Poás Vulkan und La Paz Wasserfälle

Morgen geht unser Flug in die USA, die zwei Wochen hier in Costa Rica sind schon wieder um. Was für Naturerlebnisse! Und dabei haben wir nur einen kleinen Auschnitt dieses ohnehin (flächenmäßig!) nicht sehr großen Landes bereist.

Extrem positiv überrascht hat uns das Wetter, hatten wir doch befürchtet, jetzt in der Haupt-Regenzeit mehr oder weniger weggeschwemmt zu werden. Aber wir hatten Glück, außerdem konnten wir im Hochland unsere Aktivitäten überwiegend in die deutlich trockeneren Vormittage legen. So auch heute wieder:

Frühstück um 7.00 auf der Terrasse unseres Zimmers in der mit 80 $ die Nacht für hiesige Verhältnisse recht günstigen Lodge. Und dann gleich los zum Poás Vulkan, ganz lange wird der blaue Himmel wohl nicht halten.

Der Poás ist einer der sechs aktiven Vulkane Costa Ricas und rund 2.700 m hoch. Er hat zwei Kraterseen mit einem Durchmesser von jeweils etwa 400 m, die heiße „Laguna Caliente“ und den kalten „Botos“. Der Zugang zu letzterem ist seit dem Ausbruch des Vulkans 2017 gesperrt, spannender und optisch attraktiver ist aber ohnehin die Laguna Caliente. Der See in der Caldera ist nämlich nicht nur heiß, sondern auch extrem sauer (PH-Wert 1!). Und er zeigt sich in einem intensiven Türkisblau, wenn denn der Gipfel nicht in Wolken gehüllt ist, sondern die Sonne scheint.

Die Anfahrt über die Serpentinen der steilen Berghänge überrascht schon mal. Zum einen wechselt die Vegetation, wir fahren zunächst durch Kaffeeplantagen (unter anderem liegt die Starbucks-Plantage am Weg).

Und dann: Erdbeer-Anbau! An den Straßen sind kleine Verkaufsstände aufgebaut, sogar spezielle Restaurants mit den Fresas del Vólcano (Vulkanerdbeeren) gibt es. Typischerweise werden sie im Becher mit süßer Kondensmilch und Schokosoße verkauft, schmeckt gar nicht schlecht und „etwas“ zusätzliche Süße können die Fresas del Vólcano durchaus vertragen.

Weiter auf dem Weg zum Gipfel kommen dann schwarzbunte Milchkühe auf saftig grünen Bergwiesen in den Blick.

Die Wolken bleiben noch auf Abstand, deshalb können wir einen großen Teil der Hochebene überblicken, auf der Costa Ricas Hauptstadt San José sich breitmacht. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn der Ort wächst in alle Richtungen. Links am Bildrand liegt die alte Stadt Cartago, rechts Alajuela. Alle drei Städte waren einmal Hauptstadt des Landes, erst Cartago allein, dann sogar die drei gemeinsam. Turnusmäßig wurde dann alle paar Monate gewechselt, was ein unpraktisches Umziehen der Regierung mit sich brachte. San José wurde zur alleinigen Hauptstadt. Inzwischen sind die Städte zwar formal eigenständig, aber fast miteinander verwachsen.

Das Ticket für den Nationalpark um den Vulkan haben wir vorschriftsmäßig gestern online gelöst und so können wir durch die Kontrollstation durchfahren und müssen nur noch zusätzlich die Parkplatzgebühr bezahlen. Dafür sind wir dann aber auch nur noch ein paar hundert Meter Fußweg von der Aussichtsplattform über der Laguna Caliente entfernt.

Ach nein, ganz so einfach ist es dann doch nicht. Wir bekommen auf dem Weg noch farbige Schutzhelme verpasst, die zwingend auf dem ganzen Gelände zu tragen sind. Unsere sind knallrot und heben sich damit gut vom Grün der „Sombrilla de Pobre“ ab.

