Refit der Flora in Neuseeland

„Refit“, das trifft es eigentlich ganz gut. Es war einfach mal wieder an der Zeit, unserer Flora eine Kur zu gönnen, sie wieder richtig fit zu machen. Seit fast sieben Jahren leben wir auf dem Boot, die vielen Jahre unterwegs haben Spuren hinterlassen. Klar, wir haben unterwegs immer wieder, eigentlich laufend, an ihr gearbeitet. Aber insbesondere die letzten Jahre in den etwas abgelegeneren Ecken des Pazifik haben für einen gewissen Service-Stau gesorgt. Zuletzt (und auch nur kurz) aus dem Wasser gekrant hatten wir das Schiff ja in Kanada. Neuseeland ist – was Ersatzteilversorgung und auch maritimen Service angeht – ein ausgesprochen guter Ort dafür, diesen Stau abzuarbeiten. Trotz der guten Infrastruktur hat das am Ende deutlich länger gedauert als zunächst veranschlagt, das war ja in den letzten Beiträgen bereits Thema. Aber ein Blick auf die Gesamtliste erklärt das schon ein bisschen.

  • Motor: große Inspektion, neue Motorfüße, neuer Turbolader, Einspritzdüsen geprüft, neuer Wärmetauscher, neues Motorinterface zum NMEA 2000 Netzwerk, neuer Anlasser (bisheriger als Ersatzteil, getauscht)
  • Antriebswelle: neues Wellenlager, neue Wellendichtung
  • Getriebe: Ölwechsel und Filterwechsel, Aquadrive-Kupplung ausgebaut und überprüft
  • Schaltung: neuer Schalthebel an der Steuersäule
  • Dieselgenerator: Instandsetzung nach Ausfall. Verstopftes Auspuffknie gereinigt, ebenso Wärmetauscher und Wasserabscheider, Kühlflüssigkeit erneuert, Ausgleichstank für Kühlflüssigkeit neu verlegt, neue Auspuffschläuche
  • Borddurchlässe und Seeventile: 23 Borddurchlässe (davon 17 im Unterwasserschiff) auf TrueDesign Kompositborddurchlässe umgestellt
  • Fäkalientanks: beide Schwarzwassertanks durch neu gefertigte Edelstahltanks ersetzt, diverse Leitungen und Ventile ebenfalls erneuert
  • Segel: vom Segelmacher durchgesehen, UV-Schutz an Fock und Großsegel erneuert, Großsegelunterliek repariert
  • Solarpanel: zwei zusätzliche Panel je 100 Wattpeak auf den Davids (zusätzlich zu dem 430 WP Panel, dafür neuen Aluminiumrahmen schweißen lassen. Zwei der vier 100 WP Panel auf dem Bimini erneuert
  • Bimini: repariert, neue Fensterfolie für den Blick in die Segel, nachgenäht und Klett erneuert
  • Navigationsinstrumente: Neuer Monitor am Kartentisch für den Bordcomputer, ORCA Navigation (ORCA Core und Display) ergänzt
  • Unterwasserschiff komplett überarbeitet, Schadstellen heruntergeschliffen und neu aufgebaut, über alles eine Epoxi-Sperrschicht und 5 neue Schichten Epoxi-Coppercoat
  • Sämtliche Polster im Salon, am Kartentisch und Sitz in der Achterkoje neu bezogen, Umbau der „Runden Ecke“ im Salon auf eckig
  • Waschmaschine neu (im vorderen Bad, Camec II 4 KG)
  • Wasserhähne und Dusch-Armaturen in beiden Bädern neu
  • Herd/Backofen neu (Kardanik in altem Herd war ausgerissen, zudem neu: Grillfunktion)
  • Ocean-Air Rollos repariert, mit neuen Verdunklungsstoffen und neuen Mückennetzen versehen
  • Gardinen im Achterschiff erneuert (selbst genähte Verdunklungsgardinen)
  • Laufendes Gut: Großsegelausholer erneuert
  • Wassermacher: Ölwechsel, Fitting neu eingedichtet, neue Membran (deren Einbau erfolgt aber erst, wenn wir wieder in klarem Meerwasser sind)
  • Bugstrahlruder: neue Propeller, neues Antifouling im Tunnel
  • Kielnaht erneuert
  • Anoden: neue Zinkanoden an Welle, Propeller, Bugstrahlruder und Kühlschrank (Kühlungen in den Bordduchlässen der Küchenspüle)
  • Gelcoat: kleinere Schäden im Bereich des Hecks repariert
  • Rumpf poliert (über der Wasserlinie)
  • Spiegel in beiden Bädern neu

Eine kleine Auswahl mit Vorher-, Chaos- und Nachher-Fotos:

Die Spiegel sind übrigens nach einer kleiner Irrversendung quer durch Neuseeland heute erst hier angekommen. Egal, besser spät als nie und wir sind ja noch hier. Letzteres allerdings nur, weil quasi in der Nachbarschaft Zyklone (so wird ein Hurrikan auf der Südhalbkugel genannt) unterwegs sind. Die Zyklonsaison dauert im Südpazifik regulär noch bis Ende April. Erst danach wollen wir uns Richtung Fiji aufmachen. Denn jetzt sieht es in den Tropen nördlich von Neuseeland so aus: während nordöstlich von Australien der tropische Zyklon Maila fast stationär seine Runden dreht, steuert der tropische Zyklon Vaianu gerade an Fiji vorbei südwärts Richtung Neuseeland. Dabei wird er sich über dem kälteren Wasser abschwächen (derzeit ist Vaianu in der Kategorie 3 eingestuft), aber nach bisheriger Prognose erwarten wir in Neuseeland zum Wochenende schlechtes Wetter mit extremen Regenfällen und sehr starken, in der Richtung drehenden Winden. Da bleiben wir lieber noch ein wenig hier im gut geschützten Whangārei etwa 30 Kilometer flussaufwärts der Küste.

