It’s hard on the hard

Seit 13 Tagen am Stück fahren wir (manchmal auch nur ich) jeden Morgen gut eine Stunde mit dem Auto über den gut gefüllten “Beltway“ um Washington herum nach Herrington zu unserer Flora und Abends mit meist etwas mehr Stau wieder zurück. Auch an den beiden Wochenenden ging es so, weil auch Mechaniker Mike (von Zimmerman Marine) dankenswerterweise beide Wochenenden auf unserem Boot durchgearbeitet hat.

Warum eigentlich? Soooo viel hatten wir doch eigentlich gar nicht auf dem Zettel? Na ja, es summiert sich dann doch, und in den 8 Wochen unserer Abwesenheit ist – außer einigen kleineren Arbeiten, den Teilebestellungen und Vorbereitungen nicht allzu viel passiert. Das hat auch sein Gutes, so werden wir zwar nicht vom fertig montierten neuen Solarpanel begrüßt, können dafür aber die Details der Montage und der Installation noch gemeinsam festlegen. Mike räumt bei dieser Gelegenheit noch ein bisschen die bisherige Elektroinstallation der verschiedenen bisherigen Nachrüstungen auf und ergänzt ein ordentliches Sicherungspanel dafür, damit uns Überraschungen wie mit der angeschmorten Solarsicherung künftig möglichst erspart bleiben.

Unlackiertes Panel unter dem in Griechenland montierten Windgeneratorregler. Das wäre Mike nicht passiert. Tsss..

Auch die Arbeiten am Motor haben es in sich. Zwar müssen an unserem Volvo-Penta D2-75 F die Ventile nur minimal neu eingestellt werden und auch die Einspritzdüsen sind in Ordnung. Der auseinander genommene Motor offenbart aber trotzdem einige Überraschungen. So öffnet das „waste gate“ des Turboladers bereits mit dem Original-Volvo-Auspuffknie nicht vollständig, weil dieses ihm minimal zu wenig Platz lässt. Die Suche in den Foren ergibt, dass das kein Sonderproblem unseres Motors ist, sondern wohl weiter verbreitet:

https://forums.ybw.com/index.php?threads/volvo-d2-75-turbo.431360/

Leider tritt die gleiche Beeinträchtigung auch mit dem neuen Edelstahlteil ein, dass deshalb leicht nachgearbeitet werden muss.

Die Opferanode, die wir im letzten Herbst in den Kühlkreislauf unseres ab Werk ohne Opferanode daher kommenden Motors eingesetzt hatten, hat sich im Laufe dieses Jahres fast vollständig verbraucht. Ein klares Zeichen, dass sie wirkt und sich eben für andere Teile „opfert“. Wir erneuern sie und spendieren ihr dabei ein neues Gehäuse, in dass jetzt Standard-Stiftananoden passen.

Ja ich weiß, deine Motorfüße muss ich noch entrosten und schützen 🧐

Das kleine Seewasserventil an der Stopfbuchse ist nur schwer erreichbar, setzt sich leicht fest, ist nur aus Messing und außerdem etwas „windig“ befestigt. Wir ersetzen es durch einen massiv befestigten Edelstahlnippel und verlegen das Ventil an einen besser erreichbaren Ort im Motorraum. Zur Erinnerung: ist das Ventil geöffnet, läuft beim Impellerwechsel ein stetiger Fluss von Seewasser aus der Pumpe.

Der einfache Schaumstoff-Luftfilter unseres Volvos hatte sich ja leider in der Vergangenheit selbst zerlegt und zu diversen unschönen und öligen Schaumstofffetzen im Motorraum gesorgt. Die hatten wir beseitigt und uns einen stabileren auswaschbaren Nachrüstfilter besorgt. Beim Zerlegen des Turbos für dessen Reinigung fanden sich überraschend weitere Teile des Schaumstoffilters – sie hatten den Ladeluftkühler großflächig zugesetzt. Grrr.

Und nicht nur der musste gereinigt werden. Auch der Wärmetauscher des Volvo zeigte Belag an den Endkappen und auch innen.

Wo wir schon bei Kühlung sind: unverständlicherweise hat unser Motor keinen separaten Ausgleichsbehälter für die Kühlflüssigkeit. Technisch notwendig ist das zwar nicht, sinnvoll aber schon. Denn so spuckt bei Überdruck der Motor die sich ausdehnende Flüssigkeit über den serienmäßigen Schlauch in die Bilge statt in den Ausgleichsbehälter, aus dem er sich zudem beim Abkühlen das benötigte Maß wieder herauslaufen würde. Wir rüsten das Teil nach.

Größer ist der Aufwand für den Racor-Doppelfilter, der den bisherigen einzelnen Volvo Dieselvorfilter ersetzt. Wegen der zu verlegenden Dieselleitung, vor allem aber wegen des Platzbedarfs. Die Filteranlage rücken wir mit einem neu konstruierten Edelstahlhalter etwas höher, so lässt sich auch etwaiges separiertes Wasser besser ablassen. Der bisherige Einzelfilter ersetzt den Vorfilter des Whisper-Generators, so müssen wir nicht mehr die manchmal schwer zu beschaffenden Whisper-Filter mitführen, sondern können uns auf eine gängige Filterart beschränken.

Unsere bisherigen Änderungen am Volvo-Penta D2-75 zusammengefasst:

  1. Regler der Lichtmaschine im Rahmen der Umrüstung auf Lithiumbatterien durch Mastervolt Alpha Pro ersetzt
  2. Änderung am Auspuffknie
  3. Opferanode eingefügt
  4. Seewasserventil an der Stopfbuchse ersetzt und verlegt
  5. Schaum-Luftfilter durch ein langlebigeres Ersatzteil ersetzt
  6. Ausgleichsbehälter für Kühlflüssigkeit ergänzt
  7. Diesel-Vorfilter durch Doppel-Racor ersetzt

Außerdem platzieren wir die neue Filteranlage so, dass auch die gereinigte (war wegen inneren Ablagerungen und äußerer beginnender Korrosion sehr notwendig) Pumpe der Klimaanlagen (die hintere musste zudem getauscht werden) besser zugänglich ist und dem neue Mamba-Autopilotantrieb nicht in die Quere kommt. Den haben wir endlich eingebaut und mit einem Umschalter versehen. Jetzt können wir bei Ausfall des einen Antriebs auf den anderen umschalten.

