Eine Woche sind wir jetzt im Minerva Riff. Gestern haben wir nochmal verholt, liegen jetzt ganz im Süden der Lagune. Simpler Grund: der Wind hat auf Süd gedreht.
Auf fast allen Booten gibt es nach der fordernden Passage etwas zu reparieren oder zumindest trockenzulegen. Am härtesten von den fünf Booten mit denen wir hier liegen hat es ein australisches Boot getroffen. Der Anker hat sich unterwegs gelöst, ist aus der Ankerrolle gesprungen und hat von außen ein Loch in den Rumpf geschlagen. Zum Glück auf Höhe des Ankerkastens, trotzdem ist durch Lücken im Schaumkern des Laminats Seewasser ins Schiff gelaufen (etwa 10 Liter pro Stunde).
Marc von der Quantum sammelt auf den anderen Booten kleine Schrauben und Muttern ein. Bis auf 2 haben sich alle 30 Nieten seiner Solarpanelbefestigung verabschiedet, da muss jetzt eine neue Lösung her.
Immerhin 8 passende Schrauben und Muttern finden sich in unserem Bestand, 3 bei der Scout, 6 hat Marc selbst und den Rest kann die Skylark beisteuern. Nieten hätten wir natürlich auch, aber denen traut Marc jetzt nicht mehr.
Die Stromversorgung unseres UKW-Funkgeräts ist zwar wiederhergestellt, aber etwas später erschreckt es uns mit einem Alarm. Die Funke erhält keine zuverlässige GPS-Position mehr. Scheint ein Problem mit einem defekten NMEA2000-Stecker zu sein. Blöderweise ein Stecker am Ende eines Kabels, das wir so nicht ohne weiteres ganz austauschen können. Also ist mal wieder etwas Improvisation gefragt. Zwischenstand dazu: scheint jetzt wieder zu funktionieren.
Außerdem wird gebacken, gestrickt, gebadet, geschnorchelt und das Wingfoil endlich mal wieder genutzt.
Vorgestern war Sundowner auf der Skylark:
Heute Abend hat Marc zum Spieleabend auf die Quantum geladen.
Ganz lange bleiben wir nicht das einzige Boot in Minerva, einen Tag nach uns kommt auch die Scout und ankert neben uns. Noch einen Tag später kommen auch Jacqui und Phil mit ihrer Skylark an. Alle hatten wir eine ziemlich unangenehme Passage, müssen uns erst einmal von der Seekrankheit erholen.
Hier in Minerva gilt es zunächst, das Schiff wieder in Ordnung zubringen. Die salzwassernasse Fock wird aus dem vorderen Bad wieder an Deck geschafft. Kleine Leckagen an ein paar Fenstern und Luken bei den schweren überkommenden Wellen haben zudem für reichlich zusätzliche Arbeit gesorgt. Die Stromversorgung der UKW-Funke habe ich repariert. Wir stellen aber fest, dass Seewasser in den längs durch die Flora führenden Kabelkanal gelangt ist und an verschiedenen Stellen in Schapps und Schränke gelaufen ist. Die dadurch nass gewordene Kleidung müssen wir mit Süßwasser waschen. Kein Problem, sollte man denken, wir haben ja seit Whangarei jetzt wieder eine Waschmaschine an Bord. Stimmt – aber das Trocknen macht Probleme. Dauernd ziehen Squalls durch, bei diesen Regenschauern kann die Wäsche nicht draußen am Seezaun hängen. Und wenn, dann können die Klammern sie kaum festhalten. Es bläst. Böen bis 32 Knoten waren heute eigentlich angesagt, tatsächlich hatten wir mehr als 41 Knoten (Windstärke 9 Beaufort). Und morgen sind bis 37 kn angesagt. Erstaunlicherweise sind die Wellen hier in Minerva dabei noch recht erträglich. Besonders wenn man bedenkt, dass (außerhalb des Riffs) knapp 4 m Welle stehen. Für morgen sind sogar 4,6 m vorhergesagt.
