DES HAIES GLÜCK

Ja, ja, ja. Immer diese Wortspiele. Aber hier in Deshaies trifft das heute wirklich zu.

Gestern haben wir beim Tauchen am Nordufer der Bucht eine große Fischfalle entdeckt, in der neben einer Languste und ein paar kleinen Fischen tatsächlich ein gut ein Meter langer Ammenhai steckte. Wir haben versucht, ihn zu befreien, aber die Fischfalle ließ sich nicht so einfach öffnen. Also haben wir halt nach dem Auftauchen dem in der Nähe liegenden Boot einer örtlichen Tauchschule Bescheid gesagt, die ja wahrscheinlich die hiesigen Fischer kennen.

Trotzdem hat es uns natürlich keine Ruhe gelassen und so sind Ingo und ich dort heute wieder tauchen gewesen, sicherheitshalber mit einem Seitenschneider um ggfs. das verzwirbelte alte Elektrokabel aufzubekommen, mit dem die Falle verschlossen war.

Eine kleine Fotostory von heute:

Dann schwamm er ganz gemächlich und ohne Hektik ins dunkle Blau. Die Fischfalle haben wir übrigens so gut es ging wieder verschlossen – und sogar die Languste drin gelassen 😉.

Immer noch Guadeloupe: noch mehr Tauchen, Vögel und Bootsarbeit

Das Tauchen wird uns hier so einfach gemacht, es ist die wahre Freude. Nur eine kurze Dinghyfahrt, schon sind wir am Tauchplatz. Mit Ingo betauche ich am Vormittag das Wrack der Franjack. Der kleine wohl ehemals dänische Frachter wurde im Hurrikan Hugo 1989 von der Besatzung aufgegeben und letztlich 1996 als künstliches Riff und Tauchplatz hier versenkt. Am Rande des Ankerplatzes kennzeichnen zwei Bojen das Wrack. Wir machen das Dinghy an einer davon fest und lassen uns in die Tiefe gleiten.

Etwa 20 m unter uns sind die Umrisse erkennbar und mit jedem Meter hinab wird der Frachter deutlicher sichtbar. Obwohl die Lichtverhältnisse an diesem eher bewölkten Morgen nicht toll sind fasziniert uns der einerseits gut erhaltene und anderseits auch schon reichlich bewachsene Frachter so sehr, dass wir nach dem Tauchgang noch im Neoprenanzug die Tauchflaschen zum Wiederbefüllen wegbringen und an Nachmittag, diesmal zusammen mit Wiebke, einen weiteren Tauchgang an der Franjack machen.

Mit dem jetzt etwas besseren Licht genießen wir auch die vielen Fische (hier Blaustreifengrunzerfische im Vordergrund und viele Goldstreifengrunzer hinten). Und wir trauen uns in den (oben auf großer Breite extra geöffneten) Maschinenraum des Schiffes hinunter, in dem die (gereinigte, also von Öl und Betriebsmitteln befreite) Hauptmaschine vor sich hinrostet.

Am nächsten Tag könnn wir uns nicht recht lösen und so schnorcheln Wiebke und ich noch ein bisschen, bevor wir der Easy-One nach Deshaies folgen, wo am Freitag Abend ein Karnevalsumzug stattfinden soll.

Auch dabei lassen sich wieder tolle Dinge entdecken, etwa dieser Bunte Spiralröhrenwurm (auch Tannenbaumwurm genannt) auf einer Kleinen Sternkoralle. Die „Tannenbäume“ sind dabei die außen liegenden Kiemen des Wurmes.

Adlerauge Wiebke erspäht sogar einen noch ganz kleinen Oktopus, der unter den Stacheln eines Seeigels Schutz gesucht hat und der bei Annäherung flott die Farbe wechselt, da lassen wir ihn lieber in Ruhe bevor er Panik bekommt.

In Lee von Guadeloupe motoren wir gut 10 sm weiter in die schöne und recht tief eingeschnittene Bucht von Deshaies.

Gemeinsam mit der Crew der Easy-One wandern wir hoch zum oberhalb des Ortes liegenden botanischen Garten. Und endlich sehen wir auch Papageien. Auf Dominica hatten wir noch vergeblich nach dem dortigen Wappenvogel und irgendwie ja auch Symbol der Karibik Ausschau gehalten. Hier im botanischen Garten gibt es einige, wobei die Mehrzahl in (betretbaren) Volieren gehalten wird, nur die Gelbbrustaras scheinen sich frei bewegen zu können. Aber erstmal entdecken wir die etwas kleineren Allfarb-Loris.

