Passage nach Panama 🇵🇦

Geschafft. Wir sind in Bocas des Toro in Panama angekommen, etwas über eine Woche nach der Abfahrt in Mexiko, exakt eine Woche, wenn wir den Pausentag an der Isla de Providencia heraus rechnen. Gut 1.000 sm haben wir dabei zurück gelegt. Und wie war nun das letzte Stück? Herrlich!

Bei der Abfahrt von unserem kolumbianischen Zwischenstopp pfeift es mit 20 kn. Wir binden (rollen!) das zweite Reff ins Groß und nehmen die Fock dazu. Trotz der etwa 1,5 m Welle kommen wir gut und auch ziemlich komfortabel voran. Zumal Wind und Welle abnehmen und der scheinbare Wind zwischen halb und raum pendelt (von der Seite bis schräg von hinten). Wir lassen das Groß im zweiten Reff, obwohl das jetzt nicht mehr nötig wäre. Sonst wären wir einfach zu schnell und würden im Dunkeln in Panama ankommen 😁. Da können wir auch mal wieder die Drohne fliegen:

Was auf den Drohnenbildern gut zu sehen ist: auf der der Sonne zugewandten Seite haben wir die Shades heruntergerollt. Die hatten wir uns erst in Herrington für unser Bimini machen lassen, das hätten wir schon viel früher ergänzen sollen. Das Netzgewebe (80er Mesh) lässt genug Luft und Licht durch, bietet aber gleichzeitig Schutz vor der gleitenden Sonne der Tropen. Die einzelnen Teile werden mit einem Reißverschluss mit dem Bimini verbunden und können nach unten zu den Befestigungspunkten der Kuchenbude abgespannt werden. Das funktioniert selbst unter Segeln. Wenn kein schweres Wetter zu erwarten ist, lassen wir sie einfach verbunden und rollen sie nur nach Bedarf hoch und runter. Wir möchten sie nicht mehr missen.

Das ruhige Segeln hat noch einen weiteren Vorteil, denn das Angeln funktioniert besser. Nach den drei (kleinen) Schwarzflossenthunfischen im ersten Teil der Passage gehen uns diesmal zwei schöne Mahi Mahi an den Haken, einmal 80 cm und einmal gut über einen Meter lang:

Das ist klasse, denn der Fisch mit den vielen verschiedenen Namen ist super lecker und zudem auch noch angenehm leicht zu filetieren. Wir nennen ihn meist Mahi, denn mit dem Delfin ist er natürlich nicht verwandt und geschmacklich spielt er in einer anderen Liga als das, was wir gemeinhin unter Makrele verstehen.

Heute bei uns zum Beispiel in Butter-Zitronensoße auf Apfel-Lauch-Chili-Gnocchi 😋

Ja, ok, das letzte Stück bis zur Ansteuerungstonne Boca del Drago vor den Bocas del Torro müssen wir durch die Nacht motoren, aber damit können wir die Ankunftszeit auch perfekt timen.

Wir wissen eigentlich nicht so genau, was uns in Panama erwartet. Und so sind wir positiv überrascht von der herrlichen Einfahrt in die weitverzweigte Buchtenlandschaft. Die sich hier auf gut drei Meter Höhe aufsteilende Dünung schiebt uns hinein in die breite und gut betonnte Mündung und kurz danach: Ententeich. Glattes Wasser. Im Morgendunst schichten sich die Staffelung der (unerwartet hohen und steilen) Hügelketten malerisch von Grün nach Blau.

Fischer paddeln in Kanus, als wir näher zum Ort kommen brausen dann auch zunehmend Lanchas unter Motor vorbei.Wir sind gut angekommen. Es fühlt sich richtig an, hier zu sein. 😁

Pura Vida.

Angekommen auf Isla de Providencia

Wir sind in Kolumbien 🇨🇴. Irgendwie. Andererseits auch wieder nicht, denn wir haben nicht einklariert, liegen hier nur vor Anker, die gelbe Q-Flagge unter der Steuerbordsaling. Auf Funk hat niemand reagiert, auch der designierte Agent nicht, der auch auf unsere Email nicht geantwortet hat. An Land dürfen wir erst, wenn wir einen PCR-Test vorlegen, der nicht älter als drei Tage ist. Das wird wohl nichts. Man kann auch in Kolumbien einen PCR-Test machen (dazu kommt wohl die Gesundheitsbehörde an Bord), bis zum Vorliegen des Ergebnisses dann Quarantäne an Bord. Wenn hier keiner auf unsere Kontaktversuche reagiert, kommt das wohl auch nicht in Frage. Macht aber nichts, wir erholen uns hier eine Nacht, schlafen aus, genießen den Ankerplatz als Zwischenstopp, und dann gehts weiter Richtung Panama 😁

Schön ist es trotzdem hier. Als wir gegen 15.00 in die malerische Ankerbucht einlaufen, haben wir in den fünf Tagen und 6 Stunden insgesamt 760 sm zurückgelegt. Grün und gebirgig hebt sich die Isla de Providencia aus dem Meer.

Der Naturhafen diente dem Freibeuter (und spätere Vizegouverneur des englischen Jamaika) Henry Morgan als eines seiner vielen Verstecke, von hier organisierte er die Überfälle auf Panama.

Im bunten Mix der Bebauung kann man bei genauerem Hinsehen noch deutlich die Spuren des 2020er Hurrikans Iota erkennen, aber auch die fortschreitenden Wiederaufbauarbeiten.

Dann jetzt die Bilder zu den vorherigen (Satelliten-)Blogbeiträgen:

Steve, Paula und Helena werfen unsere Leinen in Mexico los.
Irgendwie falsch, Sonnenuntergänge hinter uns …
Und Sonnenaufgänge vor uns. Aber zunächst mal segeln wir ja tatsächlich nach Osten.

