer legten fast die gesamte Stadt in Schutt und Asche.

Trotz Weltwirtschaftskrise wurde die Stadt in einem Kraftakt wieder aufgebaut. DafĂŒr wurden auch Architekturstudenten eingespannt. Art Deco wurde als optimistisch und zukunftsorientiert empfunden, das passte. Die Entscheidung fĂŒr den zu der Zeit modernen Stil Art Deco war aber vermutlich nicht nur der „Mode“ geschuldet. GegenĂŒber den zuvor verbreiteten HolzhĂ€usern wurden die Art Deco Bauten im Wesentlichen aus Betonplatten errichtet. Weniger feueranfĂ€llig und gĂŒnstig, zumal auch die dekorativen Elemente des Baustils vergleichsweise preiswert herzustellen waren. Die charakteristischen geometrischen Formen, Wellen- und Zickzack- sowie Sonnen-Muster als Symbole von Freiheit und Kraft (flankiert von Ägyptischen anmutenden Anleihen nach der Entdeckung des Grabes von Tut Anch Amun) konnten auch mit Farbe hervorgehoben werden.

Vom langen schwarzen Strand der Stadt fĂŒhrt eine Betonplattform hinaus aufs Meer.

Am Horizont sehen wir gerade einen Holzfrachter davondampfen, durch Kahlschlag betriebene Waldwirtschaft bildet noch immer einen wesentlichen Wirtschaftszweig in Neuseeland. Der Holzhafen ganz nahe am Stadtzentrum zeigt das eindrĂŒcklich:

Und neben der Forstwirtschaft ist Landwirtschaft ebenso von großer Bedeutung. Um Napier ist das vor allem durch große Obstanbaugebiete sichtbar. Apfelplantagen und Weinbau stechen besonders heraus. Hawke’s Bay ist das Ă€lteste (und mit seinen ĂŒber einhundert WeingĂŒtern heute noch zweitgrĂ¶ĂŸte) Weinanbaugebiet Neuseelands. Insbesondere Chardonnay, Syrah und Merlot-Cabernet-CuvĂ©es erreichen Premium Niveau.

MĂŒssen wir natĂŒrlich ausprobieren (zur Begleiteung bei richtig guten Restaurantbesuchen) und anschauen (bei einer ausgiebigen Fahrradtour).

Besonders schön, dass wir das gemeinsam mit unseren Freunden erleben.

Passage Minerva nach NZ: Tag 6, Ankunft in NZ

Es bleibt durchwachsen. Erstmal segeln wir weiter unter der dicken grauen Wolke von gestern und so geht es auch in die Nacht. Der Wind dreht allerdings, zum Wachwechsel um 22.00 Uhr beschließen wir, den Spibaum zu setzen um vor dem Wind Schmetterling segeln zu können. Das hĂ€lt dann auch bis zum Morgen durch, wenn auch bei leider abnehmendem Wind. Um 07.00 nehmen wir den Motor dazu. Eine Neuheit fĂŒr uns, Motorsegeln vor dem Wind, aber nur so können wir eine Ankunft in Marsden Cove bei Tageslicht sicherstellen.

Zwischendurch können wir nochmal eine Zeitlang segeln, dann wird es doch wieder motorsegeln. Immerhin, wir sind inzwischen sĂŒdlich der grauen Wolkenfront.

Und dann zeichnen sich langsam Umrisse am Horizont ab. Neue Wolken? Auch, aber: Nein. Land in Sicht! NEUSEELAND.

Am Nachmittag laufen wir an den Klippen der Whangārei Heads in den HĂŁtea River ein. Ein Orca zeigt kurz seine markante RĂŒckenflosse, will sich aber leider nicht fotografieren lassen. Und wir sehen erstmals Austral-Tölpel, nahe Verwandte der fĂŒr Helgoland so typischen Basstölpel, denen sie auch sehr Ă€hnlich sehen.

Ein kleines StĂŒck geht es flussaufwĂ€rts, links Industriekaianlagen, rechts aber wunderschöne Landschaft.

