4. Tag Passage Eleuthera nach Beaufort / Ankunft

Wieder herrliches Segeln, zwischendurch schiebt der Golfstrom mit gut 2 Knoten. Angeln macht keinen Spaß, kaum ist der Köder draußen, sitzt auch schon ein Bunsch Sargassum daran und man kann sie wieder einholen.

Sonst alles fein. Aber es zieht sich zu, gegen Abend sehen wir Wetterleuchten. In der ersten Nachtwache wird es extrem, quasi wie ein Stroboskop mit teilweise mehreren Blitzen pro Sekunde – allerdings zum Glück weit weg, oft nur ein Erhellen der fernen Wolken. Kaum so, dass man die Blitze selbst sieht, geschweige denn den Donner hören könnte. Kurz vor dem Morgengrauen (in Wiebkes Wache) bekommen wir noch einen kurzen aber heftigen Schauer ab, das war’s. Einlaufen in Beaufort bei blauem Himmel und Sonnenschein, die Crews der Vairea und der Tropicool winken uns zum Willkommen bei der Ankunft nach dieser schönen Passage.

Etmal: 157 sm (in 23 Std).

Dann gleich per CBP-ROAM-App bei den Behörden anmelden, ein kurzes Videointerview mit dem Officer und die Bitte, kurzfristig vorbeizukommen. Machen wir gemeinsam mit der Crew der Easy-One doch gleich, per Uber geht es hinüber vom Ankerplatz bei Beaufort zur Customs & Border Protection nach Morehead. Der freundliche Officer versorgt uns mit einer neuen (hier kostenlosen!) Cruising Licence und stempelt unsere Pässe. Fertig, die gelbe Q-Flagge kann runter. Dann Telefonkarten/Internet besorgen, Burger und Bier, To-do-Liste des Tages abgearbeitet 😁.

3.Tag Passage Eleuthera nach Beaufort

Die sich im Wetterbericht abzeichnende Schwachwindphase ist da. Wir motoren fast 17 Stunden lang, aber das hatten wir ja vorher schon auf dem Schirm. Ein bisschen irritierend ist der zum Teil mit über 2 kn kräftige Gegenstrom, der uns zudem mal 15 Grad nach Backbord und dann einige Stunden später 15 Grad nach Steuerbord versetzen will und entsprechendes Gegensteuern erfordert. Seit heute morgen um 5.00 Uhr (Wachwechsel) sind aber die Segel wieder gesetzt und der Motor ist aus.
Der Gegenstrom hatte aber auch sein Gutes: ohne ihn läge unsere voraussichtliche Ankunft definitiv irgendwann mitten in der Nacht. Selbst jetzt noch wirft der Plotter für die Ankunft an der Ansteuerungstonne vor Beaufort irgendetwas zwischen 2:30 und 7:oo Uhr aus. Angesichts des uns auf dem lezten Stück wohl noch beschleunigenden Golfstromes und der für heute Nacht angekündigten kräftigen Winde bauen wir vor und reffen bereits jetzt das Groß doppelt ein, um etwas langsamer zu werden und einen gewissen Puffer zu haben.

Etmal (nur) 105 sm.

Und was machen wir so, wenn wir den ganzen Tag motoren?
Ein bisschen mehr schlafen, auch tagsüber. Lesen und vorlesen. Ansonsten das Meer ansehen. Unfassbar, wie es doch immer gleich da ist und sich trotzdem immer wieder so anders präsentiert.

Tiere beobachten? Immer gern, aber tatsächlich sehen wir auf hoher See weit weniger Lebewesen, als man denken würden. Es ist eben doch eine (scheinbar) unendliche Weite.
Aber wir haben Glück: zwei Wale kreuzen unseren Weg und zeigen uns zweimal kurz ihre glatten Rücken mit kurzer Finne, zu wenig allerdings, um sie sicher zu identifizieren.

