Auckland: Tour, Kultur und Kulturen

Das aufgeschlitzte Dinghy hatte ja schon die geplante Wanderung auf Great Barrier Island ausfallen lassen und auch danach einen Landgang schwierig gemacht. In Auckland erhoffen wir uns eine professionelle Rettung des Beibootes und das Beheben unserer nur mäßig erfolgreichen Flickschusterei, aber darauf müssen wir ein wenig warten. Erst am folgenden Wochenende ist ein Termin für eine Reparatur zu haben.

Macht nix, wir haben uns ja extra einen Platz in der Bayswater Marina reserviert, den können wir problemlos bis übers Wochenende verlängern. Die Marina hat mit einer Fähre direkte Anbindung hinüber zur City von Auckland, perfekt. Erst aber bleiben wir auf dem „North Shore“ und trainieren bei einem ausgedehnten Spaziergang die schlappen Seglerbeine. Wir haben ja bereits von unserem Liegeplatz in der Marina einen wunderbaren Ausblick auf Auckland Downtown, aber auch auf der Wanderung bietet sich immer wieder die Ansicht der unverwechselbaren Skyline dieser Stadt. Mal hinter den bei Ebbe trockenfallenden Mudflats, mal aus Wäldern und Parks, mal über Mangroven hinweg. Wir wandern zunächst durch den Stadtteil Bayswater, dann um zwei große, den Stadtteil Narrow Neck begrenzenden Flachwasserbuchten herum zum Stadtteil Devonport mit seinen viktorianischen Holzhäusern. Ein Frühlingsspaziergang bei bestem Wetter.

Das Bier zum Abschluss im Patriot in Devenport haben wir uns nach der Tour wohl verdient, zurück zur Marina lassen wir uns dann im Uber chauffieren.

In den nächsten Tagen nehmen wir dann ziemlich regelmäßig die Fähre hinüber nach Downtown und auch dort kriegen unsere Beine genügend Bewegung. Der Wollladen in Parnell wird besucht, die Vorräte auf Flora müssen aufgestockt werden.

Wir treffen uns mit Freunden zum Essen. Und wir nutzen das kulturelle Angebot der Großstadt. In der Auckland Art Gallery Toi O Tāmaki besuchen wir die Ausstellung Picasso: Designed by Paul Smith. Es ist spannend zu sehen, wie der britische Mode-Designer Paul Smith durch seine Raumgestaltung, durch Beleuchtung, Farb- und Formspiele exemplarische Werke Picassos aus verschiedenen Perioden noch einmal anders ordnet und akzentuiert. Dem berühmten Kopf des Bullen wird eine Hommage und Interpretation (natürlich mit den für Smith typischen bunten Streifen) gegenüberstellt, Tapeten der Collagen Picassos nimmt Smith als Wandgestaltung auf, die von Picasso in eine Vogue-Ausgabe gemachten zeichnerischen Ergänzungen in einen komplett mit Vogue Covern (natürlich in Streifen) ausgekleideten Gang drapiert. Picassos Schwarzweiß-Zeichnungen zum Stierkampf-Thema finden sich an blutrot gestrichenen arena-runden Wänden.

Die absolut besuchenswerte Auckland Art Gallery hält neben dieser (kostenpflichtigen) Ausstellung aber auch noch diverse andere kostenfreie Ausstellungen bereit. Etwa die beeindruckende Sammlung historischer Porträts bedeutsamer Maorí-Persönlichkeiten.

Zeichnungen des überwiegend für seine extrem schlanken Bronze-Skulpturen bekannten Schweizer Künstlers Alberto Giocometti, und noch so vieles mehr.

Maorí-Kultur findet sich übrigens verstärkt auch im öffentlichen Straßenraum. Neue Skulpturen fallen an den Haupteinkaufsstraßen ins Auge, aber es gibt auch versteckte Kleinode. Unsere neuseeländischen Segelfreunde Kim und Ben machen uns auf eine interaktive Installation in einer Straßenunterführung neben einer Baustelle aufmerksam. Per QR-Code kann ein Maorí-Lied angehört und geübt werden. Wenn man es singt, löst die Installation eine Licht-Show unter der Brücke aus und aus Lautsprechern erklingt zudem das angesungene Lied.

Auckland bietet viele kulturelle Überraschungen. Eine weitere ist das Diwali-Festival, das wir mit Kim und Ben besuchen. Dieses größte Straßenfest der City of Sails verwandelt einen erheblichen Teil der Innenstadt für zwei Tage in eine indische Kulturmeile. Immerhin sind rund 300.000 Neuseeländer indischer Abstammung. Sie bilden mit etwa 6 % die drittgrößte Bevölkerungsgruppe nach den Europäisch-stämmigen und den Maorí. Die Straßen sind dicht gesäumt von Street-Food-Ständen mit ausschließlich vegetarischen indischen Spezialitäten sowie von Buden die Kunsthandwerk oder Henna-Tatoos anbieten. Drei große Bühnen sind aufgebaut. Nicht nur indische Folklore, neben traditionellen auch zeitgenössische Aufführungen, auch indischer Hip Hop und überhaupt moderne Interpretationen von indischer Musik und Geschichten erzählendem Tanz. Mal in Tracht, mal in Lederjacke. Es ist quirlig, laut, farbenfroh und stimmungsvoll.

Lichtshow und Feuerwerk gibt’s zum Abschluss des Diwali-Festivalwochenendes auch noch, aber da sind wir wohlgenährt und vom Herumlaufen auch ziemlich erschöpft dann doch schon wieder zurück auf der Flora.

Urlaubsgefühl

Über eine Woche war Ruhe auf diesem Kanal. Machen wir Urlaub?

Erstmal nicht wirklich, wir hatten durchaus zu tun. Aber jetzt sind alle dringenden Arbeiten an Flora erledigt, es kann weitergehen.

