Somosomo, Bootsklinik und Nemo im bunten Korallengarten

Zum Sevusevu nach Somosomo, so ist das hier. Wir greifen uns einmal mehr ein in Zeitungspapier eingeschlagenes Bündel von Kawa-Wurzeln. Unserer schrumpfender Bestand baumelt in der Dusche, denn die hängende Aufbewahrung ist gut für den Kawa und in der Dusche lassen sich wegbröckelnde Wurzelreste gut aufnehmen. Außerdem haben die Wurzeln durchaus einen Eigengeruch. So sieht das aus:

Mit diesem rituellen Geschenk machen wir uns in unserem Beiboot auf zum Chief des nächstgelegenen Dorfes Somosomo und bitten um die Erlaubnis, in der Bucht ankern zu dürfen.

Am Strand vor dem Dorf Somosomo landen wir an. Eta heißt uns im Dorf willkommen und führt uns zum Haus des Chief. Nach dem Sevusevu zeigt sie uns das Dorf. Spannend: hier wachsen noch einzelne Sandelholz-Bäume. Der Sandelbaum war früher auf den Yasawa-Inseln weit verbreitet. Das hier Yasi genannte schwere Hartholz war in China ursprünglich dem Kaiserhof vorbehalten und ist auch heute noch zur Produktion von Möbeln und Kunstobjekten äußerst begehrt. Die Bäume wurden fast bis zur Ausrottung abgeholzt. Heute liegt der Marktwert für ein Kilo hochwertiges Sandelholz über 100 Fiji$. Auf der südlich von Naviti Island liegenden Insel Waya wird deshalb Sandelholz im Rahmen eines Nachhaltigkeitsprojektes in Baumschulen wieder kultiviert, um eine vom Tourismus unabhängige langfristige Einnahmequelle zu schaffen.

Junger Sandelbaum neben dem Haus des Chiefs

Mehrere Frauen des Dorfes haben während unseres Sevusevus schnell einen improvisierten Kunsthandwerksmarkt auf der Wiese im Zentrum des Dorfes aufgebaut. Das scheint nur uns zu gelten, aber vielleicht kommen nachher ja auch noch weitere Crews, denn vorm Ort ankern ebenfalls ein paar Boote. Wir kaufen zwei Tapa-Tischsets. Jetzt am Wochenende sind die Kinder im Dorf (und nicht im Boarding-Haus der Schule im Nachbardorf). Mehrere von ihnen sitzen bei ihren Müttern auf den Decken, für ein Foto rücken sie schnell zusammen.

Mit Rose (11), Meme (5), Mela (8) und Sake (7) schließen sich einige andere Kinder bei unserem weiteren Spaziergang durchs Dorf und die Umgebung an.

Es wird ein spaßiger Gang zu den Mangroven, durch den Fluss und zurück zum Strand vor Somosomo.

Die Haare von Rose und Meme sind übrigens nicht gefärbt. Vielmehr wird hier auf den Yasawas im Gegensatz zur eher von polynesisch-tonganischen Einfluss geprägten Lau-Inselgruppe die mehr melanesische Abstammung der fijianischen Bevölkerung deutlich.

Zurück zur Flora und an die Arbeit, es stehen mal wieder einige Projekte an. An den Davits (den kleinen Kränen, an denen wir unser Beiboot hochziehen und lagern) hat sich eine Leine verklemmt. Dafür müssen wir erstmals die Umlenkrolle am äußeren Ende des Davit ausbauen. Das Lösen der Schrauben (vom schwankenden Dinghy aus) erfordert dementsprechend ein wenig Überzeugungskunst, aber es klappt und wir bekommen das Ganze wieder gängig.

Nächstes Projekt: Großsegel. Ein kleines Loch zeigt sich oberhalb der hinteren Segellatte. Das in den Mast gerollte Segel herunterzunehmen würde bedeuten, dass wir alle 5 der bis zu 15 Meter langen Latten ausbauen müssten, das wollen wir uns am Anker lieber ersparen. Also zieht Wiebke mich in den Mast. Aus der Nähe zeigt sich, das nur ein kleines Stück Naht des Segels aufgegangen ist. Ich kann die Hand hindurchstecken. Selbst nähen möchte ich das hier nicht, also klebe ich auf jede Seite ein kleines Patch (selbstklebender Segelflicken). Nicht besonders schön, aber das sollte das weitere Auflösen der Naht erstmal verhindern.

Drittes Projekt: die Winsch der Ausholleine des Großsegels funktioniert mechanisch zwar noch, lässt sich aber nicht mehr elektrisch bedienen. Der Elektromotor surrt, aber die Winsch bewegt sich nicht. Das lässt einen Fehler im Kraftschluss der Zahnräder vermuten. Zur Behebung müssen wir die Winsch nicht nur auseinander bauen, sondern auch das Winschfundament ganz abnehmen. Wiederum erstmals und wieder bedarf es deshalb besonderer Überzeugungskraft um die Schrauben zu lösen. Ein mechanischer Schlagschrauber hilft. Dann alles schön säubern, die Sperrklinken wieder gängig machen und ölen. Zusammenpuzzeln, funktioniert wieder.

So soll das.

Zur Belohnung gehen wir vom Boot aus am Riff unseres Ankerplatzes ausgiebig schnorcheln.

Die Vielfalt und Farbenpracht der Steinkorallen und der Weichkorallen hier in Fiji beeindruckt uns immer wieder. Weitere Highlights des Schnorchelgangs hier in der Bucht sind die „Nemos“, die ein- oder zweistreifigen Anemonenfische. Zwischen verschiedensten Seeanemonen und Weichkorallen sehen wir sie hier. Sogar gras-grüne Anemonen sind dabei, die einen herrlichen Kontrast zum Orange der Nemos bilden.

