Vorbereitung für Fiji‘s zweite Hälfte

Wir sind wieder eine ganze Woche in der Nawi-Marina in Savusavu. Wie jetzt? Erst zwei Monate irgendwo ganz weit draußen am Anker und jetzt gleich eine ganze Woche Luxusleben in der Marina mit Duschen so lange man will, Strom aus der Steckdose, Pool, Bar und Restaurants? Ja. Und mit Einkaufen. Fünf (sic!) Shopping-Runs mit dem Dinghy hinüber in die Stadt, jeweils schwer bepackt mit zwei großen vollen Rucksäcken und mit zusätzlichen Taschen zurück. Milch, Kaffee, Dosen, Hülsenfrüchte, Reis, Nudeln, Getränke, auch Schokolade, Nutella etc, alles muss wieder aufgefüllt werden. Der letzte Run gilt den Frische-Einkäufen. Käse, Sahne, Fleisch, Gemüse und Obst. Obst und Gemüse (vom Markt) werden ausgiebig gewaschen und dann in Netzen aufgehängt oder (soweit noch Platz ist) in den beiden Kühlschränken (eher: von oben befüllbaren Kühlfächern) verstaut. Die Kawa-Wurzelbündel hängen wir an einer Stange auf, diese obligatorischen Sevusevu-Geschenke müssen trocken gelagert werden.

Nur ein kleiner Teil …

Da auch das zweite (eigentlich tiefkühlfähige) Kühlfach nur als reiner Kühlschrank genutzt wird, müssen die Fleisch-Einkäufe (Hähnchen, Hack und Rind) anderweitig konserviert werden. 12 Gläser kochen wir ein.

Außerdem lassen wir unsere fast leere Gasflasche neu befüllen. Dafür ist neben der obligatorischen Dinghyfahrt in die Stadt ein Ausflug mit dem Taxi zum Stadtrand nötig.

Oh, und den defekten Fernseher im Salon ersetzen wir tatsächlich auch noch.

Eigentlich wollten wir auch unsere von Marshall-Sails reparierte alte Fock hier in der Marina wieder in Empfang nehmen. Der Versand von YachtHelp Vuda hierher zu YachtHelp Savusavu hat allerdings trotz Zusage und zwischenzeitlicher Erinnerung durch uns nicht geklappt. Innerhalb der Woche hier in der Marina könnte sie vielleicht noch geliefert werden. Aber „vielleicht“ in Verbindung mit einer Terminierung in der sprichwörtlich geruhsamen „Fiji-Time“ würde uns womöglich deutlich länger hier in Savusavu halten. Wir werden die Fock also lieber selbst in Vuda abholen, da möchten wir im Laufe der nächsten Monate ohnehin vorbei schauen.

Flora wird ordentlich gewaschen, aufgeräumt und geputzt. Als wir komplett vorbereitet sind, findet sich auch noch ein unerwarteter, aber durchaus willkommener Gast ein.

Ein kleiner Jungfern-Gecko hat sich als blinder Passagier an Bord geschlichen. Fein, da er sich hauptsächlich von Insekten ernährt, kann er uns gerne die bisher zum Glück allerdings nicht allzu zahlreichen Mücken und Fliegen vom Hals halten.

Und jetzt geht’s los zur Erkundung der zweiten Hälfte, in den Süden und Westen von Fiji.

Tagesreise zum etwas ANDEREN Supermarkt

Von Yagasa in der abgelegeneren südlichen Lau-Gruppe machen wir einen Übernacht-Törn von 115 Seemeilen hinauf nach Vanua Balavu, der Hauptinsel der Lau.

Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/File:VANUABALAVU_MAP_TURAGA_NA_RASAU.GIF#/media/File:VANUABALAVU_MAP_TURAGA_NA_RASAU.GIF
Unser Noforeignland-Track von der Südlichen Lau-Gruppe hinauf nach Vanua Balavu

Mittags segeln wir los und besonders in den ersten sechs Stunden ist es herrliches Bilderbuch-Segeln. Guter Wind und glattes Wasser, so schön hatten wir das lange nicht mehr. Auch die Nacht durch bleibt es fein, nur die Wellen nehmen etwas zu. Und obwohl wir bis ins dritte Reff gehen, sind wir etwas zu schnell unterwegs. So drehen wir vor der Einfahrt in das Riff von Vanua Balavu bei und warten ab, bis es hell wird. Erst dann laufen wir durch den breiten und jetzt gut erkennbaren Südost-Pass in die große Lagune ein und steuern die Insel Susui an.

In der Bucht vor dem kleinen Dorf liegen schon Mareike mit ihrer Moana sowie die Norweger Carine und Bruse mit ihrer Noxoma vor Anker, jetzt kommen die Flora und kurz darauf die Lille Venn dazu.

Mareike berichtet, dass Headmann Jacob und die meisten anderen Inselbewohner zur Zeit im Hauptort Lomaloma auf Vanua Balavu sind, weil ein neuer Chief in sein Amt eingeführt wird. Unser Sevusevu muss deshalb warten und findet später dann untypisch für Fiji stark verkürzt statt: als wir gerade alle beim Sundowner auf der Moana sitzen (und die Siege von Norwegen und der Schweiz feiern), kommt Jacob mit seinem Longboat zurück und hält bei uns an. Nein, morgen sei er wieder in Lomaloma. Ob wir ihm vielleicht einfach die Kawawurzeln geben könnten? Na klar und schwupp – Sevusevu ist schon durch, wir sind willkommen im Dorf und auf der Insel.

Nach nunmehr schon über sechs Wochen ohne echten Einkauf geht unser Gemüse langsam wirklich zur Neige. Hier auf Susui ist keins zu bekommen, aber andererseits würden wir gerne noch etwas hier bleiben. Wir vereinbaren mit Jacob, dass er am übernächsten Tag die Crews der Flora, der Lille Venn und der Noxoma mit seinem Longboat hinüberfährt zu einer Farm auf Vanua Balavu.

Und so machen wir das.

Glücklicher Zufall: das Versorgungsschiff ist auch gerade in Lomaloma. In dem kleinen Dorfladen dieses mit 250 Einwohnern Hauptortes von Vanua Balavu können wir deshalb neben Kartoffeln und Zwiebeln sogar einige Äpfel erstehen. Und, in der zum Laden gehörenden „Tankstelle“, auch Benzin für den Außenbordmotor unseres Dinghies.