Die Segel sind vom Segelmacher zurück und wieder voll einsatzfähig. An einem windstillen Vormittag haben wir sie auch wieder angeschlagen. Das ist insbesondere beim Großsegel durchaus mit einigem Aufwand verbunden. 56 Quadratmeter schweres Hydranet-Tuch wollen gebändigt, hochgezogen und in den Mast gerollt werden. Danach dann langsam wieder herausrollen, um die durchgehenden vertikalen Latten in die Segeltaschen einzufädeln und zu spannen. Die größte der fünf Segellatten ist länger als unser Schiff, das ist also schon ein bisschen Action.

Auch die Lichtmaschine tut inzwischen wieder, was sie soll. Scott von EM-Power hat sich unseren Mastervolt-Lichtmaschinen-Regler vorgenommen. Zunächst schien alles ok. Als wir aber die Motordrehzahl erhöhten, stieg der Regler aus und startete neu. Dafür hatte Scott dann am späten Abend auch keine Erklärung mehr und wollte am nächsten Tag wiederkommen.

Brauchte er aber nicht, denn in der Nacht hatte ich einen Geistesblitz. Der Lichtmaschinenregler ist über den Öldruck geschaltet. Könnte es am Öldruckgeber oder an dessen Kabel liegen? Volltreffer, eine lose Steckverbindung am Öldruckgeber war der Übeltäter.

Außerdem haben wir für die Zeit auf der Werft schon mal vorgearbeitet und einige Teile bestellt. Die Schrauben der Tanks unter den Fußbodenbrettern wieder angezogen, die hatten sich gelockert und damit bei Seegang Quietschgeräusche ausgelöst.

Dazu natürlich sauber gemacht und bei der Gelegenheit auch die Bilgepumpe am tiefsten Punkt im Inneren des Schiffes gereinigt.

Den Stauraum unter der Achterkoje ausgeräumt, sortiert, Sachen zum Sozialladen gebracht, die Hochdruckpumpe des Wassermachers ausgebaut, gereinigt und wieder eingebaut, einige Schläuche und Ventile beim Wassermacher erneuert, und und und.

Zwischendurch genießen wir aber auch den Frühling in Whangārei, machen einen Ausflug in den Quarry Garden. In einem ehemaligen Steinbruch wurde ein Park angelegt. Halb botanischer Garten, halb Planten und Blomen, mit See und mehreren Wasserfällen, dazwischen Skulpturen und auch Reste des industriellen Steinbruchs. Und hier auf der Südhalbkugel lässt der Frühling halt jetzt die Pflanzen sprießen und die Farben leuchten.

Sabine und Jochen liegen mit ihrer Josa auch am Steg bei Dockland 5, gemeinsame Sundowner, Spieleabende und ein Besuch beim „Oktoberfest“ im Judge Alehouse sind da logisch und wir bleiben länger in Dockland 5 als ursprünglich geplant.

Aber wir reißen uns los. In gut einem Monat ist schon unser Krantermin und bis dahin wollen wir auch seglerisch etwas mehr von Neuseeland erkunden. Etwa fünf Wochen haben wir dafür erstmal, es fühlt sich wie Urlaub an. Die Inseln zwischen Whangārei und Auckland stehen auf dem Programm. Und es geht sehr gut los!

Die direkt vor den Whangārei Heads gelegenen Hen and Chicken Islands bieten keinen guten Ankerplatz bei den derzeitigen Südwestwinden, daher segeln wir durch diese Inselgruppe hindurch weiter hinaus zu den ebenfalls unbewohnten und seltener besuchten Mokohīnau Islands. Etwa 33 Seemeilen Richtung Osten sind es nach unserem Übernachtungsstop in Marsden Cove bis dort. 6 Stunden herrliches Segeln bei strahlendem Sonnenschein, im Wind ist auf dem nur 15° kalten Wasser trotzdem recht frisch, Fleecepulli ist angesagt.

Und dann erwartet uns dieser spektakuläre Ankerplatz, eingerahmt von hoch aufragenden Felsnadeln und fast senkrechten Cliffs:

Hier an Land zu gehen wäre ja ohnehin schwierig, es ist aber sowieso verboten. Nur die größte Insel des unter Naturschutz stehenden Archipels darf betreten werden. Also machen wir das Dinghy klar, erkunden ein wenig die Höhlen und Felsbögen der Cliffs an unserem Ankerplatz und fahren dann hinüber nach Pokohino, das auch Burgess Island genannt wird. Auf 122 m Höhe macht hier seit 1883 ein Leuchturm auf die verstreuten Felseninseln aufmerksam. Vor über 40 Jahren wurde er automatisiert, seitdem ist die ganze Inselgruppe unbewohnt.

Das Anlanden auf Pokohino ist nicht ganz einfach. Zwar gibt es eine alte, halbverfallene Betonpier, aber die dazu gehörige Treppe ist bei unserer Ankunft dem Ozeanschwell doch ziemlich ausgesetzt. Ich setze erst Wiebke ab, die mit einer langen Leine das Dinghy auf der Pier sichert, dann werfe ich den Dinghyanker an der Bungee-Leine. In einer Wellenpause an die Treppe motoren, überspringen ohne auf der glitschigen Treppe auszurutschen und das Dinghy vom Bungee zurückziehen lassen. Klappt.

Von der Pier zieht sich ein schöner Trail hoch zum Leuchtturm. Von dort haben wir einen tollen Ausblick über den Archipel (wir können den Mast der Flora ersähen, sie ist heute das einzige Boot hier) und bei der guten Sicht sogar zurück bis Hen and Chicken und weiter bis hinüber nach Great Barrier Island.

Pokohino ist wie alle Eilandes des Archipels eine Vogelinsel. Wir hatten bei den steilen Felsen eigentlich überwiegend Seevögel erwartet, aber das grüne Inselinnere bietet ganz offensichtlich auch vielen anderen Vogelarten willkommene Rückzugsorte. Wir hören und sehen unter anderem Maorí-Honigfresser sowie die einheimischen Kākāriki-Sittiche.

Vor allem aber freuen wir uns über die zahlreichen wunderschönen Tuí.

