Great Barrier Island. Wer keine Arbeit hat, der macht sich welche.

Nee wat schön. Herrliches Segeln von den Mokohīnau Islands nach Great Barrier Island. Ein Kreuzkurs, wie unser Track auf Noforeignland zeigt, aber ganz überwiegend einer zum Genießen.

Der Legende nach landete hier das „Aotea Waka“ genannte Kanu von Turi und seinen Gefolgsleuten, mit dem die Entdeckung und Besiedlung Neuseelands durch die Polynesier begann. Von den Maorí wird Great Barrier Island deswegen Aotea (Weiße Wolke) genannt.

Bei unserer Ankunft präsentiert sich Aotea aber entgegen seines Namens wolkenlos mit blitzblank geputztem blauem Himmel. Unser Ziel liegt etwa in der Mitte des 35 km langen Great Barrier Island. Wir schlängeln uns zwischen den vorgelagerten Inseln hindurch und an diversen einladenden Buchten vorbei bis in die Kiwiriki Bay im Südosten des geschützten Naturhafens Fitzroy Harbour.

Nur wenig entfernt in der beliebten Smokehouse Bay ankern sechs Boote und es wäre trotzdem noch reichlich Platz, hier aber liegen wir ganz allein.

Blauer Himmel, je nach Lichteinfall jadegrünes, türkises oder blaues Wasser, Vogelgezwitscher und Landschaft pur.

Wir lassen es uns gut gehen, backen Kuchen und Brot, schlemmen uns durch die in Whangārei frisch aufgestockten Delikatessen-Vorräte. Rehwildfleisch mit grünem Spargel zum Beispiel.

Venison, auf Deutsch Wildfleisch, ist in Neuseeland eher ein landwirtschaftlicher als ein jagdwirtschaftler Artikel. Rehe und auch Hirsche werden im großen Stil freilaufend auf Weideflächen gehalten, 2015 gab es etwa 900.000 dieser Tiere auf Farmen. Zur Erinnerung: Neuseeland hat nur etwa 5 Millionen Einwohner. Venison wird auch in Neuseeland gern gegessen, aber der weit überwiegende Teil geht in den Export. Größter Abnehmer ist übrigens – wer hätte es gedacht – Deutschland.

Wir beschließen, einen Landausflug zu machen. In der Nachbarbucht soll man mit dem Dinghy am Strand anlanden können, ganz in der Nähe eines Wanderweges. Das lockt uns, aber zum Wandern kommen wir leider nicht. Wir schlitzen uns kurz vor dem Ufer das Dinghy an einer messerscharfen Austernbank auf. Ein lautes Zischen, unmittelbar darauf noch eines. Das darf doch nicht wahr sein. Gleich zwei der drei Luftkammern unseres Beibootes hat es erwischt. Dabei wähnten wir uns mit dem Aluminiumboden unseres Dinghy’s eigentlich ganz gut geschützt, aber direkt daneben erhält unter Wasser der gute Hypalonrumpf ein paar Kratzer und eben auch zwei Schnitte. Glück im Unglück: Bug und der Steuerbordschlauch sind zwar schlapp. Die Restluft darin und der intakte Backbordschlauch reichen in Verbindung mit dem festen Alu-Boden aber aus, um sicher und trocken zurück zur Flora zu fahren. Dort nehmen wir erstmal den Motor ab und hieven das Beiboot dann auf Floras Vordeck.

Jetzt gilt es erst einmal, das eingedrungene Salzwasser aus dem Schlauch zu bekommen. Dafür müssen die Schnitte die tiefste Stelle des Dinghies sein. Wir wuchten das gut 50 kg schwere Beiboot mit Hilfe des Spinnakerfalls hin und her, heben es zum Ablaufenlassen des Wassers mal vorne und mal hinten an.

Dann rücken wir den Schnitten mit einem Hypalon-Reparaturset zu Leibe. Säubern, Schadstelle und Flicken mit Sandpapier anrauen, wieder säubern. Stelle und Flicken mit einem speziellen Kleber einpinseln, trotz Wölbung und schlappem Schlauch möglichst gerade auflegen und andrücken … und dann hoffen. Erst nach frühestens sieben Stunden sollen wir das Dinghy wieder aufpumpen, also warten wir gleich über Nacht ab.

Morgen sehen wir dann, ob unsere Reparatur erfolgreich war oder ob wir doch noch einen Profi in Auckland damit beauftragen müssen.

Urlaubsgefühl

Über eine Woche war Ruhe auf diesem Kanal. Machen wir Urlaub?

Erstmal nicht wirklich, wir hatten durchaus zu tun. Aber jetzt sind alle dringenden Arbeiten an Flora erledigt, es kann weitergehen.

Die Segel sind vom Segelmacher zurück und wieder voll einsatzfähig. An einem windstillen Vormittag haben wir sie auch wieder angeschlagen. Das ist insbesondere beim Großsegel durchaus mit einigem Aufwand verbunden. 56 Quadratmeter schweres Hydranet-Tuch wollen gebändigt, hochgezogen und in den Mast gerollt werden. Danach dann langsam wieder herausrollen, um die durchgehenden vertikalen Latten in die Segeltaschen einzufädeln und zu spannen. Die größte der fünf Segellatten ist länger als unser Schiff, das ist also schon ein bisschen Action.

Auch die Lichtmaschine tut inzwischen wieder, was sie soll. Scott von EM-Power hat sich unseren Mastervolt-Lichtmaschinen-Regler vorgenommen. Zunächst schien alles ok. Als wir aber die Motordrehzahl erhöhten, stieg der Regler aus und startete neu. Dafür hatte Scott dann am späten Abend auch keine Erklärung mehr und wollte am nächsten Tag wiederkommen.

