Macht das Beste draus!

Den Tip haben wir jetzt schon ein paar Mal bekommen und wir versuchen ihn zu befolgen. Ja, die Auswirkungen des Corona-Virus bzw. der Maßnahmen zu seiner Eindämmung sind inzwischen praktisch überall auf der Welt spürbar. Reisebeschränkungen betreffen auch die Karibik, alle Boote um uns herum sind irgendwie betroffen. Können sie ihre Pläne für die Hurrikansaison noch umsetzen und falls nicht, welche Alternativen gibt es? Oder: die Azoren haben dicht gemacht, wie bekommt man jetzt sein Boot am Ende des Sabbatjahrs wieder nach Europa? Geplante Heimflüge können nicht stattfinden oder die Familie sagt einem deutlich, das man nach der Flugreise und der Ansteckungsgefahr auf den großen Flughäfen die Großeltern oder Eltern nicht besuchen darf. All das ist Gegenstand des sonst so lockeren und unbeschwerten Schnacks auf der Dinghyrunde bei den Nachbarbooten. Sollte man die überhaupt noch machen? Oder lieber freiwillige Quarantäne zur Verminderung der Ansteckungsgefahr? Muss letztlich jeder für sich entscheiden. Für heute war unsere Entscheidung: Beach-BBQ mit den Crews zweier befreundeter Booten und dreier weiterer Langfahrtboote hier am Traumstrand von Barbuda.

Genau, wir sind in Barbuda, am Cocoa Point Anchorage. Nur eine Nacht waren wir auf dem auch schon wunderschönen Ankerplatz direkt hinterm Riff in der Nonsuch Bay auf Antigua, dann lockte uns die Windsituation hierher etwas weiter nach Norden, tatsächlich wurde es ein wunderschöner Segeltag, überwiegend unter Code0.

Nonsuch Bay, Antigua. Rechts Green Island und geradeaus das Riff, dann weiter hinterm Horizont viel Wasser und dann irgendwann Afrika.

Hier auf Barbuda haben wir die Crews der Amalia of London und der Ariel IV wiedergetroffen, mit denen wir den Jahreswechsel in den Tobago Cays gefeiert hatten.

Mit Steve von der Amalia hatte ich mich gestern beim selbstgemachte Bananenkuchen auf der Amalia gleich zu einem Spaß-Event verabredet, den wir heute früh umgesetzt haben: Wakeboarden auf seinem Kiteboard hinter unserem Dinghy. Nach ein paar Versuchen hat Steve es hinter der mit 20 PS gut motorisierten Florecita hinbekommen, ich war bei meinen Versuchen am Ende ziemlich nah dran. Sehe ich als Motivation für morgen 😉.

Heute Abend dann das BBQ in der Strandbar „SHACK-A-KAÏ“. Wobei: Inoch, der Besitzer, möchte sich um das Essen nicht kümmern, er hat für heute keine Lobster bekommen. Er feuert einfach (kostenlos) für uns den Grill an, den wir dann mit Mitgebrachtem nutzen können, die Getränke sollen wir dann halt bei ihm kaufen. Die Preise sind fair.

Der Australier Wayne von der „Hope“ bringt ein Beachvolleyball-Set mit, dass wir auf dem wunderbar hellen feinen Sandstrand aufbauen und los geht’s.

Und nicht nur Besitzer Inoch, auch seine Strandbar (hier ist der Name wörtlich zu nehmen) ist cool und relaxed:

Barbie (Hope), Wiebke (Flora), Helena (Amalia)

Great Bird Island, Antigua

Die Seekarte sieht selbst im kleinen Maßstab durchaus interessant aus, Flachstellen und Korallenblöcke sind in großer Zahl vertreten und der Weg zu unserem Ankerplatz ist nicht betonnt. Segelfreunde hatten uns berichtet, dass die Navionics-Karte hier sehr präzise sei, trotzdem tasten wir uns langsam an den geplanten Ankerplatz vor Great Bird Island heran.

