Der Wecker würde um 6.00 Uhr klingeln, aber wir sind schon kurz vorher wach. Es geht endlich wieder los, unsere Segelsaison startet.
Kurz nach dem Morgenhochwasser laufen wir um 6.45 aus, der Hatea River ist für uns allenfalls etwa bis zur halben Tide befahrbar, jedenfalls müssen wir bis dahin den Kawaka Point vor der Halbinsel Onerahi passiert haben. Weiter flussabwärts ist es dann auch bei Ebbe tief genug. Klappt heute wunderbar, das Wetter spielt auch mit. Mehrere schöne Regenbögen, aber nur ein klitzekleiner Schauer auf den 10 Seemeilen zum Ankerplatz in der Munro Bay.
Eigentlich könnten wir bei dem vorwiegend achterlichen Wind auch segeln. Stattdessen brummt durchgehend der Motor, denn wir wollen die Antriebswelle (genau genommen deren präzise Ausrichtung) in verschiedenen Drehzahlbereichen des Motors ausgiebig testen. Durch die erneuerten Motorfüße sowie das neue Wellenlager und die neue Wellendichtung musste die Ausrichtung von Motor und Antriebswelle neu abgestimmt werden. Wirklich überprüfen lässt sich dass erst in Fahrt und so arbeiten wir uns auf diesem ersten kurzen Törn durch die verschiedenen Lastbereiche. Zum Glück gibt es keine Auffälligkeiten, das „alignment“ scheint in Ordnung zu sein.
Die Munro Bay hat eine relativ seichte Zufahrt, typisch für das mit Sandbänken durchzogene aufgefächerte Flussdelta des Hatea, wird aber an drei Seiten flankiert von den hügeligen Ausläufern der Whangārei Heads. Damit bietet sie auch gegen die aktuell in Böen kräftigen Westwinde recht guten Schutz. In der Munro Bay ankert schon die Freydis (eine Malö 46) unserer australischen Freunde Paula und Jim. Das passt, so können wir gemeinsam mit dem Dinghy am flachen und bei Ebbe trocken fallenden Scheitel der Bucht anlanden und einen schönen Spaziergang machen.
Es ist erstmal nur ein kurzes Wiedersehen, denn unsere Wege werden sich morgen schon wieder trennen, bevor wir uns hoffentlich in Fiji wieder treffen. Die beiden möchten ein Stückchen weiter nach Süden segeln. Wir dagegen haben entschieden, das kurze passende Wetterfenster zu nutzen, um in nördliche Richtung zur Bay of Islands aufzubrechen.
Ein Thema dominiert derzeit die Nachrichten hier in Neuseeland:
Bei vielen Kiwis werden Erinnerungen an den Zyklon Gabrielle wach, der im Februar 2023 Neuseeland traf, 11 Tode verursachte und immense Schäden anrichtete. Nicht nur die brutalen Winde, sondern vor allem die mit Gabrielle einhergehenden sintflutartigen Regenfälle sorgten unfassbare 140.000 dokumentierte Erdrutsche und in der Folge auch für zum Teil tagelange Stromausfälle, längere Zeit gesperrte Straßen und zerstörte Brücken.
Wie damals Gabrielle war jetzt auch Vaianu zwischenzeitlich ein Zyklon der Kategorie drei. Zum Glück für die tropischen Inselgruppen ging er zwischen Vanuatu und Fiji hindurch, Landfall wird Vaianu dann Samstag/Sonntag (hoffentlich schon deutlich abgeschwächt) in Neuseeland machen.
Wieso eigentlich abgeschwächt? Tropische Wirbelstürme (je nach Region Hurrikan, Taifun oder Zyklon genannt) benötigen Wassertemperaturen von über 26,5° Celsius, um zu entstehen. Der „Treibstoff“ dieser Wirbelstürme ist die sehr warme und sehr feuchte Luft, das Aufsteigen großer Mengen verdunstenden Wassers. Das Wasser kondensiert dann in der kälteren Höhenluft, wobei enorme Mengen an Energie freigesetzt werden. Das erklärt auch die immensen Regenmengen, die diese Wirbelstürme mit sich bringen.
Jetzt im Südhalbkugel-Herbst (wo der April dem Oktober der Nordhalbkugel entspricht) ist das Wasser um Neuseeland herum nicht mehr ganz so warm, insbesondere im Süden.
Aktuell sieht die Temperaturverteilung so aus:
In Orkanstärke bläst Vaianu daher schon jetzt nicht mehr. Wirklich entspannen kann Neuseeland deswegen aber noch nicht. Zu groß, zu mächtig ist das System noch. Mehr als deutlich wird das auf den aktuellen Satellelitenaufnahmen:
Und noch immer schiebt der Sturmwirbel Wassermassen vor sich her, die sich zur Höhe dreistöckiger Gebäude auftürmen. Für die Küste vor Whangārei werden bis zu 9 m hohe Wellen vorhergesagt.
Vor allem aber wird befürchtet, dass die starken Regenfälle bei den ohnehin von vorangegangenen Tiefdruckgebieten durchfeuchteten Böden an steileren Hängen erneut starke Erdrutsche auslösen könnten.