Die einem überdimensionalen Rhabarber ähnelnde Pflanze mit ihren Riesenblättern ist zu einem Symbol des Nationalparks geworden. Sie wächst überall am Wegesrand und ein Hinweisschild klärt uns hinsichtlich der Namensgebung auf, dass sie von den armen Leuten der Gegend früher als improvisierter Regenschirm benutzt wurde.

Dann sind wir oben am Rand der Caldera angekommen und blicken 300 m hinunter in den riesigen Krater. An verschiedenen Stellen steigen immer wieder Dampfwolken auf und ein Schwefelgeruch hängt in der Luft. Aber der Blick auf das türkise Säurebad ist ungeheuer faszinierend.

Es ist eine irritierende Erinnerung daran, was für immense Kräfte unter der dünnen Erdoberfläche schlummern und hätten wir nicht die schrecklichen aktuellen Bilder von La Palma im Kopf wäre auch der durch die Eruptionen des Poás aufgesprengte riesige Krater eine sehr eindrückliche Mahnung.

Wir nutzen das immer noch sonnige Wetter und fahren halb um den Poás herum zu den Wasserfällen von La Paz an der Ostflanke. Sie sind nur über einen privaten Park zugänglich, der leider mit 50 $ pro Nase happig teuer ist. Aber Michael von der Samai hatte ihn uns empfohlen und auch wir würden sagen: es lohnt sich.

Enthalten ist auch eine Art Zoo mit vielen ausschließlich heimischen Tierarten, von denen wir viele (manche zum Glück) nicht in freier Wildbahn erlebt haben. Diverse Schilder weisen darauf hin, dass die Tiere nicht für diesen Zweck gefangen wurden, sondern es sich vielmehr um vom Staat konfiszierte illegale Haustiere handelt, die dann vom Ministerium an diesen Tierpark übergeben wurden, weil sie nicht mehr ausgebildet werden können.

Und so mache ich doch noch ein paar Portraits, z. B.

selten gewordener roter Ara
Ozelot
Jaguar
Puma, die größte Raubkatze Costa Ricas
Grüne Rebenschlange

Es gibt auch ein Schmetterlingshaus, ein Froschhaus und einen Kolibri- und einen Orchideengarten und so dauert es doch eine Weile, bis wir uns zu den Wasserfällen durchgebummelt haben.

Und auch die sind absolut sehenswert. Es ist eine Kaskade von vier größeren und ein paar kleineren Wasserfällen, an denen ein mit Aussichtsplattformen ausgestatteter Wanderweg entlangführt. Man arbeitet sich dabei langsam, zwischendurch auch über steile Treppen, von Wasserfall zu Wasserfall nach unten. Von dort fährt ein Shuttlebus zurück zum Parkplatz.

Und dann wird’s auch Zeit für den Rückweg. Bei der Fahrt zur Abgabestation unseres Mietwagens können wir noch die Hortensienhecken genießen, die hier manchmal so malerisch die Straßen säumen.

Aber die dunklen Wolken ziehen schon auf, wie so oft am Nachmittag. In einem Wolkenbruch geben wir das Auto ab, fahren mit einem Uber zur Lodge zurück und packen unsere Sachen. Morgen früh geht’s wieder zeitig raus, diesmal allerdings zum Flughafen und morgen Abend sind wir hoffentlich wieder in den USA und können uns dann um Flora kümmern.

Pura Vida.

Chachagua

Das Nebelwaldgebiet um den Monteverde gefällt uns super, aber es zieht uns trotzdem weiter, wir möchten noch mehr von der vielgerühmten Vielfalt Costa Ricas erkunden.

Als „Schweiz Mittelamerikas“ wird Costa Rica häufig bezeichnet. Wohl überwiegend wegen der strikten Neutralität des Landes (Costa Rica hat das Militär abgeschafft und die freigewordenen Mittel in die Bildung gesteckt, demzufolge auch eine extrem geringe Analphabetenquote) und der für zentralamerikanische Verhältnisse stabilen Wirtschaft des Landes, jedenfalls vor COVID. Schon früh und sehr konsequent wurde auf Ökotourismus gesetzt, große Hotelburgen sind in den meisten Landesteilen selten, dafür gibt es viele kleine, oft familiengeführte „Lodges“. Die hatten (und haben) wegen Corona natürlich eine schwere Zeit, wir hören allerdings keine Klagen, sondern nur ein „jetzt gehts endlich wieder los“.

