Passage Fiji nach NZ, Tag 7: Durchhalten!

Nach dem auf-der-Stelle-Segeln gestern geht es heute schon früh weiter. Um 4:30 nehmen wir das Vorsegel nach Steuerbord, los geht’s. Die Kante des Easterly Punch hat uns erreicht, es ist ordentlich Druck in der Luft. Sowohl Groß als auch Vorsegel sind jeweils im Dritten Reff, allerdings auch als Vorsichtsmaßnahme wegen der im Verlauf des Tages noch zu erwartenden Böen. Angesagt sind bis zu 33 kn, deutlich weniger als der Punch gestern aufgeboten hat, aber immer noch knackig. Zumal die Wellen knapp 3 m hoch und ziemlich chaotisch sein werden. Da müssen wir jetzt aber durch. Noch länger Beizuliegen macht keinen Sinn, weil sich im Nordosten von Neuseeland ein neues Tiefdruckgebiet bildet.

180 sm liegen vor uns, wir sollten also Dienstag Mittag ankommen. Ziel ist jetzt doch wieder (wie ja ursprünglich vorgehen) Marsden Cove, um einiges südlicher als Opua.

Wie erwartet werden wir bei bleigrauem Himmel ziemlich durchgeschüttelt und die chaotischen Seen klatschen immer mal wieder äußerst heftig an die Bordwand. Ein paar kräftige Regenschauer bringen zusätzliche Würze. Segeln lässt sich der Halbwindkurs aber trotzdem einigermaßen gut. Nicht eben angenehm, schräg und nass, aber machbar. Auch wenn uns gelegentlich doch eine Kreuzsee aus dem Kurs drückt.

Es kann auch anders kommen. Unterwegs bekommen wir die Nachricht, dass eine Beneteau 62 kurz vor Opua in dem Easterly Punch Mastbruch erlitten hat. Verletzt wurde zum Glück niemand. Wir waren zeitweise auf parallelem Kurs unterwegs. Mit der Crew hatten wir vorgestern noch gefunkt, als sie während unserer Vorbereitung für das Beiliegen vorbei zogen.

Zum Schiffsmittag haben wir 123 sm zurückgelegt, insgesamt damit 979 sm. Noch 126 sm bis zum Ansteuerungspunkt vor den Whangārei Heads, dazu noch etwa 15 sm hinein bis nach Marsden Cove.

Essen: Rest der Thai-Gemüse-Suppe von gestern. Wobei mir auffällt, dass ich gestern das Essen gar nicht erwähnt hatte. Und das, obwohl wir regelrecht geschwelgt haben. Frühstück schon mit French Toast / Arme Ritter, dann mittags die leckere Suppe und abends Avocado-Toast mit Ei.

Heute Abend dagegen nur Cracker mit Nori-Seetang-Blättchen, ist einfacher bei dem Geschaukel.

Passage Fiji nach NZ, Tag 5: auf die Spitze treiben.

Da braut sich was zusammen. Diese kleine fiese Front, die sich so kurz vor unserer Ankunft scheinbar aus dem Nichts entwickelt und die sich ganz unvermittelt zwischen uns und Neuseeland drängt, sie folgt leider einem bekannten Muster.

„Easterly Punch“. So nennen die neuseeländischen Meteorologen dieses Phänomen. Ein sich überraschend schnell entwickelnder, aber auch eher kurzlebiger Ostsüdostwind. Wie ein Schlag. Zitat MetBob: „It’s a shock for the unaware“. Das kann man verstehen, denn nördlich dieser Front, da wo wir jetzt noch sind, herrschen eher schwache Winde. Die waren bei unserer Abfahrt auch noch für die letzten Meilen bis Neuseeland angesagt. Nur, der „Easterly Punch“ wartet hinter seiner scharf abgegrenzten Nordseite gleich mit Böen über 40 Knoten auf. Windstärke 9, Sturmstärke.

