Sinnvolles auf Antigua

Keine großen Änderungen, wir warten noch auf die Wassermacherteile. Immerhin: Julien von Watermaker Services hat den eigentlichen Übeltäter (den zugerosteten gewinkelten Fitting) ersetzt, ebenso einen Endstopfen des Rohrs der Mebran, der durch den Überdruck scheinbar einen Haarriss bekommen hat.

Den Wassermacher habe ich jetzt testweise wieder eingebaut, er funktioniert und leckt nicht. Allerdings muss der (rostende) Fitting zwischen Hochdruckpumpe und Membran noch getauscht werden, der sollte Anfang nächster Woche eintreffen. Wir werden dann auch die Membran tauschen, vorsorglich wegen der sich auch dort absetzenden Rostteilchen sowie des entstandenen Überdrucks und weil die alte Membran ohnehin kurz vor dem Ende der empfohlenen Einbauzeit (5 bis 7 Jahre) ist. Lieber ein bisschen vor der Zeit als demnächst in vielleicht unpassender Gegend danach suchen zu müssen. Jedenfalls muss ich Membrangehäuse und Schläuche dazu nochmal aus- und dann wieder einbauen.

Die Wartezeit auf die Teile nutzen wir bei etwas durchwachsenem Wetter für einen weiteren Hike hier auf Antigua. Die vom Pigeon Beach gar nicht weit entfernte Windward Bay sah im Vorbeisegeln verlockend aus, ihr möchten wir gerne einen Besuch abstatten. Wiebkes Hiking-App „Komoot“ weist auch einen Pfad dahin aus, aber schon bevor er von der Straße abgehen soll, versperrt uns eine Schranke den Weg. Hier scheint es nur Privatresidenzen zu geben. Wir nehmen nochmal den Middelground Trail zwischen Falmouth und English, den wir schon ein paar Mal gewandert sind. Wie so oft begegnen uns einige wilde Ziegen, derzeit häufig mit Lämmern. Es ist schon erstaunlich, wie genüsslich sie die Blätter von dem stacheligen niedrigen Dornenbuschwerk abzupfen.

Anders als sonst biegen wir diesmal aber nahe des höchsten Punktes ab in Richtung des Anwesens auf der Südspitze des Middelground. Direkt vor der Umzäunung des Anwesens führt dann ein Pfad zum Kliff am Snapper Point, dem südlich der Einfahrt zu English Harbour gelegenen Kap.

Erosion oder die Wellen früherer Zeiten haben hier in heute luftiger Höhe über dem Wasser höhlenartige Einbuchtungen und Überstände geschaffen, die heute wohl hauptsächlich noch den Ziegen als Wetterschutz dienen, ihre zahlreichen Hinterlassenschaften deuten jedenfalls darauf hin.

Auf dem felsigen Grund des Kliffs finden sich viele Kakteen, und nicht nur die Ziegen scheinen stachelresistent zu sein. Kleine und unglaublich flinke Eidechsen klettern auf ihnen herum, als wären die Dornen Steighilfen.

Ich kann mich zwar kaum sattsehen, aber irgendwann kehren wir Snapper Point doch den Rücken zu und finden hinter dem Anwesen tatsächlich auch einen Weg hinunter zum Strand in der Windward Bay. Der erweist sich allerdings als wenig badetauglich, ein felsiges Riff beginnt unmittelbar an der Wasserlinie und zieht sich den ganzen Strand entlang. Keine Chance für den in der Bucht ankernden Dreimaster, hier mit seinem Dinghy anzulanden. Aber immerhin können sie vielleicht den Schnorchel-Lehrpfad nutzen, auf dessen 12 Stationen auf dem Riff ein Schild am Strand hinweist.

Am Abend gibt’s für uns gemeinsam mit der Crew der „escape“ ein superleckeres Essen im unbedingt empfehlenswerten wenn auch höherpreisigen „5 Senses“ in Falmouth. Küche und Bar und Location sind top. Nicht die „Pre-Hispanic-Soup“ entgehen lassen, sie spricht wirklich alle Sinne an!

Heute morgen sollte der Wecker auf halb sieben stehen. Die ersten Ruderer der Talisker-Atlantic-Challange werden ankommen und wir wollen sie begrüßen. Aber dazu kommt es nicht, die beiden haben sich nochmal ordentlich in die Riemen gelegt und laufen schon gegen 5 Uhr im Dunkeln in English Harbour ein, nach über 2.700 sm Rudern von San Sebastián auf La Gomera. Neue Rekordzeit für den Zweier „Row4Cancer“ mit Mark Slats und Kai Wiedmer: 32 Tage, 22 Stunden und 13 Minuten. Unfassbar! In den nächsten Tagen (und Wochen) werden noch weitere Teilnehmer im Ziel erwartet, vielleicht bekommen wir ja einen anderen Zieleinlauf mit.

Aber erstmal entscheiden wir uns für einen Ortswechsel. Knappe vier Meilen geht es weiter in die gegenüber Falmouth doch deutlich kleinere und ruhigere Carlisle Bay, die uns im letzten Frühjahr während des Lockdown schon so gut gefallen hatte. Kein einziges AIS-Signal zeigt sich da derzeit, das ist doch quasi eine Einladung. Und tatsächlich, als wir um die Ecke biegen ist die Carlisle Bay tatsächlich völlig leer. Wir fahren weit hinein und lassen den Anker fallen. Lediglich ein Strandkat vom Hotel im Scheitel der Bucht dreht seine Runden. Horizontal und vertikal, aber kentern gehört zum Strandkat-Üben ja nunmal dazu.