Wir biegen ab in den schmalen Kanal, der zur Marsden Cove Marina fĂŒhrt. Der Hafenmeister weist uns einen Platz im QuarantĂ€nebereich zu. Die Abfertigung wird heute nicht mehr erfolgen, MPI und Zoll kommen dann morgen frĂŒh an Bord.

Macht ĂŒberhaupt nichts. Wir sind superglĂŒcklich, hier zu sein.

Essen: unterwegs RĂŒhrei mit einigem von dem, was das MPI uns morgen sonst wegnehmen wĂŒrde, z.B. Datteln und Speck. Und heute Abend Nudeln mit Pilz-Sahne-Soße. Wie ein Kessel Buntes eben, passt doch ganz gut zu dieser ziemlich abwechslungsreichen Passage.

Strecke seit gestern 202 sm (in 31 Std), gesamt 761 Seemeilen.

Passage Minerva nach NZ, Tag 5

Per Express durch das Grau.

Der Wind dreht endlich von NNE auf Ost und nimmt dabei krĂ€ftig zu. FĂŒr einige Boote um uns herum etwas zu krĂ€ftig, manche berichten von Böen um 45 kn. Über die WhatsApp-Gruppen erfahren wir von mehreren ausgefallenen Autopiloten und vom Wellengang weggerissenen Starlink-Antennen. Eines der Boote erleidet gleich beide Defekte. Wir sind in UKW-Reichweite und geben ihre Position und die Meldung, dass es ihnen gut geht an ein befreundetes Boot weiter. Die informieren dann den Shore-Contact des Bootes.

Es hat auch Vorteile, in einem großen Schwarm Zugvögel unterwegs zu sein.

Durch die großen Icons wirkt das allerdings wesentlich enger, als es tatsĂ€chlich ist. Wir haben heute wieder nur ein einziges anderes Boot sehen können.

Jedenfalls sind wir gewarnt, Reffen sehr frĂŒh und sehr tief. Mit drittem Reff im Groß und etwas eingereffter Fock geht es in die Nacht. TatsĂ€chlich werden es fĂŒr uns nur um die 30 kn in den Böen bei konstant zwischen 20 und 24 kn Wind. Etwas achterlicher als halb, das sorgt trotz der tiefen Reffs fĂŒr eine sehr flotte Fahrt. Maximal rutschen wir mit 12,6 kn eine Welle herunter, meist sind wir mit 7 bis 8 kn unterwegs.

Es wird weiterhin kĂ€lter. Lange Hosen und sogar Socken kommen heraus, fĂŒr die Nachtwache im Cockpit zusĂ€tzlich (trotz aufgebauter Kuchenbude) noch eine Fleecedecke.

Etmal: 150 sm, gesamt 559 sm. Noch 210 Seemeilen zu segeln bis Whangarei/NZ.

Essen: Wiebke hatte gestern in weiser Voraussicht auf die zu erwartende Schaukelei gleich einen großen Topf Curry gekocht. Also nochmal Thaicurry mit KĂŒrbis, lila SĂŒĂŸkartoffeln, Paprika und Marlin (noch eingekocht aus dem Fang von Joe in den Tuamotus, leider das letzte Glas).

Passage von Minerva nach NZ, Tag 2

Geduldsprobe.

48 Stunden halten wir durch, segeln langsam unserem Ziel Neuseeland entgegen. Eigentlich nicht einmal das, denn wir setzen einen sĂŒdlicheren Kurs, fahren also einen kleinen Umweg. Das bringt uns etwas vorlicheren Wind jetzt (bei dem Leichtwind ein Vorteil) und wir spekulieren auf einen besseren (nĂ€mlich raumeren) Winkel fĂŒr den spĂ€ter auf der Passage vorhergesagten stĂ€rkeren Wind.

Durch die DĂŒnung des Pazifiks neigt das Großsegel dazu, in der Welle deutlich einzurucken, der Baum knallt dabei in die zuvor lose gekommene Großschot. Einen Bullenstander zum Fixieren des Baums können wir auf diesem Kurs nicht setzen, also lassen wir uns eine andere Variante einfallen, auch wenn die sicher nur fĂŒr lĂ€ngere Leichtwindstrecken ohne stĂ€ndiges Trimmen des Großsegels geeignet ist. Aus dem Ersatzgummi fĂŒr unsere Harpune basteln wir einen RĂŒckdĂ€mpfer fĂŒr die Großschot.