Ärgerlicherweise ziemlich genau da, wo wir am Sonntagmittag wären, wenn wir einfach gerade auf unserer geplanten Route weiterfahren.

So sagen es das Europäische Modell ECMWF und auch das deutsche Icon. Selbst wenn das amerikanische Wettermodell GFS recht behielte, fielen die Böen zwar etwas schwächer aus. Kämen auf diesem Kurs aber trotzdem schräg von vorn. Ebenso die Wellen, ca. 3 m hoch und alle 6 Sekunden. Das ist weit jenseits von nur unkomfortabel.

Unsere Optionen sind auch deshalb ein bisschen limitiert, weil uns ja der Schäkel des Fockfalls gebrochen ist, wir also unser kleines Vorsegel nicht benutzen können. Wir hoffen, das hier in diesem Flautenbereich beheben zu können. Auf dem offenen Ozean hoch in den Mast, das ist auch bei wenig Wind nicht ganz ohne. Die Ozeandünung schaukelt dort oben an einem 20 m langen Hebel, lässt die Mastspitze einfach ein paar Meter zur Seite schwingen. Aber: es hilft ja nichts. Also den Klettergurt an, den (Wingfoil-) Helm aufgesetzt und los. Wiebke zieht mich hinauf in die schwankende Höhe.

Bewegender Arbeitsplatz mit Aussicht

Tatsächlich hängt ein Teil des auseinander gebrochenen Schäkels noch vor dem Fall-Austritt und ich kann das Fallende wieder mit nach unten bringen.

Wir knoten einen Ersatzschäkel an, rollen die ja ohnehin schon etwas durchgesackte Fock aus und holen sie herunter, soweit es geht. Dann schneide ich den Keder des Vorsegels dort durch, wo er ausgerissen ist und sich die blockierende Schlaufe gebildet hat, nur so bekommen wir das Segel ganz herunter. Etwa fünf Zentimeter muss ich aus dem Keder herauskürzen, dann aber kann er wieder auf ganzer Vorliekslänge in die Nut der Rollanlage eingefädelt und das Segel mit dem Fall nach oben gezogen werden. Notreparatur, klar, aber wir haben wieder eine funktionsfähige Fock!

Und das eröffnet uns weitere Optionen, um mit dem Easterly Punch umzugehen: wir können wieder beidrehen, das heißt wir können nördlich der Front schlicht zwei Tage abwarten, bis sie durchgezogen ist. Oder wir können weiter nach Osten segeln und dann in die Front hinein. Der Wind und die Wellen kämen dann eher von hinten, deutlich weniger unangenehm, und mit kleinen Segeln dann handhabbar. Falls es uns doch zu viel wird, könnten wir nach Norden heraus aus der Front ablaufen oder eben beidrehen.

Ganz entschieden haben wir noch nicht, wir machen erst einmal Weg nach Ost. Auf dem Noforeignland-Track lässt sich der Haken in unserem Kurs gut erkennen. Derzeit ruhiges Segeln in schwachem Wind.

Essen: Mittags Asia-Suppe mit viel frischem Gemüse und Hackfleisch , das wir eingekocht hatten. Abends Bratkartoffeln mit Rührei und Schinken, Salat, Tomaten und Gurken. Nichts davon dürfen wir nach Neuseeland einführen, das muss jetzt alles weg.

Am Schiffsmittag: Etmal 162 sm, da hat der Code0 bis heute Morgen sehr gute Dienste geleistet, gesamt 808 sm bis Schiffsmittag. Bis jetzt sind heute noch weitere 48 sm dazu gekommen, auf direktem Weg wären es noch etwa 180 sm bis Opua in Neuseeland.

Passage Fiji nach NZ, Tag 4

Nachdem das Adrenalin der Aktion mit den Vorsegeln zunächst seine Wirkung getan hat, sackt mit etwas Abstand statt der Segel der Körper leicht durch: die schon überstanden geglaubte Seekrankheit ist zurück und ich füttere nochmal die Fische.

