Anhalter und Dress code

Beim morgendlichen Schwimmen um die Flora gibt’s mal wieder eine Überraschung. Wir haben Anhalter. Unter Wasser. Gleich vier Schiffshalterfische haben sich mit den Saugplatten auf ihrer Stirn an Floras Rumpf geheftet, zwei größere und zwei etwas kleinere.

Ein bisschen herumpruddeln am Boot, Wäsche waschen, sich mit der Frischwasserpumpe auseinandersetzen. Sich wundern über die Bauarbeiten am Cocoa Point, wo gerade Luxushäuser entstehen, obwohl die Insel eigentlich kein privates Grundeigentum kennt. Die Regierung (von Antigua und Barbuda) sitzt auf Antigua und hat dem Betreiberkonsortium einen langfristigen Erbbaurechtsvertrag vereinbart, um diese Klippe zu umschiffen. Entsprechend sind viele der Locals wenig begeistert. Hinzu kommt, dass nur ein kleines Stück weiter die Küstenlinie hinunter die Strandhäuser eines bisherigen Luxushotels hier am “Princess-Diana-Beach” ein Opfer des letzten Hurrikans geworden sind, man sieht fast nur noch die Fundamente. Aber trotzdem werden laufend potentielle Investoren per Wasserflugzeug eingeflogen und dann per Amphibienfahrzeug an Land gebracht. Sie sollen sich ja nicht die Füße nassmachen. Wir hatten das bereits im Frühjahr beobachtet, da schienen die Wasserflieger aber noch häufiger zu landen.

Uns dagegen bleiben nasse Füße – was nicht schlimm ist – nicht erspart, als wir uns am Nachmittag natürlich wieder hinüber zum verlockend feinsandigen Strand verholen.

Inoch hat eine kleine, wunderbare Bar hier direkt auf dem Traumstrand. “SHACK-A-KAÏ” wurde von ihm erst 2019 eröffnet. Die ganze Geschichte findet sich auf dem Blog von Andrea und Kai.

Wir haben hier schon im Frühjahr eine tolle Zeit gehabt, trotzdem finden wir es erstaunlich, dass sich Inoch offenbar noch an uns erinnert. Als wir mit dem Dinghy anlanden hilft er uns, Florecita auf den Strand zu ziehen. Wie schon gestern machen wir erstmal einen Spaziergang am Strand.

Kleidungsfarblich haben wir uns wohl schon angepasst. Mimikry oder der erste Teil des Dresscodes 😂.

Und dann geht’s zu Inoch in seine SHACK-A-KAÏ. Viel Betrieb ist nicht, kein Wunder bei nur drei Ankerliegern in der Bucht. Aber das gibt uns die Gelegenheit, ausführlich mit Inoch zu plaudern und den Ausblick zu genießen. Wenn schon der unvermeidliche Spiegel hinter der Bar dieses Bild zeigt …

kann man es wohl aushalten:

Den zweiten Teil des Dresscode halten wir in jedem Fall auch ein:

Warum Barbuda?

Warum segelt eigentlich irgendwer nach Barbuda? Das habe ich mich beim ersten Blick auf die Seekarte gefragt. Die rund 24 km lange und 14 km breite Insel ist überwiegend flach (höchster “Berg” 42 m!), hat mit Codrington nur einen einzigen, ausweislich des Revierführers aber nicht sehenswerten Ort sowie insgesamt deutlich unter 2.000 Einwohner. Es gibt viele Flachs und Riffe, aber keine richtig gut geschützten tief einschneidenden Ankerbuchten, Häfen sowieso nicht. Man ist auf Ostwinde (die aber ja auch vorherrschen) angewiesen, um einigermaßen gut und schwellarm zu liegen.

Also warum?

Zum Beispiel darum:

Und nein, wir waren auf unserem langen Strandspaziergang nicht ganz alleine. Wir haben tatsächlich EINE andere Seglercrew getroffen.

