Auckland: Tour, Kultur und Kulturen

Das aufgeschlitzte Dinghy hatte ja schon die geplante Wanderung auf Great Barrier Island ausfallen lassen und auch danach einen Landgang schwierig gemacht. In Auckland erhoffen wir uns eine professionelle Rettung des Beibootes und das Beheben unserer nur mäßig erfolgreichen Flickschusterei, aber darauf müssen wir ein wenig warten. Erst am folgenden Wochenende ist ein Termin für eine Reparatur zu haben.

Macht nix, wir haben uns ja extra einen Platz in der Bayswater Marina reserviert, den können wir problemlos bis übers Wochenende verlängern. Die Marina hat mit einer Fähre direkte Anbindung hinüber zur City von Auckland, perfekt. Erst aber bleiben wir auf dem „North Shore“ und trainieren bei einem ausgedehnten Spaziergang die schlappen Seglerbeine. Wir haben ja bereits von unserem Liegeplatz in der Marina einen wunderbaren Ausblick auf Auckland Downtown, aber auch auf der Wanderung bietet sich immer wieder die Ansicht der unverwechselbaren Skyline dieser Stadt. Mal hinter den bei Ebbe trockenfallenden Mudflats, mal aus Wäldern und Parks, mal über Mangroven hinweg. Wir wandern zunächst durch den Stadtteil Bayswater, dann um zwei große, den Stadtteil Narrow Neck begrenzenden Flachwasserbuchten herum zum Stadtteil Devonport mit seinen viktorianischen Holzhäusern. Ein Frühlingsspaziergang bei bestem Wetter.

Das Bier zum Abschluss im Patriot in Devenport haben wir uns nach der Tour wohl verdient, zurück zur Marina lassen wir uns dann im Uber chauffieren.

In den nächsten Tagen nehmen wir dann ziemlich regelmäßig die Fähre hinüber nach Downtown und auch dort kriegen unsere Beine genügend Bewegung. Der Wollladen in Parnell wird besucht, die Vorräte auf Flora müssen aufgestockt werden.

Wir treffen uns mit Freunden zum Essen. Und wir nutzen das kulturelle Angebot der Großstadt. In der Auckland Art Gallery Toi O Tāmaki besuchen wir die Ausstellung Picasso: Designed by Paul Smith. Es ist spannend zu sehen, wie der britische Mode-Designer Paul Smith durch seine Raumgestaltung, durch Beleuchtung, Farb- und Formspiele exemplarische Werke Picassos aus verschiedenen Perioden noch einmal anders ordnet und akzentuiert. Dem berühmten Kopf des Bullen wird eine Hommage und Interpretation (natürlich mit den für Smith typischen bunten Streifen) gegenüberstellt, Tapeten der Collagen Picassos nimmt Smith als Wandgestaltung auf, die von Picasso in eine Vogue-Ausgabe gemachten zeichnerischen Ergänzungen in einen komplett mit Vogue Covern (natürlich in Streifen) ausgekleideten Gang drapiert. Picassos Schwarzweiß-Zeichnungen zum Stierkampf-Thema finden sich an blutrot gestrichenen arena-runden Wänden.

Die absolut besuchenswerte Auckland Art Gallery hält neben dieser (kostenpflichtigen) Ausstellung aber auch noch diverse andere kostenfreie Ausstellungen bereit. Etwa die beeindruckende Sammlung historischer Porträts bedeutsamer Maorí-Persönlichkeiten.

Zeichnungen des überwiegend für seine extrem schlanken Bronze-Skulpturen bekannten Schweizer Künstlers Alberto Giocometti, und noch so vieles mehr.

Maorí-Kultur findet sich übrigens verstärkt auch im öffentlichen Straßenraum. Neue Skulpturen fallen an den Haupteinkaufsstraßen ins Auge, aber es gibt auch versteckte Kleinode. Unsere neuseeländischen Segelfreunde Kim und Ben machen uns auf eine interaktive Installation in einer Straßenunterführung neben einer Baustelle aufmerksam. Per QR-Code kann ein Maorí-Lied angehört und geübt werden. Wenn man es singt, löst die Installation eine Licht-Show unter der Brücke aus und aus Lautsprechern erklingt zudem das angesungene Lied.

Auckland bietet viele kulturelle Überraschungen. Eine weitere ist das Diwali-Festival, das wir mit Kim und Ben besuchen. Dieses größte Straßenfest der City of Sails verwandelt einen erheblichen Teil der Innenstadt für zwei Tage in eine indische Kulturmeile. Immerhin sind rund 300.000 Neuseeländer indischer Abstammung. Sie bilden mit etwa 6 % die drittgrößte Bevölkerungsgruppe nach den Europäisch-stämmigen und den Maorí. Die Straßen sind dicht gesäumt von Street-Food-Ständen mit ausschließlich vegetarischen indischen Spezialitäten sowie von Buden die Kunsthandwerk oder Henna-Tatoos anbieten. Drei große Bühnen sind aufgebaut. Nicht nur indische Folklore, neben traditionellen auch zeitgenössische Aufführungen, auch indischer Hip Hop und überhaupt moderne Interpretationen von indischer Musik und Geschichten erzählendem Tanz. Mal in Tracht, mal in Lederjacke. Es ist quirlig, laut, farbenfroh und stimmungsvoll.