Dafür scheint unsere seglerische Improvisationslösung zu funktionieren. Das ist gut so, denn laut PredictWind-Vorhersage entwickelt sich bei Neuseeland ein Windband mit kräftigeren Winden und insbesondere wegen der fehlenden Fock nicht idealer Windrichtung (schräg von vorn). Nichts dramatisches, aber: je eher wir da sind, desto besser.

Immerhin, heute feiern wir Bergfest, mehr als die Hälfte der Strecke liegt im Kielwasser.

Flotte Fahrt, aber auch Wolken am Horizont. So geht’s in die Nacht:

Wir merken deutlich, dass wir den Wendekreis des Steinbocks nach Süden überquert und damit die Tropen wieder verlassen haben. Es wird deutlich kälter, lange Hosen und nachts auch Socken und Fleecedecke im Cockpit sind angesagt.

Essen: kaum der Erwähnung wert, ein paar trockene Cracker für mich, nochmal Bratkartoffeln (eigentlich meine Ration von gestern) für Wiebke.

Etmal: für diese Situation sehr gute 157 sm, gesamt 646 sm, noch etwa 410 sm zu segeln.

Zwischenstand aus Minerva

Ganz lange bleiben wir nicht das einzige Boot in Minerva, einen Tag nach uns kommt auch die Scout und ankert neben uns. Noch einen Tag später kommen auch Jacqui und Phil mit ihrer Skylark an. Alle hatten wir eine ziemlich unangenehme Passage, müssen uns erst einmal von der Seekrankheit erholen.

Hier in Minerva gilt es zunächst, das Schiff wieder in Ordnung zubringen. Die salzwassernasse Fock wird aus dem vorderen Bad wieder an Deck geschafft. Kleine Leckagen an ein paar Fenstern und Luken bei den schweren überkommenden Wellen haben zudem für reichlich zusätzliche Arbeit gesorgt. Die Stromversorgung der UKW-Funke habe ich repariert. Wir stellen aber fest, dass Seewasser in den längs durch die Flora führenden Kabelkanal gelangt ist und an verschiedenen Stellen in Schapps und Schränke gelaufen ist. Die dadurch nass gewordene Kleidung müssen wir mit Süßwasser waschen. Kein Problem, sollte man denken, wir haben ja seit Whangarei jetzt wieder eine Waschmaschine an Bord. Stimmt – aber das Trocknen macht Probleme. Dauernd ziehen Squalls durch, bei diesen Regenschauern kann die Wäsche nicht draußen am Seezaun hängen. Und wenn, dann können die Klammern sie kaum festhalten. Es bläst. Böen bis 32 Knoten waren heute eigentlich angesagt, tatsächlich hatten wir mehr als 41 Knoten (Windstärke 9 Beaufort). Und morgen sind bis 37 kn angesagt. Erstaunlicherweise sind die Wellen hier in Minerva dabei noch recht erträglich. Besonders wenn man bedenkt, dass (außerhalb des Riffs) knapp 4 m Welle stehen. Für morgen sind sogar 4,6 m vorhergesagt.

Wie sieht das aus? Jayne und James von der Scout haben mit ihrem Dinghy einen Ausflug an die innere Riffkante gemacht. Vom Riffdach aus gibts bei Niedrigwasser einen etwa kniehohen Wasserfall in die Lagune, draußen ans Außenriff donnern die brechenden Pazifikwellen. Von Bord der Flora zeigt sich das so:

Bei Hochwasser schafft es der Ozeanschwell stark abgeschwächt über das Riffdach. Dann wird es hier am Ankerplatz unruhiger, aber bisher ist es immer noch gut erträglich.

Nach dem Peak morgen sollen sich Wind und Wellen dann ab übermorgen langsam wieder abschwächen.

Samstag kann ich dann vielleicht auch in den Mast, um das zum Glück am Fallenaustritt hängengebliebene Fockfall herunterzuholen. In 20 m Höhe schaukelt mir das derzeit zu sehr.