Neben politischer Neutralität und relativ stabiler Wirtschaft erinnert aber auch gelegentlich die Landschaft an die Schweiz. Nicht an die hochalpinen Bereiche, aber auf unserer Fahrt von Monteverde in Richtung des Arenal-Vulkans ist die Gebirgslandschaft durchaus steil und mit vielen Bergwiesen durchsetzt. Milchwirtschaft ist weit verbreitet, wir kommen an einer Käserei vorbei.

Am Ufer der Laguna de Arenal fahren wir sogar an einem komplett im Schweizer Stil erbauten Hotel mit Nebengebäuden vorbei, aber das wirkt hier dann doch etwas deplatziert, sind doch die Berge im Hintergrund bei näherem Hinsehen klar als Vulkane auszumachen. Der Arenal allerdings hüllt sich in ziemlich dichte Wolken, als wir an diesem riesigen und ziemlich modellhaften Vulkankegel vorbeifahren.

1968 gab es einen starken und verheerenden Ausbruch, mehrere Dörfer wurden zerstört. Bis 2011 blieb er einer der aktivsten Vulkane der Erde, seitdem schläft er wieder. Über den zerstörten Dörfern wurde ab 1973 ein 80 Quadratkilometer großer Stausee (eben der „Laguna de Arenal“) angelegt, der seitdem zur Stromerzeugung dient und erheblichen Anteil daran hat, dass Costa Rica inzwischen seinen Strom zu 100 % aus erneuerbaren Energien bezieht.

Aber wenn der Vulkan sich eh vor uns unter Wolken versteckt, fahren wir halt an ihm vorbei.

Die Chachagua-Lodge haben wir uns ausgesucht, sie liegt in einem Regenwaldgebiet einige Kilometer östlich des Vulkans. Regenwaldblick aus dem Zimmer und von der Terrasse unserer Hütte. Die Lodge ist liebevoll angelegt, hat eine Kaskade von heißen Pools zum Entspannen. Selbst beim Duschen haben wir Dschungelblick.

Vor allem aber führen von der Lodge aus eigene nur teilweise befestigte Pfade durch den Dschungel. Wir wählen den Hike, der zu einem kleinen Wasserfall führen soll. Tatsächlich finden wir ihn, allerdings scheinbar unzugänglich in einer kleinen Klamm. Mit ein bisschen Umweg erreichen wir dann aber doch eine Badestelle etwas oberhalb und können uns von dort im Flüsschen zum Wasserfall vorarbeiten.

Übrigens treffen wir während der ganzen Wanderung keine anderen Menschen. Wohl aber einige Tiere, zum Beispiel diese Blattschneiderameisen (hier als Video).

Und wir finden einen riesigen Ceibo-Baum mit wahrhaft gigantischen Brettwurzeln:

Aber auch auf dem Gelände der Lodge gibt es viel zu sehen, etwa diese Kolibri direkt in der Nähe unseres Zimmers:

Eines der Highlights hier ist für uns die von einem Biologen geführte Nachtwanderung, bei der wir viel erfahren (unter anderem den Trick, wie wir die Augen der Tiere besser erkennen können: die Taschenlampe in der Nähe der eigenen Augen halten, auf einmal leuchten überall Augenpunkte auf!) und natürlich wieder neue Tiere kennenlernen.

Zum Beispiel diesen Glasfrosch:

Von oben eher unscheinbar eben Knallgrün wie das Blatt auf dem er sitzt, zeigt die Beleuchtung des Blattes von unten mit der Taschenlampe fast ein Röntgenbild und erklärt die Namensgebung des kleinen Kerlchens ganz gut.