Wie sieht das aus? Jayne und James von der Scout haben mit ihrem Dinghy einen Ausflug an die innere Riffkante gemacht. Vom Riffdach aus gibts bei Niedrigwasser einen etwa kniehohen Wasserfall in die Lagune, draußen ans Außenriff donnern die brechenden Pazifikwellen. Von Bord der Flora zeigt sich das so:
Bei Hochwasser schafft es der Ozeanschwell stark abgeschwächt über das Riffdach. Dann wird es hier am Ankerplatz unruhiger, aber bisher ist es immer noch gut erträglich.
Nach dem Peak morgen sollen sich Wind und Wellen dann ab übermorgen langsam wieder abschwächen.
Samstag kann ich dann vielleicht auch in den Mast, um das zum Glück am Fallenaustritt hängengebliebene Fockfall herunterzuholen. In 20 m Höhe schaukelt mir das derzeit zu sehr.
Dann doch lieber erstmal an Bord der Scout mit Jayne und James dessen Geburtstag nachfeiern.
Überhaupt hat man ja von der Scout aus einen besonders schönen Blick auf die Flora, wie auch das von James geschossene Sonnenaufgangsfoto zeigt:
Auf der Horizontlinie ist übrigens kein fernes Land zu sehen, sondern eben die Ozeanwellen außerhalb des Riffs.
Der Wecker würde um 6.00 Uhr klingeln, aber wir sind schon kurz vorher wach. Es geht endlich wieder los, unsere Segelsaison startet.
Kurz nach dem Morgenhochwasser laufen wir um 6.45 aus, der Hatea River ist für uns allenfalls etwa bis zur halben Tide befahrbar, jedenfalls müssen wir bis dahin den Kawaka Point vor der Halbinsel Onerahi passiert haben. Weiter flussabwärts ist es dann auch bei Ebbe tief genug. Klappt heute wunderbar, das Wetter spielt auch mit. Mehrere schöne Regenbögen, aber nur ein klitzekleiner Schauer auf den 10 Seemeilen zum Ankerplatz in der Munro Bay.
Eigentlich könnten wir bei dem vorwiegend achterlichen Wind auch segeln. Stattdessen brummt durchgehend der Motor, denn wir wollen die Antriebswelle (genau genommen deren präzise Ausrichtung) in verschiedenen Drehzahlbereichen des Motors ausgiebig testen. Durch die erneuerten Motorfüße sowie das neue Wellenlager und die neue Wellendichtung musste die Ausrichtung von Motor und Antriebswelle neu abgestimmt werden. Wirklich überprüfen lässt sich dass erst in Fahrt und so arbeiten wir uns auf diesem ersten kurzen Törn durch die verschiedenen Lastbereiche. Zum Glück gibt es keine Auffälligkeiten, das „alignment“ scheint in Ordnung zu sein.
Die Munro Bay hat eine relativ seichte Zufahrt, typisch für das mit Sandbänken durchzogene aufgefächerte Flussdelta des Hatea, wird aber an drei Seiten flankiert von den hügeligen Ausläufern der Whangārei Heads. Damit bietet sie auch gegen die aktuell in Böen kräftigen Westwinde recht guten Schutz. In der Munro Bay ankert schon die Freydis (eine Malö 46) unserer australischen Freunde Paula und Jim. Das passt, so können wir gemeinsam mit dem Dinghy am flachen und bei Ebbe trocken fallenden Scheitel der Bucht anlanden und einen schönen Spaziergang machen.
Es ist erstmal nur ein kurzes Wiedersehen, denn unsere Wege werden sich morgen schon wieder trennen, bevor wir uns hoffentlich in Fiji wieder treffen. Die beiden möchten ein Stückchen weiter nach Süden segeln. Wir dagegen haben entschieden, das kurze passende Wetterfenster zu nutzen, um in nördliche Richtung zur Bay of Islands aufzubrechen.
Am Ende wird alles gut. Wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende!
Nach dem Hinein- und Hinauskranen der Flora am Dienstag war Arbeit an den drei leckenden Seeventilen angesagt und dann am Mittwoch wieder Travellift.
