Szenenwechsel. Und jetzt Vancouver

Flora ist eingewintert. Auf dem Bild noch “Work in Progress“, alleine die (erschreckend) vielen Borddurchlässe erfordern da ein planvolles Vorgehen. Zudem dürfen natürlich nicht einfach alle Seeventile geschlossen werden, so laufen zum Beispiel die großen Cockpitlenzer durch den Motorraum und können dort mit Seeventilen verschlossen werden – das wäre für den Winteraufenthalt im Wasser allerdings ebenso wenig praktisch wie das Verschließen der von Hallberg-Rassy zum Glück vorbildlich beschrifteten Decksabläufe (Deck Scupper) wie hier unter dem Waschbecken im achteren Bad.

Außerdem haben wir diesen Plan für Lynn und Wulf offen im Schiff liegen lassen, denn die beiden schauen in unserer Abwesenheit nach Flora, dafür sind wir sehr dankbar.

Dann noch das Frischwassersystem frostsicher machen und es ist geschafft. Wir beladen das Auto, bringen Lynn und Wulf den Bootsschlüssel vorbei und los geht’s: “Landurlaub”. Obwohl, der beginnt eigentlich gleich wieder mit einer Schiffsreise. Denn schon in Nanaimo steuern wir unseren Kia auf eine Fähre und so schippern wir unserem ersten Ziel entgegen: Vancouver.

Die Fähre legt ein bisschen außerhalb der Stadt in der Horseshoe Bay an, so müssen wir uns zwar noch etwas durch den Feierabendverkehr mühen, kommen dafür über die beeindruckende und tolle Ausblicke bietende Lions Gate Bridge nach Vancouver hinein.

Am nächsten Tag statten wir dieser Brücke und dem Stanley Park an ihrem südlichen (stadtseitigen) Ende nochmal einen ausgedehnten Besuch ab. Die Brücke ist eines der Wahrzeichen Vancouvers. Wie die (längere, aber mit etwa gleicher Durchfahrtshöhe aufwartende) Golden Gate Bridge von San Francisco wurde sie Ende der 1930er Jahre als Hängebrücke mit zwei Hauptstützpfeilern über einer Meerenge errichtet. Hier in Vancouver allerdings privat, nämlich von der Brauerei-Familie Guiness, die erheblichen Landbesitz nördlich der Enge erworben hatte und diesen an die Stadt anbinden wollte. Wiebke merkt an, dass sich daraus auch die Farbe der Brücke erklärt:

Irisch Grün 😉

Was in Vancouver sofort auffällt ist die große Anzahl von Bäumen. Der Stanley Park als geschlossener Stadtwald trägt dazu bei, aber auch die Straßen selbst zwischen den Hochhäusern Downtown sind gesäumt von jetzt gerade herbstlich bunten Laubbäumen.

Und nicht nur das. Ein Besuch auf der Aussichtsplattform im Bürogebäude „Vanouver Lookout“ macht deutlich, dass sich die Laubfärbung markant durch das ganze Stadtgebiet zieht. Sogar auf den Wolkenkratzern finden sich zum Teil große Bäume.

Aber Vancouver hat noch viel mehr zu bieten. Nicht ohne Grund belegt die mit nur gut 700.000 Einwohnern (2.500.000 in der Metropolregion) gar nicht mal so riesige Stadt regelmäßig einen der vorderen Plätze bei den weltweit nach Lebensqualität beliebtesten Großstädten. Das Meer liegt vor der Haustür, ebenso die Berge. Die nahen Skigebiete der Northshore Mountains sind sind von Downtown nur etwa eine halbe Stunde Fahrtzeit entfernt, das berühmte Whistler ist in zwei Stunden erreichbar.

Und natürlich gibt’s nicht nur Hochhäuser. Unser Airbnb liegt auf der Grenze zum historischen Gastown mit seiner zumeist aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts stammenden Bebauung (Vancouver wurde erst 1867 gegründet, brannte 1886 ab, entwickelte sich danach aber rasant).

Gastown ist heute eine Szenestadtteil mit vielen Kneipen, sonstiger Gastronomie und auch einer Vielzahl kleiner Geschäfte.

Außerdem mit dem „Canada Place“, dem an Segel erinnernden Gebäude unten am Hafen. Auch dies eins der Wahrzeichen, es ist der vom Architekten Eberhard Heinrich Zeidler als kanadischer Pavillon entworfene Bau aus der Weltausstellung EXPO 86 in Vancouver.

Und natürlich mit der berühmten dampfbetriebenen Uhr, einem weiteren Wahrzeichen der Stadt.

Zum Brunch treffen wir uns am zweiten Tag mit Debora und Rob, die wir aus Panama kennen, bei einem wunderbaren kantonesischen Dim Sum Restaurant weiter im Süden der ausgesprochen multikulturellen Stadt. Herrlich.

Und zurück in unserem Airbnb ist das hier der Ausblick vom Balkon: das Meer und die Schneekappen auf den Bergen blitzen durch. Tagsüber jedenfalls.

😎

Mast runter.

Da fehlt doch was? Ja, allerdings. Und wir sind froh, dass das so gut und schnell geklappt hat. Ein bisschen mulmig war uns nämlich schon, als uns der Rigger die Anfahrtskizze zugeschickt hat:

Hm. Aber so läufts, oder sonst eben erstmal nicht. Der Mobilkran steht an Land und nimmt den Mast „über den Bug“ ab. Hatten wir so zwar auch bei unseren vorigen Booten noch nie, aber die auf dem Skizzenfoto an Land liegenden Masten zeigen ja zumindest, dass es hier nicht zum ersten Mal so gemacht wird. Die Steuerbord-Landleine läuft durch die Mangroven, aber immerhin sind die Landleinen vom Rigger vorbereitet und werden uns am Stegende herübergereicht.