Unmittelbar von solchen „Landslides“ betroffen dürften wir auf der Flora hier im Hafen von Whangārei zum Glück nicht sein. Um unseren Liegeplatz herum gibt es eher sanfte Hügel. Hinsichtlich etwaiger Stromausfälle wären wir auf unserem Boot ja ohnehin autark. Vorräte haben wir eingekauft. Heute gilt es also, Flora so sturmsicher wie möglich zu vertäuen. Außerdem bauen wir das Bimini ab, um die Windlast zu verringern, sichern die Segel doppelt, füllen den Frischwassertank auf, laden die Batterien voll und nehmen die Starlinkantenne ab (sie funktioniert mit Einschränkungen auch im Boot).
Und jetzt heißt es abwarten.
Und … warme Socken stricken, weil der Wind über Süd herumdrehen und kalte Luft hier heraufschaufeln wird. Ganz klassisch, Wiebke strickt rosa Socken, ich blaue.
„Refit“, das trifft es eigentlich ganz gut. Es war einfach mal wieder an der Zeit, unserer Flora eine Kur zu gönnen, sie wieder richtig fit zu machen. Seit fast sieben Jahren leben wir auf dem Boot, die vielen Jahre unterwegs haben Spuren hinterlassen. Klar, wir haben unterwegs immer wieder, eigentlich laufend, an ihr gearbeitet. Aber insbesondere die letzten Jahre in den etwas abgelegeneren Ecken des Pazifik haben für einen gewissen Service-Stau gesorgt. Zuletzt (und auch nur kurz) aus dem Wasser gekrant hatten wir das Schiff ja in Kanada. Neuseeland ist – was Ersatzteilversorgung und auch maritimen Service angeht – ein ausgesprochen guter Ort dafür, diesen Stau abzuarbeiten. Trotz der guten Infrastruktur hat das am Ende deutlich länger gedauert als zunächst veranschlagt, das war ja in den letzten Beiträgen bereits Thema. Aber ein Blick auf die Gesamtliste erklärt das schon ein bisschen.
Motor: große Inspektion, neue Motorfüße, neuer Turbolader, Einspritzdüsen geprüft, neuer Wärmetauscher, neues Motorinterface zum NMEA 2000 Netzwerk, neuer Anlasser (bisheriger als Ersatzteil, getauscht)
Antriebswelle: neues Wellenlager, neue Wellendichtung
Getriebe: Ölwechsel und Filterwechsel, Aquadrive-Kupplung ausgebaut und überprüft
Schaltung: neuer Schalthebel an der Steuersäule
Dieselgenerator: Instandsetzung nach Ausfall. Verstopftes Auspuffknie gereinigt, ebenso Wärmetauscher und Wasserabscheider, Kühlflüssigkeit erneuert, Ausgleichstank für Kühlflüssigkeit neu verlegt, neue Auspuffschläuche
Borddurchlässe und Seeventile: 23 Borddurchlässe (davon 17 im Unterwasserschiff) auf TrueDesign Kompositborddurchlässe umgestellt
Fäkalientanks: beide Schwarzwassertanks durch neu gefertigte Edelstahltanks ersetzt, diverse Leitungen und Ventile ebenfalls erneuert
Segel: vom Segelmacher durchgesehen, UV-Schutz an Fock und Großsegel erneuert, Großsegelunterliek repariert
Solarpanel: zwei zusätzliche Panel je 100 Wattpeak auf den Davids (zusätzlich zu dem 430 WP Panel, dafür neuen Aluminiumrahmen schweißen lassen. Zwei der vier 100 WP Panel auf dem Bimini erneuert
Bimini: repariert, neue Fensterfolie für den Blick in die Segel, nachgenäht und Klett erneuert
Navigationsinstrumente: Neuer Monitor am Kartentisch für den Bordcomputer, ORCA Navigation (ORCA Core und Display) ergänzt
Unterwasserschiff komplett überarbeitet, Schadstellen heruntergeschliffen und neu aufgebaut, über alles eine Epoxi-Sperrschicht und 5 neue Schichten Epoxi-Coppercoat
Sämtliche Polster im Salon, am Kartentisch und Sitz in der Achterkoje neu bezogen, Umbau der „Runden Ecke“ im Salon auf eckig
Waschmaschine neu (im vorderen Bad, Camec II 4 KG)
Wasserhähne und Dusch-Armaturen in beiden Bädern neu
Herd/Backofen neu (Kardanik in altem Herd war ausgerissen, zudem neu: Grillfunktion)
Ocean-Air Rollos repariert, mit neuen Verdunklungsstoffen und neuen Mückennetzen versehen
Gardinen im Achterschiff erneuert (selbst genähte Verdunklungsgardinen)
Laufendes Gut: Großsegelausholer erneuert
Wassermacher: Ölwechsel, Fitting neu eingedichtet, neue Membran (deren Einbau erfolgt aber erst, wenn wir wieder in klarem Meerwasser sind)
Bugstrahlruder: neue Propeller, neues Antifouling im Tunnel
Kielnaht erneuert
Anoden: neue Zinkanoden an Welle, Propeller, Bugstrahlruder und Kühlschrank (Kühlungen in den Bordduchlässen der Küchenspüle)
Gelcoat: kleinere Schäden im Bereich des Hecks repariert
Rumpf poliert (über der Wasserlinie)
Spiegel in beiden Bädern neu
Eine kleine Auswahl mit Vorher-, Chaos- und Nachher-Fotos:
Die Spiegel sind übrigens nach einer kleiner Irrversendung quer durch Neuseeland heute erst hier angekommen. Egal, besser spät als nie und wir sind ja noch hier. Letzteres allerdings nur, weil quasi in der Nachbarschaft Zyklone (so wird ein Hurrikan auf der Südhalbkugel genannt) unterwegs sind. Die Zyklonsaison dauert im Südpazifik regulär noch bis Ende April. Erst danach wollen wir uns Richtung Fiji aufmachen. Denn jetzt sieht es in den Tropen nördlich von Neuseeland so aus: während nordöstlich von Australien der tropische Zyklon Maila fast stationär seine Runden dreht, steuert der tropische Zyklon Vaianu gerade an Fiji vorbei südwärts Richtung Neuseeland. Dabei wird er sich über dem kälteren Wasser abschwächen (derzeit ist Vaianu in der Kategorie 3 eingestuft), aber nach bisheriger Prognose erwarten wir in Neuseeland zum Wochenende schlechtes Wetter mit extremen Regenfällen und sehr starken, in der Richtung drehenden Winden. Da bleiben wir lieber noch ein wenig hier im gut geschützten Whangārei etwa 30 Kilometer flussaufwärts der Küste.
