USVI und Angeln auf dem Weg

Die Passage zu den United States Virgin Islands 🇻🇮 ist klasse, fängt aber leider mit einem kleinen Missgeschick an. Irgendwie hatten wir die Barberholer-Leine vor einiger Zeit in den Block der Spischot gezogen und die (Plastik-)Seitenwangen des Blocks gesprengt. Schien nicht weiter schlimm, der Block leistete wie gewohnt seine Arbeit. Bis zu dieser Passage. Wenn wir die Fock ausbaumen, lassen wir die normalen Schoten angeschlagen, nutzen aber die zusätzlich am Schothorn der Fock angeschlagene und durch die Nock des Spinnakerbaumes geführte Spischot, weil der Zugwinkel besser ist und die Schot dann nicht am Relingsdraht scheuert. So sieht das auf der Passage aus:

Ganz rechts die Spischot

Nur, leider nicht von Anfang an. Denn zunächst mal läuft der Schredder:

Wegen der fehlenden Seitenwangen im Block ist die Spischot von der Rolle in die Lücke gerutscht, beim Dichtholen mit der Winsch hat die Spischot dann die Aufnahme der Rolle im Block und selbige umgekehrt auch die Spischot zerstört. Grrr 😖. Wie blöd kann man eigentlich sein. Mit Spischot und Spiblock von der anderen Seite läuft es dann aber (siehe oben). Einen Ersatzblock haben wir an Bord, die Spischot war eh zu lang, ich kürze sie unterwegs und versehe sie mit einem mit neuem Takling. Jetzt ist sie nur nicht mehr lang genug, um Gennaker oder Code0 zu halsen, aber das machen wir ohnehin nicht, sondern rollen das Segel dann jeweils ein und schlagen die andere Schot an. Keine Regatta hier 😉.

Ansonsten gibt’s es auf der Passage nicht viel zu tun. In den 29 Stunden ändern wir an der Segelstellung NICHTS, lediglich das Groß wird einmal ein und wieder ausgerefft. Also ausreichend Zeit zum Angeln 🎣. Und schon recht früh auch der erste Biss 😃. Allerdings:

Barrakuda

Obwohl auf hoher See gefangen, finden wir an Barrakudas hier keinen rechten Gefallen mehr. Das liegt nicht an dem schleimigen Schuppenkleid dieser Fische (was aber die schicken roten Handschuhe erklärt) und es liegt auch nicht am Geschmack. Unten in St. Vincent und den Grenadinen hatten wir noch einen gegessen (und er war lecker). Es ist nur so, dass hier im Norden der Karibik die Gefahr von Ciguatera bei diesen typischen Riff-Raubfischen relativ hoch ist. Und diese beim Verzehr weder zu schmeckende noch zu riechende Fischvergiftung möchten wir gerne vermeiden. Also zurück in die See mit dem Burschen. Ist aber gar nicht so leicht, ihm den tief geschluckten Köder aus dem Rachen zu operieren, zumal sein Gebiss doch ordentlich Respekt einflößt. Wir hoffen, er hat’s trotzdem überlebt.

Der nächste Biss ist dann ein großer Mahi Mahi von vielleicht etwas über einem Meter Länge. Ich kämpfe einige Zeit mit ihm, aber dann kann er sich doch vom Haken lösen. Gar nicht so lange später der nächste, wieder ein Mahi Mahi, aber noch deutlich größer. Hier ist der Kampf nicht sehr lang, dann hat er die Angelschnur durchgerissen. Obwohl wir das Vorsegel gleich einrollen, sind wir immer noch zu schnell für einen guten Drill bei einem so großen Fisch.

Neuer Köder, neues Glück: diesmal bringen wir die allerdings deutlich kleinere Golddorade (wie die Mahis auch genannt werden) gut an Bord. Die Größe ist für uns zwei eigentlich auch perfekt.