Nebenbei: hier gibt es auch ein lange entbehrtes Speiseeis.

Für den eigentlichen Gemüseeinkauf steigen wir um in einen Pickup (bzw. für die Jungs auf die Ladefläche). Mit dem geht es über Schotterstraßen und Feldwege in Richtung Farm.

Zwischendurch machen wir noch Halt bei der Yavusavusawaitui Womens Expo 2026. Im Caree um den Dorfplatz sind Pavillons aufgestellt. Festlich gekleidete Damen sitzen auf dem Boden oder am Rand der Pavillons im Sonnenschutz, teilweise werden Produkte wie Fächer oder Kokosöl zum Verkauf angeboten.

Auch wenn sich uns der Sinn nicht so richtig erschließt, immerhin können wir vor Ort gleich nebenan Bok Choy kaufen.

Ein Dorf weiter holen wir dann den Farmer ab und mit ihm geht es steil den Berg hinauf zu seinem (hauptsächlich) Gemüseanbau. Unser Supermarkt-Ersatz will sportlich erarbeitet werden!

Weißkohl, Tomaten, Grüne Bohnen, Kürbis, Auberginen. Wow. Dazu frischer Koriander und Papayas. Zwei Rucksäcke und eine Tasche schleppen wir zurück.

Jacob nimmt auch noch einen Via mit. Die stärkehaltige Pflanze ähnelt dem verwandten Taro, allerdings wird bei Via nicht die Wurzel sondern der Stamm geerntet.

Außerdem werden wir beim Einkauf mit frischen Kokosnüssen verwöhnt:

Tatsächlich ist dieser Einkaufstrip hier auf Vanua Balavu eher eine Tagesreise. Eine zum Genießen.

Update aus Fulaga und unerwartete Begegnungen

Wir sind immer noch Fulaga, haben es uns hier so richtig gemütlich gemacht, unseren eigenen Rhythmus gefunden.

Morgens gehen Wiebke und Barbara gemeinsam Strecke schwimmen, jeweils rund anderthalb Kilometer legen sie dabei zurück.

Ralph und ich beginnen zu dieser Zeit dann unsere erste Wingfoil-Einheit des Tages, nachmittags folgt dann meist eine zweite.

Wiebke bringt derweil dann ihre verschiedenen Strickprojekte voran, z.B. diesen Schal für Barbara.

Oder wir backen (ich Brot, Wiebke Kuchen oder Muffins), nutzen den Ofen dann auch gleich, um Crunchy-Müsli zu machen.

Spaziergänge am Strand …

… oder in den Ort zu unserer Gastfamilie. Die versorgt uns auch mit Obst und anderen Leckereien wie zum Beispiel einer schon gekochten Kokoskrabbe.

Unsere Gegengeschenke kommen aber umgekehrt auch gut an (diesmal eine 12V-Lampe und zwei Gläser Marmelade aus unseren Bordbeständen, bei unserem letzten Besuch zwei von uns nicht mehr genutzte semiflexible Solarpanele nebst Kabel und Regler).

Eine Wanderung soll uns hinauf zum Aussichtspunkt hoch über dem Dorf führen. Seru lässt es sich nicht nehmen, uns hinaufzuführen. Das ist ganz gut so, denn selbst wenn wir den Pfad vom Dorf aus wohl auch einfach nach Beschreibung gefunden hätten, den Einstieg zum Klettern auf den Felsen hätten wir wohl ohne ihn schlicht verpasst. Es geht fast senkrecht hinauf, ein Weg ist da nicht zu erkennen.

Lohnt sich aber sehr, der Ausblick über das Dorf mit der südlichen Bucht und zur anderen Seite bis hin zum Ankerplatz in der Lagune ist einfach fantastisch.

Zurück im Ort zeigt uns Seru ein traditionelles Einbaum-Ausleger-Segelkanu. Die drei Dörfer dieser Insel und ein Dorf auf einer Nachbarinsel haben für eine Regatta nach Jahrzehnten erstmals wieder jeweils eines davon gebaut. Leider wird es derzeit aber scheinbar nicht mehr viel genutzt, bereits etwas eingewachsen liegt es am Strand.

Alte handwerkliche Bootsbaukunst für das Boot selbst trifft zum Teil auf neue Materialien für das Zubehör. Ein Segel aus einer Plastikplane liegt um den Holzmast gerollt auf dem Einbaum-Rumpf, modernes Tauwerk schmiegt sich neben die kunstvollen Lasching aus Naturfasern. Es wäre toll, diese Boote hier auch wirklich segeln zu sehen.

Nach dem Spaziergang serviert uns Seru Trink-Kokosnüsse, ganz ohne Bewirtung geht es an diesem gastfreundlichen Ort einfach nicht.

An diesem Nachmittag haben wir dann zurück auf der Flora auch selbst Besuch – ziemlich unerwartet. Die USCGC Harriet Lane, ein 82 Meter langes Schiff der US-amerikanischen Küstenwache, patrouilliert seit gestern vor dem Pass in die Lagune. Die Amerikaner unterstützen die Küstenwache Fijis beim Kampf gegen die zunehmend auf dem Wasserweg nach Fiji geschmuggelten Drogen (wohl insbesondere Crystal Meth). Und so wird ein Tochter-Schlauchboot zu Wasser gelassen und kommt an unseren Ankerplatz gebraust. Die gemischte Crew aus Fiji und den USA boarded die Segelboote.

Nachdem erst lediglich ein paar benachbarte Boote ausgesucht wurden ist auch die Flora an der Reihe. Aber es ist ein sehr kurzer Besuch: ein Blick in den Motorraum, einer in die Bilge. Und ansonsten wird vom Officer des Fiji-Zolls lediglich der Papierkram kontrolliert. Haben wir einklariert, beinhaltet unser Cruising-Permit auch die Lau-Gruppe? Stimmen Bootspapiere und Pässe mit den Angaben überein? Alles gut, nach kaum fünf Minuten legt das Schlauchboot wieder von der Flora ab.