Ein weiteres Highlight gibt’s auf der Rückfahrt zur Flora: mehrere große Tümmler jagen zwischen den Schwärmen von Großmaul-Makrelen in der Bucht. Die Delfine kommen direkt zu unserem Dinghy geschwommen, drehen eine Runde um uns und widmen sich dann wieder den Makrelen.

Waya und Vorbereitungen für die Weiterfahrt nach Neuseeland

Von Nacula segeln wir mit einem Stop auf dem schon bei der Hinfahrt besuchten Naviti Island noch weiter südlich die Perlenkette der Yasawas hinunter nach Waya. Wieder einmal beeindruckt uns die Unterschiedlichkeit der Inseln.

Von weitem wirkt Waya kantig, fast abweisend.

Aus der Nähe betrachtet offenbart sich die herbe Schönheit der Insel.

Schroff, fast senkrecht steigen am Ankerplatz die schwarzen Felsen auf, als wollten sie der Insel einen gehörnten Helm aufsetzen.

Von Mareike und ihrer Crew werden wir gleich bei unserer Ankunft begrüßt, einmal mehr haben wir einen schönen gemeinsamen Abend auf der Moana.

Als wir am nächsten Morgen weiterfahren, ziehen sich niedrige Wolken weit die Hänge herunter. Man könnte fast glauben, wir seien in Schottland.

Aber kaum sind wir aus der Bucht heraus, reißt der Himmel ein bisschen auf. Erste Sonnenstrahlen kämpfen sich durch die Wolkendecke, beleuchten die Palmen hinter dem Sandstrand. Doch nicht Schottland!

Fast vierzig Seemeilen sind es bis zu unserem Tagesziel, aber mit Segeln wird es leider nichts. Wir motoren die ganze Strecke bis nach Denarau. Warum tun wir uns das an, wir hätten doch auch gemütlich in Waya bleiben können? Ja, schon. Aber: es gibt ein Wetterfenster für die Passage nach Neuseeland. Und zum Ausklarieren müssen wir eben nach Denarau, dort haben wir (wie gefordert) mit zwei Tagen Vorlauf für Montag einen Termin mit den Behörden vereinbart. Außerdem können wir in Denarau noch Frischwaren für die Passage einkaufen und – ganz wichtig – den Dieseltank der Flora wieder auffüllen.

Über Funk melden wir uns bei der Bootstankstelle. Ein Boot wird gerade betankt, wir sollen in 15 Minuten kommen. Das passt perfekt. Eigentlich. Allerdings entpuppen sich die 15 Minuten als … „Fiji Time“. Eine weitere Yacht drängelt sich dazwischen, nicht so wild. Die andere Seite des Tanksteges wird von kleineren lokalen Booten so genutzt, dass immer mindestens eines die Hälfte des Platzes nutzt und damit den Tankplatz blockiert, na gut, wohl ein Vorrecht der Locals. Dann ist irgend etwas mit der Zapfanlage, auf einmal geht nichts mehr. Kommunikation? Nö.

Geschlagene zwei Stunden driften wir im Hafenbecken vor der kleinen Tankstelle herum.

Dann geschieht ein kleines Wunder: wir kommen doch noch dran. Und das Warten hat sich auch gelohnt. Floras 400 Liter Dieseltank ist wieder komplett gefüllt, wir müssen uns nicht mehr vor möglichen Flautenlöchern auf der etwa einwöchigen Passage nach Neuseeland fürchten. Und der Preis an der Zapfsäule ist angesichts der aktuellen Ölpreisentwicklung recht günstig: ein Liter Diesel kostet 3,20 FJD (ca. 1,25 €), Benzin für den Außenbordmotor des Dinghies ist mit 3,10 FJD (ca. 1,20 €) noch etwas billiger.

Morgen früh um 9.00 Uhr haben wir einen Termin zum Ausklarieren. Der umfangreiche Formularkram für Neuseeland ist schon eingereicht. Das Wetterfenster sieht gut aus, was den Wind angeht. Die Wellen werden vermutlich mit bis etwas über 3 m zwischenzeitlich unangenehm hoch sein, aber die Frequenz den Wellen ist mit rund 12 Sekunden immerhin einigermaßen lang. Sowas wird für diese Passage schon als recht gutes Wetterfenster verkauft. Es ist halt kein Wunschkonzert.

Drückt uns also gerne die Daumen.

Somosomo, Bootsklinik und Nemo im bunten Korallengarten

Zum Sevusevu nach Somosomo, so ist das hier. Wir greifen uns einmal mehr ein in Zeitungspapier eingeschlagenes Bündel von Kawa-Wurzeln. Unserer schrumpfender Bestand baumelt in der Dusche, denn die hängende Aufbewahrung ist gut für den Kawa und in der Dusche lassen sich wegbröckelnde Wurzelreste gut aufnehmen. Außerdem haben die Wurzeln durchaus einen Eigengeruch. So sieht das aus:

Mit diesem rituellen Geschenk machen wir uns in unserem Beiboot auf zum Chief des nächstgelegenen Dorfes Somosomo und bitten um die Erlaubnis, in der Bucht ankern zu dürfen.

Am Strand vor dem Dorf Somosomo landen wir an. Eta heißt uns im Dorf willkommen und führt uns zum Haus des Chief. Nach dem Sevusevu zeigt sie uns das Dorf. Spannend: hier wachsen noch einzelne Sandelholz-Bäume. Der Sandelbaum war früher auf den Yasawa-Inseln weit verbreitet. Das hier Yasi genannte schwere Hartholz war in China ursprünglich dem Kaiserhof vorbehalten und ist auch heute noch zur Produktion von Möbeln und Kunstobjekten äußerst begehrt. Die Bäume wurden fast bis zur Ausrottung abgeholzt. Heute liegt der Marktwert für ein Kilo hochwertiges Sandelholz über 100 Fiji$. Auf der südlich von Naviti Island liegenden Insel Waya wird deshalb Sandelholz im Rahmen eines Nachhaltigkeitsprojektes in Baumschulen wieder kultiviert, um eine vom Tourismus unabhängige langfristige Einnahmequelle zu schaffen.

