Dänemark über Silvester

Urlaub im Landurlaub. Meine Geschwister haben über Silvester für die Familie ein großes Ferienhaus in Dänemark gemietet. Mit 14 Leuten machen wir es uns dort gemütlich. Lassen uns vom kalten Wind auf langen Strandspaziergängen zerzausen, wärmen uns in der Sauna wieder auf. Spielen, lesen, stricken. Reden.

Der Schnee am letzten Tag ermöglicht nach der Sauna zwar einen Engel auf der Terrasse, macht aber die Heimfahrt ein bisschen tricky. Wir kommen bis Hamburg noch ganz gut durch, danach setzt aber wieder Schneefall ein und lässt es für den Rest der Familie zu einer ziemlich langen Fahrt werden. Immerhin, alle kommen heile an.

Da genießen Wiebke und ich schon einen Glühwein auf unserer tief verschneiten Terrasse im Winter-Wonderland-Hamburg.

Frohes Neues Jahr!

Vorweihnachtszeit in Hamburg, endlich mal wieder auf’s Wasser 😉.

Die festlich beleuchtete Rickmer Rickmers an den Landungsbrücken (auf dem Schiff haben Wiebke und ich 1999 geheiratet). Und im Hintergrund die Elbphilharmonie.

Ein Konzert in der Elphi darf natürlich nicht fehlen, wenn wir schon mal hier sind.

Ebensowenig ein Besuch im Michel …

… und diverse Weihnachtsmarktbesuche mit Familie und Freunden.

Wir kaufen einen Tannenbaum für unsere Wohnung …

… freuen uns am festlichen Schmuck bei Wiebkes Mama in Hoya …

Und wir werden zur Punsch-Rundfahrt im Hamburger Hafen beim Segelverein Hansa eingeladen …

… und, und, und.

Vorweihnachtszeit in Hamburg. Herrlich.

Und was bedeutet das eigentlich? Es bedeutet zunächst mal, dass wir gerade keine exotischen Geschichten zu erzählen oder zu zeigen haben. Und es bedeutet, dass es trotzdem wunderschön für uns ist. Dass wir uns erden können in unserem anderen Zuhause, Wurzeln spüren. Dass wir mit alten (und neuen) Freunden und mit unserer Familie Zeit verbringen dürfen ist auch ein ganz wichtiger Teil unseres Lebens. Und es ist gut zu wissen, dass sie uns in Gedanken auch wieder begleiten werden, wenn wir im Februar zurück auf die andere Seite der Erde reisen.

Von Auckland nach Hamburg, vom Herrn der Ringe zum Weihnachtsmarkt

Emirates fliegt uns von Auckland aus mit nur einem Stop in Dubai nach Hamburg. Bis Dubai geht es erst einmal knapp 18 Stunden durch die Nacht, das ist für Wiebke und mich der bisher jeweils längste Flug unseres bisherigen Lebens. Im Bordkino schaue ich mir alle drei Teile der in Neuseeland gedrehten von „Der Herr der Ringe“-Verfilmung an, jeder Teil dauert rund drei Stunden. Bleibt also noch genug Zeit, um zu schlafen. Nach drei Stunden Aufenthalt in Dubai steigen wir dann ins Flugzeug nach Hamburg. 6 Stunden, im Vergleich also ein kurzer Hüpfer. Unterwegs überfliegen wir während ich wach bin die gebirgigen Wüstengebiete von Irak und Türkei, davor und danach schlafe ich wieder.

Insofern kommen wir doch recht entspannt in Hamburg an. Kaltes Schmuddelwetter empfängt uns, aber schon am Wochenende wird es besser. da können wir sowohl bei Sonnenschein über den Wochenmarkt am Goldbek-Kanal bummeln als auch unserem EDEKA einen Besuch abstatten, um die erste Adventszeit-Grundausstattung zu besorgen:

Und auch ein Besuch auf einem der Weihnachtsmärkte (da waren wir schon seit Jahren nicht mehr) ist drin, wir entscheiden uns für den Weihnachtsmarkt am Landhaus Walter im Stadtpark.

