Kaua’i und letzte Vorbereitungen

Die nördlichste – viele sagen: die Schönste – der größeren Inseln des Hawai’i-Archipels wollen wir gerne noch besuchen: Kaua’i.

Auf dem Weg dorthin ankern wir für eine Nacht im Vorhafen von Haleiwa im Norden von O’ahu. Aber schon um 3.00 Uhr nachts geht es weiter, denn vor uns liegen 90 sm bis Kaua’i.

Es wird ein Segeltag mit idealen Bedingungen, trotzdem grummelt es leicht im Magen. Aber um 18.00 laufen wir in die wunderschöne Hanalei-Bucht auf Kaua’i ein. 15 Sunden, wie geplant noch bei Tageslicht, die frühe Abfahrt war gut getimt.

Hier rücken die Berge nah an die Küste, nach Westen hin schließt sich die spektakuläre Nā Pali Küste an, die wir bei der Abfahrt Richtung Alaska noch näher anschauen wollen. Landseitig ist sie kaum zugänglich, der ansonsten am Ufer entlang um die Insel führende Highway 560 bricht dort ab. Nach Osten hin ist es etwas flacher und entlang des hier mündenden Hanalei River gibt es sogar (Wasser-) Felder, überwiegend wird hier Kalo (=Taro) angebaut. Die Knollen dieser Pflanze werden zum traditionellen Hawaiianischen Grundnahrungsmittel Poi verarbeitet, die Blätter zum Beispiel für Lau Lau genutzt, ein weiteres traditionelles hawaiianisch-polynesisches Gericht, in seiner ursprünglichen Form im Erdofen gegart.

Das ich diesen Ausblick habe, verdanken wir der unglaublichen Gastfreundschaft hier. Mit dem Dinghy fahren wir in den Hanalei River, im Gepäck Rucksäcke für den letzten Einkauf von frischen Lebensmitteln und unseren Hackenporsche mit zwei Zwanzig-Liter Kanistern, deren Diesel wir zuvor in den Schiffstank geschüttet hatten und die nun wieder aufgefüllt werden sollen. Zur Tankstelle ist es ein langer Fußmarsch, aber es soll auch einen stündlich fahrenden Bus geben. Ist allerdings fraglich, ob der uns mit Kanistern einsteigen lassen würde. Ein Stück den Fluss hinauf legen wir am Ufer an und binden das Dinghy an einer Palme fest. Riley sitzt daneben im Liegestuhl hinter seinem Truck. Wir kommen ins Gespräch, fragen ihn nach dem Weg zur Tankstelle. Er beschreibt uns den Weg, “aber das könnt ihr nicht laufen. Ich würde Euch ja fahren, aber da ist mir jetzt zu viel Verkehr. Nehmt einfach meinen Truck. Schlüssel steckt.” Machen wir, ich setze Wiebke am Supermarkt ab, fahre zur Tankstelle. Das wäre zu Fuß tatsächlich nicht nur weit, sondern auch schwierig geworden. Es geht ziemlich steil den Berg rauf und die schmale Straße hat keinen Randstreifen und erst recht keinen Fußweg. Danke, Riley. Wir laden ihn auf ein Bier zu uns auf die Flora ein und es wird ein angeregtes, spannendes und persönliches Gespräch.

Wie an fast allen Ankerplätzen sind auch in Hanalei viele Auslegerkanus unterwegs. Wie sehr das auf Hawai’i Volkssport ist zeigt sich heute, als am Ufer Zelte aufgebaut werden und vor dem Strand eine Rennstrecke abgesteckt wird. Den ganzen Tag schallen die Kommandos der Bootsführer und die Anfeuerungsrufe der vielen Zuschauer zu uns herüber.

Trotz immer wieder auch trauriger Gedanken, heute sind wir genau drei Jahre unterwegs. das wollen wir würdig begehen. Wiebke backt einen Jubiläumskuchen (eine Variation von Tante Christas Zitronen-Baiser).

Fahren wir morgen wirklich los? Nein, einen Tag geben wir uns noch. Also Abfahrt am Montag. Es sei denn, der Wetterbericht ändert sich noch einmal. Waren zuletzt in flotter Folge Tiefs durchgezogen, scheint sich jetzt das nordpazifische Hochdruckgebiet mit etwa einem Monat Verzögerung (La Niña bedingt) zu stabilisieren. Unsere Route um dieses Hoch herum wäre dann etwa 2.600 Seemeilen lang, würde aber günstigere Winde erhoffen lassen, Segelzeit dann vielleicht drei Wochen. Für den direkten Weg (2.300 sm) hatte unser Routenprogramm zwischendurch auch schon mal 30 Tage ausgewiesen, zu viel Gegenwind und Flauten. Dann doch lieber so:

Aloha.

O’ahu. Wellen im Meer und an Land.

Mit dem Mietwagen erkunden wir O’ahu. Wer sich noch nicht mit Hawai’i beschäftigt hat, dem wird der Inselname O’ahu vermutlich nichts sagen. Schon eher dagegen Honolulu als auf dieser Insel gelegene größte Stadt von Hawai’i und Hauptstadt des 50. und damit jüngsten US-Bundesstaates. Und vielleicht auch noch Waikīkī, Stadtteil von Honolulu und zugleich Namensgeber des berühmtesten Strandes der Inselgruppe.

Auf der Parallelstraße zum Waikīkī-Beach fahren wir aus Honolulu hinaus Richtung Südosten. An den Ampeln ungewohnte Anblicke: Surfer aller Altersklassen laufen barfuß durch die Großstadt, das Board unterm Arm. Vor der Schule oder der Arbeit eben noch mal schnell ‘ne Runde Wellenreiten 🏄.

Am Aussichtspunkt bei Diamond Head legen wir eine erste Pause ein. Eigentlich hätten wir dieses Wahrzeichen von Honolulu gern von “innen” besichtigt, denn was von See und auch vom Stadtzentrum aus wie ein normaler Berg aussieht, ist in Wahrheit ein gigantischer Tuffring. An der südwestlichen Seite hat sich ein höherer Rand mit einer Spitze ausgebildet, weil bei der zugrunde liegenden Eruption der Nordostpassat die Partikel vorwiegend in diese Richtung geweht hat.