Nebenbei sind wir Dauergast in den großen Supermärkten von Whangārei und stocken jetzt auch schon die langfristigen Proviantvorräte auf Flora für die kommende Saison wieder auf.

Aller guten Dinge sind … ?

Am Ende wird alles gut. Wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende!

Nach dem Hinein- und Hinauskranen der Flora am Dienstag war Arbeit an den drei leckenden Seeventilen angesagt und dann am Mittwoch wieder Travellift.

Mittwoch: Same procedure

Leider Murmeltiertag. Frühmorgens rein, erneut ein undichtes Seeventil feststellen, gleich wieder raus. Wieder ist das Seeventil des achteren WC-Auslasses undicht. Es ist wirklich kaum zu erreichen, im Motorraum eingezwängt zwischen dem Volvo, dem vom Vorbesitzer eingebauten Generator sowie dessen Seeventil nebst Schläuchen und dem Schott zum Bad. Jetzige Diagnose: wahrscheinlich war deshalb beim Einbau (für Dienstag) das Seeventil schief auf den Borddurchlass gesetzt. Damit wurde das Gewinde des TrueDesign-Borddurchlasses verletzt, das neue Seeventil (für Mittwoch) konnte also wieder nicht dichten. Der Borddurchlass muss ganz raus (also auch neues Coppercoat Antifouling drauf). Akkordarbeit für die Handwerker und neuer Krantermin am Donnerstag.

Frust bei uns. Zur Bewältigung (oder Kompensation?) machen wir eine spontane Gewalttour nach Auckland und zurück. Unser Ziel ist das „RV Super Centre“, ein riesiges Zentrum für neue und gebrauchte Wohnmobile. Was soll das jetzt, geht der Frust so weit, dass wir an eine Landyacht denken?

🧐 . Nein, natürlich nicht.

Aber im RV Super Centre gibt’s auch einen Zubehörshop und der bietet eine Waschmaschine an, die unserer schon seit Panama irreparabel kaputten Candy 3,5 kg recht nahe kommt. Die Camec RV II 4 kg ist – wie könnte es anders sein – minimal zu groß. Limitierend sind auf der Flora die Tür zum vorderen Bad mit 47 cm Breite, zudem ist das Loch für den Einbauort der Waschmaschine (von der Dusche aus) nur 51,5 cm breit und 75 cm hoch.

Die Camec misst 70 x 51 x 49 cm. Wir müssen sie uns vor Ort anschauen, um zu sehen, ob und ggfs. was demontierbar ist oder ob wir das ganze Gehäuse auseinander bauen müssten.

Und so sieht’s dann aus: wenn wir die Waschmaschinentür abbauen, gewinnen wir etwa zwei Zentimeter. Das wäre einfach und könnte gerade so ausreichen. Schlimmstenfalls müssten wir die Rückwand auch auseinandernehmen. Allerschlimmstenfalls passt die Maschine dann trotz neuem, etwas kleinerem Holdingtank im gleichen Stauraum immer noch nicht. Puh. Schwierige Entscheidung. Wir riskieren es und kaufen die Waschmaschine. Schließlich war in Panama, den USA, Kanada und Mexiko keine passende zu bekommen, da dort die Stromnetze und somit fast alle Elektrogeräte jeweils auf 110 V 60 Hz und nicht auf die von uns benötigten 230 V 50 Hz ausgelegt sind. Ein Import aus Europa hätte das Dreifache des Preises der Waschmaschine verschlungen. Außerdem gab es überall Waschsalons. Die Inseln im Pazifik: keine vernünftigen kleinen Maschinen. Also: jetzt hier in Neuseeland, wenn sich irgendeine Chance bietet: nutzen.

Die Camec bleibt allerdings erst einmal im Kofferraum unseres Autos.

Donnerstag: Krantermin zum Dritten!

Wieder hängt Flora in den Seilen des Travellifts, wird langsam ins Wasser gelassen und bleibt in den Seilen, bis wir das ok geben.

Mechaniker Byron kontrolliert das vermaledeite Ventil im Motorraum: dicht! Endlich.

Die Seile werden gelöst wir motoren zum Liegeplatz am Steg. Durchatmen. Danach geht Wiebke die Ventile alle noch einmal durch und … da ist doch ein Tropfen am Seeventil unter dem Waschbecken im achteren Bad? Trockenwischen, warten. Mist, ein neuer Tropfen bildet sich. Das darf doch nicht wahr sein. Ich schließe das Seeventil, wische alles noch mal trocken, lege drumherum Küchentücher aus. Sie bleiben um das Ventil des Waschbeckenauslasses herum trocken, aber das Ende am Ventil des Decksablaufes wird etwas feucht.