Junger Sandelbaum neben dem Haus des Chiefs

Mehrere Frauen des Dorfes haben während unseres Sevusevus schnell einen improvisierten Kunsthandwerksmarkt auf der Wiese im Zentrum des Dorfes aufgebaut. Das scheint nur uns zu gelten, aber vielleicht kommen nachher ja auch noch weitere Crews, denn vorm Ort ankern ebenfalls ein paar Boote. Wir kaufen zwei Tapa-Tischsets. Jetzt am Wochenende sind die Kinder im Dorf (und nicht im Boarding-Haus der Schule im Nachbardorf). Mehrere von ihnen sitzen bei ihren Müttern auf den Decken, für ein Foto rücken sie schnell zusammen.

Mit Rose (11), Meme (5), Mela (8) und Sake (7) schließen sich einige andere Kinder bei unserem weiteren Spaziergang durchs Dorf und die Umgebung an.

Es wird ein spaßiger Gang zu den Mangroven, durch den Fluss und zurück zum Strand vor Somosomo.

Die Haare von Rose und Meme sind übrigens nicht gefärbt. Vielmehr wird hier auf den Yasawas im Gegensatz zur eher von polynesisch-tonganischen Einfluss geprägten Lau-Inselgruppe die mehr melanesische Abstammung der fijianischen Bevölkerung deutlich.

Zurück zur Flora und an die Arbeit, es stehen mal wieder einige Projekte an. An den Davits (den kleinen Kränen, an denen wir unser Beiboot hochziehen und lagern) hat sich eine Leine verklemmt. Dafür müssen wir erstmals die Umlenkrolle am äußeren Ende des Davit ausbauen. Das Lösen der Schrauben (vom schwankenden Dinghy aus) erfordert dementsprechend ein wenig Überzeugungskunst, aber es klappt und wir bekommen das Ganze wieder gängig.

Nächstes Projekt: Großsegel. Ein kleines Loch zeigt sich oberhalb der hinteren Segellatte. Das in den Mast gerollte Segel herunterzunehmen würde bedeuten, dass wir alle 5 der bis zu 15 Meter langen Latten ausbauen müssten, das wollen wir uns am Anker lieber ersparen. Also zieht Wiebke mich in den Mast. Aus der Nähe zeigt sich, das nur ein kleines Stück Naht des Segels aufgegangen ist. Ich kann die Hand hindurchstecken. Selbst nähen möchte ich das hier nicht, also klebe ich auf jede Seite ein kleines Patch (selbstklebender Segelflicken). Nicht besonders schön, aber das sollte das weitere Auflösen der Naht erstmal verhindern.

Drittes Projekt: die Winsch der Ausholleine des Großsegels funktioniert mechanisch zwar noch, lässt sich aber nicht mehr elektrisch bedienen. Der Elektromotor surrt, aber die Winsch bewegt sich nicht. Das lässt einen Fehler im Kraftschluss der Zahnräder vermuten. Zur Behebung müssen wir die Winsch nicht nur auseinander bauen, sondern auch das Winschfundament ganz abnehmen. Wiederum erstmals und wieder bedarf es deshalb besonderer Überzeugungskraft um die Schrauben zu lösen. Ein mechanischer Schlagschrauber hilft. Dann alles schön säubern, die Sperrklinken wieder gängig machen und ölen. Zusammenpuzzeln, funktioniert wieder.

So soll das.

Zur Belohnung gehen wir vom Boot aus am Riff unseres Ankerplatzes ausgiebig schnorcheln.

Die Vielfalt und Farbenpracht der Steinkorallen und der Weichkorallen hier in Fiji beeindruckt uns immer wieder. Weitere Highlights des Schnorchelgangs hier in der Bucht sind die „Nemos“, die ein- oder zweistreifigen Anemonenfische. Zwischen verschiedensten Seeanemonen und Weichkorallen sehen wir sie hier. Sogar gras-grüne Anemonen sind dabei, die einen herrlichen Kontrast zum Orange der Nemos bilden.

Ein weiterer Lieblingsfisch von uns zeigt sich ebenfalls mehrfach, der knuffige Harlekin-Feilenfisch, auch Palettenstachler oder Orangeflecken-Feilenfisch genannt:

Auch sonst ist es herrlich bunt und fischreich hier. Beim zurückschnorcheln zur Flora sehen wir auf dem Sandgrund sogar noch einen endemischen Fiji-Maskenrochen.

Übrigens: wenn in der Bildbeschreibung beim Aufruf „Screenshot“ steht liegt das nicht daran, dass ich das Foto irgendwo im Netz stibitzt hätte. Vielmehr sind meine Unterwasserbilder meist eben Screenshots eines Standbilds aus einem mit meiner GoPro oder zuletzt häufiger meiner DJI Action6 aufgenommenen Unterwasser-Videos.

Feier.

Bei den Aufenthaltsgenehmigungen und auch bei der Suche nach unserer von YachtHelp verlegten Fock gibt’s leider (immer noch) nichts zu feiern.

Aber: das hält uns natürlich nicht davon ab, Wiebkes schon achten Geburtstag auf dieser Reise ordentlich zu zelebrieren. Zur Erinnerung:

  • 6.9.2019: Cartagena, Spanien 🇪🇸
  • 6.9.2020: Martha‘s Vinyard, USA 🇺🇸
  • 6.9.2021: Hamburg und Hoya, Deutschland 🇩🇪 Erster Heimatbesuch
  • 6.9.2022: Meyers Chuck, Alaska, USA 🇺🇸
  • 6.9.2023: San Francisco, USA 🇺🇸
  • 6.9.2024: von Französisch Polynesien 🇵🇫 aus Heimatbesuch mit Nachfeier Silberhochzeit, Deutschland 🇩🇪
  • 6.9.2025: Neiafu, Tonga 🇹🇴

31 Länder haben wir inzwischen auf dieser Reise besucht. Um so erstaunlicher, wie oft wir gerade an Wiebkes Geburtstag in den verschiedensten Ecken der USA oder auf Heimaturlaub in Deutschland waren.

