Diesel tanken auf Galápagos

Vor dem nächsten, noch nicht gleich aber eben doch bald anstehenden seeeehr langen Schlag wollen wir unseren Dieseltank wieder füllen. Der Ultimate gehts genauso.

O.k., eine Bootstankstelle mit Ponton oder Kai gibt es nicht, es gibt ja nicht einmal einen Fähranleger. Die kleine Fähre nach Santa Cruz ankert wie wir im Naturhafen, die Fahrgäste werden dann mit dem Taxiboot hinüber gebracht. Einen Dinghysteg gibts übrigens auch nicht, die Dinghys würden ja auch gleich von den Seelöwen besetzt werden, das will keiner.

Ich hatte schon gelesen, dass das Betanken aus Fässern bzw. großen Kanistern erfolgt. Immerhin müssen wir den Diesel nicht mit unseren 20-Liter-Ersatzkanistern von der Straßentankstelle holen, das wäre bei den benötigten 200 l doch ein ziemlicher Aufwand. Aber sollen wir aus den Fässern erst in Kanister umfüllen und von da aus in den Bootstank? Oder direkt per Schüttelpumpe (aber da wäre jedenfalls der Schlauch unserer Pumpe vielleicht etwas kurz)?

Wir fragen unseren Agenten Danny, ob wir das besser hier auf San Christobal oder vor dem Ausklarieren in Santa Cruz machen sollten. Klare Antwort: weit besser hier, hier sei es zertifiziert und und durch den geringeren Schwell auch einfacher. Und er beruhigt uns auch hinsichtlich des Vorgangs.

Tatsächlich funktioniert das Betanken dann viel einfacher und unproblematischer als gedacht. Danny organisiert es und kommt mit einem Wassertaxi voller großer Kanister (jeder fasst 16 Gallonen, also etwa 60 Liter) längsseits an die Flora.

Eine mobile Dieselpumpe hat er auch dabei. Der Diesel wird aus den Fässern (durch einen Filter) in einen durchsichtigen Schlauch gepumpt, der wiederum in einer ganz normalen Zapfpistole endet.

Drei große blaue Kanister (3 x 16 Gallonen) und einmal extra abgefüllte 5 Gallonen werden ratzfatz umgepumpt und unser vorher halb leerer Tank ist wieder randvoll mit Diesel. Super.

Der ganze Tankvorgang einschließlich Lieferservice kostet 253 US$ für die 200 Liter, also bei heutigem Umrechnungskurs 229 Euro bzw. 1,145 € pro Liter 😊.

Mola, Bananen, Kokosnüsse (und Inseln wie auf der Fototapete)

Der Ankerplatz vor Green Island ist gut besucht, in mehrfacher Hinsicht. Zum einen haben sich etwa 10 Segelboote eingefunden:

Das ist leicht verständlich, denn der Platz ist sehr geschützt. Er liegt quasi in der zweiten Reihe, weiter draußen halten die Cayos Coco Bandero schon einiges ab, der verbleibende Schwell wird vom inneren Riff direkt bei Green Island dann noch einmal zusätzlich aufgehalten. Und so liegt die Flora auf einer fast glatten Wasserfläche. Ententeich, wir blasen sogar die SUPs auf und paddeln auf ihnen einmal um die Insel. Auch das Schnorcheln ist in dem wenig bewegten Wasser mit seinen vielen lebenden Korallen und bunten Rifffischen toll, nachdem wir denn erst einmal die richtige Stelle mit steil abfallendem Riff gefunden haben.

Nicht zuletzt wohl wegen der vielen Ankerlieger stellt sich auch weiterer “Besuch” ein, auch wenn die mit ihren Kanus vorbeikommenden Kunas hier natürlich zu Hause sind. Molas werden uns von dem ersten Boot angeboten. Wir haben schon ein paar, aber Venancios Molas hat uns Andrea (von der Akka) besonders ans Herz gelegt. “Master Mola Maker!” Außerdem hatten wir auf den Lemon Keys Venancios Bruder getroffen, Venancio spricht uns gleich mit unseren Namen an.

Als einer von nur ganz wenigen Männern unter den Mola-Künstlern ist er seit über dreißig Jahren eine Ausnahme von der Regel, dass die Molas von Frauen gefertigt werden. Es ist kein reines Verkaufsgespräch. Venancio zeigt sich interessiert und auch wir erfahren einiges über ihn und seine Familie, z.B dass sie mit 18 Familienmitgliedern im Haus seiner Mutter leben und alle in Hängematten schlafen. Nur eine Schwester lebt in Panama-Stadt, die gesamte übrige Familie lebt in Guna Yala.

