Tierisches aus der Chesapeake Bay

Am Ankerplatz Delfine sehen, das hatten wir schon in Beaufort. Und auch in Deltaville zieht am Abend eine Schule Delfine eine Runde. Um die Flora herum und dicht am Ufer entlang, in aller Ruhe und scheinbar ohne von den Ankerliegern Notiz zu nehmen.

Am nächsten Abend ist es anders. Kein Schnaufen beim Atomholen, kein auftauchender Rücken. Trotzdem Flossen an der Wasseroberfläche, die sich diesmal direkt auf die Flora zu bewegen.

Ziemlich dicht bei einander, meist paarweise auftauchend, immer nur die Flossen. Was ist das?

Bis zu fünf Flossen sehen wir gleichzeitig, in kreisenden Bewegungen nähern sie sich unserem Boot. Trotz der fast glatten Wasseroberfläche können wir nicht viel erkennen, zu trübe ist das dunkle Wasser. Ab und zu gibt’s ein bisschen Geplansche, dann geht das Kreisen von vorn los. Erst als sie schon ganz nahe sind, erkennen wir von oben, was sich da tut:

Rochen. Ein großer vorneweg, mehrere kleine hinterher. Sieht fast aus wie Schwimmunterricht, ist aber vermutlich etwas anderes 😉. Es sind Kuhnasenrochen (cownose ray), das größere Weibchen schwimmt vorn, die Männchen sind etwas kleiner. Und das Herausstrecken der Flügelspitzen gehört tatsächlich zum Paarungsritual.

Da sind die für die Chesapeake Bay so typischen Fischadler (Osprey) schon um einiges weiter. Der Nachwuchs macht bereits ordentlich Lärm in den Nestern und die Eltern haben reichlich zu tun, um die hungrigen Schnäbel zu stopfen.

Aber sie sind sehr erfolgreich, obwohl es reichlich Konkurrenz gibt. Nicht nur aus dem eigenen Lager, sondern auch von den ebenfalls zahlreich vorhanden anderen auf Fischfang spezialisierten Vögeln.

Sieht auf den ersten Blick wie eine Ansammlung von Kormoranen aus. Aber auch Pelikane, Fischadler, Möve und Seeschwalbe verstecken sich im Bild.

Wie die Adler es anstellen, an flachen Stellen in der trüben Brühe der Chesapeake Bay sogar Plattfische vom Grund zu holen ist um so mehr erstaunlich und bewundernswert.

Um so schöner, dass wir sie an allen bisherigen Ankerplätzen beobachten konnten, egal, ob es stärker bebaute Ufer mit viele Häusern gab (etwa in Solomon’s) oder idyllisch eher abgelegen war (wie z.B. im Mill Creek am Wicomico River, einem unserer Lieblingsankerplätze hier:

Um das Kap Hatteras in die Chesapeake Bay

Das Cape Lookout und insbesondere das Kap Hatteras genießen trotz ihrer optischen Schönheit unter Seglern einen eher zweifelhaften Ruf. Das liegt an den vorgelagerten Flachs, der schlechten Sichtbarkeit der niedrigen Outer Banks, vor allem aber an den Strömungen. Als wäre der Golfstrom nicht schon genug, arbeiten sich Ausläufer einer zweiten atlantischen Hauptströmung, des aus dem Nordpolarmeer kommende relativ kalten Labradorstroms eng an der Küste bis hier hinunter und drängen ab hier den Golfstrom nach Osten ab. Das ergibt eine intensiv arbeitende Wetterküche, die für unseren geplanten etwa 230 sm langen Übernachttörn in die Chesapeake Bay eben ein wohlgewähltes Wetterfenster erfordert.

Allzu zimperlich können wir da nicht sein, und so nehmen wir gemeinsam mit mindestens sechs anderen Booten die Chance eines Flautentages mit anschließend einsetzendem Südwestwind gerne wahr, auch wenn damit eine längere Strecke unter Motor verbunden ist.

Noch vor Sonnenaufgang gehen wir Anker auf, mogeln uns im ersten Büchsenlicht aus dem Barden Inlet und fahren erst einmal fast 10 sm in die “falsche” Richtung nach Südsüdosten um das weit aus greifende Flach vor Cape Lookout herum. Erst dann können wir nach Nordost Richtung Kap Hatteras schwenken.

Auf dem ersten Stück brausen trotz (bzw. wegen) der frühen Stunde die Sportfischerboote des Wettbewerbs in Beaufort rechts und links um uns herum, rauschen mit bis zu dreißig Knoten knapp an uns vorbei in Richtung Golfstrom und wühlen das Wasser dabei ziemlich auf.

