Alles ums Wasser: Watermaker und Rendezvous Bay

Wir sind zurück in Falmouth. Eine Nachfrage bei Watermaker Services ergibt, dass unsere Teile schon aus Trinidad eingetroffen sind. Ein bisschen Hin und Her gibt’s noch um Zwischenstücke für die Fittinge. Ich muss noch eine Verschraubung aus der Hochdruckpumpe ausbauen, der Grund ist mir erst nicht klar. Aber es zeigt sich, dass die Originalfittinge an dieses Teil nicht passen würden, es ist offenbar Teil der Frickelei in Griechenland. Egal, auch das löst sich, trotzt anfänglicher Schwierigkeiten meinerseits, die neue Verschraubung dicht zu bekommen. Vielleicht habe ich auch nur das Teflonband falsch herum um die Schraube gewickelt.

Die gute Nachricht: der Watermaker läuft wieder, eine neue Membran ist auch drin und die Werte sind besser denn je. Hatten wir zuletzt mit der alten Membran meist knapp unter 500 ppm sind es jetzt nur 220 ppm (parts per million entsprechend mg/L, letztlich wird aus der gemessenen Leifähigkeit die Anzahl der Ionen der verbliebenen Salze geschlossen). Dafür haben wir ein kleines Messgerät an Bord. 220 ppm sind für unseren kleinen Watermaker schon ein ziemlich guter Wert.

Außerdem machen wir von Falmouth aus gemeinsam mit Annemarie und Volker von der “escape” eine Wanderung zur Rendezvous Bay. Das sind etwas über 10 km (hin und zurück), also brechen wir schon morgens um 8.00 Uhr auf, um nicht die ganze Zeit die pralle Hitze zu haben. Klappt auch, aber wir schwitzen trotzdem ganz gut. Irgendwie hatten wir uns den Weg flacher vorgestellt, am Ende ist aber doch (lt. iPhone) die Entsprechung von 53 Stockwerken erklommen. Allerdings ohne Treppen. 😉

Der Hinweg führt größtenteils über eine (unbefestigte) Straße. Autos begegnen uns allerdings keine. Das ist ganz und gar verständlich, wenn man sich den Zustand ansieht: sie ist so ausgespült, dass Wiebke in einem “Schlagloch” bis zu Hüfte verschwindet.

Für uns ist die Strecke aber gut zu gehen und so kommen wir einigermaßen entspannt bei der halbmondförmigen Rendezvous Bay mit ihrem malerisch hineingetupften Felsenriff an. Den Strand haben wir ganz für uns allein, für allzu viel Besuch ist er dann doch zu abgelegen, wenn nicht (zu anderen, Außer-COVID-Zeiten) Hotel- oder Kreuzfahrttouristen mit speziellen Gefährten oder auf ausgebesserter Straße herangeschafft werden. An einer Wiese in der Nähe des Strandes findet sich unter den Bäumen am Rand jedenfalls etwas improvisiert wirkende Infrastruktur dafür. Perfekt, um Schuhe und Rucksäcke auf den Bänken zu lassen und barfuß über den feinen Sandstrand zu schlendern (wenn man nicht gerade die Drohne steigen lässt).

Der Rückweg wird übrigens etwas anstrengender. Diesmal geht’s am Berghang entlang quasi oberhalb der Küste auf direkterem Weg (vielmehr Trampelpfad) nach Falmouth. Hindernisse inbegriffen.

Aber dafür bieten sich auch immer wieder tolle Ausblicke, auf die Küstenlinie und am Ende, als schon wieder Häuser auftauchen, auch auf Falmouth Harbour.

Wird doch noch mal Zeit für die Drohne. Und dann für ein Belohnungseis. 😁

Carlisle Bay, Antigua

Was für ein Unterschied zum wuseligen, bei Megayachten beliebten und ziemlich weitläufigen Falmouth mit all seinen Serviceangeboten, Restaurants und Kneipen. Die drei Seemeilen weiter westlich an der zerklüfteten Südküste von Antigua gelegene Carlisle Bay bietet davon fast nichts, dafür aber einen ebenfalls gut geschützten Ankerplatz zwischen den sich eng an die deutlich kleinere Bucht schmiegenden grünen und steilen Hügeln. Insbesondere auf dem Stück zwischen den beiden Buchten vom Fisher Hill bei der Carlisle Bay bis hinüber zum Nook Hill vor Falmouth findet sich auch fast keine Bebauung, die steilen Flanken sind zumeist straßenlos und nur von wenigen Wegen durchzogen. Autos müssen den Umweg über den (schönen) Fig Tree Drive durch das Inselinnere nehmen.

