Somosomo, Bootsklinik und Nemo im bunten Korallengarten

Zum Sevusevu nach Somosomo, so ist das hier. Wir greifen uns einmal mehr ein in Zeitungspapier eingeschlagenes Bündel von Kawa-Wurzeln. Unserer schrumpfender Bestand baumelt in der Dusche, denn die hängende Aufbewahrung ist gut für den Kawa und in der Dusche lassen sich wegbröckelnde Wurzelreste gut aufnehmen. Außerdem haben die Wurzeln durchaus einen Eigengeruch. So sieht das aus:

Mit diesem rituellen Geschenk machen wir uns in unserem Beiboot auf zum Chief des nächstgelegenen Dorfes Somosomo und bitten um die Erlaubnis, in der Bucht ankern zu dürfen.

Am Strand vor dem Dorf Somosomo landen wir an. Eta heißt uns im Dorf willkommen und führt uns zum Haus des Chief. Nach dem Sevusevu zeigt sie uns das Dorf. Spannend: hier wachsen noch einzelne Sandelholz-Bäume. Der Sandelbaum war früher auf den Yasawa-Inseln weit verbreitet. Das hier Yasi genannte schwere Hartholz war in China ursprünglich dem Kaiserhof vorbehalten und ist auch heute noch zur Produktion von Möbeln und Kunstobjekten äußerst begehrt. Die Bäume wurden fast bis zur Ausrottung abgeholzt. Heute liegt der Marktwert für ein Kilo hochwertiges Sandelholz über 100 Fiji$. Auf der südlich von Naviti Island liegenden Insel Waya wird deshalb Sandelholz im Rahmen eines Nachhaltigkeitsprojektes in Baumschulen wieder kultiviert, um eine vom Tourismus unabhängige langfristige Einnahmequelle zu schaffen.

Junger Sandelbaum neben dem Haus des Chiefs

Mehrere Frauen des Dorfes haben während unseres Sevusevus schnell einen improvisierten Kunsthandwerksmarkt auf der Wiese im Zentrum des Dorfes aufgebaut. Das scheint nur uns zu gelten, aber vielleicht kommen nachher ja auch noch weitere Crews, denn vorm Ort ankern ebenfalls ein paar Boote. Wir kaufen zwei Tapa-Tischsets. Jetzt am Wochenende sind die Kinder im Dorf (und nicht im Boarding-Haus der Schule im Nachbardorf). Mehrere von ihnen sitzen bei ihren Müttern auf den Decken, für ein Foto rücken sie schnell zusammen.

Mit Rose (11), Meme (5), Mela (8) und Sake (7) schließen sich einige andere Kinder bei unserem weiteren Spaziergang durchs Dorf und die Umgebung an.

Es wird ein spaßiger Gang zu den Mangroven, durch den Fluss und zurück zum Strand vor Somosomo.

Die Haare von Rose und Meme sind übrigens nicht gefärbt. Vielmehr wird hier auf den Yasawas im Gegensatz zur eher von polynesisch-tonganischen Einfluss geprägten Lau-Inselgruppe die mehr melanesische Abstammung der fijianischen Bevölkerung deutlich.

Zurück zur Flora und an die Arbeit, es stehen mal wieder einige Projekte an. An den Davits (den kleinen Kränen, an denen wir unser Beiboot hochziehen und lagern) hat sich eine Leine verklemmt. Dafür müssen wir erstmals die Umlenkrolle am äußeren Ende des Davit ausbauen. Das Lösen der Schrauben (vom schwankenden Dinghy aus) erfordert dementsprechend ein wenig Überzeugungskunst, aber es klappt und wir bekommen das Ganze wieder gängig.

Nächstes Projekt: Großsegel. Ein kleines Loch zeigt sich oberhalb der hinteren Segellatte. Das in den Mast gerollte Segel herunterzunehmen würde bedeuten, dass wir alle 5 der bis zu 15 Meter langen Latten ausbauen müssten, das wollen wir uns am Anker lieber ersparen. Also zieht Wiebke mich in den Mast. Aus der Nähe zeigt sich, das nur ein kleines Stück Naht des Segels aufgegangen ist. Ich kann die Hand hindurchstecken. Selbst nähen möchte ich das hier nicht, also klebe ich auf jede Seite ein kleines Patch (selbstklebender Segelflicken). Nicht besonders schön, aber das sollte das weitere Auflösen der Naht erstmal verhindern.

Drittes Projekt: die Winsch der Ausholleine des Großsegels funktioniert mechanisch zwar noch, lässt sich aber nicht mehr elektrisch bedienen. Der Elektromotor surrt, aber die Winsch bewegt sich nicht. Das lässt einen Fehler im Kraftschluss der Zahnräder vermuten. Zur Behebung müssen wir die Winsch nicht nur auseinander bauen, sondern auch das Winschfundament ganz abnehmen. Wiederum erstmals und wieder bedarf es deshalb besonderer Überzeugungskraft um die Schrauben zu lösen. Ein mechanischer Schlagschrauber hilft. Dann alles schön säubern, die Sperrklinken wieder gängig machen und ölen. Zusammenpuzzeln, funktioniert wieder.

So soll das.

Zur Belohnung gehen wir vom Boot aus am Riff unseres Ankerplatzes ausgiebig schnorcheln.

Die Vielfalt und Farbenpracht der Steinkorallen und der Weichkorallen hier in Fiji beeindruckt uns immer wieder. Weitere Highlights des Schnorchelgangs hier in der Bucht sind die „Nemos“, die ein- oder zweistreifigen Anemonenfische. Zwischen verschiedensten Seeanemonen und Weichkorallen sehen wir sie hier. Sogar gras-grüne Anemonen sind dabei, die einen herrlichen Kontrast zum Orange der Nemos bilden.