Oder diese blaue Zikade, die sich gerade aus dem Exoskelett häutet:

Einen schlafenden Gecko:

Wir entdecken sogar ein Faultier, dass sich bei Vollmond vor dem Nachthimmel abzeichnet. In tolles Bild, leider zu dunkel zum Fotografieren. Außerdem Spinnen, eine Schlange, viele große Grashüpfer, Schmetterlinge und neben verschiedenen neuen Fröschen auch einen schon bekannten, aber gern wieder gesehenen Rotaugenlaubfrosch:

Pura Vida.

Wandern auf den Mont Pelée

Wie die allermeisten Inseln des Antillenbogens ist auch Martinique vulkanischen Ursprungs. So ist denn auch Martiniques höchster Berg der 1.397 m hohe Vulkan Mont Pelée (kahler Berg). So richtig kahl sieht er dennoch nicht aus, wobei fast immer Wolken den zwar nicht baumbestandenen, aber eben doch grün bewachsenen Gipfel umgeben.

Der Vulkan ist seit 1932 nicht mehr aktiv, hat aber 1902 bei einem verheerenden Ausbruch die damalige Inselhauptstadt St. Pierre vollständig zerstört und fast alle Bewohner getötet. Das Drama hatte sich damals zwar mit Eruptionen und Aschewolken längere Zeit angekündigt, der Gouverneur der Insel hatte aber eine Evakuierung aus logistischen und wohl auch politisch taktischen Gründen (eine Wahl stand unmittelbar bevor) abgelehnt. Er ließ vielmehr verbreiten, St. Pierre sei absolut sicher, was Bewohner umliegender Dörfer dazu bewog, dort Schutz zu suchen. Aus der Stadt Flüchtende ließ er durch Soldaten an der Ausfahrtstraße nach Fort de France aufhalten und zurückschicken.

An Himmelfahrt 1902 entwich dem Mont Pelée dann aber nicht in erster Linie ein Lavafluss, sondern ein pyroklastischer Strom, eine bis zu 800 Grad heiße Glutwolke, die unfassbar schnell mit mehreren hundert km/h den Berg herabschoss. Nur drei Überlebende sind dokumentiert, davon zwei im Stadtzentrum, ein Schuster und ein Gefängnisinsasse, den den die dicken Mauern seines Kerkers überleben ließen. Die dritte dokumentierte Überlebende, ein junges Mädchen, hatte sich mit dem Boot in einer etwas außerhalb liegende Meereshöhle versteckt. Die übrigen Einwohner, geschätzt rund 30.000 Menschen, wurden bei diesem nach Opferzahlen schlimmsten Vulkanausbruch des 20. Jahrhunderts getötet.

Etwas makaber mutet die weitere Geschichte des überlebenden Häftlings an. Drei Tage nach dem Unglück wurde der damals 25jährige verletzt gefunden und nach seiner Genesung begnadigt. Dennoch verbrachte er sein restliches Leben quasi hinter Gittern, denn fortan trat er auf dem amerikanischen Festland im Zirkus auf. Als „einziger Überlebender von St. Pierre“ erzählte er aus einer nachgebauten Gefängniszelle heraus, wie er den Vulkanausbruch überlebt hatte.

Heute, nach fast 90 Jahren Inaktivität, führen mehrere Wanderwege auf den Mont Pelée hinauf. Wir entscheiden uns für den westlichen Aufstieg „Grande Savanne“, der in rund 700 m Höhe an einem improvisierten Parkplatz am Ende eines sehr steilen geteerten Feldweges beginnt. Die Idee ist, das die Westseite weniger häufig wolkenverhangen ist und damit zumindest beim Aufstieg bessere Chancen auf gute Ausblicke gewähren könnte. Da wir ja noch den Mietwagen haben, holen wir in St. Pierre Karin und Reinhard ab, die inzwischen dort mit ihrer „2nd try.2“ vor Anker liegen (sie waren vorher unser Nachbar am Ankerplatz in Fort de France).

