Yasawa zum Genießen

Von Somosomo aus segeln wir weiter die Perlenkette der Yasawas hinauf. Vorbei an Yaqeta, hinein in einen zwischen gleich drei Inseln eingebetteten Naturhafen.

Zwischen Matakawa Levu, Tavewa und Nanuya gelegen, bietet der Ankerplatz hier ziemlich guten Schutz, zumal die diesen Inseln vorgelagerten Riffe den Pazifik-Schwell zusätzlich dämpfen.

Das macht diesen Platz auch insofern attraktiv, als die Einfahrten zwischen den Riffen gute Bedingungen für Kiter und Wingfoiler bieten. Sportsessions stehen damit auch für mich auf dem Programm.

Aber auch auf einem Landgang kann man hier die Seglerbeine mal wieder bewegen. Ein schöner Hike führt auf Nanuya vom Strand aus hinauf zu einem Aussichtspunkt und weiter durch abwechslungsreiche Landschaft. Mal mit Blick vom Grat der Insel auf Ankerplatz und umgebende Inseln, mal unter dem dichten Blätterdach von Mangobäumen entlang (die Früchte sind leider noch nicht reif). Dann geht’s durch abgebrannte Flächen hindurch, manche sind schon umgegraben und mit Kasawa-Setzlingen bestückt. Wilde Ananas, Frangipani-Blüten. Kleine Wäldchen, ein sumpfiges Gebiet mit improvisierten Baumstamm-Brücken, Palmenhaine. Abwechslung pur. Begleitet werden wir auf unserer Wanderung von Hunden, die uns schon seit dem Anlanden am Strand nicht von der Seite weichen.

Ziel der 5-km-Wanderung ist „Lo‘s Tea House“ auf der gegenüberliegenden Inselseite, bekannt für seine hausgemachten Doughnuts. Die sind zwar mit den uns bekannten amerikanischen Namensvettern nur entfernt verwandt, aber immerhin auch sehr süß und fettgebacken, sie werden nach Bestellung vor unseren Augen frisch frittiert.

Hier auf der Luvseite von Nanuya bekommen wir auch einen guten Eindruck, wie sehr es draußen tatsächlich bläst. Jenseits des Riffs ist die See ziemlich aufgewühlt.

Ein zusätzliches „Zuckerl“ auf dieser Wanderung: ich bekomme zwei kleine, auf Fiji endemische (also nur hier heimische) Vogelarten vor die Kameralinse:

Neben Wanderung, Wingfoilen und auch Schnorcheln gibt noch weitere Annehmlichkeiten hier. Es ist deutlich spürbar, dass die Yasawa-Inselgruppe touristischer aufgestellt ist als andere Inseln Fijis. Das hat negative Seiten, wie etwa Hubschrauber und Wasserflugzeuge, die zahlungskräftige Klientel zu den um den Ankerplatz verteilten Resorts bringen. Ein Teil des Strandes ist an anderthalb Tagen der Woche für die Passagiere eines Mini-Kreuzschiffes reserviert. Aber es hat eben auch positive Seiten: Locals kommen auf Paddelboards vorbei und bieten frisches Obst zum Kauf an. Semi und seine Frau Kini fragen, ob wir Interesse an einem Fijianischen Erdofen-Buffet haben. Na klar. Auch noch etwa ein Dutzend andere Cruiser sagen zu, und so werden der Erdofen und Lagerfeuer hergerichtet. Am Abend gibt’s dann am Strand vor dem kleinen Haus der beiden den versprochenen Festschmaus, Lagerfeuer und Gesang mit Gitarren- und Ukulelen-Begleitung.

An anderen Abenden: Sundowner mit Nicole und Toby von der Invictus am Strand oder Wiebke und ich an Bord der Flora.

Yasawa zum Genießen

Somosomo, Bootsklinik und Nemo im bunten Korallengarten

Zum Sevusevu nach Somosomo, so ist das hier. Wir greifen uns einmal mehr ein in Zeitungspapier eingeschlagenes Bündel von Kawa-Wurzeln. Unserer schrumpfender Bestand baumelt in der Dusche, denn die hängende Aufbewahrung ist gut für den Kawa und in der Dusche lassen sich wegbröckelnde Wurzelreste gut aufnehmen. Außerdem haben die Wurzeln durchaus einen Eigengeruch. So sieht das aus:

Mit diesem rituellen Geschenk machen wir uns in unserem Beiboot auf zum Chief des nächstgelegenen Dorfes Somosomo und bitten um die Erlaubnis, in der Bucht ankern zu dürfen.

Am Strand vor dem Dorf Somosomo landen wir an. Eta heißt uns im Dorf willkommen und führt uns zum Haus des Chief. Nach dem Sevusevu zeigt sie uns das Dorf. Spannend: hier wachsen noch einzelne Sandelholz-Bäume. Der Sandelbaum war früher auf den Yasawa-Inseln weit verbreitet. Das hier Yasi genannte schwere Hartholz war in China ursprünglich dem Kaiserhof vorbehalten und ist auch heute noch zur Produktion von Möbeln und Kunstobjekten äußerst begehrt. Die Bäume wurden fast bis zur Ausrottung abgeholzt. Heute liegt der Marktwert für ein Kilo hochwertiges Sandelholz über 100 Fiji$. Auf der südlich von Naviti Island liegenden Insel Waya wird deshalb Sandelholz im Rahmen eines Nachhaltigkeitsprojektes in Baumschulen wieder kultiviert, um eine vom Tourismus unabhängige langfristige Einnahmequelle zu schaffen.

Junger Sandelbaum neben dem Haus des Chiefs

Mehrere Frauen des Dorfes haben während unseres Sevusevus schnell einen improvisierten Kunsthandwerksmarkt auf der Wiese im Zentrum des Dorfes aufgebaut. Das scheint nur uns zu gelten, aber vielleicht kommen nachher ja auch noch weitere Crews, denn vorm Ort ankern ebenfalls ein paar Boote. Wir kaufen zwei Tapa-Tischsets. Jetzt am Wochenende sind die Kinder im Dorf (und nicht im Boarding-Haus der Schule im Nachbardorf). Mehrere von ihnen sitzen bei ihren Müttern auf den Decken, für ein Foto rücken sie schnell zusammen.

