Matthew und die karibischen Farben

Matthew Town führt zwar “Stadt” im Namen, ist aber eigentlich ein mittleres Dorf. Schachbrettartig angelegt, eine Hauptstraße führt vom Leuchtturm durch das Dorf zum Flugplatz und weiter zur großen Saline. Es gibt ein paar Restaurants, einen kleinen Supermarkt, eine Bank. Und sogar ein kleines Gesundheitszentrum.

Wir wandern erst einmal zum Leuchtturm. Das 1870 in Betrieb genommene Feuer leuchtet (entgegen der Angaben in der Seekarte und im Internet) inzwischen nicht mehr.

Als wir hinaufsteigen (die Tür steht offen) sehen wir auch warum. Lampe und Linse fehlen völlig. Überhaupt ist der Zustand drinnen einigermaßen marode.

Ein paar der Holzstufen wurden ersetzt, eine fehlt völlig, weil auch ihre Aufnahme weggerostet ist.

Aber oben angekommen gibt’s eben einen tollen Ausblick über die Insel.

Wie der Leuchtturm wirkt auch der Rest des Ortes ein bisschen verlassen, aber die wenigen Menschen, die wir treffen sind super zuvorkommend und nett. Ein vorbeifahrender Truck hält an und fragt, ob wir mitfahren wollen. Autos machen bereitwillig Platz, die Fahrer grüßen freundlich auch uns Fremde.

Der Bankautomat spuckt für uns kein Geld aus, aber der Security-Mitarbeiter erklärt uns, was wir morgen für die Geldauszahlung in der Bank mitbringen müssen, nämlich neben der Kreditkarte ZWEI Ausweise (Pass und Führerschein), sonst gibt’s nichts. Gut zu wissen und so läuft es dann auch.

Zwei Bars am Strand sind noch zu bzw. werden gerade hergerichtet. Das Ambiente spricht schon mal an, auch wenn die Natur die wirklich tollsten Farben zusteuert.

Auch die Vogelwelt zeigt uns mal wieder eine wunderbare Seite: wir entdecken tatsächlich die ersten wild lebenden Papageien seit wir in der Karibik sind. Hatten wir viel früher und häufiger erwartet, aber um so schöner, dass es jetzt dock klappt. Zumal es wieder einmal eine endemische Art ist, der “Bahamas-Papagei”.

Als Zugabe gibt’s noch einen Fischadler (Osprey) am Strand

und den kleinsten auf den Bahamas heimische Raubvogel, einen Buntfalken (nahe verwandt mit unserem Turmfalken):

Eine große Population an Flamingos lebt zudem im Inselinneren am Lake Rosa. Aber nachdem uns der Immigration-Officer eröffnet, wir könnten auch vorzeitig den vorgeschriebenen 5-Tage-Test absolvieren (nämlich fünf Tage nach dem PCR-Test in der Dominikanischen Republik und nicht wie offiziell verkündet 5 Tage nach Einreise), begeben wir uns gleich zum Test in dem immerhin flamingorosa-farbenen Gesundheitszentrum.

Mit dem (zum Glück wiederum negativen) Testergebnis, das per Email innerhalb von zwei Minuten nach dem Test da ist, sind wir jetzt frei, uns innerhalb der Bahamas zu bewegen. Vorher mussten wir täglich eine Gesundheitsmeldung online ausfüllen, brauchten also Internet. Aber jetzt können wir auch an abgelegene Stellen, wie erstmal die Man-O-War-Bay auf Great Inagua und dann das Hogsty Reef, wo wir keinen Empfang haben werden.

Vielleicht können wir aber den ein oder anderen Bericht (ohne Fotos) per Iridium hochladen.

Hinterm Riff

Noch ein paar kleine Einkäufe im Ort Culebra (essentials: Milch, Eis für Cocktails. Obwohl, der kleine Supermarkt, der auf Klopfen öffnet und immer nur maximal drei Kunden einlässt, zudem angenehm peinlich darauf achtet, dass diese sich zuvor die Hände gewaschen haben und dann zusätzlich auch desinfizieren, er bietet drinnen ein weit besseres Sortiment als man von draußen vermuten würde.

Unter dem Wahrzeichen des Ortes, der inzwischen nicht mehr zu öffnenden rot-weißen ehemaligen Hubbrücke über den Kanal hindurch geht es mit dem Dinghy dann nochmal zum Towndock, dass zugleich als Dinghydock fungiert, aber auch einigen Sparfüchsen als Dauerliegeplatz für ihre Boote dient, kassiert wird nämlich nicht. Wir ergattern frischen Thunfisch beim Fischer, als er seine Kühlboxen auf den Dorfplatz schleift werden wir neugierig.

Die Restaurants und Cafés im Ort haben covidbedingt (max 30 % der Kapazität erlaubt) nur sporadisch auf oder sind vorübergehend ganz geschlossen. Schade, die sympathisch gemalten Werbungen auf der Wand an der Straße machen eigentlich Lust darauf. Manchmal findet man ein offenes Restaurant, am nächsten Tag hat vielleicht ein anderes auf, vielleicht auch nicht.

Na gut, aber dann müssen wir nicht hier vor dem Ort liegen, zumal die Bojen in dem Anker- und Bojenfelder hinter dem Riff kostenlos und gut in Schuss sind. Dann verholen wir lieber hinter das Riff in der Einfahrt der Bucht von Culebra. Das Wasser ist dort natürlich klarer, das Schnorcheln im Pass ist denn auch ganz fein.