Sehr schön. Auch im neben dem Boot „anderen“ Zuhause. Und schon ist der erste Advent vorbei.

Auf nach Auckland

Auf der Fahrt von Whangārei nach Auckland müssen wir eigentlich keine allzu lange Strecke zurücklegen, es sind ganze 155 km. Trotzdem kündigt uns das Navi eine Fahrzeit von zweieinhalb Stunden an. Die Entfernungen in Neuseeland sollten nicht unterschätzt werden, das Straßennetz ist anders ausgebaut als etwa in Deutschland. So verfügen die Kiwis insgesamt nur über 150 km Autobahn in der Nähe der Städte Auckland, Wellington und Christchurch. Immerhin sind von den 90.000 km Straße fast zwei Drittel asphaltiert. Brücken sind auf Nebenstrecken oft nur einspurig und bedingt durch die Topographie geht es auf den kurvigen Straßen oft steil bergauf und bergab. Auch auf der Staatsstraße #1, auf der wir unterwegs sind. Dafür gibt es aber auch immer wieder schöne Ausblicke:

Zunächst sehr ländlich, wird es etwa 50 Kilometer vor Auckland dann deutlich urbaner. Das Seebad Orewa verfügt über einen breiten Strand, liegt schon im Einzugsgebiet der Großstadt und dient wohl auch als Sommerfrische. Hier machen wir eine kurze Kaffeepause, bevor wir uns in den Großstadtverkehr stürzen, vor dem Jacquie und Phil uns gewarnt haben. Insbesondere die Nord-Süd-Brückenverbindung über den Waitematā Harbour ist ein echtes Nadelöhr. Kommt uns aus Hamburg irgendwie bekannt vor.

Am Ende kommen wir aber am frühen Nachmittag so gut durch, dass wir beschließen, uns vom Fernsehturm aus noch einen Überblick (im Wortsinn) von Stadt, Hafen und den Inseln im vorgelagerten Hauraki Golf zu verschaffen.

Von unserer schönen AirBnb-Unterkunft aus ist es nah hinauf zu diesem Wahrzeichen Aucklands. Aber auch nah hinunter zum Hafen. Vom Balkon aus können wir beides sehen.

Hinauf und hinunter trifft es, vom Höhenprofil erinnert uns Auckland durchaus an San Francisco.

Jetzt also erstmal rauf, und wie! Mit 328 m ist der Sky Tower in Auckland der höchste Fernsehturm der südlichen Hemisphäre. Entsprechend ist der Blick von der Aussichtsplattform wirklich atemberaubend:

Das gilt umso mehr, wenn ich dabei auf einer Glasplatte mit aufgeklebter Weihnachtsdeko stehe und an den eigenen Füßen vorbei nach unten schauen kann. Vor allem, wenn ich dabei noch bedenke, dass etwa 12.700 km genau unter mir Europa liegt, die Leute dort „umgekehrt“ also mit den Füßen zu mir auf der Erde stehen.

☺️

Und wir sind hier her gesegelt. Außen rum und damit um einiges weiter. In sechseinhalb Jahren mit ein paar zusätzlichen Umwegen einmal halb um die Welt. Und Ende der Woche brauchen wir mit dem Flugzeug nur 28 Stunden für die Reise zurück zu einem Heimatbesuch. Wow. Und Prost!

Neuseelands Northland, die Possums und Hundertwasser

Die letzten Tage hier nutzen wir, um auch die Umgebung von Whangārei im Bezirk Northland noch etwas zu erkunden.

Ein Ausflug führt uns hinauf zur Bay of Islands, die wir nächstes Jahr unbedingt mit dem Boot besuchen möchten. Die Nebenstraße über Helena Bay auf der Strecke von Whangārei nach Russel lässt mein altes Motorradfahrer-Herz höher schlagen, obwohl wir mitten Auto unterwegs sind. Etwa 100 km lang finden sich kaum mal 200 m gerade Strecke. Dabei geht es bergauf und bergab, durch Wälder, Wiesen und an der schroffen Küste mit eingestreuten kleinen Stränden entlang.