FĂŒr uns funktioniert das ganz gut. Allerdings nur, bis der Wind raumt und wir vor den Wind gehen mĂŒssen.

Langsam ist eigentlich noch geschönt. Es ist Schleichfahrt auf Schmetterlingskurs. Aus 5 bis 6 kn achterlichem wahren Wind machen wir 3 kn Fahrt. Eigentlich schon ganz beeindruckend: 3 kn Fahrt bei 3 kn scheinbarem Wind. In Böen bis 8 kn werden sogar ĂŒber 4 kn Fahrt durchs Wasser daraus. Nur reduziert der Gegenstrom die Fahrt ĂŒber Grund dann trotzdem auf kaum ĂŒber 3 kn. Aber immerhin: 2 Stunden solcher Schleichfahrt unter Segeln bedeuten streckenmĂ€ĂŸig, eine Stunde weniger motoren zu mĂŒssen. Und wir haben es ja nicht eilig.

Heute FrĂŒh beim Wachwechsel machen wir dann aber doch den Motor an. Der Gegenstrom ist wieder auf einen Knoten angestiegen, der Wind fast ganz eingeschlafen. 0,8 Knoten Fahrt ĂŒber Grund sind einfach zu deprimierend.

Wir sind aber in guter Gesellschaft. Obwohl wir in der Blase unseres Horizonts kein einziges anderes Segel erspĂ€hen können, wissen wir doch den Schwarm der segelnden Zugvögel um un herum. Wie die GĂ€nse in V-Formation streben auf MarineTraffic gut sichtbar die pinken Dreiecke der Langfahrer aus Fiji und Tonga nach Neuseeland ins Winterquartier. Oder ins SĂŒdhalbkugel-Sommerquartier, je nach Definition.

Und wir sind mittendrin.

Etmal: Minus-rekordverdĂ€chtige 73 Seemeilen in den letzten 24 Stunden ĂŒber Grund, ziemlich genau 3 kn im Schnitt.

Essen: Frisch gemachte Linsensuppe mit selbstgemachten Fenchel-MettbĂ€llchen (die Crew der Naida hatte uns vor der Abfahrt aus Minerva gefrorenes Hackfleisch aus ihrem Überbestand geschenkt).

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Passage nach Samoa, Tag 4: die mysteriöse Datumsgrenze und die Herren von der Zeitsparkasse

Land Ho! Land in Sicht! Nach vier Tagen und NĂ€chten auf hoher See taucht an Steuerbord voraus schemenhaft eine Insel auf. Ta’u Island ist noch nicht unser Ziel, gehört aber immerhin schon zu einem der beiden Samoas, nĂ€mlich zu American Samoa 🇩🇾.

Rund 70 Seemeilen weiter westlich liegt dann Tutuila, die grĂ¶ĂŸte Insel Amerikanisch Samoas, mit der Hauptstadt Pago Pago.

Unser Kurs fĂŒhrt zwischen diesen beiden Inseln hindurch und noch einmal 70 Seemeilen weiter nach Westen zur Insel Upulu mit Apia, der Hauptstadt von Samoa đŸ‡ŒđŸ‡ž.

Irgendwann heute Nacht werden wir also ĂŒber die Grenze zwischen American Samoa und Samoa segeln. Wir erreichen schon wieder eine neue Zeitzone. Die Uhren brauchen wir dabei diesmal nicht umzustellen, dafĂŒr aber den Kalender. Fahren wir um Mitternacht ĂŒber die Grenze, folgt fĂŒr uns auf Freitag den 13. Juni 24.00 Uhr unmittelbar Sonntag der 15. Juni, 00.00 Uhr. Samstag, den 14. Juni 2025 hat es dann in unserem Leben schlicht nie gegeben!