Ein weiterer Lieblingsfisch von uns zeigt sich ebenfalls mehrfach, der knuffige Harlekin-Feilenfisch, auch Palettenstachler oder Orangeflecken-Feilenfisch genannt:

Auch sonst ist es herrlich bunt und fischreich hier. Beim zurückschnorcheln zur Flora sehen wir auf dem Sandgrund sogar noch einen endemischen Fiji-Maskenrochen.

Übrigens: wenn in der Bildbeschreibung beim Aufruf „Screenshot“ steht liegt das nicht daran, dass ich das Foto irgendwo im Netz stibitzt hätte. Vielmehr sind meine Unterwasserbilder meist eben Screenshots eines Standbilds aus einem mit meiner GoPro oder zuletzt häufiger meiner DJI Action6 aufgenommenen Unterwasser-Videos.

Halb und Halb

Musket Cove auf Malolo Island

Unser Segel hat sich immer noch nicht wieder angefunden. Extrem ärgerlich. Wir haben schon mal Anfragen für eine neue Fock gestartet, aber die würde uns wahrscheinlich nicht mehr in Fiji erreichen, sondern bestenfalls in Neuseeland.

Aber: bis zum 14. September hätten wir Fiji verlassen müssen, kurz vorher bekommen wir eine Email, es klappt dann doch noch mit der zweimonatigen Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis. Pfff. Durchatmen. Unsere Reisepässe müssen wir bei der Immigration mit neuen Stempeln versehen lassen. Bevor wir dazu wieder nach Denarau zurücksegeln, machen wir noch einen herrlichen Spaziergang über Malolo Island. Die Ankerbucht von Musket Cove füllt sich immer mehr. Die Fiji Regatta Week mit der 42. Musket Cove Regatta steht an, in diesem Jahr wird zugleich der 50. Geburtstag des Musket Cove Island Resorts gefeiert. Neben Segelregatten gibt’s Kostümfeiern mit „Pirate Days“ und ähnlichem Spektakel.

Das ist nicht so unser Ding, das Timing passt also ganz gut für unsere Weiterfahrt.

Die Immigration in Denarau ist zwar besetzt, aber den erforderlichen Stempel hat man leider nicht vor Ort. Also ins Taxi gesprungen und zur Immigration nahe des Flughafens von Nadi. Das Gebäude kennen wir schon von der Beglaubigung unserer aktuellen Fotos im Passfoto-Format. Immerhin, alles klappt, Stempel in den Pässen und wir dürfen bis maximal 14. November in Fiji bleiben.

Als wir die Bucht vor Denarau verlassen, kommen wir an der schon vor drei Jahren außer Dienst gestellten „Reef Endevour“ vorbei. Der kleine Kreuzfahrer hat einige Zeit lang Touren durch die Yasawa-Inseln gemacht, jetzt aber rottet er am Rande des Ankerplatzes langsam vor sich hin und wird anscheinend nach und nach ausgeschlachtet, ein trauriger Anblick.

Das alte Schiffe auch ganz erfreulich anzuschauen sein können, belegt die gegenüber ankernde Luxusyacht „Haida“:

Sie wurde 1929 auf der Krupp-Werft in Kiel für den Lebensmittelproduzenten Max C. Fleischmann gebaut, ist heute aber bekannter wegen ihres Auftritts im Film „Mama Mia“ von 2008.

Deutlich wird bei beiden Schiffen, dass wir jetzt im Westen von Fiji und damit im touristisch stärker erschlossenen Teil des Landes unterwegs sind. Die Inselgruppe der Yasawas ist vergleichsweise gut an den internationalen Flughafen Nadi angebunden, auf den meisten Eilanden hier gibt es gleich mehrere Resorts. Die ganz überwiegende Zahl der Gäste kommt aus Neuseeland und Australien eingeflogen.

Sie (und wir) erwarten Traumstrände und Palmen und die gibt es hier, na klar. Für uns ein bisschen überraschend: es sind keineswegs lediglich niedrige Atolle, überwiegend schmiegen sich die Resorts eher unauffällig in eine Landschaft, die auch eine rauhe Schönheit mitbringt.

Steile Berghänge, Felsformationen mit zackigen Graten und Resten der Schlote uralter Vulkane aus dem Eozän. Kein Wunder, dass die Yasawas und die südlich anschließenden Mamanuca Islands als Filmlocation der internationalen Reality-TV-Serie „Survivor“ dienen.

Seglerisch spannend: die Inseln der Yasawa-Gruppe sind nicht von einem durchgehenden Saumriff geschützt, der Ozeanschwell findet zumeist einen Weg an den Ankerplatz. Gebremst wird der Schwell nur von unzähligen einzelnen Riffen, die wild um die Inseln verstreut liegen und aufmerksame Navigation erfordern. Wir arbeiten uns entsprechend vorsichtig im Zickzack an der Westküste von Naviti Island hinauf zum Ankerplatz in der Vunayawa Bay. Sie soll uns Schutz bieten vor dem starken Südschwell, der mit bis zu vier Metern Wellenhöhe am Wochenende Fiji erreich könnte.

Ein erster Ankerversuch lässt uns dann doch für unseren Geschmack etwas zu nah an die scharfen Korallen vor dem Strand heran schwoien, die Drohne macht das sichtbarer als es der Blick vom Boot aus gezeigt hat.

Wir ankern lieber ein weiteres Mal und diesmal passt es gut. Kaum ist der Anker wieder in den Sandgrund eingefahren, verschlechtert sich auch das Wetter, Regen und kräftiger Südwind stellen sich ein.

