Aquarium

Wenn die Seekarte schon den Hinweis auf zwei Schnorchelbojen und die Ortsbezeichnung „Aquarium“ enthält sollten wir da wohl nicht einfach dran vorbei segeln. Und so schlängeln wir uns durch den Bell Cut an ein paar Felsen und um Pastue Cay herum. Eigentlich wollten wir ankern, aber der Ankergrund ist hier vor O’Brien’s Cay etwas tricky. Es ist fast bis zum Ufer etwa 7 m tief, die Strömung ziemlich stark und auf dem Boden finden sich einige Korallenbereiche. Da nehmen wir dann doch gerne eine der 4 Bojen, die vom „Bahamas National Trust“ hier im Exuma Cays Land and Sea Park angebracht wurden (Ankern im Park 22 $, Bojen 35 $ pro Nacht für unsere Schiffslänge). Eine fünfte Boje liegt etwas abseits, näher an Johnny Depps Privatinsel (Little Halls Pond Cay) und hat eine andere Aufnahme, sie ist direkt an einem Flugzeugwrack befestigt und wohl nicht für Yachten ausgelegt.

Aber als wir mit dem Dinghy dort festmachen um die auf dem Kopf liegende recht gut erkennbare Cessna zu beschnorcheln ist die Strömung einfach noch zu stark. Also zurück zur Flora. Später tauchen wir dann erst einmal ins Aquarium ein und werden als Neuankömmlinge von einem Franzosen-Kaiserfisch und diversen gestreiften Riffbarschen beäugt.

Aquarium. Und es fühlt sich wirklich so an. Wir schnorcheln einmal rund um die kleine Insel, die der Nordwestspitze von O‘Brien‘s Cay vorgelagert ist. Viele bunte Korallen und einiges an Fisch, wobei sich die Unterwasserwelt direkt bei den Bojen am dichtesten bevölkert präsentiert.

Weiblicher Grüner Papageifisch und …
das dazugehörige männliche Exemplar
Gelbstreifen-Grunzer, französische Grunzer und ganz rechts verschwindet gerade ein Eichhörnchenfisch
„Sergeant Majors“, gestreifte Riffbarsche
Blaustirn-Kaiserfisch in einem Riesen-Honigschwamm

Es ist herrlich bunt hier. Aber jetzt, kurz vor Stillwasser, probieren wir es auch noch einmal bei der Cessna und diesmal klappt es ganz gut.

Rumpf, Tragflächen und sogar der Propeller der auf dem Kopf liegenden Maschine sind gut zu erkennen. Die Seitentüren fehlen, wir können sogar durch den Flieger hindurch tauchen.

Am nächsten Tag bei Windstille vom Paddleboard aus aufgenommen:

Bei dieser Aktion fällt mir dann blöderweise die GoPro (natürlich ausnahmsweise ohne Schwimmgriff) ins Wasser und verschwindet mit der Strömung in der Tiefe. Ein Rettungsversuch ohne Tauchermaske schlägt fehl. Grr. Ich versuche, ungefähr an der Stelle zu bleiben, Wiebke holt meine Taucherbrille und Flossen. Und alarmiert unsere Segelfreunde. Schwups, kurz darauf sind Ingo (Easy-One), Janna (Thula) und Jochen (Caroline) da und wir schnorcheln im Suchraster das Gebiet ab, wobei die Strömung mit der auflaufenden Tide immer weiter zunimmt. Wenn die GoPro auf dem Sandboden gelandet ist, müssten wir sie finden. Ist sie irgendwo in den Korallen, wird es schwer. Jonas und Jonathan (Jollity) kommen auch noch dazu und suchen außerhalb unseres Musters. Erlösung: Jonas findet die Kamera direkt an einer Koralle ☺️. Das gibt dann eine große Sundowner-Runde auf der Flora 🍹 🍻. Wow, richtig Glück gehabt.

V.l.n.r.: Ilja, Andrea, Natalja, Wiebke, Ralf, Janna, Jochen, Jonathan, Leonie, der Held Jonas verdeckt, Ingo

Compass Cay

Die Entfernungen sind klein hier in den Exumas, statt langer Schläge ist es mehr ein Hüpfen von Insel zu Insel, die Ankerplätze liegen praktisch in Sichtweite voneinander. Trotzdem müssen wir „außen rum“, also hinaus in den tiefen Exuma Sound und dann wieder durch einen Cut hinein zwischen (und hinter) die Inseln.

