Auckland: Tour, Kultur und Kulturen

Das aufgeschlitzte Dinghy hatte ja schon die geplante Wanderung auf Great Barrier Island ausfallen lassen und auch danach einen Landgang schwierig gemacht. In Auckland erhoffen wir uns eine professionelle Rettung des Beibootes und das Beheben unserer nur mäßig erfolgreichen Flickschusterei, aber darauf müssen wir ein wenig warten. Erst am folgenden Wochenende ist ein Termin für eine Reparatur zu haben.

Macht nix, wir haben uns ja extra einen Platz in der Bayswater Marina reserviert, den können wir problemlos bis übers Wochenende verlängern. Die Marina hat mit einer Fähre direkte Anbindung hinüber zur City von Auckland, perfekt. Erst aber bleiben wir auf dem „North Shore“ und trainieren bei einem ausgedehnten Spaziergang die schlappen Seglerbeine. Wir haben ja bereits von unserem Liegeplatz in der Marina einen wunderbaren Ausblick auf Auckland Downtown, aber auch auf der Wanderung bietet sich immer wieder die Ansicht der unverwechselbaren Skyline dieser Stadt. Mal hinter den bei Ebbe trockenfallenden Mudflats, mal aus Wäldern und Parks, mal über Mangroven hinweg. Wir wandern zunächst durch den Stadtteil Bayswater, dann um zwei große, den Stadtteil Narrow Neck begrenzenden Flachwasserbuchten herum zum Stadtteil Devonport mit seinen viktorianischen Holzhäusern. Ein Frühlingsspaziergang bei bestem Wetter.

Das Bier zum Abschluss im Patriot in Devenport haben wir uns nach der Tour wohl verdient, zurück zur Marina lassen wir uns dann im Uber chauffieren.

In den nächsten Tagen nehmen wir dann ziemlich regelmäßig die Fähre hinüber nach Downtown und auch dort kriegen unsere Beine genügend Bewegung. Der Wollladen in Parnell wird besucht, die Vorräte auf Flora müssen aufgestockt werden.

Wir treffen uns mit Freunden zum Essen. Und wir nutzen das kulturelle Angebot der Großstadt. In der Auckland Art Gallery Toi O Tāmaki besuchen wir die Ausstellung Picasso: Designed by Paul Smith. Es ist spannend zu sehen, wie der britische Mode-Designer Paul Smith durch seine Raumgestaltung, durch Beleuchtung, Farb- und Formspiele exemplarische Werke Picassos aus verschiedenen Perioden noch einmal anders ordnet und akzentuiert. Dem berühmten Kopf des Bullen wird eine Hommage und Interpretation (natürlich mit den für Smith typischen bunten Streifen) gegenüberstellt, Tapeten der Collagen Picassos nimmt Smith als Wandgestaltung auf, die von Picasso in eine Vogue-Ausgabe gemachten zeichnerischen Ergänzungen in einen komplett mit Vogue Covern (natürlich in Streifen) ausgekleideten Gang drapiert. Picassos Schwarzweiß-Zeichnungen zum Stierkampf-Thema finden sich an blutrot gestrichenen arena-runden Wänden.

Die absolut besuchenswerte Auckland Art Gallery hält neben dieser (kostenpflichtigen) Ausstellung aber auch noch diverse andere kostenfreie Ausstellungen bereit. Etwa die beeindruckende Sammlung historischer Porträts bedeutsamer Maorí-Persönlichkeiten.

Zeichnungen des überwiegend für seine extrem schlanken Bronze-Skulpturen bekannten Schweizer Künstlers Alberto Giocometti, und noch so vieles mehr.

Maorí-Kultur findet sich übrigens verstärkt auch im öffentlichen Straßenraum. Neue Skulpturen fallen an den Haupteinkaufsstraßen ins Auge, aber es gibt auch versteckte Kleinode. Unsere neuseeländischen Segelfreunde Kim und Ben machen uns auf eine interaktive Installation in einer Straßenunterführung neben einer Baustelle aufmerksam. Per QR-Code kann ein Maorí-Lied angehört und geübt werden. Wenn man es singt, löst die Installation eine Licht-Show unter der Brücke aus und aus Lautsprechern erklingt zudem das angesungene Lied.

Auckland bietet viele kulturelle Überraschungen. Eine weitere ist das Diwali-Festival, das wir mit Kim und Ben besuchen. Dieses größte Straßenfest der City of Sails verwandelt einen erheblichen Teil der Innenstadt für zwei Tage in eine indische Kulturmeile. Immerhin sind rund 300.000 Neuseeländer indischer Abstammung. Sie bilden mit etwa 6 % die drittgrößte Bevölkerungsgruppe nach den Europäisch-stämmigen und den Maorí. Die Straßen sind dicht gesäumt von Street-Food-Ständen mit ausschließlich vegetarischen indischen Spezialitäten sowie von Buden die Kunsthandwerk oder Henna-Tatoos anbieten. Drei große Bühnen sind aufgebaut. Nicht nur indische Folklore, neben traditionellen auch zeitgenössische Aufführungen, auch indischer Hip Hop und überhaupt moderne Interpretationen von indischer Musik und Geschichten erzählendem Tanz. Mal in Tracht, mal in Lederjacke. Es ist quirlig, laut, farbenfroh und stimmungsvoll.

Lichtshow und Feuerwerk gibt’s zum Abschluss des Diwali-Festivalwochenendes auch noch, aber da sind wir wohlgenährt und vom Herumlaufen auch ziemlich erschöpft dann doch schon wieder zurück auf der Flora.