Einkuscheln an Bord.

Mantas, Schlittenfahrt in der Naiqoro Bay und Schnorcheln im Pass am Astrolabe Reef

In der Blue Lagoon Bay verabschieden wir uns von Einhandseglerin Ruby, sie nutzt ein Wetterfenster zur Überfahrt zu Fiji‘s Hauptinsel Viti Levu.

Da müssen wir auch demnächst hin, denn unsere Visa laufen bald ab. Eigentlich kann so ein Visum online verlängert werden, aus unerfindlichen Gründen muss dabei jedoch ein PDF der Zertifizierung des Fotos des Reisepasses eingesandt werden (quasi ein Foto der Beglaubigung des Fotos des Passes). Das ist hier auf Ono nicht zu erhalten, wir werden es wohl in Denerau auf Viti Levu erledigen müssen.

Aber: für das Wochenende ist ruhiges Wetter vorhergesagt. Das wollen wir nutzen, um noch einmal unser Glück beim Schnorcheln mit (hoffentlich) Mantas bei Buliya Island zu versuchen und danach auf der Ostseite von Kadavu zu ankern. Das soll uns ermöglichen, auch noch direkt am Außenriff oder in einem Pass des Great Astrolabe Reefs zu schnorcheln.

Obwohl Wind und Wellen am Freitag noch stärker als vorhergesagt sind, verlegen wir Flora zur Manta-Insel. Etwa einen halben Meter Welle haben wir an deren Nordspitze zwar noch, das macht das Schnorcheln anstrengend. Wir sind vorerst die einzigen dort, aber wir werden belohnt. Bis zu fünf große Riff-Mantas gleichzeitig drehen dort ihre Kreise und lassen sich dabei von unserer Anwesenheit nicht beirren. Sowohl Mantas mit weißer als auch solche mit schwarzer Unterseite sind darunter. Mit gemächlichem Flügelschlag gleiten sie um uns herum. Die Begegnung mit diesen bis zu fünf Meter Flügelspannweite aufweisenden riesigen und doch so sanften Rochen ist immer wieder ein wunderschönes Erlebnis. In der Mythologie der Südsee stehen Mantas als spirituelle Wesen sowohl für die Verbindung mit den Ahnen als auch für das mit den Göttern verknüpftes Wissen, für Harmonie und eine sichere Passage auf See. Kein Wunder, dass wir Segler sie lieben! (zum Vergrößern auf ein Bildchen klicken)

Nach dem Schnorcheln wechseln wir noch einmal den Ankerplatz. Wir segeln östlich um Ono herum. Zwischen der Insel und dem Außenriff hindurch schlängeln wir uns an diversen Korallenköpfen und Flachs vorbei an die Ostseite von Kadavu Island, der größten Insel am 65 km langen Great Astrolabe Reef.

Der dem Riff zugewandte Osten der Insel ist die Wetterseite, hier schiebt der Passatwind normalerweise Wolken die steilen Hänge des bergigen Terrains hinauf, sorgt so für üppige Niederschläge und teils dichten Regenwald. Das unwegige Gelände verhindert Landwirtschaft in größerem Stil wie etwa den Anbau von Zuckerrohr. Industrie gibt es ebenfalls nicht, die meisten Bewohner betreiben Subsistenzwirtschaft, also Selbstanbau des Notwendigen zu Leben sowie etwas Fischerei. Der wenige Tourismus hängt zumeist mit dem Tauchen am Great Astrolabe Reef zusammen und wird ganz überwiegend mit einfachen kleinen Lodges statt internationaler Ressorts bedient.

Wir entscheiden uns für den Ankerplatz in der Naiqoro Bay. Noch kommt der Wind recht frisch aus Ost, aber die der Bucht vorgelagerten Riffe brechen den Schwell. Für die Nacht und den nächsten Tag sind nachlassende und rückdrehende Winde angesagt, also zunächst Nord und später West. Dafür eignet sich der Ankerplatz perfekt.

Tatsächlich haben wir eine sehr ruhige, erholsame Nacht. Gleich nach dem Morgenkaffee fahren wir mit dem Dinghy zum Dorf Naiqoro, denn es ist gerade Hochwasser. Das wollen wir nutzen, denn im Scheitel ist die Bucht sehr flach, zwei kleine Flüsschen münden hier und lagern reichlich Schwemmsand ab. Selbst bei Flut halten wir uns dicht an die Mangroven, dort ist das Wasser am tiefsten und unser Außenbordmotor muss keine Furche in den Schlamm wühlen.

Kurz nach uns landet ein Longboat am Steg seinen guten Fang an, die Bucht ist reich an Fisch.

Einer der Fischer ist der Headman des Dorfes, er bringt uns für das Sevusevu zum Chief. Der empfängt uns sehr freundlich, wir bringen das rituelle Gastgeschenk der Kawa-Wurzeln dar und werden offiziell als Gäste in die Dorfgemeinschaft aufgenommen. Der Chief ruft seinen Enkel Dan. Der ist wegen der Schulferien nicht in Suva, sondern hier im Dorf bei seinem Großvater. Dan wird uns das Dorf zeigen. Was eine lästige und vom Spielen abhaltende Bürde für den Enkel sein könnte, scheint diesem im Gegenteil viel Spaß zu machen. Dan bleibt auch nicht allein, seine Freunde begleiten ihn. Wir sind erst ein paar Meter weit gegangen, da greift außerdem schon ein Mädchen Wiebkes Hand, kurz danach kommen weitere Kinder angelaufen und gesellen sich auch zur Wandergesellschaft. Dan führt uns durch Naiqoro, zeigt uns wie im Wald geerntete Kawa-Wurzeln getrocknet werden, welche Pflanzen im Ort und welche auf den Feldern höher am Berg angebaut werden. Sein Freund erklärt uns die Dorfglocke, die ebenso wie die obligatorischen Trommeln sonntags zum Kirchgang ruft. Thradition trifft Moderne: eine Frau sortiert Palmblätter zum Flechten einer Matte, neben ihrer Hütte sorgt ein aufgeständertes Solarpanel für Strom. Einfache Schaukeln gibt es fast überall, Plastikpistolen als Spielzeug scheinbar auch. Vor einer anderen Hütte haben sich ein paar Männer versammelt, das Mobiltelefon darf auch in diesem Dorf ohne Straßenanbindung nicht fehlen.

