Qilaqila / Bay of Islands

Seglerisch schlĂ€gt das tĂŒrkisfarbene Herz đŸ©” der nördlichen Lau-Gruppe ganz sicher in Qilaqila. An diesem traumschönen Ankerplatz sind wir jetzt!

Besser bekannt ist dieser Ort als „Bay of Islands“ im Atoll von Vanua Balavu. Allerdings hat ja neben Fiji praktisch jedes englischsprachige Land eine Bay of Islands, am berĂŒhmtesten ist sicher die auf Neuseelands Nordinsel.

Wir bleiben deshalb dem von den iTaukei (den indigenen Fijianern) verwendeten Namen Qilaqila, obwohl die gar nicht mal so große Bucht im Nordwesten von Vanua Balavu tatsĂ€chlich eine Unmenge von kleinen und noch kleineren Korallen-Inseln aufweist. An mehreren Stellen schmiegen sich die Eilande ganz eng aneinander. Sie bilden ein Labyrinth mit schmalen DurchlĂ€ssen, von denen viele bei Niedrigwasser selbst mit dem Dinghy nicht passiert werden können. FĂŒr die Segelboote bleiben diese kleinen flachen HintertĂŒrchen zwar versperrt, es bieten sich zwischen den zumeist dicht bewachsenen Inseln aber trotzdem eine Vielzahl von wunderschönen AnkerplĂ€tzen an. Wir entscheiden uns fĂŒr einen ganz speziellen, eben fĂŒr das Herz. RĂŒckwĂ€rts fahren wir in die enge Bucht, lassen dabei auf 4 m Wassertiefe den Anker in den Sand fallen. Eine Landleine nach hinten, spĂ€ter noch jeweils eine weitere zu den Seiten.

Eingeparkt. â˜ș

(fĂŒr bessere Auflösung auf die kleinen Bilder klicken)

Das Wetter ist ein bisschen durchwachsen, sonnige Abschnitte wechseln sich mit Regen ab. Sollten die Pilz-Inseln mit dem ganz dĂŒnnen Stiel eigentlich Regenschirm-Inseln heißen?

Unsere zwischenzeitlichen Nachbarn Rosa und Gunnar lassen sich scheinbar inspirieren und setzen mit dem knallroten echten Regenschirm (und mit den roten Masten ihres Wharram-Katamarans) herrliche Farbtupfer in die grĂŒn-tĂŒrkise Kulisse.

In einem trockenen Abschnitt steht mal wieder ein Ausflug in den Mast der Flora an. Rigg checken: ja, auch das. Vor allem aber: unsere Windanzeige ist auf der Herfahrt hinsichtlich der WindstĂ€rke in den Streik getreten, zeigt die Windrichtung aber weiterhin an. Wahrscheinlich ist also nur das Anemometer (das sich eigentlich durch den Wind drehende Schalenkreuz) fest. In 20 m Höhe mit etwas Schmiermittel eingesprĂŒht, lĂ€sst es sich tatsĂ€chlich wieder leicht drehen.

Wir bleiben noch ein wenig und wollen das Labyrinth ĂŒber und unter Wasser erkunden.

Abschied von Fulaga

Pilzinsel, die ĂŒber dem Wasser zu schweben scheint.

Wir haben beschlossen, zum Wochenende auf die nÀchste Insel weiterzufahren. Bevor wir uns aber zum Nachbar-Atoll Ogea aufmachen, wechseln wir in Fulaga noch ein letztes Mal den Ankerplatz. Ziemlich genau im Herzen der Lagune, um Rooster Island herum, gibt es eine Gruppe von malerischen kleinen Pilz-Inseln mit mehreren wunderschönen SandstrÀnden. Ein weiterer idealer Ort, um noch einmal unser aufblasbares Doppelkayak zum Einsatz zu bringen.

Das Verholen beginnt allerdings mit einer unschönen Überraschung. Wie ĂŒblich hatten wir unseren Anker abgeschnorchelt, er lag wunderbar tief eingegraben im Sandgrund. Als wir die Kette einholen, kommt sie steif, aber der Anker bricht nicht aus. Na gut, dann hilft leichte Fahrt voraus. TatsĂ€chlich, der Anker kommt sofort frei. Aber er sieht jetzt so aus:

Das ist blöd und fĂŒr uns auch ziemlich unerklĂ€rlich. Wir mĂŒssen vom extra grĂ¶ĂŸer gewĂ€hlten 30 kg Spade-Anker auf unseren Zweitanker wechseln, den 25 kg Delta. Aber immerhin ist das eigentlich Flora‘s Originalanker, nur dass wir ihn eben seit Griechenland zu unserem Ersatzanker degradiert hatten. Der Wechsel muss natĂŒrlich unterwegs passieren, wir lassen Flora treiben und bugsieren die beiden schweren Anker mit Hilfe des Spi-Falls aus bzw. in die Halterung vorn am Bug. Das klappt immerhin auf Anhieb.

Der neue Ankerplatz ist dann wie erwartet einfach traumhaft. Bei Flut sind die StrĂ€nde schmal und viele SandbĂ€nke zwischen einzelnen Pilzinseln gerade so eben ĂŒberspĂŒlt. Bei Ebbe werden die feinen StrĂ€nde breit, die SandbĂ€nke tauchen dann auf und fallen trocken.

Von diesem Ankerplatz aus fahren wir mit dem Dinghy ein letztes Mal zum Hauptdorf Muaninuku , um uns von unserer Gastfamilie zu verabschieden. Wir treffen sie nicht bei ihrer HĂŒtte an, sondern geraten direkt in eine FestivitĂ€t auf dem zentralen Dorfplatz. Der Cricket-Pitch in der Mitte des Platzes war uns bereits aufgefallen, jetzt wir er bespielt. Das ganze Dorf ist gekommen und bejubelt entweder das Team Muaninuku oder das Team Vulaga (die alte Schreibweise von Fulaga) . Mehrere kleine Zelt-Pavillions sind am Rand aufgebaut und spenden den Zuschauern Schatten, in ihnen wird außerdem Kava getrunken. Wir finden Lina in einem der Zelte und werden gleich eingeladen. Das koloniale Erbe Britanniens wird deutlich: Cricket ist (neben Rugby) eine der Nationalsportarten in Fiji und wird selbst auf so abgelegenen kleinen Inseln wie Fulaga begeistert gespielt. Einfach auf dem Dorfplatz zwischen WellblechhĂŒtten und Kirche, zugleich mit Blick aufs Meer und unter Palmen.