Lichtshow und Feuerwerk gibt’s zum Abschluss des Diwali-Festivalwochenendes auch noch, aber da sind wir wohlgenährt und vom Herumlaufen auch ziemlich erschöpft dann doch schon wieder zurück auf der Flora.

Urlaubsgefühl

Über eine Woche war Ruhe auf diesem Kanal. Machen wir Urlaub?

Erstmal nicht wirklich, wir hatten durchaus zu tun. Aber jetzt sind alle dringenden Arbeiten an Flora erledigt, es kann weitergehen.

Die Segel sind vom Segelmacher zurück und wieder voll einsatzfähig. An einem windstillen Vormittag haben wir sie auch wieder angeschlagen. Das ist insbesondere beim Großsegel durchaus mit einigem Aufwand verbunden. 56 Quadratmeter schweres Hydranet-Tuch wollen gebändigt, hochgezogen und in den Mast gerollt werden. Danach dann langsam wieder herausrollen, um die durchgehenden vertikalen Latten in die Segeltaschen einzufädeln und zu spannen. Die größte der fünf Segellatten ist länger als unser Schiff, das ist also schon ein bisschen Action.

Auch die Lichtmaschine tut inzwischen wieder, was sie soll. Scott von EM-Power hat sich unseren Mastervolt-Lichtmaschinen-Regler vorgenommen. Zunächst schien alles ok. Als wir aber die Motordrehzahl erhöhten, stieg der Regler aus und startete neu. Dafür hatte Scott dann am späten Abend auch keine Erklärung mehr und wollte am nächsten Tag wiederkommen.

Brauchte er aber nicht, denn in der Nacht hatte ich einen Geistesblitz. Der Lichtmaschinenregler ist über den Öldruck geschaltet. Könnte es am Öldruckgeber oder an dessen Kabel liegen? Volltreffer, eine lose Steckverbindung am Öldruckgeber war der Übeltäter.

Außerdem haben wir für die Zeit auf der Werft schon mal vorgearbeitet und einige Teile bestellt. Die Schrauben der Tanks unter den Fußbodenbrettern wieder angezogen, die hatten sich gelockert und damit bei Seegang Quietschgeräusche ausgelöst.

Dazu natürlich sauber gemacht und bei der Gelegenheit auch die Bilgepumpe am tiefsten Punkt im Inneren des Schiffes gereinigt.

Den Stauraum unter der Achterkoje ausgeräumt, sortiert, Sachen zum Sozialladen gebracht, die Hochdruckpumpe des Wassermachers ausgebaut, gereinigt und wieder eingebaut, einige Schläuche und Ventile beim Wassermacher erneuert, und und und.

Zwischendurch genießen wir aber auch den Frühling in Whangārei, machen einen Ausflug in den Quarry Garden. In einem ehemaligen Steinbruch wurde ein Park angelegt. Halb botanischer Garten, halb Planten und Blomen, mit See und mehreren Wasserfällen, dazwischen Skulpturen und auch Reste des industriellen Steinbruchs. Und hier auf der Südhalbkugel lässt der Frühling halt jetzt die Pflanzen sprießen und die Farben leuchten.

Sabine und Jochen liegen mit ihrer Josa auch am Steg bei Dockland 5, gemeinsame Sundowner, Spieleabende und ein Besuch beim „Oktoberfest“ im Judge Alehouse sind da logisch und wir bleiben länger in Dockland 5 als ursprünglich geplant.

Aber wir reißen uns los. In gut einem Monat ist schon unser Krantermin und bis dahin wollen wir auch seglerisch etwas mehr von Neuseeland erkunden. Etwa fünf Wochen haben wir dafür erstmal, es fühlt sich wie Urlaub an. Die Inseln zwischen Whangārei und Auckland stehen auf dem Programm. Und es geht sehr gut los!

Die direkt vor den Whangārei Heads gelegenen Hen and Chicken Islands bieten keinen guten Ankerplatz bei den derzeitigen Südwestwinden, daher segeln wir durch diese Inselgruppe hindurch weiter hinaus zu den ebenfalls unbewohnten und seltener besuchten Mokohīnau Islands. Etwa 33 Seemeilen Richtung Osten sind es nach unserem Übernachtungsstop in Marsden Cove bis dort. 6 Stunden herrliches Segeln bei strahlendem Sonnenschein, im Wind ist auf dem nur 15° kalten Wasser trotzdem recht frisch, Fleecepulli ist angesagt.

Und dann erwartet uns dieser spektakuläre Ankerplatz, eingerahmt von hoch aufragenden Felsnadeln und fast senkrechten Cliffs:

Hier an Land zu gehen wäre ja ohnehin schwierig, es ist aber sowieso verboten. Nur die größte Insel des unter Naturschutz stehenden Archipels darf betreten werden. Also machen wir das Dinghy klar, erkunden ein wenig die Höhlen und Felsbögen der Cliffs an unserem Ankerplatz und fahren dann hinüber nach Pokohino, das auch Burgess Island genannt wird. Auf 122 m Höhe macht hier seit 1883 ein Leuchturm auf die verstreuten Felseninseln aufmerksam. Vor über 40 Jahren wurde er automatisiert, seitdem ist die ganze Inselgruppe unbewohnt.