Dann doch lieber erstmal an Bord der Scout mit Jayne und James dessen Geburtstag nachfeiern.

Überhaupt hat man ja von der Scout aus einen besonders schönen Blick auf die Flora, wie auch das von James geschossene Sonnenaufgangsfoto zeigt:

Auf der Horizontlinie ist übrigens kein fernes Land zu sehen, sondern eben die Ozeanwellen außerhalb des Riffs.

Passage von Opua nach Minerva, Tag 6

Angekommen, geankert. Durchatmen. Durchschlafen.

Wir sind ein klein wenig zu spät, etwa eine Stunde. Den eindrucksvollen Sonnenuntergang fotografieren wir, als Flora noch sieben Meilen vom Pass in das Minerva Nord Riff entfernt ist.

Lasst Euch von den nach Achtern fotografierten Wellen auf diesem Bild nicht täuschen, auch zu dieser Zeit der Passage rollen mit (un)schöner Regelmäßigkeit feste Wassermassen über unser Deck.

Die kleine Verpätung bedeutet leider, dass wir die Einfahrt in den Pass bei Dunkelheit machen müssen. Völlige Dunkelheit, denn zu diesem Zeitpunkt verdecken dicke Wolken den Vollmond.

Wir kennen den Pass aber ja bereits, er ist breit genug und vergleichsweise einfach zu befahren. Wir haben die Tracks unserer letzten Durchfahrten, müssen also nur auf der Linie unseres Tracks bleiben. Trotzdem ist es aufregend, Pässe sind immer auch ein bisschen unberechenbar. Also nutzen wir das volle Programm elektronischer Unterstützung für die Nachtansteuerung: auf Wiebkes iPad läuft Navionics mit unserem alten Track, auf dem Orca (der von Minerva keine Karte hat) das Satellitenbild von Google Maps und natürlich auf dem Furuno-Plotter die Time-Zero-Seekarte. Alles jeweils mit unserer aktuellen Position darin.

Tatsächlich haben wir kurzfristig bis zu 3 Knoten Gegenstrom, aber ansonsten kommen wir gut und problemlos in die Lagune.

Der nächste skurrile Moment ist dann, den Anker im Stockdunkel auf 13 m Wassertiefe fallen zu lassen, mit hunderten von Meilen offenem Ozean um uns herum.

Der Haken gräbt sich sofort ein, hält mit 65 m Kette perfekt auch bei den 30er Böen in der Nacht. Und die Bedingungen innerhalb des Riffs erlauben es eben, einfach mal 10 Stunden durchzuschlafen.

Am Morgen dann:

Frühstücken im Cockpit, immer noch mit aufgebauter Kuchenbude wegen der permanent durchziehenden Squalls. Anbaden. Duschen. Und das klare Wasser sowie die relative Ruhe bei ziemlich durchgängig 25 Kn Wind zu genießen. Wir sind das einzige Boot hier.

Danke an alle fürs Daumendrücken, es hat wohl geholfen.

Gesamtstrecke 745 Seemeilen, 5 Tage, 9 Stunden.

Essen: Nix. Fertig in die Koje.

Passage von Opua nach Minerva, Tag 3

Seekrank.

Die Wellen haben nochmal zugenommen und scheinen kreuz und quer zu kommen. Dazu Böen über 30 kn. Das Groß ist st inzwischen dreimal gerefft.

Der Wind ist um 30° nördlicher gesprungen, das ist unschön, denn nun segeln wir am Wind. War allerdings auch von allen Wettermodellen so vorhergesagt.

Demnach sollte sich die Windrichtung ab morgen wieder langsam verbessern.

Wiebke hält sich gut, ich muss beim Zähneputzen dann doch spucken. Immerhin sind danach meine Kopfschmerzen weg.