Ein weiterer Lieblingsfisch von uns zeigt sich ebenfalls mehrfach, der knuffige Harlekin-Feilenfisch, auch Palettenstachler oder Orangeflecken-Feilenfisch genannt:

Auch sonst ist es herrlich bunt und fischreich hier. Beim zurückschnorcheln zur Flora sehen wir auf dem Sandgrund sogar noch einen endemischen Fiji-Maskenrochen.

Übrigens: wenn in der Bildbeschreibung beim Aufruf „Screenshot“ steht liegt das nicht daran, dass ich das Foto irgendwo im Netz stibitzt hätte. Vielmehr sind meine Unterwasserbilder meist eben Screenshots eines Standbilds aus einem mit meiner GoPro oder zuletzt häufiger meiner DJI Action6 aufgenommenen Unterwasser-Videos.

Feier.

Bei den Aufenthaltsgenehmigungen und auch bei der Suche nach unserer von YachtHelp verlegten Fock gibt’s leider (immer noch) nichts zu feiern.

Aber: das hält uns natürlich nicht davon ab, Wiebkes schon achten Geburtstag auf dieser Reise ordentlich zu zelebrieren. Zur Erinnerung:

  • 6.9.2019: Cartagena, Spanien 🇪🇸
  • 6.9.2020: Martha‘s Vinyard, USA 🇺🇸
  • 6.9.2021: Hamburg und Hoya, Deutschland 🇩🇪 Erster Heimatbesuch
  • 6.9.2022: Meyers Chuck, Alaska, USA 🇺🇸
  • 6.9.2023: San Francisco, USA 🇺🇸
  • 6.9.2024: von Französisch Polynesien 🇵🇫 aus Heimatbesuch mit Nachfeier Silberhochzeit, Deutschland 🇩🇪
  • 6.9.2025: Neiafu, Tonga 🇹🇴

31 Länder haben wir inzwischen auf dieser Reise besucht. Um so erstaunlicher, wie oft wir gerade an Wiebkes Geburtstag in den verschiedensten Ecken der USA oder auf Heimaturlaub in Deutschland waren.

Aber jetzt eben:

  • 6.9.2026: Musket Cove, Fiji 🇫🇯

Ganz gemütlich begonnen mit einem ersten Kaffee in der Koje …

… und dann French Toast/Arme Ritter mit Ahornsirup und frischen Bananen im Cockpit:

Anders als in zuletzt besuchten abgelegenen Bereichen von Fiji sind die westlichen Inseln wegen ihrer relativen Nähe zum internationalen Flughafen Nadi touristisch durchaus erschlossen. Wir segeln von Denarau nach Malolo Island. Drei größere Resorts gibt es allein hier. Sie sind seglerfreundlich, eines bietet sogar einen kleinen Hafen. In dessen Yachtclub kann man gegen einen kleinen Einmalbetrag eine lebenslange Mitgliedschaft erwerben und dann auch die Pools, Restaurants und Cafés des Ressorts benutzen.

Eine schöne Abwechslung für uns:

Die bekannteste Ankerbucht von Malolo Island heißt Musket Cove. Bequem erreichbar vom Flughafen und auch von den Port-of-Entry-Marinas Vuda und Denerau ist Musket Cove einer der meistbesuchten Ankerplätze in Fiji und entsprechend gut gefüllt.

Kein Wunder also, dass wir hier in der Bucht auch wieder mehrere befreundete Bootscrews treffen. Am Vorabend hatten Jill und Michael zum Sundowner auf die Gerty geladen, für Wiebkes Geburtstag verabreden wir uns in der Beachbar des Resorts an Land und wechseln danach in eines der Restaurants.

Jill hat sogar noch extra einen Geburtstagskuchen gebacken. 😘

In der „Blue Lagoon“ bei Anelen und Tai

Mit dem Dinghy fahren wir aus der Bucht vor Nabouwalu heraus, eben nördlich um die Ecke herum. Hier liegt die Makani von Einhandseglerin Ruby vor Anker, die wir schon in Französisch Polynesien und auch Tonga getroffen haben. Vor dem Schnorcheln klönen wir noch ein bisschen mit Ruby und beschließen dann, Flora hierher zu verholen. Auf Noforeignland heißt der Ankerplatz „Blue Lagoon“, aber da ist dann doch deutlich vielleicht jemandes Phantasie ein bisschen durchgegangen. Weder ist das Wasser besonders blau, noch wird dieser Platz durch eine eigene Lagune gebildet. Eigentlich ist es eine eher offene Bucht, so dass tatsächlich auch etwas mehr Schwell hinein steht. Schön ist es aber trotzdem, denn im hell türkis schimmernden Flachwasserbereich bei 5 m Wassertiefe gibt es einige ausgedehntere Sandflecken zwischen den Korallen, hier findet auch der Anker guten Halt.

Auf den sich an der ganzen Bucht entlang ziehenden heller Strand aus Sand und Korallenschutt scheinen einige größere Felsen wie malerisch hingewürfelt. Neben Palmen wird der Strand auch von Bäumen einer Feigenart gesäumt, deren knorriger Stamm und die teils niedrig über den Strand kriechenden Äste manchmal kaum von den Steinen zu unterscheiden sind.

Ein bisschen versteckt liegt das Grundstück von Anelen und Tai an dieser Bucht. Wir statten den beiden einen Besuch ab und werden gleich mit Pawpaw (Papaya) beschenkt.

