Refit der Flora in Neuseeland

„Refit“, das trifft es eigentlich ganz gut. Es war einfach mal wieder an der Zeit, unserer Flora eine Kur zu gönnen, sie wieder richtig fit zu machen. Seit fast sieben Jahren leben wir auf dem Boot, die vielen Jahre unterwegs haben Spuren hinterlassen. Klar, wir haben unterwegs immer wieder, eigentlich laufend, an ihr gearbeitet. Aber insbesondere die letzten Jahre in den etwas abgelegeneren Ecken des Pazifik haben fĂŒr einen gewissen Service-Stau gesorgt. Zuletzt (und auch nur kurz) aus dem Wasser gekrant hatten wir das Schiff ja in Kanada. Neuseeland ist – was Ersatzteilversorgung und auch maritimen Service angeht – ein ausgesprochen guter Ort dafĂŒr, diesen Stau abzuarbeiten. Trotz der guten Infrastruktur hat das am Ende deutlich lĂ€nger gedauert als zunĂ€chst veranschlagt, das war ja in den letzten BeitrĂ€gen bereits Thema. Aber ein Blick auf die Gesamtliste erklĂ€rt das schon ein bisschen.

  • Motor: große Inspektion, neue MotorfĂŒĂŸe, neuer Turbolader, EinspritzdĂŒsen geprĂŒft, neuer WĂ€rmetauscher, neues Motorinterface zum NMEA 2000 Netzwerk, neuer Anlasser (bisheriger als Ersatzteil, getauscht)
  • Antriebswelle: neues Wellenlager, neue Wellendichtung
  • Getriebe: Ölwechsel und Filterwechsel, Aquadrive-Kupplung ausgebaut und ĂŒberprĂŒft
  • Schaltung: neuer Schalthebel an der SteuersĂ€ule
  • Dieselgenerator: Instandsetzung nach Ausfall. Verstopftes Auspuffknie gereinigt, ebenso WĂ€rmetauscher und Wasserabscheider, KĂŒhlflĂŒssigkeit erneuert, Ausgleichstank fĂŒr KĂŒhlflĂŒssigkeit neu verlegt, neue AuspuffschlĂ€uche
  • BorddurchlĂ€sse und Seeventile: 23 BorddurchlĂ€sse (davon 17 im Unterwasserschiff) auf TrueDesign KompositborddurchlĂ€sse umgestellt
  • FĂ€kalientanks: beide Schwarzwassertanks durch neu gefertigte Edelstahltanks ersetzt, diverse Leitungen und Ventile ebenfalls erneuert
  • Segel: vom Segelmacher durchgesehen, UV-Schutz an Fock und Großsegel erneuert, Großsegelunterliek repariert
  • Solarpanel: zwei zusĂ€tzliche Panel je 100 Wattpeak auf den Davids (zusĂ€tzlich zu dem 430 WP Panel, dafĂŒr neuen Aluminiumrahmen schweißen lassen. Zwei der vier 100 WP Panel auf dem Bimini erneuert
  • Bimini: repariert, neue Fensterfolie fĂŒr den Blick in die Segel, nachgenĂ€ht und Klett erneuert
  • Navigationsinstrumente: Neuer Monitor am Kartentisch fĂŒr den Bordcomputer, ORCA Navigation (ORCA Core und Display) ergĂ€nzt
  • Unterwasserschiff komplett ĂŒberarbeitet, Schadstellen heruntergeschliffen und neu aufgebaut, ĂŒber alles eine Epoxi-Sperrschicht und 5 neue Schichten Epoxi-Coppercoat
  • SĂ€mtliche Polster im Salon, am Kartentisch und Sitz in der Achterkoje neu bezogen, Umbau der „Runden Ecke“ im Salon auf eckig
  • Waschmaschine neu (im vorderen Bad, Camec II 4 KG)
  • WasserhĂ€hne und Dusch-Armaturen in beiden BĂ€dern neu
  • Herd/Backofen neu (Kardanik in altem Herd war ausgerissen, zudem neu: Grillfunktion)
  • Ocean-Air Rollos repariert, mit neuen Verdunklungsstoffen und neuen MĂŒckennetzen versehen
  • Gardinen im Achterschiff erneuert (selbst genĂ€hte Verdunklungsgardinen)
  • Laufendes Gut: Großsegelausholer erneuert
  • Wassermacher: Ölwechsel, Fitting neu eingedichtet, neue Membran (deren Einbau erfolgt aber erst, wenn wir wieder in klarem Meerwasser sind)
  • Bugstrahlruder: neue Propeller, neues Antifouling im Tunnel
  • Kielnaht erneuert
  • Anoden: neue Zinkanoden an Welle, Propeller, Bugstrahlruder und KĂŒhlschrank (KĂŒhlungen in den BordduchlĂ€ssen der KĂŒchenspĂŒle)
  • Gelcoat: kleinere SchĂ€den im Bereich des Hecks repariert
  • Rumpf poliert (ĂŒber der Wasserlinie)
  • Spiegel in beiden BĂ€dern neu

Eine kleine Auswahl mit Vorher-, Chaos- und Nachher-Fotos:

Die Spiegel sind ĂŒbrigens nach einer kleiner Irrversendung quer durch Neuseeland heute erst hier angekommen. Egal, besser spĂ€t als nie und wir sind ja noch hier. Letzteres allerdings nur, weil quasi in der Nachbarschaft Zyklone (so wird ein Hurrikan auf der SĂŒdhalbkugel genannt) unterwegs sind. Die Zyklonsaison dauert im SĂŒdpazifik regulĂ€r noch bis Ende April. Erst danach wollen wir uns Richtung Fiji aufmachen. Denn jetzt sieht es in den Tropen nördlich von Neuseeland so aus: wĂ€hrend nordöstlich von Australien der tropische Zyklon Maila fast stationĂ€r seine Runden dreht, steuert der tropische Zyklon Vaianu gerade an Fiji vorbei sĂŒdwĂ€rts Richtung Neuseeland. Dabei wird er sich ĂŒber dem kĂ€lteren Wasser abschwĂ€chen (derzeit ist Vaianu in der Kategorie 3 eingestuft), aber nach bisheriger Prognose erwarten wir in Neuseeland zum Wochenende schlechtes Wetter mit extremen RegenfĂ€llen und sehr starken, in der Richtung drehenden Winden. Da bleiben wir lieber noch ein wenig hier im gut geschĂŒtzten Whangārei etwa 30 Kilometer flussaufwĂ€rts der KĂŒste.