Die Jungs von Rigging Hawaii nehmen unsere Leinen an und schwupps, gehen sie gleich an die Arbeit. Wir dagegen sind erst noch anderweitig beschäftigt. Denn bei der Anfahrt zum Hafen kommt ein Boot der Coastguard längsseits und möchte eine „Inspection“ machen. Kann man ihnen natürlich nicht verweigern, aber wir erklären ihnen unsere Situation (mit dem bereits abmontiert an Deck liegenden Baum ist die auch schnell glaubhaft gemacht). Dann sollen wir halt erstmal an den Steg gehen und die Inspection wird dann dort gemacht.

Zwei Officer kommen mit schusssicherer Weste, Dienstwaffe und schweren Stiefeln, aber auch mit freundlichem Lächeln an Bord, checken die Papiere, kontrollieren die (geschlossenen) Seeventile der Klos, das Ablaufdatum der Seenotraketen, die Feuerlöscher, den Motorraum und dessen Entlüftung, die Rettungswesten, die Rettungsinsel. Alles gut. Die Funke? Ja, aber da ist das Antennenkabel schon getrennt. Wo haben wir die NavRules? Die was? Die internationalen Navigationsregeln. Die Colreg (Convention for International Regulations for Preventing Collisions at Sea, auf deutsch KVR/Kollisionsverhütungsregeln). Ach so haben wir nicht schriftlich dabei. Muss man aber in den USA. Das gibt einen (folgenlosen) Vermerk im ausgehändigten Protokoll und den Hinweis, dass es auch ausreicht, die NavRules als App auf dem Handy dabei zu haben. Ok, dann laden wir die mal runter. Noch ein Foto mit den beiden Officern der Coast Guard …

… und dann können wir uns wieder unserem Rigg zuwenden.

Das Team von Rigging Hawaii hat inzwischen schon die Kranschlinge unter der dritten Saling angebracht und mit dem Lösen der Wanten begonnen.

Das Achterstag muss wegen des mit einem Scanstrut-Gimbal schwingend befestigten Radars durchgesägt werden, hier kommt beim neuen Acherstag dann wohl ein Norseman-Terminal zum Einsatz, das Stag also durch den Gimbal geschoben und das Terminal erst dann aufgeschraubt und nicht wie die übrigen Terminals in der Werkstatt auf den Draht gewalzt. In der Zwischenzeit spannen wir die Scanstrut-Halterung zum Windgenerator und den Davids hin ab.

Und dann gehts für das Rigg erst einmal in die Luft und dann an Land.

Da können wir es in Ruhe begutachten und entdecken tatsächlich noch drei weitere Macken, die uns bisher verborgen geblieben waren, weil sie bei stehendem Mast schlicht verdeckt waren: ein Riss im Edelstahl-Topbeschlag, der vom Schäkel des Blocks des Spifalls verdeckt war, eine Scheuerstelle der Dirk, die nur bei komplett aufgeholter Dirk zu sehen ist und eine Scheuerstelle in einer Kabelisolierung unten im Mastfuss. Gut, dass wir das jetzt alles gleich mit erledigen können.

Ist vielleicht doch nicht so schlecht, so alle 10 Jahre mal den Mast runter zu nehmen. 😊

Aloha.

Helme aus Vogelfedern, Riggingvorbereitung und Ablenkungen

Montag soll der Mast gelegt werden. Dafür müssen wir dann etwa 5 Meilen weiter zum Hafen des “La Mariana Sailing Club”. Segeln können wir allerdings nicht, denn zur Vorbereitung haben wir heute schon mal das Vorsegel und auch das Großsegel abgeschlagen. Theoretisch ist das noch zu zweit machbar, aber wir waren doch froh, dass uns Machiel von der Pitou beim Großsegel geholfen hat. Mit seinen fünf senkrechten langen Latten (die natürlich erstmal raus müssen) und den knapp 50 qm Hydranet ist es ein ziemlich steifes und damit eher unhandlich zusammenzupackendes Segel. Und auch ein ordentliches Paket zu schleppen und unter Deck zu verstauen:

Danach bauen Wiebke und ich den Rodkicker und den Großbaum ab, der zum Glück noch ganz gut auf unserem Laufdeck gestaut werden kann. Sieht aber schon seltsam aus.

Die nächsten Vorbereitungen betreffen die Elektrik, denn auch da müssen ja die Verbindungen zum Mast getrennt werden. Bei Flora laufen diese Leitungen alle durch zwei „Schwanenhälse“ neben dem Mastfuß.