Quasi nebenbei wird Floras Cockpit zur Galerie, eine Mola nach der anderen bekommen wir gezeigt. Nur wenige schaffen es auf unsere “Vielleicht”-Shortlist (denken wir). Aber dann werden es doch mehr und mehr.

Als wir am Ende die “Shortlist” ausbreiten, ist das Cockpit doch wieder voll.

Die Besonderheit bei den handwerklich aufwändigen Mola besteht darin, dass die verschiedenen Farben im Wesentlichen aus den übereinander liegenden verschiedenfarbigen Stoffen in Durchbrüchen herausgearbeitet werden. Nur feine Details werden danach noch aufgestickt. Je kleiner die Zieselierungen, je mehr Ecken und Winkel, je mehr Farben, um so aufwändiger. Gar nicht so einfach, sich zu entscheiden und in die Preisverhandlung einzusteigen. Aber wir haben die Worte anderer Segler noch im Ohr, sie bereuten nur, nicht noch mehr gekauft zu haben. Also unterstützten wir die lokale Wirtschaft 😊. Acht Mola wechseln den Besitzer.

Das nächste Kanu hat die leckeren Kuna-Brötchen im Angebot, das ist dann billiger (vier Stück ein Dollar).

Und dann kommen Bananen:

Diese hier ähneln eher den auch in Deutschland immer beliebter werdenden “Baby-Bananen”. Sie sind nur ungefähr fingerlang und haben eine deutlich dünnere Schale.

Für fünf Dollar hängt kurz darauf eine kleine halbe Staude an unserem Windgeneratormast. Wobei, das geht nur einen Tag gut, solange sie noch grün sind. Wenn sie reif werden, finden auch Vögel und Fledermäuse Interesse an den Früchten.

Auch uns schmecken sie richtig gut, sehr süß, überhaupt nicht mehlig, und bei dieser Sorte mit einer leichten Zitrusnote.

Beim Lobsterkanu machen wir diesmal den Fehler, unsere Tauchtausche (=Netztasche) hinunter zu reichen und den Lobster nicht selbst hineinzustecken. Die Tasche hängen wir erstmal außenbords ins Wasser. So stellen wir erst am Abend fest, das man uns ein eiertragendes Weibchen verkauft hat. Gut für die Lobsterdame, die sich in wiedererlangter Freiheit jetzt nur eine neue Höhle in ungewohnter Umgebung suchen muss. Künftig: Augen auf beim Lobsterkauf!

Was an uns vorbeigeht, aber nicht an Susan und Holger auf der Ultimate: das Kokosnuss-Kanu. Durch ein Missverständnis kaufen sie gleich zweimal mehrere Kokosnüsse, ein Glück für uns. Mit Machete, Tupperdosen und Kleinwerkzeugen wie Messer und Löffel geht es zu viert hinüber nach Green Island und das Kokosnuss-Schlachten beginnt. Am Strand, stilecht unter Palmen. Und in alten Klamotten oder Badesachen, weil Kokosnusswasser ziemlich schwer entfernbare Flecken machen kann.

Noch einen weiteren Tag verbringen wir vor Green Island, schnorcheln, fahren die Stand Up Paddleboards und nutzen das leidlich gute Internet, um in den Spanisch-Lektionen bei Duolingo deutlich voranzukommen (bin im September angefangen und jetzt fast durch). Das macht die Kommunikation hier doch deutlich einfacher.

Und dann gehen wir ankerauf, nur um uns kurz darauf wieder in den Coco Bandero an einen einsameren Ankerplatz zu legen. Diesmal wählen wir die westlichere Inselgruppe, außer der Flora ist nur ein anderes Boot dort. Der Schutz der Insel Orduptarboat direkt hinter im Außenriff ist zwar nicht ganz so gut, es hat etwas mehr Schwell, aber der breite Sandstrand der Insel, das Rauschen der Brandung und die Farben des Riffs wiegen das locker auf.

Ein Kanu ist bisher noch nicht vorbei gekommen. Auch so:

Pura Vida.

Isla Boca

Eigentlich heißt sie Isla de Colon, aber in immer mehr Karten taucht sie als Isla Boca auf. Wohl, weil hier der Hauptort Boca Town liegt, vielleicht auch weil sich hier der Anlaufort für die Fähre und auch der kleine Flughafen befinden, die eben sozusagen das ganze Bocas del Toro Archipel abdecken.