Byron kommt und prüft. Und prüft. Und prüft. Ergebnis: Borddurchlass und Seeventil sind dicht, bei geschlossenen Seeventilen passiert also nichts, wir können im Wasser bleiben. Die beiden Schlauchanschlüsse oberhalb dieser beiden Seeventile müssen aber neu abgedichtet werden. Na Klasse. Aber immerhin Glück im Unglück: nicht nochmal kranen, dann könnten wir erst nach Ostern wieder ins Wasser.

Aber auch so, dreimal kranen innerhalb von drei Tagen, das ist ein Novum für uns. Wenn möglich, möchten wir das auch nicht wiederholen.

(Kar-)Freitag: wir bereiten das Projekt Waschmaschine weiter vor. Ich verlege die Schläuche im Waschmaschinen-Kabbuff etwas anders, um oben mehr Platz zu schaffen. Messe alles noch einmal aus, zeichne an den Wänden mit Bleistift Markierungen an. Baue die Tür zum Waschmaschinenkabuff und die große Tür vom Salon zum Vorschiff aus. Schraube den Salontisch ab und schiebe ihn ganz zum Sofa. Soviel Platz schaffen wie möglich. Auch das Steuerrad im Cockpit wird ausgebaut.

Ben von der „Kujira“ kommt uns zu Hilfe. Kräftig und super schlank, das wird helfen. Und tatsächlich, wir wuchten die Maschine über die Reling und ins Cockpit, entfernen die schützende Verpackung. Dann die Treppe herunter in den Salon. Tür der Waschmaschine abschrauben. Es klappt, wir kommen durch die Türdurchlässe gerade so eben durch. Wir verbinden den Wasserzulauf, binden das Stromkabel und de Abwasserschlauch an die zuvor gezogenen Pilotleinen und zirkeln mit etwas Mühe die 45 Kilogramm der Camec durch die enge Öffnung, wobei sich Ben tatsächlich noch zwischen Duschwand und Maschine quetschen kann. Drin, passt wie angegossen. Waschmaschinentür wieder dran, mit Spanngurt herunterzurren, anschließen, fertig.

Flora schwimmt und wir haben sogar wieder eine Waschmaschine. Hurra!

Arbeitsergebnisse – Zwischenstand

Sind wir fertig?

Nein, weder mit den Nerven, noch mit der Bootsarbeit. Eigentlich wollten wir ja schon unterwegs sein und jetzt mit Auto Neuseeland zu bereisen, aber das muss noch warten. Ich hätte erwartet, dass uns Verzögerungen bei den Bootsprojekten mehr stressen würden, aber erstaunlicherweise macht es uns bisher gar nichts aus. Wir machen es uns heimisch im mittlerweile dritten AirBnB in und um Whangārei, erkunden die Umgebung und treiben die Bootsprojekte voran. Als wir beim Wechsel zwischen unseren Unterkünften einen Tag überbrücken müssen und dafür auf die Flora ziehen, hat das einen erstaunlichen Nebeneffekt. Unser Handwerker fühlt sich motiviert, das temporäre Chaos auf Flora zu verringern und dafür sogar am Wochenende zu arbeiten.

Die Woche begann aber sowieso schon gut. Endlich kommen die Alu-Schweißer vorbei. Gemeinsam bauen wir das Solarpanel und dessen Träger von den Davits ab. Sie nehmen die (zusätzlichen) beiden neuen Solarpanel ebenfalls mit und machen sich ans Werk für den beauftragten neuen Halterahmen.

Außerdem ist unser Bimini repariert. Der Stoff wurde geflickt und verstärkt, die spröde und rissig gewordene Fensterfolie erneuert, die Klettabdeckungen der Reisverschlüsse nachgenäht bzw. getauscht. Dadurch können wir auch die jetzt die 400 WP Solarpanel auf dem Bimini wieder nutzen, um so wichtiger, weil ja jetzt die anderen 400 WP auf den Davits gerade abgebaut sind.

Den alten Herd, der uns auf dem Törn nach Neuseeland aus der Halterung gesprungen war und dessen gebrochene Aufhängung wir notdürftig repariert hatten, wird durch eine neuere Version ersetzt. Damit haben wir endlich auch die Möglichkeit zusätzlicher Oberhitze im Backofen.

Dazu diverser Kleinkram. Ein Beispiel: die Wasserhähne im Bad sind ziemlich unansehnlich geworden, das lässt sich leider auch nicht mehr wegpolieren. Ich hatte neue bestellt, leider sind aber die nötigen Anschlussfittinge trotz Odyssee durch alle in Frage kommenden Geschäfte nicht zu bekommen. Wohl oder übel muss ich die alten Anschlussfittinge aufarbeiten und wiederverwenden.

Grausgruselig sieht es um die Edelstahl-Holdingtanks aus. Der Schwarzwassertank der achteren Toilette hatte ja an einer Schweißnaht nadelfeine Löcher entwickelt, mit entsprechend unangenehmen Begleiterscheinungen. Gegen den Ausbau wehrt er sich lange aber am Ende vergeblich. Die Naht neu zu schweißen oder einige Bleche zu verstärken erweist sich als nicht sinnvoll, wir lassen einen Ersatztank bauen. Sicherheitshalber bauen wir auch den vorderen Holdingtank aus und lassen ihn prüfen. Von außen sieht er noch gut aus, aber die Bleche sind von innen ebenfalls stark korrodiert und extrem dünn geworden. Also wird auch diese tickende Zeitbombe mit einem neuen Tank entschärft, außerdem werden bei beiden Tanks auch die Schläuche und Ventile erneuert. Das beschäftigt uns und unsere Handwerker länger als erwartet, aber der Teufel steckt wie so oft im Detail.