Damit wird verhindert, dass an den Leitungsdurchführungen Wasser ins Schiffsinnere gelangt. Die Leitungen haben dann Trennstellen, die im vorderen Bad der Flora hinter einer Verkleidung oberhalb der Dusche angebracht sind. Da wir den Mast in den fünf Jahren seit Floras Kauf bisher noch nie gelegt haben, sehen wir der Trennung der ganzen Kabel etwas skeptisch entgegen. Schließlich sind mit Ankerlicht, Dreifarbenlaterne, Dampferlicht, Deckslicht, Funkantenne, (seit Jahren nicht mehr genutzter) Fernsehantenne, NMEA der Windanzeige und vor allem der elektrischen Verbindung der Rollanlage im Mast für das Großsegel dann doch einige Kabel zu trennen. Der erste Blick in das Schapp sieht auch etwas verwirrend aus:

Die Kabel sind zwar (soweit von Hallberg-Rassy verlegt) beschriftet, allerdings mit Codes wie 12-W34, also nicht unbedingt selbsterklärend. Aber mit etwas Überlegen und Durchmessen können wir alle Kabel zuordnen. Ich beschriftet sie mit unserem Labelgerät jetzt zusätzlich so, dass wir im Bedarfsfall (Fehler) leichter erkennen können. Dann prüfen wir, wie wir die Kabel durch die Schwanenhälse schieben können, es geht ganz leicht.

Damit sind unsere Vorbereitungen erstmal abgeschlossen, die Trennung der Kabel machen wir dann Montag.

Und womit lenken wir uns hier in Honolulu sonst so ab? Der Reiseführer empfiehlt „Schirmchendrinks“! Na gut 🍹 😊.

Am Wochenende ist die Flaniermeile in Waikīkī gut gefüllt, aber wir bekommen mit etwas Glück trotzdem einen Patz in der ersten Strandreihe der Bar im Banyan Tree Courtyard des traditionsreichen Moana Surfrider Hotel.

Die Strandbar legerer und bunter:

Die Stadtkulisse von Honolulu in der blauen Stunde:

Wir machen einen Ausflug nach Pearl Harbor und besuchen das dortige Museum. Und wir fahren mit dem Bus auch hinaus zum Bishop-Museum, das sich der polynesischen Kultur Hawaiis und der gesamten Südsee widmet.

Die Begrüßung scheint mit fast deutscher Beflaggung zu erfolgen …

… aber wir erfahren drinnen, dass die komplett mit feinen Vogelfedern geschmückten Umhänge und sogar Helme der Hawaiianischen Könige eben diese Farben trugen:

Das Museum beeindruckt auch sonst. Mit seinen Räumlichkeiten, aber auch mit der Präsentation und Themenvielfalt.

Räumlich getrennt einmal betreffend Hawai’i und einmal ganz Polynesien (Wiebke steht auf einer Intarsienarbeit im Polynesien-Haus und markiert Hawai’i). Eine tolle Foto- und Videoausstellung über die Tradition des Tätowierens, Wissenswertes über die Tier- und Pflanzenwelt, die Göttervorstellungen, aber auch zum Beispiel die Mondphasen (jeder einzelne Tag hat einen Namen und eine Bedeutung z.B. für das Pflanzen von Setzlingen oder die Auswahl der zu fangenden Fische) und so vieles mehr. Mich begeistert z.B. die Ausstellung über die verschiedenen Angelhaken und deren schwierige Herstellung z.B. aus Muschelschalen (da Metalle ja unbekannt waren):

Wie viel einfacher haben wir es da heute: nach dem Museumsbesuch fahren wir mit dem Bus weiter zu „POP Fishing und Marine“. Wiebke steht im Gang mit den Tintenfischimitat-Ködern, es gibt aber noch zwei weitere Köder-Gänge.

Eigentlich wollen wir aber neue Fockschoten kaufen und auch da werden wir fündig:

Aloha.

Bruch im Rigg. Vorbereitung ist kein Wunschkonzert.

Seit dreieinhalb Wochen sind wir auf Hawai‘i, immerhin eine Woche schon in Honolulu. Unser vorgesehener Abfahrtstermin Richtung Alaska rückt näher. Mitte Juni, so hatten wir uns das gedacht. Zum einen, um Zeit genug für Hawai‘i zu haben und trotzdem nach der mit etwa drei Wochen auf See kalkulierten Passage die (relativ kurze) Saison in Alaska auch vernünftig nutzen zu können. Zum anderen, weil sich ab Mitte Juni das nordpazifische Hochdruckgebiet stabilisiert haben sollte. So empfiehlt es auch Jimmy Cornell in dem Standardwerk „Segelrouten der Welt“.

Da ist es jetzt an der Zeit, den Riggcheck vorzunehmen, den wir regelmäßig vor längeren Passagen machen. Den kleinen Takelbeutel mit Leatherman, Tape, Lupe, Lesebrille und Handy füllen. Die Ausholer-Leine des Großsegels aus der Umlenkung nehmen, dafür dort die Dirk einscheren. So kann Wiebke mich mit der großen Genuawinsch in den Mast ziehen. Rein in das Klettergurt-Geschirr, die Dirk vorne am Brustbeschlag einknoten und mit dem Softschäkel zusätzlich sichern, im Rücken wird das Spinnakerfall als zweite Sicherungsleine befestigt. Machiel von der Pitou übernimmt dessen Führung über die Mastwinsch, so muss Wiebke nicht dauernd hin und her laufen.

Bis dahin ist alles Routine und ein bisschen freue ich mich auch schon auf den Ausblick aus von der Mastspitze. Die gute Laune kriegt allerdings einen erheblichen Dämpfer, als ich die erste Saling erreiche. Das 12 mm dicke Hauptwant an Steuerbord weist an der Pressung zwei gebrochene Drähte auf! Nicht das, was man sehen will. Aber einer der Gründe, warum man guckt!

Nicht gut, gar nicht gut! Das Rigg fällt jetzt nicht gleich um, das defekte stehende Gut muss aber vor dem Törn nach Alaska auf alle Fälle getauscht werden. Zwar finde ich bei der weiteren Kontrolle des Riggs keine weiteren Unregelmäßigkeiten, aber das beruhigt natürlich nur wenig. Die anderen Wanten und Stagen haben schließlich das gleiche Alter und eine ähnliche Belastung.