Freundlich und unkompliziert, es gibt unangenehmere Begegnungen. Zum Beispiel eine, die ich beim Schwimmen habe. Eine Portugiesische Galeere kreuzt meinen Weg. Kein antikes Kriegsschiff, sondern die nach diesem benannte quallenähnliche Polypenkolonie. Ich mache nur nähere Bekanntschaft mit einem vergleichsweise kleinen Exemplar. Unter 10 cm lang schätze ich die gasgefüllte Schwimmblase, mit der dieses Tier tatsächlich auch segelnd seine Fortbewegungs-Richtung verändert. Ärgerlicherweise sind die knallblauen Nessel-Tentakel unter Wasser trotzdem gut einen Meter lang. Ein Tier fotografiere ich, ein anderes nähert sich leider unerkannt. Als ich das Zweite bemerke, haben sich dessen Tentakel schon an meinem Schnorchel verfangen. Das bringt mir um die Taucherbrille herum ein paar brennende Hautberührungen ein. Ist aber zum Glück nicht so schlimm. Wiebke schabt die Reste der blauen Tentakel mit einer Muschel ab, das Zurückschwimmen zur Flora wirkt als Salzwasserspülung. Essig drauf an Bord und ein in kochendes Wasser getauchter Waschlappen helfen. Letzteren lege ich – sobald er kühl genug zum Aushalten ist – auf die betroffenen Hautstellen. Über 45° sollen die Proteine der Nesselzellen zerstört werden und bei mir hilft es tatsächlich sehr schnell.

Beim Schwimmen auf der anderen Seite der Sandbank, offen zum Wassergürtel in Windrichtung, werden wir jetzt deutlich vorsichtiger sein.

Der Ankerplatz der Flora ist zum Glück bei der jetzt herrschenden Windrichtung deutlich weniger gefährdet.

Schwierige Entscheidung mitten in der Nacht: Lernkurve!

„Gentlemen don’t sail to weather“ (Gentlemen segeln nicht gegen den Wind) heißt es. Schließlich bedeutet es doppelte Strecke, dreifache Zeit, vierfache Arbeit. Manchmal muss man das wörtlich nehmen. Jedenfalls bei ordentlich Welle von vorn ist es außerdem ziemlich unangenehmes Segeln.

Andererseits: ein Wetterfenster scheint segelbaren Wind von Savusavu hinunter nach Fulanga zu bieten. Typischerweise bläst der Wind genau von dort, jetzt soll er auf Ostnordost drehen. Das wäre dann zwar immer noch ein Amwind-Kurs. Nicht eben angenehm bei zwei Meter Welle, aber eben auch kein Kreuzkurs gegen den Südostpassat.

Wir probieren es. Verproviantieren uns noch einmal umfangreich für die abgelegene Lau-Gruppe, füllen Wasser- und Dieseltank randvoll, kaufen diverse Bündel Kawa-Wurzeln für das auf diesen Inseln übliche „Sevusevu“, das rituelle Überbringen dieses Gastgeschenks an den Chief des Dorfes.

Und dann geht es los. Das Bugstrahlruder streikt, obwohl es beim Einlaufen in die Marina noch wunderbar funktioniert hatte. Aber diesen „Quirl“ benutzen wir -wenn überhaupt- ohnehin nur bei engen Hafenmanövern. Ich teste sicherheitshalber noch die Ankerwinsch, sie funktioniert, ebenso die Rollreffanlage im Mast. Vielleicht ist es die Sicherung des Quirls, aber die ist unter der vollgepackten Vorschiffskoje verborgen.

Nach einer ersten Flautenphase nimmt der Wind stetig zu, die Wellen leider auch. Ab Mittag wird es dann tatsächlich ein ziemliches Gebolze hoch am Wind. Es ist so holprig, dass sich tatsächlich der Karbonteil der hintersten Segellatte losschüttelt, aus der Lattentasche rutscht und im Meer verschwindet. Die Wellen bremsen uns erheblich ab, gegen Mitternacht haben wir erst etwa 70 der 180 Seemeilen geschafft. Das Großsegel ist mittlerweile im ersten Reff, wobei es beim Einreffen ein bisschen hakelt. Als die Böen 28 kn erreichen, wollen wir das zweite Reff eindrehen. Nur – die elektrische Rollreffanlage im Mast bewegt sich kein Stück! Wir Reffen erst mal (mechanisch) das Vorsegel ein.

Etwas später dann die Entscheidung zum Beidrehen, wir müssen das untersuchen. Das Beidrehen ist ein fast magisches Manöver: eben noch wildes Gebocke des Schiffes hoch am Wind bei zwei Meter Welle, dann mit dem Bug durch den Wind, die Segel dabei belegt lassen, gleich wieder Gegenruder und das Steuerrad bei backstehender Fock einfach feststellen: himmlische Ruhe. Mit etwa einem bis anderthalb Knoten driften wir mit erstaunlich wenig Schiffsbewegung ganz ruhig dahin.

Das gibt uns die Gelegenheit, unsere als Stauraum genutzte (um nicht zu sagen: mit Wingfoils, Kajak, Paddelboard etc. vollgestopfte) Dreieckskoje im Vorschiff leerzuräumen. Darunter hat die Batterie ihren Platz, die speziell für das Bugstrahlruder, die Ankerwinsch und die Rollreffanlage im Mast genutzt wird. Hier (also versteckt unter der Koje) gibt es auch einen Notschalter. Mit dem lassen sich die verschiedenen Batterien zusammenschalten. Und schwupps, funktioniert auch die Rollreffanlage im Mast wieder.

Wir drehen das zweite Reff ins Großsegel und diskutieren unsere Optionen: weiter Segeln und in der Lau-Gruppe diesen Workaround nutzen? Oder umdrehen und versuchen, in Savusavu eine neue Batterie zu bekommen? In der abgelegenen südlichen Lau-Gruppe wäre das jedenfalls nicht möglich. Und da wollen wir eigentlich gerne sechs bis acht Wochen verbringen.

Schweren Herzens treffen wir um 01.00 Uhr nachts die Entscheidung, die wirklich sauer verdienten mittlerweile knapp 80 Seemeilen der letzten 16 Stunden wieder her zu schenken, drehen um und segeln zurück nach Savusavu. Das jetzt angenehme und schnelle Segeln mit schräg von hinten schiebenden Wellen und raumen bis halbem Wind versüßt uns die Rückfahrt deutlich.