Von Staniel Cay kommend wählen wir als nächstes Compass Cay. Schon der Name ist verlockend maritim, aber vor allem interessieren uns der Hike durch das fast trocken fallende kleine Flussbett und – da sind wir durch die Thunderball-Grotte offenbar auf den Geschmack gekommen – die per Dinghy erreichbaren Höhlen in den gegenüber liegende Rocky Dundas.

Zunächst liegt die Flora noch allein mit der Easy-One in der Bucht, doch kurz darauf gesellen sich die Thula und die Caroline dazu. Vier deutsche Boote“! Für die Thula ist der Besuch auf Compass Cay eigentlich Pflicht, lautet das Motto (auf ihrer Website) doch: LIVE YOUR LIFE BY COMPASS, NOT BY CLOCK. 😎

Und später am Tag kommen dann die holländische Doejong und die schweizer Jollity auf den Ankerplatz, beide Boote und Besatzungen kennen wir von früheren Begegnungen.

Die Höhlen der Rocky Dundas sind weniger bekannt wie die Thunderball-Grotte, aber auf ihre eigene Art ebenso attraktiv. Sie liegen bereits im „Exuma Cays Land and Sea Park“ und tatsächlich ist das Unterwasserleben vor den Grotten bunt und reichhaltig. Viele gesunde Korallen und entsprechend auch die dort Schutz findenden Rifffische begrüßen uns, als wir an einer der beiden vor den Höhlen angebrachten Dinghybojen festmachen.

In dem ziemlich flachen Wasser in den Höhlen selbst dann nur wenig Fisch, dafür aber eine beeindruckende Felsenlandschaft mit Stalagmiten und Stalagtiten, die wiederum durch Löcher in der Höhlendecke ganz malerisch beleuchtet wird. Und ein Farbenspiel, dass von dem pinkfarben bewachsenen Stein im überspülten Bereich über die grün bemoosten Wände bis zu ockerfarben matten und bläulich glänzenden Flächen im oberen Höhlenbereich reicht.

Nach einem ersten Besuch mit Wiebke, Andrea und Ingo fahren Ingo und ich noch ein zweites Mal hinüber, diesmal mit Janna und Ilja von der Thula.

Die Wanderung durch das Bachbett auf Compass Cay macht man am besten bei Hochwasser. Nicht wegen des Hikes selbst, sondern weil am Ende ein Bad in „Rachel’s Bubble Bath“ wartet. Bei Hochwasser (und Ostwind) schwappen die Wellen über die schmale Felswand, die Nordspitze von Compass Cay mit dem Rest der Insel verbindet. Das Luft-Wasser-Gemisch blubbert dann in den natürlichen Pool, aus dem heraus der Bachlauf dann zu unserem Ankerplatz fließt.

Ein gemeinsamer Abend am Strand, ein Spieleabend (Mexican Train Domino) mit den Andrea, Natascha, Ingo und Jochen auf der Easy-One. Wir sind sehr dankbar dafür, dass so etwas auch in Covid-Zeiten hier möglich ist. Viele Segler konnten sich inzwischen bereits impfen lassen, wir hoffen, dass es für uns direkt nach der Einreise in die USA klappen wird.

Vorher möchten wir aber die Bahamas noch ausgiebig weiter erkunden. Dabei kommen wir jetzt in den Exuma Cays Land and Sea Park, wo wir allerdings nur noch sehr eingeschränkt Internet haben werden, in weiten Teilen wohl gar keins. Also nicht wundern, wenn die nächsten Blogbeiträge evtl. keine Bilder haben 😉.

Grottig?

Staniel Cay ist DAS touristische Zentrum der Exumas. Mit Fluganbindung für Tagesausflügler, mehreren Resorts, den berühmten „Muss man gesehen haben“ – schwimmenden Schweinen. Und der „Thunderball-Grotte“, benannt nach dem vierten James Bond von 1965, der in Teilen dort gedreht wurde (und auch die 1983 unter dem Titel „Sag niemals nie“ erschienene Neuverfilmung, wie das Original mit Sean Connery als 007).

Reichlich AIS-Signale lassen sich schon aus der Entfernung ausmachen, wollen wir da wirklich hin? Gerade war es doch noch so schön idyllisch am ruhigen Ankerplatz bei den Urzeitechsen. Aber die meisten Boote sowie ein paar Superyachten liegen hinter Big Majors Spot (vor dem Strand der schwimmenden Schweine), wir dagegen fädeln uns zwischen der Felsenkette hindurch, an deren nördlichen Ende die Grotte liegt. Thula liegt schon dort, gemeinsam mit nur zwei anderen Schiffen. Wirklich voll sieht anders aus und die innere Abwehrhaltung ist schon mal deutlich geschwächt 😉.