Erst geht noch schön schattig durch den Wald bergauf, aber bald werden die Bäume kleiner und weichen dann niedrigem Buschwerk.

Wir haben großes Glück, es bleibt trocken und wir sehen nur über uns am Gipfel immer wieder Wolkenfetzen durchziehen, die ins Tal hinabfallen und sich dann schnell auflösen. Aber es wird auch anstrengender: bis hinauf zu dem auf etwa 1.150 m verlaufenden Caldera-Rundweg sind es etwa 440 Höhenmeter, aber die sind auf etwa 3,5 km Strecke zu überwinden. Zeitweise ist es wie Treppensteigen mit nur sporadisch vorhandenen Stufen, manchmal ist Klettern über die Steine angesagt. Ich finde ja, 440 Höhenmeter hört sich nicht nach allzu viel an. Das iPhone sagt, wir hätten 130 Stockwerke erklommen. Die Treppen zu unserer Wohnung im vierten Stock in Hamburg gut 30 mal hoch und wieder runter, hm. Das Empire State Building hat 102 Stockwerke. Doch, 440 Höhenmeter steil hinauf ist doch eine ganze Menge.

Aber es gibt auch flachere Abschnitte, in denen wir die tollen Ausblicke genießen können. Was für ein Panorama.

Tatsächlich schaffen wir es bis zum Rundwanderweg am Calderarand, wandern dort auch noch ein Stück entlang, aber dann erreichen uns doch die Wolken. Voraus wird die Sicht schlechter und wir möchten den steilen Rückweg auch lieber im Trockenen bewältigen, wir sind eh schon geschafft genug.

Aber glücklich!

Und heute? Haben wir ebenfalls den Anker in Fort de France gelichtet und Flora hier hinüber nach St. Pierre verholt.

Karg ist nicht farblos! Montaña Amarilla

Da hatte ich in meinem vorigen Post doch geschrieben, La Graciosa sei karg und habe ihren Anmuts-Namen wohl quasi aus einem spätmittelalterlichen Marketingversuch heraus erhalten. Und dann das:

Der Wetterbericht sagt einen Sonne-Wolken-Mix voraus, es wird nicht so heiß, beste Voraussetzungen für eine Wanderung auf den Montaña Amarilla, den „gelben Berg“. Der liegt in der Südwestecke von La Graciosa, nicht weit von unserem Ankerplatz entfernt, an der Tauchern und Badenden vorbehaltenen Nachbarbucht. Google Earth wird befragt, lässt einen Rundwanderweg erahnen und liefert in der 3D-Ansicht ein beeindruckendes Bild des erloschenen Vulkankraters, dessen Nordwestseite offenbar bei einer Eruption weggesprengt wurde.

Also die Wanderschuhe an und los? Nein, natürlich nicht. Erstmal müssen wir ein ganzes Stück durch den losen Dünensand, das geht besser barfuß.

Aber schon jetzt zeigt sich, warum der gut 170 m hohe Berg nach einer Farbe benannt ist: die vom Meer angeknabberte Südseite präsentiert sich in einem Mix aus gelbem und rotem Tuffgestein und scheint gerade bei diesem Wetter manchmal regelrecht zu leuchten. Und was für ein Kontrast mit dem gelegentlich knalligen Blau des Himmels oder des Meeres, dem hellen Sand von sowohl Strand als auch manchen Dünen und dem Türkis der flacheren Buchten.

Jetzt mit Wanderschuhen geht’s auf einem zwar unbeschilderten aber meist gut erkennbaren Pfad über loses Geröll hinauf zum Grat des Vulkankraters.

Fantastische Ausblicke über den „Rio“ hinüber nach Lanzarote, über die Buchten und die Ankerlieger, hinunter zum Dorf Caleta del Sebo und auch nach Norden über La Graciosa hinweg zu den anderen Inseln des Naturschutzgebietes Archipelago Chinijo.