Ein ganzer Tag einfach geklaut?! Haben die grauen Herren von der Zeitsparkasse aus Michael Endes Roman “Momo” mal wieder ganze Arbeit geleistet? Nein, die grauen Herren sind nicht schuld. Wir können uns diesen Tag deshalb auch nicht zurĂŒckholen, indem wir rĂŒckwĂ€rts gehend durch die Niemalsgasse Meister Hora im Nirgendhaus um Hilfe bitten. Der Tag ist wirklich unwiederbringlich fĂŒr uns weg!

Wie kommt das?

Die Datumsgrenze folgt zwangslĂ€ufig aus der Einrichtung der Zeitzonen. Die sind ja einigermaßen eingĂ€ngig. Vom Nullmeridian im englischen Greenwich aus grundsĂ€tzlich alle 15 LĂ€ngengrade nach Westen ist es eine Stunde frĂŒher, alle 15 LĂ€ngengrade nach Osten eine Stunde spĂ€ter. Damit fĂ€llt das Tageslicht (auf gleicher Breite) jeweils ungefĂ€hr auf den Tag und die Dunkelheit auf die Nachtstunden. HĂ€tte man das nicht so festgelegt und wĂŒrde stattdessen ĂŒberall die Uhrzeit von Greenwich gelten, wĂ€re es in Neuseeland und im Osten Russlands um 00.00 Uhr regelmĂ€ĂŸig taghell, um 12.00 Uhr aber immer dunkel. So aber wandert die Zeit mit dem Sonnengang um die Erde. Das hat praktische und unpraktische Seiten. Sehr große Staaten haben sich deshalb unterschiedlich zu diesem Konzept entschieden. Die USA zum Beispiel wenden es auf ihrem kontinentalen Staatsgebiet im Prinzip an und haben deshalb zwischen der OstkĂŒste und Alaska fĂŒnf verschiedene Zeitzonen. Die Zeitzonen folgen dabei allerdings nur ungefĂ€hr den 15-Grad-Abschnitten bei einer sehr freien Interpretation hinsichtlich Alaska und besonders der Aleuten. China dagegen erstreckt sich theoretisch ebenfalls ĂŒber fĂŒnf Zeitzonen. Es hat sich aber dafĂŒr entschieden, dass in ganz China nur eine Zeit gilt, die der chinesischen OstkĂŒste.

Bildquelle: Wikipedia.org

Global betrachtet wird aber das Konzept der Zeitzonen angewandt. Damit wandert allerdings auch der mitternĂ€chtliche Datumswechsel (die Mitternachtslinie) um die Erde. Dadurch wird eine zweite Datumswechsellinie erforderlich, um die Erde in einen Bereich mit dem alten Datum und einen mit dem neuen Datum aufteilen zu können. Und diese (zweite) Datumsgrenze wurde konzeptionell Greenwich genau gegenĂŒber auf den 180 LĂ€ngengrad gelegt, wo sich die Zeitzonen -12 und +12 treffen. Praktischerweise liegt diese Grenze zwischen den großen Kontinenten mitten im Pazifik. Den vergleichsweise wenigen dort lebenden Menschen wird zugemutet, dass die Nachbarn auf der anderen Seite der Datumsgrenze auch tagsĂŒber ein anderes Datum haben (und damit einen anderen Wochentag).

Staaten, die genau auf dieser Datumsgrenze liegen, haben sich fĂŒr ihr Staatsgebiet jeweils fĂŒr die eine oder andere Seite entschieden. Aber nicht nur das. Auch manche Staaten in der NĂ€he der Datumsgrenze fanden es besser, auf die andere Seite zu rutschen. Unser Ziel Samoa zum Beispiel liegt auf etwa 171 Grad West. 1892 wechselte es auf die andere Seite der Datumsgrenze. Den 4. Juli 1892 gab es auf Samoa deshalb gleich zweimal. 2011 entschied man sich (vor allem wegen der Handelsbeziehungen zu Neuseeland) fĂŒr den Wechsel zurĂŒck und strich dafĂŒr den 30. Dezember 2011 aus dem samoanischen Kalender.