Und der Liegeplatz selbst ist einfach klasse. Außerdem liegen hier noch die Valentin (wo wir gleich zu Kaffee und Kuchen eingeladen werden) und die La Rive Nord (Sundowner). Wir sind alle frisch getestet für die Einreise hier nach Puerto Rico, da blüht das Segler-Sozialleben gleich auf 😉.

Lieber schnell weiter

Wir sind ausklariert, morgen früh setzen wir die Segel Richtung Puerto Rico. Sint Maarten drückt irgendwie nicht den richtigen Knopf bei uns, bezaubert uns nicht. Andere schon, und das ist ja auch ganz gut so, wenn nicht alle die gleiche Insel favorisieren. Aber auch für uns ist Sint Maarten in mancherlei Hinsicht praktisch. Wir haben einiges an Geld hier gelassen, weil die Einkaufsmöglichkeiten wirklich gut sind. Das betrifft Bootszubehör (DIVERSES) ebenso wie Elektro- und Elektronikartikel (neuer Handmixer und neue GoPro). Es betrifft aber auch Lebensmittel, unser Vorrat ist wieder ordentlich aufgestockt.

Nur der berühmte „Funke“ springt irgendwie nicht über. Die Diskrepanz ist riesig. Einerseits ankert hinter uns die klassische „Christina O“ (-nassis, vielleicht die Yacht mit der prominentenreichsten Gästeliste überhaupt) und vor uns quetscht sich gerade die 77 m lange und über 13 m breite moderne Megayacht „Go“ durch die Brücke.

Andererseits deprimieren uns die vielen Wracks in der Lagune. Vielleicht haben wir irgendwo im Hinterkopf auch den Gedanken, wenn die Insel schon so eng an Europa angebunden ist, könnte sie auch bei der Beseitigung von Autowracks am Straßenrand ebenso wie bei Schiffswracks in der Lagune drei Jahre nach Hurrikan Irma weiter sein.

Auch die Kriminalität gibt zu denken, es gab zuletzt (allerdings nur auf der französischen Seite) häufiger Einbrüche auf Yachten, auch wenn die Besitzer an Bord waren. Keine Gewaltkriminalität, nur Diebstähle. Aber eben keine Einzelfälle, sondern in kurzen Abständen.

Wir mieten ein Auto und fahren über die Insel um etwas mehr zu sehen, vielleicht einen anderen Eindruck zu bekommen. Doch der Zeitpunkt ist schlecht gewählt, ausgerechnet an diesem Tag schüttet es fast durchgängig, was den tristen Eindruck noch mal deutlich verstärkt. Die Vorzeige-Einkaufsstraßen in der Hauptstadt Philipsburg sind auch kein guter Einstand. Offensichtlich auf Kreuzfahrttouristen ausgelegt, reiht sich in der Frontstreet ein Luxusuhrengeschäft an den nächsten Juwelier, wobei auch jeder zweite Laden geschlossen hat. Die Backstreet macht auch keinen besseren Eindruck, die Prospektfotos in den Touristenbroschüren picken einfach nur die wenigen schmucken Gebäude aus dem eher tristen Gesamtensemble.

In der Oyster Pond Marina im Osten kurz vor der französischen Grenze liegen ein paar Yachten zwischen versunkenen und zerstörten Stegen, der Hotelkomplex auf der schützenden Halbinsel hat auch schon deutlich bessere Zeiten gesehen.

Und auf der Weiterfahrt durch Hinterland und Küstengegenden bieten sich zwar viele Ausblicke auf Buchten, so richtig ansprechend ist aber (für uns) keine.

Einzig die Baie de Grand Case erscheint als ein kleiner Lichtblick. Im wahrsten Sinne, denn die Sonne kommt kurz einmal durch, das hebt ja die Stimmung schon mal. Wir machen einen Lunch-Stop in einem der eher einfachen Restaurants mit Blick auf die Bucht und der gegrillte Fisch ist wirklich gut. Ein paar alte Männer sitzen auf der verrotteten Betonpier und angeln, die Brandung rauscht auf die dem Sandstrand vorgelagerten Felsen, die ein Anlanden mit dem Dinghy jedenfalls bei diesen Bedingungen nur am großen Dinghysteg zulassen.

Auf der Weiterfahrt fallen im Westen der Insel diverse „Gated Communities“ auf, die Bessergestellten wohnen dann doch lieber hinter hohen Mauern in mit Toren und Schranken abgeschotteten Bereichen. Auch der Maho Bay im Südosten statten wir einen Besuch ab, sie ist berühmt für den (kurzen) Strand, der nur von einer Straße getrennt fast direkt an der kurzen Landebahn des internationalen Flughafens der Insel liegt. Die Landebahn zieht sich von dort bis zur Lagune, die Flieger müssen früh aufsetzen und kommen entsprechend tief über dem Strand herein oder müssen umgekehrt direkt an der Absperrung die Turbinen aufreißen um beim Start schnell Geschwindigkeit zu gewinnen. Ein Schauspiel, wenn der Jet Blast die Touristen gegen den Zaun drückt, Handtücher und Kleidung aufwirbelt und man gefühlt die Triebwerke anfassen kann und dass auf YouTube Millionenaufrufe hat. Aber bei diesem Wetter verlaufen sich gerade mal vier Leute am Strand, selbst das bekannte Surfbrett, auf dem der Flugplan angeschrieben wird fehlt. Und natürlich sind Covid-bedingt auch weit weniger Flugzeuge unterwegs.