Wir mieten uns Fahrräder, um die knapp 14 km lange uns 7 km breite Hauptinsel zu erkunden. Uns werden E-Bikes mit dicken Ballonreifen empfohlen. Ein nettes Gimmik? Nein, das hat schon seine Berechtigung. Die zwei Straßen sind vielfältig, aber meist eher schlecht 😉. Schlaglöcher im Asphalt, längere Schotterstrecken und – da machen die dicken Pneus sich richtig gut – auch Sandpisten. Und der kräftige Elektroantrieb hilft uns auch mehr als gedacht. Auf der Strecke von Bocas Town nach Bocas del Drago geht es längs auf dem Inselrücken entlang und dabei unerwartet oft und steil die Hügel hoch. Das hat aber auch zur Folge, das die Vegetation mehrfach wechselt. Die Palmen werden mehr und mehr durch hohe Bäume abgelöst, dazwischen immer wieder Weiden mit Kühen. Dann wieder wilde Bananenstauden am Straßenrand („Panama riecht von oben bis unten nach Bananen“ sagt der Bär zum Tiger in Janoschs Klassiker Oh wie schön ist Panama. Wir treffen mehrere Staßenbaukolonnen, die die wuchernden Bananenstauden zurechtstutzen.

Die Luftwurzeln des gleichen Baumes nochmal aus anderer Perspektive
Kuhweide

Aber an unserem ersten Ziel, Boca del Drago, sind wir wieder am Strand angekommen. Und an was für einem:

Boca de Drago ist die Einfahrt in das Archipel, die wir bei unserer Ankunft mit Flora genommen haben.

Hier ist die Straße zu Ende, zu Fuß gehen wir aber noch etwa 2 km weiter zum Playa Estrella, dem Strand der Seesterne. Lanchas bieten ihre Dienste an, aber wir verzichten auf die Bootstaxis. Wir haben gehört dass die Wanderung schön sein soll. Das ist sie denn auch ohne Zweifel. Mal direkt an dem fast immer palmengesäumten Ufer entlang, mal etwas schattiger ein kleines Stück hinter dem Strand windet sich der schmale Pfad.

Und immer wieder gibt es tolle Ausblicke.

Der Seesternstrand ist dann zwar schön, aber auch ziemlich mit Hütten zur touristischen Versorgung bestückt. So genehmigen wir uns hier nur einen Drink und dann gehts zurück. Auch mit den Fahrrädern, denn die Straße ist im wesentlichen eine Sackgasse. Erst kurz vor Boca Town biegt eine weitere Straße (also: die andere) ab und führt an die Nordküste der Insel.

Auch die lassen wir uns nicht entgehen, zu gerne wollen wir sehen, warum es die Wellenreiter hierhin zieht. Erst einmal aber entdecken wir andere Gleichgewichtskünstler. Eine Familie Mantelbrüllaffen zieht über uns durch die Bäume am Weg.

Dann aber haben wir die Surfer-Strände erreicht. Der Wind ist eher mau heute, aber offenbar reicht die Brandung trotzdem:

Also ab in die Surfer-Bar am Paunch Beach, noch ein bisschen schauen und lecker essen. Wir sind nämlich trotz E-Bike ziemlich geschafft. 44 Kilometer Radfahrt und 4 km Wandern werden es am Ende sein. Und das mit unseren inzwischen offenbar verweichlichten Seebeinen 😚.

Am nächsten Tag ist eher „Hausarbeit“ angesagt. Unsere Waschmaschine gibt leider gleich beim ersten Waschgang den Geist auf. Grr. Die Trommel scheint nicht frei zu drehen. Wir wuchten die Maschine aus ihrem engen Schrank im vorderen Bad und nehmen sie auseinander.

Zum Laufen bekommen wir sie nicht, aber immerhin können wir die Spezifikation des wahrscheinlichen Übeltäters, nämlich des Lagers der Trommel ausmachen. Wenn wir das Lager bestellen, könnte es in 7 bis 10 Tagen hier sein und ein örtlicher Mechaniker könnte es wechseln. Vielleicht.

Zeitangaben sind hier in Panama mit etwas Vorsicht zu genießen. Unsere Cruising Permit haben wir beantragt. Ich sollte in ein bis zwei Tagen vorbeikommen, dann sei es eingegeben und könnte (nach Bezahlung) übermittelt werden. Heute war ich wieder da. Nee, geht leider noch nicht. Das Internet im Büro funktioniert nicht. Meine Nachfrage ergibt: hat es auch die ganze letzte Woche schon nicht getan. Aber man arbeitet daran. Auch das ist …

Pura Vida.

Das amerikanische Venedig

The Venice of America. Diesen Beinamen trägt Fort Lauderdale wegen der über 160 Meilen von Flüssen und Kanälen im Stadtgebiet. Der Ort selbst ist mit nur knapp 200.000 Einwohnern gar nicht so groß, aber die Zahl täuscht immens. Zum einen, weil schon das erweiterte Stadtgebiet, die Metropolregion Fort Lauderdale, auf etwa 2 Millionen Einwohner kommt. Aber auch das ist kaum abzugrenzen, die Region geht unmittelbar in die Metropolregion Miami über und in dieser auf. Die macht dann schon deutlich über sechs Millionen Einwohner aus.