Und die Kinder zeigen uns auch ihre „Schlitten-Piste“. Ein halbierter Kanister wird mit einem hinein gelegten Kissen gepolstert und los geht die Rutschpartie den Hang hinunter:

Bei der Führung durch das Dorf haben offenbar nicht nur wir, sondern auch die Kindern richtig Spaß.

Im Hintergrund die Flora

Der Rundgang endet wo er begann, beim Chief. Der hat nämlich zwischenzeitlich für uns ein Frühstück mit Tee und Kuchen in einer Nachbarhütte organisiert.

Wunderbare Gastfreundschaft in Fiji!

Rainbow Reef, Nationalfeiertag, und Sonntagsausflug zu den Mantas von Rabi Island

Flora ankert immer noch in der Viani Bay hinter dem Rainbow Reef. Ein paar windarme Tage sind vorhergesagt, das passt perfekt. Gemeinsam mit der Crew der Lille Venn machen wir weitere Tauchgänge am Rainbow Reef und wir gehen außerdem auch gemeinsam auf dem Riff Schnorcheln. Dafür müssen wir zwar fast drei Meilen mit dem Dinghy durch die Bucht fahren, aber bei diesen perfekten Bedingungen lohnt sich das unbedingt. Die bunten Regenbogenfarben des Riffs zeigen sich schon in den Steinkorallen …

… erst recht aber in den vielen verschiedenen Weichkorallen, für die dieses Riff so bekannt ist:

An manchen Stellen sieht das Korallenriff aus wie das plüschige Fell eines Teddybären …,

… dann wieder scheint sich eine blumengeschmückte Felsbrücke durch das Blau des Meeres zu spannen:

Egal ob Tauchen oder Schnorcheln, wir sind schlicht begeistert.

Am Samstag werden wir schon wieder mit dem Dinghy der Lille Venn abgeholt, diesmal allerdings zu einem ganz anderen Anlass. Ralph‘s Kleidung lässt es wohl schon erahnen,

der Schweizer Nationalfeiertag am 01. August soll begangen werden. Feiern wollen wir bei bei der hiesigen Tauchschule „Dolphin Bay Divers“, denn deren Eigner Roland ist ebenfalls Schweizer. Er hat die Lille Venn und auch uns Nichtschweizer zum Grillen auf seine Terrasse eingeladen, herrlich mit Blick über die Bucht.

Den Sonntagsausflug machen wir dann mit der anderen Tauchschule der Viani Bay, der „Dive Academy“. Die bietet nämlich eine Tour hoch zur Insel Rabi an. Etwa 17 Seemeilen (über 30 km) einfache Strecke, mit dem offenen Tauchschulen-Langboot kann das ein ziemlicher Ritt sein. Zum Glück ist das Wasser zumindest auf der Hinfahrt spiegelglatt, mit 22 Knoten (40 km/h) brettern wir Richtung Rabi.

Rabi Island ist ein Kuriosum in Fiji, denn die Einwohner dieser Insel stammen aus dem Gebiet des heutigen Kiribati und wurden hierher umgesiedelt. Die Geschichte dahinter ist dramatisch. Auf dem etwa 6 Quadratkilometer kleinen gehobenen Atoll Banaba wird im Jahr 1900 ein riesiges Phosphatvorkommen entdeckt, denn ein großer Teil der Insel besteht aus versteinertem Guano (Vogelkot). Die Engländer besetzen das fast auf dem Äquator liegende Eiland, gliedern es in die Gilbert-Inseln (heute Teil Kiribatis) ein und schon im nächsten Jahr beginnt eine australische Firma (damals ebenfalls britisch) mit dem Phosphatabbau zur Düngemittelproduktion. Die Insel wird quasi ausgeschlachtet. Im zweiten Weltkrieg wird Banaba von Japan besetzt, viele Bewohner werden als Zwangsarbeiter deportiert, fast alle übrigen schlicht ermordet, bevor die Alliierten die Insel zurückerobern. Nach dem zweiten Weltkrieg verweigern die Briten den von den Japanern verschleppten Zwangsarbeitern die Rückkehr nach Banaba und siedeln sie stattdessen auf die etwa 2.000 km südöstlich liegende Insel Rabi um, die zum damals ebenfalls britischen Fiji gehört.

Der Grund für unsere Fahrt nach Rabi Island hat mit dieser höllisch anmutenden Geschichte zum Glück nichts zu tun. Ein klein bisschen diabolisch ist er dennoch: Große Mantas, auch „Teufelsrochen“ genannt, versammeln sich an der Südspitze von Rabi Island. Eine Besonderheit: während die meisten Mantas eine schwarze Oberseite und eine weiße Unterseite mit schwarzen, ganz individuellen Flecken haben, sind hier in größerer Zahl schwarze Mantas vertreten. Bei ihnen sind auch der Bauch sowie die Unterseiten der Flügel schwarz, die individuellen Flecken dann umgekehrt weiß.