Nebenbei sind wir Dauergast in den großen Supermärkten von Whangārei und stocken jetzt auch schon die langfristigen Proviantvorräte auf Flora für die kommende Saison wieder auf.
Am Ende wird alles gut. Wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende!
Nach dem Hinein- und Hinauskranen der Flora am Dienstag war Arbeit an den drei leckenden Seeventilen angesagt und dann am Mittwoch wieder Travellift.
Mittwoch: Same procedure
Leider Murmeltiertag. Frühmorgens rein, erneut ein undichtes Seeventil feststellen, gleich wieder raus. Wieder ist das Seeventil des achteren WC-Auslasses undicht. Es ist wirklich kaum zu erreichen, im Motorraum eingezwängt zwischen dem Volvo, dem vom Vorbesitzer eingebauten Generator sowie dessen Seeventil nebst Schläuchen und dem Schott zum Bad. Jetzige Diagnose: wahrscheinlich war deshalb beim Einbau (für Dienstag) das Seeventil schief auf den Borddurchlass gesetzt. Damit wurde das Gewinde des TrueDesign-Borddurchlasses verletzt, das neue Seeventil (für Mittwoch) konnte also wieder nicht dichten. Der Borddurchlass muss ganz raus (also auch neues Coppercoat Antifouling drauf). Akkordarbeit für die Handwerker und neuer Krantermin am Donnerstag.
Frust bei uns. Zur Bewältigung (oder Kompensation?) machen wir eine spontane Gewalttour nach Auckland und zurück. Unser Ziel ist das „RV Super Centre“, ein riesiges Zentrum für neue und gebrauchte Wohnmobile. Was soll das jetzt, geht der Frust so weit, dass wir an eine Landyacht denken?
🧐 . Nein, natürlich nicht.
Aber im RV Super Centre gibt’s auch einen Zubehörshop und der bietet eine Waschmaschine an, die unserer schon seit Panama irreparabel kaputten Candy 3,5 kg recht nahe kommt. Die Camec RV II 4 kg ist – wie könnte es anders sein – minimal zu groß. Limitierend sind auf der Flora die Tür zum vorderen Bad mit 47 cm Breite, zudem ist das Loch für den Einbauort der Waschmaschine (von der Dusche aus) nur 51,5 cm breit und 75 cm hoch.
Die Camec misst 70 x 51 x 49 cm. Wir müssen sie uns vor Ort anschauen, um zu sehen, ob und ggfs. was demontierbar ist oder ob wir das ganze Gehäuse auseinander bauen müssten.
Und so sieht’s dann aus: wenn wir die Waschmaschinentür abbauen, gewinnen wir etwa zwei Zentimeter. Das wäre einfach und könnte gerade so ausreichen. Schlimmstenfalls müssten wir die Rückwand auch auseinandernehmen. Allerschlimmstenfalls passt die Maschine dann trotz neuem, etwas kleinerem Holdingtank im gleichen Stauraum immer noch nicht. Puh. Schwierige Entscheidung. Wir riskieren es und kaufen die Waschmaschine. Schließlich war in Panama, den USA, Kanada und Mexiko keine passende zu bekommen, da dort die Stromnetze und somit fast alle Elektrogeräte jeweils auf 110 V 60 Hz und nicht auf die von uns benötigten 230 V 50 Hz ausgelegt sind. Ein Import aus Europa hätte das Dreifache des Preises der Waschmaschine verschlungen. Außerdem gab es überall Waschsalons. Die Inseln im Pazifik: keine vernünftigen kleinen Maschinen. Also: jetzt hier in Neuseeland, wenn sich irgendeine Chance bietet: nutzen.
Die Camec bleibt allerdings erst einmal im Kofferraum unseres Autos.