Ein bisschen Viehwirtschaft, wenige kleine Ortschaften, kaum Verkehr. Eine halbe Stunde lang zählen wir den Gegenverkehr und die plattgefahrenen Possums auf der zumeist schmalen, gewundenen Straße. Es sind weniger entgegenkommende Autos als totgefahrene Possums. Diese nachtaktiven Beutelsäuger sind extrem unbeliebt in Neuseeland. Die Fuchskusus (so der deutsche Name) sind etwas größer als eine Hauskatze. Um 1850 herum wurden sie aus Australien zum Aufbau eines Pelzhandels eingeführt. In Australien sind diese Beuteltiere inzwischen geschützt. In Neuseeland aber haben sie keine natürlichen Feinde. Insofern vermehrten sie sich explosionsartig. Viele Neuseeländer überfahren sie deshalb lieber absichtlich, als ihnen auszuweichen, denn Possums haben sich zu einer heute bekämpften Plage für die originäre neuseeländische Planzen- und Vogelwelt entwickelt.

Wo ich schon bei der neuseeländischen Vogelwelt bin 😉:

Wir beobachten unter anderem die typisch neuseeländischen schwarzblauen Tui (-Honigvögel) mit ihrem auffälligen hellen Federbüscheln am Hals und die kaum golfballgroßen Neuseeland-Fächerschwänze (Pīwakawaka oder Fantail) sowie die etwa sperlingsgroßen Graumantel-Brillenvögel. Letztere kamen (wie die Possums) erst im 19. Jahrhundert nach Neuseeland. Da sie aber nicht vom Mensch eingeführt wurden, sondern vermutlich ein Schwarm durch einen Zyklons auf natürlichem Weg von Australien hierher abgetrieben wurde, gelten sie nicht als invasive, sondern als heimische Art. Die Pflanzen- und Tierwelt Neuseelands hat halt so ihre Eigenarten. Es ist kompliziert.

Russel selbst ist ein kleiner Touristenort auf einer langgezogenen und buchtenreichen Halbinsel in der Bay of Islands.

Insbesondere an der Uferpromenade finden sich einige viktorianische Holzbauten, die heute zumeist als Cafés und Restaurants genutzt werden.

Von Russel aus nehmen wir die Fähre hinüber nach Opua. Hier klarieren die meisten Segler nach Neuseeland ein, so wie wir das ja ursprünglich auch geplant hatten. Gerade am Vortag ist die Terikah angekommen. Wir hatten Jen und Cris mit ihren Kindern Calder und Cora in Mexiko kennengelernt und zuletzt in Französisch Polynesien getroffen, die Wiedersehensfreude ist groß und wir schnacken längere Zeit auf ihrem Katamaran.

In Opua machen wir außerdem noch einen herrlichen Waldspaziergang auf dem Opua Kauri Walk.

Zwischen hohen Baumfarnen und vielen Kauri-Bäumen hindurch geht es zu einer Aussichtsplattform nahe einem etwa zwei Meter im Durchmesser aufweisendem jahrhundertealten Exemplar dieser den Maorí als heilig geltenden Bäume.

Auf der Rückfahrt nach Whangārei machen wir einen kurzen Zwischenstopp in Kawakawa. Die Hauptattraktion (vielleicht auch die einzige) in dieser kleinen Ortschaft ist die öffentliche Toilette. Was zunächst skurril anmutet, geht auf den bekanntesten Bewohner des Ortes zurück: der Allrounder-Künstler Friedensreich Hunderwasser wohnte hier ganz in der Nähe von 1975 bis zu seinem Tod im Jahr 2000. Direkt hinter der von ihm gestalteten Toilette gibt es auch einen kleinen Hundertwasser-Park mit einer Bibliothek.

Wir waren zwar in Wien (Hundertwasserhaus), Uelzen (Hundertwasserbahnhof) und Hamburg (Hundertwassercafé) und zuletzt eben Whangārei schon mehrfach auch mit dem architektonischen Werk Hundertwassers in Berührung gekommen, wussten bisher aber nicht, dass er in seinen späten Jahren Neuseeland als Wahlheimat ausgesucht hatte.