Mal wieder segeln

Die Vorhersage ist günstig: für heute soll der Passat südlicher kommen und etwas schwächer sein. Wir wollen das nutzen, um die 30 sm hoch nach Barbuda zu segeln, ohne auf dem zumeist flachen Sockel zwischen den beiden Inseln hoch am Wind gegen eine sich aufsteilende Welle kämpfen zu müssen.

Für den Start haben wir uns eine kleine Komplikation ausgewählt, wir möchten die Nonsuch Bay durch den Spithead Channel nach Norden verlassen. Auf der Navionics-Seekarte sieht das mit den grünen Riffen wenig verlockend aus:

Interessant ist der Hinweis in der Navionics-eigenen “Active Captain Community”, wonach die Karte an dieser Stelle falsch ist:

Tatsächlich ist auf Google Earth der Kanal klar erkennbar und ohne Riff in seiner Mitte:

Über die nützliche Georeferenzierung von Google Earth hatte ich bei unserer Passage von Great Bird Island schon geschrieben. Und – der ein oder andere wird es schon erkannt haben – das ist nicht die Originalansicht von Google Earth, sondern die in der App “Ovitalmap” heruntergeladene Offline-Variante. Dort kann man auch Tracks hineinladen, die andere Boote zur Verfügung stellen. Mit unserem (zugegeben nicht optimalen) Track, bei dem wir immer mehr als 5 m Wasser hatten, sieht das in der fraglichen Passage so aus:

Dass die Passage unproblematisch machbar ist hatten uns Andrea und Kai von der Silence gestern noch einmal bestätigt. Sie hatten uns auch auf Ovitalmap hingewiesen. Ich wollte es runterladen, aber: ich hatte es schon auf dem iPad, nur noch nie benutzt. Wurde also dringend Zeit 😁. Mit Eyeball-Navigation war die Rinne übrigens immer gut erkennbar.

Und danach konnten wir dann segeln. Sogar endlich mal wieder unseren Gennaker.

Ohne Groß, machen wir sehr selten. War aber auch nur recht kurz, dann kam von Osten was dazwischen

Also den blauen “Harry Potter” (er wohnt bei uns unter der Niedergangstreppe) wieder runter und lieber mit Groß und später zusätzlich der Fock weiter.

Ein Stück müssen wir auch motoren. Aber wir haben reichlich Angelglück. Zuerst allerdings zweimal Barrakuda, die gehen wegen der Ciguateragefahr gleich wieder ins Wasser. Dann eine Blaurückenstachelmakrele. Eine Golddorade wird uns leider abgefressen. Zum Schluss noch ein schöner Wahoo. 🎣

Fischfilets mit Gnocchi und Kürbis zum Abendessen am Ankerplatz Cocoa Point in Barbuda 😁.

Spielkind

Der Ankerplatz hier in der Nonsuch Bay ist wunderbar geschützt durch die Insel Green Island und das fast durchgehende Riff im Osten, dass sich bis Indian Town Point hinaufzieht. Dünung findet deshalb nur selten herein, aber den Wind hält das Riff natürlich nicht ab. Das ist ein Paradies für Kitesurfer, die wir hier auch täglich bewundern können. Z. B. Andrea und Kai auf ihrer „Silence“, die beiden haben wir hier im Frühjahr ebenfalls getroffen. Jetzt laden sie uns zu selbst gemachtem Zwiebelkuchen auf ihren Katamaran ein, es wird ein schöner und langer Abend. Statt wie wir nach Norden in die USA sind sie zur verschärften Hurrikansaison Richtung Süden nach Grenada / Carriacou gesegelt, die beiden sind schon einige Jahre in der Karibik unterwegs und haben auch Erfahrung mit dem Abwettern von Starkwind in den Mangroven hier auf Antigua.

Jill und Michael von der „Gerty“ haben bei der Kiteschule hier in der Bucht einen Kurs gebucht und machen schnelle Fortschritte. Es juckt mich natürlich schon ein bisschen in den Fingern, das Kiten auszuprobieren. Aber Wiebke erinnert mich an meine gebrochene Schulter (ich hatte mir vor ein paar Jahren beim Snowboarden mal alle Bänder der rechten Schulter gerissen, es hat etwa zwei Jahre gedauert, bis ich sie wieder voll belasten konnte). Hm, vielleicht sollte ich eine solche Verletzung jetzt nicht herausfordern.