Falls wir noch Zweifel an der Entscheidung hatten, verschwinden diese mit dem Ausbau der Batterie schlagartig: das hätte schlimm enden können. Das Gehäuse der AGM-Batterie ist aufgeplatzt, unten im Batteriekasten schwappt Säure. Ein solcher Schaden fast ohne Vorwarnung, das wundert uns schon. Und natürlich ärgern wir uns, das erste Anzeichen Bugstrahlruder nicht gleich näher untersucht zu haben.

Am nächsten Tag mache ich mich auf die Suche nach einer neuen Batterie und werde tatsächlich gleich im zweiten Laden fündig. Die nackten Batteriepole passen zwar nicht (sie sind dicker als die der alten Batterie), aber bei einem minikleinen Auto-Zubehörgeschäft finde ich passende Polklemmen. Geht doch.

Ganz genau gleich sind die Maße natürlich nicht, ich säge noch eine zusätzliche Sicherung aus einem Holzbrett zu und baue sie im Batteriekasten ein. Außerdem findet sich tatsächlich auch noch ein Ersatz für den verlorenen Segellattenteil, auch der muss noch ein wenig zurecht gearbeitet werden, aber auch das funktioniert.

Ein ungeplanter, am Ende aber doch erfolgreicher Boxenstop. Und eine (160 Seemeilen lange) Lernkurve im wahrsten Sinne des Wortes.

Morgen starten wir dann gleich den nächsten Versuch.

Refit der Flora in Neuseeland

„Refit“, das trifft es eigentlich ganz gut. Es war einfach mal wieder an der Zeit, unserer Flora eine Kur zu gönnen, sie wieder richtig fit zu machen. Seit fast sieben Jahren leben wir auf dem Boot, die vielen Jahre unterwegs haben Spuren hinterlassen. Klar, wir haben unterwegs immer wieder, eigentlich laufend, an ihr gearbeitet. Aber insbesondere die letzten Jahre in den etwas abgelegeneren Ecken des Pazifik haben für einen gewissen Service-Stau gesorgt. Zuletzt (und auch nur kurz) aus dem Wasser gekrant hatten wir das Schiff ja in Kanada. Neuseeland ist – was Ersatzteilversorgung und auch maritimen Service angeht – ein ausgesprochen guter Ort dafür, diesen Stau abzuarbeiten. Trotz der guten Infrastruktur hat das am Ende deutlich länger gedauert als zunächst veranschlagt, das war ja in den letzten Beiträgen bereits Thema. Aber ein Blick auf die Gesamtliste erklärt das schon ein bisschen.

  • Motor: große Inspektion, neue Motorfüße, neuer Turbolader, Einspritzdüsen geprüft, neuer Wärmetauscher, neues Motorinterface zum NMEA 2000 Netzwerk, neuer Anlasser (bisheriger als Ersatzteil, getauscht)
  • Antriebswelle: neues Wellenlager, neue Wellendichtung
  • Getriebe: Ölwechsel und Filterwechsel, Aquadrive-Kupplung ausgebaut und überprüft
  • Schaltung: neuer Schalthebel an der Steuersäule
  • Dieselgenerator: Instandsetzung nach Ausfall. Verstopftes Auspuffknie gereinigt, ebenso Wärmetauscher und Wasserabscheider, Kühlflüssigkeit erneuert, Ausgleichstank für Kühlflüssigkeit neu verlegt, neue Auspuffschläuche
  • Borddurchlässe und Seeventile: 23 Borddurchlässe (davon 17 im Unterwasserschiff) auf TrueDesign Kompositborddurchlässe umgestellt
  • Fäkalientanks: beide Schwarzwassertanks durch neu gefertigte Edelstahltanks ersetzt, diverse Leitungen und Ventile ebenfalls erneuert
  • Segel: vom Segelmacher durchgesehen, UV-Schutz an Fock und Großsegel erneuert, Großsegelunterliek repariert
  • Solarpanel: zwei zusätzliche Panel je 100 Wattpeak auf den Davids (zusätzlich zu dem 430 WP Panel, dafür neuen Aluminiumrahmen schweißen lassen. Zwei der vier 100 WP Panel auf dem Bimini erneuert
  • Bimini: repariert, neue Fensterfolie für den Blick in die Segel, nachgenäht und Klett erneuert
  • Navigationsinstrumente: Neuer Monitor am Kartentisch für den Bordcomputer, ORCA Navigation (ORCA Core und Display) ergänzt
  • Unterwasserschiff komplett überarbeitet, Schadstellen heruntergeschliffen und neu aufgebaut, über alles eine Epoxi-Sperrschicht und 5 neue Schichten Epoxi-Coppercoat
  • Sämtliche Polster im Salon, am Kartentisch und Sitz in der Achterkoje neu bezogen, Umbau der „Runden Ecke“ im Salon auf eckig
  • Waschmaschine neu (im vorderen Bad, Camec II 4 KG)
  • Wasserhähne und Dusch-Armaturen in beiden Bädern neu
  • Herd/Backofen neu (Kardanik in altem Herd war ausgerissen, zudem neu: Grillfunktion)
  • Ocean-Air Rollos repariert, mit neuen Verdunklungsstoffen und neuen Mückennetzen versehen
  • Gardinen im Achterschiff erneuert (selbst genähte Verdunklungsgardinen)
  • Laufendes Gut: Großsegelausholer erneuert
  • Wassermacher: Ölwechsel, Fitting neu eingedichtet, neue Membran (deren Einbau erfolgt aber erst, wenn wir wieder in klarem Meerwasser sind)
  • Bugstrahlruder: neue Propeller, neues Antifouling im Tunnel
  • Kielnaht erneuert
  • Anoden: neue Zinkanoden an Welle, Propeller, Bugstrahlruder und Kühlschrank (Kühlungen in den Bordduchlässen der Küchenspüle)
  • Gelcoat: kleinere Schäden im Bereich des Hecks repariert
  • Rumpf poliert (über der Wasserlinie)
  • Spiegel in beiden Bädern neu

Eine kleine Auswahl mit Vorher-, Chaos- und Nachher-Fotos:

Die Spiegel sind übrigens nach einer kleiner Irrversendung quer durch Neuseeland heute erst hier angekommen. Egal, besser spät als nie und wir sind ja noch hier. Letzteres allerdings nur, weil quasi in der Nachbarschaft Zyklone (so wird ein Hurrikan auf der Südhalbkugel genannt) unterwegs sind. Die Zyklonsaison dauert im Südpazifik regulär noch bis Ende April. Erst danach wollen wir uns Richtung Fiji aufmachen. Denn jetzt sieht es in den Tropen nördlich von Neuseeland so aus: während nordöstlich von Australien der tropische Zyklon Maila fast stationär seine Runden dreht, steuert der tropische Zyklon Vaianu gerade an Fiji vorbei südwärts Richtung Neuseeland. Dabei wird er sich über dem kälteren Wasser abschwächen (derzeit ist Vaianu in der Kategorie 3 eingestuft), aber nach bisheriger Prognose erwarten wir in Neuseeland zum Wochenende schlechtes Wetter mit extremen Regenfällen und sehr starken, in der Richtung drehenden Winden. Da bleiben wir lieber noch ein wenig hier im gut geschützten Whangārei etwa 30 Kilometer flussaufwärts der Küste.

