WAS IST WAS- Das Schöne am Neuen

Obst und Gemüse erfordern ein wenig Ein- oder Umgewöhnung. Nix dramatisches, vieles kommt einem bekannt vor, aber auch das birgt Überraschungen. Bananen zum Beispiel. O.k., man sieht bei uns selten ganze Bananenstauden, aber entscheidender ist, dass die Bananen hier in sehr unterschiedlichen Arten angeboten werden, die für uns nicht so leicht zu unterscheiden sind.

Hiesige (Dessert-)Banane. Manchmal sehr klein und jedenfalls sehr lecker.

Kochbananen sehen (un)praktisch genauso aus wie normale (Dessert-)Bananen, sind meist etwas größer (schlechtes Unterscheidungsmerkmal, weil die „normalen“ Bananen hier eher kleiner sind als bei uns im EDEKA), sind aber roh erst in quasi überreifem Zustand genießbar. Man muss sie eben kochen, frittieren oder backen. Erfordert halt ein wenig Flexibilität, wenn man meinte, sie als „normale“ Bananen gekauft zu haben. Auch Verständigung ist Glückssache 😉.

Obst- und Gemüsestand auf dem „afrikanischen Markt“ in Mindelo
Orangen, Zitronen, die grünen stacheligen Dinger werden hier als Paúls-Früchte, von einer jungen Verkäuferin dagegen als „Pinha“ verkauft, sehen aufgeschnitten aus und schmecken wie Cherimoya, also Weiß mit schwarzen, nicht essbaren großen Kernen und sind SEHR lecker, rechts unten Papaya von São Vincente
Maniok, Zwiebeln, Yams. Bekanntes und uns Unbekannteres bunt gemischt. Viel auszuprobieren, macht Spaß und hat (bisher) immer gut geschmeckt.

Am besten ist es da natürlich, sich von Einheimischen bekochen zu lassen 😁. Wir hatten Laury aus Hamburg auf Sal kennengelernt und er hatte uns das Versprechen abgenommen, uns zu melden wenn wir nach Mindelo kommen. Haben wir natürlich gemacht und wir werden von seiner Gastfreundschaft überwältigt. Laury ist in Mindelo geboren und aufgewachsen, mit 15 dann aber – wie viele hier – zur See gefahren um der (portugiesischen) Wehrpflicht und dem Einsatz als Kanonenfutter in Kolonialkriegen zu entgehen. Später war er beim Bezirksamt Mitte in Hamburg beschäftigt, heute ist er pensioniert und fährt im Winter gern für ein paar Monate auf die Kapverden. Er zeigt uns nicht nur Mindelo, sondern lädt uns zu einem Cachupa-Essen zu seiner Schwester ein. Natürlich inclusive Catalina und dem inzwischen eingetroffenen Jan. Und da treffen wir dann auf viele Familienmitglieder und Freunde, dass von Laurys Schwester zubereitete Nationalgericht wird in großer geselliger und sehr internationaler Runde auf der Dachterrasse verzehrt.

Schwedisch, Deutsch, Kanadisch, US-amerikanisch, Portugiesisch, Philippinisch und vielleicht noch mehr. Es sind auch gar nicht alle Gäste auf dem Foto. Jedenfalls auch Kapverdisch. Laury im geblümten Hemd neben Wiebke.

Danke, Laury, muito obrigado an alle für Eure wunderbare Gastfreundschaft!

Auf zu den Kapverden

Die Leinen sind los, wir sind unterwegs zu den Kapverden. Die nächsten Tage wird es dann also keine Fotos geben können, ab und zu vielleicht eine Statusmeldung über IridiumGo.

Aber noch haben wir Empfang. Der Start von La Gomera ist uns garnicht mal so leicht gefallen. Die Insel ist schön und wir haben eigentlich nur wenig von ihr gesehen. Vor allem aber haben wir ziemlichen Respekt vor der Fahrt zu den Kapverden. Vor dem Hafen empfängt uns viel Wind, wieder gut 35 kn in den Böen, aber dieses Mal mit achterlicher Welle, alles gut. Soll auch im weiteren Verlauf etwas abnehmen.

