Auf in die Bahamas

Tschüss, Dominikanische Republik. Du hast uns wunderbar angenehm überrascht. Wenn wir ganz ehrlich sind, hatten wir kaum eine Vorstellung von Dir. Urlaubsinsel mit Hotels an Sandstränden einerseits, eher arm im Vergleich zu den meisten anderen Inseln der Karibik andererseits, so viel war klar. Widersprüchliches hatten wir zur maritimen Infrastruktur und auch zur Sicherheitslage in manchen Häfen gelesen. Die größte Verlockung waren die Wale, für deren Sichtung Du zwischen Januar und März so gute Chancen bieten sollst.

Und: Buckelwale gleich zur Begrüßung, palmengesäumte Hänge der Hügellandschaft, freundliche Aufnahme und unaufdringliche, zuvorkommende Menschen. Santa Bárbara de Samaná bunt, unzweifelhaft auch laut und (für uns) chaotisch, exotisch. Ein gutes Sicherheitsgefühl. Obst und Gemüse im Überfluss und zu unglaublich günstigen Preisen auf dem Markt. Spannende Ausflüge in die Umgebung und den faszinierenden Nationalpark “Los Haitises” mit seinen „schwebenden” Inseln, seinen Höhlen und den traumhaften Ankerplätzen.

Und schon sind wir zwei Wochen hier. Viel zu kurz, viel zu wenig gesehen von der Insel. Aber das ist ein Dilemma, das jede noch so lange Reise begleitet. Man möchte die Welt bereisen, verschiedene Orte, Länder, Kulturen kennenlernen. Und man möchte bleiben, mehr und noch intensiver eintauchen in das Leben vor Ort, hinter die Fassaden schauen, Menschen besser kennenlernen.

Die Dominikanische Republik war nur als Zwischenschritt auf unserer Seereise geplant, als kleine Wundertüte. Und jetzt macht sie uns den Abschied schwer. Zwei Wochen waren wir hier, aber die eben in der Bucht vom Samaná. Wir sind ein bisschen angekommen an diesem Ort, “unsere” Obstverkäufer erkennen uns wieder, “unsere” Rikschafahrer, “unsere Bedienung” in der Cocktailbar auf dem Malecón mit dem leckeren Fingerfood,

Andererseits: wir freuen uns auf die Bahamas, ein Sehnsuchtsort, den wir im letzten Frühsommer nur durchfahren, aber nicht intensiv erkunden durften (“Innocent Passage” wegen COVID-bedingter Schließung der Grenzen des Inselstaates).

Jetzt wollen wir uns Zeit nehmen, die vielen kleinen Inseln der Bahamas zu erkunden, gerade auch die etwas abgelegeneren.

Wir absolvieren den für die Einreise in die Bahamas erforderlichen PCR-Covidtest, können drei Stunden später die Ergebnisse im Labor abholen. Gehen in der Zwischenzeit noch einmal auf den Markt, kaufen Obst und Gemüse auf Vorrat für die ziemlich teuren Bahamas. Nochmal in den Supermarkt, um auch die länger haltbaren Vorräte aufzustocken. Eine Motorrikscha bringt uns vier und die Berge an Einkäufen zurück zur Pier, wo wir sie (mangels echtem Dinghydock) etwas abenteuerlich hinunter in das mit Heckanker am Betonkai herumschlingernde Beiboot bugsieren.

Zubereitungstips auf Deutsch für Yuca und Yams vom Mann der Marktfrau, der eigentlich als Reiseleiter arbeitet. Mangels Touristen hilf er jetzt seiner Frau.

Ausklarieren bei der Immigration, der super freundliche Officer dort darf aber selbst nur einklarieren. Er ruft seinen Chef an, der kommt nach kurzer Wartezeit mit dem Roller angebraust, bringt zwei mit einem Schloss gesicherte Stempel mit und klariert uns aus.

Weiter zur Armada, um das Despacho für die Weiterfahrt in die Bahamas zu erhalten. Aber erst das (abgelaufene) genutzte Despacho für „Los Haitises“ im Original abgeben. Ach so. Noch ein bisschen warten, bis der Chef unterschrieben und gestempelt hat, mit einem Armada-Officer zur Flora fahren, denn dort erst wird das ausgefertigte Dokument übergeben. Kann losgehen.

Noch nicht ganz. Denn erstmal beantragen wir mit den COVID-Testergebnissen online das Bahamas Health Visa unter http://www.travel.gov.bs, aber leider lässt die Rückmeldung auf sich warten. Als wir es das letzte Mal von den USA aus beantragten, hatten wir innerhalb von zwei Stunden die Zusage. Diesmal ist am nächsten Morgen der Status immer noch „Pending“, also in Bearbeitung. Wir verholen erst einmal hinaus zur Bacardi-Insel und werfen dort noch einmal den Anker. Eigentlich würden wir den Formalkram gerne vor der Abfahrt erledigt haben, denn erst bei Zusage können wir im nächsten Schritt 70 US$ an die Bahamas überweisen, die Health-Visa erhalten und damit dann auch das Cruising Permit für die Bahamas unter http://www.besw.gov.bs beantragen („click2clear“, was zur Not allerdings auch noch als erster Schritt in den Bahamas erfolgen könnte).

Um 11.00 immer noch „Pending“, also fahren wir los und hoffen, das sich der Status in der Zeit ändert, in der wir noch Empfang haben. 300 sm liegen vor uns bis zum Ankerplatz bei Matthew Town auf Great Inagua.

In den Bahamas selbst wird Internetempfang nicht immer gegeben sein. Wir können dann – wie auf langen Passagen – zwar über IridiumGo Texte im Blog posten, aber keine Bilder. Mal sehen.

„Bacardi“-Insel oder nicht

Wenn es für die Dominikanische Republik eine Windregel gibt, dann wohl die, dass die Brise nachts und am Morgen eher flauer ist und dann wieder zunimmt. Angesichts der spiegelglatten See entscheiden wir uns daher heute, mit den Dinghys die etwa drei Seemeilen hinüber zur Cayo Levantado zu flitzen. Diese Insel soll für einen der Bacardi-Werbespot als Kulisse gedient haben. Wir haben den Hit von Kate Yanai im Ohr, als wir auf den palmenbestandenen Strand zusteuern.