Nebenbei sind wir Dauergast in den großen SupermĂ€rkten von Whangārei und stocken jetzt auch schon die langfristigen ProviantvorrĂ€te auf Flora fĂŒr die kommende Saison wieder auf.

Aller guten Dinge sind 
 ?

Am Ende wird alles gut. Wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende!

Nach dem Hinein- und Hinauskranen der Flora am Dienstag war Arbeit an den drei leckenden Seeventilen angesagt und dann am Mittwoch wieder Travellift.

Mittwoch: Same procedure

Leider Murmeltiertag. FrĂŒhmorgens rein, erneut ein undichtes Seeventil feststellen, gleich wieder raus. Wieder ist das Seeventil des achteren WC-Auslasses undicht. Es ist wirklich kaum zu erreichen, im Motorraum eingezwĂ€ngt zwischen dem Volvo, dem vom Vorbesitzer eingebauten Generator sowie dessen Seeventil nebst SchlĂ€uchen und dem Schott zum Bad. Jetzige Diagnose: wahrscheinlich war deshalb beim Einbau (fĂŒr Dienstag) das Seeventil schief auf den Borddurchlass gesetzt. Damit wurde das Gewinde des TrueDesign-Borddurchlasses verletzt, das neue Seeventil (fĂŒr Mittwoch) konnte also wieder nicht dichten. Der Borddurchlass muss ganz raus (also auch neues Coppercoat Antifouling drauf). Akkordarbeit fĂŒr die Handwerker und neuer Krantermin am Donnerstag.

Frust bei uns. Zur BewĂ€ltigung (oder Kompensation?) machen wir eine spontane Gewalttour nach Auckland und zurĂŒck. Unser Ziel ist das „RV Super Centre“, ein riesiges Zentrum fĂŒr neue und gebrauchte Wohnmobile. Was soll das jetzt, geht der Frust so weit, dass wir an eine Landyacht denken?

🧐 . Nein, natĂŒrlich nicht.

Aber im RV Super Centre gibt’s auch einen Zubehörshop und der bietet eine Waschmaschine an, die unserer schon seit Panama irreparabel kaputten Candy 3,5 kg recht nahe kommt. Die Camec RV II 4 kg ist – wie könnte es anders sein – minimal zu groß. Limitierend sind auf der Flora die TĂŒr zum vorderen Bad mit 47 cm Breite, zudem ist das Loch fĂŒr den Einbauort der Waschmaschine (von der Dusche aus) nur 51,5 cm breit und 75 cm hoch.

Die Camec misst 70 x 51 x 49 cm. Wir mĂŒssen sie uns vor Ort anschauen, um zu sehen, ob und ggfs. was demontierbar ist oder ob wir das ganze GehĂ€use auseinander bauen mĂŒssten.

Und so sieht’s dann aus: wenn wir die WaschmaschinentĂŒr abbauen, gewinnen wir etwa zwei Zentimeter. Das wĂ€re einfach und könnte gerade so ausreichen. Schlimmstenfalls mĂŒssten wir die RĂŒckwand auch auseinandernehmen. Allerschlimmstenfalls passt die Maschine dann trotz neuem, etwas kleinerem Holdingtank im gleichen Stauraum immer noch nicht. Puh. Schwierige Entscheidung. Wir riskieren es und kaufen die Waschmaschine. Schließlich war in Panama, den USA, Kanada und Mexiko keine passende zu bekommen, da dort die Stromnetze und somit fast alle ElektrogerĂ€te jeweils auf 110 V 60 Hz und nicht auf die von uns benötigten 230 V 50 Hz ausgelegt sind. Ein Import aus Europa hĂ€tte das Dreifache des Preises der Waschmaschine verschlungen. Außerdem gab es ĂŒberall Waschsalons. Die Inseln im Pazifik: keine vernĂŒnftigen kleinen Maschinen. Also: jetzt hier in Neuseeland, wenn sich irgendeine Chance bietet: nutzen.

Die Camec bleibt allerdings erst einmal im Kofferraum unseres Autos.

Donnerstag: Krantermin zum Dritten!

Wieder hÀngt Flora in den Seilen des Travellifts, wird langsam ins Wasser gelassen und bleibt in den Seilen, bis wir das ok geben.

Mechaniker Byron kontrolliert das vermaledeite Ventil im Motorraum: dicht! Endlich.

Die Seile werden gelöst wir motoren zum Liegeplatz am Steg. Durchatmen. Danach geht Wiebke die Ventile alle noch einmal durch und 
 da ist doch ein Tropfen am Seeventil unter dem Waschbecken im achteren Bad? Trockenwischen, warten. Mist, ein neuer Tropfen bildet sich. Das darf doch nicht wahr sein. Ich schließe das Seeventil, wische alles noch mal trocken, lege drumherum KĂŒchentĂŒcher aus. Sie bleiben um das Ventil des Waschbeckenauslasses herum trocken, aber das Ende am Ventil des Decksablaufes wird etwas feucht.

Byron kommt und prĂŒft. Und prĂŒft. Und prĂŒft. Ergebnis: Borddurchlass und Seeventil sind dicht, bei geschlossenen Seeventilen passiert also nichts, wir können im Wasser bleiben. Die beiden SchlauchanschlĂŒsse oberhalb dieser beiden Seeventile mĂŒssen aber neu abgedichtet werden. Na Klasse. Aber immerhin GlĂŒck im UnglĂŒck: nicht nochmal kranen, dann könnten wir erst nach Ostern wieder ins Wasser.

Aber auch so, dreimal kranen innerhalb von drei Tagen, das ist ein Novum fĂŒr uns. Wenn möglich, möchten wir das auch nicht wiederholen.

(Kar-)Freitag: wir bereiten das Projekt Waschmaschine weiter vor. Ich verlege die SchlĂ€uche im Waschmaschinen-Kabbuff etwas anders, um oben mehr Platz zu schaffen. Messe alles noch einmal aus, zeichne an den WĂ€nden mit Bleistift Markierungen an. Baue die TĂŒr zum Waschmaschinenkabuff und die große TĂŒr vom Salon zum Vorschiff aus. Schraube den Salontisch ab und schiebe ihn ganz zum Sofa. Soviel Platz schaffen wie möglich. Auch das Steuerrad im Cockpit wird ausgebaut.