Die Ankunftszeit haben wir so gewählt, dass die Sonne noch hoch und in unserem Rücken steht, so können wir die Hindernisse sehr gut an der Wasserfarbe erkennen (Eyeball-Navigation): dunkleres Türkis zeigt gute Wassertiefe an, helleres Türkis heißt flacher, braun bedeutet Korallenblock. Im langsamen Zickzack fahren wir in die Lee Cove westlich von Great Bird Island. Zu ankern brauchen wir nicht, nahe der Insel ist eine (kostenlose) Mooring frei, an ihr machen wir Flora fest.

Und dann geht’s erst mal ab ins Wasser, das hier jetzt auch klarer und weniger milchig ist als das allerdings ebenfalls schön türkise Wasser in der Deep Bay, unserer letzten Ankerbucht an der Nordwestseite von Antigua. Ich tauche die Muringkette ab, sie ist sehr massiv und sieht nicht angegriffen und gut verankert aus, fein.

An der Nachbarboje macht später die „Heaven 47“ fest, Briten, denen Wiebke auf Instagram (dotontheocean) folgt. Wir fahren mal rüber und werden gleich an Bord eingeladen, schnacken ein bisschen und verabreden uns zum Abendessen. Sam und Simon haben frischen Fisch von einem Fischerbötchen erstanden, wir bringen warmen Couscous-Möhren-Staudensellerie-Fenchel-Salat und Getränke mit, Paola und Giancarlo von dem Katamaran „Gladan“ (https://sailingladan.com) steuern frische Pizza und Wein bei, es wird ein lustiger Abend.

Heute Vormittag fahren wir gemeinsam hinüber nach Great Bird Island, erkunden etwas die Insel, lassen auf Picknickbänken am Strand die Füße im Wasser baumeln (Ausflusboote kommen keine, nur ein ziemlich leeres liegt noch da, legt aber ab kurz nachdem wir gekommen sind) und schnorcheln dann in der flachen Dhingypassage zwischen den Inseln.

Zurück auf der Flora backe ich erstmal Brot, dann kümmere ich mich um den immer mal wieder stotternden Außenborder. Wie von Giancarlo vorgeschlagen lasse ich ein weiteres Mal den Vergaser ab, es scheint tatsächlich geholfen zu haben 🤞. Ich teste ihn, indem ich zum Fotografieren nochmal hinüber auf die Insel fahre. Wenn sie schon „Great Bird Island“ heißt …

Und wirklich schaffe ich es von der Klippe aus erstmals, die mit einer Flügelspannweite von über einem Meter tatsächlich großen, zudem wunderschönen Rotschnabel-Tropikvögel vernünftig abzulichten. Wir haben sie bisher vorwiegend auf den Passagen zwischen den karibischen Inseln gesehen und dann bewundert wie mit ihren verlängerten Schwanz-Steuerfedern so elegant über die See gleiten.

Zurück an Bord muss die Drohne nochmal ran, Vogelperspektive halt, diesmal der ganze Ankerplatz mit den Nachbarbooten:

Noch einmal schwimmen gehen und schwupp – trudelt per WhatsApp eine Verabredung zum Sundowner oben auf dem Hügel von Great Bird Island ein. Tja dann …

St. Pierre auf Martinique

Die Küstenstadt St. Pierre hat heute etwa 4.000 Einwohner, ist also viel kleiner als bei ihrer vollständigen Zerstörung durch den Vulkanausbruch 1902. Wir besuchen das kleine Museum “Frank A. Perret”, in dem sehr eindrucksvoll (per Audioguide) und anhand persönlicher Dokumente ein Einblick in das Geschehen um den Ausbruch und die Zerstörung gegeben wird.

Die beim Vulkanausbruch zerstörte Glocke im zentralen Museumsraum, an der Wand die Namen der Getöteten.