Bei unserem nächsten Besuch bringen wir Gegengeschenke mit, unter anderem für ihre kleinen Töchter Eka (2 1/2) und Sai (1) Farbstifte und einen kleinen Stoffteddy. Das kommt gut an und unsere Gastgeber stiefeln gleich wieder in ihren großen Garten. Tai holt Cassawa (Maniok / Tapioka) und zeigt uns auch gleich, wie man die äußerlich dunkelbraunen Wurzeln am Besten von ihrer harten Schale befreit um an das strahlend weiße Innere zu kommen. Zubereitet wird Cassawa dann wie bei uns Kartoffeln: meist gekocht, aber frittiert, gebraten oder im Ofen gegart geht ebenso.

Wir verlegen uns vom Schenken auf das Helfen: am Haus lehnen zwei feste, nicht angeschlossene Solarpanel. Darauf angesprochen, erklärt Tai, die Panel würden nicht funktionieren. Bei dem einen ist die Ursache offensichtlich, es ist zerbrochen. Das andere sieht aber heile aus. Ich hole Werkzeug vom Boot und messe es durch. Das Panel ist in Ordnung, die Steckverbindung im Kabel aber defekt. Also nochmal zum Boot, MC4-Stecker und Crimpzange holen. Nach der gelungenen Reparatur stellt sich aber heraus, dass im Haus zwar neue Batterien stehen, allerdings gibt es keinen Solarregler. Die Batterien sind auch nicht angeschlossen und werden auch nicht geladen. Man halt halt schon mal einzelne Teile, aber noch kein System. Energie gibt’s derzeit nur direkt über einen Dieselgenerator.

Wir haben noch einen älteren Solarregler an Bord, der mal als Reserve gedacht war, dann aber durch einen etwas größeren verdrängt wurde. Und auch eine USB-Steckdose, die ebenfalls einer leistungsfähigeren gewichen ist. Also nochmal zum Boot, die Teile holen und installieren. Hier machen sie Sinn und liegen nicht nur rum. Die erste provisorische Installation passt ganz gut zu den vor Ort bereits vorhandenen „fliegenden“ Kabeln aber ich bereinige meinen Teil dann doch noch etwas. Und jedenfalls funktioniert es.

Tai möchte dann noch das Panel auf das Wellblechdach bringen. Als ich mit ihm aufs Dach steige, findet sich dort oben zu meiner Überraschung sogar schon eine Unterkonstruktion.

Allerdings sind die Schrauben der Befestigungswinkel zu kurz. Nochmal zur Flora, da habe ich etwas längere, passende.

Viel Fahrerei und Bastelei, aber auch das gute Gefühl, vor Ort sinnvoll geholfen zu haben. Ein schöner Nachmittag!

Rainbow Reef, Nationalfeiertag, und Sonntagsausflug zu den Mantas von Rabi Island

Flora ankert immer noch in der Viani Bay hinter dem Rainbow Reef. Ein paar windarme Tage sind vorhergesagt, das passt perfekt. Gemeinsam mit der Crew der Lille Venn machen wir weitere Tauchgänge am Rainbow Reef und wir gehen außerdem auch gemeinsam auf dem Riff Schnorcheln. Dafür müssen wir zwar fast drei Meilen mit dem Dinghy durch die Bucht fahren, aber bei diesen perfekten Bedingungen lohnt sich das unbedingt. Die bunten Regenbogenfarben des Riffs zeigen sich schon in den Steinkorallen …

… erst recht aber in den vielen verschiedenen Weichkorallen, für die dieses Riff so bekannt ist:

An manchen Stellen sieht das Korallenriff aus wie das plüschige Fell eines Teddybären …,

… dann wieder scheint sich eine blumengeschmückte Felsbrücke durch das Blau des Meeres zu spannen:

Egal ob Tauchen oder Schnorcheln, wir sind schlicht begeistert.

Am Samstag werden wir schon wieder mit dem Dinghy der Lille Venn abgeholt, diesmal allerdings zu einem ganz anderen Anlass. Ralph‘s Kleidung lässt es wohl schon erahnen,

der Schweizer Nationalfeiertag am 01. August soll begangen werden. Feiern wollen wir bei bei der hiesigen Tauchschule „Dolphin Bay Divers“, denn deren Eigner Roland ist ebenfalls Schweizer. Er hat die Lille Venn und auch uns Nichtschweizer zum Grillen auf seine Terrasse eingeladen, herrlich mit Blick über die Bucht.

Den Sonntagsausflug machen wir dann mit der anderen Tauchschule der Viani Bay, der „Dive Academy“. Die bietet nämlich eine Tour hoch zur Insel Rabi an. Etwa 17 Seemeilen (über 30 km) einfache Strecke, mit dem offenen Tauchschulen-Langboot kann das ein ziemlicher Ritt sein. Zum Glück ist das Wasser zumindest auf der Hinfahrt spiegelglatt, mit 22 Knoten (40 km/h) brettern wir Richtung Rabi.

Rabi Island ist ein Kuriosum in Fiji, denn die Einwohner dieser Insel stammen aus dem Gebiet des heutigen Kiribati und wurden hierher umgesiedelt. Die Geschichte dahinter ist dramatisch. Auf dem etwa 6 Quadratkilometer kleinen gehobenen Atoll Banaba wird im Jahr 1900 ein riesiges Phosphatvorkommen entdeckt, denn ein großer Teil der Insel besteht aus versteinertem Guano (Vogelkot). Die Engländer besetzen das fast auf dem Äquator liegende Eiland, gliedern es in die Gilbert-Inseln (heute Teil Kiribatis) ein und schon im nächsten Jahr beginnt eine australische Firma (damals ebenfalls britisch) mit dem Phosphatabbau zur Düngemittelproduktion. Die Insel wird quasi ausgeschlachtet. Im zweiten Weltkrieg wird Banaba von Japan besetzt, viele Bewohner werden als Zwangsarbeiter deportiert, fast alle übrigen schlicht ermordet, bevor die Alliierten die Insel zurückerobern. Nach dem zweiten Weltkrieg verweigern die Briten den von den Japanern verschleppten Zwangsarbeitern die Rückkehr nach Banaba und siedeln sie stattdessen auf die etwa 2.000 km südöstlich liegende Insel Rabi um, die zum damals ebenfalls britischen Fiji gehört.