Ben von der „Kujira“ kommt uns zu Hilfe. KrĂ€ftig und super schlank, das wird helfen. Und tatsĂ€chlich, wir wuchten die Maschine ĂŒber die Reling und ins Cockpit, entfernen die schĂŒtzende Verpackung. Dann die Treppe herunter in den Salon. TĂŒr der Waschmaschine abschrauben. Es klappt, wir kommen durch die TĂŒrdurchlĂ€sse gerade so eben durch. Wir verbinden den Wasserzulauf, binden das Stromkabel und de Abwasserschlauch an die zuvor gezogenen Pilotleinen und zirkeln mit etwas MĂŒhe die 45 Kilogramm der Camec durch die enge Öffnung, wobei sich Ben tatsĂ€chlich noch zwischen Duschwand und Maschine quetschen kann. Drin, passt wie angegossen. WaschmaschinentĂŒr wieder dran, mit Spanngurt herunterzurren, anschließen, fertig.

Flora schwimmt und wir haben sogar wieder eine Waschmaschine. Hurra!

Arbeitsergebnisse – Zwischenstand

Sind wir fertig?

Nein, weder mit den Nerven, noch mit der Bootsarbeit. Eigentlich wollten wir ja schon unterwegs sein und jetzt mit Auto Neuseeland zu bereisen, aber das muss noch warten. Ich hĂ€tte erwartet, dass uns Verzögerungen bei den Bootsprojekten mehr stressen wĂŒrden, aber erstaunlicherweise macht es uns bisher gar nichts aus. Wir machen es uns heimisch im mittlerweile dritten AirBnB in und um Whangārei, erkunden die Umgebung und treiben die Bootsprojekte voran. Als wir beim Wechsel zwischen unseren UnterkĂŒnften einen Tag ĂŒberbrĂŒcken mĂŒssen und dafĂŒr auf die Flora ziehen, hat das einen erstaunlichen Nebeneffekt. Unser Handwerker fĂŒhlt sich motiviert, das temporĂ€re Chaos auf Flora zu verringern und dafĂŒr sogar am Wochenende zu arbeiten.

Die Woche begann aber sowieso schon gut. Endlich kommen die Alu-Schweißer vorbei. Gemeinsam bauen wir das Solarpanel und dessen TrĂ€ger von den Davits ab. Sie nehmen die (zusĂ€tzlichen) beiden neuen Solarpanel ebenfalls mit und machen sich ans Werk fĂŒr den beauftragten neuen Halterahmen.

Außerdem ist unser Bimini repariert. Der Stoff wurde geflickt und verstĂ€rkt, die spröde und rissig gewordene Fensterfolie erneuert, die Klettabdeckungen der ReisverschlĂŒsse nachgenĂ€ht bzw. getauscht. Dadurch können wir auch die jetzt die 400 WP Solarpanel auf dem Bimini wieder nutzen, um so wichtiger, weil ja jetzt die anderen 400 WP auf den Davits gerade abgebaut sind.

Den alten Herd, der uns auf dem Törn nach Neuseeland aus der Halterung gesprungen war und dessen gebrochene AufhĂ€ngung wir notdĂŒrftig repariert hatten, wird durch eine neuere Version ersetzt. Damit haben wir endlich auch die Möglichkeit zusĂ€tzlicher Oberhitze im Backofen.

Dazu diverser Kleinkram. Ein Beispiel: die WasserhĂ€hne im Bad sind ziemlich unansehnlich geworden, das lĂ€sst sich leider auch nicht mehr wegpolieren. Ich hatte neue bestellt, leider sind aber die nötigen Anschlussfittinge trotz Odyssee durch alle in Frage kommenden GeschĂ€fte nicht zu bekommen. Wohl oder ĂŒbel muss ich die alten Anschlussfittinge aufarbeiten und wiederverwenden.

Grausgruselig sieht es um die Edelstahl-Holdingtanks aus. Der Schwarzwassertank der achteren Toilette hatte ja an einer Schweißnaht nadelfeine Löcher entwickelt, mit entsprechend unangenehmen Begleiterscheinungen. Gegen den Ausbau wehrt er sich lange aber am Ende vergeblich. Die Naht neu zu schweißen oder einige Bleche zu verstĂ€rken erweist sich als nicht sinnvoll, wir lassen einen Ersatztank bauen. Sicherheitshalber bauen wir auch den vorderen Holdingtank aus und lassen ihn prĂŒfen. Von außen sieht er noch gut aus, aber die Bleche sind von innen ebenfalls stark korrodiert und extrem dĂŒnn geworden. Also wird auch diese tickende Zeitbombe mit einem neuen Tank entschĂ€rft, außerdem werden bei beiden Tanks auch die SchlĂ€uche und Ventile erneuert. Das beschĂ€ftigt uns und unsere Handwerker lĂ€nger als erwartet, aber der Teufel steckt wie so oft im Detail.

Das Highlight der Woche: die neuen Polster sind da und wir bauen sie gleich ein. Aus der „runden Ecke“ ist eine eckige geworden und auch sonst sind wir von der QualitĂ€t und auch vom Preis begeistert.

Zum Vergleich: runde Ecke (alt) und eckige Ecke (neu):

Und sonst: der Motor ist grĂ¶ĂŸtenteils wieder zusammengebaut, beim Generator fehlt allerdings noch immer eine Dichtung (soll nĂ€chste Woche kommen). Das neue Coppercoat ist ebenfalls fĂŒr nĂ€chste Woche angekĂŒndigt (jedenfalls beim Importeur).

Es wird so langsam. Hoffentlich.

Der Alltag nach der Feier: Starlink Mini und Bootsarbeiten

Was machen wir eigentlich so die ganze Zeit hier in Apia? Das fragen wir uns manchmal selbst, denn die Tage scheinen so schnell vorbei zu fliegen.