Aber während ich die Drohne startklar mache, kommen doch noch ein paar weitere Boote dazu, am Nachmittag auch die Tairua mit Ute und Russ, die wir schon in Barbuda und hier auf Antigua in Falmouth getroffen haben. Fein, dann können wir unseren frischgebackenen Kuchen ja doch wieder in netter Gesellschaft verputzen.

Lazy days in Falmouth

Die Bootsarbeit ruht und wir mit ihr. Wir warten auf Teile für den Wassermacher, aber die muss Julian in Trinidad bestellen. Soll eine Woche dauern, mal sehen.

Es ist ein bisschen irritierend, aber aus unerfindlichen Gründen hat jemand beim Einbau des Watermakers (für den Vorbesitzer der Flora, wahrscheinlich weil der Monteur nicht auf die Teile aus Trinidad warten wollte 😡) nicht die Original Edelstahlfittinge verwendet, sondern an jeweils einem Ende der beiden Hochdruckschläuche einen einfachen Stahlfitting. Der zum Bedienpanel führende Hochdruckschlauch weist hinter dem Panel verborgen dann an dem 90-Grad Stahlfitting gleich noch einen zweiten 90-Grad-Winkel auf, diesmal zur Abwechslung aus Bronze. Nicht gut.

Rückseite des Wassermacher-Bedienpanels

Eines der Stahlfittinge ist zugerostet, der Druck hat sich dann eben einen anderen Weg raus gesucht. Die Membran hat es wohl auch erledigt, aber die hätte ohnehin demnächst getauscht werden müssen.

Also warten wir halt auf die Teile, auch das gehört zum Langfahrtsegeln typischerweise dazu. Ist auch nicht weiter wild, es ist ja schön hier auf Antigua und es treibt uns derzeit kein Jahreszeitenwechsel und keine drohende Starkwindsaison. Im Gegenteil, die BVI als eines der nächsten potentiellen Ziele sind ohnehin noch dicht, die werden wir also auslassen müssen.

Warten wollen wir aber nicht weiter im Hafen und so verholen wir an einen Ankerplatz. Allerdings nicht ohne noch einen herrlichen Hike vom Galleon Beach über den Carpenter Trail und weiter bis zum „The Blockhouse“ zu machen, alten Festungsanlagen der Engländer oben auf der Steilküste an der Südspitze der Insel.

Am nächsten Morgen geht es dann aber von der Antigua Slipway Marina (wo wir noch unseren 600 Liter Wassertank vollgetankt haben) um die Ecke nach Falmouth Harbour und dort ankern wir vor Pigeon Beach. Die „escape“ ist schon da und wir entdecken noch einige weitere Salty Dawgs und ein paar andere bekannte Schiffe.

Das Wasser ist dieses Mal klarer als wir es bisher bei unseren Besuchen hatten und so paddeln wir mit den SUPs zum vorgelagerten Riff und Schnorcheln dort ausgiebig. Abends dann treffen wir in der Strandbar „Catherine‘s Café“ Annemarie und Volker.

Und heute: ausschlafen (ist ja Wochenende), schwimmen, ein bisschen am Unterwasserschiff schrubben, im Internet stöbern und versuchen, den Sturm auf das Kapitol und den restlichen Trump-Wahnsinn zu verarbeiten, die von Jutta geteilten „um die Ecke gedacht“-Zeiträtsel lösen, Brot backen, Drohne fliegen (kleines Video HIER), Hängematte, lecker kochen.

Und auf Flora den faulen Tag genießen 😌.

Bootsarbeiten auch im neuen Jahr

Schön reingefeiert noch bei Great Bird Island, auch das Wochenende haben wir noch dort verbracht. Aber dann schnell zurück nach English Harbour, ewig können wir mit dem defekten Watermaker nicht rumfahren, denn wir können ihn ja weder benutzen noch spülen. Ein Anruf bei dem allseits empfohlenen „Watermaker Services“ in Falmouth Harbour ergab kurz vor Weihnachten noch auf Barbuda, das Julian sich gleich Anfang Januar darum kümmern würde. Frischwasser war übrigens während dieser Zeit kein Problem, obwohl wir ja vor Anker lagen. Die vielgerühmte (und manchmal nur noch der guten alten Zeit zugeschriebene) Solidarität unter Seglern funktioniert weiterhin: gleich drei Boote bieten uns an, uns Wasser abzugeben und dafür ihren Watermaker extra länger laufen zu lassen. Wir leihen uns von der Gerty zwei große 20 Liter Trinkwasserkanister und füllen sie auf der SY escape dreimal auf, außerdem auch unsere Wasserflaschen. Die Kanister werden in unseren Trinkwasservoratstank geschüttet, auch das Dusch- Koch- Abwasch und Waschwasser weist somit einige Reserven auf.

(Das Foto hat Annemarie von der SY escape gemacht.)

Wir müssen aber ohnehin zurück nach English Harbour, denn außerdem sollte unser Radar (laut Sendungsverfolgung terminiert) Ende dieser Woche repariert wieder hier eintreffen. Das Magnetron musste getauscht werden, nicht ganz billig, aber wenn das Radar es noch ein paar Jahre tut lohnt es sich trotzdem.