Und unser gestohlener Tag? Ist genau genommen vielleicht doch kein ganzer Tag, denn bezogen auf unsere Abreise von Europa haben wir (einschließlich “Sommerzeit”) im Laufe der sechsjĂ€hrigen Reise schon 13 mal die Uhr um eine Stunde zurĂŒck gestellt, 13 Stunden “geschenkt” bekommen. Oder vielleicht haben wir sie auch angespart (also doch Zeitsparkasse). Die anderen 11 geben wir als Kredit: wenn wir zurĂŒck in Deutschland sind, werden wir unterwegs 24 Tage mit 25 Stunden gehabt haben.

Nur eben keinen Samstag, den 14. Juni 2025!

Bitte auf das “Heute” bzw. “Morgen” achten

Essen: Auberginen/Kartoffel/Tomaten/Paprika-Auflauf mit Feta ĂŒberbacken (wir dĂŒrfen kein GemĂŒse nach Samoa einfĂŒhren).

Etmal: 150 sm, gesamt auf dieser Passage 589 sm, bis Apia noch ca. 136 sm.

Also: wenn alles glatt geht, Morgen Ankunft in Apia. Bloß das dort Morgen Übermorgen ist. 😊

Passage nach Samoa, Tag 2

Bewegte See, Seegang um 2,5 m. Schönwettersegeln mit leichtem Achterbahneffekt.

Nach zwei NÀchten auf See haben wir uns an die Schiffsbewegungen aber inzwischen ganz gut gewöhnt, die zweite Nacht auch mit gutem Schlaf.

Skipjack Thuna gefangen. Elisa hilft beim Filetieren. Eine neue Erfahrung fĂŒr sie.

Essen: Elisa zaubert Thunfisch-Sashimi in Kartoffelcreme-Gurkenrolle mit Cashew.

Etmal: 150 sm, gesamt bisher 288 sm, noch etwa 482 sm bis Apia, Samoa.

Aitutaki, einfach anders.

Hier auf Aitutaki geht es gemĂ€chlich zu. Selbst der Himmel scheint irgendwie uns zu gehören 😉.

Aber es gilt ja: erst die Arbeit, dann das VergnĂŒgen. Also wird der Salon unserer Flora kurzerhand in ein Studio fĂŒr das (wegen der Zeitverschiebung) nĂ€chtliche BewerbungsgesprĂ€ch unseres Patenkindes eingerichtet.

FĂŒr mich gibt’s am nĂ€chsten Morgen erst einmal Arbeit auf dem Nachbarboot. Der französischen „Arantelle“ ist auf der Passage das Spi-Fall gebrochen und sie sind leider von Höhenangst geplagt. Ich lasse mich in den Mast ihrer Amel ziehen. Zwar ist das Ende des Falls komplett im Mast verschwunden und lĂ€sst sich nicht oben herausziehen, aber von oben neu eingefĂ€delt, kann es am Mastfuß herausgefischt werden. Mission erfolgreich.

Jetzt, wo das Klettergeschirr schon mal herausgesucht ist, können wir gleich auch auf unserem Boot noch einmal das Rigg ĂŒberprĂŒfen. Elisa möchte gerne hoch, also ĂŒbernimmt sie diese Aufgabe.

Von oben sieht man besonders gut das Zickzack-Gewirr von Heckleinen, die von den geankerten Booten quer ĂŒber die Pier zu den Felsen auf der Lagunenseite laufen.

FĂŒr den Landgang hangeln wir uns im Dinghy an den Leinen hinĂŒber und machen mit Rollern eine weitere Tour ĂŒber die Insel.

Die sanft gewellte Landschaft bietet immer wieder tolle Ausblicke auf die Lagune und 



 Moment, Ziegen sehen wir hÀufiger, aber steht da gerade eine Kuh in der Wiese?

Ja, tatsÀchlich. Schwarzbunte unter Palmen. Aitutaki ist einfach anders.