Anders als damals wird St. Pierre heute nicht mehr als das “Paris der Karibik” gelten. Und doch hat sich wieder ein schnuckeliges Örtchen entwickelt, der gute Ankerplatz auf der alten Reede ist ziemlich gefüllt. Das war er (wie die Eintrittskarte des Museums zeigt) auch bei der Vulkankatastrophe 1902, wobei praktisch alle Schiffe, die nicht rechtzeitig das Weite gesucht hatten durch die pyroklastische Wolke versenkt wurden. So ist denn auch ein Teil der Reede mit Tonnen markiert und gesperrt, die regionalen Tauchschulen bieten hier Wracktauchgänge an. Allerdings liegen die meisten Wracks in Tiefen von 30 bis 50 m, das lockt uns nicht so sehr.

Wir suchen uns eine Stelle in der etwas südlich gelegenen Anse Turin, wo mit Bojen markiert ebenfalls eine Ankerverbotszone um einige kleinere, in nur 6 bis 7 m Tiefe liegende Wracks ausgewiesen ist. Gemeinsam mit Ingo von der Easy One und Guido von der Imperia gehen wir dort vom Dinghy aus auf Tauchgang. Von der Wracks ist nicht mehr allzu viel übrig (eigentlich sind es Wracks von Wracks 😉), aber auf den Trümmern haben sich Schwämme, Korallen und Anemonen angesiedelt und viele Fische nutzen den Schutz.

Und so finden wir bei dem guten Licht in der geringen Tauchtiefe unter anderem

Gefleckte Muräne
Braunflecken-Igelfisch
Goldtupfen-Schlangenaal
Schöne große Langusten (die wir aber trotz der Versuchung da lassen)
und bei genauerem Hinsehen auch diesen gepunkteten Skorpionfisch.

und natürlich noch einiges mehr. Zur Krönung dieses schönen Tauchgangs füllt Guido unsere Tauchflaschen mit dem Kompressor der Imperia gleich wieder auf, während wir auf seinem Vorschiff unser Dekompressionsbier trinken.

Und am Abend finden wir wir uns gemeinsam mit den Crews der Easy One und der 2nd try.2 schon wieder auf der Imperia ein und genießen Ti-Punch (Limette, 3 Teile Rhum-Agricole, ein Teil Rohrzuckersyrup, Eis nach Belieben, ein Klassiker hier der uns auch im Restaurant als Aperitif serviert wurde; haben wir gleich adaptiert).

Wandern auf den Mont Pelée

Wie die allermeisten Inseln des Antillenbogens ist auch Martinique vulkanischen Ursprungs. So ist denn auch Martiniques höchster Berg der 1.397 m hohe Vulkan Mont Pelée (kahler Berg). So richtig kahl sieht er dennoch nicht aus, wobei fast immer Wolken den zwar nicht baumbestandenen, aber eben doch grün bewachsenen Gipfel umgeben.

Der Vulkan ist seit 1932 nicht mehr aktiv, hat aber 1902 bei einem verheerenden Ausbruch die damalige Inselhauptstadt St. Pierre vollständig zerstört und fast alle Bewohner getötet. Das Drama hatte sich damals zwar mit Eruptionen und Aschewolken längere Zeit angekündigt, der Gouverneur der Insel hatte aber eine Evakuierung aus logistischen und wohl auch politisch taktischen Gründen (eine Wahl stand unmittelbar bevor) abgelehnt. Er ließ vielmehr verbreiten, St. Pierre sei absolut sicher, was Bewohner umliegender Dörfer dazu bewog, dort Schutz zu suchen. Aus der Stadt Flüchtende ließ er durch Soldaten an der Ausfahrtstraße nach Fort de France aufhalten und zurückschicken.

