Foto-Nachträge Passage USVI-Bahamas-USA

Die Blogposts der Passagen von den USVI zu den Bahamas und weiter in die Chesapeake Bay konnten wir von unterwegs ja nur als Text versenden. Ganz lieben Dank für Eure Kommentare!

Ich habe jetzt nachträglich die Bilder zu den entsprechenden Posts zugeordnet. Weil Ihr Euch sicher nicht nicht alle nochmal durch die Blogposts der letzten zwei Wochen arbeiten wollt, sind einige der Highlights hier unten angefügt. Durch Klick auf die jeweilige Bildunterschrift kommt Ihr zu dem entsprechenden Blogpost, wo sich dann meist auch noch weitere Bilder finden. Wer nicht hin und her springen möchte, kann natürlich auch in einem der Beiträge ganz herunterscrollen und dann auf „Vorheriger Beitrag“ oder „Weiter“ klicken.

Es fängt gut an. So wünscht man sich die Bedingungen auf Passage.

Die geplante Route und der Umweg zur virtuellen Stecknadel

Sehnsuchtsort Hogsty Reef

Schnorcheln am Hogsty Reef

Conception Island

Zähne

Abacos nach Dorian

Schwimmen im tiefen Blau

Genießerzeit

Viel Spaß beim Blättern.

Tag 7 Passage Bahamas USA

Ein WUNDERSCHÖNER Segeltag.

Gestern Abend sind wir in den Schnellzug „Golfstrom“ eingestiegen. Bei Anfangs zudem noch kräftigem Wind sausten wir nur so dahin, der SOG (Speed over Ground) also die tatsächlich laut GPS zurückgelegte Strecke lag viele Stunden hintereinander bei über 8 bis knapp 9 Knoten. Wenn es mit 172 sm in 24 Stunden trotzdem kein Rekordetmal geworden ist, liegt das an den ganz flauen Winden seit heute kurz vor Sonnenaufgang und bis zum frühen Nachmittag. Aber auch in dieser Zeit hat uns Europas Fernwärmeversorgung mit mindestens 1 kn, in der Spitze sogar mit knapp 4 kn geschoben, wir sind also gut vorangekommen.


Wo wir schon beim Golfstrom sind: in Europa sollten wir ihm eigentlich jeden Tag auf Knien danken. Man macht sich das ja meist nicht so richtig klar, aber der Norden Deutschlands (Sylt) liegt auf rund 55 Grad nördlicher Breite. Spiegelt man das auf die Südhalbkugel, emtspricht diese Breite der Lage der südlichsten Stadt der Welt: Ushuaia in der Nähe von Kap Hoorn. Bleibt man auf der Nordhalbkugel, liegen auf dieser Breite z.B. Kamtschatka in Russlands Osten oder die zu Alaska gehörenden Aleuten. Wenn also auf Sylt nicht gerade der Gletschertourismus boomt und die Eisbären steppen, dann liegt es eben an dem Fernheizungssystem Golfstrom. Heute sind wir auf der Flora aber dankbarer für seine Beförderungs- als für seine Heizleistung.
Bei strahlend blauem Himmel werden wir vorangeschoben, ohne große Welle, wir können uns auf dem Vorschiff vorlesen, finden sogar die Muße unterwegs Sushi zu machen und natürlich zu verspeisen.


Dazu kommt die Vorfreude, morgen in der Chesapeake Bay und damit in den USA anzukommen.

Dieser Blogpost wurde ursprünglich per Iridium-Satellit übermittelt, somit nur Text ohne Bilder. Die Bilder sind nach der Passage nachträglich eingefügt.