Teufelsrochen heißen diese eleganten Tiere übrigens, weil ihre flossenartigen Loben vorne am Kopf ein wenig an Hörner erinnern. Tatsächlich aber sind sie keineswegs fest, sondern ausgesprochen flexibel. Oft rollen die Mantas sie wie zu einem Trichter ein, um mehr Plankton zum Mund zu führen. Die Loben scheinen aber auch zur Kommunikation zwischen den Mantas eingesetzt zu werden. Wir haben großes Glück und können bei zwei ausgiebigen Schnorchelgängen mit diversen Exemplaren schwimmen, wobei die größten etwa 5 Meter Flügelspannweite aufweisen.

Ein kleines Video davon:

In besserer Qualität findet Ihr mein Video hier: https://vimeo.com/1214936956

Obwohl die Rückfahrt leider etwas ruppiger ausfällt sind wir von diesem Sonntagsausflug mit tierischer Begegnung mal wieder ziemlich geflasht.

Bula im Paradise. Zur Südspitze von Taveuni und zur Viani Bay am Rainbow Reef

Das fängt schon mal gut an: bester Segelwind und fast direkt nach der Ausfahrt aus dem Atoll Vanua Balavu geht uns endlich wieder einmal ein kleiner Thunfisch an die Angel. In den Atollen fischen wir ja wegen der Ciguatera-Gefahr nicht und auf den Passagen war uns das Angelglück zuletzt nicht wirklich hold. Der Bonito beschert uns für die nächsten Tage schöne Filets. Poke-Bowls, Fisch-Tacos und orientalisch scharf angemacht mit Couscous-Salat zaubert Wiebke daraus.

Möglich wird das auch dadurch, dass wir in der an das Paradise-Resort an der Südspitze von Taveuni angeschlossenen kleinen Bäckerei Tomaten und sogar Paprika kaufen können. Und ja, ein Abendessen im Restaurant des Resorts ist bei unserem kurzen Aufenthalt dort sogar auch noch drin. Das Paradise ist extrem Segler-freundlich: wir dürfen unseren Müll dort entsorgen, könnten mit Kanistern am Dinghysteg Frischwasser nehmen und sind sogar eingeladen, den Pool zu benutzen. Im Gegenzug wird nur ein Besuch an der Bar oder im Restaurant erhofft. Die etwa zehn eigens für die Segelboote ausgelegten Moorings sind bei unserer Ankunft zwar alle schon belegt, aber mit das Boot der Tauchschule des Ressorts kommt zu uns heraus, begrüßt uns mit einem freundlichen „Bula“ und zeigt uns, wo wir am besten ankern können. Der Ankergrund ist allerdings schwierig: die Kette verknotet sich gleich in den Felsen. Also erst einmal Flossen an und Maske auf, den Anker auf 9 m Tiefe befreien und neu ankern (ich werde ihn allerdings am nächsten Morgen erneut freischnorcheln müssen). Dann aber gibts das verdiente Ankommensbierchen an der Bar bzw. auf der Schaukel im Restaurantgarten und ein nettes Abendessen mit anderen Seglern im Restaurant.

Am nächsten Morgen sieht das Wetter freundlicher aus, beim Gang zum Bäcker durch das liebevoll dekorierte Paradise machen machen wir nochmal Halt an der Schaukel.

Auf dem Weg zurück zum Boot gibt’s mit einem fröhlichen „Bula“ die nächste gastfreundliche Überraschung: für alle Bojen- und Ankerlieger hat das Resort eine Tüte mit frischen Zimtschnecken vorbereitet. Die sollen jetzt gerade ausgeliefert werden, aber da wir gerade an Land sind, bekommen wir die Flora-Tüte gleich in die Hand gedrückt:

Trotzdem geht’s für uns nach nur einer Übernachtung weiter, denn auf wir wollen mit Barbara und Ralph von der Lille Venn Ralphs Geburtstag feiern. Die Lille Venn kommt von Norden die Somosomo Strait herunter, wir überqueren sie von Süden her. Wir treffen uns in der Viani Bay, die durch das ihr vorgelagerte Rainbow-Riff gut geschützt ist.

Wunderbar: hier ankert gerade auch die Kavenga unserer amerikanischen Freunde Heather und Jim, die wir in British Columbia kennengelernt und seitdem unterwegs mehrfach wieder getroffen haben.

Ingo ist mit der Easy-One ebenfalls da, wir haben einen gemeinsamen Sundowner auf der Flora.

Und mit der Ville Venn Crew feiern wir nicht nur Ralphs Geburtstag, sondern verbringen auch sonst wieder eine richtig gute Zeit miteinander.

Das Rainbow-Reef bietet aber nicht nur dem Ankerplatz Schutz, es ist zudem einer der besten Tauchplätze in Fiji. Insbesondere ist dieses Riff bei Tauchern weltweit bekannt und trägt den Beinamen „Hauptstadt der Weichkorallen“. Die über 2.000 Meter tiefe Koro-See quetscht sich hier zwischen Fiji‘s zweitgrößter Insel Vanua Levu und der drittgrößten Taveuni hindurch, wobei der Meeresgrund an der beidseitig von Riffen begrenzten Engstelle auf nur etwa 100 m Wassertiefe ansteigt. Dadurch werden Nährstoffe in die oberen Wasserschichten gespült. Davon wiederum profitieren neben den Fischen auch die Blumentierchen, Hartkorallen aller Art, vor allem eben die hier so reichlich gedeihenden Weichkorallen.