Den schmalen Bird Islet Channel kennen wir ja schon, wie beim letzten Mal bereiten wir uns Luftbildern mit Google (und Bing), importiert in Ovitalmap, zusätzlich vor. Außerdem haben wir ja unseren Track von der vorigen Passage.

Und so wird es tatsächlich deutlich einfacher und erheblich weniger nervenaufreibend. Danach folgt etwas Am-Wind-Segeln, bevor wir hinter Green Island auf einen Vormwindkurs abfallen können. In English ankern wir zunächst in der Freeman’s Bay, die allerdings ganz gut gefüllt ist.

Ich baue das Membrangehäuse des Watermakers aus und bringe es per Dinghy und dann zu Fuß an der Straße entlang zu Julian. Sieht vermutlich ein bisschen nach Bazooka aus, wie ich das schwarze Rohr so auf der Schulter trage, aber nur einmal bekomme ich zugerufen „Oh, it’s a Watermaker, isn’t it?“

Am zweiten Abend ist der Wind weg und es kommt, wie es in der Freeman’s Bay dann immer kommt: die Boote treiben in den umlaufenden Strömungen wild durcheinander. Die Boote, denen wir bisher ziemlich nahe waren treiben von uns weg, aber unser Steuerbordnachbar, vor dem wir bisher sicher durchgeschwenkt sind, kommt unserem Bugspriet plötzlich mit seinem Heck (!) ganz nahe. Zu nah. Es ist zwar schon dunkel, aber wir gehen trotzdem ankerauf. Ein Versuch, neu zu ankern bring uns zu weit ins Fahrwasser. O.k., gehen wir eben weiter in die Bucht hinein und machen bei Antigua Slipway fest. Gute Wahl, nicht nur weil es im Dunkel prima klappt, sondern auch, weil am nächsten Tag (heute) überraschen unser Radar schon da ist und hier gleich montiert werden kann. An den Ankerplatz wäre Monteur Cap vom „Signal Locker“ ohnehin nicht hinausgekommen.

Die Wiederinstallation ist problemlos, die Inbetriebnahme aber nicht. Der Plotter erkennt trotz mehrerer Neustarts das Radar nicht. Es dauert etwas bis wir darauf kommen, das es softwareseitig im Plotter neu ausgewählt werden muss, dann aber haut es hin. Geht doch!

Nicht so aber beim Watermaker, ich werde gebeten ihn abzuholen und im Boot noch mal zu testen, für die Anschlüsse ist die Testbank leider nicht ausgerüstet. Also (dinghy und) laufe ich hin, nur um dort zu erfahren, dass er mit den Druckschläuchen sehr wohl getestet werden könne. Der Watermaker bleibt da, ein neuer Gang dann mit den Hochdruckschläuchen, für deren Ausbau wir aber natürlich wieder unsere Achterkoje auf den Kopf stellen mussten. Hm. Ergebnis dann vielleicht morgen.

Ein Erfolgserlebnis gibt’s aber trotzdem noch: die Steuerbord-LED-Buglaterne, die gestern Nacht ihren Dienst verweigerte, bekomme ich mit einer neuen Kabelverbindung wieder zum Leuchten.

Außerdem ist das Boot mit Frischwasser gespült, Wasser- und Dieseltank sind gefüllt und per Landstrom sind auch die Batterien wieder voll (wobei das vor Anker durch den Windgenerator in Verbindung mit den Solarzellen auch wunderbar funktioniert hat).

Eingekauft hat Wiebke auch und überhaupt fühlt es sich gut an, mal wieder in „English“ zu sein.

Weihnachtsfeier

Zu Weihnachten haben wir uns mit mehreren befreundeten Crews in am Cocoa Beach in Barbuda getroffen. Zum Festschmaus – regional angepasst statt Weihnachtsgans ein Hummer-BBQ -. Inoch feuert an seiner Strandbar den Grill an und liefert Hummer und Getränke, die Beilagen bringen die Crews mit. Und es wird ohne große Abstimmung ein vielfältiges Menü mit karibischen Krautsalat, selbst gebackenem Baguette, Nudelsalat, Reissalat, grünem Salat und Knoblauchbutter.

Mit der Jill und Michael von der amerikanischen “Gerty“, Annemarie und Volker von der “Escape” und Antje und Beat von der schweizer “San Giulio” vertilgen wir den riesig erscheinenden Lobsterberg. Die anderen Crews machen mir (Familientradition) eine Riesenfreude: gemeinsam singen wir tatsächlich noch “Am Weihnachtsbaume”, die Liedtexte sind vorbereitet und für die Crew der Gerty in provisorisch lautmalerische englische Silben umgeformt: klappt. Sogar Geschenke gibt es noch. Beat verteilt Schweizer Taschenmesser. Wow. Auch mit dem Wetter haben wir Glück, nur in der Vorbereitung ziehen ein paar Squalls durch, es bleibt trocken bis wir wieder an Bord sind und plestert erst dann wieder los. 😀 Das eigentlich für Heiligabend geplante Feuer auf dem Strand verschieben wir einfach auf den ersten Weihnachtstag.

Der bringt – wie Heiligabend – erstmal Telefonate und Videochats mit der Familie in Deutschland. Unser zweites Weihnachten unterwegs – und das in diesen Zeiten und deshalb ohne zwischenzeitliche Deutschlandbesuche – da sind diese Telefonate schon sehr emotional.