Die wunderschöne Südküste von Antigua: links hinter dem Kap liegt die Carlisle Bay, ganz rechts am Bildrand Falmouth

Ein Weg aber soll von unserem Ankerplatz aus hinüber über die Hügel zum Strand hinter den Riffen führen. Wir landen mit dem Dinghy am Jetty des Hotels an, fragen freundlich und dürfen das Beiboot dort festmachen. Also wandern wir los, zunächst durch das kleine Örtchen mit unfassbar vielen ausgeschlachteten Autos am Straßenrand. Nach etwa einem Kilometer biegt ein Feldweg ab und erstmals überhaupt auf Antigua spazieren wir durch so etwa wie Plantagen. Kein industrieller Anbau, eher dürften es kleine bäuerliche Betriebe sein, die hier in der Ebene hinter dem erstaunlich weitreichenden Mangrovenfeuchtgebiet vor allem Bananenstauden und große alte Mangobäume bewirtschaften, auch Zuckerrohr und Papaya ist zu sehen.

Als wir die Mangroven hinter uns lassen steigt das Gelände an, wird sofort merklich trockener und es findet auch kein Anbau mehr statt. Dornengestrüpp und vereinzelt auch Kakteen säumen den jetzt trockenen Weg. Immerhin, es bleibt ein Weg bis knapp hinter die Passhöhe, dann ist auch dieser Luxus vorbei. Ein Pfad führt jetzt durch die Dornen.

Bis kurz vor dem Meer gut zu finden, die letzten paar hundert Meter eher dem Geräusch der Brandung nach durchs Dickicht. Aber auch das klappt und so können wir an unserem Privatstrand (am ganzen Tag wird uns auf der Wanderung niemand begegnen) unsere Rast einlegen und einen Segler beobachten, der hinter dem Riff um das Kap herumzirkelt.

Auf dem Rückweg finden wir durch Zufall kurz hinter dem Pass einen mit roten Bändern markierten aber bisher nirgends eingezeichneten Wanderpfad, der steil den Hang hinaufführt. Lassen wir uns natürlich nicht entgehen, und es wird ein echtes Highlight, im wahren Wortsinn, denn es geht an überwucherten Ruinen englischer Festungsgebäude vorbei bis auf den Gipfel des Fisher Hill hinauf, mit traumhaften Aussichten an der Küste entlang bis Falmouth und zur anderen Seite auf unseren Ankerplatz. Die Drohne fängt sogar beides zugleich ein.

Vom Großen zum Kleinen: selbst hier oben auf dem Berg finden sich noch Einsiedlerkrebse. Dem hier ist sein Schneckengehäuse schon etwas klein geworden, er kann es nicht mehr mit seiner einseitig großen Schere verschließen, einige Beine schauen immer noch mit hinaus.

Da wird wohl demnächst ein Umzug fällig. Bei uns auch, trotz der schönen Carlisle Bay. Wenn die Teile für den Wassermacher komplett da sind, wollen wir nach St. Martin aufbrechen. Aber bis dahin genießen wir Antigua. Den Rückweg können wir übrigens zum Glück noch deutlich abkürzen, indem wir die Verbindung der Mangroven zum Meer durchwaten, gut 8 km sind es trotzdem auf dem abwechslungsreichsten Hike, den wir auf Antigua und Barbuda bisher gemacht haben.

Und hier einfach noch ein paar Eindrücke von dem Ankerplatz und der Gegend:

Sinnvolles auf Antigua

Keine großen Änderungen, wir warten noch auf die Wassermacherteile. Immerhin: Julien von Watermaker Services hat den eigentlichen Übeltäter (den zugerosteten gewinkelten Fitting) ersetzt, ebenso einen Endstopfen des Rohrs der Mebran, der durch den Überdruck scheinbar einen Haarriss bekommen hat.