Überhaupt, “Segeln”. Auf diesem Törn lief knapp ein Drittel der Strecke der Motor, wenn auch zum Teil nur zur Unterstützung. Die windarmen Teilstrecken hatten aber auch ihre Vorteile. Wir lieben das Baden im tiefen Blau!

Kuchenbacken ist sonst auch schwieriger 😉

Nicht zuletzt stellte sich auch unser zum frischen Sushi erforderliche Angelerfolg unter Motor ein.

Und immerhin sind wir ja die anderen zwei Drittel hierher gesegelt.

Pura Vida.

Passage Key West nach Mexiko

Unseren Toern nach Mexiko starten wir mitten in der Nacht. Um 2.00 Uhr gehen wir ankerauf, durch die gut befeuerte Hauptansteuerung geht es zurueck ins tiefe Wasser. Wobei, erst einmal nicht zu tief, wir bleiben bei der 100 m Linie und laufen westwaerts etwa Richtung der Dry Tortugas. Dort haetten wir eigentlich gerne geankert, der Nationalpark soll ein Schnorchel-Paradies sein. Aber dann wuerde sich das Wetterfenster schliessen, also lassen wir sie schweren Herzens aus, gehen noch ein Stueckchen weiter westlich und biegen dann nach Suedwesten ab, um hier den Golfstrom zu queren und auf der anderen (kubanischen) Seite den fuer uns guenstigen Gegenstrom zu nutzen.


Das Wetter meint es gut mit uns, für die ersten 36 Stunden – und damit etwas länger als vorhergesagt – haben wir gut segelbaren Wind, wobei wir unsere komplette Segelgarderobe einmal ausprobieren koennen. Wir starten nur mit dem gerefften Großsegel, reffen aus, nehmen die Fock dazu, wechseln auf den Gennaker und spaeter vom Gennaker auf den Code0.

Und nicht nur das ist wunderbar: wieder haben wir Angelglueck, ein etwa 80 cm großer dicker Thunfisch geht uns an den Haken.
Um es perfekt zu machen leistet uns dann auch noch eine Delfinschule über eine Stunde lang Gesellschaft, spielt ausdauernd in unserer Bugwelle.


Seite heute Mittag läuft jetzt der Motor, der Wind wurde erst immer spitzer und schwaecher, schlief dann ganz ein.
Langweilig wird uns trotzdem nicht, gerade haben wir es geschafft, den nach einem Systemabsturz komplett resetteten Plotter (unser „Navi“) wieder dazu zu überreden, uns auch die AIS-Symbole anderer Schiffe anzuzeigen.
Außerdem haben wir ein herrliches Bad im tiefen blauen und irgendwas zwischen 2000 und 3000 m tiefen Wasser zu nehmen.

Pura Vida.

Der Beitrag wurde per Iridium-Satellit übermittelt, deshalb keine Bilder. Auf Kommentare (über die wir uns riesig freuen) können wir deshalb auch erst wieder reagieren, wenn wir in Mexiko eine Internetverbindung haben.

West Palm Beach und dann zum Lake Sylvia in Fort Lauderdale

Palm Beach begrüßt uns mit Hochhäusern, Industriehafen und Superyachten, aber der Ankerplatz im Lake Worth zeigt auch die schöne Seite der Stadt. Vom (allerdings eine lange Dhinghyfahrt entfernten) städtischen und damit kostenlosen Dinghydock führt eine palmengesäumte Promenade am Ufer entlang.

Auf der anderen Seite sind weihnachtliche Sandskulpturen zu sehen, ein riesiger Sandtannenbaum nimmt gleich einen ganzen Platz ein und der Weihnachtsmann passt doch auch gut zum Manatee, oder? Rudolph braucht ja auch mal Pause und vielleicht eine Abkühlung. Andere Länder, andere Sitten.

Unser Weg führt uns dann weiter zum Norton Museum of Art. Die sehr sehenswerte Sammlung überwiegend zeitgenössischer Kunst wird mit wechselnden Sonderausstellungen ergänzt, uns hat neben der Empfehlung der LuSea-Crew die aktuelle “Frida Kahlo, Diego Riviera & Mexican Modernism” hier her gelockt. Sie gefällt uns sehr gut, aber auch das übrige Museum weiß zu begeistern.

In West Palm Beach treffen wir Freunde wieder – und müssen uns auch von ihnen verabschieden. So typisch für Cruiser, aber doch immer wieder auch traurig. Mareike mit ihrer Moana, Karen und Steve mit der Second Chance und auch Helene und Klaus mit der LuSea, sie alle wollen von hier aus zu den Bahamas. Wir dagegen wollen erst mal weiter die US-Ostküste hinunter und dann nach Mexiko. Da passt die Kunstausstellung um so besser 😉.

Ab Morgen soll erst einmal Südwind einsetzen. Also klingelt heute früh mal wieder der Wecker und pünktlich zum Sonnenaufgang lichten wir den Anker.

Wie vorhergesagt, können wir zunächst noch mit raumem Nordost-Wind von 8 bis 10 kn segeln, ab Mittag wird der Wind dann einschlafen. So kommt es auch, aber bis dahin ist es herrliches Gennaker-Segeln.

Und wir haben mehrfaches Glück, der Golfstrom bremst uns nicht, sondern lässt uns eine für uns gute Neerströmung nutzen; schenkt uns zudem aber auch wieder Angelerfolg. Dieses Mal ziehen wir einen schönen Schwarzflossen-Thunfisch an Bord.