(Wie immer: fĂŒr bessere Auflösung auf eines der kleinen Fotos klicken)

SpĂ€ter auf dem RĂŒckweg sehen wir dann erstmals in Fiji Flughunde. In großer Zahl konnten wir diese faszinierenden fruchtfressenden Flederttiere mit einer Spannweite von ĂŒber einem Meter ja schon in Tonga bewundern, nun also auch hier.

Am nĂ€chsten Morgen machen wir dann eine ausgedehnte Kayaktour durch das Insellabyrinth um Flora herum. Die Kalksteinpilze bergen zum Teil Höhlen und das Wasser hat nicht nur die Basis der Inseln erodiert, sondern an mehreren Stellen Torbögen oder regelrechte BrĂŒcken gestaltet.

Herrlich! Aber wir haben gehört, dass unser nĂ€chstes Ziel Ogea Ă€hnlich beeindruckende Felsformationen bieten soll. Also geht’s nach ĂŒber vier Wochen Fulaga jetzt weiter zur nĂ€chsten Insel der sĂŒdlichen Lau-Gruppe. Ogea, wir kommen. TschĂŒĂŸ, Fulaga. Du und Deine so herzlich gastfreundlichen Menschen werden uns unvergesslich bleiben.

Schwierige Entscheidung mitten in der Nacht: Lernkurve!

„Gentlemen don’t sail to weather“ (Gentlemen segeln nicht gegen den Wind) heißt es. Schließlich bedeutet es doppelte Strecke, dreifache Zeit, vierfache Arbeit. Manchmal muss man das wörtlich nehmen. Jedenfalls bei ordentlich Welle von vorn ist es außerdem ziemlich unangenehmes Segeln.

Andererseits: ein Wetterfenster scheint segelbaren Wind von Savusavu hinunter nach Fulanga zu bieten. Typischerweise blĂ€st der Wind genau von dort, jetzt soll er auf Ostnordost drehen. Das wĂ€re dann zwar immer noch ein Amwind-Kurs. Nicht eben angenehm bei zwei Meter Welle, aber eben auch kein Kreuzkurs gegen den SĂŒdostpassat.

Wir probieren es. Verproviantieren uns noch einmal umfangreich fĂŒr die abgelegene Lau-Gruppe, fĂŒllen Wasser- und Dieseltank randvoll, kaufen diverse BĂŒndel Kawa-Wurzeln fĂŒr das auf diesen Inseln ĂŒbliche „Sevusevu“, das rituelle Überbringen dieses Gastgeschenks an den Chief des Dorfes.

Und dann geht es los. Das Bugstrahlruder streikt, obwohl es beim Einlaufen in die Marina noch wunderbar funktioniert hatte. Aber diesen „Quirl“ benutzen wir -wenn ĂŒberhaupt- ohnehin nur bei engen Hafenmanövern. Ich teste sicherheitshalber noch die Ankerwinsch, sie funktioniert, ebenso die Rollreffanlage im Mast. Vielleicht ist es die Sicherung des Quirls, aber die ist unter der vollgepackten Vorschiffskoje verborgen.

Nach einer ersten Flautenphase nimmt der Wind stetig zu, die Wellen leider auch. Ab Mittag wird es dann tatsĂ€chlich ein ziemliches Gebolze hoch am Wind. Es ist so holprig, dass sich tatsĂ€chlich der Karbonteil der hintersten Segellatte losschĂŒttelt, aus der Lattentasche rutscht und im Meer verschwindet. Die Wellen bremsen uns erheblich ab, gegen Mitternacht haben wir erst etwa 70 der 180 Seemeilen geschafft. Das Großsegel ist mittlerweile im ersten Reff, wobei es beim Einreffen ein bisschen hakelt. Als die Böen 28 kn erreichen, wollen wir das zweite Reff eindrehen. Nur – die elektrische Rollreffanlage im Mast bewegt sich kein StĂŒck! Wir Reffen erst mal (mechanisch) das Vorsegel ein.

Etwas spĂ€ter dann die Entscheidung zum Beidrehen, wir mĂŒssen das untersuchen. Das Beidrehen ist ein fast magisches Manöver: eben noch wildes Gebocke des Schiffes hoch am Wind bei zwei Meter Welle, dann mit dem Bug durch den Wind, die Segel dabei belegt lassen, gleich wieder Gegenruder und das Steuerrad bei backstehender Fock einfach feststellen: himmlische Ruhe. Mit etwa einem bis anderthalb Knoten driften wir mit erstaunlich wenig Schiffsbewegung ganz ruhig dahin.

Das gibt uns die Gelegenheit, unsere als Stauraum genutzte (um nicht zu sagen: mit Wingfoils, Kajak, Paddelboard etc. vollgestopfte) Dreieckskoje im Vorschiff leerzurĂ€umen. Darunter hat die Batterie ihren Platz, die speziell fĂŒr das Bugstrahlruder, die Ankerwinsch und die Rollreffanlage im Mast genutzt wird. Hier (also versteckt unter der Koje) gibt es auch einen Notschalter. Mit dem lassen sich die verschiedenen Batterien zusammenschalten. Und schwupps, funktioniert auch die Rollreffanlage im Mast wieder.

Wir drehen das zweite Reff ins Großsegel und diskutieren unsere Optionen: weiter Segeln und in der Lau-Gruppe diesen Workaround nutzen? Oder umdrehen und versuchen, in Savusavu eine neue Batterie zu bekommen? In der abgelegenen sĂŒdlichen Lau-Gruppe wĂ€re das jedenfalls nicht möglich. Und da wollen wir eigentlich gerne sechs bis acht Wochen verbringen.

Schweren Herzens treffen wir um 01.00 Uhr nachts die Entscheidung, die wirklich sauer verdienten mittlerweile knapp 80 Seemeilen der letzten 16 Stunden wieder her zu schenken, drehen um und segeln zurĂŒck nach Savusavu. Das jetzt angenehme und schnelle Segeln mit schrĂ€g von hinten schiebenden Wellen und raumen bis halbem Wind versĂŒĂŸt uns die RĂŒckfahrt deutlich.