Der Rest des Tages ist dann allerdings (vielleicht auch zur Ablenkung) angefüllt mit ein bisschen Bootsarbeit. Der geplatzte Hochdruckschlauch unseres Watermakers ist lang genug für den Versuch, dass direkt am Fitting defekte Ende um ein paar Zentimeter zu kürzen. Also baue ich den Schlauch aus (unterm Bett, unterm Waschbecken und im Badezimmerschrank), was im Boot natürlich ein leichtes Chaos der sonst in diesen Bereichen gestauten Sachen auslöst, weil schließlich auf Langfahrt jeder Stauraum bis in die hinterste Ecke gefüllt ist.

Mit dem ausgebauten Schlauch geht’s zunächst hinüber zur Gerty, denn Michael hat ebenfalls einen Watermaker von Echotec, den er zudem selbst installiert hat, dass könnte bei der Kürzung des Schlauchs und der Neumontage des Fittings ebenso helfen wie die eingerichtete Werkstatt in der Backbordachterkabine der Gerty (Allures 45.9). Es wird ein Teilerfolg und führt daher dazu, das auch die anderen Crews eingebunden werden. 😊

Laut Michaels Erinnerung und dem Echotec-Handbuch müsste das Fitting zweiteilig sein, wir finden aber zunächst keinen Weg es (wieder) zu teilen und somit auch keinen, es wieder zu montieren, auch nicht in der ebenfalls super ausgestatteten Werkstatt im Vorschiff der Escape (CNB 66, wir müssen wohl doch noch mal über unsere Raumaufteilung nachdenken, welchen Raum der Flora opfern wir der Werkstatt 😂).

Auf der San Giulio findet sich ein ganz ähnliches Fitting als Ersatzteil, passt leider zwar nicht, ABER: es gibt den entscheidenden Hinweis, wie wir den Fitting wieder auseinander bekommen. Nur brauchen wir dafür eine (sehr große) Schraube, die in das Gewinde passt. Die aus der Membran können wir dafür leider nicht ausbauen. Ein paar Dinghyfahrten später findet sich so eine auf der Gerty und Volker schafft es in seiner Werkstatt auf Escape damit, den Fitting zu öffnen, bei Kaffee und Weihnachtskeksen auf der Flora montiert er den Fitting auf dem gekürzten Schlauch.

Happy End – jedenfalls fast. Schlauch und Fitting sind jetzt wieder dicht, aber der Watermaker tut es trotzdem nicht, der Druck ist zu hoch. Da muss wohl noch etwas anderes im Argen liegen.

Egal, mindestens der gemeinschaftlich errungene Teilerfolg will gefeiert werden und für den Abend steht ja das verschobene Bonfire 🔥 auf dem Strand an. Die “San Giulio” ist diesmal nicht dabei, dafür sind Francesco und Yuka von der Oroboro dazu gekommen. Ein wunderschöner Abend!

Schöne Bescherung und trotzdem frohe Weihnachten

Zwei vorgezogene “schöne Bescherungen” haben den 23. Dezember für uns mit ungeplanten Aktionen angereichert.

Die kleinere Überraschung gibt’s schon am Morgen, als wir das Dinghy für die Überfahrt nach Barbuda vorbereiten. Der Außenbordmotor ist mit einem Vorhängeschloss am Dinghyspiegel gesichert (lock it or loose it). Das Schloss 🔐 lässt sich aber einfach nicht öffnen, offenbar innen festgerostet. Selbst nach intensiver Behandlung bewegt es sich keinen Milimeter, auch WD40 versagt. Also Brachialmethode Bolzenschneider. Der ist ja eigentlich als Notfallwerkzeug zum Wanten kappen an Bord als Backup neben der Flex, aber die Flex bietet sich wegen des Funkenflugs im Dinghy nicht so an 😉.

Na gut, nur eine kleine Verzögerung und so ein Vorhängeschloss ist ja leicht zu ersetzen.

Die größere und weitaus unerfreulichere Bescherung stellt sich erst in Barbuda ein. Der Generator läuft, der Watermaker macht Wasser, Wiebke hängt etwas gespülte Handwäsche an der Reling auf. Was pülscht da?

Nachgucken. Hm. Die Bilgepumpe? Ach nee!

Ich nehme die Matratzen unserer Achterkoje hoch, dann deren Auflagebretter. Es spritzt mir entgegen. Wassermacher aus!

Die genauere Untersuchung ergibt, dass mindestens der Hochdruckschlauch am Watermaker kaputt ist (es spritzt durch einen Riss im Schlauch), eventuell zusätzlich auch sein Fitting an der Membrane. Grr. Das ist hier am Ankerplatz wahrscheinlich nicht zu beheben, ich habe jedenfalls keine Ersatzteile dafür dabei, keine Ahnung, ob ich auch noch Spezialwerkzeug brauche (Antwort übrigens: nein). Nicht wirklich dramatisch, wir haben noch über 250 Liter Wasser im Tank und auch einiges Trinkwasser in Flaschen (abgefüllt direkt vom Watermaker) als Reserve. Außerdem kommt nachher die Escape an den Ankerplatz, die könnten uns zur Not sicher aushelfen. Trotzdem ist die (Weihnachts-)Laune erstmal etwas angeschlagen.