Mit den SUP paddeln wir in der Bucht herum, gegen den Wind ein ziemliches Workout. Und zurück, vor dem Wind? Da geht doch was 🤔.

Kurzerhand wird der Windscoop zweckentfremdet. Eigentlich soll diese Nylonkonstrunktion den Wind in die Vorschiffsluke und damit durch das Schiff leiten. Das funktioniert am Anker (oder hier an der Boje) auch echt gut.

Gibt aber auch einem prima Mini-Spinnaker für das SUP ab 😁.

Da dient das Paddle nur zum Steuern. 😊

In der Hängematte relaxen geht aber auch.

Vorher / nachher

Rückblende: kurz nach der Abfahrt in Hampton hatten wir ja leider den Spibaum geknickt, wir befürchteten einen Totalschaden.

In English Harbour finden wir aber jemanden, der den Karbonspinnakerbaum reparieren kann. Jetzt hat er zwar eine kleine Verdickung, aber das ist lediglich ein optischer Mangel, den wir in Kauf nehmen. Wenn erst die (ohnehin geplante) Schlauchpersenning drüber ist, wird das nicht mehr auffallen.

Den ebenfalls gebrochenen mastseitigen Spibaumbeschlag (ein Metallgussteil) müssen wir allerdings über einen Rigger in Falmouth bestellen. Als er gelieferter wird, bringen wir unseren (jetzt wieder) 5 m langen Spibaum per Dinghy in die Riggerwerkstatt. Sieht ein bisschen wie Dinghybugspriet aus (oder wie Ritterspiele😉):

Nur ein paar mal nachfassen und vergebens zum Abholen fahren und schon am übernächsten Tag kann ich den Rigger überreden, jetzt doch in meinem Beisein den Beschlag anzunieten. Meine Bordnietzange ist leider zu klein für diese Größe Nieten. Es stellt sich aber heraus, dass der Rigger wegen des dickwandigen Gussbeschlages auch tief in seinem Lager nach extralangen Nieten suchen muss.

Aber Ende gut, Alles gut. Der Spibaum tut es wieder und hängt jetzt wieder an seinem Platz auf der Mastschiene der Flora.

Eine andere Reparaturgeschichte wird sich aber noch etwas hinziehen. Unser Radar macht nicht mehr, was es soll. „Tuning Error“ verkündet der Plotter. Hm. Das Furuno-Handbuch sagt nichts dazu, Furuno Deutschland in Rellingen kann leider aus der Ferne auch nicht helfen. Der hiesige Techniker spricht mit Furuno USA: das Gerät muss eingeschickt werden.

Kalkuliert ist eine Woche Versand in die USA, 10 Tage Service, eine Woche Versand zurück. Könnte knapp werden mit Weihnachten 😉. Wenn es denn reparierbar ist. Jedenfalls heißt das, wir werden bis zu dieser Entscheidung auf alle Fälle noch in Antigua bleiben.

Wir verholen erstmal von Falmouth in die Nonsuch Bay und ankern dort vor Green Island.

Lässt sich gut aushalten hier.

Und die dicke Jacke vom ersten Bild ist wieder tief im Schrank verschwunden 😁.

Esel, Teufelsbrück, Palmen & Obama

Landausflug auf Antigua. Gemeinsam mit Annemarie und Volker von der Escape bereisen wir ausnahmsweise einmal das Landesinnere von Antigua. Auch dort, wo mir mit unseren kurzen Hikes zu Fuß nicht hinkommen, der Jeep mit Allradantrieb wird’s schon richten.

Zunächst geht’s ein wenig im Süden der Insel entlang auf den „Fig Tree Drive“. Eine falsche Fährte – dem Namen nach, Feigen sehen wir nämlich keine. Dafür aber Mangobäume zuhauf, Bananenstauden und einige andere tropische Pflanzen. Das alles auf einer schmalen und gewundenen Straße, die mal durch kleine Ortschaften, zumeist aber durch die Berge führt. Etwa 7 km lang, und dann finden wir uns (Volker fährt, Annemarie lotst) völlig überraschend für Wiebke und mich am Ufer der Carlisle Bay wieder. Nur ein einziger Ankerlieger schwoit in der Ferne, die Bucht ist fast völlig leer, ebenso der schöne palmengesäumte Sandstrand.