Nebenbei sind wir Dauergast in den großen Supermärkten von Whangārei und stocken jetzt auch schon die langfristigen Proviantvorräte auf Flora für die kommende Saison wieder auf.

Aller guten Dinge sind … ?

Am Ende wird alles gut. Wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende!

Nach dem Hinein- und Hinauskranen der Flora am Dienstag war Arbeit an den drei leckenden Seeventilen angesagt und dann am Mittwoch wieder Travellift.

Mittwoch: Same procedure

Leider Murmeltiertag. Frühmorgens rein, erneut ein undichtes Seeventil feststellen, gleich wieder raus. Wieder ist das Seeventil des achteren WC-Auslasses undicht. Es ist wirklich kaum zu erreichen, im Motorraum eingezwängt zwischen dem Volvo, dem vom Vorbesitzer eingebauten Generator sowie dessen Seeventil nebst Schläuchen und dem Schott zum Bad. Jetzige Diagnose: wahrscheinlich war deshalb beim Einbau (für Dienstag) das Seeventil schief auf den Borddurchlass gesetzt. Damit wurde das Gewinde des TrueDesign-Borddurchlasses verletzt, das neue Seeventil (für Mittwoch) konnte also wieder nicht dichten. Der Borddurchlass muss ganz raus (also auch neues Coppercoat Antifouling drauf). Akkordarbeit für die Handwerker und neuer Krantermin am Donnerstag.

Frust bei uns. Zur Bewältigung (oder Kompensation?) machen wir eine spontane Gewalttour nach Auckland und zurück. Unser Ziel ist das „RV Super Centre“, ein riesiges Zentrum für neue und gebrauchte Wohnmobile. Was soll das jetzt, geht der Frust so weit, dass wir an eine Landyacht denken?

🧐 . Nein, natürlich nicht.

Aber im RV Super Centre gibt’s auch einen Zubehörshop und der bietet eine Waschmaschine an, die unserer schon seit Panama irreparabel kaputten Candy 3,5 kg recht nahe kommt. Die Camec RV II 4 kg ist – wie könnte es anders sein – minimal zu groß. Limitierend sind auf der Flora die Tür zum vorderen Bad mit 47 cm Breite, zudem ist das Loch für den Einbauort der Waschmaschine (von der Dusche aus) nur 51,5 cm breit und 75 cm hoch.

Die Camec misst 70 x 51 x 49 cm. Wir müssen sie uns vor Ort anschauen, um zu sehen, ob und ggfs. was demontierbar ist oder ob wir das ganze Gehäuse auseinander bauen müssten.

Und so sieht’s dann aus: wenn wir die Waschmaschinentür abbauen, gewinnen wir etwa zwei Zentimeter. Das wäre einfach und könnte gerade so ausreichen. Schlimmstenfalls müssten wir die Rückwand auch auseinandernehmen. Allerschlimmstenfalls passt die Maschine dann trotz neuem, etwas kleinerem Holdingtank im gleichen Stauraum immer noch nicht. Puh. Schwierige Entscheidung. Wir riskieren es und kaufen die Waschmaschine. Schließlich war in Panama, den USA, Kanada und Mexiko keine passende zu bekommen, da dort die Stromnetze und somit fast alle Elektrogeräte jeweils auf 110 V 60 Hz und nicht auf die von uns benötigten 230 V 50 Hz ausgelegt sind. Ein Import aus Europa hätte das Dreifache des Preises der Waschmaschine verschlungen. Außerdem gab es überall Waschsalons. Die Inseln im Pazifik: keine vernünftigen kleinen Maschinen. Also: jetzt hier in Neuseeland, wenn sich irgendeine Chance bietet: nutzen.

Die Camec bleibt allerdings erst einmal im Kofferraum unseres Autos.

Donnerstag: Krantermin zum Dritten!

Wieder hängt Flora in den Seilen des Travellifts, wird langsam ins Wasser gelassen und bleibt in den Seilen, bis wir das ok geben.

Mechaniker Byron kontrolliert das vermaledeite Ventil im Motorraum: dicht! Endlich.

Die Seile werden gelöst wir motoren zum Liegeplatz am Steg. Durchatmen. Danach geht Wiebke die Ventile alle noch einmal durch und … da ist doch ein Tropfen am Seeventil unter dem Waschbecken im achteren Bad? Trockenwischen, warten. Mist, ein neuer Tropfen bildet sich. Das darf doch nicht wahr sein. Ich schließe das Seeventil, wische alles noch mal trocken, lege drumherum Küchentücher aus. Sie bleiben um das Ventil des Waschbeckenauslasses herum trocken, aber das Ende am Ventil des Decksablaufes wird etwas feucht.

Byron kommt und prüft. Und prüft. Und prüft. Ergebnis: Borddurchlass und Seeventil sind dicht, bei geschlossenen Seeventilen passiert also nichts, wir können im Wasser bleiben. Die beiden Schlauchanschlüsse oberhalb dieser beiden Seeventile müssen aber neu abgedichtet werden. Na Klasse. Aber immerhin Glück im Unglück: nicht nochmal kranen, dann könnten wir erst nach Ostern wieder ins Wasser.

Aber auch so, dreimal kranen innerhalb von drei Tagen, das ist ein Novum für uns. Wenn möglich, möchten wir das auch nicht wiederholen.