Das Highlight der Woche: die neuen Polster sind da und wir bauen sie gleich ein. Aus der „runden Ecke“ ist eine eckige geworden und auch sonst sind wir von der Qualität und auch vom Preis begeistert.

Zum Vergleich: runde Ecke (alt) und eckige Ecke (neu):

Und sonst: der Motor ist größtenteils wieder zusammengebaut, beim Generator fehlt allerdings noch immer eine Dichtung (soll nächste Woche kommen). Das neue Coppercoat ist ebenfalls für nächste Woche angekündigt (jedenfalls beim Importeur).

Es wird so langsam. Hoffentlich.

Work and Travel in Neuseeland

Nach der Reise zu Jacqui und Phil am letzten Wochenende steht wieder gehäuft Bootsarbeit an.

Beim Generator scheint der Wasserabscheider zum Glück doch in Ordnung zu sein, nach seinem Ausbau (er sitzt in der Backskiste) kommen wir außerdem besser an die Rückseite des Generators heran. Mechaniker Byron findet dann allerdings einen übel aussehenden Wärmetauscher am Generator.

Zum Glück stellt sich nach intensiver Reinigung heraus, dass die Ablagerungen nur von einem schlecht sitzenden Anschluss-Fitting herrühren, die beste aller Lösungen. Es fehlt nur noch eine (bereits bestellte) Dichtung.

Auch gut: die Teile für den Volvo-Motor (Turbo und Rohrbündel des Wärmetauschers) sind eingetroffen, die gereinigten Motorteile sind bereits grundiert und müssen nur noch lackiert werden, dann kann es an den Wiedereinbau gehen.

Schlechte Nachrichten gibt es zum Coppercoat: es wurde zwar Anfang der Woche geliefert, allerdings mit Ablaufdatum (bis zu dem es gestrichen werden soll) am exakt gleichen Tag. Das ist bei dem happigen Preis und einer Ablauffrist von normalerweise 12 Monaten nicht hinzunehmen. Wir erfahren, dass uns der Lieferant wahrscheinlich das Coppercoat gesendet hat, welches ein anderes Boot auf der Werft nach direkter Rücksprache mit dem Hersteller wegen des Ablaufdatums an den Lieferanten zurückgehen ließ.

Grrr. 😡

Eine neue Lieferung soll am 10. März kommen.

Was noch? Unter anderem bauen wir alle Polster aus dem Salon (also Sofaecke, Sessel, Navisitz) und den Sitz in der Achterkoje aus und geben sie zum Polsterer. Am schlimmsten präsentiert sich der Sitz am Navitisch, aber auch die Flecken und Scheuerstellen an den anderen Polstern haben wir zuletzt immer mit Überwürfen kaschiert. Das muss jetzt mal neu. Außerdem wollen wir die „runde Ecke“ des Sofas umarbeiten zu einer eckigen. Deutlich gemütlicher zum Liegen und auch zum Lömern mit hochgezogenen Beinen. Zudem wird das Staufach hinter der Rückenlehne besser zugänglich. Das Herausnehmen ist bei den meisten Polsterteilen recht einfach, nur einige verdeckt durch den Polsterstoff angeschraubten Rückenlehnen machen die Aktion doch etwas langwieriger.

Aber gut. Das ist jetzt also auch in Arbeit.

Zur „Arbeit“ fahren wir übrigens von unserem neuen AirBnB aus, das diesmal im Nordosten von Whangārei im Örtchen Tamaterau liegt. Zwar müssen wir bei der Anfahrt eine steile und enge Schotterpiste bewältigen, dafür ist die Aussicht aber phantastisch:

Und schon ist wieder Wochenende. Nach Work kommt Travel. Diesmal wollen wir ganz in den Norden zum Cape Reinga,

Lust und Frust in Whangārei

Ich fang mal mit dem Positiven an: wir haben eine schöne Unterkunft hier in Whangārei und mit den Bootsarbeiten geht es auch langsam voran.

Unser AirBnB liegt eigentlich direkt neben dem State Highway #1, der längsten und wichtigsten Bundesstraße in Neuseeland. Trotzdem bekommen wir vom Verkehr kaum etwas mit, denn die Straße verläuft deutlich oberhalb des Grundstücks, das wir nur über eine Serpentine hinunter ins Flusstal erreichen. Das Flüsschen Waiarohia River strömt von Bäumen überdacht direkt unterhalb der Terrasse unserer Unterkunft laut rauschend durch sein felsiges, gewundenes Bett.

Auch wenn es morgens mit 12 Grad durchaus noch frisch ist, nehmen wir den zweiten Kaffee und das Frühstück deshalb gerne auf der Terrasse. Das Feierabendbier dafür dann gern auf einem der inzwischen aufgewärmten Felsen im Fluss (tagsüber hat es etwa 24 Grad).

Im klaren Wasser des Flüsschens können wir Neuseeländische Langflossenaale beobachten. Sie können bis zu 180 cm lang und 25 kg schwer werden, den größten hier schätzen wir auf gut über einen Meter. Die Maorí nennen diesen Aal „Tuna“, er ist als Speise geschätzt, hat aber auch mythische und religiöse Bedeutung.