Dazu können wir dann bei einem Besuch der Dauerausstellung im Hundertwasserhaus in Whangārei noch mehr spannendes erfahren. Etwa, dass Hundertwasser selbst Segler war und sein Schiff, die REGENTAG, auf Teilstrecken auch eigenhändig vom Mittelmeer nach Neuseeland gebracht hat.

Und zum Beispiel, dass er eine so enge Beziehung zu seinem Schiff hatte, dass er seinen Künstlernamen (bürgerlich hieß er Friedrich Stowasser) erweiterte auf Friedensreich Hundertwasser Regentag Dunkelbunt.

Ein wenig dunkel und ziemlich bunt wird es dann auch noch bei unserer allerletzten Aufgabe in Whangārei: Wolle abholen. Der skurril und ein bisschen dunkel anmutende Teil: in Neuseeland gibt es eine besondere Wolle: neben 80% heimischer Merino-Schafwolle wird 20% Possum eingesponnen. Das weiche Fell der zum Schutz der heimischen Natur gejagten Possums besteht nämlich aus hohlen Haarfasern, die sich nicht nur gut anfühlen, sondern dadurch auch besonders isolierende und Feuchtigkeit transportierende Eigenschaften aufweisen. Der bunte: Helene mit ihrer Garagenfirma HappyGoKnitty färbt diese besondere Wolle in Handarbeit ein und versendet sie dann auf Bestellung in die ganze Welt. Wir haben aber den Luxus, sie direkt bei ihr abholen zu können und uns dabei die Wolle und den Prozess ihrer Entstehung von ihr erklären zu lassen.

Oh, und da wir jetzt ja aus dem neuseeländischen Frühsommer direkt in die ersten deutschen Wintertage fliegen (wir haben Schneebilder gesehen!), hat Wiebke sich zu ihrem Tuch rechtzeitig noch eine passende Mütze fertig gestrickt. Noch nicht aus Possumwolle, aber damit kann ja dann das nächste Strick-Projekt starten.

Was liegt an?

Nur ein paar Tage bleiben uns noch in Whangārei, dann fahren wir schon nach Auckland. Und von da aus fliegen wir Ende nächster Woche nach Deutschland.

Flora steht aufgebockt auf dem Gelände von Dockland 5, sie hat sich einen Kur-Aufenthalt wahrlich verdient.

Die sechseinhalb Jahre Dauerbelastung sind nicht ganz spurenlos geblieben, da ist tatsächlich Allround-Wellness angesagt.

Ganz oben auf der Liste stehen die Checkups unserer beiden Dieselmotoren, also Hauptmaschine und Generator. Da ist mal ein bisschen mehr zu tun als die von uns regelmäßig durchgeführten Öl-, Filter- und Impellerwechsel. Turbo und Wärmetauscher werden ausgebaut. Der letztere bietet gleich eine unangenehme Überraschung. Beim Ausbau zeigt sich, dass eine verdeckt liegende Dichtung ihrem Namen nicht mehr ganz gerecht wird. „Gerade noch rechtzeitig“, sagt der Mechaniker.

Ebenfalls weit oben auf der Liste stehen die Borddurchlässe und Seeventile. Löcher im Schiff verdienen halt besonderes Augenmerk. Flora hat davon eine ziemlich große Anzahl. Schon ab Werk, erst recht aber durch die Nachrüstungen des Vorbesitzers (Wassermacher, Generator und Klimaanlage). Allein im hinteren Bad befinden sich sieben Borddurchlässe, alle aus seewasserbeständigem Messing, wie es ab Werk verbaut wird. Das leidet allerdings in dem warmen Salzwasser ziemlich heftig unter Korrosion beziehungsweise Auszinkung. Wir wollen es deshalb – da wo es geht – durch korrosionsresitente TrueDesign-Komposit-Fittinge ersetzen.

Hier als Beispiel die Batterie von fünf Seeventilen im hinteren Bad, zwei weitere befinden sich im Waschbeckenunterschrank gleich daneben.