Tag 6 Passage Bahamas USA

Seit gestern Abend 21.00 Uhr brummt überwiegend der Diesel. Der Wind hat sich komplett verkrümelt und haucht mit unter 4 kn abwechselnd aus allen Richtungen rund um die Kompassrose. Dafür hat der Regen aufgehört und wir motoren über eine fast glatte See mit ein wenig altem Schwell. Wir lassen das Großsegel dichtgeholt stehen, um die die Amplitude unserer Schaukelbewegungen etwas zu dämpfen.
Unser Buddyboat Amalia hat zusätzlich noch mit anderen Schwingungen zu kämpfen: ihre Propellerwelle vibriert stark und sie können deshalb nur ziemlich langsam motoren. Als sie uns das heute morgen per Satelliten-SMS mitteilen, nehmen wir weiter Gas weg, um die Lücke von jetzt schon 24 sm nicht noch weiter zu vergrößern.
Die Batterien sind durch die Lichtmaschine gut gefüllt, wir lassen den Wassermacher laufen und laden die Elektrogeräte. Gleich nach Ausbringen der Angel können wir einen herrlichen Yellowfin-Tuna hereinziehen, das Essen ist also auch gesichert ;-).


Unterbrochen wird die Gleichförmigkeit des Dahinmotorens, als wir eine kleine Schule Wale sichten, allerdings in zu großer Entfernung, um sie sicher bestimmen zu können. Ich meine, zumindest einmal die lange, charakteristische Finne eines Orcas erkannt zu haben, aber wirklich sicher bin ich nicht. Jedenfalls haben sie keine Notiz von unserem Boot genommen.
Irgendwann stellen wir den Motor mal ab und nehmen ein Bad in dem dunklen Blau des hier wohl etwa 2.000 m tiefen Wasser. Schon ein komisches Gefühl, aber auch wunderschön, insbesondere weil kurz mal die Sonne durchblitzt und dem kräftigen Blau ein ganz besonderes Strahlen verleiht.


Gegen Mittag (Etmal 130 sm) stellt sich ein Lüftchen ein, gerade soeben segelbar, allerdings nur auf einem etwas westlicheren Kurs. Machen wir trotzdem, weil wir ja ohnehin auf Steve und Helena warten wollen. Und so dümpeln wir jetzt mit kaum 3 kn unter Groß und Code0, damit die beiden mit der Amalia weiter aufholen können.
Etwa um 18.00 hiesiger Zeit sollten wir den Wegepunkt erreichen, an dem wir mit dem Eintritt in den Golfstrom rechnen können. Unser Kurs knickt dann etwas nach Osten ab.
Derweil lassen wir es uns gut gehen: eine hawaiianische Bowl mit frisch gefangenem Thunfisch zu Mittag und jetzt ein (oder zwei,drei) Stück des von Wiebke gerade gebackenen Zitronen-Kokos-Kuchen.

Dieser Blogpost wurde ursprünglich per Iridium-Satellit übermittelt, somit nur Text ohne Bilder. Die Bilder sind nach der Passage nachträglich eingefügt.

Tag 5 Passage Bahamas USA

Im Morgengrauen fängt es leicht an zu tröpfeln. Wir bauen die Kuchenbude auf (quasi ein Zelt über dem Cockpit mit großen Folienfenstern). Es regnet sich ein, kein Schauer, sondern ein schwaches aber konstantes Pieseln aus bleigrauem Himmel bei Schiebewelle und schwachem aber doch segelbarem achterlichen Wind. Wir machen Musik an. Zu den Klängen von Norah Jones schweben wir in unserer leicht beschlagenen Glocke sanft geschaukelt über den scheinbar unendlichen Ozean.