Auch Fort Lauderdale begrüßt uns mit Hochhäusern und Industriehafen, aber einmal rechts um die Ecke, durch die erste Klappbrücke, der 17th Street Bascule Bridge, hindurch, schon sind wir in einer anderen Welt.

Eine Vielzahl von Wasserwegen durchzieht Fort Lauderdale. Sie zweigen links und rechts vom ICW ab, die Kanäle versorgen eine Unzahl von Grundstücken mit Wasserzugang. Unfassbare 40.000 Sportboote soll es hier geben. Andererseits:

Trotz – oder vielleicht wegen – der vielen privaten Stege sind öffentliche Ankerplätze im Stadtgebiet eher rar. Ein paar finden sich in Verbreiterungen des ICW, sie sind aber zumeist recht flach und durch den Intracoastal auch schwellig.

Wir entscheiden uns, einen Versuch im Lake Sylvia zu wagen. Der liegt ruhig, etwas abseits vom ICW, und er weist eine gute Ankertiefe auf. Kleine Haken: die Einfahrt ist ein bisschen tricky und der Platz ist oft voll. Wir tasten uns ganz nahe am Ostufer durch die Einfahrt, wechseln kurz vorm See auf die Westseite und werden belohnt: was für ein toller Platz in der Stadt:

Pura Vida.

Fort Pierce und Fisch zum 2. Advent

Der Weg an der Ostküste der USA herunter ist für uns mit ein bisschen mehr Motorstunden verbunden, als uns eigentlich lieb ist. Aber zwischendurch ist es auch immer wieder herrliches Segeln. Der Törn von Cape Canaveral nach Fort Pierce ist dafür exemplarisch, zu Beginn und am Ende jeweils ein paar Stunden motoren, dazwischen aber wunderbares Vor-dem-Wind-Segeln. Wir riggen beide Spinnakerbäume, setzen an Backbord den Code0 mit Floras Logo und an Steuerbord die Fock. Wie ausgebreitete Flügel vor dem Bug ziehen uns die beiden Segel südwärts. Was für ein herrlicher Anblick, was für ein tolles Gefühl.

Zumal der Törn auch noch Angelerfolg bietet, zwei Bonitos in guter Größe hole ich herein, dann verhängt Wiebke Angelverbot. 😳

In Fort Pierce kommen wir so rechtzeitig an, dass wir vorm Sonnenuntergang sogar noch unsere schwergängig gewordene Steuerbord-Mastwinsch auseinandernehmen, säubern, fetten und wieder anbauen können.

Im Hintergrund sieht man eine der typischen festen Brücken über den Intracoastal Waterway ICW, der parallel zu unserer Strecke entlangführt. Genau 65 Fuß Durchfahrtshöhe hat auch diese Brücke, bei unserer Masthöhe also nicht machbar mit der Flora.

Auf der anderen Seite unseres Ankerplatzes liegt ein Naturschutzgebiet mit Mangroven und Salzmarschen.

Wobei, wie so oft ist auch hier der eigentliche Küstenstreifen zum Strand nicht mehr Teil des Naturschutzgebietes, sondern mit Betonburgen bebaut, die etwas an die unglücklichen Hotelklötze auf der Nehrung des Mar Menor an der spanischen Mittelmeerküste erinnern.

Wir bleiben einen Tag hier am Ankerplatz, pruddeln am Boot herum (z.B. verstärken wir die Halterung unseres Außenborders am Heckkorb). Außerdem wird die komplette an Bord vorhandene Adventsdeko geriggt, bestehend aus einem handtellergroßen Herrnhuter Stern und einer Weihnachtsbaumkugel im Globus-Design.

Heute morgen dann noch kurz tanken und dann durch das Fort Pierce Inlet wieder hinaus in den Atlantik. Das Timing ist diesmal schlecht, bis zu vier Knoten Gegenstrom stehen uns im Inlet entgegen. Lässt sich aber nicht ändern, wenn wir unser Ziel West Palm Beach bei Tageslicht erreichen wollen. Also müssen wir da durch, ist ja auch nur ein kurzes Stück von ungefähr einer Meile. Aber die Strömungskabbelungen im Fahrwasser sind schon beeindruckend.

Wir hoffen mal, dass das nicht ein Vorgeschmack auf den Golfstrom ist, der uns bei Palm Beach leider mit voller Stärke bis direkt unter Land entgegenstehen wird. Seit Kap Hatteras hatten wir davon profitieren können, dass er auf dem Zwischenstück weiter draußen floss und sich in Landnähe sogar für uns vorteilhafte, Süd setzende Neerströme bildeten. Das ist ab jetzt wohl leider erst einmal vorbei.

Ein Gutes hat das aber auch, wir profitieren vom sprichwörtlichen Fischreichtum im Golfstrom. Einen Bonito lassen wir noch wieder frei, dann beißt diese schöne und leckere King Mackerel.

Und dann – verhängt Wiebke gleich wieder Angelverbot. Ist wohl besser so 😁.

Als ein Squall vor uns auftaucht, schalte ich das Radar ein, um die Regenzelle auf dem Plotter besser lokalisieren zu können. Nur leider sagt die Anzeige „Kein Radar gefunden“. Grr. Die nächste Baustelle tut sich auf. Aber auch das ist Bootsleben. Die To-do-Liste wird nie leer.

Pura Vida.

Wecker gestellt.

Eine inzwischen ziemlich ungewohnter Handlung, wir haben den Wecker gestellt. 5.00 Uhr. Morgen wollen wir hinüber nach Ragged Island segeln, etwa 80 sm nach Westen. Um bei Tageslicht anzukommen müssen wir wohl früh raus.