Den Wassermacher habe ich jetzt testweise wieder eingebaut, er funktioniert und leckt nicht. Allerdings muss der (rostende) Fitting zwischen Hochdruckpumpe und Membran noch getauscht werden, der sollte Anfang nächster Woche eintreffen. Wir werden dann auch die Membran tauschen, vorsorglich wegen der sich auch dort absetzenden Rostteilchen sowie des entstandenen Überdrucks und weil die alte Membran ohnehin kurz vor dem Ende der empfohlenen Einbauzeit (5 bis 7 Jahre) ist. Lieber ein bisschen vor der Zeit als demnächst in vielleicht unpassender Gegend danach suchen zu müssen. Jedenfalls muss ich Membrangehäuse und Schläuche dazu nochmal aus- und dann wieder einbauen.

Die Wartezeit auf die Teile nutzen wir bei etwas durchwachsenem Wetter für einen weiteren Hike hier auf Antigua. Die vom Pigeon Beach gar nicht weit entfernte Windward Bay sah im Vorbeisegeln verlockend aus, ihr möchten wir gerne einen Besuch abstatten. Wiebkes Hiking-App „Komoot“ weist auch einen Pfad dahin aus, aber schon bevor er von der Straße abgehen soll, versperrt uns eine Schranke den Weg. Hier scheint es nur Privatresidenzen zu geben. Wir nehmen nochmal den Middelground Trail zwischen Falmouth und English, den wir schon ein paar Mal gewandert sind. Wie so oft begegnen uns einige wilde Ziegen, derzeit häufig mit Lämmern. Es ist schon erstaunlich, wie genüsslich sie die Blätter von dem stacheligen niedrigen Dornenbuschwerk abzupfen.

Anders als sonst biegen wir diesmal aber nahe des höchsten Punktes ab in Richtung des Anwesens auf der Südspitze des Middelground. Direkt vor der Umzäunung des Anwesens führt dann ein Pfad zum Kliff am Snapper Point, dem südlich der Einfahrt zu English Harbour gelegenen Kap.

Erosion oder die Wellen früherer Zeiten haben hier in heute luftiger Höhe über dem Wasser höhlenartige Einbuchtungen und Überstände geschaffen, die heute wohl hauptsächlich noch den Ziegen als Wetterschutz dienen, ihre zahlreichen Hinterlassenschaften deuten jedenfalls darauf hin.

Auf dem felsigen Grund des Kliffs finden sich viele Kakteen, und nicht nur die Ziegen scheinen stachelresistent zu sein. Kleine und unglaublich flinke Eidechsen klettern auf ihnen herum, als wären die Dornen Steighilfen.

Ich kann mich zwar kaum sattsehen, aber irgendwann kehren wir Snapper Point doch den Rücken zu und finden hinter dem Anwesen tatsächlich auch einen Weg hinunter zum Strand in der Windward Bay. Der erweist sich allerdings als wenig badetauglich, ein felsiges Riff beginnt unmittelbar an der Wasserlinie und zieht sich den ganzen Strand entlang. Keine Chance für den in der Bucht ankernden Dreimaster, hier mit seinem Dinghy anzulanden. Aber immerhin können sie vielleicht den Schnorchel-Lehrpfad nutzen, auf dessen 12 Stationen auf dem Riff ein Schild am Strand hinweist.

Am Abend gibt’s für uns gemeinsam mit der Crew der „escape“ ein superleckeres Essen im unbedingt empfehlenswerten wenn auch höherpreisigen „5 Senses“ in Falmouth. Küche und Bar und Location sind top. Nicht die „Pre-Hispanic-Soup“ entgehen lassen, sie spricht wirklich alle Sinne an!

Heute morgen sollte der Wecker auf halb sieben stehen. Die ersten Ruderer der Talisker-Atlantic-Challange werden ankommen und wir wollen sie begrüßen. Aber dazu kommt es nicht, die beiden haben sich nochmal ordentlich in die Riemen gelegt und laufen schon gegen 5 Uhr im Dunkeln in English Harbour ein, nach über 2.700 sm Rudern von San Sebastián auf La Gomera. Neue Rekordzeit für den Zweier „Row4Cancer“ mit Mark Slats und Kai Wiedmer: 32 Tage, 22 Stunden und 13 Minuten. Unfassbar! In den nächsten Tagen (und Wochen) werden noch weitere Teilnehmer im Ziel erwartet, vielleicht bekommen wir ja einen anderen Zieleinlauf mit.