Beides, sowohl das überschaubar mittelstädtische als auch das metropolhafte, finden sich im Stadtbild und damit auch in den prägenden unzähligen Wasserläufen wieder.

Wir bekommen in Fort Lauderdale Crew, Jan fliegt aus Hamburg ein und wird uns bis Mexiko begleiten. Schon bevor er ankommt besuchen wir mit dem Dinghy Jans Cousin Frank, der hier in Fort Lauderdale lebt. Etwa viereinhalb Meilen schlängeln wir uns mit Florecita durch die Kanäle und den New River, fahren dabei durch edle Wohngegenden und auch mitten durch die Hochhausschluchten von Downtown. Genau an diesem Tag findet die große weihnachtliche Bootsparade auf dieser Strecke statt. “Winterfest” wird sie abgekürzt genannt, mit vollem Namen: “The Seminole Hard Rock Winterfest Boat Parade” 😁

Schon auf der Hinfahrt fallen uns viele oft skurril geschmückte Boote auf, die für die Parade vorbereitet werden.

Vom Ausflugsdampfer bis zum Kanu, Lichterketten, aufblasbare Figuren und Weihnachtsschmuck allenthalben.

Und noch andere Besonderheiten bekommen wir gezeigt: gleich zweimal müssen wir mit dem Dinghy warten, weil größere Yachten und einmal gar ein Arbeitsschutz der Coast Guard von speziellen kleinen “Tug-Boats” durch den an einigen Stellen sehr schmalen und gewundenen Fluss geschleppt werden, jeweils ein Schlepper vorne, einer hinten.

Einen Nachmittag lang blockieren wir Franks Waschmaschine und Trockner, chillen auf seiner Terrasse und aktualisieren im WLAN unsere iPad. Dann sehen wir zu, noch vor der Dunkelheit zurück auf der Flora zu sein. Denn erst jetzt geht die “Winterfest”-Parade los, mit ihrer Illumination sicher ein Hingucker, der allerdings mit einer Streckensperrung für den übrigen Schiffsverkehr einhergeht.

Für uns heißt es jetzt, den Törn über die Florida Keys nach Mexiko vorzubereiten. Das Rigg wird gecheckt. Muss natürlich die Crew hoch 😉, obwohl ich diese Aufgabe inzwischen ganz gerne mache.

Vor allem aber kümmert sich unser Mechaniker Chief Jan um den Motor. Seit der Inspektion in der Chesapeake haben wir nach Motorfahrt immer eine kleine Dieselpfütze in der Motorbilge. Wir haben das Leck bei der Einspritzung am zweiten Zylinder lokalisiert, ohne es aber durch nachziehen der oberen Muttern beseitigen zu können. An die unteren kommen wir nicht heran, ohne das “Geweih” der festen Dieselleitungs-Röhrchen abzunehmen. Chief Jan erledigt das. Es stellt sich heraus, dass das Geweih selbst (genauer: die Rückflussleitung am 2. Injector) defekt ist. Schweißen lässt es sich nicht. Wir bestellen ein neues, das mit Übernacht-Lieferung heute schon da sein soll, mal sehen.

Trotz der vielen aufgeblasenen Schneemänner hier sind wir übrigens in der sommerlichen Wärme angekommen, Höchstwerte heute 27 Grad, Tiefstwert 23 Grad.

Pura Vida!

Charleston und die Lichtmaschine

Wir sind immer noch in Charleston. Das liegt zum einen daran, dass es uns hier so gut gefällt, was sowohl die wunderschöne Stadt als auch die nette Gesellschaft der anderen Segler hier betrifft. Zum anderen liegt es an unserer Lichtmaschine.

Während des Motorens auf der Nachtfahrt von der Chesapeake Bay zum Cape Lookout wurde ich in meiner Freiwache unsanft geweckt: das Mastervolt-Display vermeldet begleitet von schrillem Piepen, dass die Lichtmaschine nicht mehr lädt. “Feldspannung gering”. Hm. Was soll das? Der Kontrollblick in den Motorraum verrät, dass der Keilriemen in Ordnung ist und die Lichtmaschine sich dreht. Heiß ist sie auch nicht, die Motortemperatur ebenfalls in Ordnung. Die Batterien sind voll genug, also kein dringendes Problem, finden wir.

Die Fehleranalysen in den nächsten Tagen (und auf den nächsten Etappen) ergeben nichts neues, alle Kabel und Verbindungen werden gecheckt, aber die Lima will nicht laden. Wir bestellen einen neuen (externen Mastervolt-) Regler nach Charleston, dankenswerterweise können wir ihn dort in die Marina liefern lassen, obwohl wir davor am Anker liegen.