Ragged liegt am südlichen Ende der Jumentos Chain, einer Kette von Inseln und Felsen, die sich etwa 100 sm lang halbkreisförmig von Long Island bis eben nach Ragged unten an der Columbus Bank zieht. Die Besonderheit ist, dass es östlich der Kette schnell bis über 2.000 m Tief wird, während sich westlich der Inselchen superflaches Wasser von bestenfalls ein paar Metern Tiefe befindet, mindestens für gut 50 sm bis hinüber zur berühmten und wieder mehrere tausend Meter tiefen „Tongue of the Ocean“. Bahamas-Gegensätze pur. Aber nicht nur das reizt an Ragged. Die Insel liegt ziemlich abseits der klassischen Bahamas-Routen, nur 60 sm von Cuba entfernt und nicht an einer Durchreisestrecke etwa zwischen den USA und Puerto Rico, sie wird daher weniger frequentiert als z.B. die Exumas. Mal schauen.

Erst einmal holen wir aber hier am Ankerplatz bei Acklins die Tauchsachen heraus. Schnorcheln ist schön, aber der sandige Grund unseres Ankerplatzes fällt sanft bis auf eine Tiefe von etwa 15 m ab und wird dort von Korallen-Bommies wie von einer Hecke begrenzt. Dahinter fällt eine steile Wand fast senkrecht noch einmal etwa 20 m ab auf die nächste Ebene. Die Korallen und die Steilwand möchten wir betauchen.

Super ist, dass wir die Dinghys von Flora und Easy-One dafür an der Karizma festmachen dürfen. Unsere südafrikanischen Segelfreunde Amy und Hylt haben ihren Kat nämlich so geankert, dass das Heck der Karizma genau über der Riffkante liegt.

Hylt zeigt am Abend auf unsere Fragen hin auch noch sehr praktisch, welche Vorteile das beim Jig-Fishing vom Boot aus hat. 😁 🎣

Jetzt aber heißt es, dass wir die perfekte Einstiegsstelle für unseren Tauchgang haben.

Als wir etwas später auf etwa 20 m Tiefe an der Wand entlang tauchen kommt Freediver Hylt dann mal eben zu uns herunter und schaut uns eine Weile zu, bevor er langsam und scheinbar tiefenentspannt wieder nach oben gleitet.

Ein wunderschöner ruhiger Tauchgang ist es auch für uns. Den Rest der Luft in der Tauchflasche verwende ich dann weniger relaxt dazu, das Unterwasserschiff vor der Passage noch mal ordentlich sauberzumachen. Auch den Kiel glattgeputzt, den ich sonst gerne mal etwas vernachlässige wenn ich Floras Unterwasser-Schönheitskur schnorchelnd erledige. Aber in dem klaren Wasser hier fällt das natürlich auf 😉.

Dafür sollte es dann morgen um so flotter nach Westen gehen. Wieder ein Vormwindkurs, aber hoffentlich nicht so in den Sonnenuntergang wie hier am letzten Freitag auf dem Zwei-Nächte-Törn zu den Bahamas.

Angekommen in Matthew Town, Bahamas

Was für eine wunderschöne Passage. Wir benötigen 43 Stunden für die 300 sm, sind also mit im Schnitt knapp 7 kn flott unterwegs (Strömung hilft und wir halten uns fein in ihrer Mitte).

So ist es ganz überwiegend reines Schmetterlingssegeln, zwei Halsen mit jeweiligem Umbauen des Spibaums auf die andere Seite, ansonsten trimmfreies Segeln.

In die beiden Sonnenuntergänge segeln wir auf unserem Westkurs genau hinein, was für Geschenke.

Tja, das Angeln. Mein Missgeschick hatte ich ja schon beschrieben, auf dem nächsten Foto sieht man die neue lange Sicherungsleine an der anderen Angel. Trotz vollem Einsatz gab es leider kein Angelglück, hier ziehe ich gerade einen großen Mahi-Mahi bis fast an das Boot, dann geht er leider doch noch vom Haken. Andrea auf der Easy-One hat aber mehr Erfolg, wir werden heute Abend zum Fisch-Festmal hinüberfahren.

Am Ankerplatz kommen wir um 5.00 Uhr morgens an, also unplanmäßig noch im Dunkeln. Eigentlich in den Bahamas ein No-Go, aber hier in Matthew Town auf Great Inagua ist es kein Problem. Bis direkt vor dem Ankerplatz ist es so tief, dass wir nicht einmal eine Anzeige auf dem Echolot haben, nur drei Striche – – -. Und dann sind es bis fast ans Ufer Tiefen um 5 m und Sandgrund. Die anderen Ankerlieger haben ihre Ankerlichter an und liegen wie an einer Perlenkette aufgereiht, wir legen uns einfach südlich daneben.

Jetzt erst einmal schlafen und morgens noch vor dem Einklarieren ein Sprung ins glasklare Nass. Unfassbar, von der Badeleiter aus können wir vor dem Schiff noch weit über 10 m Ankerkette sehen, außerdem den Schlagschatten unseres Schiffes auf dem Grund.