Der Grund für unsere Fahrt nach Rabi Island hat mit dieser höllisch anmutenden Geschichte zum Glück nichts zu tun. Ein klein bisschen diabolisch ist er dennoch: Große Mantas, auch „Teufelsrochen“ genannt, versammeln sich an der Südspitze von Rabi Island. Eine Besonderheit: während die meisten Mantas eine schwarze Oberseite und eine weiße Unterseite mit schwarzen, ganz individuellen Flecken haben, sind hier in größerer Zahl schwarze Mantas vertreten. Bei ihnen sind auch der Bauch sowie die Unterseiten der Flügel schwarz, die individuellen Flecken dann umgekehrt weiß.

Teufelsrochen heißen diese eleganten Tiere übrigens, weil ihre flossenartigen Loben vorne am Kopf ein wenig an Hörner erinnern. Tatsächlich aber sind sie keineswegs fest, sondern ausgesprochen flexibel. Oft rollen die Mantas sie wie zu einem Trichter ein, um mehr Plankton zum Mund zu führen. Die Loben scheinen aber auch zur Kommunikation zwischen den Mantas eingesetzt zu werden. Wir haben großes Glück und können bei zwei ausgiebigen Schnorchelgängen mit diversen Exemplaren schwimmen, wobei die größten etwa 5 Meter Flügelspannweite aufweisen.

Ein kleines Video davon:

In besserer Qualität findet Ihr mein Video hier: https://vimeo.com/1214936956

Obwohl die Rückfahrt leider etwas ruppiger ausfällt sind wir von diesem Sonntagsausflug mit tierischer Begegnung mal wieder ziemlich geflasht.

Bula im Paradise. Zur Südspitze von Taveuni und zur Viani Bay am Rainbow Reef

Das fängt schon mal gut an: bester Segelwind und fast direkt nach der Ausfahrt aus dem Atoll Vanua Balavu geht uns endlich wieder einmal ein kleiner Thunfisch an die Angel. In den Atollen fischen wir ja wegen der Ciguatera-Gefahr nicht und auf den Passagen war uns das Angelglück zuletzt nicht wirklich hold. Der Bonito beschert uns für die nächsten Tage schöne Filets. Poke-Bowls, Fisch-Tacos und orientalisch scharf angemacht mit Couscous-Salat zaubert Wiebke daraus.

Möglich wird das auch dadurch, dass wir in der an das Paradise-Resort an der Südspitze von Taveuni angeschlossenen kleinen Bäckerei Tomaten und sogar Paprika kaufen können. Und ja, ein Abendessen im Restaurant des Resorts ist bei unserem kurzen Aufenthalt dort sogar auch noch drin. Das Paradise ist extrem Segler-freundlich: wir dürfen unseren Müll dort entsorgen, könnten mit Kanistern am Dinghysteg Frischwasser nehmen und sind sogar eingeladen, den Pool zu benutzen. Im Gegenzug wird nur ein Besuch an der Bar oder im Restaurant erhofft. Die etwa zehn eigens für die Segelboote ausgelegten Moorings sind bei unserer Ankunft zwar alle schon belegt, aber mit das Boot der Tauchschule des Ressorts kommt zu uns heraus, begrüßt uns mit einem freundlichen „Bula“ und zeigt uns, wo wir am besten ankern können. Der Ankergrund ist allerdings schwierig: die Kette verknotet sich gleich in den Felsen. Also erst einmal Flossen an und Maske auf, den Anker auf 9 m Tiefe befreien und neu ankern (ich werde ihn allerdings am nächsten Morgen erneut freischnorcheln müssen). Dann aber gibts das verdiente Ankommensbierchen an der Bar bzw. auf der Schaukel im Restaurantgarten und ein nettes Abendessen mit anderen Seglern im Restaurant.

Am nächsten Morgen sieht das Wetter freundlicher aus, beim Gang zum Bäcker durch das liebevoll dekorierte Paradise machen machen wir nochmal Halt an der Schaukel.

Auf dem Weg zurück zum Boot gibt’s mit einem fröhlichen „Bula“ die nächste gastfreundliche Überraschung: für alle Bojen- und Ankerlieger hat das Resort eine Tüte mit frischen Zimtschnecken vorbereitet. Die sollen jetzt gerade ausgeliefert werden, aber da wir gerade an Land sind, bekommen wir die Flora-Tüte gleich in die Hand gedrückt:

Trotzdem geht’s für uns nach nur einer Übernachtung weiter, denn auf wir wollen mit Barbara und Ralph von der Lille Venn Ralphs Geburtstag feiern. Die Lille Venn kommt von Norden die Somosomo Strait herunter, wir überqueren sie von Süden her. Wir treffen uns in der Viani Bay, die durch das ihr vorgelagerte Rainbow-Riff gut geschützt ist.

Wunderbar: hier ankert gerade auch die Kavenga unserer amerikanischen Freunde Heather und Jim, die wir in British Columbia kennengelernt und seitdem unterwegs mehrfach wieder getroffen haben.

Ingo ist mit der Easy-One ebenfalls da, wir haben einen gemeinsamen Sundowner auf der Flora.

Und mit der Ville Venn Crew feiern wir nicht nur Ralphs Geburtstag, sondern verbringen auch sonst wieder eine richtig gute Zeit miteinander.