Man soll von dort einen tollen Blick über Honolulu haben, aber bei der Anfahrt blinken uns bereits Leuchtschriften entgegen. Ohne Reservierung kein Eintritt! Wir probieren es gleich online, aber für die nächsten Tage ist schon alles dicht. Mit dem Museum über dem Wrack der Arizona in Pearl Harbor wird es uns genauso gehen. Der Tourismus auf O’ahu ist durchorganisiert, solche typischen Attraktionen muss man rechtzeitig buchen. Ups. Macht aber nichts, es gibt so vieles zu sehen was man nicht buchen muss. Den Blick über die Vorstadtviertel hinüber zu den scheinbar sanft gewellten Hügeln bei unserem nächsten Ziel Koko Head zum Beispiel.

Beim Näherkommen wird aber klar: sanft gewellt ist höchstens die Straßenführung dort hindurch, Koko Head und Koko Crater sind weitere Vulkankrater, die sich durchaus schroff präsentieren.

Auf der Küstenstraße geht es mit wunderschönen Panoramablicken weiter gegen den Uhrzeigersinn um O’ahu herum.

Bei Kaneohe an der Ostseite der Insel machen wir einen Abstecher weg vom Meer in die Berge hinein. Es geht durch dichten Wald und ein paar Tunnel steil hinauf zum Nu’uano Pali Lookout. Der Ausblick von dort ist wirklich atemberaubend, denn vor der Steinplattform fällt das Gelände fast senkrecht rund 300 m ab. Der Legende nach fand hier der entscheidende Kampf statt, aufgrund dessen der siegreiche Kamehameha auch O’ahu als letzte Insel des Archipels seinem Königreich eingliedern konnte und damit ganz Hawai’i unter seiner Herrschaft vereinigte. Die Armee von Kamehameha soll die unterlegenen Truppen seines Widersachers über die Klippen in den Abgrund gedrängt haben.

Der Blick geht entlang an den steilen Hänge der Ko’olau Berge.

Wie Stein gewordene senkrechte Wellen kurz vorm Brechen muten die Flanken dieser Berge an, oder wie gefaltete “Ziehharmonika”-Berge. Der zumeist vergleichsweise schmale Streifen Flachland zwischen den Steilwänden und dem Meer wird hier im feuchteren Osten der Insel dort wo die Häuser noch Platz lassen meist landwirtschaftlich genutzt. Der breite, weitgehend unzugängliche Gebirgszug Ko’olau nimmt aber fast die Hälfte der Fläche der Insel ein und zieht sich von der Südspitze bis in den Nordosten. An seinen östlich Flanken fahren wir – unterbrochen vom Stop an Giovanni’s Foodtruck – bis zu dem berühmten Surfstrand schlechthin. Der Sunset Beach an O’ahus Nordküste ist legendär. Surfer sehen wir dort aber kaum. Kein Wunder, das Wasser vor dem kilometerlangen Sandstrand ist fast spiegelglatt:

Jetzt. Im Sommer. Im Winter dagegen baut der dann vorherrschende Nordschwell hier die Brandung auf, die ihn zum Mekka der Wellenreiter gemacht hat.

Ein weiterer kleiner Abstecher führt uns in den botanischen Garten von Waimea, der in einem wunderhübschen Tal einen Spaziergang zu einem kleinen Wasserfall sowie zudem einen Einblick in die Hawaiianische Kultur bietet und quasi ein Museumsdorf beinhaltet. Auf besonderen Wunsch einer lieben Segelfreundin (gestern von Bermuda aus geäußert) gehe ich bei dieser Gelegenheit nochmal auf die Vögel dort ein, denn auch in diesem botanischen Garten können wir wieder ganz besondere entdecken, Zum Beispiel diese beiden doch sehr unterschiedlich aussehenden Schamadrosseln:

Vor allem aber, liebe Andrea, den hier:

Rotohrbülbül

Wie sein naher Verwandter, der Rotsteißbülbül (aus dem letzten Beitrag) ein echter Bülbül. Die Familie heißt wirklich so (engl.: bulbul) und lebt überwiegend in Afrika und auf Madagaskar. Die deutschen (Vor-)Namen der (profaner auch Haarvögel genannten Familie sind bei der Lage ihrer auffälligen Farbflecken ja selbsterklärend.

😉

Weiter an der Nordküste entlang findet sich im Nordwesten ein Naturschutzgebiet, dass zwischen sehr felsigen Abschnitten nur kleine, abgelegene und selten besuchte Sandstrände aufweist. Ein Rückzugsgebiet für die selten gewordene Hawaiianische Mönchsrobbe, von der wir eine auf unserem langen Spaziergang dort auch tatsächlich antreffen.

Das Wasser zeigt schon: hier wird es wieder wilder. Aber so richtig knackig zeigen sich die Wellen erst an der Westküste. Ganz im Norden dort liegt die Yokohama Bay. Als wir ankommen, zeigen rote Flaggen überall am Strand, dass Schwimmen derzeit nicht angesagt ist. Wären wir aber wohl auch so drauf gekommen:

Es gibt aber auch Badegäste, die trotzdem ins Meer wollen, es sich dann aber kurzfristig doch anders überlegen 🤔

Und natürlich die Surfer. 😎

Wir begnügen uns einfach mit dem Betrachten dieses wunderbaren Naturspektakels können uns an den Farben und der Dynamik einfach nicht sattsehen.

Pünktlich zum Sonnenuntergang sind wir zurück in Honolulu. Vor Floras Bug, auf der anderen Seite der Hafenmole gehen die Wellen ebenfalls hoch und so sind dort und auch auf der Mole selbst noch Surfer unterwegs.

Aloha.

Honolulu, Hawai’i

35 sm sind es von Lono Harbor auf Moloka’i nach Honolulu auf O’ahu. Herrliches Segeln bei bestem Wetter und gutem Wind. Wir haben ein bisschen gemischte Gefühle, freuen uns einerseits auf Honolulu, wissen aber andererseits auch nicht so recht was wir davon halten sollen, jetzt nach den bisher eher beschaulichen Eindrücken von Hawai’i einige Zeit in einer Großstadt zu liegen. Außerdem wissen wir auch noch nicht so recht, wie sich die Liegeplatzsituation gestaltet. Marinas sind in den USA meist ziemlich teuer und oft auch ausgebucht. Von der holländischen “Pitou”, mit der wir über Instagram Kontakt hatten, gab es allerdings den Hinweis, dass der günstige staatliche Ali Wai Harbor noch freie Plätze habe. Einfach reinfahren, festmachen und im Hafenbüro anmelden. Also genießen wir die schöne Anfahrt auf O’ahu.