Noch ist Niedrigwasser und nur drei Dinghys liegen vor der Grotte. Wir nehmen das als Chance. In die Höhle kann man bei Niedrigwasser hineinschwimmen, zudem gibt es mehrere Unterwassereingänge, durch die die auf dem Sandgrund reflektierende Sonne wie Unterwasserlampen blaues Licht hineinschickt. Und jetzt zur Mittagszeit strahlt die durch Löcher in der Höhlendecke Spot-Beleuchtungen hinunter.

Die Grotte erscheint im Inneren wie eine grün bemooste Kirchenkuppel, dazu die blaue schimmernden Unterwasserfenster, durchdringende Strahlen, bunte Fische, die Luftblasen von uns Schnorchlern, schon beim Hineinschwimmen sieht das magisch aus.

Und so richtig entfaltet sich der Zauber erst unter Wasser:

Und wenn das „Must See“- Programm hier schon so positiv überrascht, fahren wir mit dem Beiboot doch gleich auch noch um die Ecke. Da liegt die Easy-One, außerdem direkt vor ihr auch noch die Caroline aus Berlin, mit denen wir bisher nur per sozialen Medien Kontakt hatten. Aber Natascha und Jochen sind an Bord und so schnacken wir uns gleich bei ihnen fest. Fast hätten wir die schwimmenden Schweine darüber vergessen, aber vom Cockpit der Caroline haben wir einen guten Ausblick auf den „Schweinestrand“ und als am späten Nachmittag nur noch wenige Boote dort hinfahren, nutzen wir auch diese Chance.

Die Schweine leben auf der Insel und werden auch regelmäßig gefüttert, trotzdem: sobald ein Dinghy oder kleines Motorboot auf den Strand zufährt, kommt auch Bewegung in die Schweine. Sie trotten ins Wasser und schwimmen den Dinghys entgegen in der (oft begründeten) Hoffnung, von deren Besatzungen gefüttert zu werden. So haben sie sich zu einer Attraktion entwickelt, die auch in den eng gepressten Terminplan der Tagesausfügler gepackt wird. Schweinetypisch sind die Borstenviecher übrigens bei der Fütterung nicht eben zimperlich. Wenn Essbares im Boot ist, wird nicht nur wild gegrunzt, sondern auch gestupst und es werden auch schon mal die ja frisch gewaschenen Pfoten aufs Boot gedrückt, als wollten sie einsteigen. Wer an Land watet, um die Ferkel zu streicheln oder ein Selfie mit Sau oder Eber zu ergattern, bekommt von den Tourguides den guten Rat, die Hände nie nach unten, sondern stets nach oben zu halten. Wäre ansonsten unglücklich, wenn die Schweine die Finger mit Mohrrüben (auf die sie besonders erpicht sind) verwechseln. Das sieht allerdings dann ein bisschen so aus, als würden sich die an Land watenden Menschen den Schweinen ergeben 😂.

Auch zu uns kommen die Schweine angepaddelt, drehen eine Runde um Florecita und schwimmen dann mangels Fütterung wieder zum Strand (oder zum nächsten Boot).

Ein gemeinsamer Sundowner mit den Crews der Easy-One und der Caroline am Cruisers Beach gleich nebenan schließt den Tag würdig ab.

Heute dann gehen wir erst einmal in den Ort, Vorräte ergänzen. Nicht der preiswerteste Platz der Welt dafür, ein Liter H-Milch kann schon mal 6 US-Dollar kosten. Ist aber auch gerade kein Großeinkauf fällig, wir ergattern immerhin wieder einiges an Frischem, was uns auch für die Weiterfahrt in den Nationalpark (dort keine Einkaufsmöglichkeiten) ein kleines Polster verschafft.

Wir schlendern noch etwas durch den Ort und am Fähranleger fällt uns ein kleiner Steg auf, auf dem eine Frau Fische putzt. Ein Blick ins Wasser:

Die (ziemlich harmlosen aber zum Teil ganz schön großen) Ammenhaie und einige Rochen tummeln sich neben ihr im Wasser und versuchen die Fischabfälle zu ergattern.

Ganz gut kann man bei den Ammenhaien die im Nasenbereich ansetzenden Barteln erkennen, kleine fadenförmige Fortsätze mit Geschmacksknopen und Tastkörperchen, mit denen die nachtjagenden Tiere am Grund ihre eigentliche Hauptnahrung wie Seeigel und Krabben aufspüren, die sie dann einsaugen.