Wir geben den Mietwagen frühzeitig wieder ab. Das war nicht berauschend. Aber wo wir schon beim Fliegen sind: da könnte ich doch das Wetter vielleicht besser an Bord nutzen, um in aller Ruhe den seit Januar (in Europa) verpflichtenden und daher überfälligen Drohnenführerschein zu machen, für den das Luftfahrtbundesamt einen Onlinekurs mit Onlineprüfung anbietet.

Wir erfahren, dass es auf Antigua ab morgen kurzfristig angesetzt wieder einen Lockdown gibt, ein bisschen überraschend. Das bestärkt uns darin, möglichst bald weiterzuziehen und mit Puerto Rico als nächstem Ziel wieder ein größeres Land mit mehr Optionen anzulaufen. Wir wollen das nächste Wetterfenster nutzen.

Heute gilt es daher, mal wieder, einen Covidtest zu organisieren. Nach einiger Lauferei und Absagen („Termin frühestens Mitte Februar“) werden wir dann doch an einen Arzt verwiesen, der ohne Terminreservierung, dafür mit Warteschlange, PCR-Tests durchführt, die dann in dem Labor des Arztes, der uns vertröstet hatte getestet wird. Das „Wartezimmer“ ist übrigens draußen und sieht so aus:

Das versöhnt uns und so nehmen wir es auch kaum übel, dass uns die Tests nach der Entnahme in die Hand gedrückt werden, um sie zum Labor zu bringen. „Sie haben kein Auto? Das ist aber ganz schön weit!“ Tatsächlich, auf der anderen Seite der Bucht (wir kürzen mit dem Dinghy ab) und dann den Berg hoch. Hm.

Zur Erholung und Entspannung gibts dann aber noch ein Abschiedsessen mit Ute und Russ (SY Tairua) im Lagoonies. Superlecker – und genau zwischen den beiden Bootsausrüstern Island Waterworld und Budget Marine …

Einklarieren in Sint Maarten

Es ist so eine herrliche Überfahrt. Den Gennaker schlagen wir schon am Ankerplatz an, motoren über das Flach vor der Crab Hill Bay im Südwesten Antiguas, nehmen das Groß raus und rollen den Gennaker aus. Erst noch langsam mit 4 kn, dann eher so um die 6 kn Fahrt durchs Wasser. Der Antillenstrom schiebt zusätzlich. Fein. So geht’s in die Nacht und so bleibt es auch bis wir um 4 Uhr nachts St. Barth(thelemy) querab haben. Wir sind zu schnell, im Dunkeln möchten wir nicht ankommen. Also wird der Gennaker weggerollt und mit jetzt wieder nur 4 bis 5 kn kommen wir kurz nach 7 Uhr bei Tageslicht in der Simpson Bay von Sint Maarten an.

Hinter Floras Heck geht über St. Barth die Sonne auf.

Flaggenwechsel. Die alte Gastlandsflagge von Antigua und Barbuda hat sichtbar ihre Schuldigkeit getan und es auch wirklich hinter sich.

Nur: erstmal geht ja nur die gelbe Quarantäneflagge unter der Steuerbordsaling hoch. Ich fahre mit dem Dinghy zum Einklarieren und nehme Ute von der gleichzeitig angekommenen Tairua mit.

Ursprünglich wollten wir ja auf die französische Seite der geteilten Insel. Dann aber hat Saint Martin vor ein paar Tagen einen verpflichtenden Covidtest eingeführt. Das hätte einigen Aufwand für uns bedeutet, denn auf Antigua hätten wir diesen Test nur im Krankenhaus in St. John’s machen können. Kosten: 200,- € pro Person, zudem nur mit Terminanmeldung eine Woche vorher. Inzwischen soll es auch eine Möglichkeit geben, die Testentnahme privat in Falmouth machen zu lassen, dann allerdings gegen zusätzliche weitere Gebühren. Zudem ist für die nächsten Tage eher Nordschwell angesagt, was eher für den südlichen Teil der Insel spricht.

Also haben wir unser Ziel einfach auf die (ehemals) holländische Seite der Insel verlegt. Zwar haben sich auch in Sint Maarten die Einreisebestimmungen gerade kürzlich verändert, aber ein COVID Test ist bei Eireise aus dem „Low-Risk-Land“ Antigua weiterhin nicht erforderlich. Die neuerdings notwendige „EHAS“-Selbstauskunft (Electronic Health Authorization System) stellt keine große Hürde dar und ist auf http://www.noonsite.com auch direkt verlinkt. Weitere elektronische Dokumente sind laut Noonsite nicht gefordert (was sich als nicht mehr richtig erweist). Ok, 30,- US$ pro Person sind im EHAS-Anmeldeverfahren für eine „COVID-Versicherung“ zu bezahlen, obwohl man unmittelbar vorher bestätigen musste, ausreichend umfangreich krankenversichert zu sein. Dafür kommt aber auch prompt eine vierseitige vorläufige „Authorization Pre Approved“ per Email zurück.

Sicherheitshalber setzen wir uns aber noch mit Kirk und Helen von der „Landscape“ in Verbindung, Salty Dawgs, die gerade letzte Woche nach Sint Maarten gegangen sind. Kirk berichtet, dass auf dem Tisch des Einklarierungsbüros ein handschriftlicher Zettel klebt, demzufolge man die letzte Clearance, Schiffspapiere, EHAS und Crewliste vorab an drei aufgeführte Email-Adressen senden muss. Auch wenn sich das auf keiner offiziellen Seite wiederfindet machen wir es sicherheitshalber.