Mit Rose (11), Meme (5), Mela (8) und Sake (7) schließen sich einige andere Kinder bei unserem weiteren Spaziergang durchs Dorf und die Umgebung an.

Es wird ein spaßiger Gang zu den Mangroven, durch den Fluss und zurück zum Strand vor Somosomo.

Die Haare von Rose und Meme sind übrigens nicht gefärbt. Vielmehr wird hier auf den Yasawas im Gegensatz zur eher von polynesisch-tonganischen Einfluss geprägten Lau-Inselgruppe die mehr melanesische Abstammung der fijianischen Bevölkerung deutlich.

Zurück zur Flora und an die Arbeit, es stehen mal wieder einige Projekte an. An den Davits (den kleinen Kränen, an denen wir unser Beiboot hochziehen und lagern) hat sich eine Leine verklemmt. Dafür müssen wir erstmals die Umlenkrolle am äußeren Ende des Davit ausbauen. Das Lösen der Schrauben (vom schwankenden Dinghy aus) erfordert dementsprechend ein wenig Überzeugungskunst, aber es klappt und wir bekommen das Ganze wieder gängig.

Nächstes Projekt: Großsegel. Ein kleines Loch zeigt sich oberhalb der hinteren Segellatte. Das in den Mast gerollte Segel herunterzunehmen würde bedeuten, dass wir alle 5 der bis zu 15 Meter langen Latten ausbauen müssten, das wollen wir uns am Anker lieber ersparen. Also zieht Wiebke mich in den Mast. Aus der Nähe zeigt sich, das nur ein kleines Stück Naht des Segels aufgegangen ist. Ich kann die Hand hindurchstecken. Selbst nähen möchte ich das hier nicht, also klebe ich auf jede Seite ein kleines Patch (selbstklebender Segelflicken). Nicht besonders schön, aber das sollte das weitere Auflösen der Naht erstmal verhindern.

Drittes Projekt: die Winsch der Ausholleine des Großsegels funktioniert mechanisch zwar noch, lässt sich aber nicht mehr elektrisch bedienen. Der Elektromotor surrt, aber die Winsch bewegt sich nicht. Das lässt einen Fehler im Kraftschluss der Zahnräder vermuten. Zur Behebung müssen wir die Winsch nicht nur auseinander bauen, sondern auch das Winschfundament ganz abnehmen. Wiederum erstmals und wieder bedarf es deshalb besonderer Überzeugungskraft um die Schrauben zu lösen. Ein mechanischer Schlagschrauber hilft. Dann alles schön säubern, die Sperrklinken wieder gängig machen und ölen. Zusammenpuzzeln, funktioniert wieder.

So soll das.

Zur Belohnung gehen wir vom Boot aus am Riff unseres Ankerplatzes ausgiebig schnorcheln.

Die Vielfalt und Farbenpracht der Steinkorallen und der Weichkorallen hier in Fiji beeindruckt uns immer wieder. Weitere Highlights des Schnorchelgangs hier in der Bucht sind die „Nemos“, die ein- oder zweistreifigen Anemonenfische. Zwischen verschiedensten Seeanemonen und Weichkorallen sehen wir sie hier. Sogar gras-grüne Anemonen sind dabei, die einen herrlichen Kontrast zum Orange der Nemos bilden.

Ein weiterer Lieblingsfisch von uns zeigt sich ebenfalls mehrfach, der knuffige Harlekin-Feilenfisch, auch Palettenstachler oder Orangeflecken-Feilenfisch genannt:

Auch sonst ist es herrlich bunt und fischreich hier. Beim zurückschnorcheln zur Flora sehen wir auf dem Sandgrund sogar noch einen endemischen Fiji-Maskenrochen.

Übrigens: wenn in der Bildbeschreibung beim Aufruf „Screenshot“ steht liegt das nicht daran, dass ich das Foto irgendwo im Netz stibitzt hätte. Vielmehr sind meine Unterwasserbilder meist eben Screenshots eines Standbilds aus einem mit meiner GoPro oder zuletzt häufiger meiner DJI Action6 aufgenommenen Unterwasser-Videos.

Feier.

Bei den Aufenthaltsgenehmigungen und auch bei der Suche nach unserer von YachtHelp verlegten Fock gibt’s leider (immer noch) nichts zu feiern.

Aber: das hält uns natürlich nicht davon ab, Wiebkes schon achten Geburtstag auf dieser Reise ordentlich zu zelebrieren. Zur Erinnerung:

  • 6.9.2019: Cartagena, Spanien 🇪🇸
  • 6.9.2020: Martha‘s Vinyard, USA 🇺🇸
  • 6.9.2021: Hamburg und Hoya, Deutschland 🇩🇪 Erster Heimatbesuch
  • 6.9.2022: Meyers Chuck, Alaska, USA 🇺🇸
  • 6.9.2023: San Francisco, USA 🇺🇸
  • 6.9.2024: von Französisch Polynesien 🇵🇫 aus Heimatbesuch mit Nachfeier Silberhochzeit, Deutschland 🇩🇪
  • 6.9.2025: Neiafu, Tonga 🇹🇴

31 Länder haben wir inzwischen auf dieser Reise besucht. Um so erstaunlicher, wie oft wir gerade an Wiebkes Geburtstag in den verschiedensten Ecken der USA oder auf Heimaturlaub in Deutschland waren.

Aber jetzt eben:

  • 6.9.2026: Musket Cove, Fiji 🇫🇯

Ganz gemütlich begonnen mit einem ersten Kaffee in der Koje …

… und dann French Toast/Arme Ritter mit Ahornsirup und frischen Bananen im Cockpit:

Anders als in zuletzt besuchten abgelegenen Bereichen von Fiji sind die westlichen Inseln wegen ihrer relativen Nähe zum internationalen Flughafen Nadi touristisch durchaus erschlossen. Wir segeln von Denarau nach Malolo Island. Drei größere Resorts gibt es allein hier. Sie sind seglerfreundlich, eines bietet sogar einen kleinen Hafen. In dessen Yachtclub kann man gegen einen kleinen Einmalbetrag eine lebenslange Mitgliedschaft erwerben und dann auch die Pools, Restaurants und Cafés des Ressorts benutzen.