Von meinen bisher vier Tauchgängen hier stehen zwei ganz besonders heraus. Zuerst der am „Little Cabbage Patch“ (übersetzt: Kleines Kohlfeld). Hier sind Turbinaria-Steinkorallen dominant. Sie bilden in mehreren Schichten breite, um einander verdrehte Platten, die sich wie die Blätter eines riesigen Unterwasserkohls stapeln. Taucht man darüber, ist es als ob man über ein eine untergetauchtes Kohlfeld fliegt. Oder – blumiger – über eine Landschaft wirbelnder Rosenblüten. Mit Fischen statt Bienen.

Lila-blaue Weichkorallen an einer Steilwand sind namensgebend für den Tauchplatz „Purple Wall“. Daran schiebt uns die Strömung bei diesem Drift-Dive allerdings vergleichsweise schnell vorbei, weil die Wand vertikal stärker als horizontal ausgedehnt scheint. Faszinierend ist es trotzdem.

Und sonst: neben der Korallenvielfalt begeistert auch der Fischreichtum. Und – endlich – entdecken wir auch wieder Nudibranchs. Diese Nacktkiemer sind zumeist ziemlich kleine Unterwasserschnecken, deren extreme Farb- und teilweise auch Formgebung Fressfeinde abschrecken soll.

Qilaqila / Bay of Islands

Seglerisch schlägt das türkisfarbene Herz 🩵 der nördlichen Lau-Gruppe ganz sicher in Qilaqila. An diesem traumschönen Ankerplatz sind wir jetzt!

Besser bekannt ist dieser Ort als „Bay of Islands“ im Atoll von Vanua Balavu. Allerdings hat ja neben Fiji praktisch jedes englischsprachige Land eine Bay of Islands, am berühmtesten ist sicher die auf Neuseelands Nordinsel.

Wir bleiben deshalb dem von den iTaukei (den indigenen Fijianern) verwendeten Namen Qilaqila, obwohl die gar nicht mal so große Bucht im Nordwesten von Vanua Balavu tatsächlich eine Unmenge von kleinen und noch kleineren Korallen-Inseln aufweist. An mehreren Stellen schmiegen sich die Eilande ganz eng aneinander. Sie bilden ein Labyrinth mit schmalen Durchlässen, von denen viele bei Niedrigwasser selbst mit dem Dinghy nicht passiert werden können. Für die Segelboote bleiben diese kleinen flachen Hintertürchen zwar versperrt, es bieten sich zwischen den zumeist dicht bewachsenen Inseln aber trotzdem eine Vielzahl von wunderschönen Ankerplätzen an. Wir entscheiden uns für einen ganz speziellen, eben für das Herz. Rückwärts fahren wir in die enge Bucht, lassen dabei auf 4 m Wassertiefe den Anker in den Sand fallen. Eine Landleine nach hinten, später noch jeweils eine weitere zu den Seiten.

Eingeparkt. ☺️

(für bessere Auflösung auf die kleinen Bilder klicken)

Das Wetter ist ein bisschen durchwachsen, sonnige Abschnitte wechseln sich mit Regen ab. Sollten die Pilz-Inseln mit dem ganz dünnen Stiel eigentlich Regenschirm-Inseln heißen?

Unsere zwischenzeitlichen Nachbarn Rosa und Gunnar lassen sich scheinbar inspirieren und setzen mit dem knallroten echten Regenschirm (und mit den roten Masten ihres Wharram-Katamarans) herrliche Farbtupfer in die grün-türkise Kulisse.

In einem trockenen Abschnitt steht mal wieder ein Ausflug in den Mast der Flora an. Rigg checken: ja, auch das. Vor allem aber: unsere Windanzeige ist auf der Herfahrt hinsichtlich der Windstärke in den Streik getreten, zeigt die Windrichtung aber weiterhin an. Wahrscheinlich ist also nur das Anemometer (das sich eigentlich durch den Wind drehende Schalenkreuz) fest. In 20 m Höhe mit etwas Schmiermittel eingesprüht, lässt es sich tatsächlich wieder leicht drehen.

Wir bleiben noch ein wenig und wollen das Labyrinth über und unter Wasser erkunden.

Batavu Harbour: Korallen und Schnorcheln

So sehr uns der Wind- und Wellenschutz von Batavu Harbour auch gefällt, immer wieder mal stecken wir unsere Nasen doch heraus vor die Tür.

Gleich außerhalb der Einfahrt liegt nämlich eine kleine Insel. Bereits kurz nach Hochwasser zeigt sich ein schmaler Streifen, bei Ebbe ist das Eiland mit einem breiten Sandstrand hinüber nach Vanua Balavu verbunden. Hier am Strand können wir dann in gutem Wellenschutz unser Dinghy ankern und an dem die Insel umgebenden Korallenriff schnorcheln gehen.

Obwohl die Sichtverhältnisse unter Wasser eigentlich nicht ideal sind, zieht es uns doch mehrfach hier her. Der Grund: bei Niedrigwasser fällt ein großer Teil des Korallenriffs trocken.

Viele Rifffische sammeln sich dann am äußeren Saum des Riffs, also genau dort, wo wir Schnorcheln. Vielleicht kein ganz so klares Wasser, aber ansonsten: Aquarium!

Die bunten Kiemen der Weihnachtsbaumwürmer schauen in großer Vielzahl aus den Korallen hervor (und ziehen sich schnell zurück, wenn wir ihnen zu nahe kommen). Auch Seenadeln (enge Verwandte der Seepferdchen) sehen wir häufig:

Noch etwas anderes fällt häufig ins Auge, teils grüngelb, teils lila gefärbte etwa tellergroße Gebilde:

Obwohl sie optisch an eine weiche Pflanzenknospe erinnern, sind sie tierisch und sehr hart. Diese Pilzkorallen gehören tatsächlich zu den Steinkorallen, nur die Färbung erhalten sie durch symbiotisch mit ihnen zusammen lebende Algen.