So zeigt sich das Wasserungeheuer Taniwha (gesprochen Tanifa, wh wird wie f gesprochen, auch in Whangārei) häufig in dieser Form. Fängt man also einen solchen Aal, der andere Merkmale hat, etwa Streifen oder rote Augen, würde bei seiner Tötung ein Fluch auf dem Angler liegen. Wir angeln lieber nicht, sondern beobachten die Aale nur.

Floras Reparaturen sind bei unserer Ankunft wie erwartet noch nicht so suuuper weit, von den im November erteilten Aufträgen ist vieles bisher nicht abgearbeitet. Das ist etwas frustrierend, aber immerhin:
Der Anlasser ist getauscht, der Wärmetauscher ausgebaut (leider hat das Rohrbündel einen Riss), die Motorfüße erneuert, die flexible Wellenkupplung gecheckt (und für noch gut befunden), das Wellenlager erneuert, die Einspritzdüsen geprüft (gut), der Gori-Propeller auseinander genommen und geserviced (war schwierig), der durch nadelkleine Löcher leckende achtere Fäkalientank ausgebaut, ok, dann nehmen wir den vorderen Tank auch noch raus. 9 Seeventile sind bereits (gegen TrueDesign-Komposit-Ventile) getauscht, vier weitere in Arbeit. Mit dem Unterwasserschiff-Coppercoat konnte also noch nicht begonnen werden. Trotz Ansage im November ist das Coppercoat leider auch noch nicht bestellt, da laufen wir jetzt hinterher.

Außerdem bauen wir das Bimini ab, um einen Sturmschaden-Riss reparieren lassen zu können. Die bei SVB in Deutschland bestellte Ankerwinsch hängt noch im Zoll, es beginnt ein intensiver Email-Verkehr mit der neuseeländischen Post und dem Zoll.

Jetzt, wo wir da sind, gehen auch die Handwerker mit neuem Elan ans Werk. Der Turbolader gibt nach intensivem Zureden seinen Widerstand gegen den Ausbau auf, muss aber leider erneuert werden. Beim Wechsel der Anoden bricht ein Flügel am Propeller des Bugstrahlruders ab, das Material ist ziemlich spröde geworden, da steht also auch ein Austausch an. Am Generator zeigt sich, dass der Krümmer sich komplett zugesetzt hat. Der Wasserabscheider hat verdächtige Spuren, das muss näher untersucht werden.

Der Rahmen für die Befestigung der neuen Solarpanele ist noch nicht geschweißt. Mit dem dritten Handwerker der gleichen Firma nehme ich nochmal die Maße auf.

Nebenbei näht Wiebke neue Verdunklungsgardinen für die Achterkoje und wir versuchen das OceanAir Verdunklungsrollo/Fliegengitter für das Luk zu reparieren.

Langweilig wird es also nicht und dieser Kur-Werftaufenthalt hier bei Dockland 5 in Whangārei bedeutet sicher das umfangreichste Refit, das Flora bisher bekommen hat.

Was liegt an?

Nur ein paar Tage bleiben uns noch in Whangārei, dann fahren wir schon nach Auckland. Und von da aus fliegen wir Ende nächster Woche nach Deutschland.

Flora steht aufgebockt auf dem Gelände von Dockland 5, sie hat sich einen Kur-Aufenthalt wahrlich verdient.

Die sechseinhalb Jahre Dauerbelastung sind nicht ganz spurenlos geblieben, da ist tatsächlich Allround-Wellness angesagt.

Ganz oben auf der Liste stehen die Checkups unserer beiden Dieselmotoren, also Hauptmaschine und Generator. Da ist mal ein bisschen mehr zu tun als die von uns regelmäßig durchgeführten Öl-, Filter- und Impellerwechsel. Turbo und Wärmetauscher werden ausgebaut. Der letztere bietet gleich eine unangenehme Überraschung. Beim Ausbau zeigt sich, dass eine verdeckt liegende Dichtung ihrem Namen nicht mehr ganz gerecht wird. „Gerade noch rechtzeitig“, sagt der Mechaniker.

Ebenfalls weit oben auf der Liste stehen die Borddurchlässe und Seeventile. Löcher im Schiff verdienen halt besonderes Augenmerk. Flora hat davon eine ziemlich große Anzahl. Schon ab Werk, erst recht aber durch die Nachrüstungen des Vorbesitzers (Wassermacher, Generator und Klimaanlage). Allein im hinteren Bad befinden sich sieben Borddurchlässe, alle aus seewasserbeständigem Messing, wie es ab Werk verbaut wird. Das leidet allerdings in dem warmen Salzwasser ziemlich heftig unter Korrosion beziehungsweise Auszinkung. Wir wollen es deshalb – da wo es geht – durch korrosionsresitente TrueDesign-Komposit-Fittinge ersetzen.

Hier als Beispiel die Batterie von fünf Seeventilen im hinteren Bad, zwei weitere befinden sich im Waschbeckenunterschrank gleich daneben.

Leider sind bei weitem nicht alle Seeventile so gut zugänglich wie diese, insbesondere im Motorraum geht es ziemlich eng zu.