Unser Bimini wird gerade erneuert, leider war im ersten Anlauf das Fenster zum Großsegel nicht dort eingearbeitet, wo wir es bestellt hatten und die Reißverschlüsse für die schattenspendenden aber luftdurchlässigen Shades fehlten.

Jetzt schon mit Fenster und Reißverschlüssen, aber noch ohne Shades

Immerhin hat der Segelmacher Bescheid gegeben, dass die Segel nach der Durchsicht und den kleineren Reparaturen abholbereit sind.

Und – last not least – der Rigger hatte schon in unserer Abwesenheit die bestellten verschlissenen Teile an der Rollreffanlage des Großsegels getauscht.

Na ja, die anstrengende mehrtägige Schleifaktion am Unterwasserschiff zur erneuten „Aktivierung“ des Coppercoat haben wir ja selbst erledigt. Das Polieren des Rumpfes und des Aufbaus hat derweil eine Truppe der auf dem Werftgelände ansässigen Spezialfirma gemacht, heute sind sie fertig geworden.

Pura Vida.

OP am offenen … Motor

Eine der Aufgaben während unserer Zeit „on the hard“, also bevor Flora wieder ins Wasser kommt, ist eine große Motorinspektion. Einschließlich Check der Ventile und der Einspritzdüsen, Ausbau und Reinigung des Wärmetauschers und z.B. Tausch des Auspuffknies. Das sitzt zwischen dem Turbo und dem Wassersammler im Auspuffsystem und ist ein notorisch anfälliges Teil bei unserem Volvo-Penta-Motor.

Hier sieht’s schön leer aus vorm Motor, aber nur, weil so viel ausgebaut wurde. Gerade hier vorne wird es eng.
Blick in das ausgebaute Teil
Und das von Mike extra lackierte neue zeigt, wie es aussehen sollte

Ich hatte deshalb schon letztes Jahr vorsorglich ein Austauschteil in Edelstahl gekauft, das jetzt zum Einsatz kommt. Aber auch der angrenzende Turbolader sieht relativ zugesetzt aus und muss zumindest gereinigt werden.

Tja, und deshalb sieht es heute Abend in Floras Motorraum so aus:

Außerdem wird ein neuer, jetzt umschaltbarer (doppelter) Dieselvorfilter installiert. Allerdings ist der Platz dafür ziemlich beengt, weil sich hier einige Aggregate knubbeln, insbesondere hat der Vorbesitzer direkt davor die (gerade zur Überholung ausgebaute) Seewasserpumpe für die Klimaanlagen installiert, außerdem den Dieselvorfilter für den Generator. Und auch der „Mamba-Drive“, der künftig das umschaltbare Backup für unseren elektrohydraulischen Autopilot unter der Achterkoje sein soll, muss konstruktionsbedingt in unmittelbarer Nachbarschaft installiert werden. Das wird eng. Gemeinsam mit Mike habe ich deshalb eine eine geänderte Aufnahme für die Dieselvorfilter ausgetüftelt, die diese etwas höher und besser erreichbar platziert und uns zugleich mehr Raum für die anderen Geräte lässt.

Noch nicht ganz fertig, aber so wird es passen

Außerdem kommt noch der übliche Wahnsinn dazu: alle Gardinen abnehmen, gegen Schimmel behandeln und waschen zum Beispiel. Oder Macken im Coppercoat am Unterwasserschiff ausbessern bzw. bisher nur vorbereitende Reinigungs- und Schleifarbeiten dafür.

Langweilig wird uns nicht. Derzeit keine Tier-, Landschafts- oder Segelbilder. Trotzdem:

Pura Vida.

Bootsarbeiten und ein neues Solarpanel

Es beginnt mit einem Schock. Als wir endlich wieder bei Flora ankommen, ist die gesamte Elektrik tot. Sollten die Batterien leer sein? Aber Mike hatte noch vorgestern auf dem Schiff gearbeitet, unter anderem mit den elektrischen Davits das Dinghy heruntergelassen, damit auf den Davits geschweißt werden kann. Wir checken alle Hauptschalter, Sicherungen. Nichts. Selbst das Anzeigepanel für den Batteriestand bleibt schwarz. Grrr.

Wir schließen das Landstromkabel an, aber das Ladegerät veranstaltet nur ein Lichtergeblinke, das sich mit keinem Fehlercode des Handbuchs in Übereinstimmung bringen lässt.

Eigentlich haben wir 2 x 100 WP Solarpanel auf dem Bimini, die müssten die Batterien in unserer Abwesenheit und ohne große angeschlossene Verbraucher voll halten. Allerdings ist das alte und inzwischen ziemlich marode Bimini in den letzten Tagen abgenommen worden, weil wir ein neues anfertigen lassen. Die Panel liegen jetzt angeschlossen an Deck, zwar etwas mehr verschattet, aber es sollte trotzdem reichen.

So sieht der Übeltäter aus:

Eine kleine 25 Ampere Sicherung der Solarpanele (eigentlich ausreichend groß) ist völlig verschmort. Ausgelöst hat sie aus unerfindlichen Gründen nicht, sie wird immer noch warm, als ich sie in die Hand nehme. Schnell raus damit. Diese Erkenntnis löst aber leider noch nicht das Problem, dass unsere Batterien keinen Ladestrom vom flackernden Ladegerät annehmen.