Hauraki Golf: Kontraste

Hat die Dinghy-Reparatur geklappt? Leider nicht ganz. Die Bugkammer ist ziemlich dicht und verliert nur ganz langsam Luft. Den Riss in der Steuerbordluftkammer des Beibootes haben wir weniger gut geflickt bekommen. Wir könnten jetzt zwar zur Not an Land fahren, müssten vor der Rückfahrt aber nachpumpen.

Notiz an mich selbst:

1) das begrenzte Material eines Dinghy-Reparaturset reicht möglicherweise nicht.

2) die Sets werden mit der Zeit alt. Rechtzeitig erneuern.

Wir beschließen, uns zeitnah in Richtung Festland zu orientieren. Dort können wir Material nachkaufen oder das Dinghy vielleicht gleich professionell reparieren lassen. Also verabschieden wir uns schon nach ein paar Tagen wieder von Great Barrier Island. Diesen Namen hat die schöne Insel Aotea übrigens 1769 von Captain Cook bekommen. Ziemlich passend, denn der zwischen Auckland und der Coromandel-Halbinsel liegende Hauraki-Golf wird nach Norden und Nordosten durch Little Barrier Island und eben Great Barrier Island zusätzlich geschützt.

Und in diesem Hauraki-Golf orientieren wir uns jetzt nach Westen. Wieder wird es ein ganz wunderbarer Segeltag. Ziel ist Kawau-Island, dicht an der neuseeländischen Nordinsel gelegen.

Dass die Segelsaison in Neuseeland jetzt beginnt, haben wir schon auf Great Barrier gemerkt. An diesem Wochenende geht es offenbar richtig los, denn Montag ist Feiertag (Labour Day). Hatten wir unseren Ankerplatz zunächst ganz für uns, trudelten ab Donnerstag Abend mehr und mehr Boote ein. Am Ende konnten wir aus dem Cockpit heraus 8 andere Boote sehen.

Das war allerdings nichts gegen das Gewusel, das wir am Ankerplatz in Kawau vorfinden.

Quirlig, auch ein bisschen lauter, trotzdem sehr entspannt. Sommerstimmung im Frühling (Ende Oktober hier entspricht Ende April auf der Nordhalbkugel).

Ankerlieger dicht an dicht, immer weitere kommen dazu. Klönschnack von Schiff zu Schiff. Boote gehen vor Anker ins Päckchen, Kanuten, Ruderboote und Dinghies suchen sich einen Weg, Kinder werden auf Ring-Tubes geschleppt und jauchzen vor Freude, vom Bistro am Ufer klingt eine Live-Band herüber.

Was für ein Gegensatz zu unserer Ankunft auf Great Barrier Island.

Man merkt das lange Wochenende, die Freude auf den Sommer und ganz sicher auch die Nähe zu Auckland und seinen Vororten. Und wer wollte einen solchen herrlich lauen Abend nicht auskosten?

Great Barrier Island. Wer keine Arbeit hat, der macht sich welche.

Nee wat schön. Herrliches Segeln von den Mokohīnau Islands nach Great Barrier Island. Ein Kreuzkurs, wie unser Track auf Noforeignland zeigt, aber ganz überwiegend einer zum Genießen.

Der Legende nach landete hier das „Aotea Waka“ genannte Kanu von Turi und seinen Gefolgsleuten, mit dem die Entdeckung und Besiedlung Neuseelands durch die Polynesier begann. Von den Maorí wird Great Barrier Island deswegen Aotea (Weiße Wolke) genannt.

Bei unserer Ankunft präsentiert sich Aotea aber entgegen seines Namens wolkenlos mit blitzblank geputztem blauem Himmel. Unser Ziel liegt etwa in der Mitte des 35 km langen Great Barrier Island. Wir schlängeln uns zwischen den vorgelagerten Inseln hindurch und an diversen einladenden Buchten vorbei bis in die Kiwiriki Bay im Südosten des geschützten Naturhafens Fitzroy Harbour.

Nur wenig entfernt in der beliebten Smokehouse Bay ankern sechs Boote und es wäre trotzdem noch reichlich Platz, hier aber liegen wir ganz allein.

Blauer Himmel, je nach Lichteinfall jadegrünes, türkises oder blaues Wasser, Vogelgezwitscher und Landschaft pur.

Wir lassen es uns gut gehen, backen Kuchen und Brot, schlemmen uns durch die in Whangārei frisch aufgestockten Delikatessen-Vorräte. Rehwildfleisch mit grünem Spargel zum Beispiel.

Venison, auf Deutsch Wildfleisch, ist in Neuseeland eher ein landwirtschaftlicher als ein jagdwirtschaftler Artikel. Rehe und auch Hirsche werden im großen Stil freilaufend auf Weideflächen gehalten, 2015 gab es etwa 900.000 dieser Tiere auf Farmen. Zur Erinnerung: Neuseeland hat nur etwa 5 Millionen Einwohner. Venison wird auch in Neuseeland gern gegessen, aber der weit überwiegende Teil geht in den Export. Größter Abnehmer ist übrigens – wer hätte es gedacht – Deutschland.