Immerhin, noch können wir (wenn auch gelegentlich von den Motorbootwellen durchgeschüttelt) segeln, aber mit steigender Sonne setzt leider Flaute ein, wie vorhergesagt wird es ein Tag mit auch bei Flora rotierendem Motorstundenzähler. Wir trösten uns damit, dass wir sieben Segelboote zusammen am Tag weniger Diesel verbrauchen als eins dieser Boote in ein oder zwei Stunden.

Wir nutzen den von der Lichtmaschine im Überfluss bereitgestellten Strom, um vor der brackigen Chesapeake Bay unsere Frischwassertanks per Wassermacher noch einmal komplett voll zu machen.

Immerhin, zum Abend setzt der Wind langsam wieder ein und unter Groß und Code0 gleiten wir in die Nacht hinein.

Nachts haben wir zum Glück trotz Küstennähe nur relativ wenig Schiffsverkehr. Wechsel auf die Fock, zurück auf den Code0, Motorsegeln, weitere Segelwechsel und dann doch wieder längere Zeit motoren, so zeigt sich der zweite Tag.

Außerdem haben wir endlich wieder einmal Angelerfolg, eine schöne Spanische Makrele können wir an Bord ziehen. Trotzdem, das lange motoren hinein in die große Chesapeake Bay zieht sich, insbesondere nachdem wir das imposante Bauwerk des Chesapeake Bay Bridge Tunnels passiert haben, das sich mehr als 28 Kilometer lang über die Mündung der Bucht erstreckt. In beide Richtungen unserer Durchfahrt über einen der zwei Tunnelabschnitte läuft die Brücke aus unserem Blickfeld hinaus.

Und danach geht es eben noch stundenlang unter Motor weiter bis hinüber auf die westliche Seite der hier sehr breiten Bucht. Erst gegen 17.00 können wir den Anker im East River der Mobjack Bay fallen lassen. Es fühlt sich an, als wären wir in einem stillen, von hohen Bäumen und schönen Häusern umstandenen See vor Anker gegangen. Die Escape ist schon da, Easy-One und Tropicool finden sich kurz nach uns ein und ankern nicht allzu weit entfernt.

Keine 100 m hinter unserem Schiff hat ein Fischadler sein Nest auf einem Pfahl im Wasser gebaut, sein Schrei klingt durch die Abendstille über das glatte Wasser.

Schön, wieder hier zu sein.

Cape Lookout

Ein näherer Blick auf die amerikanische Ostküste von North Carolina aufwärts bis New York State offenbart etwas (zumindest für uns) Unerwartetes. Der Atlantik hat hier gemeinsam mit der oft küstenparallelen Strömung auf etwa 1.000 km Länge eine Landschaft geschaffen, bei der häufig Sanddünen lange Strände säumen. Dahinter befinden sich aber Lagunen und Buchten, die auf uns wie eine Mischung aus den Hafflandschaften der Ostsee und den Tidenrevieren hinter den friesischen Inseln wirken.

Ganz besonders betrifft das die “Outer Banks”, genau genommen eine Kette von rund 20 schmalen, langgestreckten und teilweise mit Brücken verbundenen Inseln, die sich in einem Bogen von etwa 300 Kilometern vor dem Festland von North Carolina und Virginia entlangziehen. Die Linie der zum Teil nur wenige Hundert Meter breiten Inseln entfernt sich dabei am Kap Hatteras etwa 50 Km vom Festland.

Südlichster Punkt der “Outer Banks” ist Cape Lookout, an dem wir jetzt im Barden Inlet, geschützt von der South Core Banks und der Shackelford Banks ankern.

Die flachen Sandinseln und die sich an den Kaps noch weit ins Meer erstreckenden Flachs, verbunden mit der starken und schwer einschätzbaren Strömung des Golfstroms, die bei nördlichen Wind zudem eine grobe See produziert, haben für viele Schiffbrüche an diesem Küstenabschnitt gesorgt. Schon früh wurden deshalb Leuchttürme errichtet. Das erste Leuchtfeuer am Cape Lookout ging 1812 in Betrieb, aber es war zu niedrig und die Reichweite zu gering. Einige Kapitäne bezeichneten die Feuer von Hatteras, Lookout und Cape Florida als geradezu gefährlich, weil sich Schiffe auf der Suche nach dem Licht des Leuchtturms zu nahe an die Flachs begaben. Schon 1859 ging deshalb ein neuer, mit 163 Fuß (knapp 50 m) deutlich höherer Leuchtturm in Betrieb, der dann auch ausreichend Tragweite hatte. Die charakteristische, unverwechselbare Bemalung mit weißen und schwarzen Rauten (day marks) erhielt er 1870.