Eine schöne Abwechslung für uns:

Die bekannteste Ankerbucht von Malolo Island heißt Musket Cove. Bequem erreichbar vom Flughafen und auch von den Port-of-Entry-Marinas Vuda und Denerau ist Musket Cove einer der meistbesuchten Ankerplätze in Fiji und entsprechend gut gefüllt.

Kein Wunder also, dass wir hier in der Bucht auch wieder mehrere befreundete Bootscrews treffen. Am Vorabend hatten Jill und Michael zum Sundowner auf die Gerty geladen, für Wiebkes Geburtstag verabreden wir uns in der Beachbar des Resorts an Land und wechseln danach in eines der Restaurants.

Jill hat sogar noch extra einen Geburtstagskuchen gebacken. 😘

Mantas, Schlittenfahrt in der Naiqoro Bay und Schnorcheln im Pass am Astrolabe Reef

In der Blue Lagoon Bay verabschieden wir uns von Einhandseglerin Ruby, sie nutzt ein Wetterfenster zur Überfahrt zu Fiji‘s Hauptinsel Viti Levu.

Da müssen wir auch demnächst hin, denn unsere Visa laufen bald ab. Eigentlich kann so ein Visum online verlängert werden, aus unerfindlichen Gründen muss dabei jedoch ein PDF der Zertifizierung des Fotos des Reisepasses eingesandt werden (quasi ein Foto der Beglaubigung des Fotos des Passes). Das ist hier auf Ono nicht zu erhalten, wir werden es wohl in Denerau auf Viti Levu erledigen müssen.

Aber: für das Wochenende ist ruhiges Wetter vorhergesagt. Das wollen wir nutzen, um noch einmal unser Glück beim Schnorcheln mit (hoffentlich) Mantas bei Buliya Island zu versuchen und danach auf der Ostseite von Kadavu zu ankern. Das soll uns ermöglichen, auch noch direkt am Außenriff oder in einem Pass des Great Astrolabe Reefs zu schnorcheln.

Obwohl Wind und Wellen am Freitag noch stärker als vorhergesagt sind, verlegen wir Flora zur Manta-Insel. Etwa einen halben Meter Welle haben wir an deren Nordspitze zwar noch, das macht das Schnorcheln anstrengend. Wir sind vorerst die einzigen dort, aber wir werden belohnt. Bis zu fünf große Riff-Mantas gleichzeitig drehen dort ihre Kreise und lassen sich dabei von unserer Anwesenheit nicht beirren. Sowohl Mantas mit weißer als auch solche mit schwarzer Unterseite sind darunter. Mit gemächlichem Flügelschlag gleiten sie um uns herum. Die Begegnung mit diesen bis zu fünf Meter Flügelspannweite aufweisenden riesigen und doch so sanften Rochen ist immer wieder ein wunderschönes Erlebnis. In der Mythologie der Südsee stehen Mantas als spirituelle Wesen sowohl für die Verbindung mit den Ahnen als auch für das mit den Göttern verknüpftes Wissen, für Harmonie und eine sichere Passage auf See. Kein Wunder, dass wir Segler sie lieben! (zum Vergrößern auf ein Bildchen klicken)

Nach dem Schnorcheln wechseln wir noch einmal den Ankerplatz. Wir segeln östlich um Ono herum. Zwischen der Insel und dem Außenriff hindurch schlängeln wir uns an diversen Korallenköpfen und Flachs vorbei an die Ostseite von Kadavu Island, der größten Insel am 65 km langen Great Astrolabe Reef.

Der dem Riff zugewandte Osten der Insel ist die Wetterseite, hier schiebt der Passatwind normalerweise Wolken die steilen Hänge des bergigen Terrains hinauf, sorgt so für üppige Niederschläge und teils dichten Regenwald. Das unwegige Gelände verhindert Landwirtschaft in größerem Stil wie etwa den Anbau von Zuckerrohr. Industrie gibt es ebenfalls nicht, die meisten Bewohner betreiben Subsistenzwirtschaft, also Selbstanbau des Notwendigen zu Leben sowie etwas Fischerei. Der wenige Tourismus hängt zumeist mit dem Tauchen am Great Astrolabe Reef zusammen und wird ganz überwiegend mit einfachen kleinen Lodges statt internationaler Ressorts bedient.

Wir entscheiden uns für den Ankerplatz in der Naiqoro Bay. Noch kommt der Wind recht frisch aus Ost, aber die der Bucht vorgelagerten Riffe brechen den Schwell. Für die Nacht und den nächsten Tag sind nachlassende und rückdrehende Winde angesagt, also zunächst Nord und später West. Dafür eignet sich der Ankerplatz perfekt.

Tatsächlich haben wir eine sehr ruhige, erholsame Nacht. Gleich nach dem Morgenkaffee fahren wir mit dem Dinghy zum Dorf Naiqoro, denn es ist gerade Hochwasser. Das wollen wir nutzen, denn im Scheitel ist die Bucht sehr flach, zwei kleine Flüsschen münden hier und lagern reichlich Schwemmsand ab. Selbst bei Flut halten wir uns dicht an die Mangroven, dort ist das Wasser am tiefsten und unser Außenbordmotor muss keine Furche in den Schlamm wühlen.

Kurz nach uns landet ein Longboat am Steg seinen guten Fang an, die Bucht ist reich an Fisch.