Danach gehts für uns wieder ins Wasser: ein weiteres Mal schnorcheln in der Grotte – einfach weil es uns so gut gefällt. Diesmal macht ein Typ mit Tauchscooter kurzfristig die eigentlich nicht sooo große Höhle unsicher, verzieht sich aber schnell wieder nachdem er beim Auftauchen mit dem Scheitel an der Höhlendecke bremst. Und auch wir wechseln den Schnorchelplatz, vor Staniel Cay gibt es – wie könnte es anders sein – auch noch ein Flugzeugwrack zu beschnorcheln, diesmal in ganz flachem und ruhigem Wasser.

Nur Flugzeugreste im öden Sand? Ein Blick unter die Tragfläche zeigt überraschend viel Farbe und Leben:

Und dann gibt es auch noch etwas zu feiern: Natalja hat Geburtstag und so treffen wir uns in geselliger Runde am Abend im Restaurant des Staniel Cay Yacht Club.

Wow. Der Aufenthalt hier in Staniel Cay hat sich dann doch als rundum schön und alles andere als grottig erwiesen.

Insel der Felsendrachen

Unser nächster Ankerplatz liegt bei Bitter Guana Cay. Dieses Mal können wir westlich der Inselkette bleiben und müssen nicht durch einen Cut hinaus in den Exuma Sound und dann wieder hinein in den Schutz der Inselkette segeln. Die Bucht weist einen schönen Sandstrand, aber auch eine malerische Steilküste mit leuchtend weißen Felsen auf, kaum ist der Anker gefallen, fahren wir hinüber.

Eine Besonderheit der von Menschen unbewohnten Insel sind die hier heimischen „Northern Bahamas Rock Iguanas“, diese Felsenleguane sind eine insgesamt bedrohte Tierart, die aber auf Bitter Guana Cay in großer Zahl leben. So hat sich die Insel zu einer Attraktion entwickelt, die wegen der Nähe zu dem Touristenhotspot Staniel Cay sogar in das Programm der Tagesausflüge (wörtlich zu nehmen, ✈️) von Nassau und Miami aufgenommen wurde. Faktisch folgt daraus, dass gelegentlich kleine Motorboote von Staniel Cay herübergesaust kommen und acht bis zehn Leute auf den Strand spucken, die dann aber nach 20 Minuten schon wieder abfahren. Die meiste Zeit des Tages sind wir allerdings allein in der Bucht. Na ja, nicht wirklich allein, denn die Felsenleguane sind eben an Menschen gewöhnt und kommen auf uns zu, sobald wir den Strand betreten, selbst wenn wir sie nicht füttern.

Diese Unterart (es gibt auch noch den Allan’s Cay Iguana und den Andros Iguana) zeigt ein eher dunkles, direkt nach der Häutung leicht bläulich erscheinendes Schuppenkleid mit vielen individuellen pinkfarbenen Sprengseln vor allem auf den Wangen, dem Nasenrücken und dem Kehllappen, am Bauch und den Beinen und dem Rückenkamm. Anders als die weit verbreiteten Grünen Leguane sind ihre Rückenstacheln ziemlich klein, eher gezackte Ausformungen des wulstigen Rückenkammes und bis auf die rosa Farbe fast unauffällig.

Sie haben zwar kräftige Krallen, aber als Pflanzenfresser Zähnchen, die ihrem sonst martialischem Aussehen mit der wie blutunterlaufen scheinenden rötlichen Lederhaut der Augen zu spotten scheinen. Aber es passt auch wieder, denn sie sind friedlich, hier offensichtlich an Menschen (und Fütterung) gewöhnt und kein bisschen aggressiv, obwohl sie so urzeitlich aussehen, dass Wissenschaftler und Filmemacher sich bei ihnen Anregungen für die Rekonstruktion des Aussehens von Dinosauriern geholt haben sollen. Und sie sind mit im Normalfall unter einem Meter Gesamtlänge klein genug um nicht Angst auszulösen, als sie im knappen Dutzend aus ihren schattigen Verstecken kommen und sich auf unsere am Strand angelandeten Dinghys zu bewegen.

Leguanspur
Ankerwache oder Ankerdrache?

Übrigens finden sich bei weitem nicht alle diese Echsen am Strand ein. Als wir oben auf die Steilküste klettern, sehen wir auch dort immer wieder Felsendrachen.

In diesem Fall kein Drache, sondern ein Felsen-Ingo 😁

Bahamas: Farbcodierung und andere Besonderheiten

Die vielen pastellfarbenen Häuser auf den Bahamas passen perfekt zu den hellen, zarten Tönen die auch die Natur hier – vor allem im flachen Wasser – hervorbringt. Aber erst nachdem wir schon einige Zeit hier sind haben wir erkannt, dass sie zumindest bei den öffentlichen Gebäuden tatsächlich einem eigenen Code entsprechen. Es gibt wohl auch Ausnahmen, aber mit schöner Regelmäßigkeit sind Schulen gelb gestrichen, oft mit (gerne mint-)grüner Kontrastierung. So auch hier im Black Point Settlement auf Great Guana Cay, ebenso wie zuvor z.B. auf Little Farmers Cay.