Also klettern wir etwas herum, schicken ein Foto an die WhatsApp-Freunde von der „Carlisle Bay Corona Group“ und weiter geht’s auf der Uferstraße Richtung Westen, bis ein unscheinbarer Feldweg rechts abzweigt. Dem folgen wir bergauf, auch wenn es immer enger, steiler und zugewucherter wird. Jetzt kann (und muss) der Jeep sein Können beweisen. Und er tut es, von Volker souverän chauffiert.

Ziel ist der Mount Obama, dort wo die Funkmasten stehen. es ist mit etwas über 400 m die höchste Erhebung Antiguas. Bis 2009 hieß sie „Boggy Peak“, wurde dann aber zu Ehren des damaligen US-Präsidenten ganz offiziell umbenannt. Wir stellen uns mal kurz vor, Deutschland würde die Zugspitze, Österreich den Großglockner oder die Schweiz die Dufourspitze im Monte Rosa Massiv …, na gut, wohl eher nicht (zumindest nicht nach einem ausländischen Staatsmann). Man kommt bis fast ganz hinauf, nur der höher stehende Mast ist von einem eingezäunten Sperrgebiet umgeben. Der niedrigere Mast dagegen ist erstaunlicherweise zugänglich und schon vom Dach der kleinen Hütte aus hat man einen herrlichen Blick bis hinüber nach Montserrat und heute bei der klaren Sicht sogar nach Guadeloupe.

Die Fahrt ist ziemlich holperig und langsam, aber auch spannend (o.k., zwei von uns finden mehr Vergnügen daran als die anderen beiden).

Dann geht’s zu den Eseln (hier ist der Spaß anders (aber nicht umgekehrt) verteilt, eher 3:1.

Wieder über Holperpisten, wenn auch diesmal im flacheren nordöstlich Teil Antiguas, kommen wir zum Donkey Sanctuary der Insel. Etwa 150 Esel leben hier, geschätzte weitere 400 Esel leben noch wild oder halbwild auf Antigua. Wie auch auf anderen karibischen Inseln wurden die früher wertvollen Nutztiere irgendwann nicht mehr benötigt und nicht selten einfach sich selbst überlassen, bei anderen Haustieren würde man wohl „ausgesetzt“ sagen. Wir sehen einige durchaus gut genährte Gruppen von ihnen auf unserer Fahrt, aber nicht allen geht es wirklich gut. Wie wir im Reservat erzählt bekommen, sind einige Farmer über das Fressen der Wilden Esel in ihren Pflanzungen so böse, dass sie dabei erwischten Wildeseln die sprichwörtlichen Langohren stutzen, weil die nach einer solchen Quälerei die Gegend meiden. Ob es stimmt? Wir sehen jedenfalls im Sanctuary mehrere Esel mit gekappten Ohren.

Der Eintritt ist übrigens frei, Spenden natürlich willkommen. Bürsten zum Striegeln stehen bereit, wir sind allerdings die einzigen Gäste.

Auf der Weiterfahrt statten wir einem der Wahrzeichen Antiguas einen Besuch ab, den teilweise restaurierten Doppelwindmühlen von „Betty’s Hope“ in den Ruinen einer ehemaligen Zucker- und Rumfabrikation auf einer der ältesten Zuckerrohrplantagen der Insel. Ein kleines Museum informiert dort über die ehemalige Produktion, aber die meisten Gebäude sind verfallen.

Zeit für eine Verschnaufpause. Wir fahren zum Strand der Long Bay und finden dort ein schönes italienisches Meeresfrüchte-Restaurant, „Mama Pasta“, ein Familienbetrieb, in dem natürlich auch der Fernseher italienische Dauerbeschallung erledigen muss, dessen Küche uns aber überzeugt. Schade nur, dass sich kaum jemand von den wenigen Besuchern am Strand hier hinauf auf die schöne Terrasse oberhalb der karibisch farbenfrohen (geschlossenen) Verkaufsbuden verirrt.