Einer der Fischer ist der Headman des Dorfes, er bringt uns für das Sevusevu zum Chief. Der empfängt uns sehr freundlich, wir bringen das rituelle Gastgeschenk der Kawa-Wurzeln dar und werden offiziell als Gäste in die Dorfgemeinschaft aufgenommen. Der Chief ruft seinen Enkel Dan. Der ist wegen der Schulferien nicht in Suva, sondern hier im Dorf bei seinem Großvater. Dan wird uns das Dorf zeigen. Was eine lästige und vom Spielen abhaltende Bürde für den Enkel sein könnte, scheint diesem im Gegenteil viel Spaß zu machen. Dan bleibt auch nicht allein, seine Freunde begleiten ihn. Wir sind erst ein paar Meter weit gegangen, da greift außerdem schon ein Mädchen Wiebkes Hand, kurz danach kommen weitere Kinder angelaufen und gesellen sich auch zur Wandergesellschaft. Dan führt uns durch Naiqoro, zeigt uns wie im Wald geerntete Kawa-Wurzeln getrocknet werden, welche Pflanzen im Ort und welche auf den Feldern höher am Berg angebaut werden. Sein Freund erklärt uns die Dorfglocke, die ebenso wie die obligatorischen Trommeln sonntags zum Kirchgang ruft. Thradition trifft Moderne: eine Frau sortiert Palmblätter zum Flechten einer Matte, neben ihrer Hütte sorgt ein aufgeständertes Solarpanel für Strom. Einfache Schaukeln gibt es fast überall, Plastikpistolen als Spielzeug scheinbar auch. Vor einer anderen Hütte haben sich ein paar Männer versammelt, das Mobiltelefon darf auch in diesem Dorf ohne Straßenanbindung nicht fehlen.

Und die Kinder zeigen uns auch ihre „Schlitten-Piste“. Ein halbierter Kanister wird mit einem hinein gelegten Kissen gepolstert und los geht die Rutschpartie den Hang hinunter:

Bei der Führung durch das Dorf haben offenbar nicht nur wir, sondern auch die Kindern richtig Spaß.

Im Hintergrund die Flora

Der Rundgang endet wo er begann, beim Chief. Der hat nämlich zwischenzeitlich für uns ein Frühstück mit Tee und Kuchen in einer Nachbarhütte organisiert.

Wunderbare Gastfreundschaft in Fiji!

Bavatu Harbour

Im Norden von Vanua Balavu schneidet der Naturhafen Bavatu etwa einen Kilometer tief in das Inselinnere. Eine 40 m hohe Insel teilt steil aufragend die Einfahrt, so dass die Bucht fast rundherum geschützt ist. Das ist gut, trotzdem suchen wir uns ob des Starkwind ankündigenden tiefdunklen Lilas der Windvorhersage einen Platz in der hinterste Ecke von Bavatu Harbour.

Hier, ganz im Südosten der Bucht, können wir uns wunderbar verkriechen. Wir liegen im Windschatten einer senkrecht vor uns in die Höhe steigenden Felswand. Die kleine, dicht bewachsene Insel hinter uns bietet zudem die Gelegenheit zum Ausbringen einer Landleine. So können wir Flora quasi fest einparken und schwingen an dem engen und nach hinten schnell flach werdenden Ankerplatz nicht herum.

Kurz nach uns kommt die Lille Venn an, sie entscheidet sich für die andere Seite der kleinen Insel. My Motu legt sich dann wiederum auf unsere Seite. Was für ein herrliches Fleckchen!

Tatsächlich haben wir hier bisher von den kräftigen Winden und Böen praktisch nichts gespürt.

Die Nähe zu den dicht mit alten Bäumen bewachsenen Uferwänden hat zudem noch einen weiteren Vorteil: wir können von der Flora aus Flughunde an ihren Rastplätzen beobachten. Auch wenn wir die meisten nur im Flug sehen, weil sie zum Abhängen hinter das dichte Blattwerk schlüpfen, ein paar dieser hier wohl etwa 80 cm Flügelspannweite messenden Fledertiere zeigen sich uns dann doch auch vor dem grünen Vorhang:

Und wir können an diesem geschützten Platz im Bavatu Harbour die Flora auch gut mal alleine lassen und einen Hike auf die andere Seite der Insel machen. Durch den Wald hindurch und auch quer über die unerwartet großflächigen, mit Palmen bestandenen Weiden einer Farm.

Beim Wandern huschen vor uns immer wieder kleine Eidechsen davon. Insbesondere beim Sonnenbaden auf den aus den Wiesen ragenden Korallensteinen (oder ganz oben auf einer Mimose) können wir sie dann doch auch in Ruhe beobachten. Es sind Pazifische Blauschwanz-Eidechsen. Trotz des Namens ist der im Verhältnis zum Körper auffällig lange Schwanz allerdings nur bei Jungtieren wirklich auffällig irisierend blau. Mit zunehmendem Alter wechselt die Farbe über Blaugrün zu dem unauffälligen Braun des Körpers.

Eine zusätzliche Belohnung bei dieser ohnehin schon schönen Wanderung ist der Aussichtspunkt am westlichen Ende des Trails. Hoch oben von einer steilen Klippe bietet sich ein famoser Blick über die „Bay of Islands“. Dieses kleine Juwel ist mit seinem Gewirr von Inseln und Buchten für die meisten Segler der Hauptgrund für das Törnziel Vanua Balavu.

Wanderin über dem Inselmeer

(oder Korallenfelsen auf Vanua Balavu)

Damit blicken wir auch auf unser nächstes Ziel, denn wenn sich der Wind etwas legt, wollen wir Flora um die Nordwestecke von Vanua Balavu herum in die Bay of Islands segeln. So richtig eilig haben es damit aber weder der Wind noch wir.

Purer Zufall: Gerade als wir wieder weiter wandern wollen, kommt Ingo von der Easy-One am Aussichtspunkt an. Er ist von der Bay of Islands herauf gewandert. Zuletzt hatten wir uns in Französisch Polynesien gesehen. Verabredet haben wir uns hier oben nicht, wollten uns aber in der nächsten Zeit in der Bay of Islands treffen.

Tagesreise zum etwas ANDEREN Supermarkt

Von Yagasa in der abgelegeneren südlichen Lau-Gruppe machen wir einen Übernacht-Törn von 115 Seemeilen hinauf nach Vanua Balavu, der Hauptinsel der Lau.

Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/File:VANUABALAVU_MAP_TURAGA_NA_RASAU.GIF#/media/File:VANUABALAVU_MAP_TURAGA_NA_RASAU.GIF
Unser Noforeignland-Track von der Südlichen Lau-Gruppe hinauf nach Vanua Balavu

Mittags segeln wir los und besonders in den ersten sechs Stunden ist es herrliches Bilderbuch-Segeln. Guter Wind und glattes Wasser, so schön hatten wir das lange nicht mehr. Auch die Nacht durch bleibt es fein, nur die Wellen nehmen etwas zu. Und obwohl wir bis ins dritte Reff gehen, sind wir etwas zu schnell unterwegs. So drehen wir vor der Einfahrt in das Riff von Vanua Balavu bei und warten ab, bis es hell wird. Erst dann laufen wir durch den breiten und jetzt gut erkennbaren Südost-Pass in die große Lagune ein und steuern die Insel Susui an.

In der Bucht vor dem kleinen Dorf liegen schon Mareike mit ihrer Moana sowie die Norweger Carine und Bruse mit ihrer Noxoma vor Anker, jetzt kommen die Flora und kurz darauf die Lille Venn dazu.

Mareike berichtet, dass Headmann Jacob und die meisten anderen Inselbewohner zur Zeit im Hauptort Lomaloma auf Vanua Balavu sind, weil ein neuer Chief in sein Amt eingeführt wird. Unser Sevusevu muss deshalb warten und findet später dann untypisch für Fiji stark verkürzt statt: als wir gerade alle beim Sundowner auf der Moana sitzen (und die Siege von Norwegen und der Schweiz feiern), kommt Jacob mit seinem Longboat zurück und hält bei uns an. Nein, morgen sei er wieder in Lomaloma. Ob wir ihm vielleicht einfach die Kawawurzeln geben könnten? Na klar und schwupp – Sevusevu ist schon durch, wir sind willkommen im Dorf und auf der Insel.

Nach nunmehr schon über sechs Wochen ohne echten Einkauf geht unser Gemüse langsam wirklich zur Neige. Hier auf Susui ist keins zu bekommen, aber andererseits würden wir gerne noch etwas hier bleiben. Wir vereinbaren mit Jacob, dass er am übernächsten Tag die Crews der Flora, der Lille Venn und der Noxoma mit seinem Longboat hinüberfährt zu einer Farm auf Vanua Balavu.

Und so machen wir das.

Glücklicher Zufall: das Versorgungsschiff ist auch gerade in Lomaloma. In dem kleinen Dorfladen dieses mit 250 Einwohnern Hauptortes von Vanua Balavu können wir deshalb neben Kartoffeln und Zwiebeln sogar einige Äpfel erstehen. Und, in der zum Laden gehörenden „Tankstelle“, auch Benzin für den Außenbordmotor unseres Dinghies.

Nebenbei: hier gibt es auch ein lange entbehrtes Speiseeis.

Für den eigentlichen Gemüseeinkauf steigen wir um in einen Pickup (bzw. für die Jungs auf die Ladefläche). Mit dem geht es über Schotterstraßen und Feldwege in Richtung Farm.

Zwischendurch machen wir noch Halt bei der Yavusavusawaitui Womens Expo 2026. Im Caree um den Dorfplatz sind Pavillons aufgestellt. Festlich gekleidete Damen sitzen auf dem Boden oder am Rand der Pavillons im Sonnenschutz, teilweise werden Produkte wie Fächer oder Kokosöl zum Verkauf angeboten.

Auch wenn sich uns der Sinn nicht so richtig erschließt, immerhin können wir vor Ort gleich nebenan Bok Choy kaufen.

Ein Dorf weiter holen wir dann den Farmer ab und mit ihm geht es steil den Berg hinauf zu seinem (hauptsächlich) Gemüseanbau. Unser Supermarkt-Ersatz will sportlich erarbeitet werden!

Weißkohl, Tomaten, Grüne Bohnen, Kürbis, Auberginen. Wow. Dazu frischer Koriander und Papayas. Zwei Rucksäcke und eine Tasche schleppen wir zurück.

Jacob nimmt auch noch einen Via mit. Die stärkehaltige Pflanze ähnelt dem verwandten Taro, allerdings wird bei Via nicht die Wurzel sondern der Stamm geerntet.

Außerdem werden wir beim Einkauf mit frischen Kokosnüssen verwöhnt:

Tatsächlich ist dieser Einkaufstrip hier auf Vanua Balavu eher eine Tagesreise. Eine zum Genießen.

Ogea: Wattwanderung in den Tropen

Wir machen den kleinen Hüpfer herüber von Fulaga. Im Nachbar-Atoll Ogea (auch hier wird vor dem g ein n gesprochen, also Ongea) entscheiden wir uns für den den Ankerplatz Ogea Driki North.

Das Atoll von Ogea beinhaltet nämlich gleich drei größere Inseln, wobei die beiden nördlichen durch dazwischen liegende Inselchen und Sandbänke fast ganz verbunden sind und deshalb gemeinsam als Hauptinsel Ogea Levu bezeichnet werden. Eine gute Meile offenes Wasser innerhalb des Atolls trennt Ogea Levu von Ogea Driki.

Blick von Ogea Driki hinüber nach Ogea Levu

Der Ankerplatz Ogea Driki North ist mit drei bis vier Metern türkisem Wasser über fast reinem Sandgrund einfach wunderbar.

Als wir ankommen, ist die Flora das dritte Boot, die kurz nach uns einlaufende Lille Venn ist Nummer vier.

Für unser Sevusevu allerdings müssen wir hinüber ins Dorf auf Ogea Levu. So ist das, beim Ankern an einer neuen Insel oder auch nur im Gebiet eines anderen Dorfes der gleichen Insel ist ein Antrittsbesuch beim Dorf-Chief Pflicht. Barbara und Ralph holen uns mit ihrem Dinghy ab und gemeinsam brausen wir hinüber. Es geht allerdings nicht ganz bis zum Dorf, schon einen guten Kilometer vorher ist es bei Ebbe selbst für das Beiboot zu flach.