Medizinische Versorgung (so denn vorhanden) dagegen wird typischerweise in zartrosa gestrichenen Gebäuden zu finden sein, gerne mit weißem Fries. Hier …

und z.B. auch auf unserer ersten Insel in den Bahamas, Great Inagua:

Supermärkte sind nicht kodiert, aber für den Besuch dort ist auch nicht ihre Farbe, sondern der Terminplan des Postschiffes der entscheidende Faktor. War das Angebot gestern noch ziemlich übersichtlich, finden wir heute sogar Salat und Frischkäse. Klar, die „Lady Francis“ war da und rauscht heute Morgen durch das Ankerfeld wieder davon. Postschiff, Versorgung und Fähre zugleich.

Ananas finden wir trotzdem nicht, jedenfalls keine echten Früchte, obwohl dieses Obst für die Bahamas so typisch ist und nach der Eigenwerbung des Landes hier zuerst kommerziell angebaut wurde. Immerhin hat das dazu geführt, das die Pflanze in die Währung des Landes Einzug gehalten hat, wenn auch nur auf der kleinen 5 Cent Münze.

Da freut es uns Segler doch, das die Wertschätzung für das Segeln unter Palmen ein Vielfaches höher ist … 😘

Performance auf Little Farmer’s Cay

Mit drei deutschen Booten (Easy-One, Thula und Flora) ziehen wir von Rudder Cut Cay gemeinsam weiter nach Farmer’s Cay. Wir ankern am Rand des Sandflachs zwischen der Südspitze von Great Guana Cay und Little Farmer’s Cay.

Little Farmer’s Cay hat eine kleine Inselgemeinde, wir treffen ausnahmslos auf überaus freundliche Menschen. Es gibt ein öffentliches Dinghydock und sogar eine kleine Promenade am flachen Fischerhafen.

Dort findet sich auch ein kleiner Supermarkt, der Füllstand der Regale ist allerdings erschütternd gering.

Die Besitzerin des Ladens entschuldigt sich, sie hat nicht nachbestellt weil sie und ihre Schwester ab Sonntag für einige Zeit in Nassau sein werden. Medizinische Behandlungen, die aber eben auch ans Ende der Saison gerückt wurden.

Hm. Nicht weiter schlimm für uns, wir finden ein paar Bananen und Limetten, außerdem H-Milch. Vor allem letzteres ist gut, weil unser Milchpulver langsam zur Neige geht.

Weniger schön ist, dass uns auch auf dieser Insel der problematische Umgang mit dem Zivilisationsmüll wieder vor Augen geführt wird. Zwar können wir unseren gesammelten Bootsmüll (gegen 5 $ pro Sack) abgeben, er wird wie der Müll der Einwohner auf der örtlichen Deponie verscharrt werden. Größerer Müll, etwa alte Autos oder Außenborder, finden sich zwar irgendwie „geordnet“ oder besser zusammengeführt, aber einfach am Straßenrand.

Etwas wieder aufgeheitert wird unsere Stimmung von einem hübschen Bahamas-Kolibri.

Und kurz danach weiter, als der örtliche Polizist Manroe sein Dienstfahrzeug neben uns zum Stehen bringt um lokal-typisch ein bisschen mit uns zu klönen. In Badeschlappen, die Pistole in der Tasche der Jogginghose. Bahamas-Style-Police.

Das eigentliche – völlig unerwartete – Highlight steht uns aber noch bevor. Als wir auf ein Bier in den „Yacht-Club“ schauen, sind wir zwar die einzigen Gäste auf der Terrasse. Von drinnen kommt aber Jasmine heraus. Ihren Großeltern gehört das Restaurant. Andrea hatte Jasmine beim SUP schon getroffen und ein bisschen mit ihr geschnackt, sie außerdem eine Proberunde auf dem Paddelboard fahren lassen. Jetzt saust Jasmine wider hinein, holt ihren Bruder. Beide sind in den USA geboren, aber ihre Mutter stammt von hier und sie verbringen hier Zeit bei ihren Großeltern. Wir klönen über dies und das, Isryel erzählt, dass er Tänzer ist. Er versucht uns zu erklären, was genau er tanzt, zählt diverse Styles des Breakdance auf. Er hat in verschiedenen Kompanien getanzt, auch mit Auftritten in Europa. O.K., wir sind ziemlich blank auf diesem Feld. Macht nichts, er wollte sowieso gerade ein Video drehen, holt seine Box und ab geht’s. Eine fast siebenminütige Stand-Up-Performance zwischen Breakdance und Ausdruckstanz, professionell artistisch, mit unfassbarer Körperkontrolle und unter Einbindung der örtlichen Gegebenheiten wie der Treppe, dem Kai, dem Tisch, WUNDERBAR! Und danach eine kleine Vorlesung darüber, was er jetzt eigentlich gezeigt hat. Wir sind begeistert. Noch lange sitzen wir acht am Tisch zusammen und erzählen.