Den Blick aus dem Masttop kann ich dieses Mal irgendwie nur eingeschränkt genießen.

Immerhin, wir haben den Bruch im Rigg rechtzeitig festgestellt und wir sind in Honolulu, da sollte ein professioneller Rigger aufzutreiben sein, der Flora wieder seeklar machen kann. Zeitschiene? Mal sehen. Jetzt ist natürlich erstmal Pfingsten, außerdem sitzt das Want in der Saling in einem Spezialbeschlag (Seldén Stemball and Ballcup System), es könnte also sein, dass der Rigger auch noch Teile besorgen muss. Drückt uns die Daumen, dass sich das alles einigermaßen zeitnah erledigen lässt.

Andererseits, wir scheinen ohnehin noch etwas Zeit zu haben. Das Nordpazifikhoch, ein ähnlich dem Azorenhoch im Atlantik relativ stabiles Hochdruckgebiet, liegt im Sommer einigermaßen regelmäßig zwischen Hawai‘i und der Westküste der USA. Ist es stabil, hält es die durchziehenden Tiefdruckgebiete auf Abstand. Es würde dann einen im Uhrzeigersinn bogenmäßigen Segelkurs um das Hochdruckgebiet nach Alaska vorgeben. Derzeit kann davon aber noch keine Rede sein.

Das Hoch scheint zwar zu beginnen, sich auszuformen, liegt aber eher noch in der Winterposition näher am Äquator und ist insgesamt sehr instabil. Flauten und Starkwind wechseln sich nördlich von Hawai‘i ab, die Windy-Vorhersage zeigt gleich drei durchziehende Tiefs in schneller Folge. Nichts dramatisches (erst ab einem Kerndruck von unter 980 hPa würde man von einem Sturmtief sprechen), aber eben auch nicht angenehm mit den schnell wechselnden Fronten der Wettersysteme.

Ist zwar eigentlich kein Anlass für ein Freudenfeuerwerk, aber es scheint so, als dürften wir Honolulu noch etwas länger genießen.

Aloha.

Work & travel

Seit Fort Lauderdale findet sich ja vorübergehend unser Chief Engineer Jan auf der Crewliste. Bei der Arbeit am “Geweih”, der Rückflussleitung der Einspritzdüsen des Volvo-Penta Dieselmotors, hatte ich ihn schon gezeigt.

Zeit also, auch mal sein Arbeitszimmer vorzustellen 😉:

Übrigens, das Weitwinkelobjektiv lässt Floras Motorraum um einiges größer erscheinen. Man muss schon so schlank sein wie Jan (und sich trotzdem noch ordentlich verbiegen), um zwischen Diesel und Generator hockend an der Einspritzung arbeiten zu können.

Und: ja, es hat geklappt, keine neuen Dieselpfützen mehr in der Motorbilge. also Zeit für neue Projekte:

Den abgestürzten Plotter durch Hard-Reset wiederbeleben und alles neu einstellen …
Die Umlenkblöcke von Großschot und Ausholer auseinandernehmen …
… auch wenn dafür die Deckenverkleidungen im Bad und in der Achterkoje ebenfalls weg müssen …
… sich so hartnäckig durch all die verkorksten Menüstrukturen und Einstellungen von Furuno-Plotter (mit Installationswizzard 🤣) und Autopilot wühlen, bis endlich auch die Steuerung nach Windwinkel funktioniert …
die USB-Steckdose am Niedergang erneuern und eine weitere zwischen den Sesseln im Salon einbauen, damit auch dort Telefone, iPads, eReader, Kameras etc. geladen werden können.

Und noch einiges mehr. Danke, Jan. Echt Urlaub auf der Flora, oder?

Aber natürlich gehts auch manchmal anders, hier auf der Isla Mujeres:

Und heute Abend kommt Catalina 😉. Dann wird’s allerdings enger im Vorschiff.

Pura Vida.

Auf nach Süden

War der kurze 20 sm Hüpfer nach Annapolis auch schon mal ein toller Saisonauftakt, eine ganze Woche hätten wir dort eigentlich gar nicht bleiben wollen.

Dass es trotzdem so kommt, ist neben dem Wetter einigen Bootsarbeiten und – vor allem – den Treffen mit anderen Seglern geschuldet. Außerdem tut es gut, wieder anzukommen auf dem Boot, sich Zeit zu nehmen. 😎 Die Atmosphäre der Stadt aufzunehmen und auf uns wirken zu lassen.

Wir kümmern uns nochmals um unseren Generator, aber da kommen wir derzeit nicht wirklich weiter. Trotz neuer Kondensatoren kommt beim Start zunächst zwei mal eine Fehlermeldung, beim dritten Start läuft dann der Generator problemlos. Noch nicht optimal!

Den neuen Teppich hatten wir uns (von Hallberg-Rassy Parts) nach Herrington schicken lassen. Beim alten war an den Rändern die Kettelung z.T. aufgegangen, einige Druckknöpfe waren defekt, vor allem aber war die Gummierung der Rückseite nach 10 Jahren nun so porös und bröselig geworden, dass wir eine Reparatur der übrigen Macken für nicht sinnvoll hielten.

Neue Druckknöpfe und das passende Werkzeug hatten wir mitbestellt. Beim Auspacken jetzt in Annapolis die freudige Überraschung: Druckknöpfe sind schon drin!