Aber erstmal entscheiden wir uns für einen Ortswechsel. Knappe vier Meilen geht es weiter in die gegenüber Falmouth doch deutlich kleinere und ruhigere Carlisle Bay, die uns im letzten Frühjahr während des Lockdown schon so gut gefallen hatte. Kein einziges AIS-Signal zeigt sich da derzeit, das ist doch quasi eine Einladung. Und tatsächlich, als wir um die Ecke biegen ist die Carlisle Bay tatsächlich völlig leer. Wir fahren weit hinein und lassen den Anker fallen. Lediglich ein Strandkat vom Hotel im Scheitel der Bucht dreht seine Runden. Horizontal und vertikal, aber kentern gehört zum Strandkat-Üben ja nunmal dazu.

Aber während ich die Drohne startklar mache, kommen doch noch ein paar weitere Boote dazu, am Nachmittag auch die Tairua mit Ute und Russ, die wir schon in Barbuda und hier auf Antigua in Falmouth getroffen haben. Fein, dann können wir unseren frischgebackenen Kuchen ja doch wieder in netter Gesellschaft verputzen.

Lazy days in Falmouth

Die Bootsarbeit ruht und wir mit ihr. Wir warten auf Teile für den Wassermacher, aber die muss Julian in Trinidad bestellen. Soll eine Woche dauern, mal sehen.

Es ist ein bisschen irritierend, aber aus unerfindlichen Gründen hat jemand beim Einbau des Watermakers (für den Vorbesitzer der Flora, wahrscheinlich weil der Monteur nicht auf die Teile aus Trinidad warten wollte 😡) nicht die Original Edelstahlfittinge verwendet, sondern an jeweils einem Ende der beiden Hochdruckschläuche einen einfachen Stahlfitting. Der zum Bedienpanel führende Hochdruckschlauch weist hinter dem Panel verborgen dann an dem 90-Grad Stahlfitting gleich noch einen zweiten 90-Grad-Winkel auf, diesmal zur Abwechslung aus Bronze. Nicht gut.

Rückseite des Wassermacher-Bedienpanels

Eines der Stahlfittinge ist zugerostet, der Druck hat sich dann eben einen anderen Weg raus gesucht. Die Membran hat es wohl auch erledigt, aber die hätte ohnehin demnächst getauscht werden müssen.

Also warten wir halt auf die Teile, auch das gehört zum Langfahrtsegeln typischerweise dazu. Ist auch nicht weiter wild, es ist ja schön hier auf Antigua und es treibt uns derzeit kein Jahreszeitenwechsel und keine drohende Starkwindsaison. Im Gegenteil, die BVI als eines der nächsten potentiellen Ziele sind ohnehin noch dicht, die werden wir also auslassen müssen.

Warten wollen wir aber nicht weiter im Hafen und so verholen wir an einen Ankerplatz. Allerdings nicht ohne noch einen herrlichen Hike vom Galleon Beach über den Carpenter Trail und weiter bis zum „The Blockhouse“ zu machen, alten Festungsanlagen der Engländer oben auf der Steilküste an der Südspitze der Insel.

Am nächsten Morgen geht es dann aber von der Antigua Slipway Marina (wo wir noch unseren 600 Liter Wassertank vollgetankt haben) um die Ecke nach Falmouth Harbour und dort ankern wir vor Pigeon Beach. Die „escape“ ist schon da und wir entdecken noch einige weitere Salty Dawgs und ein paar andere bekannte Schiffe.

Das Wasser ist dieses Mal klarer als wir es bisher bei unseren Besuchen hatten und so paddeln wir mit den SUPs zum vorgelagerten Riff und Schnorcheln dort ausgiebig. Abends dann treffen wir in der Strandbar „Catherine‘s Café“ Annemarie und Volker.

Und heute: ausschlafen (ist ja Wochenende), schwimmen, ein bisschen am Unterwasserschiff schrubben, im Internet stöbern und versuchen, den Sturm auf das Kapitol und den restlichen Trump-Wahnsinn zu verarbeiten, die von Jutta geteilten „um die Ecke gedacht“-Zeiträtsel lösen, Brot backen, Drohne fliegen (kleines Video HIER), Hängematte, lecker kochen.

Und auf Flora den faulen Tag genießen 😌.