Donnerstag: Krantermin zum Dritten!
Wieder hängt Flora in den Seilen des Travellifts, wird langsam ins Wasser gelassen und bleibt in den Seilen, bis wir das ok geben.
Mechaniker Byron kontrolliert das vermaledeite Ventil im Motorraum: dicht! Endlich.
Die Seile werden gelöst wir motoren zum Liegeplatz am Steg. Durchatmen. Danach geht Wiebke die Ventile alle noch einmal durch und … da ist doch ein Tropfen am Seeventil unter dem Waschbecken im achteren Bad? Trockenwischen, warten. Mist, ein neuer Tropfen bildet sich. Das darf doch nicht wahr sein. Ich schließe das Seeventil, wische alles noch mal trocken, lege drumherum Küchentücher aus. Sie bleiben um das Ventil des Waschbeckenauslasses herum trocken, aber das Ende am Ventil des Decksablaufes wird etwas feucht.
Byron kommt und prüft. Und prüft. Und prüft. Ergebnis: Borddurchlass und Seeventil sind dicht, bei geschlossenen Seeventilen passiert also nichts, wir können im Wasser bleiben. Die beiden Schlauchanschlüsse oberhalb dieser beiden Seeventile müssen aber neu abgedichtet werden. Na Klasse. Aber immerhin Glück im Unglück: nicht nochmal kranen, dann könnten wir erst nach Ostern wieder ins Wasser.
Aber auch so, dreimal kranen innerhalb von drei Tagen, das ist ein Novum für uns. Wenn möglich, möchten wir das auch nicht wiederholen.
(Kar-)Freitag: wir bereiten das Projekt Waschmaschine weiter vor. Ich verlege die Schläuche im Waschmaschinen-Kabbuff etwas anders, um oben mehr Platz zu schaffen. Messe alles noch einmal aus, zeichne an den Wänden mit Bleistift Markierungen an. Baue die Tür zum Waschmaschinenkabuff und die große Tür vom Salon zum Vorschiff aus. Schraube den Salontisch ab und schiebe ihn ganz zum Sofa. Soviel Platz schaffen wie möglich. Auch das Steuerrad im Cockpit wird ausgebaut.
Ben von der „Kujira“ kommt uns zu Hilfe. Kräftig und super schlank, das wird helfen. Und tatsächlich, wir wuchten die Maschine über die Reling und ins Cockpit, entfernen die schützende Verpackung. Dann die Treppe herunter in den Salon. Tür der Waschmaschine abschrauben. Es klappt, wir kommen durch die Türdurchlässe gerade so eben durch. Wir verbinden den Wasserzulauf, binden das Stromkabel und de Abwasserschlauch an die zuvor gezogenen Pilotleinen und zirkeln mit etwas Mühe die 45 Kilogramm der Camec durch die enge Öffnung, wobei sich Ben tatsächlich noch zwischen Duschwand und Maschine quetschen kann. Drin, passt wie angegossen. Waschmaschinentür wieder dran, mit Spanngurt herunterzurren, anschließen, fertig.
Flora schwimmt und wir haben sogar wieder eine Waschmaschine. Hurra!
Wochenende. Pause von der Bootsarbeit. Zeit für ein paar weitere neuseeländische Besonderheiten. Wir machen einen Ausflug zu den „Waipu Glowworm Caves“.
Wer (wie wir beide) das Glück hatte, im heimischen Mitteleuropa schon einmal Glühwürmchen gesehen zu haben, kommt aber möglicherweise mit falschen Erwartungen. Die in Mitteleuropa heimischen Glühwürmchen sind nämlich durchgängig Leuchtkäfer, die zumeist im Juni oder Juli nachts blinkende Leuchtsignale aussenden. Leuchtreklame zur Partnerwahl unter Käfern.
Die Glowworms in Neuseeland unterscheiden sich davon deutlich. Guide Ian erklärt uns auf dem kurzen Fußweg vom Parkplatz zur „Milky-Way-Höhle“, das wir es hier zwar wiederum nicht mit Würmern, statt dessen aber mit ganz anderen Insekten zu tun haben. Die „Titiwai“ (so der Maorí-Name der Glowworms) sind nämlich neuseeländische Langhornmücken. Allerdings in ihrem Larvenstadium, in dem sie Würmern immerhin doch etwas ähnlich sehen. Das Leuchten dient bei ihnen nicht der Brautschau, sondern zum Anlocken von Beute, insbesondere kleinen Fluginsekten. Aber wie kann eine träge Larve Fluginsekten fangen? Mit spinnwebähnlichen Klebefäden! Was die Natur sich so alles einfallen lässt. Damit diese Fäden wirklich herabhängen bevorzugen die Glowworms windgeschützte Plätze über Bachläufen, die zugleich gerne feucht und natürlich dunkel sein dürfen. Man findet sie in dichten Wäldern, vor allem eben aber in Höhlen – den Glowworm Caves.
Also ab in die Tropfsteinhöhle. Zunächst noch mit Licht, um auch Stalagmiten und Stalaktiten bewundern zu können und sich etwas einzustimmen und zu orientieren.
Ian zeigt mit einem grünen Laser die Klebefäden.