Ähnlich leer finden wir nach dem leckeren Essen die „Devil’s Bridge“ (für Hamburger: Teufelsbrück) vor, in Zeiten mit den sonst üblichen vier Kreuzfahrtschiffen im Hafen hätte Volker wohl kaum alleine die Abkühlung durch spritzende Gischt auf der natürlichen Felsbogenbrücke erfahren 😉:

Wo wir schon mal ein Auto haben, schließen wir die Inseltour nach einem kurzen Abstecher in den uns eher enttäuschenden „historischen Ort“ Parham noch mit einem Einkaufstrip in den großen Epicurean-Supermarkt im Hauptort St. John’s ab. Lohnt sich, obwohl die große Nonfood-Weihnachtsabteilung im Eingangsbereich doch überrascht und weder die staksigen Kunstofftannen noch der bunte Flitter darin wirklich überzeugen 😳:

Die Lebensmittelauswahl dagegen ist für hiesige Verhältnisse richtig gut, mit prall gefülltem Kofferraum geht’s zurück nach English Harbour.

Eine tolle und lange Tagestour, der Mond geht schon über den an ihren roten Ankerlichtern erkennbaren Megayachten von Falmouth auf, als wir mit dem Dinghy wieder bei Flora ankommen.

Thanksgiving

Der vierte Donnerstag im November ist (in den USA) Thanksgiving. Ein staatlicher Feiertag der bei vielen ein langes Wochenende einläutet, vor allem aber das dort wohl wichtigste Familienfest im Jahr. Das macht uns schmerzlich bewusst, wie lange wir unsere Familie nicht gesehen haben. Mit unserem deutschen Erntefest ist Thanksgiving nur bedingt verwandt, es geht jedenfalls heute weit über die Danksagung für eine gute Ernte hinaus.

Der Großteil der amerikanischen Segler unserer Salty Dawg hier (die sich auch ein bisschen als Familie verstehen) hat sich die Gelegenheit für ein opulentes Truthahnessen im Antigua Yacht Club nicht entgehen lassen. Das war uns allerdings ein bisschen eng (und die nicht wirklich überzeugend konsequenten Covid-Schutzmaßnahmen dort taten ein Übriges). Gemeinsam mit der Crew der Escape haben wir daher auf der Terrasse der „Brasserie“ die französisch pfiffige und etwas leichtere Variente des Truthahnessens genossen.

Aber Thanksgiving ist zugleich eine gute Erinnerung daran, sich die Dankbarkeit zu bewahren. Und danken können wir für vieles, auch und gerade in einer Zeit wie dieser.

Wir durften im letzten Jahr trotz aller COVID-Verwerfungen so unglaublich viel Schönes erlebten, Orte, vor allem aber auch Menschen kennenlernen. Hatten das Glück, dass niemand in unserem engeren Umfeld an COVID erkrankte. Auch wenn wir gerne unsere Familie und Freunde in Deutschland besucht hätten haben wir es geschafft, die Reiseeinschränkungen nicht nur als Negativfaktor zu erleben, sondern die dadurch bedingten Planänderungen zu akzeptieren und letztlich zu genießen (wir wären sonst z.B. nach Europa geflogen und hätten es dann sicher nicht geschafft, die US-Ostküste bis nach Maine hinaufzusegeln).

Und jetzt sind wir wieder in der Karibik, genießen die Sonne, das klare warme Wasser, die wunderschöne Natur, an Thanksgiving vor dem abendlichen Festmahl z.B mit dem angekündigten längeren Hike rund um den „Rendezvous-Mountain“ an der Südwestseite der Falmouth Bay.

Anfangs noch auf einer Straße (bzw. dem, was die sintflutartigen Regenfälle in der Woche vor unserer Ankunft davon übrig gelassen haben).

Dann auf immer unwegsameren und manchmal kaum noch erkennbaren Pfaden hinunter zum einsamen Strand und durchs Dornendickicht um den Berg herum wieder zur Straße.