GemĂŒsefeld

Wie schon in Französisch Polynesien finden sich auch hier oftmals GrĂ€ber auf PrivatgrundstĂŒcken am Straßenrand, allerdings sind diese auf Aitutaki hĂ€ufig sehr aufwĂ€ndig gestaltet. Zum Beispiel ĂŒberdacht, als Pavillon gestaltet, 



 oder mit einem Hain von Betelnusspalmen umgeben:

Fruchtstand der Betelnuss-Palme

Nebenbei klappern wir auf unserer Tour auch die verschiedenen SupermĂ€rkte der Insel ab. Bei Baxter in der Inselmitte finden wir nicht nur ein neues Gaff als Ersatz fĂŒr den Abgang beim Anbordbringen des letzten Mahi Mahi. Es gibt auch wieder einen (fĂŒr Elisa) neuen Exoten: wir ergattern einige DrachenfrĂŒchte.

Die schmecken schon pur super đŸ€© , und Elisa inspirieren sie außerdem zu unserem Sundowner-Cocktail.

Am nöchsten Tag fahren wir mit dem Dinghy wieder raus ans Außenriff, wo wir an einer kleinen Boje festmachen können. Die Sicht ist dieses Mal besser als bei unserem letzten Versuch und entsprechend bekommen wir auch deutlich mehr von der Unterwasserwelt zu sehen. Endlich entdecken wir auch mehrere der großen Karettschildkröten, fĂŒr die dieser Platz bekannt ist 



 staunen ĂŒber die leuchtend blauen Seesterne 



 und können diverse gefleckte Adlerrochen beim Formationsflug durch die vom Riff in die Tiefe des Ozeans fĂŒhrenden Canyons beobachten:

Auch zurĂŒck an der Pier des Hafens zeigen sich spannende Tiere. Zwei Riffreiher haben sich auf der Mole niedergelassen. AbhĂ€ngig von der Population zeigt sich diese Vogelart entweder ĂŒberwiegend im Hellen oder im dunklen Federkleid (in Neuseeland zum Beispiel fast ausschließlich im dunklen). Hier auf den Cook Islands halten sich beide Farbvarianten ziemlich die Waage. Spannend auch, wie sehr aus dem geduckten Pirschgang heraus der Hals bei scheinbarer Bedrohung gereckt wird.

Überhaupt: die Pier des Hafens. An einem Anschlag sehen wir, dass hier heute ein Angelwettbewerb fĂŒr die Grundschulklassen stattfindet. Ein Zelt ist auf der Mole aufgebaut und eng bestuhlt. Die Kids werden dort auf den Wettbewerb eingestimmt und schwĂ€rmen dann aus. Manche mit modernen Angelrouten und Rolle, andere mit Bambusstock und etwas Leine. Aber alle mit viel Einsatz und Begeisterung.

Und auch mit Angelerfolg:

Grundschule. Einfach mal anders.

Passage zu den Cook Islands, Tag 5

Wir segeln weiter nach Westen. Das beschert uns schöne SonnenuntergÀnge vor dem Bug, aber auch tolle SonnenaufgÀnge genau in unserem Kielwasser.

Es bleibt dabei: angenehmes Segeln. Die WindstĂ€rke variiert ein bisschen, so können wir unsere Segelgarderobe ausprobieren. Sowohl die Fock als auch der Code0 kommen zum Einsatz, dazu wechseln wir durch verschiedene Reffstufen im Großsegel. Eine kurze Schwachwindphase nutzen wir fĂŒr ein Bad im offenen, hier ĂŒber 4.000 m tiefen Pazifik.

Aufregenden in diesem riesigen Freibad (auch fĂŒr uns immer wieder) und trotz 26 Grad Wassertemperatur auch erfrischend, dieser Ausflug in das im mehrfachen Sinne tiefe Blau. NatĂŒrlich mit Sicherungsleine 😉, der Schwell stellt sich schließlich nicht so schnell ab.

Außerdem nehmen wir schon mal den Wechsel der Gastlandsflagge vor. Französisch Polynesien wird eingeholt, die Flagge der Cook Inseln gesetzt. Die sieht ein bisschen so aus, als wĂ€re der britische Union Jack mit der Europaflagge vereint, aber die ErklĂ€rung ist natĂŒrlich eine andere. Der Union Jack im Blue Ensign (Mitglied im Commonwealth of Nations, zudem steht das Blau fĂŒr den Pazifik ist zugleich eine Anlehnung an die neuseelĂ€ndische Flagge). Der Kranz von 15 Sternen (nicht 12 wie bei der Europaflagge) steht fĂŒr die 15 Inseln des Staates.