Falls wir noch Zweifel an der Entscheidung hatten, verschwinden diese mit dem Ausbau der Batterie schlagartig: das hĂ€tte schlimm enden können. Das GehĂ€use der AGM-Batterie ist aufgeplatzt, unten im Batteriekasten schwappt SĂ€ure. Ein solcher Schaden fast ohne Vorwarnung, das wundert uns schon. Und natĂŒrlich Ă€rgern wir uns, das erste Anzeichen Bugstrahlruder nicht gleich nĂ€her untersucht zu haben.

Am nĂ€chsten Tag mache ich mich auf die Suche nach einer neuen Batterie und werde tatsĂ€chlich gleich im zweiten Laden fĂŒndig. Die nackten Batteriepole passen zwar nicht (sie sind dicker als die der alten Batterie), aber bei einem minikleinen Auto-ZubehörgeschĂ€ft finde ich passende Polklemmen. Geht doch.

Ganz genau gleich sind die Maße natĂŒrlich nicht, ich sĂ€ge noch eine zusĂ€tzliche Sicherung aus einem Holzbrett zu und baue sie im Batteriekasten ein. Außerdem findet sich tatsĂ€chlich auch noch ein Ersatz fĂŒr den verlorenen Segellattenteil, auch der muss noch ein wenig zurecht gearbeitet werden, aber auch das funktioniert.

Ein ungeplanter, am Ende aber doch erfolgreicher Boxenstop. Und eine (160 Seemeilen lange) Lernkurve im wahrsten Sinne des Wortes.

Morgen starten wir dann gleich den nÀchsten Versuch.

TschĂŒss Minerva

Photo credit: Jayne, S/V Scout

Es ist soweit. An diesem Wochenende geht der Wind endlich mal auf deutlich unter 20 kn herunter. Zeit, um ganz oben an der Mastspitze das Fockfall einzusammeln. James von der Scout assistiert an der Sicherungsleine, dadurch muss Wiebke nicht zwischen Genuawinsch und Mastwinsch hin und her flitzen.

Leider hat sich die Kausch des Falls etwas im Fallauslass verklemmt, also nochmal runter, neues Werkzeug holen, wieder rauf in 20 m Höhe und: ja, ich kann dasFall mit nach unten nehmen.

Wir bereiten die Ersatzfock vor und Phil von der Skylark bringt seinen Feeder herĂŒber, der an einer kurzen Leine das EinfĂ€deln der Fock in das Profilvorstag erleichtert. So ziehen wir gemeinsam die neue Fock hoch und und sind – endlich – wieder voll einsatzklar. Super, denn am Montag gibt es ein Wetterfenster fĂŒr die Weiterfahrt nach Fiji.

Wir klaren die Flora auf, gehen nochmal Schnorcheln 



, noch einmal eine lange Wingfoil-Session:

Und auch die Drohne kommt nochmal zum Einsatz, um die einmalige AtmosphÀre dieses so besonderen Ruheplatzes mitten im Ozean noch einmal in Bildern einzufangen.

Die anderen Crews gehen derweil auf Lobsterfang, Minerva ist bekannt dafĂŒr. Jacqui und Phil bringen uns nach ihrer erfolgreichen Jagd ein Prachtexemplar vorbei:

Lobster credit: Phil & Jacqui, S/V Skylark

Festessen also auf allen Booten einschließlich der Flora! Da kommen sogar die silbernen Hummergabeln zum Einsatz. Das Geschenk unserer Freundin Catalina aus Hamburg hat uns schon in der Karibik, in Maine, in Alaska und BC und jetzt hier in Minerva gute Dienste geleistet. Mehrere Riesendankeschön, Ihr Lieben.

Ganz ohne weitere Bootsarbeit geht’s leider doch nicht ab, der Wassermacher streikt. Der Elektromotor der Hochdruckpumpe gibt keinen Mucks von sich. Strom kommt bei ihm an. Also ausbauen, reinigen. Eine der KohlefaserbĂŒrsten ist defekt. Vom letzten Tausch haben wir aber noch eine gebrauchte, die noch ausreichend lang scheint. Wir setzen sie ein und siehe da, der Wassermacher tut wieder was er soll.

Also: die Passage nach Fiji kann starten.

Flora wieder mit Fock auf der Rollanlage

Refit der Flora in Neuseeland

„Refit“, das trifft es eigentlich ganz gut. Es war einfach mal wieder an der Zeit, unserer Flora eine Kur zu gönnen, sie wieder richtig fit zu machen. Seit fast sieben Jahren leben wir auf dem Boot, die vielen Jahre unterwegs haben Spuren hinterlassen. Klar, wir haben unterwegs immer wieder, eigentlich laufend, an ihr gearbeitet. Aber insbesondere die letzten Jahre in den etwas abgelegeneren Ecken des Pazifik haben fĂŒr einen gewissen Service-Stau gesorgt. Zuletzt (und auch nur kurz) aus dem Wasser gekrant hatten wir das Schiff ja in Kanada. Neuseeland ist – was Ersatzteilversorgung und auch maritimen Service angeht – ein ausgesprochen guter Ort dafĂŒr, diesen Stau abzuarbeiten. Trotz der guten Infrastruktur hat das am Ende deutlich lĂ€nger gedauert als zunĂ€chst veranschlagt, das war ja in den letzten BeitrĂ€gen bereits Thema. Aber ein Blick auf die Gesamtliste erklĂ€rt das schon ein bisschen.