Kirk hatte von einer der drei eine positive Rückmeldung erhalten. Das ist aber weder bei Ute noch bei mir der Fall. Eine Adresse existiert nicht mehr, von einer kommt eine automatisierte Mail zurück:

Thank you for contacting Collective Prevention Services (CPS). Please note that this inbox is primarily for the reporting of infectious diseases or for concerns related to vector control, youth health care and health promotion. NOTICE: If you need assistance with travel and the electronic health authorization system (EHAS) please visit: https://stmaartenentry.com/ or email: ehas@sintmaartengov.org

Nicht hilfreich, das hatten wir ja schon.

Die dritte Mailadresse seaborder.info@policesxm.sx meldet sich nicht (erhält aber wohl die Email).

Ok, immerhin haben wir alles getan, oder? Oder eben nicht. Im Bürogebäude der Clearance gibt’s eine kleine Schlange, der vor uns rauft sich die Haare. Drei weitere Formulare bekommen wir ausgehändigt, die müssen ausgefüllt und dann per Email an die drei schon geschilderten Adressen gesandt werden. Darunter (nochmal) die Crewliste und der schon aus Antigua bekannte offenbar für die Großschifffahrt gedachte „Annex 8, Model of Maritime Declaration of Health“, in dem unter anderem eine etwaige Übersterblichkeit/-krankheitsneigung gegenüber normalen Passagen sowie die Anzahl der Toten abgefragt wird. Der vor uns hat weder Handy noch Computer dabei und zieht ab.

Ich erkläre, dass wir ja gerade angekommen sind, uns mangels Einklarierung noch keine SIM-Karten kaufen konnten und ergo der Emailversand schwierig ist. Die nette Dame am Schalter erwidert, dass ich das doch im WLAN bei McDonalds machen könnte. Ja, so ist das in Covid-Zeiten sicher total sinnvoll. Normalerweise darf man sich ja auch vor Einklarierung nicht frei bewegen, aber wenn die Immigration uns expliziert dazu auffordert? Aber Ute findet ein freies WLAN vor Ort (wenn auch nicht von einer der Behörden) und so bekommen wir die Formulare versandt. In kleinen Häppchen, sonst ist die Mail zu groß. Und – ähh – die Pässe bitte auch noch fotografieren und einschicken. Und die erhaltene Bestätigung des EHAS. Machen wir doch alles gerne in einem unbekannten nicht offiziellen WLAN. Danach bitte die ganzen Unterlagen in Papierform am Schalter abgeben, aber erst nachdem die Kollegin den Eingang der Mails bestätigt hat.

Teilweises Happy End: Wiebke und ich sind einklariert, haben die Stempel im Pass und dürfen uns frei bewegen. Morgen wiederkommen müssen wir trotzdem, denn der Kollege von der SLAC (Simpson Bay Lagoon Authority) ist heute nicht da, da müssen wir morgen noch bezahlen.

Nachtrag: nachdem wir schon einklariert sind, kommt dann doch noch eine (positive) Antwort von der zweiten Email-Adresse.

Bei Ute und Russ hat eine offenbar verantwortliche Person die Mails noch nicht gesehen, das gesamte Einklarieren kann deshalb erst später (morgen?) passieren.

Guten Rutsch!

2020. Wohl für alle von uns ein Jahr, das in Erinnerung bleibt.

Die letzten Tage des Jahres stecken noch einmal voller Symbolik. Da ist zunächst unser Track am Ankerplatz in Spanish Point auf Barbuda. So hatten wir das auch noch nicht ❤️:

Wohl für kaum jemanden verlief es wie ursprünglich geplant. Wir konnten Familie und Freunde in Deutschland nicht treffen, machten uns aus der Ferne heimlich Sorgen um ihre Gesundheit (so wie umgekehrt vermutlich auch). Statt Heimflug wurde unser Törnplan um den Nordosten der USA bis hoch nach Maine erweitert. Ganz sicher haben wir es auf der Flora extrem gut getroffen, wir sind froh und überaus dankbar dafür. Uns ist sehr bewusst, wie viel Einschränkung und schmerzliches Vermissen für viele mit diesem Jahr verbunden ist, für die unmittelbar von der Krankheit betroffenen sowieso. Aber auch dann, wenn sie selbst und ihre Familie und Freunde nicht mit dem Virus angesteckt wurden, sondern ihr Leben sich “nur” veränderte durch alles was getan wurde, um die Pandemie einzudämmen und so beherrschbar wie möglich zu halten.

Es ist uns klar, dass es in einer Situation mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit zu Hause und limitierten Möglichkeiten von Treffen mit anderen auch manchmal schwer sein wird, Bilder und scheinbar ziemlich unbeschwerte Berichte von Segeltörns und Reisen in der Ferne zu lesen. Vielleicht ist es aber ja auch ab und zu ein kleiner Lichtblick.😉

Segler sind es gewohnt, dass Reisepläne sich ändern (oder sollten sich schnell daran gewöhnen). Die Natur ist stärker als der beste Plan.

Das gilt im Großen wie im Kleinen, also ziehen wir angesichts der Vorhersage für den Jahreswechsel den Anker aus dem Grund und machen uns nochmal auf den Weg. Kräftiger Wind und hohe Wellen, da kann ein bisschen mehr Schutz ganz sicher nicht schaden.