ZunĂ€chst mal nutzen wir die Zeit, um von der vergleichsweise guten Versorgungslage zu profitieren. Insbesondere der „Lucky Food“-Supermarkt bietet eine recht gute Auswahl und ĂŒberrascht uns gelegentlich mit lange nicht gesehenem: Brokkoli und Blumenkohl zum Beispiel. Und Lamm – wir kommen Neuseeland nĂ€her. Aber nicht nur Lebensmittel kaufen wir ein. Im „Bluebird – Lumber and Hardware“-Baumarkt finden wir neue wasserabweisende Kissen fĂŒrs Cockpit, diversen Kleinkram und – nicht ausgestellt sondern versteckt in der Glaskabine des Marktleiters – einen neuen Starlink-Mini. Das freut uns ganz besonders. Zwar funktioniert unser Starlink (Gen. II Dishy) an Floras Heck wirklich gut, aber er ist leider extrem energiehungrig. Etwa 10 Ampere verbraucht er pro Stunde, verdoppelt damit ungefĂ€hr unseren Grundverbrauch. Der kleine Starlink Mini sollte sich ungefĂ€hr mit der HĂ€lfte begnĂŒgen, das wĂ€re dann tatsĂ€chlich eine immense Verbesserung. Und zugegeben haben wir uns an die durch Starlink-Satelliten-Internet eröffneten Online-Möglichkeiten selbst an entlegenen Orten und auf hoher See so gewöhnt, dass wir gerne ein Backup hĂ€tten. Der Starlink Mini ist nur etwa so groß wie eine DIN A4 Seite und benötigt keinen zusĂ€tzlichen Router, kann theoretisch sogar ĂŒber einen leistungsstarken USB-C Anschluss versorgt werden. Wir haben ihn hier im Hafen erst einmal provisorisch unter dem Vorschiffsluk platziert und sind mit seiner Leistung mehr als zufrieden.

Allerdings mĂŒssen wir uns fĂŒr den Einsatz auf See noch eine gute Befestigung ĂŒberlegen. Scheibenbefestigungen mit SaugnĂ€pfen gibts zwar online, aber die haben wir hier in den GeschĂ€ften noch nicht gefunden. Improvisation ist mal wieder gefragt.

So auch bei der Reparatur unserer Solarpanel, quasi auf der umgekehrten Seite: wie kommen wir zu Energie.

Auf Bora Bora hatte ja eine 42 kn Böe den nach inzwischen 7 Jahren mĂŒrbe gewordenen NĂ€hten unserer guten SunWare-Solarpanele den Rest gegeben und sie vom Bimini (dem Sonnenschutz ĂŒber dem Cockpit) gerissen. Die Solarpanel selbst sind heil geblieben und funktionstĂŒchtig. Aber der angenĂ€hte Stoff ist bei einem Panel ganz, bei den anderen teilweise abgerissen. Dabei sind auch ein paar Tenax-Knöpfe aus dem Bimini gefetzt und haben Löcher hinterlassen.

Durch den Kunststoffrand der Panel können wir mit unserer einfachen (Haushalts-) NĂ€hmaschine nicht nĂ€hen. Segelmacher können das mit ihren krĂ€ftigen Maschinen, aber leider gibts auf Samoa keinen Segelmacher. Wie so oft ist auch hier die Noforeignland-App eine große Hilfe. Mit ihr machen wir einen Polsterei-Betrieb ausfindig, der auch Notreparaturen an Segeln durchfĂŒhrt. Mit dem Taxi fahre ich zum am Stadtrand gelegenen Unternehmen. Im GepĂ€ck habe ich neben den Panels auch Sunbrella-Stoff fĂŒr die Reparatur.

Joseph probiert zunÀchst in meinem Beisein aus, ob er durch die Panel nÀhen kann. Das klappt, und so lasse ich ihm die Sachen da. Zwei Tage spÀter kann ich sie repariert wieder abholen.

Preiswert ist das Ganze auch noch und so entschließen wir uns, das Bimini nochmal komplett abzubauen und von ihm reparieren und verstĂ€rken zu lassen. Zwei weitere Taxifahrten an den Stadtrand von Apia, aber Taxifahrten sind hier ausgesprochen gĂŒnstig, einfach zwischen 5 und 10 Tala (etwa 1,70 bis 3,30 Euro). Und der Taxifahrer wartet gerne, um auch die RĂŒckfahrt mitzunehmen. Die Tenax-Knöpfe schraube ich vorher ab und schlage sie hinterher neu ein. Das funktioniert gut und so hat Flora wieder eine etwas bessere Energieversorgung.

Insgesamt haben wir theoretisch 830 Wattpeak an Solar, davon 430 durch das große Panel auf den Davits an Floras Heck.

Weitere 400 Wattpeak könnten die Solarpanel auf dem Bimini liefern. Die jetzt wieder einsatzfĂ€higen SunWare-Module steuern ja seit Jahren zuverlĂ€ssig 200 Wattpeak bei. Die semiflexiblen sind zwar nicht ganz so effektiv wie das feste Panel auf den Davits, aber immerhin. Ein ziemlicher Reinfall dagegen sind die (deutlich billigeren) SunBeam-Panel. FĂŒr diese hatten wir erst letzten Oktober in Tahiti von einem Segelmacher eine Befestigung mit ReißverschĂŒssen und Klett auf dem Bimini machen lassen. Aber schon jetzt liefert eines der Panel gar keine Leistung mehr, zudem werden beide Panel an der OberflĂ€che so matt, dass auch die Leistung des zweiten Panels jedenfalls beeintrĂ€chtigt ist.

Da werden wir uns wohl im Winter in Neuseeland auf die Suche nach einem hochwertigeren Ersatz machen mĂŒssen.

Und was gibt’s sonst noch so an Bootsarbeiten? Wir nehmen alle VorhĂ€nge ab, behandeln sie gegen Spak und waschen sie. Danach holen wir uns FingerkrĂ€mpfe beim WiederaufhĂ€ngen, weil gefĂŒhlt hunderte kleine Haken verdeckt durch die Ringe in den Schienen an den Fenstern gefĂ€delt werden mĂŒssen. Und wir betreiben im Motorraum Ursachenforschung fĂŒr die Überhitzung des Generators. Genau genommen schließen wir einige mögliche Ursachen aus. Der Impeller ist ok, die SchĂ€uche sind es auch. Das Leck scheint in der Seewasserpumpe selbst zu liegen und auch der WĂ€rmetauscher muss ausgebaut und gereinigt werden. Wir bleiben also bis Neuseeland wohl erstmal ohne Dieselgenerator, aber das ist nicht weiter schlimm.