Wie geht’s weiter? Kaffee und dann die Behörden, noch vor dem Frühstück. Beim Dinghyfestmachen im kleinen Hafen treffe ich auf den Officer von der Immigration, er nimmt mich mit seinem Auto mit zum etwa einen Kilometer entfernten Büro. Noch ein paar Formulare mit den bereits online gemachten Angaben ausfüllen, das kenne ich ja bereits. Er hat die Stempel vergessen und schickt mich erstmal rüber zur Lady vom Zoll. Der Eingang ist am anderen Ende des gleichen Gebäudes gelegen, dazwischen liegt noch ein Weinhandel. Die Tür steht offen, eine Halle mit vielen Paketen, überwiegend Amazon. Dort hindurch und in der einen Ecke der Wellblechdachhalle ist ein klimatisiertes Büro abgeteilt. Die nette Dame schaut gerade Internetvideos, der Ton läuft auf voller Lautstärke weiter während jetzt im Vordergrund die Maske zur Bearbeitung meines Cruising Permits geöffnet ist. Aber die Bezahlung der 300 US$ dafür hatten wir online nicht mehr hinbekommen (weil das Angelmissgeschick dazwischen kam), danach hatten wir kein Netz mehr. Das Wifi hier bei Customs (Zoll) funktioniert seit gestern nicht mehr, aber das bei Immigration läuft. Also zurück. Dort ist noch zu, aber gerade kommt der Officer mit den Stempeln angebraust. Ach was WiFi, er füllt das eben schnell für mich aus. Nur die persönlichen Daten und die Kreditkarteninformationen soll ich dann doch selbst eintragen, an seinem Bürocomputer.

Der Mann ist echt entspannt, getreu dem gerahmten Wahlspruch mit dem kleinen Sprung in der Scheibe, der die Wand in seinem Büro ziert:

Wieder zu Customs, dort bekomme ich das Cruising Permit und (im Preis inbegriffen) die Angelerlaubnis für die Bahamas. Und – ganz wichtig: Die Lady ruft (am Sonntag) ihre Freundin bei der Telefongesellschaft „aliv“ an. Die muss zwar jetzt erst zur Kirche und danach das Sonntagsmahl vorbereiten, aber um 15.00 wird sie mir am Hafen einen kleinen Router mit Bahamas-SIM-Karte vorbeibringen. Der Router ist kostenlos, für die Karte muss ich das gewünschte Datenpaket auswählen und auf dem Handy der Zöllnerin eine Bestätigungs-SMS an ihre Freundin schicken. O.k.

Dann wieder zur Immigration, die gestempelten Pässe abholen. Und noch 40 Dollar bezahlen. Diese Gebühr ist vermutlich nicht legal, obwohl es eine offiziell gestempelte Quittung gibt. Andere Segler beschweren sich und der Officer erklärt (wenn ich ihn richtig verstehe), dass das Dienstauto geschrottet wurde und er seinen Privatwagen verwenden muss. Hm. Wie auch immer, keiner scheint die 40 Dollar zurückzubekommen und ich will unsere Pässe haben. Es bleibt ein Beigeschmack, wenn auch kein dramatischer. Selbst in den Cruising Guide hat es diese Gebühr schon geschafft, Ratschlag: bezahlen und sich bei der vorgesetzten Stelle in Nassau beschweren. Scheint nicht viel zu bringen, unser Revierführer ist schon ein paar Jahre alt 😉, die Kosten muss man beim Einklarieren auf Great Inagua wohl einfach mit einkalkulieren. Jedenfalls sind wir einklariert und dürfen jetzt bis zu drei Monate durch die Bahamas cruisen.

Dass dieser Text mit Bildern erscheint zeigt: die Übergabe des Routers mit SIM hat geklappt:

Karibische Farben. 😁

Auch an unserem Ankerplatz. Keines dieser Bilder ist bearbeitet. Durch die polarisierende Sonnenbrille fotografiert sieht es sogar noch etwas krasser aus:

Die Südküste von Puerto Rico

Mit dem Palmenflash von Vieques verabschieden wir uns von den Spanish Virgin Islands. Etwa 28 Seemeilen sind es nach Puerto Patillas im Südosten der Hauptinsel Puerto Rico. Schon am Ankerplatz riggen wir den Spibaum zum Ausbaumen der Fock und den Bullenstander, um das einmal gereffte Großsegel auf der anderen Seite zu sichern. Schmetterling vor dem recht kräftigen achterlichen Wind ist angesagt. Es werden für uns 28 sm traumhaftes Segeln bei bestem Wetter.

Endlich sehen wir auch wieder einmal Delfine. Eine größere Schule von vielleicht 30 Tieren kommt uns in den Wellen springend entgegen, passiert kurz vor unserem Bug. Einige der Meeressäuger spielen ganz kurz vor unserem Schiff und dann – schwupp – sind sie schon wieder verschwunden. Hat nur eine Minute gedauert und zaubert uns doch für Stunden ein Lächeln ins Gesicht. Zumal wir rein zufällig die Kamera laufen haben:

O.k, die Bilder sind nicht perfekt, sie sind aber auch nur herauskopiert aus unserem Video (Ton anschalten).

Wie man an dem Blau des Wassers unschwer erkennt, ist das Karibische Meer hier richtig tief. Obwohl wir ja küstennah segeln, fällt der Grund auf unserer Route bis auf etwa 900 m ab, 35 Meilen südlich von Puerto Rico ist es über 5.000 m tief. Und das ist nur die eine Seite. Nördlich von Puerto Rico geht es in der Tiefseerinne des Puerto Rico Graben jedenfalls bis über 8.300 m hinab, die genaue Tiefe ist noch strittig. So gesehen ist Puerto Rico praktisch der über Wasser befindliche Gipfelgrat eines unterseeischen Gebirgsrückens.