Ziel ist die Insel Sal. Da wollten wir sowieso hin, aber jetzt sogar mit Fracht 😉. Marga (wohnt auf Sal) hatte uns gefragt und es passt ja ganz gut. Jetzt hängt ein zweiter Außenbordmotor am Heck, Jochen von der Stressless hat ihn uns für Jonna von der Tangaroa mitgegeben, die zur Zeit vor Palmeira auf Sal ankert. Wenn alles glatt geht, können wir ihn Donnerstag abliefern. 🤞

Bergwanderung auf La Gomera

Eigentlich ist so ein morgendlicher Regenbogen in den Bergen hinter unserem Hafen ja ein deutliches Signal, oder?

Mit Susanne, Jochen und Jakob von der SY Stressless haben wir heute eine 15 km Bergwanderung unternommen. Die drei kennen die Insel (und auch diese Wanderung) gut, was heute von besonderem Vorteil war. Wiebke und ich hätten nämlich vermutlich noch nichtmal den Einstieg in die Tour gefunden, nachdem uns der Bus der Linie 1 von San Sebastián bis auf 1.100 m Höhe in einer dichten Wolke abgesetzt hat. Konnten wir vorher noch die tollen Ausblicke hinunter nach San Sebastián und unseren Hafen und hinüber über die Meerenge mit einem auf der anderen Seite wieder über die Wolken hinausragenden Pico de Teide genießen, sehen wir jetzt … nicht viel.

Neben der Bushaltestelle führt ein kleiner steiler und rutschiger Pfad scheinbar ins Nichts. Nicht mal den 1.350 m hohen Roque de Agando können wir erkennen, obwohl wir neben ihm ausgestiegen sind. Offenbar nicht grundlos gibt’s im gebirgigen Inneren La Gomeras im Herz des Nationalparks Garajonay subtropischen Nebelwald mit bis zu zwei Meter hohen Farnen.

Aber Susanne ist sich sicher und wir folgen ihr. Tatsächlich führt er uns zum eigentlichen Einstieg in den dann ausgeschilderten Wanderweg hinunter nach Playa de Santiago.

Und trotz Nebel oder Wolke oder Regen, die Wanderung ist wunderschön und abwechslungsreich. Laufen wir zunächst meist durch Kiefernwald, wird es zwischendurch offener und ab und zu können wir sogar in der Ferne das Meer durchblitzen sehen.

Je weiter wir hinuntersteigen, desto karger wird es. Und das, obwohl sich Agaven und auch Palmen einfinden.

Aber dafür werden die Hänge steiler, die vor langen Zeiten angelegten Terrassen werden kaum noch genutzt, zu aufwendig ist die erforderliche Handarbeit. Manchmal geht’s direkt neben dem Pfad senkrecht hinunter, aber meist ist der Weg eigentlich ganz gut zu begehen. Nur das ständige Bergab auf dem glitschigen Geläuf setzt den Knien auf Dauer doch kräftig zu.

Die Wolken und mit ihnen die Feuchtigkeit begleiten uns bis hinunter nach Playa de Santiago, obwohl sich zwischendurch sogar mal die Sonne zeigt.

Im Ort erwischen wir mit perfektem Timing den Bus zurück nach San Sebastián, kaufen noch etwas ein und genießen dann bei Sonnenschein Eis und Bier im Cockpit der Stressless – wir finden, das haben wir uns verdient.

Crew available!

Das schwarze Brett im Hafenbüro hier in Santa Cruz de Tenerife sieht zur Zeit so aus:

Zusätzlich liegen noch ein paar Anfragen im Seekarten-Tauschkasten und weitere hängen an den Türen zu den Stegen. Außerdem kommen ab und zu Leute auf dem Steg vorbei und fragen nach “Hand gegen Koje”, also Mithilfe gegen Mitnahme. Entsprechende Internet-Foren gibt’s natürlich auch.

Wir hatten vorher gehört und gelesen, dass Boots- und Crewsuchende hier auf den Kanaren gute Chancen haben. Was uns aber doch ein wenig erstaunt, ist zum einen die schiere Menge von herausgehaltenen Daumen zur See. Schließlich geht es anders als an der Landstraße doch um eine recht lange Zeit auf ziemlich engem Raum, die man gemeinsam verbringen würde ohne sich vorher näher zu kennen. Und die – nimmt man Hand gegen Koje ernst – eben auch so etwas wie Rudergehen oder Nachtwachen mit einschließt, also ein hohes Maß an (gegenseitigem) Vertrauen bedingt.