Vorerst muss darĂŒber noch die gelbe QuarantĂ€ne-Flagge gesetzt sein, die wird erst eingeholt wenn wir einklariert sind.

Und sonst: noch eine Nacht, noch etwa 70 Seemeilen liegen vor uns. Zum Abendessen gab’s dann heute Zweierlei vom Mahi Mahi: zuerst eine Flora-Variation des Poisson Cru (roher Mahi Mahi in Limettensaft mariniert, mit Tomate, Gurke, Zwiebeln und Kokosmilch, abgeschmeckt mit Salz, weißem Pfeffer und Sirach). Und als Hauptgang dann eine Poke Bowl mit angebratenem Mahi Mahi auf Reis und Karotten und Salat mit Furikake-Topping.

Weiter geht’s auf Ra’iātea: Perlfarm und Regenwaldfluss

Von unserem Ankerplatz im SĂŒdosten der Insel besuchen wir per Dinghy die Ra‘iātea Perlfarm.

Auch unser vierter (Elisas erster) Perlfarmbesuch ist wieder spannend. Wir bekommen einfach nicht genug von den faszinierenden dunklen „Tahiti-Perlen“. Wieder anders prĂ€sentiert, wieder Neues gelernt. Und entspannend ist dann der Stop im Restaurant des Opua Beach Hotel auf dem RĂŒckweg zum Boot. Wir lassen es uns gut gehen.

Kontrastprogramm: vom TĂŒrkis am Riff im SĂŒdosten verholen wir dann ein ganzes StĂŒck nach Norden in die dunkle, tief in die Berge Ra‘iāteas eingeschnittene Baie Faaroa. Das Wasser ist hier bei weitem nicht so klar, aber: das liegt an dem in die Bucht mĂŒndenden Fluß Āpo‘omÄâ€˜Ć«. Und diesen immer noch in seinem natĂŒrlichen Bett durch das Regenwaldtal mĂ€andernden Wasserlauf wollen wir schließlich befahren.

Mit Flora ist das nicht möglich, sogar fĂŒr unser Dinghy ist die braun-schlammige Barre an der MĂŒndung nur mit Schwierigkeiten zu passieren. Dann aber schlĂ€ngelt sich das schmale und manchmal von Baumkronen fast ĂŒberdachte, jetzt jedoch wieder etwas tiefere FlĂŒsschen malerisch durch das GrĂŒn des Waldes.

Neben Palmen sĂ€umen vor allem die imposanten Māpė das Wasser, mit ihren Brettwurzeln halten diese „Polynesischen MaronenbĂ€ume“ (auch Tahiti-Kastanien genannt) den wenigen Humus fest und wirken manchmal wie eine feste Uferböschung.

Das und einiges mehr bekommen wir im kleinen botanischen Garten erklĂ€rt, der uns am Ende unserer Tour den Fluss hinauf erwartet. DarĂŒber hinaus blĂŒht dort eine Vielzahl unterschiedlicher Helikonien / Strelizien in diversen Farben vom schlichten Gelb zur Orange-Pink-grĂŒnen Kombination.

Aber eigentlich gilt einmal mehr: der Weg ist das Ziel. Der kleine botanische Garten ist nett, aber die gemĂ€chliche Flussfahrt zu ihm und zurĂŒck zur Flora ist der eigentliche Kracher.

Dinghy-Ausflug zum Eiscreme-Baum.

Der Wind frischt auf. Vom Pool am Motu Oatara verholen wir die Flora zur tief in die Insel Raiatea einschneidende Baie Faaroa. Dort finden wir deutlich besseren Schutz vor den sich jetzt schnell aufbauenden Wellen. Auch die Easy One und die Moana gehen hier vor Anker. Denn die Bucht hat neben ihrer geschĂŒtzten Lage noch mehr zu bieten: sie ist gleichzeitig die MĂŒndung des einzigen schiffbaren Flusses in ganz Französisch Polynesien. Wobei: schiffbar ist vielleicht ein bisschen hoch gegriffen. Das FlĂŒsschen Faaroa (manchmal auch Āpo’omā’Ć« bezeichnet) windet sich von der Bucht Faaroa aus etwa zwei Kilometer ins Landesinnere. Um ĂŒber die vorgelagerte Barre in das FlĂŒsschen zu gelangen, mĂŒssen wir den Außenbordmotor unserer Dinghies hochklappen. So machen es auch die flachgehenden Tourboote, die vereinzelt den Āpo’omā’Ć« hinauffahren. Ihr Ziel (und auch unseres) ist der kleine Bootsanleger am botanischen Garten.