Das Anlanden auf Pokohino ist nicht ganz einfach. Zwar gibt es eine alte, halbverfallene Betonpier, aber die dazu gehörige Treppe ist bei unserer Ankunft dem Ozeanschwell doch ziemlich ausgesetzt. Ich setze erst Wiebke ab, die mit einer langen Leine das Dinghy auf der Pier sichert, dann werfe ich den Dinghyanker an der Bungee-Leine. In einer Wellenpause an die Treppe motoren, überspringen ohne auf der glitschigen Treppe auszurutschen und das Dinghy vom Bungee zurückziehen lassen. Klappt.

Von der Pier zieht sich ein schöner Trail hoch zum Leuchtturm. Von dort haben wir einen tollen Ausblick über den Archipel (wir können den Mast der Flora ersähen, sie ist heute das einzige Boot hier) und bei der guten Sicht sogar zurück bis Hen and Chicken und weiter bis hinüber nach Great Barrier Island.

Pokohino ist wie alle Eilandes des Archipels eine Vogelinsel. Wir hatten bei den steilen Felsen eigentlich überwiegend Seevögel erwartet, aber das grüne Inselinnere bietet ganz offensichtlich auch vielen anderen Vogelarten willkommene Rückzugsorte. Wir hören und sehen unter anderem Maorí-Honigfresser sowie die einheimischen Kākāriki-Sittiche.

Vor allem aber freuen wir uns über die zahlreichen wunderschönen Tuí.

Ein weiteres Highlight gibt’s auf der Rückfahrt zur Flora: mehrere große Tümmler jagen zwischen den Schwärmen von Großmaul-Makrelen in der Bucht. Die Delfine kommen direkt zu unserem Dinghy geschwommen, drehen eine Runde um uns und widmen sich dann wieder den Makrelen.

In der „Blue Lagoon“ bei Anelen und Tai

Mit dem Dinghy fahren wir aus der Bucht vor Nabouwalu heraus, eben nördlich um die Ecke herum. Hier liegt die Makani von Einhandseglerin Ruby vor Anker, die wir schon in Französisch Polynesien und auch Tonga getroffen haben. Vor dem Schnorcheln klönen wir noch ein bisschen mit Ruby und beschließen dann, Flora hierher zu verholen. Auf Noforeignland heißt der Ankerplatz „Blue Lagoon“, aber da ist dann doch deutlich vielleicht jemandes Phantasie ein bisschen durchgegangen. Weder ist das Wasser besonders blau, noch wird dieser Platz durch eine eigene Lagune gebildet. Eigentlich ist es eine eher offene Bucht, so dass tatsächlich auch etwas mehr Schwell hinein steht. Schön ist es aber trotzdem, denn im hell türkis schimmernden Flachwasserbereich bei 5 m Wassertiefe gibt es einige ausgedehntere Sandflecken zwischen den Korallen, hier findet auch der Anker guten Halt.

Auf den sich an der ganzen Bucht entlang ziehenden heller Strand aus Sand und Korallenschutt scheinen einige größere Felsen wie malerisch hingewürfelt. Neben Palmen wird der Strand auch von Bäumen einer Feigenart gesäumt, deren knorriger Stamm und die teils niedrig über den Strand kriechenden Äste manchmal kaum von den Steinen zu unterscheiden sind.

Ein bisschen versteckt liegt das Grundstück von Anelen und Tai an dieser Bucht. Wir statten den beiden einen Besuch ab und werden gleich mit Pawpaw (Papaya) beschenkt.

Bei unserem nächsten Besuch bringen wir Gegengeschenke mit, unter anderem für ihre kleinen Töchter Eka (2 1/2) und Sai (1) Farbstifte und einen kleinen Stoffteddy. Das kommt gut an und unsere Gastgeber stiefeln gleich wieder in ihren großen Garten. Tai holt Cassawa (Maniok / Tapioka) und zeigt uns auch gleich, wie man die äußerlich dunkelbraunen Wurzeln am Besten von ihrer harten Schale befreit um an das strahlend weiße Innere zu kommen. Zubereitet wird Cassawa dann wie bei uns Kartoffeln: meist gekocht, aber frittiert, gebraten oder im Ofen gegart geht ebenso.

Wir verlegen uns vom Schenken auf das Helfen: am Haus lehnen zwei feste, nicht angeschlossene Solarpanel. Darauf angesprochen, erklärt Tai, die Panel würden nicht funktionieren. Bei dem einen ist die Ursache offensichtlich, es ist zerbrochen. Das andere sieht aber heile aus. Ich hole Werkzeug vom Boot und messe es durch. Das Panel ist in Ordnung, die Steckverbindung im Kabel aber defekt. Also nochmal zum Boot, MC4-Stecker und Crimpzange holen. Nach der gelungenen Reparatur stellt sich aber heraus, dass im Haus zwar neue Batterien stehen, allerdings gibt es keinen Solarregler. Die Batterien sind auch nicht angeschlossen und werden auch nicht geladen. Man halt halt schon mal einzelne Teile, aber noch kein System. Energie gibt’s derzeit nur direkt über einen Dieselgenerator.