Ganz so beschaulich bleibt es leider nicht. Der Wind wechselt mehrfach von achterlich steuerbord auf achterlich backbord und zurück, was wir durch einen Schlingerkurs weitgehend ausgleichen können und ansonsten die Fock auf die andere Seite nehmen, dort nicht ausgebaumt. Mittagsetmal 160 sm.
Als der Wind schwächer wird und aus 90 Grad kommt wollen wir wie gestern Abend auf den Code0 wechseln, aber die Fock lässt sich wieder nicht einrollen. Ganz offensichtlich ist es mit der neuen Leine nicht getan. Wir probieren noch verschiedene Fall- und Achterstagspannungen aus, aber es hilft nichts. Selbst mit dem Fernglas lässt sich auch kein eventuell falsch laufendes Fall oben am Mast als Ursache ausmachen. Wir nehmen die Fock also wieder ganz herunter. Die Trommel dreht sich danach einwandfrei. Wir nehmen die Fock wieder hoch, sie lässt sich – wenngleich schwer – aufrollen. Also bleibt sie aufgerollt, statt dessen baumen wir den Code0 aus. Vielleicht ist es das Lager? Können wir erst in den USA klären. Aber bis dahin ist ja noch viel Zeit. Und die verbringen wir heute mit Musik und Vorlesen im Cockpit unter der Kuchenbude, der Regen plätschert den ganzen Tag vor sich hin und lässt erst zum Abend nach. Was für ein Luxus, im Mittelcockpit so regengeschützt segeln zu können.
Wir haben die Tropen verlassen, der Wendekreis des Krebses führt quer durch die Bahamas. Merkt man eigentlich nicht, Andererseits: abgesehen von der Temperatur erzeugt das Wetter heute Ostsee-Feeling, einschließlich „ich glaube, dahinten wird’s schon etwas heller“ und dem gemeinsamen ungläubigen Lachen, das jetzt wirklich auch hier gesagt zu haben.

Dieser Blogpost wurde ursprünglich per Iridium-Satellit übermittelt, somit nur Text ohne Bilder. Das Bild wurde nach der Passage nachträglich eingefügt.

Tag 4 Passage Bahamas USA

Um 10.00 Uhr gehen wir ankerauf, der bedeckte Himmel und die trotz des Windes leicht klebrige Luft machen uns den schnellen Abschied von den Abacos leichter als ursprünglich gedacht. Kaum sind wir durch den Pass hindurch auf freier See reißt der Himmel auf und wir rauschen mit Schmetterlingsbesegelung vor achterlichem bis raumen Wind nach Norden. Das ist nicht der direkte Weg zur Chesapeake Bay, der würde etwas nordöstlicher führen. Aber so sollten wir etwas weniger Schwachwind auf der Strecke haben und zudem in etwa zwei Tagen den Golfstrom zu fassen bekommen, der uns dann etwas zusätzlichen Schub in die richtige Richtung bringt und den leichten Umweg mehr als ausgleicht.

Am späten Nachmittag lässt der Wind vorhersagegemäß ein kleines bisschen nach und kommt vorlicher. Wir rollen die bisher an Steuerbord ausgebaumte Fock weg (klappt problemlos, vielleicht dank der neuen Leine) und rollen dafür an Backbord den Code0 aus. So können wir weiterhin Kurs und gute Geschwindigkeit halten.


Leider gerät die Amalia nach schönem Buddyboating inzwischen aus unserem Blickfeld. Trotz ausgebaumter Genua waren sie etwas langsamer und sind auch einen westlicheren Kurs gefahren. Wir bleiben über Funk in Verbindung, wenn wir im Schwachwind motoren müssen werden sie etwas mehr Gas geben und wieder aufschließen.
Gegen Abend zieht etwas Bewölkung auf, die Sonne geht unspektakulär über der inzwischen recht ruhigen See unter und wir bereiten uns vor auf die erste von vermutlich fünf Nachtfahrten am Stück.

Tag 3 Passage Bahamas USA

Wir sind heute Nachmittag nach 29 Stunden schönen Segelns und einer Stunde motoren durch die Riffpassage und über das leuchtend türkise 3 m – Flach hier an unserem Ankerplatz bei Marsh Harbour in den Abacos angekommen. Der Ankerplatz ist als solcher nicht in der Seekarte ausgewiesen, bei den eigentlich vorherschenden Ostwinden ist er ungeschützt, aber wegen der Nordost-Südwest-Ausrichtung der vorgelagerten Cays ist er einer der wenigen hier, die bei dem jetzt herrschenden Südwind guten Schutz bieten. Pittoresk geht anders, nicht nur weil mit Blick an Land und auch auf den Schrott unter Wasser überdeutlich ist, mit welcher Wucht und welchen Schäden der Hurrikan Dorian 2019 die nördlichen Bahamas verwüstet hat.