(Kar-)Freitag: wir bereiten das Projekt Waschmaschine weiter vor. Ich verlege die Schläuche im Waschmaschinen-Kabbuff etwas anders, um oben mehr Platz zu schaffen. Messe alles noch einmal aus, zeichne an den Wänden mit Bleistift Markierungen an. Baue die Tür zum Waschmaschinenkabuff und die große Tür vom Salon zum Vorschiff aus. Schraube den Salontisch ab und schiebe ihn ganz zum Sofa. Soviel Platz schaffen wie möglich. Auch das Steuerrad im Cockpit wird ausgebaut.

Ben von der „Kujira“ kommt uns zu Hilfe. Kräftig und super schlank, das wird helfen. Und tatsächlich, wir wuchten die Maschine über die Reling und ins Cockpit, entfernen die schützende Verpackung. Dann die Treppe herunter in den Salon. Tür der Waschmaschine abschrauben. Es klappt, wir kommen durch die Türdurchlässe gerade so eben durch. Wir verbinden den Wasserzulauf, binden das Stromkabel und de Abwasserschlauch an die zuvor gezogenen Pilotleinen und zirkeln mit etwas Mühe die 45 Kilogramm der Camec durch die enge Öffnung, wobei sich Ben tatsächlich noch zwischen Duschwand und Maschine quetschen kann. Drin, passt wie angegossen. Waschmaschinentür wieder dran, mit Spanngurt herunterzurren, anschließen, fertig.

Flora schwimmt und wir haben sogar wieder eine Waschmaschine. Hurra!

Arbeitsergebnisse – Zwischenstand

Sind wir fertig?

Nein, weder mit den Nerven, noch mit der Bootsarbeit. Eigentlich wollten wir ja schon unterwegs sein und jetzt mit Auto Neuseeland zu bereisen, aber das muss noch warten. Ich hätte erwartet, dass uns Verzögerungen bei den Bootsprojekten mehr stressen würden, aber erstaunlicherweise macht es uns bisher gar nichts aus. Wir machen es uns heimisch im mittlerweile dritten AirBnB in und um Whangārei, erkunden die Umgebung und treiben die Bootsprojekte voran. Als wir beim Wechsel zwischen unseren Unterkünften einen Tag überbrücken müssen und dafür auf die Flora ziehen, hat das einen erstaunlichen Nebeneffekt. Unser Handwerker fühlt sich motiviert, das temporäre Chaos auf Flora zu verringern und dafür sogar am Wochenende zu arbeiten.

Die Woche begann aber sowieso schon gut. Endlich kommen die Alu-Schweißer vorbei. Gemeinsam bauen wir das Solarpanel und dessen Träger von den Davits ab. Sie nehmen die (zusätzlichen) beiden neuen Solarpanel ebenfalls mit und machen sich ans Werk für den beauftragten neuen Halterahmen.

Außerdem ist unser Bimini repariert. Der Stoff wurde geflickt und verstärkt, die spröde und rissig gewordene Fensterfolie erneuert, die Klettabdeckungen der Reisverschlüsse nachgenäht bzw. getauscht. Dadurch können wir auch die jetzt die 400 WP Solarpanel auf dem Bimini wieder nutzen, um so wichtiger, weil ja jetzt die anderen 400 WP auf den Davits gerade abgebaut sind.

Den alten Herd, der uns auf dem Törn nach Neuseeland aus der Halterung gesprungen war und dessen gebrochene Aufhängung wir notdürftig repariert hatten, wird durch eine neuere Version ersetzt. Damit haben wir endlich auch die Möglichkeit zusätzlicher Oberhitze im Backofen.

Dazu diverser Kleinkram. Ein Beispiel: die Wasserhähne im Bad sind ziemlich unansehnlich geworden, das lässt sich leider auch nicht mehr wegpolieren. Ich hatte neue bestellt, leider sind aber die nötigen Anschlussfittinge trotz Odyssee durch alle in Frage kommenden Geschäfte nicht zu bekommen. Wohl oder übel muss ich die alten Anschlussfittinge aufarbeiten und wiederverwenden.

Grausgruselig sieht es um die Edelstahl-Holdingtanks aus. Der Schwarzwassertank der achteren Toilette hatte ja an einer Schweißnaht nadelfeine Löcher entwickelt, mit entsprechend unangenehmen Begleiterscheinungen. Gegen den Ausbau wehrt er sich lange aber am Ende vergeblich. Die Naht neu zu schweißen oder einige Bleche zu verstärken erweist sich als nicht sinnvoll, wir lassen einen Ersatztank bauen. Sicherheitshalber bauen wir auch den vorderen Holdingtank aus und lassen ihn prüfen. Von außen sieht er noch gut aus, aber die Bleche sind von innen ebenfalls stark korrodiert und extrem dünn geworden. Also wird auch diese tickende Zeitbombe mit einem neuen Tank entschärft, außerdem werden bei beiden Tanks auch die Schläuche und Ventile erneuert. Das beschäftigt uns und unsere Handwerker länger als erwartet, aber der Teufel steckt wie so oft im Detail.

Das Highlight der Woche: die neuen Polster sind da und wir bauen sie gleich ein. Aus der „runden Ecke“ ist eine eckige geworden und auch sonst sind wir von der Qualität und auch vom Preis begeistert.

Zum Vergleich: runde Ecke (alt) und eckige Ecke (neu):

Und sonst: der Motor ist größtenteils wieder zusammengebaut, beim Generator fehlt allerdings noch immer eine Dichtung (soll nächste Woche kommen). Das neue Coppercoat ist ebenfalls für nächste Woche angekündigt (jedenfalls beim Importeur).

Es wird so langsam. Hoffentlich.

Der Alltag nach der Feier: Starlink Mini und Bootsarbeiten

Was machen wir eigentlich so die ganze Zeit hier in Apia? Das fragen wir uns manchmal selbst, denn die Tage scheinen so schnell vorbei zu fliegen.