Wir beschließen, einen Landausflug zu machen. In der Nachbarbucht soll man mit dem Dinghy am Strand anlanden können, ganz in der Nähe eines Wanderweges. Das lockt uns, aber zum Wandern kommen wir leider nicht. Wir schlitzen uns kurz vor dem Ufer das Dinghy an einer messerscharfen Austernbank auf. Ein lautes Zischen, unmittelbar darauf noch eines. Das darf doch nicht wahr sein. Gleich zwei der drei Luftkammern unseres Beibootes hat es erwischt. Dabei wähnten wir uns mit dem Aluminiumboden unseres Dinghy’s eigentlich ganz gut geschützt, aber direkt daneben erhält unter Wasser der gute Hypalonrumpf ein paar Kratzer und eben auch zwei Schnitte. Glück im Unglück: Bug und der Steuerbordschlauch sind zwar schlapp. Die Restluft darin und der intakte Backbordschlauch reichen in Verbindung mit dem festen Alu-Boden aber aus, um sicher und trocken zurück zur Flora zu fahren. Dort nehmen wir erstmal den Motor ab und hieven das Beiboot dann auf Floras Vordeck.

Jetzt gilt es erst einmal, das eingedrungene Salzwasser aus dem Schlauch zu bekommen. Dafür müssen die Schnitte die tiefste Stelle des Dinghies sein. Wir wuchten das gut 50 kg schwere Beiboot mit Hilfe des Spinnakerfalls hin und her, heben es zum Ablaufenlassen des Wassers mal vorne und mal hinten an.

Dann rücken wir den Schnitten mit einem Hypalon-Reparaturset zu Leibe. Säubern, Schadstelle und Flicken mit Sandpapier anrauen, wieder säubern. Stelle und Flicken mit einem speziellen Kleber einpinseln, trotz Wölbung und schlappem Schlauch möglichst gerade auflegen und andrücken … und dann hoffen. Erst nach frühestens sieben Stunden sollen wir das Dinghy wieder aufpumpen, also warten wir gleich über Nacht ab.

Morgen sehen wir dann, ob unsere Reparatur erfolgreich war oder ob wir doch noch einen Profi in Auckland damit beauftragen müssen.

Übeltäter und Hochgefühle

Nach dem Ankommen schnaufen wir erstmal durch. Das war nicht unsere schlimmste Passage, diesen zweifelhaften Titel behält Chesapeake Bay nach Antigua (November 2020). Aber es war eben doch anstrengend, vor allem wegen der mentalen Belastung nach dem gleich doppelten Verlust von Fockfall und Ersatzfall, dem unterwegs-in-den Mast-gehen, dazu dem beschädigten Vorsegel. Eine aufgegangene Naht im Großsegel konnten wir ja schon vorher nur provisorisch reparieren, im Laufe des Törns zeigt sich dann auch noch ein kleines Loch im Code0. Am Ende spielt auch noch unsere Lichtmaschine verrückt und lädt die Batterien nicht mehr. Ganz schön viel Verschleiß.

Erst mal die Gefühlslage beruhigen, ein bisschen Wunden lecken und das gute Ende feiern, gemeinsam mit „Leidensgenossen“, die ebenfalls gerade angekommen sind.

Schon nach zwei Tagen aber verlassen wir die schön gelegene Marsden Cove Marina wieder.

Bei herrlichem Wetter fahren wir den Hatea River hinauf nach Whangārei. Die Fahrt erinnert irgendwie an die heimatliche Schlei. Schmale Abschnitte wechseln mit weiten Wasserflächen, trotzdem müssen wir uns an das gut betonnte Fahrwasser halten, gleich daneben wird es oft untief. Hügelige Ufer, darüber „Schleswig-Holstein-Wolken“.

Überhaupt, es fühlt sich richtig gut an, wieder hier zu sein. Der schnelle Aufbruch ist auch damit verbunden, dass wir auf dem Steg in Marsden zufällig Waldo getroffen haben, den Segelmacher, der im letzten Winter unsere Segel durchgesehen hatte. Er hat gerade etwas Zeit und außerdem sein Calibre-Sails-Loft zu Dockland 5 verlagert, wohin wir wegen unseres Motor-Mechanikers ohnehin wollen. Und da steht ja außerdem auch noch unser Auto.

Kaum dort angekommen, schlagen wir alle Segel ab und bringen sie zu Waldo, der sich gleich ans Werk macht.

Danach beginnt die Operation Fockfall. Unser zuletzt in Hawaii 2022 erneuertes primäres Fockfall ist ja ein Draht-Tau-Fall. Wir konnten uns nicht so richtig erklären, wie es versagt hat. Die am am oberen Beschlag der Rollanlage verbliebene Metallkausch verhieß allerdings nichts Gutes. Mit etwas Mühe können wir das in den Mast gerutschte Fall unten am Mast herausziehen. So präsentiert es sich:

Nicht gut. Da der übrige Draht und auch der Tauwerksbereich aber noch sehr gut aussehen, wollen wir von einem Rigger den Draht kürzen und ein neues Auge pressen lassen.

Wir nehmen unser Auto wieder in Betrieb, es springt auf Anhieb an. Tatsächlich hat das Marina-Personal es einmal im Monat laufen lassen, super. Also ab zum Rigger und der erledigt das auch gleich:

Nur, jetzt muss das Fall ja auch noch wieder durch den Mast gezogen werden. Also zieht mich Wiebke wieder in schwindelnde Masttop-Höhe, ich lasse eine dünne Leine mit einem Angelblei-Gewicht im Mast hinunter und irgendwann können wir sie unten auch tatsächlich heraus fischen. Jetzt das an der dünnen Leine angeknotete Fall nachziehen und juchhe: das primäre Fockfall ist wieder einsatzbereit.

Vorrübergehend Leinensalat, aber das blaue Fockfall ist wieder da, wo es sein soll!