Übrigens sehen wir – selbst hier im botanischen Garten mit seinen vielen Blüten – auffallend wenige Insekten auf den bisher besuchten karibischen Inseln. O.k., einige Planzen werden offenbar von Kolibris bestäubt, aber trotzdem. Bienen, Wespen oder auch nur Fliegen sind zumindest bisher selten, zu unserem Glück allerdings auch Moskitos. Bei letzteren hoffen wir allerdings, das es so bleibt. Die kleine Anolis hier sieht das vermutlich anders 😉:

An Flamingos und diversen, bei uns als Zimmerpflanzen gehaltenen, hier aber mindestens buschgroßen tropischen Gewächsen vorbei kommen wir schließlich zu den Gelbbrustaras.

Und wo wir schon bei Gelbbrust sind: der auf diesen Inseln so typische etwa Sperling-große Zuckervogel (Bananaquit) lässt sich auch endlich von mir ablichten, in einer Ecke des Gartenrestaurants, in der wir die einheimischen Biere testen:

Oh, ohne etwas Bootsarbeit wäre das Ganze ja wohl langweilig und so beschert uns Flora mal wieder eine Überraschung: Vor dem Ankerauf-Manöver an den Pigeon Islands schaltet Wiebke die Sicherungen ein. Ein paar Minuten später rattert plötzlich die elektrische Backbord-Genuawinsch los, aber zum Glück ohne das ein Schot auf ihr belegt ist. Nach anfänglicher Verwirrung schalten wir erstmal schnell die Sicherung aus. Die Untersuchung ergibt dann, das Wasser in den porös gewordenen Tastschalter eingedrungen ist und einen Kurzschluss verursacht. Wir hatten ein ähnliches Problem schon einmal in Griechenland mit dem Fußschalter der Ankerwinsch. Damals begann die Winsch überraschend damit, die Ankerkette einzuholen, während wir auf dem Nachbarboot waren 😬. Zum Glück war damals Mitsegler Jan noch an Bord. Seitdem sind die Sicherungen aus, wenn wir die Winschen nicht benötigen (nicht wie vorher an, um schnell reagieren zu können). Derart vorgewarnt haben wir jetzt Ersatzschalter an Bord und so kann ich das Problem hier in Deshaies einigermaßen schnell beheben. Das Kabel des Original-Lewmar-Schalters ist allerdings so knapp verlegt, dass ich dann doch zunächst die Deckenverkleidung im Durchgang zum Achterschiff abnehmen muss um die neue Verbindung dort herzustellen.

Der eingebaute Ersatzschalter auf dem Backbord-Cockpitsüll. Hoffentlich bleibt er länger wasserdicht, den Test durch den morgendlichen Regenschauer hat er schon mal bestanden.

Und nach getaner Arbeit lässt sich der Sonnenuntergang hinter unserem Ankerfeld umso besser genießen 😊.

Arbeiten und staunen im Aquarium

So harmlos fängt es an. Ich putze mal wieder schnorchelnd das Unterwasserschiff. Wir haben zwar einen speziellen „Coppercoat“-Anstrich, der weniger Giftstoffe an die Umwelt abgibt als klassische Antifouling-Anstriche und dabei deutlich länger halten soll, aber ein leicht lösbarer grüner Schleim setzt sich trotzdem gern fest und den schrubbe ich dann eben mit einem Schwamm öfter mal weg.

Diesmal sind dann aber plötzlich Fische da, nicht nur ein paar wie unten am Bildrand zu sehen, sondern es werden immer mehr, gleich ein ganzer Schwarm Sardinen schießt um mich herum.

Der Grund zeigt sich auch gleich: erst eine und dann zwei Blaurücken-Stachelmakrelen jagen den Schwarm durch die Gegend, immer rund um den Kiel der Flora.

Interessanterweise wirkt es nicht so, als würden die Makrelen „alles geben“, um wirklich Sardinen zu erwischen (ich sehe das auch kein einziges Mal). Es scheint eher so, als wollten die Makrelen die Sardinen ärgern. Aber schaut selbst:

Jedenfalls macht das Ganze mir noch mehr Lust, hier „richtig“ Tauchen zu gehen und es nicht nur beim Schnorcheln zu belassen.