Zurück am Boot schnorchele ich nochmal den Anker ab, denn das Echolot liefert uns eine weitere überraschende Show: von scheinbaren 1,5 m Wassertiefe klettert es schnell auf 3 m und fällt dann ebenso schnell wieder ab. Das wiederholt sich. Augenscheinlich bewegen wir uns aber nicht. Pflanzen scheiden als Auslöser auf dem reinen Sandgrund ebenfalls aus, Fischschwärme können wir nicht erkennen. Die Lösung ist einfach und erstaunlich zugleich. Einmal mehr führt das Zusammenspiel von Wind und Tide dazu, dass wir über unseren eigenen Anker getrieben sind und die Kette unter dem Schiff nach hinten läuft. Kommt sie straffer, empfängt das Lot ihr Echo und zeigt eine geringere Wassertiefe an, kommt sie wieder loser, sehen wir wieder die echte Tiefe von 3 m.

Beim Schnorcheln entdecke ich dann aber auch noch etwas anderes. Neben dem Sandflach, im durchgehenden Fahrwasser, ist der Grund unebener, weist kleine Korallenblöcke und Steine auf. Einige kleine bunte Fische haben sich hier eingefunden, aber vor allem fällt ein Pazifischer Rotfeuerfisch auf.

Diese wunderschön exotisch anmutenden nachtjagenden Raubfische sind im Atlantik eigentlich nicht heimisch, haben sich aber seit Mitte der achtziger Jahre explosionsartig vermehrt. Wissenschaftler vermuten, dass einige wenige Exemplare aus Salzwasseraquarien entweder ausgesetzt wurden oder bei einem Hurrikan ins Meer gelangten. In der Karibik haben sie sich zu einer Plage entwickelt, denn sie haben hier keine natürlichen Feinde, dezimieren aber den Nachwuchs der heimischen Rifffische so stark, dass das Ökosystem an den Riffen aus dem Gleichgewicht zu geraten droht. Tauchschulen machen an manchen Tagen gezielt Jagd auf sie, aber das ist ein Tropfen auf den heißen Stein.

Rotfeuerfische sind giftig, aber das Gift sitzt nur in der Haut der Rückenstacheln und der hinteren Bauchtflossen bzw. -Stacheln. Ich hole vom Schiff meine auf Long Island gekaufte „Hawaiian Sling“, eine Art Kreuzung aus Harpune und Zwille (Spearguns, die typischen Harpunen, sind auf den Bahamas nicht erlaubt). Und tatsächlich kann ich den hier „Lionfisch“ genannten Exot speeren.

Jetzt aufpassen, dass er nicht am Speer entlang zur Hand rutscht und dann an Bord filetieren (dazu erst einmal mit einer Schere die giftigen Stacheln abschneiden). Der Fisch schmeckt übrigens sehr lecker!

Schnorcheln in den Exumas

Die vielen weiten und hellen Sandflächen hier verleiten zu der Vermutung, die Unterwasserwelt in den Exumas könnte eine langweilige Ödnis sein – weit gefehlt, es geht mehr als nur das Sammeln von Sand Dollars. Da sind zum einen die vom Menschen ergänzten interessanten Schnorchelziele, bewusst wie bei der Statue der Meerjungfrau am Piano oder unabsichtlich wie bei den diversen Flugzeugwracks, die hier im flachen Wasser gut zu sehen sind. Um nicht wenige davon ranken sich Legenden nach denen die Flieger zum Drogenschmuggel benutzt wurden und direkt mit bekannten Namen des kolumbianischen Medellin-Kartells in Verbindung gebracht werden.

Nicht immer muss das stimmen, gelegentlich sind die Geschichten hinter den Flugzeugabstürzen banaler, aber wie beim Seemannsgarn setzen sich mit der Zeit und jeder weiteren Überlieferung eher die spektakuläreren (und häufig spekulativeren) Storys durch. Ein schönes Beispiel dafür ist HIER erläutert.