Zum anderen (oder: erst Recht) erstaunt uns, dass bei weitem nicht alle “Crew”-Bewerber über nennenswerte Segelerfahrung verfügen. Einmal findet sich der Hinweis “möchte segeln lernen”, ein andermal “keine Kenntnisse in Navigation”. Einer schreibt immerhin, er habe “alles für den Trip nötige dabei: Jacke, Shirt, Hose, Schuhe und Bücher”. Das ist ja dann doch beruhigend. 😉 Und auf der anderen Seite gibt es auch erfahrene Segler, Köche, Bootsbauer etc., die hier eine Mitsegelgelegenheit suchen.

Wir hatten mit Maria ja auf der Fahrt von Gibraltar bis Lanzarote eine super Erfahrung und eine tolle Zeit, haben uns aber dennoch entschieden, nach der Absage von Silja und Jan die Etappe von den Kanaren zu den Kapverden “nur” zu zweit zu machen. Naturgemäß wird das die Nachtwachen anstrengender machen (weniger wachfreie Zeit, also statt knapp 6 Stunden nur knapp drei Stunden Schlaf am Stück, wenn es denn so gut läuft). Und natürlich auch weniger spannende und anregende Gespräche mit anderen Leuten.

Dafür auch weniger Anpassungen an unbekannte Gewohnheiten, Ecken, Kanten, Marotten (unsere eigenen sind uns schon einigermaßen vertraut). Und vor allem: praktisch freier Zeitplan für uns. Keine Verpflichtung, dann und dann an einem bestimmten Ort zu sein, um den Mitsegler aufzupicken oder abzusetzen. Losfahren können, wenn es uns passt (und der Wind stimmt). Startort hier auf den Kanaren und Ankunftsort auf den Kapverden frei wählen. Und auf einem überschaubaren Törn von geplant knapp einer Woche ausprobieren, ob uns lange Schläge zu zweit gefallen.

Mal sehen, was dabei herauskommt. Aber wir lassen uns noch Zeit, etwa gegen Mitte des Monats soll es losgehen.

Segeln und Abschied

Blauwassersegeln ist schön. Heute besonders, bei achterlichem Wind 💨, Schiebewelle, Sonnenschein.

„Fair winds and following seas“. Genau so soll das.

Und Blauwassersegeln bedeutet auch, viele spannende und völlig unterschiedliche Orte zu besuchen (wie zuletzt das blumige Madeira, das sandige Graciosa und das vulkanschwarze Lanzarote und ab morgen hoffentlich das ??? Gran Canaria). Es bedeutet, immer wieder neue Erfahrungen zu machen. Viele Menschen kennenzulernen, manchmal auch neue Freunde zu finden.

Und es bedeutet, immer wieder Abschied zu nehmen. Von Orten, aber mehr noch von Menschen. Das ist der weniger schöne Teil. Wir hatten Besuch: Wiedersehensfreude und – gefühlt nur kurz darauf – wieder Trennen. Und wir haben Segelfreunde wiedergetroffen, eigentlich schon ein paar Mal. Besonders ist es mit Doris und Christian. Kennengelernt haben wir die Crew der Dancing Pearl in Catania auf Sizilien, wiedergetroffen auf Sardinien, San Pietro, Menorca, Ibiza, in Gibraltar und jetzt auf Lanzarote. Haben herzhaft miteinander gelacht, ernste Gespräche geführt, die weit übers Segeln hinausgingen. Und wir haben uns verabschiedet. Schon oft, und jetzt schon wieder. Die beiden haben die schwere Entscheidung getroffen, ihre Reisepläne zu ändern und nicht in dem ihnen zur Verfügung stehenden Jahr über den Atlantik und zurück zu hetzen. Seitdem ist auch klar, dass unsere Reiserouten sich in nächster Zeit nicht mehr so oft kreuzen werden. Vielleicht noch einmal auf Teneriffa, hoffentlich.

Ich seh´ schwarz

Neben dem Blau des Himmels und dem Weiß der Häuser ist schwarz hier auf Lanzarote die deutlich vorherrschende Farbe. Der Lavaboden der Insel zeigt sich häufig sehr dunkel. Streckenweise fahren wir mit unserem Mietwagen durch Landschaft, die wie Stein gewordene schorfig verbrannte Riesenhaut oder frisch umgebrochener, dann aber sofort versteinerter Marschboden wirkt.