Die Ausblicke auf der Fahrt dorthin sind malerisch.

Immer enger rĂŒcken die Ufer, teils mĂŒssen wir wegen ĂŒberhĂ€ngender Vegetation schon die Köpfe einziehen.

Der Botanische Garten ist gepflegt und hĂŒbsch angelegt mit GewĂ€chsen aus verschiedenen Vegetationszonen der Insel.

Schade nur, dass lediglich einige wenige Schilder uns die einzelnen BĂ€ume, BĂŒsche und Blumen erlĂ€utern. So genießen wir im Wesentlichen die BlĂŒtenpracht der verschiedenen Helikonien (auch Hummerscheren oder Falsche Paradiesvogelblumen genannt) 



 und bewundern die Brettwurzeln der hoch wachsenden KapokbĂ€ume. Mit den von Naturwachs ĂŒberzogenen hohlen Fasern seiner Samenkapseln wurden frĂŒher Rettungsringe und Schwimmwesten gefĂŒllt, auch heute noch gibt es auf vielen Booten Kapok-Kissen.

Aber der kleine Garten reicht uns noch nicht, um die Seglerbeine mal wieder ein bisschen im Landgang zu trainieren. Wir schließen gleich noch eine kleine Wanderung von etwa 5 Kilometern durch die HĂŒgellandschaft am Fuß des ĂŒber 1.000 m hohen Mont Toomarun an.

Ein paar BĂ€che wollen dabei durchwatet werden, zwischen den Steinen entdecken wir Aale und auch ca. 5 cm große SĂŒĂŸwassergarnelen.

ZurĂŒck an den Dinghys setzen wir vom Botanischen Garten aus nur einmal ĂŒber das FlĂŒsschen, denn am anderen Ufer liegt der Garten von AndrĂ©.

Der verkauft uns nicht nur ein bisschen Obst und GemĂŒse, unter anderem ziert mal wieder eine Bananenstaude das Achterstag der Flora. Sondern er zeigt uns auch mit großer Begeisterung, was er hier auf rund zwei Hektar FlĂ€che so alles anbaut. Darunter ist natĂŒrlich Bekanntes wie etwa Ananas, Bananen, Papaya und so weiter, auch KĂŒrbisse und Gurken und sogar Vanille.

Aber wir lernen auch einiges Neues dazu. So hat André verschiedene Taro-Pflanzen angebaut, darunter auch eine Sorte, bei der nicht nur die Wurzeln, sondern auch die (jungen) BlÀtter essbar sind.

Nebenbei öffnet uns AndrĂ© auch noch Trink-KokosnĂŒsse, macht uns Naturlöffel zum Ausschaben des weichen Kokosfleisches, und er zeigt uns seine Konstruktion einer Wildschwein-Falle, mit der er sich auf JagdausflĂŒgen in die Berge mit Fleisch versorgt.

Besonders spannend sind fĂŒr Wiebke und mich aber die FrĂŒchte des fĂŒr uns neuen “Eiscreme-Baums”. Von dem hat AndrĂ© tatsĂ€chlich ebenfalls verschiedene Sorten angebaut.

Die BĂ€ume sind auch als “Pacay” oder “Inga” bekannt, oder eben als Eiscreme-Bohnenbaum.

Die Fruchte Ă€hneln einer ĂŒberdimensionierten Bohne. Sie enthalten mehrere Samen, die jeweils einzeln von einem fluffig-faserigen Fruchtfleisch umhĂŒllt sind, das in Geschmack und Textur tatsĂ€chlich an Softeis erinnert.

Lecker!

😋