Beim Schnorcheln hier am Riff bekomme ich auch erstmals einen Schwarm Großmaul-Makrelen (auch Indische Makrelen genannt) vor die Kamera. Die zumeist etwa 20 cm langen Fische ernähren sich hauptsächlich von Plankton und seihen nahe der Oberfläche mit weit aufgerissenem Maul in Schwärmen auch durch unsere Ankerbucht. Von oben erkennen wir aber zumeist nur das Glitzern der silbernen Köpfe.

Als Nesseltiere weit weniger beliebt, sind auch die blau- bis lilafarbenen Kranz- oder Kronenquallen hier derzeit ziemlich häufig:

Zum Glück müssen wir uns beim Schwimmen nicht großartig vor ihnen in Acht nehmen. Sie haben keine langen Nesselfäden und sind etwa so groß wie ein Medizinball, also ziemlich leicht zu erkennen. Zudem soll ihre Berührung beim Menschen wenn überhaupt dann nur eine kaum spürbare Reizung auslösen.

Wollen wir gar nicht ausprobieren. Lieber mit etwas Abstand ihre Schönheit und ihre durchaus anmutigen Bewegungen anschauen.

Susui

So klein die Insel Susui auch ist, sie weist doch ganz viele unterschiedliche Facetten auf. An unserem Ankerplatz vor dem Dorf ist vom Tiefwasser der Lagune einfach anzulaufen.

Ein weiterer Ankerplatz liegt zwischen Susui und der Nachbarinsel Namalata. Wir erkunden ihn nur mit dem Dinghy, denn die Zufahrt zu diesem verlockend seeartigen und fast rundum geschützten Ankerplatz ist deutlich kniffliger. Sie führt durch flaches Wasser, wir messen aber vom Dinghy aus mit dem Handlot immer mindestens 3,5 m Wassertiefe. Dabei muss allerdings Slalom um die verstreuten Korallenbommies gefahren werde. Immerhin wissen wir jetzt, machbar wäre es auch mit der Flora.

Das Dorf Susui liegt strategisch gut auf dem schmalen Istmus der gleichnamigen Insel, so haben die Dorfbewohner Zugang zur inneren Lagune und ebenso zum Außenriff. Ganz einfach ist dieser Zugang allerdings nicht, vor allem bei Niedrigwasser. Denn in diesem Bereich ist die Insel von einem Korallengürtel umgeben. Er ist dem Sandstrand mit etwas Abstand vorgelagert und fällt bei Ebbe in Teilen sogar trocken.

Bei Sturm bietet dieses Riff einen gewissen Schutz vor den sich aufbauenden Wellen, allerdings nur, wenn es nicht allzu schlimm wird. Beim Zyklon Wynston 2016 wurden in dem kleinen Ort 8 Häuser völlig zerstört, die Bewohner hatten aber in der aus Stein gebauten und etwas höher gelegenen Schule Zuflucht gesucht und blieben unversehrt.

Im Bereich vor der Schule finden wir beim Schnorcheln diverse Riesenmuscheln (Giant Clams). Sie werden über einen Meter groß. Beeindruckender als ihre schiere Größe sind aber ihre farbenprächtigen Mantellippen.

Auch sonst weiß das Schnorcheln auf dem Riff mit seiner bunten Korallen- und Fischviefalt zu begeistern.

Und selbst direkt an der Flora können wir die Wunder der Unterwasserwelt bestaunen: mehrere Großflossen-Riffkalmare scheinen Floras Ankerkette zu ihrem Spielplatz oder (wahrscheinlicher) als Jagdsitz für die unter unserem Boot Schutz suchenden kleinen Schwarmfische zu nutzen.

Als wir durch den schmalen Dinghypass hindurch zum Strand fahren, zeigen uns drei Kinder aus dem Dorf den nicht ganz einfach zu findenden Weg hinüber zum Strand auf der Außenriff-Seite.

Als Anführer fungiert Tui (8, der prestigeträchtige Name bedeutet übersetzt „König“ oder „Häuptling“), außerdem Josua (10) und Vinendra (7) weichen uns nicht mehr von der Seite, bis wir den Strandspaziergang beendet haben und wieder im Dorf angekommen sind. Tui lässt es sich auch nicht nehmen, zwischendurch auf eine Palme zu klettern und uns eine Trink-Kokosnuss zu pflücken, die er mangels Machete gleich am Strand auf einem Palmenstamm aufschlägt.

Kein Wunder, dass es uns hier so gut gefällt. Und doch: nach einer Woche beschließen wir, gemeinsam mit Lille Venn und My Motu zur andere Seite der Hauptinsel Vanua Balavu weiterzusegeln. Der Wetterbericht kündigt den Durchzug eines Troges an, da kann das Verholen an einen gegen Schwell noch besser beschützter Ankerplatz sicher nicht schaden.

Zwischenstand aus Minerva

Ganz lange bleiben wir nicht das einzige Boot in Minerva, einen Tag nach uns kommt auch die Scout und ankert neben uns. Noch einen Tag später kommen auch Jacqui und Phil mit ihrer Skylark an. Alle hatten wir eine ziemlich unangenehme Passage, müssen uns erst einmal von der Seekrankheit erholen.