Wir fahren ziemlich gefrustet wieder ab und verbringen eine Nacht mit schlechtem Schlaf.

Auf der Fahr zum Boot am nächsten Morgen kommt ein beruhigender Anruf von Mechaniker Mike: der Schutzschalter der Lithium-Batterien hat ausgelöst, wird aber nicht (wie von mir unterstellt und durchgeführt) durch Hin- und Herbewegen des im Hintergrund über meiner Hand zu sehenden gelben Hebels, sondern durch Hinunterdrücken einer Fläche im Kopf des Hebels wieder zurückgesetzt. Habe ich bestimmt mal gewusst, aber gestern in meinem Ärger nicht mehr abrufen können. Als ich das Landstromkabel jetzt wieder anschließe, funktioniert das Ladegerät einwandfrei und bringt auch Strom in die (fast) leeren Batterien zurück.

Nebenbemerkung: Konventionelle Batterien wären jetzt tatsächlich schrottreif. Das interne BMS (=BatterieManagementSystem) unserer Lithiumbatterien hat aber einen solchen Totalschaden verhindert. Es sieht so aus, als ob unsere Batterien das schadlos überstanden haben. Pfffff.

Bis zu dieser Erkenntnis vergeht allerdings einige Zeit, denn das Mastervolt-Display zeigt erkennt zunächst nur noch sich selbst und die Combi Ladegerät/Inverter im Mastervolt-Bus-System. Batterien, Windgenerator und Solarregler werden nicht mehr angezeigt. Den halben Tag verbringe ich damit, die Handbücher zu studieren und die Kabelwege nachzuverfolgen und zu überprüfen. Ich ziehe alle Bus-Stecker ab und verknüpfe sie erneut. Mit Erfolg, die verschwundenen Geräte tauchen wieder im Display auf.

☺️

Die nächsten Tage sind dem neuen Solarpanel gewidmet. Unsere 2 x 100 WP auf dem Bimini reichen nicht aus. Der Windgenerator ist unterwegs eine gute Hilfe, wir stellen ihn vor Anker aber nachts ab, weil die Geräusche dann doch beim Einschlafen stören (er ist ja über unserer Achterkoje angebracht). Mit dem Verbrauch der beiden Kühlschränke und den diversen Ladegeräten von iPads, Telefonen, Drohnen, eReadern, Staubsauger etc. müssen wir derzeit vor Anker doch etwa alle 2-3 Tage für zwei Stunden den Dieselgenerator anwerfen, um die Batteriebank wieder aufzuladen.

Also: mehr Solar, bitte. Wir haben uns nach reiflicher Überlegung für ein zusätzliches etwa 2 m x 1 m großes 400 WP Panel auf den Davits entschieden. Bei der Befestigung habe ich mehrfach mit Mike über die beste Variante diskutiert. Das Panel soll einfach demontiert werden können und wir wollen eine schlanke Lösung ohne hohen Aufbau. An der Umsetzung haben Mike und ich die letzten Tage (also das Wochenende!) gearbeitet. Zwei flache Edelstahlbrücken mit eingeschweißter Mutter sind auf jeden der Davits geschweißt.

Dann die darauf zu verschraubenden Unterkonstruktion aus Alu-Kastenprofilen geschnitten, gebohrt, die Kanten rund gefeilt, vernietet und verschraubt. Ausprobiert, geändert, ausprobiert, nochmal feinjustiert.

Das Panel ist jetzt fertig montiert und die Kabel verlegt. Angeschlossen wird hoffentlich morgen.

Auch das ist … Pura Vida.

Bootsarbeit und kleinere Ausfälle

Auch wenn es so aussieht als würden wir nur zwischen Segeln, Palmenstrand und Schnorcheln pendeln, ein bisschen Arbeit wartet doch immer auf dem Boot. Zum Glück derzeit nichts dramatisches, aber hier ein paar Schlaglichter:

Das Dinghy beschäftigt uns schon einige Zeit. Zum einen, weil es mal wieder Luft verliert (die letzte größere Flickaktion war ja auch auf Madeira, das ist tatsächlich schon länger her. Allerdings finden wir das Loch zunächst nicht, trotz Lecksuche mit Spüli.

Zum anderen, weil der Dinghymotor wieder Zicken macht. Es scheint wieder der Vergaser zu sein. Den hatte ja der Mechaniker in Herrington Harbour letzten Herbst in der Mangel und ich hatte ja sicherheitshalber einen neuen bei ihm bestellt. Mit Ingo baue ich das Teil auseinander, tatsächlich funktioniert er nicht mehr richtig. Als wir den Ersatzvergaser einbauen, gibt’s allerdings eine böse Überraschung. Es ist der falsche Ersatz, mit elektrischem statt mechanischem Choke. Leider kann man es nicht umbauen/kombinieren. Nur ganz oder gar nicht. Also ganz, was mir zwar einen funktionierenden Motor bringt, allerdings um den Preis, jetzt keinen Choke mehr zu haben. Verschmerzbar bei den hiesigen Temperaturen, aber doch ärgerlich.

Und wo wir schon bei Motoren sind: die Routinekontrolle unseres Volvo-Diesels ergibt eine Stelle mit leichtem Ölnebel. Das genauere Inspizieren zeigt einen Riss im Schlauch (roter Pfeil). Habe ich wahrscheinlich durch Drauflehnen bei der Wartung des neben dem Motor untergebrachten Generators selbst beschädigt.

Klar, dafür habe ich keinen Ersatz. Also wird die Stelle mit selbstvulkanisierendem „Rescue-Tape“ umwickelt, zur Sicherheit setze ich noch eine Schlauchschelle darüber. Der Austausch mit unserem „Chief“ Jan in Hamburg ergibt per Ferndiagnose, dass der Schlauch die Entlüftung des Kurbelgehäuses hin zur Verbindung von Ansaugtrakt und Turbo darstellt. Da sollte kein großer Druck drauf sein und die Notreparatur erstmal genügen.