Allerdings, was aus der Entfernung so klischeehaft dem Karibikbild entspricht, erfüllt eben auch manches Karibik-Vorurteil. Noch während wir die Dinghys vorm Strand verankern wird uns eine Massage angeboten, unter den Palmen stehen (leere) weiße Liegen in Reih und Glied. Hinter den Palmen verbirgt sich ein Hotel, der Strand wird von Ausflugsbooten aus Santa Bárbara de Samaná regelmäßig angefahren. Auch wenn es jetzt hier relativ leer ist, so richtig wohl fühlen wir uns nicht.

Wir holen den Anker wieder auf und fahren hinüber zum „Mainland“, suchen uns dort eine kleine Bucht. Weniger türkises Wasser, weil vorgelagert im Wasser nicht flacher Sand sondern korallenbesetztes Riff zu finden ist. Da kommen unsere mitgebrachten Schnorchelsachen doch noch zum Einsatz.

Sandstrand nur vorn zwischen den beiden Felsen, dahinter ist es Kies. Dafür ist es schön einsam. Yoga am Strand.

Und als Zugabe bekommen wir wieder mal einen endemischen Vogel zu sehen: ein Haiti-Specht (gibt’s nur auf der Insel Hispaniola und ihren kleinen Nebeninseln) brütet in der Palme gleich hinter uns.

Nach einem ausgiebigen Picknick geht’s zurück zur Flora, da frischt der Wind tatsächlich auch schon wieder auf und die Dinghyfahrt wird etwas welliger. Ein kleines bisschen hatten wir gehofft, vielleicht auch wieder Buckelwale zu sehen, aber diesmal lässt sich hier keiner blicken.

Erst am Abend auf dem Malecón und beim dort an einer der kleinen Buden mit Blick auf den Ankerplatz genossenen Sundowner sehen wir wieder welche 😉, wenn auch eher als Zeichen dafür, wie wichtig die Wale für den Tourismus hier in der Stadt und der Region sind.

Santa Bárbara de Samaná und Salto El Limón

Der Ort Santa Bárbara de Samaná, zugleich Hauptstadt der Provinz Samaná, ist ein Zentrum des Tourismus im Nordosten der Dominikanischen Republik. Nicht zuletzt auch wegen der über 1.000 Buckelwale, die in den ersten Monaten des Jahres hierher in die Bucht kommen. Aber trotzt offener Grenzen sind die Hotels der Gegend offenbar alles andere als gut gefüllt, einige Whalewatching-Touren gibt es natürlich gleichwohl. Brauchen wir aber ja nicht, nachdem uns die Buckelwale schon so einen wunderbaren Empfang bereitet haben.

Überhaupt weicht das Bild, dass die Fremdenverkehrsseiten von Samaná zeichnen, ein kleines bisschen von dem Eindruck der Stadt ab, den wir bisher gewonnen haben. So oder so ähnlich sehen die Bilder der Tourismusbehörde aus, die auch in einem dieser Postkartenhäuser am Malecón ihre Dependance hat:

Bunt, ja. Aber auch deutlich gepflegter und weniger quirlig, als der Ort sich sonst präsentiert. Ein schönes Beispiel dafür ist der Markt, nur etwas weiter die Straße hinauf von der Promenade.

Was uns bei Obst und Gemüse positiv auffällt ist die fehlende Kühlung, so hält es sich an Bord wesentlich länger. Bei Fisch und Fleisch fehlt sie auch, das macht aber weniger Freude. Kleidung wird aus großen Säcken auf die meist zuvor mit Pappe ausgelegte Erde gekippt und aus diesen großen Bergen heraus verkauft. Bevorzugtes Verkehrsmittel sind kleinere Motorräder, meist ohne Helm und gern mit drei oder mehr Personen belegt. Es gibt auch Motorradrikschas und natürlich Autos. Anders als in Puerto Rico aber eher nicht amerikanische V8-SUVs. Es mutet afrikanisch an, und das nicht ohne Grund. Ein Großteil der Bevölkerung hat seine Wurzeln dort und stammt von verschleppten Sklaven ab, was sich auch in der lokalen Küche und sogar der hiesigen Kirchenlandschaft mit einer wichtigen afrikanisch-methodistischen Episkopalkirche widerspiegelt.

Das man hier auf Touristen eingestellt ist, zeigt sich derzeit vor allem an den Ausflugsangeboten. Neben dem Whalewatching werden insbesondere Bootstouren hinüber in den Nationalpark Los Haitises oder auf die „Bacardi“-Insel Cayo Levantado angeboten. Luis, der uns beim Einklarieren geholfen hat, sammelt die Crews von 5 Booten für einen Hike zum Wasserfall „Salto de Limón“ ein, die zudem noch ein paar Stops beinhaltet. 22 Euro pro Person, touristisch, klar, aber auch sehr informativ. So lernen wir etwa, dass die meisten Zigarren nicht etwa in Kuba, sondern eben der Dominikanischen Republik produziert werden. O.k., das ist eine quantitative, keine qualitative Aussage. Aber die Manufaktur, die wir besichtigen (Las Ballenas Premium Cigars) zeigt uns eben auch, wie gute Zigarren in Handarbeit von einem Torcedor (Zigarrenroller) erstellt werden.

Nebenbei lernen wir auch noch einiges über andere lokale Produkte, etwa Kakao. Zum Beispiel, dass die Kakaofrucht einmal aufgeschlagen so aussieht:

und die Kakaobohnen in ihrer Fruchtfleischhülle zwar gelutscht (schmeckt etwa wie Litschi), aber nicht gekaut werden sollten. Braucht dann doch noch ein paar Verarbeitungsschritte, bis da vernünftige Schokolade draus wird 😉.

Aber dieses Wissen ist bei unserem nächsten Ausflugsteil, dem eigentlichen Hike, dann auch gleich nützlich. Denn mit Hilfe unseres Guides erspähen wir im Wald wilde Kakaobäume, gut zu erkennen an den (allerdings noch grünen und damit unreifen) Kakaofrüchten.