Mittwoch: Same procedure
Leider Murmeltiertag. Frühmorgens rein, erneut ein undichtes Seeventil feststellen, gleich wieder raus. Wieder ist das Seeventil des achteren WC-Auslasses undicht. Es ist wirklich kaum zu erreichen, im Motorraum eingezwängt zwischen dem Volvo, dem vom Vorbesitzer eingebauten Generator sowie dessen Seeventil nebst Schläuchen und dem Schott zum Bad. Jetzige Diagnose: wahrscheinlich war deshalb beim Einbau (für Dienstag) das Seeventil schief auf den Borddurchlass gesetzt. Damit wurde das Gewinde des TrueDesign-Borddurchlasses verletzt, das neue Seeventil (für Mittwoch) konnte also wieder nicht dichten. Der Borddurchlass muss ganz raus (also auch neues Coppercoat Antifouling drauf). Akkordarbeit für die Handwerker und neuer Krantermin am Donnerstag.
Frust bei uns. Zur Bewältigung (oder Kompensation?) machen wir eine spontane Gewalttour nach Auckland und zurück. Unser Ziel ist das „RV Super Centre“, ein riesiges Zentrum für neue und gebrauchte Wohnmobile. Was soll das jetzt, geht der Frust so weit, dass wir an eine Landyacht denken?
🧐 . Nein, natürlich nicht.
Aber im RV Super Centre gibt’s auch einen Zubehörshop und der bietet eine Waschmaschine an, die unserer schon seit Panama irreparabel kaputten Candy 3,5 kg recht nahe kommt. Die Camec RV II 4 kg ist – wie könnte es anders sein – minimal zu groß. Limitierend sind auf der Flora die Tür zum vorderen Bad mit 47 cm Breite, zudem ist das Loch für den Einbauort der Waschmaschine (von der Dusche aus) nur 51,5 cm breit und 75 cm hoch.
Die Camec misst 70 x 51 x 49 cm. Wir müssen sie uns vor Ort anschauen, um zu sehen, ob und ggfs. was demontierbar ist oder ob wir das ganze Gehäuse auseinander bauen müssten.
Und so sieht’s dann aus: wenn wir die Waschmaschinentür abbauen, gewinnen wir etwa zwei Zentimeter. Das wäre einfach und könnte gerade so ausreichen. Schlimmstenfalls müssten wir die Rückwand auch auseinandernehmen. Allerschlimmstenfalls passt die Maschine dann trotz neuem, etwas kleinerem Holdingtank im gleichen Stauraum immer noch nicht. Puh. Schwierige Entscheidung. Wir riskieren es und kaufen die Waschmaschine. Schließlich war in Panama, den USA, Kanada und Mexiko keine passende zu bekommen, da dort die Stromnetze und somit fast alle Elektrogeräte jeweils auf 110 V 60 Hz und nicht auf die von uns benötigten 230 V 50 Hz ausgelegt sind. Ein Import aus Europa hätte das Dreifache des Preises der Waschmaschine verschlungen. Außerdem gab es überall Waschsalons. Die Inseln im Pazifik: keine vernünftigen kleinen Maschinen. Also: jetzt hier in Neuseeland, wenn sich irgendeine Chance bietet: nutzen.
Die Camec bleibt allerdings erst einmal im Kofferraum unseres Autos.
Donnerstag: Krantermin zum Dritten!
Wieder hängt Flora in den Seilen des Travellifts, wird langsam ins Wasser gelassen und bleibt in den Seilen, bis wir das ok geben.
Mechaniker Byron kontrolliert das vermaledeite Ventil im Motorraum: dicht! Endlich.
Die Seile werden gelöst wir motoren zum Liegeplatz am Steg. Durchatmen. Danach geht Wiebke die Ventile alle noch einmal durch und … da ist doch ein Tropfen am Seeventil unter dem Waschbecken im achteren Bad? Trockenwischen, warten. Mist, ein neuer Tropfen bildet sich. Das darf doch nicht wahr sein. Ich schließe das Seeventil, wische alles noch mal trocken, lege drumherum Küchentücher aus. Sie bleiben um das Ventil des Waschbeckenauslasses herum trocken, aber das Ende am Ventil des Decksablaufes wird etwas feucht.
Byron kommt und prüft. Und prüft. Und prüft. Ergebnis: Borddurchlass und Seeventil sind dicht, bei geschlossenen Seeventilen passiert also nichts, wir können im Wasser bleiben. Die beiden Schlauchanschlüsse oberhalb dieser beiden Seeventile müssen aber neu abgedichtet werden. Na Klasse. Aber immerhin Glück im Unglück: nicht nochmal kranen, dann könnten wir erst nach Ostern wieder ins Wasser.