Die erst ein paar Monate junge, in Sint Maarten gekaufte GoPro 9 stellt plötzlich den Betrieb ein, das Kabel wird beim Laden heiß. Scheint ein Fehler in der Steckverbindung innerhalb der GoPro zu sein, da kann ich nichts dran machen, werde sie in den USA reklamieren.

Steckverbindungsprobleme auch bei der Fernsteuerung der Mavic Air Drohne, ich kann die Fernsteuerung nicht mehr laden. Die salzhaltige Luft tut den elektronischen Spielzeugen offenbar nicht wirklich gut, aber das war vorher klar. Die GoPro ist dann aber doch erschütternd früh ausgestiegen.

Beim Dinghy habe ich schnorchelnd dann doch eine undichte Stelle im hinteren Unterwasserbereich entdeckt. Kleber und Flicken sind an Bord, aber die Bedienungsanleitung für den Zwei-Komponenten-Kleber lässt uns dann doch die Stirn runzeln. Eine Topfzeit von drei Stunden für die Verarbeitung ist angegeben, auf beide Flächen (Dinghy und Flicken) soll der Kleber im Abstand von 30 Minuten zweimal aufgebracht werde, beim zweiten Mal mit einer Infrarotlampe aufgeheizt und mit formpassend geschliffenen Holzklötzen angepresst werden. Nicht sehr praktikabel, zumal trotz Dosierung des „Aktivators“ am unteren Ende der angegebenen Spanne der Kleber schon nach drei Minuten fest wird und kaum noch zu verarbeiten ist. Muss wohl einmaliger Auftrag und Anpressen mit der Hand reichen. Hm. Ist sowieso schon nicht so ganz einfach, an die Unterseite des schweren 3,4 m langen Dinghys heranzukommen, aber mit der Dirk als Kran und dem Heck als Arbeitsplattform klappt es doch.

Und wer sagt’s denn, der Flicken klebt und nach der Trocknung hält das Dinghy wieder die Luft.

Die Schönen und die „Biester“ mit dem dritten Auge

Das Dorf löst sich auf. Ein letzter gemeinsamer Spieleabend auf der Easy-One hier in den Allans Cays und dann geht die Caroline Richtung Nassau. Die schweizer Jollity und die Thula hatten sich schon in Norman’s Cay verabschiedet. Ein bisschen Wehmut und viel Freude über die schöne gemeinsame Zeit.

Wir ankern auf dem sandigen Flach im Pass zwischen Allans Cay und Leaf Cay. Einmal mehr viel Strömung, aber was für ein Ankerplatz.

Und weil ich mehrfach darauf angesprochen wurde: die drei Drohnenfotos sind farblich nicht bearbeitet, die Klarheit des Lichts hier und eben auch die blau-türkisen Farbspiele sind kaum zu glauben aber echt!

Neben der landschaftlichen Schönheit lockt die Inselgruppe der Allens Cays mit den hier heimischen Rock Iguanas, die sonst nur noch auf Andros und auf Bitter Guana Cay vorkommen, wo wir sie erstmals gesehen haben. Diese Reptilien erscheinen manchen (meiner Schwester z.B.) wie Biester aus einer anderen Zeit. Und wirklich, die Urzeit-Tiere haben mit ihrem Saurieraussehen etwas durch die Jahrtausende hinübergerettet, was ebenfalls schier unglaublich scheint: ein drittes Auge. Nicht das Ajna Chakra Yoga-Auge der Intuition, sondern ein biologisches. Echt jetzt. Das „Scheitelauge“ oder Pinealauge genannte Organ weist zwar keine Iris, aber tatsächlich Linse, Netzhaut und Sehnerv auf. Wie der Name verrät sitzt es mittig oben auf dem Schädel, geschützt von einer transparenten Schuppe. Klein und deshalb kaum zu erkennen, aber doch sehr faszinierend.

Überhaupt kann ich der Versuchung einer weiteren Portrait-Session mit diesen Echsen nicht widerstehen ☺️.

Die Schöne und das Biest (1):

Die Schönen und das Biest (2):

Die Möve macht ebenso wie die Fliege auf dem Auge im quadratischen Portraitfoto oben ganz gut die nicht so drachenmäßig beeindruckende Größe der „Northern Bahamas Rock Iguanas“ deutlich. Es ist übrigens eine Aztekenmöve, eine nahe Verwandte unserer Lachmöven (klingt auch ganz ähnlich, Beine und Füße sind aber schwarz statt rot und die weiße Schminke um die Augen ist kräftiger). Sie ist weit verbreitet, wir sehen (und erst recht: hören) hier kaum andere Seevögel. 😉

Nicht zum Lachen: unser schöner Schlaf in der Nacht nach dem Spieleabend wird von einem anderen Geräusch jäh unterbrochen. Nachts um 1.00 Uhr laufen die elektrischen Davits an. Will einer unser hochgezogenes Dinghy klauen oder hat der heftige Schauer vom Abend Spätfolgen hinterlassen? Wir stürmen nach einem Moment der Orientierung hinaus ans Heck, die Elektromotoren laufen noch immer und versuchen steuerbords, das Dinghy über den Anschlag hinaus hoch zu ziehen, während am Backbord-Davit das Heck von Florecita mit dem daran befindlichen Außenbordmotor komplett abgelassen wurde. Die Schalter am David sind beide funktionslos. Wir kappen an Steuerbord die Befestigung im Dinghy und wenden uns dann drinnen der Fehlersuche zu. Erstmal die Sicherung, aber in dem Moment brennt die 100 Amp Sicherung der Davits gerade durch.