  • Motor: große Inspektion, neue MotorfĂŒĂŸe, neuer Turbolader, EinspritzdĂŒsen geprĂŒft, neuer WĂ€rmetauscher, neues Motorinterface zum NMEA 2000 Netzwerk, neuer Anlasser (bisheriger als Ersatzteil, getauscht)
  • Antriebswelle: neues Wellenlager, neue Wellendichtung
  • Getriebe: Ölwechsel und Filterwechsel, Aquadrive-Kupplung ausgebaut und ĂŒberprĂŒft
  • Schaltung: neuer Schalthebel an der SteuersĂ€ule
  • Dieselgenerator: Instandsetzung nach Ausfall. Verstopftes Auspuffknie gereinigt, ebenso WĂ€rmetauscher und Wasserabscheider, KĂŒhlflĂŒssigkeit erneuert, Ausgleichstank fĂŒr KĂŒhlflĂŒssigkeit neu verlegt, neue AuspuffschlĂ€uche
  • BorddurchlĂ€sse und Seeventile: 23 BorddurchlĂ€sse (davon 17 im Unterwasserschiff) auf TrueDesign KompositborddurchlĂ€sse umgestellt
  • FĂ€kalientanks: beide Schwarzwassertanks durch neu gefertigte Edelstahltanks ersetzt, diverse Leitungen und Ventile ebenfalls erneuert
  • Segel: vom Segelmacher durchgesehen, UV-Schutz an Fock und Großsegel erneuert, Großsegelunterliek repariert
  • Solarpanel: zwei zusĂ€tzliche Panel je 100 Wattpeak auf den Davids (zusĂ€tzlich zu dem 430 WP Panel, dafĂŒr neuen Aluminiumrahmen schweißen lassen. Zwei der vier 100 WP Panel auf dem Bimini erneuert
  • Bimini: repariert, neue Fensterfolie fĂŒr den Blick in die Segel, nachgenĂ€ht und Klett erneuert
  • Navigationsinstrumente: Neuer Monitor am Kartentisch fĂŒr den Bordcomputer, ORCA Navigation (ORCA Core und Display) ergĂ€nzt
  • Unterwasserschiff komplett ĂŒberarbeitet, Schadstellen heruntergeschliffen und neu aufgebaut, ĂŒber alles eine Epoxi-Sperrschicht und 5 neue Schichten Epoxi-Coppercoat
  • SĂ€mtliche Polster im Salon, am Kartentisch und Sitz in der Achterkoje neu bezogen, Umbau der „Runden Ecke“ im Salon auf eckig
  • Waschmaschine neu (im vorderen Bad, Camec II 4 KG)
  • WasserhĂ€hne und Dusch-Armaturen in beiden BĂ€dern neu
  • Herd/Backofen neu (Kardanik in altem Herd war ausgerissen, zudem neu: Grillfunktion)
  • Ocean-Air Rollos repariert, mit neuen Verdunklungsstoffen und neuen MĂŒckennetzen versehen
  • Gardinen im Achterschiff erneuert (selbst genĂ€hte Verdunklungsgardinen)
  • Laufendes Gut: Großsegelausholer erneuert
  • Wassermacher: Ölwechsel, Fitting neu eingedichtet, neue Membran (deren Einbau erfolgt aber erst, wenn wir wieder in klarem Meerwasser sind)
  • Bugstrahlruder: neue Propeller, neues Antifouling im Tunnel
  • Kielnaht erneuert
  • Anoden: neue Zinkanoden an Welle, Propeller, Bugstrahlruder und KĂŒhlschrank (KĂŒhlungen in den BordduchlĂ€ssen der KĂŒchenspĂŒle)
  • Gelcoat: kleinere SchĂ€den im Bereich des Hecks repariert
  • Rumpf poliert (ĂŒber der Wasserlinie)
  • Spiegel in beiden BĂ€dern neu

Eine kleine Auswahl mit Vorher-, Chaos- und Nachher-Fotos:

Die Spiegel sind ĂŒbrigens nach einer kleiner Irrversendung quer durch Neuseeland heute erst hier angekommen. Egal, besser spĂ€t als nie und wir sind ja noch hier. Letzteres allerdings nur, weil quasi in der Nachbarschaft Zyklone (so wird ein Hurrikan auf der SĂŒdhalbkugel genannt) unterwegs sind. Die Zyklonsaison dauert im SĂŒdpazifik regulĂ€r noch bis Ende April. Erst danach wollen wir uns Richtung Fiji aufmachen. Denn jetzt sieht es in den Tropen nördlich von Neuseeland so aus: wĂ€hrend nordöstlich von Australien der tropische Zyklon Maila fast stationĂ€r seine Runden dreht, steuert der tropische Zyklon Vaianu gerade an Fiji vorbei sĂŒdwĂ€rts Richtung Neuseeland. Dabei wird er sich ĂŒber dem kĂ€lteren Wasser abschwĂ€chen (derzeit ist Vaianu in der Kategorie 3 eingestuft), aber nach bisheriger Prognose erwarten wir in Neuseeland zum Wochenende schlechtes Wetter mit extremen RegenfĂ€llen und sehr starken, in der Richtung drehenden Winden. Da bleiben wir lieber noch ein wenig hier im gut geschĂŒtzten Whangārei etwa 30 Kilometer flussaufwĂ€rts der KĂŒste.

Nebenbei sind wir Dauergast in den großen SupermĂ€rkten von Whangārei und stocken jetzt auch schon die langfristigen ProviantvorrĂ€te auf Flora fĂŒr die kommende Saison wieder auf.

Aller guten Dinge sind 
 ?

Am Ende wird alles gut. Wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende!

Nach dem Hinein- und Hinauskranen der Flora am Dienstag war Arbeit an den drei leckenden Seeventilen angesagt und dann am Mittwoch wieder Travellift.

Mittwoch: Same procedure

Leider Murmeltiertag. FrĂŒhmorgens rein, erneut ein undichtes Seeventil feststellen, gleich wieder raus. Wieder ist das Seeventil des achteren WC-Auslasses undicht. Es ist wirklich kaum zu erreichen, im Motorraum eingezwĂ€ngt zwischen dem Volvo, dem vom Vorbesitzer eingebauten Generator sowie dessen Seeventil nebst SchlĂ€uchen und dem Schott zum Bad. Jetzige Diagnose: wahrscheinlich war deshalb beim Einbau (fĂŒr Dienstag) das Seeventil schief auf den Borddurchlass gesetzt. Damit wurde das Gewinde des TrueDesign-Borddurchlasses verletzt, das neue Seeventil (fĂŒr Mittwoch) konnte also wieder nicht dichten. Der Borddurchlass muss ganz raus (also auch neues Coppercoat Antifouling drauf). Akkordarbeit fĂŒr die Handwerker und neuer Krantermin am Donnerstag.