Zur Nacht kommt noch Regen dazu. Die Wolken verdecken meistens auch den Mond. Es fühlt sich an, als würden wir auf einem bockenden Bronco-Pferd durch die stockdunkle Nacht jagen. Einer von uns hält die Zügel, der andere versucht auf dem Rodeopferd zu schlafen. Alle drei Stunden wechseln wir uns ab. Obwohl, immerhin bleiben wir trocken. Die an die Bordwand klatschenden Dwarslöper schicken zwar Wasserfontänen Richtung Cockpit, aber die aufgebaute Kuchenbude hält sie draußen. Erstmal.

Irgendwann explodieren die Wellen so an der Bordwand, dass sich doch auch Wasser durch den Schlitz zwischen Sprayhood und Kuchenbude ins Cockpit ergießt. Immerhin bleibt die Bank auf der Leeseite trocken.

Die dauernden Schwallwasser-Schläge setzen leider auch den Fenstern zu. Die Dichtungen scheinen unter der Tropensonne doch gelitten zu haben, Tropfen füllen die Handtücher, die wir hinter die Gardinen gestopft haben.

Am Morgen (immerhin bei Tageslicht) bricht dann der erst drei Jahre alte Schäkel des in Hawaii erneuerten Fockfalls. Kleine Ursache, große Wirkung. Das Segel rutscht nach unten und teilweise auch ins Wasser. Es ist bei 25 kn Wind und drei Meter Welle eine ziemliche Plackerei, die Fock wieder an Bord zu ziehen und provisorisch an der Seereling zu sichern.

Ein Ersatzgenuafall ist im Mast zwar geriggt, bei den unveränderten Bedingungen wollen wir das Segel aber nicht neu einfädeln und hoch ziehen, weil es gefährlich schlagen könnte und vielleicht auch in Fetzen ginge.

Mit dem Groß allein können wir bei diesem Seegang aber die Höhe nicht halten. Wir beißen in den sauren Apfel und motorsegeln erstmal Richtung Minerva.

Shit happens. es gibt solche Tage.

Etmal 143 Seemeilen, gesamt 463 Seemeilen, noch gut 300 Seemeilen bis Minerva. Wir hoffen, dass der Wind wie angesagt wieder auf etwas südlicher als Ost dreht.

Essen: Knäckebrot, für Wiebke sogar mit Belag.

Bilderbuch-Sonntag im Südsommer und Regentage danach

Nach der Bootsarbeit am Samstag beziehen wir unser neues AirBnB, dieses Mal eben nordöstlich von Whangārei etwas abseits auf dem Land gelegen. Der Vermieter bezeichnet es als „Shed“, was wörtlich übersetzt Schuppen oder Stall bedeuten würde. Vielleicht wurde das Gebäude wirklich mal so genutzt, wahrscheinlicher aber scheint die Bezeichnung einfach nur auf der Lage in der Wiese am Hügel hinzudeuten. Es ist zwar einfach gebaut, aber geräumig und gut eingerichtet. Größere Gruppen würden das einzige Schlafzimmer des Gebäudes durch drei zubuchbare 3-Bett-Hütten ergänzen, aber jetzt in der Nebensaison können wir eben auch das Haus allein mieten.

Und so schwelgen wir im Luxus mit Waschmaschine, Trockner, Spülmaschine, Riesenkühlschrank mit Eiswürfelspender …

Das Beste aber ist der Ausblick über das Tal und die dahinter wieder ansteigende Hügellandschaft. Am Morgen hängt kurz noch Nebel über dem Bach, später können wir beobachten, wie ein Schäfer seine Herde zusammentreibt und auf die nächste Weide leitet.

Vögel spazieren über die Wiesen am Haus. Bekannte, wie die von den Europäern eingeführten Lerchen, aber auch farbenfrohe typische neuseeländische Arten wie Maskenkiebitze (von den Maorí Pukekohe genannt) mit ihren gelben Gesichtslappen oder die Pūkekos (Purpurhühner) mit dem kräftigen roten Schnabel und dem eben auch purpurroten Stirnschild sowie dem blauschwarzen Bauchfederkleid.