Natürlich statten wir dem Leuchtturm einen Besuch ab, mit dem Dinghy können wir an der Innenseite des Fähranlegers festmachen. Über Holzbohlenstege geht es dann durch die Dünenlandschaft zum Leuchtturm und weiter hinüber zum breiten Strand an der Atlantikseite. Teile des Strandes sind für Autos befahrbar, weiter im Norden gibt es eine Fährverbindung extra für diesen Zweck. Viel Verkehr ist aber nicht, wir machen einen herrlichen Strandspaziergang.

Zurück zum Leuchtturm, wo uns intensiver Kiefernduft empfängt, Sommerluft wie auf Anholt oder Hiddensee 😃.

Fun fact: die Rauten sind keineswegs nur zufällig dekorativ zur Unterscheidung von anderen Leuchttürmen. Sie sind so aufgemalt, dass die weißen Rauten übereinander exakt in Ost-West-Richtung sichtbar sind, die schwarzen Rauten exakt in Nord-Süd-Richtung. 😎

Die Landschaft scheint irgendwie vertraut, aber sie ist es natürlich nicht allein, die die verschiedenen Regionen auf unserer Reise unterscheidet. Es sind die Menschen und – auf unbewohnten Inseln wie hier – eben auch die Pflanzen und Tiere. Lösen die Kiefern mit ihrem Duft eher heimatliche oder zumindest urlaubsbekannte Gefühle aus, erinnert uns die zum Teil ungewohnte Tierwelt daran, dass wir eben doch Besucher in fremden Ländern sind.

Beim Strandspaziergang sehen wir bekannte Arten wie Möven, Austernfischer, Seeschwalben und Standäufer. Aber eben auch das:

Ein weißer Ibis (Schneesichler) erschüttert unsere vorschnelle “ ach, das ist ja wie in … “ – Einordnung. Auch die Reiher kommen irgendwie anders daher. Erst ein Rötelreiher (Egretta Rufescens),

dann ein Schmuckreiher (Egretta THULA!) mit gelben Füßen und ebensolchem “Brillenband”:

Der erinnert uns einmal mehr an Janna und Ilja von der Thula, die jetzt gerade auf dem nicht ganz einfachen Törn von den Bahamas zu den Azoren unterwegs sind und mit denen wir immer mal über Iridium Kontakt haben.

Vielleicht sogar noch mehr als durch die Vögel bekommen wir durch ein anderes Tier deutlich vermittelt, dass wir uns in für uns neuem Terrain befinden:

Am Baum direkt neben dem Bohlenweg schlängelt sich eine amerikanische Kletternatter entlang. Sie ist ungiftig und als Würgeschlange eher auf Nagetiere und Vögel spezialisiert, aber – hey – , das muss ja doch erstmal nachschlagen ☺️.

Ein Blick durchs Fenster, ein Blick nach vorn. Glass Window und Wasser-Schaukel

Es gibt nur wenige Orte in den Bahamas, an denen die Ambivalenz von plötzlich aus dem tiefen blauen Ozean auftauchenden Inseln und den ausgeprägten türkisen Flachwassergebieten so deutlich wird, so plastisch hervortritt, wie eben am berühmten „Glass Window“ auf Eleuthera. Noch bis ins letzte Jahrhundert hinein gab es hier einen natürlichen Felsbogen, ausgehöhlt von dem aus Osten heran brausenden Atlantik (auf dem sich auf dieser Breite den Wellen seit dem afrikanischen Festland kein Land mehr in den Weg gestellt hat). Mehrere Stürme zu Beginn des 20. Jahrhunderts aber brachten sie zum Einsturz, auch die als Ersatz gebauten Straßenbrücken mussten danach mehrfach erneuert werden. Und so ist es heute eine schmuck- und pfeilerlose Betonbrücke, die das „Glass Window“ überspannt. Selbst nicht im eigentlichen Sinne schön, gibt sie doch den Rahmen für den Blick vom Türkis zum Blau – oder umgekehrt.

Wir ankern in einiger Entfernung, direkt an der Bücke ist es zu flach für unsere Boote.