Es ist herzzerreißend.

Auf die Schönheit des Ankerplatzes kommt es uns allerdings auch deshalb nicht so an, weil es morgen schon weitergehen soll mit dem dann langen Schlag (690 sm kalkuliert) nach Norfolk am Eingang der Chesapeake Bay.
Da die Rollfock heute wieder ihrem Namen keine Ehre machte und sich nicht einrollen lassen wollte, haben wir die Rollreffleine gegen eine neue getauscht, die hoffentlich nicht wie die alte trotz vorsichtigstem Handling Kinken auf der Trommel der Furlex bildet. Der Test ist schon mal positiv verlaufen.
Das Wetterfenster für die Passage sieht ganz o.k. aus, einen Teil der Strecke werden wir wohl motoren müssen, aber dafür wird am berüchtigten Kap Hatteras kein widrig gegen den Golfstrom stehender Wind prognostiziert. Das wollen wir nutzen.

Dieser Blogpost wurde ursprünglich per Iridium-Satellit übermittelt, somit nur Text ohne Bilder. Die Bilder sind nach der Passage nachträglich eingefügt.

Tag 2 Passage Bahamas USA

Wir sind uns mit der Crew der Amalia einig: das Wetterfenster sieht derzeit nicht nach einer Nonstop-Passage in die USA aus, die verschiedenen Wettermodelle ergeben ziemlich unterschiedliche Vorhersagen. Aber es sieht erstmal nach einer guten Passage vorbei an den langgestreckten Inseln Cat Island und Eleuthera hinauf in die Abacos aus. Das ist die Inselgruppe im Nordosten der Bahamas. Sie bietet zum einen den Vorteil, dass sich von da aus die kürzeste Strecke für den Törn hoch zur Chesapeake Bay ergibt. Zum zweiten kennen Wiebke und ich die Inselgruppe von einem Charterurlaub 2007 her, damals hat sie uns absolut begeistert. Allerdings ist sie vor nicht allzu langer Zeit von einem Hurrikan schwer getroffen worden, es ist kaum abzuschätzen wieviel bereits wiederaufgebaut wurde und wieviel noch immer in Mitleidenschaft gezogen ist. Jedenfalls sind wir sehr gespannt.

Spannend gestaltet sich auch die Besuchsfahrt hinüber zur Amalia, wo wir ja zum Mahi-Mahi eingeladen sind. Helena hat den unterwegs gefangenen Fisch am Abend in der Pantry noch mal abgespült. Das reicht um Steve schnell von seiner Reinigungsarbeit am Propeller wieder ins Cockpit zu scheuchen, denn sogleich leisten ihm drei Zitronenhaie unter dem Schiff Gesellschaft (und sie wirken ein bisschen aufgeregt). Auch unser Bad fällt dadurch ziemlich kurz aus. Aber: eine gute Stunde später scheinen die nun schon wieder sehr ruhigen Haie gemeinsam unter der Flora nachzuschauen, ob hier nicht auch Fischabfälle entsorgt werden. Verständlich, sehen die beiden Schiffe doch von unten identisch aus 😉

Diesmal möchte ich die Haie lieber nicht (wie beim letzten Mal den einzelnen) schnorchelnd fotografiern, lieber halte ich die GoPro ins Wasser und kriege dadurch ein paar tolle Aufnahmen der drei. Ganz gemütlich ziehen sie ihre Runden. Allerdings haben sie sich noch nicht verzogen, als wir zu zweit auf dem SUP zum Essen hinüber zur Amalia paddeln – das Dinghy ist für die Überfahrt fest verzurrt in den Davits mit Bellybands, festgebändselten Fendern drin und Persenning drüber. Wir geben uns besondere Mühe nicht reinzufallen ;-).

Ein Video dazu findet Ihr HIER.