Nun werden die Lampen gedimmt, erstes Glowworm-Leuchten wird erkennbar.
Dann – in der Milky-Way-Halle – bleiben wir länger mit ausgeschalteten Lichtern stehen. Und wirklich, wie die Milchstraße am Nachthimmel leuchten an der Höhlendecke ganze Cluster blauer Lichtpunkte der vielen Glowworms, bilden über dem durch die Tropfsteinhöhle fließenden Bächlein einen eigenen „Sternenhimmel“.
Ein beeindruckendes Erlebnis.
Auf der Rückfahrt zur Flora fällt uns einmal mehr ins Auge, wie stark viele der grünen Hügel Neuseelands terrassiert sind.
Anders als etwa bei den Reisterrassen Südostasiens sind diese Terrassen aber nicht von Menschenhand angelegt. Mittelbar ist er dennoch verantwortlich, denn die Architekten dieser schmalen und oft unfassbar regelmäßigen Stufen an den Hängen sind die vom Menschen eingeführten Nutztiere, allen voran Kühe und Schafe, aber auch Ziegen.
Die Tiere bewegen sich in steilem Gelände bevorzugt parallel zum Hang, auf Dauer entstehen dadurch diese auffälligen schmalen Ebenen. „Viehgangeln“ gibt es auch andernorts, die intensive Beweidung und die geologischen Besonderheiten sowie die Beschaffenheit der Böden in Neuseeland scheinen die hier „Terracettes“ genannten Strukturen besonders zu begünstigen.
Nach der Bootsarbeit am Samstag beziehen wir unser neues AirBnB, dieses Mal eben nordöstlich von Whangārei etwas abseits auf dem Land gelegen. Der Vermieter bezeichnet es als „Shed“, was wörtlich übersetzt Schuppen oder Stall bedeuten würde. Vielleicht wurde das Gebäude wirklich mal so genutzt, wahrscheinlicher aber scheint die Bezeichnung einfach nur auf der Lage in der Wiese am Hügel hinzudeuten. Es ist zwar einfach gebaut, aber geräumig und gut eingerichtet. Größere Gruppen würden das einzige Schlafzimmer des Gebäudes durch drei zubuchbare 3-Bett-Hütten ergänzen, aber jetzt in der Nebensaison können wir eben auch das Haus allein mieten.
Und so schwelgen wir im Luxus mit Waschmaschine, Trockner, Spülmaschine, Riesenkühlschrank mit Eiswürfelspender …
Das Beste aber ist der Ausblick über das Tal und die dahinter wieder ansteigende Hügellandschaft. Am Morgen hängt kurz noch Nebel über dem Bach, später können wir beobachten, wie ein Schäfer seine Herde zusammentreibt und auf die nächste Weide leitet.
Vögel spazieren über die Wiesen am Haus. Bekannte, wie die von den Europäern eingeführten Lerchen, aber auch farbenfrohe typische neuseeländische Arten wie Maskenkiebitze (von den Maorí Pukekohe genannt) mit ihren gelben Gesichtslappen oder die Pūkekos (Purpurhühner) mit dem kräftigen roten Schnabel und dem eben auch purpurroten Stirnschild sowie dem blauschwarzen Bauchfederkleid.
Den Sonntag nutzen wir diesmal für einen Ausflug nach Pataua an der Ngunguru Bay. Kein Touristenort, eher ein charmant verschlafenes Nest, das inzwischen mehr und mehr mit Ferienhäusern für die Sommerfrische garniert ist.
Das Stranddörfchen Pataua ist zweigeteilt. Der gleichnamige Fluss schneidet tief ins Land ein, für Autos gibt’s weder eine Brücke noch eine Fähre, also Sackgasse von beiden Seiten. Wir entscheiden uns für die Anfahrt nach Pataua Süd und parken dort. Eine schmale Fußgängerbrücke führt hinüber nach Norden. Sie bildet nicht nur einen Verbindungsweg zum Nachbarn, sie ist auch Treffpunkt, Spielplatz, Badestelle, Sprungturm, Kulisse für das Picknick. Kurz: das eigentliche Zentrum des Dorfes. Eben nördlich und südlich der Brücke finden sich öffentliche Bootsrampen, über die Angelboote ein- und ausgewassert werden. Jetzt am Sonntag ist ordentlich Betrieb.
Über die Fußgängerbrücke spazieren wir nach Pataua Nord und weiter zum wunderschönen Strand.
Hier erschließt sich mir erstmals der ganze Charme eines Elektrofoils: mühelos hinausfahren (Motor ist unter Wasser) und dann in den Wellen hoch aufs Foil zum Surfen (Motor ist über Wasser).
😁
Auf der Rückfahrt machen Wiebke und ich noch einen Abstecher zu den Taheke Waterfalls, nahe bei unserem AirBnB.
Ein schöner Wanderweg führt durch Kauri-Wald und unter den typisch neuseeländischen Baumfarnen hindurch zum Wasserfall. Direkt zu unseren Füßen rauscht der Fluß weit in die Tiefe.