Glück im Unglück: ebenfalls unter der Achterkoje, ausgerechnet da, wo sich das Wasser vor dem Ablaufen in die Bilge (den tiefsten Punkt im Schiff) gesammelt hat, war bis vor kurzem noch unsere Ersatzlichtmaschine gestaut. Die hatte ich erst vor ein paar Wochen rein vorsorglich an einen auch im Fall der Fälle trockeneren Ort umgeräumt 😅.

Wiebke beim Trockenlegen, das lange schwarze Rohr unter ihr enthält die Membrane des Watermakers.

Eine kleine Nachfrage in der „Antigua Cruisers“ Facebookgruppe und bei den Salty Dawg bringt schon mal die Erkenntnis, dass es in Falmouth auf Antigua einen Spezialisten gibt, der Watermaker aller Hersteller repariert. Ein Anruf dort und Julian von „Watermaker Services“ bestätigt mir, dass er den entsprechenden Schlauch vorrätig hat. Ich soll den alten ausbauen und ihm mit den Fittingen vorbeibringen. Dabei ist weiter nichts zu beachten, außer dass ich einen Stopfen auf den Membraneauslass setzen soll, damit die Membrane nicht vollständig trockenfällt.

Ok. Das hebt meine Stimmung schon mal deutlich, es kann zeitnah repariert werden und der erste Schritt ist schon getan.

Andreas von der „Aphrodite“, den wir in Jolly Harbour getroffen haben, meldet sich, er könne vielleicht helfen. Als die Escape ankommt meint Volker, er habe einen Ersatzschlauch und weitere Ersatzteile für den Watermaker dabei, die müssten auch passen. 😊 Da stellt sich die fröhliche Weihnachtsstimmung doch schnell wieder ein.

Wir wünschen Euch allen gesunde, fröhliche und gesegnete Weihnachten auch in diesen besonderen Zeiten und einen guten Start in ein hoffentlich gutes neues Jahr!

Versorgungsfahrt

Barbuda gefällt uns richtig gut. Weihnachten hier? Warum nicht. Aber wenn wir über die Feiertage dort sind, sollten wir vielleicht doch noch mal unsere Vorräte aufstocken, die Gasflasche nach drei Monaten vorsichtshalber neu befüllen lassen, den Müll von mittlerweile gut zwei Wochen ordnungsgemäß entsorgen. Also entschließen wir uns für einen “Provision Run” nach Jolly Harbour.

Wobei, erst einmal motoren wir bei Windstille wieder um Palmetto Point herum, treffen am Princess Diana Beach noch einige Salty Dawg und schauen bei Inoch vorbei.

So eine ruhige Fahrt bietet sich zum Angeln geradezu an, aber leider beißt erstens kein Fisch und stellt zweitens die Rolle meiner einen Angel unvermittelt den Dienst ein, was sich frustigerweise auch noch beim Einholen wegen Sargassum-Seetang an der Leine zeigt. Ausgiebige Frischwasser-Spülung zeigt keine Wirkung.

Mal sehen, ob sich dass mit Bordmitteln beheben lässt. Auseinander bauen ist schon mal einfacher als gedacht.

Leider ist damit aber noch nicht viel gewonnen. Die Welle sitzt fest, die Kurbel lässt sich auch ohne Getriebe keinen Millimeter bewegen. Aufgeben? Noch nicht, lieber getreu dem nicht ganz ernst gemeinten Universal-Flowchart für derartige Fälle vorgehen:

Zwei Stunden und (gefühlt) eine viertel Flasche WD40 später fängt die Welle langsam wieder an, sich unter erheblicher Kraft zu bewegen, eine weitere halbe Stunde später ist es geschafft, die Rolle und damit die Angel funktioniert wieder.

😁

Da ist es dann auch zu verkraften, dass am nächsten Tag außer von einem bedauernswerten aber sofort wieder freigelassenen Minifischchen wiederum unsere Köder verschmäht werden. Zudem werden wir mit einem herrlichem Segeltag bei besten Bedingungen verwöhnt.

Die Fernsicht ist auch klasse, während wir voraus Antigua und rechts davon Montserrat 🇲🇸 sehen, können wir an Steuerbord Redonda (gehört zu Antigua und Barbuda 🇦🇬) und die einen Staat ( 🇰🇳) bildenden Nevis und St. Kitts sehen, wobei letztere Insel durch die tiefen Schluchten zwischen den Vulkanen wie mehrere Einzelinseln erscheint.

Fast zu schnell gehen die 30 sm zu Ende, der Anker fällt vor Jolly Harbour. Die Glasflasche geben wir an der Schiffstankstelle im inneren Hafen ab, eine große Tasche mit Bettwäsche und Handtüchern bringen wir zur Wäscherei auf dem Werftgelände. Und dann machen wir erst den Budget Marine Schiffsausrüster und gleich darauf den Epicurean Supermarkt unsicher, einen gehäuften Einkaufswagen fassen unsere Rucksäcke und Taschen, zum Glück ist das Dinghydock nur einen Steinwurf entfernt.

Am nächsten Morgen machen wir (weil ich nicht den Regler im Gasfach umbauen und die Ersatzflasche montieren will) die Frühstückspfannkuchen mit den letzten Eiern auf der IKEA-Induktionsplatte, die wir für den Fall der Propangasknappheit als Backup an Bord haben. Saugt aber ganz ordentlich an der Batteriebank 😉.

Eine zweite große Einkaufstour am nächsten Tag und wir sind erstmal wieder gut bevorratet, auch mit frischen Eiern.