O.k., Ruhe im Schiff. Dann die Achterkoje freiräumen, unter unseren Matratzen sitzt die Steuerung der Davits. Der Kasten fühlt sich warm an, aber nach dem Öffnen zeigt sich, dass nichts durchgeschmort ist. Nur die Relais sind heiß, aber jetzt ist ja die Sicherung raus. Also erst mal weiterschlafen und bei Tageslicht schauen was wir tun können. Hm. Beim Einschlafen gehe ich schon mal durch, wie wir das Dinghy manuell in den Davits sichern können. Zeigt mein (angemessen) geringes Vertrauen in meine eigenen Elektrik-Reparatur-Fähigkeiten, auf dem elektrischen Auge bin ich ziemlich blind, das manuelle Aufholen von Florecita müsste aber jedenfalls klappen.

Das Auseinanderbauen der Davits bringt dann leider auch keine neue Erkenntnis, keine offensichtlichen Scheuerstellen an den Kabeln, die Steckverbindungen scheinen in Ordnung. Immerhin bekommen wir das verklemmte Zugseil im Steuerborddavit wieder gängig.

Wir bauen die Schalter aus. Wenn wir jetzt eine neue Sicherung einsetzen, können wir jedenfalls sehen ob es an den Schaltern liegt. Aber halt, der kleine schwarze Kasten an der Steuerung der Davits, das ist doch das Empfangsteil der seit zwei Jahren nicht mehr funktionierenden Fernsteuerung. Sollte da …, aber das kann doch nicht sein, oder?

Die Fernsteuerung wird herausgesucht und BLINKT ROT! Haben wir in der nicht mehr funktionierenden, keine Regung bewirkenden Fernsteuerung wirklich die Batterien drin gelassen? Wie kann man denn so blöd sein? Und – ist das die Ursache? Batterien raus aus der Fernsteuerung, Sicherung rein. Nichts schmort, die Elektromotoren bleiben ruhig. Schalter wieder angeschlossen, funktioniert. Das wars.

Durchgebrannte Sicherung und Ursache

Erkenntnis des Tages: Wie bei dem französischen Volksmärchen (und seinem Disney-Derivat) ist nicht immer alles so biestig wie es beim ersten Anschauen scheint. 😁

Kleinkram in eigener Sache

Wie das eben so ist, manches bleibt gerne mal länger liegen. Damit das möglichst keine wesentlichen Arbeiten am Boot sind, gibt es auf der Flora neben der To-do-Liste ein Wartungsbuch. Muss man nur mal reinsehen und – schwupp – kündigt sich die nächste Aufgabe an. Heute war es der in drei Betriebsstunden fällige Ölwechsel unseres Dieselgenerators. Dann doch besser gleich hier als in den Bahamas, falls sich irgendein Problem auftut. Ging aber alles glatt, nebst Ölfilter und Dieselfilterwechsel.

Dann das leckende Lewmar-Heckfenster. Ausgebaut und festgestellt, dass das Problem nicht zwischen den verschraubten äußeren und inneren Rahmenteilen, sondern in der Verklebung des Glases mit dem äußeren Rahmen besteht. Da kann ich mit dem schon bereitgelegten Botyltape nichts werden. Erstmal wieder einbauen, dabei die Edelstahlschrauben vor dem Einsetzen in die Alurahmen alle säubern und mit Tef-Gel zum Korrosionsschutz versehen.

Die achtere Steuerbordwinsch auseinandernehmen und warten (die anderen kommen nach und nach dran). O.k.

Und dann die WordPress Blog-Seite. Als wir neulich den Menü-Reiter für die englische Version und den für die Linksammlung (zu anderen Blogs) eingefügt haben, waren uns bei den Untermenüpunkten fehlerhafte ins Nichts führende Dopplungen aufgefallen. Den Quatsch gerade zu ziehen war für IT-Laien wie uns die heute schwierigste und langwierigste Aufgabe. Ist noch nicht optimal, hat aber am Ende irgendwie doch geklappt. Und auch die gesegelten Routen von 2019 und 2020 sind jetzt endlich drin.

Reserve-Benzinkanister für das Dinghy volltanken.

Noch ein bisschen einkaufen und die Klinik für den zur Weiterreise in die Bahamas obligatorischen COVID-PCR-Test suchen.

Ups, ein Tag ohne Fotos. 😉

Einklariert in Puerto Rico 🇵🇷

Um 10:30 gehen wir Anker auf, winken noch einmal Ute und Russ auf der Tairua und sagen Sint Maarten 🇸🇽 Good Bye. Wir wollen ein kleines Wetterfenster nutzen, das sich nur bis zum nächsten Morgen auftut. Danach soll sich das riesige Sturmtief bemerkbar machen, das sich derzeit über dem Nordatlantik austobt. Sebastian Wache von unserem deutschen Dienst Wetterwelt in Kiel berichtet von 15 hohen „signifikanten“ Wellen in diesem Tief, wobei einzelne Wellen gut die doppelte Höhe erreichen können. Das ist zwar weit weg, aber der Wetterdienst für die USVI (durch die wir hindurchfahren) hat eine explizite Warnung vor „hazardous wave conditions“ bis 20 Fuß Höhe (etwa 7 m) ab Samstag früh herausgegeben. Dann wollen wir bereits in Puerto Rico sein, allerdings dürfen wir auch nicht zu früh auf Culebra eintreffen, denn die Einfahrt in die geschützte Bucht dort führt gewunden und eng durch Riffe. Tageslicht ist angeraten. 127 Seemeilen liegen vor uns, das sollte passen und uns genug Gelegenheit geben, durch Tempoanpassungen pünktlich anzukommen. Für den Anfang ist eher wenig Wind vorausgesagt, aber wir werden positiv überrascht. Tatsächlich finden wir ideale Bedingungen für unseren Code0 und mit rund 5 kn plus unterstützendem Strom segeln wir ganz gemütlich über die ruhige See.

Als der Wind dann doch noch etwas nachlässt, nehmen wir den Motor dazu und nutzen das um auch den Wassermacher anzuwerfen. Der läuft zwar über die 12-Volt-Anlage, zieht aber etwa 38 Amp um 50 Liter Wasser zu machen.