Beeindruckend ist auch, wie hervorragend der Wanderweg angelegt (eher: ausgebaut) ist. Es sind nicht viele Wanderer unterwegs, wir begegnen nur einem anderen Pärchen. Trotzdem winden sich ewig lange Treppen den Berg hinauf und machen den Hike durch den Wald eher zu einem ausgedehnten Spaziergang.
Und unter der Woche?
Ein Tiefdruckwirbel mit Böen in Orkanstärke (65 kn) in seinem Zentrum zieht nördlich von Neuseeland durch. Das bringt auch hier starken Wind (bis 40 kn) und intensive Regenfälle.
Der Spätsommer (März hier entspricht September in Europa) macht Pause und zeigt, dass der Herbst nicht mehr weit ist.
Für nächste Woche ist aber wieder sommerliches Wetter angekündigt.
Nein, weder mit den Nerven, noch mit der Bootsarbeit. Eigentlich wollten wir ja schon unterwegs sein und jetzt mit Auto Neuseeland zu bereisen, aber das muss noch warten. Ich hätte erwartet, dass uns Verzögerungen bei den Bootsprojekten mehr stressen würden, aber erstaunlicherweise macht es uns bisher gar nichts aus. Wir machen es uns heimisch im mittlerweile dritten AirBnB in und um Whangārei, erkunden die Umgebung und treiben die Bootsprojekte voran. Als wir beim Wechsel zwischen unseren Unterkünften einen Tag überbrücken müssen und dafür auf die Flora ziehen, hat das einen erstaunlichen Nebeneffekt. Unser Handwerker fühlt sich motiviert, das temporäre Chaos auf Flora zu verringern und dafür sogar am Wochenende zu arbeiten.
Die Woche begann aber sowieso schon gut. Endlich kommen die Alu-Schweißer vorbei. Gemeinsam bauen wir das Solarpanel und dessen Träger von den Davits ab. Sie nehmen die (zusätzlichen) beiden neuen Solarpanel ebenfalls mit und machen sich ans Werk für den beauftragten neuen Halterahmen.
Außerdem ist unser Bimini repariert. Der Stoff wurde geflickt und verstärkt, die spröde und rissig gewordene Fensterfolie erneuert, die Klettabdeckungen der Reisverschlüsse nachgenäht bzw. getauscht. Dadurch können wir auch die jetzt die 400 WP Solarpanel auf dem Bimini wieder nutzen, um so wichtiger, weil ja jetzt die anderen 400 WP auf den Davits gerade abgebaut sind.
Den alten Herd, der uns auf dem Törn nach Neuseeland aus der Halterung gesprungen war und dessen gebrochene Aufhängung wir notdürftig repariert hatten, wird durch eine neuere Version ersetzt. Damit haben wir endlich auch die Möglichkeit zusätzlicher Oberhitze im Backofen.
AltNeu
Dazu diverser Kleinkram. Ein Beispiel: die Wasserhähne im Bad sind ziemlich unansehnlich geworden, das lässt sich leider auch nicht mehr wegpolieren. Ich hatte neue bestellt, leider sind aber die nötigen Anschlussfittinge trotz Odyssee durch alle in Frage kommenden Geschäfte nicht zu bekommen. Wohl oder übel muss ich die alten Anschlussfittinge aufarbeiten und wiederverwenden.
Grausgruselig sieht es um die Edelstahl-Holdingtanks aus. Der Schwarzwassertank der achteren Toilette hatte ja an einer Schweißnaht nadelfeine Löcher entwickelt, mit entsprechend unangenehmen Begleiterscheinungen. Gegen den Ausbau wehrt er sich lange aber am Ende vergeblich. Die Naht neu zu schweißen oder einige Bleche zu verstärken erweist sich als nicht sinnvoll, wir lassen einen Ersatztank bauen. Sicherheitshalber bauen wir auch den vorderen Holdingtank aus und lassen ihn prüfen. Von außen sieht er noch gut aus, aber die Bleche sind von innen ebenfalls stark korrodiert und extrem dünn geworden. Also wird auch diese tickende Zeitbombe mit einem neuen Tank entschärft, außerdem werden bei beiden Tanks auch die Schläuche und Ventile erneuert. Das beschäftigt uns und unsere Handwerker länger als erwartet, aber der Teufel steckt wie so oft im Detail.
Byron im Schrank im vorderen Bad beim EinbauNeuer achterer SchwarzwassertankEingebaut und fast fertig angeschlossen
Das Highlight der Woche: die neuen Polster sind da und wir bauen sie gleich ein. Aus der „runden Ecke“ ist eine eckige geworden und auch sonst sind wir von der Qualität und auch vom Preis begeistert.
Zum Vergleich: runde Ecke (alt) und eckige Ecke (neu):
Und sonst: der Motor ist größtenteils wieder zusammengebaut, beim Generator fehlt allerdings noch immer eine Dichtung (soll nächste Woche kommen). Das neue Coppercoat ist ebenfalls für nächste Woche angekündigt (jedenfalls beim Importeur).
Nach der Reise zu Jacqui und Phil am letzten Wochenende steht wieder gehäuft Bootsarbeit an.
Beim Generator scheint der Wasserabscheider zum Glück doch in Ordnung zu sein, nach seinem Ausbau (er sitzt in der Backskiste) kommen wir außerdem besser an die Rückseite des Generators heran. Mechaniker Byron findet dann allerdings einen übel aussehenden Wärmetauscher am Generator.