Frust bei uns. Zur BewĂ€ltigung (oder Kompensation?) machen wir eine spontane Gewalttour nach Auckland und zurĂŒck. Unser Ziel ist das „RV Super Centre“, ein riesiges Zentrum fĂŒr neue und gebrauchte Wohnmobile. Was soll das jetzt, geht der Frust so weit, dass wir an eine Landyacht denken?

🧐 . Nein, natĂŒrlich nicht.

Aber im RV Super Centre gibt’s auch einen Zubehörshop und der bietet eine Waschmaschine an, die unserer schon seit Panama irreparabel kaputten Candy 3,5 kg recht nahe kommt. Die Camec RV II 4 kg ist – wie könnte es anders sein – minimal zu groß. Limitierend sind auf der Flora die TĂŒr zum vorderen Bad mit 47 cm Breite, zudem ist das Loch fĂŒr den Einbauort der Waschmaschine (von der Dusche aus) nur 51,5 cm breit und 75 cm hoch.

Die Camec misst 70 x 51 x 49 cm. Wir mĂŒssen sie uns vor Ort anschauen, um zu sehen, ob und ggfs. was demontierbar ist oder ob wir das ganze GehĂ€use auseinander bauen mĂŒssten.

Und so sieht’s dann aus: wenn wir die WaschmaschinentĂŒr abbauen, gewinnen wir etwa zwei Zentimeter. Das wĂ€re einfach und könnte gerade so ausreichen. Schlimmstenfalls mĂŒssten wir die RĂŒckwand auch auseinandernehmen. Allerschlimmstenfalls passt die Maschine dann trotz neuem, etwas kleinerem Holdingtank im gleichen Stauraum immer noch nicht. Puh. Schwierige Entscheidung. Wir riskieren es und kaufen die Waschmaschine. Schließlich war in Panama, den USA, Kanada und Mexiko keine passende zu bekommen, da dort die Stromnetze und somit fast alle ElektrogerĂ€te jeweils auf 110 V 60 Hz und nicht auf die von uns benötigten 230 V 50 Hz ausgelegt sind. Ein Import aus Europa hĂ€tte das Dreifache des Preises der Waschmaschine verschlungen. Außerdem gab es ĂŒberall Waschsalons. Die Inseln im Pazifik: keine vernĂŒnftigen kleinen Maschinen. Also: jetzt hier in Neuseeland, wenn sich irgendeine Chance bietet: nutzen.

Die Camec bleibt allerdings erst einmal im Kofferraum unseres Autos.

Donnerstag: Krantermin zum Dritten!

Wieder hÀngt Flora in den Seilen des Travellifts, wird langsam ins Wasser gelassen und bleibt in den Seilen, bis wir das ok geben.

Mechaniker Byron kontrolliert das vermaledeite Ventil im Motorraum: dicht! Endlich.

Die Seile werden gelöst wir motoren zum Liegeplatz am Steg. Durchatmen. Danach geht Wiebke die Ventile alle noch einmal durch und 
 da ist doch ein Tropfen am Seeventil unter dem Waschbecken im achteren Bad? Trockenwischen, warten. Mist, ein neuer Tropfen bildet sich. Das darf doch nicht wahr sein. Ich schließe das Seeventil, wische alles noch mal trocken, lege drumherum KĂŒchentĂŒcher aus. Sie bleiben um das Ventil des Waschbeckenauslasses herum trocken, aber das Ende am Ventil des Decksablaufes wird etwas feucht.

Byron kommt und prĂŒft. Und prĂŒft. Und prĂŒft. Ergebnis: Borddurchlass und Seeventil sind dicht, bei geschlossenen Seeventilen passiert also nichts, wir können im Wasser bleiben. Die beiden SchlauchanschlĂŒsse oberhalb dieser beiden Seeventile mĂŒssen aber neu abgedichtet werden. Na Klasse. Aber immerhin GlĂŒck im UnglĂŒck: nicht nochmal kranen, dann könnten wir erst nach Ostern wieder ins Wasser.

Aber auch so, dreimal kranen innerhalb von drei Tagen, das ist ein Novum fĂŒr uns. Wenn möglich, möchten wir das auch nicht wiederholen.

(Kar-)Freitag: wir bereiten das Projekt Waschmaschine weiter vor. Ich verlege die SchlĂ€uche im Waschmaschinen-Kabbuff etwas anders, um oben mehr Platz zu schaffen. Messe alles noch einmal aus, zeichne an den WĂ€nden mit Bleistift Markierungen an. Baue die TĂŒr zum Waschmaschinenkabuff und die große TĂŒr vom Salon zum Vorschiff aus. Schraube den Salontisch ab und schiebe ihn ganz zum Sofa. Soviel Platz schaffen wie möglich. Auch das Steuerrad im Cockpit wird ausgebaut.

Ben von der „Kujira“ kommt uns zu Hilfe. KrĂ€ftig und super schlank, das wird helfen. Und tatsĂ€chlich, wir wuchten die Maschine ĂŒber die Reling und ins Cockpit, entfernen die schĂŒtzende Verpackung. Dann die Treppe herunter in den Salon. TĂŒr der Waschmaschine abschrauben. Es klappt, wir kommen durch die TĂŒrdurchlĂ€sse gerade so eben durch. Wir verbinden den Wasserzulauf, binden das Stromkabel und de Abwasserschlauch an die zuvor gezogenen Pilotleinen und zirkeln mit etwas MĂŒhe die 45 Kilogramm der Camec durch die enge Öffnung, wobei sich Ben tatsĂ€chlich noch zwischen Duschwand und Maschine quetschen kann. Drin, passt wie angegossen. WaschmaschinentĂŒr wieder dran, mit Spanngurt herunterzurren, anschließen, fertig.

Flora schwimmt und wir haben sogar wieder eine Waschmaschine. Hurra!

Arbeitsergebnisse – Zwischenstand

Sind wir fertig?