Wir könnten den ersten Teil des 2,5 km Hikes zum Wasserfall von El Limon auch auf dem Rücken eines (geführten) Pferdes zurücklegen, aber wir genießen lieber die schöne Wanderung durch den Wald, die zumeist an einem Flüsschen entlang führt. Witzig ist, dass die Reiter Gummistiefel erhalten, weil die Pferde den lehmigen Weg doch etwas matschig treten. Wir können aber in Wanderschuhen ganz gut „neben der Spur“ entlang gehen.

Auch die Jicoteas (oder Hicoteas) Dominicana, eine endemische Sumpfschildkröte, genau genommen eine nur hier auf der Insel heimisch vorkommende Unterart der Nordamerikanischen Buchstaben-Schmuckschildkröte, hätten wir sonst wohl eher nicht gesehen und auch das Muli des Kokosnussammlers wäre uns vielleicht nicht aufgefallen oder jedenfalls hätte sich uns der Sinn der Körbe nicht erschlossen.

Erstmal kommen wir zur „Cascada pequeña“, dem kleinen Wasserfall.

Schon ganz hübsch, aber das eigentliche Ziel der Wanderung folgt dann etwas später und ist auch mehr mit anderen (überwiegend einheimischen) Touristen zu teilen. Der „Salto El Limón“ stürzt etwas mehr als 40 m in die Tiefe und ergießt sich in ein Becken, in dem wir baden können. Ein Süsswasserbad, lange nicht gehabt. 😁

Auf der Rückfahrt sehen wir einmal mehr, wie weit die Schere hier in der Dominikanischen Republik auseinandergeht. Es gibt prachtvolle Ville hinter hohen Mauern, aber vor allem sehen wir auch viele kleine Hütten, meist bunt bemalt, manchmal aber auch nur schlichtes rohes Holz, deren Wohnfläche kaum als Familienheim zu taugen scheint. Nebenbei, es gibt eine unfassbar hohe Anzahl an Bancas und an Lotecas, beide bezeichnen Lotterieverkaufsstellen. Aber in Lateinamerika stehen die Einwohner der Dominikanischen Republik mit ihrer Lotteriebegeisterung wohl nicht allein.

Hike “Vereda la Coca” im El Yunque Nationalwald von Puerto Rico

Ein weiteres Mal machen wir regen Gebrauch von unserem Mietwagen, diesmal zieht es uns in den Nordosten von Puerto Rico. Dafür stellen wir sogar den Wecker, denn wir möchten früh los kommen. Per Internet haben wir über die Website des “El Yunque National Forest” ein Ticket reserviert. Muss spätestens am Vortag ab 8.00 Uhr passieren, sonst kommt man mit dem Auto nicht in den Nationalwald hinein.

Nationalwald, nicht Nationalpark! Spannende Unterscheidung, es gibt unter US-amerikanischer Hoheit 154 Nationalwälder und 63 Nationalparks. Der große Unterschied ist, dass die Nationalparks dem Innenministerium zugeordnet sind, die Nationalwälder aber dem Landwirtschaftsministerium. Eigentlich sind Nationalwälder damit auch z.B. forstwirtschaftlich nutzbar, aber für „El Yunque“ trifft das kaum zu. Er ist der einzige tropische Regenwald unter den 154 Nationalwäldern und ist augenscheinlich forstwirtschaftlich nicht genutzter Urwald. Die einzige Landstraße, die ihn von Nord nach Süd durchquert, ist auf einem kleinen Stück unterbrochen und durch Schranken abgesperrt, so dass zwei Sackgassen entstanden sind. Kein Durchgangsverkehr. Aber im Wortsinn ist eben doch Durchgang möglich, es gibt mehrere ausgeschilderte Wanderungen. Wir entscheiden uns für den „Vereda la Coca“, 6 km lang. 3 km hin, 3 zurück auf der gleichen Strecke, zusammen etwa 590 Höhenmeter. Allerdings steht gleich am Eingang ein Warnschild: „Very difficut and rugged trail, know your limits.“

Das geht man besser nicht in Flipflops an, die Wanderschuhe sind geschnürt, Proviant und vor allem Wasser haben wir dabei, Regenjacken auch, schließlich gehts in einen Regenwald. Badesachen haben wir aber auch dabei, denn am Ende des Weges lockt eine Badestelle. Drei kleine Flussdurchquerungen gilt es zu bewältigen, aber die größte Schwierigkeit ist der oft steile und fast immer rutschige Untergrund. Wir müssen auf großen Teilen der Strecke wirklich bei praktisch jedem Schritt sehr genau darauf achten wo wir den Fuß absetzen, wenn er weder abrutschen noch im Matsch versinken soll (in dem schon Sneeker von Vorgängern stecken).

Etwa 2 1/2 Stunden brauchen wir für den Hinweg. Aber statt Bad gibt es erst einmal eine Dusche. Ein Wolkenbruch kommt pünktlich zu unsere Ankunft. Erst suchen wir (ziemlich vergeblich) Schutz unter dem Blätterdach, dann machen wir aus der Not eine Tugend, verstauen die Klamotten im wasserdichten Rucksack und – ab ins Wasser. 10 Minuten später reißt der Himmel wieder auf und wir können das Bad richtig genießen.

Ganz alleine übrigens, nur ein einziger Power-Wanderer hat uns auf dem Hinweg überholt und kommt uns schon vor der Badestelle wieder entgegen. Ein Pärchen, dass wir auf dem Parkplatz getroffen haben kommt erst am Badeplatz an, als wir uns nach einer Stärkung wieder zum Aufbruch rüsten.

Der Rückweg ist durch den starken Regenschauer noch etwas rutschiger als der Hinweg, aber dafür geht es diesmal zumeist bergauf, das macht es zwar etwas anstrengender, aber auch etwas leichter trittsicher zu gehen. So kommen wir diesmal mit rund zwei Stunden für die Strecke aus. Vögel hören wir übrigens deutlich mehr als auf unseren letzten Hikes, aber durch das dichte Blätterdach bleiben sie fast immer unseren Blicken verborgen. Nur einmal bekomme ich mit der Kamera doch einen vor die Linse:

Ganz besonderes Glück: es ist ein Puerto Rico – Todi, ein nur hier auf der Insel vorkommender Rackenvogel. Die eher kleinen (11 cm) und eher stämmigen Todis graben mit ihrem Schnabel einen etwa 30 cm langen Bau in die gerne lehmigen steilen Erdhänge und Uferböschungen, davon dürfte er hier genug finden.