Waldo meldet sich, die Segel sind schon fertig repariert. Klasse, noch vor dem Wochenende. Die Segel schlagen wir heute allerdings nicht mehr an. Es ist Wind aufgekommen und außerdem kommt Motor-Mechaniker Byron auf die Flora: Fehlersuche bezüglich der Lichtmaschine. Nach einigen Messungen vermutet er einen Elektrowurm als Ursache.

Da müssen wir morgen (am Samstag!) noch etwas tiefer einsteigen und bis dahin darf ich im Motorraum schon mal die (auf der Flora etwas zugebaute) Rückseite des Sicherungspanels freilegen.

Passage Fiji nach NZ, Tag 5: auf die Spitze treiben.

Da braut sich was zusammen. Diese kleine fiese Front, die sich so kurz vor unserer Ankunft scheinbar aus dem Nichts entwickelt und die sich ganz unvermittelt zwischen uns und Neuseeland drängt, sie folgt leider einem bekannten Muster.

„Easterly Punch“. So nennen die neuseeländischen Meteorologen dieses Phänomen. Ein sich überraschend schnell entwickelnder, aber auch eher kurzlebiger Ostsüdostwind. Wie ein Schlag. Zitat MetBob: „It’s a shock for the unaware“. Das kann man verstehen, denn nördlich dieser Front, da wo wir jetzt noch sind, herrschen eher schwache Winde. Die waren bei unserer Abfahrt auch noch für die letzten Meilen bis Neuseeland angesagt. Nur, der „Easterly Punch“ wartet hinter seiner scharf abgegrenzten Nordseite gleich mit Böen über 40 Knoten auf. Windstärke 9, Sturmstärke.

Ärgerlicherweise ziemlich genau da, wo wir am Sonntagmittag wären, wenn wir einfach gerade auf unserer geplanten Route weiterfahren.

So sagen es das Europäische Modell ECMWF und auch das deutsche Icon. Selbst wenn das amerikanische Wettermodell GFS recht behielte, fielen die Böen zwar etwas schwächer aus. Kämen auf diesem Kurs aber trotzdem schräg von vorn. Ebenso die Wellen, ca. 3 m hoch und alle 6 Sekunden. Das ist weit jenseits von nur unkomfortabel.

Unsere Optionen sind auch deshalb ein bisschen limitiert, weil uns ja der Schäkel des Fockfalls gebrochen ist, wir also unser kleines Vorsegel nicht benutzen können. Wir hoffen, das hier in diesem Flautenbereich beheben zu können. Auf dem offenen Ozean hoch in den Mast, das ist auch bei wenig Wind nicht ganz ohne. Die Ozeandünung schaukelt dort oben an einem 20 m langen Hebel, lässt die Mastspitze einfach ein paar Meter zur Seite schwingen. Aber: es hilft ja nichts. Also den Klettergurt an, den (Wingfoil-) Helm aufgesetzt und los. Wiebke zieht mich hinauf in die schwankende Höhe.

Bewegender Arbeitsplatz mit Aussicht

Tatsächlich hängt ein Teil des auseinander gebrochenen Schäkels noch vor dem Fall-Austritt und ich kann das Fallende wieder mit nach unten bringen.

Wir knoten einen Ersatzschäkel an, rollen die ja ohnehin schon etwas durchgesackte Fock aus und holen sie herunter, soweit es geht. Dann schneide ich den Keder des Vorsegels dort durch, wo er ausgerissen ist und sich die blockierende Schlaufe gebildet hat, nur so bekommen wir das Segel ganz herunter. Etwa fünf Zentimeter muss ich aus dem Keder herauskürzen, dann aber kann er wieder auf ganzer Vorliekslänge in die Nut der Rollanlage eingefädelt und das Segel mit dem Fall nach oben gezogen werden. Notreparatur, klar, aber wir haben wieder eine funktionsfähige Fock!

Und das eröffnet uns weitere Optionen, um mit dem Easterly Punch umzugehen: wir können wieder beidrehen, das heißt wir können nördlich der Front schlicht zwei Tage abwarten, bis sie durchgezogen ist. Oder wir können weiter nach Osten segeln und dann in die Front hinein. Der Wind und die Wellen kämen dann eher von hinten, deutlich weniger unangenehm, und mit kleinen Segeln dann handhabbar. Falls es uns doch zu viel wird, könnten wir nach Norden heraus aus der Front ablaufen oder eben beidrehen.

Ganz entschieden haben wir noch nicht, wir machen erst einmal Weg nach Ost. Auf dem Noforeignland-Track lässt sich der Haken in unserem Kurs gut erkennen. Derzeit ruhiges Segeln in schwachem Wind.

Essen: Mittags Asia-Suppe mit viel frischem Gemüse und Hackfleisch , das wir eingekocht hatten. Abends Bratkartoffeln mit Rührei und Schinken, Salat, Tomaten und Gurken. Nichts davon dürfen wir nach Neuseeland einführen, das muss jetzt alles weg.

Am Schiffsmittag: Etmal 162 sm, da hat der Code0 bis heute Morgen sehr gute Dienste geleistet, gesamt 808 sm bis Schiffsmittag. Bis jetzt sind heute noch weitere 48 sm dazu gekommen, auf direktem Weg wären es noch etwa 180 sm bis Opua in Neuseeland.

Passage Fiji nach NZ, Tag 3: Murphy ist ein Segler

Chaos-Tag. Die Seekrankheit ist noch da, wird aber langsam besser. Muss sie auch, denn mitten in der Nacht sackt wieder das Vorsegel durch und rutscht teilweise ins Wasser. Wir können es bergen. Es ist ein hartes Stück Arbeit, obwohl es diesmal “nur” 20 kn Wind sind und nicht 30 kn wie beim letzten Mal im April.