Aber jetzt eben:

  • 6.9.2026: Musket Cove, Fiji 🇫🇯

Ganz gemütlich begonnen mit einem ersten Kaffee in der Koje …

… und dann French Toast/Arme Ritter mit Ahornsirup und frischen Bananen im Cockpit:

Anders als in zuletzt besuchten abgelegenen Bereichen von Fiji sind die westlichen Inseln wegen ihrer relativen Nähe zum internationalen Flughafen Nadi touristisch durchaus erschlossen. Wir segeln von Denarau nach Malolo Island. Drei größere Resorts gibt es allein hier. Sie sind seglerfreundlich, eines bietet sogar einen kleinen Hafen. In dessen Yachtclub kann man gegen einen kleinen Einmalbetrag eine lebenslange Mitgliedschaft erwerben und dann auch die Pools, Restaurants und Cafés des Ressorts benutzen.

Eine schöne Abwechslung für uns:

Die bekannteste Ankerbucht von Malolo Island heißt Musket Cove. Bequem erreichbar vom Flughafen und auch von den Port-of-Entry-Marinas Vuda und Denerau ist Musket Cove einer der meistbesuchten Ankerplätze in Fiji und entsprechend gut gefüllt.

Kein Wunder also, dass wir hier in der Bucht auch wieder mehrere befreundete Bootscrews treffen. Am Vorabend hatten Jill und Michael zum Sundowner auf die Gerty geladen, für Wiebkes Geburtstag verabreden wir uns in der Beachbar des Resorts an Land und wechseln danach in eines der Restaurants.

Jill hat sogar noch extra einen Geburtstagskuchen gebacken. 😘

In der „Blue Lagoon“ bei Anelen und Tai

Mit dem Dinghy fahren wir aus der Bucht vor Nabouwalu heraus, eben nördlich um die Ecke herum. Hier liegt die Makani von Einhandseglerin Ruby vor Anker, die wir schon in Französisch Polynesien und auch Tonga getroffen haben. Vor dem Schnorcheln klönen wir noch ein bisschen mit Ruby und beschließen dann, Flora hierher zu verholen. Auf Noforeignland heißt der Ankerplatz „Blue Lagoon“, aber da ist dann doch deutlich vielleicht jemandes Phantasie ein bisschen durchgegangen. Weder ist das Wasser besonders blau, noch wird dieser Platz durch eine eigene Lagune gebildet. Eigentlich ist es eine eher offene Bucht, so dass tatsächlich auch etwas mehr Schwell hinein steht. Schön ist es aber trotzdem, denn im hell türkis schimmernden Flachwasserbereich bei 5 m Wassertiefe gibt es einige ausgedehntere Sandflecken zwischen den Korallen, hier findet auch der Anker guten Halt.

Auf den sich an der ganzen Bucht entlang ziehenden heller Strand aus Sand und Korallenschutt scheinen einige größere Felsen wie malerisch hingewürfelt. Neben Palmen wird der Strand auch von Bäumen einer Feigenart gesäumt, deren knorriger Stamm und die teils niedrig über den Strand kriechenden Äste manchmal kaum von den Steinen zu unterscheiden sind.

Ein bisschen versteckt liegt das Grundstück von Anelen und Tai an dieser Bucht. Wir statten den beiden einen Besuch ab und werden gleich mit Pawpaw (Papaya) beschenkt.

Bei unserem nächsten Besuch bringen wir Gegengeschenke mit, unter anderem für ihre kleinen Töchter Eka (2 1/2) und Sai (1) Farbstifte und einen kleinen Stoffteddy. Das kommt gut an und unsere Gastgeber stiefeln gleich wieder in ihren großen Garten. Tai holt Cassawa (Maniok / Tapioka) und zeigt uns auch gleich, wie man die äußerlich dunkelbraunen Wurzeln am Besten von ihrer harten Schale befreit um an das strahlend weiße Innere zu kommen. Zubereitet wird Cassawa dann wie bei uns Kartoffeln: meist gekocht, aber frittiert, gebraten oder im Ofen gegart geht ebenso.

Wir verlegen uns vom Schenken auf das Helfen: am Haus lehnen zwei feste, nicht angeschlossene Solarpanel. Darauf angesprochen, erklärt Tai, die Panel würden nicht funktionieren. Bei dem einen ist die Ursache offensichtlich, es ist zerbrochen. Das andere sieht aber heile aus. Ich hole Werkzeug vom Boot und messe es durch. Das Panel ist in Ordnung, die Steckverbindung im Kabel aber defekt. Also nochmal zum Boot, MC4-Stecker und Crimpzange holen. Nach der gelungenen Reparatur stellt sich aber heraus, dass im Haus zwar neue Batterien stehen, allerdings gibt es keinen Solarregler. Die Batterien sind auch nicht angeschlossen und werden auch nicht geladen. Man halt halt schon mal einzelne Teile, aber noch kein System. Energie gibt’s derzeit nur direkt über einen Dieselgenerator.

Wir haben noch einen älteren Solarregler an Bord, der mal als Reserve gedacht war, dann aber durch einen etwas größeren verdrängt wurde. Und auch eine USB-Steckdose, die ebenfalls einer leistungsfähigeren gewichen ist. Also nochmal zum Boot, die Teile holen und installieren. Hier machen sie Sinn und liegen nicht nur rum. Die erste provisorische Installation passt ganz gut zu den vor Ort bereits vorhandenen „fliegenden“ Kabeln aber ich bereinige meinen Teil dann doch noch etwas. Und jedenfalls funktioniert es.

Tai möchte dann noch das Panel auf das Wellblechdach bringen. Als ich mit ihm aufs Dach steige, findet sich dort oben zu meiner Überraschung sogar schon eine Unterkonstruktion.