Die Wartezeit vergeht schnell, mit der Amalia und der Moana liegen zwei befreundete Schiffe vor Anker, mit deren Crews wir uns treffen und gemeinsames unternehmen. Wir lernen die Crew der amerikanischen “Polaris” kennen und treffen auch endlich Helene und Klaus von der österreichischen “LuSea“, einer Hallberg-Rassy 46. Mit den beiden hatten wir bisher nur über die sozialen Medien und Email Kontakt. Gemeinsam machen wir einen schönen langen Spaziergang durch Charleston.

Heute ankern dann auch die jungen Schweizer Leonie und Jonas mit ihrer Jollity hinter uns, die wir schon aus der Dominikanischen Republik und von den Bahamas kennen. Aber ich hätte ihre Ankunft fast verpasst, denn den größten Teil des Tages verbringe ich im Maschinenraum. Regler wechseln. Bringt nichts. Kabel durchmessen. Alte Lichtmaschine ausbauen, Ersatzlichtmaschine einbauen. Alten Kabelbaum zwischen Lichtmaschine und Regler raus und neuen rein. Bringt auch nichts. Relay wechseln. Nix. Chief Jan in Hamburg leistet Telefonberatung. Unter seiner Anleitung messe ich alles Mögliche, mal mit, mal ohne Zündung, aber immer ohne Erfolg im Sinne einer eindeutigen Fehlerursache. Grrr.

Eine Verzweiflungstat: ich wechsele den Regler zurück auf den alten, vorher ausgebauten. Ein anderer Leuchtzeichencode auf dem Regler erscheint, die Lichtmaschine lädt. Wie jetzt? Sollte die Kombination aus neuer Lichtmaschine und altem Regler funktionieren, der funkelnagelneue baugleiche Regler aber nicht?

Egal, es bleibt dabei, die Lichtmaschine lädt wieder und darauf kommt’s an. Wundern und Aufräumen.

Pura Vida.

Bootsarbeiten und ein neues Solarpanel

Es beginnt mit einem Schock. Als wir endlich wieder bei Flora ankommen, ist die gesamte Elektrik tot. Sollten die Batterien leer sein? Aber Mike hatte noch vorgestern auf dem Schiff gearbeitet, unter anderem mit den elektrischen Davits das Dinghy heruntergelassen, damit auf den Davits geschweißt werden kann. Wir checken alle Hauptschalter, Sicherungen. Nichts. Selbst das Anzeigepanel für den Batteriestand bleibt schwarz. Grrr.

Wir schließen das Landstromkabel an, aber das Ladegerät veranstaltet nur ein Lichtergeblinke, das sich mit keinem Fehlercode des Handbuchs in Übereinstimmung bringen lässt.

Eigentlich haben wir 2 x 100 WP Solarpanel auf dem Bimini, die müssten die Batterien in unserer Abwesenheit und ohne große angeschlossene Verbraucher voll halten. Allerdings ist das alte und inzwischen ziemlich marode Bimini in den letzten Tagen abgenommen worden, weil wir ein neues anfertigen lassen. Die Panel liegen jetzt angeschlossen an Deck, zwar etwas mehr verschattet, aber es sollte trotzdem reichen.

So sieht der Übeltäter aus:

Eine kleine 25 Ampere Sicherung der Solarpanele (eigentlich ausreichend groß) ist völlig verschmort. Ausgelöst hat sie aus unerfindlichen Gründen nicht, sie wird immer noch warm, als ich sie in die Hand nehme. Schnell raus damit. Diese Erkenntnis löst aber leider noch nicht das Problem, dass unsere Batterien keinen Ladestrom vom flackernden Ladegerät annehmen.

Wir fahren ziemlich gefrustet wieder ab und verbringen eine Nacht mit schlechtem Schlaf.

Auf der Fahr zum Boot am nächsten Morgen kommt ein beruhigender Anruf von Mechaniker Mike: der Schutzschalter der Lithium-Batterien hat ausgelöst, wird aber nicht (wie von mir unterstellt und durchgeführt) durch Hin- und Herbewegen des im Hintergrund über meiner Hand zu sehenden gelben Hebels, sondern durch Hinunterdrücken einer Fläche im Kopf des Hebels wieder zurückgesetzt. Habe ich bestimmt mal gewusst, aber gestern in meinem Ärger nicht mehr abrufen können. Als ich das Landstromkabel jetzt wieder anschließe, funktioniert das Ladegerät einwandfrei und bringt auch Strom in die (fast) leeren Batterien zurück.