Brauchte er aber nicht, denn in der Nacht hatte ich einen Geistesblitz. Der Lichtmaschinenregler ist über den Öldruck geschaltet. Könnte es am Öldruckgeber oder an dessen Kabel liegen? Volltreffer, eine lose Steckverbindung am Öldruckgeber war der Übeltäter.

Außerdem haben wir für die Zeit auf der Werft schon mal vorgearbeitet und einige Teile bestellt. Die Schrauben der Tanks unter den Fußbodenbrettern wieder angezogen, die hatten sich gelockert und damit bei Seegang Quietschgeräusche ausgelöst.

Dazu natürlich sauber gemacht und bei der Gelegenheit auch die Bilgepumpe am tiefsten Punkt im Inneren des Schiffes gereinigt.

Den Stauraum unter der Achterkoje ausgeräumt, sortiert, Sachen zum Sozialladen gebracht, die Hochdruckpumpe des Wassermachers ausgebaut, gereinigt und wieder eingebaut, einige Schläuche und Ventile beim Wassermacher erneuert, und und und.

Zwischendurch genießen wir aber auch den Frühling in Whangārei, machen einen Ausflug in den Quarry Garden. In einem ehemaligen Steinbruch wurde ein Park angelegt. Halb botanischer Garten, halb Planten und Blomen, mit See und mehreren Wasserfällen, dazwischen Skulpturen und auch Reste des industriellen Steinbruchs. Und hier auf der Südhalbkugel lässt der Frühling halt jetzt die Pflanzen sprießen und die Farben leuchten.

Sabine und Jochen liegen mit ihrer Josa auch am Steg bei Dockland 5, gemeinsame Sundowner, Spieleabende und ein Besuch beim „Oktoberfest“ im Judge Alehouse sind da logisch und wir bleiben länger in Dockland 5 als ursprünglich geplant.

Aber wir reißen uns los. In gut einem Monat ist schon unser Krantermin und bis dahin wollen wir auch seglerisch etwas mehr von Neuseeland erkunden. Etwa fünf Wochen haben wir dafür erstmal, es fühlt sich wie Urlaub an. Die Inseln zwischen Whangārei und Auckland stehen auf dem Programm. Und es geht sehr gut los!

Die direkt vor den Whangārei Heads gelegenen Hen and Chicken Islands bieten keinen guten Ankerplatz bei den derzeitigen Südwestwinden, daher segeln wir durch diese Inselgruppe hindurch weiter hinaus zu den ebenfalls unbewohnten und seltener besuchten Mokohīnau Islands. Etwa 33 Seemeilen Richtung Osten sind es nach unserem Übernachtungsstop in Marsden Cove bis dort. 6 Stunden herrliches Segeln bei strahlendem Sonnenschein, im Wind ist auf dem nur 15° kalten Wasser trotzdem recht frisch, Fleecepulli ist angesagt.

Und dann erwartet uns dieser spektakuläre Ankerplatz, eingerahmt von hoch aufragenden Felsnadeln und fast senkrechten Cliffs:

Hier an Land zu gehen wäre ja ohnehin schwierig, es ist aber sowieso verboten. Nur die größte Insel des unter Naturschutz stehenden Archipels darf betreten werden. Also machen wir das Dinghy klar, erkunden ein wenig die Höhlen und Felsbögen der Cliffs an unserem Ankerplatz und fahren dann hinüber nach Pokohino, das auch Burgess Island genannt wird. Auf 122 m Höhe macht hier seit 1883 ein Leuchturm auf die verstreuten Felseninseln aufmerksam. Vor über 40 Jahren wurde er automatisiert, seitdem ist die ganze Inselgruppe unbewohnt.

Das Anlanden auf Pokohino ist nicht ganz einfach. Zwar gibt es eine alte, halbverfallene Betonpier, aber die dazu gehörige Treppe ist bei unserer Ankunft dem Ozeanschwell doch ziemlich ausgesetzt. Ich setze erst Wiebke ab, die mit einer langen Leine das Dinghy auf der Pier sichert, dann werfe ich den Dinghyanker an der Bungee-Leine. In einer Wellenpause an die Treppe motoren, überspringen ohne auf der glitschigen Treppe auszurutschen und das Dinghy vom Bungee zurückziehen lassen. Klappt.

Von der Pier zieht sich ein schöner Trail hoch zum Leuchtturm. Von dort haben wir einen tollen Ausblick über den Archipel (wir können den Mast der Flora ersähen, sie ist heute das einzige Boot hier) und bei der guten Sicht sogar zurück bis Hen and Chicken und weiter bis hinüber nach Great Barrier Island.

Pokohino ist wie alle Eilandes des Archipels eine Vogelinsel. Wir hatten bei den steilen Felsen eigentlich überwiegend Seevögel erwartet, aber das grüne Inselinnere bietet ganz offensichtlich auch vielen anderen Vogelarten willkommene Rückzugsorte. Wir hören und sehen unter anderem Maorí-Honigfresser sowie die einheimischen Kākāriki-Sittiche.

Vor allem aber freuen wir uns über die zahlreichen wunderschönen Tuí.

Ein weiteres Highlight gibt’s auf der Rückfahrt zur Flora: mehrere große Tümmler jagen zwischen den Schwärmen von Großmaul-Makrelen in der Bucht. Die Delfine kommen direkt zu unserem Dinghy geschwommen, drehen eine Runde um uns und widmen sich dann wieder den Makrelen.

Übeltäter und Hochgefühle

Nach dem Ankommen schnaufen wir erstmal durch. Das war nicht unsere schlimmste Passage, diesen zweifelhaften Titel behält Chesapeake Bay nach Antigua (November 2020). Aber es war eben doch anstrengend, vor allem wegen der mentalen Belastung nach dem gleich doppelten Verlust von Fockfall und Ersatzfall, dem unterwegs-in-den Mast-gehen, dazu dem beschädigten Vorsegel. Eine aufgegangene Naht im Großsegel konnten wir ja schon vorher nur provisorisch reparieren, im Laufe des Törns zeigt sich dann auch noch ein kleines Loch im Code0. Am Ende spielt auch noch unsere Lichtmaschine verrückt und lädt die Batterien nicht mehr. Ganz schön viel Verschleiß.