Und wie den Farben angepasst, hat sich bei unserer Rückkehr zur Flora eine kleine Palmtaube auf dem Heck unseres Bootes niedergelassen. Schön, ganz viele Tiere haben wir auf La Graciosa sonst leider nicht entdecken können und irgendwie kommt das von meinen Eltern und unserem Grundschuldirektor früh mit vogelkundlichen Wanderungen geweckte Naturinteresse offenbar immer wieder durch 😉.

Heute wollen wir trotzdem unseren herrlichen Ankerplatz verlassen und hinüber nach Lanzarote segeln. An die Ostseite zum Hauptort Arrecife. Zur Abwechslung mal wieder Stadt.

Vulcano

Überall um unser Schiff schwimmen STEINE. Die meisten sind eher klein, irgendwo zwischen Kiesel und grobem Sand. Es hat tatsächlich ziemlich lange gedauert, bis wir überhaupt begriffen haben, dass dieses braune Zeug kein Algen-Schmodder ist. Erst als uns die Hitze und eine relativ saubere Wasseroberfläche hineingetrieben haben, hat es „klick“ gemacht. Aber auf einer Insel, die sogar Vulcano heißt, dürfte man sich über die vulkanischen Bimssteine eigentlich nicht wundern.

Trotzdem fühlt es sich seltsam an MIT Steinen zu schwimmen.

Den Herkunftsort des Bims haben wir heute näher erkundet. Die Wanderschuhe an, ordentlich Wasser eingepackt und früh los, bevor es richtig warm wurde. Gleich hinter dem Ort Vulcano Porto, an dem unsere Ankerbucht liegt, zweigt ein Wanderweg ab. Der Pfad führt recht steil bergauf, aber der zunächst recht lose Sand wird mit zunehmender Höhe fester und schon nach einer Stunde steht man am Kraterrand in knapp 400 m Höhe.

Oben angekommen werden wir von wabernden gelben Schwefelschwaden begrüßt, die der Wind aber von uns weg drückt, der Geruch bleibt erträglich.

Und der Blick hätte sowieso einige Belästigung der Nase wettgemacht: vor uns breitet sich jenseits der schwefeligen Kraterkante links die Ankerbucht Porto di Poniente gegenüber unserer Ankerbucht Porto di Levante aus, dahinter liegt die Halbinsel Vulcanello. Die nächste Insel ist Lipari, Namensgeberin der Inselgruppe. Hinter ihr kann man links Salina und rechts im Dunst Panarea erkennen. Außerhalb des Bildes könnte man noch Filicudi und Stromboli ausmachen.

Wieder zurück an Bord pfeifen bald die angekündigten kräftigen Böen in unser Rigg und sorgen für weitere Schaukelei. Zusätzlich insofern, als der Fährverkehr hier in Anbetracht der kleinen Insel mit nur 470 Einwohnern ungeahnte Ausmaße hat, alle Naselang rauscht eine foilende Hochgeschwindigkeitsfähre (die uns schon bei der Anfahrt mit über 30 kn um die Ohren sausten) nah am Ankerfeld in Richtung Hafen oder eben wieder hinaus.

Die Rasekisten kennen wir schon aus Griechenland, dort werden sie „Dolphin“ genannt. Was wir aber bisher noch nicht kannten, sind eine andere Art äußerst skurriler Schiffe: Schwertfischfänger sind hier in der Gegend sehr verbreitet, im Hafen von Scilla lagen gleich drei von ihnen. Ein hoher Ausguck wie ein Strommast, der gleichzeitig die Verspannung für einen absurd lang erscheinenden Bugspriet trägt. Von diesem Laufsteg aus werden dann die zuvor von oben erspähten Schwertfische harpuniert.

Heute Abend gibts bei uns aber keinen Schwertfisch, sondern Thunfisch. Ein örtlicher Fischer kam mit seinem Boot längsseits und bot von dem Tagesfang an. Wir schlugen zu, denn trotz neuer Angel als Geburtstagsgeschenk hat es mit dem eigenen Fang leider noch nicht geklappt. Aber ich bleibe dran!