Und auch die Seevögel machen sich zwar insgesamt rar, bescheren uns aber doch mehrere um so intensivere Besuche. So hatten wir zunächst kleine Wellenläufer (Sturmseeschwalben) zu Gast. Der englische Name ist „Storm Petrel“, wobei Petrel von Petrus abgeleitet sein soll (obwohl nach der Bibel ja nicht Petrus, sondern Jesus selbst übers Wasser lief). Doch genau darauf wird im deutschen wie im englischen Namen angespielt: insbesondere die uns besuchenden in der Größe und dem Flugbild an Schwalben erinnernden „Wilson Storm Petrel) mit ihren langen, im Flug noch über die Schwanzspitze hinausragenden Beinen, scheinen immer wieder nicht nur knapp über die Wellen dahinzufliegen, sondern tatsächlich mit ihren Füßen über das Wasser zu laufen. Ein tolles Schauspiel, dass sie mindestens eine halbe Stunde lang um die Flora herum vorführen.

Noch eine andere Vogelart schaut bei uns vorbei: Tropikvögel. Dieses Mal nicht die Rotschnabeltropikvögel, die wir in der Karibik häufiger bewundern durften (insbesondere auf Great Bird Island / Antigua). Drei gelbschnäbelige Tropikvögel kreisen einige Zeit um die dahinmotorende Flora herum, oft zwei von ihnen im Paarflug. Wie die Rotschnabeltropiks haben sie schwarze Flügelspitzen und eine schwarze Augenmaske, der Rücken aber ist nicht hell gesperbert sondern weist ebenfalls eine kräftige Zeichnung in Form eines dunklen V auf. Auch ihre Flugmanöver sind spektakulär, vor allem, wenn sie neben den charakteristischen langen Steuerfedern ihre kürzeren Schwanzfedern aufspreizen.

Position:
32 Grad 17.977 N
76 Grad 59.126 W

Dieser Beitrag wird per Iridium-Satellit übermittelt, Bilder reiche ich nach. Auf Kommentare (über die wir uns immer sehr freuen) können wir erst nach unserer Ankunft in den USA reagieren.

2. Tag Passage Eleuthera Beaufort

Ein weiterer schöner Segeltag. Die See ist ruhig, nur eine lange Dünung läuft von schräg achtern auf und schaukelt uns ein wenig. Ansonsten nur geringe Schräglage, wir gleiten dahin.
Solche Seetage scheinen wie aus der Zeit gefallen. Wir müssen nichts tun, außer auf unser Boot und uns selbst zu achten. Ganz einfach. Schlafen, Essen, Genießen. Lesen, Musik hören, bei uns sein.
Angeln, ein klitzekleiner Wermutstropfen, denn seit unserer Golddorade gleich zu Beginn der Passage geht nur noch Sargassum-Seetang an den Haken, das aber in so schöner Regelmäßigkeit, dass wir die Angeln zwischendurch schon ganz eingeholt hatten. Ist ja auch noch Fisch da 😉
Ein Aufreger gestern Abend auf unserem Buddyboat Easy-One: der Fallschäkel der Genua bricht und das Segel rauscht ins Wasser. Ingo und Andrea können die Genua mit einer großen Kraftanstrengung bergen und mit dem Spifall provisorisch setzen, allerdings gerefft. Nachdem Ingo uns über Funk berichtet hat gehen wir ebenfalls ins Reff und bummeln etwas untertakelt durch die Nacht, um in Funkdistanz zu bleiben. Tatsächlich sind die beiden am Morgen auf die halbe Distanz (4,5 sm) herangekommen, haben inzwischen den Motor dazu genommen. Wir schütteln das Reff aus dem Groß und bei dem leichten Wind von inzwischen meist unter 10 kn setzen wir den Code0, machen so meist zwischen 5 und 6 Kn, kurz vor Mittag dann nur noch 3,5 kn. Kann sein, dass wir einen halben Tag motoren müssen, jedenfalls aber kommt aber erstmal unser Gennaker noch zum Einsatz, bei 8 kn wahrem Wind schaffen wir damit jetzt noch gut 4 kn. Laut Wetterwelt-Wetterbericht hat unsere geringe Geschwindigkeit den Vorte
il, dass das zwischen uns und Beaufort liegende Regengebiet bis zu unserer Ankunft abziehen sollte.

Beim Abrufen des Wetterberichts stellen wir fest, dass die Batterie des IridiumGo ihren Geist aufgibt und aus dem Leim geht, kein gutes Zeichen. Beim Neustart funktioniert es zwar, aber wir nehmen das Gerät erst einmal vom Dauerstrom. Hoffen wir mal, dass es bis in die USA durchhält.
Für den Notfall haben wir aber (neben der EPIRB) ohnehin noch ein Garmin InReach als Backup zur Kommunikation auf hoher See an Bord.