Erst mal die Gefühlslage beruhigen, ein bisschen Wunden lecken und das gute Ende feiern, gemeinsam mit „Leidensgenossen“, die ebenfalls gerade angekommen sind.

Schon nach zwei Tagen aber verlassen wir die schön gelegene Marsden Cove Marina wieder.

Bei herrlichem Wetter fahren wir den Hatea River hinauf nach Whangārei. Die Fahrt erinnert irgendwie an die heimatliche Schlei. Schmale Abschnitte wechseln mit weiten Wasserflächen, trotzdem müssen wir uns an das gut betonnte Fahrwasser halten, gleich daneben wird es oft untief. Hügelige Ufer, darüber „Schleswig-Holstein-Wolken“.

Überhaupt, es fühlt sich richtig gut an, wieder hier zu sein. Der schnelle Aufbruch ist auch damit verbunden, dass wir auf dem Steg in Marsden zufällig Waldo getroffen haben, den Segelmacher, der im letzten Winter unsere Segel durchgesehen hatte. Er hat gerade etwas Zeit und außerdem sein Calibre-Sails-Loft zu Dockland 5 verlagert, wohin wir wegen unseres Motor-Mechanikers ohnehin wollen. Und da steht ja außerdem auch noch unser Auto.

Kaum dort angekommen, schlagen wir alle Segel ab und bringen sie zu Waldo, der sich gleich ans Werk macht.

Danach beginnt die Operation Fockfall. Unser zuletzt in Hawaii 2022 erneuertes primäres Fockfall ist ja ein Draht-Tau-Fall. Wir konnten uns nicht so richtig erklären, wie es versagt hat. Die am am oberen Beschlag der Rollanlage verbliebene Metallkausch verhieß allerdings nichts Gutes. Mit etwas Mühe können wir das in den Mast gerutschte Fall unten am Mast herausziehen. So präsentiert es sich:

Nicht gut. Da der übrige Draht und auch der Tauwerksbereich aber noch sehr gut aussehen, wollen wir von einem Rigger den Draht kürzen und ein neues Auge pressen lassen.

Wir nehmen unser Auto wieder in Betrieb, es springt auf Anhieb an. Tatsächlich hat das Marina-Personal es einmal im Monat laufen lassen, super. Also ab zum Rigger und der erledigt das auch gleich:

Nur, jetzt muss das Fall ja auch noch wieder durch den Mast gezogen werden. Also zieht mich Wiebke wieder in schwindelnde Masttop-Höhe, ich lasse eine dünne Leine mit einem Angelblei-Gewicht im Mast hinunter und irgendwann können wir sie unten auch tatsächlich heraus fischen. Jetzt das an der dünnen Leine angeknotete Fall nachziehen und juchhe: das primäre Fockfall ist wieder einsatzbereit.

Vorrübergehend Leinensalat, aber das blaue Fockfall ist wieder da, wo es sein soll!

Waldo meldet sich, die Segel sind schon fertig repariert. Klasse, noch vor dem Wochenende. Die Segel schlagen wir heute allerdings nicht mehr an. Es ist Wind aufgekommen und außerdem kommt Motor-Mechaniker Byron auf die Flora: Fehlersuche bezüglich der Lichtmaschine. Nach einigen Messungen vermutet er einen Elektrowurm als Ursache.

Da müssen wir morgen (am Samstag!) noch etwas tiefer einsteigen und bis dahin darf ich im Motorraum schon mal die (auf der Flora etwas zugebaute) Rückseite des Sicherungspanels freilegen.

Passage Fiji nach NZ, Tag 3: Murphy ist ein Segler

Chaos-Tag. Die Seekrankheit ist noch da, wird aber langsam besser. Muss sie auch, denn mitten in der Nacht sackt wieder das Vorsegel durch und rutscht teilweise ins Wasser. Wir können es bergen. Es ist ein hartes Stück Arbeit, obwohl es diesmal “nur” 20 kn Wind sind und nicht 30 kn wie beim letzten Mal im April.

Nach der Erfahrung vom April laschen wir das Segel diesmal nicht an den Seezaun, sondern ziehen es gleich mit dem Ersatzgenuafall wieder hoch. Aber entweder hat es bei der Bade-Aktion schon einen kleinen Schaden am Keder bekommen oder wir beschädigen ihn beim Einfädeln. Die unteren zwei Meter gehen nicht in die Nut und das Segel lässt sich bei diesen Bedingungen auch nicht wieder herunterziehen, der Teil über den zwei Metern ist blockiert.

Unsere Notlösung: das Segel eng ins erste Reff wickeln. So können wir weitersegeln. Sechs Stunden lang. Dann ein kleiner Knall und das Segel sackt wieder durch. Offenbar ist auch der Schäkel vom Ersatzfall entweder aufgegangen oder gebrochen. Das gibt’s doch nicht: 45.000 Meilen passiert das nicht und dann gleich drei Mal hier zwischen Neuseeland und Fiji. Immerhin kann die Fock diesmal nicht ins Wasser rutschen, weil sie ja schon ein bisschen eingerollt ist.

Wir rollen sie ganz ein, da ist im Augenblick nichts zu machen. In den Mast zu gehen kommt bei diesem Geschaukel nicht in Frage.

Wir dümpeln bei 15 bis 20 kn Wind unter Groß, aber alleine ist mit diesem Segel kein Amwindkurs zu fahren und wir haben etwa 60° Windwinkel zum 600 Meilen entfernten Ziel.