Das Rainbow-Reef bietet aber nicht nur dem Ankerplatz Schutz, es ist zudem einer der besten Tauchplätze in Fiji. Insbesondere ist dieses Riff bei Tauchern weltweit bekannt und trägt den Beinamen „Hauptstadt der Weichkorallen“. Die über 2.000 Meter tiefe Koro-See quetscht sich hier zwischen Fiji‘s zweitgrößter Insel Vanua Levu und der drittgrößten Taveuni hindurch, wobei der Meeresgrund an der beidseitig von Riffen begrenzten Engstelle auf nur etwa 100 m Wassertiefe ansteigt. Dadurch werden Nährstoffe in die oberen Wasserschichten gespült. Davon wiederum profitieren neben den Fischen auch die Blumentierchen, Hartkorallen aller Art, vor allem eben die hier so reichlich gedeihenden Weichkorallen.

Von meinen bisher vier Tauchgängen hier stehen zwei ganz besonders heraus. Zuerst der am „Little Cabbage Patch“ (übersetzt: Kleines Kohlfeld). Hier sind Turbinaria-Steinkorallen dominant. Sie bilden in mehreren Schichten breite, um einander verdrehte Platten, die sich wie die Blätter eines riesigen Unterwasserkohls stapeln. Taucht man darüber, ist es als ob man über ein eine untergetauchtes Kohlfeld fliegt. Oder – blumiger – über eine Landschaft wirbelnder Rosenblüten. Mit Fischen statt Bienen.

Lila-blaue Weichkorallen an einer Steilwand sind namensgebend für den Tauchplatz „Purple Wall“. Daran schiebt uns die Strömung bei diesem Drift-Dive allerdings vergleichsweise schnell vorbei, weil die Wand vertikal stärker als horizontal ausgedehnt scheint. Faszinierend ist es trotzdem.

Und sonst: neben der Korallenvielfalt begeistert auch der Fischreichtum. Und – endlich – entdecken wir auch wieder Nudibranchs. Diese Nacktkiemer sind zumeist ziemlich kleine Unterwasserschnecken, deren extreme Farb- und teilweise auch Formgebung Fressfeinde abschrecken soll.

Qilaqila / Bay of Islands

Seglerisch schlägt das türkisfarbene Herz 🩵 der nördlichen Lau-Gruppe ganz sicher in Qilaqila. An diesem traumschönen Ankerplatz sind wir jetzt!

Besser bekannt ist dieser Ort als „Bay of Islands“ im Atoll von Vanua Balavu. Allerdings hat ja neben Fiji praktisch jedes englischsprachige Land eine Bay of Islands, am berühmtesten ist sicher die auf Neuseelands Nordinsel.

Wir bleiben deshalb dem von den iTaukei (den indigenen Fijianern) verwendeten Namen Qilaqila, obwohl die gar nicht mal so große Bucht im Nordwesten von Vanua Balavu tatsächlich eine Unmenge von kleinen und noch kleineren Korallen-Inseln aufweist. An mehreren Stellen schmiegen sich die Eilande ganz eng aneinander. Sie bilden ein Labyrinth mit schmalen Durchlässen, von denen viele bei Niedrigwasser selbst mit dem Dinghy nicht passiert werden können. Für die Segelboote bleiben diese kleinen flachen Hintertürchen zwar versperrt, es bieten sich zwischen den zumeist dicht bewachsenen Inseln aber trotzdem eine Vielzahl von wunderschönen Ankerplätzen an. Wir entscheiden uns für einen ganz speziellen, eben für das Herz. Rückwärts fahren wir in die enge Bucht, lassen dabei auf 4 m Wassertiefe den Anker in den Sand fallen. Eine Landleine nach hinten, später noch jeweils eine weitere zu den Seiten.

Eingeparkt. ☺️

(für bessere Auflösung auf die kleinen Bilder klicken)

Das Wetter ist ein bisschen durchwachsen, sonnige Abschnitte wechseln sich mit Regen ab. Sollten die Pilz-Inseln mit dem ganz dünnen Stiel eigentlich Regenschirm-Inseln heißen?

Unsere zwischenzeitlichen Nachbarn Rosa und Gunnar lassen sich scheinbar inspirieren und setzen mit dem knallroten echten Regenschirm (und mit den roten Masten ihres Wharram-Katamarans) herrliche Farbtupfer in die grün-türkise Kulisse.

In einem trockenen Abschnitt steht mal wieder ein Ausflug in den Mast der Flora an. Rigg checken: ja, auch das. Vor allem aber: unsere Windanzeige ist auf der Herfahrt hinsichtlich der Windstärke in den Streik getreten, zeigt die Windrichtung aber weiterhin an. Wahrscheinlich ist also nur das Anemometer (das sich eigentlich durch den Wind drehende Schalenkreuz) fest. In 20 m Höhe mit etwas Schmiermittel eingesprüht, lässt es sich tatsächlich wieder leicht drehen.

Wir bleiben noch ein wenig und wollen das Labyrinth über und unter Wasser erkunden.

Bavatu Harbour

Im Norden von Vanua Balavu schneidet der Naturhafen Bavatu etwa einen Kilometer tief in das Inselinnere. Eine 40 m hohe Insel teilt steil aufragend die Einfahrt, so dass die Bucht fast rundherum geschützt ist. Das ist gut, trotzdem suchen wir uns ob des Starkwind ankündigenden tiefdunklen Lilas der Windvorhersage einen Platz in der hinterste Ecke von Bavatu Harbour.

Hier, ganz im Südosten der Bucht, können wir uns wunderbar verkriechen. Wir liegen im Windschatten einer senkrecht vor uns in die Höhe steigenden Felswand. Die kleine, dicht bewachsene Insel hinter uns bietet zudem die Gelegenheit zum Ausbringen einer Landleine. So können wir Flora quasi fest einparken und schwingen an dem engen und nach hinten schnell flach werdenden Ankerplatz nicht herum.