Wir könnten auch noch küstennäher segeln, es gibt nur wenige gefährliche Flachstellen. Aber weiter draußen im tieferen Wasser hoffen wir auf mehr Angelglück und tatsächlich, querab der Punta Tuna (jaaaa!) rauscht die Steuerbordleine das erste Mal aus. Noch während ich den mittelgroßen Schwarzflossenthunfisch herankurbele, sirrt auch die Rolle der Backbordangel. Allerdings sind wir dort nicht schnell genug, der Fisch geht vom Haken. Kein Problem, denn noch ein zweiter Schwarzflossenthun beißt, wieder an Steuerbord. Diese Thunfischart wird maximal nur etwa einen Meter groß (unsere sind beide kleiner), ist aber sehr lecker. Und noch ein dritter Fisch geht an die selbe Angel, diesmal eine Fregattmakrele (unechter Bonito). Dann stellen wir das Angeln erstmal ein.

Mein neuer Lieblingsköder war wieder reichlich erfolgreich. Waren bisher die roten und vor allem die neongrünen Tintenfisch-Imitate am besten, läuft ihnen jetzt der Zedernholzköder (cedar plug lure) den Rang ab. Nur etwa 10 cm lang, mit Bleispitze und ansonsten ziemlich simpel und unverwüstlich. Auch nur mit einem Einfachhaken, kein Drilling, weshalb gefühlt weniger Sargassum an ihm hängen bleibt, obwohl das gelegentlich trotzdem noch passiert.

Die Beißspuren sprechen für sich

Heute Abend gibt es jedenfalls Fisch auf der Flora, die Crew der Easy One ist eingeladen, aber Andrea lässt es sich nicht nehmen, die Beilagen beizusteuern. Das Eis für die Piña Colada muss Ingo auch von drüben holen, ts, ts.

Anders als befürchtet müssen wir aber auf die Palmen noch nicht verzichten, auch hier an der Südküste säumen sie überaus üppig das Ufer, selbst an unserem Ankerplatz im Städtchen Puerto Patillas. Der Ankerplatz ist durch ein ausgreifendes Korallenriff relativ gut geschützt, allerdings machen ein paar Korallenköpfe einen Bogen bei der Anfahrt erforderlich und das Wasser ist etwas trüb und ziemlich flach. Gute Bedingungen für Manatees, auf die mit Geschwindigkeitsbegrenzungen und Warnbaaken hingewiesen wird. Wir bekommen hier allerdings keine zu Gesicht, hoffen aber auf Sichtungen der Rundschwanz-Seekühe bei unserer weiteren Reise an der Südküste von Puerto Rico. Aber einen (weiteren) traumhaften Sonnenuntergang gibts.

Am nächsten Tag holen wir nach einem Regenschauer den Anker auf und gemeinsam mit der Easy-One geht es weiter nach Westen. Wieder segeln wir vor dem Wind, wieder baumen wir die Fock aus. Aber das Groß hat heute Pause, in Böen messen wir knapp 8 Beaufort, da reicht die Fock alleine dicke.

Wind genau von achtern, Flora und Easy-One fahren das Vorsegel auf der jeweils anderen Seite

Und die Regenschauer bleiben uns erst einmal treu, während wir an der hier im Südosten noch sehr grünen Küste entlangsegeln. Etwa auf der Hälfte der heutigen Strecke von nur 20 Seemeilen wandelt sich aber das Bild, die Hänge der Berge werden zunehmend brauner und karger. Das lässt auch für unsere Regengüsse jedenfalls statistisch hoffen, erstmal bleiben die Wolken, aber tatsächlich wird es gegen Nachmittag schöner, der Himmel reißt auf.

Grün, Blau, Grau. Der letzte größere Schauer bei der Riff-Einfahrt „Boca del Infierno“

Wir machen einen Ankerstop hinter den Cayos de Barca. Durch vorgelagerte Riffe und ein Labyrinth von Mangroveninselchen sind wir hier gut gegen den hohen Ozeanschwell geschützt, aber die immer noch heftigen Windböen sprechen doch für einen geschützteren Platz für die Nacht. Schade, es ist so wunderschön hier:

Aber so fahren wir nach einer ausgiebigen Kaffeepause das kleine Stückchen weiter nach Salinas, in ein von den vorgelagerten Cayos zusätzlich geschütztes schmales Inlet. Im Ort am Ende der von mangrovenumstandenden Salzwassertümpeln gesäumten schmalen und tief einschneidenden Bucht liegt sogar eine kleine Marina, diverse Motorboote ankern davor. Für uns bietet es sich eher an, das zunächst flacher werdende Fahrwasser nicht bis dorthin durchzufahren, sondern zeitig einen Ankerplatz vor dem Ostufer anzusteuern. Ganz dicht kommen wir nicht an die Mangroven heran, es wird schnell seicht. Auf 2,80 m fällt der Anker, direkt neben der Easy-One.

Andrea und Ingo haben hier schon ein Manatee direkt hinter ihrem Boot erspäht, wir warten noch darauf und begnügen uns vorerst mit den rund um uns herum jagenden Pelikanen. Es ist immer wieder faszinierend zu beobachten, wie sie oft ohne Flügelschlag in Kompaktform dicht über das Wasser gleiten als hätten sie Pate für die Entwicklung der behäbig eleganten Flugboote gestanden. Und dann wieder unvermutet wendige Manöver fliegen und ins Wasser stoßen, wenn sie Beutefische entdecken.