An Himmelfahrt 1902 entwich dem Mont Pelée dann aber nicht in erster Linie ein Lavafluss, sondern ein pyroklastischer Strom, eine bis zu 800 Grad heiße Glutwolke, die unfassbar schnell mit mehreren hundert km/h den Berg herabschoss. Nur drei Überlebende sind dokumentiert, davon zwei im Stadtzentrum, ein Schuster und ein Gefängnisinsasse, den den die dicken Mauern seines Kerkers überleben ließen. Die dritte dokumentierte Überlebende, ein junges Mädchen, hatte sich mit dem Boot in einer etwas außerhalb liegende Meereshöhle versteckt. Die übrigen Einwohner, geschätzt rund 30.000 Menschen, wurden bei diesem nach Opferzahlen schlimmsten Vulkanausbruch des 20. Jahrhunderts getötet.

Etwas makaber mutet die weitere Geschichte des überlebenden Häftlings an. Drei Tage nach dem Unglück wurde der damals 25jährige verletzt gefunden und nach seiner Genesung begnadigt. Dennoch verbrachte er sein restliches Leben quasi hinter Gittern, denn fortan trat er auf dem amerikanischen Festland im Zirkus auf. Als „einziger Überlebender von St. Pierre“ erzählte er aus einer nachgebauten Gefängniszelle heraus, wie er den Vulkanausbruch überlebt hatte.

Heute, nach fast 90 Jahren Inaktivität, führen mehrere Wanderwege auf den Mont Pelée hinauf. Wir entscheiden uns für den westlichen Aufstieg „Grande Savanne“, der in rund 700 m Höhe an einem improvisierten Parkplatz am Ende eines sehr steilen geteerten Feldweges beginnt. Die Idee ist, das die Westseite weniger häufig wolkenverhangen ist und damit zumindest beim Aufstieg bessere Chancen auf gute Ausblicke gewähren könnte. Da wir ja noch den Mietwagen haben, holen wir in St. Pierre Karin und Reinhard ab, die inzwischen dort mit ihrer „2nd try.2“ vor Anker liegen (sie waren vorher unser Nachbar am Ankerplatz in Fort de France).

Erst geht noch schön schattig durch den Wald bergauf, aber bald werden die Bäume kleiner und weichen dann niedrigem Buschwerk.

Wir haben großes Glück, es bleibt trocken und wir sehen nur über uns am Gipfel immer wieder Wolkenfetzen durchziehen, die ins Tal hinabfallen und sich dann schnell auflösen. Aber es wird auch anstrengender: bis hinauf zu dem auf etwa 1.150 m verlaufenden Caldera-Rundweg sind es etwa 440 Höhenmeter, aber die sind auf etwa 3,5 km Strecke zu überwinden. Zeitweise ist es wie Treppensteigen mit nur sporadisch vorhandenen Stufen, manchmal ist Klettern über die Steine angesagt. Ich finde ja, 440 Höhenmeter hört sich nicht nach allzu viel an. Das iPhone sagt, wir hätten 130 Stockwerke erklommen. Die Treppen zu unserer Wohnung im vierten Stock in Hamburg gut 30 mal hoch und wieder runter, hm. Das Empire State Building hat 102 Stockwerke. Doch, 440 Höhenmeter steil hinauf ist doch eine ganze Menge.

Aber es gibt auch flachere Abschnitte, in denen wir die tollen Ausblicke genießen können. Was für ein Panorama.

Tatsächlich schaffen wir es bis zum Rundwanderweg am Calderarand, wandern dort auch noch ein Stück entlang, aber dann erreichen uns doch die Wolken. Voraus wird die Sicht schlechter und wir möchten den steilen Rückweg auch lieber im Trockenen bewältigen, wir sind eh schon geschafft genug.

Aber glücklich!

Und heute? Haben wir ebenfalls den Anker in Fort de France gelichtet und Flora hier hinüber nach St. Pierre verholt.

Der Chief geht von Bord

Fünf Wochen waren wir jetzt zu dritt, unser Chief Engineer Jan ist in Mindelo an Bord gekommen, hat als alter Regattahase unsere Atlantiküberquerung beschleunigt 😉, hat mit uns Weihnachten in Bequia und Silvester in den Tobago Cays gefeiert, Carriacou und Sandy Island für uns entdeckt, wir haben gemeinsam das unbewohnte Eiland Mopion erobert und sind über St. Vincent und Saint Lucia nach Martinique gesegelt. Und von hier fliegt er heute wieder nach Hamburg. Was für eine wunderschöne Zeit, auch und gerade weil wir sie gemeinsam verbringen durften.