Bei den vielen kleinen und kleinsten Landepisten, die sich hier gefühlt auf jeder zweiten Insel finden und den Schwierigkeiten, ein etwaiges Wrack zu bergen und zu entsorgen ist jedenfalls die Dichte der Flugzeugwracks ziemlich hoch. Wie auch immer, auch hier bei Rudder Cut Cay finden sich etwa in der Verlängerung der quer über die Insel verlaufenden kurzen Landepiste die Reste eines Flugzeugs im seichten Wasser, wobei kaum mehr als die Flügel zu erkennen sind.

Aber es geht auch ganz anders: in unmittelbarer Nähe unseres Ankerplatzes finden sich große Flächen mit Weichkorallen, Gorgonen und Federbüschen, immer mal wieder durchsetzt auch mit Korallenköpfen aus Hartkorallen. Bei einem Driftschnochelgang, das Dinghy hinter uns her ziehend, genießen wir auch diesen farbenfrohen Teil der hiesigen Unterwasserwelt.

Sei es mit Kaiserfisch,
Schwärmen von Grunzern,
einem Bienenwaben-Kofferfisch (mit Lippenstift ☺️)
… oder einem friedlichen Ammenhai.

Ein weiteres deutsches Schiff ist eingetroffen, die „Thula“ aus Kiel mit Janna und Ilja. Die beiden haben wie wir in 2019 die Leinen losgeworfen, aber mit ihrer 33 Fuß langen Vindö 45 in dieser Zeit die Strecke bis nach Moorea in der Südsee, dann gegen Wind und Strömung zurück nach Panama und bis hierher in die Bahamas zurückgelegt. Hut ab! So verbringen wir einen schönen Abend auf der Flora gemeinsam mit den Crews der Thula und der Easy-One.

Ankern in den Bahamas, Schnorcheln mit Meerjungfrau

Das Ankern hier in den Bahamas, gerade hier in Exuma hat ein paar Besonderheiten. Klar, es ist ein Tidenrevier, aber der Tidenhub ist eigentlich nicht besonders groß. Meist sind es zwischen 60 und 80 cm, gelegentlich wird es etwa 1 m Unterschied zwischen Ebbe und Flut. Trotzdem warnt die Seekarte vor gefährlichen Bedingungen, wenn nur eine mäßige Brise von gut 10 kn (oder mehr) Wind gegen die Tidenströmung in einem Cut steht. Denn durch diese schmalen und oft auch recht flachen Öffnungen zwischen den wie eine einzige Barriere in Reihe liegenden Inseln presst sich der Tidenstrom des Wassers der riesigen Great Bahama Bank. Dabei entsteht eine kräftige Strömung.

Und die wirkt sich auch beim Ankern aus. Gerade mit unserem 2m-tiefgehenden Boot können wir im Flachwassergebiet hinter den Cays oft nur in den flussähnlich durch die Sandbänke mäandernden Prielen ankern, durch die eben auch das Wasser ein- und ausströmt. Nicht umsonst gibt es eine spezielle Ankermethode namens „Bahamian Mooring System“, bei der mit zwei Ankern (einer nach vorne, einer nach achtern, beide über den Bug) der Schwoiraum im engen Priel bei wechselnder Tiede begrenzt wird. Gut erklärt z.B. HIER.

Bisher mussten wir so allerdings noch nicht ankern, denn wenn genug Platz vorhanden ist bevorzugen wir freies Ankern mit nur einem Anker, das erleichtert auch ein schnelles Ankerauf-Manöver.

Aber: das freie Ankern führt hier gelegentlich zu befremdlich anmutenden Positionen von Anker und Ankerkette relativ zum Boot.

Finde den Fehler: hier liegt der gut eingegrabene und nur seinen Schaft zeigende (Spade-)Anker bei Stillwasser neben Floras Heck, am Bug hat die Kette eine Schleife gelegt.
Und hier liegen wir zwar mit dem Bug in der Strömung, gleichwohl aber hat uns der achterliche Wind gegen die Strömung über den Anker geschoben, die gesamte Ankerkette liegt in einer geraden Linie unter dem Boot durch nach hinten, die Ruckdämpfer an der Ankerkralle hängen beidseitig am Bug hinunter nach hinten gespannt. Warum dreht das Boot nicht mit dem Bug in den Wind? Wir vermuten, dass das Unterwasserschiff der Strömung beim Drehen zu viel Angriffsfäche bietet.