Die Fahrt hier her war (nachdem wir die enge Felsenausfahrt von Hatchet Bay Harbour passiert hatten) wieder einmal feines Buddyboating, noch dazu hatten wir endlich mal wieder unterwegs Angelglück, ein leckerer großer Mutton Snapper ging uns an n Haken. Vielleicht, weil wir für die knapp 7 sm faulerweise nur die Fock ausgerollt hatten und entsprechend nicht ganz so flott unterwegs waren.

Ziel war aber nicht nur das Glass Window, sondern auch „Queen’s Bath“, das sich ganz in der Nähe auf der Atlantikseite findet. Der Ozean brandet hier an natürliche Felsterrassen und hat über die Zeit verschiedene Becken und Mulden herausgespült. Je nach Wasseraustausch variiert auch die Temperatur (und die Anzahl der Duschen und Sprudelbäder). Selbst in Halbhöhlen beschattete natürliche Badewannen sind zu finden.

Nach ausgiebigem Genuss dieser (wieder einmal) eintritsfreien Wellnessanlage und einem kurzen Abstecher zur ebenfalls fußläufig gut erreichbaren Felsfomation „Cow & Bull“ verholen wir uns mit unseren Booten ein Stück zurück zu dem zu unserem Fang passenden Mutton Fish Point, dessen Felsnase uns besseren Schutz vor dem Südschwell bietet.

Und – neben glasklarem Wasser und tollem Schnorcheln zwischen intakten Fächerkorallen – überraschend eine wunderbare Einstimmung darauf bietet, was uns bei der demnächst anstehenden mehrtägigen Passage von den Bahamas in die USA erwarten könnte: schönes Geschaukel 🥺😉😎 :

Governor’s Harbour

Eine Nacht bleiben wir an dem vergleichsweise offen gelegenen, aber auch sehr schönen und ruhigen Ankerplatz bei Sands Cay.

Der südlicher drehende leichte Wind sorgt am nächsten Morgen dann doch für etwas Schwell und so segeln wir – mal mit Fock, mal mit Code0 – gemächlich die kurze Strecke weiter nach Governor’s Harbour. Hier, etwa in der Mitte von Eleuthera, begann 1648 die Wiederbesiedelung der Bahamas nach dem gut 100 Jahre zuvor erfolgten Genozid an den Tainos.

Das vorgelagerte und ursprünglich mit einer Brücke angebundene Cupids Cay sorgt für Naturhäfen, die auch bei nördlicheren oder südlicheren Winden guten Schutz bieten und tatsächlich kommt der leichte Südostschwell hier nicht hinein.

Und auch der Ort weiß zu gefallen. Ein schöner Sandstrand säumt die Bucht, eine palmenbestandene Promenade gleich dahinter, zwei Kirchen, aus denen die kräftigen melodischen Gesänge am Sonntag zu uns herüberschallen, selbst der Friedhof liegt in bester Lage.

Verglichen mit der zwar bunten aber oft eher einfachen Bebauung der meisten kleinen Orte in den Bahamas wirken alte wie neue Häuser hier fast schon mondän mit ihren liebevollen Details, Schnitzereien, den üppigen Balkonen und Veranden.

Und die Pflanzenwelt mag da nicht zurückstehen. Üppig wie zuletzt selten grünt und blüht es überall, bei dem Mangobaum rechts im Bild drücken die vielen noch etwas unreifen Früchte die Äste bis fast auf den Boden hinunter.

Wir können das alles auf einem langen Spaziergang hinüber zum Atlantikstrand auf der Ostseite der Insel ausgiebig erkunden. Rosa soll der Stand sein, ein „Pink Beach“. Und tatsächlich:

Der Großteil des Strandes sieht eigentlich ganz normal aus, wunderschön feinsandig, breit und eben sandfarben. In dem Spülbereich aber schimmert es deutlich rosa, die (durch die vorgelagerten Riffe) nur kleinen Wellen hier sehen ein bisschen aus wie ein quirlender Erdbeer-Shake. Und auch das zurücklaufende Wasser ist mit rosa Pünktchen durchsetzt. Der Grund dafür sind „Foraminifera“, kleine Korallentierchen mit hellrosa Schale. Sie leben normalerweise an der Unterseite von bestimmten Riffen (eben auch den hier vorgelagerten) und ihre Überreste werden nach dem Absterben mit Sand und Korallenresten vermischt angespült. Offenbar sind sie etwas leichter als der Sand und werden deshalb im Spülbereich immer als erstes mitgenommen.