Gemeinsam mit Wiebke und Ingo betauchen wir erst einmal ein kleines Riff, dass sich in rund 6 m Tiefe quer unter dem Ankerfeld durchzieht. Ein schöner Einstieg, zumal wir unsere Tauchflaschen in der Tauchschule am Dinghydock für nur 5 € pro Flasche wieder füllen lassen können. Deshalb geht’s heute dann noch einmal los, diesmal mit dem Dinghy hinüber zu den Pigeon Islands.

Wieder statten wir der Costeau-Büste einen Besuch ab, erinnern uns an seine rote Wollmütze, bleiben diesmal aber in der Tiefe und tauchen an der Riffkante entlang. Es ist wie im Aquarium:

Viele lebendige Korallen, Schwämme, Federbüsche, Anemonen und eben auch viel Fisch.
z.B. wieder Doktorfische
hier mal einer mit einer Felsenschönheit (so heißt der schwarz-gelbe Fisch mit dem dunklen „Kussmund“
Ein Zackenbarsch, der seine Zacken auch farblich betont
ein blaugepunkteter Roter Zackenbarsch, der seine noch verbirgt
ein langgestreckter Sand-Torpedobarsch
verschiedene Feilenfische
ein Königin-Drückerfisch

und noch so vieles mehr. Leider auch dieser Indische Rotfeuerfisch hier:

Der Feuerfisch ist in der Karibik nicht heimisch und insbesondere der eingeschleppte oder aus Aquarien freigelassene Pazifische Rotfeuerfisch hat sich teilweise zu einer echten Plage entwickelt, die die heimischen Jungfische des Riffes gefährdet. Manchmal werden von den Tauchschulen regelrechte Feuerfisch-Jagden veranstaltet, um das Übermaß der invasiven Art zu reduzieren.

Aber wir entdecken auch kleine Augenschätze wie diese von Wiebke erspähte knapp 3 cm große Buckel-Flamingozunge:

Die Nacktschnecke mit den dunkel gerahmten gelben Punkten ist leicht zu übersehen, aber bei dem Namen staunt man doch und möchte eigentlich gerne wissen, wie denn nun die Zunge der scheinbar einbeinigen rosafarben Stelzenvögel wirklich aussieht, oder?

Unsere Tauchflaschen haben wir schon wieder an der Befüllstation abgegeben. Was für Revier, über wie unter Wasser!

Der Schmetterling unter den Inseln

Guadeloupe ist eindeutig der Schmetterling 🦋 unter den Inseln des Antillenbogens. Das wird schon beim Blick auf die Seekarte deutlich:

Aber so wie der Schmetterling für die freie, bunte, ungezähmte Natur steht hat sich auch Gwada, wie die Insel von den Einheimischen genannt wird, ein vergleichsweise hohes Maß an Natürlichkeit bewahrt. Das gilt ganz besonders für den westlichen „Flügel“ Basse-Terre. Ein hoher Gebirgszug zieht sich von Nord nach Süd über diesen mit viel Regenwald bestandenen Inselteil, er beinhaltet im Süden mit dem 1.467 m hohen aktiven Vulkan Soufrière auch den höchsten Berg der gesamten kleinen Antillen. Grande Terre, der östliche „Flügel“ ist dagegen eher flach mit mehr landwirtschaftlich genutzten Flächen und tollen Stränden, weshalb sich auch die Hotels eher hier befinden. Genau genommen sind Basse Terre und Grande Terre jeweils eigene Inseln, zwischen ihnen liegt die natürliche Meerenge Rivière Salée. An der schmalsten Stelle nur 50 m breit und an beiden Seiten von Mangrovensumpf umgeben ist die selbst bei Niedrigwasser gut zwei Meter tiefe flussähnliche Verbindung eigentlich schiffbar. Yachten konnten bis 2013 hindurchfahren, aber seitdem sind die Klappbrücken offenbar dauerhaft geschlossen. Mit dem Dinghy kommt man noch durch, aber Segelyachten bleibt die Abkürzung nun versperrt.