Nach der Erfahrung vom April laschen wir das Segel diesmal nicht an den Seezaun, sondern ziehen es gleich mit dem Ersatzgenuafall wieder hoch. Aber entweder hat es bei der Bade-Aktion schon einen kleinen Schaden am Keder bekommen oder wir beschädigen ihn beim Einfädeln. Die unteren zwei Meter gehen nicht in die Nut und das Segel lässt sich bei diesen Bedingungen auch nicht wieder herunterziehen, der Teil über den zwei Metern ist blockiert.

Unsere Notlösung: das Segel eng ins erste Reff wickeln. So können wir weitersegeln. Sechs Stunden lang. Dann ein kleiner Knall und das Segel sackt wieder durch. Offenbar ist auch der Schäkel vom Ersatzfall entweder aufgegangen oder gebrochen. Das gibt’s doch nicht: 45.000 Meilen passiert das nicht und dann gleich drei Mal hier zwischen Neuseeland und Fiji. Immerhin kann die Fock diesmal nicht ins Wasser rutschen, weil sie ja schon ein bisschen eingerollt ist.

Wir rollen sie ganz ein, da ist im Augenblick nichts zu machen. In den Mast zu gehen kommt bei diesem Geschaukel nicht in Frage.

Wir dümpeln bei 15 bis 20 kn Wind unter Groß, aber alleine ist mit diesem Segel kein Amwindkurs zu fahren und wir haben etwa 60° Windwinkel zum 600 Meilen entfernten Ziel.

Nach einiger Überlegung entschließen wir uns, den Code0 zu setzen und nur ein kleines Stück auszurollen. Das tut dem Code0 ganz sicher nicht gut, aber es balanciert das Boot so weit aus, dass wir mit einfach gerefftem Groß Kurs anlegen können und sogar wieder einigermaßen Geschwindigkeit machen.

Essen: Bratkartoffeln für Wiebke, trockene Cracker für mich.

Etmal: 155 sm, gesamt 489 sm, noch ca. 580 sm bis Marsden Cove.

Schlimm für den allerdings ohnehin schon etwas verschlissenen Code0, aber im Moment wohl unsere beste Option.

Somosomo, Bootsklinik und Nemo im bunten Korallengarten

Zum Sevusevu nach Somosomo, so ist das hier. Wir greifen uns einmal mehr ein in Zeitungspapier eingeschlagenes Bündel von Kawa-Wurzeln. Unserer schrumpfender Bestand baumelt in der Dusche, denn die hängende Aufbewahrung ist gut für den Kawa und in der Dusche lassen sich wegbröckelnde Wurzelreste gut aufnehmen. Außerdem haben die Wurzeln durchaus einen Eigengeruch. So sieht das aus:

Mit diesem rituellen Geschenk machen wir uns in unserem Beiboot auf zum Chief des nächstgelegenen Dorfes Somosomo und bitten um die Erlaubnis, in der Bucht ankern zu dürfen.

Am Strand vor dem Dorf Somosomo landen wir an. Eta heißt uns im Dorf willkommen und führt uns zum Haus des Chief. Nach dem Sevusevu zeigt sie uns das Dorf. Spannend: hier wachsen noch einzelne Sandelholz-Bäume. Der Sandelbaum war früher auf den Yasawa-Inseln weit verbreitet. Das hier Yasi genannte schwere Hartholz war in China ursprünglich dem Kaiserhof vorbehalten und ist auch heute noch zur Produktion von Möbeln und Kunstobjekten äußerst begehrt. Die Bäume wurden fast bis zur Ausrottung abgeholzt. Heute liegt der Marktwert für ein Kilo hochwertiges Sandelholz über 100 Fiji$. Auf der südlich von Naviti Island liegenden Insel Waya wird deshalb Sandelholz im Rahmen eines Nachhaltigkeitsprojektes in Baumschulen wieder kultiviert, um eine vom Tourismus unabhängige langfristige Einnahmequelle zu schaffen.

Junger Sandelbaum neben dem Haus des Chiefs

Mehrere Frauen des Dorfes haben während unseres Sevusevus schnell einen improvisierten Kunsthandwerksmarkt auf der Wiese im Zentrum des Dorfes aufgebaut. Das scheint nur uns zu gelten, aber vielleicht kommen nachher ja auch noch weitere Crews, denn vorm Ort ankern ebenfalls ein paar Boote. Wir kaufen zwei Tapa-Tischsets. Jetzt am Wochenende sind die Kinder im Dorf (und nicht im Boarding-Haus der Schule im Nachbardorf). Mehrere von ihnen sitzen bei ihren Müttern auf den Decken, für ein Foto rücken sie schnell zusammen.

Mit Rose (11), Meme (5), Mela (8) und Sake (7) schließen sich einige andere Kinder bei unserem weiteren Spaziergang durchs Dorf und die Umgebung an.

Es wird ein spaßiger Gang zu den Mangroven, durch den Fluss und zurück zum Strand vor Somosomo.

Die Haare von Rose und Meme sind übrigens nicht gefärbt. Vielmehr wird hier auf den Yasawas im Gegensatz zur eher von polynesisch-tonganischen Einfluss geprägten Lau-Inselgruppe die mehr melanesische Abstammung der fijianischen Bevölkerung deutlich.