Allerdings sind die Schrauben der Befestigungswinkel zu kurz. Nochmal zur Flora, da habe ich etwas längere, passende.

Viel Fahrerei und Bastelei, aber auch das gute Gefühl, vor Ort sinnvoll geholfen zu haben. Ein schöner Nachmittag!

Rainbow Reef, Nationalfeiertag, und Sonntagsausflug zu den Mantas von Rabi Island

Flora ankert immer noch in der Viani Bay hinter dem Rainbow Reef. Ein paar windarme Tage sind vorhergesagt, das passt perfekt. Gemeinsam mit der Crew der Lille Venn machen wir weitere Tauchgänge am Rainbow Reef und wir gehen außerdem auch gemeinsam auf dem Riff Schnorcheln. Dafür müssen wir zwar fast drei Meilen mit dem Dinghy durch die Bucht fahren, aber bei diesen perfekten Bedingungen lohnt sich das unbedingt. Die bunten Regenbogenfarben des Riffs zeigen sich schon in den Steinkorallen …

… erst recht aber in den vielen verschiedenen Weichkorallen, für die dieses Riff so bekannt ist:

An manchen Stellen sieht das Korallenriff aus wie das plüschige Fell eines Teddybären …,

… dann wieder scheint sich eine blumengeschmückte Felsbrücke durch das Blau des Meeres zu spannen:

Egal ob Tauchen oder Schnorcheln, wir sind schlicht begeistert.

Am Samstag werden wir schon wieder mit dem Dinghy der Lille Venn abgeholt, diesmal allerdings zu einem ganz anderen Anlass. Ralph‘s Kleidung lässt es wohl schon erahnen,

der Schweizer Nationalfeiertag am 01. August soll begangen werden. Feiern wollen wir bei bei der hiesigen Tauchschule „Dolphin Bay Divers“, denn deren Eigner Roland ist ebenfalls Schweizer. Er hat die Lille Venn und auch uns Nichtschweizer zum Grillen auf seine Terrasse eingeladen, herrlich mit Blick über die Bucht.

Den Sonntagsausflug machen wir dann mit der anderen Tauchschule der Viani Bay, der „Dive Academy“. Die bietet nämlich eine Tour hoch zur Insel Rabi an. Etwa 17 Seemeilen (über 30 km) einfache Strecke, mit dem offenen Tauchschulen-Langboot kann das ein ziemlicher Ritt sein. Zum Glück ist das Wasser zumindest auf der Hinfahrt spiegelglatt, mit 22 Knoten (40 km/h) brettern wir Richtung Rabi.

Rabi Island ist ein Kuriosum in Fiji, denn die Einwohner dieser Insel stammen aus dem Gebiet des heutigen Kiribati und wurden hierher umgesiedelt. Die Geschichte dahinter ist dramatisch. Auf dem etwa 6 Quadratkilometer kleinen gehobenen Atoll Banaba wird im Jahr 1900 ein riesiges Phosphatvorkommen entdeckt, denn ein großer Teil der Insel besteht aus versteinertem Guano (Vogelkot). Die Engländer besetzen das fast auf dem Äquator liegende Eiland, gliedern es in die Gilbert-Inseln (heute Teil Kiribatis) ein und schon im nächsten Jahr beginnt eine australische Firma (damals ebenfalls britisch) mit dem Phosphatabbau zur Düngemittelproduktion. Die Insel wird quasi ausgeschlachtet. Im zweiten Weltkrieg wird Banaba von Japan besetzt, viele Bewohner werden als Zwangsarbeiter deportiert, fast alle übrigen schlicht ermordet, bevor die Alliierten die Insel zurückerobern. Nach dem zweiten Weltkrieg verweigern die Briten den von den Japanern verschleppten Zwangsarbeitern die Rückkehr nach Banaba und siedeln sie stattdessen auf die etwa 2.000 km südöstlich liegende Insel Rabi um, die zum damals ebenfalls britischen Fiji gehört.

Der Grund für unsere Fahrt nach Rabi Island hat mit dieser höllisch anmutenden Geschichte zum Glück nichts zu tun. Ein klein bisschen diabolisch ist er dennoch: Große Mantas, auch „Teufelsrochen“ genannt, versammeln sich an der Südspitze von Rabi Island. Eine Besonderheit: während die meisten Mantas eine schwarze Oberseite und eine weiße Unterseite mit schwarzen, ganz individuellen Flecken haben, sind hier in größerer Zahl schwarze Mantas vertreten. Bei ihnen sind auch der Bauch sowie die Unterseiten der Flügel schwarz, die individuellen Flecken dann umgekehrt weiß.

Teufelsrochen heißen diese eleganten Tiere übrigens, weil ihre flossenartigen Loben vorne am Kopf ein wenig an Hörner erinnern. Tatsächlich aber sind sie keineswegs fest, sondern ausgesprochen flexibel. Oft rollen die Mantas sie wie zu einem Trichter ein, um mehr Plankton zum Mund zu führen. Die Loben scheinen aber auch zur Kommunikation zwischen den Mantas eingesetzt zu werden. Wir haben großes Glück und können bei zwei ausgiebigen Schnorchelgängen mit diversen Exemplaren schwimmen, wobei die größten etwa 5 Meter Flügelspannweite aufweisen.

Ein kleines Video davon:

In besserer Qualität findet Ihr mein Video hier: https://vimeo.com/1214936956

Obwohl die Rückfahrt leider etwas ruppiger ausfällt sind wir von diesem Sonntagsausflug mit tierischer Begegnung mal wieder ziemlich geflasht.

Bula im Paradise. Zur Südspitze von Taveuni und zur Viani Bay am Rainbow Reef

Das fängt schon mal gut an: bester Segelwind und fast direkt nach der Ausfahrt aus dem Atoll Vanua Balavu geht uns endlich wieder einmal ein kleiner Thunfisch an die Angel. In den Atollen fischen wir ja wegen der Ciguatera-Gefahr nicht und auf den Passagen war uns das Angelglück zuletzt nicht wirklich hold. Der Bonito beschert uns für die nächsten Tage schöne Filets. Poke-Bowls, Fisch-Tacos und orientalisch scharf angemacht mit Couscous-Salat zaubert Wiebke daraus.