Wir liegen mit der Flora auf dem Pigeon Islands Ankerplatz etwa in der Mitte der Westküste von Basse Terre. Große Hotelkomplexe gibt es hier nicht, Tourismus aber schon, schließlich befindet sich hier der Jaques Cousteau Unterwasserpark, ein Naturschutzgebiet mit tollen Tauch- und Schnochelplätzen. Die bunten Buden an Land beim Dinghydock mit der touristischen Infrastruktur von Bars, Restaurants, Verkaufsständen, Kajak- und Tauchanbietern mutet hier aber noch fröhlich karibisch improvisiert an.

Gemeinsam mit den Crews der Easy-One und der 2nd-Try.2 lassen wir die Szenerie bei einem Besuch im Restaurant auf der Klippe auf uns wirken und uns außerdem von den sich direkt neben der Terrasse sonnenden über 1 m langen Leguanen beeindrucken. Die Mini-Dinosaurier scheinen extra für die Kamera zu posieren. Dankeschön!

Danach – wir wollen das sonnige Nachmittagswetter ausnutzen – sausen wir mit den Dinghys hinüber zu den Pigeon Islands und machen an extra ausgelegten Bojen fest. Mit Schnorchelsachen geht’s ins herrlich klare Wasser und wir umrunden schnorchelnd gemeinsam die kleinere Petit Îlet. Ingo und ich statten dabei auch der auf einer Sandfläche platzierten Büste von Jaques Cousteau in gut 10 m Tiefe einen kleinen Ehrenbesuch ab. Allerdings ist sie nicht sehr spektakulär und zudem etwas ramponiert, der rechte Arm fehlt.

Toll ist aber die Unterwasserwelt um das Inselchen herum. Mal Steilwände, die weit in die Tiefe reichen, mal der flache Kanal zwischen den Inseln. Einige Korallen, Schwämme und bunte Fische, ein wirklich schöner Spot.

Hier z.B ein männlicher Grüner Papageifisch neben einem Gelben Tubenschwamm. Warum er auch Signal-Papageifisch (bzw. auf Englisch: Stoplight Parrotfish) genannt wird, erklärt sich von selbst, wenn man dazu ein Weibchen oder Jungtier sieht:

Doktorfisch, die gelbe Stelle vor der Schwanzwurzel zeigt das namensgebenden Arbeitsmittel „Skalpell“, einen hornartigen Stachel
Vieraugen-Falterfisch, ganz ohne Namenserklärung 😚

Und, und, und. Mit Ingo haben wir verabredet, heute gemeinsam tauchen zu gehen, die Flaschen sollten wir im hiesigen Tauchshop wieder füllen können. Aber im Moment ist es noch grau und verregnet, mal sehen ob der Nachmittag wieder besseres Wetter bietet.

Tauchen in Guadeloupe / Îles des Saintes

Gestern hatten wir geschnorchelt, heute gehen wir tauchen. So richtig komfortabel ist das hier in den Îles des Saintes allerdings nicht geregelt, man muss von der Tauchschule aus in voller Montur (mit aufgeschnallter Tauchflasche) über die Straße hinunter zum Strand und ins Wasser laufen. Ist nicht weit, aber auch nicht eben bequem. Dann noch ein Stückchen ums Tauchboot schwimmen, hinten hineinklettern und das Jacket mit der Flasche wieder ausziehen für die Fahrt zum Tauchspot. Wieder anziehen. Und nach dem Tauchgang das Ganze retour, nur das man jetzt erst ins brusthohe Wasser springt und dann das Jacket mit Flasche zum Anziehen ins Wasser geworfen wird. Noch etwas umständlicher, weil man jetzt ja auch noch Flossen und Maske in der Hand hält. Andere Länder, andere Sitten. Unter anderem leider auch die, keinen Rabatt zu gewähren, obwohl wir ja (bis auf Flasche und Blei) komplett unser eigenes Equipment verwenden. Trotzdem bleibt es bei 58 € je Tauchgang. Umgekehrt sehen wir das auch nicht als Argument für weitere Tauchgänge hier mit dieser Tauchschule.

Das Tauchen selbst ist dann ruhig und einigermaßen unspektakulär, wir können uns gut auf uns und unsere Tarierung konzentrieren. Besonders sind vor allem die vielen Federbüsche, über und zwischen denen der erste Teil unseres Tauchgangs verläuft.