So kommen wir hier in den Tropen zu einer Wattwanderung. Die breite Gezeitenzone auf Ogea Levu ist tatsächlich ganz überwiegend sandig, manchmal waten wir durch knietiefe Priele. Am Rand finden sich mal Mangroven, mal mit Palmen bewachsene Felsen. Und auf den trocken gefallenen Sandflächen wuseln unzählige Winkerkrabben. Mit der auffälligen Asymmetrie ihrer roten Scheren ziehen sie die Blicke auf sich. Eine „Hand“ der Männchen ist überdimensional groß. Für die Nahrungsaufnahme ist sie nicht geeignet, das „Winken“ mit ihr soll stattdessen Weibchen beeindrucken. Oder auch Revierkonkurrenten, denn die besten Stellen für Höhlen im Wattboden sind heiß umkämpft. Einmal besetzt, nutzt die Winkerkrabbe diese Schere dann auch als gepanzerte Eingangstür.

In einem der ersten Häuser des Dorfes nimmt Ebi uns in Empfang. Sie führt uns erst einmal zur Hütte ihres Bruders, der als Stellvertreter (der Chief ist gerade Fischen) unser Sevusevu durchführt, unsere Kawa-Wurzeln und das Ankergeld von 50 Fiji$ entgegennimmt, die aktuell herrschenden Tabus erklärt und uns formal in die Dorfgemeinschaft aufnimmt.

Ebi begleitet uns auch danach auf dem weiteren Weg ins Dorf, der noch einmal durch das Watt führt, bis es dann im inneren Dorf betonierte Wege gibt. Wir vermuten, dass letztere auch den häufigen Überschwemmungen geschuldet sind, denn das Dorf will die Ankergelder zum Bau eines Schutzwalls zur Lagune hin verwenden. Ein Großteil des Dorfes liegt nur wenig über dem Wasser, der steigende Meeresspiegel ist eine ganz unmittelbare Bedrohung. Einige der Hütten stehen auf kurzen Stelzen, andere sind wie auf kleinen Warften aus Korallengestein errichtet.

Es gibt einen kleinen Laden im Dorf, hier können wir tatsächlich einige Zwiebeln, zwei Liter H-Milch und eine Packung Kekse erstehen, unser erster Einkauf seit über einem Monat (abgesehen von Bananen und Papaya auf Fulaga)!

Die Schule ist am Samstag zwar eigentlich geschlossen, aber ein paar Schüler und der Direktor sind auf dem Gelände. Wir kommen ins Gespräch und uns werden die Klassenräume gezeigt. Wiebke macht anhand unserer Reiseroute auch noch ein bisschen Erdkundeunterricht.

Als wir auf dem Rückweg wieder bei Ebi vorbei kommen, wartet sie schon mit einer Schale voll Obst, dass sie uns verkaufen möchte. Nur zu gerne schlagen wir bei den Papayas und Passionsfrüchten zu.

Und die Wochenendbeschäftigung der Kids auf Ogea? Fische und Krebse fangen. Nicht die kleinen Winkerkrabben natürlich, sondern ordentlich große, essbare. Da braucht‘s dann auch schon ein bisschen Ausstattung:

Als wir nach unserem Ausflug zurück an Flora‘s Ankerplatz bei Ogea Driki kommen, hat sich der deutlich gefüllt. Weil gut drei Meter Süd-Schwell über das Riff schwappen, bevorzugen viele Boote diese geschützte Bucht. Kein Problem, Platz ist genug. Und wer lieber Einsamkeit möchte, muss halt etwas exponierter und mit etwas mehr Schwell an anderer Stelle ankern.

Und was für ein herrlicher Ort ist das, um erst 7 Jahre Langfahrt und dann einen Geburtstag zu feiern 🥂?

Update aus Fulaga und unerwartete Begegnungen

Wir sind immer noch Fulaga, haben es uns hier so richtig gemütlich gemacht, unseren eigenen Rhythmus gefunden.

Morgens gehen Wiebke und Barbara gemeinsam Strecke schwimmen, jeweils rund anderthalb Kilometer legen sie dabei zurück.

Ralph und ich beginnen zu dieser Zeit dann unsere erste Wingfoil-Einheit des Tages, nachmittags folgt dann meist eine zweite.

Wiebke bringt derweil dann ihre verschiedenen Strickprojekte voran, z.B. diesen Schal für Barbara.

Oder wir backen (ich Brot, Wiebke Kuchen oder Muffins), nutzen den Ofen dann auch gleich, um Crunchy-Müsli zu machen.

Spaziergänge am Strand …

… oder in den Ort zu unserer Gastfamilie. Die versorgt uns auch mit Obst und anderen Leckereien wie zum Beispiel einer schon gekochten Kokoskrabbe.

Unsere Gegengeschenke kommen aber umgekehrt auch gut an (diesmal eine 12V-Lampe und zwei Gläser Marmelade aus unseren Bordbeständen, bei unserem letzten Besuch zwei von uns nicht mehr genutzte semiflexible Solarpanele nebst Kabel und Regler).

Eine Wanderung soll uns hinauf zum Aussichtspunkt hoch über dem Dorf führen. Seru lässt es sich nicht nehmen, uns hinaufzuführen. Das ist ganz gut so, denn selbst wenn wir den Pfad vom Dorf aus wohl auch einfach nach Beschreibung gefunden hätten, den Einstieg zum Klettern auf den Felsen hätten wir wohl ohne ihn schlicht verpasst. Es geht fast senkrecht hinauf, ein Weg ist da nicht zu erkennen.

Lohnt sich aber sehr, der Ausblick über das Dorf mit der südlichen Bucht und zur anderen Seite bis hin zum Ankerplatz in der Lagune ist einfach fantastisch.

Zurück im Ort zeigt uns Seru ein traditionelles Einbaum-Ausleger-Segelkanu. Die drei Dörfer dieser Insel und ein Dorf auf einer Nachbarinsel haben für eine Regatta nach Jahrzehnten erstmals wieder jeweils eines davon gebaut. Leider wird es derzeit aber scheinbar nicht mehr viel genutzt, bereits etwas eingewachsen liegt es am Strand.