Auf dem schönen Segelschlag vor dem Wind hinunter nach Antigua bekommen wir selbst nur ein paar Tropfen ab, dürfen aber mehrfach wunderschöne Regenbögen bewundern.

Das setzt sich am Silvestermorgen unmittelbar fort und zwar in schneller Folge. Bis jetzt kurz (vor 10 Uhr morgens hier) habe ich fünf prächtige Regenbögen gezählt, die sich regelmäßig über unserem Nachbarschiff Escape wölben.

Mal sehen, ob es nachher etwas beständiger wird und wir tatsächlich gemeinsam am Strand von Great Bird Island den letzten Sonnenuntergang dieses Jahres feiern können. Gestern Abend war die Generalprobe jedenfalls schon mal herrlich:

Ganz herzlichen Dank für all Eure lieben und zahlreichen Wünsche zu Weihnachten und zum neuen Jahr auf allen möglichen Kanälen. Wir haben versucht, sie auch persönlich direkt zu beantworten, falls uns jemand durchgerutscht sein sollte, bitten wir um Entschuldigung. Wir wünschen Euch allen einen guten Start in ein hoffentlich gesundes, erlebnisreiches und frohes 2021 mit viel menschlicher Nähe.

❤️

Immer anders

Die Ruhe vor dem Sturm? Flora gestern in Deltaville am nach Süden offenen Ankerplatz.

Hurrikan Zeta hat sich mit seiner Entwicklung im Golf von México viel Zeit gelassen, dann aber Geschwindigkeit aufgenommen, seinen Landfall in Luisiana gemacht. Bei seiner Passage über die Südstaaten der USA hinweg hat er sich zwar abgeschwächt, aber durch besondere meteorologische Bedingungen bei den Höhenwinden wurde die Abschwächung geringer erwartet als sonst üblich. Deshalb war für die Chesapeake Bay heute ziemlich derbe viel Wind aus Süd angesagt, in den Böen bis zu Windstärke 10 (schwerer Sturm).

Wir haben uns deshalb nach Hampton verkrümelt, von wo die Salty Dawg Fall Rally ohnehin Anfang nächster Woche starten soll.

Warum fahren wir mit den Salty Dawg? Hauptsächlich, weil gerade in den Covid-Zeiten die Einreisebedingungen unübersichtlich und manchmal kurzlebig sind und wir uns von dem Verein Salty Dawg Unterstützung insbesondere hinsichtlich der formellen Abläufe erhoffen. Der Verein, der sich wie Trans-Ocean der Förderung des Hochseesegelns verschrieben hat, ist mit den Offiziellen in den Bahamas und auf Antigua (den beiden Zielen der Rally) im Dauerkontakt. Sollte sich also etwas ändern, während wir gerade unterwegs sind, wäre ihre Einflussmöglichkeit sicher größer als unsere als einzelne Segler. Außerdem haben sie so ein klasse Logo 😁.

Aber im Ernst, heute morgen machen wir zunächst unseren Covid-19-PCR-Test hier im improvisierten Pavillon der Salty Dawg, den Versand des von uns Online bestellten Tests erfolgt dann gebündelt durch Salty Dawg. Bei dem Test werden wir durch ärztliches Personal unterstützt, Vereinsmitglieder, die das freiwillig und unentgeltlich machen. Für die Boote, die zu den Bahamas wollen ist das eigentlich nicht nötig, wohl aber für die Crews mit Ziel Antigua. Denn die haben kurzfristig verkündet, dass „self administered PCR-tests“ nicht mehr anerkannt werden, darauf hat Salty Dawg mit der Unterstützung reagiert.

Wenn wir die (hoffentlich negativen!) Testergebnisse haben, müssen wir die auf einer Bahamas-Webseite hochladen und sogenannte „Health-Visa“ beantragen. Nur wenn die gewährt werden, können wir einreisen. Ein zusätzliches Problem ergibt sich allerdings dadurch, dass nach den Bestimmungen der COVID-Test nicht älter als 7 Tage sein darf, BEI EINREISE! Es kann also sein, dass wir wegen der mit 5-6 Tagen kalkulierten Törndauer direkt vor Abfahrt noch einen zweiten Test machen müssen, um diese Bestimmung erfüllen zu können. Das Ergebnis dieses zweiten Tests würden wir dann erst in den Bahamas online abrufen können. Hm.

Außerdem müssen wir in den Bahamas bei Einreise als erstes einen weiteren COVID-Test machen, diesmal nur einen Schnelltest. Und dann nach 96 Stunden noch einen weiteren (also den dritten oder vierten!?!). Lässt sich nicht ändern.

O.k., nach unserem (ersten) Test geben wir bei den Salty Dawg noch gleich unsere Papiere und das Formular 1300 der US-CBP ab, denn das Ausklarieren in Norfolk übernimmt ein weiteres Vereinsmitglied als „Agent“ kostenlos für uns, damit nicht alle ausländischen Teilnehmer die Quarantäne brechen und mit Taxis nach Norfolk fahren müssen. Klasse Service.