Etmal 145,5 sm.

Dieser Post wird per IridiumGo über Satellit übermittelt (wenn es denn noch funktioniert ;-)). Bilder sind deshalb nicht dabei und auf Kommentare können wir erst wieder reagieren, wenn wir Telefonempfang und damit Internet haben, vermutlich also am 11. Juni in Beaufort, North Carolina, USA.

1.Tag Passage Eleuthera Beaufort

In Spanish Wells im Norden von Eleuthera tanken wir noch einmal Diesel, tasten uns dafür mit der Flora durch die flache Rinne in den Ort. Das klappt aber gut (20-30 cm Wasser unterm Kiel). Wir können Flora sogar am Fueldock liegen lassen und zum Ausklarieren gehen sowie im Supermarkt noch Möhren und Milch kaufen.
Gegen Mittag lösen wir die Leinen wieder und fahren außen um Egg Island herum ins tiefe Wasser. Von nun an ist es grob Kurs Nord. Herrliches Segeln, zunächst etwa 60 Grad am scheinbaren Wind, später fast Halbwind. Sonnenschein und bester Segelwind. Wir lassen troztdem zwei Reffs im Groß, so passen das Zusammensegeln mit der Easy-One und die voraussichtliche Ankunft in Beaufort besser und die Schräglage hält sich in Grenzen, gerade am ersten Tag der Passage ist das auch gut für den Magen 😉 Außerdem angeln wir noch eine schöne Golddorade, perfekt. Gegen Abend erreichen wir die Abacos, an denen wir dich östlich vorbei gehen. Die Moana liegt bei Elbow Cay vor Anker, wir funken kurz mit Mareike, aber die Verbindung ist schlecht. Na ja, hier haben wir ein letztes Mal Bahamas Netz, dann eben per WhattsApp.
Mit etwas Schiffsverkehr aber sonst ereignislos segeln wir durch die Nacht. Heute morgen dann leicht nachlassender, aber immer noch guter Segelwind, Sonne und ein paar Schleierwolken. Etmal: 150 sm

Dieser Post wird per Iridium-Satellit übermittelt.

Wird wohl Zeit …

Nach 11 Wochen Bahamas haben wir in Spanish Wells ausklariert und sind jetzt auf dem Weg in die USA. Ziel ist erstmal Beaufort, North Carolina.

Es sind etwa 560 sm, wir werden aber wind- und strömungsbedingt wahrscheinlich einen kleinen Bogen fahren und rechnen mit etwa 4 Tagen Ozeanpassage. Drückt uns die Daumen, unsere Position könnt Ihr auf Noforeignland verfolgen.

Ein Blick durchs Fenster, ein Blick nach vorn. Glass Window und Wasser-Schaukel

Es gibt nur wenige Orte in den Bahamas, an denen die Ambivalenz von plötzlich aus dem tiefen blauen Ozean auftauchenden Inseln und den ausgeprägten türkisen Flachwassergebieten so deutlich wird, so plastisch hervortritt, wie eben am berühmten „Glass Window“ auf Eleuthera. Noch bis ins letzte Jahrhundert hinein gab es hier einen natürlichen Felsbogen, ausgehöhlt von dem aus Osten heran brausenden Atlantik (auf dem sich auf dieser Breite den Wellen seit dem afrikanischen Festland kein Land mehr in den Weg gestellt hat). Mehrere Stürme zu Beginn des 20. Jahrhunderts aber brachten sie zum Einsturz, auch die als Ersatz gebauten Straßenbrücken mussten danach mehrfach erneuert werden. Und so ist es heute eine schmuck- und pfeilerlose Betonbrücke, die das „Glass Window“ überspannt. Selbst nicht im eigentlichen Sinne schön, gibt sie doch den Rahmen für den Blick vom Türkis zum Blau – oder umgekehrt.

Wir ankern in einiger Entfernung, direkt an der Bücke ist es zu flach für unsere Boote.