Wir können diesen Teil der Passage sogar auf dem Vorschiff genießen, ein seltenes Privileg. Unterbrochen oder besser gesagt, getopt, von einem Angelerfolg. Eine schöne große King Mackarel geht an eine unserer beiden Schleppangeln. Drei Viertel von ihr bekomme ich auch an Bord, nur den Schwanz beißt am Ende noch eine große Golddorade ab. Gibt aber trotzdem noch genug Filets für drei Tage. Durch den abgebissenen Schwanz gibt’s allerdings etwas Blut aufs Teakdeck, da sind wir mit der sonst so hilfreichen Filetierungswanne aus der Backskiste einfach nicht schnell genug. 😔

Der Wind hat dann ein Einsehen, nimmt der Vorhersage entsprechend wieder zu und lässt uns unter Code0 in den Sonnenuntergang und die Vollmondnacht gleiten.

Beim ersten Wachwechsel um 22.00 rollen wir den Code0 dann aber weg, 8 Knoten über Grund sind einfach zu schnell für unsere geplante Ankunftszeit, wir wechseln auf die Fock und reffen sogar noch das Groß, damit passt es wieder. Tatsächlich erreichen wir kurz nach Sonnenaufgang die Ansteuerungstonne und laufen bei noch geringer Welle vom maximal einem Meter in Culebra ein.

Nach dem Aufklaren der Flora und Crêpes zum Frühstück steht das Einklarieren an. Zunächst versuchen wir uns über die CBP-Roam-App anzumelden, aber das stößt auf Schwierigkeiten. Wir haben noch keine Telefon-/Datenkarten, und die bisher so zuverlässige virtuelle SIM in Wiebkes GlocalMe scheint zu zicken, der letzte Bestätigungsschritt in CBP-Roam will nicht klappen. Laut Törnführer soll die Einklarierung bei der CBP (Customs and Border Patrol nahe am Dinghysteg erfolgen. Pustekuchen, da ist nichts. Ich werde zur Polizei verwiesen und von denen zum Flughafen. Das ist aber alle ganz gut fußläufig zu machen.

Am Flughafen residiert aber natürlich nicht nur die CBP (das hätte ich allein machen können) sondern die nimmt gleich auch die Aufgaben der Immigration wahr. Also einmal zurücklaufen, Wiebke mit dem Dinghy abholen und wieder zum Flughafen, denn die „Immigration“möchte uns beide sehen. Anfängerfehler! Die von uns vorab ausgefüllten Formulare CBP Form 1300 und CBP Form I-418 (gelten für die gesamten USA und auch USVI und Puerto Rico) soll ich aber schon mal da lassen, die Pässe mit den USA-Visa auch. Außerdem war ja vorher schon eine „Online Travel Declaration“ auszufüllen, die findet sich auf der Regierungs-Webseite für Puerto Rico. Das dabei hochzuladende Ergebnis unserer Covidtest kam rechtzeitig vor der Abreise in Sint Maarten per Email. Aus den Ankreuzmöglichkeiten der Travel Declaration ergibt sich übrigens, dass wir den Covidtest theoretisch auch in Puerto Rico machen könnten, dann allerdings bis zum Ergebnis in Quarantäne wären. Auf unsere Nachfrage sagt uns die CBP, ein Test wäre „wohl“ auch im kleinen Krankenhaus hier in Culebra möglich. Für Segler mit mehr als 72 Stunden Anreise (ab Test!) wäre das aber immerhin eine Möglichkeit.

Als wir auf der Suche nach einem WLAN zur Aktivierung unserer US-Telefonkarte im Ort sind, treffen wir die Crews der „Rive du Nord“ und der „Valentin“ wieder und schnacken kurz. Schön, da fühlt man sich doch gleich gut aufgenommen.

Im WLAN erfahren wir dann auch, dass die CBP-Roam-App sehr wohl funktioniert hat und uns der zuständige Officer per Videocall über die App und per Telefon vergeblich zu erreichen versucht hat. Deshalb teilt er uns per Email mit, dass wir unverzüglich zur CBP am Flughafen in Culebra zum Einchecken müssen. Gut, dass haben wir ja ohnehin gemacht ☺️.

Ein wenig Boatwork ist auch fällig, wieder mal meine Lieblingstätigkeit. Diesmal im achteten Bad. Aber es gibt eine tolle Kompensation.

Zum zweiten Filet vom selbstgefangenen Fisch (das erste ging gleich für Ceviche drauf) zaubert Wiebke an Bord heute Abend Pastinaken-Kartoffelstampf mit Lauch-Apfel-Beilage und Walnuss-Zitronen-Petersilien-Cremolata. Ein versöhnliches Hoch auch auf die Einkaufsmöglichkeiten auf der vorigen Insel in Sint Maarten.

Uns geht’s gut, schön jetzt hier in Puerto Rico zu sein.

Alles ums Wasser: Watermaker und Rendezvous Bay

Wir sind zurück in Falmouth. Eine Nachfrage bei Watermaker Services ergibt, dass unsere Teile schon aus Trinidad eingetroffen sind. Ein bisschen Hin und Her gibt’s noch um Zwischenstücke für die Fittinge. Ich muss noch eine Verschraubung aus der Hochdruckpumpe ausbauen, der Grund ist mir erst nicht klar. Aber es zeigt sich, dass die Originalfittinge an dieses Teil nicht passen würden, es ist offenbar Teil der Frickelei in Griechenland. Egal, auch das löst sich, trotzt anfänglicher Schwierigkeiten meinerseits, die neue Verschraubung dicht zu bekommen. Vielleicht habe ich auch nur das Teflonband falsch herum um die Schraube gewickelt.