Möglich wird das auch dadurch, dass wir in der an das Paradise-Resort an der Südspitze von Taveuni angeschlossenen kleinen Bäckerei Tomaten und sogar Paprika kaufen können. Und ja, ein Abendessen im Restaurant des Resorts ist bei unserem kurzen Aufenthalt dort sogar auch noch drin. Das Paradise ist extrem Segler-freundlich: wir dürfen unseren Müll dort entsorgen, könnten mit Kanistern am Dinghysteg Frischwasser nehmen und sind sogar eingeladen, den Pool zu benutzen. Im Gegenzug wird nur ein Besuch an der Bar oder im Restaurant erhofft. Die etwa zehn eigens für die Segelboote ausgelegten Moorings sind bei unserer Ankunft zwar alle schon belegt, aber mit das Boot der Tauchschule des Ressorts kommt zu uns heraus, begrüßt uns mit einem freundlichen „Bula“ und zeigt uns, wo wir am besten ankern können. Der Ankergrund ist allerdings schwierig: die Kette verknotet sich gleich in den Felsen. Also erst einmal Flossen an und Maske auf, den Anker auf 9 m Tiefe befreien und neu ankern (ich werde ihn allerdings am nächsten Morgen erneut freischnorcheln müssen). Dann aber gibts das verdiente Ankommensbierchen an der Bar bzw. auf der Schaukel im Restaurantgarten und ein nettes Abendessen mit anderen Seglern im Restaurant.

Am nächsten Morgen sieht das Wetter freundlicher aus, beim Gang zum Bäcker durch das liebevoll dekorierte Paradise machen machen wir nochmal Halt an der Schaukel.

Auf dem Weg zurück zum Boot gibt’s mit einem fröhlichen „Bula“ die nächste gastfreundliche Überraschung: für alle Bojen- und Ankerlieger hat das Resort eine Tüte mit frischen Zimtschnecken vorbereitet. Die sollen jetzt gerade ausgeliefert werden, aber da wir gerade an Land sind, bekommen wir die Flora-Tüte gleich in die Hand gedrückt:

Trotzdem geht’s für uns nach nur einer Übernachtung weiter, denn auf wir wollen mit Barbara und Ralph von der Lille Venn Ralphs Geburtstag feiern. Die Lille Venn kommt von Norden die Somosomo Strait herunter, wir überqueren sie von Süden her. Wir treffen uns in der Viani Bay, die durch das ihr vorgelagerte Rainbow-Riff gut geschützt ist.

Wunderbar: hier ankert gerade auch die Kavenga unserer amerikanischen Freunde Heather und Jim, die wir in British Columbia kennengelernt und seitdem unterwegs mehrfach wieder getroffen haben.

Ingo ist mit der Easy-One ebenfalls da, wir haben einen gemeinsamen Sundowner auf der Flora.

Und mit der Ville Venn Crew feiern wir nicht nur Ralphs Geburtstag, sondern verbringen auch sonst wieder eine richtig gute Zeit miteinander.

Das Rainbow-Reef bietet aber nicht nur dem Ankerplatz Schutz, es ist zudem einer der besten Tauchplätze in Fiji. Insbesondere ist dieses Riff bei Tauchern weltweit bekannt und trägt den Beinamen „Hauptstadt der Weichkorallen“. Die über 2.000 Meter tiefe Koro-See quetscht sich hier zwischen Fiji‘s zweitgrößter Insel Vanua Levu und der drittgrößten Taveuni hindurch, wobei der Meeresgrund an der beidseitig von Riffen begrenzten Engstelle auf nur etwa 100 m Wassertiefe ansteigt. Dadurch werden Nährstoffe in die oberen Wasserschichten gespült. Davon wiederum profitieren neben den Fischen auch die Blumentierchen, Hartkorallen aller Art, vor allem eben die hier so reichlich gedeihenden Weichkorallen.

Von meinen bisher vier Tauchgängen hier stehen zwei ganz besonders heraus. Zuerst der am „Little Cabbage Patch“ (übersetzt: Kleines Kohlfeld). Hier sind Turbinaria-Steinkorallen dominant. Sie bilden in mehreren Schichten breite, um einander verdrehte Platten, die sich wie die Blätter eines riesigen Unterwasserkohls stapeln. Taucht man darüber, ist es als ob man über ein eine untergetauchtes Kohlfeld fliegt. Oder – blumiger – über eine Landschaft wirbelnder Rosenblüten. Mit Fischen statt Bienen.

Lila-blaue Weichkorallen an einer Steilwand sind namensgebend für den Tauchplatz „Purple Wall“. Daran schiebt uns die Strömung bei diesem Drift-Dive allerdings vergleichsweise schnell vorbei, weil die Wand vertikal stärker als horizontal ausgedehnt scheint. Faszinierend ist es trotzdem.

Und sonst: neben der Korallenvielfalt begeistert auch der Fischreichtum. Und – endlich – entdecken wir auch wieder Nudibranchs. Diese Nacktkiemer sind zumeist ziemlich kleine Unterwasserschnecken, deren extreme Farb- und teilweise auch Formgebung Fressfeinde abschrecken soll.

Qilaqila / Bay of Islands

Seglerisch schlägt das türkisfarbene Herz 🩵 der nördlichen Lau-Gruppe ganz sicher in Qilaqila. An diesem traumschönen Ankerplatz sind wir jetzt!

Besser bekannt ist dieser Ort als „Bay of Islands“ im Atoll von Vanua Balavu. Allerdings hat ja neben Fiji praktisch jedes englischsprachige Land eine Bay of Islands, am berühmtesten ist sicher die auf Neuseelands Nordinsel.