Aber auch so, dreimal kranen innerhalb von drei Tagen, das ist ein Novum für uns. Wenn möglich, möchten wir das auch nicht wiederholen.
(Kar-)Freitag: wir bereiten das Projekt Waschmaschine weiter vor. Ich verlege die Schläuche im Waschmaschinen-Kabbuff etwas anders, um oben mehr Platz zu schaffen. Messe alles noch einmal aus, zeichne an den Wänden mit Bleistift Markierungen an. Baue die Tür zum Waschmaschinenkabuff und die große Tür vom Salon zum Vorschiff aus. Schraube den Salontisch ab und schiebe ihn ganz zum Sofa. Soviel Platz schaffen wie möglich. Auch das Steuerrad im Cockpit wird ausgebaut.
Ben von der „Kujira“ kommt uns zu Hilfe. Kräftig und super schlank, das wird helfen. Und tatsächlich, wir wuchten die Maschine über die Reling und ins Cockpit, entfernen die schützende Verpackung. Dann die Treppe herunter in den Salon. Tür der Waschmaschine abschrauben. Es klappt, wir kommen durch die Türdurchlässe gerade so eben durch. Wir verbinden den Wasserzulauf, binden das Stromkabel und de Abwasserschlauch an die zuvor gezogenen Pilotleinen und zirkeln mit etwas Mühe die 45 Kilogramm der Camec durch die enge Öffnung, wobei sich Ben tatsächlich noch zwischen Duschwand und Maschine quetschen kann. Drin, passt wie angegossen. Waschmaschinentür wieder dran, mit Spanngurt herunterzurren, anschließen, fertig.
Flora schwimmt und wir haben sogar wieder eine Waschmaschine. Hurra!
Gemeinsam mit Barbara und Ralph beziehen wir unser nächstes AirBnB, diesmal im fast vier Fahrstunden nördlich von Napier gelegenen Städtchen Gisborne. Schlechtes Wetter ist angekündigt, aber der zu Neuseelands East Cape hinführende Gebirgszug der Raukūmara Range sollte in Gisborne eigentlich das Schlimmste abhalten. Das klappt auch, einen Regentag verbringen wir mit Spielen in unserer „Alice in Wonderland“-Villa. Das über 100 Jahre alte Holzhaus ist tatsächlich nicht nur so benannt, sondern liebevoll-skurril englisch-plüschig eingerichtet mit vielen „Alice“-Bezügen.
Wir genießen die ruhige Zeit mit unseren Schweizer Freunden, von denen wir hier erst einmal Abschied nehmen müssen. Aber in Fiji gibt’s hoffentlich ein Wiedersehen.
Von Gisborne aus führt uns unser Weg bei jetzt wieder besserem Wetter quer über die Raukūmara Range hinüber zur Bay of Plenty und dort nach Tauranga. Die fünftgrößte Stadt Neuseelands ist einer der wichtigsten Häfen des Landes, zugleich aber auch mit seinen langen Stränden, vielfältigen Sportmöglichkeiten und der ausgeprägten Restaurant- und Kneipenszene ein touristischer Anziehungspunkt. Wir verbringen einen schönen Abend mit unserem Segelfreund Michael, der gerade mit seinem Katamaran „Gerty“ hier liegt. Aber am nächsten Tag treibt es uns schon weiter, der Krantermin für Flora naht und außerdem haben wir Karten für „Hobbiton“ ergattert.
Hobbiton? Auf Deutsch „Hobbingen“ genannt, ist es der bekannteste Drehort der Verfilmungen von J.R.R. Tolkiens „Herr der Ringe“-Triologie und der „Hobbit“-Geschichten. Quasi das Auenland in Mittelerde, mitten auf der Nordinsel Neuseelands, wo sich die wollfüßigen Halblinge hinter die runden Türen ihrer in die sanften Hügel gebauten Miniaturen-Häuser zurückziehen, wenn sie nicht auf der Festwiese oder im „Grünen Drachen“ ordentlich feiern.