Wir haben noch einen älteren Solarregler an Bord, der mal als Reserve gedacht war, dann aber durch einen etwas größeren verdrängt wurde. Und auch eine USB-Steckdose, die ebenfalls einer leistungsfähigeren gewichen ist. Also nochmal zum Boot, die Teile holen und installieren. Hier machen sie Sinn und liegen nicht nur rum. Die erste provisorische Installation passt ganz gut zu den vor Ort bereits vorhandenen „fliegenden“ Kabeln aber ich bereinige meinen Teil dann doch noch etwas. Und jedenfalls funktioniert es.

Tai möchte dann noch das Panel auf das Wellblechdach bringen. Als ich mit ihm aufs Dach steige, findet sich dort oben zu meiner Überraschung sogar schon eine Unterkonstruktion.

Allerdings sind die Schrauben der Befestigungswinkel zu kurz. Nochmal zur Flora, da habe ich etwas längere, passende.

Viel Fahrerei und Bastelei, aber auch das gute Gefühl, vor Ort sinnvoll geholfen zu haben. Ein schöner Nachmittag!

Bavatu Harbour

Im Norden von Vanua Balavu schneidet der Naturhafen Bavatu etwa einen Kilometer tief in das Inselinnere. Eine 40 m hohe Insel teilt steil aufragend die Einfahrt, so dass die Bucht fast rundherum geschützt ist. Das ist gut, trotzdem suchen wir uns ob des Starkwind ankündigenden tiefdunklen Lilas der Windvorhersage einen Platz in der hinterste Ecke von Bavatu Harbour.

Hier, ganz im Südosten der Bucht, können wir uns wunderbar verkriechen. Wir liegen im Windschatten einer senkrecht vor uns in die Höhe steigenden Felswand. Die kleine, dicht bewachsene Insel hinter uns bietet zudem die Gelegenheit zum Ausbringen einer Landleine. So können wir Flora quasi fest einparken und schwingen an dem engen und nach hinten schnell flach werdenden Ankerplatz nicht herum.

Kurz nach uns kommt die Lille Venn an, sie entscheidet sich für die andere Seite der kleinen Insel. My Motu legt sich dann wiederum auf unsere Seite. Was für ein herrliches Fleckchen!

Tatsächlich haben wir hier bisher von den kräftigen Winden und Böen praktisch nichts gespürt.

Die Nähe zu den dicht mit alten Bäumen bewachsenen Uferwänden hat zudem noch einen weiteren Vorteil: wir können von der Flora aus Flughunde an ihren Rastplätzen beobachten. Auch wenn wir die meisten nur im Flug sehen, weil sie zum Abhängen hinter das dichte Blattwerk schlüpfen, ein paar dieser hier wohl etwa 80 cm Flügelspannweite messenden Fledertiere zeigen sich uns dann doch auch vor dem grünen Vorhang:

Und wir können an diesem geschützten Platz im Bavatu Harbour die Flora auch gut mal alleine lassen und einen Hike auf die andere Seite der Insel machen. Durch den Wald hindurch und auch quer über die unerwartet großflächigen, mit Palmen bestandenen Weiden einer Farm.

Beim Wandern huschen vor uns immer wieder kleine Eidechsen davon. Insbesondere beim Sonnenbaden auf den aus den Wiesen ragenden Korallensteinen (oder ganz oben auf einer Mimose) können wir sie dann doch auch in Ruhe beobachten. Es sind Pazifische Blauschwanz-Eidechsen. Trotz des Namens ist der im Verhältnis zum Körper auffällig lange Schwanz allerdings nur bei Jungtieren wirklich auffällig irisierend blau. Mit zunehmendem Alter wechselt die Farbe über Blaugrün zu dem unauffälligen Braun des Körpers.

Eine zusätzliche Belohnung bei dieser ohnehin schon schönen Wanderung ist der Aussichtspunkt am westlichen Ende des Trails. Hoch oben von einer steilen Klippe bietet sich ein famoser Blick über die „Bay of Islands“. Dieses kleine Juwel ist mit seinem Gewirr von Inseln und Buchten für die meisten Segler der Hauptgrund für das Törnziel Vanua Balavu.

Wanderin über dem Inselmeer

(oder Korallenfelsen auf Vanua Balavu)

Damit blicken wir auch auf unser nächstes Ziel, denn wenn sich der Wind etwas legt, wollen wir Flora um die Nordwestecke von Vanua Balavu herum in die Bay of Islands segeln. So richtig eilig haben es damit aber weder der Wind noch wir.

Purer Zufall: Gerade als wir wieder weiter wandern wollen, kommt Ingo von der Easy-One am Aussichtspunkt an. Er ist von der Bay of Islands herauf gewandert. Zuletzt hatten wir uns in Französisch Polynesien gesehen. Verabredet haben wir uns hier oben nicht, wollten uns aber in der nächsten Zeit in der Bay of Islands treffen.

Tagesreise zum etwas ANDEREN Supermarkt

Von Yagasa in der abgelegeneren südlichen Lau-Gruppe machen wir einen Übernacht-Törn von 115 Seemeilen hinauf nach Vanua Balavu, der Hauptinsel der Lau.

Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/File:VANUABALAVU_MAP_TURAGA_NA_RASAU.GIF#/media/File:VANUABALAVU_MAP_TURAGA_NA_RASAU.GIF
Unser Noforeignland-Track von der Südlichen Lau-Gruppe hinauf nach Vanua Balavu

Mittags segeln wir los und besonders in den ersten sechs Stunden ist es herrliches Bilderbuch-Segeln. Guter Wind und glattes Wasser, so schön hatten wir das lange nicht mehr. Auch die Nacht durch bleibt es fein, nur die Wellen nehmen etwas zu. Und obwohl wir bis ins dritte Reff gehen, sind wir etwas zu schnell unterwegs. So drehen wir vor der Einfahrt in das Riff von Vanua Balavu bei und warten ab, bis es hell wird. Erst dann laufen wir durch den breiten und jetzt gut erkennbaren Südost-Pass in die große Lagune ein und steuern die Insel Susui an.

In der Bucht vor dem kleinen Dorf liegen schon Mareike mit ihrer Moana sowie die Norweger Carine und Bruse mit ihrer Noxoma vor Anker, jetzt kommen die Flora und kurz darauf die Lille Venn dazu.

Mareike berichtet, dass Headmann Jacob und die meisten anderen Inselbewohner zur Zeit im Hauptort Lomaloma auf Vanua Balavu sind, weil ein neuer Chief in sein Amt eingeführt wird. Unser Sevusevu muss deshalb warten und findet später dann untypisch für Fiji stark verkürzt statt: als wir gerade alle beim Sundowner auf der Moana sitzen (und die Siege von Norwegen und der Schweiz feiern), kommt Jacob mit seinem Longboat zurück und hält bei uns an. Nein, morgen sei er wieder in Lomaloma. Ob wir ihm vielleicht einfach die Kawawurzeln geben könnten? Na klar und schwupp – Sevusevu ist schon durch, wir sind willkommen im Dorf und auf der Insel.

Nach nunmehr schon über sechs Wochen ohne echten Einkauf geht unser Gemüse langsam wirklich zur Neige. Hier auf Susui ist keins zu bekommen, aber andererseits würden wir gerne noch etwas hier bleiben. Wir vereinbaren mit Jacob, dass er am übernächsten Tag die Crews der Flora, der Lille Venn und der Noxoma mit seinem Longboat hinüberfährt zu einer Farm auf Vanua Balavu.

Und so machen wir das.

Glücklicher Zufall: das Versorgungsschiff ist auch gerade in Lomaloma. In dem kleinen Dorfladen dieses mit 250 Einwohnern Hauptortes von Vanua Balavu können wir deshalb neben Kartoffeln und Zwiebeln sogar einige Äpfel erstehen. Und, in der zum Laden gehörenden „Tankstelle“, auch Benzin für den Außenbordmotor unseres Dinghies.

Nebenbei: hier gibt es auch ein lange entbehrtes Speiseeis.

Für den eigentlichen Gemüseeinkauf steigen wir um in einen Pickup (bzw. für die Jungs auf die Ladefläche). Mit dem geht es über Schotterstraßen und Feldwege in Richtung Farm.

Zwischendurch machen wir noch Halt bei der Yavusavusawaitui Womens Expo 2026. Im Caree um den Dorfplatz sind Pavillons aufgestellt. Festlich gekleidete Damen sitzen auf dem Boden oder am Rand der Pavillons im Sonnenschutz, teilweise werden Produkte wie Fächer oder Kokosöl zum Verkauf angeboten.

Auch wenn sich uns der Sinn nicht so richtig erschließt, immerhin können wir vor Ort gleich nebenan Bok Choy kaufen.

Ein Dorf weiter holen wir dann den Farmer ab und mit ihm geht es steil den Berg hinauf zu seinem (hauptsächlich) Gemüseanbau. Unser Supermarkt-Ersatz will sportlich erarbeitet werden!

Weißkohl, Tomaten, Grüne Bohnen, Kürbis, Auberginen. Wow. Dazu frischer Koriander und Papayas. Zwei Rucksäcke und eine Tasche schleppen wir zurück.

Jacob nimmt auch noch einen Via mit. Die stärkehaltige Pflanze ähnelt dem verwandten Taro, allerdings wird bei Via nicht die Wurzel sondern der Stamm geerntet.

Außerdem werden wir beim Einkauf mit frischen Kokosnüssen verwöhnt:

Tatsächlich ist dieser Einkaufstrip hier auf Vanua Balavu eher eine Tagesreise. Eine zum Genießen.

So wird Kokosöl auf Fulaga gemacht

Bei einem Besuch im Dorf erwähnt Lina, dass sie in dieser Woche Kokosöl machen wird und wir uns das gerne anschauen können. Lassen wir uns natürlich nicht entgehen.

Eins vorweg: Kokosöl und Palmöl sind zwei verschiedene Dinge. Palmöl wird aus dem Fruchtfleisch der dichten Büschel rötlicher Fruchtstände der Ölpalme hergestellt. Kokosöl dagegen: tja, aus dem weißen Fruchtfleisch der Kokosnüsse.