Kurz nach uns kommt die Lille Venn an, sie entscheidet sich für die andere Seite der kleinen Insel. My Motu legt sich dann wiederum auf unsere Seite. Was für ein herrliches Fleckchen!

Tatsächlich haben wir hier bisher von den kräftigen Winden und Böen praktisch nichts gespürt.

Die Nähe zu den dicht mit alten Bäumen bewachsenen Uferwänden hat zudem noch einen weiteren Vorteil: wir können von der Flora aus Flughunde an ihren Rastplätzen beobachten. Auch wenn wir die meisten nur im Flug sehen, weil sie zum Abhängen hinter das dichte Blattwerk schlüpfen, ein paar dieser hier wohl etwa 80 cm Flügelspannweite messenden Fledertiere zeigen sich uns dann doch auch vor dem grünen Vorhang:

Und wir können an diesem geschützten Platz im Bavatu Harbour die Flora auch gut mal alleine lassen und einen Hike auf die andere Seite der Insel machen. Durch den Wald hindurch und auch quer über die unerwartet großflächigen, mit Palmen bestandenen Weiden einer Farm.

Beim Wandern huschen vor uns immer wieder kleine Eidechsen davon. Insbesondere beim Sonnenbaden auf den aus den Wiesen ragenden Korallensteinen (oder ganz oben auf einer Mimose) können wir sie dann doch auch in Ruhe beobachten. Es sind Pazifische Blauschwanz-Eidechsen. Trotz des Namens ist der im Verhältnis zum Körper auffällig lange Schwanz allerdings nur bei Jungtieren wirklich auffällig irisierend blau. Mit zunehmendem Alter wechselt die Farbe über Blaugrün zu dem unauffälligen Braun des Körpers.

Eine zusätzliche Belohnung bei dieser ohnehin schon schönen Wanderung ist der Aussichtspunkt am westlichen Ende des Trails. Hoch oben von einer steilen Klippe bietet sich ein famoser Blick über die „Bay of Islands“. Dieses kleine Juwel ist mit seinem Gewirr von Inseln und Buchten für die meisten Segler der Hauptgrund für das Törnziel Vanua Balavu.

Wanderin über dem Inselmeer

(oder Korallenfelsen auf Vanua Balavu)

Damit blicken wir auch auf unser nächstes Ziel, denn wenn sich der Wind etwas legt, wollen wir Flora um die Nordwestecke von Vanua Balavu herum in die Bay of Islands segeln. So richtig eilig haben es damit aber weder der Wind noch wir.

Purer Zufall: Gerade als wir wieder weiter wandern wollen, kommt Ingo von der Easy-One am Aussichtspunkt an. Er ist von der Bay of Islands herauf gewandert. Zuletzt hatten wir uns in Französisch Polynesien gesehen. Verabredet haben wir uns hier oben nicht, wollten uns aber in der nächsten Zeit in der Bay of Islands treffen.

Tagesreise zum etwas ANDEREN Supermarkt

Von Yagasa in der abgelegeneren südlichen Lau-Gruppe machen wir einen Übernacht-Törn von 115 Seemeilen hinauf nach Vanua Balavu, der Hauptinsel der Lau.

Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/File:VANUABALAVU_MAP_TURAGA_NA_RASAU.GIF#/media/File:VANUABALAVU_MAP_TURAGA_NA_RASAU.GIF
Unser Noforeignland-Track von der Südlichen Lau-Gruppe hinauf nach Vanua Balavu

Mittags segeln wir los und besonders in den ersten sechs Stunden ist es herrliches Bilderbuch-Segeln. Guter Wind und glattes Wasser, so schön hatten wir das lange nicht mehr. Auch die Nacht durch bleibt es fein, nur die Wellen nehmen etwas zu. Und obwohl wir bis ins dritte Reff gehen, sind wir etwas zu schnell unterwegs. So drehen wir vor der Einfahrt in das Riff von Vanua Balavu bei und warten ab, bis es hell wird. Erst dann laufen wir durch den breiten und jetzt gut erkennbaren Südost-Pass in die große Lagune ein und steuern die Insel Susui an.

In der Bucht vor dem kleinen Dorf liegen schon Mareike mit ihrer Moana sowie die Norweger Carine und Bruse mit ihrer Noxoma vor Anker, jetzt kommen die Flora und kurz darauf die Lille Venn dazu.

Mareike berichtet, dass Headmann Jacob und die meisten anderen Inselbewohner zur Zeit im Hauptort Lomaloma auf Vanua Balavu sind, weil ein neuer Chief in sein Amt eingeführt wird. Unser Sevusevu muss deshalb warten und findet später dann untypisch für Fiji stark verkürzt statt: als wir gerade alle beim Sundowner auf der Moana sitzen (und die Siege von Norwegen und der Schweiz feiern), kommt Jacob mit seinem Longboat zurück und hält bei uns an. Nein, morgen sei er wieder in Lomaloma. Ob wir ihm vielleicht einfach die Kawawurzeln geben könnten? Na klar und schwupp – Sevusevu ist schon durch, wir sind willkommen im Dorf und auf der Insel.

Nach nunmehr schon über sechs Wochen ohne echten Einkauf geht unser Gemüse langsam wirklich zur Neige. Hier auf Susui ist keins zu bekommen, aber andererseits würden wir gerne noch etwas hier bleiben. Wir vereinbaren mit Jacob, dass er am übernächsten Tag die Crews der Flora, der Lille Venn und der Noxoma mit seinem Longboat hinüberfährt zu einer Farm auf Vanua Balavu.