Faszinierend, aber ein anderes Naturphänomen zieht dann auch unsere Aufmerksamkeit auf sich:

Hm, da machen wir uns doch lieber auf den Rückweg. Allerdings kehren wir dabei noch im Buccaneer‘s Club ein, einem liebevoll eingerichteten Restaurant mit überwiegend Außengastronomie unter dem schützenden Blätterdach alter Bäume.

Der Regen und die Gewitter verschonen uns noch einmal, holen uns heute aber auf dem Ankerplatz ein. Na ja, so viel Grün hier braucht wohl auch etwas Regen. Und das Schiff wird gründlich entsalzen 😉.

Auf Wiedersehen, Exuma Cays. Hallo, Eleuthera!

Am 24. April sind wir in den Exumas angekommen, einen Monat lang bummelten wir diese wunderbare Inselkette hinauf. So viel mehr als nur die bekannten schwimmenden Schweine gab es zu sehen. Wieder waren neben der Natur die getroffenen Menschen die eigentlichen Highlights, unvergessen z.B. die spontane Tanzperformance von Izryel auf Little Farmers Cay oder auch das “deutsche Dorf” mit anderen Seglern.

Aber: wir haben das nördliche Ende der Inselkette erreicht, machen einen Schlag über den kilometertiefen Exuma-Sound nach Eleuthera.

Aus dem Flachen übers Tiefe ins sehr Flache. Als wenn sich zwischen Schleimünde und Lyø ein umgedrehtes Hochgebirge in die Ostsee hinabsenken würde 😙.

Die Barre im Südwesten Eleutheras hat es dann wieder in sich, aber durch den Davis-Channel können wir uns hineintasten nach Rock Sound. Die Bucht vor dem kleinen Ort ist ebenfalls ziemlich flach, am Ankerplatz haben wir bei Niedrigwasser nur 20 cm (und damit kaum mehr als die berühmte Handbreit) Wasser unter dem Kiel. Aber anders als der Name vermuten lässt ist der Grund praktisch durchgängig Sand, vielleicht ist der Ortsname ja doch eine musikalische Anspielung 😉.

Links im Vordergrund sieht man übrigens die Attraktion von Rock Sound, das “Ocean Hole”, ein 183 m tiefes Blue Hole, wohl über Höhlen mit dem tiefen Ozean östlich von Eleuthera verbunden. Und eine natürliche Meerwasser-Badeanstalt mitten im Ort.

Auf dem Weg dorthin fallen uns die vielen blühenden Pflanzen auf, vor allem die wunderschönen Flammenbäume (Flamboyant). Eigentlich in Madagaskar heimisch, sind sie als Zierpflanze eingeführt worden und inzwischen in den Tropen und Subtropen weit verbreitet.

Wir finden einen recht gut sortierten Supermarkt und kaufen mal wieder Frisches ein, außerdem füllen wir den Reservekannister für das Dinghy wieder auf, die Esso-Tankstelle hat dankenswerter Weise einen extra Dinghysteg angelegt.

Und wir essen zum ersten Mal seit fast einem Monat mal wieder in einem Restaurant. Auch das “Wild Orchids” hat einen eigenen Dinghyanleger und wir schauen von der Terrasse direkt auf die Flora.

Heute segeln wir größtenteils am Wind erst unter Code0 und dann Fock bei herrlich glattem Wasser an der Leeseite von Eleuthera hinauf bis nach Sands Cay. Zur Krönung geht auch noch ein leckerer Snapper an den Haken, das Abendessen (für die nächsten Tage) ist also gesichert.

Da sind die Fische beim Schnorcheln doch erstmal sicher vor unserer mitgeführten Hawaiian Sling (außer den Rotfeuerfischen, aber diesmal versteckt sich der einzige gesichtete beim Näherkommen schnell in einer Felsenhöhle). Da kann ich dann dafür die vorbeiziehende Schule von Fledermausfischen (Karibischer Spatenfisch) in Ruhe bewundern.

Das Dorf

Die Welt ist ein Dorf? Manchmal scheint es so. Von Warderick Wells aus segeln wir nach Shroud Cay, haben unterwegs mal wieder etwas Empfang und da ploppt doch glatt eine WhatsApp von Mareike auf, dass sie heute Abend zu uns stößt. Klasse, zuletzt hatten wir sie und ihre Moana vor über einem Jahr auf Antigua getroffen und diesen März in der Dominikanischen Republik leider ganz knapp verpasst.