Als wir näher dran sind, kommen dann auch die Hochhäuser von Honolulu und der Hausberg “Diamond Head” in Sicht. Dazwischen liegt der berühmte Waikiki Beach.

Direkt hinter dem Waikiki Beach liegt die Einfahrt zum Hafen, Wellenreiter surfen unmittelbar daneben vor der Mole. Jetzt werden die Hawai’i-Klischees bedient 😉.

Rein in den Hafen, gleich die erste Gasse. Am Gästesteg liegen Heckbojen aus, es ist tatsächlich noch einiges frei.

Wow, was für ein Liegeplatz! Wir fühlen uns sofort wohl. Hinter uns die Skyline von Honolulu, vor uns die Surfer direkt auf der anderen Seite der Mole. Und nur einen Steinwurf vom Waikiki Beach entfernt. Vier Liegeplätze weiter die Pitou mit Liselotte und Machiel, bei denen an Bord wir einen wunderschönen Abend haben. Mit Blick …

… und Sundowner 😊

Aloha.

Lanā’i und Moloka’i: Ankern in Abgeschiedenheit

Nach dem etwas rolligen Ankerplatz vor dem bunten und touristisch erschlossenen Lahaina auf Maui entscheiden wir uns für ein Kontrastprogramm. Das ist einfach, in Sichtweite gegenüber der Stadt liegt Lāna’i. Diese Insel steht für Exklusivität, sie ist fast vollständig im Besitz von Larry Ellison, der dort für extrem zahlungskräftige Erholungssuchende zwei absolute Edelressorts und diverse Villen anbietet. Gekauft hat er die Insel von Dole. Genau, der Frucht-Produzent. Jim Dole kaufte Lāna’i 1922 und verwandelte das Eiland zur damals größten Ananasplantage der Welt, lange Jahre wurde hier bis zu ein Fünftel aller weltweit produzierten Ananas angebaut.

Aber was zieht uns dorthin? Auf der Westseite der Insel soll es einen spektakulären Ankerplatz an der Steilküste geben, dessen hoch aufragende Felsnadeln zudem Schutz vor dem in Lahaina recht lästigen Südschwell bieten. Einen Versuch ist es jedenfalls wert. Wir segeln etwa 25 sm südlich um Lāna’i herum und hoch bis zur Mitte der eher kargen Westküste. Und wir werden nicht enttäuscht:

Wir liegen wunderbar ruhig und der Anker findet perfekten Halt auf dunklem Sandgrund. Und als Extra bieten die “Needles of Nanahoa” auch noch ein beeindruckendes Schnorchelrevier.

Das zaubert doch gleich ein Lächeln ins Gesicht. Warum?

Am nächsten Tag segeln wir eine Insel weiter, wieder auf eine der etwas kleineren, unbekannteren Inseln des Archipels. Moloka’i hat sich dem Tourismus weitgehend verweigert, ist eher ländlich strukturiert, bietet aber tolle Sandstrände, Wanderpfade und mit rund fünfzig Prozent den höchsten Anteil hawaiisch/polynesischstämmiger Bevölkerung. Für uns ist die Insel zudem ein passender Absprungort für den geplanten Schlag hinüber nach Honolulu auf O’ahu, was dann wohl wieder Kontrastprogramm sein dürfte.

Auch der Ankerplatz auf Moloka’i ist sehr speziell und gut geschützt, er liegt in einem aufgegebenen, früher wohl zum Sand- und Kiesverladen genutzten Hafen mitten im weitgehend unbewohnten Nirgendwo der westlichen Südküste der Insel.

Ankern im Hafen? Ja, die Mole ist eher nicht mehr so vertrauenerweckend, aber zum Anlanden mit dem Dinghy (das wir anschließend mit dem Dinghyanker etwas von der Pier abhalten) reicht es allemal.

Witzig: der Online-Törnführer „Noodle Notes“ berichtet, dass hier im Sommer manchmal „infestation of honey bees desperate for fresh water” zu erwarten sei. Tatsächlich findet sich gleich nach unserer Ankunft eine größere Zahl Bienen ein und stürzt sich auf den Bezug unseres Kugelfenders, der nach dem Abspülen unseres Hecks (vorher dort den gefangenen Bonito filetiert) noch mit Frischwasser getränkt ist.

Das scheint dringend zu sein. Wir stellen den übrigens kein bisschen aggressiven Bienen eine große Schüssel mit Wasser hin und es ist erstaunlich, wie schnell sie den Pegel reduzieren. Aber die Wand scheint zu glatt und manche Bienen ertrinken, also schwenken wir auf flache Untertassen um.

Die muss ich allerdings ein paar mal nachfüllen. Zum Sonnenuntergang sind die Bienen dann wieder verschwunden.

Dafür kommt im letzten Tageslicht ein amerikanischer Einhandsegler in den Hafen und ankert neben uns. Wir laden James zu Fischtacos aus dem Bonito ein und es wird ein super netter Abend. James hat seine “Triteia” nach dem günstigen Gebrauchtkauf sehr umfangreich überholt (eher: wieder aufgebaut). Auf dem Törn von der US-Westküste hinüber nach Hawai’i hat er nach einer Kollision mit Treibgut sein Ruder verloren und über tausend Meilen einhand unter selbst konstruiertem Notrunder zurückgelegt (YouTube: Sailing Triteia). Als er hört, das wir nach Alaska wollen, schenkt er uns seine Papierseekarten für die Region. Er hatte ursprünglich geplant, dorthin zu segeln, sich jetzt aber für Französisch Polynesien umentschieden. Geld will er auf keinen Fall annehmen, wir sollen die Karten halt nach Gebrauch weiterverschenken.

Das werden wir machen, vielen Dank, James!

Aloha.

Isabela. Seepferdchen und Teufelsrochen, tanzende Vögel und Pinguine unter Palmen und Haie, Haie, Haie und Vulkane

Die Landschaft und Tierwelt auf den Galápagosinseln begeistern uns immer wieder aufs Neue. Ein Bootsausflug nach Las Tuneles macht das deutlich.

Die Lavaströme, durch die ja letztendlich die gesamten Galápagosinseln geschaffen wurden, haben hier ein Labyrinth von Brücken, gewundenen Wasserwegen, Inseln und auch unter dem Wasserspiegel liegenden Höhlen und Durchgängen geformt.

Das Wetter ist ruhig, fast kein Wind. Aber schon am vorgelagerten Vogelfelsen wird klar: die langen Dünungswellen treffen mit viel Kraft auf die Lavasteine.