Später, an den Felsen, machen vor allem die kleinen Dinge den Reiz aus: wir sehen mehrere Rotweiß gebänderte Scherengarnelen:

(Mit Tauchlampe beleuchtet sieht die Unterwasserwelt gleich viel bunter aus)

Und auch der (juvenile, daher noch ohne die namensgebenden Punkte nur längs- und quergestreifte) Tüpfel-Ritterfisch gefällt uns gut:

Man muss schon gut hinsehen, um trotz der überlangen Rückenflosse und der ebensolchen Schwanzflosse den eigentlichen Fischkörper zu sehen.

Ein bisschen karibisch bunten Fisch gibt’s dann auch noch, etwa diesen Blaustirn-Kaiserfisch mit einigen Jakobus-Soldatenfischen (und natürlich noch einige mehr)

oder (nicht bunt, aber fein und edel gezeichnet) diesen schönen Sandtaucher:

Wenn man erstmal unten ist, ist das Tauchen eben doch immer wieder schön 😁.

Lynndy

Keine 100 m von unserem Bojenplatz entfernt weist eine große gelbe Tonne mit Kreuz auf ein Wrack hin, das hier zwischen uns und dem Ufer auf etwa 12 m Tiefe liegt.

Es ist die ehemalige Fähre Lynndy, die – wenn man den spärlichen Informationen glauben kann – nach einem tropischen Sturm 2006 sank. Das Wrack ruht fast aufrecht auf seinem Kiel und über der Oberkante des Aufbaus ist das Wasser deshalb nur etwa vier Meter tief, perfekt zum Schnorcheln.

Schon die Befestigung der Markierungstonne macht was her.

Aber nicht nur das Wrack fasziniert: wir schwimmen näher ans Ufer und schnorcheln dort durch erstaunlich viel Fisch und Korallen.

Das macht mehr Lust auf die Unterwasserwelt hier. Für morgen haben wir uns deshalb zu einem Tauchgang bei der örtlichen Tauchschule angemeldet, das Tauchboot saust verlockenderweise täglich mehrmals an unserem Liegeplatz vorbei. Wir sind gespannt.

Îles des Saintes, Guadeloupe

Mehrere Inseln der Îles des Saintes, insbesondere Terre -de-Haut und Îlet à Cabrits bilden zusammen einen schönen Naturhafen. Wir fahren eine Runde durch die beiden Bojenfelder rechts und links des Fähranlegers von Terre-de-Haut, aber die einzig freie Boje ist mit „Gendarmerie“ beschriftet, die nehmen wir dann doch nicht. Also ankern wir für die erste Nacht etwas weiter westlich unter der Küste. Es ist o.k., aber der nordöstliche Schwell wird hier nicht so sehr durch die Inseln geblockt.

Am nächsten Morgen werden aber einige Bojen frei und so verholen wir noch vor dem Frühstück an eine Boje nahe des Ortes (14 € pro Nacht). Hier liegen wir jetzt deutlich geschützter, zudem ist auch die Dinghyfahrt zum Ort um einiges kürzer. Das ist nicht nur bequemer, es spart auch Sprit. Ein Aspekt, der ungemein an Relevanz gewinnt, wenn man wie ich heute gemeinsam mit Ingo einen 2-km-Spaziergang zur Tankstelle macht um dann festzustellen, dass das nur „Fakenews“ aus dem Internet waren, eine Tankstelle gibt’s nur auf Terre-de-Bas. Von hier aus 2,5 sm mit dem Dinghy entfernt. Hm. Lieber Sprit sparen, wir schleppen unsere Kanister wieder zum Boot zurück.

Der Spaziergang mit Wiebke zum alten Fort über der Stadt ist nicht ganz so vergebens. Wir genießen die schönen Ausblicke und den kleinen Kakteengarten im Fort. Das integrierte Museum dagegen vermag nicht so recht zu begeistern, es wirkt eher wie das Abziehbild eines alten Museums, sowohl Exponate als auch deren Präsentation wirken leicht angestaubt.

Genau so angestaubt ist leider unser Französisch, nicht eben hilfreich wenn doch die Erläuterungstexte fast ausschließlich in dieser Sprache sind, es keinen Audioguide gibt und das Netz (für Google Tranlator z.B.) inselweit ziemlich langsames 2G zu sein scheint.