Statt anderer Vögel kann ich aber immerhin einige tropische Schmetterlinge ablichten (von links nach rechts: Vanillefalter, Zebrafalter und Dryas iulia, auch als Fackel oder Julia bezeichnet).

Und dann sind wir auch schon wieder am Coca-Wasserfall, der den namensgebenden Fluss nahe des Eingangs zum Nationalwald in die Tiefe stürzen lässt. Was für eine herrliche Wanderung! Morgen ist dann aber wohl eher Ausruhen angesagt.

Für den Rückweg wählen wir die Küstenstraße über Fajardo, nur ein wenig länger als der Hinweg auf der direkteren Strecke über den Gebirgsrücken, aber so bekommen wir noch etwas mehr von dieser wunderschönen und abwechslungsreichen Insel Puerto Rico zu sehen.

Hinterland und Hintergründe in Puerto Rico

Wir haben das Auto für eine Woche gemietet, Kosten 250,- US$ (210,- €), teilbar durch uns vier. Für eine dreiviertel Tankfüllung haben wir gestern übrigens unter 25 US$ gezahlt. 😁

Also nutzen wir den Wagen gleich mal noch für eine Fahrt nach Ponce (gut 40 km westlich gelegen) und zu einer Kaffeeplantage im gebirgigen Hinterland.

Die Strecke nach Ponce überrascht ein bisschen, denn anders als bei unserem Trip nach San Juan kurven wir nicht durch steile Berge, sondern fahren in der hier flachen Küstenregion durch intensiv landwirtschaftlich genutzte Flächen. Zumeist sehen wir große Bananenplantagen, aber auch Gemüsefelder. Repräsentativ ist das aber nicht, denn tatsächlich macht der Zuckerrohranbau noch immer denn größten Anteil an der Landwirtschaft in Puerto Rico. Fast 1,3 Mio Tonnen werden jährlich produziert, Bananen einschließlich der Kochbananen bringen es “nur” auf etwa 1/10 davon, rund 145.000 Tonnen. An Kaffee werden übrigens etwa 15.000 Tonnen produziert, das reicht nicht um weltweit in die TopTen zu kommen. Allein das Hauptanbauland Brasilien, in dem rund 30 Prozent des weltweiten Kaffees geerntet werden, produziert jährlich über eine Million Tonnen Kaffee. Wie überhaupt die Landwirtschaft in Puerto Rico nicht mehr so dominant ist wie in früheren Zeiten. So machte allein der Zuckerrohranbau 1930 noch 50 Prozent der landwirtschaftlichen Arbeit und 30 Prozent der gesamten ökonomischen Aktivitäten des Landes aus, die Landwirtschaft beschäftigte über 40 % aller Arbeitnehmer. Die Amerikaner hatten diese Entwicklung nach ihrem Sieg im Spanisch-Amerikanischen Krieg 1898 massiv vorangetrieben. Ab den 40er bzw. 50er Jahren aber erfolgte ein Industrialisierungsprogramm, das mit Steuererleichterungen für Industrieinvestitionen gestützt wurde. Allerdings konnte dies eine massive Abwanderung vor allem junger Puertoricaner in die USA nicht verhindern. Das liefert nicht nur den Hintergrund für Leonard Bernsteins in dieser Zeit entstandene „West Side Story“, in dem Shakespeares „Romeo und Julia“ ins moderne New York verlegt und die verfeindeten Familien durch die rivalisierenden Gangs der amerikanischen „Jets“ und der puertoricanischen „Sharks“ ersetzt werden. Es zeigt sich auch heute noch in der Bevölkerungsstruktur, denn unfassbare zwei Drittel aller Puertoricaner leben heute in den USA, der größte Anteil tatsächlich in den Bundesstaaten New York und New Jersey.

Ab 1976 galt gar eine Freistellung für in Puerto Rico erzielte Gewinne amerikanischer Unternehmen von Bundessteuern. Das führte zu einem enormen industriellen Aufschwung in Puerto Rico, zumal der Export diverser Produkte von hier in die USA zollfrei war. Ab 1993 wurden diese Vergünstigungen dann schrittweise bis 2006 wieder abgebaut, insbesondere pharmazeutische und Hightech-Unternehmen konnten aber längere Zeit weiter profitieren. Trotzdem brach der Arbeitsmarkt im produzierenden Gewerbe ein, es folgte eine weitere Auswanderungswelle ins Kernland USA. Heute ist die Arbeitslosigkeit in Puerto Rico etwa doppelt so hoch wie in den USA, auch die Verschuldung ist höher als in allen US-Bundesstaaten. Gleichwohl: puertoricanischen Arbeitern steht grundsätzlich der US-Mindestlohn von 7.25 US$ (in Trinkgeld-Berufen allerdings nur 2,13 US$!) zu, der Lebensstandard ist insgesamt höher als in den anderen Karibikländern. Und natürlich fließen auch erhebliche Mittel zurück auf die Insel, z.B. von den Exilpuertoricanern, zurückkehrenden Rentnern oder solchen, die hier einen Zweitwohnsitz eingerichtet haben. Viele Gebäude auf der Insel wirken entsprechend doch ziemlich schmuck.

Unser erstes Ziel Ponce punktet mit einem netten Stadtzentrum mit zum Teil kolonialer Architektur rund um zwei zentrale Parks, zwischen denen die Kathedrale und weiter am Rand das in den Stadtfarben schwarz-rot gestrichene “Parque de Bombas” als kleines Feuerwehrmuseum steht.

Der Besuch im Industriegebiet zwecks Einkauf bei IKEA erweist sich dagegen als Flop: im IKEA hier kann man nur bestellen, nicht mitnehmen. Die Lebensmittelabteilung und damit Knäckebrot und eingelegte Heringe fehlen gleich ganz. 😢

O.k., dann also auf zur Kaffeeplantage. Von der Crew der Valentin hatten wir schon gehört, dass covidbedingt die meisten Plantagen derzeit nicht zu besichtigen sind. Wiebke ertrüffelt im Internet aber doch noch eine geöffnete, sogar mit Restaurant. Ab in die Berge.