Wunderschön zu sehen dabei, wie völlig unverbaut und ursprünglich sich Antigua westlich von Falmouth Harbour bis hinüber zur Carlisle Bay präsentiert. Schwer zugänglich sowohl landseitig mangels Erschließung als auch seeseitig durch die vorgelagerten Riffe.

Schön, so einen „Novemberspaziergang“ erleben zu dürfen.

Ein (ganz leicht) verspätetes Thanksgiving-Essen dann heute auf der Gerty, wieder mit Ian, zusätzlich die Crew der Sweet Caroline. Salty Dawg Familie halt. Zum Grillen eingeladen, aber unser heute Nachmittag gebackener Zitronen-Kokos—Kuchen hat als Nachtisch auch geschmeckt. 😋

Hikes auf Antigua

Wir haben unseren Platz an der Pier derAntigua Slipway Marina verlassen, um die Ecke in die große Bucht von Falmouth Harbour verholt und liegen dort jetzt vor Anker. Endlich wieder zur Abkühlung einfach von Bord ins Wasser springen und ein bisschen ums Boot herum schnorcheln. Und was für ein überraschendes Gefühl von Freiheit, einfach nur das kurze Stück um die Halbinsel herum durch klares, tiefblaues Wasser zu fahren. 😃

Zur Orientierung: das Bild zeigt im Vordergrund Shirley Heights, gegenüber auf der kleinen Landzunge am Eingang Fort Berkely, dann auf der rechten Seite den geschützten verschlungenen English Harbour mit der vom Galleon Beach eingefassten Ankerbucht Freeman’s Bay und etwas weiter drinnen links Nelson’s Dockyard und rechts Antigua Slipway. Die große, quer durchs Bild verlaufende Bucht im Hintergrund ist Falmouth Harbour.

Was das Bild ebenfalls ganz gut erahnen lässt ist die grüne, zerklüftete Landschaft. Und die lässt sich auf diversen gut beschilderten Pfaden erkunden, wobei die einzelnen Hikes einen ganz unterschiedlichen Charakter aufweisen.

Den Middleground Trail sind wir schon einige Male gegangen, bereits im Frühjahr und jetzt auch wieder. Er führt von Fort Berkely hinüber nach Falmouth Harbour zum Pigeon Beach, vor dem wir jetzt ankern. Der Pfad bietet zunächst tolle Blicke hinunter auf English Harbour und ist mit etwas Kletterei verbunden, besonders auf dem spektakulären Mittelstück. Hier ist zur Hilfestellung sogar ein Seil zur (nicht zwingend notwendigen) Aufstiegshilfe angebracht:

Drüben am Pigeon Beach haben wir uns mit Luise und Brent von der „Knot Safety“ verabredet. Wir kennen die beiden Kanadier vom Frühjahr, sind zusammen ein Teil der noch immer aktiven WhatsApp-Gruppe „Carlisle Bay Corona Group“ und haben mit rund 15 Booten während des Lockdowns eine sehr intensive Zeit in der Carlisle Bay verbracht (nur ein paar Meilen von hier) gemeinsam mit der Easy-One, der Moana und einigen anderen. Jetzt im Restaurant sehen wir die zwei zum ersten Mal aus der Nähe ohne Maske 😷.

Photo courtesy: Brent (S/V Knot Safety)

Kaum fassbar: auf dem zwischenzeitlichen Rückweg nach Kanada durften die beiden wegen der COVID-Regelungen nicht in die USA einreisen (außer für einen unplanmäßigen Reparaturstop). Gleichzeitig verlangte ihre Versicherung von den beiden (relativen) Segelneulingen, sich nicht weiter als 200 sm von der Küste zu entfernen, was einen ziemlichen Umweg entlang der US-Ostküste bedeutete. Zurück nach Antigua ging es jetzt allerdings auf einem deutlich direkteren Weg.