Nur der Vollständigkeit halber: dem Jagttrieb folgend die Angel gleich wieder auszuwerfen: NICHT SO TOLL. Ein weiterer Köder und ein gutes Stück Schnur rauschen in die Tiefe, die voll angezogene Bremse an der großen Hochseetrommel der Angel läuft heiß und die Schnur ist dann doch nicht stark genug. Kein Ahnung übrigens, was da am Haken war. Größer und kräftiger als ALLE vorigen war es aber allemal.

Gut in Charlotte Amalie auf St. Thomas angekommen, werden wir in den USVI gleich freundlich begrüßt: Martina und Daniel, zwei Schweizer mit denen wir bisher nur über die sozialen Medien und unsere Blogs Kontakt hatten, kommen im Dinghy vorbei, erklären uns die wichtigsten Dinge vor Ort und laden uns zum Sundowner auf ihre Vairea ein. Lassen wir uns nach dem (sehr unkomplizierten) Einklarieren natürlich nicht entgehen und es wird richtig schön. Auf der Heimfahrt mit dem Dinghy halten wir gleich noch einen kurzen Schnack mit Rachael und Bassam auf der amerikanischen HR 53 Arielle, die uns noch am Abend dieses Foto von uns schicken:

Aber bevor es dunkel wird sind wir dann doch wieder auf der Flora, genießen in Butter gebratenes Golddoradenfilet auf Jerk-Kürbis und die urbane Szenerie am Ankerplatz mit Venus am Abendhimmel.

Keine halben Sachen …

… also gibt’s leider auch nicht nur dunkle Wolken. Deren Inhalt erwischt uns nämlich doch noch, im Young Island Cut auf St. Vincent ergattern wir zuvor noch eine Mooring, haben einen wunderschönen Sonnenuntergang, bei dem sich die Regenschauer um die untergehende Sonne drapieren, doch dann schüttet es wie aus Eimern. Wir bauen tatsächlich unsere Kuchenbude auf. Und das ist gut so, noch am nächsten Morgen pladdert es (zwischen kurzen regenbogengeschönten Abschnitten) “wie wenn die Kuh das Wasser lässt”.

Deutschland 🇩🇪 steht Kopf (in den Regentropfen). Ostseewtter in der Karibik, allerdings wärmer 😚.

An der Westküste von St. Vincent geht es weiter nach Norden, wir statten der Walliabou Bay und der Cumberland Bay einen Besuch ab, für die Nacht zieht es uns aber weiter nach Saint Lucia 🇱🇨, wo wir in Soufriere einklarieren und direkt unterhalb der berühmten Pitons an einer Boje liegen.

Die beiden über 700 m hohen Wahrzeichenberge von Saint Lucia bei der Ansteuerung von Soufriere.

Die beiden Pitons (Gros Piton und Petit Piton) sind erkaltete Vulkankerne, die insbesondere aus der Entfernung sehr auffällig sind und wie Zuckerhüte aus der Landschaft herausragen. Sie liegen in einem 3.000 Hektar großen Schutzgebiet, dass auch UNESCO Weltnaturerbe ist und neben tropischen Regenwald unter anderem auch Trockenwald sowie im Meeresgebiet auch Korallenriffe beinhaltet.

Wir verlassen Saint Lucia vergleichsweise schnell wieder, weil der Wind ab Donnerstag deutlich zunehmen soll, aber am Samstag von Martinique der Rückflug von Jan nach Hamburg geht. Wahnsinn, wie schnell diese fünf Wochen vergangen sind und wie viel dann rückblickend eben doch diese fünf Wochen beinhalten. Wir klarieren in der Rodney Bay wieder aus, nicht ohne Laura und Marco auf der HR 53 “Ngahue IV” noch ganz viel Glück für ihre Weltumsegelung mit der am Samstag startenden ARC World zu wünschen, die beiden hatten wir ebenfalls schon ein paar Mal getroffen.

Die gute Infrastruktur in Rodney Bay nutzen wir aber noch, um eine neue Batterie für unser Bugstrahlruder und eine Beleuchtung für unser Dinghy zu erstehen. Und um im Restaurant am Hafen nochmal anders die Pitons zu genießen.