Wir bleiben deshalb dem von den iTaukei (den indigenen Fijianern) verwendeten Namen Qilaqila, obwohl die gar nicht mal so große Bucht im Nordwesten von Vanua Balavu tatsächlich eine Unmenge von kleinen und noch kleineren Korallen-Inseln aufweist. An mehreren Stellen schmiegen sich die Eilande ganz eng aneinander. Sie bilden ein Labyrinth mit schmalen Durchlässen, von denen viele bei Niedrigwasser selbst mit dem Dinghy nicht passiert werden können. Für die Segelboote bleiben diese kleinen flachen Hintertürchen zwar versperrt, es bieten sich zwischen den zumeist dicht bewachsenen Inseln aber trotzdem eine Vielzahl von wunderschönen Ankerplätzen an. Wir entscheiden uns für einen ganz speziellen, eben für das Herz. Rückwärts fahren wir in die enge Bucht, lassen dabei auf 4 m Wassertiefe den Anker in den Sand fallen. Eine Landleine nach hinten, später noch jeweils eine weitere zu den Seiten.

Eingeparkt. ☺️

(für bessere Auflösung auf die kleinen Bilder klicken)

Das Wetter ist ein bisschen durchwachsen, sonnige Abschnitte wechseln sich mit Regen ab. Sollten die Pilz-Inseln mit dem ganz dünnen Stiel eigentlich Regenschirm-Inseln heißen?

Unsere zwischenzeitlichen Nachbarn Rosa und Gunnar lassen sich scheinbar inspirieren und setzen mit dem knallroten echten Regenschirm (und mit den roten Masten ihres Wharram-Katamarans) herrliche Farbtupfer in die grün-türkise Kulisse.

In einem trockenen Abschnitt steht mal wieder ein Ausflug in den Mast der Flora an. Rigg checken: ja, auch das. Vor allem aber: unsere Windanzeige ist auf der Herfahrt hinsichtlich der Windstärke in den Streik getreten, zeigt die Windrichtung aber weiterhin an. Wahrscheinlich ist also nur das Anemometer (das sich eigentlich durch den Wind drehende Schalenkreuz) fest. In 20 m Höhe mit etwas Schmiermittel eingesprüht, lässt es sich tatsächlich wieder leicht drehen.

Wir bleiben noch ein wenig und wollen das Labyrinth über und unter Wasser erkunden.

Bavatu Harbour

Im Norden von Vanua Balavu schneidet der Naturhafen Bavatu etwa einen Kilometer tief in das Inselinnere. Eine 40 m hohe Insel teilt steil aufragend die Einfahrt, so dass die Bucht fast rundherum geschützt ist. Das ist gut, trotzdem suchen wir uns ob des Starkwind ankündigenden tiefdunklen Lilas der Windvorhersage einen Platz in der hinterste Ecke von Bavatu Harbour.

Hier, ganz im Südosten der Bucht, können wir uns wunderbar verkriechen. Wir liegen im Windschatten einer senkrecht vor uns in die Höhe steigenden Felswand. Die kleine, dicht bewachsene Insel hinter uns bietet zudem die Gelegenheit zum Ausbringen einer Landleine. So können wir Flora quasi fest einparken und schwingen an dem engen und nach hinten schnell flach werdenden Ankerplatz nicht herum.

Kurz nach uns kommt die Lille Venn an, sie entscheidet sich für die andere Seite der kleinen Insel. My Motu legt sich dann wiederum auf unsere Seite. Was für ein herrliches Fleckchen!

Tatsächlich haben wir hier bisher von den kräftigen Winden und Böen praktisch nichts gespürt.

Die Nähe zu den dicht mit alten Bäumen bewachsenen Uferwänden hat zudem noch einen weiteren Vorteil: wir können von der Flora aus Flughunde an ihren Rastplätzen beobachten. Auch wenn wir die meisten nur im Flug sehen, weil sie zum Abhängen hinter das dichte Blattwerk schlüpfen, ein paar dieser hier wohl etwa 80 cm Flügelspannweite messenden Fledertiere zeigen sich uns dann doch auch vor dem grünen Vorhang:

Und wir können an diesem geschützten Platz im Bavatu Harbour die Flora auch gut mal alleine lassen und einen Hike auf die andere Seite der Insel machen. Durch den Wald hindurch und auch quer über die unerwartet großflächigen, mit Palmen bestandenen Weiden einer Farm.

Beim Wandern huschen vor uns immer wieder kleine Eidechsen davon. Insbesondere beim Sonnenbaden auf den aus den Wiesen ragenden Korallensteinen (oder ganz oben auf einer Mimose) können wir sie dann doch auch in Ruhe beobachten. Es sind Pazifische Blauschwanz-Eidechsen. Trotz des Namens ist der im Verhältnis zum Körper auffällig lange Schwanz allerdings nur bei Jungtieren wirklich auffällig irisierend blau. Mit zunehmendem Alter wechselt die Farbe über Blaugrün zu dem unauffälligen Braun des Körpers.

Eine zusätzliche Belohnung bei dieser ohnehin schon schönen Wanderung ist der Aussichtspunkt am westlichen Ende des Trails. Hoch oben von einer steilen Klippe bietet sich ein famoser Blick über die „Bay of Islands“. Dieses kleine Juwel ist mit seinem Gewirr von Inseln und Buchten für die meisten Segler der Hauptgrund für das Törnziel Vanua Balavu.

Wanderin über dem Inselmeer

(oder Korallenfelsen auf Vanua Balavu)

Damit blicken wir auch auf unser nächstes Ziel, denn wenn sich der Wind etwas legt, wollen wir Flora um die Nordwestecke von Vanua Balavu herum in die Bay of Islands segeln. So richtig eilig haben es damit aber weder der Wind noch wir.

Purer Zufall: Gerade als wir wieder weiter wandern wollen, kommt Ingo von der Easy-One am Aussichtspunkt an. Er ist von der Bay of Islands herauf gewandert. Zuletzt hatten wir uns in Französisch Polynesien gesehen. Verabredet haben wir uns hier oben nicht, wollten uns aber in der nächsten Zeit in der Bay of Islands treffen.