Und sie passen ziemlich gut bei den ersten drei Teppichen, die wir austauschen. Beim vierten, dem großen im Salon, machen wir dann aber lange Gesichter: die Ausschnitte für die Füße des Salontisches passen nicht, sind ein paar Zentimeter versetzt. Grrr 😖.

Tatsächlich schaffen wir es mit etwas Überredungskunst, eine Boat-Canvas-Werkstatt zum KURZFRISTIGEN Umsäumen der von uns angepassten Ausschnitte zu bringen. Per Dinghy schaffen wir den Teppich zu ihnen in den Backcreek, kaufen Lebensmittel ein und schwupp, können wir den Teppich wieder mitnehmen. Jetzt passt er 😁.

Mehrmals treffen wir Annemarie und Volker von der „escape“, feiern ausgiebig Abschied, denn zumindest für diese Saison trennen sich unsere Wege. Wir sind gespannt, wo sie sich wieder kreuzen.

Peter, ein deutscher Segler, den wir im letzten Jahr kennengelernt haben, lädt uns in sein Haus in Annapolis ein, wo wir einen sehr netten Abend mit ihm und seiner Frau verbringen.

Am nächsten Tag kommt Mario vorbei, ein amerikanischer Eigner einer anderen Hallberg-Rassy 43. Bootsbesichtigung und fachsimpeln.

Aber dann geht es los. Herrliches Segeln mit raumem bis achterlichem Wind, der anfangs zwar noch in Böen 30 kn erreicht, dann aber schnell abnimmt, so dass wir ein Reff nach dem anderen ausschütteln können.

Trotz des herrlichen Sonnenscheins und des achterlichen (und damit scheinbar ja weniger starken) Windes ist es frisch, Wiebke mummelt sich im Cockpit in eine Decke. Wird doch Zeit, südlicher zu gehen.

Das letzte Stück der 45 sm nach Solomons müssen wir wieder etwas anluven, schön, dass bei der Schotführung nur die durch die Spibaumnock geführte Spischot losgeworfen und die Fockschot dichtgenommen werden muss, der Baum kann erst einmal stehenbleiben:

Pura Vida.

Zurück im Wasser 🤩

Es ist immer aufregend, wenn der eigene Dampfer in Gurten hängend in der Luft schwebt, der Kran (Travellift) sich in Bewegung setzt und mit leichtem Schaukeln das Boot zum Wasser karrt. Dann – ganz langsam – hinunterlässt. Wir springen an Bord, kontrollieren die Seeventile und …

… 😖. Eins tropft. Nicht viel, aber eben doch stetig. HALT, Gurte noch nicht losmachen. Bei genauerer Kontrolle stellt sich heraus, dass nicht das (neu eingesetzte bronzene) Seeventil der Klimaanlagenpumpe undicht ist, sondern der nur der Deckel des Seewasserfilters darüber. Einmal aufmachen, neu mit Vaseline einsetzen, gut aber nicht zu fest zuschrauben, dicht. Erleichtert geben wir das Signal, dass die Gurte jetzt doch weg können. Der Motor, die Klimaanlage und der Generator müssen noch gecheckt werden. Das geht erst im Wasser, aber natürlich nicht an der Kranstelle. Also werden wir an einen Liegeplatz geschleppt und können dort in Ruhe alles erledigen.

Hm. In Ruhe? Ein bisschen mehr Ruhe, als wir uns gewünscht hatten. Am Donnerstag eingewassert, dürfen wir noch bis Sonntag auf dem Liegeplatz bleiben, dann müssen wir weg. Verlängern ist nicht möglich, der Hafen ist voll.

Egal, heute passiert eh nix mehr, fahren wir also auf die Bootsmesse nach Annapolis und treffen mit Annemarie, Volker (escape), Mareike (Moana), Kim und Chuck (La Rive Nord) alte Bekannte endlich wieder.

Nicht wie besprochen am Donnerstag, auch nicht am Freitag, sondern erst am Samstag (immerhin) kommt der Motor-Spezialist und erledigt seine Restarbeiten einschließlich des Spülens der Kühlkreisläufe mit einer Reinigungslösung, die Kalkverkrustungen und etwaigen Muschelbewuchs entfernt. Das muss einige Zeit einwirken, danach erst können wir die Maschinen starten.

Klappt beim Motor wunderbar. Beim Generator …

… leider nicht so perfekt. Er startet zwar, stellt sich aber nach zehn Minuten selbsttätig ab: „FEHLER AC-1 SPANNUNG“. Hm. Zugegeben hatten wir diese Fehlermeldung zuletzt gelegentlich, wenn wir starke Verbraucher angeschlossen hatten und das Batterieladegerät ebenfalls unter Last arbeitete. Dem hätten wir uns demnächst eigentlich in Ruhe widmen wollen, aber jetzt müssen wir es vorziehen. Na gut. Die wahrscheinliche Ursache sind nach gleichlautender Aussage im Manual und den Internet-Foren defekte Kondensatoren („Capacitors“, elektronische Bauteile, die die Spannung regeln). Nach einiger Suche und einem Anruf beim technischen Support von Whisperpower in Holland finde ich sie.

Bloß, wo kriege ich jetzt auf die Schnelle Ersatz her? Es gibt in Annapolis einen Whisperpower-Händler, aber derzeit ist Messe, die Auftragsbücher sind voll und Termine kaum zu bekommen. Aber Mike schaltet sich ein, lässt seine Beziehungen spielen und für Dienstag kündigt Nate von Hortonmarineservices seinen Besuch mit Ersatzkapazitatoren an. Wow.