Seru zeigt uns, welchen Reifegrad der Kokosnüsse sie dazu hier auf Fulaga bevorzugen. Nicht die grünen Trinknüsse, na klar. In den braunen ist weniger Wasser, mehr Fruchtfleisch. Zu unserer Überraschung nimmt Seru aber am liebsten die bereits angekeimten Kokosnüsse, die schon etwa zwei Wochen am Boden gelegen haben. Praktisch kein Kokoswasser mehr, dafür ganz viel Fruchtfleisch und gerne schon etwas schaumartiger „Kokosapfel“ im Inneren. Der wird wird für das Öl zwar gar nicht verwendet, zeigt aber den richtigen Reifegrad an.

Der Schaum kann einzeln gegessen werden. Das feste weiße Fruchtfleisch wird dann aus der Nuss gelöst, zerkleinert und ausgepresst. Jetzt könnte eigentlich mit dem Kochen begonnen werden, aber dann müsste man sehr lange kochen, um das ganze Wasser zu verdampfen. Die Brennstoff sparendere Methode: den offenen Topf ein paar Tage in die Sonne stellen. So trennen sich Wasser und Öl-Rohstoff schon einmal grob. Nach dem Abgießen wird dann nur der Öl-Rohstoff in einem Topf aufs Herdfeuer in der Hütte gesetzt.

Als Brennstoff dienen neben etwas Holz die Kokosnuss-Schalen und die „Barawa“ (die hinter dem Herdfeuer in der Ecke stehenden trockenen Palmblattansätze. Wie eine Fackel brennen sie vom oberen Ansatz und werden nach und nach ins Feuer geschoben.

Jetzt kochen und dabei kontinuierlich rühren. Mit der Zeit wird der Kokosgeruch immer deutlicher. Aber erst wenn die festen Reste des weißen Kokosfruchtfleisches bräunlich werden und zuckerartig kristallisieren ist es soweit. Die süßlich schmeckenden Brösel werden abgesiebt und zurück bleibt das reine Kokosöl.

Insbesondere wenn das Kokosöl zur Pflege von Haut oder Haar verwendet werden soll, werden auch Blüten oder Blätter (z.B. Hibiskus oder Frangipani) beim Kochprozess hinzugefügt.

Lina mag das Kokosöl aber am liebsten pur und findet, dass es dann für die Zubereitung von Speisen auch am universellsten verwendet werden kann.

Wir bekommen gleich eine Kostprobe: Seru bereitet aus Mehl, Wasser und etwas Zucker Teig für „Saparaki“ vor. Diese Pfannkuchen werden dann von Lina in heißem Kokosöl ausgebacken. Anders als klassische Doughnuts werden sie aber nicht mit Eiern (dann wären es in Fiji „Parile“) und auch nicht mit Hefe (sonst „Babakau“) gemacht.

Lecker (auf fijianisch: maleka)!

Aber wir werden noch weiter verwöhnt. Lina hat aus Mehl und heißem Wasser noch einen anderen Teig vorbereitet. Aus den abgekühlten Kugeln rollt sie mit einem Nudelholz auf einer runden Holzplatte Roti-Fladen, der indische Einfluss in Fiji reicht kulinarisch bis auf die Lau-Inseln.

Seru schabt derweil aus (diesmal ungekeimten) Kokosnüssen wiederum das Fruchtfleisch heraus.

Er presst es mit den Händen aus. Die so gewonnene sahnige Kokosmilch wird dann über die von Lina in der heißen Pfanne gebackenen (nicht frittierten) und dann aufgerollten Roti gegossen.

Und natürlich lassen es sich die beiden nicht nehmen, uns nach dem leckeren Essen auch noch eine Flasche von dem frisch gemachten Kokosöl mitzugeben.

Leere Glasflaschen (Weinflaschen mit Schraubverschluss) sind im Dorf übrigens für das Abfüllen des Öls sehr begehrt. Wir haben Lina ein paar mitgebracht, neben kleinen Gastgeschenken wie Tüchern, Sonnenbrillen, Lesebrille, Schnorchelbrille, und Verbandszeug für Linas maladen Daumen.

Lebensmittel anbauen, ernten, verarbeiten, zubereiten. Für die Inselbewohner hier auf Fulaga macht das einen großen Teil ihres Alltags aus.

Was für ein Privileg, dass uns Lina und Seru an diesem Leben so unmittelbar teilhaben lassen.

Tschüss Minerva

Photo credit: Jayne, S/V Scout

Es ist soweit. An diesem Wochenende geht der Wind endlich mal auf deutlich unter 20 kn herunter. Zeit, um ganz oben an der Mastspitze das Fockfall einzusammeln. James von der Scout assistiert an der Sicherungsleine, dadurch muss Wiebke nicht zwischen Genuawinsch und Mastwinsch hin und her flitzen.

Leider hat sich die Kausch des Falls etwas im Fallauslass verklemmt, also nochmal runter, neues Werkzeug holen, wieder rauf in 20 m Höhe und: ja, ich kann dasFall mit nach unten nehmen.

Wir bereiten die Ersatzfock vor und Phil von der Skylark bringt seinen Feeder herüber, der an einer kurzen Leine das Einfädeln der Fock in das Profilvorstag erleichtert. So ziehen wir gemeinsam die neue Fock hoch und und sind – endlich – wieder voll einsatzklar. Super, denn am Montag gibt es ein Wetterfenster für die Weiterfahrt nach Fiji.