Zum Glück stellt sich nach intensiver Reinigung heraus, dass die Ablagerungen nur von einem schlecht sitzenden Anschluss-Fitting herrühren, die beste aller Lösungen. Es fehlt nur noch eine (bereits bestellte) Dichtung.
Auch gut: die Teile für den Volvo-Motor (Turbo und Rohrbündel des Wärmetauschers) sind eingetroffen, die gereinigten Motorteile sind bereits grundiert und müssen nur noch lackiert werden, dann kann es an den Wiedereinbau gehen.
Schlechte Nachrichten gibt es zum Coppercoat: es wurde zwar Anfang der Woche geliefert, allerdings mit Ablaufdatum (bis zu dem es gestrichen werden soll) am exakt gleichen Tag. Das ist bei dem happigen Preis und einer Ablauffrist von normalerweise 12 Monaten nicht hinzunehmen. Wir erfahren, dass uns der Lieferant wahrscheinlich das Coppercoat gesendet hat, welches ein anderes Boot auf der Werft nach direkter Rücksprache mit dem Hersteller wegen des Ablaufdatums an den Lieferanten zurückgehen ließ.
Grrr. 😡
Eine neue Lieferung soll am 10. März kommen.
Was noch? Unter anderem bauen wir alle Polster aus dem Salon (also Sofaecke, Sessel, Navisitz) und den Sitz in der Achterkoje aus und geben sie zum Polsterer. Am schlimmsten präsentiert sich der Sitz am Navitisch, aber auch die Flecken und Scheuerstellen an den anderen Polstern haben wir zuletzt immer mit Überwürfen kaschiert. Das muss jetzt mal neu. Außerdem wollen wir die „runde Ecke“ des Sofas umarbeiten zu einer eckigen. Deutlich gemütlicher zum Liegen und auch zum Lömern mit hochgezogenen Beinen. Zudem wird das Staufach hinter der Rückenlehne besser zugänglich. Das Herausnehmen ist bei den meisten Polsterteilen recht einfach, nur einige verdeckt durch den Polsterstoff angeschraubten Rückenlehnen machen die Aktion doch etwas langwieriger.
Aber gut. Das ist jetzt also auch in Arbeit.
Zur „Arbeit“ fahren wir übrigens von unserem neuen AirBnB aus, das diesmal im Nordosten von Whangārei im Örtchen Tamaterau liegt. Zwar müssen wir bei der Anfahrt eine steile und enge Schotterpiste bewältigen, dafür ist die Aussicht aber phantastisch:
Und schon ist wieder Wochenende. Nach Work kommt Travel. Diesmal wollen wir ganz in den Norden zum Cape Reinga,
Ich fang mal mit dem Positiven an: wir haben eine schöne Unterkunft hier in Whangārei und mit den Bootsarbeiten geht es auch langsam voran.
Unser AirBnB liegt eigentlich direkt neben dem State Highway #1, der längsten und wichtigsten Bundesstraße in Neuseeland. Trotzdem bekommen wir vom Verkehr kaum etwas mit, denn die Straße verläuft deutlich oberhalb des Grundstücks, das wir nur über eine Serpentine hinunter ins Flusstal erreichen. Das Flüsschen Waiarohia River strömt von Bäumen überdacht direkt unterhalb der Terrasse unserer Unterkunft laut rauschend durch sein felsiges, gewundenes Bett.
Auch wenn es morgens mit 12 Grad durchaus noch frisch ist, nehmen wir den zweiten Kaffee und das Frühstück deshalb gerne auf der Terrasse. Das Feierabendbier dafür dann gern auf einem der inzwischen aufgewärmten Felsen im Fluss (tagsüber hat es etwa 24 Grad).
Im klaren Wasser des Flüsschens können wir Neuseeländische Langflossenaale beobachten. Sie können bis zu 180 cm lang und 25 kg schwer werden, den größten hier schätzen wir auf gut über einen Meter. Die Maorí nennen diesen Aal „Tuna“, er ist als Speise geschätzt, hat aber auch mythische und religiöse Bedeutung.
So zeigt sich das Wasserungeheuer Taniwha (gesprochen Tanifa, wh wird wie f gesprochen, auch in Whangārei) häufig in dieser Form. Fängt man also einen solchen Aal, der andere Merkmale hat, etwa Streifen oder rote Augen, würde bei seiner Tötung ein Fluch auf dem Angler liegen. Wir angeln lieber nicht, sondern beobachten die Aale nur.
Floras Reparaturen sind bei unserer Ankunft wie erwartet noch nicht so suuuper weit, von den im November erteilten Aufträgen ist vieles bisher nicht abgearbeitet. Das ist etwas frustrierend, aber immerhin: Der Anlasser ist getauscht, der Wärmetauscher ausgebaut (leider hat das Rohrbündel einen Riss), die Motorfüße erneuert, die flexible Wellenkupplung gecheckt (und für noch gut befunden), das Wellenlager erneuert, die Einspritzdüsen geprüft (gut), der Gori-Propeller auseinander genommen und geserviced (war schwierig), der durch nadelkleine Löcher leckende achtere Fäkalientank ausgebaut, ok, dann nehmen wir den vorderen Tank auch noch raus. 9 Seeventile sind bereits (gegen TrueDesign-Komposit-Ventile) getauscht, vier weitere in Arbeit. Mit dem Unterwasserschiff-Coppercoat konnte also noch nicht begonnen werden. Trotz Ansage im November ist das Coppercoat leider auch noch nicht bestellt, da laufen wir jetzt hinterher.