Zunächst mal nutzen wir die Zeit, um von der vergleichsweise guten Versorgungslage zu profitieren. Insbesondere der „Lucky Food“-Supermarkt bietet eine recht gute Auswahl und überrascht uns gelegentlich mit lange nicht gesehenem: Brokkoli und Blumenkohl zum Beispiel. Und Lamm – wir kommen Neuseeland näher. Aber nicht nur Lebensmittel kaufen wir ein. Im „Bluebird – Lumber and Hardware“-Baumarkt finden wir neue wasserabweisende Kissen fürs Cockpit, diversen Kleinkram und – nicht ausgestellt sondern versteckt in der Glaskabine des Marktleiters – einen neuen Starlink-Mini. Das freut uns ganz besonders. Zwar funktioniert unser Starlink (Gen. II Dishy) an Floras Heck wirklich gut, aber er ist leider extrem energiehungrig. Etwa 10 Ampere verbraucht er pro Stunde, verdoppelt damit ungefähr unseren Grundverbrauch. Der kleine Starlink Mini sollte sich ungefähr mit der Hälfte begnügen, das wäre dann tatsächlich eine immense Verbesserung. Und zugegeben haben wir uns an die durch Starlink-Satelliten-Internet eröffneten Online-Möglichkeiten selbst an entlegenen Orten und auf hoher See so gewöhnt, dass wir gerne ein Backup hätten. Der Starlink Mini ist nur etwa so groß wie eine DIN A4 Seite und benötigt keinen zusätzlichen Router, kann theoretisch sogar über einen leistungsstarken USB-C Anschluss versorgt werden. Wir haben ihn hier im Hafen erst einmal provisorisch unter dem Vorschiffsluk platziert und sind mit seiner Leistung mehr als zufrieden.

Allerdings müssen wir uns für den Einsatz auf See noch eine gute Befestigung überlegen. Scheibenbefestigungen mit Saugnäpfen gibts zwar online, aber die haben wir hier in den Geschäften noch nicht gefunden. Improvisation ist mal wieder gefragt.

So auch bei der Reparatur unserer Solarpanel, quasi auf der umgekehrten Seite: wie kommen wir zu Energie.

Auf Bora Bora hatte ja eine 42 kn Böe den nach inzwischen 7 Jahren mürbe gewordenen Nähten unserer guten SunWare-Solarpanele den Rest gegeben und sie vom Bimini (dem Sonnenschutz über dem Cockpit) gerissen. Die Solarpanel selbst sind heil geblieben und funktionstüchtig. Aber der angenähte Stoff ist bei einem Panel ganz, bei den anderen teilweise abgerissen. Dabei sind auch ein paar Tenax-Knöpfe aus dem Bimini gefetzt und haben Löcher hinterlassen.

Durch den Kunststoffrand der Panel können wir mit unserer einfachen (Haushalts-) Nähmaschine nicht nähen. Segelmacher können das mit ihren kräftigen Maschinen, aber leider gibts auf Samoa keinen Segelmacher. Wie so oft ist auch hier die Noforeignland-App eine große Hilfe. Mit ihr machen wir einen Polsterei-Betrieb ausfindig, der auch Notreparaturen an Segeln durchführt. Mit dem Taxi fahre ich zum am Stadtrand gelegenen Unternehmen. Im Gepäck habe ich neben den Panels auch Sunbrella-Stoff für die Reparatur.

Joseph probiert zunächst in meinem Beisein aus, ob er durch die Panel nähen kann. Das klappt, und so lasse ich ihm die Sachen da. Zwei Tage später kann ich sie repariert wieder abholen.

Preiswert ist das Ganze auch noch und so entschließen wir uns, das Bimini nochmal komplett abzubauen und von ihm reparieren und verstärken zu lassen. Zwei weitere Taxifahrten an den Stadtrand von Apia, aber Taxifahrten sind hier ausgesprochen günstig, einfach zwischen 5 und 10 Tala (etwa 1,70 bis 3,30 Euro). Und der Taxifahrer wartet gerne, um auch die Rückfahrt mitzunehmen. Die Tenax-Knöpfe schraube ich vorher ab und schlage sie hinterher neu ein. Das funktioniert gut und so hat Flora wieder eine etwas bessere Energieversorgung.

Insgesamt haben wir theoretisch 830 Wattpeak an Solar, davon 430 durch das große Panel auf den Davits an Floras Heck.

Weitere 400 Wattpeak könnten die Solarpanel auf dem Bimini liefern. Die jetzt wieder einsatzfähigen SunWare-Module steuern ja seit Jahren zuverlässig 200 Wattpeak bei. Die semiflexiblen sind zwar nicht ganz so effektiv wie das feste Panel auf den Davits, aber immerhin. Ein ziemlicher Reinfall dagegen sind die (deutlich billigeren) SunBeam-Panel. Für diese hatten wir erst letzten Oktober in Tahiti von einem Segelmacher eine Befestigung mit Reißverschüssen und Klett auf dem Bimini machen lassen. Aber schon jetzt liefert eines der Panel gar keine Leistung mehr, zudem werden beide Panel an der Oberfläche so matt, dass auch die Leistung des zweiten Panels jedenfalls beeinträchtigt ist.

Da werden wir uns wohl im Winter in Neuseeland auf die Suche nach einem hochwertigeren Ersatz machen müssen.

Und was gibt’s sonst noch so an Bootsarbeiten? Wir nehmen alle Vorhänge ab, behandeln sie gegen Spak und waschen sie. Danach holen wir uns Fingerkrämpfe beim Wiederaufhängen, weil gefühlt hunderte kleine Haken verdeckt durch die Ringe in den Schienen an den Fenstern gefädelt werden müssen. Und wir betreiben im Motorraum Ursachenforschung für die Überhitzung des Generators. Genau genommen schließen wir einige mögliche Ursachen aus. Der Impeller ist ok, die Schäuche sind es auch. Das Leck scheint in der Seewasserpumpe selbst zu liegen und auch der Wärmetauscher muss ausgebaut und gereinigt werden. Wir bleiben also bis Neuseeland wohl erstmal ohne Dieselgenerator, aber das ist nicht weiter schlimm.

Außerdem wird das Schiff mal wieder ausgiebig mit Süßwasser gewaschen, ein Luxus hier am Steg im wasserreichen Samoa.

Langweilig wird uns jedenfalls nicht.

Letzte Tage auf Aitutaki: Vorbereitung für die Passage nach Samoa, Palmenromantik, Wattwanderung, Rochen und Kirchengesang

Ein Wetterfenster für die Weiterfahrt tut sich auf. Das passt gut, denn am 19. geht schon Elisas Flugzeug von Apia in Samoa. Wir machen also Flora fit für den geplanten Aufbruch am Montag. Zunächst füllen wir den Dieseltank wieder auf. Eine Bootstankstelle gibt es nicht, aber immerhin ist eine der drei Tankstellen der Insel ganz dicht am Hafen gelegen. Der „Hackenporsche“, ein Art klappbare Mini-Sackkarre, wird aus dem Schrank geholt. Mit ihm können wir unsere zwei jeweils 20 Liter fassenden Diesel-Kanister nach dem Befüllen zum Hafen zurückbringen. 120 Liter Diesel füllen wir auf, drei Fuhren also.