Am Nachmittag dann ein Novum: wegen COVID findet die Weihnachtsfeier meiner (ehemaligen) Firma online statt und mein Nachfolger hat mich eingeladen. Wunderbar, so kann ich knapp 60 meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach eineinhalb Jahren praktisch auf einmal per Team-Meeting wiedersehen, eine große Freude für mich.

Der Einkauf geht übrigens nicht nur in die Vorrats-Staufächer. Statt dessen ein weiteres Novum an Bord: wir backen Focaccia. Wird richtig gut 😋

Und dann verholen wir in die nördliche Nachbarbucht, die Hermitage Bay. Neben mehreren wirklich schönen Stränden bietet sie auch den Vorteil, dass es kostenloses WLAN vom örtlichen Hotel gibt. Da können wir zB mal wieder einige Zeitschriften über die Readly-App herunterladen und für die nächsten Ziele nach den Revierführern von Frank Virgintino suchen. Eigentlich sollen sie kostenlos online verfügbar sein, aber da kommen wir irgendwie nicht auf die Download-Seite, möglicherweise sind wir zu blöd oder die Seite ist nur noch eingeschränkt erreichbar. Aber immerhin sind die Guides für den Kindle herunterladbar, wir probieren mal für 8,18 € den Revierführer für die Dominikanische Republik aus, die uns für den Weg Richtung Kuba jetzt schon mehrfach ans Herz gelegt wurde. Haben gerade erst begonnen hineinzulesen, sieht aber für den Anfang schon mal ganz informativ und gut geschrieben aus.

Bootsarbeit

Abgesehen vom Erholen und Cocktails trinken – was man halt so mit Karibik verbindet, wir bemühen uns diesem Klischee ausreichend zu entsprechen 😉 – gibt’s auch ein kleines bisschen auf dem Boot zu tun.

Zunächst mal die Scheuerleiste. Unsere Flora hat unterhalb des blauen Streifens am Rumpf eine rund 4 cm dicke eingeformte Massivlaminatleiste, auf die außen zudem eine Edelstahlleiste aufgeschraubt ist. Ist ein Markenzeichen von Hallberg-Rassy und hat sich in diesem Fall sehr bewährt. Nach dem ungewollte Vollkontakt mit der Fahrwassertonne sah unsere Scheuerleiste so aus:

Die Metallleiste war hochgeschoben und verbogen, zwei Schraubenköpfe abgerissen und die beiden Schrauben hatten das Laminate teilweise hochgehebelt, wohlgemerkt das der Scheuerleiste, der Rumpf selbst war völlig intakt.

Mit abgeschraubter Edelstahlleiste (und vor dem Putzen) sieht das so aus:

Das Geradeziehen der verbogenen Leiste haben wir einem Fachbetrieb überlassen, ist sehr gut geworden.

Das gerissene GFK musste ausgefräst und geschliffen werden, dann aufgespachtelt und erneut geschliffen. Die abgerissenen Schrauben ausgebohrt. Ein Werftmitarbeiter hat dann mehrere Schichten neues Gelcoat aufgesprüht und anschließend fein geschliffen.

Nach dem Trocknen konnte ich die Edelstahlleiste wieder anschrauben und so sieht das Ergebnis aus:

😁.

Und wo wir schon mal dabei sind, unsere Doradelüfter ärgern uns schon geraume Zeit. Nicht deren Funktion (finden wir klasse!), wohl aber ihre Optik. Scheinbar gibt es ein paar Jahrgänge dieser Lüfter, bei denen sich die Farbe von Weiß in ein scheckiges Gelb verfärbt. Es sieht so aus, als sei der Klarlacküberzug nicht UV-stabil, er blättert auch teilweise ab.

Vier dieser Lüfter haben wir, ein fünfter Doradelüfter auf dem Vorschiff mit rundem Fuß ist nicht betroffen und weiß geblieben. Also bauen wir die vier ab, nehmen die weißen Hutzen herunter (darunter sieht man die Originalfarbe) und können dann den Klarlacküberzug abpulen.

Entfetten, neu lackieren und wieder montieren:

O.k., dann können wir uns ja auch mal wieder belohnen

🏊 🏝 🍸 🍹 .

Aufräumarbeiten

Wir haben auf der Passage viel geschlafen, trotz Gebolze, vielleicht auch wegen der Anstrengung. Möglicherweise lag es auch daran, dass einfach nicht allzu viel anderes drin war. Lesen – eher nicht. Podcast hören ging, aber zumindest ich hatte dazu gar kein großes Bedürfnis, Wiebke hat ein paar Podcasts gehört.

Trotzdem schlafen wir in der ersten Nacht (die für uns schon um halb acht abends begann) fast zwölf Stunden durch.

Und dann beginnt die große Entsalzungsaktion. Es ist kaum zu fassen, wieviel Salz sich überall auf dem Schiff abgelagert hat und wie sehr sich das Salz auch festgebacken hat. Auf den Scheiben und Edelstahlteilen sieht man es besonders gut.

Am Biminigestänge: Meersalz, fertig zur Ernte 😉

Wie wir feststellen mussten, lässt es sich auch mit viel Süßwasser nicht einfach abwaschen. Erst aufwändige mechanische Rubbelei oder noch besser die kombinierte Behandlung mit einem zitonensäuregetränkten Lappen bringen Abhilfe.