Im Bad gibt es noch eine weitere Baustelle: der Abwassertank hat ein kleines Leck. Eine der Schweißnähte des Edelstahltanks scheint ein nadelgroßes Loch aufzuweisen. Hoffentlich kann er geschweißt werden. Der Tank muss also raus. Nachdem wir die Wandverkleidung und das WC abgebaut haben, sieht das Ganze so aus:

Auch diese Ventile sollen raus, sie sind extrem schwergängig geworden. Die hinter dem Tank verbaute Tankentlüftung und das seitlich (durch den Motorraum geführte Knie zum anschließenden Schlauch der Tankabsaugung via Decksstutzen verkomplizieren den Ausbau des Tanks allerdings erheblich. Es ist eben ein Boot.

Was noch?

Die Segel bringen wir zur Durchsicht und Ausbesserung zum Segelmacher.

Die Gangschaltung nehmen wir uns selbst vor. In Aitutaki auf den Cook Islands hatte ja beim Anlege-Hafenmanöver das Gasgeben im Rückwärtsgang nicht mehr geklappt. Murphy‘s Law.

Offenbar war ein Mitnehmer innerhalb der Gangschaltung gebrochen. Bei geöffneter Steuersäule konnten wir den Gang manuell auf der Rückseite der Gangschaltung wechseln, immerhin war ein “Workaround“ gefunden. Aus Deutschland brachten wir dann nach Samoa eine Ersatzschaltung mit. Einbauen konnten wir sie allerdings nicht, da sich der Schalthebel nicht lösen ließ. Weder Rostlöser noch Hitze- und Kälteanwendungen brachten Abhilfe, selbst gutes Zureden half nicht.

Hier in Whangārei gehen wir es nochmal an, Kommen aber zerstörungsfrei nicht weiter. Der Konus, auf dem der Schalthebel sitzt, bricht irgendwann. Immerhin, das eröffnet uns die Möglichkeit, die zwischen äußerer Edelstahlplatte und innerem Stahlblech komplett fest gegammelten Schrauben auszubohren und den Schaltmechanismus innerhalb der Steuersäule zu lösen. Dafür müssen wir aber die Steuersäule auseinander bauen und die darin befindliche Elektrik und Elektronik trennen. Dabei natürlich schön beschriften, damit wir das jemals wieder zusammensetzen können.

Die Solarpanel auf dem Bimini funktionieren nur noch teilweise. Die (älteren) SunWare-Panel laden noch immer gut, die (neueren) Sunbeam-Panel haben schon eine völlig matte Oberfläche und geben den Geist auf. Dabei hatten wir für die erst in Tahiti eine mit Klett abgedeckte Reißverschluss-Halterung auf das Bimini nähen lassen. Wir finden hier in Whangārei semiflexible Panele in passender Größe und lassen bei einer Sattlerei die gleichen Reißverschlüsse darannähen.

Wo wir schon dabei sind, kaufen wir auch noch zwei feste Panele, die unser großes 400 Wattpeak-Panel auf den Davits ergänzen sollen. Dafür ist jetzt bei einem Aluminium-Schweißer ein geänderter Halte-Rahmen in Auftrag gegeben.

Wegen der schäbig gewordenen Salonpolster sprechen wir mit verschiedenen Polstereien.

Für das Auffrischen des Coppercoat-Unterwasseranstrichs und die erforderlichen Ausbesserungen geben wir einen Auftrag an den Spezialisten vor Ort.

Und noch dies und noch das. Die Tage vergehen im Flug. Um so besser, wenn dann zum Feierabend der Blick hinunter auf Whangārei meistens eben doch klar und die Berge nicht regenverhangen sind.

Rausgeholt und trotzdem nass.

Es ist soweit, Flora kommt mal wieder aufs Trockene. In Whangārei wird sie mit dem Travellift aus dem Wasser gehoben. Jedesmal aufs Neue ist das für uns ein nervenaufreibender Moment. Aber die Mitarbeiter hier auf der Werft machen das etwa neunmal am Tag, für sie ist es Routine. Per Headset sind sie miteinander verbunden. Ruhig und doch äußerst aufmerksam gehen sie zu Werk. Die Gurte sitzen zunächst genau auf den Markierungen, aber dabei kommt Floras Vorstag ziemlich nah an den Querträger des Travellifts. Lieber noch mal schauen: zum Log-Lot-Geber hat der vordere Gurt noch über einen Meter Platz. Also noch mal ins Wasser und den Gurt einen halben Meter versetzen, jetzt passt es oben besser mit dem Vorstag.

Raus, mit Hochdruck das Unterwasserschiff abstrahlen und dann die Fahrt übers Werftgelände zum Stellplatz mit stehendem Mast absetzen und den Lagerbock anpassen. Das alles klappt noch, bevor der Regen einsetzt.

Während wir danach drinnen mit Bootsarbeiten und Vorbereitungen für die Zeit „on the hard“ beschäftigt sind, fängt es aber kräftig an zu pladdern. Und dabei bleibt es bis in den Abend hinein. Bis zum Heimflug haben wir uns ein AirBnB gegönnt um nicht auf der Bootsbaustelle zu wohnen und für jeden Toilettengang über die Leiter hinabsteigen zu müssen. Eigentlich haben wir von unserer kleinen AirBnB-Wohnung hoch auf einem Hügel über der Stadt einen schönen Blick über Whangārei. Nicht touristisch gestriegelt, sondern eben über Einkaufszentren und Industriegebiet hinweg, aber man kann auch die goldene Kuppel des Hundertwasser-Gebäudes im Zentrum ausmachen und die grünen Berge hinter der Stadt rahmen das ganze durchaus malerisch ein. Heute allerdings nicht:

Tonga. Vava‘u und die Flora halten uns auf Trab.