Außerdem wird das Schiff mal wieder ausgiebig mit SĂŒĂŸwasser gewaschen, ein Luxus hier am Steg im wasserreichen Samoa.

Langweilig wird uns jedenfalls nicht.

Letzte Tage auf Aitutaki: Vorbereitung fĂŒr die Passage nach Samoa, Palmenromantik, Wattwanderung, Rochen und Kirchengesang

Ein Wetterfenster fĂŒr die Weiterfahrt tut sich auf. Das passt gut, denn am 19. geht schon Elisas Flugzeug von Apia in Samoa. Wir machen also Flora fit fĂŒr den geplanten Aufbruch am Montag. ZunĂ€chst fĂŒllen wir den Dieseltank wieder auf. Eine Bootstankstelle gibt es nicht, aber immerhin ist eine der drei Tankstellen der Insel ganz dicht am Hafen gelegen. Der „Hackenporsche“, ein Art klappbare Mini-Sackkarre, wird aus dem Schrank geholt. Mit ihm können wir unsere zwei jeweils 20 Liter fassenden Diesel-Kanister nach dem BefĂŒllen zum Hafen zurĂŒckbringen. 120 Liter Diesel fĂŒllen wir auf, drei Fuhren also.

Etwas aufwĂ€ndiger ist das AuffĂŒllen des Wassertanks. Von Nachbarbooten leihen wir uns zunĂ€chst Kanister, wieder zweimal 20 Liter. Am GebĂ€ude des Aitutaki Island Council gibt es eine Zapfstelle fĂŒr Trinkwasser. Die QualitĂ€t ist gut, wie uns andere Cruiser bestĂ€tigen. Diesmal sind 9 Fuhren fĂ€llig, wir zapfen 360 Liter Trinkwasser. Das ist trotz des Hackenporsches eine ziemliche Plackerei, schließlich mĂŒssen die Kanister ĂŒber einen holperigen Feldweg zur Pier gezogen und auch jeweils ins Dinghy und von dort ĂŒber die Bordwand zum Tank gewuchtet werden.

Mit dem Papierkram zum Ausklarieren werden wir leider nicht ganz fertig. Wir entrichten zwar wie vorgeschrieben zunĂ€chst die AnkergebĂŒhr (20 NZD, also gut 10 € pro Tag des Aufenthalts), aber das Ausklarieren beim Zoll klappt trotzdem nicht. Der zustĂ€ndige Officer ist krank. Wir können nur hoffen, das es ihm Montagvormittag wieder besser geht, sonst mĂŒssen wir unsere Abreise verschieben.

Als NĂ€chstes machen wir am spĂ€ten Samstagnachmittag dann noch einen „Provision Run“, gehen also Einkaufen. Das darf wörtlich genommen werden, der nĂ€chste Supermarkt mit guter Frischeauswahl ist nicht eben um die Ecke. Es wird ein ĂŒber fĂŒnf Kilometer langer Spaziergang zum 24/7 offenen „Tina & Co“. Allerdings auch ein sehr erfolgreicher, auf dem RĂŒckweg sind unsere RucksĂ€cke unter anderem mit Möhren, Äpfeln, Paprika, Tomaten und Kartoffeln gefĂŒllt. Und der Gang ist nicht nur erfolgreich, sondern auch schön. Auf dem RĂŒckweg setzt die DĂ€mmerung ein, die Sonne geht dramatisch hinter den Palmen westlich der Straße unter.

Die Locals fĂŒgen mit einem Lagerfeuer aus PalmblĂ€ttern und sonstigem GrĂŒnabfall von der samstĂ€glichen GrundstĂŒcksreinigung noch weiteres Flair dazu, auch wenn teils Rauchschwaden die Palmen vernebeln.

Neben der Vorbereitung fĂŒr die Weiterfahrt bleibt auch noch Zeit fĂŒr den Besuch „unserer“ Sandbank in der Lagune, diesmal ist es fast eine Wattwanderung dort.

Und fĂŒr weitere SchnorchelgĂ€nge am Riff. Die Gefleckten Adlerrochen haben es uns besonders angetan. Gleich unglaubliche 13 dieser eleganten Unterwasser-Flieger ziehen uns in einem der Riff-Canyons entgegen.

Kleines Video dazu:

Um nicht immer nur die „Großen“ zu zeigen, hier noch ein vorwitziger Langnasen-Doktorfisch vom gleichen Schnorchelplatz:

Am Pfingstsonntag reihen wir uns in die Schar der KirchgĂ€nger ein. Wir entscheiden uns fĂŒr die ZIONA TAPU Church oberhalb des Hafens.

Die 1853 aus Korallenkalksteinen gebaute Kirche hat keinen Turm und ist mit dem mittig an der Westseite des langen Kirchenschiffs platzierten Altar auch sonst außergewöhnlich.

Frauen tragen hier beim Kirchgang zumeist Hut, mal blumenverziert, mal nicht. Freie Schultern sind verpönt, wir wussten das aber vorher und sind vorbereitet.

(FĂŒr bessere Auflösung kann wie immer auf die kleinen Bilder geklickt werden)

Oder Ihr schaut Euch das Video an, dann bekommt Ihr (Ton an) auch einen Eindruck vom Gesang.

Ein Sonntag in Aitutaki.

Tag 2 der Passage zu den Cook Inseln

Zwischenstopp auf Maupiha‘a. Wir haben zwar in Bora Bora ausklariert und sind zu den Cook Inseln aufgebrochen, aber eine kleine Komplikation gibt es dann doch noch. Der Dieselgenerator quittiert den Dienst mit der Fehlermeldung „Motor Temp“. Die Nachschau unter der Schallschutzhaube zeigt eine ziemliche Sauerei: offenbar ist Salzwasser herumgespritzt und auf dem heißen GehĂ€use verkrustet. Sieht nach einem heftigen Problem mit der Seewasserpumpe des Generators aus.

Das ist doppelt blöd. Zum einen haben wir dafĂŒr kein Ersatzteil, zum zweiten kommt der Defekt zur Unzeit, weil ja auch ein Teil unserer Solarpanel derzeit nicht einsatzfĂ€hig ist. Stromsparmodus ist angesagt. Dramatisch ist das nicht, die KĂŒhlschrĂ€nke bleiben an, der Autopilot auch. Immerhin haben wir noch 500 WP an Solar, den Windgenerator und natĂŒrlich zur Not auch noch die Lichtmaschine vom Motor.