Aber an anderer Stelle hat der schwarze Boden – jetzt feiner gemahlen – auch sein Gutes. Lanzarote verfügt kaum über nennenswerte Grundwasservorkommen und ist zudem extrem regenarm. Die Trinkwasserversorgung wird heute aufwendig über Meerwasserentsalzungsanlagen sichergestellt, die Landwirtschaft musste sich also früh etwas Besonderes einfallen lassen. Zum Beispiel den Trockenfeldanbau. Und der funktioniert z.B. im Weinbaugebiet La Geria so:

Feiner schwarzer Aschesand, sogenannter Lapili, bildet eine dicke Deckschicht über dem fruchtbaren aber eben trockenen Vulkanboden. Am Lapili kondensiert die Nachtfeuchtigkeit und sinkt nach unten. Der Weinstock wird in einer künstlichen tiefen Mulde des Lapili gepflanzt, die zusätzlich noch von einer halbrunden und ohne Mörtel aufgeschichteten Lavasteinmauer gegen den Wind und die dadurch bedingte Austrocknung geschützt wird. Hektarertrag: nicht der Rede wert. Wahnsinnig viel Handarbeit? Ja! Wird seit Generationen so gemacht.

Meine Cuisine Elke und ihr Freund Uli sind zu Besuch, mit ihnen erkunden wir Lanzarote. Wir besuchen das bekannte Weinbaugebiet, die Feuerberge des Timanfaya-Nationalparks, wo thermische Anomalien in Erdlöchern von wenigen Metern Tiefe schon Temperaturen von einigen hundert Grad Celsius entstehen lassen. Uns Besuchern wird das eindrucksvoll mit sich selbst entzündenden Dornlattichbüschen demonstriert, Moses und der brennende Dornbusch lassen grüßen, aber der Timanfaya-Nationalpark hat für die Montaña del Fuego stattdessen trotzdem ein Teufelchen als Logo gewählt.

Weiter geht es hinunter ans Meer, wo die See mal an steil empor springende schwarze Felsen schlägt, in die für uns extra Besucherbalkone eingelassen sind, mal aber auch Surfern herrliche Brandungswellen vor sandigen Stränden bietet.

Manchmal zaubert es sogar Farbspiele wie den grünen See hinter dem schwarzen Sandstrand bei El Golfo.

Schwarz war auch die Gummidichtung für unser Vorluk (also das Fenster über der Vorschiffskoje). Jedenfalls ursprünglich mal. Inzwischen war sie eher Undichtung und zudem vom eingedrungenen Salz ziemlich grau geworden. Elke und Uli hatten vom Spezialhändler SVB aus Bremen eine neue Dichtung mitgebracht. Zwischen den Ausflügen auf Lanzarote war also mal wieder Handwerken angesagt.

⚠️ Gäste werden übrigens gnadenlos eingebunden ⚠️.

Der Rahmen des Lewmar-Luks ist geteilt und mit ein paar kleinen technischen Gemeinheiten versehen, aber: wir haben das gemeinsam hingekriegt und das Luk ist wieder dicht! Wasserstrahltest bestanden.

Dann also wieder Inselerkundung. 😊 Und dabei kommt man auf Lanzarote an einem Künstler auf keinen Fall vorbei. Wir besuchen das César Manrique Museum der gleichnamigen Fundación, den von ihm gestalteten Kaktusgarten und den ebenfalls von Manrique umgesetzten Aussichtspunkt Mirador Del Rio ganz im Norden der Insel. Neben vielem anderen ist besonders beeindruckend, wie Manrique immer wieder eine Einheit zwischen Umgebung, Natur und seinem Werk schafft, sei es bei den in Lavablasen eingebetteten Räumen seines Hauses, bei dem zudem die Lavafelsen gleichsam durch das Fenster hineingelassen werden, dem amphitheatrisch anmutenden Kaktusgarten In einem ehemaligen Steinbruch oder dem in die Steilwandkuppe eingelassenen Restaurant und Aussichtspunkt mit Blick hinüber nach La Graciosa. Manrique selbst prägte dafür den Ausdruck „Kunst-Natur/Natur-Kunst“.