Aber entsprechend seiner Bordfunktion auf der Flora als Leitender technischer Offizier (LI, bzw. international eben „Chief“) hat sich Jan eben auch um alles Technische an Bord gekümmert. Zwar ist auf der Atlantiküberquerung tatsächlich original NICHTS (0,0) kaputt gegangen, aber insgesamt war hier in der Karibik trotzdem immer mal wieder was zu tun.

Mal Kleinkram wie unsere wegnehmbare Cockpitbeleuchtung Loominoodle löten,
mal die wegen Herausbrechens der vom Vorbesitzer verwendeten Holzschrauben komplett verbogene Klappmechanik der Dinghyräder richten und mit dem Spiegel verbolzen,
mal das Manometer unseres Watermakers ersetzen (das Ersatzteil hatte ich schon seit Griechenland spazieren gefahren),
oder z.B. mal das Getriebeöl wechseln. Da musste dann auch der McGyver im Chief mal wieder ran, denn die Klemmmechanik im Filterdeckel wollte nicht ganz so, wie der Konstrukteur sich das wohl mal gedacht hatte. Und obwohl unser bordeigener Schraubstock bei der Reparatur der Dinghyradaufhängung das Zeitliche gesegnet hatte – Jan hat’s natürlich hingekriegt.

Selbstverständlich war da noch mehr (heute z.B. die Demontage und Neuabdichtung der etwas leckenden Backbordmittelklampe), aber wenn ich gerade Handlangerdienste mache und im technischen Lernmodus bin, kann ich nicht immer auch noch fotografieren.

Trotz der ganzen Einsätze hat der Chief manchmal auch so ausgesehen:

Ganz nebenbei ist der Chief in Personalunion auch Bordkameramann und Drohnenkapitän, Editor und Regisseur. Deshalb hier noch zwei seiner Filme 🎥:

Atlantiküberquerung
Tobago Cays

Danke, Chief. Schön, dass Du mit Catalina im Mai wieder an Bord bist.

Beach-Dinner

Eigentlich hätten wir heute dann doch mal weiter segeln wollen, aber 1. haben wir gestern mit den Crews der Amalia of London (Steve 🇬🇧 und Helena 🇵🇹 ) und der Anushka (Marc und Annie 🇫🇷) Silvester gefeiert, Lobster vertilgt und bei uns auf dem Boot danach noch gemeinsam “Dinner for one” geguckt. Da haben wir heute dann doch etwas länger geschlafen.

Und 2. haben wir dabei die Einladung für ein Beach-Dinner mit weiteren Seglern erhalten, insbesondere der Ariel IV – Crew Eric und Birgitta 🇸🇪 und noch einigen mehr. Marc hat dafür schon mal Austern angekündigt, wir konnten nicht widerstehen. Und so gab es ein großes Dinghy-Treffen auf der Landzunge am Turtle-Beach mit viel Schnacken (unter anderem haben wir Nils, Andrea und Noah von der Marzemino 🇩🇪 getroffen, die mit ihrer Bavaria 31 auf Atlantikrunde sind).

Und mit Dunkelwerden haben wir uns etwas windgeschützter in die Ecke verholt, die Decken ausgebreitet, getafelt und den Humor der anderen Crews genossen, die sich schon aus Surinam kennen. Ariel hat die Welt schon umsegelt, Anushka ist von den Seychellen über Madagaskar, Südafrika, St. Helena und Brasilien hierher gesegelt, Amalia ist nach ihrer Atlantiküberquerung 2018 nun schon die zweite Saison in der Karibik. Wir sind hier die Frischlinge.