Unser Ausflugsboot wartet eine Welle ab und spurtet dann beherzt durch die schmale Einfahrt. Klappt gut und zwei Kurven weiter ist das Wasser so glatt, dass wir die uns unter der Oberfläche begleitende Schildkröte erkennen.

Der Blick zurück aber zeigt ein anderes, wilderes Bild:

Es ist faszinierend, wie eng der Kapitän das Boot an den scharfkantigen Felsen vorbei manövriert, tief hinein in das Gewirr.

Auf den Lavasteinen wachsen einige Kakteen, weiter innen auch ein wenig niedriges Gebüsch. Wir sehen zu meiner großen Freude einige Blaufußtölpel.

Deren Balz hat gerade begonnen und einen können wir sogar bei einem ersten Tanzansatz beobachten.

Die finster dreinschauenden Noddys (eine Seeschwalbenart) scheint das aber nicht zu beeindrucken.

Eine Ebene tiefer sehen wir im Wasser immer wieder Meeresschildkröten und dann Vögel …

… tatsächlich Brillenpinguine. Isabela wirbt damit, dass hier die einzigen Pinguine nördlich des Äquators brüten (im Norden der eben auf dieser Linie liegenden Insel).

Und so gibt es hier eben tatsächlich Pinguine unter Palmen. Selbst im Hafenbecken vor Puerto Villamil hatten wir sie schon beobachten können.

Dann mal rein ins Wasser, gleich zwei (grundverschiedene) Schnorchelgänge stehen auf dem Programm. Zunächst noch im relativ klaren Wasser etwas weiter draußen, wo wir einiges an tropischem Fisch, kapitale Lobster und kleine, gut getarnte Seepferdchen sehen.

Muss ja auf Isabela wohl auch 😁

Der zweite Schnorchelgang, im flacheren Wasser näher am Mangrovenufer ist von deutlich größeren Lebewesen geprägt. Unzählige Meeresschildkröten …

… außerdem junge Schwarzspitzenhaie

und eine Vielzahl von Weißspitzenhaien.

Wow. Schnorcheln wohlgemerkt, nicht Gerätetauchen.

Das ist dann zwei Tage später dran, ich habe einen Doppeltauchgang an der Isla Tortuga südlich von Isabella gebucht, während Wiebke eine 16-km-Wanderung auf den Vulkan Sierra Negra etwas nördlich von Puerto Villamil macht.

Was für Tauchgänge! Mit der Strömung lassen wir uns an der Nordostseite der wie ein Halbkreis geformten Isla Tortuga und um deren Südspitze herum treiben. Neben wiederum unfassbar vielen großen Meeresschildkröten gibt es reichlich Schwarmfisch, zum Beispiel die schon am Kicker Rock gesehenen Gelbschwanz-Doktorfische oder Barrakudas.

Aber die Glanzlichter dieser Tauchgänge setzen Großfische. Halten sich die Hammerhaie im ersten Tauchgang noch ein bisschen in dunstiger Distanz hinter den Weißspitzenhaien …

… schiebt sich dieser im zweiten Tauchgang mit einem Schwarm Stachelmakrelen doch deutlich näher heran.

Und auch ein Teufelsrochen, im ersten Tauchgang ebenfalls nur in der Ferne zu sehen, schwimmt mir dieses Mal direkt vor die Linse. Wir hatten auch schon vor 2 Tagen vom Tourboot aus welche gesehen.

Und Wiebke? Statt hinunter ins Wasser weit hinauf auf die Berge:

Die Wanderung zu den Vulkanen Sierra Negra und Chico ermöglicht den Blick über die Insel und zur Westküste. Wir (also Wiebke und zudem sind noch Holger und Gast Moritz von der Ultimate dabei) haben da Glück mit dem Wetter. Zunächst geht es durch kräftig grüne Landschaften am Rand des großen Vulkankraters entlang. Die Luft ist herrlich frisch auf 1000m Höhe. Gefüllt ist der Krater mit schwarzer erkalteter Lava.

Dann geht es an der Vulkanflanke über Lavageröll durch eine Mondlanschaft zum kleiner Vulkan Chico, der in der 60ziger und 70ziger Jahren ausgebrochen ist. 16 km und ein wunderschöner Hike.

Isla Isabela, Zeitreise und Godzilla

Die Uhren auf Isabela gehen langsamer. Die Tiere bewegen sich (überwiegend) gemächlich, die Menschen tun es ihnen gleich.

Als wir den Ankerplatz anlaufen, passieren wir die “Paola”, einen kleinen Frachter, der im Schutz der ersten kleinen Felsinsel ankert, das Heck an einer großen Mooringtonne gesichert. Rechts und links von ihm liegen kleine motorlose Bargen oder Leichter, daran wiederum jeweils ein Arbeitsboot mit Außenbordmotor.

Wir ankern kurz hinter der Paola und seit nunmehr (mindestens) vier Tagen wird das Schiff entladen. Tagsüber ohne Pause wird über die schiffseigenen Ladebäume Stückgut auf die Leichter gehievt. Zementsäcke, Getränkekisten, Motorräder, Außenborder, Waschmaschinen können wir identifizieren, dazu jede Menge Kartons, Kisten und Säcke mit nicht so offensichtlichem Inhalt. Abwechselnd fahren die Leichter an die Hafenmohle, werden dort zumeist per Hand entladen (für ganz großes Stückgut kommt ein LKW mit Mobilkran) und kehren zurück. So war es vor der Einführung der Containerschifffahrt in vielen Häfen.

Ein weiteres Schiff liegt auf Reede, eine Art offene Fähre mit LadeKlappe vorn. Drei Lkw, einen Pkw und ein paar Baumaschinen können wir darauf erkennen. Um Hochwasser herum pendelt eine zweite, deutlich kleinere offene Fähre zwischen Hafenmauer und der großen Fähre hin und her, legt sich Bug an Bug davor, stabilisiert von zwei Arbeitsbooten. Beide Fähren lassen ihre Bugklappen herunter, jeweils genau ein Fahrzeug wechselt auf die kleine Fähre und wird an Land gebracht.

Warum dieser Aufwand? Vor der Hafenmole ist es flach, sehr flach. Selbst die Taxiboote fahren einen großen Bogen und tasten sich langsam an den Steg heran. Und doch, der Ablauf der Entladung der Frachter wirkt aus der Zeit gefallen, eine Reminiszenz an vergangene Zeiten.