Und wegen des Benzingestanks und auch der zusätzlichen Salzwasserspülung muss auch der komplette Inhalt der nicht perfekt wasserdichten beiden achteren Backskisten einschließlich der Festmacher- und Ersatzleinen mit Süßwasser gespült und anschließend getrocknet werden, ebenso das Ölzeug und alle im Cockpit während der Passage verwendeten Kissen (das sind einige, weil sie halt nach und nach salzig, damit dauerfeucht und erst einmal nicht mehr weiter verwendbar wurden. Ein wenig Chaos ist da kaum vermeidbar.

Weil das so ist, geht die Wäsche diesmal an die Wäscherei in Nelson’s Dockyard (obwohl wir sonst unsere Waschmaschine nicht missen möchten). Dort wird sie gleich am Nachmittag schnell und gründlich erledigt, trocken und sauber gefaltet bekommen wir Bettwäsche, Matratzenbezug und eben unsere Wäsche am Abend zurück, obwohl wir sie erst am Mittag abgegeben hatten. Auch unsere geliebten kleinen Kissen, die wir zur Taufe unserer vorherigen Boote von Freunden geschenkt bekamen sind wieder salzfrei und verwendbar. 😁 Das wären mit der 3,5 kg Bordwaschmaschine einige Ladungen und Relingstrocknungen gewesen.

Nachdem das Boot wieder „shipshape“ ist und ich den Pelz aus dem Gesicht geschabt habe, verpassen wir uns auf dem jetzt wieder ordentlichen Achterschiff noch gegenseitig einen Haarschnitt, das war ebenfalls überfällig.

Und dann verholen wir vom Ankerplatz in die Antigua Slipway Marina, organisieren die anstehenden kleineren Reparaturen (wie im letzten Blogbeitrag erklärt) und … feiern ein bisschen 🍾 🥂 🍹 .

Technik hält uns fest. Bordalltag.

Der Wassersammler war am Sonntag dann leider doch nicht da, kam erst am Montag Nachmittag. Wir hatten aber auch ohnehin noch zu tun.

Der Test des gewarteten Außenbordmotors gestaltet sich erst schwierig und dann unerfreulich. Der Mechaniker hatte uns gesagt, dass er den Tank und die Benzinleitung reinigen musste, weil Wasser im Sprit war. Nebeneffekt: jetzt ist kein Benzin mehr im Tank. Eine Bootstankstelle gibt es auf dem Gelände der Marina nicht, also leihe ich mir ein Fahrrad und hole Sprit von der nächsten Tankstelle an der nächsten Marina. Nur: der Motor nimmt weiter nur widerwillig Gas an. Mechaniker Sean muss nochmal kommen, lässt den NEUEN Sprit in einen durchsichtigen Behälter ab: etwa ein Zehntel ist Wasser. Er rät von den hiesigen Bootstankstellen ab, sie würden zu wenig Benzin verkaufen, die Tanks sind weit weg an Land, die Leitungen dadurch lang. Durch Kondensation gelangt Wasser in den Sprit. Er rät zu “av-gas” für den Außenborder. Sehr sauberer Sprit ohne Bio-Anteile und Additive, 100 Oktan, eigentlich für Flugzeuge gedacht. “Aviation Gasoline” ist hier in Baumärkten und bei Westmarine erhältlich und natürlich teuer. Vielleicht nächstes Mal doch zur Autotankstelle? Der Motor mit erneut gereinigtem Vergaser läuft besser, aber immer noch nicht perfekt. Hm.

Die neue Rettungsinsel ist da und sie passt von der Länge und Breite her in unsere alte Halterung am Heckkorb. So weit gut, aber sie ist zu dick. Aus Draht werden kleine Zwischenstücke gefertigt, jetzt passt es.

Eine Danbuoy haben wir uns auch gegönnt, dieses Sicherheitsequipment einer selbstaufblasenden Notboje fehlte uns bisher. Im Hintergrund kann man auch die neue zusätzliche Abstützung des Windgeneratormastes zum Davit sehen, die mehr Stabilität und damit Ruhe bringt.

Schon länger habe ich eine Spinlock-Klemme liegen, da das Spinnakerfall der Flora bisher nur auf der Winsch oder einer Klampe dahinter belegt werden kann. Jetzt komme ich dazu, sie am Mast anzunieten, aber natürlich muss ich sie dazu erstmal auseinandernehmen und dann mit Wiebkes Hilfe (man braucht mehr als zwei Hände, damit die Teile nicht herausfallen) am Mast wieder zusammenbauen, dazu muss ich Wiebke von ihren Reinigungs- und Stauarbeiten im Schiff loseisen.

Die Leine des Großsegelausholers zeigt im gespleißten Auge (auf das ich so stolz war) Verschleißerscheinungen im Mantel, der Dyneema-Kern liegt schon teilweise bloß. Wir kürzen die Leine und versehen sie mit einer Kausch (einer Metallverstärkung, um die die Leine läuft). Die alte Leine kann ich aber nicht erneut spleißen, diesmal muss es ein Knoten mit Takling tun.

Dienstag streikt das achtete Bordklo, es pumpt nicht ab, die Elektropumpe quirlt nur. Meine Lieblingsaufgabe 🥺. Erstmal mit einer Handpumpe absaugen. Dann in Einzelteile zerlegen. Pumpe und Dichtung scheinen in Ordnung, also den Schlauch bis zum Ventil abbauen.