Und so schafft es Manrique nebenbei auch, dass Lanzarote künstlerisch bei all dem Schwarz dann manchmal eben doch recht bunt daherkommt.

Cádiz und ein unwahrscheinlicher Zufall

Da hatten wir gerade geschrieben, wir wären ein wenig stadtmüde, und dann fahren wir direkt von Gibraltar nach Cádiz. Warum denn das eigentlich? Ja, gute Frage!

Cádiz hat uns gereizt und ist auch tatsächlich sehr schön 😍, außerdem ist der Winkel hinüber nach Madeira bei den vorherrschenden Winden etwas besser. Vor allem aber können wir dadurch auch die „Aufregung“ ein bisschen teilen und das Passieren der Straße von Gibraltar mit ihren Strömen und Tiden und dem vielen Schiffsverkehr vom langen Schlag abkoppeln. Und letztlich auch: wir können mit unserem neuen Crewmitglied Maria erst mal einen kleinen Schlag segeln und nicht gleich 5 Tage und Nächte am Stück.

Die Begrüßung in Cádiz ist für einen Hamburger klasse: schon von weitem scheint die große Schwester der Köhlbrandbrücke zu grüßen. Die „Puente de la Constitutión“ ist eine ganz ähnlich konstruierte Schrägseilbrücke und führt ebenfalls durch sich öffnende Tragstützen. Etwas höher als in Hamburg, dafür ein tickchen kürzer, können wir sie schon aus großer Entfernung sehen und ihr Anblick bietet sich auch noch von unserem Liegeplatz in der Marina Puerto América. Und – wie in HH – sind auch hier die Kreuzfahrtschiffe reichlich vertreten. Gleich vier haben im Stadthafen festgemacht, darunter eine AIDA und die „Mein Schiff 2“. Wir hören viel Deutsch in der wunderschönen Altstadt 😉.

Ganz besonders beeindrucken uns die zumeist gekachelten Eingänge in Hausflure und Innenhöfe, in die man beim Gang durch die engen Gassen immer wieder einmal hineinsehen kann:

Aber auch die Markthalle, der Mercado Público, hat es uns wieder einmal angetan, hier in Cádiz präsentiert sie sich mit säulengestützten Arkaden im äußeren Rechteck und einer moderneren Fisch- und Gemüsehalle innen.

Wir besuchen sie an beiden Tagen und kaufen dort günstig und mit viel Freude ein. Nicht ganz so glücklich sind wir bei der abendlichen Suche nach einer Tapas-Bar: weil Krischan am nächsten morgen früh los muss, möchten wir zeitig essen und kollidieren einmal mehr mit der hiesigen Gestaltung der Öffnungszeiten 🥺. Es klappt dann aber doch noch, nur haben wir uns zuvor ordentlich hungrig gelaufen.

Heute Nachmittag sind wir dann von Cádiz weiter gesegelt, eine schöne Kreuz hoch nach Chipiona. Im dortigen Hafen sehen wir ein über die Toppen geflaggtes Schiff mit ziemlich ungewöhnlicher Kombination von Gastlandsflaggen:

Nicht alle erkennen wir. Während wir versuchen sie zuzuordnen dämmert uns langsam, dass es einen Zusammenhang mit Magellans Weltumsegelung (bzw. der eines Teils seiner Crew) geben könnte. So ist es auch. Von unserem Standort aus, der Mündung des Flusses Guadalquivir, ist Magellan am 20.09.1519, also morgen vor GENAU FÜNFHUNDERT JAHREN aufgebrochen, hier wurde die allererste Weltumsegelung auch wieder beendet. Unseren Hafen gab es damals noch nicht, als Start- und Zielort gilt Sanlúcar, der Nachbarort von Chipiona, dort gibt’s allerdings noch heute keinen Hafen.

Morgen soll hier vor der Stadt die Ansteuerungstonne #1, bisher „El Perro“ genannt, offiziell umgetauft werden und den Namen von Juan Sebástian Elcano tragen, der als Kommandant der Victoria das letzte verbleibende Schiff von Magellans Flotte zurück an den Ausgangsort dieser ersten Weltumsegelung führte.