Was für ein wunderbares Revier. Auch wenn wir gerne länger an einem einmal gewählten Ankerplatz bleiben, wollen wir unseren Gästen doch auch etwas Abwechslung bieten. Hier in der Vava‘u-Gruppe fällt das leicht. Die traumhaften Ankerplätze liegen nahe beieinander und selbst zum Hauptort ist es meist nur ein kurzer Schlag.

Für eine Nacht stoppen wir am Ankerplatz #6 (Mala). Wir sind begeistert vom Schnorcheln an den kleinen Felsinselchen, viel bunter Korallenfisch, Moränen, Anemonen und damit auch Clownfische, das alles in kristallklarem Wasser.

#6

Beim Abduschen nach dem Schnorcheln gibt’s allerdings eine unangenehme Überraschung: nur ganz kurz kommt noch Wasser. Hm. Die Tankanzeige steht auf voll, die Pumpe macht allerdings ein seltsames Geräusch. Also dann muss wohl eine Ersatzpumpe ran, die hatten wir allerdings auch wegen viel zu häufigem Anspringen ausgetauscht und eigentlich nur als Teileträger behalten. Jetzt macht sie kurzfristig mehr Druck und bringt den Wasserhahn zum Sprötzeln, mehr aber auch nicht. Sollte die Tankanzeige klemmen und der Tank leer sein?

Wir stellen den Wassermacher an und motoren zum Ort. Wir holen unsere gefüllte Gasflasche ab, außerdem die neuen Crew-Shirts. Und wir füllen die Vorräte auf. Außerdem finden wir beim Schiffsausrüster noch eine neue 12V Druckwasserpumpe – super, zumindest ein funktionierendes Backup. Einbauen brauchen wir sie noch nicht, mit dem jetzt wieder gefüllten Frischwassertank funktionieren Dusche und Wasserhähne wieder. Das bedeutet allerdings, dass wir den Salontisch ausbauen und die Bodenbretter losschrauben müssen. Nur so kommen wir an die Inspektionsluke für den Wassertank und können die klemmende Tankanzeige wieder gängig machen. Emma und Claas werden natürlich zur Bootsarbeit mit eingespannt.

Zur Belohnung gibt es Abends im „Basque“ ein Abschiedsessen mit Bonnie und Bob von der Scout. Die beiden wollen weiter nach Fiji und werden wohl das nächste passende Wetterfenster nehmen. Da sie in Fiji aber länger bleiben werden, treffen wir sie hoffentlich dort im Frühsommer 2026 wieder.

Wir verholen am nächsten Morgen ein weiteres Mal, jetzt zum Ankerplatz #16 an der Insel Vaka‘eitu. Auf dieser privaten Insel lebt nur eine zehnköpfige Familie. Am Strand treffen wir Dorothy mit zwei ihrer drei Kinder. Sie begrüßt uns freundlich und erlaubt uns bereitwillig, auf ihrer Insel herum zu wandern. Wir melden uns auch gleich für das „Tongan Feast“ an, das hier am Ende der Woche stattfinden soll.

Zurück am Dinghy erwartet uns eine Überraschung: direkt am Strand schlängelt sie sich schwarz weiß geringelt im flachen Wasser: das sieht nach einer hochgiftigen gebänderten Seeschlange aus.

Wäre allerdings nicht sehr gefährlich für uns, denn diese gut einen Meter langen Schlangen haben ein so kleines Maul, dass sie Menschen eigentlich kaum beißen könnten. Und – wichtiger – das Tier sieht wirklich nur sehr ähnlich aus. Tatsächlich bedient sich hier ein gebänderter Schlangenaal der Mimikry. Er imitiert in seiner Erscheinung weitgehend die Seeschlange, ist aber komplett harmlos. Erkennbar ist er vor allem an der Zeichnung am Kopf (Auge im weißen Bereich) und an den gelegentlich vorkommenden schwarzen Punkten in den weißen Bereichen. Das musste ich allerdings erst mal nachschlagen. Diese Schlangenaale lieben flache sandige Flächen in Lagunen und Riffen, aber es ist trotzdem der erste seiner Art, den wir sehen.

Auch der heutige Morgen bringt uns Tiere direkt ans Schiff. Als wir wach werden, hören wir rund um die Flora herum in kurzen Abständen ziemlich heftiges Plantschen. Ein Schwarm kleiner Fische sucht unter unserem Boot Schutz. Diverse Raubfische versuchen sie vom Rumpf weg an die Oberfläche zu treiben, wo sie sich leichter jagen lassen. Die ins Wasser gehaltene GoPro enthüllt, dass neben Dicklippen-Makrelen einige Blauflossenmakrelen und auch mehrere kleine Thunfische (Wavyback-Skipjacks) zu den Jägern gehören.

Einige Noddie-Seeschwalben, vor allem aber eine Menge an Schwarznacken-Seeschwalben nutzen die Gelegenheit, um die aus ihrem Versteck getriebenen kleinen Fische von oben anzugreifen.