Die “Cordillera Central” zieht sich als Gebirgskette mit diversen Spitzen über 1.000 m (höchster Berg ist der Cerro La Punta mit 1.338 m) einmal längs von West nach Ost über die ganze Insel, über 60 % des Staates sind zumeist dünn besiedelte Berge. Und durch die kurven wir jetzt. Auf kleinen und kleinsten Straßen, die Herzen der Motorradfahrers in mir und in Ingo lachen (die Schlaglöcher werden von diesen Herzen dabei erstaunlicherweise ignoriert). Bis auf etwa 800 m schrauben wir uns hoch, der seltene Gegenverkehr bedeutet mit unserem Auto meist Vollbremsung und Herantasten an die Asphaltkante. Aber es ist wirklich eine Wonne, durch diese Landschaft, dieses satte und doch abwechslungsreiche Grün zu cruisen.

Erst gegen 16.00 Uhr erreichen wir die Kaffee-Hacienda. Ein “Open”-Schild hängt im Fenster, aber: sie ist für Besucher geschlossen, das Internet hat uns angelogen. Oder unser Glaube an die Wahrheit der Info dort war schlicht zu groß 😚. Macht aber nix, wir haben die Fahrt durch die Berge sehr genossen und viel von dem Hinterland in Puerto Rico gesehen. Und uns in einer Bäckerei, die als Notersatz für das Restaurant der Hacienda herhalten musste, dann auch ausreichend für den Heimweg gestärkt. Sogar ein Päckchen Kaffee „unserer“ Plantage konnten wir dort ergattern.

San Juan, Puerto Rico

Der Ankerplatz vor Puerto Salinas ist so gut geschützt, dass wir beschließen, von hier aus ein paar Landausflüge zu machen. Es ist ja für uns doch eine Überwindung, die Flora am Anker mehrere Tage alleine zu lassen. Aber: Gemeinsam mit der Crew der Easy-One mieten wir ein Auto und los gehts. Erst einmal nach San Juan, in die Hauptstadt von Puerto Rico.

Wobei, schon das ist eigentlich eine erstaunliche Geschichte. Als Kolumbus die Insel auf seiner zweiten Reise 1493 (aus europäischer Sicht) „entdeckte“, benannte er die Insel nach Johannes dem Täufer „San Juan Bautista“. Einige Jahre später wurde 1509 auf dem Gebiet der heutigen Hauptstadt am dortigen großen Naturhafen eine Stadt mit dem Namen „Puerto Rico“ gegründet. Insel und Hafen gewannen in der Geschichte wegen der strategischen Bedeutung eines derart guten Hafens mit zugleich ausreichenden Ressourcen der großen Insel als (erst spanisches und dann amerikanisches) Tor zur Karibik zunehmend an Bedeutung. Allerdings wurde irgendwann dabei die Bezeichnung für den Hafen mit der des Landes wohl zunächst gleichgesetzt und dann vertauscht 😳.

Wie auch immer, wir suchen uns ein Airbnb in Old San Juan, dem historischen Stadtteil im Nordwesten der Insel, die den Naturhafen nach Norden hin fast vollständig abschließt. Old San Juan ist UNESCO Weltkulturerbe, entsprechend gibt es viele zum Teil koloniale Altbauten an den engen, mit bläulichen Backsteinen gepflasterten Straßen. Oft mit sehr hohen Räumen in Erdgeschoss und erstem Stock, so auch in unserem Airbnb. Die Möblierung ist modern, die Ausstattung z.B. mit Geschirr aber eher dürftig (wir finden dann aber doch immerhin drei heile Tassen) und die Übergabe etwas desorganisiert (die Vermieterin hat uns einen falschen Schlüsselcode geschickt und ist zum Übernahmezeitpunkt telefonisch länger nicht erreichbar). Aber am Ende klappt dann es mit Verzögerung dann doch und wir genießen unsere Unterkunft mitten in der Altstadt mit ihren Geschäften, Bars, Cafés und Restaurants.

Zunächst mal aber fahren wir in den Stadtteil Santurce, eher ein Vorort, in Teilen etwas heruntergekommen, in anderen hip, vor allem aber bekannt für seine umfangreiche Street Art und Graffiti.

Und dann geht es eben weiter in das ganz andere, nicht minder bunte und lebendige Old San Juan. Normalerweise sehr touristisch, wofür die in den unteren Straßen (näher am Kreuzfahrtterminal) auch überaus häufigen Souvenirshops bürgen. Nur – Kreuzfahrtschiffe sind covidbedingt eben nicht da. Die Stadt gehört den Boricua, wie sich die Puertoricaner selbst nennen. Und den vergleichsweise wenigen Touristen, die trotzdem da sind. So wie wir.

Wir genießen den Blick vom Balkon unserer Wohnung und machen uns dann auf, das (frühe) Nachtleben, eigentlich eher das Abendleben des Viertels zu erkunden. Es gefällt uns richtig gut, vielleicht besonders weil die Zeit in der Stadt und die Zeit auf dem Boot doch einige interessante Gegenpole bieten. Wir bummeln durch die Gassen, vorbei am Brunnen mit den allegorischen Figuren den vier Jahreszeiten, in denen uns der Winter mit Maske entgegenbibbert und wo ein Künstler als lebende fünfte Statue wirklich beeindruckt. Entdecken nette kleine Parks, entscheiden uns für eine Bar. Es ist die Factoría (Los Hijos de Boriguen). Sieht ein bisschen aus wie eine Sofa-Bar auf St. Pauli in Hamburg, deshalb hat sie uns wohl angesprochen. Nicht steril durchgestylt, ein bisschen dunkel, ein crazy aussehende Barkeeperin. Witzig, wir haben eine der Top50-Bars der Welt ausgewählt und merken es erst nicht einmal. Die Drinks sind schon mal super. Dann aber fällt auf, dass deutlich mehr Besucher in der Toilette verschwinden, als wieder herauskommen. Oops. Mal nachschauen. Nichts auffälliges außer einer Tür mit Vorhängeschloss. Tja, und da geht es in den „Secret Second Floor“, den wir nach Aufklärung durch einen Barkeeper dann auch erkunden. Klar, covidbedingt werden nur begrenzt Leute eingelassen, also ist die Bar alles andere als voll. Originell ist es aber trotzdem und so ergattern wir auch hier wieder einen Balkonplatz mit Blick auf das Treiben unten auf der Straße

Am nächsten Tag wandern wir erst einmal zu „El Morro“, der berühmten Festungsanlage auf der Nordspitze von Old San Juan. Die große Freifläche vor der Festungsanlage wird zumindest am Wochenende gern von Familien genutzt, um mit den Kindern Drachen steigen zu lassen. Offenbar so intensiv, dass schon Schilder zum Beseitigen der Reste an Drachenschnur und Plastikdrachen mahnen. Die massive Festungsanlage bietet museale Ausstellungen in ihrem Inneren, vor allem aber einen tollen Blick auf den Atlantik und die die bunten Würfelhäuser unterhalb der zur zweiten Festung Castillo de San Christobal hinüber führenden Mauer, weiter bis zu den Strand-Hochhäusern von Ocean Park und auch auf die Einfahrt in den Naturhafen.