Die Fahrt hier her war (nachdem wir die enge Felsenausfahrt von Hatchet Bay Harbour passiert hatten) wieder einmal feines Buddyboating, noch dazu hatten wir endlich mal wieder unterwegs Angelglück, ein leckerer großer Mutton Snapper ging uns an n Haken. Vielleicht, weil wir für die knapp 7 sm faulerweise nur die Fock ausgerollt hatten und entsprechend nicht ganz so flott unterwegs waren.

Ziel war aber nicht nur das Glass Window, sondern auch „Queen’s Bath“, das sich ganz in der Nähe auf der Atlantikseite findet. Der Ozean brandet hier an natürliche Felsterrassen und hat über die Zeit verschiedene Becken und Mulden herausgespült. Je nach Wasseraustausch variiert auch die Temperatur (und die Anzahl der Duschen und Sprudelbäder). Selbst in Halbhöhlen beschattete natürliche Badewannen sind zu finden.

Nach ausgiebigem Genuss dieser (wieder einmal) eintritsfreien Wellnessanlage und einem kurzen Abstecher zur ebenfalls fußläufig gut erreichbaren Felsfomation „Cow & Bull“ verholen wir uns mit unseren Booten ein Stück zurück zu dem zu unserem Fang passenden Mutton Fish Point, dessen Felsnase uns besseren Schutz vor dem Südschwell bietet.

Und – neben glasklarem Wasser und tollem Schnorcheln zwischen intakten Fächerkorallen – überraschend eine wunderbare Einstimmung darauf bietet, was uns bei der demnächst anstehenden mehrtägigen Passage von den Bahamas in die USA erwarten könnte: schönes Geschaukel 🥺😉😎 :

Alabaster Bay und Hatchet Bay Harbour: auf zu den Ananasfeldern!

Von Governor’s Harbour segeln wir weiter nach Nordwesten, immer entlang an der langgestreckten Küstenlinie von Eleuthera. Die Insel zieht sich als zumeist schmales Band mit y-förmigen Ausweitungen an beiden Enden etwa 180 Kilometer lang in dieser Richtung.

Als nächsten Ankerplatz wählen wir die Alabaster Bay, sie bietet bei der derzeit wieder starken südlichen Komponente in den vorherrschenden Ostwinden guten Schutz. Und den können wir auch brauchen, denn es zieht ein Gebiet mit Squalls und Gewittern über uns hinweg. Wir igeln uns ein und nutzen die zwischenzeitlich schöneren Phasen zum Schnorcheln. Dabei kommt auch die „Hawaiian Sling“-Harpune wieder zum Einsatz. An zwei aufeinander folgenden Tagen schießen Ingo und ich damit an einem nur etwa 40 m langen Riffabschnitt elf (11) Rotfeuerfische.

Die Schädlichkeit dieser invasiven Art für die hiesige Fischwelt, aber auch die Schmackhafigkeit der Exoten hatte ich HIER schon mal erläutert. Es ist ein bisschen aufwändig, erst (mit der Feuerwehrschere) die Giftstacheln zu entfernen und dann die recht kleinen Fische zu filetieren, aber ich werde langsam geübt darin und sie sind wirklich lecker.

Nach ein paar Tagen zieht es uns aber weiter, nur leider erweist sich unser ausgeguckter Ankerplatz bei Gregory Town als zu ungeschützt, der Schwell der immer noch südöstlichen Winde lässt uns ein ganzes Stück zurück nach Hatchet Bay Harbour motoren. Dieser See mit künstlichem Durchbruch zum Meer ist hervorragend geschützt, kommt allerdings in unserem (ziemlich alten) Törnführer nicht gut weg. Macht aber nichts, nachdem wir uns durch die schmale Einfahrt getastet haben gefällt es uns ganz gut.

Der Ort (Alice Town), oft auch einfach Hatchet Bay Harbour genannt, ist zwar eher ärmlich und mit durchgehend sehr einfacher Bebauung, ganz anders als zuletzt Governor’s Harbour.