Leider sind bei weitem nicht alle Seeventile so gut zugänglich wie diese, insbesondere im Motorraum geht es ziemlich eng zu.

Im Bad gibt es noch eine weitere Baustelle: der Abwassertank hat ein kleines Leck. Eine der Schweißnähte des Edelstahltanks scheint ein nadelgroßes Loch aufzuweisen. Hoffentlich kann er geschweißt werden. Der Tank muss also raus. Nachdem wir die Wandverkleidung und das WC abgebaut haben, sieht das Ganze so aus:

Auch diese Ventile sollen raus, sie sind extrem schwergängig geworden. Die hinter dem Tank verbaute Tankentlüftung und das seitlich (durch den Motorraum geführte Knie zum anschließenden Schlauch der Tankabsaugung via Decksstutzen verkomplizieren den Ausbau des Tanks allerdings erheblich. Es ist eben ein Boot.

Was noch?

Die Segel bringen wir zur Durchsicht und Ausbesserung zum Segelmacher.

Die Gangschaltung nehmen wir uns selbst vor. In Aitutaki auf den Cook Islands hatte ja beim Anlege-Hafenmanöver das Gasgeben im Rückwärtsgang nicht mehr geklappt. Murphy‘s Law.

Offenbar war ein Mitnehmer innerhalb der Gangschaltung gebrochen. Bei geöffneter Steuersäule konnten wir den Gang manuell auf der Rückseite der Gangschaltung wechseln, immerhin war ein “Workaround“ gefunden. Aus Deutschland brachten wir dann nach Samoa eine Ersatzschaltung mit. Einbauen konnten wir sie allerdings nicht, da sich der Schalthebel nicht lösen ließ. Weder Rostlöser noch Hitze- und Kälteanwendungen brachten Abhilfe, selbst gutes Zureden half nicht.

Hier in Whangārei gehen wir es nochmal an, Kommen aber zerstörungsfrei nicht weiter. Der Konus, auf dem der Schalthebel sitzt, bricht irgendwann. Immerhin, das eröffnet uns die Möglichkeit, die zwischen äußerer Edelstahlplatte und innerem Stahlblech komplett fest gegammelten Schrauben auszubohren und den Schaltmechanismus innerhalb der Steuersäule zu lösen. Dafür müssen wir aber die Steuersäule auseinander bauen und die darin befindliche Elektrik und Elektronik trennen. Dabei natürlich schön beschriften, damit wir das jemals wieder zusammensetzen können.

Die Solarpanel auf dem Bimini funktionieren nur noch teilweise. Die (älteren) SunWare-Panel laden noch immer gut, die (neueren) Sunbeam-Panel haben schon eine völlig matte Oberfläche und geben den Geist auf. Dabei hatten wir für die erst in Tahiti eine mit Klett abgedeckte Reißverschluss-Halterung auf das Bimini nähen lassen. Wir finden hier in Whangārei semiflexible Panele in passender Größe und lassen bei einer Sattlerei die gleichen Reißverschlüsse darannähen.

Wo wir schon dabei sind, kaufen wir auch noch zwei feste Panele, die unser großes 400 Wattpeak-Panel auf den Davits ergänzen sollen. Dafür ist jetzt bei einem Aluminium-Schweißer ein geänderter Halte-Rahmen in Auftrag gegeben.

Wegen der schäbig gewordenen Salonpolster sprechen wir mit verschiedenen Polstereien.

Für das Auffrischen des Coppercoat-Unterwasseranstrichs und die erforderlichen Ausbesserungen geben wir einen Auftrag an den Spezialisten vor Ort.

Und noch dies und noch das. Die Tage vergehen im Flug. Um so besser, wenn dann zum Feierabend der Blick hinunter auf Whangārei meistens eben doch klar und die Berge nicht regenverhangen sind.

Rausgeholt und trotzdem nass.