Nein, weder mit den Nerven, noch mit der Bootsarbeit. Eigentlich wollten wir ja schon unterwegs sein und jetzt mit Auto Neuseeland zu bereisen, aber das muss noch warten. Ich hĂ€tte erwartet, dass uns Verzögerungen bei den Bootsprojekten mehr stressen wĂŒrden, aber erstaunlicherweise macht es uns bisher gar nichts aus. Wir machen es uns heimisch im mittlerweile dritten AirBnB in und um Whangārei, erkunden die Umgebung und treiben die Bootsprojekte voran. Als wir beim Wechsel zwischen unseren UnterkĂŒnften einen Tag ĂŒberbrĂŒcken mĂŒssen und dafĂŒr auf die Flora ziehen, hat das einen erstaunlichen Nebeneffekt. Unser Handwerker fĂŒhlt sich motiviert, das temporĂ€re Chaos auf Flora zu verringern und dafĂŒr sogar am Wochenende zu arbeiten.

Die Woche begann aber sowieso schon gut. Endlich kommen die Alu-Schweißer vorbei. Gemeinsam bauen wir das Solarpanel und dessen TrĂ€ger von den Davits ab. Sie nehmen die (zusĂ€tzlichen) beiden neuen Solarpanel ebenfalls mit und machen sich ans Werk fĂŒr den beauftragten neuen Halterahmen.

Außerdem ist unser Bimini repariert. Der Stoff wurde geflickt und verstĂ€rkt, die spröde und rissig gewordene Fensterfolie erneuert, die Klettabdeckungen der ReisverschlĂŒsse nachgenĂ€ht bzw. getauscht. Dadurch können wir auch die jetzt die 400 WP Solarpanel auf dem Bimini wieder nutzen, um so wichtiger, weil ja jetzt die anderen 400 WP auf den Davits gerade abgebaut sind.

Den alten Herd, der uns auf dem Törn nach Neuseeland aus der Halterung gesprungen war und dessen gebrochene AufhĂ€ngung wir notdĂŒrftig repariert hatten, wird durch eine neuere Version ersetzt. Damit haben wir endlich auch die Möglichkeit zusĂ€tzlicher Oberhitze im Backofen.

Dazu diverser Kleinkram. Ein Beispiel: die WasserhĂ€hne im Bad sind ziemlich unansehnlich geworden, das lĂ€sst sich leider auch nicht mehr wegpolieren. Ich hatte neue bestellt, leider sind aber die nötigen Anschlussfittinge trotz Odyssee durch alle in Frage kommenden GeschĂ€fte nicht zu bekommen. Wohl oder ĂŒbel muss ich die alten Anschlussfittinge aufarbeiten und wiederverwenden.

Grausgruselig sieht es um die Edelstahl-Holdingtanks aus. Der Schwarzwassertank der achteren Toilette hatte ja an einer Schweißnaht nadelfeine Löcher entwickelt, mit entsprechend unangenehmen Begleiterscheinungen. Gegen den Ausbau wehrt er sich lange aber am Ende vergeblich. Die Naht neu zu schweißen oder einige Bleche zu verstĂ€rken erweist sich als nicht sinnvoll, wir lassen einen Ersatztank bauen. Sicherheitshalber bauen wir auch den vorderen Holdingtank aus und lassen ihn prĂŒfen. Von außen sieht er noch gut aus, aber die Bleche sind von innen ebenfalls stark korrodiert und extrem dĂŒnn geworden. Also wird auch diese tickende Zeitbombe mit einem neuen Tank entschĂ€rft, außerdem werden bei beiden Tanks auch die SchlĂ€uche und Ventile erneuert. Das beschĂ€ftigt uns und unsere Handwerker lĂ€nger als erwartet, aber der Teufel steckt wie so oft im Detail.

Das Highlight der Woche: die neuen Polster sind da und wir bauen sie gleich ein. Aus der „runden Ecke“ ist eine eckige geworden und auch sonst sind wir von der QualitĂ€t und auch vom Preis begeistert.

Zum Vergleich: runde Ecke (alt) und eckige Ecke (neu):

Und sonst: der Motor ist grĂ¶ĂŸtenteils wieder zusammengebaut, beim Generator fehlt allerdings noch immer eine Dichtung (soll nĂ€chste Woche kommen). Das neue Coppercoat ist ebenfalls fĂŒr nĂ€chste Woche angekĂŒndigt (jedenfalls beim Importeur).

Es wird so langsam. Hoffentlich.

Work and Travel in Neuseeland

Nach der Reise zu Jacqui und Phil am letzten Wochenende steht wieder gehÀuft Bootsarbeit an.

Beim Generator scheint der Wasserabscheider zum GlĂŒck doch in Ordnung zu sein, nach seinem Ausbau (er sitzt in der Backskiste) kommen wir außerdem besser an die RĂŒckseite des Generators heran. Mechaniker Byron findet dann allerdings einen ĂŒbel aussehenden WĂ€rmetauscher am Generator.

Zum GlĂŒck stellt sich nach intensiver Reinigung heraus, dass die Ablagerungen nur von einem schlecht sitzenden Anschluss-Fitting herrĂŒhren, die beste aller Lösungen. Es fehlt nur noch eine (bereits bestellte) Dichtung.

Auch gut: die Teile fĂŒr den Volvo-Motor (Turbo und RohrbĂŒndel des WĂ€rmetauschers) sind eingetroffen, die gereinigten Motorteile sind bereits grundiert und mĂŒssen nur noch lackiert werden, dann kann es an den Wiedereinbau gehen.

Schlechte Nachrichten gibt es zum Coppercoat: es wurde zwar Anfang der Woche geliefert, allerdings mit Ablaufdatum (bis zu dem es gestrichen werden soll) am exakt gleichen Tag. Das ist bei dem happigen Preis und einer Ablauffrist von normalerweise 12 Monaten nicht hinzunehmen. Wir erfahren, dass uns der Lieferant wahrscheinlich das Coppercoat gesendet hat, welches ein anderes Boot auf der Werft nach direkter RĂŒcksprache mit dem Hersteller wegen des Ablaufdatums an den Lieferanten zurĂŒckgehen ließ.

Grrr. 😡

Eine neue Lieferung soll am 10. MĂ€rz kommen.