Am Nachmittag schließt sich für uns ein BYOB der Salty Dawg am Pigeon Beach an. Die Abkürzung (Bring Your Own Beer) mussten wir erst lernen, die Veranstaltung ist aber klasse. Besonders die Bars für die mitgebrachten Getränke gefallen 🤩:

Der Hike am nächsten Tag ist etwas länger und auch wieder ganz anders. Gemeinsam mit Annemarie und Volker von der Escape beginnen wir am Nachmittag mit dem „Jones Valley Trail“, der sich überwiegend durch ein ausgetrocknetes Bachbett langsam bergauf mitten durch den Wald unterhalb von Shirley Heights windet, wobei durchaus auch einige größere Felsbrocken zu überwinden sind.

An einer Abzweigung entscheiden wir uns für den Gravesite Trail – tatsächlich finden sich ein paar alte Grabsteine mitten im Wald und machen auf diesem Teilstück des „Jones-Valley-Trail“ das Indiana-Jones-Feeling noch etwas perfekter 😁. Die Straße nach Shirley Heights überqueren wir nur und weiter geht’s auf dem „Carpenter Rock Trail“, der uns an den steilen Klippen der Ostküste Antiguas quasi um Shirley Heights herumführt. Mit atemberaubenden Blicken,

der Entscheidung „Klettern oder Baden“ 😉

und mit einem wunderschönen Rastplatz schon wieder mit Blick auf English Harbour, von dem aus wir auch nochmal die Drohne steigen lassen.

Photo courtesy: Annemarie (SY Escape)

Und dann wird’s auch Zeit. Als wir am Galleon Beach vorbeikommen, geht bereits die Sonne unter. Ideales Timing.

Für morgen früh ist dann ein etwas längerer Marsch gemeinsam mit Jill und Michael von der „Gerty“ und Ian von der „Fatjax“ geplant. Da können wir uns den Rumpunsch von heute Abend wohl gleich wieder abtrainieren ☺️.

Nelson’s Dockyard

Natürlich schauen wir uns English Harbour nicht nur mit der Drohne an. Die historischen Stätten liegen dicht beieinander, da kann man durch die Werftanlagen schon mal ganz gemütlich schlendern. In einem der historischen Gebäude ist das Dock Yard Museum (und die Nationalparkverwaltung) untergebracht. Das Gebäude ist schön renoviert, aber die Ausstellung begeistert uns nicht. Schnell verlassen wir das Museum wieder, zumal uns drinnen Mücken überfallen und uns insbesondere die Beine ordentlich zerstechen. Vor dem Museum steht übrigens eine „Royal Palm“ (Königspalme), die Queen Elizabeth 1966 dort bei einem Besuch gepflanzt hat. Beide sind immer noch im Dienst ☺️.

Dass es Nelson hier nicht leicht hatte habe ich ja im Frühjahr hier schon beschrieben. Er würde sich vermutlich im Grab umdrehen wenn er wüsste, dass Jahrhunderte später ein kluges Marketing-Team die Schiffsreparaturwerft „Antigua Naval Dockyard“ nach ihm benannt hat. Aber wer weiß, vielleicht haben die vergangenen Jahre ja auch milder gestimmt. Zu Lebzeiten jedenfalls war er auf die Bewohner der Insel (sowohl die menschlichen als auch die Mosquitos!) nicht sehr gut zu sprechen. Aber immerhin trägt jetzt ein UNESCO-Weltkulturerbe seinen Namen.

Das Wahrzeichen von Nelson’s Dockyard sind die Boat House Pillars, auf denen früher das Segelloft ruhte. Durch den kleinen Kanal wurden auf Langbooten die unhandlichen Segel herangebracht und nach oben in das Segelloft gewuchtet.

Die Salty Dawg organisieren eine „Rum in the Ruins“- Führung durch Teile dieses Areals, das als eines der größten Freilichtmuseen der Karibik gilt. 1889 von der Royal Navy aufgegeben, wurde es von den „Friends of English Harbours“ renoviert und 1961 wiedereröffnet. Neben der Geschichte des Hafens kommt bei der Führung auch die des Rums nicht zu kurz, zwei Rumpunsch und eine Pur-Verkostung sind auch dabei 🤪.