Dann doch lieber wieder hinunter in den Ort. Der glänzt mit französischen Restaurants, einer Bäckerei (in der das Wort Baguette wieder einen positiven Klang bekommt) und mit ganz vielen karibischen Farben:

Aber auch hier ist die Erinnerung an den Hurrikan Maria noch frisch und schmerzhaft:

Obwohl die Insel so klein ist, dass sich fast alles bequem zu Fuß erreich lässt, kann man Elekrofahrräder und Golfcarts mieten, außerdem kleine 50 oder 125 ccm Roller. Im Segelführer war bereits beschrieben worden, dass hier fast alles auf diesen kleinen Rollern transportiert wird, Bierkisten ebenso wie Baumaterial. Offenbar auch Fisch, wie dieser unkonventionelle Transport eines großen Wahoo beweist:

Besonders schönes Detail: der Sweatshirt-Aufdruck: „SEA LEGS“!

Auch für uns gab‘s heute noch ein bisschen was zu tun: Wiebke hat die Flora obenrum, ich das Boot untenrum wieder sauberer gemacht. Zum Säubern des Unterwasserschiffs hab ich mich in meine Tauchausrüstung geworfen und den zwar noch recht losen, aber eben doch schon sichtbaren Bewuchs abgeschubbert. Die dabei komplett leergeatmete Tauchflasche konnte ich bei der hiesigen Tauchschule abgeben und sollte sie morgen wieder abholen können.

Bei der Gelegenheit habe ich auch gleich mal unsere Zinkanoden kontrolliert, die jetzt ja immerhin seit acht Monaten ihren Dienst versehen und sich wortwörtlich für die edleren Metalle (wie etwa unsere Bronze-Borddurchlässe) aufopfern. Die meisten sehen zwar etwas angegriffen aber noch recht gut aus. Nur die dreieckige Opferanode an unserem Propeller hat es schon weitestgehend hinter sich, ich habe sie gleich getauscht:

Kleine Erinnerungsnotiz an mich selbst: Anoden öfter kontrollieren!

St. Pierre auf Martinique

Die Küstenstadt St. Pierre hat heute etwa 4.000 Einwohner, ist also viel kleiner als bei ihrer vollständigen Zerstörung durch den Vulkanausbruch 1902. Wir besuchen das kleine Museum “Frank A. Perret”, in dem sehr eindrucksvoll (per Audioguide) und anhand persönlicher Dokumente ein Einblick in das Geschehen um den Ausbruch und die Zerstörung gegeben wird.

Die beim Vulkanausbruch zerstörte Glocke im zentralen Museumsraum, an der Wand die Namen der Getöteten.

Anders als damals wird St. Pierre heute nicht mehr als das “Paris der Karibik” gelten. Und doch hat sich wieder ein schnuckeliges Örtchen entwickelt, der gute Ankerplatz auf der alten Reede ist ziemlich gefüllt. Das war er (wie die Eintrittskarte des Museums zeigt) auch bei der Vulkankatastrophe 1902, wobei praktisch alle Schiffe, die nicht rechtzeitig das Weite gesucht hatten durch die pyroklastische Wolke versenkt wurden. So ist denn auch ein Teil der Reede mit Tonnen markiert und gesperrt, die regionalen Tauchschulen bieten hier Wracktauchgänge an. Allerdings liegen die meisten Wracks in Tiefen von 30 bis 50 m, das lockt uns nicht so sehr.

Wir suchen uns eine Stelle in der etwas südlich gelegenen Anse Turin, wo mit Bojen markiert ebenfalls eine Ankerverbotszone um einige kleinere, in nur 6 bis 7 m Tiefe liegende Wracks ausgewiesen ist. Gemeinsam mit Ingo von der Easy One und Guido von der Imperia gehen wir dort vom Dinghy aus auf Tauchgang. Von der Wracks ist nicht mehr allzu viel übrig (eigentlich sind es Wracks von Wracks 😉), aber auf den Trümmern haben sich Schwämme, Korallen und Anemonen angesiedelt und viele Fische nutzen den Schutz.

Und so finden wir bei dem guten Licht in der geringen Tauchtiefe unter anderem

Gefleckte Muräne
Braunflecken-Igelfisch
Goldtupfen-Schlangenaal
Schöne große Langusten (die wir aber trotz der Versuchung da lassen)
und bei genauerem Hinsehen auch diesen gepunkteten Skorpionfisch.

und natürlich noch einiges mehr. Zur Krönung dieses schönen Tauchgangs füllt Guido unsere Tauchflaschen mit dem Kompressor der Imperia gleich wieder auf, während wir auf seinem Vorschiff unser Dekompressionsbier trinken.