Was noch? Unter anderem bauen wir alle Polster aus dem Salon (also Sofaecke, Sessel, Navisitz) und den Sitz in der Achterkoje aus und geben sie zum Polsterer. Am schlimmsten prĂ€sentiert sich der Sitz am Navitisch, aber auch die Flecken und Scheuerstellen an den anderen Polstern haben wir zuletzt immer mit ÜberwĂŒrfen kaschiert. Das muss jetzt mal neu. Außerdem wollen wir die „runde Ecke“ des Sofas umarbeiten zu einer eckigen. Deutlich gemĂŒtlicher zum Liegen und auch zum Lömern mit hochgezogenen Beinen. Zudem wird das Staufach hinter der RĂŒckenlehne besser zugĂ€nglich. Das Herausnehmen ist bei den meisten Polsterteilen recht einfach, nur einige verdeckt durch den Polsterstoff angeschraubten RĂŒckenlehnen machen die Aktion doch etwas langwieriger.

Aber gut. Das ist jetzt also auch in Arbeit.

Zur „Arbeit“ fahren wir ĂŒbrigens von unserem neuen AirBnB aus, das diesmal im Nordosten von Whangārei im Örtchen Tamaterau liegt. Zwar mĂŒssen wir bei der Anfahrt eine steile und enge Schotterpiste bewĂ€ltigen, dafĂŒr ist die Aussicht aber phantastisch:

Und schon ist wieder Wochenende. Nach Work kommt Travel. Diesmal wollen wir ganz in den Norden zum Cape Reinga,

Lust und Frust in Whangārei

Ich fang mal mit dem Positiven an: wir haben eine schöne Unterkunft hier in Whangārei und mit den Bootsarbeiten geht es auch langsam voran.

Unser AirBnB liegt eigentlich direkt neben dem State Highway #1, der lĂ€ngsten und wichtigsten Bundesstraße in Neuseeland. Trotzdem bekommen wir vom Verkehr kaum etwas mit, denn die Straße verlĂ€uft deutlich oberhalb des GrundstĂŒcks, das wir nur ĂŒber eine Serpentine hinunter ins Flusstal erreichen. Das FlĂŒsschen Waiarohia River strömt von BĂ€umen ĂŒberdacht direkt unterhalb der Terrasse unserer Unterkunft laut rauschend durch sein felsiges, gewundenes Bett.

Auch wenn es morgens mit 12 Grad durchaus noch frisch ist, nehmen wir den zweiten Kaffee und das FrĂŒhstĂŒck deshalb gerne auf der Terrasse. Das Feierabendbier dafĂŒr dann gern auf einem der inzwischen aufgewĂ€rmten Felsen im Fluss (tagsĂŒber hat es etwa 24 Grad).

Im klaren Wasser des FlĂŒsschens können wir NeuseelĂ€ndische Langflossenaale beobachten. Sie können bis zu 180 cm lang und 25 kg schwer werden, den grĂ¶ĂŸten hier schĂ€tzen wir auf gut ĂŒber einen Meter. Die MaorĂ­ nennen diesen Aal „Tuna“, er ist als Speise geschĂ€tzt, hat aber auch mythische und religiöse Bedeutung.

So zeigt sich das Wasserungeheuer Taniwha (gesprochen Tanifa, wh wird wie f gesprochen, auch in Whangārei) hĂ€ufig in dieser Form. FĂ€ngt man also einen solchen Aal, der andere Merkmale hat, etwa Streifen oder rote Augen, wĂŒrde bei seiner Tötung ein Fluch auf dem Angler liegen. Wir angeln lieber nicht, sondern beobachten die Aale nur.

Floras Reparaturen sind bei unserer Ankunft wie erwartet noch nicht so suuuper weit, von den im November erteilten AuftrÀgen ist vieles bisher nicht abgearbeitet. Das ist etwas frustrierend, aber immerhin:
Der Anlasser ist getauscht, der WĂ€rmetauscher ausgebaut (leider hat das RohrbĂŒndel einen Riss), die MotorfĂŒĂŸe erneuert, die flexible Wellenkupplung gecheckt (und fĂŒr noch gut befunden), das Wellenlager erneuert, die EinspritzdĂŒsen geprĂŒft (gut), der Gori-Propeller auseinander genommen und geserviced (war schwierig), der durch nadelkleine Löcher leckende achtere FĂ€kalientank ausgebaut, ok, dann nehmen wir den vorderen Tank auch noch raus. 9 Seeventile sind bereits (gegen TrueDesign-Komposit-Ventile) getauscht, vier weitere in Arbeit. Mit dem Unterwasserschiff-Coppercoat konnte also noch nicht begonnen werden. Trotz Ansage im November ist das Coppercoat leider auch noch nicht bestellt, da laufen wir jetzt hinterher.

Außerdem bauen wir das Bimini ab, um einen Sturmschaden-Riss reparieren lassen zu können. Die bei SVB in Deutschland bestellte Ankerwinsch hĂ€ngt noch im Zoll, es beginnt ein intensiver Email-Verkehr mit der neuseelĂ€ndischen Post und dem Zoll.

Jetzt, wo wir da sind, gehen auch die Handwerker mit neuem Elan ans Werk. Der Turbolader gibt nach intensivem Zureden seinen Widerstand gegen den Ausbau auf, muss aber leider erneuert werden. Beim Wechsel der Anoden bricht ein FlĂŒgel am Propeller des Bugstrahlruders ab, das Material ist ziemlich spröde geworden, da steht also auch ein Austausch an. Am Generator zeigt sich, dass der KrĂŒmmer sich komplett zugesetzt hat. Der Wasserabscheider hat verdĂ€chtige Spuren, das muss nĂ€her untersucht werden.

Der Rahmen fĂŒr die Befestigung der neuen Solarpanele ist noch nicht geschweißt. Mit dem dritten Handwerker der gleichen Firma nehme ich nochmal die Maße auf.

Nebenbei nĂ€ht Wiebke neue Verdunklungsgardinen fĂŒr die Achterkoje und wir versuchen das OceanAir Verdunklungsrollo/Fliegengitter fĂŒr das Luk zu reparieren.

Langweilig wird es also nicht und dieser Kur-Werftaufenthalt hier bei Dockland 5 in Whangārei bedeutet sicher das umfangreichste Refit, das Flora bisher bekommen hat.