Aber anders als noch im Frühjahr gibt’s dafür dieses Mal beim Hike hinauf auf Shirley Height keine Rumpunsch-Belohnung, lediglich mein wegen der unchristlichen (aber weniger heißen und deshalb sinnvollen) Startzeit morgens um 7.00 Uhr mitgenommener Kaffee fließt durch die durstige Kehle.

Mit den Crews von „Escape„ und „San Giulio“ erklimmen wir den bekannten Aussichtspunkt und wandern dann weiter über den Klippenpfad zurück zum Galleon Beach.

Eine wirklich wunderschöne Tour. Überhaupt, Galleon Beach. Schon ein paar mal sind Wiebke und ich jetzt morgens mit dem SUP aus dem Inneren Hafen hinaus zu diesem Strand in der vorderen Freeman’s Bay gepaddelt, um die SUPs dort an eine kleine Boje zu binden und zu Schwimmen oder zu Schnorcheln. Frühsport halt.

Schön auch, dass sich dort an den Fragmenten alter „Hurrikan-Ketten“ gerne kleine Fische sammeln. Diese Kettenreste sind eine Herausforderung für das Ankern in der Bucht, aber eine Attraktion für Tierwelt und damit auch für uns Schnorchler.

Noch eine Woche bis zum 1. Advent.

Wirklich?

English Harbour mit der Drohne

English Harbour im Süden von Antigua ist einer der ikonischen Naturhäfen der Karibik. Sein hervorragender Schutz, auch als „Hurrican Hole“ in der Sommersaison, vor allem aber auch seine strategische Lage im Nordosten der Karibik machen ihn aus. Deshalb wählte ihn die englische Royal Navy als Seekriegshafen für die karibischen Operationen im 17. und 18. Jahrhundert und so erhielten die Buchten um den Ort Falmouth ihren Namen. Navy ist hier nicht mehr stationiert, aber die Sicherheit der Häfen zieht heute Yachten an, ebenso wie die Lage, die mit dem Nordostpassat im Rücken von hier aus quasi die gesamte Karibik erreichbar macht.

Was wir davon in COVID-Zeiten nutzen können bleibt abzuwarten, aber jedenfalls wäre es wohl seglerisch machbar.

Kleiner Nachteil: English Harbour ist zugleich Hauptort des Nelson’s Dockyard National Park, des größten Nationalparks von Antigua mit dem Unesco Weltkulturerbe „Nelson’s Dockyard“ mittendrin. Das selbst wäre wohl eher ein Vorteil, allerdings ist das Ein- oder Ausklarieren hier ist vor diesem Hintergrund automatisch mit besonderen (erhöhten) Gebühren verbunden.

Wunderschön ist es allerdings auch, insbesondere wenn wie jetzt nur vergleichsweise wenige Boote da sind und selbst der Ankerplatz der Freeman’s Bay gleich in der Einfahrt von English Harbour und unterhalb des oben auf der Klippe gelegenen historischen Aussichtspunkts Shirley Heights noch Platz genug bietet, um trotz der tückischen gegenläufigen Strömungen dem Nachbarlieger nicht zu nahe zu kommen. Die legendäre Sonntagsparty auf Shirley Heights mit Rumpunsch, Dark‘n Stormy (Rum mit Ginger Ale), Barbecue und Steeldrum Band findet derzeit covidbedingt allerdings nicht statt, auch wenn Bars und Restaurants hier sonst vor dem Hintergrund der guten Zahlen (aktuell nur 8 aktive Fälle) weitgehend geöffnet sind.

Diverse Salty Dawg Schiffe haben sich hier eingefunden, einige wenige werden noch erwartet, die ersten sind schon wieder zur Weiterreise aufgebrochen. Tatsächlich wäre es ohne die Salty Dawg noch immer extrem leer hier.

Wir werden wohl noch etwas bleiben, der Spibaum soll am Dienstag aus der Reparatur zurück sein. Mal sehen.

Derweil darf die Drohne mal wieder ran. Nicht nur für die Fotos, ein kleines Drohnen-Video über den Hafen habe ich hier eingestellt.