Alte handwerkliche Bootsbaukunst für das Boot selbst trifft zum Teil auf neue Materialien für das Zubehör. Ein Segel aus einer Plastikplane liegt um den Holzmast gerollt auf dem Einbaum-Rumpf, modernes Tauwerk schmiegt sich neben die kunstvollen Lasching aus Naturfasern. Es wäre toll, diese Boote hier auch wirklich segeln zu sehen.

Nach dem Spaziergang serviert uns Seru Trink-Kokosnüsse, ganz ohne Bewirtung geht es an diesem gastfreundlichen Ort einfach nicht.

An diesem Nachmittag haben wir dann zurück auf der Flora auch selbst Besuch – ziemlich unerwartet. Die USCGC Harriet Lane, ein 82 Meter langes Schiff der US-amerikanischen Küstenwache, patrouilliert seit gestern vor dem Pass in die Lagune. Die Amerikaner unterstützen die Küstenwache Fijis beim Kampf gegen die zunehmend auf dem Wasserweg nach Fiji geschmuggelten Drogen (wohl insbesondere Crystal Meth). Und so wird ein Tochter-Schlauchboot zu Wasser gelassen und kommt an unseren Ankerplatz gebraust. Die gemischte Crew aus Fiji und den USA boarded die Segelboote.

Nachdem erst lediglich ein paar benachbarte Boote ausgesucht wurden ist auch die Flora an der Reihe. Aber es ist ein sehr kurzer Besuch: ein Blick in den Motorraum, einer in die Bilge. Und ansonsten wird vom Officer des Fiji-Zolls lediglich der Papierkram kontrolliert. Haben wir einklariert, beinhaltet unser Cruising-Permit auch die Lau-Gruppe? Stimmen Bootspapiere und Pässe mit den Angaben überein? Alles gut, nach kaum fünf Minuten legt das Schlauchboot wieder von der Flora ab.

Freundlich und unkompliziert, es gibt unangenehmere Begegnungen. Zum Beispiel eine, die ich beim Schwimmen habe. Eine Portugiesische Galeere kreuzt meinen Weg. Kein antikes Kriegsschiff, sondern die nach diesem benannte quallenähnliche Polypenkolonie. Ich mache nur nähere Bekanntschaft mit einem vergleichsweise kleinen Exemplar. Unter 10 cm lang schätze ich die gasgefüllte Schwimmblase, mit der dieses Tier tatsächlich auch segelnd seine Fortbewegungs-Richtung verändert. Ärgerlicherweise sind die knallblauen Nessel-Tentakel unter Wasser trotzdem gut einen Meter lang. Ein Tier fotografiere ich, ein anderes nähert sich leider unerkannt. Als ich das Zweite bemerke, haben sich dessen Tentakel schon an meinem Schnorchel verfangen. Das bringt mir um die Taucherbrille herum ein paar brennende Hautberührungen ein. Ist aber zum Glück nicht so schlimm. Wiebke schabt die Reste der blauen Tentakel mit einer Muschel ab, das Zurückschwimmen zur Flora wirkt als Salzwasserspülung. Essig drauf an Bord und ein in kochendes Wasser getauchter Waschlappen helfen. Letzteren lege ich – sobald er kühl genug zum Aushalten ist – auf die betroffenen Hautstellen. Über 45° sollen die Proteine der Nesselzellen zerstört werden und bei mir hilft es tatsächlich sehr schnell.

Beim Schwimmen auf der anderen Seite der Sandbank, offen zum Wassergürtel in Windrichtung, werden wir jetzt deutlich vorsichtiger sein.

Der Ankerplatz der Flora ist zum Glück bei der jetzt herrschenden Windrichtung deutlich weniger gefährdet.

So wird Kokosöl auf Fulaga gemacht

Bei einem Besuch im Dorf erwähnt Lina, dass sie in dieser Woche Kokosöl machen wird und wir uns das gerne anschauen können. Lassen wir uns natürlich nicht entgehen.

Eins vorweg: Kokosöl und Palmöl sind zwei verschiedene Dinge. Palmöl wird aus dem Fruchtfleisch der dichten Büschel rötlicher Fruchtstände der Ölpalme hergestellt. Kokosöl dagegen: tja, aus dem weißen Fruchtfleisch der Kokosnüsse.

Seru zeigt uns, welchen Reifegrad der Kokosnüsse sie dazu hier auf Fulaga bevorzugen. Nicht die grünen Trinknüsse, na klar. In den braunen ist weniger Wasser, mehr Fruchtfleisch. Zu unserer Überraschung nimmt Seru aber am liebsten die bereits angekeimten Kokosnüsse, die schon etwa zwei Wochen am Boden gelegen haben. Praktisch kein Kokoswasser mehr, dafür ganz viel Fruchtfleisch und gerne schon etwas schaumartiger „Kokosapfel“ im Inneren. Der wird wird für das Öl zwar gar nicht verwendet, zeigt aber den richtigen Reifegrad an.

Der Schaum kann einzeln gegessen werden. Das feste weiße Fruchtfleisch wird dann aus der Nuss gelöst, zerkleinert und ausgepresst. Jetzt könnte eigentlich mit dem Kochen begonnen werden, aber dann müsste man sehr lange kochen, um das ganze Wasser zu verdampfen. Die Brennstoff sparendere Methode: den offenen Topf ein paar Tage in die Sonne stellen. So trennen sich Wasser und Öl-Rohstoff schon einmal grob. Nach dem Abgießen wird dann nur der Öl-Rohstoff in einem Topf aufs Herdfeuer in der Hütte gesetzt.

Als Brennstoff dienen neben etwas Holz die Kokosnuss-Schalen und die „Barawa“ (die hinter dem Herdfeuer in der Ecke stehenden trockenen Palmblattansätze. Wie eine Fackel brennen sie vom oberen Ansatz und werden nach und nach ins Feuer geschoben.

Jetzt kochen und dabei kontinuierlich rühren. Mit der Zeit wird der Kokosgeruch immer deutlicher. Aber erst wenn die festen Reste des weißen Kokosfruchtfleisches bräunlich werden und zuckerartig kristallisieren ist es soweit. Die süßlich schmeckenden Brösel werden abgesiebt und zurück bleibt das reine Kokosöl.