Einklariert in Puerto Rico 🇵🇷

Um 10:30 gehen wir Anker auf, winken noch einmal Ute und Russ auf der Tairua und sagen Sint Maarten 🇸🇽 Good Bye. Wir wollen ein kleines Wetterfenster nutzen, das sich nur bis zum nächsten Morgen auftut. Danach soll sich das riesige Sturmtief bemerkbar machen, das sich derzeit über dem Nordatlantik austobt. Sebastian Wache von unserem deutschen Dienst Wetterwelt in Kiel berichtet von 15 hohen „signifikanten“ Wellen in diesem Tief, wobei einzelne Wellen gut die doppelte Höhe erreichen können. Das ist zwar weit weg, aber der Wetterdienst für die USVI (durch die wir hindurchfahren) hat eine explizite Warnung vor „hazardous wave conditions“ bis 20 Fuß Höhe (etwa 7 m) ab Samstag früh herausgegeben. Dann wollen wir bereits in Puerto Rico sein, allerdings dürfen wir auch nicht zu früh auf Culebra eintreffen, denn die Einfahrt in die geschützte Bucht dort führt gewunden und eng durch Riffe. Tageslicht ist angeraten. 127 Seemeilen liegen vor uns, das sollte passen und uns genug Gelegenheit geben, durch Tempoanpassungen pünktlich anzukommen. Für den Anfang ist eher wenig Wind vorausgesagt, aber wir werden positiv überrascht. Tatsächlich finden wir ideale Bedingungen für unseren Code0 und mit rund 5 kn plus unterstützendem Strom segeln wir ganz gemütlich über die ruhige See.

Als der Wind dann doch noch etwas nachlässt, nehmen wir den Motor dazu und nutzen das um auch den Wassermacher anzuwerfen. Der läuft zwar über die 12-Volt-Anlage, zieht aber etwa 38 Amp um 50 Liter Wasser zu machen.

Wir können diesen Teil der Passage sogar auf dem Vorschiff genießen, ein seltenes Privileg. Unterbrochen oder besser gesagt, getopt, von einem Angelerfolg. Eine schöne große King Mackarel geht an eine unserer beiden Schleppangeln. Drei Viertel von ihr bekomme ich auch an Bord, nur den Schwanz beißt am Ende noch eine große Golddorade ab. Gibt aber trotzdem noch genug Filets für drei Tage. Durch den abgebissenen Schwanz gibt’s allerdings etwas Blut aufs Teakdeck, da sind wir mit der sonst so hilfreichen Filetierungswanne aus der Backskiste einfach nicht schnell genug. 😔

Der Wind hat dann ein Einsehen, nimmt der Vorhersage entsprechend wieder zu und lässt uns unter Code0 in den Sonnenuntergang und die Vollmondnacht gleiten.

Beim ersten Wachwechsel um 22.00 rollen wir den Code0 dann aber weg, 8 Knoten über Grund sind einfach zu schnell für unsere geplante Ankunftszeit, wir wechseln auf die Fock und reffen sogar noch das Groß, damit passt es wieder. Tatsächlich erreichen wir kurz nach Sonnenaufgang die Ansteuerungstonne und laufen bei noch geringer Welle vom maximal einem Meter in Culebra ein.

Nach dem Aufklaren der Flora und Crêpes zum Frühstück steht das Einklarieren an. Zunächst versuchen wir uns über die CBP-Roam-App anzumelden, aber das stößt auf Schwierigkeiten. Wir haben noch keine Telefon-/Datenkarten, und die bisher so zuverlässige virtuelle SIM in Wiebkes GlocalMe scheint zu zicken, der letzte Bestätigungsschritt in CBP-Roam will nicht klappen. Laut Törnführer soll die Einklarierung bei der CBP (Customs and Border Patrol nahe am Dinghysteg erfolgen. Pustekuchen, da ist nichts. Ich werde zur Polizei verwiesen und von denen zum Flughafen. Das ist aber alle ganz gut fußläufig zu machen.

Am Flughafen residiert aber natürlich nicht nur die CBP (das hätte ich allein machen können) sondern die nimmt gleich auch die Aufgaben der Immigration wahr. Also einmal zurücklaufen, Wiebke mit dem Dinghy abholen und wieder zum Flughafen, denn die „Immigration“möchte uns beide sehen. Anfängerfehler! Die von uns vorab ausgefüllten Formulare CBP Form 1300 und CBP Form I-418 (gelten für die gesamten USA und auch USVI und Puerto Rico) soll ich aber schon mal da lassen, die Pässe mit den USA-Visa auch. Außerdem war ja vorher schon eine „Online Travel Declaration“ auszufüllen, die findet sich auf der Regierungs-Webseite für Puerto Rico. Das dabei hochzuladende Ergebnis unserer Covidtest kam rechtzeitig vor der Abreise in Sint Maarten per Email. Aus den Ankreuzmöglichkeiten der Travel Declaration ergibt sich übrigens, dass wir den Covidtest theoretisch auch in Puerto Rico machen könnten, dann allerdings bis zum Ergebnis in Quarantäne wären. Auf unsere Nachfrage sagt uns die CBP, ein Test wäre „wohl“ auch im kleinen Krankenhaus hier in Culebra möglich. Für Segler mit mehr als 72 Stunden Anreise (ab Test!) wäre das aber immerhin eine Möglichkeit.

Als wir auf der Suche nach einem WLAN zur Aktivierung unserer US-Telefonkarte im Ort sind, treffen wir die Crews der „Rive du Nord“ und der „Valentin“ wieder und schnacken kurz. Schön, da fühlt man sich doch gleich gut aufgenommen.

Im WLAN erfahren wir dann auch, dass die CBP-Roam-App sehr wohl funktioniert hat und uns der zuständige Officer per Videocall über die App und per Telefon vergeblich zu erreichen versucht hat. Deshalb teilt er uns per Email mit, dass wir unverzüglich zur CBP am Flughafen in Culebra zum Einchecken müssen. Gut, dass haben wir ja ohnehin gemacht ☺️.

Ein wenig Boatwork ist auch fällig, wieder mal meine Lieblingstätigkeit. Diesmal im achteten Bad. Aber es gibt eine tolle Kompensation.