Und so machen wir das.

Glücklicher Zufall: das Versorgungsschiff ist auch gerade in Lomaloma. In dem kleinen Dorfladen dieses mit 250 Einwohnern Hauptortes von Vanua Balavu können wir deshalb neben Kartoffeln und Zwiebeln sogar einige Äpfel erstehen. Und, in der zum Laden gehörenden „Tankstelle“, auch Benzin für den Außenbordmotor unseres Dinghies.

Nebenbei: hier gibt es auch ein lange entbehrtes Speiseeis.

Für den eigentlichen Gemüseeinkauf steigen wir um in einen Pickup (bzw. für die Jungs auf die Ladefläche). Mit dem geht es über Schotterstraßen und Feldwege in Richtung Farm.

Zwischendurch machen wir noch Halt bei der Yavusavusawaitui Womens Expo 2026. Im Caree um den Dorfplatz sind Pavillons aufgestellt. Festlich gekleidete Damen sitzen auf dem Boden oder am Rand der Pavillons im Sonnenschutz, teilweise werden Produkte wie Fächer oder Kokosöl zum Verkauf angeboten.

Auch wenn sich uns der Sinn nicht so richtig erschließt, immerhin können wir vor Ort gleich nebenan Bok Choy kaufen.

Ein Dorf weiter holen wir dann den Farmer ab und mit ihm geht es steil den Berg hinauf zu seinem (hauptsächlich) Gemüseanbau. Unser Supermarkt-Ersatz will sportlich erarbeitet werden!

Weißkohl, Tomaten, Grüne Bohnen, Kürbis, Auberginen. Wow. Dazu frischer Koriander und Papayas. Zwei Rucksäcke und eine Tasche schleppen wir zurück.

Jacob nimmt auch noch einen Via mit. Die stärkehaltige Pflanze ähnelt dem verwandten Taro, allerdings wird bei Via nicht die Wurzel sondern der Stamm geerntet.

Außerdem werden wir beim Einkauf mit frischen Kokosnüssen verwöhnt:

Tatsächlich ist dieser Einkaufstrip hier auf Vanua Balavu eher eine Tagesreise. Eine zum Genießen.

Abschied von Fulaga

Pilzinsel, die über dem Wasser zu schweben scheint.

Wir haben beschlossen, zum Wochenende auf die nächste Insel weiterzufahren. Bevor wir uns aber zum Nachbar-Atoll Ogea aufmachen, wechseln wir in Fulaga noch ein letztes Mal den Ankerplatz. Ziemlich genau im Herzen der Lagune, um Rooster Island herum, gibt es eine Gruppe von malerischen kleinen Pilz-Inseln mit mehreren wunderschönen Sandstränden. Ein weiterer idealer Ort, um noch einmal unser aufblasbares Doppelkayak zum Einsatz zu bringen.

Das Verholen beginnt allerdings mit einer unschönen Überraschung. Wie üblich hatten wir unseren Anker abgeschnorchelt, er lag wunderbar tief eingegraben im Sandgrund. Als wir die Kette einholen, kommt sie steif, aber der Anker bricht nicht aus. Na gut, dann hilft leichte Fahrt voraus. Tatsächlich, der Anker kommt sofort frei. Aber er sieht jetzt so aus:

Das ist blöd und für uns auch ziemlich unerklärlich. Wir müssen vom extra größer gewählten 30 kg Spade-Anker auf unseren Zweitanker wechseln, den 25 kg Delta. Aber immerhin ist das eigentlich Flora‘s Originalanker, nur dass wir ihn eben seit Griechenland zu unserem Ersatzanker degradiert hatten. Der Wechsel muss natürlich unterwegs passieren, wir lassen Flora treiben und bugsieren die beiden schweren Anker mit Hilfe des Spi-Falls aus bzw. in die Halterung vorn am Bug. Das klappt immerhin auf Anhieb.

Der neue Ankerplatz ist dann wie erwartet einfach traumhaft. Bei Flut sind die Strände schmal und viele Sandbänke zwischen einzelnen Pilzinseln gerade so eben überspült. Bei Ebbe werden die feinen Strände breit, die Sandbänke tauchen dann auf und fallen trocken.

Von diesem Ankerplatz aus fahren wir mit dem Dinghy ein letztes Mal zum Hauptdorf Muaninuku , um uns von unserer Gastfamilie zu verabschieden. Wir treffen sie nicht bei ihrer Hütte an, sondern geraten direkt in eine Festivität auf dem zentralen Dorfplatz. Der Cricket-Pitch in der Mitte des Platzes war uns bereits aufgefallen, jetzt wir er bespielt. Das ganze Dorf ist gekommen und bejubelt entweder das Team Muaninuku oder das Team Vulaga (die alte Schreibweise von Fulaga) . Mehrere kleine Zelt-Pavillions sind am Rand aufgebaut und spenden den Zuschauern Schatten, in ihnen wird außerdem Kava getrunken. Wir finden Lina in einem der Zelte und werden gleich eingeladen. Das koloniale Erbe Britanniens wird deutlich: Cricket ist (neben Rugby) eine der Nationalsportarten in Fiji und wird selbst auf so abgelegenen kleinen Inseln wie Fulaga begeistert gespielt. Einfach auf dem Dorfplatz zwischen Wellblechhütten und Kirche, zugleich mit Blick aufs Meer und unter Palmen.

(Wie immer: für bessere Auflösung auf eines der kleinen Fotos klicken)

Später auf dem Rückweg sehen wir dann erstmals in Fiji Flughunde. In großer Zahl konnten wir diese faszinierenden fruchtfressenden Flederttiere mit einer Spannweite von über einem Meter ja schon in Tonga bewundern, nun also auch hier.