Zurück zur Flora und an die Arbeit, es stehen mal wieder einige Projekte an. An den Davits (den kleinen Kränen, an denen wir unser Beiboot hochziehen und lagern) hat sich eine Leine verklemmt. Dafür müssen wir erstmals die Umlenkrolle am äußeren Ende des Davit ausbauen. Das Lösen der Schrauben (vom schwankenden Dinghy aus) erfordert dementsprechend ein wenig Überzeugungskunst, aber es klappt und wir bekommen das Ganze wieder gängig.

Nächstes Projekt: Großsegel. Ein kleines Loch zeigt sich oberhalb der hinteren Segellatte. Das in den Mast gerollte Segel herunterzunehmen würde bedeuten, dass wir alle 5 der bis zu 15 Meter langen Latten ausbauen müssten, das wollen wir uns am Anker lieber ersparen. Also zieht Wiebke mich in den Mast. Aus der Nähe zeigt sich, das nur ein kleines Stück Naht des Segels aufgegangen ist. Ich kann die Hand hindurchstecken. Selbst nähen möchte ich das hier nicht, also klebe ich auf jede Seite ein kleines Patch (selbstklebender Segelflicken). Nicht besonders schön, aber das sollte das weitere Auflösen der Naht erstmal verhindern.

Drittes Projekt: die Winsch der Ausholleine des Großsegels funktioniert mechanisch zwar noch, lässt sich aber nicht mehr elektrisch bedienen. Der Elektromotor surrt, aber die Winsch bewegt sich nicht. Das lässt einen Fehler im Kraftschluss der Zahnräder vermuten. Zur Behebung müssen wir die Winsch nicht nur auseinander bauen, sondern auch das Winschfundament ganz abnehmen. Wiederum erstmals und wieder bedarf es deshalb besonderer Überzeugungskraft um die Schrauben zu lösen. Ein mechanischer Schlagschrauber hilft. Dann alles schön säubern, die Sperrklinken wieder gängig machen und ölen. Zusammenpuzzeln, funktioniert wieder.

So soll das.

Zur Belohnung gehen wir vom Boot aus am Riff unseres Ankerplatzes ausgiebig schnorcheln.

Die Vielfalt und Farbenpracht der Steinkorallen und der Weichkorallen hier in Fiji beeindruckt uns immer wieder. Weitere Highlights des Schnorchelgangs hier in der Bucht sind die „Nemos“, die ein- oder zweistreifigen Anemonenfische. Zwischen verschiedensten Seeanemonen und Weichkorallen sehen wir sie hier. Sogar gras-grüne Anemonen sind dabei, die einen herrlichen Kontrast zum Orange der Nemos bilden.

Ein weiterer Lieblingsfisch von uns zeigt sich ebenfalls mehrfach, der knuffige Harlekin-Feilenfisch, auch Palettenstachler oder Orangeflecken-Feilenfisch genannt:

Auch sonst ist es herrlich bunt und fischreich hier. Beim zurückschnorcheln zur Flora sehen wir auf dem Sandgrund sogar noch einen endemischen Fiji-Maskenrochen.

Übrigens: wenn in der Bildbeschreibung beim Aufruf „Screenshot“ steht liegt das nicht daran, dass ich das Foto irgendwo im Netz stibitzt hätte. Vielmehr sind meine Unterwasserbilder meist eben Screenshots eines Standbilds aus einem mit meiner GoPro oder zuletzt häufiger meiner DJI Action6 aufgenommenen Unterwasser-Videos.

Qilaqila / Bay of Islands

Seglerisch schlägt das türkisfarbene Herz 🩵 der nördlichen Lau-Gruppe ganz sicher in Qilaqila. An diesem traumschönen Ankerplatz sind wir jetzt!

Besser bekannt ist dieser Ort als „Bay of Islands“ im Atoll von Vanua Balavu. Allerdings hat ja neben Fiji praktisch jedes englischsprachige Land eine Bay of Islands, am berühmtesten ist sicher die auf Neuseelands Nordinsel.

Wir bleiben deshalb dem von den iTaukei (den indigenen Fijianern) verwendeten Namen Qilaqila, obwohl die gar nicht mal so große Bucht im Nordwesten von Vanua Balavu tatsächlich eine Unmenge von kleinen und noch kleineren Korallen-Inseln aufweist. An mehreren Stellen schmiegen sich die Eilande ganz eng aneinander. Sie bilden ein Labyrinth mit schmalen Durchlässen, von denen viele bei Niedrigwasser selbst mit dem Dinghy nicht passiert werden können. Für die Segelboote bleiben diese kleinen flachen Hintertürchen zwar versperrt, es bieten sich zwischen den zumeist dicht bewachsenen Inseln aber trotzdem eine Vielzahl von wunderschönen Ankerplätzen an. Wir entscheiden uns für einen ganz speziellen, eben für das Herz. Rückwärts fahren wir in die enge Bucht, lassen dabei auf 4 m Wassertiefe den Anker in den Sand fallen. Eine Landleine nach hinten, später noch jeweils eine weitere zu den Seiten.

Eingeparkt. ☺️

(für bessere Auflösung auf die kleinen Bilder klicken)

Das Wetter ist ein bisschen durchwachsen, sonnige Abschnitte wechseln sich mit Regen ab. Sollten die Pilz-Inseln mit dem ganz dünnen Stiel eigentlich Regenschirm-Inseln heißen?

Unsere zwischenzeitlichen Nachbarn Rosa und Gunnar lassen sich scheinbar inspirieren und setzen mit dem knallroten echten Regenschirm (und mit den roten Masten ihres Wharram-Katamarans) herrliche Farbtupfer in die grün-türkise Kulisse.