Sieht hier noch nach Durchsatzverengung aus, ist innen aber komplett zu. Urinstein blockiert den Durchlass. Was ich bisher nur gelesen hatte wird jetzt Realität: der steife Geruchs dichte Spezialschlauch muss mit Kraft auf den Boden geschlagen werden, dann bröseln die Steine langsam heraus. Im Stutzen funktioniert das leider nicht, auch Einlegen in Essig hilft bei dieser Stärke nur bedingt. Mit Hammer und Schraubenziehern wird der Stein herausgemeißelt.

Und der Wassersammler?

Findet am Dienstag auch endlich in den Motorraum (es ist die schwarze Schlauch/Edelstahl-Konstruktion rechts unten im Bild). Links daneben mit dem kleinen roten Punkt ist die neu eingefügte Opferanode, die bei unserem Volvo aus unerfindlichen Gründen nicht serienmäßig verbaut ist, hoffentlich aber künftig hilft, Korrosion zu begrenzen.

Der anschließende Motoröl- und -Filterwechsel bringt weitere Ausflüge zum Westmarine Bootsausrüster. Wenn ich schon an der Quelle sitze, möchte ich mein mitgeführtes Volvo-Ersatzöl nicht verwenden, aber die erhältlichen Öle haben andere Spezifikationen (VDS 4-5 statt VDS 3 und auch abweichende API). Googeln bringt nur bedingt Licht ins Dunkel. Chief Jan stellt aber aus Hamburg die Ferndiagnose “abwärtskompatibel” und schickt mir gleich eine Übersicht zu den verschiedenen Normen.

Nur: meine Ballon-Ölabsaugpumpe stellt den Dienst ein und widersetzt sich auch unseren Reparaturversuchen. Ich kaufe eine Ölpumpe mit Bohrmaschinenantrieb, aber der Akkuschrauber reicht dafür wohl leider doch nicht. Also nochmal hin und doch die große unhandliche und stauraumfressende 6,9 l Säulenabsaugpumpe. Die allerdings funktioniert dann prächtig.

Bei der Gelegenheit (Westmarine) versuche ich auch ein neues Leuchtmittel für unseren Kühlschrank zu kaufen, natürlich gibt’s nicht das exakt gleiche. Entweder gleiche Länge ODER gleiche Dicke wie unsere defekte, einer Glassicherung nicht unähnliche Birne. Also dann gleiche Länge. Einbau und – wow, die werden aber schnell heiß. Hm. Na ja, der Kühlschrank bleibt ja nicht lange offen. Und die mechanische Abschaltung beim Schließen des Deckels scheint zu funktionieren, oder? Schnell mal einen Tip von der Samai befolgt, Handy auf Video und in den Kühlschrank, Klappe zu. Klappe auf, Kontrolle des Videos: nein, leider nicht. Kein Wunder, dass die alte Lampe durchgebrannt ist. Und mit unpassender Birne wird es erst recht nichts. Muss der Kühlschrank halt noch erstmal dunkel bleiben. Man kann nicht alles haben. 😉

Und dass wir hier noch länger als ursprünglich gedacht geblieben sind hat auch sein Gutes. Unverhofft laufen Helena und Steve mit der Amalia in Herrington ein, wir freuen uns beide sehr über das Wiedertreffen.

Wieder im Wasser

Die Zeit “on the hard” (also Flora ausgekrant an Land stehend für fast drei Wochen) war für uns alles andere als hart. Vielen Dank an Greg und Michael für Eure erneute Gastfreundschaft. Trotzdem, es fühlt sich richtig gut an, wieder auf unserer Flora zu wohnen, die seit gestern wieder im Wasser der Chesapeake Bay schwimmt.

Ganz fertig sind die Arbeiten an Flora noch nicht, aber der Mechaniker will tatsächlich morgen Vormittag (am Sonntag!) noch mal vorbeikommen, um mit den hoffentlich heute eingetroffenen Teilen dann wirklich den Abschluss machen zu können.

Denn – wie das meist so ist – kurz vor Schluss tauchte ein bisher übersehenes Problem auf. Der Schalldämpfer in der Abgasleitung im Motorraum war der Übeltäter. Im Prinzip ein vielleicht 20 cm dicker Spezialschlauch aus gewebeverstärktem Gummi mit zwei Edelstahl-Endkappen. Er dient auch als Wassersammler, der mit seiner Kapazität das Risiko vermindert, dass bei stehendem Motor Wasser in die Brennräume eindringt. Von außen sah er gut aus, aber er musste raus, weil sonst die ganz leicht tropfende und deshalb zu ersetzende Gummistopfbuchse nicht zu erreichen war. Einmal auseinander genommen offenbarte der Wassersammler aber, dass in seinem Inneren Lochfraß im Edelstahl eingesetzt hatte, nur noch knapp vom Schlauch verdeckt. Wasser und Abgase im Motorraum wären wohl demnächst die Folge gewesen. Insofern schon ganz gut, dass es jetzt entdeckt wurde.

Im roten Oval sollte der blaue Himmel eigentlich nicht durchscheinen 😞

Blöderweise ist genau dieses Edelstahlteil nicht (mehr) einzeln erhältlich. Herumflicken wollen wir nicht, also muss ein kompletter neuer Schalldämpfer bestellt werden. Mal schauen, ob er morgen wirklich da ist.