Es ist soweit, Flora kommt mal wieder aufs Trockene. In Whangārei wird sie mit dem Travellift aus dem Wasser gehoben. Jedesmal aufs Neue ist das für uns ein nervenaufreibender Moment. Aber die Mitarbeiter hier auf der Werft machen das etwa neunmal am Tag, für sie ist es Routine. Per Headset sind sie miteinander verbunden. Ruhig und doch äußerst aufmerksam gehen sie zu Werk. Die Gurte sitzen zunächst genau auf den Markierungen, aber dabei kommt Floras Vorstag ziemlich nah an den Querträger des Travellifts. Lieber noch mal schauen: zum Log-Lot-Geber hat der vordere Gurt noch über einen Meter Platz. Also noch mal ins Wasser und den Gurt einen halben Meter versetzen, jetzt passt es oben besser mit dem Vorstag.

Raus, mit Hochdruck das Unterwasserschiff abstrahlen und dann die Fahrt übers Werftgelände zum Stellplatz mit stehendem Mast absetzen und den Lagerbock anpassen. Das alles klappt noch, bevor der Regen einsetzt.

Während wir danach drinnen mit Bootsarbeiten und Vorbereitungen für die Zeit „on the hard“ beschäftigt sind, fängt es aber kräftig an zu pladdern. Und dabei bleibt es bis in den Abend hinein. Bis zum Heimflug haben wir uns ein AirBnB gegönnt um nicht auf der Bootsbaustelle zu wohnen und für jeden Toilettengang über die Leiter hinabsteigen zu müssen. Eigentlich haben wir von unserer kleinen AirBnB-Wohnung hoch auf einem Hügel über der Stadt einen schönen Blick über Whangārei. Nicht touristisch gestriegelt, sondern eben über Einkaufszentren und Industriegebiet hinweg, aber man kann auch die goldene Kuppel des Hundertwasser-Gebäudes im Zentrum ausmachen und die grünen Berge hinter der Stadt rahmen das ganze durchaus malerisch ein. Heute allerdings nicht:

Whangārei Harbour

Die Stadt Whangārei liegt etwa 20 km von der eigentlichen Ostküste Neuseelands entfernt im Landesinneren. Und doch liegt sie direkt am Wasser, denn der Hātea River verbreitert sich gleich hinter der Stadt fast seeartig. Jedenfalls bei Hochwasser, obwohl selbst dann die Mangroven schon einen Teil des Überflutungsgebietes bedecken. Bis es dann an den Felsformationen der Whangārei Heads wieder eine schmale Flussmündung wird, ergibt sich eine weitläufige Wasserfläche mit vielen Buchten, eben der Naturhafen Whangārei Harbour.

Bei Ebbe allerdings zeigt sich ein ganz anderes Bild. Etwa zwei Meter beträgt der Tidenhub, aber das reicht aus, um die Landschaft völlig zu verändern. Sandbänke und Inselchen tauchen bei Ebbe auch im äußeren Teil des Whangārei Harbour auf, der innere Teil fällt sogar auf etwa Dreiviertel seine Fläche trocken. Ein schmales, gut betonntes Fahrwasser führt unter einer auf Anforderung öffnenden Klappbrücke hindurch bis zum Ort, aber selbst das ist für Kielboote wie unsere Flora nur um Hochwasser herum sicher zu befahren.

Da ankern wir doch lieber erst einmal im äußeren Whangārei Harbour, gleich hinter den Whangārei Heads.

Ein wunderschöner Ankerplatz, wobei die lokalen Boote an Bojen in Wassertiefen liegen, die für Flora bei Ebbe schon grenzwertig flach sind. Der Blick in die andere Richtung zeigt die Wattbereiche am Ufer noch deutlicher und lässt auch ein paar der bei Ebbe auftauchenden Sände erkennen.

Vom Ankerplatz setzen wir mit dem Dinghy zu einem öffentlichen Landesteg am Ufer über. Mehrere Wanderwege führen am Wasser entlang und auch hinauf zu den verschiedenen „Heads“. Wir entscheiden uns mit Rücksicht auf unsere untertrainierten Beine für den Weg auf den nur 210 m hohen Mt. Aubrey. „Moderately challenging“. Wir schnaufen trotzdem ganz ordentlich, denn der abwechslungsreiche Pfad führt teils auf Schotter, teils als gemähte Schneise durch Wiesen, größtenteils aber treppauf – treppab am steilen Mt. Aubrey entlang und durch den Wald auf seinen Felsengrat hinauf. 91 Stockwerke erkennt die Bewegungsapp im Handy daraus.