In einem trockenen Abschnitt steht mal wieder ein Ausflug in den Mast der Flora an. Rigg checken: ja, auch das. Vor allem aber: unsere Windanzeige ist auf der Herfahrt hinsichtlich der Windstärke in den Streik getreten, zeigt die Windrichtung aber weiterhin an. Wahrscheinlich ist also nur das Anemometer (das sich eigentlich durch den Wind drehende Schalenkreuz) fest. In 20 m Höhe mit etwas Schmiermittel eingesprüht, lässt es sich tatsächlich wieder leicht drehen.

Wir bleiben noch ein wenig und wollen das Labyrinth über und unter Wasser erkunden.

Abschied von Fulaga

Pilzinsel, die über dem Wasser zu schweben scheint.

Wir haben beschlossen, zum Wochenende auf die nächste Insel weiterzufahren. Bevor wir uns aber zum Nachbar-Atoll Ogea aufmachen, wechseln wir in Fulaga noch ein letztes Mal den Ankerplatz. Ziemlich genau im Herzen der Lagune, um Rooster Island herum, gibt es eine Gruppe von malerischen kleinen Pilz-Inseln mit mehreren wunderschönen Sandstränden. Ein weiterer idealer Ort, um noch einmal unser aufblasbares Doppelkayak zum Einsatz zu bringen.

Das Verholen beginnt allerdings mit einer unschönen Überraschung. Wie üblich hatten wir unseren Anker abgeschnorchelt, er lag wunderbar tief eingegraben im Sandgrund. Als wir die Kette einholen, kommt sie steif, aber der Anker bricht nicht aus. Na gut, dann hilft leichte Fahrt voraus. Tatsächlich, der Anker kommt sofort frei. Aber er sieht jetzt so aus:

Das ist blöd und für uns auch ziemlich unerklärlich. Wir müssen vom extra größer gewählten 30 kg Spade-Anker auf unseren Zweitanker wechseln, den 25 kg Delta. Aber immerhin ist das eigentlich Flora‘s Originalanker, nur dass wir ihn eben seit Griechenland zu unserem Ersatzanker degradiert hatten. Der Wechsel muss natürlich unterwegs passieren, wir lassen Flora treiben und bugsieren die beiden schweren Anker mit Hilfe des Spi-Falls aus bzw. in die Halterung vorn am Bug. Das klappt immerhin auf Anhieb.

Der neue Ankerplatz ist dann wie erwartet einfach traumhaft. Bei Flut sind die Strände schmal und viele Sandbänke zwischen einzelnen Pilzinseln gerade so eben überspült. Bei Ebbe werden die feinen Strände breit, die Sandbänke tauchen dann auf und fallen trocken.

Von diesem Ankerplatz aus fahren wir mit dem Dinghy ein letztes Mal zum Hauptdorf Muaninuku , um uns von unserer Gastfamilie zu verabschieden. Wir treffen sie nicht bei ihrer Hütte an, sondern geraten direkt in eine Festivität auf dem zentralen Dorfplatz. Der Cricket-Pitch in der Mitte des Platzes war uns bereits aufgefallen, jetzt wir er bespielt. Das ganze Dorf ist gekommen und bejubelt entweder das Team Muaninuku oder das Team Vulaga (die alte Schreibweise von Fulaga) . Mehrere kleine Zelt-Pavillions sind am Rand aufgebaut und spenden den Zuschauern Schatten, in ihnen wird außerdem Kava getrunken. Wir finden Lina in einem der Zelte und werden gleich eingeladen. Das koloniale Erbe Britanniens wird deutlich: Cricket ist (neben Rugby) eine der Nationalsportarten in Fiji und wird selbst auf so abgelegenen kleinen Inseln wie Fulaga begeistert gespielt. Einfach auf dem Dorfplatz zwischen Wellblechhütten und Kirche, zugleich mit Blick aufs Meer und unter Palmen.

(Wie immer: für bessere Auflösung auf eines der kleinen Fotos klicken)

Später auf dem Rückweg sehen wir dann erstmals in Fiji Flughunde. In großer Zahl konnten wir diese faszinierenden fruchtfressenden Flederttiere mit einer Spannweite von über einem Meter ja schon in Tonga bewundern, nun also auch hier.

Am nächsten Morgen machen wir dann eine ausgedehnte Kayaktour durch das Insellabyrinth um Flora herum. Die Kalksteinpilze bergen zum Teil Höhlen und das Wasser hat nicht nur die Basis der Inseln erodiert, sondern an mehreren Stellen Torbögen oder regelrechte Brücken gestaltet.

Herrlich! Aber wir haben gehört, dass unser nächstes Ziel Ogea ähnlich beeindruckende Felsformationen bieten soll. Also geht’s nach über vier Wochen Fulaga jetzt weiter zur nächsten Insel der südlichen Lau-Gruppe. Ogea, wir kommen. Tschüß, Fulaga. Du und Deine so herzlich gastfreundlichen Menschen werden uns unvergesslich bleiben.

Update aus Fulaga und unerwartete Begegnungen

Wir sind immer noch Fulaga, haben es uns hier so richtig gemütlich gemacht, unseren eigenen Rhythmus gefunden.

Morgens gehen Wiebke und Barbara gemeinsam Strecke schwimmen, jeweils rund anderthalb Kilometer legen sie dabei zurück.

Ralph und ich beginnen zu dieser Zeit dann unsere erste Wingfoil-Einheit des Tages, nachmittags folgt dann meist eine zweite.

Wiebke bringt derweil dann ihre verschiedenen Strickprojekte voran, z.B. diesen Schal für Barbara.