So kommt es hier auf Shroud Cay zu einer erstaunlichen Zusammensetzung des Ankerfeldes:

Ein bisschen Vereinstreffen unseres Clubs Trans-Ocean, darüber hinaus aber auch eine ungewöhnliche vorübergehende Bildung eines deutschsprachigen „Dorfes“ hier in den Exumas. Wobei die noch getoppt wird: ein weiteres Boot liegt noch etwas weiter draußen auf dem Ankerplatz, die amerikanisch geflaggte „Ronya“. Kaum ist unser Haken im Grund, meldet sie sich auf der Funke und schwenkt gleich zum Deutschen über, Rob ist Australier, Partnerin Anya aber kommt ursprünglich aus Rosenheim. Noch dörflicher wird es, als wir bei unserem ersten Treffen herausfinden: in Anyas Tauchschule auf Key Largo haben Wiebke und ich 2014 unseren AOWD-Tauchschein gemacht.

Noch immer nicht „Dorf“ genug? Am zweiten Abend kommt ein amerikanisches Motorboot dazu. Die deutschsprachige Gemeinschaft hat sich am Strand eingefunden, Jonathan und Jonas spielen Gitarre, haben sogar Liederbücher dabei, was das Mitsingen für den einen oder anderen erleichtert, es wird ein wunderschön entspannter geselliger Sundowner. Das Dinghy der Motoryacht landet an und begrüßt uns mit einem kräftigen Moin Moin. Verena und Jan sind aus Hamburg. Unfassbar.

Ein neues Drohnenbild mit den beiden weiteren Schiffen drauf gibt’s leider nicht, es kachelt hier derzeit ganz ordentlich. Bis 35 kn Wind waren es heute Nacht, aber Ankergrund und Landschutz sind gut 😌.

Der Wind hält uns aber nicht davon ab, mit den Dinghys Ausfahrten in die Shroud Cay durchziehenden Wasserläufe zu machen. Die Flüsse sind seicht, teilweise auch nur um Hochwasser herum befahrbar, aber sie schlängeln sich kreuz und quer durch die weitgehend flache Insel. Meist verlaufen sie durch Mangroven, manchmal aber auch an weiten Sandflächen vorbei, aus denen gelegentlich schon kleine Mangrovenschößlinge sprießen. „Mangrove Nursery“ wurde das auf Warderick Wells Cay genannt, frei übersetzt Mangroven-Kinderstube. Geschütztes Refugium sind diese hier sehr klaren Wasserrinnen aber auch für eine Vielzahl von Schildkröten, die wir von den ganz langsam dahintreibenden Dinghys aus durch das klare Wasser „fliegen“ sehen.

Wir erkunden an verschiedenen Tagen mehrere Flussläufe und sind immer wieder aufs Neue angetan.

Aber die Wartezeit auf ein Wetterfenster für die Weiterfahrt (dann zum Teil in verschiedene Richtungen, mal wieder stehen Abschiede bevor) verkürzen wir uns z.B. auch mit Ausflügen an die Strände und auf die Sandbänke, wo man hunderte von Metern vom Ufer entfernt nur knietief im hell-türkisblauen Wasser wandern kann. Die Kiter unter den Crews kommen hier ebenfalls voll auf ihre Kosten.

Unser deutsches Dorf auf Shroud Cay wird sich wieder auflösen, aber es ist schön zu sehen, dass den Abschieden eben auch Wiedersehen folgen. Die Welt ist doch ein Dorf.

Warderick Wells Cay

Mit dem in die Mastspitze gezogenen Aliv-Router haben wir hier sporadisch doch noch ab und zu Empfang. Also nur ein ganz kurzes Update:

Nach dem Motoren durch die aufregend schmale und flache Passage westlich von Bell Island und einem Stückchen herrlichem Amwind-Segeln sind wir auf dem mitten im Exuma Cays Land and Sea Park liegenden Warderick Wells Cay angekommen. Die Gegend macht dem Namen des Parks alle Ehre. Tatsächlich scheinen Land und See zu verschmelzen, ineinander überzugehen, gegenseitig aneinander festzuhalten. Die Grenze ist mit der Tide fließend, die Landschaft dadurch einmalig schön. Es gibt zwar Bojen in den beiden tiefen Prielen vor der Nationalparkverwaltung, aber die Strömung ist dort enorm und die Windvorhersage von kräftigeren NE ist nicht ideal. Wir haben uns deshalb für den ruhigeren Anker- und Bojenplatz am Emerald Rock (=Smaragdfels) entschieden, wobei die Bezeichnung von der Wasserfarbe hier und nicht von dem Felsen herrührt.