Aber natürlich gibt es – bei richtiger Kameraperspektive – auch ausgesprochen schöne Stellen 😉

O.k., schaut man nach links, sieht es man die Baustellen und auch deutlicher das marode Palmblattdach der Schirme:

Worauf es ankommt, es gibt einen kleinen Supermarkt und die Menschen sind superfreundlich. Wir treffen die Crew der kanadischen „Petit Chantier“, außer der Easy-One und der Flora das einzige Segelboot in der Bucht. Sie erzählen Wiebke und mir von einer außerhalb gelegenen Höhle, wir ihnen von etwas entfernt liegenden Ananas-Plantagen. Gemeinsam fragen wir Renaldo, den Barkeeper der Bar am Dinghydock, nach Entfernung und Erreichbarkeit der beiden Ziele. Schwups, werden wir von ihm in seinem Auto dorthin gefahren, er muss angeblich ohnehin noch irgendwo Eis und Spirituosen besorgen. Wir sollen ihm eine WhatsApp schicken, wenn wir fertig sind, dann holt er uns wieder ab. Unterwegs stellen wir fest, dass es tatsächlich sonst ein ziemlich langer Marsch geworden wäre.

Annabelle und El (französischsprachiger YouTube Channel: Voiliers les Copains) haben Lampen dabei, schließlich hatten sie die Höhlentour geplant. Wir haben zwar nur die Handy-Funzeln, aber zusammen reicht es. Tatsächlich sind die „Hatchet Bay Caves“ riesig, sie sollen sich über eine Meile hin ausbreiten. So weit gehen wir nicht, aber es ist trotzdem beeindruckend. An der Straße nur ein Schildchen, dann Feldweg und irgendwann ein Loch. Kein Eintrittsgeld, kein Reiseführer, keine Schautafel. Einfach nur ein Loch und ein paar Stufen, die hineinführen. Von der nur über diesen schmalen Einstieg erreichbaren ersten Höhlenkammer geht es – nun nur noch von den mitgebrachten Lampen beleuchtet – über eine Holzleiter eine Ebene weiter nach unten. Dort erwarten uns Gänge, die wie ein trocken gefallener unterirdischer Fluss anmuten, zwischendurch in Abständen immer wieder größere Räume, manchmal möchte man sie Kathedralen nennen, dazu Stalagmiten und Stalagtiten in großer Zahl, Fledermäuse, allerdings auch einiges an hingesprayten Namenszügen, vielleicht ein Nachteil des einfachen unkontrollierten und kostenlosen Zugangs.

Zwischendurch löschen wir kurzzeitig unser Licht und lauschen in die dunkle Stille. Ein wunderschönes Erlebnis.

Wieder draußen werden wir von vier aufgeregten Hunden empfangen, zum Teil mit neuen Halsbändern. Stürmisch, aber auch zutraulich und ausgeprägt an unseren Rucksäcken interessiert, obwohl nichts essbares darin ist. Sie begleiten uns bis zur Ananasplantage, die ein Stück weiter die Straße hinauf liegt. Für Führungen ist sie zwar derzeit geschlossen, aber die Ananasfelder und das daneben angebaute Obst und Gemüse (vor allem Bananenstauden, Papaya und Paprika) sehen wir ja trotzdem.

Die Ananas, ein im Boden wurzelndes Bromeliengewächs mit fleischigem Fruchstand, wurde als Kulturpflanze wahrscheinlich zuerst im Amazonasgebiet angebaut und von den Indigenen „Anana“ (hervorragende Frucht) genannt. Sie war bei Maya und Azteken bekannt und wurde vermutlich von den Cariben auf die nach diesem Stamm benannten Inseln verbreitet.

Hier auf Eleuthera wurde (deutlich später, vor allem im 18. und 19. Jahrhundert) Ananas-Landwirtschaft so intensiv betrieben, dass die Bahamas zwischenzeitlich einer der großen Exporteure dieser Frucht waren, allerdings sind diese Zeiten längst wieder vorbei. Interessanterweise konnten die damals sehr exklusiven Früchte zwar geschnitten in die nahen USA verschifft werden, zum fernen (politischen) Mutterland England aber mussten sie aufwändig als ganze Pflanze mit Wurzelwerk verschifft werden, bis 1857 in Governor’s Harbour die erste Dosenfabrik dafür eingerichtet wurde.

Heute sind die Bahamas nicht mehr unter den Top 10 der Ananas produzierenden Länder zu finden. Nichtsdestotrotz rühmt sich Eleuthera auch heute noch, die wohlschmeckendsten und süßesten dieser Früchte hervorzubringen, sie finden sich auf der Währung und werden als Symbol der Gastfreundschaft und des Wohlstands verehrt und in Liedern besungen (wie uns Renaldos Vater am Abend bestätigt)