Nach einiger Überlegung entschließen wir uns, den Code0 zu setzen und nur ein kleines Stück auszurollen. Das tut dem Code0 ganz sicher nicht gut, aber es balanciert das Boot so weit aus, dass wir mit einfach gerefftem Groß Kurs anlegen können und sogar wieder einigermaßen Geschwindigkeit machen.

Essen: Bratkartoffeln für Wiebke, trockene Cracker für mich.

Etmal: 155 sm, gesamt 489 sm, noch ca. 580 sm bis Marsden Cove.

Schlimm für den allerdings ohnehin schon etwas verschlissenen Code0, aber im Moment wohl unsere beste Option.

Somosomo, Bootsklinik und Nemo im bunten Korallengarten

Zum Sevusevu nach Somosomo, so ist das hier. Wir greifen uns einmal mehr ein in Zeitungspapier eingeschlagenes Bündel von Kawa-Wurzeln. Unserer schrumpfender Bestand baumelt in der Dusche, denn die hängende Aufbewahrung ist gut für den Kawa und in der Dusche lassen sich wegbröckelnde Wurzelreste gut aufnehmen. Außerdem haben die Wurzeln durchaus einen Eigengeruch. So sieht das aus:

Mit diesem rituellen Geschenk machen wir uns in unserem Beiboot auf zum Chief des nächstgelegenen Dorfes Somosomo und bitten um die Erlaubnis, in der Bucht ankern zu dürfen.

Am Strand vor dem Dorf Somosomo landen wir an. Eta heißt uns im Dorf willkommen und führt uns zum Haus des Chief. Nach dem Sevusevu zeigt sie uns das Dorf. Spannend: hier wachsen noch einzelne Sandelholz-Bäume. Der Sandelbaum war früher auf den Yasawa-Inseln weit verbreitet. Das hier Yasi genannte schwere Hartholz war in China ursprünglich dem Kaiserhof vorbehalten und ist auch heute noch zur Produktion von Möbeln und Kunstobjekten äußerst begehrt. Die Bäume wurden fast bis zur Ausrottung abgeholzt. Heute liegt der Marktwert für ein Kilo hochwertiges Sandelholz über 100 Fiji$. Auf der südlich von Naviti Island liegenden Insel Waya wird deshalb Sandelholz im Rahmen eines Nachhaltigkeitsprojektes in Baumschulen wieder kultiviert, um eine vom Tourismus unabhängige langfristige Einnahmequelle zu schaffen.

Junger Sandelbaum neben dem Haus des Chiefs

Mehrere Frauen des Dorfes haben während unseres Sevusevus schnell einen improvisierten Kunsthandwerksmarkt auf der Wiese im Zentrum des Dorfes aufgebaut. Das scheint nur uns zu gelten, aber vielleicht kommen nachher ja auch noch weitere Crews, denn vorm Ort ankern ebenfalls ein paar Boote. Wir kaufen zwei Tapa-Tischsets. Jetzt am Wochenende sind die Kinder im Dorf (und nicht im Boarding-Haus der Schule im Nachbardorf). Mehrere von ihnen sitzen bei ihren Müttern auf den Decken, für ein Foto rücken sie schnell zusammen.

Mit Rose (11), Meme (5), Mela (8) und Sake (7) schließen sich einige andere Kinder bei unserem weiteren Spaziergang durchs Dorf und die Umgebung an.

Es wird ein spaßiger Gang zu den Mangroven, durch den Fluss und zurück zum Strand vor Somosomo.

Die Haare von Rose und Meme sind übrigens nicht gefärbt. Vielmehr wird hier auf den Yasawas im Gegensatz zur eher von polynesisch-tonganischen Einfluss geprägten Lau-Inselgruppe die mehr melanesische Abstammung der fijianischen Bevölkerung deutlich.

Zurück zur Flora und an die Arbeit, es stehen mal wieder einige Projekte an. An den Davits (den kleinen Kränen, an denen wir unser Beiboot hochziehen und lagern) hat sich eine Leine verklemmt. Dafür müssen wir erstmals die Umlenkrolle am äußeren Ende des Davit ausbauen. Das Lösen der Schrauben (vom schwankenden Dinghy aus) erfordert dementsprechend ein wenig Überzeugungskunst, aber es klappt und wir bekommen das Ganze wieder gängig.

Nächstes Projekt: Großsegel. Ein kleines Loch zeigt sich oberhalb der hinteren Segellatte. Das in den Mast gerollte Segel herunterzunehmen würde bedeuten, dass wir alle 5 der bis zu 15 Meter langen Latten ausbauen müssten, das wollen wir uns am Anker lieber ersparen. Also zieht Wiebke mich in den Mast. Aus der Nähe zeigt sich, das nur ein kleines Stück Naht des Segels aufgegangen ist. Ich kann die Hand hindurchstecken. Selbst nähen möchte ich das hier nicht, also klebe ich auf jede Seite ein kleines Patch (selbstklebender Segelflicken). Nicht besonders schön, aber das sollte das weitere Auflösen der Naht erstmal verhindern.

Drittes Projekt: die Winsch der Ausholleine des Großsegels funktioniert mechanisch zwar noch, lässt sich aber nicht mehr elektrisch bedienen. Der Elektromotor surrt, aber die Winsch bewegt sich nicht. Das lässt einen Fehler im Kraftschluss der Zahnräder vermuten. Zur Behebung müssen wir die Winsch nicht nur auseinander bauen, sondern auch das Winschfundament ganz abnehmen. Wiederum erstmals und wieder bedarf es deshalb besonderer Überzeugungskraft um die Schrauben zu lösen. Ein mechanischer Schlagschrauber hilft. Dann alles schön säubern, die Sperrklinken wieder gängig machen und ölen. Zusammenpuzzeln, funktioniert wieder.

So soll das.

Zur Belohnung gehen wir vom Boot aus am Riff unseres Ankerplatzes ausgiebig schnorcheln.