Bootsarbeiten auch im neuen Jahr

Schön reingefeiert noch bei Great Bird Island, auch das Wochenende haben wir noch dort verbracht. Aber dann schnell zurück nach English Harbour, ewig können wir mit dem defekten Watermaker nicht rumfahren, denn wir können ihn ja weder benutzen noch spülen. Ein Anruf bei dem allseits empfohlenen „Watermaker Services“ in Falmouth Harbour ergab kurz vor Weihnachten noch auf Barbuda, das Julian sich gleich Anfang Januar darum kümmern würde. Frischwasser war übrigens während dieser Zeit kein Problem, obwohl wir ja vor Anker lagen. Die vielgerühmte (und manchmal nur noch der guten alten Zeit zugeschriebene) Solidarität unter Seglern funktioniert weiterhin: gleich drei Boote bieten uns an, uns Wasser abzugeben und dafür ihren Watermaker extra länger laufen zu lassen. Wir leihen uns von der Gerty zwei große 20 Liter Trinkwasserkanister und füllen sie auf der SY escape dreimal auf, außerdem auch unsere Wasserflaschen. Die Kanister werden in unseren Trinkwasservoratstank geschüttet, auch das Dusch- Koch- Abwasch und Waschwasser weist somit einige Reserven auf.

(Das Foto hat Annemarie von der SY escape gemacht.)

Wir müssen aber ohnehin zurück nach English Harbour, denn außerdem sollte unser Radar (laut Sendungsverfolgung terminiert) Ende dieser Woche repariert wieder hier eintreffen. Das Magnetron musste getauscht werden, nicht ganz billig, aber wenn das Radar es noch ein paar Jahre tut lohnt es sich trotzdem.

Den schmalen Bird Islet Channel kennen wir ja schon, wie beim letzten Mal bereiten wir uns Luftbildern mit Google (und Bing), importiert in Ovitalmap, zusätzlich vor. Außerdem haben wir ja unseren Track von der vorigen Passage.

Und so wird es tatsächlich deutlich einfacher und erheblich weniger nervenaufreibend. Danach folgt etwas Am-Wind-Segeln, bevor wir hinter Green Island auf einen Vormwindkurs abfallen können. In English ankern wir zunächst in der Freeman’s Bay, die allerdings ganz gut gefüllt ist.

Ich baue das Membrangehäuse des Watermakers aus und bringe es per Dinghy und dann zu Fuß an der Straße entlang zu Julian. Sieht vermutlich ein bisschen nach Bazooka aus, wie ich das schwarze Rohr so auf der Schulter trage, aber nur einmal bekomme ich zugerufen „Oh, it’s a Watermaker, isn’t it?“

Am zweiten Abend ist der Wind weg und es kommt, wie es in der Freeman’s Bay dann immer kommt: die Boote treiben in den umlaufenden Strömungen wild durcheinander. Die Boote, denen wir bisher ziemlich nahe waren treiben von uns weg, aber unser Steuerbordnachbar, vor dem wir bisher sicher durchgeschwenkt sind, kommt unserem Bugspriet plötzlich mit seinem Heck (!) ganz nahe. Zu nah. Es ist zwar schon dunkel, aber wir gehen trotzdem ankerauf. Ein Versuch, neu zu ankern bring uns zu weit ins Fahrwasser. O.k., gehen wir eben weiter in die Bucht hinein und machen bei Antigua Slipway fest. Gute Wahl, nicht nur weil es im Dunkel prima klappt, sondern auch, weil am nächsten Tag (heute) überraschen unser Radar schon da ist und hier gleich montiert werden kann. An den Ankerplatz wäre Monteur Cap vom „Signal Locker“ ohnehin nicht hinausgekommen.

Die Wiederinstallation ist problemlos, die Inbetriebnahme aber nicht. Der Plotter erkennt trotz mehrerer Neustarts das Radar nicht. Es dauert etwas bis wir darauf kommen, das es softwareseitig im Plotter neu ausgewählt werden muss, dann aber haut es hin. Geht doch!

Nicht so aber beim Watermaker, ich werde gebeten ihn abzuholen und im Boot noch mal zu testen, für die Anschlüsse ist die Testbank leider nicht ausgerüstet. Also (dinghy und) laufe ich hin, nur um dort zu erfahren, dass er mit den Druckschläuchen sehr wohl getestet werden könne. Der Watermaker bleibt da, ein neuer Gang dann mit den Hochdruckschläuchen, für deren Ausbau wir aber natürlich wieder unsere Achterkoje auf den Kopf stellen mussten. Hm. Ergebnis dann vielleicht morgen.