Und außerdem tummeln sich auf El Morro wieder diverse Leguane, posieren selbstbewusst auf Grasflächen und Klippen und klettern problemlos die steilen Festungsmauern hinauf, um in die Regenwasserabläufe zu kommen.

Auf dem Rückweg erkunden wir dann das bunte Old San Juan noch einmal bei Tageslicht. Ein bisschen kreuz und quer, hügelauf und hügelab. Was allerdings auch den Vorteil hat, immer mal wieder Blicke hinüber in den Hochhausstadtteile des modernen San Juan, über den Hafen mit seinen Containerbrücken und Yachten, oder über den blauen Atlantik geboten zu bekommen.

Sint Maarten / Saint Martin

Haben Frankreich und das Königreich der Niederlande eine gemeinsame Landesgrenze? Ja, aber nicht in Europa, da liegt ja Belgien dazwischen. Hier in der Karibik aber schon, eben auf Saint Martin/Sint Maarten.

Schon die Frage ist ein bisschen fies gestellt, denn die Niederlande 🇳🇱 sind eben nicht gleichzusetzen mit dem Königreich der Niederlande, sondern tatsächlich nur eins der insgesamt vier autonomen Länder des Königreichs, neben Aruba, Curaçao und eben Sint Maarten. Andererseits gehören die Karibikinseln Saba, Sint Eustatius und Bonaire rechtlich zum Gebiet der Niederlande.

Witzigerweise haben wir hier auf der Insel deshalb eine Grenze nicht nur zwischen Frankreich und dem Königreich der Niederlande, sondern auch zwischen Frankreich (EU) und Sint Maarten (nicht EU). Meine deutsche Telefonkarte würde daher hier an unserem Ankerplatz in der Simpson Bay in Sint Maarten horrende Roaminggebühren auslösen (Ländergruppe 3, genau wie z.B. Vanuatu). Der französische Teil der Insel gehört dagegen zur Ländergruppe 1 und löst im EU-Roaming meiner deutschen SIM-Karte keine zusätzlichen Gebühren aus. Die Insel ist aber insgesamt so klein, dass wir hier am Ankerplatz Empfang von Sendemasten aus beiden Ländern haben. Die Lösung ist daher einfach: die automatische Netzauswahl im Handy ausstellen und einen französischen Anbieter manuell auswählen. 😁

Die Ankerbucht ist nicht unsere bisher schönste. Der internationale Flughafen liegt direkt nördlich, außerdem ist das Ufer gesäumt von eher gesichtslosen mehrstöckigen Hotelburgen, erst dahinter erheben sich die grünen Bergrücken. Das Wasser der Bucht ist aber erstaunlich klar und gegen den für die nächsten Tage angekündigten Nordschwell sollten wir hier gut geschützt sein.

Mit dem Dinghy fahren wir durch einen kleinen Kanal in die Lagune (Grand Etang/Simpsonbaylagune). Eine holländisch anmutende Klappbrücke überspannt die Einfahrt und erstaunlich große Superyachten können sie passieren.

Der Schein täuscht sogar noch. Etwa eineinhalb mal so breite Superyachten passen hindurch. Dann allerdings wird es wirklich eng, die seitlichen Begrenzungen weisen einige (sicher teure) Scharten auf und das Brückenwärterhäuschen wurde auch bereits wegrasiert. YouTube hat mehrere toll gemachte Videos über das Hineinfahren von Superyachten und auch spektakuläre Szenen zu bieten. Die Lagune bietet eine große Auswahl an Marinas, dazu Bojenplätze und auch freies Ankern. Allerdings war es während des letzten Lockdowns für einige Boote schwer, herauszukommen. Das lässt unseren Ankerplatz vor der Brücke dann doch wieder um einiges attraktiver erscheinen. 😉

Die Verschiedenartigkeit der beiden Länder auf der Insel stellen wir auf unserem Dinghyausflug auch in der Bebauung rund um die Lagune fest. Hohe Bebauung sehen wir nur auf der „holländischen“ Seite, dafür allerdings auch weniger Wracks. Die finden sich in erschütternder Anzahl (nicht nur, aber doch deutlich überwiegend) auf der französischen Seite. Und nicht alle stammen vom letzten Hurrikan, einzelne sind offensichtlich älter. Manches, was wie ein Wrack aussieht, ist dann tatsächlich doch noch bewohnt. Und ein Sprayer beweist schrägen Humor.

Auch die Häuser scheinen auf der französischen Seite nicht mit gleicher Kraftanstrengung (bis zu 95 % wurden durch Hurrikan Irma schwer beschädigt) wieder auf Vordermann gebracht zu werden. Selbst an der Marigot Bay sieht es direkt westlich des französischen Kananleingangs so aus:

Das gleiche Ufer nur wenig weiter östlich am Yachthafen allerdings so:

Wie sich überhaupt karibische Farbenfreude und Streetart, teuere Markengeschäfte, charmante Cafés und restaurierte Geschäftszeilen und verfallende Fassaden stetig im Straßenbild abwechseln.

Und natürlich nicht zu vergessen: Die Leguane finden sich ebenfalls direkt in der Stadt und an der Uferpromenade und wollen zum Teil (in jungen Jahren) in der Farbenpracht auch nicht zurückstecken.