Einkaufen gehen wir aber selber, obwohl der Supermarkt ein ziemliches Stück entfernt ist, zu Fuß. Auf dem Rückweg sind wir schwer bepackt mit unseren Rucksäcken, Taschen und einer 24er Packung Dosen auf der Schulter. Ein Auto hält neben uns, Masken werden aufgesetzt, die Seitenscheibe heruntergefahren. „Salty Dawg?“ werden wir gefragt. Als wir bejahen, sollen wir unser schweres Gepäck auf den Rücksitz legen, wir können es uns dann im Pavillon abholen. Fein! Übrigens hatten wir ein ganz ähnliches Erlebnis schon vor ein paar Tagen in Deltaville. Wir waren mit den kostenlosen Leihfahrrädern der Marina unterwegs, die man auch als Ankerlieger benutzen darf, wenn man die 5 $ Dinghydockgebühr bezahlt. Das gilt übrigens auch für das Courtesy Car, wenn es denn gerade frei ist. Auf dem Rückweg vom Einkaufen, ebenfalls schwer bepackt, hielt auf einmal Andrea von der Akka ihr Auto neben uns an und nahm uns unser Gepäck ab (die Hallberg-Rassy 42 „Akka“ der Weltumsegler Andrea und Andreas liegt im Moment in Deltaville an Land). Ganz lieben Dank auch für diese nette Aktion.

Beide Male wurde unser Rückweg so um einiges unbeschwerter 😁.

Hier in Hampton machen wir gleich nach dem Verstauen der Einkäufe erst mal das Schiff sturmfest, nehmen unter Deck was unnötigen Windwiderstand bietet und verzurren alles andere besonders sicher. Zum Glück wird es dann aber nicht so schlimm wie nach den Vorhersagen erwartet. Rund 40 kn Wind messen wir in der Spitze, das ist auf der Grenze zwischen Windstärke 8 und 9 Beaufort. Nix dramatisches, zumal sich hier auch keine allzu große Welle aufbaut.

Zum Sonnenuntergang kurz nach 18.00 Uhr ist der Spuk schon vorbei, die Sonne kommt auch wirklich durch und hinter der Sturmfront strömt die warme Luft aus dem Süden heran, wir können den Sundowner auf dem Achterdeck bei 27 Grad genießen.

Warum ist trotzdem die Kuchenbude aufgebaut? Heute Nacht soll es schon wieder regnen und ab morgen gibt’s dann nachts sogar nur einstellige Temperaturen.

Das kurze warme Intermezzo macht noch mehr Lust auf die Bahamas 😁, selbst wenn man durch den ausgeprägten Formalkram durch muss.

Luftveränderung

Flora steht auf dem Trockenen und bekommt eine kleine Schönheitskur. Wir wollen das diesmal von Profis erledigen lassen, nachdem meine zwischenzeitlich auf unserer bisherigen Reise vorgenommenen Streicheleinheiten in Form von (Hand-)Politur, Maschinenpolitur und Waxen des blauen Streifens nur von bescheidenem und zudem schnell vergänglichen Erfolg gekrönt waren. Außerdem gibt uns das die Gelegenheit, noch mal zwei Wochen bei unseren Freunden Greg und Michael in Washington Landluft zu schnuppern, Sachen zu erledigen (und zu bestellen 🎁, z.B. neue SUPs), bevor es ab Mitte des Monats mit Flora wieder weiter gen Süden gehen soll.

Wohin genau? Wissen wir noch nicht. Eigentlich war die Idee, in unserer zweiten Karibiksaison eher die westliche Karibik zu bereisen. Nach dem Absprung über die Bahamas (und einem längeren Erkunden dort) wären wir gern über Kuba, México, Belize und vielleicht Cayman nach Jamaika gesegelt. Aktuell sieht es aber so aus:

Rot heißt Grenzen geschlossen, Grün heißt offen, wenn auch mit Covid-Test und Quarantäne

In der westlichen Karibik ist die Luft für uns also ziemlich dünn geworden, lediglich México ist derzeit offen, hat aber selbst nicht eben die besten COVID-Zahlen. Interessant ist die große grüne Blase der kleinen Antillen. Tatsächlich haben die Inseln von Grenada nordwärts bis hin nach Anguilla (nördlich von St. Kitts and Nevis), allerdings ohne die französischen Inseln wie Guadeloupe und Martinique eine gemeinsame „Bubble“ gebildet. Die Einreise in die Bubble erfordert Covid-Test / Quarantäne, aber zwischen den Inseln der Bubble soll man sich dann frei bewegen können.

Wie überall auf der Welt ist es aber auch hier so, dass die Einschätzungen und in der Folge die Einschränkungen bezüglich COVID immer wieder überprüft werden und sich somit schwer für einen Zeitraum von auch nur ein paar Monaten voraussagen lassen. Insofern bleiben wir gespannt und wälzen die Ideen immer wieder mal hin und her.

Klar ist aber, dass wir Mitte November aus den USA raus sein müssen, dann läuft nämlich unser Visum erstmal ab.

Also machen wir Flora wieder reiseklar, und das nicht nur optisch. Der Außenborder bekommt eine große Wartung, die Gummi-Wellendichtung des Volvo wird erneuert, die Halterung des Windgenerators repariert und ergänzt. Natürlich alle Opferanoden erneuert, ebenso die Gummianschläge des Gori-Propellers, der zudem wie auch die Props im Bugstrahlruder poliert wird. Die Rettungsinsel kommt neu, da der Container der alten spröde und rissig geworden ist (die UV-Einwirkung auf die Insel selbst lässt sich da nur erahnen und eine neue Wartung wäre eh fällig gewesen. Und dann noch diverser Kleinkram.