Und morgen fahren wir dann von hier wieder los. Mal sehen, wohin und wie weit wir am Ende kommen. 😊

HOCH UND HINAUS

Am Samstag spät in der Nacht treffen unsere Freunde Christian und Maria ein. Maria plant, bis zu den Kanaren auf Flora mitszusegeln. Die beiden kommen direkt vom Charterurlaub in den Kykladen, haben also eine kleine Europa-Odyssee hinter sich. Der Sonntag gestaltet sich eher ruhig, außer dass wir das Großsegel tauschen und das neue Groß aus Hydranet einziehen.

Montag nutzen wir erstmal den Mietwagen, mit dem die beiden von Málaga hergekommen sind und widmen uns noch einmal unserer fast leeren griechischen Gasflasche. Tatsächlich bekommen wir sie auch hier nicht befüllt, ABER die verrostete Stahlflasche wird kostenfrei gegen eine Aluflasche gleicher Größe mit Butangas getauscht. Aus dem Baumarkt besorgen wir noch den passenden „Clip-on“-Regulatoraufsatz, schließen alles auf Flora an und: es funktioniert! Außerdem erledigen wir mit dem Auto auch gleich noch einen größerer Verproviantierungseinkauf.

Am Nachmittag erkunden wir dann „the upper rock“, also den Felsen von Gibraltar, der steil bis auf 426 m ansteigt. Er ist durchlöchert wie ein Schweizer Käse, mit militärisch motivierten Höhlensystemen aus verschiedenen Kriegen, aber auch mit imposanten Tropfsteinhöhlen.

Aber noch viel mehr ist „The Rock“ natürlich bekannt für die einzige in Europa frei lebende Affenpopulation. Die Berberaffen (Macaca Silvanus) sind zutraulich bis dreist. Sofern man etwas dabei hat, was sie als Futter erkennen, wird von ihnen auch überfallartig der Rucksackreisverschluss geöffnet oder das Auto angesprungen, ansonsten aber sind sie friedlich.

Vom Kamm aus können wir den Blick in fast alle Richtungen genießen, auf dem Rückweg dann auch über die Landebahn des Flughafens hinüber bis zu unserem Boot im Hafen von La Línea.

Im modernen Teil Gibraltars im Vordergrund beschließen wir den Abend im Ocean Village, einem Kneipen-, Restaurant- und Kasinodorf am Hafen.

Und heute morgen ging’s dann früh los:

(Foto Credit: Christian) erst einmal günstig volltanken im zollfreien Gibraltar und dann drei Stunden nach Hochwasser Gibraltar hinaus. Eine große Schule Delphine empfängt uns in der Bucht und mit bis zu zweieinhalb Knoten mitsetzendem Strom werden wir quasi durch die Meerenge und vorbei an Europas südwestlichstem Festlandspunkt Tarifa gespült.

Wir sind auf dem ATLANTIK!

Bis zum Cabo Roche (Conil) können wir vor dem Wind (zumeist Schmetterling) segeln, zum Teil müssen wir das Groß dabei allerdings bis ins zweite Reff nehmen. Der Wind hat seit Gibraltar mit uns mitgedreht. Jetzt ist er leider eingeschlafen aber wir haben es auch nicht mehr allzu weit bis zu unserem Tagesziel Cádiz.

Wieder komplett

Dienstagabend haben uns Eike und seine Kollegin Lara besucht, wir hatten einen sehr schönen Abend bei uns an Bord.

Noch dazu hatte Eike unter anderem unsere neue Lichtmaschine im Gepäck hergeschleppt und deshalb wurde es auch ein sehr schöner Mittwochmorgen. Der Mechaniker erschien, hatte unseren Regler und nicht mehr reparable Lichtmaschine dabei, baute den Regler und die neue LiMa ein und siehe da: unser Bootsmotor kann wieder die Batterien laden. 😀

Wir waren glücklich und haben das am Abend ausgiebig auf einem Zug durch Alicantes Altstadt mit Tinto de Verano hier, Vermouth dort und abschließend einem weiteren Besuch in einer Arrocería (also einem Reis-Restaurant) mit Rotwein gefeiert. Wie der Name andeutet, gab es auch ein wenig Schinken 😊.