Nebenbemerkung: Konventionelle Batterien wären jetzt tatsächlich schrottreif. Das interne BMS (=BatterieManagementSystem) unserer Lithiumbatterien hat aber einen solchen Totalschaden verhindert. Es sieht so aus, als ob unsere Batterien das schadlos überstanden haben. Pfffff.

Bis zu dieser Erkenntnis vergeht allerdings einige Zeit, denn das Mastervolt-Display zeigt erkennt zunächst nur noch sich selbst und die Combi Ladegerät/Inverter im Mastervolt-Bus-System. Batterien, Windgenerator und Solarregler werden nicht mehr angezeigt. Den halben Tag verbringe ich damit, die Handbücher zu studieren und die Kabelwege nachzuverfolgen und zu überprüfen. Ich ziehe alle Bus-Stecker ab und verknüpfe sie erneut. Mit Erfolg, die verschwundenen Geräte tauchen wieder im Display auf.

☺️

Die nächsten Tage sind dem neuen Solarpanel gewidmet. Unsere 2 x 100 WP auf dem Bimini reichen nicht aus. Der Windgenerator ist unterwegs eine gute Hilfe, wir stellen ihn vor Anker aber nachts ab, weil die Geräusche dann doch beim Einschlafen stören (er ist ja über unserer Achterkoje angebracht). Mit dem Verbrauch der beiden Kühlschränke und den diversen Ladegeräten von iPads, Telefonen, Drohnen, eReadern, Staubsauger etc. müssen wir derzeit vor Anker doch etwa alle 2-3 Tage für zwei Stunden den Dieselgenerator anwerfen, um die Batteriebank wieder aufzuladen.

Also: mehr Solar, bitte. Wir haben uns nach reiflicher Überlegung für ein zusätzliches etwa 2 m x 1 m großes 400 WP Panel auf den Davits entschieden. Bei der Befestigung habe ich mehrfach mit Mike über die beste Variante diskutiert. Das Panel soll einfach demontiert werden können und wir wollen eine schlanke Lösung ohne hohen Aufbau. An der Umsetzung haben Mike und ich die letzten Tage (also das Wochenende!) gearbeitet. Zwei flache Edelstahlbrücken mit eingeschweißter Mutter sind auf jeden der Davits geschweißt.

Dann die darauf zu verschraubenden Unterkonstruktion aus Alu-Kastenprofilen geschnitten, gebohrt, die Kanten rund gefeilt, vernietet und verschraubt. Ausprobiert, geändert, ausprobiert, nochmal feinjustiert.

Das Panel ist jetzt fertig montiert und die Kabel verlegt. Angeschlossen wird hoffentlich morgen.

Auch das ist … Pura Vida.

Selbstversorgung auf Langfahrt: EXTREM 😁

An Bord möglichst autark zu sein, sich soweit möglich selbst versorgen zu können, unabhängig, das ist eines der Ziele auf Langfahrt.

Das beginnt beim Boot selbst, der Aus- und Nachrüstung, auch auf der Flora. Große Tanks für Diesel und Wasser gehören klassischerweise dazu, leistungsfähige Batteriebänke. Der Strom wird selbst erzeugt, per Lichtmaschine bei Motorfahrt, mit Solarpanelen und Windgenerator am Ankerplatz, manchmal (auch bei uns) auch mit dem zusätzlichen Dieselgenerator. Trinkwasser wird auf den meisten Langfahrtyachten per Watermaker (Seewasserentsalzungsanlage) ebenfalls selbst produziert.

Vorräte werden gebunkert, nicht nur vor langen Passagen. Na klar, Fisch wird geangelt, manchmal auch Lobster gefangen. Immer mehr wird im Laufe der Zeit auch selbst gemacht: Brot zu backen macht oft den Anfang, Kuchen wird natürlich auch gebacken, Yoghurtkulturen kursieren unter den Ankerliegern, Milch wird aus Milchpulver angerührt. Crunchy Schokomüsli im Backofen produziert. Vor zwei Wochen haben wir erstmals Kokosmilch aus selbst gepflückten Kokosnüssen gemacht. Bier haben wir auf der Flora noch nicht gebraut, aber auch das ist auf manchen Booten ebenso üblich wie selbst angesetzter Kombucha. Schokoladenlikör aus Rohkakao. Und noch so vieles mehr.

ABER: die Krönung durften wir heute genießen. Andrea hat uns zum Kaffee auf unser Buddyboat Easy-One eingeladen, dazu gibt’s leckeren Steuselkuchen (klasse, aber das ist noch nicht das Highlight). Danach gibt es:

VON ANDREA SELBSTGEMACHTE GUMMIBÄRCHEN.

Ja, tatsächlich. Drei Silikonformen zu je 50 Bärchen hat sie dabei, eine wilde Bande von 150 Gummibärchen kommt auf den Tisch und wird von uns gejagt. Erfolgreich 😋, super lecker.