Hier in Minerva gilt es zunächst, das Schiff wieder in Ordnung zubringen. Die salzwassernasse Fock wird aus dem vorderen Bad wieder an Deck geschafft. Kleine Leckagen an ein paar Fenstern und Luken bei den schweren überkommenden Wellen haben zudem für reichlich zusätzliche Arbeit gesorgt. Die Stromversorgung der UKW-Funke habe ich repariert. Wir stellen aber fest, dass Seewasser in den längs durch die Flora führenden Kabelkanal gelangt ist und an verschiedenen Stellen in Schapps und Schränke gelaufen ist. Die dadurch nass gewordene Kleidung müssen wir mit Süßwasser waschen. Kein Problem, sollte man denken, wir haben ja seit Whangarei jetzt wieder eine Waschmaschine an Bord. Stimmt – aber das Trocknen macht Probleme. Dauernd ziehen Squalls durch, bei diesen Regenschauern kann die Wäsche nicht draußen am Seezaun hängen. Und wenn, dann können die Klammern sie kaum festhalten. Es bläst. Böen bis 32 Knoten waren heute eigentlich angesagt, tatsächlich hatten wir mehr als 41 Knoten (Windstärke 9 Beaufort). Und morgen sind bis 37 kn angesagt. Erstaunlicherweise sind die Wellen hier in Minerva dabei noch recht erträglich. Besonders wenn man bedenkt, dass (außerhalb des Riffs) knapp 4 m Welle stehen. Für morgen sind sogar 4,6 m vorhergesagt.

Wie sieht das aus? Jayne und James von der Scout haben mit ihrem Dinghy einen Ausflug an die innere Riffkante gemacht. Vom Riffdach aus gibts bei Niedrigwasser einen etwa kniehohen Wasserfall in die Lagune, draußen ans Außenriff donnern die brechenden Pazifikwellen. Von Bord der Flora zeigt sich das so:

Bei Hochwasser schafft es der Ozeanschwell stark abgeschwächt über das Riffdach. Dann wird es hier am Ankerplatz unruhiger, aber bisher ist es immer noch gut erträglich.

Nach dem Peak morgen sollen sich Wind und Wellen dann ab übermorgen langsam wieder abschwächen.

Samstag kann ich dann vielleicht auch in den Mast, um das zum Glück am Fallenaustritt hängengebliebene Fockfall herunterzuholen. In 20 m Höhe schaukelt mir das derzeit zu sehr.

Dann doch lieber erstmal an Bord der Scout mit Jayne und James dessen Geburtstag nachfeiern.

Überhaupt hat man ja von der Scout aus einen besonders schönen Blick auf die Flora, wie auch das von James geschossene Sonnenaufgangsfoto zeigt:

Auf der Horizontlinie ist übrigens kein fernes Land zu sehen, sondern eben die Ozeanwellen außerhalb des Riffs.

Tschüss Minerva.

Die Gemeinschaft der Langfahrtsegler ist flüchtig, wird immer wieder neu zusammengewürfelt. Aber zugleich ist sie wunderbar intensiv, auch und gerade an so abgelegenen Orten wie dem Minerva Riff. Ein Boot hat zu kleine Süßwasservorräte? Ein anderes mit Wassermacher hilft aus. Tauchflaschen werden gefüllt. Man hilft sich mit Ersatzteilen. Auf der türkischen Hallberg-Rassy 49 Deriska ist der Wassermacher ausgefallen. Zufällig haben wir den benötigten Kondensator mit 2 Mikrofarad an Bord, jetzt läuft er wieder. Selbst Lebensmittelvorräte werden aneinander abgegeben, vieles muss jetzt vor der Einfuhr nach Neuseeland weg.

Aber wo treffen wir uns, wenn es doch in Minerva keine Bar und keinen Palmenstrand gibt? Nicki und Mike von der Zen Again organisieren ein Dinghy Raft-Up an ihrem Boot. Auch so geht Socialising unter Seglern:

Es ist super entspannt. Und doch, ein Thema zieht sich wie ein roter Faden durch alle Gespräche: das Wetterfenster für die Weiterfahrt nach Neuseeland. Die rund 850 Seemeilen lange Strecke führt durch ein Gebiet mit schnell ziehenden intensiven Wettersystemen und spannenden Wellenbedingungen, es gibt also reichlich Diskussionsstoff. Uneinig sind selbst die „Wetterpäpste“ bzw. Router, die viele der Crews zu Rate ziehen.

Aber es hilft ja nix. Wiebke und ich haben für die Flora ein passendes Wetterfenster ausgemacht, nachdem sich die verschiedenen Modelle auf PredictWind endlich deutlich aneinander angenähert haben. Mittwoch morgen geht es los.

Ein letztes Mal wird noch mit der Tauchflasche das CopperCoat des Unterwasserschiffs geputzt. Ralf von der Barbarella füllt sie mir wieder auf und gemeinsam machen wir auch noch einen Tauchgang am Blue Hole des Außenriffs von Minerva. Leider streikt meine Kamera, die Bilder hat Ralf (Barbarella) gemacht, dafür bin ich dann auch mal auf den Tauchfotos. Faszierend an diesem Tauchgang sind vor allem die Fächerkorallen an der Steilwand und die unglaubliche Vielzahl von gesunden, bunten Korallen auf dem Riff, außerdem natürlich das Blue Hole. Klasse.

Die Wetterlage scheint sich ein bisschen zu festigen. Sehr ruhiges Wetter zum Abschied und wenig Wind für den Beginn der Passage, dann aber zunehmend.

Der letzte Abend im Minerva Riff beschert uns einen herrlichen Sonnenuntergang, und am Morgen des Aufbruchs zeigt sich Minerva noch einmal von seiner besten Seite als Ruhepol im Pazifik.