Zum zweiten Filet vom selbstgefangenen Fisch (das erste ging gleich für Ceviche drauf) zaubert Wiebke an Bord heute Abend Pastinaken-Kartoffelstampf mit Lauch-Apfel-Beilage und Walnuss-Zitronen-Petersilien-Cremolata. Ein versöhnliches Hoch auch auf die Einkaufsmöglichkeiten auf der vorigen Insel in Sint Maarten.

Uns geht’s gut, schön jetzt hier in Puerto Rico zu sein.

Versorgungsfahrt

Barbuda gefällt uns richtig gut. Weihnachten hier? Warum nicht. Aber wenn wir über die Feiertage dort sind, sollten wir vielleicht doch noch mal unsere Vorräte aufstocken, die Gasflasche nach drei Monaten vorsichtshalber neu befüllen lassen, den Müll von mittlerweile gut zwei Wochen ordnungsgemäß entsorgen. Also entschließen wir uns für einen “Provision Run” nach Jolly Harbour.

Wobei, erst einmal motoren wir bei Windstille wieder um Palmetto Point herum, treffen am Princess Diana Beach noch einige Salty Dawg und schauen bei Inoch vorbei.

So eine ruhige Fahrt bietet sich zum Angeln geradezu an, aber leider beißt erstens kein Fisch und stellt zweitens die Rolle meiner einen Angel unvermittelt den Dienst ein, was sich frustigerweise auch noch beim Einholen wegen Sargassum-Seetang an der Leine zeigt. Ausgiebige Frischwasser-Spülung zeigt keine Wirkung.

Mal sehen, ob sich dass mit Bordmitteln beheben lässt. Auseinander bauen ist schon mal einfacher als gedacht.

Leider ist damit aber noch nicht viel gewonnen. Die Welle sitzt fest, die Kurbel lässt sich auch ohne Getriebe keinen Millimeter bewegen. Aufgeben? Noch nicht, lieber getreu dem nicht ganz ernst gemeinten Universal-Flowchart für derartige Fälle vorgehen:

Zwei Stunden und (gefühlt) eine viertel Flasche WD40 später fängt die Welle langsam wieder an, sich unter erheblicher Kraft zu bewegen, eine weitere halbe Stunde später ist es geschafft, die Rolle und damit die Angel funktioniert wieder.

😁

Da ist es dann auch zu verkraften, dass am nächsten Tag außer von einem bedauernswerten aber sofort wieder freigelassenen Minifischchen wiederum unsere Köder verschmäht werden. Zudem werden wir mit einem herrlichem Segeltag bei besten Bedingungen verwöhnt.

Die Fernsicht ist auch klasse, während wir voraus Antigua und rechts davon Montserrat 🇲🇸 sehen, können wir an Steuerbord Redonda (gehört zu Antigua und Barbuda 🇦🇬) und die einen Staat ( 🇰🇳) bildenden Nevis und St. Kitts sehen, wobei letztere Insel durch die tiefen Schluchten zwischen den Vulkanen wie mehrere Einzelinseln erscheint.

Fast zu schnell gehen die 30 sm zu Ende, der Anker fällt vor Jolly Harbour. Die Glasflasche geben wir an der Schiffstankstelle im inneren Hafen ab, eine große Tasche mit Bettwäsche und Handtüchern bringen wir zur Wäscherei auf dem Werftgelände. Und dann machen wir erst den Budget Marine Schiffsausrüster und gleich darauf den Epicurean Supermarkt unsicher, einen gehäuften Einkaufswagen fassen unsere Rucksäcke und Taschen, zum Glück ist das Dinghydock nur einen Steinwurf entfernt.

Am nächsten Morgen machen wir (weil ich nicht den Regler im Gasfach umbauen und die Ersatzflasche montieren will) die Frühstückspfannkuchen mit den letzten Eiern auf der IKEA-Induktionsplatte, die wir für den Fall der Propangasknappheit als Backup an Bord haben. Saugt aber ganz ordentlich an der Batteriebank 😉.

Eine zweite große Einkaufstour am nächsten Tag und wir sind erstmal wieder gut bevorratet, auch mit frischen Eiern.

Am Nachmittag dann ein Novum: wegen COVID findet die Weihnachtsfeier meiner (ehemaligen) Firma online statt und mein Nachfolger hat mich eingeladen. Wunderbar, so kann ich knapp 60 meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach eineinhalb Jahren praktisch auf einmal per Team-Meeting wiedersehen, eine große Freude für mich.

Der Einkauf geht übrigens nicht nur in die Vorrats-Staufächer. Statt dessen ein weiteres Novum an Bord: wir backen Focaccia. Wird richtig gut 😋

Und dann verholen wir in die nördliche Nachbarbucht, die Hermitage Bay. Neben mehreren wirklich schönen Stränden bietet sie auch den Vorteil, dass es kostenloses WLAN vom örtlichen Hotel gibt. Da können wir zB mal wieder einige Zeitschriften über die Readly-App herunterladen und für die nächsten Ziele nach den Revierführern von Frank Virgintino suchen. Eigentlich sollen sie kostenlos online verfügbar sein, aber da kommen wir irgendwie nicht auf die Download-Seite, möglicherweise sind wir zu blöd oder die Seite ist nur noch eingeschränkt erreichbar. Aber immerhin sind die Guides für den Kindle herunterladbar, wir probieren mal für 8,18 € den Revierführer für die Dominikanische Republik aus, die uns für den Weg Richtung Kuba jetzt schon mehrfach ans Herz gelegt wurde. Haben gerade erst begonnen hineinzulesen, sieht aber für den Anfang schon mal ganz informativ und gut geschrieben aus.