Oh, und nicht zu vergessen: auch die Naturerlebnisse reißen nicht ab. Gestern z.B. ist doch glatt beim Schnorcheln ein gefleckter Adlerrochen elegant und ohne einen einzigen “Flügelschlag” unter uns durchgeflogen:

Adlerrochen

Bequia

Wir sind da. In der Karibik. So ganz langsam gewöhnen wir uns an den Gedanken, dass das wahr ist und wir im letzten halben Jahr wirklich mit unserem eigenen Segelboot von Griechenland aus quer durchs Mittelmeer mit Sizilien, den Liparischen Inseln, Sardinien, den Balearen und Südspanien nach Gibraltar, weiter über Cádiz, Porto Santo und Madeira, die Kanaren mit La Graciosa, Lanzarote, Fuerteventura, Gran Canaria, Teneriffa und La Gomera, dann den Kapverden mit Sal, São Nicolau, Santa Luzia, São Vincente und Santo Antão und dann eben jetzt über den Atlantik nach Bequia gesegelt sind.

Und jetzt liegen wir hier, in der Admiralty Bay:

Sieht toll aus.
Sieht voll aus? Na ja, mit Teleobjektiv aufgenommen, da wirkt es etwas enger 😉

Ja, es sind viele Boote hier. Und nein, es ist – trotz Weihnachten – nicht voll hier. Man kann auf dem oberen Foto schon erahnen, dass die Strände nicht dicht bevölkert sind und auch am Ankerplatz sind wir von den Balearen engeres Zusammenrücken gewohnt. Tatsächlich präsentieren sich die angrenzenden Strände uns bei unserem Strandspaziergang direkt am Ankerplatz so:

Jawohl. So soll das auch!

Nach dem vielen Blau der letzten Wochen tut das kräftige Grün der Hänge rund um die Bucht und der Obstbäume und Palmen in den Gärten unseren Augen ganz besonders gut.

Und wie empfängt uns der Ort, unser „Port of Entry“ (*1) Port Elizabeth? Noch bevor wir das Beiboot klarmachen können, kommt schon ein Bötchen längsseits und bietet uns frisches Baguette an. An die gesalzenen Preise müssen wir uns noch gewöhnen, aber wir schlagen trotzdem zu, morgens um acht nach der langen Überfahrt ist das doch sehr willkommen. Weitere Boote kommen vorbei, bieten Eis, Wäscheservice, Diesel und Frischwasser oder sogar Lobster an. Wir lehnen erstmal ab und das wird auch ohne Diskussion akzeptiert. An anderen Orten sollen die „Boatboys“ aufdringlicher sein, aber hier gibt’s nichts zu meckern. Karibik für Einsteiger 😁. Auch das Einklarieren bei Zollbehörde und Einwanderungsbehörde ist schnell erledigt und völlig problemlos, lediglich eine Seite ist auszufüllen und wir müssen zusammen rund 40 € bezahlen, das war’s. Und anders als im Revierführer vermerkt, muss auch nur der Skipper mit den Pässen der Crew dort erscheinen.

Auch in Bars oder Restaurants brauchen wir keine Reservierung, alles ganz relaxed. Frei nach dem Motto auf der Kreidetafel einer Strandbar hier: Live slow today!

Farbenprächtig in Pastell wie die Strandbars präsentiert sich auch der Ort, wenngleich auf der südlichen Buchtseite eher mit gepflegten Villen und Gärten, einigen Hotels und netten Restaurants (Jans Eltern sponsern aus der Ferne ein leckeres Weihnachtsessen, DANKE!), im Norden der Bucht durchmischter mit weniger exclusiven Häuschen.

Beachtenswert auch die Wasserversorgung mit Auffangen des Dachrinnenwassers in einem großen Fass. Viele Häuser haben auch gemauerte Zisternen.

Auch das Socializing kommt nicht zu kurz: wir treffen Paulina und Matthias von der Kompanon (mit neuer Crew) wieder, die mit ihrer Aluminium-Reinke in San Miguel bei uns längsseits gegangen waren und die wir auch in Mindelo getroffen hatten. Spontan werden wir zu einigen selbstgemixten Piña Coladas an Bord eingeladen. Das Feiern kommt definitiv nicht zu kurz.