Alles ums Wasser: Watermaker und Rendezvous Bay

Wir sind zurück in Falmouth. Eine Nachfrage bei Watermaker Services ergibt, dass unsere Teile schon aus Trinidad eingetroffen sind. Ein bisschen Hin und Her gibt’s noch um Zwischenstücke für die Fittinge. Ich muss noch eine Verschraubung aus der Hochdruckpumpe ausbauen, der Grund ist mir erst nicht klar. Aber es zeigt sich, dass die Originalfittinge an dieses Teil nicht passen würden, es ist offenbar Teil der Frickelei in Griechenland. Egal, auch das löst sich, trotzt anfänglicher Schwierigkeiten meinerseits, die neue Verschraubung dicht zu bekommen. Vielleicht habe ich auch nur das Teflonband falsch herum um die Schraube gewickelt.

Die gute Nachricht: der Watermaker läuft wieder, eine neue Membran ist auch drin und die Werte sind besser denn je. Hatten wir zuletzt mit der alten Membran meist knapp unter 500 ppm sind es jetzt nur 220 ppm (parts per million entsprechend mg/L, letztlich wird aus der gemessenen Leitfähigkeit die Anzahl der Ionen der verbliebenen Salze geschlossen). Dafür haben wir ein kleines Messgerät an Bord. 220 ppm sind für unseren kleinen Watermaker schon ein ziemlich guter Wert.

Außerdem machen wir von Falmouth aus gemeinsam mit Annemarie und Volker von der “escape” eine Wanderung zur Rendezvous Bay. Das sind etwas über 10 km (hin und zurück), also brechen wir schon morgens um 8.00 Uhr auf, um nicht die ganze Zeit die pralle Hitze zu haben. Klappt auch, aber wir schwitzen trotzdem ganz gut. Irgendwie hatten wir uns den Weg flacher vorgestellt, am Ende ist aber doch (lt. iPhone) die Entsprechung von 53 Stockwerken erklommen. Allerdings ohne Treppen. 😉

Der Hinweg führt größtenteils über eine (unbefestigte) Straße. Autos begegnen uns allerdings keine. Das ist ganz und gar verständlich, wenn man sich den Zustand ansieht: sie ist so ausgespült, dass Wiebke in einem “Schlagloch” bis zu Hüfte verschwindet.

Für uns ist die Strecke aber gut zu gehen und so kommen wir einigermaßen entspannt bei der halbmondförmigen Rendezvous Bay mit ihrem malerisch hineingetupften Felsenriff an. Den Strand haben wir ganz für uns allein, für allzu viel Besuch ist er dann doch zu abgelegen, wenn nicht (zu anderen, Außer-COVID-Zeiten) Hotel- oder Kreuzfahrttouristen mit speziellen Gefährten oder auf ausgebesserter Straße herangeschafft werden. An einer Wiese in der Nähe des Strandes findet sich unter den Bäumen am Rand jedenfalls etwas improvisiert wirkende Infrastruktur dafür. Perfekt, um Schuhe und Rucksäcke auf den Bänken zu lassen und barfuß über den feinen Sandstrand zu schlendern (wenn man nicht gerade die Drohne steigen lässt).

Der Rückweg wird übrigens etwas anstrengender. Diesmal geht’s am Berghang entlang quasi oberhalb der Küste auf direkterem Weg (vielmehr Trampelpfad) nach Falmouth. Hindernisse inbegriffen.

Aber dafür bieten sich auch immer wieder tolle Ausblicke, auf die Küstenlinie und am Ende, als schon wieder Häuser auftauchen, auch auf Falmouth Harbour.

Wird doch noch mal Zeit für die Drohne. Und dann für ein Belohnungseis. 😁

Schöne Bescherung und trotzdem frohe Weihnachten

Zwei vorgezogene “schöne Bescherungen” haben den 23. Dezember für uns mit ungeplanten Aktionen angereichert.

Die kleinere Überraschung gibt’s schon am Morgen, als wir das Dinghy für die Überfahrt nach Barbuda vorbereiten. Der Außenbordmotor ist mit einem Vorhängeschloss am Dinghyspiegel gesichert (lock it or loose it). Das Schloss 🔐 lässt sich aber einfach nicht öffnen, offenbar innen festgerostet. Selbst nach intensiver Behandlung bewegt es sich keinen Milimeter, auch WD40 versagt. Also Brachialmethode Bolzenschneider. Der ist ja eigentlich als Notfallwerkzeug zum Wanten kappen an Bord als Backup neben der Flex, aber die Flex bietet sich wegen des Funkenflugs im Dinghy nicht so an 😉.