Wir machen einen kleinen Hike hoch auf den “Boo Boo Hill”, den Spukhügel. Ist aber grade keine Vollmondnacht, in der die verlorenen Seelen eines untergegangenen Missionarsschiffes hier singenderweise herumgeistern sollen😉. Oben auf dem Hügel gäbe es eine weitere Gelegenheit, wie so viele andere Crews vor uns den Schiffsnamen auf Treibgut zurückzulassen. Allerdings lassen wir das diesmal aus (anders als im Hog Cay Yacht Club auf den Ragged Islands), zu wirr, zu sehr an einen Scheiterhaufen erinnernd finden wir die zusammengeworfenen Treibhölzer.

Aber die Aussicht ist klasse. Und auch das anschließende Schnorcheln begeistert erneut, bei mehreren Korallenbommies und auch im Kanal sind Dinghymoorings angebracht, äußerst bequem.

Von ganz klein (hier gleich 4 Flamingozungen auf einer Gorgonie (Fächerkoralle) über größer und auch bunt (Königin-Drückerfisch, dann Nassau-Zackenbarsch, dann Mutton Snapper)

bis hin zu den karibischen Riffhaien:

Aquarium

Wenn die Seekarte schon den Hinweis auf zwei Schnorchelbojen und die Ortsbezeichnung „Aquarium“ enthält sollten wir da wohl nicht einfach dran vorbei segeln. Und so schlängeln wir uns durch den Bell Cut an ein paar Felsen und um Pastue Cay herum. Eigentlich wollten wir ankern, aber der Ankergrund ist hier vor O’Brien’s Cay etwas tricky. Es ist fast bis zum Ufer etwa 7 m tief, die Strömung ziemlich stark und auf dem Boden finden sich einige Korallenbereiche. Da nehmen wir dann doch gerne eine der 4 Bojen, die vom „Bahamas National Trust“ hier im Exuma Cays Land and Sea Park angebracht wurden (Ankern im Park 22 $, Bojen 35 $ pro Nacht für unsere Schiffslänge). Eine fünfte Boje liegt etwas abseits, näher an Johnny Depps Privatinsel (Little Halls Pond Cay) und hat eine andere Aufnahme, sie ist direkt an einem Flugzeugwrack befestigt und wohl nicht für Yachten ausgelegt.

Aber als wir mit dem Dinghy dort festmachen um die auf dem Kopf liegende recht gut erkennbare Cessna zu beschnorcheln ist die Strömung einfach noch zu stark. Also zurück zur Flora. Später tauchen wir dann erst einmal ins Aquarium ein und werden als Neuankömmlinge von einem Franzosen-Kaiserfisch und diversen gestreiften Riffbarschen beäugt.

Aquarium. Und es fühlt sich wirklich so an. Wir schnorcheln einmal rund um die kleine Insel, die der Nordwestspitze von O‘Brien‘s Cay vorgelagert ist. Viele bunte Korallen und einiges an Fisch, wobei sich die Unterwasserwelt direkt bei den Bojen am dichtesten bevölkert präsentiert.

Weiblicher Grüner Papageifisch und …
das dazugehörige männliche Exemplar
Gelbstreifen-Grunzer, französische Grunzer und ganz rechts verschwindet gerade ein Eichhörnchenfisch
„Sergeant Majors“, gestreifte Riffbarsche
Blaustirn-Kaiserfisch in einem Riesen-Honigschwamm

Es ist herrlich bunt hier. Aber jetzt, kurz vor Stillwasser, probieren wir es auch noch einmal bei der Cessna und diesmal klappt es ganz gut.

Rumpf, Tragflächen und sogar der Propeller der auf dem Kopf liegenden Maschine sind gut zu erkennen. Die Seitentüren fehlen, wir können sogar durch den Flieger hindurch tauchen.

Am nächsten Tag bei Windstille vom Paddleboard aus aufgenommen:

Bei dieser Aktion fällt mir dann blöderweise die GoPro (natürlich ausnahmsweise ohne Schwimmgriff) ins Wasser und verschwindet mit der Strömung in der Tiefe. Ein Rettungsversuch ohne Tauchermaske schlägt fehl. Grr. Ich versuche, ungefähr an der Stelle zu bleiben, Wiebke holt meine Taucherbrille und Flossen. Und alarmiert unsere Segelfreunde. Schwups, kurz darauf sind Ingo (Easy-One), Janna (Thula) und Jochen (Caroline) da und wir schnorcheln im Suchraster das Gebiet ab, wobei die Strömung mit der auflaufenden Tide immer weiter zunimmt. Wenn die GoPro auf dem Sandboden gelandet ist, müssten wir sie finden. Ist sie irgendwo in den Korallen, wird es schwer. Jonas und Jonathan (Jollity) kommen auch noch dazu und suchen außerhalb unseres Musters. Erlösung: Jonas findet die Kamera direkt an einer Koralle ☺️. Das gibt dann eine große Sundowner-Runde auf der Flora 🍹 🍻. Wow, richtig Glück gehabt.