Alles ums Wasser: Watermaker und Rendezvous Bay

Wir sind zurück in Falmouth. Eine Nachfrage bei Watermaker Services ergibt, dass unsere Teile schon aus Trinidad eingetroffen sind. Ein bisschen Hin und Her gibt’s noch um Zwischenstücke für die Fittinge. Ich muss noch eine Verschraubung aus der Hochdruckpumpe ausbauen, der Grund ist mir erst nicht klar. Aber es zeigt sich, dass die Originalfittinge an dieses Teil nicht passen würden, es ist offenbar Teil der Frickelei in Griechenland. Egal, auch das löst sich, trotzt anfänglicher Schwierigkeiten meinerseits, die neue Verschraubung dicht zu bekommen. Vielleicht habe ich auch nur das Teflonband falsch herum um die Schraube gewickelt.

Die gute Nachricht: der Watermaker läuft wieder, eine neue Membran ist auch drin und die Werte sind besser denn je. Hatten wir zuletzt mit der alten Membran meist knapp unter 500 ppm sind es jetzt nur 220 ppm (parts per million entsprechend mg/L, letztlich wird aus der gemessenen Leitfähigkeit die Anzahl der Ionen der verbliebenen Salze geschlossen). Dafür haben wir ein kleines Messgerät an Bord. 220 ppm sind für unseren kleinen Watermaker schon ein ziemlich guter Wert.

Außerdem machen wir von Falmouth aus gemeinsam mit Annemarie und Volker von der “escape” eine Wanderung zur Rendezvous Bay. Das sind etwas über 10 km (hin und zurück), also brechen wir schon morgens um 8.00 Uhr auf, um nicht die ganze Zeit die pralle Hitze zu haben. Klappt auch, aber wir schwitzen trotzdem ganz gut. Irgendwie hatten wir uns den Weg flacher vorgestellt, am Ende ist aber doch (lt. iPhone) die Entsprechung von 53 Stockwerken erklommen. Allerdings ohne Treppen. 😉

Der Hinweg führt größtenteils über eine (unbefestigte) Straße. Autos begegnen uns allerdings keine. Das ist ganz und gar verständlich, wenn man sich den Zustand ansieht: sie ist so ausgespült, dass Wiebke in einem “Schlagloch” bis zu Hüfte verschwindet.

Für uns ist die Strecke aber gut zu gehen und so kommen wir einigermaßen entspannt bei der halbmondförmigen Rendezvous Bay mit ihrem malerisch hineingetupften Felsenriff an. Den Strand haben wir ganz für uns allein, für allzu viel Besuch ist er dann doch zu abgelegen, wenn nicht (zu anderen, Außer-COVID-Zeiten) Hotel- oder Kreuzfahrttouristen mit speziellen Gefährten oder auf ausgebesserter Straße herangeschafft werden. An einer Wiese in der Nähe des Strandes findet sich unter den Bäumen am Rand jedenfalls etwas improvisiert wirkende Infrastruktur dafür. Perfekt, um Schuhe und Rucksäcke auf den Bänken zu lassen und barfuß über den feinen Sandstrand zu schlendern (wenn man nicht gerade die Drohne steigen lässt).

Der Rückweg wird übrigens etwas anstrengender. Diesmal geht’s am Berghang entlang quasi oberhalb der Küste auf direkterem Weg (vielmehr Trampelpfad) nach Falmouth. Hindernisse inbegriffen.

Aber dafür bieten sich auch immer wieder tolle Ausblicke, auf die Küstenlinie und am Ende, als schon wieder Häuser auftauchen, auch auf Falmouth Harbour.

Wird doch noch mal Zeit für die Drohne. Und dann für ein Belohnungseis. 😁

Carlisle Bay, Antigua

Was für ein Unterschied zum wuseligen, bei Megayachten beliebten und ziemlich weitläufigen Falmouth mit all seinen Serviceangeboten, Restaurants und Kneipen. Die drei Seemeilen weiter westlich an der zerklüfteten Südküste von Antigua gelegene Carlisle Bay bietet davon fast nichts, dafür aber einen ebenfalls gut geschützten Ankerplatz zwischen den sich eng an die deutlich kleinere Bucht schmiegenden grünen und steilen Hügeln. Insbesondere auf dem Stück zwischen den beiden Buchten vom Fisher Hill bei der Carlisle Bay bis hinüber zum Nook Hill vor Falmouth findet sich auch fast keine Bebauung, die steilen Flanken sind zumeist straßenlos und nur von wenigen Wegen durchzogen. Autos müssen den Umweg über den (schönen) Fig Tree Drive durch das Inselinnere nehmen.

Die wunderschöne Südküste von Antigua: links hinter dem Kap liegt die Carlisle Bay, ganz rechts am Bildrand Falmouth

Ein Weg aber soll von unserem Ankerplatz aus hinüber über die Hügel zum Strand hinter den Riffen führen. Wir landen mit dem Dinghy am Jetty des Hotels an, fragen freundlich und dürfen das Beiboot dort festmachen. Also wandern wir los, zunächst durch das kleine Örtchen mit unfassbar vielen ausgeschlachteten Autos am Straßenrand. Nach etwa einem Kilometer biegt ein Feldweg ab und erstmals überhaupt auf Antigua spazieren wir durch so etwa wie Plantagen. Kein industrieller Anbau, eher dürften es kleine bäuerliche Betriebe sein, die hier in der Ebene hinter dem erstaunlich weitreichenden Mangrovenfeuchtgebiet vor allem Bananenstauden und große alte Mangobäume bewirtschaften, auch Zuckerrohr und Papaya ist zu sehen.

Als wir die Mangroven hinter uns lassen steigt das Gelände an, wird sofort merklich trockener und es findet auch kein Anbau mehr statt. Dornengestrüpp und vereinzelt auch Kakteen säumen den jetzt trockenen Weg. Immerhin, es bleibt ein Weg bis knapp hinter die Passhöhe, dann ist auch dieser Luxus vorbei. Ein Pfad führt jetzt durch die Dornen.

Bis kurz vor dem Meer gut zu finden, die letzten paar hundert Meter eher dem Geräusch der Brandung nach durchs Dickicht. Aber auch das klappt und so können wir an unserem Privatstrand (am ganzen Tag wird uns auf der Wanderung niemand begegnen) unsere Rast einlegen und einen Segler beobachten, der hinter dem Riff um das Kap herumzirkelt.

