Alles ein bisschen intensiver

49 Tage sind wir jetzt unterwegs. Sieben mal sieben, ganz feiner Sand. Wir sind gefragt worden, ob uns langweilig wird. Nein! Alles andere als das.

Aber selbst in dieser ja eigentlich ja kurzen Zeit hat sich unser Empfinden für das, was wir so machen doch verändert. Alles fühlt sich ein bisschen intensiver an, so hat es Wiebke treffend formuliert. Fahrt-, Landschafts- und Natureindrücke, z.B. die wunderschönen Calas, die Wanderungen oder die Delfinbegegnungen jetzt wieder auf der Überfahrt von Menorca nach Mallorca:

Spannend ist auch die Veränderung im Zeitempfinden. Eine Uhr tragen wir schon seit einer ganzen Weile nicht mehr (Danke an Susanne für den Hinweis). Klar passiert es dann schon mal, dass man wie unlängst in Alcúdia etwas erledigen möchte, aber vor verschlossenen Geschäftstüren steht, aber das liegt mehr an unserem noch nicht an die spanische Siesta 😴 bis 16.00 angepasstem Rhythmus. Welcher Wochentag ist eigentlich, welches Datum ???

Das „Zeit miteinander haben“ ist sicher einer der Punkte, den wir am meisten genießen und das obwohl – oder gerade weil – auch die Höhen und (na sagen wir mal) Wellentäler im Zusammensein eben intensiver für uns sind.

Landausflüge wie vorgestern der Spaziergang in die schöne Altstadt des sonst nicht so attraktiven Alcúdia,

Fürstlich speisen (an Bord von Wiebke gezauberte Köstlichkeiten oder auswärts, wobei das im Tontopf gegarter Lobster ebenso sein kann wie eine herrliche Schinken- und Käseplatte eines kleinen Weinhändlers)

Wir lassen es uns gut gehen.

Und auch Mallorca verwöhnt uns, etwa mit der pittoresken Cala Figuera am nördlichen Ende (Cap Formentor), die wir heute Nacht komplett exclusiv für uns hatten. Gut, eine etwas rumpelte „Anreise“ unter Segeln mit bis zu 28 kn AWS am Wind und einiger Schwell in der Bucht war der Preis dafür, aber es hat sich sehr gelohnt:

Cagliari

Heute haben wir uns dann doch mal von unserem tollen Ankerplatz vor Villasimius gelöst

und sind rund 20 sm weiter nach Cagliari herrlich gesegelt.

In Cagliari haben wir einen Mechaniker aufgetan, der sich hoffentlich morgen um unseren Windgenerator kümmern wird.

Wir haben dann heute Abend einen ersten Gang in die Stadt gemacht und freuen uns. Zwar ist es von der Marina aus ein ganzes Stück zu gehen (insgesamt hatten wir heute knapp 14 km Fußmarsch auf der Uhr (bzw. auf dem iPhone), aber der größere Teil des Weges in die Innenstadt ist eine schöne Promenade am Wasser entlang.

Zur Belohnung gab’s erstmal ein wieder SUPER LECKERES Eis

und dann einen Aperitivo in einer der vielen tollen Locations der Altstadt, bei uns war es ein palmenbestandener abgestufter Platz mit einer wundervollen Atmosphäre. Belebt und trotzdem nicht hektisch, sondern sehr entspannt.

Lecker war es auch noch. Und die Stimmung setzte sich beim weiteren Spazieren durch die Stadt so fort. Cagliari hat uns spontan in seinen Bann gezogen.

Südsardinien

Wenn es einem gefällt, einfach noch etwas bleiben. So haben wir uns das vorgestellt. Hier in der Carbonara-Bucht (die heißt wirklich so, schöne Grüße an Spliff und Danke für den Ohrwurm, den ich seit 1982 und jetzt erst recht nicht mehr aus dem Kopf bekomme). Also bleiben wir noch, gehen im Hafen Villasimius an Land und erkunden die Umgebung. Unsere Wanderung führt uns von unserer Ankerbucht im Hintergrund zuerst rund um den Salzwassersee (Mitte), der im Frühjahr und Frühsommer auch Flamingos beherbergen soll. Wir haben Glück, obwohl es ja schon Mitte Juli ist:

Weiter geht es am schönen, aber touristisch auch ziemlich belagerten Oststrand entlang. Was hier auffällt, sind die neben „sauberen“ Strandabschnitten immer wieder auftretenden Wolken von … tja, von was eigentlich. Es sieht braun aus, aber nicht wie Algen. Eher erinnert es an feinen Rindenmulch, nur faseriger. Und es ist durchsetzt mit wollartigen Bällen. Die kleineren erinnern an Kiwis, die größeren an kleine Kokosnüsse. Wenn sie auf dem Strand getrocknet liegen, sehen sie so aus:

Im Sardinien-Blog Pecora Nera habe ich die Auflösung des kleinen Rätsels gefunden, die braunen Bälle sind tatsächlich (wie von Wiebke schon vermutet) die verfilzten Reste aus Seegras oder Neptungras, auf Sardinien einfach Posidonia genannt (nach ihrem wissenschaftlichen Namen Posidonia oceanica). Und der sehr lesenswerte Blogbeitrag erklärt auch, warum die Bälle ein gutes Zeichen für die Wasserqualität sind, warum die Posidonia gefährdet ist und was wir Segler zu ihrem Schutz tun können (das allerdings dürfte für die meisten nicht neu sein).

Gestärkt durch ein Eis sind wir dann zunächst auf Ziegenpfaden durchs Dickicht

und dann auf kaum breiteren, aber oben offenen Eselspfaden (am Dung gut zu erkennen) hinauf zum Torre di Porto Giunco geklettert. Der Turm wurde in der spanischen Zeit um 1578 als Teil einer Kette von Wachttürmen zum Schutz vor Piraten errichtet. Hier noch mal der Blick zurück über den kleinen Salzwassersee zu unserem Ankerplatz:

Und da sind wir jetzt auch wieder und lassen es uns nach einem Bad im unfassbar klaren Wasser mittlerweile im Schatten von Bimini und Sonnensegel gut gehen.