Zweieinhalb Stunden dauert die geführte Tour durch das zu einer Touristenattraktion umgenutze ehemalige Filmset. Viele Details lassen sich auf dem entspannten Spaziergang durch das Dörfchen im Auenland bewundern, abgeschlossen natürlich mit einem Besuch im „Green Dragon“ auf der anderen Seite des Mühlenteiches.
Vier weitere Stunden Autofahrt folgen, wir wollen am Sonntagabend noch an Auckland vorbei und zum Wochenanfang zurück in Whangārei sein. Am Dienstag soll Flora schließlich gekrant werden, letzte Vorbereitungen sind noch zu erledigen.
Dienstag früh wird Flora per Travellift tatsächlich wieder ins Wasser gesetzt …
… aber nur sehr kurz. Drei der 17 getauschten Seeventile sind nicht ganz dicht. Also wieder an Land stellen zur Nachbesserung.
Nicht ärgern, nur wundern!
Morgen früh wird dann der nächste Versuch erfolgen, Flora nach dem umfangreichen Refit wieder in ihr eigentliches Element zu setzen. Drückt uns bitte die Daumen.
Ein freudiges Wiedersehen: In Napier, an der weit geschwungenen Hawke’s Bay, treffen wir uns mit Barbara und Ralph von der Lille Venn.
Gemeinsam erkunden wir zunächst das Stadtzentrum. Die Besonderheit: Napier weist eine sehr hohe Konzentration von Gebäuden im Art Deco Stil auf, gilt deshalb (neben Miami Beach) als eine der Hauptstädte dieses Architekturstils.
Der Grund dafür ist ein katastrophaler. Am 3. Februar 1931 verwüstete das Hawke‘s Bay Erdbeben mit einer Starke von 7,8 auf der Richter Skala diesen Landesteil. Der Meeresboden hob sich großflächig um mehr als zwei Meter an, die bisheriger Lagune fiel weitestgehend trocken, 40 Quadratkilometer neue Landfläche entstanden.
Die Erschütterungen des zweieinhalbminütigen Hauptbebens und der etwa 600 Nachbeben sowie ausbrechende Feuer legten fast die gesamte Stadt in Schutt und Asche.
Trotz Weltwirtschaftskrise wurde die Stadt in einem Kraftakt wieder aufgebaut. Dafür wurden auch Architekturstudenten eingespannt. Art Deco wurde als optimistisch und zukunftsorientiert empfunden, das passte. Die Entscheidung für den zu der Zeit modernen Stil Art Deco war aber vermutlich nicht nur der „Mode“ geschuldet. Gegenüber den zuvor verbreiteten Holzhäusern wurden die Art Deco Bauten im Wesentlichen aus Betonplatten errichtet. Weniger feueranfällig und günstig, zumal auch die dekorativen Elemente des Baustils vergleichsweise preiswert herzustellen waren. Die charakteristischen geometrischen Formen, Wellen- und Zickzack- sowie Sonnen-Muster als Symbole von Freiheit und Kraft (flankiert von Ägyptischen anmutenden Anleihen nach der Entdeckung des Grabes von Tut Anch Amun) konnten auch mit Farbe hervorgehoben werden.
Vom langen schwarzen Strand der Stadt führt eine Betonplattform hinaus aufs Meer.
Am Horizont sehen wir gerade einen Holzfrachter davondampfen, durch Kahlschlag betriebene Waldwirtschaft bildet noch immer einen wesentlichen Wirtschaftszweig in Neuseeland. Der Holzhafen ganz nahe am Stadtzentrum zeigt das eindrücklich:
Und neben der Forstwirtschaft ist Landwirtschaft ebenso von großer Bedeutung. Um Napier ist das vor allem durch große Obstanbaugebiete sichtbar. Apfelplantagen und Weinbau stechen besonders heraus. Hawke’s Bay ist das älteste (und mit seinen über einhundert Weingütern heute noch zweitgrößte) Weinanbaugebiet Neuseelands. Insbesondere Chardonnay, Syrah und Merlot-Cabernet-Cuvées erreichen Premium Niveau.
Müssen wir natürlich ausprobieren (zur Begleiteung bei richtig guten Restaurantbesuchen) und anschauen (bei einer ausgiebigen Fahrradtour).
Besonders schön, dass wir das gemeinsam mit unseren Freunden erleben.