Es ist insgesamt ein langanhaltendes ordentliches Spektakel. Die uns als Zuschauern gebotene Unterhaltung passt ja eigentlich auch gut zu einen Ankerplatz, der ein wenig an ein natürliches Amphitheater erinnert.

Passage Samoa nach Tonga, Tag 2 und angekommen

Der zweite Tag der Passage beginnt wie der erste, ziemlich rau. Das fordert leider auch Tribut, eine besonders fiese Welle schüttelt die Flora durch und die halbkardanische Halterung bricht. Für die Nichtsegler: diese Halterung sorgt dafür, dass der Herd und damit die darauf befindlichen Pfannen und Töpfe in der Horizontalen bleiben, auch wenn das Boot von einer Seite zur anderen schaukelt.

Eigentlich wirkt der Herd nur etwas schief und er schwingt halt nicht mehr. Bei näherer Betrachtung müssen wir aber erkennen, dass die fest am Herd selbst verbaute linke Schwingachse gebrochen ist. Auf dieser Seite ist der Herd dadurch heruntergesackt und hat sich im Schacht verkantet.

Immerhin, dadurch laufen wir nicht Gefahr, dass uns der schwere Herd durch das Schiff fliegt.

Zum Glück wird der Seegang im Laufe des zweiten Tags auch langsam ruhiger, das Segeln angenehmer. Und nach nur etwa 52 Stunden sind wir auf Tonga angekommen, machen am Gouvernement Dock in Neiafu fest (in Tongas nördlicher Vava’u-Gruppe).

Das “Tonga Customs Advance Notice of Arrival“ hatten wir wie gewünscht schon vorab per Email übermittelt, trotzdem sind für Zoll, Health und Immigration nochmal 8 Seiten Papier auszufüllen. Aber das ganze Prozedere geht recht flott und die Officer sind freundlich.

Wir verholen uns ein kleines Stückchen weiter in die Bucht und finden auch noch eine freie Mooring. Auf dem Weg sehen wir schon einige bekannte Yachten. Ganz besonders freuen wir uns, am Abend noch mit Heather und Jim von der Kavenga unser Ankommensbier trinken zu können.

Die beiden hatten wir zuerst auf Vancouver Island in Kanada getroffen und danach noch mehrfach unterwegs in den USA und in Französisch-Polynesien.

Am nächsten Tag widmen wir uns dem Saubermachen und Aufräumen der Flora, der Wieder-Inbetriebnahme des Wassermachers und natürlich dem dringenden Projekt “Herd”.

Der Ersatzteilefinder beim maritimen Versandhandel SVB versorgt uns mit einer Oxplosionszeichnung, das kaputte Teil ist aber leider nicht bei SVB erhältlich. Kein Wunder, es ist fest mit der Seitenwand des Herdes vernietet. Also bauen wir den Herd aus und nehmen ihn auseinander. Wir können nur improvisieren. Die Seitenwand bringe ich mit dem Dinghy zu einem verfallenen Dock in der Nähe. Dort richtet der Funkenflug keine Schäden an, als ich mit der Akkuflex die Vernietung von der Edelstahlwand entferne. Wieder an Bord kann ich den restlichen Niet ausschlagen und das Loch auf die Größe einer 8ter Senkkopfschraube vergrößern, auf der Innenseite mit großer Unterlegscheibe und Muttern gekontert. Den Herd wieder zusammenbauen, dabei auch gleich die Mechanik der Frontklappe reparieren. Der Senkkopf kann dann von oben in die Halterung im Herdschacht rutschen, so die Theorie.

Wunder über Wunder, die Kardanik funktioniert wieder. Mal schauen wie lange, aber fürs erste sollte es gehen.

Von Tonga haben wir noch nicht viel gesehen, aber das kommt jetzt.

😊

Passage Samoa nach Tonga, Tag 1

Es ist noch dunkel, als wir aufstehen. Um 6:30 lösen wir das Spinnennetz der Leinen, mit denen Flora so lange hier in Apia vertäut war. Das Ablegemanöver klappt gut, obwohl unsere Motorschaltung immer noch hakt. Über Standgas hinaus können wir nur entweder vorwärts oder rückwärts gehen, das Umschalten dazwischen funktioniert nur mit einem Griff in die Steuersäule hinein (wofür ein Instrumentenpanel losgeschraubt sein muss). Eine neue Schaltmechanik haben wir aus Deutschland mitgebracht, aber noch nicht installiert, weil sich die alte nicht so recht lösen will. Da möchten wir zur Sicherheit jedenfalls eine Werft in der Nähe haben für den Fall, das wir das Ganze bei einem Reparaturversuch verschlimmbessern.

Von der Windrichtung her passt das Wetterfenster, allerdings sind durchaus starke Böen angesagt. Ähnlich sieht es bei den Wellen aus. Die Richtung stimmt, aber bei gut 2,5 m Höhe und nur 8 Sekunden Frequenz.

Und so kommt es auch. Wir sind schnell unterwegs, aber so richtig angenehm sind die Bedingungen nicht. Zweimal erwischen uns Schauerböen bis 38 kn (8 Bft), aber Flora schlägt sich gut.

Bei dem Geschaukel liegen wir fast nur herum und schlafen viel.

Etmal in den ersten 24 Stunden unter gnädiger Hilfe der mitsetzenden Strömung 190 sm.

Essen: vorgekochter Linsen-Chorizo-Eintopf.