Den Sonntag nutzen wir diesmal für einen Ausflug nach Pataua an der Ngunguru Bay. Kein Touristenort, eher ein charmant verschlafenes Nest, das inzwischen mehr und mehr mit Ferienhäusern für die Sommerfrische garniert ist.

Das Stranddörfchen Pataua ist zweigeteilt. Der gleichnamige Fluss schneidet tief ins Land ein, für Autos gibt’s weder eine Brücke noch eine Fähre, also Sackgasse von beiden Seiten. Wir entscheiden uns für die Anfahrt nach Pataua Süd und parken dort. Eine schmale Fußgängerbrücke führt hinüber nach Norden. Sie bildet nicht nur einen Verbindungsweg zum Nachbarn, sie ist auch Treffpunkt, Spielplatz, Badestelle, Sprungturm, Kulisse für das Picknick. Kurz: das eigentliche Zentrum des Dorfes. Eben nördlich und südlich der Brücke finden sich öffentliche Bootsrampen, über die Angelboote ein- und ausgewassert werden. Jetzt am Sonntag ist ordentlich Betrieb.

Über die Fußgängerbrücke spazieren wir nach Pataua Nord und weiter zum wunderschönen Strand.

Hier erschließt sich mir erstmals der ganze Charme eines Elektrofoils: mühelos hinausfahren (Motor ist unter Wasser) und dann in den Wellen hoch aufs Foil zum Surfen (Motor ist über Wasser).

😁

Auf der Rückfahrt machen Wiebke und ich noch einen Abstecher zu den Taheke Waterfalls, nahe bei unserem AirBnB.

Ein schöner Wanderweg führt durch Kauri-Wald und unter den typisch neuseeländischen Baumfarnen hindurch zum Wasserfall. Direkt zu unseren Füßen rauscht der Fluß weit in die Tiefe.

Beeindruckend ist auch, wie hervorragend der Wanderweg angelegt (eher: ausgebaut) ist. Es sind nicht viele Wanderer unterwegs, wir begegnen nur einem anderen Pärchen. Trotzdem winden sich ewig lange Treppen den Berg hinauf und machen den Hike durch den Wald eher zu einem ausgedehnten Spaziergang.

Und unter der Woche?

Ein Tiefdruckwirbel mit Böen in Orkanstärke (65 kn) in seinem Zentrum zieht nördlich von Neuseeland durch. Das bringt auch hier starken Wind (bis 40 kn) und intensive Regenfälle.

Der Spätsommer (März hier entspricht September in Europa) macht Pause und zeigt, dass der Herbst nicht mehr weit ist.

Für nächste Woche ist aber wieder sommerliches Wetter angekündigt.

😎

Passage Minerva nach NZ, Tag 5

Per Express durch das Grau.

Der Wind dreht endlich von NNE auf Ost und nimmt dabei kräftig zu. Für einige Boote um uns herum etwas zu kräftig, manche berichten von Böen um 45 kn. Über die WhatsApp-Gruppen erfahren wir von mehreren ausgefallenen Autopiloten und vom Wellengang weggerissenen Starlink-Antennen. Eines der Boote erleidet gleich beide Defekte. Wir sind in UKW-Reichweite und geben ihre Position und die Meldung, dass es ihnen gut geht an ein befreundetes Boot weiter. Die informieren dann den Shore-Contact des Bootes.

Es hat auch Vorteile, in einem großen Schwarm Zugvögel unterwegs zu sein.

Durch die großen Icons wirkt das allerdings wesentlich enger, als es tatsächlich ist. Wir haben heute wieder nur ein einziges anderes Boot sehen können.

Jedenfalls sind wir gewarnt, Reffen sehr früh und sehr tief. Mit drittem Reff im Groß und etwas eingereffter Fock geht es in die Nacht. Tatsächlich werden es für uns nur um die 30 kn in den Böen bei konstant zwischen 20 und 24 kn Wind. Etwas achterlicher als halb, das sorgt trotz der tiefen Reffs für eine sehr flotte Fahrt. Maximal rutschen wir mit 12,6 kn eine Welle herunter, meist sind wir mit 7 bis 8 kn unterwegs.