Am nächsten Morgen machen wir dann eine ausgedehnte Kayaktour durch das Insellabyrinth um Flora herum. Die Kalksteinpilze bergen zum Teil Höhlen und das Wasser hat nicht nur die Basis der Inseln erodiert, sondern an mehreren Stellen Torbögen oder regelrechte Brücken gestaltet.

Herrlich! Aber wir haben gehört, dass unser nächstes Ziel Ogea ähnlich beeindruckende Felsformationen bieten soll. Also geht’s nach über vier Wochen Fulaga jetzt weiter zur nächsten Insel der südlichen Lau-Gruppe. Ogea, wir kommen. Tschüß, Fulaga. Du und Deine so herzlich gastfreundlichen Menschen werden uns unvergesslich bleiben.

So wird Kokosöl auf Fulaga gemacht

Bei einem Besuch im Dorf erwähnt Lina, dass sie in dieser Woche Kokosöl machen wird und wir uns das gerne anschauen können. Lassen wir uns natürlich nicht entgehen.

Eins vorweg: Kokosöl und Palmöl sind zwei verschiedene Dinge. Palmöl wird aus dem Fruchtfleisch der dichten Büschel rötlicher Fruchtstände der Ölpalme hergestellt. Kokosöl dagegen: tja, aus dem weißen Fruchtfleisch der Kokosnüsse.

Seru zeigt uns, welchen Reifegrad der Kokosnüsse sie dazu hier auf Fulaga bevorzugen. Nicht die grünen Trinknüsse, na klar. In den braunen ist weniger Wasser, mehr Fruchtfleisch. Zu unserer Überraschung nimmt Seru aber am liebsten die bereits angekeimten Kokosnüsse, die schon etwa zwei Wochen am Boden gelegen haben. Praktisch kein Kokoswasser mehr, dafür ganz viel Fruchtfleisch und gerne schon etwas schaumartiger „Kokosapfel“ im Inneren. Der wird wird für das Öl zwar gar nicht verwendet, zeigt aber den richtigen Reifegrad an.

Der Schaum kann einzeln gegessen werden. Das feste weiße Fruchtfleisch wird dann aus der Nuss gelöst, zerkleinert und ausgepresst. Jetzt könnte eigentlich mit dem Kochen begonnen werden, aber dann müsste man sehr lange kochen, um das ganze Wasser zu verdampfen. Die Brennstoff sparendere Methode: den offenen Topf ein paar Tage in die Sonne stellen. So trennen sich Wasser und Öl-Rohstoff schon einmal grob. Nach dem Abgießen wird dann nur der Öl-Rohstoff in einem Topf aufs Herdfeuer in der Hütte gesetzt.

Als Brennstoff dienen neben etwas Holz die Kokosnuss-Schalen und die „Barawa“ (die hinter dem Herdfeuer in der Ecke stehenden trockenen Palmblattansätze. Wie eine Fackel brennen sie vom oberen Ansatz und werden nach und nach ins Feuer geschoben.

Jetzt kochen und dabei kontinuierlich rühren. Mit der Zeit wird der Kokosgeruch immer deutlicher. Aber erst wenn die festen Reste des weißen Kokosfruchtfleisches bräunlich werden und zuckerartig kristallisieren ist es soweit. Die süßlich schmeckenden Brösel werden abgesiebt und zurück bleibt das reine Kokosöl.

Insbesondere wenn das Kokosöl zur Pflege von Haut oder Haar verwendet werden soll, werden auch Blüten oder Blätter (z.B. Hibiskus oder Frangipani) beim Kochprozess hinzugefügt.

Lina mag das Kokosöl aber am liebsten pur und findet, dass es dann für die Zubereitung von Speisen auch am universellsten verwendet werden kann.

Wir bekommen gleich eine Kostprobe: Seru bereitet aus Mehl, Wasser und etwas Zucker Teig für „Saparaki“ vor. Diese Pfannkuchen werden dann von Lina in heißem Kokosöl ausgebacken. Anders als klassische Doughnuts werden sie aber nicht mit Eiern (dann wären es in Fiji „Parile“) und auch nicht mit Hefe (sonst „Babakau“) gemacht.

Lecker (auf fijianisch: maleka)!

Aber wir werden noch weiter verwöhnt. Lina hat aus Mehl und heißem Wasser noch einen anderen Teig vorbereitet. Aus den abgekühlten Kugeln rollt sie mit einem Nudelholz auf einer runden Holzplatte Roti-Fladen, der indische Einfluss in Fiji reicht kulinarisch bis auf die Lau-Inseln.

Seru schabt derweil aus (diesmal ungekeimten) Kokosnüssen wiederum das Fruchtfleisch heraus.

Er presst es mit den Händen aus. Die so gewonnene sahnige Kokosmilch wird dann über die von Lina in der heißen Pfanne gebackenen (nicht frittierten) und dann aufgerollten Roti gegossen.

Und natürlich lassen es sich die beiden nicht nehmen, uns nach dem leckeren Essen auch noch eine Flasche von dem frisch gemachten Kokosöl mitzugeben.

Leere Glasflaschen (Weinflaschen mit Schraubverschluss) sind im Dorf übrigens für das Abfüllen des Öls sehr begehrt. Wir haben Lina ein paar mitgebracht, neben kleinen Gastgeschenken wie Tüchern, Sonnenbrillen, Lesebrille, Schnorchelbrille, und Verbandszeug für Linas maladen Daumen.

Lebensmittel anbauen, ernten, verarbeiten, zubereiten. Für die Inselbewohner hier auf Fulaga macht das einen großen Teil ihres Alltags aus.

Was für ein Privileg, dass uns Lina und Seru an diesem Leben so unmittelbar teilhaben lassen.