Die gute Nachricht: der Watermaker läuft wieder, eine neue Membran ist auch drin und die Werte sind besser denn je. Hatten wir zuletzt mit der alten Membran meist knapp unter 500 ppm sind es jetzt nur 220 ppm (parts per million entsprechend mg/L, letztlich wird aus der gemessenen Leitfähigkeit die Anzahl der Ionen der verbliebenen Salze geschlossen). Dafür haben wir ein kleines Messgerät an Bord. 220 ppm sind für unseren kleinen Watermaker schon ein ziemlich guter Wert.

Außerdem machen wir von Falmouth aus gemeinsam mit Annemarie und Volker von der “escape” eine Wanderung zur Rendezvous Bay. Das sind etwas über 10 km (hin und zurück), also brechen wir schon morgens um 8.00 Uhr auf, um nicht die ganze Zeit die pralle Hitze zu haben. Klappt auch, aber wir schwitzen trotzdem ganz gut. Irgendwie hatten wir uns den Weg flacher vorgestellt, am Ende ist aber doch (lt. iPhone) die Entsprechung von 53 Stockwerken erklommen. Allerdings ohne Treppen. 😉

Der Hinweg führt größtenteils über eine (unbefestigte) Straße. Autos begegnen uns allerdings keine. Das ist ganz und gar verständlich, wenn man sich den Zustand ansieht: sie ist so ausgespült, dass Wiebke in einem “Schlagloch” bis zu Hüfte verschwindet.

Für uns ist die Strecke aber gut zu gehen und so kommen wir einigermaßen entspannt bei der halbmondförmigen Rendezvous Bay mit ihrem malerisch hineingetupften Felsenriff an. Den Strand haben wir ganz für uns allein, für allzu viel Besuch ist er dann doch zu abgelegen, wenn nicht (zu anderen, Außer-COVID-Zeiten) Hotel- oder Kreuzfahrttouristen mit speziellen Gefährten oder auf ausgebesserter Straße herangeschafft werden. An einer Wiese in der Nähe des Strandes findet sich unter den Bäumen am Rand jedenfalls etwas improvisiert wirkende Infrastruktur dafür. Perfekt, um Schuhe und Rucksäcke auf den Bänken zu lassen und barfuß über den feinen Sandstrand zu schlendern (wenn man nicht gerade die Drohne steigen lässt).

Der Rückweg wird übrigens etwas anstrengender. Diesmal geht’s am Berghang entlang quasi oberhalb der Küste auf direkterem Weg (vielmehr Trampelpfad) nach Falmouth. Hindernisse inbegriffen.

Aber dafür bieten sich auch immer wieder tolle Ausblicke, auf die Küstenlinie und am Ende, als schon wieder Häuser auftauchen, auch auf Falmouth Harbour.

Wird doch noch mal Zeit für die Drohne. Und dann für ein Belohnungseis. 😁

Sinnvolles auf Antigua

Keine großen Änderungen, wir warten noch auf die Wassermacherteile. Immerhin: Julien von Watermaker Services hat den eigentlichen Übeltäter (den zugerosteten gewinkelten Fitting) ersetzt, ebenso einen Endstopfen des Rohrs der Mebran, der durch den Überdruck scheinbar einen Haarriss bekommen hat.

Den Wassermacher habe ich jetzt testweise wieder eingebaut, er funktioniert und leckt nicht. Allerdings muss der (rostende) Fitting zwischen Hochdruckpumpe und Membran noch getauscht werden, der sollte Anfang nächster Woche eintreffen. Wir werden dann auch die Membran tauschen, vorsorglich wegen der sich auch dort absetzenden Rostteilchen sowie des entstandenen Überdrucks und weil die alte Membran ohnehin kurz vor dem Ende der empfohlenen Einbauzeit (5 bis 7 Jahre) ist. Lieber ein bisschen vor der Zeit als demnächst in vielleicht unpassender Gegend danach suchen zu müssen. Jedenfalls muss ich Membrangehäuse und Schläuche dazu nochmal aus- und dann wieder einbauen.

Die Wartezeit auf die Teile nutzen wir bei etwas durchwachsenem Wetter für einen weiteren Hike hier auf Antigua. Die vom Pigeon Beach gar nicht weit entfernte Windward Bay sah im Vorbeisegeln verlockend aus, ihr möchten wir gerne einen Besuch abstatten. Wiebkes Hiking-App „Komoot“ weist auch einen Pfad dahin aus, aber schon bevor er von der Straße abgehen soll, versperrt uns eine Schranke den Weg. Hier scheint es nur Privatresidenzen zu geben. Wir nehmen nochmal den Middelground Trail zwischen Falmouth und English, den wir schon ein paar Mal gewandert sind. Wie so oft begegnen uns einige wilde Ziegen, derzeit häufig mit Lämmern. Es ist schon erstaunlich, wie genüsslich sie die Blätter von dem stacheligen niedrigen Dornenbuschwerk abzupfen.

Anders als sonst biegen wir diesmal aber nahe des höchsten Punktes ab in Richtung des Anwesens auf der Südspitze des Middelground. Direkt vor der Umzäunung des Anwesens führt dann ein Pfad zum Kliff am Snapper Point, dem südlich der Einfahrt zu English Harbour gelegenen Kap.

Erosion oder die Wellen früherer Zeiten haben hier in heute luftiger Höhe über dem Wasser höhlenartige Einbuchtungen und Überstände geschaffen, die heute wohl hauptsächlich noch den Ziegen als Wetterschutz dienen, ihre zahlreichen Hinterlassenschaften deuten jedenfalls darauf hin.

Auf dem felsigen Grund des Kliffs finden sich viele Kakteen, und nicht nur die Ziegen scheinen stachelresistent zu sein. Kleine und unglaublich flinke Eidechsen klettern auf ihnen herum, als wären die Dornen Steighilfen.