Insbesondere wenn das Kokosöl zur Pflege von Haut oder Haar verwendet werden soll, werden auch Blüten oder Blätter (z.B. Hibiskus oder Frangipani) beim Kochprozess hinzugefügt.

Lina mag das Kokosöl aber am liebsten pur und findet, dass es dann für die Zubereitung von Speisen auch am universellsten verwendet werden kann.

Wir bekommen gleich eine Kostprobe: Seru bereitet aus Mehl, Wasser und etwas Zucker Teig für „Saparaki“ vor. Diese Pfannkuchen werden dann von Lina in heißem Kokosöl ausgebacken. Anders als klassische Doughnuts werden sie aber nicht mit Eiern (dann wären es in Fiji „Parile“) und auch nicht mit Hefe (sonst „Babakau“) gemacht.

Lecker (auf fijianisch: maleka)!

Aber wir werden noch weiter verwöhnt. Lina hat aus Mehl und heißem Wasser noch einen anderen Teig vorbereitet. Aus den abgekühlten Kugeln rollt sie mit einem Nudelholz auf einer runden Holzplatte Roti-Fladen, der indische Einfluss in Fiji reicht kulinarisch bis auf die Lau-Inseln.

Seru schabt derweil aus (diesmal ungekeimten) Kokosnüssen wiederum das Fruchtfleisch heraus.

Er presst es mit den Händen aus. Die so gewonnene sahnige Kokosmilch wird dann über die von Lina in der heißen Pfanne gebackenen (nicht frittierten) und dann aufgerollten Roti gegossen.

Und natürlich lassen es sich die beiden nicht nehmen, uns nach dem leckeren Essen auch noch eine Flasche von dem frisch gemachten Kokosöl mitzugeben.

Leere Glasflaschen (Weinflaschen mit Schraubverschluss) sind im Dorf übrigens für das Abfüllen des Öls sehr begehrt. Wir haben Lina ein paar mitgebracht, neben kleinen Gastgeschenken wie Tüchern, Sonnenbrillen, Lesebrille, Schnorchelbrille, und Verbandszeug für Linas maladen Daumen.

Lebensmittel anbauen, ernten, verarbeiten, zubereiten. Für die Inselbewohner hier auf Fulaga macht das einen großen Teil ihres Alltags aus.

Was für ein Privileg, dass uns Lina und Seru an diesem Leben so unmittelbar teilhaben lassen.

Angekommen auf Fulaga in Fiji’s Lau Gruppe

Es ist der zweite Versuch, Fulaga (gesprochen Fulanga) zu erreichen. Dieses Mal müssen wir zunächst nicht mit Gegenwind kämpfen. Es ist Flaute. Wir motoren über eine fast spiegelglatte See. Den ganzen Tag.

In der Nacht haben wir dann ein paar Stunden segelbaren Wind und nutzen das natürlich auch. Aber eben leider nur kurz, dann muss der Diesel wieder ran. Erst gegen Mittag am zweiten Tag kommt wieder Wind auf. Er soll im Tagesverlauf deutlich zulegen, kommt aber genau von vorn. Wenn wir kreuzen, schaffen wir es nicht bei Tageslicht zum Pass, also bleiben die Segel verstaut und der Motor an. Mit der Einfahrt in die Lagune von Fulaga ist nämlich nicht zu spaßen, der Pass ist schmal kann sehr viel Strömung aufweisen. Aber wir kommen rechtzeitig zum Nachmittagshochwasser dort an und können unproblematisch in dieses Juwel der südlichen Lau-Gruppe einfahren.

Fulaga selbst ist dann schon etwas ganz Besonderes. Die Kalkstein-Insel bietet gleich doppelten Schutz: wie Wassergraben und Burgmauer findet sich innerhalb des äußeren Riffs zunächst ein Streifen Lagune und dann ein fast die ganze innere Lagune umfassenderes Land. In dem seeartigen inneren Bassin formen unzählige Inselchen und Sandbänke ein wahres Anker-Paradies.

Am späten Nachmittag können wir keinen Antrittsbesuch mehr machen. Das formelle Sevusevu beim Chief des Dorfes erledigen wir also am nächsten Tag. Mit dem Dinghy geht es zunächst durch das Gewirr der Felsen und Inselchen bis zu einer Bucht, von der aus ein Weg über den Landstreifen zur Südseite der Insel führt. Dort liegt der Hauptort (es gibt drei Dörfer mit jeweils etwa 100 Einwohnern). Auch Ralph von der Lille Venn sowie Aagje und Jeroen von der My Motu sind zum Sevusevu unterwegs. Wir sind für diese Zeremonie richtig gekleidet: alle mit bedeckten Schultern, die Männer zudem mit Herrenrock (Sulu), die Frauen mit Sulu Jaba oder einem um die Hüfte geschlungenen Tuch.

Mikai begrüßt uns am Ortseingang und führt uns zum Chief des Dorfes. Dabei machen wir mehrfach Halt bei verschiedenen Holzschnitzern. Die Schnitzerei ist eine der wenigen externen Einkunftsmöglichkeiten der Inselbewohner.

Der Chief erklärt uns die Wichtigkeit der Gast-Zeremonie: er nimmt unsere als rituelles Gastgeschenk mitgebrachten Kawa-Wurzeln formell an und teilt uns mit, dass wir damit in die Dorfgemeinschaft aufgenommen und Teil der Insel-Familie sind. Jedem Boot wird denn auch eine eigene Gastfamilie zugeordnet.

Nach dem Sevusevu führt uns Mikai noch zur Schule, wo die 45 Schüler (1. bis 8. Klasse, weiterführende Schule wäre dann in Suva auf der Hauptinsel Viti Levu) gerade eine Art Sportfest veranstalten: mit Kokosnuss-Wettöffnen, Zielwerfen, aber auch Palmblatt-Flechten.

Und wir werden unserer Gastfamilie vorgestellt, die uns für Sonntag (nach der Kirche) zum Essen einladen.

Ein ganz besonderer Empfang auf Fulaga.