Wir machen einen Zwischenstopp auf Maupiha‘a, einem kleinen Atoll etwa 130 Seemeilen westlich von Bora Bora. Der Generator wird soweit möglich von der Salzverkrustung befreit und der Schaden nĂ€her begutachtet. Das Problem könnte von einem Defekt der Dichtung an der Welle der Seewasserpumpe herrĂŒhren, nĂ€heres lĂ€sst sich so noch nicht sagen. Auch nicht, ob FolgeschĂ€den durch Überhitzung aufgetreten sind.

Hilft ja jetzt nix. Zur Ablenkung genießen wir das wunderschöne Maupiha‘a.

Morgen geht’s dann gleich wieder weiter. Der mit nur zwanzig Metern Durchfahrtbreite extrem enge und ziemlich strömungsreiche Pass wird uns hoffentlich genauso problemlos wieder aus dem Atoll herauslassen, wie wir (bei drei Knoten Gegenstrom) hereingekommen sind.

Und dann sollten es etwa 60 Stunden Fahrt bis nach Aitutaki auf den Cook Inseln sein, sofern alles glatt lĂ€uft. Wind- und Wellenvorhersage sehen gut aus. Wegen des Stromsparmodus wird das Starlink meistens aus sein, Positionsupdates (und natĂŒrlich auch BlogbeitrĂ€ge) können sich also eventuell ein bisschen verspĂ€ten.

Bora Bora mit Hindernissen. Probleme mit den Pumpen.

Es ist ein chaotisches Auf und Ab wie bei den brechenden Wellen auf dem Riff. Eigentlich wollten wir schon lÀngst in Bora Bora sein. Aber nein, zunÀchst mal hat die Technik etwas dagegen.

Die vordere Toilette (in Elisas Bad) macht seltsame GerĂ€usche. Sollte die Zerhackerpumpe etwa wieder den Geist aufgeben? Das wĂ€re blöd, im Moment haben wir dafĂŒr keinen Ersatz mehr an Bord. Bevor ich das WC auseinandernehme (eine Sch
-Arbeit!) prĂŒfe ich sicherheitshalber, ob die Duschabsaugpumpe funktioniert, die bei der zu erwartenden Sauerei immerhin den flĂŒssigen Sumpf im Bad trockenlegen wĂŒrde. Das gibt’s doch nicht. Vor ein paar Tagen hat sie noch funktioniert, jetzt verweigert sie den Dienst. Diese einfache Pumpe ist eigentlich extrem unanfĂ€llig. Aber, hilft ja nix:

Bootsyoga ist fĂ€llig, um die hinten im unteren Schrankfach versteckte Pumpe abzubauen. Auseinandernehmen, sĂ€ubern, zusammensetzen, mit weiterem Bootsyoga wieder einbauen. Funktioniert wieder. Ok, dann können wir uns jetzt ums WC kĂŒmmern. Erst mal den Schlauch zwischen Zerhackerpumpe und Seeventil ausbauen. Der endet im gleichen Schrank und der ist ja jetzt jedenfalls schon mal leer gerĂ€umt. Hm, ein paar kleinere Verstopfungen, immerhin nicht ganz dichtgesetzt. Außenbords ausschlagen, durchspĂŒlen, sieht wieder frei durchgĂ€ngig aus. Nach Einbau hört sich das Bordklo auch wieder besser an, aber Tropfen an der Zerhackerpumpe sorgen trotzdem noch fĂŒr Bedenken. Kriegen wir auf Raiatea vielleicht Ersatz? Immerhin gibt es einen kleinen BootsausrĂŒster-Laden. Nur: der hat Sonntags natĂŒrlich nicht offen.

Trotzdem, wir verholen von Taha‘a nach Raiatea. Sind gleich Montag frĂŒh beim BootsausrĂŒster, aber der hat kein passendes Ersatzteil, kann auch nicht kurzfristig aus Papeete eins fĂŒr unsere elektrische Toilette besorgen. Dann halt nicht. Ein Schlechte-Laune-Tag. Wir kaufen noch ein paar Lebensmittel im gut sortierten Supermarkt ein, dann folgt der nĂ€chste Startversuch nach Bora Bora.

Weit kommen wir nicht. Es ist dann doch schon wieder etwas spĂ€ter geworden und als auch noch schlechtes Wetter aufzieht und gleichzeitig die Frischwasserpumpe ihren Dienst einstellt, legen wir uns kurzerhand bei der Perlfarm im SĂŒdwesten von Taha’a an eine Boje. Die nĂ€chste Pumpe! Diesmal im Motorraum. Zum GlĂŒck stellt sich heraus, dass nur der Vorfilter der Pumpe ein kleines Leck hat und Luft zieht. Ersatz ist an Bord, dieses Problem scheint erledigt. Wir schnaufen erstmal durch. Tut uns ganz gut und zum Abend schaut sogar die Sonne wieder heraus. Ein gutes Zeichen?

Scheinbar ja, denn am nĂ€chsten Tag hat sich das Wetter spĂŒrbar gebessert. Statt in strömendem Regen segeln wir nun bei bestem Gennakerwetter die rund dreißig Meilen von hier sĂŒdlich um Bora Bora herum zum dortigen Pass und weiter zum Bojenfeld am Motu Toopua.

Das Riff um Bora Bora prÀsentiert sich dabei durchaus imposant 



 aber die Passdurchfahrt ist dann völlig unproblematisch und der Ankerplatz einfach traumhaft.

Angekommen auf Bora Bora. Geht doch.

Verwöhnprogramm auf Fakarava

Restaurantbesuche sind derzeit selten fĂŒr uns. Kein allzu großes Wunder, schließlich sind wir auf den Tuamotus ja zumeist doch in ziemlich abgelegenen Ecken unterwegs und die BordkĂŒche auf der Flora 
 mmmh.

Aber das Fakarava-Atoll ist eben ein bisschen touristischer. Das hat den Vorteil, dass zum Beispiel in der Havaiki Lodge auch dieser von uns fast schon vergessene Luxus angeboten wird, sich gegen (vertretbare) Bezahlung einfach an einen Tisch zu setzen und sich fertig zubereitete Speisen servieren zu lassen. Das Ganze auch noch mit herrlichem Ausblick. Und nicht mal den Abwasch mĂŒssen wir erledigen.