Die Vielfalt und Farbenpracht der Steinkorallen und der Weichkorallen hier in Fiji beeindruckt uns immer wieder. Weitere Highlights des Schnorchelgangs hier in der Bucht sind die „Nemos“, die ein- oder zweistreifigen Anemonenfische. Zwischen verschiedensten Seeanemonen und Weichkorallen sehen wir sie hier. Sogar gras-grüne Anemonen sind dabei, die einen herrlichen Kontrast zum Orange der Nemos bilden.

Ein weiterer Lieblingsfisch von uns zeigt sich ebenfalls mehrfach, der knuffige Harlekin-Feilenfisch, auch Palettenstachler oder Orangeflecken-Feilenfisch genannt:

Auch sonst ist es herrlich bunt und fischreich hier. Beim zurückschnorcheln zur Flora sehen wir auf dem Sandgrund sogar noch einen endemischen Fiji-Maskenrochen.

Übrigens: wenn in der Bildbeschreibung beim Aufruf „Screenshot“ steht liegt das nicht daran, dass ich das Foto irgendwo im Netz stibitzt hätte. Vielmehr sind meine Unterwasserbilder meist eben Screenshots eines Standbilds aus einem mit meiner GoPro oder zuletzt häufiger meiner DJI Action6 aufgenommenen Unterwasser-Videos.

Qilaqila / Bay of Islands

Seglerisch schlägt das türkisfarbene Herz 🩵 der nördlichen Lau-Gruppe ganz sicher in Qilaqila. An diesem traumschönen Ankerplatz sind wir jetzt!

Besser bekannt ist dieser Ort als „Bay of Islands“ im Atoll von Vanua Balavu. Allerdings hat ja neben Fiji praktisch jedes englischsprachige Land eine Bay of Islands, am berühmtesten ist sicher die auf Neuseelands Nordinsel.

Wir bleiben deshalb dem von den iTaukei (den indigenen Fijianern) verwendeten Namen Qilaqila, obwohl die gar nicht mal so große Bucht im Nordwesten von Vanua Balavu tatsächlich eine Unmenge von kleinen und noch kleineren Korallen-Inseln aufweist. An mehreren Stellen schmiegen sich die Eilande ganz eng aneinander. Sie bilden ein Labyrinth mit schmalen Durchlässen, von denen viele bei Niedrigwasser selbst mit dem Dinghy nicht passiert werden können. Für die Segelboote bleiben diese kleinen flachen Hintertürchen zwar versperrt, es bieten sich zwischen den zumeist dicht bewachsenen Inseln aber trotzdem eine Vielzahl von wunderschönen Ankerplätzen an. Wir entscheiden uns für einen ganz speziellen, eben für das Herz. Rückwärts fahren wir in die enge Bucht, lassen dabei auf 4 m Wassertiefe den Anker in den Sand fallen. Eine Landleine nach hinten, später noch jeweils eine weitere zu den Seiten.

Eingeparkt. ☺️

(für bessere Auflösung auf die kleinen Bilder klicken)

Das Wetter ist ein bisschen durchwachsen, sonnige Abschnitte wechseln sich mit Regen ab. Sollten die Pilz-Inseln mit dem ganz dünnen Stiel eigentlich Regenschirm-Inseln heißen?

Unsere zwischenzeitlichen Nachbarn Rosa und Gunnar lassen sich scheinbar inspirieren und setzen mit dem knallroten echten Regenschirm (und mit den roten Masten ihres Wharram-Katamarans) herrliche Farbtupfer in die grün-türkise Kulisse.

In einem trockenen Abschnitt steht mal wieder ein Ausflug in den Mast der Flora an. Rigg checken: ja, auch das. Vor allem aber: unsere Windanzeige ist auf der Herfahrt hinsichtlich der Windstärke in den Streik getreten, zeigt die Windrichtung aber weiterhin an. Wahrscheinlich ist also nur das Anemometer (das sich eigentlich durch den Wind drehende Schalenkreuz) fest. In 20 m Höhe mit etwas Schmiermittel eingesprüht, lässt es sich tatsächlich wieder leicht drehen.

Wir bleiben noch ein wenig und wollen das Labyrinth über und unter Wasser erkunden.

Abschied von Fulaga

Pilzinsel, die über dem Wasser zu schweben scheint.

Wir haben beschlossen, zum Wochenende auf die nächste Insel weiterzufahren. Bevor wir uns aber zum Nachbar-Atoll Ogea aufmachen, wechseln wir in Fulaga noch ein letztes Mal den Ankerplatz. Ziemlich genau im Herzen der Lagune, um Rooster Island herum, gibt es eine Gruppe von malerischen kleinen Pilz-Inseln mit mehreren wunderschönen Sandstränden. Ein weiterer idealer Ort, um noch einmal unser aufblasbares Doppelkayak zum Einsatz zu bringen.

Das Verholen beginnt allerdings mit einer unschönen Überraschung. Wie üblich hatten wir unseren Anker abgeschnorchelt, er lag wunderbar tief eingegraben im Sandgrund. Als wir die Kette einholen, kommt sie steif, aber der Anker bricht nicht aus. Na gut, dann hilft leichte Fahrt voraus. Tatsächlich, der Anker kommt sofort frei. Aber er sieht jetzt so aus:

Das ist blöd und für uns auch ziemlich unerklärlich. Wir müssen vom extra größer gewählten 30 kg Spade-Anker auf unseren Zweitanker wechseln, den 25 kg Delta. Aber immerhin ist das eigentlich Flora‘s Originalanker, nur dass wir ihn eben seit Griechenland zu unserem Ersatzanker degradiert hatten. Der Wechsel muss natürlich unterwegs passieren, wir lassen Flora treiben und bugsieren die beiden schweren Anker mit Hilfe des Spi-Falls aus bzw. in die Halterung vorn am Bug. Das klappt immerhin auf Anhieb.