Z.B. hatte sich der Schaumstoff-Luftfilter unseres Volvo-Penta D2-75 ja leider in Einzelteile zerlegt und die öligen Schaumstoffbrösel im Motorraum verteilt. Damit das nicht wieder passiert, haben wir ihn durch einen wertigeren Luftfilter ersetzt. Interessanterweise war der trotzdem günstiger als das Original-Ersatzteil von Volvo Penta. Der Onlineshop „parts4engines“ hat uns dabei gute Dienste geleistet. Diverse Ersatzteile für unseren Motor (hinter dessen grünem Anstrich sich ein Perkins-Motor verbirgt) sind dort wesentlich günstiger zu beziehen. Außerdem erfolgte die Lieferung des in England ansässigen Unternehmens superschnell, in weniger als einer Woche hatten wir die Teile in Washington.

Bei einem kurzen Besuch in Herrington habe ich den roten Dauerfilter angebaut, jetzt kann der Motor wieder gefilterte Luft atmen 😊.

Und wir? Wir lassen uns ärztlich noch einmal richtig durchchecken. Großes Blutbild, Hautscreening wegen der Hautkrebsgefahr bei der hohen UV-Belastung an Bord. Und wir atmen erste Herbstluft, bevor es wieder in den Sommer gehen soll. Unsere Gastgeber leihen uns ihren Zweitwagen, einen MX5. Mit dem Cabrio fahren wir bei Traumwetter hinaus zum Sugarloaf Mountain, wo die beiden auch ihre Hochzeit gefeiert hatten. Was für ein herrliches Farbenspiel.

Covid-Testresultate

Das ging schnell. Gestern Nachmittag den Test gemacht, heute Vormittag um 9:30 bekommen wir alle nacheinander jeweils den Anruf: Covidtest negativ. Super, wir dürfen uns frei bewegen und irgendwie löst das Testergebnis auch sonst ein befreiendes Gefühl aus.

Vielleicht noch mal zur Verdeutlichung, weil das in meinem letzten Post eventuell etwas schnell ging. Das ist unsere bisherige Segelroute, wie man sie auch auf http://www.noforeignland.com nachvollziehen kann:

Und präziser, so sieht unsere Strecke an der US-Ostküste bisher aus:

Ein weiteres (sehr positives) Ergebnis des negativen Testresultates ist, dass wir uns Portland noch ein wenig ansehen können. Und die Stadt gewinnt beim zweiten Blick deutlich. Zwar bleibt der Charme der in die Jahre gekommenen Hafenkante doch sehr rau, von Fischerei und Industrie geprägt, aber eben auch authentisch, nur gelegentlich mit romantisierenden Wandbildern aufgehübscht, nicht übertouristisch totrenoviert.

Und schon eine Querstraße weiter hoch in Richtung des Rathauses mit der fast ein bisschen an den Michel erinnernden Turmspitze finden sich nette kleine Geschäfte, diverse Bars, Eisdielen und vor allem: Restaurants. Portland soll eine der besten Kleinstädte für Foodies sein. Wir sind erst skeptisch, aber jedenfalls das aus einem Food-Truck hervorgegangene, von außen äußerst unscheinbar wirkende “mami” entpuppt sich als wunderbares japanisches Restaurant mit überraschender und super leckerer Küche.

Auch der Schrecken der Segler dieser Gegend, zugleich verantwortlich für Slalomfahrten, Propellerschäden (bitte nicht) und – in allererster Linie – Schlemmergenuss findet sich als Lokalkolorit und sogar mit nationalstolzem Dekor: die kleinen Bojen der Lobsterkörbe mit ihren kurzen und damit für Segler oft kaum sichtbaren Stangen bzw. eher Griffen.

Den Abend lassen wir auf der Terrasse des Centerboard Yacht Club ausklingen, wo wir mit herrlichem Blick hinüber auf Portland auf unsere Wäsche in der clubeigenen und für Gäste kostenlos nutzbaren Waschmaschine bzw. Trockners warten. Gutes kostenloses WLAN ist in den 40 Dollar Mooringgebühr ebenfalls enthalten.

Covid: Reiseplanänderung

Bloß, wir sind in Rhode Island. Als nächstes hatten wir an Cuttyhunk, dann Martha’s Vineyard, Nantucket, Cape Cod, gedacht, so in etwa. Das liegt alles im US Bundesstaat Massachusetts, nach Norden schließen sich dann noch New Hampshire und Maine an. Die offizielle Webseite von Massachusetts http://www.mass.gov hat zu Covid aktuell folgende Übersicht:

Einmal mehr ändern wir unseren Reiseplan (hatten wir nicht ohnehin schon gesagt, dass wir keine Pläne haben, sondern eher … Ideen?). Also die Idee war, langsam entlang der US-Ostküste weiterzubummeln.

Nach unserer Einreise ist im eigentlich Lower-Risk-Nordosten ein klitzekleiner Flecken rot geworden, ausgerechnet RI. Das bedeutet, bei einer Einreise von Rhode Island nach Massachusetts müssten wir neuerdings entweder 14 Tage Quarantäne oder einen PCR-Covid-19-Test auf uns nehmen. Wegen der (schon länger bestehenden) Regelung in Maine müssten wir dort bei der Einreise wieder einen solchen Test machen.

Wir beschließen, unsere Route zu verändern und zunächst Maine zu besuchen, der reine Transit durch Massachusetts erfordert keinen Test. Bleiben die Regelungen auf dem heutigen Stand, müssten wir so nur einmal einen Test machen und dann in New Hampshire und Massachusetts wegen der Einreise aus einem Low-Risk-Bundesstaat nicht noch einmal. So weit, so gut.