Das gönnen wir uns gleich zweimal, erst allein und dann noch einmal mit Jill und Michael von der Gerty. Schließlich mĂŒssen wir auf Fakarava die Wartezeit bis zur Ankunft des Versorgungsschiffs ĂŒberbrĂŒcken. Dann aber sind die bordeigenen VorrĂ€te auch wieder mit Frischwaren aufgefĂŒllt, eine Bananenstaude baumelt am Achterstag, die KĂŒhlschrĂ€nke und Obstnetze sind gut gefĂŒllt.

Noch ein letzter (vorerst) Spaziergang durch den Ort Rotoava und ein bisschen ĂŒber die Insel. Schnuppern an ĂŒppig blĂŒhenden Bougainvillea, sich vom Flaschenbaum und bunten Perfarmbojen-BĂ€umen irritieren lassen 



und mit der Schaukel schon mal auf die anstehende Amwind-Passage nach Tahanea vorbereiten.

TschĂŒss, Fakarava.

Update Tahanea

Nicht zu fassen, wir sind schon seit einer Woche im Tahanea-Atoll. Vom ersten Ankerplatz am Pass haben wir die Flora nach zwei Tagen in den SĂŒdosten des Atolls verholt, denn inzwischen hat sich relativ konstant östlicher Wind eingestellt.

Fast unnötig zu erwÀhnen, auch dieser Ankerplatz ist schlichtweg traumhaft:

Wir verbringen ruhige Tage mit Schnorcheln, SUP, Wingfoilen 



 und einigen Arbeiten dazu. Leider ist der Schlauch (=Bladder) im Strut geplatzt. Das ist der mittlere Teil des Wingfoils, an dem auch die Griffe befestigt sind. Unsere Freundin Katrin wird in gut zwei Wochen zu Besuch kommen, sie bringt Ersatz mit. Bis dahin allerdings möchte ich nicht warten. Zum GlĂŒck lĂ€sst mich Ralph von der Lille Venn nicht nur seinen Wing benutzen, sondern zeigt mir auch, wie ein Bladder repariert werden kann. Bei einem kleinen Loch wĂ€re das vergleichsweise einfach. Bei der an einer Schweißnaht geplatzten Bladder allerdings zeigen sich unsere gemeinsamen Reparaturversuche zunĂ€chst von eingeschrĂ€nktem Erfolg. Ich kann den Wing wieder benutzen, muss ihn aber alle zehn Minuten wieder aufpumpen. Nicht sehr praktikabel. Erst nach dem fĂŒnften Reparaturversuch (zweimal Schweißen mit dem Vakuumierer, dreimal Flicken aufkleben und eine Nacht trocknen lassen) ist – oh Wunder – die Bladder tatsĂ€chlich wieder dicht.

Zwei andere Reparaturen beschÀftigen uns ebenfalls einige Zeit. Beide betreffen die Elektrik auf Flora, nicht eben unsere SpezialitÀt.

Zum Einen verweigert unser AIS mal wieder die Sendefunktion. Es zeigt uns zwar die Positionen der anderen Boote um uns herum (so sie mit AIS ausgerĂŒstet sind) wunderbar an, wir selbst senden aber nicht, obwohl wir den Sendemodus eingeschaltet haben. Die Fehlersuche fördert eine im Plus-Kabel zusĂ€tzlich verbaute Sicherung zu Tage, bei der zwar der Sicherungsfaden noch intakt ist, das GehĂ€use jedoch ziemlich angeschmolzen.

Austausch des Kabels nebst Sicherungshalterung und Sicherung: unser AIS sendet wieder.

Nicht ganz so einfach lĂ€sst sich das zweite Problem beheben, das zudem auch schwerwiegender ist: nachdem unsere beiden KĂŒhlschrĂ€nke zuletzt immer mal wieder zickten (die unter dem Bodenfach in einem Schrank in der Pantry eingebauten Kompressoren sprangen kurz an, gingen aber binnen weniger Sekunden wieder aus).

Nach einiger Zeit funktionierten sie dann aber wieder. Jetzt jedoch quittieren zeitgleich beide KĂŒhlschrĂ€nke komplett ihren Dienst. Gar nicht gut. Wir vermuten einen Zusammenhang mit einem Fehler im elektronischen Schaltpanel des EmpirBus-Systems, denn das lĂ€sst uns derzeit die MotorraumentlĂŒfting nicht einschalten und die KĂŒhlschrĂ€nke nicht ausschalten, diese beiden Schalter sind in ihrer Funktion „eingefroren“, alle ĂŒbrigen Schalter funktionieren zum GlĂŒck noch.

Auch hier warten wir auf Katrin, sie wird ein Ersatzpanel im GepĂ€ck haben. Aber auf die KĂŒhlschrĂ€nke können wir bis dahin nicht verzichten.

Probehalber verlegen wir direkt von der Batterie eine Stromleitung zu den Kompressoren. Die Plus-Leitung bringt keine Besserung, aber als wir die Minusleitung verlegen (und damit den Schalter am Panel ĂŒberbrĂŒcken) laufen beide KĂŒhlschrĂ€nke wieder normal, auch die Thermostate funktionieren. So weit, so gut. Aber bei der „fliegend“ durch das Schiff verlegten provisorischen Leitung kann es natĂŒrlich nicht bleiben, das Kabel muss ordentlich durch KabelschĂ€chte unter den Bodenbrettern verlegt werden. Also Bodenbretter von der KĂŒche durch den Salon, am Kartentisch vorbei und in der AchterkajĂŒte los schrauben, drunter sauber machen, Kabel durchfummeln und befestigen, alles wieder verschrauben.

Immerhin, wir haben wieder kĂŒhle GetrĂ€nke und die empfindlichen Lebensmittel bleiben haltbar. Puh.

😅

Ein Pizzaabend auf der Easy-One mit den Crews auch von der Lille Venn und der Free Fall hebt die Laune ebenfalls.

Und ein kleines bisschen kann ich mich revanchieren, als ich im Mast der Easy-One das stehende Gut kontrolliere.