Der neue Ankerplatz ist dann wie erwartet einfach traumhaft. Bei Flut sind die Strände schmal und viele Sandbänke zwischen einzelnen Pilzinseln gerade so eben überspült. Bei Ebbe werden die feinen Strände breit, die Sandbänke tauchen dann auf und fallen trocken.

Von diesem Ankerplatz aus fahren wir mit dem Dinghy ein letztes Mal zum Hauptdorf Muaninuku , um uns von unserer Gastfamilie zu verabschieden. Wir treffen sie nicht bei ihrer Hütte an, sondern geraten direkt in eine Festivität auf dem zentralen Dorfplatz. Der Cricket-Pitch in der Mitte des Platzes war uns bereits aufgefallen, jetzt wir er bespielt. Das ganze Dorf ist gekommen und bejubelt entweder das Team Muaninuku oder das Team Vulaga (die alte Schreibweise von Fulaga) . Mehrere kleine Zelt-Pavillions sind am Rand aufgebaut und spenden den Zuschauern Schatten, in ihnen wird außerdem Kava getrunken. Wir finden Lina in einem der Zelte und werden gleich eingeladen. Das koloniale Erbe Britanniens wird deutlich: Cricket ist (neben Rugby) eine der Nationalsportarten in Fiji und wird selbst auf so abgelegenen kleinen Inseln wie Fulaga begeistert gespielt. Einfach auf dem Dorfplatz zwischen Wellblechhütten und Kirche, zugleich mit Blick aufs Meer und unter Palmen.

(Wie immer: für bessere Auflösung auf eines der kleinen Fotos klicken)

Später auf dem Rückweg sehen wir dann erstmals in Fiji Flughunde. In großer Zahl konnten wir diese faszinierenden fruchtfressenden Flederttiere mit einer Spannweite von über einem Meter ja schon in Tonga bewundern, nun also auch hier.

Am nächsten Morgen machen wir dann eine ausgedehnte Kayaktour durch das Insellabyrinth um Flora herum. Die Kalksteinpilze bergen zum Teil Höhlen und das Wasser hat nicht nur die Basis der Inseln erodiert, sondern an mehreren Stellen Torbögen oder regelrechte Brücken gestaltet.

Herrlich! Aber wir haben gehört, dass unser nächstes Ziel Ogea ähnlich beeindruckende Felsformationen bieten soll. Also geht’s nach über vier Wochen Fulaga jetzt weiter zur nächsten Insel der südlichen Lau-Gruppe. Ogea, wir kommen. Tschüß, Fulaga. Du und Deine so herzlich gastfreundlichen Menschen werden uns unvergesslich bleiben.

Schwierige Entscheidung mitten in der Nacht: Lernkurve!

„Gentlemen don’t sail to weather“ (Gentlemen segeln nicht gegen den Wind) heißt es. Schließlich bedeutet es doppelte Strecke, dreifache Zeit, vierfache Arbeit. Manchmal muss man das wörtlich nehmen. Jedenfalls bei ordentlich Welle von vorn ist es außerdem ziemlich unangenehmes Segeln.

Andererseits: ein Wetterfenster scheint segelbaren Wind von Savusavu hinunter nach Fulanga zu bieten. Typischerweise bläst der Wind genau von dort, jetzt soll er auf Ostnordost drehen. Das wäre dann zwar immer noch ein Amwind-Kurs. Nicht eben angenehm bei zwei Meter Welle, aber eben auch kein Kreuzkurs gegen den Südostpassat.

Wir probieren es. Verproviantieren uns noch einmal umfangreich für die abgelegene Lau-Gruppe, füllen Wasser- und Dieseltank randvoll, kaufen diverse Bündel Kawa-Wurzeln für das auf diesen Inseln übliche „Sevusevu“, das rituelle Überbringen dieses Gastgeschenks an den Chief des Dorfes.

Und dann geht es los. Das Bugstrahlruder streikt, obwohl es beim Einlaufen in die Marina noch wunderbar funktioniert hatte. Aber diesen „Quirl“ benutzen wir -wenn überhaupt- ohnehin nur bei engen Hafenmanövern. Ich teste sicherheitshalber noch die Ankerwinsch, sie funktioniert, ebenso die Rollreffanlage im Mast. Vielleicht ist es die Sicherung des Quirls, aber die ist unter der vollgepackten Vorschiffskoje verborgen.

Nach einer ersten Flautenphase nimmt der Wind stetig zu, die Wellen leider auch. Ab Mittag wird es dann tatsächlich ein ziemliches Gebolze hoch am Wind. Es ist so holprig, dass sich tatsächlich der Karbonteil der hintersten Segellatte losschüttelt, aus der Lattentasche rutscht und im Meer verschwindet. Die Wellen bremsen uns erheblich ab, gegen Mitternacht haben wir erst etwa 70 der 180 Seemeilen geschafft. Das Großsegel ist mittlerweile im ersten Reff, wobei es beim Einreffen ein bisschen hakelt. Als die Böen 28 kn erreichen, wollen wir das zweite Reff eindrehen. Nur – die elektrische Rollreffanlage im Mast bewegt sich kein Stück! Wir Reffen erst mal (mechanisch) das Vorsegel ein.

Etwas später dann die Entscheidung zum Beidrehen, wir müssen das untersuchen. Das Beidrehen ist ein fast magisches Manöver: eben noch wildes Gebocke des Schiffes hoch am Wind bei zwei Meter Welle, dann mit dem Bug durch den Wind, die Segel dabei belegt lassen, gleich wieder Gegenruder und das Steuerrad bei backstehender Fock einfach feststellen: himmlische Ruhe. Mit etwa einem bis anderthalb Knoten driften wir mit erstaunlich wenig Schiffsbewegung ganz ruhig dahin.