Außerdem bauen wir das Bimini ab, um einen Sturmschaden-Riss reparieren lassen zu können. Die bei SVB in Deutschland bestellte Ankerwinsch hängt noch im Zoll, es beginnt ein intensiver Email-Verkehr mit der neuseeländischen Post und dem Zoll.
Jetzt, wo wir da sind, gehen auch die Handwerker mit neuem Elan ans Werk. Der Turbolader gibt nach intensivem Zureden seinen Widerstand gegen den Ausbau auf, muss aber leider erneuert werden. Beim Wechsel der Anoden bricht ein Flügel am Propeller des Bugstrahlruders ab, das Material ist ziemlich spröde geworden, da steht also auch ein Austausch an. Am Generator zeigt sich, dass der Krümmer sich komplett zugesetzt hat. Der Wasserabscheider hat verdächtige Spuren, das muss näher untersucht werden.
Der Rahmen für die Befestigung der neuen Solarpanele ist noch nicht geschweißt. Mit dem dritten Handwerker der gleichen Firma nehme ich nochmal die Maße auf.
Nebenbei näht Wiebke neue Verdunklungsgardinen für die Achterkoje und wir versuchen das OceanAir Verdunklungsrollo/Fliegengitter für das Luk zu reparieren.
Alte SeeventileBugstrahlruder-PropellerWärmetauscherTurboladerFäkalientank
Langweilig wird es also nicht und dieser Kur-Werftaufenthalt hier bei Dockland 5 in Whangārei bedeutet sicher das umfangreichste Refit, das Flora bisher bekommen hat.
Auf der Fahrt von Whangārei nach Auckland müssen wir eigentlich keine allzu lange Strecke zurücklegen, es sind ganze 155 km. Trotzdem kündigt uns das Navi eine Fahrzeit von zweieinhalb Stunden an. Die Entfernungen in Neuseeland sollten nicht unterschätzt werden, das Straßennetz ist anders ausgebaut als etwa in Deutschland. So verfügen die Kiwis insgesamt nur über 150 km Autobahn in der Nähe der Städte Auckland, Wellington und Christchurch. Immerhin sind von den 90.000 km Straße fast zwei Drittel asphaltiert. Brücken sind auf Nebenstrecken oft nur einspurig und bedingt durch die Topographie geht es auf den kurvigen Straßen oft steil bergauf und bergab. Auch auf der Staatsstraße #1, auf der wir unterwegs sind. Dafür gibt es aber auch immer wieder schöne Ausblicke:
Zunächst sehr ländlich, wird es etwa 50 Kilometer vor Auckland dann deutlich urbaner. Das Seebad Orewa verfügt über einen breiten Strand, liegt schon im Einzugsgebiet der Großstadt und dient wohl auch als Sommerfrische. Hier machen wir eine kurze Kaffeepause, bevor wir uns in den Großstadtverkehr stürzen, vor dem Jacquie und Phil uns gewarnt haben. Insbesondere die Nord-Süd-Brückenverbindung über den Waitematā Harbour ist ein echtes Nadelöhr. Kommt uns aus Hamburg irgendwie bekannt vor.
Am Ende kommen wir aber am frühen Nachmittag so gut durch, dass wir beschließen, uns vom Fernsehturm aus noch einen Überblick (im Wortsinn) von Stadt, Hafen und den Inseln im vorgelagerten Hauraki Golf zu verschaffen.
Von unserer schönen AirBnb-Unterkunft aus ist es nah hinauf zu diesem Wahrzeichen Aucklands. Aber auch nah hinunter zum Hafen. Vom Balkon aus können wir beides sehen.
Hinauf und hinunter trifft es, vom Höhenprofil erinnert uns Auckland durchaus an San Francisco.
Jetzt also erstmal rauf, und wie! Mit 328 m ist der Sky Tower in Auckland der höchste Fernsehturm der südlichen Hemisphäre. Entsprechend ist der Blick von der Aussichtsplattform wirklich atemberaubend:
Das gilt umso mehr, wenn ich dabei auf einer Glasplatte mit aufgeklebter Weihnachtsdeko stehe und an den eigenen Füßen vorbei nach unten schauen kann. Vor allem, wenn ich dabei noch bedenke, dass etwa 12.700 km genau unter mir Europa liegt, die Leute dort „umgekehrt“ also mit den Füßen zu mir auf der Erde stehen.
☺️
Und wir sind hier her gesegelt. Außen rum und damit um einiges weiter. In sechseinhalb Jahren mit ein paar zusätzlichen Umwegen einmal halb um die Welt. Und Ende der Woche brauchen wir mit dem Flugzeug nur 28 Stunden für die Reise zurück zu einem Heimatbesuch. Wow. Und Prost!