Die Bootsarbeiten hier in Whangārei werden wohl noch einige Zeit andauern. Einige Ersatzteile sind bestellt. Das Wochenende bietet eine gute Gelegenheit für etwas Abstand – im Wortsinne.
Wir fahren mit dem Auto etwa zweieinhalb Stunden nach Norden. Nicht zur hinauf zum Cape Reinga, der Nordspitze von Neuseelands Nordinsel, das wäre fast doppelt so weit. Unser Ziel ist Rangiputa auf der Karikari-Halbinsel, immerhin schon im District „Far North“ gelegen. Unsere neuseeländischen Segelfreunde Jacqui und Phil von der Skylark haben uns nach dort in ihr Ferienhaus eingeladen.
Wir halten die beiden mit unserem Besuch zwar von der Arbeit an der Erneuerung ihrer Terrasse ab, aber die beiden versichern uns, etwas Abwechslung von dieser Arbeit (und der Bootsarbeit auf Skylark) käme ihnen durchaus gelegen.
Es wird ein wunderschönes Wochenende. Jacqui und Phil sind leidenschaftliche Wingfoiler und auf der Terrasse direkt am Meer findet sich denn auch eine reichliche Auswahl an Spielzeugen. Der Wind hat allerdings ebenfalls eine Auszeit genommen. Kein Problem, wechseln wir hat auf ein anderes Spielzeug: mit dem Mini-Traktor zieht Phil sein kräftig motorisiertes RIB-Schlauchboot etwa 100 m die Straße hinunter zur Slipbahn.
Wiebke und ich fahren im RIB mit. Jacqui bringt Traktor und Trailor zurück, wir holen sie dann auf der Wasserseite ihres Grundstücks ab. Gemeinsam brausen wir über die Bucht und versuchen an verschiedenen Stellen unser Angelglück.
Allerdings: beim ersten Versuch haben wir nur bedingt Erfolg. Einen Pigfish lassen wir zurück ins Wasser und als sich Phils Angel danach dann so richtig biegt, ist es es kolossaler „Bronze Whaler“. Dieser kräftige Hai zieht uns eine ganze Weile kreuz und quer am Riff entlang, bis wir es im flachen Wasser nah an ihn heran schaffen und die Leine kurz abreißen können. Beim zweiten Versuch am nächsten Tag haben Phil und ich deutlich mehr Angelglück. Die gekauften Köderfische sind zwar so weich, dass sie im Wasser aufgetaut praktisch gleich vom Haken fallen, aber wir erwischen mit der Schleppangel einen „Kahawai“ (eine Art Lachsforelle), der sich kleingeschnitten hervorragend als Köder eignet. Damit fangen wir dann in kurzer Zeit 7 Snapper (zwei setzen wir zurück) und einen Trevally (Dickkopf-Stachelmakrele). Das Festessen ist also gesichert, zumal Phil beim Strandspaziergang am 3 km langen Karikari Beach auch noch fleißig „Tuatua“ sammelt. Diese sich im Sand vergrabenden Muscheln sind eine typische neuseeländische Speise, oft werden sie (frikadellenartig) zu Fritters verarbeitet.
Weil der Wind zum Wingfoilen nicht reicht, verlegen wir uns auf das Tow-Foilen. Es ist nicht ganz so einfach wie hinter unserer Florecita, weil das RIB mit seinem 115 PS Motor doch für ganz ordentliche Prop-Wash-Verwirbelungen sorgt. Aber nachdem ich dem etwas ausweiche und mich an Jacqui‘s ungewohnt schmales Downwind-Board sowie die mit viel Lift agierenden Armstrang-Foils gewöhnt habe, klappt es dann doch noch.
Es geht auch ruhiger: Wiebke und Jacqui nutzen die Terrasse zum morgendlichen Yoga und lassen sich auch von den auf dem Rasen vorbeispazierenden kalifornischen Schopfwachteln (wieder so eine heimisch gewordene importierte Art) nicht irritieren.
Ein herrliches Wochenende, die Zeit verfliegt. Zum Abschluss begleiten uns Jacqui und Phil noch eine Stunde auf der Rückfahrt Richtung Whangārei. Gemeinsam besuchen wir das Weingut „Marsden Winery“ bei Kerikeri und essen wunderbar im dortigen Restaurant.