Zur Belohnung fĂŒr die kleinen Arbeitseinheiten im sonst wirklich entspannten Atoll-Leben:

Mit einem kĂŒhlen Sundowner aus dem jetzt wieder funktionierenden KĂŒhlschrank lassen sich die abendlichen Wolkenformationen und die Farbenspiele am Himmel doch einfach noch besser genießen!

Fakarava

Fakarava ist das zweitgrĂ¶ĂŸte Atoll der fast 80 Atolle der Tuamotus. so weit, so gut. Aber was kann man sich darunter vorstellen? Das schmale Ringriff von Fakarava ist ĂŒber 150 km lang, die dadurch gebildete Lagune hat eine FlĂ€che von fast 1.200 Quadratkilometern. “Ringriff” ist dabei ein bisschen irrefĂŒhrend, tatsĂ€chlich hat die Lagune eine annĂ€hernd rechteckige Form von 60 km LĂ€nge und bis zu 25 km Breite.

Etwa 800 Menschen leben auf Fakarava, die weitaus meisten davon im Hauptort Rotoava in der Nordostecke des Atolls. Und dort ankern wir derzeit.

Auch an ruhigen Tagen ist der Pazifik immer noch bewegt, der Ozeanschwell brandet außen auf das Riff. Drinnen im Atoll aber kann die WasserflĂ€che spiegelglatt sein. Ein phantastischer, fast schon unwirklicher Anblick, wenn die Reflexion der Wolken auf der Lagune den Horizont verschwimmen lĂ€sst.

Es ist kaum zu glauben, wie schmal das Ringriff wirklich ist, das steil aus dem hier ĂŒber 1.000 m tiefen Pazifik empor wĂ€chst und die selbst an den tiefsten Stellen kaum 30 m flache Lagune abgrenzt.

Fakarava ist eines der touristisch am intensivsten erschlossenen Atolle der Tuamotus. Selbst Kreuzfahrtschiffe laufen es gelegentlich an, der breite und tiefe Nordpass macht das möglich. Immerhin, wĂ€hrend wir hier sind, sehen wir das kleinere Kreuzfahrtschiff “Paul Gaugin” und es lĂ€uft auch die Aranui 5 ein. Sie ist ein eigenartiges Kombi-Schiff, das von Tahiti aus sowohl als Versorgungsschiff GĂŒter auf verschiedene Inseln Französisch Polynesiens bringt und zugleich auch auf der von ihr gefahrenen Route bis zu 230 Passagiere auf 12tĂ€gige Kreuzfahrten mit dem Komfort eines Cruise-Liners beglĂŒckt.

Vorne Container und LadekrÀne, hinten Kreuzfahrtschiff mit Pool auf dem Achterdeck. Das Kombi-Schiff Aranui 5

Das eigentliche Versorgungsschiff fĂŒr Fakarava kommt einen Tag spĂ€ter an. Anders als die in der Lagune ankernde Aranui 5 legt die viel kleinere Cobia 3 an der Pier des Ortes an. Wir fahren mit der Flora zum Tanken an die nahe Bunkerpier, haben also einen Platz in der ersten Reihe:

Und wir haben viel Zeit, das Schauspiel des Ent- und Beladens der Cobia 3 zu beobachten, denn wir erfahren, dass wĂ€hrend dieser Zeit die Tankstelle geschlossen ist. Eigentlich ist das kein Wunder, denn auf der Pier scheint sich die halbe Dorfgemeinschaft zu versammeln. Es ist, als hielte der Ort inne, alles andere wĂŒrde stillstehen, durchatmen und die ganze GeschĂ€ftigkeit auf das Versorgungsschiff konzentrieren. Der Parkplatz an der Pier ist gut gefĂŒllt, auf den LadeflĂ€chen der Pickups und selbst auf mitgebrachten CampingstĂŒhlen wird geduldig gewartet. Der Schiffskran setzt große Metallkörbe voller Pakete ab, die dann von Gabelstaplern zum Parkplatz gebracht werden. Und dann beginnt das eigentliche Gewusel, bei dem die Pakete zugeordnet werden.

Und natĂŒrlich sind es nicht nur Pakete. Lebensmittel fĂŒr die drei kleinen SupermĂ€rkte und fĂŒr die Ressorts, Diesel fĂŒr die Tankstelle, 



 Gasflaschen, FahrrÀder, ein Auslegerkanu, und dann noch dies und noch das werden entladen.

Leergut, aber auch Kopra (getrocknetes Kokosnussfleisch) in SĂ€cken wandert dafĂŒr auf das Schiff.

WĂ€hrend einige Crewmitglieder der Cobia 3 das mit Helm und Sicherheitsschuhen das Entladen und Verteilen orchestrieren, genießen andere eine Pause im Schatten und schauen sich das Gewusel vom Deck aus an:

Als das Entladen beendet ist, leert sich die Pier. Jetzt öffnet auch die Tankstelle wieder (die Autozufahrt war bis dahin ja ohnehin blockiert) und Flora kriegt ihren Dieseltank wieder voll gefĂŒllt.

Fakarava Yacht Services meldet sich per WhatsApp: unsere 12 kg Gasflasche ist aufgefĂŒllt (wenn auch fĂŒr happige 6.600 XPF/ 55 Euro) und die WĂ€sche ebenfalls fertig.

Der Shop in der Tankstelle ist einer der drei kleinen SupermĂ€rkte. Er hat jetzt schon wieder frische Ware zu bieten und so kommen auch wir zu frischem GemĂŒse und Obst. Wir holen noch Bargeld am Automaten an der Post. Fein. Alle Jobs in Fakarava sind erledigt, wir sind wieder ausgerĂŒstet.

Mit den Crews der Arvonna und Halley fahren wir danach trotzdem zum Lunch ins Restaurant in der Havaiki-Lodge, schließlich mĂŒssen unsere gerade erworbenen Lebensmittel- und Gas-VorrĂ€te ja noch möglichst lange halten 😉.

Und – das letzte Bild deutet es ja schon an – auf dem RĂŒckweg beginnt es zu regnen. Das ist wohl nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns die nĂ€chsten Tage und insbesondere am nĂ€chsten Wochenende erwartet. Eine ausgeprĂ€gte Schlechtwetterfront soll dann ĂŒber die Tuamotus ziehen. Aber noch ist es nicht soweit, nur ein wenig wechselhaft.