Es wird weiterhin kälter. Lange Hosen und sogar Socken kommen heraus, für die Nachtwache im Cockpit zusätzlich (trotz aufgebauter Kuchenbude) noch eine Fleecedecke.

Etmal: 150 sm, gesamt 559 sm. Noch 210 Seemeilen zu segeln bis Whangarei/NZ.

Essen: Wiebke hatte gestern in weiser Voraussicht auf die zu erwartende Schaukelei gleich einen großen Topf Curry gekocht. Also nochmal Thaicurry mit Kürbis, lila Süßkartoffeln, Paprika und Marlin (noch eingekocht aus dem Fang von Joe in den Tuamotus, leider das letzte Glas).

Passage Minerva nach NZ, Tag 4

Das Wetter ändert sich. Es wird kälter und vor der Flora taucht ein dunkles Wolkenband auf, das zur Vorsicht mahnt.

Auf Windy.com schauen wir uns das aktuelle Satellitenbild und die dazugehörige Vorhersage für Regen und Gewitter an.

Hm. Wir bauen die Kuchenbude auf und machen das Cockpit regendicht. Das Wolkensystem ist beeindruckend groß, aber wenn wir uns beeilen, sollten wir vor den Gewitterzellen durch das Regenband durch sein. Also trödeln wir nicht, als der Wind nachlässt, sondern werfen wieder den Motor an.

So geht es abwechselnd Motoren und segelnd in und durch die Nacht.

Tatsächlich erwischt uns (jedenfalls bisher) kein Gewitter. Südlich des Regenbandes sollte eigentlich nach einer Schwachwindphase starker Südostwind einsetzen. Allerdings spüren wir davon bis jetzt nichts. Vielmehr dreht der Wind anders als vorhergesagt im Lauf der Nacht auf NNE und kommt damit genau von hinten, in Verbindung mit der höher werdenden Dünung aus SE ergibt das eine unangenehme chaotische See, Flora wird hin und her geworfen.

Etmal in den letzten 24 Stunden: 129 sm, gesamt 409 sm. Noch zu segeln bis Whangarei 370 sm, wir hatten also schon Bergfest.

Essen: Thai-Curry mit Kürbis (der musste schließlich zu Halloween mal angeschnitten werden und findet sich deshalb in den letzten Tagen öfter auf unserem Speiseteller).

🎃

Passage von Minerva nach Neuseeland, Tag 1


Wir segeln, zwar langsam, aber wir segeln und das bei herrlichem Wetter.


Der Wind ist schwach, meist zwischen 7 und 10 Knoten. Immerhin reicht das unter Groß und Code0, um nicht Motoren zu müssen, zumal die See auch angenehm ruhig ist. Allerdings haben wir eine Gegenströmung von jetzt noch 0,7 kn, zwischendurch war es mehr als ein Knoten. Das macht sich natürlich im Verhältnis zu der langsamen Fahrt besonders bemerkbar. Also zupfen wir ein bisschen mehr als sonst auf Passage üblich an den Schoten, so legen wir in den ersten 24 Stunden dann doch immerhin 95 Seemeilen zurück.

Der Strömung können wir übrigens kaum ausweichen, die Darstellung der Strömungsverhältnisse (auf Windy.com) gleicht eher einer surrealistischen Malerei und die kleinen Kringel verändern sich ständig:

Anders als ursprünglich geplant werden wir aber wohl nicht nach Opua (Bay of Islands) gehen, sondern direkt nach Marsden Cove / Whangarei. Der Grund ist, dass wir bisher trotz dreimaliger Übermittlung von Unterwasservideos und ergänzenden Unterwasserfotos kein Pre-Approval von der Biosecurity haben. So, wie die neuen Regeln zumindest am Anfang dieser Ankunftssaison angewendet wurden, wäre das etwa ein 1/3 Risiko dafür, im Ankunftshafen sofort aus dem Wasser gekrant werden zu müssen. In Opua würde das bedeuten, dass wir auch noch einen Rigger bezahlen müssten um das Vorstag abzubauen, weil sie dort ansonsten nur bis 40 Fuß rausnehmen können. Oder rückwärts, aber dann wäre unser Windgenerator im Weg. Um diese zusätzliche Komplikation zu vermeiden haben wir uns lieber für Marsden Cove/Whangarei als Ankunftsort in Neuseeland entschieden.