Etwas aufwändiger ist das Auffüllen des Wassertanks. Von Nachbarbooten leihen wir uns zunächst Kanister, wieder zweimal 20 Liter. Am Gebäude des Aitutaki Island Council gibt es eine Zapfstelle für Trinkwasser. Die Qualität ist gut, wie uns andere Cruiser bestätigen. Diesmal sind 9 Fuhren fällig, wir zapfen 360 Liter Trinkwasser. Das ist trotz des Hackenporsches eine ziemliche Plackerei, schließlich müssen die Kanister über einen holperigen Feldweg zur Pier gezogen und auch jeweils ins Dinghy und von dort über die Bordwand zum Tank gewuchtet werden.

Mit dem Papierkram zum Ausklarieren werden wir leider nicht ganz fertig. Wir entrichten zwar wie vorgeschrieben zunächst die Ankergebühr (20 NZD, also gut 10 € pro Tag des Aufenthalts), aber das Ausklarieren beim Zoll klappt trotzdem nicht. Der zuständige Officer ist krank. Wir können nur hoffen, das es ihm Montagvormittag wieder besser geht, sonst müssen wir unsere Abreise verschieben.

Als Nächstes machen wir am späten Samstagnachmittag dann noch einen „Provision Run“, gehen also Einkaufen. Das darf wörtlich genommen werden, der nächste Supermarkt mit guter Frischeauswahl ist nicht eben um die Ecke. Es wird ein über fünf Kilometer langer Spaziergang zum 24/7 offenen „Tina & Co“. Allerdings auch ein sehr erfolgreicher, auf dem Rückweg sind unsere Rucksäcke unter anderem mit Möhren, Äpfeln, Paprika, Tomaten und Kartoffeln gefüllt. Und der Gang ist nicht nur erfolgreich, sondern auch schön. Auf dem Rückweg setzt die Dämmerung ein, die Sonne geht dramatisch hinter den Palmen westlich der Straße unter.

Die Locals fügen mit einem Lagerfeuer aus Palmblättern und sonstigem Grünabfall von der samstäglichen Grundstücksreinigung noch weiteres Flair dazu, auch wenn teils Rauchschwaden die Palmen vernebeln.

Neben der Vorbereitung für die Weiterfahrt bleibt auch noch Zeit für den Besuch „unserer“ Sandbank in der Lagune, diesmal ist es fast eine Wattwanderung dort.

Und für weitere Schnorchelgänge am Riff. Die Gefleckten Adlerrochen haben es uns besonders angetan. Gleich unglaubliche 13 dieser eleganten Unterwasser-Flieger ziehen uns in einem der Riff-Canyons entgegen.

Kleines Video dazu:

Um nicht immer nur die „Großen“ zu zeigen, hier noch ein vorwitziger Langnasen-Doktorfisch vom gleichen Schnorchelplatz:

Am Pfingstsonntag reihen wir uns in die Schar der Kirchgänger ein. Wir entscheiden uns für die ZIONA TAPU Church oberhalb des Hafens.

Die 1853 aus Korallenkalksteinen gebaute Kirche hat keinen Turm und ist mit dem mittig an der Westseite des langen Kirchenschiffs platzierten Altar auch sonst außergewöhnlich.

Frauen tragen hier beim Kirchgang zumeist Hut, mal blumenverziert, mal nicht. Freie Schultern sind verpönt, wir wussten das aber vorher und sind vorbereitet.

(Für bessere Auflösung kann wie immer auf die kleinen Bilder geklickt werden)

Oder Ihr schaut Euch das Video an, dann bekommt Ihr (Ton an) auch einen Eindruck vom Gesang.

Ein Sonntag in Aitutaki.

Tag 2 der Passage zu den Cook Inseln

Zwischenstopp auf Maupiha‘a. Wir haben zwar in Bora Bora ausklariert und sind zu den Cook Inseln aufgebrochen, aber eine kleine Komplikation gibt es dann doch noch. Der Dieselgenerator quittiert den Dienst mit der Fehlermeldung „Motor Temp“. Die Nachschau unter der Schallschutzhaube zeigt eine ziemliche Sauerei: offenbar ist Salzwasser herumgespritzt und auf dem heißen Gehäuse verkrustet. Sieht nach einem heftigen Problem mit der Seewasserpumpe des Generators aus.

Das ist doppelt blöd. Zum einen haben wir dafür kein Ersatzteil, zum zweiten kommt der Defekt zur Unzeit, weil ja auch ein Teil unserer Solarpanel derzeit nicht einsatzfähig ist. Stromsparmodus ist angesagt. Dramatisch ist das nicht, die Kühlschränke bleiben an, der Autopilot auch. Immerhin haben wir noch 500 WP an Solar, den Windgenerator und natürlich zur Not auch noch die Lichtmaschine vom Motor.

Wir machen einen Zwischenstopp auf Maupiha‘a, einem kleinen Atoll etwa 130 Seemeilen westlich von Bora Bora. Der Generator wird soweit möglich von der Salzverkrustung befreit und der Schaden näher begutachtet. Das Problem könnte von einem Defekt der Dichtung an der Welle der Seewasserpumpe herrühren, näheres lässt sich so noch nicht sagen. Auch nicht, ob Folgeschäden durch Überhitzung aufgetreten sind.

Hilft ja jetzt nix. Zur Ablenkung genießen wir das wunderschöne Maupiha‘a.

Morgen geht’s dann gleich wieder weiter. Der mit nur zwanzig Metern Durchfahrtbreite extrem enge und ziemlich strömungsreiche Pass wird uns hoffentlich genauso problemlos wieder aus dem Atoll herauslassen, wie wir (bei drei Knoten Gegenstrom) hereingekommen sind.

Und dann sollten es etwa 60 Stunden Fahrt bis nach Aitutaki auf den Cook Inseln sein, sofern alles glatt läuft. Wind- und Wellenvorhersage sehen gut aus. Wegen des Stromsparmodus wird das Starlink meistens aus sein, Positionsupdates (und natürlich auch Blogbeiträge) können sich also eventuell ein bisschen verspäten.