Wir klaren die Flora auf, gehen nochmal Schnorcheln …

…, noch einmal eine lange Wingfoil-Session:

Und auch die Drohne kommt nochmal zum Einsatz, um die einmalige Atmosphäre dieses so besonderen Ruheplatzes mitten im Ozean noch einmal in Bildern einzufangen.

Die anderen Crews gehen derweil auf Lobsterfang, Minerva ist bekannt dafür. Jacqui und Phil bringen uns nach ihrer erfolgreichen Jagd ein Prachtexemplar vorbei:

Lobster credit: Phil & Jacqui, S/V Skylark

Festessen also auf allen Booten einschließlich der Flora! Da kommen sogar die silbernen Hummergabeln zum Einsatz. Das Geschenk unserer Freundin Catalina aus Hamburg hat uns schon in der Karibik, in Maine, in Alaska und BC und jetzt hier in Minerva gute Dienste geleistet. Mehrere Riesendankeschön, Ihr Lieben.

Ganz ohne weitere Bootsarbeit geht’s leider doch nicht ab, der Wassermacher streikt. Der Elektromotor der Hochdruckpumpe gibt keinen Mucks von sich. Strom kommt bei ihm an. Also ausbauen, reinigen. Eine der Kohlefaserbürsten ist defekt. Vom letzten Tausch haben wir aber noch eine gebrauchte, die noch ausreichend lang scheint. Wir setzen sie ein und siehe da, der Wassermacher tut wieder was er soll.

Also: die Passage nach Fiji kann starten.

Flora wieder mit Fock auf der Rollanlage

Zwischenstand aus Minerva

Ganz lange bleiben wir nicht das einzige Boot in Minerva, einen Tag nach uns kommt auch die Scout und ankert neben uns. Noch einen Tag später kommen auch Jacqui und Phil mit ihrer Skylark an. Alle hatten wir eine ziemlich unangenehme Passage, müssen uns erst einmal von der Seekrankheit erholen.

Hier in Minerva gilt es zunächst, das Schiff wieder in Ordnung zubringen. Die salzwassernasse Fock wird aus dem vorderen Bad wieder an Deck geschafft. Kleine Leckagen an ein paar Fenstern und Luken bei den schweren überkommenden Wellen haben zudem für reichlich zusätzliche Arbeit gesorgt. Die Stromversorgung der UKW-Funke habe ich repariert. Wir stellen aber fest, dass Seewasser in den längs durch die Flora führenden Kabelkanal gelangt ist und an verschiedenen Stellen in Schapps und Schränke gelaufen ist. Die dadurch nass gewordene Kleidung müssen wir mit Süßwasser waschen. Kein Problem, sollte man denken, wir haben ja seit Whangarei jetzt wieder eine Waschmaschine an Bord. Stimmt – aber das Trocknen macht Probleme. Dauernd ziehen Squalls durch, bei diesen Regenschauern kann die Wäsche nicht draußen am Seezaun hängen. Und wenn, dann können die Klammern sie kaum festhalten. Es bläst. Böen bis 32 Knoten waren heute eigentlich angesagt, tatsächlich hatten wir mehr als 41 Knoten (Windstärke 9 Beaufort). Und morgen sind bis 37 kn angesagt. Erstaunlicherweise sind die Wellen hier in Minerva dabei noch recht erträglich. Besonders wenn man bedenkt, dass (außerhalb des Riffs) knapp 4 m Welle stehen. Für morgen sind sogar 4,6 m vorhergesagt.

Wie sieht das aus? Jayne und James von der Scout haben mit ihrem Dinghy einen Ausflug an die innere Riffkante gemacht. Vom Riffdach aus gibts bei Niedrigwasser einen etwa kniehohen Wasserfall in die Lagune, draußen ans Außenriff donnern die brechenden Pazifikwellen. Von Bord der Flora zeigt sich das so:

Bei Hochwasser schafft es der Ozeanschwell stark abgeschwächt über das Riffdach. Dann wird es hier am Ankerplatz unruhiger, aber bisher ist es immer noch gut erträglich.

Nach dem Peak morgen sollen sich Wind und Wellen dann ab übermorgen langsam wieder abschwächen.

Samstag kann ich dann vielleicht auch in den Mast, um das zum Glück am Fallenaustritt hängengebliebene Fockfall herunterzuholen. In 20 m Höhe schaukelt mir das derzeit zu sehr.

Dann doch lieber erstmal an Bord der Scout mit Jayne und James dessen Geburtstag nachfeiern.

Überhaupt hat man ja von der Scout aus einen besonders schönen Blick auf die Flora, wie auch das von James geschossene Sonnenaufgangsfoto zeigt:

Auf der Horizontlinie ist übrigens kein fernes Land zu sehen, sondern eben die Ozeanwellen außerhalb des Riffs.

Leinen wieder los!

Der Wecker würde um 6.00 Uhr klingeln, aber wir sind schon kurz vorher wach. Es geht endlich wieder los, unsere Segelsaison startet.

Kurz nach dem Morgenhochwasser laufen wir um 6.45 aus, der Hatea River ist für uns allenfalls etwa bis zur halben Tide befahrbar, jedenfalls müssen wir bis dahin den Kawaka Point vor der Halbinsel Onerahi passiert haben. Weiter flussabwärts ist es dann auch bei Ebbe tief genug. Klappt heute wunderbar, das Wetter spielt auch mit. Mehrere schöne Regenbögen, aber nur ein klitzekleiner Schauer auf den 10 Seemeilen zum Ankerplatz in der Munro Bay.