Heute brechen wir erst gegen 9.00 Uhr auf. Der Wind sollte eigentlich passen und uns stehen etwa 200 sm bevor. Mit 6 bis 7 kn Geschwindigkeit gerechnet also ein Törn, der uns mit einer durchsegelten Nacht im Laufe des nächsten Tages ankommen lassen sollte.
Zweimal rauscht heute bei uns die Angel aus, beide Male ziehen wir aber einen großen Barrakuda an Bord, fummeln den Haken aus seinem mit beeindruckenden Zähnen bewehrten Maul und werfen ihn (wegen der Ciguateragefahr) wieder ins Meer.

Steve auf der im Buddyboating parallel zu uns segelnden Amalia hat mehr Glück und fängt einen schönen Thunfisch. Jetzt am Abend ist unsere Angel eingeholt, falls wir morgen nicht mehr Glück haben dürfen wir einmal mehr die Gastfreundschaft auf der Amalia of London genießen. Dann wohl schon in den Abacos.

Dieser Blogpost wurde ursprünglich per Iridium-Satellit übermittelt, somit nur Text ohne Bilder. Die Bilder sind nach der Passage nachträglich eingefügt.

Tag 1 Passage Bahamas USA

Ob wir durch den Tankstop in Clarence Town nun ausgecheckt sind oder nie eingecheckt haben ist egal: ab jetzt geht es nordwärts Richtung USA. Nochmalige Rückfrage bei Salty Dawg ergibt, dass in den beiden von uns angestrebten Häfen Beaufort und Norfolk das Cruising Permit auch bei direkter Anreise aus den USVI bisher nie ein Problem gemacht hat. Gut.
Heute segeln wir erstmal bei feinem Halbwind wieder die 40 sm hoch nach Conception Island. Ein kräftiger Biss unterwegs und ein zehnminütiger Kampf, dann kommt der Fisch doch noch vom Haken frei. Tja. Aber nicht lange später meldet sich Steve über Funk: er hat eine Golddorade reingezogen. Er tröstet uns, wahrscheinlich hätten wir sie müde gemacht. Jedenfalls reicht sie für die Crews beider Boote.
Helena und Steve entnehmen ihrem PredictWind-Wetterbericht, dass morgen ein Wetterfenster für die Passage aufgeht. Nach unserem Bericht von Wetterwelt hätten wir dagegen zwar erst guten Wind, dann aber Montag 35 kn auf die Nase. Mal sehen, welche der Entwicklungen sich bewahrheitet. Wir werden morgen jedenfalls erstmal weiter Richtung Norden gehen, glauben aber bisher nicht dass das schon der Absprung sein wird.
Für alle Fälle backen wir mal wieder ein Brot und füllen den Wassertank und die Batterien.