Allerdings können wir bis dahin eben nicht in Herrington im Hafen bleiben. Wieder durch Vermittlung von Mike bekommen wir einen eigentlich unpassenden „Not“-Platz gegenüber bei Shipwright für einige weitere Tage.

Das ist mehr als gut, denn unsere Shades für das Bimini sind zwar in letzter Minute fertig geworden, allerdings sind am Bimini selbst noch in paar Nachbesserungen zu erledigen, die tatsächlich auch erst am Dienstag fertig sind. Zwischendurch haben wir es allerdings an Bord und können unsere Sunware-Solarpanele wieder auf ihm befestigen, die Loxx-Knöpfe dafür lassen sich vom alten Bimini wiederverwenden. Auch wenn es ein befremdliches Gefühl ist, in das niegelnagelneue Bimini gleich 20 Löcher zu stanzen 😬, wir wagen es und es passt.

Fühlt sich gut an, nun (soweit wir es beurteilen können) endlich alles auf Stand zu haben. Jetzt lockt die schon leicht herbstliche Chesapeake Bay und dann der Weg nach Süden.

Pura Vida.

It’s hard on the hard

Seit 13 Tagen am Stück fahren wir (manchmal auch nur ich) jeden Morgen gut eine Stunde mit dem Auto über den gut gefüllten “Beltway“ um Washington herum nach Herrington zu unserer Flora und Abends mit meist etwas mehr Stau wieder zurück. Auch an den beiden Wochenenden ging es so, weil auch Mechaniker Mike (von Zimmerman Marine) dankenswerterweise beide Wochenenden auf unserem Boot durchgearbeitet hat.

Warum eigentlich? Soooo viel hatten wir doch eigentlich gar nicht auf dem Zettel? Na ja, es summiert sich dann doch, und in den 8 Wochen unserer Abwesenheit ist – außer einigen kleineren Arbeiten, den Teilebestellungen und Vorbereitungen nicht allzu viel passiert. Das hat auch sein Gutes, so werden wir zwar nicht vom fertig montierten neuen Solarpanel begrüßt, können dafür aber die Details der Montage und der Installation noch gemeinsam festlegen. Mike räumt bei dieser Gelegenheit noch ein bisschen die bisherige Elektroinstallation der verschiedenen bisherigen Nachrüstungen auf und ergänzt ein ordentliches Sicherungspanel dafür, damit uns Überraschungen wie mit der angeschmorten Solarsicherung künftig möglichst erspart bleiben.

Unlackiertes Panel unter dem in Griechenland montierten Windgeneratorregler. Das wäre Mike nicht passiert. Tsss..

Auch die Arbeiten am Motor haben es in sich. Zwar müssen an unserem Volvo-Penta D2-75 F die Ventile nur minimal neu eingestellt werden und auch die Einspritzdüsen sind in Ordnung. Der auseinander genommene Motor offenbart aber trotzdem einige Überraschungen. So öffnet das „waste gate“ des Turboladers bereits mit dem Original-Volvo-Auspuffknie nicht vollständig, weil dieses ihm minimal zu wenig Platz lässt. Die Suche in den Foren ergibt, dass das kein Sonderproblem unseres Motors ist, sondern wohl weiter verbreitet:

https://forums.ybw.com/index.php?threads/volvo-d2-75-turbo.431360/

Leider tritt die gleiche Beeinträchtigung auch mit dem neuen Edelstahlteil ein, dass deshalb leicht nachgearbeitet werden muss.

Die Opferanode, die wir im letzten Herbst in den Kühlkreislauf unseres ab Werk ohne Opferanode daher kommenden Motors eingesetzt hatten, hat sich im Laufe dieses Jahres fast vollständig verbraucht. Ein klares Zeichen, dass sie wirkt und sich eben für andere Teile „opfert“. Wir erneuern sie und spendieren ihr dabei ein neues Gehäuse, in dass jetzt Standard-Stiftananoden passen.

Ja ich weiß, deine Motorfüße muss ich noch entrosten und schützen 🧐

Das kleine Seewasserventil an der Stopfbuchse ist nur schwer erreichbar, setzt sich leicht fest, ist nur aus Messing und außerdem etwas „windig“ befestigt. Wir ersetzen es durch einen massiv befestigten Edelstahlnippel und verlegen das Ventil an einen besser erreichbaren Ort im Motorraum. Zur Erinnerung: ist das Ventil geöffnet, läuft beim Impellerwechsel ein stetiger Fluss von Seewasser aus der Pumpe.

Der einfache Schaumstoff-Luftfilter unseres Volvos hatte sich ja leider in der Vergangenheit selbst zerlegt und zu diversen unschönen und öligen Schaumstofffetzen im Motorraum gesorgt. Die hatten wir beseitigt und uns einen stabileren auswaschbaren Nachrüstfilter besorgt. Beim Zerlegen des Turbos für dessen Reinigung fanden sich überraschend weitere Teile des Schaumstoffilters – sie hatten den Ladeluftkühler großflächig zugesetzt. Grrr.

Und nicht nur der musste gereinigt werden. Auch der Wärmetauscher des Volvo zeigte Belag an den Endkappen und auch innen.