Die Planung für die Passage ist auch so schon komplex genug. Es sind nur rund 850 Seemeilen von Minerva bis nach Whangarei, aber die Wettersysteme verändern sich in diesem Bereich sehr schnell. Der Wendekreis des Steinbocks (also der südlichste Breitengrad, auf dem die Sonne mittags im Zenit stehen kann) verläuft in etwa in Höhe des Minerva Riffs. Mit der Passage verlassen wir also jetzt definitiv die relativ klimastabilen Tropen. Die Temperaturschwankungen (auch zwischen Tag und Nacht) nehmen spürbar zu und die weit südlich durchziehenden Sturmgebiete beeinflussen mit ihren Ausläufern die Windverhältnisse um so kräftiger, je weiter wir nach Süden kommen.

Aktuell sieht der Wind zwischen unserer Position (weißer Punkt in dem grünblauen Schwachwindbereich) und Neuseeland so aus:

Auffällig ist dabei der schmale blaue „Flautenfluss“ links in der Mitte des Bildes. Nördlich davon herrscht Nordwestwind, südlich davon Südostwind. Schaut man auf die Böen, wird vor dem Nordkap Neuseelands ein Bereich mit bis zu 45 Knoten (Windstärke 9) ausgewiesen. Er zieht nach Osten ab, quert also unsere Route.

Die Abfahrt haben wir deshalb so geplant, dass dieser Bereich vor uns durch sein sollte und das nächste Starkwindgebiet erst nach unserer Ankunft unsere Route quert. Der Kurs dafür ist nicht die gerade Strecke. Wir halten zunächst südlicher und schwenken dann erst auf Whangarei ein.

Kleiner Haken: auch der angesprochene Flautenfluss an der Grenze zweier gegenläufiger Wettersysteme verlagert sich östlich und da müssen wir durch. Es kann also sein, dass wir im Verlauf der Passage noch etwas motoren müssen. Dabei gilt es dann auch die Gewitter zu umfahren, die dieses Phänomen mit sich bringt.

Wenn die Vorhersage stimmt, können wir zwischen zwei stärkeren Zellen hindurch schlüpfen.

Und als weiterer bedeutsamer Parameter sind noch die Wellen zu berücksichtigen. auch hierfür bieten sowohl Windy als auch PredictWind Vorhersagemodelle für Richtung und Höhe an. Danach sind in der Spitze etwa 2,6 m Welle zu erwarten. Das ist für sich genommen ok, allerdings kann das Wellenbild wegen der gegenläufigen Systeme durchaus chaotisch werden. Unangenehm, aber bei dieser Höhe nicht gefährlich.

Soweit unsere Überlegungen. Dass wir damit nicht ganz falsch liegen, scheinen die professionellen Wetterrouter einiger anderer Boote zu bestätigen. Nach zuvor eher ablehnender Haltung haben sie gestern doch kurzfristig zum Aufbruch von Minerva geraten. Wir sind also mit einem kleinen Konvoi losgefahren.

Auf See verteilt sich das aber schnell. Inzwischen sehen wir nur noch zwei Boote in 12 Seemeilen Entfernung auf dem AIS, ihre Segel können wir am Horizont aber schon nicht mehr erkennen.

Na gut. So viel zu unserem Plan. Vermutlich am vierten November würden wir dann in Marsden Cove ankommen.

Bisher übrigens kein Angelglück.

Essen: Bratkartoffeln mit Frikadellen und Möhren-Krautsalat.