Das gibt uns die Gelegenheit, unsere als Stauraum genutzte (um nicht zu sagen: mit Wingfoils, Kajak, Paddelboard etc. vollgestopfte) Dreieckskoje im Vorschiff leerzuräumen. Darunter hat die Batterie ihren Platz, die speziell für das Bugstrahlruder, die Ankerwinsch und die Rollreffanlage im Mast genutzt wird. Hier (also versteckt unter der Koje) gibt es auch einen Notschalter. Mit dem lassen sich die verschiedenen Batterien zusammenschalten. Und schwupps, funktioniert auch die Rollreffanlage im Mast wieder.

Wir drehen das zweite Reff ins Großsegel und diskutieren unsere Optionen: weiter Segeln und in der Lau-Gruppe diesen Workaround nutzen? Oder umdrehen und versuchen, in Savusavu eine neue Batterie zu bekommen? In der abgelegenen südlichen Lau-Gruppe wäre das jedenfalls nicht möglich. Und da wollen wir eigentlich gerne sechs bis acht Wochen verbringen.

Schweren Herzens treffen wir um 01.00 Uhr nachts die Entscheidung, die wirklich sauer verdienten mittlerweile knapp 80 Seemeilen der letzten 16 Stunden wieder her zu schenken, drehen um und segeln zurück nach Savusavu. Das jetzt angenehme und schnelle Segeln mit schräg von hinten schiebenden Wellen und raumen bis halbem Wind versüßt uns die Rückfahrt deutlich.

Falls wir noch Zweifel an der Entscheidung hatten, verschwinden diese mit dem Ausbau der Batterie schlagartig: das hätte schlimm enden können. Das Gehäuse der AGM-Batterie ist aufgeplatzt, unten im Batteriekasten schwappt Säure. Ein solcher Schaden fast ohne Vorwarnung, das wundert uns schon. Und natürlich ärgern wir uns, das erste Anzeichen Bugstrahlruder nicht gleich näher untersucht zu haben.

Am nächsten Tag mache ich mich auf die Suche nach einer neuen Batterie und werde tatsächlich gleich im zweiten Laden fündig. Die nackten Batteriepole passen zwar nicht (sie sind dicker als die der alten Batterie), aber bei einem minikleinen Auto-Zubehörgeschäft finde ich passende Polklemmen. Geht doch.

Ganz genau gleich sind die Maße natürlich nicht, ich säge noch eine zusätzliche Sicherung aus einem Holzbrett zu und baue sie im Batteriekasten ein. Außerdem findet sich tatsächlich auch noch ein Ersatz für den verlorenen Segellattenteil, auch der muss noch ein wenig zurecht gearbeitet werden, aber auch das funktioniert.

Ein ungeplanter, am Ende aber doch erfolgreicher Boxenstop. Und eine (160 Seemeilen lange) Lernkurve im wahrsten Sinne des Wortes.

Morgen starten wir dann gleich den nächsten Versuch.

Tschüss Minerva

Photo credit: Jayne, S/V Scout

Es ist soweit. An diesem Wochenende geht der Wind endlich mal auf deutlich unter 20 kn herunter. Zeit, um ganz oben an der Mastspitze das Fockfall einzusammeln. James von der Scout assistiert an der Sicherungsleine, dadurch muss Wiebke nicht zwischen Genuawinsch und Mastwinsch hin und her flitzen.

Leider hat sich die Kausch des Falls etwas im Fallauslass verklemmt, also nochmal runter, neues Werkzeug holen, wieder rauf in 20 m Höhe und: ja, ich kann dasFall mit nach unten nehmen.

Wir bereiten die Ersatzfock vor und Phil von der Skylark bringt seinen Feeder herüber, der an einer kurzen Leine das Einfädeln der Fock in das Profilvorstag erleichtert. So ziehen wir gemeinsam die neue Fock hoch und und sind – endlich – wieder voll einsatzklar. Super, denn am Montag gibt es ein Wetterfenster für die Weiterfahrt nach Fiji.

Wir klaren die Flora auf, gehen nochmal Schnorcheln …

…, noch einmal eine lange Wingfoil-Session:

Und auch die Drohne kommt nochmal zum Einsatz, um die einmalige Atmosphäre dieses so besonderen Ruheplatzes mitten im Ozean noch einmal in Bildern einzufangen.

Die anderen Crews gehen derweil auf Lobsterfang, Minerva ist bekannt dafür. Jacqui und Phil bringen uns nach ihrer erfolgreichen Jagd ein Prachtexemplar vorbei:

Lobster credit: Phil & Jacqui, S/V Skylark

Festessen also auf allen Booten einschließlich der Flora! Da kommen sogar die silbernen Hummergabeln zum Einsatz. Das Geschenk unserer Freundin Catalina aus Hamburg hat uns schon in der Karibik, in Maine, in Alaska und BC und jetzt hier in Minerva gute Dienste geleistet. Mehrere Riesendankeschön, Ihr Lieben.

Ganz ohne weitere Bootsarbeit geht’s leider doch nicht ab, der Wassermacher streikt. Der Elektromotor der Hochdruckpumpe gibt keinen Mucks von sich. Strom kommt bei ihm an. Also ausbauen, reinigen. Eine der Kohlefaserbürsten ist defekt. Vom letzten Tausch haben wir aber noch eine gebrauchte, die noch ausreichend lang scheint. Wir setzen sie ein und siehe da, der Wassermacher tut wieder was er soll.

Also: die Passage nach Fiji kann starten.