Heute morgen haben wir das gute Hafen-WLAN genutzt, um mit dem LiMa-Lieferanten per Computer-Fernwartung (TeamViewer) die Einstellungen des Mastervolt-Reglers für die LiMa anzupassen. Und das war gut so. Es stellte sich nämlich heraus, dass die LiMa doch noch nicht komplett angeschlossen war. Zwar lieferte sie Strom, aber noch nicht alle zur optimalen Steuerung nötigen Informationen. Also durfte ich ein weiteres Kabel aus den Tiefen des Kabelbaums pulen („ein weißes Kabel suchen“), auch das noch mit dem Regler verbinden und siehe da: jetzt wird nicht nur die Temperatur sondern auch die Drehzahl der LiMa an den Regler gemeldet und die entsprechenden Grenzen konnten eingestellt werden. Das sollte hoffentlich der neuen LiMa ein längeres Leben bescheren 🤞.

Im Augenblick darf sie sich aber noch ausruhen, wir haben bei schönen Segelwind das Cabo de Santa Pola schon passiert und laufen am Wind in Richtung Mar Menor.

Catania

Kontraste: Nach dem Blauwasser des letzten Posts folgte die Großstadt. Catania, 400.000 Einwohner und die zweitgrößte Stadt Siziliens. Statt des offenen und rolligen Ankerplatzes vor dem Strand von Africo nun die (jedenfalls bei den herrschenden Winden) gut geschützte Marina Circulo Nautico NIC, die am Ende des betriebsamen großen Industrie- Fähr- und Fischerhafens liegt. Statt klarem Freiwasser undurchsichtige und mit Abfall durchsetze Stadthafenbrühe. Und auch Catania selbst ist voller Gegensätze. Einerseits voller Geschichte, mit noch sichtbaren Wurzeln aus der Antike, wie etwa den Resten des ehemals mit zu den größten im römischen Reich gehörenden Theater Anfiteatro Romano.

Gelegen zwischen vielen anderen deutlich neueren und doch historischen Bauten, im Stadtzentrum sind das praktisch fast alle Gebäude, Neubauten gibt es dort wenige. Aber selbst auf Prachtstraßen, wie der zum Theatro Massimo Bellini führenden Via Guiseppe Perrotta ist zu erkennen, dass Catanias Bauten eher einen leicht morbiden Charme ausstrahlen.

Uns gefällt die Stadt mit ihren freundlichen Bewohnern trotzdem. Wir fragen uns, ob bei einer Stadt, die auch die Tochter des Ätna genannt wird und die in ihrer Geschichte immer wieder von schlimmen Erdbeben und Vulkanausbrüchen gebeutelt oder gar zerstört wurde, die Einwohner der äußeren Pflege der Gebäude einfach weniger Aufmerksamkeit widmen. Wie die Häuser wohl innen aussehen? Jedenfalls tun sich immer wieder Blicke in Innenhöfe auf, die unser Interesse wecken. So wie hier

oder hier, im Garten der juristischen Fakultät der Universität:

Und auch die quirligen wirklich aktiven Märkte haben es uns angetan:

Ach ja, die Lebensmittel 😉: Wir müssen uns da wohl noch etwas umgewöhnen. Ob es der Wein ist, der im kleinen Alimentari genannten Lebensmittellädchen aus Fässern verkauft und in 2-Liter-PET-Wasserflaschen abgefüllt wird

oder – wiederum auf dem Markt – die reichlich angebotenen Schnecken 🐌, bitte genau hinsehen:

Von wegen genau hinsehen: Unseren neuen und in Griechenland vom Fachmann erworbenen und angebauten aber schwächelnden (fast keine Leistungsabgabe) Windgenerator haben wir hier übrigens trotz italienisch fachmännischer Hilfe nicht zur Arbeit überreden können, aber immerhin die Ursache entdeckt: es ist die 24 Volt, nicht die 12 Volt Version. Entsprechende Umrüstung soll jetzt in zwei Wochen in Palermo erfolgen.

Aber es gibt auch richtig Schönes zu vermelden: Nichte Emma und Neffe Emil sind wohlbehalten eingeflogen und verstärken bis Palermo unsere Crew. Heute sind wir noch einmal gemeinsam durch Catania gestreift und sind dann schön hinauf nach Taormina gekreuzt, wo wir jetzt vor Anker liegen.