Ich kann mich zwar kaum sattsehen, aber irgendwann kehren wir Snapper Point doch den Rücken zu und finden hinter dem Anwesen tatsächlich auch einen Weg hinunter zum Strand in der Windward Bay. Der erweist sich allerdings als wenig badetauglich, ein felsiges Riff beginnt unmittelbar an der Wasserlinie und zieht sich den ganzen Strand entlang. Keine Chance für den in der Bucht ankernden Dreimaster, hier mit seinem Dinghy anzulanden. Aber immerhin können sie vielleicht den Schnorchel-Lehrpfad nutzen, auf dessen 12 Stationen auf dem Riff ein Schild am Strand hinweist.

Am Abend gibt’s für uns gemeinsam mit der Crew der „escape“ ein superleckeres Essen im unbedingt empfehlenswerten wenn auch höherpreisigen „5 Senses“ in Falmouth. Küche und Bar und Location sind top. Nicht die „Pre-Hispanic-Soup“ entgehen lassen, sie spricht wirklich alle Sinne an!

Heute morgen sollte der Wecker auf halb sieben stehen. Die ersten Ruderer der Talisker-Atlantic-Challange werden ankommen und wir wollen sie begrüßen. Aber dazu kommt es nicht, die beiden haben sich nochmal ordentlich in die Riemen gelegt und laufen schon gegen 5 Uhr im Dunkeln in English Harbour ein, nach über 2.700 sm Rudern von San Sebastián auf La Gomera. Neue Rekordzeit für den Zweier „Row4Cancer“ mit Mark Slats und Kai Wiedmer: 32 Tage, 22 Stunden und 13 Minuten. Unfassbar! In den nächsten Tagen (und Wochen) werden noch weitere Teilnehmer im Ziel erwartet, vielleicht bekommen wir ja einen anderen Zieleinlauf mit.

Aber erstmal entscheiden wir uns für einen Ortswechsel. Knappe vier Meilen geht es weiter in die gegenüber Falmouth doch deutlich kleinere und ruhigere Carlisle Bay, die uns im letzten Frühjahr während des Lockdown schon so gut gefallen hatte. Kein einziges AIS-Signal zeigt sich da derzeit, das ist doch quasi eine Einladung. Und tatsächlich, als wir um die Ecke biegen ist die Carlisle Bay tatsächlich völlig leer. Wir fahren weit hinein und lassen den Anker fallen. Lediglich ein Strandkat vom Hotel im Scheitel der Bucht dreht seine Runden. Horizontal und vertikal, aber kentern gehört zum Strandkat-Üben ja nunmal dazu.

Aber während ich die Drohne startklar mache, kommen doch noch ein paar weitere Boote dazu, am Nachmittag auch die Tairua mit Ute und Russ, die wir schon in Barbuda und hier auf Antigua in Falmouth getroffen haben. Fein, dann können wir unseren frischgebackenen Kuchen ja doch wieder in netter Gesellschaft verputzen.

Lazy days in Falmouth

Die Bootsarbeit ruht und wir mit ihr. Wir warten auf Teile für den Wassermacher, aber die muss Julian in Trinidad bestellen. Soll eine Woche dauern, mal sehen.

Es ist ein bisschen irritierend, aber aus unerfindlichen Gründen hat jemand beim Einbau des Watermakers (für den Vorbesitzer der Flora, wahrscheinlich weil der Monteur nicht auf die Teile aus Trinidad warten wollte 😡) nicht die Original Edelstahlfittinge verwendet, sondern an jeweils einem Ende der beiden Hochdruckschläuche einen einfachen Stahlfitting. Der zum Bedienpanel führende Hochdruckschlauch weist hinter dem Panel verborgen dann an dem 90-Grad Stahlfitting gleich noch einen zweiten 90-Grad-Winkel auf, diesmal zur Abwechslung aus Bronze. Nicht gut.

Rückseite des Wassermacher-Bedienpanels

Eines der Stahlfittinge ist zugerostet, der Druck hat sich dann eben einen anderen Weg raus gesucht. Die Membran hat es wohl auch erledigt, aber die hätte ohnehin demnächst getauscht werden müssen.

Also warten wir halt auf die Teile, auch das gehört zum Langfahrtsegeln typischerweise dazu. Ist auch nicht weiter wild, es ist ja schön hier auf Antigua und es treibt uns derzeit kein Jahreszeitenwechsel und keine drohende Starkwindsaison. Im Gegenteil, die BVI als eines der nächsten potentiellen Ziele sind ohnehin noch dicht, die werden wir also auslassen müssen.

Warten wollen wir aber nicht weiter im Hafen und so verholen wir an einen Ankerplatz. Allerdings nicht ohne noch einen herrlichen Hike vom Galleon Beach über den Carpenter Trail und weiter bis zum „The Blockhouse“ zu machen, alten Festungsanlagen der Engländer oben auf der Steilküste an der Südspitze der Insel.

Am nächsten Morgen geht es dann aber von der Antigua Slipway Marina (wo wir noch unseren 600 Liter Wassertank vollgetankt haben) um die Ecke nach Falmouth Harbour und dort ankern wir vor Pigeon Beach. Die „escape“ ist schon da und wir entdecken noch einige weitere Salty Dawgs und ein paar andere bekannte Schiffe.

Das Wasser ist dieses Mal klarer als wir es bisher bei unseren Besuchen hatten und so paddeln wir mit den SUPs zum vorgelagerten Riff und Schnorcheln dort ausgiebig. Abends dann treffen wir in der Strandbar „Catherine‘s Café“ Annemarie und Volker.

Und heute: ausschlafen (ist ja Wochenende), schwimmen, ein bisschen am Unterwasserschiff schrubben, im Internet stöbern und versuchen, den Sturm auf das Kapitol und den restlichen Trump-Wahnsinn zu verarbeiten, die von Jutta geteilten „um die Ecke gedacht“-Zeiträtsel lösen, Brot backen, Drohne fliegen (kleines Video HIER), Hängematte, lecker kochen.

Und auf Flora den faulen Tag genießen 😌.