Danke, Ihr Lieben, für Eure Gastfreundschaft und die tolle Zeit mit Euch!
Wir sind gut wieder auf der anderen Seite der Erde gelandet. Nur 26 Stunden nach dem Abflug in Hamburg und mit einem kurzen Zwischenstopp in Dubai landen wir in Auckland.
Große Freude: Barbara und Ralph von der Lille Venn sind extra zum Flughafen gekommen um uns zu begrüßen. Mit dem Bus fahren wir zunächst gemeinsam Richtung Stadtzentrum.
Ich beschließe spontan, mit Ralph einen Abstecher zu dem Gebrauchtwagenhändler „Turners“ zu machen. Während Ralph die Formalitäten für den Kauf eines Audi Q3 voranbringt, schaue ich mir das übrige Angebot an. Wir suchen einen kleinen SUV für maximal 6.000 Euro. Ein Nissan Dualis sticht heraus. Den reserviere ich nach einer Probefahrt und gebe gleich eine Prüfung bei „My Auto Shop“ in Auftrag. Die unabhängigen Prüfer werden gleich am nächsten Tag vorbeikommen, um den Wagen für umgerechnet nur etwa 100 € ziemlich umfangreich zu checken.
Und dann geht’s für Wiebke und mich in unsere Unterkunft direkt am Hafen, wo am Abend auch unser Berliner Segelfreund Holger ankommt. Der hatte die gemeinsame Unterkunft gebucht, er ist für drei Wochen in Neuseeland und wir können die letzten Tage vor seinem Rückflug gemeinsam verbringen.
Die externe Prüfung des Autos erweist sich als gute Investition, denn es werden drei verdeckte Mängel entdeckt. Turners sagt zwar zu, diese beseitigen zu wollen, aber am nächsten Tag stellt sich heraus, dass ein dafür erforderliches Teil nicht rechtzeitig in dieser Woche beschafft werden kann. Also neue Suche, diesmal fällt die Wahl auf einen Mitsubishi ASX. Auch der wird wieder von My Auto Shop getestet, die sehr kooperativen Turners übernehmen dafür diesmal die Kosten. Diesmal wird ein Fehler am CV joint entdeckt (einem flexiblen Gelenk an der Antriebswelle). Mit viel Glück kann Turners das Ersatzteil rechtzeitig besorgen und am Samstag einbauen, so dass wir den Wagen dann tatsächlich am Wochenende übernehmen können. Versicherungsabschluss und Ummeldung werden direkt bei Turners gemacht.
Vorher steht für Wiebke, Holger und mich allerdings noch ein Wechsel der Unterkunft an. Die ohnehin schon recht exquisite Unterkunft am direkt am Hafen steht wegen des am Wochenende stattfindenden Sail GP nur bis Freitag zur Verfügung. Wiebke ertrüffelt ein AirBnB in Aucklands beliebtem Stadtteil Ponsonby, mit seinen wunderschönen viktorianischen Holzhäusern und seinen vielen Restaurants und Läden ein spannender Kontrast zu unserer ersten Unterkunft in Downtown.
Unser „neues“ Auto
Den Sail GP erleben wir dann am Sonntag auch noch live. Die foilenden Katamarane fliegen mit bis zu 100 km/h über den Rennkurs. Das hat mit unserer eigenen Art zu segeln zwar so viel (oder wenig) zu tun wie unser neues Auto mit einem Formel1-Boliden, aber faszinierend ist es trotzdem.
Und immerhin schafft das deutsche Boot in seinen beiden Läufen einen dritten und einen zweiten Platz. Das reicht zwar nicht fürs Finale, ist aber trotzdem ein ziemlich gutes Ergebnis. Und mit den Bildern vom schlimmen Crash zwischen dem neuseeländischen und dem französischen Boot beim Rennen am Vortag im Kopf sind wir auch froh, dass es diesmal ohne Kollision abgeht.
Nach dem Rennen treffen wir uns nochmal mit Barbara und Ralph, danach fahren wir mit unserem „neuen“ Auto nach Whangārei. Morgen geht’s dann zurück zur Flora.