Eigentlich könnten wir bei dem vorwiegend achterlichen Wind auch segeln. Stattdessen brummt durchgehend der Motor, denn wir wollen die Antriebswelle (genau genommen deren präzise Ausrichtung) in verschiedenen Drehzahlbereichen des Motors ausgiebig testen. Durch die erneuerten Motorfüße sowie das neue Wellenlager und die neue Wellendichtung musste die Ausrichtung von Motor und Antriebswelle neu abgestimmt werden. Wirklich überprüfen lässt sich dass erst in Fahrt und so arbeiten wir uns auf diesem ersten kurzen Törn durch die verschiedenen Lastbereiche. Zum Glück gibt es keine Auffälligkeiten, das „alignment“ scheint in Ordnung zu sein.

Die Munro Bay hat eine relativ seichte Zufahrt, typisch für das mit Sandbänken durchzogene aufgefächerte Flussdelta des Hatea, wird aber an drei Seiten flankiert von den hügeligen Ausläufern der Whangārei Heads. Damit bietet sie auch gegen die aktuell in Böen kräftigen Westwinde recht guten Schutz. In der Munro Bay ankert schon die Freydis (eine Malö 46) unserer australischen Freunde Paula und Jim. Das passt, so können wir gemeinsam mit dem Dinghy am flachen und bei Ebbe trocken fallenden Scheitel der Bucht anlanden und einen schönen Spaziergang machen.

Es ist erstmal nur ein kurzes Wiedersehen, denn unsere Wege werden sich morgen schon wieder trennen, bevor wir uns hoffentlich in Fiji wieder treffen. Die beiden möchten ein Stückchen weiter nach Süden segeln. Wir dagegen haben entschieden, das kurze passende Wetterfenster zu nutzen, um in nördliche Richtung zur Bay of Islands aufzubrechen.

Napier in der Hawke’s Bay: Art Deco und Weinbau

Ein freudiges Wiedersehen: In Napier, an der weit geschwungenen Hawke’s Bay, treffen wir uns mit Barbara und Ralph von der Lille Venn.

Gemeinsam erkunden wir zunächst das Stadtzentrum. Die Besonderheit: Napier weist eine sehr hohe Konzentration von Gebäuden im Art Deco Stil auf, gilt deshalb (neben Miami Beach) als eine der Hauptstädte dieses Architekturstils.

Der Grund dafür ist ein katastrophaler. Am 3. Februar 1931 verwüstete das Hawke‘s Bay Erdbeben mit einer Starke von 7,8 auf der Richter Skala diesen Landesteil. Der Meeresboden hob sich großflächig um mehr als zwei Meter an, die bisheriger Lagune fiel weitestgehend trocken, 40 Quadratkilometer neue Landfläche entstanden.

Die Erschütterungen des zweieinhalbminütigen Hauptbebens und der etwa 600 Nachbeben sowie ausbrechende Feuer legten fast die gesamte Stadt in Schutt und Asche.

Trotz Weltwirtschaftskrise wurde die Stadt in einem Kraftakt wieder aufgebaut. Dafür wurden auch Architekturstudenten eingespannt. Art Deco wurde als optimistisch und zukunftsorientiert empfunden, das passte. Die Entscheidung für den zu der Zeit modernen Stil Art Deco war aber vermutlich nicht nur der „Mode“ geschuldet. Gegenüber den zuvor verbreiteten Holzhäusern wurden die Art Deco Bauten im Wesentlichen aus Betonplatten errichtet. Weniger feueranfällig und günstig, zumal auch die dekorativen Elemente des Baustils vergleichsweise preiswert herzustellen waren. Die charakteristischen geometrischen Formen, Wellen- und Zickzack- sowie Sonnen-Muster als Symbole von Freiheit und Kraft (flankiert von Ägyptischen anmutenden Anleihen nach der Entdeckung des Grabes von Tut Anch Amun) konnten auch mit Farbe hervorgehoben werden.

Vom langen schwarzen Strand der Stadt führt eine Betonplattform hinaus aufs Meer.

Am Horizont sehen wir gerade einen Holzfrachter davondampfen, durch Kahlschlag betriebene Waldwirtschaft bildet noch immer einen wesentlichen Wirtschaftszweig in Neuseeland. Der Holzhafen ganz nahe am Stadtzentrum zeigt das eindrücklich:

Und neben der Forstwirtschaft ist Landwirtschaft ebenso von großer Bedeutung. Um Napier ist das vor allem durch große Obstanbaugebiete sichtbar. Apfelplantagen und Weinbau stechen besonders heraus. Hawke’s Bay ist das älteste (und mit seinen über einhundert Weingütern heute noch zweitgrößte) Weinanbaugebiet Neuseelands. Insbesondere Chardonnay, Syrah und Merlot-Cabernet-Cuvées erreichen Premium Niveau.

Müssen wir natürlich ausprobieren (zur Begleiteung bei richtig guten Restaurantbesuchen) und anschauen (bei einer ausgiebigen Fahrradtour).

Besonders schön, dass wir das gemeinsam mit unseren Freunden erleben.