7. Tag Passage USVI Bahamas

Wir sind drin, in den Bahamas. Und wieder draußen. Jedenfalls was das Klarieren an geht. Die Passage zu den Bahamas ist damit jedenfalls schon mal beendet (wir sind ja auch schon ein paar Tage hier, beginnend mit dem Wahnsinnserlebnis Hogsty Reef. Aber wir werden noch einige Zeit durch die Bahamas nach Norden segeln und hoffentlich auch noch das ein oder andere hier sehen, je nachdem wie zeitnah sich ein vernünftiges Wetterfenster für die Passage in die USA einstellt. Mit „Christobal“ ist jetzt schon der dritte benannte tropische Sturm in dieser Saison unterwegs (alle weit genug weg von uns, hat nur unsere Planungen betroffen), das ist jetzt doch ein bisschen ein Signal nicht allzu lange zu warten.
Früh um 6 Uhr geht’s heute los, wir sind zum Sonnenaufgang unterwegs um rechtzeitig in der Flying Fish Marina anzukommen. Aus dem Flachwasser vor Conception Island raus, Segel getrimmt und Angel ausgeworfen. Als ich mich umdrehe um ins Cockpit zurückzukommen rauscht sie schon aus. Das ging schnell. Wir versuchen, etwas Fahrt aus dem Schiff zu nehmen, aber die Fock lässt sich nicht einrollen. O.k., da kümmern wir uns dann später drum. Erstmal den schönen Tunfisch reinholen, der da so vorschnell angebissen hat. Klappt zum Glück. Jetzt muss er ja auch noch auf dem in der Welle schwankenden Achterdeck ausgenommen und filetiert werden, aber auch das kriege ich inzwischen immer besser hin (selbst vor dem Frühstück ;-)).
Der Rest der Fahrt verläuft angenehm ereingnislos, bei etwa 17 kn Wind rauschen wir mit 60 Grad AWA mit 7-8 kn dahin und haben die 40 sm Strecke deshalb schon am Mittag hinter uns.
Nur: die Fock lässt sich leider immer noch nicht einrollen. Also muss sie runter und das würden wir gerne vor dem flachen und mit Korallen gespickten Gebiet um die Flying Fish Marina erledigen, weil wir dafür Platz brauchen. Das heißt allerdings, dass wir gegen den knappen Meter Welle gegenan motoren müssen, um die Fock aus der Vorstagsnut auf das Vorschiff herunter zu zerren. Dort wird sie erstmal an der Reling befestigt und wir motoren zur Tankstelle im Hafen.
Etwas überrachend ist für uns, dass wir nicht wie erwartet und von den Salty Dawg angekündigt einklarieren und ausklarieren können bzw. müssen. Die Marinamitarbeiter erkären uns, die Behörden wären informiert und das würde jetzt in Covid-Zeiten so reichen.
Hm, ob ein Tankbeleg als Ein- und Ausklarierungsnachweis der Bahamas für den Immigration-Officer in den USA ausreicht? Wir werden sehen, fragen aber vorsichtshalber nochmal bei Salty Dawg per email an. Steve von der Amalia erledigt das gleich für uns beide. Die erste Spontanantwort ist nicht sehr befriedigend, möglicherweise hätten wir uns den Tankstop auch sparen können. Ist aber egal, für eine Passage hätte sich eh kein ausreichendes Wetterfenster angeboten.
Weiter geht’s zum Ankerplatz östlich des Hafens, direkt hinterm Riff. Er entpuppt sich als mehr mit Felsen durchsetzt als von uns erwartet, aber wir finden einen Sandflecken und der Anker hält sofort. Widmen wir uns also wieder unserem an die Reling gelaschten Vorsegel.
Wir können jetzt händisch die Einroll-Leine leicht aus der Trommel holen, sie ordentlich neu aufspulen und ziehen das Segel wieder hoch. Beim Einrollen sehen wir das Malheur: wie blöd kann man sein? Wir haben die Trommel falsch herum aufgerollt, jetzt ist der UV-Schutz des Segels innen und nicht außen wo er sein muss. Grrr. Also das Segel nochmal herunterzerren (geht schneller, wir haben ja Übung). Heute Abend gibt es Sushi aus eigenem Fang. Frischer geht’s kaum. Freu!