Wo wir schon bei Kühlung sind: unverständlicherweise hat unser Motor keinen separaten Ausgleichsbehälter für die Kühlflüssigkeit. Technisch notwendig ist das zwar nicht, sinnvoll aber schon. Denn so spuckt bei Überdruck der Motor die sich ausdehnende Flüssigkeit über den serienmäßigen Schlauch in die Bilge statt in den Ausgleichsbehälter, aus dem er sich zudem beim Abkühlen das benötigte Maß wieder herauslaufen würde. Wir rüsten das Teil nach.

Größer ist der Aufwand für den Racor-Doppelfilter, der den bisherigen einzelnen Volvo Dieselvorfilter ersetzt. Wegen der zu verlegenden Dieselleitung, vor allem aber wegen des Platzbedarfs. Die Filteranlage rücken wir mit einem neu konstruierten Edelstahlhalter etwas höher, so lässt sich auch etwaiges separiertes Wasser besser ablassen. Der bisherige Einzelfilter ersetzt den Vorfilter des Whisper-Generators, so müssen wir nicht mehr die manchmal schwer zu beschaffenden Whisper-Filter mitführen, sondern können uns auf eine gängige Filterart beschränken.

Unsere bisherigen Änderungen am Volvo-Penta D2-75 zusammengefasst:

  1. Regler der Lichtmaschine im Rahmen der Umrüstung auf Lithiumbatterien durch Mastervolt Alpha Pro ersetzt
  2. Änderung am Auspuffknie
  3. Opferanode eingefügt
  4. Seewasserventil an der Stopfbuchse ersetzt und verlegt
  5. Schaum-Luftfilter durch ein langlebigeres Ersatzteil ersetzt
  6. Ausgleichsbehälter für Kühlflüssigkeit ergänzt
  7. Diesel-Vorfilter durch Doppel-Racor ersetzt

Außerdem platzieren wir die neue Filteranlage so, dass auch die gereinigte (war wegen inneren Ablagerungen und äußerer beginnender Korrosion sehr notwendig) Pumpe der Klimaanlagen (die hintere musste zudem getauscht werden) besser zugänglich ist und dem neue Mamba-Autopilotantrieb nicht in die Quere kommt. Den haben wir endlich eingebaut und mit einem Umschalter versehen. Jetzt können wir bei Ausfall des einen Antriebs auf den anderen umschalten.

Unser Bimini wird gerade erneuert, leider war im ersten Anlauf das Fenster zum Großsegel nicht dort eingearbeitet, wo wir es bestellt hatten und die Reißverschlüsse für die schattenspendenden aber luftdurchlässigen Shades fehlten.

Jetzt schon mit Fenster und Reißverschlüssen, aber noch ohne Shades

Immerhin hat der Segelmacher Bescheid gegeben, dass die Segel nach der Durchsicht und den kleineren Reparaturen abholbereit sind.

Und – last not least – der Rigger hatte schon in unserer Abwesenheit die bestellten verschlissenen Teile an der Rollreffanlage des Großsegels getauscht.

Na ja, die anstrengende mehrtägige Schleifaktion am Unterwasserschiff zur erneuten „Aktivierung“ des Coppercoat haben wir ja selbst erledigt. Das Polieren des Rumpfes und des Aufbaus hat derweil eine Truppe der auf dem Werftgelände ansässigen Spezialfirma gemacht, heute sind sie fertig geworden.

Pura Vida.

OP am offenen … Motor

Eine der Aufgaben während unserer Zeit „on the hard“, also bevor Flora wieder ins Wasser kommt, ist eine große Motorinspektion. Einschließlich Check der Ventile und der Einspritzdüsen, Ausbau und Reinigung des Wärmetauschers und z.B. Tausch des Auspuffknies. Das sitzt zwischen dem Turbo und dem Wassersammler im Auspuffsystem und ist ein notorisch anfälliges Teil bei unserem Volvo-Penta-Motor.

Hier sieht’s schön leer aus vorm Motor, aber nur, weil so viel ausgebaut wurde. Gerade hier vorne wird es eng.
Blick in das ausgebaute Teil
Und das von Mike extra lackierte neue zeigt, wie es aussehen sollte

Ich hatte deshalb schon letztes Jahr vorsorglich ein Austauschteil in Edelstahl gekauft, das jetzt zum Einsatz kommt. Aber auch der angrenzende Turbolader sieht relativ zugesetzt aus und muss zumindest gereinigt werden.

Tja, und deshalb sieht es heute Abend in Floras Motorraum so aus:

Außerdem wird ein neuer, jetzt umschaltbarer (doppelter) Dieselvorfilter installiert. Allerdings ist der Platz dafür ziemlich beengt, weil sich hier einige Aggregate knubbeln, insbesondere hat der Vorbesitzer direkt davor die (gerade zur Überholung ausgebaute) Seewasserpumpe für die Klimaanlagen installiert, außerdem den Dieselvorfilter für den Generator. Und auch der „Mamba-Drive“, der künftig das umschaltbare Backup für unseren elektrohydraulischen Autopilot unter der Achterkoje sein soll, muss konstruktionsbedingt in unmittelbarer Nachbarschaft installiert werden. Das wird eng. Gemeinsam mit Mike habe ich deshalb eine eine geänderte Aufnahme für die Dieselvorfilter ausgetüftelt, die diese etwas höher und besser erreichbar platziert und uns zugleich mehr Raum für die anderen Geräte lässt.

Noch nicht ganz fertig, aber so wird es passen

Außerdem kommt noch der übliche Wahnsinn dazu: alle Gardinen abnehmen, gegen Schimmel behandeln und waschen zum Beispiel. Oder Macken im Coppercoat am Unterwasserschiff ausbessern bzw. bisher nur vorbereitende Reinigungs- und Schleifarbeiten dafür.