Und am Abend finden wir wir uns gemeinsam mit den Crews der Easy One und der 2nd try.2 schon wieder auf der Imperia ein und genießen Ti-Punch (Limette, 3 Teile Rhum-Agricole, ein Teil Rohrzuckersyrup, Eis nach Belieben, ein Klassiker hier der uns auch im Restaurant als Aperitif serviert wurde; haben wir gleich adaptiert).

Denkansätze zum Abtauchen

Hier auf Lanzarote gibt es ein Unterwassermuseum, das Muséo Atlántico Lanzarote, eigentlich eher ein Unterwasser-Skulpturenpark. Der Künstler Jason deCaires Taylor hat hier (wie auch in Grenada oder in Cancun, Mexico) lebensgroße Statuen gestaltet und am Meeresboden platziert, wobei er mit seiner Kunst auch politische und gesellschaftliche Denkanstöße gibt.

Besonders deutlich wird dies mit dem „Floß von Lampedusa“. Insbesondere im Zusammenspiel mit der daneben gestellten Gruppe, zwei gesichtslosen Menschen, die ein Selfie in Richtung des Bootes machen. Besonders zum Nachdenken anregend, wenn man selbst das Ganze ja auch gerade fotografiert. Aber auch die größte Skulptur, „Cruzando el Rubicón“ ist in ihrer Aussage deutlich. Eine große Gruppe Menschen strebt einem kleinen Tor in einem hohen Zaun zu, auch wir tauchen hindurch. Danach gibt es kein Zurück, der Rubikon ist überschritten, die Statuen auf der anderen Seite des Zauns sind anders gestaltet. Zum Teil Mischwesen etwa aus Kaktus und Mensch (am Ende gewinnt ohnehin stets die Natur, auch hier, die Statuen werden als künstliches Riff schon von Unterwasserpflanzen besiedelt). Zum Teil (in der Skulpturengruppe „Desregulado“) als Manager in Anzügen, deren „Spielzeuge“ oder Insignien sich verändert haben: Wippen aus Ölpumpen zum Beispiel oder Kravatten mit Galgenstrick-Knoten. Keine leichte Kost, wenn man sich gleichzeitig auf die Tarierung beim Tauchen konzentrieren muss 😉.

Auf der „Natur“-Seite des Zauns zeigen sich übrigens auch weitaus mehr Fische. Blöd nur, ausgerechnet auf diesem Tauchgang einen neuen Fotofilter an der GoPro auszuprobieren und die Aufnahmen nur so „na ja“ werden zu lassen. Grrr.

Übrigens heißt die Marina Rubicón wahrscheinlich nicht nach dem italienischen Fluss, den Cäsar mit seinen Truppen so bedeutungsvoll überschritten hat, sondern nach dem historischen Ort Rubicón, der als erster von den Europäern auf den Kanaren errichtet wurde und (wahrscheinlich) nach den im Abendlicht rötlich (rubicundus) wirkenden Vulkanbergen benannt wurde. Trotzdem hat uns das Wortspiel bezüglich des Unterwasserzaunes und auch die offensichtliche Bezugnahme auf Manriques Kunst (Kaktusgarten und Kunst-Natur/Natur-Kunst) wie das gesamte Muséo Atlántico sehr gefallen.

Und zwei tolle Nachrichten haben uns heute erreicht:

Sönke hat es geschafft, durch persönliche Ansprache im Marinabüro einen Platz für die Flora auf Gran Canaria (Puerto Mogán) zu reservieren, auf unsere Kontaktaufnahmeversuche aus der Ferne hatte man dort schlicht nicht reagiert. Aber da Wiebkes Mutter am Samstag auf Gran Canaria landet, war ein Marinaplatz für uns wichtig.

Aus Hamburg hat uns Bernd Bilder der am Hamburger Wahrzeichen, dem Michel, angebrachten Stiftertafel geschickt, als Abschiedsgeschenk der ADS-Kollegen ist dort für uns eine Widmung angebracht worden.

Ganz lieben Dank!