Fuengirola / Málaga

Der „lange“ Schlag von 190 sm, den wir wettervorhersagebedingt von Cartagena aus eingelegt haben, erweist sich als richtig gute Entscheidung. Der Wind ist kräftig, kommt aber ziemlich achterlich. Also quasi eine weitere Trainingseinheit für den Passat. Angesagt sind zunehmende Winde, die in den Böen abends 25 zunehmend auf 30 kn erreichen. Genauso kommt es auch. Wir segeln Schmetterling mit der Fock und Groß, gehen zwischenzeitlich mit dem Groß ins zweite Reff und haben trotz der Welle und in der Spitze 31,3 kn wahrem Wind auf der Windanzeige einen nicht allzu schaukeligen angenehmen Törn.

Bevor die Sonne ganz untergeht runden wir das Cabo de Gata, nehmen die Fock (und den Spibaum) weg, werden nach der erforderlichen Halse aber nur einen knappen Knoten langsamer und Flora liegt immer noch gut auf dem Ruder. Beim zweiten Wachwechsel in der Nacht ist der Wind plötzlich weg (auch das war vorhergesagt), wir motoren auch noch als die Sonne hinter uns aufgeht.

Dann kommt der Wind schwach und aus Süd zurück und hält uns damit die Gewitter auf Abstand, die wir über Land Wetterleuchten sehen. Ein Stückchen können wir sogar (jetzt wieder mit Vollzeug) segeln, wenn auch nicht ganz auf optimaler Kurslinie.

Wir haben uns den Hafen Fuengirola als Ziel ausgesucht und bekommen dort tatsächlich auch für vier Nächte einen günstigen Platz (38,- € pro Nacht). Fuengirola bietet den Riesenvorteil, dass man vom Hafen aus eine hervorragende S-Bahn-Verbindung nach Málaga (sogar mit Zwischenstop am Flughafen, wäre also auch für Crewwechsel perfekt) und eine gute Busverbindung nach Marbella hat.

Dafür muss man akzeptieren, dass Fuengirola ein wohl eher typischer Ferienort für weite Teile der Costa del Sol ist, voller Bettenburgen, Billigimbissen, Ramschläden, Kneipen und Bars. Wir sind ob der fast durchgängige Bettenburgenkette (jedenfalls da, wo es Strand gibt) entlang der spanischen Südküste bis hierher irgendetwas zwischen erstaunt 😮, erschreckt 😧 und erschüttert 😢, so massiv hatten wir es jedenfalls nicht erwartet.

Heute haben wir ausgeschlafen und dann gleich den Trip nach Málaga gemacht.

Die S-Bahn hat uns in 40 Minuten mitten ins Zentrum gebracht, wir konnten Málaga dadurch gut zu Fuß erkunden. Die schöne Altstadt beginnt gleich am Hafen, der aber mehr Handels- und Fährhafen ist, auch wenn es am östlichen Kai malerisch vor Palmen, Leuchtturm und Hafenkränen gelegene (schwellige und teure) Liegeplätze und weiter draußen auch einen (ebenfalls teuren) Yachthafen gibt.

Zunächst erklimmen wir den Burgberg, ein schöner Fußweg mit allerdings extrem glatten Platten führt hinauf (gibt ja nicht soviel Regen hier) und gewährt tolle Ausblicke über die Stadt und sogar hinein in die Stierkampfarena.

Wieder unten, diesmal im von Hochhäusern freien Kern der Altstadt, lassen wir uns durch die Gassen treiben bis hin zur „Einarmigen“. Die Kathedrale der Stadt wurde nur sehr langsam gebaut, vereint deshalb einige Baustile und hat nur einen Turm, der zweite ist seit dem 18. Jahrhundert Baustelle 🚧 ohne Fortgang. Im imposanten Inneren merkt man davon natürlich nichts und ein auch deutschsprachiger Audioguide ist praktischerweise im Eintritt von 6,50 € enthalten.

Spannend auch, wie in Málaga die auch hier üblichen Anti-Terror-Poller ausgestaltet sind, nämlich mal so:

und mal so:

Aber – obwohl uns Málaga wirklich gut gefällt – wir merken, dass wir etwas stadtmüde werden. Es ist zwar noch etwas hin, aber die Vorfreude auf den geplanten langen Schlag nach Madeira und hoffentlich die Wanderungen auf dem auch „Blumeninsel“ genannten Eiland steigt.

Filicudi und Cefalu

Filicudi ist die letzte der Äolischen Inseln, die wir besuchen. Von Panarea aus segeln wir nördlich an Salina vorbei, passieren dabei mit Secca del Capo recht nah einen Unterwasservulkan, der es nur ganz knapp (bis auf 6 m) nicht an die Oberfläche geschafft hat, und wir bewundern den Felsenbogen an der Punta Persiato im Nordwesten von Salina.

Eigentlich ist der Ankerplatz von Filicudi Porto (jedenfalls nach unserer aktuellen Navionics Seekarte) zwischen ein Sperrgebiet am östlichen Kap der Insel und ein weiteres Ankerverbotsgebiet rund um ein Wrack gequetscht, aber das scheint hier niemanden zu kümmern. Wir haben aber ohnehin das Glück, dass direkt bei unserer Ankunft ein Motorboot genau im von uns anvisierten Gebiet ankerauf geht. Der Ankergrund ist auf rund 10 m Wassertiefe perfekter Sand, näher am Strand sehen wir beim Schnorcheln dagegen ziemlich steinigen Grund.