Auch im Ort Villamil setzt sich das fort. Im Zentrum sind mehrere Straßen rund um den zentralen Platz ungepflasterte Sandwege.

Wir sehen einen Maler, der eine Hauswand neu tüncht. Er balanciert barfuß auf einem schräg an die Wand gelehnten Bambusgerüst.

Aber natürlich sind das nur Schlaglichter, die Moderne hat auch hier Einzug gehalten, das ist nicht nur an den Satellitenschüsseln erkennbar. Die kleinen Hotels werben mit Wifi, Aircondition und Warmwasser (!), E-Bikes und Elektroroller werden zur Miete angeboten.

Gemeinsam mit Susan und Holger von der Ultimate entscheiden wir uns für eine Fahrradtour und mieten dafür Strandbikes mit fetten Ballonreifen. Mit 10 $ für fünf Stunden sind die auf der sonst nicht ganz günstigen Insel ziemlich preiswert.

Am langen herrlichen Strand entlang und und dann durch das ansteigende Gelände geht es an den hier typischen Kakteenbäumen vorbei hoch zur Mura de Lagrimas.

Die Mura de Lágrimas (=Mauer der Tränen) ist Bauwerk gewordener Zeuge eines dunklen Kapitels der Inselgeschichte. Die Mauer mitten in der Wildnis wurde in den Jahren zwischen 1945 und 1959 von den Gefangenen einer Strafkolonie unter unmenschlichen Bedingungen aufgeschichtet und ist heute ein Denkmal. Neben der harten Arbeit in der Hitze muss die völlige Sinnlosigkeit des Konstrukts ein (beabsichtigter) weiterer psychologischer Tiefschlag für die Häftlinge gewesen sein.

An der Mauer vorbei steigen wir weiter den Berg hinauf auf den Aussichtspunkt “Mirador de Bahia”. Er macht seinem Namen Ehre und lässt uns einen weiten Ausblick über die Bucht bis zu unserem Ankerplatz vor Villamil genießen.

Auf dem Rückweg zu unseren abgestellten Fahrrädern sehen wir die ersten Riesenschildkröten in freier Wildbahn. Schilder hatten schon auf sie hingewiesen, aber so recht hatten wir nicht daran geglaubt.

Spannend auch, dass die für Menschen giftigen kleinen “Äpfel” der Manzanillos (die Machinel Tree kennen wir bereits aus der Karibik, man sollte nicht einmal bei Regen unter ihrem Blätterdach Schutz suchen) eine der Lieblingsspeisen der Riesenschildkröten sind.

Zurück gehts überwiegend bergab und damit leichter, trotzdem machen wir noch zwei Stops. Erst an einem Lavatunnel direkt am Meer, dann an einem Mangrovenfluss, der Süßwasser aus den Vulkanbergen führt, in den aber auch Salzwasser von der nahen Mündung hineinflutet und in dem wir ein ganz herrlich erfrischendes Bad nehmen.

An beiden Plätzen wandern wir noch ein bisschen herum und jeweils finden wir am Meer Lavasteinküste, auf denen sich die schwarzen Meerechsen tummeln. Hier auf Isabela werden sie besonders groß, bis etwa 1,3 m lang. Auch wenn das Kinomonster Godzilla tatsächlich diesen Echsen nachempfunden wurde, sie sind völlig harmlose Pflanzenfresser. Und – anders als ihr Name vermuten lässt – leben sie auch nicht im Meer, sondern suchen sich dort nur ihre Nahrung, indem sie Algen und Tang von den Lavasteinen abweiden. Dabei können sie bis zu 10 Minuten unter Wasser bleiben und insgesamt etwa eine Stunde im Meer, bevor sie sich an Land wieder aufwärmen.

Auch wenn die Meerechse lüstern hinüber zu blicken scheint, der junge “Sally Lightfoot”-Krebs steht nicht auf ihrem Speiseplan.

Fast fünf Stunden dauert unsere Tour, genau pünktlich geben wir unsere Räder wieder ab. Abgesehen von einer erforderlichen Notreperatur an Holgers Sattelstütze (der Leatherman hat zum Glück auch eine Säge) haben sie uns gute Dienste geleistet. Zum Belohnungsbier suchen wir uns einen Schattenplatz in einem der vielen netten Strandrestaurants.

Wellenreiter tragen ihrer Boards vorbei oder surfen in Sichtweite. Hatte ich erwähnt, dass unser Ankerplatz ein bisschen rollig ist 😉?

Also noch einen Drink länger an Land bleiben, uns so richtig festquatschen und den Sonnenuntergang von der Dachterrasse der Bar betrachten.

Einklariert auf den Galápagosinseln

Ja, es ist geschafft, wir haben auf den Galápagosinseln offiziell in Ecuador einklariert. Der Prozess war der bisher bürokratischste, den wir auf unserer Reise hatten. Wir hatten das zwar vorher schon gehört, neben den happigen Gebühren werden viele Segler dadurch vom Besuch abgeschreckt, aber obwohl wir das wussten war einiges dann trotzdem überraschend intensiv.

So mussten wir dem Agenten im Vorfeld bereits eine Vielzahl von Dokumenten und Bescheinigungen schicken, jeweils als PDF, Fotos werden von den Behörden nicht akzeptiert. Das wiederum erfordert zwingend ein Programm, was PDFs verkleinert, weil sonst die Dateien schlicht zu groß zum praktikablen Versandt per Email sind.

Neben den üblichen Schiffspapieren, Crewliste und Reisepässen war vorab zu übermitteln:

  • Impfzertifikat für jedes Crewmitglied
  • Bestätigung über bestehende Krankenversicherung die Galapagos einschließt
  • internationales Zarpe, das unbedingt selbst noch einmal die Crewliste enthalten muss
  • Zertifikat über die erfolgte Schiffsausräucherung
  • Antifouling Zertifikat
  • “Sauberes Unterwasserschiff”-Zertifikat
  • AIS/MMSI-Zuteilungsurkunde
  • Liste der letzten zehn besuchten Häfen mit Abfahrtsdatum

Die Zertifikate kann man zum Teil auch selbst erstellen und mit dem eigenen Schiffsstempel versehen, so etwa das “Sauberes Unterwasserschiff”-Zertifikat. Hier sollen aber in jedem Fall Bilder des sauberen Unterwasserschiffs (einschließlich der kritischen Punkte wie Spalt am Ruderblatt, Propeller, Borddurchlässe, Tunnel Bugstrahlruder bei der Inspektion auf Galapagos vorgezeigt werden können. Das Antifouling Zertifikat haben wir tatsächlich selbst erstellt, versehen mit der Rechnung für Coppercoat und einem Bild nach dem Auftragen.