6. Tag Passage USVI Bahamas

Rolle rückwärts. Die Ramora Bay Marina sieht bei näherer Betrachtung doch, sagen wir mal, schwierig aus. Es gibt zwei Einfahrten. Eine an der Nordküste, nur mit viel Umweg zu erreichen, die dann an dem berüchtigeten Riff „Devils Backbone“ in einer Art und Weise entlangführt, dass der Revierführer ihr und dem Riff nicht nur mehrere Seiten widmet, sondern zudem auch ausführt, dass man unbedingt (jedenfalls die ersten paar Male) einen Lotsen an Bord nehmen sollte. Das Ganze gespickt mit historischen Schiffsunglücken auf diesem Riff und dem Beispiel einer Yacht, deren Besitzer meinte nach dem ersten Mal mit einem Lotsen bei der nächsten Passage keinen zu benötigen (was natürlich übel schief ging). Und es gibt eine zweite Einfahrt an der Ostküste, eben zwischen Eleuthera und Harbour Island. Die sieht erstmal gut aus, abgesehen von dem Hinweis auf starke Strömung in der Seekarte und dem Vermerk „E.N.A.“. Schaut man genauer nach, bedeutet das „Eye Navigation Area“ und
ist versehen mit dem Hinweis, gutes Licht und ruhige bis moderate Winde sowie Seegangsbedingungen seien erforderlich, um in diesem Bereich sicher zu navigieren. Hm. Von der Einfahrt bis in den Hafen überwiegend unmarkiert zwischen Riffen hindurch auf einer bogenförmigen Dreiviertelkreis-Strecke, die uns meistens nur wenige Dezimeter Wasser unter dem Kiel verspricht. Schaut man zur Abwechslung in die Sonarcharts von Navionics, würden wir dagegen eine halbmetertiefe Furche in den Grund pflügen müssen. Das Risiko möchten wir dann doch nicht eingehen.
Mit Helena und Steve von der Amalia diskutieren wir die Möglichkeiten. Wir könnten auch in Nassau oder Freeport den Papierkram erledigen, bräuchten dafür allerdings wieder eine neue Ausnahmegenehmigung. Oder wir verzichten ganz auf den Klarierungsstop, nutzen nur die „Innocent Passage“ durch die Bahamas und fahren direkt in die USA. Je nach Ankunftshafen würde das (laut Salty Dawg) ein nur geringes oder aber sehr hohes Risiko hinsichtlich des Cruising Permits bedeuten.
Letztlich entscheiden wir uns, morgen die 40 sm wieder zurück nach Süden zur Flying Fish Marina zu segeln, der Wind scheint günstig dafür zu sein und die Erlaubnis für diese Marina haben wir ja schon.
Am Ende heißt das zwar, dass wir quasi auf unserer alten Kurslinie zurücksegeln, obwohl genau dieser Abschnitt der einzige etwas rumpelige auf der insgesamt wunderbar angenehmen Passage von den USVI bis hier in die Bahamas war. Dafür haben wir aber zwei wunderbar ruhige Tage in dieser Traumbucht verbracht. Noch eine Traumbucht, benutze ich das etwa inflationär?

Na ja, sagen wir mal so: das Wasser ist hier so klar, dass man vom Anker aus an 30 m Ankerkette entlang zum Schiff sehen kann. So durchsichtig, dass wir im Mondlicht (gut Halbmond) bei Windstille die Riffel im Sandgrund in 4,20 m Wassertiefe erkennen können. So transparent, dass wir von Deck aus die Kofferfische beobachten können, die an der Ankerkette den Sand wegpusten, um ihre Beute aufzuspüren. Sogar die Haie, die es sich in Floras Schatten auf dem Grund bequem gemacht haben, können wir leicht ausmachen ;-).


Einmal erspähen wir sogar zwei Zitronenhaie (die werden etwa gut 3 m lang) und einen Ammenhai (wird über 4 m lang) gleichzeitig, aber vor die Kamera kriegen wir sie bisher nur einzeln. Wir schätzen, das die von uns gesehenen Exemplare noch nicht ganz ausgewachsen waren (vielleicht jeweils etwa einen Meter kürzer).

Außerdem gibt es in der Bucht noch ein vom Boot aus gut schnorchelnd zu erreichendes Riff, wo wir neben vielen anderen Fischen z.B. einen imposanten Nassau-Zackenbarsch und mehrere bunte Königin-Drückerfische vor die Linse bekommen.


Den herrlichen hellen Sandstrand vor der leicht hügeligen und grünen Küste dürfen wir ja leider nicht betreten. Obwohl das hier wohl kaum jemand bemerken würde halten wir uns natürlich daran. Toll anzusehen ist er allemal.

Ein paar Squalls gehen auch durch und sorgen neben der dramatischen Licht/Schatten-Kulisse auch für das ja schon bekannte Fenster auf – Fenster zu Spiel. Fenster zu heißt es auch in der ersten Nacht hier: tatsächlich ein Mückenangriff zur Dämmerung – nach Italien zum ersten Mal wieder. Wir sind verwöhnt.

Dieser Blogpost wurde ursprünglich per Iridium-Satellit übermittelt, somit nur Text ohne Bilder. Die Bilder sind nach der Passage nachträglich eingefügt.