Die Welt an einem Tag. Und dabei nicht nur schauen, sondern auch schlemmen. Eine kulinarische Weltreise mit nur einigen Schritten verspricht das Miniaturwunderland mit einer Sonderveranstaltung.
Unser Freund Uwe hat uns anlässlich seines Geburtstags zu diesem Event in die Speicherstadt eingeladen. Dort die größte Modelleisenbahn der Welt zu bestaunen ist ohnehin schon klasse, mit Beköstigung dann um so mehr.
Leider, leider kann Uwe dann selbst nicht dabei sein, weil seine Knie-OP dazwischenkommt. Gute Besserung nochmal von hier aus.
Das Miniaturwunderland weiß zu begeistern. Auf über 1.600 qm Modellfläche sind mehr als 16 Kilometer Gleise verbaut, dazu die Gebäudeanzahl einer Kleinstadt und fast 300.000 Figuren. Aber mehr noch als die schiere Größe und Vielfalt fasziniert der Einfallsreichtum und die Kreativität hinsichtlich der Details, die erst bei näherem Hinsehen auffallen. In der Schweiz rollen aus einem verunfallten LKW Käselaibe über die Fahrbahn, im winterlichen Schweden stemmt Pippi Langstrumpf vor der eingeschneiten Villa Kunterbunt ihr Pferd in die Höhe. Im Sonnenblumenfeld versteckt sich ein Liebespaar, darüber schwebt Amor mit Pfeil und Bogen. Die Schokoladenfabrik wirft sogar kleine Täfelchen für die Besucher aus. Skurriles und Witziges verbirgt sich allenthalben. Vom Leuchtturm hinterm Deich schaut Käptn Blaubär auf ein surfendes Känguru. Modellautos sausen kabellos über die Straßen, veranstalten gar ein Formel1 – Rennen mit Überholmanövern. Blaulichter blinken und im Tag-Nacht-Rhythmus verändert sich alle Viertelstunde die Beleuchtung.
In Hamburg brennt das Finanzamt, gibt es Schlagemove an den Landungsbrücken, den Motorradgottesdienst am Michel, die Elbphilharmonie klappt auf Mitmachen-Knopfdruck sogar auf und gibt einen Blick in den großen Konzertsaal frei. Schlepper ziehen einen Tanker unter der Köhlbrandbrücke durch. Am Flughafen versteckt sich unter Flugnummer HH 0004 der Flieger nach „jaaanz weit wech“.
Auch Segler kommen nicht zu kurz: ob mondäne Yachten in Monaco oder einfache Arbeitsboote an der italienischen Küste, ein Gaffelsegler vor Rio oder Shackleton‘s Endurance nebst Beiboot James Caird in der Antarktis, selbst das Forschungsschiff Aldebaran und Boris Hermanns Malizia lassen sich entdecken. Und Fischerboote trotzen im Maßstab 1:87 dem rauen Wetter Patagoniens.
Danke, Uwe!
Als wir nach fast vier Stunden kurz vor Mitternacht das Miniaturwunderland wieder verlassen, zeigt sich die eisbedeckte Elbe mit Flussschifferkirche und dem Michel im Hintergrund dann auch in echter Größe ähnlich magisch beleuchtet und schön wie zuvor die Landschaften im Miniaturformat. Und die Schiffsnamen spannen auch hier draußen den Bogen zwischen der Heimat und der weiten Welt.
Urlaub im Landurlaub. Meine Geschwister haben über Silvester für die Familie ein großes Ferienhaus in Dänemark gemietet. Mit 14 Leuten machen wir es uns dort gemütlich. Lassen uns vom kalten Wind auf langen Strandspaziergängen zerzausen, wärmen uns in der Sauna wieder auf. Spielen, lesen, stricken. Reden.
Der Schnee am letzten Tag ermöglicht nach der Sauna zwar einen Engel auf der Terrasse, macht aber die Heimfahrt ein bisschen tricky. Wir kommen bis Hamburg noch ganz gut durch, danach setzt aber wieder Schneefall ein und lässt es für den Rest der Familie zu einer ziemlich langen Fahrt werden. Immerhin, alle kommen heile an.
Da genießen Wiebke und ich schon einen Glühwein auf unserer tief verschneiten Terrasse im Winter-Wonderland-Hamburg.