(*1) Port of Entry: Man darf in einem neuen Land (hier: St. Vincent und die Grenadinen) nicht einfach irgendwo ankern oder anlegen, sondern muss zuerst einen ausgewiesenen „Eingangshafen“ anlaufen, wo dann auch die zuständigen Behörden aufzusuchen sind.

WAS IST WAS- Das Schöne am Neuen

Obst und Gemüse erfordern ein wenig Ein- oder Umgewöhnung. Nix dramatisches, vieles kommt einem bekannt vor, aber auch das birgt Überraschungen. Bananen zum Beispiel. O.k., man sieht bei uns selten ganze Bananenstauden, aber entscheidender ist, dass die Bananen hier in sehr unterschiedlichen Arten angeboten werden, die für uns nicht so leicht zu unterscheiden sind.

Hiesige (Dessert-)Banane. Manchmal sehr klein und jedenfalls sehr lecker.

Kochbananen sehen (un)praktisch genauso aus wie normale (Dessert-)Bananen, sind meist etwas größer (schlechtes Unterscheidungsmerkmal, weil die „normalen“ Bananen hier eher kleiner sind als bei uns im EDEKA), sind aber roh erst in quasi überreifem Zustand genießbar. Man muss sie eben kochen, frittieren oder backen. Erfordert halt ein wenig Flexibilität, wenn man meinte, sie als „normale“ Bananen gekauft zu haben. Auch Verständigung ist Glückssache 😉.

Obst- und Gemüsestand auf dem „afrikanischen Markt“ in Mindelo
Orangen, Zitronen, die grünen stacheligen Dinger werden hier als Paúls-Früchte, von einer jungen Verkäuferin dagegen als „Pinha“ verkauft, sehen aufgeschnitten aus und schmecken wie Cherimoya, also Weiß mit schwarzen, nicht essbaren großen Kernen und sind SEHR lecker, rechts unten Papaya von São Vincente
Maniok, Zwiebeln, Yams. Bekanntes und uns Unbekannteres bunt gemischt. Viel auszuprobieren, macht Spaß und hat (bisher) immer gut geschmeckt.

Am besten ist es da natürlich, sich von Einheimischen bekochen zu lassen 😁. Wir hatten Laury aus Hamburg auf Sal kennengelernt und er hatte uns das Versprechen abgenommen, uns zu melden wenn wir nach Mindelo kommen. Haben wir natürlich gemacht und wir werden von seiner Gastfreundschaft überwältigt. Laury ist in Mindelo geboren und aufgewachsen, mit 15 dann aber – wie viele hier – zur See gefahren um der (portugiesischen) Wehrpflicht und dem Einsatz als Kanonenfutter in Kolonialkriegen zu entgehen. Später war er beim Bezirksamt Mitte in Hamburg beschäftigt, heute ist er pensioniert und fährt im Winter gern für ein paar Monate auf die Kapverden. Er zeigt uns nicht nur Mindelo, sondern lädt uns zu einem Cachupa-Essen zu seiner Schwester ein. Natürlich inclusive Catalina und dem inzwischen eingetroffenen Jan. Und da treffen wir dann auf viele Familienmitglieder und Freunde, dass von Laurys Schwester zubereitete Nationalgericht wird in großer geselliger und sehr internationaler Runde auf der Dachterrasse verzehrt.

Schwedisch, Deutsch, Kanadisch, US-amerikanisch, Portugiesisch, Philippinisch und vielleicht noch mehr. Es sind auch gar nicht alle Gäste auf dem Foto. Jedenfalls auch Kapverdisch. Laury im geblümten Hemd neben Wiebke.

Danke, Laury, muito obrigado an alle für Eure wunderbare Gastfreundschaft!

Auf zu den Kapverden

Die Leinen sind los, wir sind unterwegs zu den Kapverden. Die nächsten Tage wird es dann also keine Fotos geben können, ab und zu vielleicht eine Statusmeldung über IridiumGo.