Mit den ganzen Unterlagen und Zertifikaten ist es aber nicht getan. Nach der Ankunft auf den Galápagosinseln hat man an Bord zu warten, bis der vom Agenten organisierten Behördentross eintrifft, 8 bis 10 Leute kommen dann gleichzeitig an Bord.


Auf dem Bild sind nur sieben zu sehen? Ja, weil der Taucher (!) gerade schon das Unterwasserschiff kontrolliert. Da darf kein Bewuchs drauf sein, schon wegen einer Seepocke kann er die Einreise verweigern. Dann muss man 40 sm raus, auf gutes Wetter hoffen, tauchend nacharbeiten, 120 US$ zusätzlich bezahlen und bei der nächsten Inspektion hoffentlich unbeanstandet bleiben. Außerdem ist ein Officer des Ministerio del Ambiente (also dem Umweltministerium) schon unter Deck im Salon, weil die Vielzahl seiner Formulare den verfügbaren Platz im Cockpit jetzt wirklich sprengen würde.

Man sollte vorbereitet sein, weitere Dokumente präsentieren zu können, etwa eine “COVID-19-Guideline” zum Verhalten an Bord (hatten wir gefertigt, wurde aber nicht abgefragt) und eine Liste aller an Bord befindlichen Medikamente (wurde abgefragt, kontrolliert auf abgelaufenen Medikamente, weshalb es für zwei Medikamente einen Hinweis gab).

Vom Agenten gab es im Vorfeld eine Liste mit erforderlichen Gegenständen an Bord, die kontrolliert werden können, außerdem eine Liste mit verbotenen Dingen (hauptsächlich bestimmte Nahrungsmittel). Und eine Liste mit anzubringenden Schildern.

Bei den erforderlichen Dingen wurden bei uns Ölbindetücher und biologisch abbaubares Spülmittel kontrolliert (und jeweils für die Akten fotografiert). Die Kühlschränke wurden inspiziert, allerdings nur oberflächlich, nachdem wir vorher versichert hatten, kein Frischfleisch und keinen Frischkäse dabei zu haben, nach diesen beidem Dingen wurden wir ausdrücklich gefragt. Der Kaffee wurde darauf kontrolliert, dass er gemahlen ist (keine ganzen Bohnen) und nach den verbotenen Chia-Samen wurden wir dreimal gefragt. Die extra angebrachten erforderlichen Schilder an den drei erforderlichen Mülltonnen (Organic, Recyle, Non-Recycle) wurden genauso für die Akten fotografiert wie der (natürlich geschlossene) Hebel für die Entleerung des Abwassertanks. Das ebenfalls notwendige, IM MOTORRAUM anzubringende Schild “Do not discharge black waters into the sea” blieb dagegen unbeachtet, bei den im Innen- und im Außenbereich des Schiffes anzubringenden “Do not throw garbage into the sea” bin ich nicht sicher. Schließlich war ich zwischendurch mal nicht dabei, weil bei jedem Crewmitglied von den beiden Health-Mitarbeiterinnen Temperatur, Sauerstoffgehalt des Blutes und der Blutdruck gemessen wurden. Außerdem war ich immer wieder abgelenkt, wenn eines der unzähligen Formulare zu unterschreiben war.

Natürlich ist schon der Gedanke, dass Fremde das eigene Schiff und Zuhause durchstöbern (können) unangenehm. Theoretisch sind entsprechende Kontrollen bei fast jedem Einklarieren in einem neuen Land möglich, praktisch haben wir das bisher zum Glück nicht erlebt. Der bekannt massive Personaleinsatz hier auf den Galapagos steigert ein solches latentes Unbehagen (im Vorfeld) eher noch. Aber alle vom Einklarierungsteam waren freundlich und super nett, die Vorbereitung und Begleitung durch den Agenten sehr professionell und hilfreich. Am Ende hat das Ganze eine gute Stunde gedauert (die Vorbereitung allerdings deutlich länger).

Und jetzt: Galápagos genießen. Das Sehnsuchtsziel, seit es in Kindertagen auf einem WWF-Brettspiel eines der Exotic-Highlights war für den Teil der Crew, der damals und auch später bei jedem Tierfilm wie gefesselt vor dem Bildschirm hing 😁

Las Perlas, die Perleninseln

Für den Absprung zu den Galapagos bieten sich die Perlas an, denn auf der Pazifikseite bildet die Küste von Panama vor Panama Stadt eine große (etwa 100 sm) fast halbkreisförmigere Bucht, in deren Mitte eben die Perleninseln liegen.

Ihren Namen bekamen sie von den spanischen Eroberern, denn die Ureinwohner der Inseln trieben Handel mit ertauchten Muschelperlen. Nicht mehr sehr lange allerdings, denn bereits 1515, nur zwei Jahre nach ihrer Entdeckung, raubten die Spanier die Inselgruppe aus und ermordeten oder verschleppten die Bevölkerung. Erst drei Jahre später kam ein Teil zurück auf die Inseln um – nunmehr versklavt- wieder nach Perlen zu tauchen.

Der heutige Reichtum der Inseln liegt eher in den unzähligen Sandstränden. Etwa 200 Inseln weist die Inselgruppe auf (je nachdem, wie viele der vorgelagerten Felsen als eigene Insel gezählt werden lesen wir von 183 bis 238). Die allermeisten sind noch immer unbewohnt, aber in den letzten Jahrzehnten hat den Archipel mehr und mehr erschlossen. Obwohl im Bauhaus noch nicht vermerkt, gibt es inzwischen sogar eine Marina (auf der Isla Pedro Gonzales), mindestens zwei weitere sind in Planung, beide in Verbindung mit Luxusressorts.

Die meisten Sandstrände verändern ihr Erscheinungsbild mehrfach täglich, verschwinden fast ganz, tauchen wieder auf. So auch auf Contadora, unserem ersten Ankerstop in den Perlas. Der Tidenhub von rund vier Metern lässt uns vor einem wunderbar breiten Strand ankern, von dem einige Stunden später fast nichts mehr zu sehen ist.