Wieder mal ist frühes Aufstehen angesagt, es gibt guten Segelwind und durch die Abfahrt schon um 5.00 Uhr morgens haben wir im Cape-Cod-Canal (CCC) mit seinen wieder mal imposanten Brücken mitsetzenden Strom. Und der ist im CCC beachtlich: wir messen bis zu knapp vier Knoten Strom in dem Kanal, der Cape Cod zur Insel macht und den Schiffen den weiten Umweg um die Flachs vor Nantucket erspart.

Danach können wir mit Schmetterlingsbesegelung nordwärts Richtung Maine weiterziehen.

Und so geht es auch in (und durch) die Nacht, in der wir wegen des Meteorschauers der Perseiden auf jeder einzelnen dreistündigen Nachtwache mehrere kräftige Sternschnuppen sehen können – perfektes Timing, denn die Überbleibsel des Kometen Swift-Tuttle sind zwar über einen längeren Zeitraum zu sehen, haben aber 2020 genau in dieser Nacht ihren imposantesten Auftritt.

Interessant ist auch ein Blick auf die Entwicklung der Wassertemperatur. Hatten wir westlich des CCC noch 24,2 Grad, messen wir östlich des Kanals stetig fallende Werte bis hinunter auf 16,3 Grad. Danach steigt das Thermometer wieder, bei unserer Ankunft am Leuchtturm Portland Head messen wir immerhin wieder 18,2 Grad.

Wir finden eine freie und für Floras Tiefgang gerade noch passende Boje im Centerboard Yacht Club gegenüber der Innenstadt, wo wir für 40 $ die Nacht festmachen dürfen. Ein wenig beobachten wir das Geschehen im hauptsächlich noch von Fischern geprägten Hafen, dann setzen wir mit dem Dinghy über und fahren mit dem Taxi zum etwas entfernt gelegenen “Walgreen’s Drugstore” Covid-19-Testgelände. Nachdem gestern die Anmeldung per Webseite nicht funktionierte, wurde uns dazu per Kundentelefon von Walgreen’s geraten.

Klappt leider trotzdem nicht, die Dateneingabe vor Ort war nur bis letzte Woche möglich, jetzt sind die Terminals abgebaut und nur noch Tests mit vorheriger Webanmeldung werden durchgeführt. Für Ausländer wie uns funktioniert das nicht, weil man aus einer Liste (amerikanischer) Krankenversicherungen auswählen muss oder – wenn eine solche nicht vorhanden ist – aus der Liste amerikanischer Bundesstaaten den auswählen muss, in dem der eigene Führerschein ausgestellt wurde. Sonst: 🛑. Die freundlichen Mitarbeiter erkennen das Problem, können jedoch keinen Workaround finden. Sie schicken uns aber weiter zur “Brighton Urgent Care Clinic”. Ein vorheriges Telefonat bestätigt: geht, ohne Voranmeldung, auch als Ausländer. Also dann:

Testergebnis des nicht eben angenehmen aber auch nicht sonderlich schmerzhaften PCR-Tests, bei dem ein Probenentnahmestab fünf Sekunden lang sehr tief in die Nasenhöhle eingeführt wird, gibt’s in 24 bis 48 Stunden.

Hampton

Wir sind in Hampton. Bereits 1610 gegründet, eine der ältesten Städte des Landes und mit knapp 140.000 Einwohnern auch nicht klein. Aber, wie viele amerikanische Städte, eher weitläufig und eigentlich auf Autoverkehr zugeschnitten. Trotzdem können wir vom Dinghysteg aus zu Fuß eine kleine durchaus etwas belebte Straße zum Supermarkt hinauflaufen. Einige Geschäfte und auch Restaurants sind wieder geöffnet, Virginias Covid-Einstufung in “Phase 2” bedeutet, dass Restaurants jetzt mit 50 % ihrer Kapazität auch die Innensitzplätze wieder nutzen dürfen und praktisch alle Läden bei Einhaltung des “physical distancing” betrieben werden können.

Wir nutzen das noch nicht so recht, freuen uns aber trotzdem darüber.

Der Supermarkt verdient diese Bezeichnung, das Angebot ist groß und auch die Frischeabteilungen vielfältig bestückt. Außerdem kommen uns die (mit Deutschland verglichen hohen) amerikanischen Lebensmittelpreise traumhaft günstig vor, weil wir noch die karibischen Preise im Kopf haben.

Amerikanisch (und für uns irritierend) ist dann aber doch auch der ein oder andere Laden auf dem Rückweg:

Auch das Wetter schlägt ein bisschen Kapriolen: vorgestern und gestern ist eine Front durchgezogen und hat uns kalte, nasse und stürmische Tage beschert. Vorgestern ging dabei ein kleines Segelboot auf Drift, schrappte knapp an Flora entlang und konnte nur mit einer gemeinsamen Aktion von Florecita und dem Dinghy der Amalia eingefangen werden. Der fast apathisch wirkende ältere Mann an Bord musste von uns dazu überredet werden, mehr Kette bzw. Leine zu stecken, kam dem aber nur zögerlich nach. Das Angebot, ihn an den Ponton zu schleppen und dort erstmal sicher festzumachen lehnte er auch ab. Leider fand sich das Boot am nächsten Morgen dann am Ufer.

Und noch ein zweites, größeres Boot ging dann hinter uns auf Drift ohne es zu merken. Es hat dann aber nach unserer Warnung (Steve ist mit dem Dinghy rübergefahren) umgeankert und scheint jetzt sicher zu liegen.

Wir haben dann doch lieber mal unsere elektronische Ankerwache reaktiviert 😉.