Na gut, nur eine kleine Verzögerung und so ein Vorhängeschloss ist ja leicht zu ersetzen.

Die größere und weitaus unerfreulichere Bescherung stellt sich erst in Barbuda ein. Der Generator läuft, der Watermaker macht Wasser, Wiebke hängt etwas gespülte Handwäsche an der Reling auf. Was pülscht da?

Nachgucken. Hm. Die Bilgepumpe? Ach nee!

Ich nehme die Matratzen unserer Achterkoje hoch, dann deren Auflagebretter. Es spritzt mir entgegen. Wassermacher aus!

Die genauere Untersuchung ergibt, dass mindestens der Hochdruckschlauch am Watermaker kaputt ist (es spritzt durch einen Riss im Schlauch), eventuell zusätzlich auch sein Fitting an der Membrane. Grr. Das ist hier am Ankerplatz wahrscheinlich nicht zu beheben, ich habe jedenfalls keine Ersatzteile dafür dabei, keine Ahnung, ob ich auch noch Spezialwerkzeug brauche (Antwort übrigens: nein). Nicht wirklich dramatisch, wir haben noch über 250 Liter Wasser im Tank und auch einiges Trinkwasser in Flaschen (abgefüllt direkt vom Watermaker) als Reserve. Außerdem kommt nachher die Escape an den Ankerplatz, die könnten uns zur Not sicher aushelfen. Trotzdem ist die (Weihnachts-)Laune erstmal etwas angeschlagen.

Glück im Unglück: ebenfalls unter der Achterkoje, ausgerechnet da, wo sich das Wasser vor dem Ablaufen in die Bilge (den tiefsten Punkt im Schiff) gesammelt hat, war bis vor kurzem noch unsere Ersatzlichtmaschine gestaut. Die hatte ich erst vor ein paar Wochen rein vorsorglich an einen auch im Fall der Fälle trockeneren Ort umgeräumt 😅.

Wiebke beim Trockenlegen, das lange schwarze Rohr unter ihr enthält die Membrane des Watermakers.

Eine kleine Nachfrage in der „Antigua Cruisers“ Facebookgruppe und bei den Salty Dawg bringt schon mal die Erkenntnis, dass es in Falmouth auf Antigua einen Spezialisten gibt, der Watermaker aller Hersteller repariert. Ein Anruf dort und Julian von „Watermaker Services“ bestätigt mir, dass er den entsprechenden Schlauch vorrätig hat. Ich soll den alten ausbauen und ihm mit den Fittingen vorbeibringen. Dabei ist weiter nichts zu beachten, außer dass ich einen Stopfen auf den Membraneauslass setzen soll, damit die Membrane nicht vollständig trockenfällt.

Ok. Das hebt meine Stimmung schon mal deutlich, es kann zeitnah repariert werden und der erste Schritt ist schon getan.

Andreas von der „Aphrodite“, den wir in Jolly Harbour getroffen haben, meldet sich, er könne vielleicht helfen. Als die Escape ankommt meint Volker, er habe einen Ersatzschlauch und weitere Ersatzteile für den Watermaker dabei, die müssten auch passen. 😊 Da stellt sich die fröhliche Weihnachtsstimmung doch schnell wieder ein.

Wir wünschen Euch allen gesunde, fröhliche und gesegnete Weihnachten auch in diesen besonderen Zeiten und einen guten Start in ein hoffentlich gutes neues Jahr!

Deep Bay

Auf dem Weg wieder hoch nach Barbuda legen wir einen weiteren Zwischenstopp ein. In der Deep Bay hatten wir zwar im März schon einmal geankert, aber wir statten ihr gerne einen weiteren Besuch ab.

Deep Bay: gut geschützt, herrlicher Sandstrand, malerische Felskulisse.

Das Wasser zeigt sich diesmal deutlich klarer, im März hatte es zwar auch eine tolle Farbe, war aber extrem milchig, man konnte kaum 30 cm tief hineinsehen. Jetzt ist das zum Glück anders und so statten wir dem Wrack des Segelfrachters “Andes” einen näheren Besuch ab.

Die Fracht (Teer) dieser 1874 gebauten britischen Bark fing 1905 durch Selbstentzündung Feuer, die Mannschaft verließ hier in der Deep Bay das nicht mehr zu rettende Schiff. Ein Maststumpf schaut je nach Tide noch minimal aus dem hier etwa sechs Meter tiefen Wasser, der Stahlrumpf ist löchrig, aber in der Form noch gut zu erkennen. Herrlich zum Schnorcheln, zumal Korallen, Pflanzen und Fische dieses künstliche Riff gut angenommen haben.

Und was machen wir noch so?

Kekse backen. Ist schließlich 4. Advent, selbst in der Karibik 😁.