Contadora ist ist eine der besterschlossenen Inseln der Gruppe, weist einen Flugplatz und Fährverbindungen auf. Wir sehen nur gepflegte Villen und Ressorts, der Luxus ist greifbar, wohl auch durch die relative Nähe zu Panama Stadt. Interessant ist, dass hier wie auch auf einigen anderen Inseln derzeit viele Bäume kahl wirken. Am Winter kann es so nah am Äquator kaum liegen, eher schon an der sich jetzt langsam dem Ende nähernden Trockenzeit (Mitte Dezember bis Mitte April).

Unser nächster Ankerplatz zwischen der Isla Chapera und der Isla Mogo Mogo wirkt ganz anders. Zwar haben wir auch hier (bei Ebbe) breite Sandstrände, zwischen denen felsige Abschnitte für Unterteilungen sorgen, aber außer einem Gebäude der Aeronaval in der nächsten Bucht ist vom Boot aus und selbst mit der Drohne keine weitere Bebauung sichtbar.

In den Perlas haben wir uns mit der Crew der Ultimate verabredet. Susan und Holger hatten wir in den San Blas kennengelernt. Sie wollen mit ihrer Hallberg-Rassy 45 ebenfalls nach Galapagos, da bietet sich das Buddyboating natürlich an.

Passt perfekt, dass wir auf der Fahrt zu unserem nächsten (und letzten) Ankerplatz in den Perlas einen schönen Bigeye Jack (Großaugen-Stachelmakrele) fangen, die reicht heute Abend für uns vier.

Auch wenn der Himmel an unserem letzten Tag in Panama ein bisschen dunstig ist, die Ankerbucht im Osten von Pedro Gonzales macht uns den Aufbruch nicht eben leicht.

Ebbe
Flut

In den Las Perlas und überhaupt an der Pazifikküste Panamas könnten wir noch so vieles entdecken. Andererseits freuen wir uns auf die Galapagosinseln und auch auf die Passage dahin. Etwa eine Woche sollte die Fahrt dauern, zumindest für die erste Hälfte verspricht der Wetterbericht sogar segelbaren Wind. Das ist keine Selbstverständlichkeit für diese Strecke, also gilt es, dieses Wetterfenster zu nutzen.

Ab morgen werden wir dann also erst einmal nur über Iridium-Satellit erreichbar sein, drückt uns die Daumen für eine gute Passage.

Panama, die andere Seite

Wow. Manchmal müssen wir uns noch kneifen. Wirklich wahr, wir sind im Pazifik. 😊

Die Webcams der Kanalbehörde haben so ihre Tücken, als ich es probiert habe, funktionierten sie scheinbar nicht und das haben mir auch andere so gespiegelt. Aber mein Kollege Christopher aus Hamburg hat’s irgendwie geschafft und uns ein Bild der Flora in der zweiten Schleusenkammer der Gatun-Schleusentreppe geschickt, ganz lieben Dank dafür!

Erstmal nur eine Nacht ankern wir an der Punta Calebra vor Isla Flamenco am Ausgang des Panamakanals. Dann fahren wir hinüber zu einer der vorgelagerten Inseln. Nicht zu den Las Perlas, das wäre mit gut 30 sm bei der herrschenden Windstille zu weit und ohnehin wollen wir mit unserem Besuch ja auch noch Panama Stadt anschauen. Aber einmal quer durch die vielen auf Reede wartenden Schiffe bis zur nur sieben Meilen entfernten Insel Taboga, das geht schon.

Hier lassen wir es gemütlich angehen, baden im deutlich kühleren (aber immer noch 23 Grad warmen) Pazifikwasser, laufen durch den kleinen bunten Ort. Am Wochenende sind die Sandstrände hier sehr beliebt, vor allem die schmale Landzunge hinüber zum vorgelagerten Inselchen Morro de Taboga, Ausflügler kommen von Panama Stadt mit der Fähre oder ihren Booten herüber, Jet Skis und andere Lärmspielzeuge sollen für ordentlich Alarm sorgen. Jetzt unter der Woche spürt man davon nichts, es wirkt angenehm verschlafen, obwohl wir am Horizont die Hochhaus-Skyline von Panama Stadt sehen.

Wir bleiben noch eine Nacht länger, backen Brot, kochen lecker, faulenzen in der Hängematte. Wandern auf den Cerro de Cruz, ganz schön anstrengend zwar, aber wir werden mit einem tollen Blick über den Ort, die Bucht, die Reede und eben hinüber zur Festlandsküste belohnt.

Und dieser Blick zeigt dann tatsächlich ein ganz anderes Bild von Panama, als wir es uns bisher etwa in Bocas del Toro oder den San Blas gemacht haben.

Panamakanal – das volle Paket

Um 3:30 klingelt der Wecker. Um 4:00 funke ich wie vorgeschrieben „Christobal Signal Station“ auf Kanal 12 an, um ihnen meine Position durchzugeben und mitzuteilen, dass wir dort auf den Advisor warten. Aber Christobal Signal ist offenbar gut vorbereitet, denn bevor ich die Details loswerden kann wird mir schon gesagt, der Advisor sei bereits zu uns unterwegs, die Position offenbar über AIS bekannt.

Und tatsächlich fährt kurz darauf eine Art Lotsenboot vierkant auf unsere Steuerbordseite zu. Es ist noch stockfinster, wir haben die Decksbeleuchtung eingeschaltet und die Relingsdurchlässe geöffnet, aber letzteres ist jedenfalls überflüssig. Der Advisor springt auf Höhe der Wanten an Deck, weil er sich dort sicherer festhalten kann.

Und dann gehts auch gleich los. Anker auf, An den Wracks hinter den Flats vorbei ins Fahrwasser der Großschifffahrt. Unter der Puente Atlántico hindurch zur ersten Schleusentreppe, den Gatun Locks.

Es wird langsam hell, als wir die Schleusen erreichen. Anders als von mir befürchtet, scheint die Eintages-Variante also doch kein Schleusen in Dunkelheit zu bedeuten, denn die Ausfahrt aus der letzten Schleuse ist für 17:30 geplant, wenn denn alles glatt geht.

Wir drehen noch ein paar Kreise und warten darauf, dass der Autotransporter „Pleiardes Spirit“ vor uns in die erste Schleusenkammer einfährt. Ein ziemliches Spektakel, denn er hat die Maximalbreite für diese Schleuse und berührt auf beiden Seiten fast die Schleusenwände.

Und er macht ordentlich Welle: in der Spitze strömt das Wasser (bei seiner Ausfahrt) mit 5,3 kn an unserem mit vier Leinen festgemachten Boot vorbei.