Langweilig wird uns nicht. Derzeit keine Tier-, Landschafts- oder Segelbilder. Trotzdem:

Pura Vida.

Bootsarbeiten und ein neues Solarpanel

Es beginnt mit einem Schock. Als wir endlich wieder bei Flora ankommen, ist die gesamte Elektrik tot. Sollten die Batterien leer sein? Aber Mike hatte noch vorgestern auf dem Schiff gearbeitet, unter anderem mit den elektrischen Davits das Dinghy heruntergelassen, damit auf den Davits geschweißt werden kann. Wir checken alle Hauptschalter, Sicherungen. Nichts. Selbst das Anzeigepanel für den Batteriestand bleibt schwarz. Grrr.

Wir schließen das Landstromkabel an, aber das Ladegerät veranstaltet nur ein Lichtergeblinke, das sich mit keinem Fehlercode des Handbuchs in Übereinstimmung bringen lässt.

Eigentlich haben wir 2 x 100 WP Solarpanel auf dem Bimini, die müssten die Batterien in unserer Abwesenheit und ohne große angeschlossene Verbraucher voll halten. Allerdings ist das alte und inzwischen ziemlich marode Bimini in den letzten Tagen abgenommen worden, weil wir ein neues anfertigen lassen. Die Panel liegen jetzt angeschlossen an Deck, zwar etwas mehr verschattet, aber es sollte trotzdem reichen.

So sieht der Übeltäter aus:

Eine kleine 25 Ampere Sicherung der Solarpanele (eigentlich ausreichend groß) ist völlig verschmort. Ausgelöst hat sie aus unerfindlichen Gründen nicht, sie wird immer noch warm, als ich sie in die Hand nehme. Schnell raus damit. Diese Erkenntnis löst aber leider noch nicht das Problem, dass unsere Batterien keinen Ladestrom vom flackernden Ladegerät annehmen.

Wir fahren ziemlich gefrustet wieder ab und verbringen eine Nacht mit schlechtem Schlaf.

Auf der Fahr zum Boot am nächsten Morgen kommt ein beruhigender Anruf von Mechaniker Mike: der Schutzschalter der Lithium-Batterien hat ausgelöst, wird aber nicht (wie von mir unterstellt und durchgeführt) durch Hin- und Herbewegen des im Hintergrund über meiner Hand zu sehenden gelben Hebels, sondern durch Hinunterdrücken einer Fläche im Kopf des Hebels wieder zurückgesetzt. Habe ich bestimmt mal gewusst, aber gestern in meinem Ärger nicht mehr abrufen können. Als ich das Landstromkabel jetzt wieder anschließe, funktioniert das Ladegerät einwandfrei und bringt auch Strom in die (fast) leeren Batterien zurück.

Nebenbemerkung: Konventionelle Batterien wären jetzt tatsächlich schrottreif. Das interne BMS (=BatterieManagementSystem) unserer Lithiumbatterien hat aber einen solchen Totalschaden verhindert. Es sieht so aus, als ob unsere Batterien das schadlos überstanden haben. Pfffff.

Bis zu dieser Erkenntnis vergeht allerdings einige Zeit, denn das Mastervolt-Display zeigt erkennt zunächst nur noch sich selbst und die Combi Ladegerät/Inverter im Mastervolt-Bus-System. Batterien, Windgenerator und Solarregler werden nicht mehr angezeigt. Den halben Tag verbringe ich damit, die Handbücher zu studieren und die Kabelwege nachzuverfolgen und zu überprüfen. Ich ziehe alle Bus-Stecker ab und verknüpfe sie erneut. Mit Erfolg, die verschwundenen Geräte tauchen wieder im Display auf.

☺️

Die nächsten Tage sind dem neuen Solarpanel gewidmet. Unsere 2 x 100 WP auf dem Bimini reichen nicht aus. Der Windgenerator ist unterwegs eine gute Hilfe, wir stellen ihn vor Anker aber nachts ab, weil die Geräusche dann doch beim Einschlafen stören (er ist ja über unserer Achterkoje angebracht). Mit dem Verbrauch der beiden Kühlschränke und den diversen Ladegeräten von iPads, Telefonen, Drohnen, eReadern, Staubsauger etc. müssen wir derzeit vor Anker doch etwa alle 2-3 Tage für zwei Stunden den Dieselgenerator anwerfen, um die Batteriebank wieder aufzuladen.

Also: mehr Solar, bitte. Wir haben uns nach reiflicher Überlegung für ein zusätzliches etwa 2 m x 1 m großes 400 WP Panel auf den Davits entschieden. Bei der Befestigung habe ich mehrfach mit Mike über die beste Variante diskutiert. Das Panel soll einfach demontiert werden können und wir wollen eine schlanke Lösung ohne hohen Aufbau. An der Umsetzung haben Mike und ich die letzten Tage (also das Wochenende!) gearbeitet. Zwei flache Edelstahlbrücken mit eingeschweißter Mutter sind auf jeden der Davits geschweißt.

Dann die darauf zu verschraubenden Unterkonstruktion aus Alu-Kastenprofilen geschnitten, gebohrt, die Kanten rund gefeilt, vernietet und verschraubt. Ausprobiert, geändert, ausprobiert, nochmal feinjustiert.

Das Panel ist jetzt fertig montiert und die Kabel verlegt. Angeschlossen wird hoffentlich morgen.

Auch das ist … Pura Vida.