Was liegt an?

Nur ein paar Tage bleiben uns noch in Whangārei, dann fahren wir schon nach Auckland. Und von da aus fliegen wir Ende nÀchster Woche nach Deutschland.

Flora steht aufgebockt auf dem GelÀnde von Dockland 5, sie hat sich einen Kur-Aufenthalt wahrlich verdient.

Die sechseinhalb Jahre Dauerbelastung sind nicht ganz spurenlos geblieben, da ist tatsÀchlich Allround-Wellness angesagt.

Ganz oben auf der Liste stehen die Checkups unserer beiden Dieselmotoren, also Hauptmaschine und Generator. Da ist mal ein bisschen mehr zu tun als die von uns regelmĂ€ĂŸig durchgefĂŒhrten Öl-, Filter- und Impellerwechsel. Turbo und WĂ€rmetauscher werden ausgebaut. Der letztere bietet gleich eine unangenehme Überraschung. Beim Ausbau zeigt sich, dass eine verdeckt liegende Dichtung ihrem Namen nicht mehr ganz gerecht wird. „Gerade noch rechtzeitig“, sagt der Mechaniker.

Ebenfalls weit oben auf der Liste stehen die BorddurchlĂ€sse und Seeventile. Löcher im Schiff verdienen halt besonderes Augenmerk. Flora hat davon eine ziemlich große Anzahl. Schon ab Werk, erst recht aber durch die NachrĂŒstungen des Vorbesitzers (Wassermacher, Generator und Klimaanlage). Allein im hinteren Bad befinden sich sieben BorddurchlĂ€sse, alle aus seewasserbestĂ€ndigem Messing, wie es ab Werk verbaut wird. Das leidet allerdings in dem warmen Salzwasser ziemlich heftig unter Korrosion beziehungsweise Auszinkung. Wir wollen es deshalb – da wo es geht – durch korrosionsresitente TrueDesign-Komposit-Fittinge ersetzen.

Hier als Beispiel die Batterie von fĂŒnf Seeventilen im hinteren Bad, zwei weitere befinden sich im Waschbeckenunterschrank gleich daneben.

Leider sind bei weitem nicht alle Seeventile so gut zugÀnglich wie diese, insbesondere im Motorraum geht es ziemlich eng zu.

Im Bad gibt es noch eine weitere Baustelle: der Abwassertank hat ein kleines Leck. Eine der SchweißnĂ€hte des Edelstahltanks scheint ein nadelgroßes Loch aufzuweisen. Hoffentlich kann er geschweißt werden. Der Tank muss also raus. Nachdem wir die Wandverkleidung und das WC abgebaut haben, sieht das Ganze so aus:

Auch diese Ventile sollen raus, sie sind extrem schwergĂ€ngig geworden. Die hinter dem Tank verbaute TankentlĂŒftung und das seitlich (durch den Motorraum gefĂŒhrte Knie zum anschließenden Schlauch der Tankabsaugung via Decksstutzen verkomplizieren den Ausbau des Tanks allerdings erheblich. Es ist eben ein Boot.

Was noch?

Die Segel bringen wir zur Durchsicht und Ausbesserung zum Segelmacher.

Die Gangschaltung nehmen wir uns selbst vor. In Aitutaki auf den Cook Islands hatte ja beim Anlege-Hafenmanöver das Gasgeben im RĂŒckwĂ€rtsgang nicht mehr geklappt. Murphy‘s Law.

Offenbar war ein Mitnehmer innerhalb der Gangschaltung gebrochen. Bei geöffneter SteuersĂ€ule konnten wir den Gang manuell auf der RĂŒckseite der Gangschaltung wechseln, immerhin war ein “Workaround“ gefunden. Aus Deutschland brachten wir dann nach Samoa eine Ersatzschaltung mit. Einbauen konnten wir sie allerdings nicht, da sich der Schalthebel nicht lösen ließ. Weder Rostlöser noch Hitze- und KĂ€lteanwendungen brachten Abhilfe, selbst gutes Zureden half nicht.

Hier in Whangārei gehen wir es nochmal an, Kommen aber zerstörungsfrei nicht weiter. Der Konus, auf dem der Schalthebel sitzt, bricht irgendwann. Immerhin, das eröffnet uns die Möglichkeit, die zwischen Ă€ußerer Edelstahlplatte und innerem Stahlblech komplett fest gegammelten Schrauben auszubohren und den Schaltmechanismus innerhalb der SteuersĂ€ule zu lösen. DafĂŒr mĂŒssen wir aber die SteuersĂ€ule auseinander bauen und die darin befindliche Elektrik und Elektronik trennen. Dabei natĂŒrlich schön beschriften, damit wir das jemals wieder zusammensetzen können.

Die Solarpanel auf dem Bimini funktionieren nur noch teilweise. Die (Ă€lteren) SunWare-Panel laden noch immer gut, die (neueren) Sunbeam-Panel haben schon eine völlig matte OberflĂ€che und geben den Geist auf. Dabei hatten wir fĂŒr die erst in Tahiti eine mit Klett abgedeckte Reißverschluss-Halterung auf das Bimini nĂ€hen lassen. Wir finden hier in Whangārei semiflexible Panele in passender GrĂ¶ĂŸe und lassen bei einer Sattlerei die gleichen ReißverschlĂŒsse darannĂ€hen.

Wo wir schon dabei sind, kaufen wir auch noch zwei feste Panele, die unser großes 400 Wattpeak-Panel auf den Davits ergĂ€nzen sollen. DafĂŒr ist jetzt bei einem Aluminium-Schweißer ein geĂ€nderter Halte-Rahmen in Auftrag gegeben.

Wegen der schÀbig gewordenen Salonpolster sprechen wir mit verschiedenen Polstereien.

FĂŒr das Auffrischen des Coppercoat-Unterwasseranstrichs und die erforderlichen Ausbesserungen geben wir einen Auftrag an den Spezialisten vor Ort.

Und noch dies und noch das. Die Tage vergehen im Flug. Um so besser, wenn dann zum Feierabend der Blick hinunter auf Whangārei meistens eben doch klar und die Berge nicht regenverhangen sind.