Die Überfahrt nach Martinique 🇲🇶 ist dann wieder mal feinstes Segeln, wobei wir schon bei dem jetzigen Wind mit einem Reff im Großsegel keineswegs “untermotorisiert” sind. Wir sind flott unterwegs und haben deshalb eigentlich wenig Hoffnung auf Angelerfolg, aber die Leine rauscht trotzdem plötzlich aus. Beim Hereinholen gibt’s allerdings eine Überraschung:

Einen HALBEN FISCH hatten wir bisher auch noch nicht gefangen. Da war jemand großes offenbar schneller an der Regenbogenmakrele als wir.

Aber: KEINE HALBEN SACHEN. Also: Angel wieder rein. Und:

😁

Und hier in den Anses d‘ Arlets auf Martinique sind wir auch gut angekommen.

Mindelo

Der Absprungort für die Atlantiküberquerung von den Kapverden aus ist Mindelo. Zugleich wartet die Stadt als einzige des ganzen Archipels mit einer Marina und damit mit einer vernünftigen Infrastruktur für Segelboote vor einem großen Törn auf. Hier können wir die Proviantierung noch um die frischen Sachen wie Obst und Gemüse ergänzen, noch mal Wasser und ggf. Diesel tanken, zur Not (zu Apothekenpreisen) sogar noch notwendiges Bootszubehör bzw. Ersatz- oder Verschleißteile kaufen. Um uns herum sind die Boote alle mit „letzten“ Vorbereitungen beschäftigt. Aber wir haben ja noch Zeit. Catalina ist für 10 Tage zu Besuch gekommen, Jan wird Samstag eintreffen und mit uns bis Martinique segeln.

Und so lassen wir es gemütlich angehen und erkunden zusammen ein wenig den Ort. Die Häuser sind größer als in den von uns hier bisher besuchten Orten, kein Wunder, Mindelo (früher: Porto Grande) ist eine Stadt mit rund 80.000 Einwohnern. Hier unten am Hafen findet sich neben einigen sehr modernen Bauten noch viel koloniale Architektur aus der portugiesischen Zeit.

So auch im Gemüsemarkt (ziemlich leer, wenn man erst kurz vor Feierabend reinschaut 😉):

Wieder ist es bunt hier, aber es werden auch andere Akzente gesetzt. Eine neue Art der auf den Kapverden so beliebten Wandmalerei sehen wir auch: eine zweistöckige Fassade ist mit dem Portrait der berühmtesten kapverdischen Sängerin Cesária Évora verziert:

Erst bei näherem Hinschauen erkennen wir, dass dieses Bild nur durch in den Putz des Hauses geschlagene „Löcher“ gebildet wird:

Und auch der Stadtstrand hinter dem Fährterminal überrascht uns. Wieder positiv, die Farben habe ich nicht bearbeitet 😁:

Ah, fast vergessen. Auf der Fahrt hierher hatten wir wieder einmal Angelglück, ein schöner Mahi Mahi mittlerer Größe, perfekt fürs Abendessen.

Und wo sind wir jetzt? Die aktuelle Position der Flora findet Ihr hier:



36 Stunden

So auf etwa eineinhalb Tage Länge hatten wir die Überfahrt von Sardinien nach Menorca kalkuliert. Etwa 200 sm bei im Schnitt 5,5 Knoten (=sm/Std) Geschwindigkeit.

Aufbruch in die Nacht:

Da wir am Mittwoch Abend losgefahren sind, bedeutete das zwei Nachtfahrten und eben den Tag dazwischen. Nachtfahrten auf offener See sind schön, ganz besonders in warmen klaren Nächten. Meist gibt es hier nicht so viele Gemeinheiten zu beachten wie etwa Stellnetze, Fischerfähnchen und Flachs, Felsen oder schwach beleuchtete Angelboote, die Nachtfahrten in Küstennähe deutlich schwieriger machen. Die Lichter der Schiffe weit draußen kann man meist schon von weitem sehen. So sind die großen Pötte nachts oft aus größerer Entfernung auszumachen als am Tage. Außerdem haben praktisch alle AIS, sind also auf unserem Plotter zu erkennen. Und der sagt einem dann eine ganze Menge zu den Dampfern an: natürlich Kurs und Geschwindigkeit (kann man auch schon an den Pfeilen erkennen) , aber auch z.B. die größte Annäherung bei den bestehenden Kursen (CPA), also ob man sich zu nahe kommt. Man kann sogar automatische Annäherungswarnungen programmieren.