Aber noch haben wir Empfang. Der Start von La Gomera ist uns garnicht mal so leicht gefallen. Die Insel ist schön und wir haben eigentlich nur wenig von ihr gesehen. Vor allem aber haben wir ziemlichen Respekt vor der Fahrt zu den Kapverden. Vor dem Hafen empfängt uns viel Wind, wieder gut 35 kn in den Böen, aber dieses Mal mit achterlicher Welle, alles gut. Soll auch im weiteren Verlauf etwas abnehmen.

Ziel ist die Insel Sal. Da wollten wir sowieso hin, aber jetzt sogar mit Fracht 😉. Marga (wohnt auf Sal) hatte uns gefragt und es passt ja ganz gut. Jetzt hängt ein zweiter Außenbordmotor am Heck, Jochen von der Stressless hat ihn uns für Jonna von der Tangaroa mitgegeben, die zur Zeit vor Palmeira auf Sal ankert. Wenn alles glatt geht, können wir ihn Donnerstag abliefern. 🤞

Bergwanderung auf La Gomera

Eigentlich ist so ein morgendlicher Regenbogen in den Bergen hinter unserem Hafen ja ein deutliches Signal, oder?

Mit Susanne, Jochen und Jakob von der SY Stressless haben wir heute eine 15 km Bergwanderung unternommen. Die drei kennen die Insel (und auch diese Wanderung) gut, was heute von besonderem Vorteil war. Wiebke und ich hätten nämlich vermutlich noch nichtmal den Einstieg in die Tour gefunden, nachdem uns der Bus der Linie 1 von San Sebastián bis auf 1.100 m Höhe in einer dichten Wolke abgesetzt hat. Konnten wir vorher noch die tollen Ausblicke hinunter nach San Sebastián und unseren Hafen und hinüber über die Meerenge mit einem auf der anderen Seite wieder über die Wolken hinausragenden Pico de Teide genießen, sehen wir jetzt … nicht viel.

Neben der Bushaltestelle führt ein kleiner steiler und rutschiger Pfad scheinbar ins Nichts. Nicht mal den 1.350 m hohen Roque de Agando können wir erkennen, obwohl wir neben ihm ausgestiegen sind. Offenbar nicht grundlos gibt’s im gebirgigen Inneren La Gomeras im Herz des Nationalparks Garajonay subtropischen Nebelwald mit bis zu zwei Meter hohen Farnen.

Aber Susanne ist sich sicher und wir folgen ihr. Tatsächlich führt er uns zum eigentlichen Einstieg in den dann ausgeschilderten Wanderweg hinunter nach Playa de Santiago.

Und trotz Nebel oder Wolke oder Regen, die Wanderung ist wunderschön und abwechslungsreich. Laufen wir zunächst meist durch Kiefernwald, wird es zwischendurch offener und ab und zu können wir sogar in der Ferne das Meer durchblitzen sehen.

Je weiter wir hinuntersteigen, desto karger wird es. Und das, obwohl sich Agaven und auch Palmen einfinden.

Aber dafür werden die Hänge steiler, die vor langen Zeiten angelegten Terrassen werden kaum noch genutzt, zu aufwendig ist die erforderliche Handarbeit. Manchmal geht’s direkt neben dem Pfad senkrecht hinunter, aber meist ist der Weg eigentlich ganz gut zu begehen. Nur das ständige Bergab auf dem glitschigen Geläuf setzt den Knien auf Dauer doch kräftig zu.

Die Wolken und mit ihnen die Feuchtigkeit begleiten uns bis hinunter nach Playa de Santiago, obwohl sich zwischendurch sogar mal die Sonne zeigt.

Im Ort erwischen wir mit perfektem Timing den Bus zurück nach San Sebastián, kaufen noch etwas ein und genießen dann bei Sonnenschein Eis und Bier im Cockpit der Stressless – wir finden, das haben wir uns verdient.