Spannend dabei ist für uns auch die bunte Mischung der Flora und Fauna zwischen heimatbekannt und exotisch. Wir sehen Amseln, Schwalben und Spatzen und wir hören zu unserer Überraschung tatsächlich einen Kiwi ausdauernd rufen (sehr charakteristisch irgendwo zwischen Schrei und Pfiff), zu sehen bekommen wir den eigentlich überwiegend nachtaktiven flugunfähigen Nationalvogel Neuseelands leider nicht.

Auch die Pflanzenwelt überrascht mit dem Nebeneinander von aus unserer Heimat bekanntem Hahnenfuß, Schafgarbe und Jungfer im Grünen neben exotischen Gewächsen, von denen allerdings viele (wie das weißblühende und für Pferde tödliche Crofton Weed) keineswegs heimisch in Neuseeland und eben manchmal auch gefährlich sind. Aber auch der wegen seiner Farbe und Blütezeit so benannte „Neuseeländische Weihnachtsbaum“ Pōhutukawa ist dabei.

Vielleicht ist es auch diese Melange aus heimatlich Vertrautem und Neuem die dazu beiträgt, dass wir uns hier in Neuseeland auf Anhieb richtig wohl fühlen.

Wenn das so ist, will das Wetter jedenfalls auch nicht zurückstehen. Während ich das schreibe, prasselt der Regen auf die Flora, die Kuchenbude ist aufgebaut, es ist kalt geworden. Heimatliches Hamburger November-Schmuddelwetter im Süd-Frühling in Whangārei.

😉

Gratulation!

Unser Verein Trans-Ocean versteht sich als Netzwerk von und für Hochseesegler. Ein Clubhaus gibt es nicht, vielmehr gilt: wo immer sich TO-Mitglieder treffen, lebt der Verein. Das kann in der Vorbereitung und beim Losfahrer-Treffen sein (so war es bei uns auch) oder unterwegs, wie wir es ebenfalls schon öfter erlebt haben, die Welt ist eben manchmal ein Dorf.

Einmal im Jahr gibt es in Cuxhaven eine Jahresversammlung, dort waren wir allerdings noch nie. Spannend wäre es sicher, schließlich treffen sich dort Langfahrtsegler mit den unterschiedlichsten Routen und Erfahrungen. Wie unterschiedlich, das zeigt sich insbesondere bei der Verleihung der Preise, die für Weltumseglungen und für andere herausragende seglerische Leistungen vergeben werden.

Dieses Jahr gibt’s hier in Whangārei eine Besonderheit: Rolf und Wolf von der Boaty McBoatface organisieren im Aufenthaltsraum der Town Basin Marina ein gemeinsames Frühstück (wegen der Zeitverschiebung) und Anschauen des Livestreams aus Cuxhaven. Neben uns von der Flora finden sich auch noch die TO-Crews der Barbarella, der Paikea, der Ziganka, der Mona Nui und der Nehaj ein, sieben Vereinsboote!

Der eigentliche Kracher aber ist, dass Susanne Huber-Curphey, die Einhandseglerin von der Nehaj, in diesem Jahr mit dem TO-Preis ausgezeichnet wird. Nonstop eineinhalb Mal um die Welt, über 33.000 Seemeilen, von den Azoren um den Erdball und danach noch einmal ums Kap der guten Hoffnung und weiter bis Neuseeland, 270 Tage allein an Bord. Das muss gefeiert werden und genau das tun wir jetzt gemeinsam hier in Whangãrei.

Kaum zu fassen, aber das ist weder Susannes erste (Einhand-)Weltumseglung noch ihr erster TO-Preis. Diese Power-Frau ist auch schon einhand durch die Nordwestpassage gesegelt und seglerisch einfach daueraktiv.

Hut ab und ganz herzliche Glückwünsche!