Letztlich heißt das, das man die Fahrt fast noch besser genießen kann. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hatten wir übrigens nur eine einzige Schiffsbegegnung und die in großem Abstand. Der Sternenhimmel auf See ist geradezu sprichwörtlich schön, klar, da keine „Lichtverschmutzung“ den Blick beeinträchtigt. es ist wunderbar ruhig, man kann seinen Gedanken nachhängen, lesen oder ein Hörbuch oder Podcasts hören. Und wenn man Glück hat, so wie wir in den letzten beiden Nächten, leuchtet in den vom Schiff aufgeworfenen Wellen fluoreszierendes Plankton.

Ein bisschen schwieriger als tagsüber ist der Segeltrimm, aber Kopflampen (umschaltbar auf das weniger beeinträchtigende Rotlicht) helfen. Nachtwachen zu zweit funktionieren bei uns so, dass der eine unter Deck schläft und der andere im Cockpit eben wacht. Zur Sicherheit stellt er sich auf dem Handy für alle 15 Minuten den Wecker, um spätestens dann Rundumblick und Plottercheck zu machen, aber fast immer stellt man den Wecker schon vor Ablauf der 15 Minuten neu. Es ist tabu, das Cockpit während dieser Zeit zu verlassen um zum Beispiel am Mast etwas zu erledigen oder das Vorsegel einzurollen. Für solche Fälle muss immer der unten Schlafende geweckt werden und ins Cockpit kommen. Für lange Passagen wie die Atlantiküberquerung haben wir uns feste Wachen vorgenommen. Auf kürzeren Törns wie jetzt sprechen wir uns einfach ab und entscheiden die Wachwechsel eher spontan.

Dass wir die Nachtfahrten mögen, war aber gar nicht der springende Punkt bei unserer Entscheidung, Mittwoch Abend loszufahren. Das Wetterfenster gefiel uns besser und – auch nicht ganz ohne – wir hatten mehr Puffer, um bei Tageslicht im für uns fremden Mahon anzukommen. Wir durften nur nicht zu SCHNELL sein (das lässt sich leicht machen), während wir bei Abfahrt am Morgen nicht zu LANGSAM hätten sein dürfen. Das ist manchmal schwieriger, besonders wenn der Wind anders eintritt als in der Wetterprognose.

Weil wir danach gefragt wurden: als Wetterbericht verwenden wir meist „Windy“ zur groben Orientierung und „Seaman“ für die Feinplanung. Unterwegs (ohne Internet) können wir per Satellitentelefon über „Saildocs“ Wetter-GRIBfiles abrufen und mit verschiedenen Programmen auswerten.

Unser Wetterfenster sah so aus (auf „Seaman“):

Letztlich mussten wir allerdings ein gutes Stück vor Menorca motoren und das auch länger, als wir es uns erhofft hatten, zumal uns ein Gewitter nachts um halb drei zwar nicht direkt erwischte, die Fahrt unter Motor aber angeraten schien. Dennoch, alles in allem waren wir trotzdem sehr zufrieden mit unserer Passage. Zumal uns während der Motorfahrt auch noch – endlich mal wieder nach langer Zeit und zwischenzeitlichem mehrmaligen Köderverlust – Angelglück mit hold war:

Ein bisschen Ceviche gab es gleich, drei große Portionen Thunfischfilet haben wir vakuumiert, sie sind in den Bordkühlschrank gewandert.

Und jetzt liegen wir hier auf dem zwar für drei Tage kostenlosen, aber deshalb auch ziemlich überfüllten Ankerplatz in der Cala Teulera vor Mahon.