Flora wieder mit Fock auf der Rollanlage

Refit der Flora in Neuseeland

„Refit“, das trifft es eigentlich ganz gut. Es war einfach mal wieder an der Zeit, unserer Flora eine Kur zu gönnen, sie wieder richtig fit zu machen. Seit fast sieben Jahren leben wir auf dem Boot, die vielen Jahre unterwegs haben Spuren hinterlassen. Klar, wir haben unterwegs immer wieder, eigentlich laufend, an ihr gearbeitet. Aber insbesondere die letzten Jahre in den etwas abgelegeneren Ecken des Pazifik haben für einen gewissen Service-Stau gesorgt. Zuletzt (und auch nur kurz) aus dem Wasser gekrant hatten wir das Schiff ja in Kanada. Neuseeland ist – was Ersatzteilversorgung und auch maritimen Service angeht – ein ausgesprochen guter Ort dafür, diesen Stau abzuarbeiten. Trotz der guten Infrastruktur hat das am Ende deutlich länger gedauert als zunächst veranschlagt, das war ja in den letzten Beiträgen bereits Thema. Aber ein Blick auf die Gesamtliste erklärt das schon ein bisschen.

  • Motor: große Inspektion, neue Motorfüße, neuer Turbolader, Einspritzdüsen geprüft, neuer Wärmetauscher, neues Motorinterface zum NMEA 2000 Netzwerk, neuer Anlasser (bisheriger als Ersatzteil, getauscht)
  • Antriebswelle: neues Wellenlager, neue Wellendichtung
  • Getriebe: Ölwechsel und Filterwechsel, Aquadrive-Kupplung ausgebaut und überprüft
  • Schaltung: neuer Schalthebel an der Steuersäule
  • Dieselgenerator: Instandsetzung nach Ausfall. Verstopftes Auspuffknie gereinigt, ebenso Wärmetauscher und Wasserabscheider, Kühlflüssigkeit erneuert, Ausgleichstank für Kühlflüssigkeit neu verlegt, neue Auspuffschläuche
  • Borddurchlässe und Seeventile: 23 Borddurchlässe (davon 17 im Unterwasserschiff) auf TrueDesign Kompositborddurchlässe umgestellt
  • Fäkalientanks: beide Schwarzwassertanks durch neu gefertigte Edelstahltanks ersetzt, diverse Leitungen und Ventile ebenfalls erneuert
  • Segel: vom Segelmacher durchgesehen, UV-Schutz an Fock und Großsegel erneuert, Großsegelunterliek repariert
  • Solarpanel: zwei zusätzliche Panel je 100 Wattpeak auf den Davids (zusätzlich zu dem 430 WP Panel, dafür neuen Aluminiumrahmen schweißen lassen. Zwei der vier 100 WP Panel auf dem Bimini erneuert
  • Bimini: repariert, neue Fensterfolie für den Blick in die Segel, nachgenäht und Klett erneuert
  • Navigationsinstrumente: Neuer Monitor am Kartentisch für den Bordcomputer, ORCA Navigation (ORCA Core und Display) ergänzt
  • Unterwasserschiff komplett überarbeitet, Schadstellen heruntergeschliffen und neu aufgebaut, über alles eine Epoxi-Sperrschicht und 5 neue Schichten Epoxi-Coppercoat
  • Sämtliche Polster im Salon, am Kartentisch und Sitz in der Achterkoje neu bezogen, Umbau der „Runden Ecke“ im Salon auf eckig
  • Waschmaschine neu (im vorderen Bad, Camec II 4 KG)
  • Wasserhähne und Dusch-Armaturen in beiden Bädern neu
  • Herd/Backofen neu (Kardanik in altem Herd war ausgerissen, zudem neu: Grillfunktion)
  • Ocean-Air Rollos repariert, mit neuen Verdunklungsstoffen und neuen Mückennetzen versehen
  • Gardinen im Achterschiff erneuert (selbst genähte Verdunklungsgardinen)
  • Laufendes Gut: Großsegelausholer erneuert
  • Wassermacher: Ölwechsel, Fitting neu eingedichtet, neue Membran (deren Einbau erfolgt aber erst, wenn wir wieder in klarem Meerwasser sind)
  • Bugstrahlruder: neue Propeller, neues Antifouling im Tunnel
  • Kielnaht erneuert
  • Anoden: neue Zinkanoden an Welle, Propeller, Bugstrahlruder und Kühlschrank (Kühlungen in den Bordduchlässen der Küchenspüle)
  • Gelcoat: kleinere Schäden im Bereich des Hecks repariert
  • Rumpf poliert (über der Wasserlinie)
  • Spiegel in beiden Bädern neu

Eine kleine Auswahl mit Vorher-, Chaos- und Nachher-Fotos:

Die Spiegel sind übrigens nach einer kleiner Irrversendung quer durch Neuseeland heute erst hier angekommen. Egal, besser spät als nie und wir sind ja noch hier. Letzteres allerdings nur, weil quasi in der Nachbarschaft Zyklone (so wird ein Hurrikan auf der Südhalbkugel genannt) unterwegs sind. Die Zyklonsaison dauert im Südpazifik regulär noch bis Ende April. Erst danach wollen wir uns Richtung Fiji aufmachen. Denn jetzt sieht es in den Tropen nördlich von Neuseeland so aus: während nordöstlich von Australien der tropische Zyklon Maila fast stationär seine Runden dreht, steuert der tropische Zyklon Vaianu gerade an Fiji vorbei südwärts Richtung Neuseeland. Dabei wird er sich über dem kälteren Wasser abschwächen (derzeit ist Vaianu in der Kategorie 3 eingestuft), aber nach bisheriger Prognose erwarten wir in Neuseeland zum Wochenende schlechtes Wetter mit extremen Regenfällen und sehr starken, in der Richtung drehenden Winden. Da bleiben wir lieber noch ein wenig hier im gut geschützten Whangārei etwa 30 Kilometer flussaufwärts der Küste.

Nebenbei sind wir Dauergast in den großen Supermärkten von Whangārei und stocken jetzt auch schon die langfristigen Proviantvorräte auf Flora für die kommende Saison wieder auf.