Auf dem Rückweg finden wir durch Zufall kurz hinter dem Pass einen mit roten Bändern markierten aber bisher nirgends eingezeichneten Wanderpfad, der steil den Hang hinaufführt. Lassen wir uns natürlich nicht entgehen, und es wird ein echtes Highlight, im wahren Wortsinn, denn es geht an überwucherten Ruinen englischer Festungsgebäude vorbei bis auf den Gipfel des Fisher Hill hinauf, mit traumhaften Aussichten an der Küste entlang bis Falmouth und zur anderen Seite auf unseren Ankerplatz. Die Drohne fängt sogar beides zugleich ein.

Vom Großen zum Kleinen: selbst hier oben auf dem Berg finden sich noch Einsiedlerkrebse. Dem hier ist sein Schneckengehäuse schon etwas klein geworden, er kann es nicht mehr mit seiner einseitig großen Schere verschließen, einige Beine schauen immer noch mit hinaus.

Da wird wohl demnächst ein Umzug fällig. Bei uns auch, trotz der schönen Carlisle Bay. Wenn die Teile für den Wassermacher komplett da sind, wollen wir nach St. Martin aufbrechen. Aber bis dahin genießen wir Antigua. Den Rückweg können wir übrigens zum Glück noch deutlich abkürzen, indem wir die Verbindung der Mangroven zum Meer durchwaten, gut 8 km sind es trotzdem auf dem abwechslungsreichsten Hike, den wir auf Antigua und Barbuda bisher gemacht haben.

Und hier einfach noch ein paar Eindrücke von dem Ankerplatz und der Gegend:

Barbudas wilder Osten

An einen ganz besonderen Ankerplatz auf Barbuda haben wir uns bisher noch nicht gewagt, das soll sich jetzt ändern. Spanish Point liegt im Südosten der Insel, die Navionics-Seekarte hält (in den kleineren Zoomstufen) für die Einfahrt folgende Hinweise bereit:

“Entrance can only be used between the hours of 0900 and 1400 by experienced reef pilots with a good lookout stationed in the rigging.”

“Owing to incomplete surveys around the island it is possible, that uncharted dangers exist. Mariners are advised to navigate with caution and only in good light conditions.”

Und für unsere Anfahrt herüber von Cocoa Point zusätzlich: “This area is encumbered by numerous coral heads …” There is no single course that will lead through this area. Put a man in the rigging and eyeball.”

Nun kann man “experienced reef pilot” ja naturgemäß nur werden, wenn man es probiert 🙂 , die Lichtverhältnisse stimmen, die Sonnenbrillen sind polarisiert und an die Uhrzeit halten wir uns selbstverständlich. Ich steige sogar zwischenzeitlich mal auf den Baum, aber die Kommunikation mit Wiebke ist von der Position aus (mit aufgebautem Bimini) nicht ideal. Statt “Mann im Mast” verwenden wir deshalb wieder das Auge des Satelliten. Bing hat in diesem Fall das bessere Bild als Google Earth und in der Ovitalmap-App heruntergeladen lassen sich die Korallenköpfe tatsächlich gut erkennen.

Bei der Fahrt herüber von Cocoa Point haben wir nie weniger als 7 m Wasser, müssen nur eine lang gezogene Kurve fahren, allzu schwierig ist es nicht, nur einmal lassen wir uns von etwas Bewuchs auf dem Sand irritieren und schlagen einen kleinen Haken. Erst unmittelbar vor Spanish Point messen wir einmal 3,5 m, da können wir aber auch schon längst die Muscheln in dem hellen Sand unter Flora zählen. Am Ankerplatz selbst (den wir uns zunächst mit nur zwei anderen Schiffen teilen müssen) sind es dann wieder 4 m Wassertiefe.

Und warum das Ganze? Na, zunächst mal deshalb:

Und außerdem bietet sich Spanish Point an, um von hier aus die raue Atlantikseite Barbudas zu erwandern. Wie im Westen gibt es auch hier kilometerlange Sandstrände, zudem ein paar Stücke felsige Steilküste. Anders als auf der sanften Karibikseite aber bricht sich hier die lange Dünung des Atlantiks krachend über den vorgelagerten Riffen und rollt trotzdem noch in schäumenden Wellen die Stände hinauf. Es gibt keine Hotels oder sonstigen Herbergen auf der Atlantikseite, der einzige Ort Codrington ist über die Lagune und die einzige Hauptstraße eher nach Westen, Süden und Norden angebunden. Die wirklich lesenswerte Website barbudaful.net schreibt dazu: “Nur eine Hauptstraße in verschiedenen baufälligen Zuständen führt vom Fluss im Süden zur Two Foot Bay im Norden der Insel.”

Tatsächlich treffen wir auf unserer längeren Wanderung im Osten Barbudas überwiegend am Strand entlang und auf auf einem unbefestigten Sandweg zurück durch das sonst schwer durchdringbare Inselinnere keinen einzigen Menschen.

Unschön ist, dass hinter der ersten Stranddüne Unrat sammelt, also da, wo bei stärkerem Wind die Wellen auch noch hinschlagen. Na klar, hier an der Ostküste wird mehr Müll angeschwemmt und außerdem auch nicht eingesammelt oder weg gekehrt. Auffällig dabei scheint, dass es sich hier anders als etwa auf Bildern von der Festlandküste Mittelamerikas ganz überwiegend nicht um privaten Plastik-Hausmüll handelt, sondern um irgendwie mit Fischerei verbunden Kram. Netzreste, Fragmente von Bottichen und Körben, Netzbojen und auch eine Unzahl von Ölkannistern.

Allerdings findet sich auch schönes Strandgut, etwa mit Strandschnecken besetztes Schwemmholz.

Mit etwas Sucherei finden wir eine gangbare Passage durch das Dickicht aus Gestrüpp und Kakteen zwischen dem Strand und dem ein Stück landeinwärts verlaufenden fast zugewucherten „Weg“.

Nur ein einzelner Wildesel begegnet uns auf dem Rückweg:

Was für ein Ankerplatz! Nachts können wir jetzt bei Vollmond wirklich die Beschaffenheit des Ankergrunds erkennen und von Bord aus die Ankerkette im Sand liegen sehen. Der Mond zaubert Lichtreflexe auf den Grund wie in einem Schwimmbad 😁.

Kleines Video dazu gibt’s HIER.