Eine Infotafel auf Filicudi macht uns darauf aufmerksam, dass die Insel von der Unesco auf die Liste des Welterbes der Menschheit gesetzt wurde.

Allerdings bezieht sich das nicht auf die Insel allein, sondern auf die Äolischen Inseln insgesamt, die wegen ihrer vulkanischen Entstehung und der an ihnen vorgenommenen und fortdauernden Untersuchungen der vulkanischen Energie zum Weltnaturerbe erkoren wurden. Allzu viel scheint sich aber jedenfalls für Filicudi durch die Aufnahme auf die Unesco-Liste nicht geändert zu haben.

Es fällt auf, dass viele Fischer des Ortes noch immer ihre Boote nach alter Sitte mit Taljen über Holzbohlen hoch auf den den steinigen Strand ziehen. Das Bojenfeld vor der Hafenmole dagegen ist mit moderneren Booten besetzt, auch Yachten können hier für 60 Euro pro Nacht eine Boje mieten. Ankern geht aber auch 😉.

Die Hafenzeile des Ortes gibt sich am Abend durchaus belebt, es gibt zwei Restaurants, einen kleinen Supermarkt und sogar einen kleinen Laden der Schiffszubehör anbietet, aber trotzdem wirkt die Kulisse – wie das Kulturerbeschild auch – ein wenig angestaubt.

Beeindruckender ist dagegen, wie offenbar Generationen von Inselbewohnern die früher dicht mit Farn bewachsenen steilen Berghänge der Insel durch Steinmauern terrassiert haben, um Ackerbau betreiben zu können. Diese Form der Selbstversorgung steht heute für die nur rund 250 dauerhaften Bewohner der Insel nicht mehr so im Fokus, viele der Steinmauern werden nicht mehr gepflegt, rutschen teilweise ab und die Natur erobert sich das Terrain zurück.

Die Insel ist von steingepflasterten Mautierpfaden durchzogen und soll sich für Wanderungen anbieten, aber der Crew steht nicht der Sinn danach. So geht es am nächsten Morgen weiter, diesmal zurück nach Sizilien.

Unser Ziel ist Cefalu, eine mittelalterliche Stadt etwa in der Mitte der Nordküste Siziliens. Die Altstadt ist geprägt durch einen imposanten Normannischen Dom, dessen Bau auf das Jahr 1133 zurückgeht und der beeindruckende Goldmosaiken beherbergt.

Und trotzdem, als wir uns dem Ort nähern, scheint sich die gesamte Stadt in den Schatten des 270 m hohen Kalkfelsens zu ducken, an den sie gebaut wurde.

Doris und Christian von der Dancing Pearl hatten in der vorigen Nacht vor dem Strand am Rande der Altstadt geankert und schilderten das wegen des Schwells als Horrornacht. Sie rieten uns, lieben in den Hafen auf der anderen Seite des Kalkfelsens zu gehen. Haben wir natürlich gemacht.

Tatsächlich scheinen die Hafenmole auf der einen Seite und die malerisch ruinenbestandenen Felsen auf der gegenüberliegenden einen recht guten Schutz zu bieten. Leider gilt das aber nicht für Schwell aus Nordosten. Genau der stellte sich blöderweise recht heftig ein, gepaart mit einem knackigen Gewitter. Es wurde also auch für uns und unsere Gäste eine eher unruhige Nacht.

Obwohl wir Cefalu schon recht ausführlich durchstreift hatten, wären wir gerne noch länger geblieben und hätten uns das touristisch ziemlich erschlossene Städtchen, das sich trotzdem viel Charme erhalten hat, gerne noch intensiver angesehen. Aber diesmal machte uns der Wetterbericht einen Strich durch die Rechnung.

Meine Ex-Kollegin Anja hatte uns dankenswerterweise eine Sturmwarnung für Italien und Griechenland weitergeleitet. Da haben wir uns mit dem Wetter der nächsten Tage natürlich noch etwas intensiver beschäftigt. Zwar konnten wir hinsichtlich des eigentlichen Medicanes für unser Gebiet Entwarnung geben, aber für den für Dienstag geplanten Sprung nach Palermo zeichneten sich trotzdem fieser Gegenwind mit bis zu 35 kn ab. Eindeutig nicht das, was man sich wünscht. Also früher los, nämlich schon heute. Tatsächlich konnten wir erst herrlich segeln, wieder einmal mit unserem Code0, dem Spaß-Segel. Dann drehte der Wind, kam direkt von achtern und so konnten mal wieder was Neues ausprobieren. Schmetterlingssegeln mit ausgebaumtem Code0, schließlich soll das Segel ja auch eventuell als die eine Hälfte des Passatsegels herhalten (die auf der anderen Seite ausgebaumte Genua wäre dann die zweite Hälfte). Wir spielten noch etwas mit den verschiedenen einzusetzenden Leinen herum (neben der Schot noch Topnant, vorlicher und achterlicher Niederholer) herum und das Ergebnis konnte sich sehen lassen, obwohl wir an den Details noch weiter feilen werden:

Im Ergebnis führt diese Leinenkombination dazu, dass wir den Code0 einfach einrollen können, ohne den Baum und die ihn haltenden Leinen bedienen zu müssen.

Sieht dann zwar ein bisschen wie ein Spinnennetz aus, ist aber ungemein praktisch:

Vor allem, wenn man die Konstruktion länger stehen lassen kann 😉. Wenn wie bei uns heute dann allerdings zunehmender Wind auf die Nase mit gemeiner Welle von vorn folgen, baut man es doch besser schnell wieder zurück. Wir sind jedenfalls heile in Palermo angekommen.