V.l.n.r.: Ilja, Andrea, Natalja, Wiebke, Ralf, Janna, Jochen, Jonathan, Leonie, der Held Jonas verdeckt, Ingo

Compass Cay

Die Entfernungen sind klein hier in den Exumas, statt langer Schläge ist es mehr ein Hüpfen von Insel zu Insel, die Ankerplätze liegen praktisch in Sichtweite voneinander. Trotzdem müssen wir „außen rum“, also hinaus in den tiefen Exuma Sound und dann wieder durch einen Cut hinein zwischen (und hinter) die Inseln.

Von Staniel Cay kommend wählen wir als nächstes Compass Cay. Schon der Name ist verlockend maritim, aber vor allem interessieren uns der Hike durch das fast trocken fallende kleine Flussbett und – da sind wir durch die Thunderball-Grotte offenbar auf den Geschmack gekommen – die per Dinghy erreichbaren Höhlen in den gegenüber liegende Rocky Dundas.

Zunächst liegt die Flora noch allein mit der Easy-One in der Bucht, doch kurz darauf gesellen sich die Thula und die Caroline dazu. Vier deutsche Boote“! Für die Thula ist der Besuch auf Compass Cay eigentlich Pflicht, lautet das Motto (auf ihrer Website) doch: LIVE YOUR LIFE BY COMPASS, NOT BY CLOCK. 😎

Und später am Tag kommen dann die holländische Doejong und die schweizer Jollity auf den Ankerplatz, beide Boote und Besatzungen kennen wir von früheren Begegnungen.

Die Höhlen der Rocky Dundas sind weniger bekannt wie die Thunderball-Grotte, aber auf ihre eigene Art ebenso attraktiv. Sie liegen bereits im „Exuma Cays Land and Sea Park“ und tatsächlich ist das Unterwasserleben vor den Grotten bunt und reichhaltig. Viele gesunde Korallen und entsprechend auch die dort Schutz findenden Rifffische begrüßen uns, als wir an einer der beiden vor den Höhlen angebrachten Dinghybojen festmachen.

In dem ziemlich flachen Wasser in den Höhlen selbst dann nur wenig Fisch, dafür aber eine beeindruckende Felsenlandschaft mit Stalagmiten und Stalagtiten, die wiederum durch Löcher in der Höhlendecke ganz malerisch beleuchtet wird. Und ein Farbenspiel, dass von dem pinkfarben bewachsenen Stein im überspülten Bereich über die grün bemoosten Wände bis zu ockerfarben matten und bläulich glänzenden Flächen im oberen Höhlenbereich reicht.

Nach einem ersten Besuch mit Wiebke, Andrea und Ingo fahren Ingo und ich noch ein zweites Mal hinüber, diesmal mit Janna und Ilja von der Thula.

Die Wanderung durch das Bachbett auf Compass Cay macht man am besten bei Hochwasser. Nicht wegen des Hikes selbst, sondern weil am Ende ein Bad in „Rachel’s Bubble Bath“ wartet. Bei Hochwasser (und Ostwind) schwappen die Wellen über die schmale Felswand, die Nordspitze von Compass Cay mit dem Rest der Insel verbindet. Das Luft-Wasser-Gemisch blubbert dann in den natürlichen Pool, aus dem heraus der Bachlauf dann zu unserem Ankerplatz fließt.

Ein gemeinsamer Abend am Strand, ein Spieleabend (Mexican Train Domino) mit den Andrea, Natascha, Ingo und Jochen auf der Easy-One. Wir sind sehr dankbar dafür, dass so etwas auch in Covid-Zeiten hier möglich ist. Viele Segler konnten sich inzwischen bereits impfen lassen, wir hoffen, dass es für uns direkt nach der Einreise in die USA klappen wird.

Vorher möchten wir aber die Bahamas noch ausgiebig weiter erkunden. Dabei kommen wir jetzt in den Exuma Cays Land and Sea Park, wo wir allerdings nur noch sehr eingeschränkt Internet haben werden, in weiten Teilen wohl gar keins. Also nicht wundern, wenn die nächsten Blogbeiträge evtl. keine Bilder haben 😉.