Ein Erfolgserlebnis gibt’s aber trotzdem noch: die Steuerbord-LED-Buglaterne, die gestern Nacht ihren Dienst verweigerte, bekomme ich mit einer neuen Kabelverbindung wieder zum Leuchten.

Außerdem ist das Boot mit Frischwasser gespült, Wasser- und Dieseltank sind gefüllt und per Landstrom sind auch die Batterien wieder voll (wobei das vor Anker durch den Windgenerator in Verbindung mit den Solarzellen auch wunderbar funktioniert hat).

Eingekauft hat Wiebke auch und überhaupt fühlt es sich gut an, mal wieder in „English“ zu sein.

In ein neues Jahr mit Walen auf dem Tisch

Der Ankerplatz hier in hinter Great Bird Island auf Antigua ist wirklich traumhaft.

Trotzdem: anders als ursprünglich gedacht können wir den letzten Sonnenuntergang des Jahres doch nicht mit einem Abgrillen am Strand der Insel begehen, dafür kachelt es einfach zu sehr. Immerhin, für einen Nachmittagsgang durch die Inselsenke vom Südstrand hinüber zum Nordstrand in der Windy Cove reicht es. Gemeinsam mit Annemarie und Volker können wir die auf der Flutlinie wellenumspült und verlassen im Sand stehenden Bänke als potentiellen Picknickplatz auskundschaften.

Zum Abendessen geht es dann aber zu ihnen auf die Escape. Wir können zwar nur Orangen und Zwiebeln, Prosecco und ein Glas von Andrea eingelegter Hibiskusblüten beisteuern, aber Volker zaubert aus den Tiefen der Gefriertruhe Gambas und Lachs hervor und bereitet ein superleckeres Drei-Gänge-Menü, es wird ein richtig schönes gemütliches Silvester. Feuerwerk ist um Mitternacht tatsächlich an Land einiges (in großer Entfernung) zu sehen, sowohl in St. Johns als auch in Jolly Harbour und in den Hotels wird offensichtlich geböllert.

Neujahr lassen wir dann sehr ruhig angehen. Es bläst noch immer, wir bleiben an Bord der Flora, schlafen aus (ist ja ein Feiertag😉) und pruddeln ein bisschen herum. Heute mal nicht am Boot selbst, aber in den Schapps findet sich doch so das ein oder andere zur Beschäftigung.

Erst mal Brot backen.

Wird wieder ganz gut, der Teig geht mit etwas Extra-Hefe schön auf und die Kruste gelingt auch (im offenen kleinen Wok im Backofen). Den Neujahrsnachmittag verbringen wir dann spielerisch:

Obwohl wir im Frühjahr sowohl auf dem Weg von Guadeloupe nach Antigua Wale (in dem Fall mehrere Pottwale) ganz nah am Boot gesehen haben als auch auf dem Törn von Barbuda nach Antigua (evtl. ein Buckelwal) hatten wir hier bisher im Winter keine Begegnung mit den großen Meeressäugern.

Jetzt kompensieren wir das ein bisschen, indem wir am Neujahrstag unser „Selbstgeschenk“ aus New Bedford auspacken. Dort hatten wir im Walfangmuseum ein Puzzle gekauft, eine schöne Erinnerung und nur 500 Teile, das sollte doch flott zu machen sein. O.k., so schnell nun auch wieder nicht, denn die amerikanischen Jigsaw 🧩 haben einen von den Puzzeln meiner Kindheitserinnerungen doch deutlich unterschiedlichen viel unregelmäßigeren Teilezuschnitt und dieses hier ist in blau-weiß auch ziemlich monochrom, aber zum Abendessen sind wir dann doch fertig damit.

Ist es nicht schön, sich einfach mal sechs Stunden für so etwas Zeit nehmen zu können?

Das Puzzeln scheint sich für uns fast zu einer Antigua-Routine zu entwickeln, denn unsere letzten Puzzle hatten wir auch auf Antigua gemacht, zu Beginn des Lockdowns. Nochmals ganz lieben Dank an Eike, der uns durch sein Geschenk in Alicante (von uns damals als „was soll man damit auf dem Boot“ belächelt) wieder an diese schöne Beschäftigung herangeführt hat.

Das neue Jahr fängt für uns jedenfalls schon mal gut an.