Oder wir backen (ich Brot, Wiebke Kuchen oder Muffins), nutzen den Ofen dann auch gleich, um Crunchy-Müsli zu machen.

Spaziergänge am Strand …

… oder in den Ort zu unserer Gastfamilie. Die versorgt uns auch mit Obst und anderen Leckereien wie zum Beispiel einer schon gekochten Kokoskrabbe.

Unsere Gegengeschenke kommen aber umgekehrt auch gut an (diesmal eine 12V-Lampe und zwei Gläser Marmelade aus unseren Bordbeständen, bei unserem letzten Besuch zwei von uns nicht mehr genutzte semiflexible Solarpanele nebst Kabel und Regler).

Eine Wanderung soll uns hinauf zum Aussichtspunkt hoch über dem Dorf führen. Seru lässt es sich nicht nehmen, uns hinaufzuführen. Das ist ganz gut so, denn selbst wenn wir den Pfad vom Dorf aus wohl auch einfach nach Beschreibung gefunden hätten, den Einstieg zum Klettern auf den Felsen hätten wir wohl ohne ihn schlicht verpasst. Es geht fast senkrecht hinauf, ein Weg ist da nicht zu erkennen.

Lohnt sich aber sehr, der Ausblick über das Dorf mit der südlichen Bucht und zur anderen Seite bis hin zum Ankerplatz in der Lagune ist einfach fantastisch.

Zurück im Ort zeigt uns Seru ein traditionelles Einbaum-Ausleger-Segelkanu. Die drei Dörfer dieser Insel und ein Dorf auf einer Nachbarinsel haben für eine Regatta nach Jahrzehnten erstmals wieder jeweils eines davon gebaut. Leider wird es derzeit aber scheinbar nicht mehr viel genutzt, bereits etwas eingewachsen liegt es am Strand.

Alte handwerkliche Bootsbaukunst für das Boot selbst trifft zum Teil auf neue Materialien für das Zubehör. Ein Segel aus einer Plastikplane liegt um den Holzmast gerollt auf dem Einbaum-Rumpf, modernes Tauwerk schmiegt sich neben die kunstvollen Lasching aus Naturfasern. Es wäre toll, diese Boote hier auch wirklich segeln zu sehen.

Nach dem Spaziergang serviert uns Seru Trink-Kokosnüsse, ganz ohne Bewirtung geht es an diesem gastfreundlichen Ort einfach nicht.

An diesem Nachmittag haben wir dann zurück auf der Flora auch selbst Besuch – ziemlich unerwartet. Die USCGC Harriet Lane, ein 82 Meter langes Schiff der US-amerikanischen Küstenwache, patrouilliert seit gestern vor dem Pass in die Lagune. Die Amerikaner unterstützen die Küstenwache Fijis beim Kampf gegen die zunehmend auf dem Wasserweg nach Fiji geschmuggelten Drogen (wohl insbesondere Crystal Meth). Und so wird ein Tochter-Schlauchboot zu Wasser gelassen und kommt an unseren Ankerplatz gebraust. Die gemischte Crew aus Fiji und den USA boarded die Segelboote.

Nachdem erst lediglich ein paar benachbarte Boote ausgesucht wurden ist auch die Flora an der Reihe. Aber es ist ein sehr kurzer Besuch: ein Blick in den Motorraum, einer in die Bilge. Und ansonsten wird vom Officer des Fiji-Zolls lediglich der Papierkram kontrolliert. Haben wir einklariert, beinhaltet unser Cruising-Permit auch die Lau-Gruppe? Stimmen Bootspapiere und Pässe mit den Angaben überein? Alles gut, nach kaum fünf Minuten legt das Schlauchboot wieder von der Flora ab.

Freundlich und unkompliziert, es gibt unangenehmere Begegnungen. Zum Beispiel eine, die ich beim Schwimmen habe. Eine Portugiesische Galeere kreuzt meinen Weg. Kein antikes Kriegsschiff, sondern die nach diesem benannte quallenähnliche Polypenkolonie. Ich mache nur nähere Bekanntschaft mit einem vergleichsweise kleinen Exemplar. Unter 10 cm lang schätze ich die gasgefüllte Schwimmblase, mit der dieses Tier tatsächlich auch segelnd seine Fortbewegungs-Richtung verändert. Ärgerlicherweise sind die knallblauen Nessel-Tentakel unter Wasser trotzdem gut einen Meter lang. Ein Tier fotografiere ich, ein anderes nähert sich leider unerkannt. Als ich das Zweite bemerke, haben sich dessen Tentakel schon an meinem Schnorchel verfangen. Das bringt mir um die Taucherbrille herum ein paar brennende Hautberührungen ein. Ist aber zum Glück nicht so schlimm. Wiebke schabt die Reste der blauen Tentakel mit einer Muschel ab, das Zurückschwimmen zur Flora wirkt als Salzwasserspülung. Essig drauf an Bord und ein in kochendes Wasser getauchter Waschlappen helfen. Letzteren lege ich – sobald er kühl genug zum Aushalten ist – auf die betroffenen Hautstellen. Über 45° sollen die Proteine der Nesselzellen zerstört werden und bei mir hilft es tatsächlich sehr schnell.

Beim Schwimmen auf der anderen Seite der Sandbank, offen zum Wassergürtel in Windrichtung, werden wir jetzt deutlich vorsichtiger sein.

Der Ankerplatz der Flora ist zum Glück bei der jetzt herrschenden Windrichtung deutlich weniger gefährdet.