Mit vier Leinen? Ja, denn die Vorhersage unseres Agenten, wir würden wohl als mittleres von drei Booten im Päcken geschleust, bewahrheitet sich nicht. Allein fahren wir hinter der wasserwirbelnden Schrankwand in die Schleuse, die Affenfäuste fliegen aufs Vordeck und Wiebke, Veronica, Justus und Jan haben als Linehandler ordentlich zu tun, nachdem das Schleusentor sich geschlossen hat.

Halten und immer wieder Durchholen. Neun Meter geht es nach oben, dann fahren wir in die zweite Schleusenkammer. Dazu werden die schweren Panamaleinen oben von den Pollern und wieder an Deck genommen, bleiben aber an den dünnen (zu Anfang mit den Affenfäusten herüber geworfenen Leinen) befestigt. Oben auf der Schleuse gehen die Kanalarbeiter mit den dünnen Leinen in der Hand parallel zu unserem Boot zur nächsten Schleusenkammer. „Walk the Line“ kommt einem in den Sinn.

Drei Schleusenkammern bewältigen wir so und 26 m weiter oben fahren wir dann in den Gatunsee. Wow.

Ganz viel Grün an den fast überall unbebauten Ufern des aufgestauten Rio Chagres, der einen großen Teil des Panamakanals ausmacht. Dazwischen nach den Regenfällen der letzten Zeit auch immer würden das rosa oder lila leuchtende Blütenmeer von Palisanderbäumen (Jacaranda).

Kleine und ausgreifendere Inseln, die die gut betonnte Fahrrinne ziemlich kurvenreich machen. Und reichlich Großschifffahrt natürlich auch.

Unser Advisor Ivan fragt nach einem „warmen Frühstück“ Rührei und Schinken kommt auch bei der übrigen Crew nach dem frühen Aufstehen gut an. Und Ivan fragt nach unserer höchstmöglichen (Dauer-)Reisegeschwindigkeit. Wenn wir schneller wären könnten wir auch die nächsten Schleusen wieder mit dem gleichen Autotransporter bewältigen und sogar noch früher als bisher vorgesehen auf der Pazifikseite ankommen. Für ihn wäre es sicher auch hilfreich, denn sein Arbeitstag hat noch zwei Stunden vor unserem begonnen. 7 1/2 Knoten können wir sicher schaffen und das sollte dann auch reichen. Also blasen wir den Turbo unseres Volvo mal wieder ein bisschen frei. Wir kommen gut voran, nur einmal müssen wir vor der Engstelle des Gaillard Cut kurz warten, um ein entgegenkommendes großes Kreuzfahrtschiff der Neo-Panamax-Klasse durchzulassen.

Hier wurde der Panamakanal durch einen 95 m hohen Sattel des Gebirgszuges gegraben, der Nord- und Südamerika miteinander verbindet, eine der aufwändigsten Stellen beim Bau des Kanals. Für den Abtransport der riesigen Abraummengen wurde eigens eine Eisenbahn gebaut.

Kurz hinter dem Gaillard Cut dann die Pedro Miguel Schleuse. Jetzt geht es bergab, und da fahren die Yachten vor der Großschifffahrt ein. Dieses Mal ist es tatsächlich ein Dreier-Päckchen. Gemeinsam mit der norwegischen „Escape“ machen wir rechts und links an der „Nomadica“ aus St. Helena fest. Schon im Päckchen, wird die Wartezeit vor der Schleuse mit dem Mittagessen verkürzt. Ein „man‘s meal“ mit Fleisch müsse es für den Advisor sein, hatte der Agent im Vorfeld mindestens dreimal betont, das sei neben dem ebenfalls zur Verfügung zu stellenden „botteled water“ (gekauft, keine unversiegelten Flaschen mit Wassermacherwasser) ganz wichtig.

Wiebke zaubert eine Paella mit extra viel Hähnchen und Ivan strahlt übers ganze Gesicht. Wir auch.

Nach der Pedro Miguel Schleuse löst sich das Päckchen wieder auf und über den Miraflores See fahren wir das kurze Stück zu den beiden letzten, miteinander verbundenen Miraflores-Schleusen.

Überraschung: hier erwartet uns die dritte Variante der Schleusung: zwei Schlepper bugsieren die Pleiardes Spirit an die rechte Einfahrtseite, wo sie mit Drahtseilen von Lokomotiven gehalten werden. Die Spezialloks übernehmen im Prinzip die Aufgabe unserer Linehandler und der „Walk the Line“-Kanalarbeiter. Jetzt aber fährt einer der Schlepper vor uns in die Schleusenkammer, die Nomadica macht längsseits an ihm fest, wir ebenfalls längsseits an der Nomadica. Toll, denken wir, bei dieser Schleusung brauchen unsere Linehandler garnicht zu arbeiten.

Das stimmt auch erst einmal, aber das Päcken muss nach der ersten Schleusenkammer aufgelöst werden, der Schlepper und die Boote fahren einzelnd in letzte Schleusenkammer und dort muss das Päckchen neu gebildet werden. Klappt auch, nur sind wir als drittes und letztes Boot noch nicht fest, als die Pleiardes Spirit in diese letzte Schleusenkammer einfährt. Da sie die ganze Schleusenbreite ausfüllt und natürlich auch einigen Tiefgang hat, entsteht dabei eine extrem kräftige Strömung, die uns ohne Chance auf sinnvolle Kurskorrektur achtern auf die beiden anderen Boote drückt. Erst nachdem der Autofrachter kurz hinter uns auf seiner endgültigen Position festgemacht hat, können wir uns aus dieser misslichen Lage wieder befreien. Zum Glück hat die Flora außer einem kleinen aber eben doch ärgerlichen Abplatzer im Gelcoat keinen weiteren Schaden davon getragen, die anderen Boote sind komplett unbeschädigt.

Ein kräftiger Schauer begleitet die Aktion und dauert auch noch an, als sich gegen 15:30 die massiven Tore der Schleuse öffnen und wir in den Pazifik einfahren. Was für ein Moment.

Der „friedliche“ zeigt sich dann aber auch gleich versöhnlich, bei strahlendem Sonnenschein geben wir die geliehenen Leinen und Fender am Balboa Yachtclub ab und fahren dann weiter zu unserem ersten Ankerplatz im neuen Ozean. jetzt sind wir auf der Sonnenuntergangsseite von Panama 😎. Pazifik.