Nach so viel (hoffentlich zumindest für die Segler interessanten) Spezial-Kram noch eine eher skurrile Auswirkung der Tidenströmung:

Nahe an unserem Ankerplatz vor Rudder Cut Cay, einer der Privatinseln des Illusionisten David Copperfield, hat der Magier die Statue eines Konzernflügels in Originalgröße mit einer an die Klavierbank gelehnten Meerjungfrau versenken lassen, etwa vier Meter ist das Wasser hier tief. Ein wirklich bezaubernder Schnorchelspot 😉. Als wir unser Dinghy daneben verankert haben und mit Tauchflossen hinüber schwimmen wollen, kommen wir kaum gegen die Strömung an, es ist wirklich anstrengend. Ein Ausflugsboot kommt dazu, drei Touristen ohne Flossen springen ins Wasser und wollen zur Meerjungfrau hinuntertauchen, werden aber einfach an der Statue vorbeigetrieben. Das Ausflugsboot sammelt sie ein Stückchen weiter wieder ein.

Und danach: den Abend auf dem Vorschiff genießen 😌.

Raus aus den Tropen

Aktuell freuen wir uns über schön hohe Erträge aus unseren Solarpanelen. Eigentlich kein Wunder, das Wetter ist fast durchgehend schön, die Sonne scheint, es gibt nur wenig Wolken. Und: die Sonne steht sehr hoch am Himmel, wirft Mittags nur ziemlich kurze Schatten. So ist das nunmal in den Tropen? Na ja, bis Georgetown waren wir in dieser Klimazone. Aber die Stadt liegt auf dem Wendekreis des Krebses, also auf etwa 23,5 Grad nördlicher Breite (23° 26′ 05″). Zur Sommersonnenwende am 21. Juni steht die Mittagssonne hier also genau senkrecht über der Stadt. Zwar scheint die Sonne nicht so lange wie im Sommer in Schweden, aber der Winkel ist halt perfekt (und unsere auf dem Bimini montierten Module werden ja nicht an den Winkel angepasst).

Die paar Meilen, die wir inzwischen in den Exuma weiter nach Norden gesegelt sind, ändern an unseren Solarenergieerträgen natürlich erstmal nichts, allerdings: die Tropen haben wir schon verlassen. Gefühlt ist es trotzdem heißer geworden, denn erstmals seit längerer Zeit haben wir zuletzt ein paar schwachwindige Abende erlebt (wirklich nur zum Sonnenuntergang, tagsüber war feiner raumer bis achterlicher Segelwind 😁). So sah z.B. die Easy One an unserem Ankerplatz vor Lee Stocking Cay von Bord der Flora betrachtet aus:

Lee Stocking Cay ist schon eine ganz besondere Insel. Die Anfahrt ist ein bisschen tricky, einmal mehr zeigt die Seekarte im Fahrwasser stellenweise nur exakt unseren Tiefgang an. Aber mit auflaufender Tide kommen wir unproblematisch durch und finden einen Ankerplatz direkt vor dem leicht verfallenen Anleger.

Das „Perry Institute for Marine Science“ hatte hier ein groß angelegtes Forschungszentrum errichtet, quasi ein ganzes Dorf mit eigenem Flugplatz und Hangar, Slipbahn und Bootsanleger, Wasserwerk, Labors, Werkstätten, diversen Seewasserbecken und Forschungsaquarien. Heute steht alles leer, wobei es wirkt, als wäre das „Science Center“ urplötzlich und Hals über Kopf verlassen worden. Akten liegen noch herum, Gasflaschen und Tanks verrosten, ein Pickup steht mit offener Motorhaube vor der Werkstatt. Computer und Batterien für deren unterbrechungsfreie Stromversorgung stehen in einer Ecke. Die Landebahn (Runway) ist in Teilen zugewuchert, einige Häuser sind ziemlich verfallen, andere noch recht intakt.

Irgendwie erstaunlich, zumal das Perry Institute sich die Verbesserung der Nachhaltigkeit des (maritimen) Ecosystems auf die Fahnen geschrieben hatte („… to improve the sustainability of our marine ecosystems“.

Und es gibt viele Kokospalmen, deren Nüsse ungenutzt herunterfallen, aber da können wir ein wenig Abhilfe schaffen.

Ganz ungefährlich ist der Nahkontakt mit fallenden Kokosnüssen und Werkzeugen nicht und so geht es auch nicht ganz ohne körperliches Blessuren ab, aber zum Glück nichts Ernstes. Aber die Rückenprobleme kommen wohl nicht nur von der Kokosnussverarbeitung, sind aber am nächsten Morgen schon wieder deutlich abgeklungen.

Und so können wir uns durch die schmale Rinne und das Flachwassergewirr wieder auf den Weg machen und weitere Inseln der Exuma erkunden. Mit unserem Tiefgang geht es erst einmal außen herum weiter.